Originalfassungen in Bremen: 09.01.14 – 15.01.14

Neues Jahr, neue O-Töne. Oder auch nicht. Einiges lief schon bei meiner letzten Übersicht vor Weihnachten. Was in dieser Woche irgendwie fehlt ist DER große Film, auf den man lange gewartet hat. Blockbuster sucht man zur Zeit auch vergeblich. Was aber auch man ganz schön sein kann. Meine Empfehlung: Ingmar Bergmans „Abend der Gaukler“.

Zwei vom alten Schlag – Cinemaxx, Do./Sa./Di. immer um 23:15 – Rocky Vs. Jack LaMotta goes „The Sunnyboys“. Stallone geht mit DeNiro in den Ring. Klingt auf dem Papier erst einmal, aber sind die Beiden nicht wirklich schon zu alt für so etwas? Stallone ist „The Razor“ und DeNiro „The Kid“. 30 Jahre nach ihrem letzten Kampf wollen sie es noch einmal wissen.

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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty – Cinemaxx, Sa., 11.11. um 17:30 – Ben Stiller spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern inszenierte und produzierte auch dieses Remake eines Danny-Kaye-Films über einen Tagträumer.

Dhoom 3 – Cinemaxx, Do. und Mo.um 20:00 – In Indien supererfolgreicher Bollywood-Fast&furios-Klon, der nun auch in die dritte Runde geht.

Dügün Dernek – Der Hochzeitsverein – Cinemax, Do.-Mi. immer 23:00 & Kristall-Palast, Do.-Sa. immer 23:30 – Türkische Komödie. Drei Freunde entdecken, dass sich der Sohn des einen heimlich trauen lassen will.

Patron Mutlu Son Istiyor – Cinemaxx, Fr.-So. und Di. um 20:00 und 23:00, Do. um 20:00 und 23:00, sowie Mi. um 22:45 – Türkische Komödie um einen Drehbuchautor, der beim Schreiben einer romantischen Komödie eine Schreibblockade erleidet und dann selber in eine Liebesgeschichte stolpert.

Diana – Cinemaxx, Mo., 13.1. um 20:30 & Gondel, Mo./Di. um 12:00 – Bio-Pic um die „Königin der Herzen“. Regie führt der Deutsche Oliver Hirschbiegel, der den tollen „Das Experiment“ und „Der Untergang“ gedreht hat. Das Resultat soll nicht besonders toll sein, aber Naomi Watts in der Titelrolle glänzen.

Only Lovers Left Alive – Schauburg, So., 12.1. um 21:00 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom „Loki“ Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

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Inside Llewyn Davis -Schauburg, Mi., 15.1. um 19:45 – Die Coen-Brüder haben wieder zugeschlagen und präsentieren in ihrem neuen Film den bisher unbekannten Oscar Isaac als erfolglosen, aber nichts desto trotz fürchterlich egoistischen und arroganten Folksänger in den frühen 60ern.

Matterhorn – Wo die Liebe hinfällt – City 46, D./Sa./So. um 18:00 und Fr./Mo. um 20:30 – Niederländischer Film um einen Witwer, dessen langweiliges und geregeltes Leben auf den Kopf gestellt wird, als er den geistig zurückgeblieben Theo bei sich aufnimmt und diesen beibringt, wie man sich benimmt.

Abend der Gaukler – City 46, So., 12.01. um 20:30 – Ingmar Bergmans frühes Meisterwerk um einen heruntergekommenen Wanderzirkus. Vorgestellt von Schauspieler und Regisseur Rainer Iversen, Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company

Lust – City 46, Di., 14.1. um 18:00 – Ägyptischer Spielfilm um Geschichten und Träume der Bewohner einer abgelegenen Straße in Alexandria, kurz vor Beginn der Revolution.

Handfläche des Mondes – City 46, Mi., 15.1. um 20:30 – Ägyptischer Spielfilm über eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes alleine für ihre fünf Kinder aufkommen muss.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 13.01. um 21:45 Uhr

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 13.01. um 19:30 Uhr

 

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DVD-Rezension: “Die Rückkehr der Wildgänse“

Die-Rueckkehr-Der-WildgaenseNach zehn Jahren immer noch nicht wirklich in der Heimat angekommen, erfahren die vier Vietnamveteranen Roger (Christopher Connelly), Richard (Oliver Tobias), Mark (Manfred Lehmann) und James (John Steiner) von ihrem ehemaligen Vorgesetzen, dass immer noch amerikanische Kriegsgefangene in Vietnam festgehalten werden. Die vier machen sich daraufhin auf, die Sache selber in die Hand zu nehmen, und die Gefangenen zu befreien. Dies läuft auch zunächst recht glatt, doch dann werden sie von der halben vietnamesischen Armee gehetzt…

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1978 verwirklichte der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich seinen Traum von einer internationalen, mit namenhaften Stars gespickten Großproduktion. Nachdem er in den späten 60ern und vor allem in den 70er Jahren hauptsächlich mit Sexfilmen sein Geld machte – und mit Jess Franco das Frauengefängnis-Genre zu neuem Leben erweckte – sollte „Die Wildgänse kommen“ mit Richard Burton, Roger Moore und vielen anderen Stars eine neue Ära einläuten. Daraus wurde dann – auch durch Streitigkeiten mit den Mitproduzenten – leider nichts. Doch Dietrich hatte ein neues Gerne für sich entdeckt, welches er dann Mitte der 80er Jahre kräftig molk: Den Söldnerfilm. Dieser wurde nach dem Abebben der Sexfilm-Welle zu seinem neuen Standbein. Co-produziert wurden diese Filme mit Italien und meistens führte Action-Spezi Antonio Margheriti, alias Anthony Dawson, Regie. „Die Rückkehr der Wildgänse“ (dessen italienischer Titel „Mission Cobra“ lautete) ist bereits der dritte Film in dieser kleinen Reihe. Die Regie übernahm ausnahmsweise Fabrizio De Angelis, besser bekannt als „Larry Ludman“, ein sehr erfolgreicher Produzent und eher mittelbegabter Regisseur. Aus den vorangegangenen Filmen wurde der junge Manfred Lehmann (hierzulande besser bekannt als „Bruce Willis‘ Stimme“) übernommen, der damit in allen vier Söldnerfilmen dabei war.

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Internationale „Starpower“ sollen der unvermeidliche Donald Pleasence als Priester in kurzen Hosen und Christopher Connelly als Anführer des Söldner-Kommandos bringen. Während Pleasence nur kurz auftaucht, um einige rassistische Äußerungen abzulassen und die vier Kumpels an die vietnamesische Grenze zu bringen, ist Connelly der eigentlich Hauptdarsteller, auch wenn er in den Credits nur an zweiter Stelle genannt wird. An erster Stelle steht der ehemalige Schweizer Musical-Star Oliver Tobias, der in der Rolle des „Burger“ in der Londoner Aufführung des Musicals „Hair“ bekannt wurde. In Milos Foremans Filmversion wird „Burger“ von Treat Williams gegeben, dem Tobias sehr ähnlich sieht. Tobias‘ Charakter heißt „Richard Wagner“ wird im Film aber nur „Rick“ gerufen. Trotz eines recht vielversprechenden Beginns, gelang Oliver Tobias nie der große Durchbruch als Schauspieler. Heute sieht man ihn vor allem in seichten deutschen TV-Produktionen, wie „Klinik unter Palmen“ oder den Rosemund-Pilcher-Verfilmungen. In „Die Rückkehr der Wildgänse“ darf er als Rick ordentlich Gas geben und wild in der Gegend rumballern. Auch in Situationen, in denen seine Kollegen ihn um mehr Zurückhaltung bitten.

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Neben offensichtlichen Vorbildern, wie „Die Wildgänse kommen“ und vor allen Dingen „Rambo 2: Der Auftrag“ und „Missing in Action„, bedient sich „Die Rückkehr der Wildgänse“ auch ganz ungeniert bei der damals ungeheuer populären TV-Serie „Das A-Team„. Connellys‘ Roger Carson erinnert an George Pepparts „Hannibal“, während Oliver Tobias Charakter deutlich an „Mad Murdrock“ angelehnt ist, und Manfred Lehmanns Mark scheinbar eine Prollversion von „Faceman“ abgeben soll. Connelly ist eigentlich auch schon viel zu alt für seinen Part. Gerade beim scharfen DVD-Bild erkennt man doch überdeutlich die Spuren des Alters ins einem Gesicht. Dass er in Vietnam an vorderster Front gekämpft haben soll, erscheint unwahrscheinlich. Aber das ist in der Filmwelt eines Italo-Söldner-Films natürlich irrelevant. Neben den Genannten schauen noch weitere, gern gesehene Gesichter vorbei. Allen voran natürlich der stoische John Steiner, der hier in einer Szene sogar seine Skimaske aus „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ recyceln kann. Allerdings merkt man ihm an, dass er sich nicht nur unterfordert fühlt, sondern auch keine große Lust auf den Film hatte. Ebenfalls immer wieder gern gesehen ist das Eisengesicht von Gordon Mitchell, der hier einen fiesen amerikanischen General gibt. Mitchell muss in seiner Rolle nicht viel mehr tun, als stocksteif dazustehen und böse zu gucken. Diese Aufgabe erledigt er mit Bravour und wenn Mitchell böse guckt, dann kann man es schon mal mit der Angst bekommen. Luciano Pigozzi, einst der italienische Peter Lorre, ist ebenfalls kurz zu sehen und wirkt hier mehr wie der italienische Orson Welles. Auch John Waynes Sohn Ethan hat eine kleine Rolle und sorgt für einen der bleibensten Momente des Filmes. Einmal schaut sogar Enzo G. Castellari vorbei, um den ehemaligen Vorgesetzten des Wildgänse-Teams zu spielen. Schade, dass er den Film nicht auch inszeniert hat.

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Nach einem langsamen, aber soliden Start, der sich darauf konzentriert zu zeigen, wie unerwünscht sich die Vietnam-Veteranen in ihrer Heimat fühlen, freut man sich darauf, dass die Action im Dschungel von Vietnam (bzw. den Philippinnen, die wie so oft das ehemalige Kriegsgebiet doubeln müssen) beginnt. Doch gerade hier gerät der Film zu einer zähen Angelegenheit. Regisseur De Angelis verfügt leider über kein besonders gutes Gespür für Timing. Einige Szenen werden endlos ausgewalzt, während andere viel zu schnell vorbei sind. So ist z.B. die Befreiung der amerikanischen Kriegsgefangenen kurz und unspektakulär, ihre Flucht dann aber wiederum viel zu lang und lahm. Auch hilft es nicht, wenn sich die Szenen immer wieder gleichen. Ständig werden die Helden mit Sperren des Vietcongs konfrontiert, die sie dann irgendwie in die Luft sprengen. Interessante Ansätze, wie der Schockeffekt einer schönen Vietnamesin, deren Körper über und über vernarbt ist, werden kurz abgehandelt, obwohl hier durchaus Potential für eine Charakterentwicklung der Hauptfiguren bestanden hätte. Aber daran ist De Angelis nicht interessiert, und so bleiben die Protagonisten den ganzen Film über klischeehafte Abziehbilder. Erschwerend hinzu kommt noch eine wirklich übel-rassistische Synchronisation. In dieser werden alle Asiaten als „Schlitzies“ und „Gelbärsche“ bezeichnet und nahe legt, dass ausnahmslos jeder Vietnamese ein blutrünstiges Monster sei, welches nur darauf lauert, den guten Amerikanern die Kehle durchzubeißen. Doch gerade dann, wenn man den Film unter „belanglos“ abgehakt hat, gelingt es De Angelis doch noch zu überraschen. Dem Publikum wird ein überaus deprimierendes und nihilistisches Finale präsentiert, welches noch über den Abspann hinaus nachwirkt.

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Italienisch-schweizerischer Söldnerfilm, der sich weniger an „Die Wildgänse kommen“, als vielmehr „Rambo 2“, „Missing in Action“ und sogar dem „A-Team“ orientiert. Leider zum Teil etwas zäh und uninteressant inszeniert, so dass sich, trotz gerne gesehener Gesichter, das Interesse in Grenzen hält. Zudem stößt die üble Art und Weise auf, in der alle Vietnamesen als unmenschliche Monster dargestellt und generell alle Asiaten rassistisch beschimpft werden. Erst ganz zum Schluss holt Regisseur Fabrizio de Angelis einen mächtigen und unerwarteten Magenschwinger hervor, der dem Film in den letzten Minuten dann noch zu einem nachhaltigen Eindruck verhilft.

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Der legendäre Produzent Erwin C. Dietrich gründete einst das Label Ascot Elite. Nachdem hier jahrelang vor allem aktuelle und anspruchsvolle Produktionen veröffentlicht wurden, erinnert man sich nun den Schätzen aus dem Archiv und veröffentlicht diese in ihrer „Cinema Treasures“-Reihe. So wird neben „Die Rückkehr der Wildgänse“, auch bald Margheritis „Im Wendekreis des Söldners“ erscheinen. Das Bild der DVD ist recht ordentlich, bedenkt man, dass es sich hier um eine eher preiswertere 80er-Jahre-Italo-Produktion handelt. Der Ton liegt in auf Deutsch und Englisch vor. Extras gibt es keine, aber eine ausführliche Trailer-Show mit zeitgenössischen Vorschauen auf u.a. alle vier Söldnerfilme des Hauses Dietrich.

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Das Bloggen der Anderen (06-01-14)

bartonfink_type2– Traditionell beginnt das neue Jahr in der Regel mit Rückblicken auf das vergangene. So auch in den deutschen Filmblogs. Da ich nach einigen Tagen der Abstinenz irgendwo mal anfangen muss, habe ich mich entschieden, für diese Ausgabe des „Bloggen der Anderen“ mit dem 1. Januar zu beginnen. Und da fällt einem doch gleich der große Listen-Wahnsinn auf Eskalierende Träume ins Augen, wo alle eskalierenden Träumende ihre Favoriten, Entdeckungen und Enttäuschungen umfangreich dokumentiert haben. Es gibt hier viel zu lesen und zahllose Anregungen, was man sich 2014 so zu Gemüte führen sollte.

– Ebenfalls unglaublich umfangreich und dabei höchst interessant ist davids persönlicher Jahresrückblick in 11 ½ Listen auf Whoknows presents.

– Auch Floh Lieb von symparanekronemoi hat eine Top 10 erstellt und kommentiert.

– Weiter geht es mit den „Flop Five“ von luzifus auf the-gaffer.de.

– Schön komprimiert: Alexander Matzkeit hat sich die große Mühe gemacht, sich durch die „Filmblogosphäre“ zu wühlen und dutzende „Jahresbestenlisten“ auszuwerten. Das Ergebnis findet man auf real virtuality. Das Ergebnis ist jetzt nicht so überraschend und stellt natürlich einen Konsens dar, der auch dadurch beeinflusst wird, welche Filme überhaupt im Kino gesehen wurden. Eher exotische Festivalbeiträge findet man hier also fast keine. Trotzdem ein schöner Überblick, wie die vielen, vielen Bestenlisten aggregiert aussehen.

– Apropos „Filmblogosphäre“. Wie die eigentlich aussieht hat Xander auf Filmblogosphäre mittels eine Umfrage in 19 Blogs (meiner war leider nicht dabei, da ich davon nichts mitbekommen hatte, und ich weiß auch nicht genau, wie breit das Spektrum war) versucht herauszufinden. Das Ergebnis ist recht aufschlussreich.

– Oliver Nöding setzt auf Remember It For Later seine große und sehr lesenswerte Edgar-Wallace-Retrospektive fort. Besonders angetan war er von Alfred Vohrers „Der Bucklige von Soho“. Des weiteren gehört Oliver zu den wenigen Auserwählten, die am Hofbauer-Kongress in Nürnberg teilnehmen dürfen. Für die Anderen, die nicht dazugehören, hat er aber detaillierte Berichte über die dort gezeigten Filme verfasst. Aber Vorsicht: Es könnte einem das Herz bluten, diese Zelluloid-Schätzchen nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben.

– Ebenfalls auf dem Nürnberger Hofbauer-Kongress war Lukas Foerster von Dirty Laundry. Seine Sicht der Dinge findet man ab hier.

– Da ich oben Alfred Vohrer erwähnte: Ekkehard Knörer führt auf cargo ein Sehtagebuch und hat Vohrers Simmel-Verfilmung „Und Jimmy ging zu Regenbogen“ gesehen und für gut befunden. Dort ebenfalls zu finden: Thomé und Erler.

– Viele wunderschöne Filme hat Jamal Tuschick auf Hard Sensations gesehen. Louis Malles „Atlantic City“ und die beiden Melvilles „Armee im Schatten“ und „Der Chef“. Das macht gleich unbändige Lust darauf, sich diese Filme so schnell wie möglich zu Gemüte zu früheren.

– Giallo-Zeit auf Yzordderrexxiii: Mario Bavas „Hatchet For A Honeymoon“. http://www.yzordderrexxiii.de/hatchet-for-the-honeymoon-1970/

– Michel Gondry ist für einen meiner Lieblingsfilme, „Vergiss mein nicht“ (dessen Originatitel „Eternal Sunshine on a Spotless Mind“ doch so viel Poesie in sich trägt), verantwortlich und großartige Musikvideos gedreht. Leider habe ich den Mann seit „Be kind: Rewind“ etwas aus den Augen verloren. Umso schöner Rainer Kienböck als Gastautor auf Jugend ohne Film ihn noch einmal vorstellt. Patrick Holzapfel wiederum zeigt sich vom deutschen Indie-Überflieger „Oh Boy“ enttäuscht.

– totalschaden stellt auf Splattertrash das Buch „Nazi-Chic und Nazi-Trash“ von Dr. Marcus Stiglegger vor.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen haut zur Zeit eine Review nach der anderen raus. Aus der ganzen Flut habe ich mir mal „Lust für Frankenstein“ raus gepickt. Ich finde es ja wirklich toll, dass Schlombie, trotz seiner Vorbehalte gegenüber Jess Franco nicht aufgibt, dessen Filmen zu testen. Aber ich prophezeie mal: Mit Francos billiger Videoware aus dem 21. Jahrhundert wird er nicht glücklich werden. Die sind auch für Fans z.T. hartes Brot.

– Harald Mühlbeyer hat auf Screenshot ausführlich über einige Grindhouse-Filme geschrieben, die im November und Dezember im Kino Quadrat in Mannheim liefen. Dabei streift er auch das Thema Digitalisierung und 35mm. Ein sehr interessanter und informativer Text, bei dem die Filme natürlich auch nicht zu kurz kommen.

– mathiasdeepred verteidigt auf Deepreds Kino den viel gescholtenen neuen Almodovar „Fliegende Liebende“.

kitschkultklassisch bespricht euphorisch einen japanischen Film namens „Ido“. Der klingt eigentlich recht gut, aber dann habe ich bemerkt, dass „Ido“ tatsächlich der einzige Film ist, bei dem ich nach 20 Minuten entnervt das Kino verlassen habe (2005 bei Japan Filmfest in Hamburg). Trotzdem, Neugierige können ja mal reingucken.

Stubenhockerei beschäftigt sich mit dem kontroversen japanischen Schriftsteller Yukio Mishima. Zunächst mit Kon Ichikawas „Enjo“, einer Verfilmung von Yukio Mishimas Roman „Der Tempelbrand“ und dann mit Paul Schraders Bio-Pic „Mishima: A Life in Four Chapters“.

– Pen-ek Ratanaruang hat mit „Last Life in the Universe“ einen wunderschönen, ruhigen Film gedreht. Findet auch Jeannette Armborst von Mann beißt Film.

– Einer der merkwürdigsten und geheimnisvollsten J-Horror-Filme, die ich kenne ist „Uzumaki“. Der Film mit den Spiralen. Robin Schröder von Mise en cinema hat hierzu einen schönen Text verfasst.

Okaeri weist auf eine Doku über Akira Kurosawa hin, die dessen Sohn Hisau über ihn drehte und die nun auf YouTube zu finden ist.

– Einer der letzten Filme des großen Federico Fellini war „Fellinis Schiff der Träume“, der leider bisher keine Heimkino-Auswertung in Deutschland erfahren hat. Wer trotzdem wissen möchte, was uns hier dadurch entgeht, kann Sascha Noltes Besprechung auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte lesen.

– Elisabeth Maurer setzt sich auf Negativ mit Michael Bays „kleinem“ Film „Pain & Gain“ auseinander.

– Und Going to the Movies verfasst eine kleine Liebeserklärung an Ben Stiller und seinen Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“.

Dass deutscher Genrefilm nicht immer nur durch fehlende Filmförderung sabotiert wird, sondern oftmals auch einfach schlecht ist, dafür scheint laut Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de „Bela Kiss: Prologue“ ein Beispiel zu sein.

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DVD-Rezension: “Wicked Women”

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In einer Villa werden die Leichen eines nackten Paares gefunden. Die einzige Zeugin der Bluttat, Margeritta (Lina Romay) ist durch das traumatische Erlebnis schwer verwirrt und hat hat die Fähigkeit zum Sprechen verloren. Sie wird umgehend in die psychiatrische Klinik des Doktoren-Pärchens Farkas (Kurt Meinicke und Muriel Montossé) eingewiesen. Doch auch hier ist sie nicht sicher, da sich ein geheimnisvoller Mörder in der Klinik herumtreibt. Außerdem haben die Farkas, zusammen mit dem Arzt Dr. Antonio, ein ungesundes Interesse an verschwundenen Juwelen, von denen Margeritta angeblich wissen soll, wo sie versteckt sind.

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Ich bin mir nicht sicher, ob die Mitarbeiter des Labels Ascot Elite wissen, wie das Label einst entstand. Die Elite Film war die Schweizer  Produktionsgesellschaft des legendären Sexploitation-Produzenten Erwin C. Dietrich, bekannt für Klassiker wie „Die Nichten der Frau Oberst„, „Ich – ein Groupie“ oder die „Blutjunge Verführerinnen„-Reihe. Ascot war später, als Nachfolger das Avis, sein Standbein in Berlin, von wo aus der Vertrieb seiner Filme in der Bundesrepublik und viele internationale Co-Produktionen organisiert wurden. 1975 ging Dietrich eine kurze Partnerschaft mit dem spanischen Regisseur Jess Franco ein. Dieser sollte seinen Produktionen einerseits ein internationales Flair geben, und stand darüber hinaus in dem Ruf, schnell und kostengünstig zu arbeiten. In der Folge drehte Franco 14 Filme für den Schweizer. Die Bekanntesten dürften „Jack the Ripper“ mit Klaus Kinski und der berüchtigte „Frauengefängnis“ mit seiner Muse Lina Romay sein. Letzterer trat eine ganze Lawine ähnlich gelagerter Filme (das Gerne wird kurz „W.I-P.“ = Women in Prison“ genannt) los. Auch „Wicked Women“ (oder „Frauen ohne Unschuld“, wie er bei früheren Veröffentlichungen hieß) war einer davon. Zwar spielt der Film in keinem Frauengefängnis, doch Personal und Struktur des Filmes ist mit dem der W.I.P.-Filme identisch. Ein unschuldige Schönheit gerät in Schwierigkeiten und wird von einer skrupellosen Exekutive (in der Regel Militärpolizei, hier die Mitarbeiter eines örtlichen Irrenhauses) hinter Gitter gebracht, wo sie auf einen Haufen durchgeknallter und gerne auch lesbisch veranlagter Miteinsitzender trifft. So dann auch hier, nur das das Gefängnis ein Irrenhaus ist. Dies gibt dem Franco’schen Frauengefängnis-Stammpersonal (u.a. wieder Peggy Markoff und Esther Studer) die Gelegenheit, noch mehr als sonst ihre Rollen zu überziehen und ordentlich auf den Putz zu hauen. Für die markante Markoff war dies die letzte Filmrolle. Soweit die Internet-Recherche nicht trügt und es keine zufällige Namensgleichheit ist, scheint sie in den letzten Jahren eine Karriere als Sängerin von Liedern aus den 20er und 30er Jahren gestartet zu haben.

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Wie immer wurden alle Schauspieler nachsynchronisiert und die Texter der deutschen Fassung lassen keine Gelegenheit aus, noch mal einen oben draufzusetzen. Oftmals erkennt man deutlich, dass die Tonspur noch munter weiterplappert, während die Münder der angeblich Sprechenden schon lange geschlossen sind. Was da dann an Obszönitäten und Albernheiten rauskommt, reicht eigentlich für zwei Filme. „Frauen ohne Unschuld“ war einer der letzten Filme, die Franco für Dietrich drehte und hier packt er noch einmal alles rein, was möglich ist. Da gibt es einen maskierten Killer mit langem Messer, eine Schmuggler-Geschichte mit blutigem Ausgang, das Irrenhaus als pittoresken Schauplatz, intrigante Schurken und natürlich viel, viel Sex. Dieser unterbricht ständig die rudimentäre Handlung und ist Dreh- und Angelpunkt des Filmes. Natürlich sind wieder alle Frauen potentiell lesbisch und dauergeil. Die Männer entweder Bösewichte oder/und Schlaffis, die sich von den dominanten Frauen um den Finger wickeln lassen. So etwas wie Spannung will bei der Krimigeschichte nicht aufkommen. Man genießt das typische Jess-Franco-Panoptikum und lässt sich von ihm durch den Film spülen. Immer in der Position des Voyeurs.

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So gerät dann auch der letzte Teil des Filmes, in dem die Vorgeschichte aufgerollt wird, zur Geduldsprobe. Vorbei der Wahnsinn der verrückten Frauen im Irrenhaus, kein maskierter Killer mehr und nackte Opfer, die von Dachbalken hängen. Franco konzentriert sich in weichgezeichneten Bildern ganz auf die Menage-a-trois zwischen der unschuldigen Touristin Lina Romay und dem Schmugglerpärchen – und natürlich auf ausgedehnte Sexszenen. Immerhin mit Lina Romay. Diese stellt im Film meistens ihre, aus „Greta – Haus ohne Männer“ bekannte, Kurzhaarfrisur zur Schau. Diese gereicht ihr hier aber nicht zum Vorteil gereicht, da die Romay, im Vergleich zu „Greta“, doch einige Pfunde mehr mit sich herum trägt und nicht mehr das harte, jungenhafte Aussehen aus dem anderen Film hat. Für die Vorgeschichte trägt sie dann eine schwere Perücke. Trotz der in diesem Teil schön gefilmten Bilder (Kamera: Peter Baumgartner), schaut man hier doch häufiger einmal auf die Uhr.

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Neben Lina Romay ist die Spanierin Muriel Montossé als Klinikleiterin und Schurkin zu sehen. Sie spielt hier unter dem Pseudonym Nanda van Bergen. Im Jahr zuvor hatte sie noch als Vicky Adams ihr Film-Debüt in „Der Ruf der blonden Göttin“ (ebenfalls eine Dietrich/Franco-Kollaboration) gegeben. Und irgendwas scheint in diesem Jahr mit ihr passiert zu sein. Sie wirkt blasser und klobiger. Zudem meint es die DVD-Technik, die den Bildern eine exzellente Schärfe verleiht, nicht gut mit ihr. Zu deutlich sieht man die Narben einer Brust-Vergrößerung. Schade, um diese eigentlich sehr schöne Frau, die noch bis Mitte der 80er mit Franco drehte. Ebenfalls mit dabei ist auch Michael Maien, der vom Ende der 60er bis in die 70er Jahre in diversen Exploitationfilmen mitwirkte. U.a. in Olsens „Das Stundenhotel von St. Pauli„, wo er einen ähnlich zwielichtigen Charakter wie hier verkörperte. Maien war noch bis Mitte der 80er in diversen „Derrick“ und „Der Alte„-Folgen zu sehen, dann verliert sich seine Spur. Prominent wird auch mit dem Namen der Belgierin Monica Swinn geworben. Diese hat sehr häufig mit Franco zusammengearbeitet. Zumeist spielte sie dabei sadistisch veranlagte Charaktere, wie die Direktorin in „Frauengefängnis“, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier hat sie nicht viel zu tun und wird zudem durch eine riesige Sonnenbrille und unpassende Perücke entstellt. Nach „Frauen ohne Unschuld“ drehte sie nur noch wenige Filme und verschwand dann 1982 ganz von der Bildfläche, um sich Theaterarbeit zu widmen. Allerdings hat sie laut IMDb eine Rolle in dem neuen Film von Peter Strickland („Berberian Sound Studio„), „The Duke of Burgundy“ bekommen. Man darf gespannt sein, zumal sie dort den Rollennamen „Lorna“ (den Franco seinen Figuren auch gerne gab) bekommen hat.

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In „Frauen ohne Unschuld“ wird das Frauengefängnis gegen ein Irrenhaus für weibliche Patienten ausgetauscht, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Eine dünne Krimihandlung wird mit einem gialloesquen Killer, verrückten Weibern und viel, viel Sex aufgebauscht. Wenn der Film im letzten Drittel diese Elemente zugunsten eine schön gefilmten Menage-a-trois Geschichte vernachlässigt, wird es schnell etwas langweilig. Für Franco-Fans und Lina-Romay-Verehrer trotzdem ein Muss. Alle anderen seien vorgewarnt.

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Nachdem der Film bereits in einer „The Official Jess Franco Collection“ als „Frauen ohne Unschuld“ erschienen ist, hat Ascot Elite ihn nun im Rahmen einer sogenannten „Jess Franco Golden Goya“-Reihe, zusammen mit anderen Franco/Dietrich-Kollaborationen, noch einmal neu veröffentlicht. Das besondere dabei ist, dass der Film auch auf Blu-ray erschienen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor, Extras gibt es leider (bis auf den Trailer und eine Fotogallerie) keine.

Die Abstastung dürfte neu sein. Anbei ein Bildvergleich zwischen der alten „The Official Jess Franco Collection“ (links) und der neuen „Jess Franco Golden Goya Collection“ (rechts).

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Blu-ray-Rezension: „Castle Freak“

Castle-Freak_Blu-ray_cover (Vorbemerkung: Da ich noch immer keinen guten Weg gefunden habe, wie man Screenshots von Blu-rays macht und mir keine offiziellen Pressefotos vorliegen, verzichte ich in diesem Fall auf eine reichhaltige Bebilderung der Rezension)

Der Amerikaner John Reilly (Jeffrey Combs) erbt überraschenderweise ein Schloss in Italien. Kurzentschlossen macht er sich mit seiner Ehefrau Susan (Barbara Crampton) und seiner Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) auf, um das Schloss in Augenschein zu nehmen, und einen möglichst schnellen Verkauf in die Wege zu leiten. Zudem hofft er, dass sich die Beziehung zu seiner Frau wieder normalisiert. Vor Jahren hatte er durch eine alkoholisierte Autofahrt einen Unfall gebaut, der seinem 5-jährigen Sohn das Leben und seiner Tochter das Augenlicht kostete. Bald schon hat die Familie das Gefühl, im Schloss nicht allein zu sein, denn immer häufiger hören sie seltsame Geräusche. Was sie nicht wissen: Diese stammen von einer Kreatur, die von der Vorbesitzerin 40 Jahre lang im Verlies eingesperrt und gequält wurde. Und dieser „Castle Freak“ hat sich nun aus seinem Gefängnis befreien können…

Nach dem großen Erfolg von „Re-Animator“ und dem schönen, aber leider weniger erfolgreichen, „From Beyond“ (Review hier), stellt „Castle Freak“ die dritte Zusammenarbeit des Trios Stuart Gordon-Jeffery Combs-Barbara Crampton dar. Mit Drehbuchautor Denis Paoli, Filmkomponist Richard Band, sowie den beiden Produzenten Albert und Charles Band sind sogar noch weitere Mitstreiter aus den vorangegangenen Filmen an Bord. Trotzdem erreichte „Castle Freak“ nie die große Popularität, deren sich die beiden anderen Zusammenarbeiten erfreuen. Dies verwundert etwas, hat doch auch „Castle Freak“ seine Qualitäten, nur liegen diese in einem vollkommen anderen Bereich. Waren sowohl „Re-Animator“, als auch „From Beyond“, grandiose Geisterbahnfahrten mit Hektolitern an Blut und Schleim, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kam, ist „Castle Freak“ stockernst und setzt mehr auf eine sich langsam aufbauende Atmosphäre, als auf fröhlichen Splatter.

Beibehalten wurde aber das Lovecraft-Element. Wie die Vorgänger beruht der Film auf einer Geschichte des amerikanischen Autoren Howard Philips Lovecraft, um die herum Gordon und Drehbuchautor Paoli sehr frei eine völlig neue Geschichte gestrickt haben. Lovecrafts Kurzgeschichte „The Outsider“ handelt von einem Wesen, welches allein in einem Schlosses lebt, dies irgendwann verlässt, nur um wenig später mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert zu werden, und zu erkennen, dass es ein Monster ist. Diese Geschichte wird rudimentär auch in „Castle Freak“ verwendet, aber statt der Reaktion des Monsters, zeigt Gordon nur den zertrümmerten Spiegel.

Das Monster selbst wird zunächst gut versteckt und man kann nur erahnen, welche schrecklich zugerichtete Kreatur sich unter dem blutigen Laken verbirgt. D.h., wenn man nicht zuvor einen Blick auf das DVD-Cover geworfen hat, welches den „Freak“ in all seiner Pracht zeigt und damit den großen Schockeffekt des Filmes verpuffen lässt. Dies war schon bei der alten VHS-Veröffentlichung der Fall, auf der groß „mit Splatter-Garantie“ prangte. Nun, von einem Blutbad wie „Re-Animator“ ist „Castle Freak“ weit entfernt und mehr im Gothic Horror, denn im Splatterfilm verhaftet. Trotzdem war es schon damals überraschend, dass der Film ohne Kürzungen veröffentlicht wurde. Man erinnere sich: Anfang der 90er Jahre hatte das wilde „Enteiern“ von Horror- und Actionfilmen gerade seinen Höhepunkt erreicht. Zwar ist „Castle Freak“ nicht über die Maße blutig, aber stellenweise doch ziemlich brutal und in seinen sexuell aufgeladenen Grausamkeiten recht unangenehm. Hier sei nur auf die Szene verwiesen, in welcher der Freak einem weiblichen Opfer zunächst eine Brustwarze abbeißt und später die Vagina des noch lebenden Opfers verspeist. Letzteres wird natürlich nicht explizit gezeigt, ist aber doch sehr eindeutig.

Trotz seines abstoßende Äußeren und grausamen Handlungen, kann der Zuschauer so etwas wie Mitleid für den Freak hegen. Wird er doch gleich zu Anfang als Opfer einer herzlosen und ihn mit einer Peitsche misshandelnden Mutter eingeführt. Auch seine späteren Verbrechen scheinen vor allem darauf zurückzuführen zu sein, dass er nie Liebe erfuhr und einfach nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Mehr als einmal wird angedeutet, dass seine Morde schrecklich aus dem Ruder gelaufene Versuche sind, so etwas wie Zuwendung zu zeigen. Hier kommt ein Element zu tragen, wie man es aus dem 1930er „Frankenstein“ kennt, wenn das Monster in aller Unschuld das kleine Mädchen ertränkt. Etwas gezwungen wirkt hier die Dopplung zwischen dem Freak und dem Sohn von Jeffrey Combs Charakter, welcher durch die Schuld seines Vaters starb. Ganz klar soll hier das Monster als Metapher für verdrängter/unverarbeiteter Vergangenheit fungieren, die das normale Leben der Hauptperson bedroht. Allerdings wird dieses Motiv in „Castle Freak“ fast schon zu deutlich, und damit etwas aufdringlich, verwendet.

Auf Seiten der Schauspieler neigt Jefferey Combs wieder einmal dazu, etwas zu euphorisch zu agieren. Etwas, was seinen Figuren in „Re-Animator“ und „From Beyond“ gut tat, hier hätte man sich allerdings etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Barbara Crampton bekommt nicht viel Gelegenheit ihre Rolle auszudifferenzieren. Die meiste Zeit ist sie die ständig nörgelnde, und damit recht unsympathische Ehefrau. Auch sieht man ihr recht deutlich an, dass seit „From Beyond“ fünf Jahre vergangen sind. Sie wirkt merkwürdig schnell gealtert. Ist dies der Grund dafür, warum eine Gelegenheit, sie – wie in den beiden anderen Lovecraft-Verfilmungen – oben ohne zu zeigen, beinahe verschämt übergangen wird? Erst am Ende des Filmes darf die Crampton etwas mehr Einsatz zeigen. Gleiches gilt für die Debütantin Jessica Dollarhide, deren einzige Filmrolle dies bleiben sollte. Auch sie spielt sehr farblos und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. So lebt der Film vor allem vom Freak, der von dem Theaterschauspieler Jonathan Fuller gespielt wird, welcher auch in anderen Produktionen ähnliche Rollen übernahm. Blickfang ist dabei natürlich erst einmal die fantastische Maske und das überraschend freizügige Kostüm. Doch auch darüber hinaus schafft es Fuller, dem Freak echtes Leben und eine Seele einzuhauchen.

Gedreht wurde in Italien. Das titelgebende Schloss befindet sich in Giove/Umbrien und soll angeblich der Familie Band gehören, die dort auch Stuart Gordons „Meister des Grauens“ (ebenfalls mit Combs und von Paoli geschrieben) produzierte. Generell fühlt sich der Film stark nach einem Film aus der späten Phase des italienischen Horrorfilm an. Die Bilder sind gräulich-blau gehalten, wie man es z.B. aus den späten Fulci-Filme kennt, und auch eher rau, statt elegant. Dabei befindet sich hinter der Kamera ein wahrer Meister: Mario Vulpiani, der nicht nur viele Italo-Western fotografierte, sondern vor allem auch Marco Ferraris Meisterwerk „Das große Fressen“.

Wer eine Geisterbahnfahrt im Stile von „Re-Animator“ erwartet, wird vom weitaus ernsteren und langsameren „Castle Freak“ wahrscheinlich erst einmal enttäuscht sein. Der Film nimmt sich Zeit seine Geschichte aufzubauen, und erlaubt sich den heute leider selten gewordenen Luxus, sein hervorragend gestaltetes Monster nicht gleich zu zeigen. Mehr Gothic Horror als Splatter, überrascht „Castle Freak“ mit einigen harten und schmerzhaften Szenen.

Die von CMV veröffentlichte Blu-ray hat ein sehr gutes Bild, bedenkt man, dass das Filmmaterial schon älter ist und es sich bei „Castle Freak“ um eine Low-Budget-Produktion handelt. Als Extra ist ein knapp 10-minütiges, zeitgenössisches „Behind the scenes“ von der Art, wie man sie früher bei Videokassetten mit Band-Produktionen häufig hinter dem Hauptfilm fand, enthalten. Als besonderer Bonus zum 15-jährigen CMV-Jubiläum lag meiner Blu-ray noch eine DVD mit dem Film „Die Wurmfresser“ bei.

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DVD-Rezension: “Eden und danach”

Eden und danach

Das Café Eden ist der Treffpunkt einiger Studenten, die sich dort nach ihren Vorlesungen die Zeit mit merkwürdigen Rollenspielen und Ritualen vertreiben. Eines Tages taucht ein Fremder (Pierre Zimmer) im Café Eden auf und fasziniert die Studenten mit Zaubertricks und Erzählungen. Der Studentin Violette (Catherine Jourdan) verabreicht er ein mysteriöses Pulver, welche sie in Angstzustände versetzt. Am Ende des Abends verabredet sich Violette mit dem Fremden. Am vereinbarten Treffpunkt findet sie seine Leiche und wird von merkwürdigen Visionen heimgesucht. Violette geht mit ihren Kommilitonen ins Kino, wo sie sich gemeinsam einen Film über Nordafrika ansehen. Plötzlich befindet sich Violette in diesem Film und trifft dort nicht nur den Fremden wieder, sondern in unterschiedlichen Rollen auch ihre Freunde…

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„Kino – Realität – Mein Leben“ mit diesen Worten endet die Einleitung zu Alain Robbe-Grillet filmischem Rätsel „Eden und danach“. Die emotionslos gesprochenen Worte, die Verbindung Leben – Kino, das erinnert natürlich sogleich an Jean-Luc Godard. Auch die aseptische, künstliche Umgebung in der der Film beginnt, das Café Eden, lässt zunächst an die Filme Godards aus den späten 60ern denken. Alles ist bewusst künstlich und theaterhaft gehalten. Die Wände sind als Labyrinth arrangiert und mit popkulturellen Hinweisen bestückt. Doch hier endet auch die Vergleichbarkeit zwischen einem Godard-Film und diesem Werk des französischen Schriftstellers und Filmemachers Alain Robbe-Grillet. Während Godard einen brechtschen Verfremdungseffekt nutzte, um politische Statements und philosophische Kommentare plakativ zu unterstreichen, geht es Robbe-Grillet mehr um die Verfremdung an sich und das Herausstellen von Ritualen. So wird das Café von den Studenten in der Tat als Theater für ihre kleinen Spielchen und Stücke verwendet. Dadurch verwandelt sich das Café gleich in doppelter Hinsicht zur Bühne. Für die Spielenden für ihre Spiele, genauso wie für den Zuschauer, der sie bei diesen beobachtet. Bereits hier setzt das Prinzip der Dopplung ein, welches Robbe-Grillet bei diesem Film konsequent verfolgt. Alles findet seine doppelten Entsprechungen später im Film, der sich in eine Hälfte im Café und eine Hälfte in Tunesien spaltet. Die abstrakten Spiele im Café werden später in Tunesien ihre bebilderte Entsprechung finden, ebenso wie Personen, Gegenstände und Symbole.

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In einem sehr aufschlussreichen Interview, welches dankenswerterweise mit auf der vorzüglichen DVD aus dem Hause Donau-Film enthalten ist, erklärt Robbe-Grillet seine Herangehensweise mit zwei Arten der neuen Musik. „Eden und danach“ hat er wie ein serielles Musikstück aufgebaut. „Serielle Musik wird nach strengen Regeln komponiert. Die Kompositionstechnik basiert auf dem Versuch, möglichst alle Eigenschaften der Musik, wie zum Beispiel Tondauer, Tonhöhe und Lautstärke, auf Zahlen- oder Proportionsreihen aufzubauen. Diese Idee einer musique pure entspringt dem Wunsch, eine Musik von möglichst großer Klarheit hervorzubringen, frei von Redundanz, Unbestimmtheit und der Beliebigkeit des persönlichen Geschmacks.“ (Quelle: Wikipedia). Genauso geht auch Robbe-Grillet vor. Er setzt Szene an Szene und wiederholt darin Elemente, die schon zuvor im Film vorkamen. Laut William F. Van Wert, der in „Pioniere und Prominente des Modernen Sexfilms“ zitiert wird, legt Robbe-Grillet den Film als eine Serie von 10 Abschnitten an, in denen sich die 12 Themen des Filmes jeweils wiederfinden. Dies führt zwar dazu, dass eine konventionelle Handlung nicht mehr erkennbar ist, und der Zuschauer die Bilder und Filmelemente „pur“, also ohne Einbettung in eine bewertende Geschichte, aufnimmt. Somit bleibt es auch ganz ihm überlassen, was er daraus macht.

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Dies ist die Idee hinter dem Nouveau Roman, einer literarischen Stilrichtung zu dessen Vertretern Robbe-Grillet gehörte. Hierbei werden „Aspekte des konventionellen Romans wie eine stringent-chronologische Erzählführung, eine individuelle Charakterisierung der Figuren und Subjektivität nicht berücksichtigt und der Vorstellung von Literatur als einer moralischen oder politischen Kraft entgegentritt. Anmerkung: Hier findet sich also auch der Gegensatz zu Godard, der ja Film als politische Kraft Kraft verstand. Die Autoren des Nouveau Roman versuchen die Welt aus einer möglichst neutralen Erzählposition zu schildern, die nur das Sichtbare aufnimmt. Relevant ist dabei nur die Oberflächlichkeit der Dingwelt, zu deren Bedeutung nicht mehr vorgestoßen werden kann. Allenfalls dem Leser bleibt die Auffindung von Sinn überlassen.“ (Quelle: Wikipedia) „Eden und danach“ ist somit eine konsequente Überführung des Nouvau Romans in das Medium des Films.

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Noch deutlicher wird dies beim Gegenstück zu „Eden und danach“, dem experimentellen „N. a pris les dés…“, welcher ebenfalls auf dieser 2-Disc Special Edition enthalten ist. Hier wiederum verwendete Robbe-Grillet, wie er im Interview erklärt, das Prinzip der Aleatorik. „Aleatorik (von lat. aleatorius „zum Spieler gehörig“, alea „Würfel, Risiko, Zufall“) wird in Musik, Kunst und Literatur im weitesten Sinne die Verwendung von nicht-systematischen Operationen verstanden, die zu einem unvorhersehbaren, zufälligen Ergebnis führen. In der Musik können diese Zufallsoperationen sowohl auf der Ebene der Komposition als auch auf der als deren Fortsetzung aufgefassten Ebene der Interpretation angewendet werden und z. B. die Art und Anzahl der Instrumente, die Dauer des Stückes, die Reihenfolge einzelner Abschnitte oder das Tempo betreffen.“  (Quelle: Wikipedia) Nicht umsonst heißt dieses Stück „N. wirft die Würfel“. Robbe-Grillet nahm das gefilmte Material für seinen Film „Eden und danach“, zerschnitt es und ordnete es nach dem Zufallsprinzip neu an. Das Ergebnis ist noch „unverständlicher“ als „Eden und danach“. Dem Zuschauer wird gar nicht erst die Chance eingeräumt, eine Handlung oder einen tieferen Sinn zu erkennen. Er wird mit den Bildern allein gelassen, gezwungen loszulassen und sich ganz dem Bilderrausch hinzugeben. Louis Malle hat etwas Ähnliches mit „Black Moon“ versucht, der aber im Vergleich „N. a pris les dés…“, und auch „Eden und danach“, weitaus erzählerischer ausgefallen ist.

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Bei den Bildern seines ersten Farbfilms orientierte sich Robbe-Grillet an der Farbpalette des großen surrealistischen Malers Rene Magritte, dem er in „Die schöne Gefangene“ ein Denkmal setzen sollte. Insbesondere im Tunesien-Teil dominieren die Farben hellblau, braun und weiß, hier und da durchsetzt mit einem kräftigen Rot. In seine Szenen baut Robbe-Grillet immer wieder Verfremdungseffekte ein, spielt mit Blut- und Sperma-Symbolen, zeigt S/M- und Fetisch-Fantasien und lässt Gegenstände Aussehen und Beschaffenheit ändern. Zentrum des Ganzen ist die umwerfende Catherine Jourdan, deren Schönheit und schlafwandlerisches Spiel einen augenblicklich in den Bann zieht. Mit ihr und um sie herum schafft Robbe-Grillet ikonische Bilder, die einem nicht mehr aus dem Kopf wollen. Wenn sie im Meer badet und sich ihr Kleid an den darunter nackten Körper schmiegt, oder sie vor einem Feuer am Strand tanzt. Catherine Jourdan ist das Aorta des Filmes, die das Blut in alle Körperteile pumpt. Sie macht den Film nicht nur zu einer intellektuellen, sondern auch zu einer ausgesprochen sinnlichen Erfahrung.

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„Eden und danach“ bietet keine nachvollziehbare Handlung, sondern ist ein experimentelles und kompositorischen Regeln unterworfenes Spiel mit Bildern und Themen. Wer dies akzeptiert und Freude am Dechiffrieren von Hinweisen und Symbolen hat, dem wird dieser Film gefallen. Man kann sich aber auch ohne Kenntnis der Hintergründe einfach in die surreale Bilderwelt Robbe-Grillets fallen lassen. Die bezaubernde Catherine Jourdan macht einem leicht, sich von dem Strom der Assoziationen mitreißen zu lassen.

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Die 2-Disc Collector’s Edition aus dem Hause Donau Film trägt im Titel „Alain Robbe-Grillet #1“, was darauf schließen lässt, dass hier noch weitere Titel des bisher in Deutschland sträflich vernachlässigten Künstlers erscheinen werden. Wie man aus zuverlässiger Quelle hörte, sollen dies der bisher in Deutschland unveröffentlichte „Glissements progressifs du plaisir“ und Robbe-Grillets letzter Film „Der Ruf der Gradiva“ (lief bisher nur einmal im Original mit Untertiteln auf arte) sein. Das ist schon mal großer Grund zur Freude, wie überhaupt die DVD wunderbar aufgemacht ist. Neben dem Hauptfilm „Eden und danach“ befindet sich auf einer zweiten DVD noch das „Gegenstück“ „N. a pris les dés…“, sowie ein 30-minütiges Interview mit Alain Robbe-Grillet, welches scheinbar für das französische Fernsehen aufgezeichnet wurde, und welches sehr interessante Statements enthält, die das Verständnis des Filmes etwas vereinfachen und auch einen interessanten Einblick in das Denken Robbe-Grillets werfen. Abgerundet werden die Extras von einem ausgezeichneten 16-seitgen Booklet von Dr. Marcus Stiglegger (der bereits in dem empfehlenswerten, aber leider vergriffenen, englischsprachigen Kompendium „Eyeball“ einen hochspannenden Artikel über den Robbe-Grillet veröffentlicht hat), welches die Person Robbe-Grillet, sein filmisches Werk, aber auch seine literarische Bedeutung beleuchtet. Ein paar kleinere Abstriche muss man beim Bild machen, welches oftmals so wirkt, als ob man durch ein leichtes „Grisselmuster“ sieht. dies fällt allerdings nur auf, wenn man recht dicht vor dem Bildschirm sitzt. „Eden und danach“ besitzt eine deutsche Tonspur, kann aber auch auf Französisch mit deutschen Untertiteln geschaut werden. „N. a pris les dés…“ liegt auf Französisch mit deutschen Untertiteln vor.

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Meine (nicht repräsentativen) Tops & Flops 2013

Wie in meinem ganz persönlichen Jahresrückblick geschrieben, war es für mich ein außergewöhnlich aufregendes Jahr. Weshalb mir die Zeit zum Filmegucken leider fehlte, und mein Filmkonsum auf einem (für meine Verhältnisse) erschreckenden Minimalwert gerutscht ist. Von daher kann man bei meiner Liste, noch weniger als in den Vorjahren, von einer „Bestenliste“ sprechen, da ich das Gefühl habe, gerade die „Besten“ verpasst zu haben. Da ich es dieses Jahr auch so gut wie gar nicht ins reguläre Kinoprogramm (von Festivals ganz zu schweigen) geschafft habe, nehme ich in die Top10 für 2013 auch Videopremieren mit auf. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass aufgrund der relativ geringen Anzahl der zu bewertenden Filme, es viele in die Top10 geschafft haben, die dort unter „normalen Umständen“ vielleicht nicht anzufinden gewesen wären.

Mein Top 10-Kinofilme/-Videopremieren 2013:

act_of_killing1. The Act of Killing (Joshua Oppenheimer)– Review hier.

2. Only God Forgives (Nicolas Winding Refn) – Der Film wird ja sehr häufig angefeindet, und ich kann die schlechten Kritiken nachvollziehen. Trotzdem hat der Film mich auf eine merkwürdige Reise mitgenommen und eine Saite zum Schwingen gebracht, die ich rational nicht erklären kann. Vielleicht mag ich ihn auch deshalb so gerne, weil er in der Regel eben soviel einstecken muss, wie seine armselige Hauptfigur.

3. Django Unchained (Quentin Tarantino) – Noch so ein Film, der gerne verrissen wird. Ich habe mich aber über die vollen 2,5 Stunden bestens amüsiert und fühlte mich sowohl gut, als auch intelligent unterhalten. Was will man mehr?

4. Maniac (Franck Khalfoun) – Review hier.

5. Gravity (Alfonso Cuarón) – Endlich einmal ein Film, für den sich der 3D-Aufschlag lohnt. Imposante, mitreißende Bilder.

6. Vanishing Waves (Kristina Buozyte)- Review hier.

7. Across the River (Lorenzo Bianchini) -Aus einem Minimum ein Maximum an Horror und Spannung heraus geholt. Gefiel mir.

8. John Dies At the End (Don Coscarelli) – Review hier.

9. I Declare War (Jason Lapeyre/Robert Wilson) – Review hier.

10. Autumn Blood (Markus Blunder)– Review hier.

 

Top 10 Wieder- oder Neugesehen

black book1. Das schwarze Buch (Anthony Mann, 1949) – Review hier

2. Bronson (Nicolas Winding Refn, 2008) – Ja, auch dieses Jahr sind meine Listen wieder Nicolas Winding Refn-lastig. Aber bis auf „Bleeder“ habe ich jetzt alle durch, wodurch die Chance, dass das nächstes Jahr wieder so aussieht, relativ gering ist.

3. Blut an den Lippen (Harry Kümel, 1971)– Review hier

4. Femina ridens (Piero Schivazappa, 1969) – Review hier.

5. Singapore Sling (Nikos Nikolaidis, 1990) –Review hier.

6. Pusher II (Nicolas Winding Refn, 2004)– Mein Liebling in der Pusher-Trilogie und eine Sternstunde für Mads Mikkelsen.

7. Mondomanila (Khavn, 2010)– Ein Film, der mich wirklich geschockt hat. Khvan hält voll drauf auf das Elend und trotzdem hat man nicht das Gefühl, Elendes-Voyeurismus zu frönen. Radikal und böse.

8. Der Räuber (Benjamin Heisenberg, 2010)– Gutes und intensives deutschsprachiges Genrekino.

9. Zelig (Woody Allen, 1983) – Er will doch nur dazugehören. Kennen wir das nicht alle?

10. Wesele (Wojciech Smarzowski, 2004)– Sehr böse polnische Satire auf Korruption, Gier, Macht und vieles mehr.

 

Die schlechtesten 5 (ich habe zwar noch mehr schlechte Filme gesehen, aber die haben Spaß gemacht. Über diese hier habe ich mich entweder geärgert oder war maßlos gelangweilt)

Red-Sword1. Red Sword (Naoyuki Tomomatsu) – Aus einem ultra-trashigen, aber witzigen, Rotkäppchen-gegen-Werwölfe-Film wird plötzlich ein billiger Softporno, der nicht nur durch seine schier unendliche, langweilig gefilmte Sexszene nervt, sondern vor allem durch die widerlichen sexistischen Sprüche, die die Macher ihren Figuren in den Mund gelegt haben.

2. Frankenstein’s Army (Richard Raaphorst) – Review hier.

3. Gallowwalkers (Andrew Goth) – Review hier.

4. Wild 7 (Eiichirô Hasumi) – Review hier.

5. Afterparty (Miguel Larraya) – Review hier

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Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2013

Und wieder ist ein Jahr vergangen. Das Filmforum Bremen hatte im November sein 5-jähriges Bestehen gefeiert – oder vielmehr nicht gefeiert. Der Stichtag war mir nämlich glatt durch die Lappen gegangen und nachträglich wollte ich dann auch keine große Sache mehr draus machen. Darum der 5-Jahre-Rückblick im Ultrakurz-Format: Es hat sich eine ganze Menge seit dem November 2008 getan, ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit der Entwicklung und gespannt, was die Zukunft noch bringt.

Kommen wir zum Jahr 2013, welches für mich ein ganz Besonderes war und mein bisheriges Leben gehörig umkrempelt hat. Am 18. März kamen unsere Zwillinge zur Welt und bilden seitdem den absoluten Lebensmittelpunkt bei uns, um den alles und alle rotieren. Die Zeit ins Kino zu gehen, oder in Ruhe eine DVD zu gucken, sind bis auf weiteres erst einmal Vergangenheit. Tatsächlich kann ich meine „echten“ Kinobesuche an einer Hand abzählen. Auch mein Heimkino-Konsum ist auf den niedrigsten Stand gefallen, an den ich mich erinnern kann. Eigentlich gucke ich nur noch Filme, die ich für den Blog besprechen möchte. Links und rechts davon fehlt mir (leider!) einfach die Zeit. Aber ähnliches gilt auch für Bücher und Musik. Na, vielleicht wird das ja irgendwann mal wieder besser. Auch wenn ich für diese Hoffnung von erfahrenen Vätern oftmals ein mitleidiges Lächeln ernte. Dementsprechend sind auch einige Projekte, an denen ich mich dieses Jahr gerne versucht hätte, auf der Strecke geblieben. Immerhin schaffe ich es aber, den Blog hier am Laufen zu halten, was manchmal ein echter Kraftakt ist, aber mir sehr am Herzen liegt.

Meiner lieben Frau habe ich es zu verdanken, dass ich mich trotz Alarmstufe Rot Zuhause, zu einigen Events weg stehlen zu können, die mir sehr wichtig waren. So konnte ich nicht nur das Internationale Filmfest in Oldenburg besuchen und zu „Monster machen mobil 3“ nach Hamburg fahren, sondern auch an einer Veranstaltung teilnehmen, die mir wirklich sehr, sehr wichtig war: Das vierte offizielle Forentreffen von Deliria Italiano in Magdeburg, über das ich hier berichtet habe. Danke, meine liebe Frau, dass Du mir das möglich gemacht hast. Ich hatte – ehrlich gesagt –damit gar nicht mehr gerechnet.

Auch 2013 habe ich mit viel Herzblut zusammen mit Stefan wieder die Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino zusammengestellt. Das hat wieder eine ganze Menge Spaß gemacht, vor allem, weil die Zusammenarbeit mit Stefan wirklich super ist, und er auch immer wieder tolle Filme ausgräbt, die ich vorher gar nicht auf dem Radar hatte. Zudem konnte ich mir Jahrzehntelang gehegte Wünsche erfüllen, wie die 35mm Vorführungen von „Der Killer von Wien“, „Sie tötete in Ekstase“, „Im Augenblick der Angst“ und „Das Stundenhotel von St. Pauli“. Getrübt wurde diese Freude nur durch die mehr als dürftigen Zuschauerzahlen, die auch mal im einstelligen Bereich pendelten. Ich weiß es auch nicht – gibt es in Bremen kein Publikum für etwas abseitiges Kino? Oder erreichen wir die Leute nur nicht? Gut, die Publicity-Unterstützung seitens des Kinos ist -vor allem im zweiten Halbjahr – eigentlich nicht existent (eine kleine Notiz im Fließtext ist nicht unbedingt Werbung), aber das allein kann es doch nicht sein? Das Kino hat jedenfalls die Notbremse gezogen und Dario Argentos „Horror Infernal“ am 26. Januar um 18:00 Uhr ist erst einmal der letzte Film der Reihe in bisheriger Form. Danach werden uns zwei junge „Aufpasserinnen“ zur Seite gestellt (okay, das ist provokant und sicherlich unfair formuliert – aber so wie das gelaufen ist, konnte man den Eindruck gewinnen) und das Konzept soll grundlegend überarbeitet werden. Was ein Ende der 35mm Vorführungen und der Klassiker bedeuten könnte. Aber warten wir mal ab. Mitte Januar gibt es da ein Gespräch.

Ebenfalls gespalten kann man mit dem „Phantastival“ sein, welches Stefan und ich auch wieder mit auf die Beine gestellt hatten. Die Filme waren – das Eigenlob gönne ich uns mal – sehr gut gewählt, es war für alle was dabei und qualitativ (mit einem peinlichen Ausrutscher – „Red Sword“ – ui-jui-jui…) wirklich nicht von schlechten Eltern. Trotzdem ließ uns auch hier das Bremer Publikum größtenteils (insbesondere bei den unserer Meinung nach besten Filmen) im Stich. Klar, der Orkan Xaver und das generell miese Wetter waren sicherlich ein Grund. Auch spielte uns der „Weser Kurier“ einen bösen Streich gespielt, wo wir im „Wochen Journal“ gar nicht und im täglichen Kinoprogramm immer nur als „Phantastival“ ohne Nennung der Filmtitel auftauchten. Das dürfte uns auch einige Zuschauer gekostet haben. Aber das kann doch nicht alles erklären. Insbesondere, da wir diesmal Bremen mit Flyern gepflastert hatten, waren unsere Erwartungen doch ganz andere. Wie bei „Weird Xperience“ gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder gibt es in Bremen kein Publikum für Genrefilme (dann kann man machen, was man will und es wird nicht mehr) oder wir erreichen unsere „Zielgruppe“ einfach nicht. Wenn dem so ist, erbitte ich hier einmal Tipps, was man noch machen kann. Ich bin mit meinem Latein mittlerweile ziemlich am Ende.

Zurück zum Forum. Wie oben geschrieben, läuft es ziemlich gut. Die Besucherzahlen nehmen langsam, aber konstant zu und auch auf Facebook habe ich nun 185 Fans (es waren schon 187, aber immer, wenn ich die O-Töne aus Bremen poste, springen wieder welche ab (?)), was mich sehr freut. Ist das– so oberflächlich es ist – doch ein Indikator dafür, ob etwas angenommen wird oder nicht. Ansonsten ärgert mich Facebook ständig mit gedrosselten Reichweiten (tatsächlich haben nur noch 15% der Fans die Chance neue Postings überhaupt zu sehen – Danke Facebook!) und mein einziges „gesponsortes“ (d.h. ich habe Geld für Reichweite bezahlt) Posting war mehr Flopp als Top. Na ja, das hatte ich eh nur aus Neugier gemacht und werde dieses Experiment sicherlich nicht so schnell wiederholen. Dann habe ich noch – dank „Intergalaktische Filmreisen“ – mein erstes Gewinnspiel ausgerichtet, was recht aufregend war. Was mich sehr freut, ist die erhöhte Kommentarfrequenz. Meine ursprüngliche Intention beim „Filmforum Bremen“ war es ja, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten. Und da ist es natürlich sehr erfreulich, wenn sich aus dem, was man schreibt, so etwas wie ein Dialog ergibt.

Was war noch? Im Januar habe ich eine Gruppe Studenten ein Videointerview gegeben, welches – wie ich gesehen habe – mittlerweile auch auf YouTube rumgeistert. Dann kam noch eine Interviewanfrage von Sebastian vom review-corner.de und dann stand auch der „Weser Kurier“ wieder vor der Tür – aber aus der Sache wurde dann ganz kurzfristig doch nichts. „Das Bloggen der Andere“ hat mich mit einer Vielzahl interessanter Menschen – hauptsächlich über Facebook – in Kontakt gebracht, was ich sehr schön finde. Allein dafür lohnt sich die wöchentliche Mühe immer.

Es war für mich, wie gesagt, ein sehr aufregendes Jahr und nach diesem Jahr wird nichts mehr so sein, wie zuvor. Aber das ist auch gut so, denn ohne die beiden neuen Erdenbürger könnte ich mir das Leben auch gar nicht mehr vorstellen. Das „Filmforum Bremen“ läuft und für anderen Aktivitäten finde ich hier und da auch noch etwas Zeit. Ich bin also sehr zufrieden. So kann es auch 2014 (auf das ich sehr gespannt bin) weitergehen. Okay… aber ohne weitere Zwillingsgeburten. Das würde ich dann doch nicht mehr packen 😉

Bevor ich gleich auch noch meine obligatorische „Bestenliste“ poste, wünsche ich all meinen Lesern ein wunderbares und friedliches Weihnachtsfest und einen hervorragenden Start ins neue Jahr!

Euer Marco

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DVD-Rezension: “Zeuge gesucht”

zeuge gesuchtNach einem Streit mit seiner Frau, zieht Scott Henderson (Alan Curtis) durch die Stadt und lernt in einer Bar eine geheimnisvolle Dame kennen. Gemeinsam ziehen sie weiter. Als Henderson spät in der Nacht nach Hause kommt, wird er dort bereits von der Polizei erwartet. Seine Ehefrau wurde ermordet und er ist der Hauptverdächtige. Sein einziges Alibi ist nun die geheimnisvolle Frau, doch niemand scheint sich an sie zu erinnern. Als Henderson verurteilt wird, macht sich seine Sekretärin Carol Richman (Ella Raines) auf, die unbekannte Dame zu finden. Unterstützung erhält sie dabei von Hendersons besten Freund Jack Marlow (Franchot Tone), unwissend, dass der sein ganz eigenes Motiv hat, die Frau zu finden…

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Robert Siodmak gehört zu den Künstlern, die den „Film noir“ geprägt haben. Siodmak wurde 1900 in Dresden geboren. Seine ersten Sporen als Regisseur verdiente er sich mit dem legendären „Menschen am Sonntag“, wo er neben seinem Bruder Curt, Edgar G. Ulmer und Fred Zinnemann (Drehbuch u.a. Billy Wilder) für Regie und Drehbuch verantwortlich war. Es folgten Filme wie die z.B. die Heinz Rühmann-Komödie „Der Mann, der seinen Mörder suchte“ (ebenfalls von Billy Wilder geschrieben). 1933 floh er vor den Nazis nach Frankreich, wo er sich zunächst eine erfolgreiche Karriere aufbaute, und dann 1941 weiter nach Hollywood, wo bereits seit 1937 sein Bruder, der Drehbuchautor Curt Siodmak, lebte. Dieser hatte sich mit den Drehbüchern für legendäre Horrorfilme, wie „Der Wolfmensch“ oder „Ich folgte einem Zombie“ und vielen anderen, mehr einen guten Namen gemacht. Robert Siodmak drehte 1944 mit „Zeuge gesucht“ seinen ersten Film noir und sollte bald einer der bedeutendsten Regisseure dieses Genres werden.  1955 kehrte er über Frankreich nach Deutschland zurück, wo er u.a. „Nachts, wenn der Teufel kam“, den großen Durchbruch von Mario Adorf, und einige Karl-May-Orient-Verfilmungen inszenierte. Sein letzter großer Film war der zweiteilige „Kampf um Rom“ 1968/69, eine deutsch-italienische Co-Produktion mit einer großen internationalen Besetzung. Danach zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück und starb 1973 in der Schweiz.

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Heutzutage wirkt „Zeuge gesucht“ wie ein B-Film, da die Darsteller mittlerweile so gut wie vergessen sind. 1944 waren die beiden männlichen Hauptdarsteller aber gerade groß in Mode. Star des Filmes ist Franchot Tone. Zur damaligen Zeit nicht nur ein Star am Theater, sondern auch durch seine Rollen in Filmen wie „Meuterei auf der Bounty“ (für die er für einen Oscar nominiert wurde), sowie seine Ehe mit Joan Crawford bekannt. Mit Beginn der Kommunisten-Hatz in den USA, wurde es für ihn schwieriger, Rollen zu bekommen (wahrscheinlich durch seine Verbindung zum als „links“ bekannten „Globe“-Theater in New York). Und nach einer Prügelei in den späten 50ern, musste er sich einer plastischen Behandlung unterziehen, die seine Sprache beeinträchtigte. 1968 starb er fast völlig vergessen an Lungenkrebs. In „Zeuge gesucht“ tritt er erst nach gut der Hälfte auf, zieht den Zuschauer aber gleich in seinen Bann. Als schlanke, dunkle Gestalt taucht er bei seinem Opfer auf und verwickelt es in ein Gespräch, welches keinen Zweifel daran lässt, dass er bereit ist über Leichen zu gehen und dabei durchaus Freude empfindet. Währenddessen werden dezent seine (riesig und mächtig aussehenden) Hände ausgeleuchtet, die er immer wieder fasziniert dreht, wendet und verliebt ansieht. Alles strahlt Tones Faszination dafür aus, mit diesen Händen Herr über Leben und Tod sein zu können. Zu schaffen (er ist Skulpteur) oder zu vernichten. Tone schafft die Balance zu halten, seinen Jack Marlow einerseits liebenswürdig, aber immer auch gefährlich erscheinen zu lassen, wobei jederzeit der Wahnsinn unter der Oberfläche lauert. Einzig einige allzu offensichtliche Manierismen stören etwas und erinnern doch stark an seinen Theaterhintergrund.

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Es ist interessant zu sehen, wie das Drehbuch eine Verlagerung von dem zunächst als Hauptfigur eingeführten Alan Curtis zu seiner Sekretärin Ella Raines, als eigentliche Heldin des Filmes, durchführt. Zunächst bleibt die Handlung ganz bei Curtis, doch sobald er ins Gefängnis gehen muss, lässt seine Kraft nach und auch sein Charisma verschwindet. Im Gegensatz zur toughen Ella Raines ist er eher weinerlich und man begreift kaum noch, warum die Raines scheinbar weiter in ihn verliebt ist und sich am Ende über einen Heiratsantrag freut. Die Figur des Scott Henderson bleibt eine gutaussehende Hülle (Curtis war vor seiner Filmkarriere Modell), aber mit wenig dahinter. Demgegenüber ist Ella Raines von ganz anderem Kaliber. Mit sichtbarer Spielfreude wirft sie sich enthusiastisch in die Rolle der Carol „Kansas“ Richman, die heimlich in ihre Chef verliebt ist (eine wunderbare kleine Szene, zeigt, wie sie sich schnell die Strümpfe zurechtzupft, bevor sie in sein Büro geht) und sich wie ein Terrier in die Suche nach dem wahren Mörder verbeißt. Insbesondere die Szene, in der sie sich als „lockeres Mädchen“ verkleidet, scheint ihr sichtlich Spaß zu machen. Für Ellen Raines war es erst der dritte Film und sie sollte noch in einige „Noirs“, auch für Sidomak, mitspielen. Ihre frische und lebhafte Art macht sie hier augenblicklich zu Sympathieträger.

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Interessanterweise ähnelt die Geschichte von „Zeuge gesucht“ sehr der des letzten Filmes von Francois Truffaut: „Auf Liebe und Tod“. Auch in jenem geht es um eine Sekretärin, die heimlich ihn ihren Chef verliebt ist und sich, als dieser unter Mordverdacht gerät, als Amateur-Detektivin versucht. Doch während Truffauts Film auf einem 1962 erschienen Roman von Charles Williams beruht, stammt die Vorlage zu „Zeuge gesucht“ vom großen Cornell Woolrich, der „Phantom Lady“ 1942 unter dem Pseudonym William Irish veröffentlichte. Interessanterweise verfilmte Truffaut in den 60er auch zwei Woolrich-Romane, nämlich „The Bride Wore Black“ und „Waltz Into Darkness“. Auch der Film noir generell bediente sich oft und gerne bei Woolrich. Z.B. bei „Die Nacht hat tausend Augen“ von John Farrow (Vater von Mia) mit Edward G. Robinson oder „Schwarzer Engel“ von  Roy William Neill (auch in der „Film noir Collection“ von Koch Media erschienen). Gefilmt wurde „Zeuge gesucht“ von einem Veteranen der Universal-Horror-Filme, Elwood „Woody“ Bredell. Regisseur Siodmak wies ihn an, sich bei der Bildgestaltung an Rembrandt-Gemälde zu halten, was insbesondere den Szenen im Gefängnis eine einzigartige Stimmung verleiht. Besonders hervorgehoben werden muss aber eine Szene mit Elisha Cook Jr. als frenetischer Drummer in einem winzigen Jazz-Club. Diese Szene konzentriert sich ganz auf die Musik und die wilde, ausgelassen Stimmung. In ihrem Mittelpunkt steht Cooks wahnwitzige Performance am Schlagzeug und sie sticht so sehr aus dem Film hervor, dass man sie auch gut außerhalb des Handlungs-Kontextes als avantgardistischen Musik-Kurzfilm zeigen könnte.

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„Zeuge gesucht“ besticht nicht nur durch einen interessanten Aufbau der Geschichte und eine vorzügliche Kameraarbeit, sondern vor allem durch die sympathische Ella Raines, die sich förmlich in ihre Rolle wirft, und Franchot Tone, der dem Killer interessante, neurotische Seiten abgewinnen kann.

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Die Nr. 15 ind er Koch Media „Film noir Collection“ weist ein gutes und klares Bild auf und einen sauberen Ton. Statt irgendwelchen Extras, liegt der in einem buchartigen Cover erschienen DVD, wieder nur ein 11-seitiges Booklet von Thomas Willmann bei. Dieses ist aber sehr informativ geschrieben und somit ein echter Mehrwert.

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DVD-Rezension: „Das schwarze Buch“

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Zur Zeit der französischen Revolution. Maximilian Robespierre (Richard Basehart) hat ein Schreckensregime errichtet. Zur Stärkung seiner Position lässt er den berüchtigten „Schlächter von Strassburg“, Duvall, nach Paris beordern. Dieser wird allerdings von dem Patrioten Charles D’Aubigny (Robert Cummings)umgebracht. D’Aubigny schlüpft in die Rolle Duvalls, um Robespierres Pläne auszuspionieren. Da weder Robespierre, noch sein Gehilfe Fouché (Arnold Moss)Duvall je zu Gesicht bekommen haben, geht der Plan auf. Robespierre gibt dem falschen Duvall eine Vollmacht und den Auftrag, koste es, was es wolle, sein geheimes „schwarzes Buch“ wieder zu finden, welches ihm von Unbekannten gestohlen wurde. In diesem Buch befinden sich die Namen aller, die Robespierre des Verrats verdächtig. Fiele dieses Buch in falsche Hände, könnte es zu einem Aufstand gegen Robespierre kommen. Mit der Hilfe seiner ehemaligen Geleibten Madelon (Arlene Dahl), macht sich D’Aubigny auf die Suche.

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Die, im übrigen sehr empfehlenswerte, Reihe „Film noir Collection“ aus dem Hause Koch Media, fasst den Begriff „Film noir“ gerne einmal etwas weiter. So fand sich in dieser Serie bereits Fritz Langs Krimi-Komödie „You and Me“ von 1938 wieder. Mit dieser teilt sich der mittlerweile 13. Beitrag der „Film noir Collection“ dann auch den Hauptdarsteller: Robert Cummings. Das Sujet des Filmes lässt allerdings zunächst einmal überhaupt nicht an einen „Film noir“ denken. „Das schwarze Buch“ (der in den USA sowohl als „The Black Book“, als auch unter dem Namen „Reign of Terror“ lief, während der deutsche Titel „Guillotine“ oder „Der Dämon von Paris“ lautete) ist ein lupenreiner Kostümfilm und spielt während der französischen Revolution. Trotzdem ist es legitim, „Das schwarze Buch“ in die „Film noir“-Serie einzureihen. Nicht nur behandelt Regisseur Anthony Mann die verbrecherischen Revolutionäre wie Gangsterbosse, auch seine Hauptfigur könnte ohne Probleme ein Undercover-Cop im Großstadt-Dschungel der 40er sein. Optisch orientiert sich der Film ebenfalls stark am deutschen Expressionismus der 20er Jahre, der die Grundlage für die Ästhetik des Film noir lieferte. Das Schwarz der Nacht und die Finsternis in den Häusern und Verliesen, scheinen ständig die handelnden Personen zu bedrängen und erinnern an die allgegenwärtige Gefahr, dass sich der Feind langsam aus den Schatten schälen könnte, oder im Dunklen verborgene Pläne geschmiedet werden, um die Handelnden ins Unglück zu stürzen. Das Paris des Filmes ist kein fröhliches, sondern ein ein finsterer Ort, an dem Furcht und Schrecken regieren. Ein Ort, an dem es keine Hoffnung gibt. Und wenn das Böse am Ende durch das Fallbeil hingerichtet wird, scheint auch nicht wieder die Sonne, sondern das Dunkel bleibt und in ihm erhebt schon der nächste Tyrann sein Haupt.

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Selbstverständlich hilft das Spiel mit den Schatten den Filmemachern auch, das niedrige Budget zu kaschieren. Gedreht wurde in den übriggebliebenen Kulissen des epischen „Jean D’Arc“-Films von Victor Fleming mit Ingrid Bergman. Einem Kassenflop, an dem auch „Das schwarze Buch“-Produzent Walter Wanger beteiligt war. Somit liegt der Verdacht nahe, dass „Das schwarze Buch“ vor allen Dingen produziert wurde, um noch schnell die teuren Kulissen zu nutzen. Was Regisseur Anthony Mann und Kameramann John Alton, zusammen mit den Drehbuchautoren Philip Yordan und Aeneas MacKenzie, daraus gemacht haben, ist allerdings ein kleines Meisterwerk. Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch das große Mastermind William Cameron Menzies, der hier zwar offiziell nur als Produzent aufgeführt wird, inoffiziell aber auch bei der Art direction die Finger mit im Spiel gehabt haben soll. Menzies war als genialer Ausstatter z.B. bei der 1940er Version von „Der Dieb von Bagdad„, berühmt geworden. Und er kreierte den Look von „Vom Winde verweht„, wo er nicht nur als Produktionsdesigner und Storyboard-Autor tätig war, sondern auch die berühmte „Brand von Atlanta“-Szene inszenierte. Er setzte für Hitchcock die von Dali entworfene Traumsequenz in „Ich kämpfe um dich“ um und war selber als Regisseur bei den beiden stylischen SF-Filmen „Things to come“ und „Invasion vom Mars“ tätig. Kameramann John Alton (eigentlich Johann Altmann und ungarisch-österreichischer Herkunft) dreht einige der einflussreichsten „Noirs“ und prägte den Stil des Genres. Gemeinsam mit Anthony Mann hatte er bereits bei dem ebenfalls optisch und atmosphärisch beeindruckenden „Schritte in der Nacht“ (Rezension hier) zusammengearbeitet. Diese Kollaboration großer Talente machte aus „Das schwarze Buch“ einen der bestaussehenden „Noirs“ der 40er Jahre. Jede Einstellung möchte man sich am Liebsten einrahmen und über das Bett hängen. Die Licht- und Schattenspiele, verkanteten Perspektiven, die kleinen, symbolhaften Details im Hintergrund und ausdrucksstarken, verschwitzen Gesichter im Vordergrund vereinen das Beste miteinander, was Expressionismus und Film noir zu bieten haben.

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Unterstützt werden die intensiven Bilder von einer spannenden und überraschend gut recherchierten Geschichte. So sind die Ereignisse, die zu Robespierres Enthauptung führten, relativ akkurat, wenn auch natürlich in das Korsett der Geschichte geschnürt. Auffällig ist die Brutalität, die gezeigt wird. Von Folteropfern, über blutige Kopfschüsse bis hin zum Zerschmettern des Kiefers Robespierres zeigt der Film weitaus mehr, als man es von einem Post-Hayes-Code-Film erwarten würde. Interessant auch die Ambivalenz des Filmes, der zur Hochphase der McCarthy’schen Hexenjagd auf Kommunisten entstand. So kann man die Geschichte über die Todesliste im schwarzen Buch Robespierres durchaus als kritischen Kommentar auf den berüchtigten Senator McCarthy oder das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ sehen. Andererseits bietet es sich aber auch an, den Film als Warnung vor totalitären Systemen, wie eben dem stalinistischen Regime in der kommunistischen Sowjetunion und dem Kommunismus an sich – die Revolutionäre sind ja „Bürgerliche“, die eine Herrschaft des Volkes errichten wollen – zu verstehen. Neben dieser politischen Analogie, glänzt der Film aber auch mit zwei großen Suspense-Szenen, die direkt aus einem Hitchcock-Film stammen könnten. Einmal, wenn D’Aubigny und Madelon aus dem Gefängnis flüchten und am Gefängnistor von einem tatterigen Greis aufgehalten werden. Während dieser in seinem gewaltigen Bund nicht den richtigen Schlüssel für das Tor findet, wartet direkt vor dem Tor eine ältere Frau, die mit nur einem Wort die Tarnung der Beiden auffliegen lassen könnte. Diese Szene ist genussvoll und nervenzerfetzend in die Länge gezogen, gänzlich ohne Musikbegleitung, nur mit den Geräuschen des Schlüsselbundes unterlegt. In der zweiten Szene legt sich der böse Saint Just in einer Hütte zur Ruhe, ohne zu wissen, dass unter seinem Kissen das von ihm gesuchte schwarze Buch versteckt ist. Die Versuche der Helden, an dieses zu gelangen, sind ebenfalls absolut eines Hitchcocks würdig.

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Bei der Besetzung finden sich keine große Namen. Der bekannteste dürfte Richard Basehart sein, der bereits in Manns „Schritte in der Nacht“ (ebenfalls bei Koch erschienen) den überlegenen Schurken spielt. Hier wirkt er als Maximilian „Don’t call me Max“ Robespierre zwar etwas steif, was allerdings hervorragend zur Rolle passt und nicht weiter ins Gewicht fällt, da Basehart eine unbedingte Autorität ausstrahlt, die eines Robespierre angemessen ist. Robert Cummings hat bereits zweimal bei Hitchcock gespielt, der mit seinem „leading man“ allerdings nicht ganz zufrieden war. Er fand, Cummings habe ein „komisches Gesicht“. Sein Charles D’Aubigny ist kein überragender Charakter und bleibt, wie die meisten Helden, gegenüber den charismatischeren Schurken blass. Trotzdem erledigt Cummings seine Aufgabe routiniert und durchaus überzeugend. Vor allem wird dem Zuschauer Arnold Moss in Erinnerung bleiben, der den durchtriebenen, schlangenhaften und doch irgendwo sympathischen Fouché spielt. Eine Rolle, die an Claude Reins Captain Renault in „Casablanca“ erinnert. Moss ist das dunkle Herz des Filmes, und man ist regelrecht enttäuscht, wenn er scheinbar aus der Handlung verschwindet. So fällt seine nicht gerade logische Wiederauferstehung dann auch gar nicht negativ auf. Während Fochés Abwesenheit zaubern die Drehbuchautoren mit dem teuflischen Saint Just einen neuen Schurken aus dem Hut. Jess Barker steht das diabolisch-verschlagene nicht so sehr ins Gesicht geschrieben wie Arnold Moss, doch er füllt die Rolle des Saint Just mit genug unterschwelliger Boshaftigkeit und Sadismus aus, so dass er einen überzeugenden und Angst einflößenden Bösewicht abgibt. Die schöne Arlene Dale verkörpert eine starke Heldin, die erfreulicherweise die Fäden selbst in der Hand behält und dem Helden auch mal aus der Patsche hilft und nicht andersherum.

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Normalerweise halte ich mich mit einer solchen Superlative zurück, aber in diesem Falle mache ich gerne eine Ausnahme und nenne „Das schwarze Buch“ ein Meisterwerk des „Film noir“. Optisch höchst beeindruckend, mit Bildern für die Ewigkeit. Gleichzeit spannend und vielschichtig erzählt, sowie, insbesondere auf der Seite der Bösen, mit eindrucksvollen Charakteren besetzt. Empfehlung.

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Die, wie üblich in einem buchähnlichen Cover, bei Koch Media erschienene DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild und Ton aus. Zwar weist das Bild hier und dort kleine Schäden und Laufstreifen auf, doch insgesamt ist es sehr scharf und klar. Als Extras findet man nur einen Trailer zum Film und eine Bildgalerie. Entschädigt wird man aber durch ein ausgezeichnet geschriebenes und hoch informatives Booklet von Thomas Willmanns.

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