Vorstellung: “Wicked Vision – Das Magazin für den phantastischen Film”

WV1Der jederzeit verfügbare Online-Zugriff auf Blogs und Online-Magazine ist praktisch und gut. Doch so manch einer vermisst das Haptische, das gute, alte Papier, welches man Sammeln, liebevoll in Ordnern ablegen und bei Bedarf herausziehen und drin schmökern kann. Gerade bei Freunden des Nicht-Mainstreamfilms scheint diese Tendenz besonders ausgeprägt zu sein. Wucherte hier doch in der Vergangenheit – nur noch übertroffen von den Musikmagazinen – der Sumpf der Fanzines besonders üppig. Leider erscheint dieser Sumpf schon seit vielen Jahren ausgetrocknet. Viele, die in früheren, internetlosen Zeiten ihre Energie in ein Fanzine gesteckt hätten, benutzen heute WordPress oder ähnliche Software, um ihre Gedanken ins Internet zu tragen. Doch im nur scheinbar verdorrten Boden steckt eine Saat, die nun langsam aufs Neue zu Blühen scheint.

Im letztes Jahr stellte ich an dieser Stelle die Zeitschrift „35 Millimeter“ vor und verwies damals schon auf ähnliche Projekte, wie beispielsweise „Der Zombie“. Auffällig ist der hohe Grad an Eigeninitiative und Enthusiasmus für die Sache, welche die Macher hier an den Tag legen. Hinter den Publikationen steckt keine Marketing-Maschine, beworben werden sie vor allem in den sozialen Netzwerken. Auch der Vertrieb wird selber organisiert, von Druck und Layout ganz zu schweigen. Bedenkt man dann, dass diese Hefte kaum Werbung (und wenn, dann zumeist von Nischenlabels, die ebenfalls kein hohes Werbebudget besitzen) beinhalten, dann kann man vor zwei Dingen nur den Hut ziehen: Statt eines zusammen getackerten Fanzines auf Recylingpapier erhält man ein hochwertiges, professionell anmutendes Heft, zu – und das ist das noch größere Wunder – einem sehr humanen Preis. Nehmen wir beispielsweise die neue Veröffentlichung, um dies es hier gehen soll: Das „Wicked Vison Magazin“. Dieses kostet 6,50 Euro. Dafür erhält der Käufer dann ein Heft im DIN-A4-Format, 88 Seiten in Farbe, viel Text und interessante Bilder, die eben nicht – wie bei den „Profis“ – den Eindruck machen, hier soll Platz auf Kosten des Inhalts geschindet werden. Dabei nur ein absolutes Minimum an Werbung und keine mit großformatigen Anzeigen zugekleisterten Seiten. Da nimmt sich der Verkaufspreis beinahe schon läppisch aus.

„Wicked Vision Magazin“ ist der gerade erschienene Print-Ableger der gleichnamigen Internet-Seite, die – laut Eigenangabe – zu „den führenden und ältesten Online-Magazinen im Bereich des phantastischen und unterschlagenen Films“ gehört und seit knapp 15 Jahren „News, Filmberichte, Interviews, Bildvergleiche, Specials und umfangreiche Reviews“ anbietet. Hinter der Online-Seite „Wicked Vision“ steckt Daniel Pereé, der auch für das von Lisa Schmidt herausgegebene Magazin eine Vielzahl von Texten beigesteuert hat. Eine Zeitschrift zu verlegen ist schon recht tollkühn, diese dann aber über drei komplette Ausgabe hinweg nur einem Thema zu widmen, ausgesprochen waghalsig. „Wicked Vision Magazin“ aber geht das Risiko mit Freuden ein. Das Thema der ersten, und der geplanten folgenden zwei Ausgaben lautet H.P. Lovecraft. Zwar berufen sich heutzutage mehr Filme auf den Schriftsteller aus Providence, als auf sein großes Vorbild Poe, doch ich erinnere mich noch gut, dass Lovecraft lange Zeit so etwas wie ein gut gehüteter – wenn auch sehr einflussreicher – Geheimtipp für die Freunde der phantastischen Literatur war. Trotz Filmen wie „From Beyond“ und „Re-Animator“.

Ich kam 1992 erstmals mit Lovecraft in Berührung. Auf den Namen war ich das erste Mal in Stephen Kings von mir förmlich kaputt-gelesenen Sachbuch „Danse Macabre“ aufmerksam geworden. Und als ich im Bremer Bahnhofsbuchhandel das im Suhrkamp-Verlag erschienene Buch „Stadt ohne Namen“ (ich weiß noch genau, wo es stand) entdeckte, war es um mich geschehen. In der Folgezeit klapperte ich mit Wonne alle möglichen Buchläden und Antiquariate ab, um peu a peu alle im Suhrkamp-Verlag erhältlichen Bücher, inklusive der Fragmente, der von Lovecraft überarbeiteten Arbeiten Anderer und den von August Derleth auf Basis von Lovecrafts Notizen entstandenen Geschichten, zusammen zu sammeln. Was einige Zeit in Anspruch nahm. Damals gab es ja noch kein Amazon und die Bücher einfach im Handel zu bestellen, erschien mir zu einfach und Lovecraft nicht angemessen. Auch die Biographie „Der Einsiedler von Providence“ und die Essay-Sammlung „Über Lovecraft“ verleibte ich meiner Sammlung ein und wage zu behaupten, dass ich damals durchaus ein Experte in Sachen Howard Phillips Lovecraft war. Noch heute läuft mir ein wohliger Schauer den Rücken herunter, wenn ich die dunkelrosa und violetten Bücher im Regal stehen sehe. Daher war ich natürlich sehr erfreut, als ich das erste Mal von dem Vorhaben lass, ein Magazin auf den Markt zu bringen, welches sich ausschließlich mit Lovecraft, seinem Werk, den Verfilmungen und den Einfluss Lovecrafts auf die populäre Kultur und Kunst beschäftigte.

Kann das „Wicked Vision Magazin“ meine hohen Erwartungen erfüllen? In einem Wort: Ja. Das Magazin nähert sich dem Phänomen Lovecraft von mehreren Seite und geht dabei weit über ein „normales“ Filmmagazin hinaus, wobei die Verfilmungen selbstverständlich den Schwerpunkt ausmachen. So beginnt das Heft mit einer ausführlichen Biographie Lovecrafts, die auf mehrere Teile angelegt wird. Im ersten Teil beschäftigt sich Jörg Kopetz sehr kompetent mit Lovecrafts Jugend und ersten schriftstellerischen Gehversuche. Später im Heft wird Kopetz dann noch darauf eingehen, warum „Tanz der Teufel“ eben gerade kein Lovecraft-Film ist. Daniel Perée gibt einen kurzen Überblick darüber, was Lovecraft selbst vom Kino hielt, bevor der von zahlreichen Booklets bekannte Pelle Felsch, sich mit der ersten Lovecraft-Verfilmung auseinandersetzt. Dies war 1963 Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“, der zwar dann Edgar Allan Poe zugeschlagen wurde, tatsächlich aber Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“ in Bilder umsetzte. In Anschluss an den Artikel folgt – und das hätte ich in der Tat nicht erwartet – ein Interview mit dem König der B-Filme höchstselbst: Roger Corman. Dieses dreht sich dann in erster Linie um „Die Folterkammer des Hexenjägers“, aber auch Cormans Einstellung zu Lovecraft.

Überhaupt ist es beeindruckend, dass nicht nur Corman für ein Interview gewonnen werden konnte, sondern auch solche Größen wie Stuart Gordon und Brian Yuzna dem „Wicked Vison Magazin“ Rede und Antwort standen. Dies nötigt mir einigen Respekt ab. Kernstück des Heftes ist eine ausführliche, 11-seitige Besprechung des Filmes „From Beyond“, verfasst von Daniel Perée. Daran anschließend stellt er knapp den mir vollkommen unbekannten Animationsfilm „The Dream-Quest of Unknown Kadath“ vor. Oliver Nöding bespricht die beiden Teile von „The Unnamable“, wobei überraschenderweise gerade ihm ein kleiner Faux-pas unterläuft, wenn er Lovecrafts Kurzgeschichte „The Unnamable“ mit „The Outsider“ (Inspiration für Stuart Gordons „Castle Freak“) verwechselt. Daniel Perée geht dann noch einmal auf die wohl bekannteste Lovecraft-Verfilmung („Re-Animator“) ein, bevor er noch einen kurzen Verriss von Ivan Zuccons Low-Budget-C-Film „The Darkness Beyond“ folgen lässt. Merkur Schröder vom Blog „Intergalaktische Filmreisen“ schließt mit dem Low-Budget-Trash-Filmchen „The Call-Girl of Cthulhu“ den Filmteil ab.

Es folgt ein Abdruck von Lovecrafts Kurzgeschichte „From Beyond“, die mit Illustrationen des niederländischen Comiczeichners Erik Kriek bebildert wird. Markus Koppers schreibt über Krieks Comic-Adaptionen einiger Lovecraft-Geschichten, während Daniel Perée ein Interview mit dem Künstler führt. Die folgenden Artikel waren für mich dann von geringerem Interesse. Lisa Schmidt schreibt über den Einfluss Lovecrafts auf die Musik. Der Artikel ist dann – dem Thema bedingt – sehr Heavy-Metal-lastig, was zur Folge hat, dass ich ca. 80% der dort vorgestellten Bands weder kenne, noch unbedingt kennenlernen möchte. Zwar habe ich bis Ende der 90er selber viel diese Musikrichtung gehört, jedoch in den letzten 15 Jahren das Interesse daran weitgehend verloren. Ähnliches gilt für das Interview mit dem Tattoo-Künstler Tommy Lee Wendtner, dessen Kunst mich ebenfalls eher weniger anspricht. Doch dies liegt eben im Auge des Betrachters und insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass auch diese „Nischen“ hier bedient werden. Sehr spannend fand ich dann das abschließende Gespräch zwischen Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann, die sich über ihre Faszination für Lovecraft unterhalten.

Trotz des beeindruckenden Umfangs mit der sich die erste Ausgabe des „Wicked Vision Magazin“ dem Thema Lovecraft widmet, habe ich noch einige Themen vermisst. Doch wie die Vorschau auf die zweite Ausgabe ankündigt, werden diese bereits in der nächsten Ausgabe nachgeholt, wo dann u.a. der grandiose „The Whisperer in Darkness“ besprochen wird. Und bestimmt findet sich in der dritten Ausgabe noch ein persönlicher Favorit von mir: Huan Vus deutscher Lovecraft-Film „Die Farbe“. Ich bin auf jeden Fall freudig gespannt auf die nächsten Hefte und drücke dem „Wicked Vision Magazin“-Team fest die Daumen, dass sich ihre Mühe und ihr Enthusiasmus auszahlt und noch viele weitere Hefte folgen werden.

Beziehen kann man das Heft direkt auf wicked-vision.com oder im Online-Shop der Zeitschrift „35 Millimeter“.

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Samstag: “Wir sind jung. Wir sind stark” mit Regisseur Burhan Qurbani in der Schauburg

jung_starkAm Samstag, 24. Januar um 21:15 Uhr wird Regisseur Burhan Qurbani in der Schauburg seinen Film „Wir sind jung. Wir sind stark“ persönlich vorstellen. Der Film basiert auf Tatsachen und behandelt die Hintergründe des Angriffs auf das Asylbewerberheim in Rostock-Lichterhagen im jahre 1992.

Rostock 1992. Stefan hat sich schon lange von seinem Vater, einem SPD-Politiker abgewandt. Er hängt mit seiner Clique herum, darunter ein Rechtsradikaler, der die Gruppe unter Kuratel hält. Die Vietnamesin Lien hat nach der Wende einen Job gefunden und will im Gegensatz zu ihrem Bruder und dessen schwangerer Frau in Deutschland bleiben. Am Abend des 24. August 1992 macht ein brauner Mob im Ortsteil Lichtenhagen Jagd auf Ausländer und wirft Brandsätze ins sogenannte Sonnenblumenhaus, wo Asylbewerber untergebracht sind.

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Originalfassungen in Bremen: 22.01.15 – 28.01.15

Diese Woche gibt es vor allem türkische Filme und Musikdokus zu sehen. Allerdings auch den neuen Film von Alejandro González Iñárritu, der ebenso wie der ebenfalls im O-Ton laufende „The Imitation Game“ mit Benedict Cumberbatch als heißer Oscar-Kandidat gilt. Und auch eine Komödie mit Johnny Depp läuft. Viel Auswahl also und eigentlich für jeden etwas dabei.

Baymax – Riesiges Robowabohu – Cinemaxx, Fr., 17:40 und Mi., 20:20 – Animationsfilm aus den Disney Studios über einen technikbegeisterten Jungen und seinen besten Freund, einen Roboter.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=8IdMPpKMdcc[/youtube]

Der große Trip – Wild – Cinemaxx, Do., 22.1. um 19:50 – US-Spielfilm mit Reese Witherspoon über eine heroinabhängige Frau, die zur Selbstfindung den Pacific Crest Trail entlang wandert – 4.240 Kilometer entlang der Westküste der USA, von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze.

Fatih’in Fedaisi Kara Murat – Cinemaxx, Do./Sa./Mo./Mi. immer 23:00 – Türkischer Historienfilm um den Helden Kara Murat, der im Krieg zwischen dem osmanischen und dem byzantinischen Reich kämpft.

Ask Sana Benzer – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:00 – Türkischer Liebesfilm um einen jungen Mann, der sich in einem kleinen Fischerdorf in eine fremde Frau verliebt.

Bana Masal Anlatma – Erzähl mir keine Märchen! – Cinemaxx, Di., 27.1. um 23:00 – Türkische Komödie um einen schüchternen Mann in den sich das begehrteste Mädchen des Dorfes verliebt.

Mucize – Wunder – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:50 und 22:50 – Türkisches Drama um einen Lehrer, der 1961 in einem Dorf im äußersten Osten des Landes durchsetzten will, dass die Mädchen und ein Behinderter zur Schule gehen dürfen.

Mortdecai – Der Teilzeitgauner – Cinemaxx, Sa., 24.1. um 17:40 & CineStar, So., 25.1. um 20:00 – US-Komödie um einen Kunsthändler und Lebemann, der sich auf die spur einen gestohlenen Goya-Gemäldes macht, um mit der Belohnung seine zahlreichen Schulden zu begleichen. Mit Johnny Depp, Paul Bettany und Gywneth Paltrow.

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben – Cinemaxx, Di., 27.1. um 19:45 & Schauburg, So. und Mi. um 21:00 – Dramatische Biographie des britischen Genies Alan Turing, der im zweiten Weltkrieg den deutschen Enigma-Code entschlüsseln soll. Mit Benedict Cumberbatch, der als heißer Oscar-Favorit gehandelt wird.

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Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – Schauburg, Mo., 26.1. um 12:00 & Atlantis, So., 25.1. um 20:00 – Der neue und in Vendig und den Golden Globes gefeierte Film von Alejandro González Iñárritu, in dem Michael Keaton einen ehemaligen Filmstar spielt, der in einem experimentellen Theaterstück seine angeschlagene Karriere wiederbeleben will. Noch ein großer Oscar-Favorit.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=-efiEOb2qEU[/youtube]

National Gallery – Gondel, Sa., 24.1. um 12:00 – 3-Stunden-Doku des legendären Frederick Wiseman über die National Gallery in London.

Der Pfad – City 46, Do., 22.1. um 20:00 – Eine 12-jährige will mit ihrem jüngeren Bruder vor ihrem Großvater aus Nicaragua nach Costa Rica zu ihrer Mutter fliehen.

Following the Ninth – Auf den Spuren von Beethovens letzter Symphonie – City 46, Sa./Mo. um 18:00 und Mi. um 20:30 – US-Doku über Geschichte und heutige Bedeutung der 9. Symphonie.

Mercedes Sosa, die Stimme Lateinamerikas – City 46, Do./Di. um 18:00 und Mo. Um 20:30 – Argentinische Doku über die Sängerin und Politaktivistin.

Sanctuary: Lisa Gerrard – City 46, So., 25.1. um 18:00 – Amerikanische Doku Lisa Gerrard, die den Soundtrack für „Gladiator“, „The Insider“ oder „Ali“ lieferte und in den 80ern die Band „Dead Can Dance“ hatte.

The Punk Singer – City 46, Fr., 23.1. um 20:30 – Amerikanische Doku über Kathleen Hanna, Sängerin und Frontfrau von „Le Tigre“ und „Bikini Kill“.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 26.01. um 21:20

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 26.01. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 28.01. um 21:00

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Blu-ray-Rezension: “Die tödlichen Zwei”

tödlichen zweiDie mongolischen Unterdrücker haben den chinesischen Prinzen Kang, ein Mitglied der Sung-Dynastie, in ihre Gewalt gebracht. Alle Versuche, den Prinzen zu befreien waren bisher zum Scheitern verurteilt. Da erfährt der Patriot Pao (Ti Lung), dass der Prinz in einer Festung gefangen gehalten wird, die nur über eine marode, schier unüberquerbare Brücke einzunehmen ist. Allein der zwielichtige Yian Luyan besäße die Fähigkeit, die Brücke unbeschadet zu überqueren. Doch dieser ist bereits einen Handel mit den Mongolen eingegangen. Zufällig kreuzen sich aber die Wege Baos mit denen von Pien (David Chiang), einem ehemaliger Schulkamerad Yians, der diesem nicht nur überlegen ist, sondern auch bereit ist, sich der guten Sache anzuschließen…

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Lange Zeit waren die Hunderte von Filmen, welche die legendären Shaw Brothers Studios ab Ende der 50er bis Mitte der 80er Jahre produziert haben, nicht mehr zugänglich. Da das Studio selber, sich nicht um sein Erbe kümmerte, waren die Fans lange Zeit auf alte VHS-Kassetten angewiesen, wo sie sich dann zwischen den teilweise massiv gekürzten deutschen Fassungen im korrekten Bildformat und den zwar vollständigen, aber ins brutalste Pan&Scan gezwängte Fassungen aus den Niederlanden entscheiden konnten. Erst ab 2002 trat eine deutliche Verbesserung der Lage ein, als Celestial Pictures die originalen Negative, die sie 2000 den Shaw Brothers Studios abgekauft hatten, restaurierten und als DVDs zugänglich machten. In Deutschland war das Billig-Label „M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz“ der erste Nutznießer der Celestial-Versionen. Allerdings musste aus Lizenzgründen auf die vertraute alte Synchronisation verzichtet werden. Stattdessen wurde eine eigene, preisgünstig produzierte deutsche Tonspur hinzugefügt. Als nächstes waren dann Koch Media an der Reihe. Das vorbildliche Label brachte unter dem Titel „Shaw Brothers Collection“ zwei wunderschöne Boxen mit jeweils vier Filmen auf den Markt. Nun kümmert sich auch filmArt um das Shaw-Brothers-Erbe in Deutschland und hat als ersten Titel einer neuen Reihe namens „Shaw Brothers Collector’s Edition“ den Film „Die tödlichen Zwei“ veröffentlicht.

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„Die tödlichen Zwei“ zählt sicher nicht zu den besten Shaw-Brothers-Filmen. Dazu fehlt ihm Tiefe, Dramatik und epischer Atmen. Doch er vereint all die Elemente, die das Studio in den 70ern bei den Fans fernöstlicher Kampfkunst-Kost so beliebt gemacht hat. Schön choreographierte Kämpfe, ebenso spektakuläre, wie exotische Waffen, routinierte Darsteller und ein Hauch Mystik. Da der Film mit seinen 82 Minuten für Shaw-Brothers-Verhältnisse eine relativ kurze Laufzeit besitzt, konzentriert er sich ganz auf das, was das Publikum in solch einer Produktion sehen will: Schauwerte, die sich über farbenprächtige Kostüme und brutaler Action ausdrücken. Die Geschichte um die Befreiung des Prinzen aus den Klauen der mongolischen Herrscher ist dünn gesponnen und gibt nur den Faden vor, an den dann die einzelnen Actionsequenzen gehangen werden. Diese zeichnen sich durch eine für das Jahr 1971 ungewöhnlich hohe Blutrünstigkeit aus. So besitzt der von David Chiang gespielte Held eine Waffe, die einen Dorn mit Widerhaken durch die Körper der Gegner bohrt, was beim wieder Herausreißen zu hässlichen Wunden führt. Generell werden häufig Körper explizit durchbohrt und Kehlen durchgeschnitten. Der rote Saft tropft sehr oft zu Boden. Sei es von Ti Lungs überdimensionaler Doppelaxt oder aus den Wunden der tödlich Verletzten.

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„Die tödlichen Zwei“ nimmt dabei schon eine Tendenz vorweg, die sich später noch – vor allem in den Filmen, die Chang Cheh Ende des Jahrzehnts und in den frühen 80ern drehen sollte, noch verstärken wird. Die fantasievollen Gegner,die mit skurril-übertriebenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Wie die legendären „Five Venoms„, die im gleichnamigen Film (deutsch: „Die unbesiegbaren 5“) die Eigenschaften unterschiedlicher, giftiger Tiere besitzen. Und noch deutlicher die „Super Ninjas„, die ihre Gegner aus Bäumen, vom Himmel und aus dem Boden angreifen. Auch die Handlanger der Bösen in „Die tödlichen Zwei“ sind beinahe übermenschliche Wesen. Jeder von ihnen für eines der chinesischen fünf Elemente: Da gibt es die, vom beliebten Filmbösewicht Bolo Yeung gespielte „Flussschlange“, der in einer erinnerungswürdigen Szenen, seine Gegner auf einem Floss und im Fluss erledigt (Wasser). Der „Maulwurf“ gräbt sich ein und springt dann überraschend vor seinen Gegner aus dem Versteck (Erde). der Feuerdrache verschießt explodierende Kugeln (Feuer), ein anderer kämpft mit etwas, was wie rasiermesserscharfe Salatschüsseln aussieht (Metall) und der fünfte versteckt sich mit Vorliebe in Baumstämmen (Holz). Die Choreographie der Kämpfe stammt im Übrigen u.a. von Lau Kar-Leung, dem Regisseur solcher Klassiker wie „Die 36 Kammern der Shaolin„, „Drunken Master II“ oder „Tiger on the Beat„.

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Trotz allem muss man aber auch festhalten, dass bei allem Unterhaltungswert, das Drehbuch von I Kuan, der für die Shaw Brothers weit über 200 Filme – darunter auch zahllose zeitlose Klassiker – geskriptet hat, mit der heißen Nadel gestrickt ist. Dass keine der Figuren einen wirklichen Hintergrund hat, mag man da noch verschmerzen. Ti Lung und David Chiang sind solche Archetypen und harmonieren so gut zusammen, dass man keine näheren Erklärungen braucht, um zu verstehen, wer sie sind und welche Charaktereigenschaften sie mitbringen. Alle anderen Figuren bleiben aber trotz aller Farbenfrohheit, blass. Sie sind lediglich die Abziehbilder bekannter Stereotypen. Zudem agieren sie teilweise idiotisch. Als fünf von Ti Lungs Männern (die sich zuvor im Kampf als tapfer und loyal erwiesen haben) auf ihn an einer – wie es heißt unpassierbaren – Brücke warten sollen, haben sie nichts Besseres zu tun, als einer nach dem anderen zu versuchen, über den Abgrund zu spazieren. Dass dabei – trotz angepriesener Talente – einer nach dem Anderen in den Abgrund stürzt, hält die Anderen nicht davon ab, es ebenfalls zu versuchen. So trifft Ti Lung dann später auf eine arg dezimierte Truppe. Wobei es daraufhin sein erster Gedanken ist, es ebenfalls blindlings zu versuchen, über die tödliche Brücke zu gelangen. Auch die Geschichte mit der Karte, die jemand einem Gefangenen mit dem Fingernagel auf den Rücken gekratzt hat, lässt einen die Stirn kräuseln. Zudem hat sich I Kuan – vielleicht um seinen Drehbuch eine Komplexität vorzugaukeln, die es gar nicht besitzt – entschlossen, die erste Hälfte des Filmen nicht immer chronologisch, sondern in zahlreichen, aber unnötigen Rückblenden zu erzählen.

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Trotz einer zunächst unnötig komplizierten Erzählstruktur, fehlender Tiefe und einigen Ungereimtheiten, weiß „Die tödliche Zwei“ vorzüglich zu unterhalten. Was einerseits an dem, wie immer höchst charismatischen, Duo Lung und Chiang liegt. Aber auch an den überzeugend und bunten Kampfszenen, sowie den fantasievoll gezeichneten Gegnern. Bei einer überraschend kurzen Laufzeit von 82 Minuten, kommt trotz der dünnen Geschichte zu keinem Zeitpunkt Langweile auf.

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filmArt hat „Die tödlichen Zwei“ als Mediabook mit Blu-ray und DVD herausgebracht. Die Bildqualität der Blu-ray ist schlichtweg umwerfend. So habe ich noch nie einen Shaw-Brothers-Film noch nie gesehen. Das Bild ist so scharf, dass man bei den Schauspielern genau die überschminkte Kante sieht, an der die Perücken anfangen. Der Ton liegt in der alten Kinosynchronisation und auf Mandarin vor.  Die deutschen Untertitel folgen dabei der Mandarin-Fassung, nicht der deutschen Synchro.  Extras gibt es bis auf zwei Trailer soweit keine. Dem Mediabook liegt ein 20-seitiges Booklet bei, welches das komplette deutsche Werbematerial aus den 70er Jahren enthält. Auf dem Cover hat sich leider ein Fehler bei der Laufzeitangabe eingeschichen. Hier wird der Film mit 86 (BR) bzw. 82 (DVD) Minuten angebenen. Tasächlich sind es aber 82 (BR) und 78 (DVD). Insgesamt ist die „Shaw Brothers Collector’s Edition“ auf 10 Teile angelegt. Nach „Die tödlichen Zwei“ sollen in 2015 noch vier weitere Titel folgen. Zunächst „Duell ohne Gnade“, dann „Der gnadenlose Vollstrecker“, „Der Mann mit der Tigerpranke“ und ein Titel, auf den ich mich ganz besonders freue: „Das Omen des Bösen“.

Die Screenshots stammen von der DVD.

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Das Bloggen der Anderen (19-01-15)

bartonfink_type2– Auf B-Roll präsentiert Lucas Barwenczik ein Portrait der „heiligen“ Angelina Jolie, die er „gerade wegen ihrer Fehlschläge“ eine „der faszinierendsten Figuren Hollywoods“ nennt. Joachim Kurz rechnet mit Till Schweiger und seinem Publikumserfolg „Honig im Kopf“ ab, den er – auch aus sehr privaten Gründen – unerträglich findet.

– schwanenmeister findet auf movies&sport mag Schweiger-Komödien zwar auch nicht gut, in Teilen hat er aber durchaus Respekt vor Schweiger und merkt an, „Paar-Beziehungen (mögen) durch seine rosarote Brille einseitig gefärbt sein – bei der Kinderperspektive auf diese zeigt sich Schweiger aber immer mal wieder als sensibler Beobachter.“

– PD und YP haben Jean-Luc Godards neuen Film „Adieu au langage“ gesehen und sind auf Film im Dialog zu ihrer eigenen Überraschung sehr begeistert.

– Thomas Rufin beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit der Verwendung von Richard Wagners „Walküren-Ritt“ im Film und entdeckt diesen – neben den bekannten – auch an ganz überraschenden Stellen. Patrick Holzapfel führt mit Andrey Arnold anlässlich der De-Sica-Retrospektive in Wien einen Dialog um die Frage nach den “echten Menschen” bei De Sica.

– Letzte Woche hatte Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film Tatjana Turanskys „Top Girl“ ziemlich abgewatscht. In dieser Woche melden sich andere Blogger, die für den Film ausgesprochen wohlwollende Worte finden. So wie der Intergalactic Ape-Man auf Intergalaktische Filmreisen, Ulrich Kriest auf filmgazette oder Jamal Tuschick auf Hard Sensations, der liebevoll einige Szenen des Filmes beschreiben.

– Am 10. Januar verstarb Francesco Rosi. Sven Safarow hat ihm auf Safarow schreibt einen kurzen Nachruf gewidmet.

– Und auch Udo Rotenberg lässt auf L’amore in città anhand des Filmes „Il momento della verità (Augenblick der Wahrheit)“ noch einmal Rosis Werk Revue passieren.

– Noch zweimal Hofbauer-Kongress. Zunächst berichtet Michael Kienzl auf critic.de über einige Highlights, die er in Nürnberg sehen konnte.

– Und auch Alex Klotz setzt seinen Hofbauer-Bericht auf hypnosemachinen mit Tag 2 fort.

– Oliver Nöding nimmt sich auf Remember It For Later weiterhin die Bond-Filme vor. Er rehabilitiert „Man lebt nur zweimal“ und schreibt eine einfühlsame Rezension zu meinem Lieblings-Bond „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

– Thomas Groh ist auf seinem filmtagebuch doch recht enttäuscht von dem neuen Terry-Gilliam-Film „The Zero Theorem“ und zeigt sich von Christoph Walz mittlerweile genervt.

– Apropos alte Meister: Der neue Film von Tim Burton, „Big Eyes“ kommt bei Stefanie Schneider auf Cereality auch gar nicht gut weg. Dafür mag ihre Kollegin Julia Weigl den Film, den ich nicht nur zu den schönsten Burton-, sondern gleich zu einem der schönsten Filme überhaupt zählen würde: „Big Fish“.

– Hoffmann widmet sich auf Drei Muscheln einem weiteren Liebling von mir: Roy Andersson. Hier bespricht er einen sehr frühen Spielfilm des Meisters, der heute unter die Rubrik „untypisch“ fallen würde. „Eine schwedische Liebesgeschichte“ von 1970.

– Mitte der 90er war ich im Anime-Fieber. Einer der Filme, die mich damals begeisterten, war „Wicked City“. Das Fieber liess schnell nach (warum kann ich gar nicht sagen). Robin Schröders Besprechung dieses Anime-Klassikers auf Mise en cinema reizt aber zu einer Wiedersichtung.

– Der scheinbar sehr obskure, sehr spezielle, israelische Film „Adam“, den Reda auf Der breite Grad ausgegraben hat, macht ebenfalls sehr neugierig.

– Wer mehr über den beliebten schwedischen TV-Kommissar Beck erfahren möchte, der kann bei Mauritia Mayer auf Schattenlichter etwas über eine frühe Verfilmung eines Beck-Romans des legendären Autoren-Duos Maj Sjöwall und Per Wahlöö lesen: „Der Mann auf dem Dach“.

– Sebastian hat sich auf Das Magazin des Glücks zweier Fritz-Lang-Filme angenommen, die thematisch und von der Besetzung her sehr nah beieinander liegen: Den wunderschönen „Gefährliche Begegnungen“ und dem mir bisher leider noch nicht gesichteten „Straße der Versuchung“.

– Dass Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen und ich mal bei einem Film einer Meinung sind, kommt recht selten vor und soll an dieser Stelle gebührend gefeiert werden… mit dem „Grünen Blut der Dämonen“.

– Lukas Foerster beschäftigt sich auf Dirty Laundry weiterhin mit dem amerikanischen Regisseur Phil Karlson und hat in dessen „Lorna Doone“ eine Sequenz gefunden, die ihn nicht losgelassen hat.

Zeilenkino macht auf die neue Filmreihe „Nordlichter – Neues skandinavisches Kino“ aufmerksam, die 2015 durch das Land tourt.

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Blu-ray-Rezension: “Der Teufel führt Regie”

teufelfuehrtregieNick Lanzetta (Henry Silva) wurde vom Mafiosi Don Giuseppe D’Aniello (Claudio Nicastro) wie ein Sohn aufgezogen. In D’Aniellos Auftrag löscht Lanzetta eine rivalisierende Mafia-Familie aus. Doch ein Vertrauter der Familie, Cocchi (Pier Paolo Capponi) kann entkommen. Er ahnt, dass D’Aniello hinter dem Massaker steckt und entführt dessen Tochter Rina (Antonia Santilli). Obwohl vom D’Aniello großen Paten Don Corrasco (Richard Conte) verboten wird, sich einzumischen, nimmt dieser die Sache selber in die Hand und beauftragt Lanzetta seine Tochter aus den Klauen Cocchis zu befreien. Koste es, was es wolle. Damit wird ein blutiger Mafia-Krieg losgetreten und Lanzetta vom Jäger zum Gejagten…

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Der Teufel führt Regie“ ist der Abschluss der sogenannten „Mafia“-Trilogie des italienischen Regisseurs Fernando di Leo. Obwohl alle Filme unabhängig von einander sind und auch nicht aufeinander aufbauen, so besitzen sie doch inhaltliche Schnittpunkte, denn sie erzählen alle drei im Grunde die gleiche Geschichte. Die Geschichte eines Mannes, der sich innerhalb des System der Mafia bewegt, hier jedoch Opfer von Machtspielen und Intrigen wird. War Ugo Piazza aus „Milano Caliber 9“ dabei nur scheinbar ein Opfer, welches aber hinter der Fassade seiner ganz eigene Agenda verfolgte und dabei Freund und Feind betrog, so ist der Kleingangster Luca Canalli, der in „Der Mafiaboss“ von den mächtigen Bossen zum Freiwild erklärt wird, eine bemitleidenswerte Kreatur, die gar nicht weiß wie ihr geschieht, wenn sie zwischen die Mühlsteine der Intrigen und politischen Machtspiele der Bosse gerät. Lanzetta aus „Der Teufel führt Regie“ hingegen ist ein Mann, der durchaus weiß, wie der Hase läuft. Der im System des Verbrechens eiskalt agiert und reagiert. Der die Spielregeln verstanden hat und deshalb seinen Feinden einen Schritt voraus ist.

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Und die Spielregeln lauten: Keine Skrupel – kein Vertrauen. Jederzeit kann der Verbündete zum Feind werden. Zu jedem Zeitpunkt muss man damit rechnen, dass sich der Freund als schlimmster Feind entpuppt. Loyalität wechseln schneller als die Windrichtung. Selbst wenn man jemanden wie seinen eigenen Sohn aufgezogen hat, heißt es nicht, dass dieser einen nicht ohne zu zögern umbringt, wenn es für seine Ziele opportun ist. Traue niemanden. Baue keine emotionalen Bande auf. Sei immer auf der Hut und bereit, jeden zu töten, der dir im Weg steht. Die Welt, die di Leo hier zeichnet ist finster, zynisch und voller Gewalt. Keine seiner Figuren ist ohne emotionale Verkrüppelungen. Das Opfer einer Entführung entpuppt sich als nymphomane Drogensüchtige, die die sexuellen Übergriffe ihrer Entführer genießt, der alte Patriarch lässt seine Weggefährten mit einem Lächeln aus dem Weg räumen und kuscht doch selber vor den noch mächtigeren Bossen aus Rom. Der Polizist ist durch und durch korrupt und Lanzetta selber ein eiskalter Killer, der selbst seine Mutter ohne mit den Augen zu zwinkern über den Haufen schießen würde, wenn es ihm nützt. In seiner Erbarmungslosigkeit und Brutalität erinnert „Der Teufel führt Regie“ stark an die japanische „Battles without Honor und Humanity“-Reihe. Denn Ehre und Humanität sind auch hier völlig abstinent.

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„Der Teufel führt Regie“ war der erste Polizieschi, den ich einst vor vielen Jahren sah. Und er hat mich schon damals stark beeindruckt. Allein die Eröffnungsszene, in der Lanzetta in ein Kino schleicht, um aus dem Vorführraum heraus seine Sprengstoffgeschosse in den Saal zu feuern, blieb mir im Gedächtnis. Aber auch die rockige Musik, die rockig-treibende Musik von Luis Bacalov und die vielen rau inszenierten Mordszenen faszinierten mich. Das Wiedersehen hat diese frühen Eindrücke bestätigt.Dem in Brooklyn aufgewachsenen Henry Silva ist die Rolle des Lanzetta wie auf den Leib geschrieben. Seine durchdringenden Augen, die in einem nahezu unbewegten, kantigen Gesicht wie glühende Kohle lodern, machen schnell klar, dass hier jemand ist, mit dem man sich keine Späße erlaubt. Der aufrechte, katzenhafte Gang und der Sinn für Stil – Silva sah wahrscheinlich in keinem seiner Filme besser aus – lassen Schauspieler und Figur miteinander verschmelzen. Man braucht nicht viel über Lanzetta zu wissen. Silvas eiskalte, unerbittliche Aura erzählt bereits die ganze Geschichte.

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Neben Silva haben es die anderen Darsteller schwer, schaffen es aber, ihren Rollen einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Insbesondere Gianni Garko überrascht, spielt er doch gegen sein Typ. Zwar wirkt seine Darstellung zunächst befremdlich und aufgesetzt, wenn er mit den Händen in der Gegend herumfuchtelt, unterstreicht aber auch die Primitivität seines Commissario Torri , der gerne etwas Größeres darstellen möchte, als er ist. Der alte Westernheld Garko untergräbt in jeder seiner Szenen jedweden Respekt, den man vor Commissario Torri haben könnten. Einen aufgeblasenen Popanz, der so gerne ein cooler Bulle wäre. Letztendlich aber seine Karriere nur dem gut geschmierten System verdankt. Altstar Richard Conte bringt genug Ausstrahlung mit, um seinen Mafia-Paten mächtig und väterlich zu gestalten, lässt aber auch durchblicken, dass Don Corrasco ein schwacher Herrscher über das Reich des sizilianischen Verbrechens ist und am Ende dann doch auch an den Fäden anderer hängt. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit der Figuren in „Der Teufel führt Regie“. Alle überschätzen sich und ihre Möglichkeiten. Allein Lanzetta bildet hier eine Ausnahme. Positiv fällt auch Marino Masè – der einst die Hauptrolle in Jean-Luc Goddards „ Die Karabinieri“ spielte – in der Rolle des Pignataro auf. Ein kluger, gewiefter Taktiker und skrupelloser Killer, dem allerdings sein Stolz auf die eigene Cleverness zum Verhängnis wird.

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„Der Teufel führt Regie“ berichtet von einer Welt in der Niedertracht, Verrat und skrupellose Gewalt regieren. Ohne einen einzigen positiven Charakter dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller und reist alles mit sich, nur um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Ein zutiefst pessimistisches Werk der Polizieschi-Legende Fernando di Leo mit einem beängstigenden Henry Silva in der Hauptrolle.

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FilmArt hat diesen Film in einem Media-Book, welches den Film sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD enthält, veröffentlicht. Das Bild der Blu-ray ist tadellos und verfügt über kräftige Farben und tiefe Schwarztöne. Bezüglich des Tons gab es im Vorfeld ein großes Problem. Der Film war vor der deutschen Kinoauswertung 1974 massiv gekürzt worden. Um diese Kürzungen zu kaschieren, wurde die Dialoge in der deutschen Synchronisation so hin gebogen, dass die fehlenden Teile nicht weiter auffielen. Wenn filmArt nun eine ungekürzte Fassung mit deutschen Ton anbietet, so passen die wieder eingefügten Teile nicht mehr zur deutschen Fassung. So entschied sich filmArt für die einzig sinnvolle Lösung: Die ungekürzte Fassung wird im italienischen Original mit deutschen Untertiteln– die gekürzte, ganz auf die Action fokussierte, deutsche Kinofassung mit Synchronisation angeboten. Vor Beginn des Filmes, wird der Filmfreund aufgefordert, sich für eine der beiden Fassungen zu entscheiden. Der DVD liegt ein umfangreiches und sehr informatives Booklet von Pelle Felsch bei. Einziger Kritikpunkt: Die deutschen Untertitel der italienischen Fassung sind ab und zu von irritierenden Rechtschreibfehlern geplagt. Laut OFDb soll es übrigens ein 83-minütiges Hidden Feature geben. Dieses habe ich allerdings nicht gefunden und glaube, das ist eine Ente. Falls jemand Näheres weiß, bitte in den Kommentaren posten.

Alle Screenshots stammen von der DVD-Version des Filmes.

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Blu-ray-Rezension: „“The Twilight Zone – Die gesamte dritte Staffel”

twilightzonestaffel 3You’re traveling through another dimension, a dimension not only of sight and sound but of mind; a journey into a wondrous land whose boundaries are that of imagination. Your next stop…the Twilight Zone.

Mit einer leicht veränderten Anmoderation und einem neuen Vorspann meldete sich die „Twilight Zone“ am 15. September 1961 zu ihrer dritten Staffel zurück. Das nun dritte Jahr als Produzent, Autor und Präsentator der Sendung hatten ihre Spuren bei Rod Serling hinterlassen. Bei seinen Auftritten wirkt Serling im Vergleich zur vorherigen Staffel gealtert und ausgezehrt. Tatsächlich bemerkte er 1961, er sei „noch nie so leer an Ideen“ gewesen („I’ve never felt quite so drained of ideas as I do at this moment“). Im Zuge dessen, schraubte er seinen Ausstoß an Drehbüchern deutlich herunter. War er in den ersten beiden Staffeln noch für 73% aller Drehbücher selbst verantwortlich gewesen, waren es nun in der dritten Staffel nur noch 56%.

Die erste Episode der neuen Staffel, „Two“ (Tag 1 des Jahres 6, Folge 66) war eine nette, wenn auch unspektakuläre Geschichte, in der ein junger Charles Bronson und die hübsche Elizabeth Montgomery die scheinbar einzigen Überlebenden eines großen Krieges spielen. Während des Krieges standen sie auf gegnerischen Seiten, und während der Mann nun des Kämpfens müde geworden ist und ein neues Leben beginnen möchte, ist die Frau noch voller Furcht und Misstrauen. Die gute gespielte Folge plätschert angenehm vor sich hin und gibt die großen Themen wieder, die Rod Serling immer sehr am Herzen lagen: Frieden und Toleranz. Umso erstaunlicher, dass diese Folge nicht von ihm, sondern Montgomery Pittman, der sie auch inszenierte, geschrieben wurde.

Die zweite Folge wurde wieder von Serling geschrieben, zeigt aber auch deutlich, dass er sich nicht ganz auf der Höhe seiner Schaffenskunst befand. „The Arrival“ (Ankunft aus dem Jenseits, Folge 67) hat eine fantastische Prämisse. Ein unbekanntes Flugzeug landet auf einem Flughafen. Als es geöffnet wird, fehlen von Besatzung, Passagieren und Gepäck jegliche Spur. Ein Spezialist von der Fluggesellschaft soll den Fall untersuchen und stellt fest, dass mit dem Flugzeug noch mehr nicht stimmt. Während die Geschichte in den ersten 3/4 überaus faszinierend und spannend ist, geht ihr dann doch zum Ende hin gewaltig die Luft aus und endet in einer recht banalen Auflösung. Insgesamt also, trotz guter Darsteller, eine eher enttäuschende Episode, die vom „Omega Man„-Regisseur Boris Sagal in Szene gesetzt wurde.

Ein ganz anderes Kaliber hat eine der berühmtesten „Twilight Zone“-Folgen: „It’s A Good Life“ (Die lächelnde Stadt, Folge 73), die später auch in dem Film „Unheimliche Schattenlichter“ Einzug fand, bei dem die Regisseure Steven Spielberg, Joe Dante, John Landis und George Miller jeweils eine klassische „Twilight Zone“-Geschichte für die große Leinwand adaptierten. Die Kleinstadt Peaksville in Ohio ist vollkommen vom Rest der Welt abgeschnitten. Die Bewohner leben unter Bedingungen, wie im 18. Jahrhundert. Schuld daran ist der Sohn Anthony, der nicht nur Gedanken lesen kann, sondern auch die Gabe besitzt, all seine Wünsche unmittelbar Wirklichkeit werden zu lassen. Und wenn Anthony sich nicht geliebt fühlt, dann wünscht er sich schon mal, dass die Bewohner von Peaksville im großen Kornfeld verschwinden oder sich jemand in einen Springteufel verwandelt. Außerdem hat er eine Abneigung gegen das Singen, Elektrizität und vor allem gegen Leute, die ihn nicht mögen. Somit versuchen die verbleibenden Bewohner von Peaksville alles, damit der junge Anthony auch ja bei Laune gehalten wird. Was auch der Nährboden für eine Komödie hätte sein können, wird unter der Regie von James Sheldon – der bereits die schöne Episode „Long Distance Call“ aus der zweiten Staffel, ebenfalls mit Bill Mummy – zu einem düsteren, hoffnungslosen Albtraum, aus dem es auch kein erlösendes Erwachen gibt. Eine sehr starke Episode mit in welcher der jungen Bill Mummy beeindruckend das „Monster“ Anthony spielt. Mummy war ein vielbeschäftigter Kinderdarsteller, der des öfteren in der „Twilight Zone“ auftauchte und auch in Alfred Hitchcocks Fernseharbeit „Bang! You’re Dead“ – im Rahmen der Reihe „Alfred Hitchcock presents“ die Hauptrolle spielte, sowie in späteren Jahre eine wichtige Nebenrolle in „Babylon 5“ hatte.

Eine weitere, sehr populäre Folge der dritten Staffel ist „Five Characters in Search of an Exit“ (Ein Zylinder für fünf, Folge 79). Ein existenzialistisch anmutendes Stück, welches wie aus der Feder Samuel Becketts wirkt, aber auch als Inspiration für „Cube“ dienen könnte. Ein Major der Armee erwacht in einem runden Raum, aus dem es keinen Ausweg gibt. Mit ihm sind in diesem Raum ein Clown, ein Dudelsackspieler, ein Stadtstreicher und Ballerina gefangen. Keine dieser Personen kann sich daran erinnern, wie sie in den Raum gekommen sind, und wie ihr Leben aussah, bevor sie hier erwachten. Sie philosophieren darüber, wer sie eigentlich sind und was diese Raum ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Wie sieht die Welt draußen aus und warum sind sie hier? Obwohl hier nicht viel passiert, sich die Kulisse nicht ändert und der Schwerpunkt auf den Dialogen der Figuren liegt, ist die Folge ungemein spannend und regt den Zuschauer gleichzeitig zum mitdenken an. Die Auflösung ist dann ebenso simpel, wie effektiv und folgerichtig.

Die berühmteste Folge der dritten Staffel und auf der Liste der besten „Twilight Zone“-Folgen immer ganz oben zu finden ist „To Serve Men“ (Das Buch der Kanamiter, Folge 89), dessen bösartige Pointe sich schon in der Doppeldeutigkeit des Originaltitels ankündigt. Hier werden aus Sicht eines Kryptologen die Ereignisse geschildert, die nach einer Landung von Außerirdischen folgen. Im Gegensatz zu den Paranoia-Geschichten, die in den SF-Filmen der 50er Jahre en vogue waren, scheinen die Außerirdischen diesmal ausgesprochen freundlich zu sein. Tatsächlich helfen sie aktiv dabei, aus der Welt einen besseren Ort zu machen. Dass sie aber alle aussehen wie Richard Kiel („Der Beißer“ aus den James-Bond-Filmen), hätte die Menschen stutzig werden lassen können. Zwar ahnt man schnell, dass hier etwas faul ist in dem neuen Utopia, aber die gemeine Wendung am Schluss haben vielleicht nur die wenigsten vorhergesehen. „To Serve Men“ gehört damit dann auch neben „Time Enough At Last“ zu einer der meistzitierten „Twilight Zone“-Episoden. Gerade bei den „Simpsons“ erwies sie sich als ausgesprochen beliebt.

Die Jubiläumsfolge 100 wurde vom brillanten amerikanischen SF-Autoren Ray Bradbury geschrieben. Doch leider ist diese Folge nicht zu dem erwarteten Highlight geworden. „I Sing the Body Electric“ (Unsere Oma, der Roboter, Folge 100) ist zwar ein toller Titel, aber nach einem recht vielversprechenden Anfang, gleitet die Geschichte um eine elektrische Oma dann doch zu sehr in Kitschgefilde ab. Immerhin kann man hier eine junge Veronica Cartwright erleben, die später mit ihrer Rolle als toughe Lambert in „Alien“ berühmt werden sollte.

Ich habe die dritte Staffel der „Twilight Zone“ erstmals auf Blu-ray gesehen und bin von dem Resultat der HD-Aufbereitung stark beeindruckt. Das schwarz-weiße Bild ist so kristallklar, dass man schon beinahe meint, die Figuren anfassen zu können. Die 38 Folgen der dritten Staffel verteilen sich auf 5 Blu-rays. Eine sechste Scheibe liegt als DVD vor und enthält vor allem Radiohörspiele zu 19 Folgen– also genau der Hälfte. Ferner befinden sich hier noch Interviews und sekundäres Material, wie Auftritte von Rod Serling in Talk- oder Quizshows oder Ausschnitte aus dem Remake der Serie aus den 80er Jahren. Die Folgen selber werden fast immer von einem oder gleich mehreren Audiokommentaren begleitet, zudem kann man sich die Musikspur isoliert anhören. Wie bei den vorherigen Veröffentlichungen der 1. und 2. Staffel, handelt es sich hier also wieder um ein rundum gelungenes und zufriedenstellendes Paket, welches keinen Grund zur Klage bietet. Da freut man sich doch schon auf die vierte Staffel.

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Originalfassungen in Bremen: 15.01.15 – 21.01.15

Nach dem „Bloggen der Anderen“ starten nun auch die Originalfassungen in Bremen ins neue Jahr. Unbedingt ins Kino würde mich jetzt gerade kaum einer der film ziehen, die im O-Ton angeboten werden. „5 Zimmer Küche Sarg“ lief bereits vor Kurzem im O-Ton im Cinemaxx, daher würde ich in dieser Woche „Johnny Suede“ und „Nouvelle Vague“ präferieren.

96 Hours – Taken 3 – Cinemaxx, Sa. 17.1. um 22:50 & CineStar, So., 18.1. um 20:40 – 3. Teil der populären Rache-Thriller-Action-Serie mit Liam Neeson. Diesmal gerät Bryan Mills in eine Intrige und muss seinen Namen reinwaschen.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=JuU0M2xBasc[/youtube]

Bana Masal Anlatma – Erzähl mir keine Märchen! – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:00 – Türkische Komödie um einen schüchternen Mann in den sich das begehrteste Mädchen des Dorfes verliebt.

Mucize – Wunder – Cinemaxx, Do.-Mo. Immer 19:45 und 22:45, Di./Mi. nur um 22:45 – Türkisches Drama um einen Lehrer, der 1961 in einem Dorf im äußersten Osten des Landes durchsetzten will, dass die Mädchen und ein Behinderter zur Schule gehen dürfen.

Unbroken – Cinemaxx, Fr. um 22:45 und So. um 16:30 & Schauburg, Do.-Mi. immer 21:15 – Die zweite Regiearbeit von Angelina Jolie erzählt die wahre Geschichte des amerikanischen Langstreckenläufer Louis Zamperini, der im 2. Weltkrieg in japanische Gefangenschaft gerät.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=lEQqsersyiI[/youtube]

National Gallery – Schauburg, Sa./So. jeweils 12:15 – 3-Stunden-Doku des legendären Frederick Wiseman über die National Gallery in London.

Fräulein Julie – Schauburg, Mo. 19.1. um 12:00 & Atlantis, So. 18.1. um 20:00 – Drama von Ingmar-Bergmann-Muse Liv Ullmann. Sie verlegt August Strindbergs Kammerspiel „Fräulein Julie“ von Schweden nach Irland und besetzt Jessica Chastain und Colin Farrell in den Hauptrollen.

5 Zimmer Küche Sarg – City 46, So.-Di. immer 20:30 – Publikums-Favorit auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest! Neuseeländische Mockumentary über Leben in einer Vampir-WG.

Boys – City 46, Fr. 16.1. um 20:30 – Niederländischer Queerfilm über zwei Langstreckenläufer, die sich vor dem wichtigsten Wettkampf ihres Lebens ineinander verlieben.

Der Pfad – City 46, Di. um 19:00 und Mi. um 20:00 – Eine 12-jährige will mit ihrem jüngeren Bruder vor ihrem Großvater aus Nicaragua nach Costa Rica zu ihrer Mutter fliehen.

Das kleine Zimmer – City 46, Do., Sa.-So. immer 20:00 – Schweizer Spielfilm (auf französisch) um einen griesgrämigen alten Mann, der sich weigert ins Altersheim zu ziehen und sich schließlich mit seiner jungen Hauspflegerin befreundet. Produziert von der Trägerin des diesjährigen Bremer Filmpreises, der Schweizer Produzentin Ruth Waldburger.

Johnny Suede – City 46, Do. um 21:00, Fr., So., Mo., Mi. immer 18:00 – Schräger Spielfilm von Tom DiCillo, in dem de Lebenskünstler Johnny von einer Karriere als Rockstar träumt. Mit Brad Pitt in seiner ersten Hauptrolle, Nick Cave und Samuel L. Jackson. Gewinner des Goldenen Leoparden in Locarno. Am Donnerstag sind Bremer Filmpreisträgerin Ruth Waldburger und Laudator Bruno Ganz zu Gast.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=WpdJgVKE9s0[/youtube]

Nouvelle Vague – City 46, Do., Sa. und Di. immer 18:00 – In Jean-Luc Godards Spielfilm von 1990 spielen Alain Delon und Domiziana Giordano ein Paar, das sich zweimal begegnet und zweimal ineinander verliebt. Produziert von der Trägerin des diesjährigen Bremer Filmpreises, der Schweizer Produzentin Ruth Waldburger.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 19.01. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 19.01. um 21:00

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Blu-ray-Rezension: „3 Minutes“

3minutesJack Tramell (James Parks) moderiert sehr erfolgreich die immens populäre Quizshow „3 Minutes“. Als er eines Tages von einem arbeitsreichen Tag nach Hause kommt, wird er im Aufzug zu seinem Apartment von einer ihm unbekannten Frau (Caroline Goodall) attackiert. Die Frau, die sich ihm als Kathryn vorstellt, stoppt den Fahrstuhl und fesselt Tramell. Dann beginnt sie mit ihm ein schmerzhaftes Spiel, welches auf den Regeln von „3 Minutes“ fußt. Bald schon entwickelt sich ein tödlicher Psychokrieg zwischen den Beiden, bei dem man nicht weiß, zu welcher Seite man halten soll. Ist Jack unschuldiges Opfer oder gibt es in seiner Vergangenheit ein finsteres Geheimnis?

Mit „3 Minutes“ hat OFDb Filmworks wieder einmal einen kleinen, eher unbekannteren Thriller mit überraschenden Wendungen auf den Markt geworfen. Doch im Gegensatz zum exzellenten „The Body“ (Rezension hier) oder dem feinen „Cold Blooded“ (Rezension hier), will das Rezept hier nicht so ganz aufgehen. Dabei besitzt „3 Minutes“ alle Zutaten, um für spannende 90 Minuten zu sorgen: Eine mysteriöse Handlung, ein fieses Spielchen bei dem man nie weiß, wer nun der Gute und wer der Böse ist, sowie gute Schauspieler, die das Kammerstück durchaus über die volle Laufzeit tragen könnten. Doch irgendwie scheint Regisseur Massimo Coglitore seinem Drehbuch nicht zu trauen und versucht es doch verschiedene Eskalationen noch zu beschleunigen und spektakulärer zu gestalten. Dabei verliert er allerdings immer wieder den roten Faden und was ihm besonders anzulasten ist: Er torpediert ständig seine eigene, gar nicht uninteressante Prämisse.

Dass der Quizmaster hier in einer pervertierten Version seiner eigenen Show um sein Leben kämpfen muss, verspricht einige Spannung. Coglitore entscheidet sich allerdings dafür, dies damit zu konterkarieren, dass nach der ersten Runde klar ist, dass die Fragen, die dem TV-Star Jack gestellt werden, recht belanglos und einfach zu beantworten sind – wenn die Lösung nicht völlig abstrus und unter die Rubrik „Hat sich der Drehbuchautor halt so ausgedacht“ fällt. Ein Beispiel dafür ist die Frage, welcher Film („Misery“, „Machete“, „Kill Bill“ oder „Million Dollar Baby“ ) nicht in diese Reihe gehört, welche lediglich platt mit vorgegaukeltem Filmwissen ala Tarantino kokettiert, aber letztendlich höchst einfallslos, gezwungen und in der Auflösung vollkommen an den Haaren herbeigezogen daherkommt. Auch wird schnell deutlich, dass es eigentlich völlig egal ist, welche Antworten Jack gibt, da sie zum Teil gar nicht nachvollzogen werden können und seine Peinigerin offensichtlich auch kein großes Interesse daran hat, das Spiel durch Jacks Tod vorzeitig abzubrechen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Jack zwar leidet, aber keine ernsthaften Konsequenzen tragen muss. Ein herausgerissener Fußnagel schmerzt sicherlich höllisch, ist aber ein Witz gegenüber dem, was Jack sonst angedroht wird, aber in letzter Konsequenz dann doch nicht geschieht. Ebenfalls irritiert es, wenn Dinge, die auch dem unbedarftesten Zuschauer relativ schnell klar sind, einem als plötzliche Überraschung und große Sensation verkauft werden. Wenn sich im Laufe der Spielzeit dann auch noch herausstellt, dass die Motivation der Frau, diesen hohen Aufwand zu betreiben, um Jack zu foltern, auf ganz, ganz tönernen Füssen steht, macht sich beim Zuschauer eine gewisse Gereiztheit breit, die von dem sich ganz besonders clever gebenden Ende nicht unbedingt gelindert wird.

Immerhin kann sich Coglitore aber auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen. Insbesondere die Engländerin Caroline Goodall wirft sich mit großem Enthusiasmus in ihre Rolle und agiert durchaus überzeugend als Frau, bei der man nie so recht weiß, ob es jetzt Verzweiflung oder schon purer Wahnsinn ist, der sie zu ihren Taten treibt. Auch Tarantino-Stammschauspieler James Parks bringt die richtige Mischung aus schmieriger Arroganz und Angst mit, um seine Rolle durchaus ambivalent zu gestalten, was dem Film sehr gut tut. Ein totaler Ausfall ist allerdings der Gaststar des Filmes, Burt Young. Wahrscheinlich geholt, um mit einem „großen Namen“ werben zu können, spielt er den Nachtwächter mit Boxkarriere (ein Hinweis auf die „Rocky„-Reihe, die ihn berühmt machte?) im Halbschlaf und merklich ohne große Lust.

„3 Minutes“ ist kein vollkommener Fehlschlag. Tatsächlich kann er streckenweise gut, wenn auch oberflächlich, unterhalten und profitiert deutlich von seinen beiden spielfreudigen Hauptdarstellern. Umso ärgerlich ist es, mit anzusehen, wie er sein durchaus vorhandenes Potential verschwendet und auf dem Weg zum Geheimtipp immer wieder ausrutscht und auf dem Hintern landet.

Wie von OFDb Filmworks gewohnt, bietet auch diese Blu-ray ein hervorragende Bildqualität. Auch beim Ton gibt es wieder einmal nichts zu meckern. Neben der deutschen Tonspur, ist auch eine englische O-Tonfassung mit an Bord (der Film ist zwar eine italienische Produktion, allerdings mit englischsprachigen Darstellern auf Englisch gedreht). Hierbei ist trotz guter Synchronisation die englische Tonspur zu empfehlen, um Caroline Goodalls herrlichen, britischen Akzent genießen zu können. Extras gibt es, außer einem Trailer, leider keine.

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Das Bloggen der Anderen (12-01-15)

bartonfink_type2– Irgendwie habe ich das Gefühl, gerade eben die Blog-Einträge über den nunmehr vorletzten Hofbauer-Kongress zusammengetragen zu haben, da fand Anfang Januar schon der nächste (und für längere Zeit vorerst letzte, wenn ich das richtig mitbekommen habe) statt. Und die Chronisten waren wieder einmal sehr fleißig. Allen voran Oliver Nöding auf Remember It For Later, der alle dort gesehenen Filme eingehend bespricht. Dazu gehören die Kurzfilme des “Institut für Bild und Wissenschaft in Wissenschaft und Unterricht”, ebenso wie Zbynek Brynychs „Oh Happy Day“.  Bevor ich nun aber zum nächsten Kongressteilnehmer kommen, möchte ich noch auf Olivers Besprechung von Howard Hawks „El Dorado“ hinweisen, welcher in meiner Kindheit und frühen Jugend, zusammen mit „Zwei glorreiche Halunken“ mein Lieblingsfilm war.

– Mit „Oh Happy Day“ beginnt auch Alex Klotz Bericht von seinem ersten Tag auf dem Kongress, welchen er auf hypnosemaschinen hinterlassen hat.

– Udo Rotenberg widmet sich auf L’amore in città dem „stählernen Überraschungsfilm“ des Kongresses: „Der Oberst mit dem Dachschaden schlägt wieder zu“. Trotz anderslautender Erwartungen entpuppte sich der Film für ihn aber nicht als überdrehte Klamotte, sondern recht ansehnliche Komödie.

– Nun aber genug vom Hofbauer-Kongress. Kommen wir zu einem Film, der Ende letzten Jahres die Gemüter erregt hat. „The Interview“, der nunmehr berühmte Film, den Nordkorea verhindern wollte. Als Märtyrer für die Kunst gepriesen, fragt an sich als Filmfreund doch: Was für ein Film versteckt sich eigentlich hinter der Legende? Eine ziemlich alberne, aber nicht unbedingt lustige Komödie meint Sebastian von Nischenkino.  Ebenfalls nicht wirklich begeistert ist souli von den Drei Muscheln: „In „The Interview“ floriert mehr der Schwach-, denn der Scharfsinn. Wer eine fundiert-geistreiche Satire erwartet, die dem Personenkult des Diktators in geschliffenen Dialogsequenzen auf die Pelle rückt, der wird sich ob der zuweilen präferierten Grobschlächtigkeit im Humorverständnis verschreckt abwenden.“

– Legendär ist auch Stanley Kubricks Erstling „Fear & Desire“, den der Meister selber für so misslungen hielt, dass er ihn lange dem Zugriff des Publikums entzog. So schlimm findet totalschaden von Spalttertrash ihn nun nicht, aber doch weit von Kubricks kommenden Meisterwerken entfernt.

– Joris Julius-Sabinus schreibt auf Hard Sensations über David Finchers „Gone Girl“.

– Thomas Groh setzt sich auf filmtagebuch mit Costa-Gravas Film zur Finanzkrise, „Le Capital“, auseinander.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über den Gangsterfilm „The Drop“, welcher – das war mir gar nicht so bewusst – das US-Debüt des Belgiers Dennis Lehane darstellt, der bereits mit „Bullhead“ begeistern konnte.

– Michael Schleeh auf Schneeland über den südkoreanischen Thriller „Montage“, einem „ein enorm in sich selbst verschlungener und verschachtelter Thriller.“

– Auf Filmgazette finden sich gleich zwei Besprechungen des argentinischen Oscar-Kanidaten „Wild Tales, dessen deutsches Plakat damit wirbt, dass Pedro Almodóvar ihn mitproduziert hat. Sven Pötting ist der Film 7 von 10 Punkte wert, Wolfgang Nierlin ist mit 6 von 10 etwas zurückhaltender.

– Ebenfalls auf Filmgazette setzt sich Nicolai Bühnemann begeistert mit Eckhart Schmidts 80er-Jahre-Skandalfilm „Der Fan“ auseinander.  Dieser wird – etwas nüchterner – auch von jogiwan auf project-equinox besprochen. Meine Meinung zum Film findet man übrigens hier.

– Trotz skurriler Bilder leider kein vergessener Kult-Film ist nach Redas Meinung auf Der breite Grad der britische Film „Zwischen Beat und Bett“ von 1968.

– Laut Mauritia Meyer von Schatttenlichter ist Stuart Gordons „Castle Freak“ „zwar kein bahnbrechendes Meisterwerk, aber ein unterhaltsames Horrorfilmchen“. Was ich hier ähnlich gesehen habe. Definitiv eine Veröffentlichung wert, wäre für sie aber Ferdinando Baldis Mafiafilm „The Opium Connection“ mit Ben Gazzara.

– Sven Safarow meint auf Safarow schreibt: „Bernard Rose ist ein Regisseur mit einer bizarren, aber ungemein interessanten Filmografie.“ Das sehe ich genauso. Sein „Snuff-Movie“, der komplett digital gedreht wurde, lädt scheinbar dazu ein, sich noch einmal näher mit Herrn Rose zu beschäftigen.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film ausführlich über Vittorio de Sicas „Wunder von Mailand“, den er innerhalb einer De-Sica-Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum sah.  Ferner macht er sich kluge Gedanken über die Bedeutung des Verzichts im Film. Andrey Arnold stellt in einem hochinteressanten Vergleich Bilder aus Fulcis „Don’t Torture a Duckling“ und Nuri Bilge Ceylans „Once Upon a Time in Anatolia“ gegenüber, während Rainer Kienböck „Top Girl“ von Tatjana Turanskyj abwatscht.

– Mit filmtourismus.de in die großen Studios. Reich bebildert werden hier die Touren durch die Paramount-, Warner– und Universalstudios vorgestellt.

– Lesen bildet! Schön also, dass Stefan Otto auf B-Roll aktuelle Filmbuch-Veröffentlichungen empfiehlt.  Deutsches Genrekino? Immer wieder ein (wie ich finde unberechtigterweise, denn es war niemals tot – man muss nur danach suchen) kontroverses Thema. Urs Spörri stellt die „Genrenale“ und ihre Macher vor, die eine „bisher fehlende Genre-Kultur“ in Deutschland schaffen wollen.

– Auch Sano Cestnik beschäftigt sich auf Eskalierende Träume mit der Genrenale.

– Ich habe ja eine Schwäche für die philippinischen „Blood Island“-Filme von Eddie Romereo. Umso schöner finde ich es da natürlich, dass sich Pelle Felsch im elften Teil der Pinoy-Cinema-Reihe auf critic.de genau diesen Filmen annimmt.

– Alex Matzkeit wird oft gefragt, ob er „Filme noch normal ansehen könne“. Ausgehend von dieser Frage hat er sich auf real virtuality einige sehr lesenswerte Gedanken über seine Rolle als Filmkritiker und das Kino heute gemacht.

– Listen mit den „besten Filmen des Jahres“ gibt es viele. Die meisten beschränken sich allerdings auf eine manchmal endlose) Aufzählung von Titeln, die dem Leser manchmal wenig, manchmal etwas, häufig nichts sagen. Da nehme ich mich auch gar nicht aus. Umso schöner ist die Liste, die david auf Whoknows presents gepostet hat. Denn er kommentiert darin jeden Film und so kann man mit der Liste weitaus mehr anfangen als mit dem üblichen Name-dropping. Und so habe ich mir z.B. schon einige Sachen auf meiner persönlichen 2015-mal-anschauen-Liste notiert. Danke.

– Eine neue Ausgabe der „Besprechungen der Anderen“ gibt es bei Schlombies Filmbesprechungen.

– Und interessante Podcasts findet man bei den Kollegen von Wiederaufführung unter „Die Gespräche der Anderen“.

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