Das Bloggen der Anderen (13-06-22)

– Auf film-rezensionen.de hat Oliver Armknecht den französischen Regisseur Bruno Dumont zu seinem neuen Film „France“ interviewt.

– André Malberg schreibt auf Eskalierende Träume über Roger Fritz posthum erschienenes Buch „Boulevard der Eitelkeiten: Fotografien und Erinnerungen“.

– „Summertime Killer“ ist so ein seltsamer Fall, bei dem ich die Titelmelodie kenne und liebe, den dazugehörigen Film aber bis heute nicht gesehen habe. Zudem hätte ich jetzt auch gar nicht sagen können, worum es darin geht. Dieser Umstand wird jetzt durch eine ausführliche Review von Bluntwolf auf Nischenkino revidiert.

– Heiko von Allesglotzer widmet sich dem wunderbaren „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ von Jean Rollin, den wir vor nicht allzu langer Zeit auch hier in Bremen auf der großen Leinwand zeigen und genießen konnten.

– Bei Die Nacht der lebenden Texte gibt es zwei Besprechungen, die mich sehr an die gute, alte Videotheken-Zeit erinnert haben. Denn dort hatte ich einst sowohl den geschnittenen „Phantom der Oper“ mit dem guten alten Robert „Freddy“ Englund, als auch den damals noch stärker geschnittenen „The Demolitionist“ mit Baywatch-Beauty Nicole Eggert ausgeliehen. Volker Schönenbergers Meinung zu den beiden B-Filmen kann ich aus der Erinnerung unterschreiben.

Schlombies Filmbesprechungen erinnern daran, dass es auch tollen deutschsprachigen Creature-Horror gibt. Nämlich den empfehlenswerten „Blutgletscher“ von Marvin Kren, der ja auch danach noch einige tolle Sachen gemacht hat – ja, auch seine „Tatorte“ sind einen Blick wert und natürlich „4 Blocks“ und „Freud“.

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Blu-ray-Rezension: “Der schwarze Tag des Widders“

Auf einer sehr feuchten Silvesterparty betrinkt sich der Reporter Andrea (Franco Nero) fast bis zur Besinnungslosigkeit. Als er am nächsten Morgen erwacht, erfährt er, dass einer der Gäste auf dem Heimweg von einem Unbekannten brutal überfallen und schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Kurz darauf wird ein weiterer Partygast ermordet. Da Andrea beide Opfer kannte, vermutet er einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen. Bald findet er Indizien, die seinen Verdacht erhärten. Und dann schlägt der Killer ein weiteres Mal zu. Wieder steht das Opfer im Zusammenhang mit Andrea und es wird nicht das letzte gewesen sein. Da Andrea weiterhin das einzige Bindeglied zwischen den Morden ist, wird nun auch der ermittelnde Kommissar ihm gegenüber misstrauisch…

Mit der Veröffentlichung von „Der schwarzer Tag des Widders“ (es wurde von filmArt der alte DDR-Titel und nicht der besser bekannte, spätere Titel „Ein schwarzer Tag für den Widder“ übernommen) schließt sich eine schmerzhafte Lücke. Denn Luigi Bazzonis Giallo-Meisterwerk gab es in Deutschland bisher in keiner Heimkino-Auswertung. Weder auf VHS, noch auf DVD. Immerhin im Fernsehen lief er mal. Wer sich aufgrund der vielen begeisterten Stimmen den Film in die Sammlung stellen wollte, der war bislang auf Importe angewiesen. Nun ist der Widder – nach langer Wartezeit – endlich auch in Deutschland angekommen. Leider aus lizenzrechtlichen Gründen nur mit deutscher Tonspur, aber da die 1987 in der DDR hergestellte Synchronisation sehr gut geworden ist, soll dies kein allzu großer Mangel sein. Auch wenn es ungewohnt ist, den großen Wolfgang Preiss mit einer völlig anderen Stimme (Werner Ehrlicher) zu hören.

Obwohl „Der schwarze Tag des Widders“ von der Geschichte her ein klassischer Giallo ist, macht Bazzoni dort etwas ganz anderes draus. Die Figuren sind allesamt kaputt, das alles scheint gar nicht in einer realen Welt zu spielen. Ein starkes Gefühl der „Seltsamkeit“ macht sich breit und sorgt dafür, dass man sich nie zu sicher fühlt. Dies spiegelt sich zuerst in dem von Franco Nero großartig gespielten Journalisten Andrea Bild. Eine höchst ambivalente Figur, der man bis zum Schluss nicht trauen kann. Zwar ist der alkoholkranke, gewalttätige und teilweise ziemlich arrogante Andrea unser Protagonist, doch allein aufgrund der eben erfolgten Aufzählung seiner sonstigen Eigenschaften nicht unbedingt ein Sympathieträger. In einer besonders unangenehmen Szene schlägt er ohne besonderen Grund auf seine Freundin ein. In einer anderen bedrängt er immer wieder seine Ex-Geliebte. Andrea stolpert förmlich durch die Geschichte. Doch so wie Franco anlegt, schimmert durch seinen kaputten Panzer auch immer etwas Melancholisches. Und wenn er sich der Wahrheit immer mehr nähert, spürt man seine Wut auf eine Welt, in der alle Werte völlig aus den Fugen geraten sind.

Diese Welt wird von Bazzoni düster gezeichnet und bevölkert von egozentrischen Menschen, die nur noch ihre eigenen Bedürfnisse sehen und die Zuneigung anderer gefühlskalt ausnutzen. Wie der Arzt, den seine gehbehinderte Frau sichtlich anekelt. Wie eben jene Frau, die darum von sich und ihrer Krankheit selber angewidert ist und dies alle anderen spüren lässt. Wie der Vater, der seine junge Tochter auf den Strich schickt. Deren junger Liebhaber, der sich als ihr Zuhälter aufspielt. Die geilen, alten Säcke, die sich an der Nacktheit junger Menschen aufgeilen und dafür bezahlen, diesen beim Liebesakt zuzusehen. Interessanterweise sind es gerade die beiden Frauenfiguren um Andrea Bild, die wie Felsen aus dieser Brandung der Niedertracht herausragen. Die starke, unabhängige Helene (Silvia Monti) und die freche und selbstbewusste Lu (Pamela Tiffin) . Beide scheinen den labilen Macho nur zum eigenen Amüsement um sich herum zu dulden. Helene lässt ihn betteln und dann nur zu sich, wenn es ihr passt. Dazu passt, dass sie in Scheidung von ihrem Ehemann lebt, und Andrea nur ein alter Ex-Geliebter ist, den sie sich noch immer gönnt. Lu ist ein Freigeist, der Andrea ebenfalls nicht braucht und sich nur solange mit ihm abgibt, wie es IHR Spaß macht.

Regisseur Bazzoni ist ein großer Stilist. Jeder seiner Filme ist großartig fotografiert und hat seinen ganz eigenen Stil. In „Der schwarze Tag des Widders“ erreicht dieser Stilwille aber seinen Höhepunkt. Die Bilder sind perfekt durchkomponiert und teilweise von einer Düsternis, wie in einem Film Noir oder gar einem Horrorfilm. Dann wieder von erlesener, bunter Schönheit, fast schon nicht mehr von dieser Welt, was das oben bereits angesprochene Gefühl der „Seltsamkeit“ noch einmal unterstreicht. Auffällig ist auch, wie meisterhaft Bazzoni Architektur und urbane Landschaften in seine Bilder einbaut und diese kommentieren lässt. Wenn sich beispielsweise Andrea und der Kommissar vor einer riesigen aus auf hunderten spiegelnden Glasfenstern bestehenden Fassade unterhalten und dies den Eindruck eines Gefängnisses erweckt, in welches der Kommissar Andrea sicherlich gerne stecken würde. Dafür hat Bazzoni in dem genialen Kameramann Vittorio Storaro einen kongenialen Partner gefunden. Storaro hatte im Vorjahr Dario Argentos wegweisenden Giallo „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ fotografiert und war mit Bernardo Bertoluccis „Der Konformist“ zu dessen Stammkameramann geworden. Später war er seit „Apocalpyse Now“ für Francis Ford Coppola erste Wahl für die Arbeit des Kameramannes, später ebenso für Carlos Saura und Woody Allen. Aber auch mit Bazzoni sollte er immer wieder zusammenarbeiten, u.a. bei dessen nächstem Meisterwerk, dem hochgradig merkwürdigen und wunderschönen „Spuren auf dem Mond“.

Neben einer hervorragenden Darstellerriege, zu der neben Franco auch Wolfgang Preis, Silvia Monti, Rossella Falk, Edmund Purdom, Ira von Fürstenberg, Pamela Tiffin und eine noch sehr junge Agostina Belli gehören, kann Bazzoni auch auf die Dienste eines der größten Filmkomponisten aller Zeiten zurückgreifen. Kein geringerer als Ennio Morricone erschuf den Soundtrack, der effektvoll zwischen eingängigen, wunderschönen Melodien und nervenzehrenden dissonanten Tönen oszilliert. Da wird das Drehbuch eher Nebensache. Dies soll auf dem Roman „The Fifth Cord“ (so auch der englischsprachige Titel des Films) des schottischen Autoren DM Devine beruhen, welches 1967 veröffentlicht wurde. Devine schrieb bis zu seinem Tod 1980 dreizehn Krimis und war ein Favorit von Agatha Christie. Seine Krimis erhielten durch die Bank gute Kritiken und galten als sehr gut konstruiert. In wie weit sich der Inhalt von „The Fifth Cord“ mit „Der schwarze Tag des Widders“ deckt ist mir nicht bekannt. Ich vermute aber mal eher weniger. Denn von „gut konstruiert“ kann beim „Widder“ nicht die Rede sein. Dass alle Figuren irgendwie eng miteinander zusammenhängen ist ebenso an den Haaren herbeigezogen, wie die finale, Giallo-typisch haarsträubende Entlarvung des Killers. Vieles bleibt im Dunkeln, vor allem das wer wann mit wem und warum. Aber dies tut nichts zur Sache, denn es ist einerseits im Giallo-Genre nichts ungewöhnliches, und zweitens kreierte Bazzoni hier ein Film, der auf ganz anderen Ebenen vorzüglich funktioniert und trotz des teilweise wirren Plots eine ganze Menge Spannung erzeugt.

Es ist wunderbar, dass filmArt den Film doch noch auf Blu-ray veröffentlicht hat, obwohl er ursprünglich als DVD angekündigt war. Denn ein stilistisch so wundervoller Film wie „Der schwarze Tag des Widders“ ist einfach für HD gemacht. Entsprechend ist das Bild auch sehr gut und vor allen Dingen nicht totgefiltert, sondern wundervoll „filmisch“. Leider konnte filmArt aus lizenztechnischen Gründen keine italienische oder englische Tonspur mit auf die Scheibe packen. So bleibt nur die deutsche Tonspur, die aber in unterschiedlichen Tonhöhen (24FPS/25FPS) vorliegt. An Extras gibt es nicht viel: Der italienische und der englische Trailer, die sich nur in der Sprache unterscheiden, eine gelöschte Szene (die sich nur beim Ende unterscheidet und nicht weiter wichtig ist). Eine Bildgalerie und als Easter Egg soll es noch den deutschen Vorspann geben (habe ich aber nicht überprüft). Hervorheben sollte man noch das 12-seitige Booklet mit einem Text von Heiko Hartmann.

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Blu-ray-Rezension: “Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“

Nach einem blutigen Überfall hat das flüchtige Bankräuber-Trio Aldo, Walter (in der deutschen Fassung in Mario umbenannt) und Nino eine Autopanne und sucht Zuflucht in einem einer luxuriösen Strandvilla. In diese haben sich Schwester Cristina und ihre jungen Schützlingen aus einem katholischen Internat zurückgezogen, um für ein Theaterstück proben und sich auf das Abitur vorzubereiten. Als die drei Gewaltverbrecher in die Villa eindringen, sind die Mädchen diesen vollkommen ausgeliefert.

Dass filmArt beschlossen hat, den Film „La Settima Donna“ unter seinem reißerischen Kinotitel „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ mit einem an Sadiconazista-ähnlichen Cover zu veröffentlichen, mag eine kalkulierte Marketing-Entscheidung sein. Im Jahre 2022 schlägt einem diese allerdings etwas auf den Magen. Wobei natürlich klar ist, dass der Film bei seiner deutschen Kinoveröffentlichung vor 38 Jahren ebenfalls genauso beworben wurde. Vor vielen Jahren durfte ich diese (gekürzte) Fassung sogar von 35mm auf der großen Leinwand bewundern und erinnere mich noch, dass ich aufgrund des Titels auf das Schlimmste gefasst war. Am Ende fand ich ihn aber eher harmlos – was damals sicherlich an den gekappten Gewaltspitzen und der falschen Erwartungshaltung gelegen haben könnte. Und was ich heute auch nicht mehr nachvollziehen kann. Mehr dazu weiter unter.

Spannenderweise scheint die Kinofassung aber gar nicht die Erste gewesen zu sein, die in Deutschland zu sehen war. Glaubt man den Angaben in der OFDb erschien 1983 (also fünf Jahre nach Herstellung des Filmes) auf VHS eine ungekürzte Fassung bei Action Video unter dem Titel „Verflucht zum Töten“ mit eben jenem Cover, welches nun die neu erschienene Blu-ray ziert. Die gekürzte Kinofassung kam unter dem neuen Titel „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ ein Jahr später auf die Leinwand. Ohne Plakat, bzw. einem Plakat welches marktschreierisch verkündete „Da für diesen sehr harten Film das Filmplakat verboten wurde, kann der Verleih nur dieses Schriftplakat zur Verfügung stellen“. Ferner wird behauptet, der Film beruhe auf „dem gleichnamigen Bestsellerroman von Ettore Sanzo“. Was natürlich beides ein wenig geschummelt ist. Immerhin ist Sanzo aber eine reale Person, nämlich der Drehbuchautor. Und „verboten“ war nichts, aber sehr wohl indiziert. Und zwar das Video „Verflucht zum Töten“ und das schon seit Dezember 1983. Wahrscheinlich stammt daher der Einfall, den Film unter neuem Titel und völlig ohne Bildwerbematerial am 30. November 1984 in die Kinos zu bringen. Genützt hat es nichts. Als er dann später in dieser gekürzten Form mit dem neuen Titel nochmals bei einem anderen Anbieter auf VHS erschien, wurde diese Fassung ebenfalls indiziert.

Doch zurück zum Film selber. Dieser segelt natürlich im Fahrwasser von Vorgängern wie „Last House on the Left“ (dt. „Mondo Brutale“) oder den ebenfalls von Ettore Sanzo geschrieben „L’ultimo treno della notte“ (dt. „Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien“), der in den USA als „The New House on the Left“ vermarktet. Folgerichtig besitzt „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ auch den englischen Alternativtitel „The Last House on the Beach“. Wer nun ein billigen, sich rein auf spekulative Gewalt konzentrierenden Rip-Off erwartet liegt falsch. „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ entpuppt sich als intelligenter und spannender Home-Invasion-Thriller, der nebenbei auch einige Fragen nach Glauben und männlicher Niedertracht behandelt. Regisseur Francesco Prosperi (weder verwandt noch verschwägert mit dem sehr ähnlich klingenden Mondo-Regisseur Franco Prosperi) ist ein alter Veteran, der bereits bei Mario Bava als Regieassistent dabei war. Er versteht sein Handwerk und das sieht man „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ auch an, der preisgünstig, aber nicht billig daher kommt.

Interessant ist zuerst einmal die Zusammensetzung des Bankräuber-Trios. Nino (Stefano Cedrati) und Walter (Flavio Andreini) sind schon aufgrund der Besetzung gleich als dümmlicher Triebtäter und sadistischer Psychopath zu erkennen. Ihr bedrohliches Auftreten ruft keinerlei Überraschung hervor. Demgegenüber ist der engelsgleiche Blondling Ray Lovelock als Aldo scheinbar fehlbesetzt (er spielt zwar in „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ (Rezension hier) eine ähnlich „schwierige“ Rolle, ist sonst aber auf Frauen- und sonstige Helden abonniert). Er scheint „der Gute“ in der Bande zu sein. Der nette Junge, der einfach in schlechte Gesellschaft geraten ist. Und so benimmt er sich gegenüber den bedrohten Frauen in diesem Film auch. Er heuchelt Verständnis, verlässt sich ganz auf sein gutes Aussehen und darauf, dass die Frauen ihm sowieso irgendwann verfallen sind, wenn er sie ein wenig in diese Richtung manipuliert. Prosperi spielt das Spiel mit der Erwartung zunächst mit, dann hinterlässt er immer mehr kleine Hinweise, dass die Sache etwas komplexer ist als gedacht. In einer wunderbaren Szene legt er dann ganz die Karten auf den Tisch. Während Aldo Mitleid erheischend davon berichtet, wie er unschuldig in den fatalen Bankraub verwickelt wurde, wird jener noch einmal gezeigt. Waren die Gesichter der Bankräuber in der Eröffnungsszene noch verborgen, sieht man nur ganz deutlich, wer was beim Überfall zu verantworten hat. Und die Bild-Ton-Schere geht hier doch gewaltig auseinander. Der Verdienst Prosperis liegt darin, dass die Frauen nicht klischeemäßig auf Aldos sonnige Art hereinfallen und sich ihm an den Hals werfen, sondern im grandiosen Finale im wahrsten Sinne zurückschlagen und den von sich selbst überzeugten Macho zurechtstutzen. Eine Szene, die vielleicht Quentin Tarantino zum Ende von „Death Proof“ inspiriert hat.

Die zweite spannende Figur ist die der Nonne Schwester Cristina (überzeugend gespielt von der großartigen Florinda Bolkan) deren Beruf(ung) erst nach der Hälfte des Filmes aufgedeckt wird. Vorher scheint scheint sie einfach die erwachsene Begleiterin der minderjährigen (naja) Mädchen zu sein. Interessant ist vor allem die Art und Weise wie Cristina gezeigt wird. Als eine Nonne, die eben nicht ihren Habit trägt, und sich mit ihren Schützlingen auf einer Ebene und nicht von oben herab verhält. Eher wie die ältere Freundin, nicht die klerikale Respektsperson. Ich kenne mich in der katholischen Kirche nicht besonders aus, doch ist mir bisher nicht bekannt gewesen, dass sich Nonnen so verhalten, bzw. auf das Habit verzichten. Ist Cristina besonders progressiv? Setzt sie sich über die Weisungen der Kirche hinweg? Einmal erwähnt sie, dass sie vor ihrer Zeit als Nonne durchaus körperliche Freuden genossen hätte. Was ist ihre Geschichte? Als sie einen der Eindringlinge förmlich hinrichtet, nimmt sie vorher ihr Kreuz ab und verwahrt es in einem Schrank. Bricht sie hier endgültig mit der Kirche? Und wenn sie am Ende voller Zorn fast schon hysterisch versucht sich den Ring vom Finger zu ziehen – tut sie dies aus Enttäuschung gegenüber eines Gottes, der zulässt, dass so viel Grausames geschieht? Oder verwandelt sie sich hier wie ihre Schützlinge in eine rasende Bestie, die gleiches mit gleichem vergelten will – was ihr Glaube aber nicht zulässt? Viele Fragen, viel spannender Interpretationsspielraum.

Ein weiterer interessanter und sehr effektiver Ansatz Francesco Prosperis ist es, vieles nicht bis zum Letzten auszuspielen und mit der Kamera drauf zu halten. Bei den schlimmsten Gewalttaten konzentriert sich die Kamera ganz auf die schmerzverzerrten, angsterfüllten Gesichter und vor Schrecken weit ausgerissenen Augen, statt die Grausamkeiten in allen Details auszuwalzen. Was die Identifikation mit den Opfern fördert und diese Szenen ganz besonders unangenehm machen. So spielt sich das meiste dann im Kopf des Betrachters ab. Und Prosperi findet genau die Balance zwischen Zeigen und Imagination, die einem einen Knoten in den Magen dreht. Dazu kommt noch eine gute Besetzung, die aus den jungen Mädchen nicht austauschbares Schlachtvieh macht (wie es in den US-Slashern der 80er Jahre häufig der Fall war), sondern ihnen eigenständige Charaktere gibt. Hier sei vor allem die Amerikanerin Sherry Buchanan lobend erwähnt.

Unterstützt wird dies alle durch einen sehr gelungen Soundtrack von Roberto Pregadio, der auch einen sehr passenden, ziemlich an Bryan Ferrys „Let’s Stick Together“ erinnernden Song beisteuert, der von Ray Lovelock persönlich eingesungen wurde. Außerdem sollte hier die sehr gute Kameraarbeit durch Cristiano Pogany, dessen vierte Arbeit dies erst war, hervorgehoben werden. Für Francesco Prosperi sollte dies leider die letzte bedeutende Arbeit bleiben. Sein Karriere endete fünf Jahre später mit zwei eher durchschnittlichen Barbaren-Filmen. Wer kann, sollte sich allerdings einmal seinen tollen Action-Thriller „Ich heiße John Harris“ von 1966 ansehen, der kürzlich bei Cineploit in Österreich erschien.

Die filmArt-Bluray hat ein sehr gutes Bild. Es gibt eine vom Negativ und Interpositiv restaurierte Fassung und eine unrestaurierte Fassung, die nur vom Interpositiv gezogen wurde. Deutscher und Italienischer Ton liegt einmal gefiltert und einmal ungefiltert vor. Untertitel sind in Deutsch und Englisch dabei. Ein Audiokommentar von Prof. Dr. Stiglegger und ein informatives und ausführliches 16-seitiges Booklet von Heiko Hartmann stellen den Hauptbonus dar. Diverse Trailer und eine sogenannte Flashframe-Montage (8 Minuten), runden die Extras ab.

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Das Bloggen der Anderen (30-05-22)

Sennhausers Filmblog berichtet weiter aus Cannes und stellt einige Filme vor, die ich gerne auf der großen Leinwand sehen würde. So wie Cronenbergs neuen Film „Crimes of the Future“, „Decision to Leave” von Park Chan-Wook, “Holy Spider” von Ali Abbasi, der den tollen „Border“ gemacht hat oder „Stars at Noon“ von Claire Denis, weil ich Margaret Qualley gerne mal wiedersehen würde.

– Eine ebenso spannende, wie traurige Geschichte. Christian Neffe berichtet auf kino-zeit.de über Rudolf Breslauer und seinen Westerbork-Film.

– Was läuft nächsten Monat im Kino? Eine schöne Übersicht gibt es bei Der Kinogänger.

– Howard-Ziehm-Experte Christian Genzel schreibt auf Wilsons Dachboden über Ziehms „Seeds of Lust“ von 1971.

– Anlässlich des 100. Geburtstages von Christopher Lee stellt Volker Schönenberger auf die Nacht der lebenden TexteBlut für Dracula“ vor (den Lee selber gar nicht mochte).

– Apropos Dracula. Der kommt auch in „Die Nacht der offenen Särge“ vor (wenn auch nicht in der deutschen Synchro, wo er Graf Sartana (!) heißt), der ja im Original dann auch „Drácula contra Frankenstein“ heißt. Bluntwolf äußert sich auf Nischenkino eher kritisch über Jess Francos Monster-Film.

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DVD-Rezension: „Schöner Gigolo, armer Gigolo“

Paul Ambrosius von Przygodski (David Bowie) kehrt nach dem 1. Weltkrieg zurück nach Berlin. Dort hat seine Mutter das elterliche Haus in eine Pension verwandelt und geht in einem Türkischen Bad arbeiten, um über die Runden zu kommen. Paul selber versucht es auch in einigen Berufen, scheitert allerdings immer wieder. Erst als Gigolo findet er seine Bestimmung…

David Bowie mag diesen Film überhaupt nicht und sagte über ihn „Oh well, we’ve all got to do one [bad movie] and hopefully I’ve done mine now.“. Dabei macht er eine durchaus gute Figur als Sohn einer preußischen Militärfamilie. Das Problem ist nur, dass seine Figur Paul Ambrosius von Przygodski vom Drehbuch und Regisseur David Hemmings ziemlich allein gelassen wird. Eine echte Entwicklung ist nicht zu erkennen, auch wenn die Handlung sich über mehrere Jahre zieht. Paul ist das Produkt einer Erziehung, die Wert auf preußische Tugenden legt. Darum ist er auch glücklich beim Militär, wo er aufgrund seiner Abstammung und seines Rangs ein gewisses Ansehen genießt, und wo er Befehle ausführen kann. Gut aussehen und keine Initiative entwickeln, das ist das Leben, welches wie für Paul gemacht ist. Nach dem Krieg ist er dementsprechend entwurzelt und treibt durch das wilde Berlin, welches von der ersten Depression nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg zu einem brodelnden Nachtleben und wilden Ausschweifungen findet. Dabei kommt auch Pauls eher kindlicher Charakter immer mehr zum Vorschein. Zu Beginn versucht er sich in mehreren Jobs, schaut mit großen erstaunten Augen auf eine Welt, die er nicht so recht versteht. Klappen tut es nirgendwo, was auch an seinem generellen Desinteresse liegt. Erst als Gigolo findet er sich zurecht. Wieder muss er nur gut aussehen und keine eigene Initiative zeigen, um Ansehen (bei den älteren Damen und seinen Kollegen, aber immerhin) zu gewinnen. In vielen Kritiken zum Film wird hervorgehoben, dass Bowies Schauspiel hier noch nicht ausgereift, ja amateurhaft wirken würde. Was nicht unbedingt stimmt. Bowie passt schon in die Rolle des schönen Gigolos und gibt sich Mühe die schauspielerischen Hürden zu überwinden. Allerdings muss man zugeben, dass man Bowie, durch und durch Engländer, nicht unbedingt den preußischen Offizier abnimmt. Oder den Berliner Jungen.

Zudem wirkt der Film uneinheitlich und an manchen Stellen überhastet. Letzteres mag daran liegen, dass er ursprünglich 142 Minuten lief, dann aber von Hemmings auf 101 Minuten hinunter geschnitten wurde. Die deutsche Fassung unterscheidet sich gerade beim Beginn von der englischsprachigen Fassung und läuft sogar nur 95 Minuten. Die Kürzungen merkt man immer wieder, denn der Film fühlt sich an wie der Zusammenschnitt einer Serie. Immer wieder wird zum Winter des jeweiligen Jahres die Jahreszahl eingeblendet. Doch zwischen zwei Wintern liegen im Film manchmal nur wenige Minuten. Zwischen den Jahren verschwinden ganze Handlungsstränge und Figuren. Zum Beispiel in einer Szene in der mehr als nur angedeutet wird, dass Hauptmann Kraft und Paul eine homosexuelle Beziehung eingehen. Doch im nächsten Schnitt ist wieder ein Jahr vergangen und Kraft zunächst aus der Handlung verschwunden. Man erfährt jedoch beiläufig, dass die Beiden scheinbar dieses Jahr miteinander verbracht haben. Was vorgefallen ist, wie sie es verbracht haben und warum Paul nun wieder allein ist, dies wird der Fantasie des Zuschauers überlassen. Manchmal vergehen laut Einblendung mehrere Jahre bis sich zwei Personen wiedersehen, was dann aber auch nicht wirklich thematisiert wird. Das verwirrt erst einmal und lässt den Film unvollständig wirken.

Die oben angesprochene Uneinheitlichkeit mag man auch Hemmings Inszenierung ankreiden. Manchmal verliert er sich in absurdem Slapstick, der den Film eindeutig in der Farce verortet. Dann wieder inszeniert er sehr ernsthaft und mit Hang zum großen Drama. Manchmal gelingen großartige Szenen (zum Beispiel, wenn Curd Jürgens den nackten Bowie in der Badewanne überrascht), dann wird es wieder albern (leider fast alle Szene mit Kim Nowak) oder schlicht belanglos. Hätte sich Hemmings dazu durchgerungen, den Film von Anfang an als absurde Komödie anzulegen, wäre das Ergebnis runder und vielleicht sehr viel interessanter geworden. Immerhin verleiht Hemmings seinem Film eine bittere und kompromisslose Pointe, die man so nicht kommen sieht. Und die einer schwarzen Komödie durchaus gut zu Gesicht gestanden und dort eine noch größere Wirkung hätte entfalten können.

Das Aufgebot an Schauspieler ist schlicht überwältigend. Neben Bowie und Hemmings (noch solch ein typischer Brite, der hier allerdings einen deutschen Nazi spielt), haben wir wie gesagt Kim Nowak, Curd Jürgens, Sidney Rome, Maria Schell, Werner Pochath und Erika Pluhar. Bis auf Sydne Rome leider alle in teilweise so kleinen Rollen, dass man mehr von einem Cameo sprechen kann. Dies gilt insbesondere für den größten Star des Filmes: Die legendäre Marlene Dietrich, welche mit 77 Jahren noch einmal aus dem Ruhestand kam, um hier mitzuspielen. Sie hat nur zwei Szenen und wenn man darauf achtet, merkt man deutlich, dass diese separat gefilmt wurden und sie keinerlei Kontakt zu ihrem Mitspieler David Bowie hatte. Tatsächlich nahm man ihre Szenen in einem Studio in Paris auf, während die mit Bowie in Berlin gedreht wurden. Die Dietrich versteckt ihr Gesicht hinter einem Schleier und viel Make-Up. Sie wirkt dadurch auf eine merkwürdige Weise jung, aber auch sehr fremd. Ja sogar unnatürlich, bzw. man das Gefühl nicht loswird, dass hier eine Schönheitschirurg Hand angelegt hat. Trotzdem versprüht sie noch eine ziemliche Präsenz und wenn sie am Ende das Titellied „Just a Gigolo“ singt, ist man doch froh sie hier noch ein letztes Mal erleben zu dürfen.

Die Pidax-Veröffentlichung hat zwei Versionen des Filmes an Bord. Einmal die etwas kürzere deutsche Kinofassung (95 Minuten) und einmal die längere englische Fassung (101 Minuten). Erstere nur mit deutschem Ton, letztere nur auf Englisch. Neben inhaltlichen Unterschieden (in der englischen Fassung ist der Beginn in Sepia gehalten, in der deutschen Fassung in Farbe, der Schnitt ist auch anders) fällt vor allem der qualitative Unterschied des Bildes auf. Die deutsche Fassung hat ein befriedigendes Bild, während die englische Fassung deutlich schlechter ist. Als einziges Extras gibt es einen sehr kurzen Ausschnitt eines Interviews mit Kameramann Charly Steinberger, in dem er erzählt wie die Dreharbeiten mit Marlene Dietrich waren.

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Blu-ray-Rezension: “Die tödliche Kobra“

Zen Chong (Ti Lung) war einst Shaolin-Mönch. Doch nun hat er sich dem Mandschu-Gouverneur Pei Le (Michael Wai-Man Chan) angeschlossen und führt in dessen Namen ein Schreckensregime. Sein Ziel ist es die Shaolin auszulöschen. Zuerst geht der Tempel in Flammen auf, dann lässt er seine ehemaligen Freunde gefangen nehmen. Doch statt sie auf Geheiß des Mandschu-Herren hinrichten zu lassen, kann er ihn überreden, sie ins Gefängnis zu werfen und dort grausamer Folter zu unterziehen, damit sie den Aufenthaltsort ihrer geflohenen Kameraden preisgeben. Doch da die Folter vor allem darin besteht, von Zen Chong zusammengeschlagen zu werden, lernen die Gefangenen dabei viele neue Kung Fu Techniken hinzu und beginnen den Aufstand gegen Zen Chong und den Gouverneur zu planen…

Ti Lung war einer der größten Stars des legendären Shaw Brothers Studio. Seine Erfolge feierte er zunächst im Doppelpack mit David Chiang, bevor sich ihre Wege Ende der 70er Jahre trennten. Aber auch solo trat Ti Lung in vielen großartigen Produktionen der Shaw Brothers auf. Vor allem auch in einer Reihe von Filmen, die auf den Romanen von Gu Long beruhenden und von Chor Yuen inszeniert wurden. „Ti Lung – Die tödliche Kobra“ stellt eine der sehr wenigen Ausnahmen dar, bei denen Ti Lung einmal nicht für die Shaw Brothers vor der Kamera stand. Hier spielt er die Hauptrolle in einem für die taiwanesische Produktionsfirma Yen Shing Film Company hergestellten Film, der mit einem deutlich geringeren Budget als die durchschnittliche Shaw-Brothers-Produktion zurecht kommen muss.

Trotzdem gelang es, gleich drei Hongkong-Stars zu verpflichten. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass zwei von ihnen noch nicht auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes angekommen waren. Dies ist einmal Danny Lee, der 1989 neben Chow Yun-Fat in John Woos epochalem „The Killer“ die Hauptrolle spielte. Und Wu Ma, bekannt als alter Taoist in Siu-Tung Chings Erfolgsfilm „A Chinese Ghost Story“. Wu Ma übernahm bei „Die tödliche Korba“ auch den Regiestuhl, den er sich laut OFDb mit Pao Hsueh-Li teilte. Am Drehbuch schrieb Kuang Ni mit, der für zahlreiche Shaw-Brother-Klassiker wie „Das Schwert des gelben Tigers“, „Die 36 Kammern der Shaolin“ und unzählige Zusammenarbeiten mit Chang Cheh verantwortlich war. Dies erklärt vielleicht die hohe inhaltliche Qualität von „Die tödliche Kobra“, welche sich wohltuend von anderen günstigen Taiwan-Produkten dieser Zeit unterscheidet.

Da ist zunächst einmal die Figur des von Ti Lung gespielten Zen Chong, welche zunächst als kaltblütiger Schurke und Verräter eingeführt wird. Ein wenig erinnert dies an Ti Lungs Rolle in „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ (Rezension hier), wo er auch einen Abtrünnigen spielt, der seine ehemaligen Freunde ans Messer liefert. Doch bald wird klar, dass da aber mehr hinter steckt, als auf dem ersten Blick zu erkennen ist. Nur was das ist, das bleibt dem Zuschauer verborgen. Hier und da werden Hinweise gegeben, doch die eigentliche Agenda Zen Chongs erschließt sich erst im Finale. Dass hier nicht von vorn herein klar ist, wie die Figur tickt, macht sie ambivalent und damit auch interessant. Ti Lungs schauspielerische Fähigkeiten tragen dazu bei, dass die Figur glaubwürdig und nicht eindimensional erscheint, man an ihrem Schicksal interessiert ist.

Neben Ti Lung verblassen allerdings seine Mitspieler. Einen echten Gegenspieler hat er nicht. Bei den gefangenen Rebellen schält sich zwar der Koreaner Pao Hsueh-Li als Bruder Chao als Hauptfigur hervor, doch wirklich abheben kann er sich auch nicht. Auf der Seite der Bösen ist es Michael Wai-Man Chan, der den Antagonisten gibt. Doch allzu viel Zeit verbringt auch er nicht auf der Leinwand, als dass er sein Charisma ausspielen könnte. Ähnliches gilt für seinen Handlanger, der zwar im Hintergrund Intrigen spinnt, aber sich auch nicht wirklich als dämonische Gefahr etablieren kann.

Alle weiteren Figuren gehen in der Masse auf ohne besonders aufzufallen. Mit Ausnahme von Szu Shih als Frau des Bösewichts Madame Shui Liang, die eine ähnlich zweideutige und spannende Rolle einnimmt wie Zen Chong. Doch leider taucht auch Szu Shih nicht so häufig aus, dass sich eine wirkliche Chemie zwischen Madame Shui Liang und Zen Chong entwickeln könnte. Schade, denn von der Anlage der Rolle und Szu Shihs Präsenz wäre hier mehr drin gewesen.

Bei einem Martial-Arts-Film spielen die Kämpfe immer eine große Rolle und auch hier kann „Die tödliche Kobra“ punkten. Statt übertrieben durch die Luft zu wirbeln, hat man sich für ein realistischeres Konzept entschieden. Die körperlichen Auseinandersetzungen sind nicht so brutal und blutig wie bei den Shaw Brothers, sondern erinnern eher an eine ausgefeiltes Ballett. Dabei kann Ti Lung mehr als einmal beweisen, dass er zu den elegantesten Kämpfern auf der Leinwand zählte. Es ist ein ästhetisches Vergnügen ihm zuzuschauen. Auch seine Gegner verstehen ihr Handwerk.

Ein wenig wird einem der Filmgenuss von einem manchmal sehr verwirrenden Schnitt schwer gemacht. Gerade zu Beginn wird so abrupt und scheinbar willkürlich von Szene zu Szene gesprungen, dass man als Zuschauer völlig die Orientierung über Zeit und Raum verliert. Dass nicht viel Geld zur Verfügung stand merkt man auch an den Kulissen. So ist der Innenhof in dem die meisten Kämpfe stattfinden, als enge Studio-Kulisse zu erkennen, bei der einige Schlagschatten verraten, dass der „Himmel“ nur eine blau angemalte Wand ist. Und bis auf die Vernichtung des Shaolin-Tempels am Anfang, der den Verdacht erregt, er stamme er aus einem anderen Film, sind die weiteren an einer Hand ab zu zählenden Drehorte eher unspektakulär. Wobei aber immerhin festgehalten muss, dass das finstere Folterverlies von der Kamera sehr stimmungsvoll eingefangen wird.

Die neu Blu-ray von filmArt ist bereits ein Zweitauflage. Inwieweit sich diese von der Erstauflage unterscheidet ist mir nicht bekannt. Die Inhaltsbeschreibung auf der OFDb klingt erst einmal gleich. Enthalten sind vier Versionen: Deutsche Kinofassung (leicht gekürzt, restauriert), Deutsche Kinofassung (leicht gekürzt, unrestauriert), Erweiterte Filmfassung (ungeschnitten, restauriert), Erweiterte Filmfassung (ungeschnitten, unrestauriert). Auch beim Ton hat mal mehrere Auswahlmöglichkeiten: Deutsch, Englisch oder Mandarin (letzteres mangels deutscher Untertitel nicht wirklich brauchbar). Für diese Review schaute ich die Erweiterte Filmfassung (ungeschnitten, restauriert). Die in der deutschen Kinofassung fehlenden Bilder (es sind wirklich nur drei sehr kurze Szenen, welche nur zeigen, wie Menschen im Moment des Todes die Augen aufreißen und Blut spucken) wurden in schlechter VHS-Qualität als Vollbild eingefügt. Anders liegen sie scheinbar nicht vor. Das Bild der Blu-ray selber ist gut. Zugrunde lag augenscheinlich eine alte 35mm-Kopie. Das sieht man, stört aber nicht im Geringsten. Im Gegenteil.

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Das Bloggen der Anderen (23-05-22)

In den letzten Wochen gab es nicht viel zu berichten, daher habe ich aus Zeitgründen darauf verzichtet, „Das Bloggen der Anderen“ fertigzustellen. In dieser Woche gab es ein wenig mehr, darum geht es nun auch weiter.

– Das Filmfestival in Cannes wäre eigentlich das Hauptthema dieser Woche, doch überraschend wenig ist davon in den deutschsprachigen Blogs zu lesen. Es gibt zwar eine Berichterstattung auf critic.de, aber nur als Podcast. Tatsächlich wurde mir sonst lediglich Sennhausers Filmblog in den RSS-Feed gespült. Hier gibt es u.a. erste Reviews zu „EO“ vom von mir sehr geschätzten Jerzy Skolimowski und „Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund, die hier aber nicht besonders gut wegkommen. Auch das „One Cut of the Dead“-Remake „Coupez!“ von Michel Hazanavicius wird jetzt nicht unbedingt als Meisterwerk angepriesen (was das japanische Original in meinen Augen durchaus war, vor allem in einem gutbesuchten Kino in dem das Publikum nicht wusste, was es erwartet), wohl aber als unterhaltsamer Film. Interessant aber, dass bei ALLEN Berichten über den Film (Print, Radio) die wunderbare Pointe gespoilert wird. Das war bei „One Cut oft he Dead“ Gottseidank nicht so, denn das macht den Spaß ziemlich kaputt.

– Auf kino-zeit.de schreibt Sebastian Seidler über Nicolas Cage und trifft mit seinem schönen und liebevollen Artikel meines Erachtens in Schwarze: „Cage setzt innerhalb einer Szene exzessive Noten, wie als würde er auf einer Bühne ein Free-Jazz-Stück anstimmen.“

– Einen sehr interessanten Artikel über den verstorbenen Stan Lee, bzw. dessen Nachlass, hat Filmlichtung geschrieben: „Nun aber hat Marvel Studios von „Stan Lee Universe“, einer Marke kreiert von Genius Brands International und POW! Entertainment, zwei Firmen in die Lee und seine Nachkommen eng involviert sind, für 20 Jahre die Rechte an Lees Aussehen, Stimme und Unterschrift erworben.“ Lesenswert.

– Oliver Armknecht interviewt auf film-rezensionen.de Ti West zu seinem Film „X“.

– Volker Schönenberger konnte für Die Nacht der lebenden Texte schon einmal einen Blick auf das „Top Gun“-Sequel „Maverick“ werfen.

– Adrian Hovens „Im Schloß der blutigen Begierde“ habe ich vor vielen, vielen Jahren gesehen und die Erinnerung ist doch arg verblasst. Bluntwolf schreibt über den Film auf Nischenkino, und vielleicht hole ich mir demnächst mal die Subkultur-Blu-ray vom „Stapel der Schande“ mit den ganzen ungesehenen Schreiben.

Schattenlichter lobt den gerade bei Koch Films erschienenen „Die Grausamen“ als „wunderbaren, wenngleich bis dato tendenziell übersehenen Italowestern“. Das freut mich sehr, war ich doch auch ein wenig an dieser Veröffentlichung beteiligt.

– Freunde von mir berichteten mir neulich von „Liebestraum“, den sie auf der großen Leinwand von 35mm sehen konnten. Ich drücke es mal so aus: Sie waren erstaunt von dem Film, aber nicht unbedingt auf positive Weise. Splattertrash war wahrscheinlich bei derselben Vorführung, konnte dem Film aber etwas mehr abgewinnen. „es bleiben nur offenen Fragen. Aber nicht die guten, die uns schon Brecht beschwerte, sondern diejenigen, die sich auf ein einfaches What the fuck? reduzieren lassen.“

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Blu-ray-Rezension: „The Painted Bird“

Irgendwo in Osteuropa während des 2. Weltkriegs. Der kleine Joska (Petr Kotlár) lebt bei seiner Großmutter Marta auf einem abgelegenen Hof. Seine Eltern haben ihn hier hingeschickt, damit er in Sicherheit ist. Als seine Großmutter überraschend stirbt, setzt Joska versehentlich das Haus in Brand. Dann macht er sich ganz allein auf, seine Eltern zu finden. Seine Odyssee führt ihn durch ein Land, in dem ein Menschenleben nur sehr wenig wert ist, grausame Gewalt und Aberglauben regieren, und der Krieg und Holocaust blutige Ernte halten…

Um es kurz zu machen: „The Painted Bird“ ist ein schrecklicher Film. Damit könnte ich es jetzt bewenden lassen und doch würden diese paar lapidaren Worte in eine völlig falsche Richtung weisen. Denn gemeint ist hier, er steckt voller Schrecken, die einem nahe gehen. Nach nicht einmal fünf Minuten hatte ich das Bedürfnis den Film abzubrechen, nachdem gezeigt wurde, wie eine Gruppe Kinder den kleinen Protagonisten Joska völlig grundlos zusammenschlagen , dann ihm sein – scheinbar geliebtes – Frettchen entreißen, es anzünden und sich daran erfreuen, wie das arme, schreiende und noch umherlaufende Tier seinen grausamen Tod findet. Diese Szene erwischt einen wie ein unerwarteter Schlag in die Weichteile. Und es wird von da an nicht besser. Für den armen Joska und den Zuschauer. Fast drei Stunden wird man durch eine Hölle geschleift, die weder Mitgefühl, noch Hoffnung kennt.

Wenn da nicht einmal zu Beginn ein deutsches Kriegsflugzeug am Himmel zu sehen wäre, so könnte man die Geschichte auch zeitlich gar nicht verorten. Die Dörfer, die Menschen, das Zivilisationsferne, das alles wirkt wie das 19. Jahrhundert. Und tatsächlich waren die armen, ländlichen Gegenden in Osteuropa lange – bis in die 50er Jahre – solche Zeitkapseln, in die sich die Moderne nicht vorgewagt hat. Auch örtlich kann man die Handlung des Filmes nirgendwo verankern. Es wird nie erwähnt, wo genau der Film spielt und gesprochen wird „Interslawisch“. Eine künstliche Sprache – vergleichbar mit Esperanto – in der Elemente unterschiedlicher slawischer Sprachen vereint werden.

In „The Painted Bird“ bekommt man einen guten Einblick in die slawische Kultur. In ein seltsames und fast gleichberechtigtes Nebeneinander von archaischen Naturglauben und Katholizismus. Dort gibt es die alte Schamanin, welche in den Dörfern die Funktion einer Ärztin und gleichzeitig einer unfehlbaren Autorität für die spirituellen Dinge ausübt. In den Städten ist es die katholische Kirche, die mit dieselbe Aura der Nichthinterfragbarkeit über das Leben der Menschen herrscht. Beiden vertraut Joska, beide enttäuschen sein Vertrauen. Beide lassen ihn noch mehr leiden. Die Schamanin vollführt ihn ihm ein grausames Ritual als er erkrankt und gräbt ihn bis zum Hals ein, woraufhin Krähen seinen ungeschützten Kinderkopf zerhacken. Der Priester, der es gut mit ihm meint, vermittelt ihn an einen brutalen Päderasten – und will danach seinen Fehler nicht sehen, obwohl er deutlich spürt, dass er Joska in die Hände eines sadistischen Kinderschänders gegeben hat. Doch nicht nur die „geistlichen Autoritäten“ handeln ähnlich.

Auch ihre Anhänger nehmen sich nichts in ihrer Ablehnung gegenüber allem Fremden. Der hübsche, feingesichtige Joska, südländisch wirkend mit seinem dunkleren Teint, den schwarzen Haaren und dunklen Augen, ist ein Fremder in dieser Welt. Er ist der im Titel genannte „bemalte Vogel“. In einer Szene trifft Joska auf einen Vogelfänger. Dieser bemalt einen gefangenen Vogel mit weißer Farbe und entlässt ihn scheinbar in die Freiheit. Der Vogel kehrt zu seinem Schwarm zurück. Doch weil er nun „anders“ ist, wendet sich der Schwarm gegen ihn und hackt ihn zu Tode. So ergeht es auch Joska. Wo er auftaucht, wendet sich die Gemeinschaft gegen ihn. Die abergläubischen Dorfbewohner, den er als Sklave der Schamanin begegnet, halten ihn für einen, der mit Dämonen im Bunde ist. Später wird ihn einer in einen Fluss schubsen, was er nur knapp überlebt. Vermissen wird ihn aber niemand. Nicht einmal die Schamanin. Als er für den Priester als Messdiener arbeitet, stolpert er einmal beim Rückwärtsgehen und die Bibel fällt zu Boden, woraufhin die aufgebrachte Menge – die ihn schon vorher geschnitten hat – einen Grund gefunden hat, ihrer vorher mühsam unterdrückten Wut und Hass gegen alle andersartigen ihn in eine ekelhafte Jauchegrube wirft.

Die Dinge, die dem vielleicht 10jährigen Joska widerfahren sind fast unerträglich mitanzusehen. Regisseur Václav Marhoul zeigt unsagbare Brutalität, emotionsloses Abschlachten Unschuldiger, Kindesmissbrauch, das Töten von Säuglingen, Vergewaltigung, Sodomie – das völlige Zerstören des Gegenübers. Keine Gnade, keine Hoffnung, kein Lichtschein am Ende des Tunnels. Eine Welt in der Mitgefühl grausame Konsequenzen hat. Menschen ihrer Menschlichkeit beraubt werden und vom Stärkeren benutzt oder zerstört werden. Dass man dies als Zuschauer durchsteht liegt einer Distanzierung durch die Art der Inszenierung. Marhoul kleidet seinen Film in teilweise betörend schöne schwarz-weiße Bilder. Die dadurch entstehende Künstlichkeit, der Verweis auf das Medium Film, machen das visuelle Erleben der Grausamkeiten halbwegs erträglich, da einem durch die hohe Ästhetisierung immer wieder deutlich gemacht wird: Es ist „nur“ ein Film.

Dafür verzichtet Marhoul komplett auf Musik. Die Ereignisse werden also nicht extern emotional aufgeladen. Zudem gibt es keinen inneren Monolog der Hauptperson oder einen übergeordneten Erzähler, der das Geschehen ordnet. Der Zuschauer muss sich das selber erarbeiten und sich seine Gedanken machen. Vor diesem Hintergrund ist die schauspielerische Leistung des kleinen Petr Kotlár, der bei Beginn der Dreharbeiten erst 9 Jahre alt war, umso mehr zu loben. Auch wenn sein Joska zu Beginn nur sehr wenig spricht und dies im Laufe des Filmes fast komplett einstellt, sieht man ihm jederzeit an, was in ihm vorgeht und wie sich sein Wesen durch die schrecklichen Erlebnisse verändert.

Überhaupt hat Marhoul dahingehend ein gutes Händchen bewiesen. Insbesondere die beeindruckenden Laiendarsteller*innen und hierzulande eher unbekannten Schauspieler*innen machen ihre Sache hervorragend. Dass Marhoul mit Udo Kier und Julian Sands (beide absolut diabolisch) auf der einen, und Harvey Keitel, Barry Pepper und Stellan Skarsgård auf der anderen auch international sehr bekannte Gesichter dabei hat, hilft wieder ein wenig bei der Distanzierung zu der niederschmetternden Handlung. Es ist dann eben wie gesagt „nur“ ein Film. Man könnte aber auch argumentieren, dass das plötzliche Auftauchen dieser „Hollywood-Gesichter“ einen etwas aus dem Sog des Filmes zieht.

Einen besonderen Darsteller hat Marhoul in Aleksey Kravchenko gefunden, der hier einen Rotarmisten spielt. Kravchenko spielte einst Flyora, die Hauptfigur in „Komm und sieh“, der ebenfalls bei Bildstörung erschienen ist (meine Rezension hier), und in mancher Hinsicht wie eine Blaupause zu „The Painted Bird“ wirkt, da er eine ganz ähnliche Geschichte – ein Junge gerät in die Mühlen des Krieges und wird durch die grauenvolle Erlebnisse seelisch zerstört – erzählt. Aber auch wie ein Gegenentwurf zu „The Painted Bird“ wirkt. Direkter, unmittelbarer, wahrhaftiger, weniger distanziert zum Gezeigten. Und noch erschütternder in seiner Wirkung. Denn Marhoul gönnt seinem Helden am Ende den Hauch einer Hoffnung, welcher Aleksey Kravchenkos Flyora nicht vergönnt war.

Bildstörung hat „The Painted Bird“ in perfekter Bild- und Tonqualität veröffentlicht. Da gibt es keinen Grund irgendetwas zu beanstanden. Es gibt eine deutsche Tonspur, empfehlen würde ich aber auf jeden Fall den Originalton in Interslawisch. Auch die Extras sind wie immer absolut vorbildlich. Allem voran eine Dokumentation zur Entstehung des Filmes, die mit 120 Minuten selber mehr als normale Spielfilmlänge hat und ausgesprochen spannend ist. Erzählt wird aus der Perspektive Petr Kotlárs, wie er die Dreharbeiten erlebte. Ergänzt wird dies mit Interviews, die mit Marhoul, der seine Sicht der Dinge präsentiert. Die Kamera begleitet die Dreharbeiten über die vollen zwei Jahre. Es werden keine Schwierigkeiten unterschlagen, einmal ist das Geld alle und niemand weiß wie es weitergeht. Dann will Kotlár hinschmeißen, da er sich die Haare nicht weiter lang wachsen lassen möchte. Man darf nie vergessen und das kommt hier auch gut rüber, dass er eben noch ein kleiner Junge ist, der erst 9 ist als das Abenteuer beginnt und gerade 11, wenn es endet. Klar, dass es für ihn nicht leicht ist und er ab und zu „streikt“. Auch die Techniker*innen aus der zweiten Reihe werden ausführlich vorgestellt. Als einmal gezeigt wird, wie in der Ukraine gedreht wird, bekommt der Film noch einmal einen sehr unbequemen tagespolitischen Bezug. So viel weiter hat sich die Menschheit scheinbar nicht entwickelt. Natürlich wird auch auf die Kontroverse um den Autor der 1965 erschienen Buchvorlage eingegangen. Jerzy Kosinski hatte sein Buch „The Painted Bird“ als seine eigene Autobiographie verkauft. Etwas, was widerlegt werden konnte. Zudem bestehen Zweifel an seiner alleinigen Urheberschaft. Interessanterweise wird Václav Marhoul auch zweimal bei cholerischen Wutausbrüchen gezeigt. Insgesamt ein extrem interessantes und aufschlussreiches Making Of. Das zweite Extra ist ein 90minütiges Werkstattgespräch mit Václav Marhoul, welches 2020 beim goEast-Festival aufgenommen wurde. Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie konnte Marhoul nicht vor Ort sein, so dass das Gespräch als qualitativ eher unterdurchschnittlicher, nichtsdestotrotz hochspannender Zoom-Mitschnitt vorliegt. Das 24-seitige Booklet enthält Vorwort von und ein Interview mit Václav Marhoul.

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70 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin Nr. 2

Es ist schon etwas länger erhältlich, aber ich komme jetzt erst dazu, auch hier darauf hinzuweisen. Die neue 70MM ist da! Die zweite, die ich als Chefredakteur verantworten durfte. Fühlt sich gut an. Sowohl das Heft, als auch mit so tollen Autorinnen und Autoren zusammenarbeiten zu können.

Alexander Schulz setzt sich in seinem Artikel“ Porn No Chic“ mit dem „Tabu“ Pornographie auseinander. Christoph Seelinger schreibt über den brasilianischen Filmemacher Ivan Cardoso. Science Fiction spielt sowohl in Carsten Henkelmannes Artikel über Dystropien, als auch Katharina Noss Artikel über Spezialeffekte eine Rolle. Tonio Klein weiß einiges Neues über Blake Edwards zu berichten und Lars Johansen kennt sich beim Gerne-Animationsfilm (siehe unser Cover-Motiv) bestens aus. Christian Keßlers Kolumne „Christians Pizza-Stüberl“ gibt es selbstverständlich auch wieder.

Ich selber habe es mir nicht nehmen lassen, nach 22 Jahren den zweiten Versuch zu starten, einen Artikel über S.F. Brownrigg in einer Zeitschrift unterzubringen. Diesmal mit Erfolg, da die 70MM nicht vorher den Betrieb eingestellt hat. Ganz im Gegenteil. Jetzt geht es erst richtig los!

Heft #2 kann man HIER für € 4,80 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (25-04-22)

– Auf kino-zeit.de zieht Bianca Jasmina Rauch die Bilanz der diesjährigen Diagonale, dem Festival des österreichischen Films. Und wer einmal ins Frühwerk von Roger Eggers eintauchen möchte, für den stellt Katrin Doerksen dessen frühesten Kurzfilm „Hansel & Gretel“ vor, den sie dankenswerterweise auch gleich verlinkt hat.

– Jonas Nestroy berichtet auf critic.de vom Festival Visions du Réel in Nyon.

– Mir war gar nicht bewusst, dass Luis Buñuels „Dieses obskure Objekt der Begierde“ und der Josef von Sternberg/ Marlene Dietrich-Film „The Devil is a Woman“ auf demselben 1898 erschienenen Roman „La Femme et le pantin“ von Pierre Louÿs beruhen. Noch weniger, dass dieser sehr häufig verfilmt wurde. Zwei dieser weiteren Verfilmungen stellt Manfred Polak auf Whoknows presents vor.

– „Die 5 und das (musikalische) Übermaß der Liebe in Paul Thomas Andersons Phantom Thread und Licorice Pizza“ lautet der schöne Titel eines Artikels von Sebastian Schwittay, der wunderbarerweise den guten alten Eskalierende Träume–Blog wieder etwas belebt.

– Peter Gutting interviewt auf film-rezensionen.de Andreas Dresen zu seinem neuen Film (mit Bremen –Bezug!).

Albrechts Film Café berichtet von Volker Schlöndorffs Besuch im April 2022 im Zeise Kino Hamburg.

– Sebastian macht auf Nischenkino eine kleine Wong Kar-Wai-Retro mit den Filmen „Days of Being Wild“ und „As Tears Go By“.

Der Kinogänger zeigt sich begeistert von „Der Mörder kam um Mitternacht“ von Édouard Molinaro mit Lino Ventura.

„Freaks“ ist ein absoluter und extrem verstörender Klassiker. Was kann man dazu noch schreiben? Tonio Klein hat auf Die Nacht der lebenden Texte noch einige Worte gefunden.

Tobe Hoopers Spätwerk „Toolbox Murders“ hatte ich damals tatsächlich im Kino gesehen und dort gefiel mir der Film überraschend gut. Lange glaubte ich mit dieser Meinung eher einsam zu sein. Umso mehr freue ich mich, in funxton einen Verbündeten gefunden zu haben.

Fred Olen Rays „Scalps“ kenne ich tatsächlich nur als Video-Cover in der Videothek. Geliehen hatte ich den – glaube ich – nie. Vielleicht kein so großer Verlust, wenn ich Heikos Review auf Allesglotzer lese. Ein Satz muss ich aber mal hervorheben, weil ich ihn sehr passend finde: „Meist liebloser Fraß mit komischem Nachgeschmack, zusammengemantscht von jemanden, der die Theorie gut beherrscht und das Genre nachvollziehbar mag, in der Praxis aber leider scheitert. Quasi wie Eli Roth, nur dass der nicht so viel dreht.“

– Herzlichen Glückwunsch Schlombies Filmbesprechungen zum 10. Geburtstag! Da verweise ich dann auch gleich auf seine Besprechung von „Wer hat Tante Ruth angezündet?“.

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