DVD-Rezension: “You’re Next”

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Aubrey und Paul Davison (Barbara Crampton und Rob Moran) wollen ihre zerstrittenen Kinder wieder zusammenbringen und laden dies zusammen mit ihren Lebensgefährten in ein großes, etwas abgelegenes Landhaus ein. Alle vier Kinder folgen der Einladung, doch schon bald stellen sich wieder die alten Spannungen ein. Beim abendlichen Dinner eskaliert der Streit. Genau in diesem Augenblick wird das Haus von Unbekannten in Tiermasken angegriffen, welche die Familie Stück für Stück dezimiert. Nur die Erin (Sharno Vinson), Verlobte des mittleren Sohnes, behält einen klaren Kopf und weiß sich zu wehren…

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In den USA hat sich scheinbar ein Kollektiv aus Schauspielern, Autoren und Regisseuren zusammengefunden, die sich nicht nur alle im unabhängigen Genrefilm tummeln, sondern sich auch gegenseitig als Schauspieler unterstützen. Das erste Mal trat die Gruppe bei dem Found-Footage-Episodenfilm „V/H/S“ (Kritik hier) gemeinsam in Aktion. „You’re Next“-Regisseur Adam Wingard drehte hier die Rahmenhandlung „Tape 56“, Drehbuchautor Simon Barrett schrieb nicht nur dieses Segment des erfolgreichen Episodenfilms, sondern alle weiteren Wingard-Filme. Zudem spielte er in ihnen auch immer wieder kleinere Rollen. In „You’re Next“ z.B. den Anführer der Terrorgang, die die Familie bedroht. Joe Swanberg, der hier den ältesten Bruder der Davison-Familie spielt, war ebenfalls als Regisseur und Schauspieler bei „VHS“ involviert und inszenierte das beste Segment „The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Younger“, zudem führte er gemeinsam mit Adam Wingard Regie beim Episoden-Film „Autoerotic“ und spielt im neuen Film von Ti West, „The Sacrament“ mit. Ti West selber, der ja oftmals als eine der Hoffnungen des modernen Horrorfilms gefeiert wird, ebenfalls bei „V/H/S“ dabei war und mit „The Innkeepers“ einen der meiner Meinung nach schönsten Gruselfilme der letzten Jahre (Kritik hier) abgeliefert hat, kann in „You’re Next“ ebenfalls aus Schauspieler bewundert werden. Er spielt den Freund der Tochter des Hauses, einen Dokumentarfilm-Macher.

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Im ersten Drittel des Filmes gelingt es Regisseur Adam Wingard eine zum schneiden dichte Atmosphäre der allgegenwärtigen Bedrohung aufzubauen. Dabei wird er von einem intensiven und hoch-effektiven Sound-Design unterstützt. Dies liegt nicht allein an den gruselig-morbiden Tiermasken der Angreifer, sondern auch an deren absoluter Rücksichtslosigkeit und Brutalität, mit der sie zu Werke gehen. Da man zunächst kein Motiv für ihre blutigen Schandtaten erkennen kann, verkörpern sie – wie die Teenager in Hanekes intellektuellen Home-Invasion-Variante „Funny Games“ – das plötzlich und ohne erkennbaren Grund über das schutzlose Ich hereinbrechende Böse. Kurz nach dem Überfall lässt Wingard diese Bedrohungskulisse in sich zusammenfallen und der Film nimmt eine gänzlich andere Wendung, als zuvor gedacht.

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Nachdem die Motive der Täter auf dem Tisch sind und unter den Tiermasken plötzlich Menschen zum Vorschein kommen, verwandelt sich auch die ungreifbare, scheinbar willkürliche Kraft der Zerstörung in ganz normale Verbrecher, die auch nicht immer geschickt zu Werke gehen. Damit unterwandert Wingard zwar seinen eigenen Film, der bis dahin ein Musterbeispiel für Terror war, bietet dem Zuschauer dafür aber eine tiefst schwarzhumorige Variante des Slasher-Films an, der mit der Konvention des „Final Girl“ recht innovativ und vor allem unterhaltsam bricht. Erin, wäre in einem anderen, den Regeln strenger gehorchenden Film vielleicht tatsächlich die letzte Überlebende gewesen, da sie – im Gegensatz zu den Mitgliedern der Familie – tatsächlich reinen Herzens ist. Hier allerdings mutiert sie in einem zwar recht unwahrscheinlichen, dafür aber recht effektiven Twist zu einer Killermaschine, die den Angreifern in nichts nachsteht, ja, im Gegenteil ihnen durch ihre Gnadenlosigkeit sogar überlegen scheint.

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Während sich links und rechts die Leichentürme stapeln, scheint Erin in der Tat die einzige Person zu sein, die sich absolut rational verhält. Alle anderen folgen mehr oder weniger den in unzähligen Slasher-Filmen aufgestellten Regeln und kommen dadurch um. Dies erinnert natürlich an den großen postmodernen Slasherfilm, „Scream“ und seine Fortsetzungen. Nur spielt „You’re Next“ nicht so offensiv mit dem Genre und ist auch nicht so selbstreflexiv, wie Wes Cravens Film. Hier dient der überraschende Bruch der Slasher-Standards vor allem dazu, eine neue Variante einzuführen, um böse und ausgesprochen brutale Tötungen zu zeigen. Diese werden allerdings immer wieder durch ein Augenzwinkern abgemildert und nehmen gerade im großen Finale derart groteske Züge an, dass man sich sicher sein kann, dass Wingard seinen Film nicht besonders ernst gemeint hat.

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„You’re Next“ musste zwei Jahre in den Regalen seiner Verleihfirma liegen, bevor er im August letzten Jahres eine vernünftige Veröffentlichung bekam. Dabei lief er bereits 2011 auf dem Toronto Filmfestival und wurde dort vom Publikum positiv aufgenommen. Hauptdarstellerin Sharni Vinson war davor einem internationalen Publikum hauptsächlich aus dem Tanzfilm „Step Up 3D“ bekannt. Wobei sie in ihrer Heimat Australien auch lange in einer TV-Serie namens „Home and Away“ mitspielte. Mittlerweile war sie auch in „Bait“ und dem Remake des australischen Gruselfilmklassikers „Patrick“ dabei. Sie macht in „You’re Next“ ihre Sache ausgesprochen gut und überzeugt sowohl als nettes Mädchen von Nebenan, als auch als gnadenlose Kampfmaschine. Der restliche Cast bietet eine solide Leistung und es gibt ein sehr erfreuliches Wiedersehen mit Barbara Crampton, die mit ihrer Rollen in „Re-Animator“ und „From Beyond“ in den 80er Jahren zur Horrorikone wurde. Hier spielt sie die Mutter der Davison-Familie und sieht so prächtig aus wie eh und je.

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Nach einem bedrohlichen und atemlos machenden Beginn, kippt „You’re Next“ dann von einem atmosphärisch dichten Terrorfilm, in einen überaus rasanten Slasher, der mit makaberen und tiefschwarz-humorigen Elementen arbeitet. Dabei werden die äußerst brutalen Morde schließlich ins Groteske gesteigert, so dass der Film zwar seinen beklemmenden Anfang verrät, dem Zuschauer dafür aber ein ausgesprochen kurzweiliges und augenzwinkerndes Spektakel anbietet.

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Das Bild der Splendid-DVD ist wie gewohnt gut und der Ton gibt das effektive Sound-Design gut wieder. Einziger Wermutstropfen sind die Extras. Zwar gibt es sehr viele Trailer aus dem Splendid-Programm, aber sonst keinerlei Bonus.

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Hamburg: Ab heute heißt es wieder “Monster machen mobil”

monster_machen_mobil2014Am Sonntag mache ich mich wieder auf den Weg nach Hamburg, um beim „Monster machen mobil“ dabei zu sein.

Die dreitägige Veranstaltung beginnt aber bereits am heutigen Freitag um 19:00 Uhr im Metropolis mit dem Film „Godzilla – Duell der Megasaurier„von 1991. Gezeigt werden alle Filme als 35mm Kopie und es gibt sicherlich wieder viel Drumherum, wie launige Einführungen durch die Veranstalter, massig Trailer usw.

Letztes Jahr war ich das erste Mal dabei und kann diese tolle Veranstaltung nur von ganzem Herzen weiterempfehlen. Am Liebsten würde ich ja alle Filme mitnehmen, aber das bekomme ich zeitlich nicht hin. Darum muss ich mich leider auf den Sonntag beschränken, wo dann Peter Cushing in die „Gruft der Vampire“ steigt und es zum Abschluss ganz passend „Die 3 Supermänner räumen auf“ heißt. Auf Letzteren freue ich mich ganz besonders, da hier das Kommissar-X-Dream-Team Tony Kendall-Brad Harris-Frank Kramer wieder aufeinander trifft.

Aus dem weiteren Programm: „Die 7 goldenen Vampire“ (Hammer Horror trifft Shaw Brothers Kung Fu), „Die 13 Opfer des Dr. Desmond„, „Sternenkrieg im Weltall„, „Tauchfahrt des Schreckens„, „Blutmesse für den Teufel“ (mit Paul Naschy!) und „Mutant – Das Grauen im All„.

Gutes Wetter kann man immer haben, diese tollen Filme auf 35mm-Filmmaterial aber nur einmal. Also hin da!

Alle Infos hier: http://www.monstercon.de/bereich-filmfestival-film-monster_machen_mobil2014.htm

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DVD-Rezension: “Silent Assassin”

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Myung-hoon (Seung Hyun Choi) ist der Sohn eines nordkoreanischen Spions, der einst einer Intrige zum Opfer fiel und in Südkorea getötet wurde. Der Vater gilt als Verräter, weshalb Myung-hoon und seine Schwester (Kim Yoo Jung) in einem Arbeitslager interniert sind. Eines Tages wird ihm durch den Geheimndienst-Offizier Moon (Jo Sung Ha) angeboten, selber als Spion für den Norden zu agieren. Sollte er seine Arbeit gut machen, würden er und seine geliebte Schwester freigelassen. Also hochtalentierte Tötungsmaschine wird Myung-hoon nach Südkorea gebracht, wo er unter dem Namen Kang Dae-ho bei einer „Schläfer“-Familie untergebracht wird. Tagsüber besucht er die Schule, in seiner Freizeit jagt er einen Attentäter, der nordkoreanische Schläfer liquidiert. An der Schule lernt er die schüchterne Lee Hye-in (Ye-ri Han) kennen, die von ihren Mitschülern regelmäßig gedemütigt wird…

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Das Thema Nord-Korea scheint in Süd-Korea gerade so brandheiß zu sein, wie noch nie. Nach „The Berlin File“ (Kritik hier) erscheint jetzt innerhalb kürzester Zeit bereits der zweite südkoreanische Film, dessen Protagonist ein Agent aus dem kommunistischen Norden ist und mit „The Suspect“ steht schon ein dritter in der Pipeline. Und wieder wird der Agent in den Machtkämpfen und Intrigen seines nordkoreanischen Geheimdienstes zerrieben. Im Gegensatz zu „The Berlin File“ spielt „Silent Assassin“ aber nicht im fernen Ausland, sondern „Zuhause“ in Südkorea. Und dass es hier um sogenannte „Schläfer“ geht, dürfte die Bedrohung durch den Norden für die Südkoreaner noch greifbarer und furchteinflößender machen. Im Gegensatz zum in Berlin gedrehten „The Berlin File“, der eine hochbudgetiertes Prestige-Projekt war, geht es in „Silent Assassin“ eine Nummer kleiner zur Sache. Was aber nicht heißen soll, dass „Silent Assassin“ schlechter wäre. Ganz im Gegenteil, durch seine exzellenten Darsteller und eine melancholische Atmosphäre des allgegenwärtigen Verrates und der Unsicherheit, ist er „The Berlin File“ sogar überlegen.

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Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass Hauptdarsteller Choi Seung Hyun in seinem Heimatland vor allem als Teenie-Rapper T.O.P. von der Pop-Band „Big Bang“ bekannt ist, und er bisher nur in wenigen kleinen Nebenrollen aufgefallen war. Dass Choi Seung Hyun kein gelernter Schauspieler ist, fällt aber nicht großartig auf. Zunächst ist er hier ja auch nicht besonders gefordert, denn seine Figur Ri Myung-hoon hat zunächst einmal die Aufgabe, nicht aufzufallen, weshalb Choi Seung Hyun auch kaum das Gesicht verzieht. Dies gilt für den ganzen Teil, in dem Myung-hoon im Schulumfeld agiert. Hier besteht zwar zunächst die Gefahr, dass der Film in eine High-School-Romanze kippt, aber dies wird recht souverän umschifft. Auch wenn Myung-hoons Mitschüler dem ausgelutschten Klischee der arroganten Schulschläger entsprechen. In dieser Episode bezieht der Film seine Spannung daraus, dass der durchtrainierte Myung-hoon nicht zurückschlagen kann, weil er sonst seine Tarnung gefährden würde. Also ein Handlungselement, das man z.B. aus dem Bruce-Lee-Klassiker „Die Todesfaust des Cheng Li“ kennt. Positiv fällt aber die scheue und zurückhaltende Art auf, mit der sein Co-Star Ye-ri Han die unter ihren Mitschülern leidende Lee Hye-in spielt. Dass zwischen Myung-hoon und Hye-in in der Folge immer eine respektvolle Distanz bleibt, ist eine schöne Abwechslung vom üblichen Romanzen-Allerlei. Nach 45 Minuten hat der Film dann das Thema Schule abgehakt und wendet sich wieder erwachsenen Themen zu.

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Jetzt kann Choi Seung Hyun seinem Emotionsspektrum noch um Verzweiflung, Unverständnis und Wut erweitern, und es gelingt ihm recht glaubwürdig, diese Gefühle zu transportieren. Auch Ye-ri Han, die scheinbar ebenfalls keine gelernte Schauspielerin, sondern tatsächlich Tänzerin ist, spielt ihren Part sehr überzeugend, zurückhaltend und verletzlich. Trotzdem merkt man ihrer Figur einen willensstarken Kern an. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt und ist von einer gewissen Traurigkeit bestimmt, denn man hat nicht das Gefühl, dass die Beiden am Ende ein glückliches Leben zusammen führen könnten.

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Regie-Debütant Hong-soo Park führt sehr souverän durch den Film und findet immer wieder schöne Bilder, die die dunkle Stimmung entweder unterstreichen oder durch ihre Schönheit auflockern. Die Action-Szenen handhabt er ebenfalls ausgesprochen dynamisch, auch wenn die rasante Montage davon zeugen, dass Myung-hoons außergewöhnliches Talent für den Kampf Mann gegen Mann vor allem auf geschickte Kamerawinkel und gut platzierte Schnitte zurückzuführen ist. Vor allem gelingt es Hong-soo Park eine gewisse Grund-Melancholie durch den Film wehen zu lassen. Alle Charakter, ob gut oder böse, sind bloß Figuren auf dem Schachbrett, die jederzeit geopfert werden können und deren Schicksal in den Händen von Mächten liegt, die sie weder kennen, noch verstehen. Davon ist weder der nordkoreanische Ausbilder, der von seinen eigenen Männern ebenfalls unter enormen Druck gesetzt wird, noch der südkoreanischer Detektiv, welcher gegen sein eigenes Gewissen zum reinen Befehlsempfänger degradiert wird, ausgenommen. „Silent Assassin“ zeigt eine Welt, in der ein Mensch nichts wert ist, Loyalität reine Makulatur sind und echte Gefühle keine Chance haben.

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In seinem Regie-Debüt gelingt es Hong-soo Park den richtigen Ton zu treffen und seinen Film nicht in eine Teenie-Schmonzette abgleiten zu lassen. „Silent Assassin“ ist auf den Punkt inszeniert, vermeidet kitschige Momente und weiß in den überraschend harten Actionszenen zu überzeugen. Mit Choi Seung Hyun und Ye-ri Han stehen ihm zwei Darsteller zur Verfügung, zwischen denen die Chemie stimmt und die die melancholische Stimmung des Filmes tragen können.

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Die Splendid-DVD weiß technisch zu gefallen. Weder an Bild noch Ton ist etwas auszusetzen. Was man von den Extras allerdings nicht behaupten kann, denn bis auf einen Trailer sind keine vorhanden. Auffällig ist das extrem dunkle Cover der DVD auf dem man kaum etwas erkennen kann. Die beiden Hauptdarsteller sind noch zu erahnen, beim Titel ist das schon schwieriger. Mich würde einmal interessiere, ob das ein neuartiger Marketingtrick sein soll, um Aufmerksamkeit zu erhaschen, oder einfach ein Fehldruck vorliegt.

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Originalfassungen in Bremen: 15.05.14 – 21.05.14

Bei mir selber pocht das Herz schneller, wenn ich lese, dass der neue „Godzilla“ – der ja selbst von Fans des japanischen Originals sehr gut bewertet wird – jetzt im O-Ton kommt. Komödienfans geht es vielleicht bei „Bad Neighbors“ ähnlich. Ansonsten ist das Programm diese Woche schön ausgewogen und sowohl CineStar als auch Atlantis sind wieder dabei. So kann es weitergehen.

Godzilla 3D – Do./So./Di. immer 19:45 – Der große Grüne ist zurück! Unter der Regie des Briten Gareth Edwards steigt Gojira wieder aus den Fluten. Die Kritiken für den Film (u.a. vom Godzilla-Experten Jörg Buttgereit) sind so gut, dass ich den sehen MUSS.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=mBwsUD7jYCI[/youtube]

Bad Neighbors – Cinemaxx, Fr./Sa. immer 19:50 & CineStar, So. 18.5. um 20:40 – US-Komödie mit den Stars Seth Rogen und Zac Efron. Neben einem etwas spießigen Ehepaar mit Baby zieht eine feierwütige Studentenverbindung ein.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=AAwhQZ8O0A4[/youtube]

Grace of Monaco – Schauburg, Mi. 21.5. um 19:00 – Bio-Pic um den zur monegassischen Königin aufgestiegenen Hollywood-Star Grace Kelly alias Gracia Patricia. Mit Nicole Kidman in der Titelrolle.

Beziehungsweise New York – Schauburg, So., 18.5. um 21:00 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden “Auberge espagnole”-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

Paris um jeden Preis – Atlantis, So., 18.5. um 20:00 – Französischer Film um eine Pariser Designerin mit marokkanischen Wurzeln, deren Aufenthaltsbewilligung abgelaufen ist und die sich nun plötzlich in Marokko zurechtfinden muss.

A Floresta de Jonathas – Im dunklen Grün – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um einen jungen Mann, der sich bei einem Camping-Wochenende im Dschungel verirrt.

Ängstliche Menschen – City 46, Di., 20.5. um 20:30 – Japanischer Episodenfilm von 1994, der von ängstlichen Menschen in seltsamen Situationen erzählt. Eintritt frei!

Dallas Buyers Club – City 46, Do.-Mi. außer Fr. immer 18:00 – Matthew McConaughey hungerte sich für die Rolle des einfachen Elektrikers und Cowboys Ron Woodroof 25 Kilo runter. Der homophobe Woodroof wird mit dem HIV-Virus infiziert und eröffnet im Angesicht des Todes ein regen Schwarzmarkt-Handel mit illegalen Pillen, die – im Gegensatz zu den “offiziellen” – den Kranken wirklich helfen. Unterstützt wird er dabei von dem ebenfalls Aids-kranken Transvestiten Rayon, gespielt von Jared Leto. Nach einer wahren Begebenheit.

Die fabelhafte Welt der Amélie – City 46, So., 18.5. um 20:30 – Über Jean-Pierre Jeunets märchenhafter Film mit der bezaubernden Audrey Tautou braucht hier keine Worte zu verlieren. Vorgestellt wird er am 18.5. von der ebenfalls zauberhaften Annemaaike Baaker, Schauspielerin am Bremer Theater.

Die Haut, in der ich wohne – City 46, Mo.+Mi. um 20:30 – Großartiger Psycho-Thriller mit Horror und SF-Untertönen des spanischen Meisterregisseurs Pedro Almodovar. Mit einem tollen Antonio Banderas in der Hauptrolle.

Tiefe Wasser – City 46, Fr. 16.5. um 18:00 – Polnischer Spielfilm um einen Leistungsschwimmer, der von seine dominanten Mutter und seinem Trainer unter Druck gesetzt wird und sich in eine Beziehung mit einem jungen Mann flüchtet.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 14.5. um 19:50

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 14.5. um 21:45

 

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Stöckchen vom Affen: Best Blog Award

Affen bewerfen andere Lebewesen gerne mal mit etwas. Der Intergalactic Ape-Man von Intergalaktische Filmreisen macht da keine Ausnahme. Nun wurde mir von ihm schon wieder ein Stöckchen vor die Stirn geknallt. Diesmal sogar mit einer „Best Blog Award“-Auszeichnung. Lange bin ich nicht dazu gekommen, dieses Stöckchen aufzuheben. Im Gegensatz zu dem geschätzten Kollegen Alexander Matzkeit von real virtuality. Nun habe ich mir aber mal die Zeit genommen und Ape-Mans elf Fragen beantwortet. Jetzt wäre meine Aufgabe eigentlich, mir selber elf neue Fragen auszudenken und an elf Blogs zu verschicken. Aber da muss ich leider passen, da mir einerseits die Zeit dazu fehlt und die Blogs, von denen ich denke, das sie mitmachen würden, sowieso schon fast alle irgendwann mit diesem Stöckchen beworfen wurden. Hier also meine Antworten.

1. Warum sollte man deinen Blog deiner Meinung nach lesen und welchen charakteristischen Artikel auf deinem Blog sollte unbedingt jeder kennen?

Nun, weil ich viel Herzblut und Zeit reinstecke und denke, dass das, was ich mit meinem Blog anbiete – seien es die Verweise zu anderen Blogs, Veranstaltungshinweise, Rezensionen usw. – durchaus für Leute, die sich dafür interessieren, interessant ist. Der charakteristische Artikel, den wohl auch die Allermeisten kennen, ist „Das Bloggen der Anderen“. Wobei ich mir häufig wünsche, andere Artikel, wie die Rezensionen und Essays, würden eine ähnlich große Resonanz haben.

2. Hast du deinen ersten veröffentlichten Artikel für deinen Blog geschrieben und wovon handelte er?

Der erste veröffentlichte Artikel war – wenn ich mich recht erinnere – für meine alte „Mr. Sleaze“-Seite, die es aber schon lange nicht mehr gibt. Die Seite lief von 1998 bis 2002. Worum der Artikel ging, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich irgendein obskurer Europloitation-Streifen. Davor hatte ich kurz mal eine Seite namens „Marco’s Twisted World“, aber da weiß ich gar nicht, ob ich dort schon über Filme geschrieben hatte. Ansonsten war da noch ein geplantes Buch über Hongkong-Filme (welches leider nie erschien), für das ich Reviews – sozusagen als erste und bis heute einzige professionelle Arbeit – geschrieben habe. Diese wurden dann später teilweise auf „Mr. Sleaze“ veröffentlicht. Und einmal wurde ich sogar gedruckt. In der zweiten (und leider bis dato letzten) Ausgabe des schmerzlich vermissten „Absurd 3000“-Fanzines.

3. Was motiviert dich, einen Blogpost zu schreiben und was hält dich davon ab?

Mich motiviert einerseits ein natürlicher Mitteilungsdrang, anderseits aber vor allem positives Feedback von den Lesern. Neulich erst wurde ich von einem sehr netten Menschen auf perlentaucher.de verlinkt und ein bekannter Filmwissenschaftler empfahl eine meiner Besprechungen auf Facebook. Da hat man dann einen solchen Motivationsschub, dass man sich gleich mit Freuden wieder in die Arbeit stürzt. Demotivierend ist es, wenn man lange Zeit gar kein Feedback bekommt (noch nicht einmal in der simplen Form von Facebook-Likes) oder man etwas schreiben MUSS. Das betrifft vor allem die regelmäßigen Kolumnen, die manchmal zum Mühlstein werden können.

4. Was waren die letzten drei Themen, über die du einen Artikel schreiben wolltest, es aber nicht getan hast?

Dutzende. Zwei liegen mir eigentlich besonders am Herzen. Einmal eine Verteidigung des zeitgenössischen deutschen Films und zum anderen ein Artikel über die Videotheken, die es früher bei uns in der Gegend gab. Für beides war aber bisher keine Zeit da, da diese Artikel auch einiges an Recherche bedeuten würden.

5. Zu welcher Tageszeit und in welcher Stimmung schreibst du Blogposts und veröffentlichst du die dann auch gleich?

Ich pendle aus beruflichen Gründen wochentäglich zwischen Bremen und Hamburg und schreibe das Meiste daher im Zug. Die Stimmung ist dementsprechend unterschiedlich, je nachdem wie der Arbeitstag gelaufen ist. Ich versuche – bis auf mittwochs – immer nur einen Artikel pro Tag zu veröffentlichen. Da kommt es dann schon vor, dass ich noch was in der Pipeline habe. Gerade jetzt sind bereits zwei neue Filmreviews fertig, die ich aber erst in den nächsten Tagen veröffentlichen werde.

6. Was ist das Teuerste, worüber du gern schreiben würdest oder geschrieben hast?

Ein großes Filmfestival! Nein, ich weiß es nicht und achte da auch nicht drauf. Wobei, ich würde liebend gerne mal die schönen, aber für meinen (als Alleinverdiener) recht schmalen Geldbeutel unerschwinglichen Veröffentlichungen von Camera Oscura und Subkultur besprechen. Aber auf diverse Anfragen habe ich bisher von den Labels nie eine Antwort bekommen. Da wird wohl nie was draus werden.

7. Wenn du dir einen Interviewpartner aussuchen könntest, wer wäre es?

Niemand den ich kenne. Ich finde es spannender, Interviews mit Leuten zu führen, die ich noch nicht kenne. Da schwingt wahrscheinlich auch die Angst mit, bei einem Interview mit einem großen Helden herauszufinden, dass der ein ziemliches Arschloch sein sein kann.

8. Wie denkst du über Promoagenturen, Rezensionsexemplare und Sponsored Posts?

Promoagenturen und Sponsored Post kommen für mich nicht in Frage. Das „Filmforum Bremen“ ist und bleibt werbefrei. Rezensionsexemplare finde ich absolut okay, solang man sich dadurch nicht verbiegen lässt und etwas besser bespricht, als man es tatsächlich findet. Ich würde mich auch nicht wahllos mit Rezensionsexemplaren bemustern lassen. Ich frage da nur Titel an, die mich auch wirklich interessieren und bei denen ich mir einbilde, mir eine profunde Meinung bilden zu können. Wenn dann da mal ein Stinker bei ist, schreibe ich das auch. Ansonsten sehe ich das Rezensionsexemplar auch als „Lohn“ für die Arbeit, die ich da reinstecke. Für eine Review mit allem drum und dran brauche ich so um die drei Stunden (ohne das Filmgucken). Wenn man bedenkt, dass die DVD, die ich da bekomme, im Handel durchschnittlich so um die 12 Euro kostet, ist das – wie ich finde – doch ein ausgesprochen bescheidener „Stundenlohn“. Darum finde ich es auch nicht okay, wenn Blogger mit wasserzeichenverseuchten Presse-DVDs abgespeist werden. Noch viel ärgerlicher finde ich es allerdings, wenn auf Anfragen nicht geantwortet wird. Eine kurze Email mit „sorry, machen wir nicht“ sollte doch drin sein. Alles andere empfinde ich als recht arrogant. Wobei man aber sagen muss, es gibt gerade bei kleinen Labels in der Mehrzahl sehr nette Kontakte.

9. Viele Blogs überleben die ersten zwei Jahre nicht, ein Großteil schläft nach ein paar Jahren ein. Wo siehst du deinen Blog bzw. deine Schreibtätigkeit in fünf, in zehn und in zwanzig Jahren?

Das kann ich nicht vorhersagen, denn dann wüsste ich ja, was die Zukunft bringt. Solange ich das Bloggen mit Beruf und Familie unter einen Hut bringen kann, mache ich weiter. Ich hoffe allerdings, dass irgendwann auch mal etwas von mir gedruckt wird. Papier finde ich ja immer noch sexier als digital. Da bin ich hoffnungslos von gestern.

10. Wieviel Zeit verbringst du im Internet und würdest du dich als abhängig bezeichnen?

Zuviel eigentlich. Ich habe schon gemerkt, dass ich dadurch z.B. nicht mehr komme, ein gutes Buch zu lesen. Und ab und zu verzichte ich auch auf einen Film, weil ich noch für einen Text recherchieren will. Da muss ich eine bessere Balance finden. Abhängig bin ich aber (hoffentlich) noch nicht. Auch, wenn meine Frau das anders sieht.

11. Was bewegt dich derzeit am meisten und warum?

Ganz simpel: Meine Familie mit meinen beiden Zwillingen, die jetzt 15 Monate sind. Aber die Antwort war vorhersehbar, oder?

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Blu-ray-Rezension: “Der Tag der Cobra”

tag_der_cobraLarry Stanziani (Franco Nero) saß drei Jahre im Knast. Früher räumte er unter dem Spitznamen „die Cobra“ für das FBI in der Unterwelt von San Francisco auf, denn er war das beste Pferd im Stall seines Vorgesetzten Goldsmith (William Berger). Doch dann wurde er aufgrund einer Intrige selber wegen Drogenhandels verhaftet. Nun hat er ein kleines Detektivbüro und kümmert sich um belanglose Fälle. Eines Tages bietet ihm Goldsmith an, einen Job zu übernehmen, der ihn rehabilitiert. Stanziani soll nach Genua reisen und dort den Boss des Drogenhandels, Kandinsky, in Gewahrsam nehmen. Stanziani nimmt an und macht sich in Genua auf die Suche nach Kandinsky. Dabei gerät er in ein Netz aus Verschwörungen und Lügen…

1980 war das Genre des Poliziesco bereits so gut wie tot. Komödien um den Superbullen Tony Marroni bestimmten das Bild und die Zeiten, in denen Maurizio Merli die Straßen (un)sicher machte, waren vorbei. Enzo G. Castellari war im Bereich des Poliziesco nicht ganz so fleißig, wie seine Kollegen Lenzi und Massi, dafür waren seinen Beiträge sofort Klassiker des Genres. Mit Franco Nero drehte er „Straße in Jenseits“ und vor allem „Ein Bürger setzt sich zur Wehr„. Mit Fabio Testi in der Hauptrolle realisierte er „Dealer Connection“ und „Racket„. 1980 fanden Castellari und sein Lieblingsschauspieler Franco Nero wieder zusammen, um mit „Der Tag der Cobra“ noch einmal einen harten Poliziesco zu machen. Doch die 70er waren vorbei, die Zeit hatte sich geändert. Das wird einem unmittelbar klar, wenn die ersten Bilder zu sehen sind, welche in San Francisco und nicht im sonnigen Rom oder Mailand aufgenommen wurden. Zwar verlagert sich die Handlung bald nach Genua, aber der Film versucht trotzdem einen möglichst amerikanischen Look zu präsentieren. Dies gilt insbesondere für Franco Nero als Larry Stanziani, der mit seinem versiften Trenchcoat, dem komischen Hut und dem ständigen Kaugummi im Mund (welches ihn wohl, trotz italienischer Wurzeln, als bestens assimilierten Amerikaner ausweisen soll) irgendwie an Mike Hammer erinnert. Dazu passt auch sein verdrecktes Detektivbüro in San Francisco, welches zwar hübsch schmierig aussieht, aber auch einen Tick zu dick aufgetragen.

Der amerikanische Look überträgt sich auch auf die Action-Sequenzen. Hier hält sich Castellari auffällig zurück. Zelebrierten seine früheren Filme die Zeitlupen-Shoot-Outs und das Peckinpahsche Todesballet bis zum Exzess, so dominieren hier schnelle Faustkämpfe, die zwar schnell und hart, aber visuell eher unspektakulär umgesetzt werden. Zwei Ausnahmen erinnern daran, was für ein hervorragender und vor allem einfallsreicher Action-Spezialist Castellari ist. Zunächst ein Kampf zwischen Stanziani und einem Transvestiten, der sich überraschenderweise als durchtrainierte Kampfmaschine erweist, und die zu flottem Disco-Beat choreographiert wurde. Leider endet diese sehenswerte Sequenz recht unspektakulär. Und dann natürlich das große Finale, welches zwar auch unter der Erwartung des großen Spektakels bleibt (man vergleiche es nur einmal mit dem Wahnsinn, den Castellari kurze Zeit später mit den beiden „Riffs„-Filmen folgen lassen sollte), aber trotzdem ein paar hübsche Geschmacklosigkeiten einstreut, die man so schon gar nicht mehr erwartet hatte.

Zeitweise hat man fast das Gefühl, die ganze Figur des Larry Stanziani wäre als Parodie angelegt. Ständig führt er einen kessen Spruch auf den Lippen und neben seiner Kaugummi-Obsession, wird ihm noch eine Flummi in die Hand geben, mit dem er ständig herumspielt.  Um das Ganze noch mehr mit Stereotypen anzureichern, erhält er dann noch eine tragische Hintergrundgeschichte um Verrat und Gefängnisaufenthalt. Auch ein verlorener Sohn wird mit ins Skript genommen, wobei es sehr durchsichtig ist, dass diese Sub-Plot lediglich dazu dient, Stanzianis späteren Rachefeldzug zu legitimieren, und vielleicht auch Franco Neros leiblichen Sohn, Carlo Gabriel Sparanero, einmal vor die Kamera zu holen. Dieser macht seine Sache weder besonders schlecht und noch besonders gut. Es sollte dann auch sein letzter Auftritt vor der Kamera bleiben. Dem Filmgeschäft blieb er aber treu und ist heute als Regisseur aktiv. Trotzdem hätte man sich die Geschichte um Stanzianis Sohn, die auch nie wirklich ausformuliert wird, sparen können. Sie bringt den Film jedes Mal zum Halt und passt auch nicht wirklich zu Neros Figur, die als einsamer, zynischer Wolf eingeführt wurde. Allerdings nutzt Castellari gerade diese Sequenzen für einige nette filmische Spielereien.

Ein wichtige Rolle in „Der Tag der Cobra“ spielt die Stadt Genua, der Castellari förmlich ein Denkmal errichtet. Er zeigt ihre pittoreske Sonnenseite, ebenso wie die dunklen, heruntergekommenen Viertel. So wie Castellari die Stadt filmt, ist Genua das Spiegelbild der Handlung. Denn jede der vielen Nebenfiguren zeigt zunächst ihre prächtige Fassaden, aber dahinter lauern schon die verfallenen Hinterhöfe und finsteren Gassen. Dass am Ende dann wirklich jeder – mit Ausnahme von Stanzianis väterlichen Freund – irgendwie in die doch recht verworren erzählte Intrige verstrickt ist, versucht der Film nicht großartig zu verschleiern. Tatsächlich ahnt man schon bei seinem ersten Auftritt, wer am Ende hinter all dem steckt. So hält sich die Spannung dann auch im Rahmen. Schade ist es auch, wie die großartige Sybill Danning in ihrer Rolle verschwendet wird. Zwar wird ihr einmal ein starker, ikonischer Auftritt gegönnt, ansonsten bleibt ihre Figur nur Staffage und es gelingt auch nicht, sie als mysteriöse Femme fatale zu inszenieren. Ihre Rolle in der Geschichte ist dafür auch zu durchschaubar. Schade, das Duo Nero/Danning hätte durchaus mehr Potential gehabt, wenn man die Figur der Brenda etwas offensiver in die Handlung und die Action mit einbezogen hätte.

Dass nun die 80er angebrochen sind, hört man auch an der Musik. Paolo Vasile, der ansonsten wenig in Erscheinung getreten ist und nebenbei auch als Production Manager arbeitete, unterlegt den Film mit cool groovenden Synthesizer-Beats, wie sie gerade in USA in Mode gekommen waren, hier aber ein italienisches Flair erhalten. Besonders schön ist der Titelsong mit den hübschen Zeilen „I don’t give a damn‘, I am the cobra“. Das klingt verdächtig nach den De-Angelis-Brüdern, allerdings konnte ich nirgendwo einen Hinweis darauf finden, ob sie hier wirklich die Finger im Spiel hatten. Erfreulich ist auch das Wiedersehen mit vielen beliebten Gesichtern des italienischen Genre-Kinos. Neben dem wie immer wunderbaren Österreicher William Berger und den Amerikaner Mickey Knox, sieht man in kleineren Rollen auch wieder Enzo G. Castellaris Bruder Ennio Girolami und Romano Puppo. Und wer ganz genau hinsieht, erkennt vielleicht auch den späteren Kult-Regisseur Michele Soavi in einer nicht ganz unwichtigen Rolle.

„Der Tag der Cobra“ bleibt zwar meilenweit hinter den Castellari/Nero-Meisterwerken „Straße ins Jenseits“ und „Ein Bürger setzt sich zur Wehr“ zurück, liefert aber immer noch sehr ordentliche Unterhaltung ab. Dabei ist es schade, dass Castellari sich augenscheinlich vor allem von amerikanischen Vorbildern leiten ließ und bei den für ihn zum Markenzeichen gewordenen Action-Szenen spürbar zurückhält. Auch muss man bei der unnötig komplizierten und gleichzeitig doch leicht vorhersagbaren Geschichte Abstriche machen. Und leider wird dieser Schwachpunkt nicht durch den typisch italienischen Irrwitz in der visuellen Gestaltung ausgeglichen. Trotzdem ist „Der Tag der Cobra“ sehr solides Handwerk mit gern gesehenen Gesichtern, einem guten Soundtrack und einigen hübschen Einfällen, die ihn dann doch locker über das Niveau vergleichbarer US-Produktionen drücken.

Erstmals erscheint ein Film in der Polizieschi-Reihe des Hauses filmArt auf Blu-ray. Ungünstigerweise für alle, die noch nicht von DVD auf HD-Technik umgerüstet haben, auch nur auf Blu-ray. Zuvor war „Der Tag der Cobra“ bereits auf suboptimalen DVDs von obskuren Kleinst- und Ramsch-Labeln erhältlich. Hier erstrahlt der Film nun erstmals in vollem Glanz. Grundlage der HD-Abtastung war ganz offensichtlich eine Kinorolle. Hier und dort sieht man einige Filmschäden, was meiner Ansicht nach aber nichts weiter ausmacht. Das Bild hat sehr kräftige Farben und ist in hellen und gut ausgeleuchteten Szenen sehr klar. Nur bei dunkleren Passagen wird es etwas grisselig, was aber am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Der deutsche Ton liegt als Lichtton und Magnetton vor. Der Lichtton ist etwas heller, klirrt aber leicht in den Spitzen, während der Magnetton etwas dumpfer klingt. Ferner gibt es noch englischen Ton, allerdings ohne Untertitel. Die Extras sind etwas spärlich. Im Menü läuft der Titel-Song über verfremdete Bilder aus dem deutschen Trailer. Dieser ist auch in ganzer Länge auf der Blu-ray zu finden und amüsiert durch superlative Ankündigungen. Das Booklet besteht aus dem kompletten Aushangsatz des Filmes.

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Das Bloggen der Anderen (12-05-14)

bartonfink_type2– Einmal hätte ich es fast zum Filmfest Emden-Norderney geschafft. Da weilte ich für einige Tage auf der Nordseeinsel, sah mir das Kino an, studierte das Programmheft, und musste dann kurz vor Beginn des Filmfests doch wieder abreisen. Seitdem plane ich mich zum Filmfest mal wieder auf die schöne Insel zu begeben, vor allem, da ich die Vorstellung eines Filmfests dort sehr reizvoll finde. Doch bisher hat sich das nicht ergeben. Da bleibt es mir in diesem Jahr nur, die ausführliche Berichterstattung auf Zeilenkino zu verfolgen.

– Auf Der breite Grat stellt reda wieder zwei Pinky-Violence-Filme vor. Die klare Empfehlung „Girl Boss Guerilla“ und „Girl Boss Revenge“, den er durchschnittlich fand. Ersteren habe ich tatsächlich schon mal in der schönen „Pinky Violence“-US-DVD-Box gesehen und kann der schönen und kenntnisreichen Besprechung nur beipflichten.

– Oliver Armknecht bespricht auf film-rezensionen.de als erster Teil eines neuen Animationsfilm-Specials den wunderbaren, surrealistischen Animationsfilm „Der phantastische Planet“, bei dem das „Panic Movement“-Mitglied Roland Topor seine Finger im Spiel hatte. Großartig-merkwürdiger Streifen mit einer noch viel wunderbareren Musik.  Ferner weist er auf das Studio Ghibli-Special hin, für das er über viele Woche alle Werke des legendären Studios vorstellte.

– Apropos Studio Ghibli: Auch Yzordderrexxiii hat sich einen Film aus diesem Studio vorgenommen und schreibt über „The Secret World Of Arrietty“.

– Was wären die 80er ohne Filme wie „Critters“ gewesen? Ich glaube, aus meiner Generation hat jeder mit seinen Schulkameraden „Critters“ und Konsorten gesehen. Das war damals der Inbegriff für spaßigen Horror aus der Videothek. Wobei „Critters“ ja sogar im Kino lief. Ich vermute einmal Annika Stelter von Die Filme, die ich rief war da noch gar nicht geboren – umso schöner, dass sie das Erlebnis jetzt nachholt – auch wenn an das Feeling von damals gar nicht mehr reproduzieren kann. Es war eben eine andere Zeit. Damals, Mitten in den 80ern, wo noch nicht jeder Video hatte und man sich nach der Schule dann bei einem der wenigen Glücklichen traf, um immer und immer wieder die selben Filme zu gucken – man hatte ja nicht viel.

Neues aus Hollywood? Dafür ist wieder Der Kinogänger zuständig.

– Der er gerade in Bremen im O-Ton läuft, hier die Review von Björn Schneider auf Filme Welt zu „3 Days to kill.“
– Auf Ti Wests neuen Film bin ich sehr gespannt, da mit „The Innkeepers“ sehr gut gefallen hat. Was Gnahgi auf Komm und sieh schreibt, lässt einen die Erwartungen allerdings etwas herunterschrauben.

– Zum 60. Mal finden die Kurzfilmtage in Oberhausen statt und noch immer haben sie revolutionäres Potential. So gab es diesmal ein „Flugblatt für aktivistische Filmkritik“. Einer der Unterzeichner war Frédéric Jaeger der für critic.de darüber und über die diesjährigen Kurzfilmtage berichtet. Sehr lesenswert.

– Auch Jennifer Borrmann war in Oberhausen und berichtet auf B-Roll.  Beatrice Behn wiederum schreibt über ihre Faszination für Bibelfilme und natürlich „Noah“. Außerdem gibt es ein weiteres Interview mit einem „Talent to watch“. Diesmal: Christian Klandt. Bianka Piringer war auf dem Dok.Fest in München und hat darüber einen ausführlichen Bericht verfasst.

– Noch ein Dokumentarfilmfestival. Diesmal im ferner Toronto. Diana Kluge war da und berichtet auf Negativ.  Außerdem: Noch einmal Oberhausen. Diesmal ein langer und ebenfalls sehr lesenswerter Bericht von Dennis Vetter.

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry über Robert Siodmaks 1944 entstanden „Christmas Holiday“ und schließt seine Betrachtung mit den wunderbaren Worten: „Wieder und wieder erkenne ich, wenn ich Filme sehe wie Christmas Holiday, dass mir die Klassik des Kinos näher ist als die Moderne des Kinos; dass das vermutlich immer so sein wird. Klassik im Kino heißt gerade nicht: organischer, runder Stil, in sich selbst ruhende Balance von Form und Inhalt. Auch das klassische Kino ist eines, das immer schon aus dem Ruder läuft. Der Unterschied besteht vielleicht eher darin, dass im klassischen Kino sowohl das aus-dem-Ruder-Laufen, als auch der (wenn man genau hinschaut, nie ganz triumphierende) Drang zur Kohärenz etwas weniger narzisstisch unterfüttert sind. Es gibt, anders ausgedrückt, nicht das Meisterwerk als Horizont, gegen den es anzufilmen gilt.“

– Auf Eskalierende Träume schreibt Christian Moises über Chris Marker und weist dabei auf eine Veranstaltung des Frankfurter Filmkollektivs hin: Chris Marker in Latein- und Südamerika.

Filme im Dialog handelt diesmal vom neuen Johnny-Depp-Blockbuster „Transcendence“, der allerdings trotz interessanter Ansätze bei beiden Diskutanten durchfällt.

– quadzar stellt auf filmosophie einen neuen „Clip der Woche“ vor. Diesmal ein einstündiges Interview mit Richard Linklater.  filmosophie empfiehlt den deutschen Psycho-Thriller „Stereo“, den ich auch noch sehen wollte. Hier allerdings eine persönliche Anmerkung. Ich kann und will einen Satz wie „scheint daran zu glauben, dass wir mehr können als seichte Komödien und staubtrockenes Problemkino“ einfach nicht mehr lesen. Natürlich können wir das und deutsche Filmemacher beweisen das Jahr für Jahr. Nur leider will das immer niemand sehen und darum verschwinden diese Produktionen im Nirgendwo. Statt also immer zu lamentieren und damit den deutschen Film per se schlecht zu machen, sollte man lieber nach diesen verdreckten Diamanten graben und sie in einer schönen Auslage auf dem Samtkissen präsentieren. Dann klappt es vielleicht auch mal mit dem Publikum und die Gleichung „Deutscher Film = schlecht = guck ich nicht“ verschwindet langsam aus den Köpfen.

– Auf Hard Sensations interviewt Marco Siedelmann Rajko Burchardt, auch bekannt als „Mr. Vincent Vega“.  Alex Klotz schreibt über den britischen Amateur-Horror „Suffer Little Children“, wobei der seinen Text so reichlich bebildert, dass man zu Beginn fast schon von einem Fotoroman sprechen kann. Auch einmal eine interessante Herangehensweise.

– Udo Rotenberg stellt auf LAmore in cità einen sehr frühen Damiano-Damiani-Film vor, den er auf dem 1. Festival des italienischen Genrefilms in Nürnberg sehen konnte: „Das bittere Leben“.

– Auf Deep Red Radio bespricht Udo dann den (noch) Geheimtipp „Across the River“, der auch bei uns auf dem Phantastival Bremen lief – dort allerdings leider nicht so viele Zuschauer anzog, wie er verdient hätte.

– Gewohnt kompetent und hübsch illustriert nimmt sich toalschaden auf Splattertrash die beiden Klassiker „Barbarella“ und „Todesgrüße aus Shanghai“ vor.

– Sascha Nolte rezensiert auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte Riccardo Fredas letzten Film „Murder Obsession“ als eine Art „Best of“ des großen und zu Unrecht eher unbekannteren Regisseurs, der einige der schönsten italienischen Gruselfilme der 60er Jahre inszenierte.

– Ich bin ja großer Fan von Jerzy Skolimowski und würde zu gerne mal seinen 1978 gedrehten „Der Todesschrei“ sehen. Wahrscheinlich hätte ich (mal wieder) eine andere Meinung dazu als Schlombie, der auf Schlombies Filmbesprechungen nicht besonders begeistert von dem Werk war. Des weiteren: Schlombies „Besprechungen der Anderen“.

– 1992. Ein Freund von mir und ich sitzen im kleinen Saal der Bremer Schauburg und schauen „Twin Peaks – der Film“. Als später das Licht wieder angeht, hat sich der Saal bereits fast vollständig geleert. Warum? Wenn man den Text auf Stubenhockerei liest kann man es vielleicht verstehen. Mein Freud und ich liebten den Film jedenfalls und diskutierten noch Stunden danach darüber und zogen Verbindungen zur Serie. Es war ein schöner Abend.

– Auf Remember It For Later beendet Oliver Nöding mit „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ seine kleine Retrospektive der Brauner-Reihe und wendet sich mit „Stirb langsam“ einem, wenn nicht DEM Actionfilm-Klassiker der späten 80er zu.

– Florian Krautkrämer und Jennifer Ament schreiben beide auf Daumenkino aus jeweils ihrer Sicht über „Like Someone in Love“ von Abbas Kiarostami.

– Zum Tode von Hans Hillmann, Plakatgestalter und Illustrator, gibt es auf Revolver noch einmal ein langes Interview mit ihm, dass der Regisseur Christoph Hochhäusler 2008 geführt hat.

– Noch eine „Kurzbesprechung“ („kurz“ ist wieder SEHR relativ) auf Whoknows presents. David schreibt über den polnischen Film „Ida“ auf den ich schon des Öfteren verlinkt habe. Die Geschichte mit dem polnischen Jazz in diesem Film hatte ich gar nicht mitbekommen. Im Sommer bin ich hoffentlich wieder in Polen, da werde ich mal nach der DVD (und polnischen Jazz) Ausschau halten.

– Alex Matzkeit von real virtuality ist da besser als ich. Auch er wurde vom Intergalactic Ape-Man mit einem Stöckchen beworfen. Im Gegensatz zu mir, hat er seine Fragen aber alle brav beantwortet. Bei mir zieht sich das noch etwas.

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Filmbuch-Rezension: Georg Seeßlen „Lars von Trier goes Porno – (Nicht nur) über NYMPHOMANIAC“

Bertz+Fischer_LarsvonTriergoesPornoUnmittelbar nach der deutschen Premiere des abschließenden Teils von Lars von Triers neustem Werk, dem zweiteiligen „Nymphomaniac“, erschien das Büchlein (ein Taschenbuch im wörtlichen Sinne, denn es passt bequem in die Hosentasche) „Lars von Trier goes Porno – (Nicht nur) über Nyphomaniac“ von Georg Seeßlen in der Reihe „Sexual Politics“ bei Bertz+Fischer. Wie der Titel schon verrät, geht es darin nicht ausschließlich um „Nymphomaniac“, sondern um die Rolle der Pornographie im „echten“ Spielfilm, sowie – natürlich auch – um den Regisseur und Autoren des Films, Lars von Trier, und seine Darstellung von Frauen in seinen Werken. Man kann also davon ausgehen, dass der überwiegende Teil des Buches im Vorhinein entstand und dann nur noch um den Film „Nymphomaniac“ ergänzt wurde. Anders wäre es ja auch in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen.

Seeßlen nähert sich zunächst der Person Lars von Trier, was kein leichtes Unterfangen ist. So heißt das Kapitel dann auch (passend zum Thema des Buches) „Who the fuck is Lars von Trier“. Auch Seeßlen findet darauf keine allumfassende Antwort. Dies ist bei einer solch facettenreichen Persönlichkeit wie Lars von Trier, bei der man nie weiß, wie weit die Selbstinszenierung geht und wo der „echte“ von Trier anfängt, auch gar nicht möglich. Bei Lars von Trier reicht die Spanne der Möglichkeiten, wer diese Mensch ist, davon dass er tatsächlich immer sagt, was er meint bis dahin, dass sich bei ihm nur eine erdachte Figur des Herrn Lars Trier (das „von“ ist ja bereits Schwindel) handelt. Irgendwo auf dieser Bandbreite wird die Wahrheit liegen, die von Trier aber so gut verschleiert, dass auch Seeßlen hier nur ein paar Denkanstöße und Theorien anderer Autoren liefern kann.

Im zweiten Kapitel geht es dann um ein offenes Theorem über Pornographie und Film. In diesem sehr filmtheoretischen Teil, untersucht Seeßlen, was eine pornographische Szene – vor allem in einem im Grunde nicht pornographischen Spielfilm – mit dem Zuschauer macht, welche Funktion sie innerhalb des Filmes einnehmen kann und welche anderen Zwecke sie noch verfolgen kann.

Sehr interessant ist das dritte Kapitel, welches sich mit den von Trier produzierten „Puzzy Power“-Filmen beschäftigt. Wie weit von Trier hier – bis auf die Tatsache, das die Filme von seiner Firma finanziert wurden – letztendlich involviert war, kann nicht abschließenden beantwortet werden. Immerhin stellte er aber ein Manifest auf, welches – ähnlich wie das ebenfalls von ihm mitinitiierte „Dogma 95“ – Regeln für diese Filme festlegte. Und wie bei der Dogma-Bewegung wurden diese Regeln dann in der Folge auch schon mal umgebogen oder schlicht und ergreifend nicht beachtet. Seeßlen stellt die vier „Puzzy Power“-Filme (unter denen auch ein Schwulen-Porno war, bei dessen Besprechung Seeßlen auf einen längeren Text der wunderbaren Sylvia Szymanski zurückgreift) vor und zieht Verbindungen zu von Triers anderen Werken, vor allem zu „Nymphomaniac“. Gerade letzteres ist recht interessant und deutet an, dass von Trier sich mich den Themen und der Struktur dieses Filmes schon länger beschäftigt hat. Bzw. dabei ganz bewusst auf Elemente der „Puzzy Power“-Filme zurück griff.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem kontroversen Thema, wie Frauen in von Triers Filmen dargestellt werden. Dabei spricht Seeßlen von „weiblichen Christusen“ und unterscheidet in diesem Zusammenhang den deutschen Begriff des „Opfers“ nach den englischen Wörtern „victim“ und „sacrifice“. Frauen werden zu Opfern und opfern sich auf. Doch dies bringt keine Erlösung, sondern führt unweigerlich in die Katastrophe. Seeßlen führt mehrere Theorien hierzu auf, insbesondere geht er auch auf Antje Flemming ein, die in ihrem Buch „Lars von Trier – Goldene Herzen, geschundene Körper“ von Trier zum Teil sehr hart für seine Frauendarstellung kritisierte. Und er spricht auch – gerade in Hinblick auf „Antichrist“ – von der Darstellung der Frau als „doppelter Anti-Christ“. Seeßlen liefert also eine breite Grundlage für eine weiterführende Diskussion. Wobei mir selber insbesondere der Umstand, dass von Trier immer wieder betont, dass er sich selber in seinen weiblichen Hauptfiguren sieht, als Schlüssel zu von Triers (Anti)-Heldinnen scheint.

Im fünften Kapitel stellt Seeßlen dann zunächst die Filme „Antichrist“ und „Nymphomaniac“ gegenüber, sucht Verbindungen und untersucht, in wie weit „Antichrist“ den in Kapitel Vier postulierten Theorien entspricht. Am Ende geht er dann in einem interessanten Exkurs auch noch einmal um den von Lars von Trier erzeugten Hype um und die perfekte Werbemaschinerie hinter „Nymphomaniac“ ein.

Die letzten beiden Kapitel beschäftigen sich dann sehr detailliert mit den beiden „Nymphomaniac“-Teilen.

Obwohl sich Seeßlen ihm von vielen Richtungen aus nähert, bleibt die Person Lars von Trier nicht greifbar, ebenso seine Filme. Seeßlen bietet viele Deutungen an, enthält sich aber selber wohlweislich einer abschließenden Bewertung. Allerdings erkennt man seine Faszination für diesen geheimnisvollen und vieldeutigen Filmemacher. Letzten Endes bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Seeßlens kleines Büchlein gibt ihm genug Rüstzeug an die Hand, die Filme unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und trotzdem wird jeder, der sich mit von Trier und seinem Werk auseinandersetzt, sicherlich – egal um man beide liebt oder hasst – noch viele weitere Facetten finden, die hier noch gar nicht angedacht wurden.

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DVD-Rezension: “Savaged”

SavagedDie junge, taubstumme Zoe (Amanda Adrienne) fährt allein durch den Südwesten der USA zu ihrem Verlobten Dane (Marc Anthony Samuel). Unterwegs erlebt sie, wie eine Bande Rednecks zwei Indianer jagt und umbringt. Sie selber wird von den Mördern gefangen genommen, tagelang misshandelt, vergewaltigt und am Ende getötet. Ein alter Indianer entdeckt ihren Leichnam in der Wüste und versucht, sie in einem Ritual zurück ins Leben zu bringen. Doch dabei fährt der Geist eines Apachen-Häuptlings in Zoe. Sie verwandelt sich in einen unaufhaltsamen Rachegeist, der sich grausam an den Peinigern rächt. Allerdings muss sie sich beeilen, denn ihr Körper beginnt immer rascher zu verwesen…

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Wenn man sich die Inhaltsangabe des Films „Savaged“ durchliest, greift man sich zunächst einmal an den Kopf. Rape & Revenge ala „Ich spuck auf Dein Grab„, trifft indianische Rache-Geister und weil das nicht reicht, wird noch ein langsam verrottender Zombie mit in den blutigen Auflauf gemischt. So etwas würde man eher von einer pubertären Amateurproduktion und nicht von einem professionell gedrehten US-Spielfilm erwarten. Nun, von Amateuer-Splatter ist „Savaged“ dann auch meilenweit entfernt. Dass hier Profis am Werk waren, merkt man an den werbeclip-artigen Bildern und der etwas aufdringlichen Bildbearbeitung. Und leider auch an der trotz blutig-matschiger Bilder etwas biederen Herangehensweise. Wobei bieder vielleicht der falsche Ausdruck ist. Der Film haut schon ziemlich auf den Tisch und strotzt vor kruden Ideen. Z.b. wird ein Charakter mit seinem eigenem Darm erwürgt, und auch die Szene in der die Heldin sich aus ihren Fesseln aus Stacheldraht befreit, ist schmerzhaft anzusehen. Aber irgendwie fehlt dem Film dann doch der letzte Mut zur Grenzüberschreitung. Nacktheit wird gar nicht gezeigt, die Misshandlung der Heldin findet auch überwiegend im Off statt. Erst sie schon zum Zombie mutiert ist, hält die Kamera voll drauf. Wobei das Make-Up, welches sie als Zombie trägt, auch eher dezent ist, und man die Schauspielerin darunter immer noch (zu?) gut erkennt. Natürlich bewegt sich „Savaged“ in vielen Szenen immer an der Grenze des gefahrlos Zeigbaren, aber eine schockierende Überschreitung dieser Linie, die diesem Film vielleicht gut getan hätte, findet eben nicht statt. Alles bleibt im Rahmen dessen, was im Mainstreambereich gerade noch akzeptabel ist.

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So wirkt „Savaged“ trotz seiner drastischen Handlung dann doch irgendwie harmlos. Das Eingemachte bleibt in den Gläsern. Dafür gibt es hübsch widerliche Antagonisten, die zwar auch nicht den Rahmen ihres Stereotypen verlassen, sich aber mit großer Wonne und Engagement in ihre Rollen werfen. Wobei hier natürlich Rodney Rowland und Tom Ardavany als Oberschurken hervorstechen, der Rest ihrer Band bleiben eher Statisten. Rowland spielt den Trey als eine Mischung aus Rebellen, Psychopathen und patriarchischem Familienoberhaupt. Ardavany hingegen legt seinen Charakter West als mürrischen Schweiger mit großem Messer an und mausert sich damit zum heimlichen Star des Filmes. Schade, dass sein finales Schicksal eher unspektakulär gefilmt wird. Dafür darf dann im letzten Duell noch einmal so richtig aufdrehen und sogar die Kettensäge rausholen. Möglicherweise als Reminiszenz an die andere große Hinterwäldler-Familie aus „Blutgericht in Texas“.

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Mit Amanda Adrienne hat Regisseur und Drehbuchautor Michael S. Ojeda eine gute Hauptdarstellerin gefunden, die ihre Taubstummheit so überzeugend spielt, dass man sich wundert, wenn man im Bonusmaterial herausfindet, das dies wirklich nur gespielt war. Auch gelingt es ihr spielend, die Sympathien des Publikums auf ihre Seite zu bringen. Auch ihre Transformationen in einen böse Rachegeist gelingt ihr sehr anständig. Das einzige Problem ist, dass Ojeda oftmals zu dick aufträgt. Es reicht ihm nicht zu zeigen, dass Zoe ein nettes, fröhliches und liebenswertes Mädchen ist, sie muss natürlich noch gehandicapt sein und einen farbige Verlobten haben. Das ist dann vielleicht etwas zu viel des – wortwörtlich – Guten. Ihr Verlobter ist dann auch ein Manko des Filmes, denn er ist sehr eindimensional angelegt und wirkt gegenüber dem restlichen Ensemble dadurch ziemlich langweilig. Zudem will der Funken zwischen beiden Protagonisten nicht überspringen, so dass seine Verzweiflungsausbrüche manchmal arg überzogen wirken.

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Weiterhin muss der Film mit ziemlich miesen CGI kämpfen. Da diese aber recht sparsam eingesetzt werden (z.B. wenn der Geist des Häuptlings sichtbar gemacht wird oder ein Autostunt am Rechner simuliert wird) und ansonsten häufig auch auf gute alte Handarbeit gesetzt wird, lässt sich dies allerdings verschmerzen. Aufdringlicher wirkt da schon der Darsteller des alten Indianers, der Zoe ins untote Leben zurückholt. Dieser spielt so schlecht, dass seine Darstellung als reiner Trash durchgehen muss. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass seine Rolle auch recht undankbar geschrieben ist. Generell muss auch festgehalten werden, dass der heilige Ernst mit dem „Savaged“ zur Sache geht, stark im Kontrast zur überdrehten Geschichte steht, die immerhin einige sehr übertrieben-splatterige Szenen (wie z.B. oben erwähnte Darmstrangulation) aufweist. Da wirken dann die tragisch-romantischen Momente zwischen Zoe und ihrem Verlobten Dane auch eher pathetisch denn dramatisch.

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Trotzdem ist „Savaged“ ein recht unterhaltsamer Film. Seinem eigenen Anspruch, eine im Grunde tragische Geschichte zu erzählen, und dabei geschmackliche Grenzen zu überschreiten, wird er zwar nicht wirklich gerecht, dafür unterhält er aber ausgesprochen kurzweilig. Hierzu tragen auch die gut aufgelegten Antagonisten bei.

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Der Film ist in Deutschland in zwei Fassungen erschienen. Die Version mit dem FSK18-Siegel fehlen einige Minuten. Ungeschnitten bekommt man den Film nur in der „Cinema Extreme“-Ausgabe mit einer SPIO/JK-Freigabe. Das Bild ist – soweit man das unter der digitalen Bearbeitung beurteilen kann – sehr gut. Der Ton ist klar und dynamisch. Als Extras gibt es ein 10-minütiges Making of, welches vor allem aus Interviews besteht. Diese sind durchaus interessant, wenn z.B. Regisseur und Autor Michael S. Ojeda von den Schwierigkeiten berichtet, das Projekt auf die Beine zu stellen. Ferner gibt es noch einige animierte Storyboards (ca. 7 Minuten) und Deleted Scenes (ca. 10 Minuten).

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Originalfassungen in Bremen: 08.05.14 – 14.05.14

Es ist wieder eine ausgesprochen ruhige Woche. Da kann ich dann gleich noch einmal anführen, dass es mich nervt, dass fast alle O-Fassungen zeitgleich am Sonntag laufen. Etwas mehr Streuung würde hier gut tun. Schön finde ich allerdings, dass das CineStar jetzt tatsächlich regelmäßig dabei ist.

3 Days to kill – Cinemaxx, Do., 8.5. um 20:10 – Ein weiterer von Luc Besson produzierter und geschriebener Action-Thriller, der ein altes amerikanisches Schlachtross aus den 80ern und frühen 90ern zurückbringt und in Europa Saures lehren lässt. Diesmal Kevin Costner statt Liam Neeson. Regie führt McG, der auch die „Drei Engel für Charlie“ gedreht hat.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=gLBnKYDDDq8[/youtube]

Die Schadenfreundinnen – CineStar, So., 11.5. um 20:00 – US-Mainstreamkomödie mit Cameron Diaz. Klingt für mich wie ein Remake von „Club der Teufelinnen“, ist es aber scheinbar nicht. Drei Frauen üben Rache an ihrem untreuen Liebhaber. Regie führt Johns Sohn Nick Cassavetes.

Zulu – Schauburg, So., 11.5. um 21:15 – Thriller von „Largo Winch“-Regisseur Jérôme Salle.  In Südafrika ermittelt ein Polizei-Team in einen Mordfall, der sie in die Zeit der Apartheid zurückführt. Mit Forrest Whitaker und Orlando Bloom.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=G4LB6RQXp1w[/youtube]

Beziehungsweise New York – Schauburg, Mi., 14.5. um 21:00 – Französische Komödie und Fortsetzung der beiden “Auberge espagnole”-Filme. Die mittlerweile vierzigjährigen Protagonisten erleben Beziehungswirren in New York.

Words & Pictures – In der Kunst und in der Liebe ist alles erlaubt – Atlantis, So., 11.5. um 20:00 –  Amerikanische Komödie mit Clive Owen und Juliette Binoche. Ein ehemaliger Schriftsteller und eine Malerin unterrichten in einem Internat in Neuengland Literatur bzw. Kunstgeschichte und streiten sich darum, was wichtiger ist: Das Wort oder das Bild.

The Act of Killing – City 46, So., 14:00 und Mo. 19:00 – Kurz gesagt: Der beste Film des letzten Jahres. Hier meine Kritik.

The Halfmoon Files – City 46, So., 18:00 und Di., 20:30 – Ausgehend von Bild- und Tondokumenten Kriegsgefangener aus dem „Halbmondlager“ während des Ersten Weltkriegs, begibt sich Philip Scheffner in seinem Film auf eine experimentelle Spurensuche. Am Sonntag mit Einführung durch Regisseur Philip Scheffner

No! – City 46, Sa., 19:00 und Di., 18:00 – Polit-Drama nach wahren Begebenheiten mit Gael García Bernal.  Um einen Werbefachmann, der 1988 in Chile eine Kampagne zum Sturz des Diktators Pinochet entwirft. Sonntag mit Einführung von Delia González De Reufels, Universität Bremen

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 12.05. um 20:10

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 12.5. um 21:45

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