DVD-Rezension: „Schoolgirl Apocalypse“

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Eines Abends wird das junge Mädchen Sakura (Rino Higa) unvermittelt von ihrem Vater attackiert. Dieser kann zwar von ihrer Mutter unschädlich gemacht werden, doch diese kommt bei dem Angriff ums Leben. Sakura flieht von Zuhause und findet sich in einer apokalyptischen Welt wieder, in der sich die Männer aus unbekanntem Grund in rasende Bestien verwandelt haben. Auf ihrer Flucht trifft sie in einem heruntergekommen Krankenhaus auf eine blinde Ärztin und ihren geheimnisvollen Patienten Billy (Max Mackenzie). Neben den Angriffen der „Rasenden“ muss sich Sakura jetzt auch noch gegen die scheinbar wahnsinnige Aoi (Mai Tsujimoto) wehren, die sich zum Ziel gesetzt hat, Billy umzubringen…

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Es geschieht nicht häufig (mir zumindest), dass man von einem Verleih eine E-Mail geschickt bekommt, ob man einen ihrer Filme besprechen möchte. Was mir da, von dem mir bis dahin unbekannten Verleih „Midori Impuls“, angeboten wurde, lass sich auf den ersten Blick dann auch gar nicht so vielversprechend. Bei einem japanischer Film mit dem Titel „Schoolgirl Apocalypse“ erwartete ich zunächst Gore-Exzesse mit niedlichen Schulmädchen. Etwas, was meinen Geschmack nicht unbedingt trifft. Zwar hatte mir „Vampire Girl Vs. Frankenstein Girl„, den wir 2012 auf dem Phantastival Bremen gezeigt hatten, überraschend gut gefallen, doch schon ein Jahr später folgte an selber Stelle ein harscher Rückschlag, als wir „Red Sword“ zeigten. Ein Film, an dem einer der Macher von „Vampire Girl Vs. Frankenstein Girl“ beteiligt war und von dem wir uns billigen, aber unterhaltsamen Trash erwarteten. Aber der von uns, aufgrund des vielversprechenden Trailers, vollmundig als „Rotkäppchen gegen Werwölfe an der Schule“ angekündigte Streifen, erwies sich als langweiliger Schnarcher, der mit sehr, sehr langgezogenen Sexszenen und übelsten, sexistischen Dialogen halbwegs auf Spielfilmlaufzeit kam. Ein frauenfeindlicher Mist, der uns als Veranstalter vor Scham immer tiefer in die Sitze versinken ließ. Ob die Tatsache, dass die Kopie, die uns kurzfristig erreicht hatte, dann auch noch die ganze Zeit über einen fetten und überaus ablenkenden Timecode in der oberen Bildschirmhälfte aufwies, das Ganze nun besser oder schlechter machte, kann ich gar nicht sagen. Danach hatte ich von japanischem Billig-Splatter erst einmal die Nase gestrichen voll. Aber zwei Dinge weckten meine Neugier an „Schoolgirl Apocalypse“. Zum einen die durchweg positiven Kritiken im Netz, die betonten, dass der Film gerade nicht mit den überdrehten, billig auf Video gedrehten Gore-Filmen verwechselt werden dürfe, und zum Zweite Midori Impuls selber, die schrieben, ihr Ziel wäre es, „die Filmindustrie in Japan zu fördern und den Fokus auch wieder auf Filme zu richten, die z. B. in Deutschland nicht ausreichend publiziert worden sind“. Ein schönes Ziel. Und als meine Internet-Recherche dann noch ergab, dass man sich hier scheinbar im Umfeld das tollen Japan Filmfest Hamburg bewegt, war ich endgültig überzeugt, dass „Schoolgirl Apocalypse“ es Wert sei, einen Blick zu riskieren.

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Und das war auch gut so, denn „Schoolgirl Apocalypse“ entpuppte sich als ausgesprochen angenehme und sympathische Überraschung. Tatsächlich hält sich der Film mit over-the-top-splatter und aufreizenden, albern kichernden oder cool posierenden Schulmädchen stark zurück. Seine Hauptfigur Sakura trägt ihre Schulmädchen-Uniform nicht, um die Fetisch-Gelüste geifernder Zuschauer zu befriedigen, sondern weil sie eben ein Schulmädchen ist und durch die merkwürdige „Apocalypse“ aus ihrem natürlichen Umfeld herausgerissen wurde. Dazu passt es dann auch, dass „Schoolgirl Apocalypse“ ein kaum kaschierter Coming-of-Age-Film und weniger einer blutrünstiger Zombie-Schocker ist. Tatsächlich handelt es sich hier bei den Aggressoren auch nicht um Zombies, sondern – wie bei „28 Days Later“ – um „Rasende“. Dass dabei nur Männer der Raserei anheimfallen und mit ihrer aggressiven Fresslust eine tödliche Gefahr für das junge Mädchen darstellen, macht das Allegorische des Filmes nur noch deutlicher und rückt ihn in die Nähe von Neil Jordans „Die Zeit der Wölfe“. Sakura befindet sich auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Ist sie zunächst noch ein scheues Kind, welches vor der, für sie unbegreiflichen, Gefahr die Flucht ergreift, nimmt sie später ihr Leben in die Hand, besiegt ihre Angst und schafft es, dass die Männer am Ende keine Gefahr mehr darstellen. Ihr Entwicklungsprozess wird auch noch einmal dadurch gespiegelt, dass es ihr zu Beginn nicht gelingt, mit ihrem Bogen einen Pfeil ins Ziel zu bringen, sie sich im Verlauf des Filmes aber zur Meisterschützin mausert. Mit Rino Higa besitzt Regisseur John Cairns eine perfekte Hauptdarstellerin, die ebenso überzeugend das naiv-schüchterne Mädchen, als auch die entschlossen-selbstbewusste Frau darstellen kann. Rino Higa ist in ihrer Heimat scheinbar unter dem Namen Higarino als J-Pop-Sängerin bekannt und Schoolgirl Apocalypse“ ist ihr Debüt als Schauspielerin.

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Für Regisseur und Drehbuchautor John Cairns ist „Schoolgirl Apocalypse“ der erste Spielfilm. Der Amerikaner lebt seit l5 Jahren mit seiner Familie in Japan, wo er Werbung und Kurzfilme dreht. Sein Film ist auch stark vom japanischen Kino und den Mangas eines Kazuo Umezu. So entsteht eine interessante Mixtur aus japanischen Motiven und Symbolen, gesehen durch die Brille eines Ausländers mit tiefem Verständnis für das Land. Aber nicht nur aus japanischen Filmen zieht Cairns seine Inspiration. Wenn nachts im Nebel unheimliche Gestalten durch den Wald huschen oder plötzlich ein junges, blutverschmiertes Mädchen auftaucht, denkt man auch an den späten Jean Rollin, der es ja in seiner späten Phase auch gelang, trotz eines billigen Videolooks atmosphärischen Bilder zu schaffen. Cairns besitzt auch ein gutes Auge für Landschaften und passende Drehorte. So ist das verlassen und verfallene Liebeshotel der perfekte Hintergrund für den unheimlichen Mittelteil seines Filmes. Und auch sonst macht Cairns sehr viel richtig. Am Ende versteigt er sich dann gar noch in Lovecraftsche Dimensionen, was im Kontext des Filmes dann auch überraschend gut funktioniert. Zwar schießt Cairns manchmal auch über das Ziel hinaus, so wirken die immer wieder eingestreuten Zeichentrick-Sequenzen in denen Figuren aus einem Englisch-Lehrbuch zum Leben erweckt werden etwas befremdlich und ihre etwas krude Umsetzung mag sich nicht recht einfügen, aber im Nachhinein machen diese Szenen durchaus Sinn und sind integraler Bestandteil der Handlung.

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„Schoolgirl Apocalypse“ stellt eine sehr angenehme Überraschung dar. Statt Gore-Exzesse und Schuldmädchen-Fetisch, konzentriert sich Regisseur auf seine Geschichte, die er als Coming-of -Age-Allegorie ruhig und unaufgeregt erzählt, ohne allerdings genretypische Stilelemente zu vernachlässigen.

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Die DVD aus dem Hause Midori Impuls überzeugt mit einer guten Bildqualität. Das Bild verfügt über eine gute Schärfe. Der preisgünstige Digital-Look kann allerdings nicht vollständig kaschiert werden, auch wenn man er mit fortschreitender Laufzeit immer weniger ins Auge fällt. Auch der Ton ist klar und voll. Auf eine (Billig-)Synchronisation wurde dankenswerterweise verzichtet, so liegt der Film in Japanisch mit gut lesbaren deutschen Untertiteln vor. Auch auf Seiten der Extras weiß diese Veröffentlichung zu überzeugen. Neben einem interessanten, 4-teiligen, von John Cairns selbst produzierten Making-Of, in dem aus Mangel an Bildmaterial auch schon mal nette Animationen einfügt, gibt es noch zwei Interviews. Das erste mit John Cairns ist sehr informativ, das zweite mit Hauptdarstellerin Rino Higa hat weniger Informationswert, zeigt die Schauspielern aber von ihrer sympathischen Seite. Sehr schön auf ein „Special“ über die Aufführung des Streifens auf dem Japan Filmfest Hamburg 2012, welches neben einigen Bildcollagen (da habe ich sogar bekannte Gesichter wiedergesehen), auch eine, wieder von Regisseur John Cairns animierte, Anekdote enthält, in der er sich u.a. darüber wundert, dass in Deutschen Kinos ständig Bierflaschen umfallen und lautstark bis zur Leinwand rollen – aber niemanden dies zu stören scheint. Die DVD kommt in einer limitierten großen Hardbox mit wahlweise einem von vier Cover-Artworks.

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Originalfassungen in Bremen: 19.02.15 – 25.02.15

Man muss es leider sagen: Auf eine langweilige Woche folgt – noch eine langweilige Woche. Einziger Lichtblick: Xavier Dolans „Mommy“ im Kommunalkino.

Into the Woods – Cinemaxx, Fr. um 23:00 und So. um 17:00 – US-Musical nach Motiven der Gebrüder Grimm. Von Musical-Spezialist Rob Marshall („Chicago“) mit Meryl Streep (Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin) als Hexe und Johnny Depp als Wolf. Musik: Stephen Sondheim.

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Yapisik Kardesler – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:00 – Türkische Komödie über siamesische Zwillinge aus der Provinz, die in der großen Stadt ihr Glück suchen.

Ask Sana Benzer – Cinemaxx, Do./Fr. um 23:10 – Türkischer Liebesfilm um einen jungen Mann, der sich in einem kleinen Fischerdorf in eine fremde Frau verliebt.

Sevimli Tehlikeli – Cinemaxx, Sa./So. um 23:00 – Türkische, romantische Komödie um eine Frau, die kurz vor der Hochzeit mit einem von ihr ungeliebten Mann mit einem Einbrecher durchbrennt.

Fifty Shades of Grey – Cinemaxx, So./Sa./Mo. um 20:30 und Fr. um 20:10 & CineStar, So., 22.2. um 20:00 & Schauburg, Do.-Mi. immer 21:30 – US-Verfilmung des Bestsellers von E.L. James, um eine junge Frau, die sich in einen sadistischen Geschäftsmann verliebt und von diesem in die Welt des SM eingeführt wird. Ein Film wie Radley Metzgers wunderbarer “The Image” wird nach 40 Jahre in Deutschland verboten und die Hausfrauen-Fantasie “Fifty Shades” wird im Kino als Sensation verkauft. Verrückte Welt.

Dancing in Jaffa – Do./Mo./Di. um 20:30, Sa./So./Mi. um 18:00 – Doku über den Tänzer Pierre Dulaine, der in seine Heimatstadt Jaffa zurückkehrt, um hier israelisch-palästinensischen sowie die israelisch-jüdischen Kindern gemeinsam Tanzen zu lehren.

Familia rodante – Argentinisch reisen – Sa./So. um 20:00 – Spielfilm der als Beginn der Neuen Welle im argentinischen Kino gilt. Die vier Generationen einer Großfamilie machen sich im altersschwachen Gefährt auf die Reise durch die Landschaft Argentiniens.

Heute gehe ich allein nach Hause – City 46, Fr., 20.2. um 20:30 – Brasilianischer Queerfilm über einen blinden Jungen, der von einem Neuen in der Klasse nicht nur das Tanzen, sondern auch das Küssen beigebracht wird.

Mommy – City 46, Do./Fr./Mo./Di. um 18:00 und Sa./So./Mi. um 20:30 – Der aktuelle Film des kanadischen Wunderkinds Xavier Dolan über eine außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=OJw4ZZ_BWSU[/youtube]

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 23.02. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 23.02. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 25.02. um 21:00

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DVD-Rezension: „Borgman“

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Eines Tages steht vor der Tür des gut situierten Ehepaares Richard (Jeroen Perceval) und Marina (Hadewych Minis) ein Landstreicher (Jan Bijvoet), der sie bittet, bei ihnen ein Bad nehmen zu dürfen. Als er dann noch behauptet, Marina zu kennen, rastet Richard aus und verprügelt den Mann. Am Abend findet Marina den verletzten Landstreicher, der sich nun Camiel Borgman nennt, in ihrem Gartenhaus. Sie pflegt ihn und lässt ihn heimlich weiter im Gartenhaus wohnen. Bald schon nimmt Borgman auch Kontakt zu den Kindern des Ehepaares auf, die ihm scheinbar vertrauen. Gleichzeitig kontaktiert er seine Freunde Pascal (Tom Dewispelaere) und Ludwig (Alex van Warmerdam), später kommen noch Brenda (Annet Malherbe) und Ilonka (Eva van de Wijdeven) hinzu. Gemeinsam räumen sie zunächst den Gärtner des Anwesens und dessen Ehefrau aus dem Weg. Frisch frisiert nimmt Borgman daraufhin die Stelle als neuer Gärtner bei Richard und Marina an und holt umgehend seine Freunde als angebliche Helfer mit ins Haus…

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Alex van Warmerdams Film „Borgman“ lief im letzten Jahr auf einigen Filmfestivals, neben Cannes waren es vorzugsweise jene, die sich dem fantastischen Film verschrieben haben. Ob „Borgman“ nun dahin passt oder nicht, kann man mit ja und nein beantworten. Zwar werden in „Borgman“ immer wieder übernatürliche Dinge angedeutet, aber sie spiele keine große Rolle. Scheinbar besitzt die Titelfigur Camiel Borgman die Fähigkeit, die Träume anderer zu beeinflussen. Immer wieder wird gezeigt, wie er des nachts nackt auf der Brust der Protagonistin sitzt, die sich unter ihm in Albträumen windet. Selbstverständlich zitiert van Warmerdams dabei Johann Heinrich Füslis „Nachtmahr“, aber ist Borgman dieser Dämon? Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie sich drei Männer aufmachen, Borgman in seinem unterirdischen Versteck zu vernichten. Einer davon ist ein Priester, dessen verbrämter Gesichtsausdruck zeigt, dass er sich auf einer heiligen Mission wähnt. Doch bis auf diese Szene und eine kurze Sequenz, in der plötzlich zwei abgemagerte Wundhunde scheinbar aus dem Nichts im Hause der Familie auftauchen (ob diese nur Borgmans Freunde Ludwig und Pascal oder Brenda und Ilonka in anderer Gestalt sind, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen), hält sich Van Warmerdam mit übersinnlichen Phänomenen stark zurück. Seine Bande an merkwürdigen Außenseitern, die da in das Leben einer gut situierten Mittelklasse-Familie eindringt, braucht auch keine Hilfe von „unten“, sondern nur einen festen Willen und eiskalte Skrupellosigkeit, um ihren Plan (welcher zunächst diffus bleibt) in die Tat umzusetzen. Dabei gehen sie mit einer emotionslosen Professionalität vor, wie man sie aus caper-movies kennt. Jeder kennt seinen Platz im Geflecht und führt mit größter Präzision seine Aufgaben durch. Es ist aber nicht so, dass hier eine Maschine in Gang gesetzt wird, die sich nicht aufhalten ließe. Natürlich könnte sich die Familie gegen die perfiden Manipulationen wehren, doch Borgman kennt ihre Natur zu gut, und Marina und Richard agieren zu dumm und zu egozentrisch, um das große Bild zu erkennen.

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Die Geschichte des Fremden, der plötzlich in das Leben einer Familie tritt, um diese kräftig durcheinander zu rütteln, kennt man aus Renoirs „Boudu – Aus den Wassern gerettet„, Pasolinis „Teorema“ oder Miikes „Visitor Q„. Zwar gehen diese Geschichte in der Regel nicht immer gut aus, doch steht am Ende zumeist ein manchmal schmerzhaftes Selbsterkennen der Beteiligten, die sich ihrer wahren Natur oder zumindest einer lohnenswerten Alternative gegenüber stehen sehen. Doch in „Borgman“ bleibt der Familie diese Erleuchtung vorenthalten. Bis zum Schluss begreifen sie ihr eigenes Wesen nicht, verstehen nicht, was sie in den Abgrund führt und dass ihr Verhalten, ihre Egozentrik und Arroganz es waren, die den Angreifern ein so leichtes Spiel gemacht hat. Ja, sie verstehen noch nicht einmal, dass sie Opfer eines Angriffs geworden sind, so borniert gehen sie von ihrer Unfehlbarkeit aus. Das moderne Designer-Haus, welches mitten in die Natur geklotzt wurde, ist ein Sinnbild für Richard und Marina. Auf den ersten Blick beeindruckend und vielleicht sogar begehrenswert, will es bei näherer Betrachtung gar nicht in seine Umwelt passen. Dort wirkt es wie fetter, kalter und unpersönlicher Brocken, ein alles dominierender und einnehmender Fremdkörper, der alles andere mit kalter Brutalität verdrängt. Auch innerhalb des Hauses wirkt alles steril und ungemütlich. Erst wenn am Ende das Haus ganz von Borgman und seinen Mitstreitern vereinnahmt wurde, scheint es sich zu verändern. Dann wirkt das Wohnzimmer plötzlich wie ein Lounge-Bar aus den 70er Jahren, und das auch das elterliche Schlafzimmer bekommt eine schwül-barocke Note. Nein, einladend ist es immer noch nicht, aber immerhin zeigt es Charakter. ebenso wie Borgman und Genossen, die man auch nicht gerne zu sich nach Hause einladen würde, die aber sich aber immerhin bewusst sind, was sie sind und was sie wollen. Im Gegensatz zu Richard und seiner Frau Marina, die ein Scheinleben führen, bei dem Selbst- und Fremdwahrnehmung gehörig auseinander klaffen.

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Marina hält sich für eine liberale Frau mit künstlerische Ambitionen und eine gute Mutter. Doch tatsächlich erfüllt sie keine dieser Kriterien. Nicht nur, dass sie den rassistischen Äußerungen ihres Ehemanns nicht entschlossen entgegen tritt, sie selbst verhält sich dem dänischen Dienstmädchen gegenüber, wie eine strenge Herrin gegenüber der Dienstmagd und betont immer wieder, dass diese nicht den sozialen Stand besitzt, wie ihre Familie. Ihren künstlerische Ambitionen geht sie eher gelangweilt und planlos nach, statt mit Leidenschaft. So als wenn diese eben zum guten Ton dazu gehören. Und als Mutter versagt sie, wenn sie die Aufsicht und Erziehung ganz ohne Not an das Kindermädchen abgibt und dabei völlig den Kontakt zu ihren Kindern verliert, die sich dann auch schnell anderen Bezugspersonen zuwenden. Richard ist der simpelste und damit auch langweiligste Charakter in diesem Film. Cholerisch verprügelt er Obdachlose, knallt afrikanischen Arbeitssuchenden die Tür vor der Nase zu und hintergeht in seiner Firma scheinbar auch seinen Partner. An seiner Frau ist er ebenso wenig interessiert, wie an seinen Kindern, die er schnell mal an ihm Unbekannte abschiebt, als es ihm lästig ist, sie zur Schule zu fahren. Und so bereiten den Boden für den eigenen Untergang. Während Jeroen Perceval als Richard seine Rolle recht offen und eindimensional als aggressives Ekelpaket anlegt, gelingt Hadewych Minis als Marina der Spagat zwischen verbitterter Erkenntnis, dass ihr Leben nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt hat und gleichzeitigem arroganten Stolz auf darauf, wie man finanziell und sozial dasteht. Diese Ambivalenz zeichnet sich auch im ganzen Auftritt Hadewych Minis‘ – die entfernt an Julianne Moore erinnert – ab, der sie mal als attraktiv-mondäne Frau und manchmal als ein leicht übergewichtiger Trampel erscheinen lässt. Eine faszinierende Schauspielerin von der mehr gerne mehr sehen würde.

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Ebenfalls faszinierend ist Jan Bijvoet in der Titelrolle. Schon zu Beginn, lässt er unter der Zottelfrisur und dem wilden Bart einen distinguierten Gentleman durchscheinen. Seine Art sich zu bewegen und auszudrücken passt dann auch gar nicht zu seinem Waldschrat-Outfit. Vielleicht ist es dann auch genau das, was Marina dazu bringt, ihm zu helfen und eine immer stärker werdende Faszinationen für diesen geheimnisvollen Typen zu entwickeln. Ohne übertriebene Gesten, mit fast unbewegtem Gesicht, füllt Bijvoet den Film ganz mit seiner Persönlichkeit aus und sein Borgman liegt wie ein bedrohlicher Schatten über jeder Szene. Kongenial sind auch seine Partner besetzt. Tom Dewispelaere als Pascal und Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam in der Rolle des Ludwig, wirken zunächst wie ein Komiker-Pärchen, offenbaren aber bald, dass sie unter ihrer scheinbar harmlose-lustigen Fassade ebenso kaltblütig und gefährlich sind, wie Borgman selber. Auch die großartige Annet Malherbe als Brenda und Eva van de Wijdeven als Illonka vermitteln einem mit ihrer scheinbaren Normalität, und verwundert auch nicht, dass die mollige Malherbe mühelos und sehr glaubwürdig die Rolle einer fürsorglichen Ärztin annehmen kann. Da man der Zuschauer aber schnell lernt, dass diese scheinbare Fürsorge jederzeit in tödliche Aktionen umschlagen kann, entsteht ein unangenehmes Gefühl.

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„Borgman“ wird häufig mit Michael Hanekes „Funny Games“ verglichen. Aber obwohl eine thematische Verwandtschaft mit diesem besteht, erinnert „Borgman“ doch vielmehr an die „stillern“ Filme eines Michael Hanke und weniger mit dem sehr plakativen, „lauten“ „Funny Games“. Vor allem erinnert er an „Caché“ und „Das weiße Band„, die auch dieses unheilvolle Vibrieren unter den Bildern besaßen, welches von einer diffusen, noch nicht greifbaren Gefahr zeugt. Auch die blasse Farben und die oftmals in Tableaus angeordneten Szenen, in denen sich die Figuren verlieren, erinnern an die Werke des Österreichers. Doch während dieser dem Zuschauer die Auflösung seiner filmischen Rätsel absichtlich verweigert, ist Alex van Warmerdam nicht ganz so grausam. Zwar wählt auch er bewusst nicht den einfachen Weg und erklärt dem zuschauer seinen Film bis ins Letzte, aber er gibt mit einigen wenigen Hinweisen und vor allem aber dem Eingangszitat und dem Schlussbild, dem Zuschauer genug Futter, um die Puzzleteile zu einem – wenn auch noch unvollständigen, letztendlich aber doch recht eindeutigen Bild zusammenzusetzen.

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Alex van Warmerdams Film erzählt in (beun)ruhigen(den) Bildern davon, wie eine Gruppe Fremder sich mit eiskalter Professionalität in das Leben einer finanziell gutgestellten, aber arroganten und egoistischen Familie einschleicht, und diese durch perfide Intrigen vernichtet. Die kühle und stilbewußte Erzählweise erinnert dabei an die Filme Michael Hanekes, erweist sich aber als zugänglicher. Getragen wird der Film von einem faszinierenden Jan Bijvoet in der Titelrolle und sehr guten Nebendarstellern.

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Das Bild der bei Pandastrom erschienen DVD wirkt an vielen stellen etwas zu hell. Dass die Farben in vielen Szenen eher blass und kontrastarm sind, mag einem visuellen Konzept folgen, doch insbesondere die Schwarztöne wirken oftmals eher dunkelgrau. Der Ton ist sehr klar, auf irgendwelche Effekte wird verzichtet. Leider ist das Bonusmaterial nur sehr spärlich. Neben dem Trailer gibt es lediglich 6 Minuten nicht verwendeten Materials, welches allerdings von daher interessant ist, dass hier dem Freund des dänischen Kindermädchens ein gänzlich anderes Schicksal als im fertigen Film widerfährt.

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Das Bloggen der Anderen (16-02-15)

bartonfink_type2– Und noch ein wenig Berlinale: critic.de verfasst Studierende des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2015“ Rezensionen über Berlinale-Filme, hier z.B. „End of Winter“ von Kim Dae-Hwan. cutrin hat auf filmosophie den neuen Film von Peter Greenaway, „Eisenstein in Guanajuato“, gesehen und findet der Film „funktioniert auf intellektueller sowohl als auf emotionaler Ebene oder auch schlicht als clevere Unterhaltung.“ Ferner nervt es sie, dass in vielen Filmen immer wieder Sex und Gewalt ohne große Not miteinander vermischt werden. Das möchte sie nicht sehen. Michael Sennhauser hat ebenfalls den neuen Greenaway gesehen und meint auf Sennhausers Filmblog, Greenaway sei „noch einmal ein meisterlicher Film gelungen, der wohl einige der alten Fans seiner frühen Werke wieder für ihn einnehmen wird“. Von Alexey German Jr.s „Under Electric Clouds“ ist er weniger angetan. Sehr viel mehr mochte er den neuen Film von Andreas Dresen denn, „Als wir träumten erzeugt dieses Soggefühl der Unausweichlichkeit mit den klassischen Mitteln der Filmdramaturgie – einfach dermassen gekonnt, dass es einen nicht mehr loslässt.“ Auch schwanenmeister von Movies&Sports ist auf der Berlinale gewesen und hat einen schönen Bericht über seine Filmerlebnisse geschrieben. Weniger um die Filme als vielmehr um ihre Kritiker geht es Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film, der einen sehr erhellenden, aber auch irgendwo deprimierenden Artikel über eine gewisse Attitüde vieler Filmkritiker geschrieben hat, welchen ich zu Teilen (leider) auch bestätigen kann. Thomas Groh war auf der Berlinale sehr fleißig und vielseitig unterwegs, eine Link-Sammlung zu seinen diversen Berlinale-Artikel für unterschiedliche Medien hat er auf seinem filmtagebuch veröffentlicht. Theodor Frisorger war in der Retrospektive und schreibt auf Daumenkino über den Technicolor-Film „Scaramouche“, den ich als Kind sehr gerne mochte. Auf Revolver berichtet Katrin Eissing weiterhin von der Alternativveranstaltung „Woche der Kritik“ und Christoph Hochhäuslers neuen Film „Die Lügen der Sieger“. Sarina Lacaf hat auf Negativ über den von mir mit großer Spannung erwarteten neuen Film von Joshua Oppenheimer, „The Look of Silence“ geschrieben und Rüdiger Suchsland fasst die Berlinale 2015 noch einmal aus seiner Sicht zusammen.

– Apropos Technicolor: Reda schwärmt auf Der breite Grad von dem Technicolor-Film „Die schwarze Narzisse“ und meint der Film „fällt auf jeden Fall in die Kategorie “Filmerbe der Menschheit” und sollte nicht in Vergessenheit geraten.“. Die wunderbaren Screenshots sprechen da auch eine deutliche Sprache.

– Der deutsche Film, das unbekannte Wesen. Jamal Tuschnik stellt auf Hard Sensations den Film „Flucht aus Berlin“ des großartigen Will Tremper vor, den dieser 1960 inszenierte.

– Weiter geht es in den 80ern, als „Baby“ und „Die Drücker“, beide von Uwe Frießner und geradezu euphorisch vom Intergalactic Ape-Man auf Intergalaktische Filmreisen empfohlen.

– Dazu passen dann ganz hervorragend auch zwei 80er Filme von Eckhart Schmidt, die Sebastian auf Das Magazin des Glücks vorstellt. Den bekannten „Der Fan“ und den etwas weniger bekannten „Alpha City“. Und das Tolle: Die Reihe ist auf Fortsetzungen mit weiteren Filmen, „an die sich die Filmgeschichtsschreibung (noch) nicht erinnern will“ angelegt. Ich freue mich!

– Ebenfalls zum deutschen Filmerbe der 80er Jahre, gehören zwei Filme, die Oliver Nöding auf Remember It For Later bespricht, die Gottschalk/Krüger-Komödie „Die Einsteiger“ und das Mike-Krüger-Solo-Abenteuer „Geld oder Leber“, welches Oliver schwer begeistert hat.

– Bleiben wir in Deutschland, bleiben wir bei den 80ern. Denn mehr 80er als in dem unglaublichen „Macho Man“ geht einfach nicht, wie auch totalschaden auf Splattertrash feststellt. Dort geht es dann auch in die 70er und zu einem meiner Lieblingsfilme :“Vampyros Lesbos“, den ich immer noch einmal auf 35mm und der großen Leinwand sehen will.

– Ebenfalls in den 70ern, aber in Spanien entstand „La Semana del Asasinio“, der in Deutschland den marktschreierischen Titel „Cannibal Man“ trägt, was bei manch einem Videokunden zu einem langen Gesicht geführt haben mag. Tatsächlich aber ist der Film eine beeindruckende Psycho – und Sozialstudie des zu unrecht viel zu unbekannten Eloy de la Iglesia. David hat sich auf Whoknows presents eingehend mit dem Film beschäftigt. http://whoknowspresents.blogspot.de/2015/02/dosensuppen-und-faschismus.html

– In Italien drehte währenddessen Lucio Fulci einen (viele sagen den) besten seiner Filme „Non si sevizia un paperino“, den auch Mauritia Mayer auf Schattenlichter sehr schätzt.

– Aus Italien stammen auch der seltene Giallo „Satan ohne Gesicht“ und der Gangsterfilm „Provinz ohne Gesetz“. Beide sind gerade bei X-Rated erschienen und Bluntwolf hat auf Nischenkino die entsprechenden Rezensionen veröffentlicht.

– Auf einer nostalgischen Reise befindet sich Annika Stelter. Auf Die Filme, die ich rief hat sich sich mit Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ beschäftigt, dessen Soundtrack einst zu ihren viel gespielten Lieblingen gehörte. Den Film dazu sieht sie aber das erste Mal.

– Dienst am Kunden. Wiederaufführung vergleicht die „Ultimate Collector’s Edition“ von 2012 und neue „Turbine Steel Collection #1“ des Filmes „The Texas Chainsaw Massacre“.

– Zurück in die Gegenwart. Deep Red Radio hat den Horrorfilm „Banshee Chapter“ gesehen und findet diesen – im positiven Sinne – ziemlich gruselig.

– YP und PD unterhalten sich auf Filme im Dialog wieder über einen Film, den sie gerade im Kino gesehen haben. In diesem Fall „The Imitation Game“.

– Auf Cereality stellen die Autoren die Filme des amerikanischen Regisseurs J.C. Chandor vor.

– Und ab in die Zukunft: Neues zu den Plänen aus Hollywood gibt es bei Der Kinogänger.

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DVD-Rezension: „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“

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Die Küste vor Tokio ist vollkommen durch Müll und Industrieabfälle verdreckt. Aus dieser Suppe entsteigt ein gigantisches Ungeheuer namens „Hydrox“ (im Original Hedora), welches sich von der Umweltverschmutzung ernährt und eine tödliche Gefahr für die Menschen darstellt. Der Wissenschaftler Dr. Yano ist der erste, der mit dem Monster direkten Kontakt hat. Obwohl er bei der Begegnung schwere Verbrennungen erleidet, macht er sich fieberhaft dran, ein Mittel gegen das stetig wachsende Monster zu entwickeln. Sein kleiner Sohn wiederum scheint eine telepathische Verbindung zu einem anderen Monster zu besitzt: Godzilla. Als Godzilla plötzlich auf der Bildfläche erscheint, um Hydrox zu bekämpfen, wird offenbar, dass Hydrox sogar dem mächtigen Godzilla überlegen ist. Wird es Dr. Yano trotzdem gelingen, die Menschheit vor Hydrox zu retten?

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Ende der 60er Jahre hatten sich die Godzilla-Filme in eine Sackgasse manövriert. Sie hatten den ernsthaften Grundton des Erstlings aufgegeben und sich zu harmloser Kinderunterhaltung entwickelt, die zu allem Übel noch mit reichlich Archiv-Material aufgemöbelt wurde. Als Tiefpunkt gilt „Attack all Monsters“ aus dem Jahre 1969, der als Traum eines kleinen Jungen, vor allem aus Szenen älterer Filme zusammengestellt wurde. Danach machte die Serie erst einmal Pause, um 1971 mit „Frankenstein im Kampf gegen die Teufelsmonster“ zurück zu kehren. Der deutsche Titel ist natürlich ziemlicher Quatsch. Ein Frankenstein taucht hier selbstverständlich nicht auf, und die „Teufelsmonster“ sind in Wirklichkeit nur eins. Wobei, zugeben, noch ein paar Ableger zu sehen sind und in den Raum gestellt wird, dass es noch ein zweites Monster gäbe. Im Original heißt das Monster Hedorah, was vom japanischen Wort von Schlamm oder Schlick abgeleitet wird. In Deutschland hieß es Hydrox und in den USA „the Smog-Monster“. Hedorah wirkt auf den ersten Blick ganz lustig, ist aber für Godzilla ein schier unbesiegbarer und gefährlicher Gegner. Zudem ist Hedorah auch die Materie gewordene Umweltverschmutzung und somit Godzilla nicht unähnlich, der ja einst ebenfalls eine Inkarnation einer von Menschen geschaffenen Gefahr darstellte: Der Atombombe.

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Das Thema Umweltverschmutzung wird dann auch sehr massiv in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ angegangen. Es wird geradezu mit dem Zaunpfahl auf das Publikum eingeprügelt. Hedorah ist keine leise Metapher, sondern ein auf Krawall gebürstet Demonstrant mit Megaphon. Dies führt immer wieder dazu, dass der Film bei den Fans nicht besonders gut gelitten ist. Tatsächlich spaltet er das Publikum enorm. Wobei die negativen Argumente nicht von der Hand zu weisen sind. Der Kinderhauptdarsteller, der Bruch etablierter Franchise-Regeln und natürlich die Botschaft, die mit dem Holzhammer daher kommt. Doch löst man sich davon, einen konventionellen Godzilla-Film sehen zu wollen, offenbart sich eine schier wahnsinnige Kraft, die einen mit all ihrem Irrsinn und den beinahe avantgardistischen Einfällen mitreißen kann. Es stimmt, als Godzilla-Film funktioniert „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ eher weniger. So wird Godzilla auch irgendwie in den Film hineingepresst. Warum er überhaupt auftaucht, wird nicht wirklich erklärt. Er ist einfach plötzlich da und prügelt auf Hedorah ein. An einer Stelle wird dies beiläufig und arg fadenscheinig mit einer telepathischen Verbindung des Jungen mit dem grünen Monster erklärt, aber letztendlich ist dies doch nur reine Willkür der Autoren und kein zwingendes Motiv.

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Verabschiedet man sich also von traditioneller Kaiju-Konvention, explodiert einem die Experimentierfreude förmlich vor den Augen. Da wird der Film mit einer beinahe nach James Bond schmeckender Titelsequenz eingeläutet, in der die Sängerin Keiko Mari einen Ohrwurm über die Gefahren der Umweltverschmutzung schmettert, der fast vollständig aus der Aufzählung diverser Giftstoffe besteht. Immer wieder auch werden auf dem Meer treibende Mülllandschaften gezeigt, deren Zentrum eine zerstörte Kleiderpuppe einnimmt. Später führt der Film in eine psychedelisch ausgeleuchteten Discothek, wo ebenfalls eine Version des Liedes zum Besten gegeben wird und einer der Darsteller auf die anderen Besucher Fischköpfe halluziniert. Zwischendurch werden Zeichentricksequenzen wie aus der „Sendung mit der Maus“ eingeblendet, Dia-Vorträge über das Weltall abgehalten und wenn Hedorah über die Stadt fliegt fallen links und rechts skelettierte Körper zu Boden (ein no-go im Godzilla-Franchise, wo sonst nie Tote gezeigt wurden). In einer der schönsten Szenen, gerät eine Protagonist am Fuße des Fuji zu einem spontanen Happening junger Leute mit Musik und Tanz, während die Alten wie Geister hinter den Büschen hocken und das Treiben mit toten Augen beobachten. Und wenn Hedorah wieder Schlamm auf seine Gegner spritzt, erinnert dies an eine heftige Ejakulation.

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Für Regisseur Yoshimitsu Banno, der zuvor als Regie-Assistent bei Ishiro Honda und drehte den Film „Birth of the Japanese Islands“ für die Weltausstellung in Osaka 1970. Dabei lernte er Tomoyuki Tanaka kennen, der den jungen Regisseur mit dem neuen Godzilla-Film beauftragte. Was er bekam gefiel ihm allerdings gar nicht. Am heftigsten missfiel ihm die Szene, in der sich Godzilla plötzlich mit Hilfe seines Atomatmens in die Lüfte erhob. Für Banno sollte es dann auch sein erster und letzter Spielfilm bleiben. Was sehr schade ist, denn die übersprudelnde Fantasie und naive Kreativität hätte man gerne noch in einem weiteren Kontext gesehen. Immerhin taucht Bannos Name 43 Jahre später unter den Produzenten des amerikanischen „Godzilla“-Films von Garth Edwards auf. Doch dieser ist vom enthemmten Irrsinn eines „Teufelsmonster“ denkbar weit entfernt. So aber blieb „Frankenstein in Kampf gegen die Teufelsmonster“ der einzige Blick auf Bannos Fähigkeiten als Regisseur und gleichzeitig der polarisierenste Godzilla-Film der ganzen Reihe, der von der einen Fraktion ebenso vehement abgelehnt, wie von einer kleineren hemmungslos geliebt wird. Trotz und gerade wegen seiner Fehler und der Weigerung nach den Regeln zu spielen.

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Als konventioneller „Godzilla“-Film funktioniert „Frankenstein im Kampf gegen die Teufelsmonster“ nur sehr bedingt, aber als wagemutiges Experiment am Rande des Irrsinns, ohne Rücksicht auf irgendwelche Regeln oder den Geschmack des Publikums, ist er für ein dafür empfängliches Publikum eine sehenswerte, stellenweise fast avantgardistische, Entdeckung. Allerdings sollte man darauf gefasst sein, dass Yoshimitsu Banno einem seine ökologische Botschaft mit dem Dreschflegel einprügeln möchte.

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Mit seiner nunmehr 10. „Kaijun Classics“-Ausgabe hat Anolis wieder einmal einen sehr hohen Standard gesetzt. Von außen nicht ersichtlich, enthält das edle Steelcase nicht nur eine, sondern gleich zwei DVDs, die jeweils mit hochinformativen Extras aufgewertet wurden. Disc 1 enthält die Japanische Fassung des Filmes in einer hervorragenden Bildqualität. Neben der deutschen Synchronisation (fehlende Stellen werden im Original mit Untertiteln belassen), kann der geneigte Zuschauer noch wahlweise einen Audiokommentar mit den renommierten Experten Jörg Buttgereit und Bodo Traber oder Florian Bahr zuschalten. Des weiteren an Bord, ein 11-minütiges Interview mit Yoshimitsu Banno, welches Jörg Buttgereit 2002 geführt hatte. Der japanische und us-amerikanische Trailer sowie schönes internationales Werbematerial sind ebenfalls enthalten. Das Bild der deutschen Fassung auf Disc 2 ist einen Tick schlechter, aber immer noch sehr gut. Hier findet man neben japanischer und deutschen Tonspur, einen Audiokommentar von Monster-Fan Thorsten Rosemann, der schon zu „Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ einen AK beisteuerte. Wer es kurz und nostalgisch mag, der kann die – leider rotstichige – 33-minütige deutsche Super-8-Fassung bestaunen. Der deutsche Trailer und deutsches Werbematerial runden die Disc ab. Nicht unterschlagen sollte man auch das sehr schön gewordene, 20-seitige Booklet, welches von Ingo Strecker verfasst wurde. Alles in allem, eine wunderschöne Veröffentlichung, die keine Wünsche übrig lässt.

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Originalfassungen in Bremen: 12.02.15 – 18.02.15

Eine wirklich schwache Woche. „Fifty Shades of Grey“ verstopft den O-Ton-Slot im Multiplex und Programmkino, und sonst ist nicht viel in Sicht, was mein Interesse wecken könnte. Ausser natürlich „Johnny Guitar“ und eventuell der argentinische „Famila rodante“.

Sevimli Tehlikeli – Cinemaxx, diverse Anfangszeiten – Türkische, romantische Komödie um eine Frau, die kurz vor der Hochzeit mit einem von ihr ungeliebten Mann mit einem Einbrecher durchbrennt.

Ask Sana Benzer – Cinemaxx, Do., Sa./So. und Mi. immer 23:10 – Türkischer Liebesfilm um einen jungen Mann, der sich in einem kleinen Fischerdorf in eine fremde Frau verliebt.

Mucize – Wunder – Cinemaxx, Fr. 13.2. um 23:00 – Türkisches Drama um einen Lehrer, der 1961 in einem Dorf im äußersten Osten des Landes durchsetzten will, dass die Mädchen und ein Behinderter zur Schule gehen dürfen.

Fifty Shades of Grey – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:15 & Schauburg, Do./Fr./So./Di./Mi. um 21:00 und Sa./So./Mo. um 21:30 – US-Verfilmung des Bestsellers von E.L. James, um eine junge Frau, die sich in einen sadistischen Geschäftsmann verliebt und von diesem in die Welt des SM eingeführt wird. Ein Film wie Radley Metzgers wunderbarer „The Image“ wird nach 40 Jahre in Deutschland verboten und die Hausfrauen-Fantasie „Fifty Shades“ wird im Kino als Sensation verkauft. Verrückte Welt.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=SfZWFDs0LxA[/youtube]

Familia rodante – Argentinisch reisen – City 46, Mi., 18.2. um 20:00 – Spielfilm der als Beginn der Neuen Welle im argentinischen Kino gilt. Die vier Generationen einer Großfamilie machen sich im altersschwachen Gefährt auf die Reise durch die Landschaft Argentiniens.

[youtube width=“620″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=8SKwK89P2p8[/youtube]

Flaschenpost vor Gaza – City 46, Fr./Mi. um 18:00 und Sa./Mo. um 20:30 – Französischer Spielfilm um eine junge Französin in Jerusalem, die nach einem Selbstmordattentat in ihrem Viertel nach Antworten auf die Gewalt sucht und diese mit einer Falschenpost nach Gaza zu erhalten hofft.

Höhere Gewalt – City 46, Do./Sa./Di. um 20:00 – Drama aus der französischen Schweiz. Ein Familienvater bringt bei einem Lawinenunglück nicht seine Kinder, sondern sich selbst und sein iPhone in Sicherheit. Die Kinder überleben, aber der Vater muss mit der Schuld leben.

Im Schneeland – City 46, Di., 17.2. um 20:30 – Deutscher Dokumentarfilm der den Weg eines Dichtermönchs nachzeichnet, der vor 150 Jahren in den schneereichen Bergen der japanischen Präfektur Niigata gelebt hat.

Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen – City 46, So., 15.2. um 18:00 – Nicholas Rays Western-Klassiker von 1954 mit Joan Crawford, Mercedes McCambridge und Sterling Hayden. Ein ehemaliger Revolverheld gerät in den Machtkampf zwischen zwei Frauen. Ein Liebling der Nouvelle Vague-Regisseure. Vorgestellt von Fanny Gonella, Leiterin des Künstlerhaus am Deich.

[youtube width=“620″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=ACgSyxdV9vE[/youtube]

Wüstentänzer – Afshins verbotener Traum von Freiheit – City 46, Do./Sa./Mo./Di um 18:00 und Fr./So./Mi. um 20:30 – Britischer Film. Im Iran ist das Tanzen verboten. Der junge Afshin bringt sich anhand von illegal geschauter Youtube-Videos selbst das Tanzen bei und tritt trotz aller Gefahren bei einer geheimen Veranstaltung in der Wüste auf.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 16.02. um 19:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 16.02. um 21:45

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DVD-Rezension: “Wer – Das Biest in Dir“

WEREine amerikanische Familie, wird bei ihrem Camping-Urlaub in Frankreich bestialisch abgeschlachtet. Nur die Ehefrau kann lebensgefährlich verletzt entkommen und berichtet von einem tierähnlichen, riesigen Wesen, welches ihren Sohn gefressen hätte. Kurze Zeit später nimmt die französische Polizei einen Tatverdächtigen fest. Es ist der riesenhafte Talan Gwynek (Brian Scott O’Connor), Sohn rumänischer Einwanderer. Für die Polizei scheint festzustehen, dass Talan der gesuchte Mörder ist. Die amerikanische Menschenrechtsanwältin Kate Moore (A.J. Cook) übernimmt den Film und schon bald kommen ihr Zweifel, ob Talan – der an einer seltnen Krankheit leidet, die es ihm fast unmöglich macht sich zu bewegen – wirklich der Täter ist. Tatsächlich kommen sie und ihr Team schon bald einigen Ungereimtheiten auf die Spur, die auf ein Komplott hindeuten. Um Talans Unschuld zu beweisen, ordnet sie einige medizinische Tests an Talan an. Diese haben allerdings mörderische Konsequenzen…

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Scheinbar kommen Werwölfe gerade wieder in Mode. Zeitgleich mit „WolfCop“ veröffentlicht Ascot Elite auch den Spielfilm „Wer“, dessen Titel mitnichten als Frage, sondern vielmehr die Vorsilbe des deutschen Wortes „Werwolf“ zu verstehen ist. Während „WolfCop“ dem Thema einen leichten, spaßigen Ton gab, bemüht sich „Wer“ um mehr Ernsthaftigkeit und Grusel. Dabei wählt Regisseur und Drehbuchautor William Brent Bell einen neuen Ansatz, um sich mit der Figur des Werwolfs auseinander zu setzten. Sein Werwolf ist kein normaler Mensch, der sich in Vollmondnächten in einen reißenden Wolf verwandelt, sondern ein riesiger, übermäßig stark behaarter Mann, der sich bei Vollmond gar nicht erst verwandelt, sondern lediglich übermenschliche Körperkräfte entwickelt. Dargestellt wird dieser Talan Gwynek von dem Schauspieler Brian Scott O’Connor, der damit auch gleich die größte Bereicherung dieses Filmes darstellt.

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O’Connor spielt bei seinem Debüt vor der Filmkamera mit einer ungeheuren, beängstigenden Ausstrahlung. Gleichzeitig weiß er sich aber auch zurückzunehmen und gerade in der sehr viel stärkeren ersten Hälfte, interpretiert er Talan sehr überzeugend als sehr zurückhaltende, schüchterne Person. Dass Talan den Beschützerinstinkt der jungen Anwältin Kate Moore weckt, ist durchaus nachvollziehbar. Kommen dem Zuschauer doch aufgrund der zurückhaltenden Spielweise O’Connors doch durchaus Zweifel, ob dieser riesige Kerl tatsächlich das titelgebende Monster ist oder doch jemand ganz anderer hinter den brutalen Morden steckt. Gerade in der Szene, in welcher er zusammen mit seiner Mutter und dem Team um Anwältin in ein Laboratorium geführt wird, erscheint er ganz als sanfter Riese, der Hilfe benötigt und nur aufgrund seines monströsen Aussehens zum Sündenbock gemacht wurde. Leider wirft Regisseur Bell diese spannende Prämisse bald in hohem Bogen über Bord. Wodurch nicht nur ambivalente Gefühle des Zuschauers weckt, sondern auch die Frage, was hinter den Morden und der scheinbar augenblicklich erfolgte Festnahme Talans steckt, aufgeben werden. Stattdessen lässt Bell seinen bis dahin interessanten Horror-Thriller in einen actionbetonten Splatterfilm umkippen, der zwar pausenlose Hektik und stapelweise zerfetzte Leiber und zerplatzte Köpfe auffährt, dabei jedoch jegliche gruselige Spannung und nachvollziehbare Figurenzeichnung vergisst.

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In dieser deutlich schwächeren zweiten Hälfte werden vor allem die Liebhaber atemloser Verfolgungsjagden und blutigen Splattereffekten, unter die sich, neben zahlreichen computerbasierten, auch eine handvoll Handgemachtes schummeln, bedient. Doch wenn das Monster im Akkord Polizisten zermatscht, dann führt dies recht schnell zu einer Abstumpfung, die keinerlei Spannung mehr generieren kann. Erschwerend kommt hinzu, dass das Handlungsgerüst, welches in der ersten Hälfte aufgebaut wurde, dabei einrissen oder zumindest marginalisiert wird. Es gibt auf alle Frage nur einfache Antworten, keinerlei Überraschungen und insbesondere die Figur der Anwältin Moore beginnt sich widersprüchlich zu ihrem in der ersten Hälfte etablierten Charakter zu verhalten. Der sich völlig falsch anfühlende Epilog, gibt dem anfangs so vielversprechenden Film dann den Todesstoß. Was ärgerlich ist, denn nicht nur hätten die anfangs ausgelegten Handlungsfäden, sondern vor allem die Frage nach Schuld und Unschuld Talans und die damit verbundenen Zweifeln, das Potential zu einem weitaus interessanteren Film gehabt.

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So aber werden ambivalente Charaktere, wie der französische Polizist, plötzlich zu platten Unsympathen mit finsterer Agenda. Überhaupt ist es auffällig, dass die positiv gezeichneten Figuren, dieser in Frankreich spielenden Geschichte, alles Amerikaner sind, während die Europäer durch die Bank weg von zweifelhaftem Charakter sind. Seriendarstellerin A.J. Cook spielt die taffe amerikanische Anwältin Kate Moore und wirkt dabei immer einen Tick zu hübsch und mädchenhaft. Gänzlich vom Drehbuch im Stich gelassen wird Simon Quarterman als ihr ehemaliger Geliebter Gavin Flemyng, dessen Figur nie wirklich erklärt wird, wodurch seine charakterliche Verwandlung in der zweiten Hälfte des Filmes ineffektiv und egal bleibt. Gänzlich verzichtbar ist Vik Sahay als Hacker Eric Sarin. Auch diese Figur erfährt keine dringend bedürftige Erklärung, wer sie ist und was sie denkt. Der gutaussehende und durchaus charismatische Sahay steht im Grunde nur in der Gegend herum oder läuft der Hauptdarstellerin hinterher, ohne eine wirkliche Funktion zu erfüllen.

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Optisch entwickelt William Brent Bell einen Stil, der die guten alten „Dogma“-Filme wie elegante Kamerafahrten aussehen lässt. Ganz offensichtlich versucht Bell das populäre „Found Footage“-Genre mit einer konventionellen Erzählweise zu kombinieren. Dabei lässt er seine Kamera ordentlich wackeln, filmt aus merkwürdigen, „unfilmischen“ Winkeln, arbeitet mit abrupten Reißschwenks und schneidet so, dass man schnell die Orientierung verliert. Alles Merkmale des „Found Fooage“-Genres, ebenso wie die vielfache Verwendung sekundärer Quellen. Häufig wird Material aus Überwachungskameras oder Ausschnitte aus Fernsehreportagen in den Film hineingeschnitten. Vermutlich ist es Bells Ziel, die scheinbare, unmittelbare, „realistische“ Dynamik von „Found Footage“ in seinen Film einfließen zu lassen. Das kann man als interessanten Hybrid betrachten oder schrecklich nervig finden. Immerhin umgeht er damit die bei echten „Found Footage“-Filmen immer wieder auftauchende Frage, warum jemand in einer Ausnahmesituation nicht einfach aufhört zu filmen, um seine Haut zu retten.

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Während „Wer“ in der erste Hälfte durchaus interessant Ansatzpunkte hat, werden diese von dem wortwörtlichen „overkill“ der zweiten Hälfte in den Boden gestampft. Was ärgerlich ist, hätte der Film doch – vor allem auch dank seines imposanten Hauptdarstellers Brian Scott O’Connor – Potential zu weitaus mehr gehabt, als einer nur Metzelorgie im Wackelkamera-Look.

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Das Bild der DVD aus dem Hause Ascot Elite lässt sich schlecht bewerten, da Regisseur William Brent Bell versucht, einen „realistischen“ Found-Footage-Stil zu kreieren. Dazu wackelt die Kamera, gibt es oftmals gewollte Unschärfen und wirken die Szenen, wie von einer Amateur-Videokamera aufgenommen – mit all den bekannten Schwächen. Da dies bewusst als Stilmittel eingesetzt wird, kann die schwankende Bildqualität aber der Veröffentlichung nicht negativ angekreidet werden. Der Sound ist okay, wenn auch die deutsche Synchro etwas dünn klingt. Die Extras sind nicht der Rede wert. Es gibt ein 11-minütiges Featurette, welches aber aus viel zu vielen Filmausschnitten besteht, sowie kurze Interviews mit den Produzenten Matthew Peterman & Morison Paulsen, Hauptdarstellerin A.J. Cook und Regisseur/Drehbuchautor William Brent Bell, die sich zusammen auf 12 Minuten summieren. Ein 2-minütiges Feature über die Stunts und diverse Trailer runden diesen Bereich ab.

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Das Bloggen der Anderen (09-02-15)

bartonfink_type2– Ist schon wieder ein Jahr um? Mir kommt es vor, als hätte ich erst vor ein paar Wochen die Berichterstattung über die Berlinale in den deutschsprachigen Filmblogs zusammengefasst. Liegt wahrscheinlich am Alter. Also frisch ans Werk. Für Negativ ist Sarina Lacaf in Berlin dabei und ist von Andreas Schippers „Victoria“, einem „tatsächlich und in erschütternder Weise beeindruckenden Beitrag zum Wettbewerb“ schwer begeistert. Auch Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog ist von „Victoria“ – wie viele andere seiner Kollegen auch – sehr angetan.  Bei Werner Herzogs „Queen of the Desert“ findet er: „Herzog hat längst seinen eigenen Meta-Stil entwickelt: Er kombiniert die grosse Geste mit der grossen Ironie, und das tut er meisterlich.“ Und auch die diesjährige Retrospektive „Glorious Technicolor“ wird von ihm ausführlich vorgestellt.  Auch cutrin von filmosophie hat den neuen Herzog auf der Berlinale gesehen und kommt zu einer ähnlichen Einschätzung : “So bleibt Queen of the Desert letztlich nicht als Biopic über eine verdienstvolle Forscherin und Freidenkerin in Erinnerung, sondern als dieses beinahe Douglas Sirk-esk überdrehte Melodrama, das leider sein anfänglich so grandios witziges Niveau nicht konsequent beibehalten konnte.“ Nomen est omen ist für sie Rosa von Praunheims neues Werk „Härte“. Danny Gronmaier war für critic.de bei der „Perspektive Deutsches Kino“. Philipp Baumgartner schreibt auf Daumenkino über die Berlinale und möchte den portugiesischen Dokumentarfilm „Rabo de Peixe“ hervorheben. Joachim Kurz kann auf B-Roll so gar nichts mit dem neuen Terrence Malick, „The Knight of Cups“ anfangen.  Katrin Eissing berichtet auf Revolver über die nicht zur offiziellen Berlinale gehörende, sondern von engagierten Cineasten neu ins Leben gerufene „Woche der Kritik“.

– Mit dem unglaublich schmierigen „Die Teuflischen von Mykonos“ gibt es von totalschaden auf Splattertrash noch einmal einen Nachschlag zum „Mondo Bizarr Weekender“ aus der Vorwoche.

– Frank Schmidtke ist auf cinetastic.de sehr begeistert von „A Girl Walks Home Alone At Night“, dem ersten iranischen Vampir-Western – der allerdings komplett in den USA entstand.

– „A Girl Walks Home Alone At Night“ wird auch von David McAllen auf Komm&Sieh sehr lobend behandelt. Ebenfalls sehr gut weg bei den sonst so kritischen Kollegen kommt auch „City 44“, ein polnischer Spielfilm über den Warschauer Aufstand.

– LZ hat auf screenread seine lesenswerten Gedanken zum Thema „Die Alien-Invasion als Schläfer-Parabel: Kollektive Paranoia zwischen Dark Skies und Independence Day“ aufgeschrieben.

– Auf SDB verabschiedet sich Sir Donnerbold schweren Herzens von einer Figur aus der internationalen Video-Blogger-Szene, dem „Nostalgia Critic“.

– Viele interessante Artikel findet man in dieser Woche auf Magazin des Glücks. Sebastian schreibt über fünf Filme von Gerd Oswald, laut Hans-Christoph Blumenberg ein „exzellenter Handwerker mit einer barocken filmischen Fantasie«, ein »Irrläufer, Grenzgänger, Meister des Genrekinos“. Er lobt die Biographie „Fritz Lang – Ich bin ein Augenmensch« von Norbert Grob und befasst sich mit zwei Fernsehspielen von Rainer Erler.

– Manfred Polak analysiert auf Whoknows presents eingehend den Film „Der Rabe“ von Henri-Georges Clouzot.

– Vor 40 Jahren kam „The Texas Chainsaw Massacre“ in die Kinos. Grund für Alex Klotz auf Hard Sensations einen Blick auf die neue Blu-ray zu werfen.

– Und zum 75. Geburtstag von George A. Romero veröffentlicht Thomas Groh auf seinem filmtagebuch noch einmal seinen Text zum 70., den er vor fünf Jahren in der taz veröffentlichte.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later seine James-Bond-Retro mit „Skyfall“ abgeschlossen und wendet sich mit „Piratensender Powerplay“ anderen Themen zu. Lesenswert auch seine Kritik zu „Under the Skin“.

– Seth Hold kenne ich nur als Regisseur für die Hammer Studios. Aber er hat auch eine deutsch-englische Co-Produktion von Artur Brauners CCC gedreht. Udo Rotenberg bespricht auf Grün ist die Heide „Endstation 13 Sahara“ mit Hansjörg Felmy und Carroll Baker.

– Kein Kino sondern Theater, aber trotzdem wert hier erwähnt zu werden. Sven Jachmann interviewt auf filmgazette den einzigartigen Wenzel Storch!

– YP und PD haben sich mal aktuelle Genre-Unterhaltung angesehen und sind auf Film im Dialog angenehm von „John Wick“ überrascht.

– Mauritia Meyer hat sich auf Schattenlichter eines der schönsten (okay, auch eines der wenigen) Gothic-Horror-Western vorgenommen: „Satan der Rache“ von Antonio Margheriti mit Klaus Kinski – ausnahmsweise mal als Anti-Held. Der sollte in keinem guten Haushalt fehlen.

– Jonas Reinartz schreibt auf filmosophie darüber, warum ihn Luchino Visconti nicht loslässt.

– Robin Schröder legt seinen Lesern auf Mise en cinéma den russischen Film „Der Vrief, der nie ankam“ von Michail Kalatosow ans Herz und hat mich davon überzeugt, dieses Werk auf meine „Gesucht“-Liste zu setzten.

– Der neue Film von François Ozon, „Die neue Freundin“, kann Christian Witte von Cereality nicht ganz überzeugen.

– Oliver Armknecht empfiehlt auf film-rezensionen den Anime „Robotic Angel“ und wundert sich, warum dieses Werk nicht immer in einem Atemzug mit den großen SF-Animes genannt wird und meint, vielleicht liegt es an der Musik.

– Bei Der Kinogänger gibt es eine Vorschau auf das kommende Kinoprogramm.

Schlombies Filmbesprechungen präsentiert wieder sein „Besprechungen der Anderen“.

– Und Wiederaufführung die besten Podcasts der letzten Woche.

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DVD-Rezension: “WolfCop”

WolfcopDer versoffene und faule Polizist Lou Garou (Leo Fafard) schiebt seinen Dienst in einer kanadischen Kleinstadt. Nachdem er eines Nachts zu einem Einsatz im nahegelegenen Wald gerufen wird, ändert sich sein Leben. Am nächsten Morgen erwacht er mit einem Pentagramm auf seiner Brust und geschärften Sinnen. Doch Lou kümmert das zunächst wenig, und er säuft erst einmal weiter. Als er sich dann aber bei Vollmond in ein haariges Monster verwandelt, sieht sich selbst Lou Garou dazu gezwungen, nach den Hintergründen zu fahnden. Unterstützt wird er dabei von seinem kauzigen Kumpel Willie (Jonathan Cherry) und seiner ehrgeizigen Kollegin Tina (Amy Matysio). Als Wolfcop gerät er dabei in eine finstere Verschwörung, die weit zurück reicht und Lou in tödliche Gefahr bringt…

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Es ist heutzutage durchaus eine Wohltat, wenn sogenannte „Trash“-Filme (ein fürchterliches Wort) einmal nicht mit dem ironischen Zwinker-Zwinker in den Augen daherkommen. Wenn sie sich nicht in ihrer eigenen Schlechtigkeit suhlen und Fließbandware als „Kult“ (noch so ein Unwort) verkaufen wollen, weil sie ja so crazy und billig gemacht sind. Ab und zu guckt doch mal ein B-Filmchen um die Ecke, welches sein Herz auf dem rechten Flecken hat und eine verrückte Idee nicht in billiges Zellophan, sondern festes Geschenkpapier wickelt. „WolfCop“ ist solch ein B-Filmchen. Einen Polizisten zum Werwolf mutieren zu lassen, und diesen dann noch auf Streife zu schicken, ist eine dieser Ideen, bei denen man sich fragt, warum zuvor noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Okay, Vampire als Polizisten gab es schon, aber gegen ein haariges Monster haben die blassen Blutsauger hier in Sachen Originalität keine große Chance. Der Werwolf in Polizeiuniform ist dann auch das prägnante Element in diesem mit 76 Minuten recht kurzen Film. Und man darf es Regisseur und Drehbuchautor anrechnen, dass er seine dünne Geschichte nicht künstlich aufbläht, sondern knackig zum Ende führt. Ob das in dem, bereits vor dem Abspann angekündigten, „WolfCop 2“ auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

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„WolfCop“ fühlt sich an, wie eine dieser Direct-to-video-Produktionen, die Ende der 80er/Anfang der 90er in die Videotheken kamen. In einer Zeit also, in der gerade noch statt billiger, lebloser CGI, Geld in gute, alte Handarbeit gesteckt wurde. So sind die Masken und Special Effects in „WolfCop“ dann auch kostengünstig, aber atmen den Charme von etwas Echtem, Anfassbaren. Und man spürt förmlich die Freude, mit der die Maskenbildner und Special Effects Leute sich hier austoben. Latex, Prothesen, Kunstblut. Die ganze Palette altehrwürdiger Maskenkunst wird hier aufgefahren und mit sichtlichem Spaß und Kreativität eingesetzt. Man sollte nur keine atemberaubenden Transformationen wie in „American Werewolf“ oder „Das Tier“ erwarten. Dafür stand augenscheinlich auch nicht das Budget zur Verfügung. Aber mit einigen geschickten Kameraeinstellungen zaubert Lowell Dean hier durchaus überzeugende und angenehm altmodische Effekt-Szenen. Nur bei einigen Explosionen und kurzen Verwandlungsszenen ganz am Ende, kommt auch Dean nicht umhin, auf den Computer zurückzugreifen, was ihm aber verziehen werden darf.

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Auch wenn der haarige Polizist durchaus eine Innovation darstellt, die Geschichte tut es nicht. Sie bleibt dünn, vorhersehbar und offenbart auch ein paar Durchhänger. Jedoch wird gar nicht erst versucht dies Mängel durch ein übergroßes Spektakel zu kaschieren, sondern man steht in bester B-Film-Tradition dazu, was den Film näher an die Grindhouse-Filme der 70er und 80er rückt, als so manches gewollt cooles Neo-Retro-Filmchen. Zwar wird „WolfCop“ als Horrorkomödie vermarktet, aber der Komödienanteil ist dankenswerter Weise bis auf zwei-drei Stellen nicht übermäßig forciert, sondern ergibt sich aus der Absurdität der Geschichte, die von den Darstellern ernsthaft und ohne Parodiecharakter gespielt wird. Dies gilt insbesondere für den Hauptdarsteller Leo Fafard, der zwar „im wahren Leben“ seine Brötchen als „generator operator“ hinter der Kamera verdient, sich aber als Idealbesetzung für Lou Garou (kleines Wortspiel mit loup-garou, dem französischen Wort für Werwolf) entpuppt. Selbst ohne Make-Up hat er schon etwas „wölfisches“ an sich und spielt seine Rolle, die durchaus auch als Slapstick-Charakter hätte angelegt werden könnte, ernsthaft und mit starker physischer Präsenz. Auch seine Mitstreiter schlagen sich recht gut, vor allem Amy Matysio als Hilfssheriff Tina, eine Rolle, die in falschen Händen auch schnell zu einer nervigen Witzfigur hätte geraten können. Nicht vergessen sollte man auch Sarah Lind als überaus heiße Jessica, deren Auftritte man – nicht unbedingt durch ihre Schauspielkünste, aber immerhin – nicht so schnell vergisst. Nur Jonathan Cherry als Lous etwas verrückter Kumpel und Aidan Devine als Sheriff neigen dazu, die Grenze zur Albernheit ein paar Mal zu überschreiten.

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„WolfCop“ wurde mit Hilfe der Cinecoup film accelerator competition finanziert. So etwas wie einer Online-Casting-Show für Filmfinanzierungen. Er setzte sich aufgrund eine 2-minütigen Trailers gegen 89 Konkurrenten durch und erhielt eine Fan-Finanzierung, die den Dreh des Filmes erst möglich machte, und noch die Garantie dafür, dass der Film in seiner Heimat Kanada einen Kinostart bekam. Und der Film liefert dann auch das, was die Fans aufgrund der Prämisse erwarten durften. Leichte, und überraschend blutige, Unterhaltung, die keinen großen Anspruch erhebt, außer seinem Publikum eine gute Zeit zu bescheren. Was ihn ungleich sympathischer macht als die sterilen CGI-Monsterfilme, die eiskalt auf den Geldbeutel ihrer Zuschauer starren und dabei vergessen, warum es im sogenannten „Trash“-Film geht: Nämlich das Herz am rechten Fleck zu haben, und sein Thema soweit ernst zu nehmen, dass man mit dem Film, statt über ihn lacht.

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Der kanadische Low-Budget-Film „WolfCop“ erweist sich als sympathisches und ganz und gar anspruchsloses Party-Filmchen, dass zugunsten von guten, alten handgemachten Effekten, fast vollständig auf billige CGI verzichtet. Ein gut besetzter Hauptdarsteller, schöne Frauen und literweise Kunstblut runden das positive Bild ab, in dem Komödie über weite Strecken nicht mit albernen Plattheiten gleichgesetzt wird.

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Die Bildqualität der Ascot Elite DVD ist gut. Die Farben an manchen Stellen wunderbar kräftig. Hier und Dort weist das Bild allerdings einen gewissen „Video-Look“ auf, der etwas billig wirkt. Die Synchronisation ist okay, aber die Originaltonspur ist eindeutig zu bevorzugen, da die wunderbar tiefe Stimme des Hauptdarstellers in der deutschen Fassung zu hell und beliebig ist. Die Extras der DVD sind nicht besonders spektakulär. Es gibt eine 5-minütiges Featurette in dem der Cast bei den Dreharbeiten herumalbert und mehrere Takes eine alternativen Szene zu finden sind, in der Hilfssheriff Tina statt eines abgerissenen Gesichts einen Penis findet. Dann gibt es noch ein Musikvideo, drei kurze Videos über „Cinecoup – The Film Accelerator“, worüber der Film finanziert wurde und letztendlich noch sechs „Missions Videos“, die zusammen eine Laufzeit von knapp 13 Minuten ergeben. Das aufschlussreichste Feature ist aber ein Audiokommentar mit Lowell Dean (Autor und Regisseur) und Emmersen Ziffle (Spezial Make-up). Gegenüber der von mir gesichteten DVD, soll die Blu-ray noch ein 45-minütiges „Making Of“ enthalten.

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„Rettet Heinz Klett!“ – Crowdfunding-Aufruf für die Restauration des Klassikers „Blutiger Freitag“

blutiger_freitag2Ab und zu erreichen mich Bitten, eine Crowdfunding-Aktion mit einem Hinweis hier im Blog zu unterstützen. Wenn das Projekt interessant und sympathisch klingt, mache ich das auch gerne. Ab und zu stolpere ich auch selber einmal über solch eine Aktion. Und wenn mich das dann überzeugt, bin ich sehr gerne bereit, mein Scherflein zum Gelingen beizutragen. So war das beispielsweise bei „German Angst“ oder Huan Vus Projekt „Die Traumlande“. Nun bin ich wieder auf ein Crowdfunding-Projekt aufmerksam geworden, welches ich sehr gerne unterstützte und dem ich neben einem finanziellen Beitrag, auch ein wenig Werbung an dieser Stelle zukommen lassen möchte.

Es geht um die Restauration eines Filmes, mit dem mich viel verbindet. Die Rede ist von Rolf Olsens grandiosen „Blutiger Freitag“ mit einem umwerfenden Raimund Harmsdorf. Dies war vor vielen, vielen Jahren quasi eine Initialzündung für mich. Wie so viele, war ich – man mag dies mit jugendlichen Naivität und meiner damaligen Fixierung auf amerikanischen Stoff entschuldigen – davon überzeugt, dass der deutsche Film außer Komödien und Betroffenheitsdramen nichts könne. Während heutzutage für dieses haltlose Vorurteil immer Til Schweiger auf der einen Seite und die Berliner Schule auf der anderen herangezogen werden, waren es zu meiner Zeit Lederhosenfilme und der Neue Deutsche Film. Wie haben sich die Zeiten doch wenig geändert.“Blutiger Freitag“ zeigte mir auf sehr explosive Art und Weise, welche Juwelen die deutsche Filmgeschichte doch bereithielt, wenn man denn nicht zu faul war, danach zu suchen. Was übrigens ebenfalls auch noch für die heutige Zeit gilt.

Als wir vor einigen Jahren die Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino Bremen ins Leben gerufen haben, war mein großer Traum, einmal Rolf Olsens Meisterwerk als 35mm Kopie auf die große Leinwand zu bringen. Leider war die einzige mir bekannte Kopie sehr stark rotstichig und eine Alternative nicht aufzutreiben. So blieb es dann leider dabei. Immerhin konnten wir aber Olsens „Das Stundenhotel von St. Pauli“ zeigen. Man kann sich also meine Freude vorstellen, als ich lass, dass das deutsche Label Subkultur-Entertainment plant, sich des Filmes und einer professionellen Restauration mit anschließender HD-Auswertung anzunehmen. Nun gehört Subkultur-Entertainment bisher nicht zu meinen favorisierten Labeln, da sie – wie leider auch Camera Obscura – es nicht für nötig erachten, auf mehrmalige, höfliche Anfragen per privater Nachrichten über Facebook oder Internet-Foren in irgendeiner Form zu reagieren. Aber ihr bisheriges Programm überzeugt, und man hat das gute Gefühl, dass „Blutiger Freitag“ hier in guten Händen ist.

Hier die Ankündigung des Labels via Facebook:

RETTET HEINZ KLETT !!!

5 Jahre und 35 hausgebackene Auswertungen später, besteht Grund zum Feiern, denn wir haben Geburtstag und im Geschenk lag gut verpackt der nächste Meilenstein für die Weichenstellung der Zukunft von Subkultur-Entertainment. Nach langer Vorbereitungszeit möchten wir heute die Katze aus dem Sack lassen und euch unser neues Familienmitglied vorstellen → Subkultur Films USA.

Gemeinsam mit unserem langjährigen Freund Elijah Drenner machen wir ab 2015 auch auf internationaler Ebene die Wohnzimmer unsicher, um euch mittels paralleler Wege weiterhin auserlesenes Schmutzfinkenzelluloid in noch besserer Form zugänglich zu machen. Neben einigen europäischen und japanischen Phantastereien ist es uns ein ganz besonderes Anliegen, das heiß und innig geliebte deutsche Genrekino auch einem internationalen Publikum von seiner besten Seite zu zeigen und was wäre eine bessere Wahl als das deutsche Aushängeschild schlechthin, BLUTIGER FREITAG!!!

Ein Meisterwerk mit null Hemmungen und null Rücksicht und ein Großprojekt, welches in keiner vergleichbaren Form je auf unserem Schreibtisch lag. Um dieser filmischen Ekstase endlich die verdiente Umsetzung auf Blu-ray zu ermöglichen, benötigen wir eure Unterstützung bei der von Kickstarter ins Leben gerufenem „Restaurationsmonat“ für BLUTIGER FREITAG.

Im illustren Kreis namhafter Anbieter und spannenden Kampagnen hat BLUTIGER FREITAG als einziger europäischer Beitrag die Endrunde passiert und konnte auch die Entscheidungsträger bei Kickstarter überzeugen, dass er seine Restauration redlich verdient hat. Freie Bahn für Heinz Klett!

Worum geht’s?

BLUTIGER FREITAG gehört zur Speerspitze deutscher Leinwandsensationen und wir wollen ihn mit eurer Unterstützung einer kompletten Generalüberholung unterziehen. Das beinhaltet neben einem 2K Scan auch eine vollständige Restauration, um die volle Pracht dieses Films wieder zu Tage zu fördern. Bis zum heutigen Tag blieb BLUTIGER FREITAG dies verwehrt, denn das vorhandene Negativ ist irreparabel beschädigt. Fehlende Frames, tiefe, nicht retuschierbare Kratzer, 50% eingerissene Bilder, Flüssigkeitsrückstände, starke Verschmutzungen und zerstörte Perforation. Das einzig verbliebene Quellmaterial, welches eine Restauration von BLUTIGER FREITAG ermöglichen kann, ist das Intermed Positiv. Auch dieses IP verfügt über zahlreiche Schäden, welche es zu beseitigen gilt, doch es bietet weltweit die einzige Möglichkeit, BLUTIGER FREITAG in die hochauflösende Welt zu retten, bevor es endgültig zu spät ist.

Um dieses Ziel zu erreichen, möchten wir euch bitten, uns bei dem Vorhaben zu unterstützen und mittels einem Pledge bei Kickstarter den Traum wahr werden zu lassen, dass BLUTIGER FREITAG endlich auf Blu-ray erscheinen darf.

Was ist geplant?

Neben der aufwendigen Restauration erwartet euch noch das exquisite EDV Design im Digipak, Audiokommentar, Interviews, Trailer, Galerien, sowie eine umfangreiche Aufarbeitung der ersten Geiselnahme in Deutschland vom 4. August 1971, welche die Grundlage für BLUTIGER FREITAG darstellt und Rolf Olsen dazu veranlasste, den wahrscheinlich besten deutschen Genrefilm aller Zeiten zu produzieren.
Des Weiteren werden wir euch bis zur endgültigen Veröffentlichung mit regelmäßigen Updates versorgen und euch am Entstehungsprozess der vollständigen Restauration von BLUTIGER FREITAG hautnah teilnehmen lassen.

Seid ein Teil der Kampagne und ermöglicht es BLUTIGER FREITAG, innerhalb der nächsten 30 Tage sein Ziel zu erreichen!

Ich habe auch bereits meinen Teil dazu beigetragen, diesen ganz besonderen Film zu retten. Jetzt seit ihr dran!

https://www.kickstarter.com/projects/2132684476/restore-bloody-friday

Wenn man 25 US$ spendet, bekommt man – bei Erfolg der Kickstarter-Kamapgne – am Ende die DVD-/Blu-ray-Kombo. Allerdings werden noch 7 US$ Versandgebühren oben drauf gepackt, egal ob man aus Deutschland oder Timbuktu kommt. Ich vermute mal, dadurch wird versucht die Kickstarter-Gebühren wieder rein zu holen. Lange Rede – kurzer Sinn: Für US$ 32 bekommt man die DVD/BR und hat gleich noch etwas Gutes getan.

blutiger_freitag

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