DVD-Rezension: “John Dies at the End”

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Ein Journalist (Paul Giamatti) verabredet sich in einem schummrigen Restaurant mit einem jungen Mann (Chase Williamson), der sich als Dave Wong vorstellt und ihm eine wilde Geschichte erzählt. Gemeinsam mit seinem Freund John (Rob Mayes) sei er in einen Kampf gegen Invasoren aus einer anderen Dimension geraten. Dabei spielt die sogenannte „Soya-Sauce“ eine wichtige Rolle. Eine Droge, die es denjenigen, die sie einnehmen, ermöglicht, Dinge zu sehen, die normalen Menschen verborgen bleiben. Eine zweite Wirkung ist es, dass das Raum-Zeit-Kontinuum aufgelöst wird.

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Don Coscarelli eroberte sich mit seiner vierteiligen „Phantasm“-Reihe (auf Deutsch „Das Böse„) eine kleine, aber treue Fangemeinde. Die Geschichte über den außerirdischen Totengräber, der die Körper der Verstorbenen stiehlt und diese in Zwerge verwandelt, um sie in einer anderen Dimension zu Arbeitssklaven zu machen, enthielt genug (Alb)Traumhaftes und Surreales, um sich in den Köpfen der Zuschauer dauerhaft festzusetzen. Unterstützt wurde Coscarelli dabei von einem festen Stamm von Schauspielern (der „Tall Man“ Angus Scrimm hat übrigens in „John Dies at the End“ einen Kurzauftritt) mit hohem Wiedererkennungswert und sympathischen Helden, die immer menschlich und verwundbar blieben. Im Laufe der Reihe wurden die Filme immer bizarrer, was aber auch den Reiz ausmachte.

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Mit „John Dies at the End“ schlägt Coscarelli 10 Jahre nach seinem letzten Spielfilm „Bubba Ho-Tep„, der es ebenfalls zu einem kleinen Kultfilm brachte, wieder ähnliche Wege ein. Wiederum stehen Menschen im Mittelpunkt, die ungewollt in eine Sache reinrutschen, und die zu ihrem Schicksal wird. Ähnlich wie Mike und Reggie in „Das Böse“, gerät auch Dave Wong eher zufällig in eine Verschwörung aus einer anderen Dimension. Und während Mike in den Fortsetzungen sein tatkräftiger Bruder, bzw. dessen Geist, zur Seite stand, ist es hier der tatendurstige und coole John. Es verwundert daher nicht, dass sich Coscarelli für seinen neuen Film David Wongs (ja, der Autor benutzt als Pseudonym den Namen seiner Hauptfigur) gleichnamigen Roman vorgenommen hat. Angeblich hat Coscarelli aber nur knapp die Hälfte der wahnwitzigen Begebenheiten verfilmt, die Wong in seinem Buch beschreibt. In Anbetracht der überbordenden Ideen, mit denen „John Dies at the End“ vollgestopft ist, mag man das kaum glauben.

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Coscarelli hält sich wahrlich nicht zurück, wenn es darum geht, eine Welt zu zeigen, die völlig auf dem Kopf steht. Da hängen riesige, spinnenähnliche Wesen von der Decke, es wird mit Hotdogs telefoniert, ein Schnurrbart verwandelt sich in eine Art Fledermaus und es gibt einen sprechenden und autofahrenden Hund! Schon bald besteht auch fast keine Chance mehr, durch die Geschichte durchzublicken. Handlungsfäden werden ebenso schnell angerissen, wie fallen gelassen. Alles ist in Bewegung, ständig passiert etwas, was die Geschichte urplötzlich in eine andere Richtung lenkt. Dabei ist es Coscarelli anzurechnen, dass der Film trotz allem niemals zu hektisch oder zu lächerlich wird. Zwar durchstreift ein absurder Humor das Werk, doch trotz des autofahrenden Hundes wird es nie vollends zum reinen Klamauk.

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Tatsächlich erschafft Coscarelli eine merkwürdige, traumähnliche Stimmung, wie sie bereits „Das Böse“ auszeichnete. Allerdings verschwimmen Wahn und Wirklichkeit hier nie so sehr ineinander, dass man sie nicht mehr auseinanderhalten könnte. Damit wird die – nicht gerade unwahrscheinliche – Möglichkeit, dass sich es sich bei den bizarren Ereignissen allein um Fantasiebilder aus Davids Drogenwahn handeln könnte, nicht wirklich aufgegriffen. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, um dem Film noch einen doppelten Boden zu verleihen. So bleibt „John Dies at the End“, trotz aller Haken und Absurditäten, leider doch nur eine relativ eindimensionale Genre-Geschichte.

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Mit seinen beiden jungen, und bis dato unbekannten, Hauptdarstellern hat Coscarelli einen Volltreffer gelandet. Sowohl Chase Williamson als ständig besorgter und seine Verwirrung lakonisch hinnehmender Dave, als auch Rob Mayes als „Titelheld“ John, mit seiner unbändigen Energie und gleichzeitig selbstbewusster Abgeklärtheit, schließt man sofort ins Herz. Allerdings verblassen neben ihnen auch alle anderen Figuren, bzw. werden an die Seite gedrückt. Was schade ist, denn der von Clancy Brown leider etwas übertrieben gespielte Dr. Marconi und Doug Jones als mysteriöser Gestalt, hätten noch mehr Potential gehabt, als nur mal kurz durchs Bild zu huschen. Paul Giamatti, der den Film auch co-produzierte, spielt wieder einmal nur Paul Giamatti. Immerhin, Coscarelli wartet mit einer ganzen Armee skurriler und erinnerungswürdiger Typen auf. Vom Polizisten mit dem eingangs erwähnten, fliegenden Schnurrbart, über einen weißen College-Gangsta-Rapper und einen geheimnisvollen Rastafari, bis hin zu den bizarr maskierten Anhänger eines von Lovecraft inspirierten Kultes um ein Cthulhu-ähnliches Wesen. Gerade letztere bleiben dann auch nach dem Abspann noch lange im Gedächtnis. Doch leider ist auch diese Episode eigentlich viel zu kurz und schon vorüber, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat.

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Dass Coscarelli nur sehr wenig Budget zur Hand hatte, merkt man vor allem an den Effekten. So gibt es leider doch auch (zu) viel schlechtes CGI und nicht überzeugende Szenen vor einem deutlich erkennbaren Green-Screen. Allerdings werden diese durch liebevoll von Hand gestaltete, wenn auch preisgünstige, Effekte fast wieder aufgewogen. Der „Würstchen-Mann“ z.B., ist eine der originellsten und verrücktesten Schöpfungen, die ich in den letzten Jahren in einem Genrefilm gesehen habe. Eine aufwändige und extrem blutige, allerdings auch sehr selbstzweckhafte, Szene wird gar vollständig als kruder Cartoon präsentiert. Überhaupt weist der Film einige Härten auf, die einerseits nicht zu seinem Witz passen, ihn andererseits aber auch wieder so erden, so dass er nicht in reinen Klamauk ausartet.

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Don Coscarellis Rückkehr nach 10 Jahren ist durchaus gelungen. Im Vergleich zu Cosarellis bekannteren Filmen besitzt „John Dies at the End“ sehr viel mehr Tempo und abstrusen Witz. Allerdings ist er auch hoffnungslos überladen und sprunghaft. Auch wird die Chance zu einer bösen und doppelbödigen Komödie leider vergeben. Es ist aber beachtlich, dass der Humor, trotz einiger wirklich absurder und alberner Szenen, nie vollständig ins Lächerliche kippt, sondern eine traumähnliche und latent bedrohliche Atmosphäre sogar noch unterstreicht.

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Das Bild der Pandastorm/Acot-DVD ist wie gewohnt sehr gut. Die Farben kräftig und die Schärfe ganz hervorragend. Allerdings vermisst man in der DVD-Version leider – bis auf einen Trailer – jegliche Extras. Auf einer limitierten BluRay sind diese dann aber zu finden.

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