Blu-ray-Rezension: „Castle Freak“

Castle-Freak_Blu-ray_cover (Vorbemerkung: Da ich noch immer keinen guten Weg gefunden habe, wie man Screenshots von Blu-rays macht und mir keine offiziellen Pressefotos vorliegen, verzichte ich in diesem Fall auf eine reichhaltige Bebilderung der Rezension)

Der Amerikaner John Reilly (Jeffrey Combs) erbt überraschenderweise ein Schloss in Italien. Kurzentschlossen macht er sich mit seiner Ehefrau Susan (Barbara Crampton) und seiner Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) auf, um das Schloss in Augenschein zu nehmen, und einen möglichst schnellen Verkauf in die Wege zu leiten. Zudem hofft er, dass sich die Beziehung zu seiner Frau wieder normalisiert. Vor Jahren hatte er durch eine alkoholisierte Autofahrt einen Unfall gebaut, der seinem 5-jährigen Sohn das Leben und seiner Tochter das Augenlicht kostete. Bald schon hat die Familie das Gefühl, im Schloss nicht allein zu sein, denn immer häufiger hören sie seltsame Geräusche. Was sie nicht wissen: Diese stammen von einer Kreatur, die von der Vorbesitzerin 40 Jahre lang im Verlies eingesperrt und gequält wurde. Und dieser „Castle Freak“ hat sich nun aus seinem Gefängnis befreien können…

Nach dem großen Erfolg von „Re-Animator“ und dem schönen, aber leider weniger erfolgreichen, „From Beyond“ (Review hier), stellt „Castle Freak“ die dritte Zusammenarbeit des Trios Stuart Gordon-Jeffery Combs-Barbara Crampton dar. Mit Drehbuchautor Denis Paoli, Filmkomponist Richard Band, sowie den beiden Produzenten Albert und Charles Band sind sogar noch weitere Mitstreiter aus den vorangegangenen Filmen an Bord. Trotzdem erreichte „Castle Freak“ nie die große Popularität, deren sich die beiden anderen Zusammenarbeiten erfreuen. Dies verwundert etwas, hat doch auch „Castle Freak“ seine Qualitäten, nur liegen diese in einem vollkommen anderen Bereich. Waren sowohl „Re-Animator“, als auch „From Beyond“, grandiose Geisterbahnfahrten mit Hektolitern an Blut und Schleim, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kam, ist „Castle Freak“ stockernst und setzt mehr auf eine sich langsam aufbauende Atmosphäre, als auf fröhlichen Splatter.

Beibehalten wurde aber das Lovecraft-Element. Wie die Vorgänger beruht der Film auf einer Geschichte des amerikanischen Autoren Howard Philips Lovecraft, um die herum Gordon und Drehbuchautor Paoli sehr frei eine völlig neue Geschichte gestrickt haben. Lovecrafts Kurzgeschichte „The Outsider“ handelt von einem Wesen, welches allein in einem Schlosses lebt, dies irgendwann verlässt, nur um wenig später mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert zu werden, und zu erkennen, dass es ein Monster ist. Diese Geschichte wird rudimentär auch in „Castle Freak“ verwendet, aber statt der Reaktion des Monsters, zeigt Gordon nur den zertrümmerten Spiegel.

Das Monster selbst wird zunächst gut versteckt und man kann nur erahnen, welche schrecklich zugerichtete Kreatur sich unter dem blutigen Laken verbirgt. D.h., wenn man nicht zuvor einen Blick auf das DVD-Cover geworfen hat, welches den „Freak“ in all seiner Pracht zeigt und damit den großen Schockeffekt des Filmes verpuffen lässt. Dies war schon bei der alten VHS-Veröffentlichung der Fall, auf der groß „mit Splatter-Garantie“ prangte. Nun, von einem Blutbad wie „Re-Animator“ ist „Castle Freak“ weit entfernt und mehr im Gothic Horror, denn im Splatterfilm verhaftet. Trotzdem war es schon damals überraschend, dass der Film ohne Kürzungen veröffentlicht wurde. Man erinnere sich: Anfang der 90er Jahre hatte das wilde „Enteiern“ von Horror- und Actionfilmen gerade seinen Höhepunkt erreicht. Zwar ist „Castle Freak“ nicht über die Maße blutig, aber stellenweise doch ziemlich brutal und in seinen sexuell aufgeladenen Grausamkeiten recht unangenehm. Hier sei nur auf die Szene verwiesen, in welcher der Freak einem weiblichen Opfer zunächst eine Brustwarze abbeißt und später die Vagina des noch lebenden Opfers verspeist. Letzteres wird natürlich nicht explizit gezeigt, ist aber doch sehr eindeutig.

Trotz seines abstoßende Äußeren und grausamen Handlungen, kann der Zuschauer so etwas wie Mitleid für den Freak hegen. Wird er doch gleich zu Anfang als Opfer einer herzlosen und ihn mit einer Peitsche misshandelnden Mutter eingeführt. Auch seine späteren Verbrechen scheinen vor allem darauf zurückzuführen zu sein, dass er nie Liebe erfuhr und einfach nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Mehr als einmal wird angedeutet, dass seine Morde schrecklich aus dem Ruder gelaufene Versuche sind, so etwas wie Zuwendung zu zeigen. Hier kommt ein Element zu tragen, wie man es aus dem 1930er „Frankenstein“ kennt, wenn das Monster in aller Unschuld das kleine Mädchen ertränkt. Etwas gezwungen wirkt hier die Dopplung zwischen dem Freak und dem Sohn von Jeffrey Combs Charakter, welcher durch die Schuld seines Vaters starb. Ganz klar soll hier das Monster als Metapher für verdrängter/unverarbeiteter Vergangenheit fungieren, die das normale Leben der Hauptperson bedroht. Allerdings wird dieses Motiv in „Castle Freak“ fast schon zu deutlich, und damit etwas aufdringlich, verwendet.

Auf Seiten der Schauspieler neigt Jefferey Combs wieder einmal dazu, etwas zu euphorisch zu agieren. Etwas, was seinen Figuren in „Re-Animator“ und „From Beyond“ gut tat, hier hätte man sich allerdings etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Barbara Crampton bekommt nicht viel Gelegenheit ihre Rolle auszudifferenzieren. Die meiste Zeit ist sie die ständig nörgelnde, und damit recht unsympathische Ehefrau. Auch sieht man ihr recht deutlich an, dass seit „From Beyond“ fünf Jahre vergangen sind. Sie wirkt merkwürdig schnell gealtert. Ist dies der Grund dafür, warum eine Gelegenheit, sie – wie in den beiden anderen Lovecraft-Verfilmungen – oben ohne zu zeigen, beinahe verschämt übergangen wird? Erst am Ende des Filmes darf die Crampton etwas mehr Einsatz zeigen. Gleiches gilt für die Debütantin Jessica Dollarhide, deren einzige Filmrolle dies bleiben sollte. Auch sie spielt sehr farblos und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. So lebt der Film vor allem vom Freak, der von dem Theaterschauspieler Jonathan Fuller gespielt wird, welcher auch in anderen Produktionen ähnliche Rollen übernahm. Blickfang ist dabei natürlich erst einmal die fantastische Maske und das überraschend freizügige Kostüm. Doch auch darüber hinaus schafft es Fuller, dem Freak echtes Leben und eine Seele einzuhauchen.

Gedreht wurde in Italien. Das titelgebende Schloss befindet sich in Giove/Umbrien und soll angeblich der Familie Band gehören, die dort auch Stuart Gordons „Meister des Grauens“ (ebenfalls mit Combs und von Paoli geschrieben) produzierte. Generell fühlt sich der Film stark nach einem Film aus der späten Phase des italienischen Horrorfilm an. Die Bilder sind gräulich-blau gehalten, wie man es z.B. aus den späten Fulci-Filme kennt, und auch eher rau, statt elegant. Dabei befindet sich hinter der Kamera ein wahrer Meister: Mario Vulpiani, der nicht nur viele Italo-Western fotografierte, sondern vor allem auch Marco Ferraris Meisterwerk „Das große Fressen“.

Wer eine Geisterbahnfahrt im Stile von „Re-Animator“ erwartet, wird vom weitaus ernsteren und langsameren „Castle Freak“ wahrscheinlich erst einmal enttäuscht sein. Der Film nimmt sich Zeit seine Geschichte aufzubauen, und erlaubt sich den heute leider selten gewordenen Luxus, sein hervorragend gestaltetes Monster nicht gleich zu zeigen. Mehr Gothic Horror als Splatter, überrascht „Castle Freak“ mit einigen harten und schmerzhaften Szenen.

Die von CMV veröffentlichte Blu-ray hat ein sehr gutes Bild, bedenkt man, dass das Filmmaterial schon älter ist und es sich bei „Castle Freak“ um eine Low-Budget-Produktion handelt. Als Extra ist ein knapp 10-minütiges, zeitgenössisches „Behind the scenes“ von der Art, wie man sie früher bei Videokassetten mit Band-Produktionen häufig hinter dem Hauptfilm fand, enthalten. Als besonderer Bonus zum 15-jährigen CMV-Jubiläum lag meiner Blu-ray noch eine DVD mit dem Film „Die Wurmfresser“ bei.

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