Originalfassungen in Bremen: 12.06.14 – 18.06.14

Der nahende Sommerbeginn bringt auch etwas Ruhe ins O-Fassungen-Programm. Aber die Auswahl ist immer noch ganz in Ordnung. Neue Highlights gibt es zwar nicht, aber man kann bequem nachholen, was man in den letzten Wochen eventuell verpasst hat.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter – Cinemaxx, Do.+Sa. um 19:30 – US-Bestsellerverfilmung um eine Jugendliche, die an Schilddüsenkrebs leiden und nicht mehr lange zu leben hat. Mit einem guten Freund erfüllt sie sich ihren letzten Wunsch. Sie fliegt gemeinsam nach Amsterdam, um dort ihren Lieblingsautoren zu treffen.

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Edge of Tomorrow 3D – Cinemaxx, So., 15.6. um 19:30 – Tom Cruise und Emily Blunt in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie “Starship Troopers meet Groundhog Day”. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit 3D – Cinemaxx, Mi., 18.6. um 19:30 – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Her – City 46, Do.-Di.immer 20:30, außer So., dann um 18:00 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Maleficent – Die dunkle Fee 3D – Cinemaxx, Fr.+Di. um 19:30 & CineStar, So., 15.6. um 20:00 – “Dornröschen” aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

Boyhood – Schauburg, Do-So. und Mi. um 21:00, Mo./Di. um 12:00 – Richard Linklaters faszinierendes und bei der Berlinale umjubeltes Langzeit-Experiment. Über 12 Jahre filmte er immer mal wieder an diesem Film, der den Weg ins Erwachsenenleben zeigt. Linklater erzählt die Geschichte eines Jungen von seinem sechsten Lebensjahr an bis zu seinem College-Eintritt mit 18 Jahren.

Die unerschütterliche Liebe der Suzanne – Atlantis, So., 15.6. um 20:00 – Franösisches Drama, welches 25 Jahre im Leben der Suzanne zeigt. Ihr enges Verhältnis zu ihrer Schwester und den Versuch der Beiden, den Tod der Mutter zu verkraften.

Kisiljows Liste – City 46, Mi., 18.6. um 20:00 – Russischer Dokumentarfilm über den Partisan Nikolaj Kisiljow, der eine Gruppe von über 200 Juden aus einem Schtetl nahe Minsk in einem wochenlangen Marsch über die Frontlinie hinweg in das sowjetische Hinterland zu führen.  Mit Einführung von Inna Gerasimova, Historikerin und Aufbau/ Leitung des jüdischen Museums Minsk

Träumen und Schweigen – City 46, Do., 12.6. um 20:00 – Spanisches Drama. Nach dem Tod einer ihrer Töchter, versuchen zwei Eheleute den Verlust auf unterschiedliche Weise zu verarbeiten und daran zu zerbrechen drohen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 16.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 16.6. um 21:45

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Blu-ray-Rezension: “Coonskin”

cover_coonskin_bluraySampson (Barry White) und der Prediger (Charles Gordone) wollen ihren Kumpel Randy (Philip Michael Thomas) aus dem Knast holen. Dieser hat bereits mit seinem Mithäftling Pappy (Scat Man Crothers) seine Flucht vorbereitet. Während sie auf Sampson und den Prediger warten, erzählt Pappy Randy die Geschichte von Hase, Bär und Fuchs. Drei Typen, die aus dem Süden nach Harlem kommen und sich dort einen Namen machen wollen…

Nach seinem Debüt „Fritz, the Cat„, welchem die Kult-Comics des Underground-Zeichners Robert Crumb zugrunde lag, und seinem, von ihm selbst geschriebenen und aufgrund des hohen Sex- und Gewalt-Anteils kontrovers aufgenommenen „Heavy Traffic„, bei dem er erstmalig mit Animationen und realen Hintergründen experimentierte, drehte Ralph Bakshi 1975 „Coonskin„. „Coonskin“ wird heutzutage oftmals übersehen, denn die beiden ersten Filmen haben einen großen Einfluss auf „erwachsene“ Animationsfilme gehabt, dass sie heute als die Prototypen des anarchistisch-subversiven Underground-Film gelten. Seine nächsten Filme, „Herr der Ringe“ und „Feuer und Eis„, kehrten dann dem Underground den Rücken zu und beschäftigten sich mit Fantasy-Themen.

„Coonskin“ ist zwar inhaltlich und stilistisch immer noch Underground, wurde aber bereits von einem großen Studio (Paramount) produziert. Vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass er heute nicht so bekannt ist, wie seine anderen Filme. Denn obwohl Bakshi hier auf bekannte Stimmen, wie dem großen Barry White oder Scat Man Crothers (der später auch in „Shining“ eine wichtige Rolle spielte) zurückgreifen konnte, war „Coonskin“ auch Bakshis am meisten angefeindeter Film und vielleicht war es Paramount peinlich, mit Rassismus-Vorwürfen in Verbindung gebracht zu werden. Und diese sind durchaus nachvollziehbar, zeichnet doch der in Palästina geborene Bakshi ein denkbar schlechtes Bild von den farbigen Amerikanern. Er wirft jedes billige Klischee und jedes Vorurteil in die Waagschale und überzeichnet dieses noch einmal. Sieht man sich „Coonskin“ an, könnte man auf die Idee kommen, alle Schwarzen wären Drogendealer, Prostituierte oder Gewaltverbrecher. Aber dies ist nur die eine Seite. Tatsächlich übertreibt Bakshi diese Stereotypen so maßlos, dass der satirische Faktor klar hervorgehoben wird und einem durch dieses Überspitzen die eigenen Vorurteile gnadenlos ns Gesicht knallen. Und man darf nicht vergessen, dass die Weißen auch nicht viel besser wegkommen. Tatsächlich gibt es in dem ganzen Film keine einzige normale, sympathische Figur.

szenenbild_Coonskin1Als Bakshi mit seinen Eltern in den USA zog, lebten sie u.a. in einem schwarzen Viertel, wo Bakshis einzigen Freunde schwarz waren. Um mit ihnen zusammen zu sein, entschloss er sich, von seiner rein weißen, auf eine rein schwarze Schule zu wechseln, wo er dann der einzige weiße Schüler war. Dies brachte ihm und seinen Eltern einigen Ärger seitens der weißen Behörden ein. Von daher weiß Bakshi schon genau, worüber er seinen Film drehte, und der Verdacht des Rassismus ist nicht haltbar. Bakshis Film ist eine überdrehte und recht geschmacksbefreite Satire und gleichzeitig ein waschechter Blaxploitation-Film. Gleichzeitig verarbeitet er alle rassistischen Ausprägungen der amerikanischen Pop-Kultur. Von Szenen aus „Birth of a Nation“ (der für seine positive Darstellung des Ku-Klux-Klan und einer entsprechend schlechten der Schwarzen bekannt ist) bis zum berüchtigten „Blackfacing“, bei dem weiße Darsteller ihr Gesicht schwarz malten, um schwarze Witzfiguren darzustellen. Aber auch Klischeedarstellungen der Schwarzen als immer potente Sexmaschinen, die nur das eine im Kopf haben und generell auch eine Neigung zu kriminellen Machenschaften und Größenwahn aufweisen. Quasi so, wie sich die amerikanischen Gangsta-Rapper gerne geben.

szenenbild_Coonskin2Während der Animationsteil von „Coonskin“ noch relativ konventionell beginnt, steigert er sich in Laufe der Handlung immer mehr ins Groteske hinein. Besonders deutlich wird dies, wenn auch die Mafia auftritt. Der „Pate“ (im Original von Al „Grandpa Munster“ Lewis gesprochen) ist ein merkwürdig aussehendes Wesen mit vielen Zähnen, Warzen und einen dicken, behaartem Bauch, der sich ständig unter seinem Hemd hervor drückt. Seine Sohne alles Homosexuelle, die – dies zieht sich als roter Faden durch den Film – auch jedem Klischee entsprechen, welches man sich vorstellen kann. Dabei reicht ihre Bandbreite von einer scheinbar an David Bowie orientierten Figur bis hin zu einen Rüsselwesen, dessen merkwürdiger Kopf an eine Mischung aus Ameisenbär und Staubsauger erinnert. Der jüngste Sohn ist dann ein affenähnliches Geschöpf im Harlekin-Kostüm. Grundsätzlich sind Bakshis Zeichnungen klar karikaturartig, wobei sie von recht detailliert bis hin zum kruden, skizzenhaften reichen. Während z.B. ein Charakter wie Bär noch einem klassischen Stil folgt, ist der korrupte Polizist Madigan einem verzerrten Underground-Stil verpflichtet.

szenenbild_Coonskin4Wie schon in „Heavy Traffic“ vermischt Bakshi Animation und Realfilm. Ein etwas holprig daherkommender Realfilm bildet die Rahmenhandlung des Filmes, in denen Barry White, Charles Gordone, Michael Philip Thomas und Scat Man Crothers, der hier auch die Rolle des Erzählers übernimmt, zu sehen sind. Alle vier leihen auch den Figuren im Animationsteil ihre Stimmen. Inspiriert wurde Bakshi bei dieser Rahmenhandlung von dem Disney-Film „Song of the South“, indem ebenfalls im Realfilmteil der Rahmen für die animierten Szenen im Film vorgebenden wird, und ein durch einen Schauspieler verkörperter Erzähler vorkommt. „Song of the South“ basiert wiederum auf den „Onkel Remus“-Büchern, die Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden und in denen ein freundlicher, schwarzer Onkel Remus afroamerikanische Fabeln erzählt. In diesen tauchen dann auch die drei Figuren Bruder Hase, Bruder Bär und Bruder Fuchs auf. Ähnlich wie „Onkel Toms Hütte“ galten die Bücher bis in die 50er als Darstellungen der „guten Schwarzen“ bis sie ab den 60ern als Beispiele für indirekten Rassismus aufgegriffen wurden. Bakshi bezieht sich ganz direkt auf die „Onkel Remus“-Geschichten. Nicht nur indem er die drei Hauptcharaktere Hase, Bär und Fuchs übernimmt, sondern auch Elemente aus den Geschichten, wie z.B. das „Pech-Baby“, zitiert.

Innerhalb des Filmes lässt er dann Trickfiguren mit Menschen interagieren. Sei es, dass reale Menschenmengen den Hintergrund einer Szene bilden; in einer großartigen Szene, der korrupte Madigan von einer realen, barbusigen Schönheit verführt wird oder sich einmal sogar Rabbit mit realen Schauspielern unterhält. Auch nutzt Bakshi Filmaufnahmen, die er in Harlem gemacht hat, um diese als Hintergründe für seinen Film zu verwenden. Dies gibt „Coonskin“ trotz aller satirischen Übertriebenheit einen rauen, realistischen Ton und stellt heute ein geradezu historisches Dokument über das Leben in Harlem Mitte der 70er Jahre dar.

„Coonskin“ steckt voller Brutalität, billigem Sex, bewusst vorgeführten, rassistischen Stereotypen und schierem Wahnsinn, der sich auch auf der kreativen Ebene niederschlägt. Dies ist manchmal schon zu viel des Guten, an einigen stellen sicherlich viel zu dick aufgetragen und kann zu gewissen Ermüdungserscheinungen führen. „Coonskin“ stellt aber darüber hinaus ein interessantes Zeitzeugnis dar, welches sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft (und treffen will), aber zumindest einmal gesehen werden sollte.

Die OFDb FILMWORKS Blu-Ray zeigt den Film einerseits in technsich makelloser Umsetzung, hat andererseits aber damit zu kämpfen, dass viele Stellen von Bakshi auch bewusst „schmutzig“ und körnig angelegt wurden. Was aber auch gut zum Thema des Filmes passt. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor. Aufgrund des typischen Slangs empfiehlt es sich, die englische Tonspur und die deutschen Untertitel zu nutzen. Extras gibt es bis auf einen Trailer leider keine.

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DVD-Rezension: “Der unheimliche Gast”

unheimliche gast_Die Geschwister Roderick und Pamela Fitzgerald (Ray Milland und Ruth Hussey) entdecken in ihrem Urlaub ein leerstehendes Herrenhaus nahe einer Steilküste. Pamela verliebt sich augenblicklich in das Gebäude. Zusammen mit ihrem Bruder kauft sie es seinem Besitzer, Commander Beech (Donald Crisp), ab. Dieser ist auch gar nicht unglücklich darüber, das Anwesen los zu sein. Es gehörtet einst seiner Tochter, Mary, die dort einst durch tragische Umstände ums Leben kam. Gar nicht erfreut über die neuen Besitzer ist ihre Tochter Stella (Gail Russell), die nach dem Tod der Mutter bei ihrem Großvater aufwuchs. Sie fühlt sich auf besondere Weise zum Haus hingezogen. Bald schon bemerken Roderick und Pamela, dass etwas in ihrem neuen Heim nicht stimmt…

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Konnte man mit gutem Willen die vorherigen Veröffentlichungen der Reihe „Film Noir“ noch halbwegs als „Noirs“ durchgehen lassen, so fällt dies bei „Der unheimliche Gast“ schon schwerer. Denn hierbei handelt es sich um einen lupenreinen Gruselfilm, komplett mit übernatürlichen Erscheinungen und einem alten Fluch. Allerdings orientiert sich Kamera und Set Design deutlich am deutschen Expressionismus, was ja auch bei den „echten“ Noirs der Fall war. Ich meine sogar, dass das unheimliche Atelier des verstorben Künstlers und ehemaligen Herrn des Spuk-Hauses, auch in dem, im selben Jahr entstandenen, Film Noir „Zeuge gesucht“ (ebenfalls in der „Film Noir“-Reihe erschienen, Kritik hier) Verwendung fand.

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Der unheimliche Gast“ mixt auf effektive Weise Screwball-Elemente mit einer handfesten Gruselgeschichte. Dabei unterstreicht der leichte Ton, der vor allem zwischen den Geschwistern Roderick und Pamela Fitzgerald herrscht, die unheimlichen Vorgänge, welche immer wieder in die scheinbar sorgenlose Welt der Beiden einbrechen. Man könnte beinah denken, dass die Geschwister ursprünglich als Ehepaar konzipiert waren, so perfekt werfen sie sich die Bälle zu. Dies kennt man sonst vor allem von legendären Screwball-Paaren wie William Powell und Myrna Loy in der „Dünne Mann“-Serie oder Spencer Tracy/Kathrine Hepburn. Doch die Beiden waren schon in der literarischen Vorlage von Dorothy Macardle nur Bruder und Schwester. Dieses verwandtschaftliche Verhältnis hilft natürlich dabei, die Liebesgeschichte zwischen den weltmännischen Roderick und der blutjungen und unerfahrenen Stella aufzubauen, die im Zentrum der unheimlichen Geistergeschichte steht. So erinnern die unbeschwerten Szenen zwischen ihr und Roderick an die romantischen Komödien dieser Zeit. Umso stärker ist die Kraft, mit der das Übernatürliche, das Ernste und Tragische in die Geschichte einbricht.

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Diese unheimlichen Element wirken niemals aufgesetzt, sondern sind integraler Bestandteil der Geschichte. Und man muss Regisseur Lewis Allen bescheinigen, dass es ihm grandios gelingt, einen wirklich unheimlichen Film zu gestalten. Gerade dadurch, dass die oberflächliche Handlung einen eher heiteren – und damit für den Zuschauer „realistischeren“ – Ton anschlägt, wirkt das finsterer Herz der Geschichte, welches unablässig unterhalb diese Oberfläche pocht, umso angsteinflößender. Eine Taktik, wie sie z.B. auch Stephen King in seinen besten Büchern anwendet. Nicht umsonst setzte ihn Martin Scorsese 2009 auf seine Lister, der, seiner Meinung nach, elf unheimlichsten Filme aller Zeiten. Und nennen ihn Guillermo Del Toro einen der Filme, die ihn geängstigt und beeinflusst haben.

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Zu unheimlichen Stimmung trägt, wie oben erwähnt, auch das Set Design bei. Dieses wurde übrigens von einem waschechten Bremer erstellt. Hans Dreier wurde 1885 in Bremen geboren. Später studierte er in München und begann dann bei der Ufa zu arbeiten. Anfang der 20er Jahre folgte er Ernst Lubitsch und anderen in die Vereinigten Staaten, wo sie sich ein höheres Einkommen versprechen. In der Folgezeit war Dreier zunächst für das Design aller Filme sowohl von Lubitsch, als auch Josef von Sternberg zuständig, in die er seine Expressionistischen Erfahrungen einfließen lies (besonders deutlich zu sehen bei Sternbergs „Die scharlachrote Kaiserin“). Später bestimmte er nicht nur den „Look“ der Produktionen der Paramount Studios, sondern arbeitete eng mit Billy Wilder an all seinen großen Filmen bis „Boulevard der Dämmerung“ zusammen. Des weiteren war Dreier auch an den Filmen von Preston Sturges und zahlreichen „Film Noir“-Klassikern, wie z.B. „Die Narbenhand“ beteiligt. Irgendwann in der Zukunft werde ich mich sicherlich noch einmal eingehend mit diesem Sohn meiner Heimatstadt beschäftigen.

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„Der unheimliche Gast“ gilt als erster ernsthafter „Haunted House“-Film und war damals ein ungeheurer Erfolg. Dies gilt im übrigen auch für die Filmmusik. Das eigenes für diesen Film geschriebene Stück „Stella by Starlight“, welches Roderick der jungen Stella mal eben beiläufig auf dem Klavier vorklimpert und dabei nonchalant meint, er hätte es sich „mal eben so“ ausgedacht, wurde eine ausgesprochen beliebter Jazz-Standard, der von zahlreichen großen Künstlern interpretiert wurde. Ich kannte es z.B. in der Version des großartigen Krzystof Komeda, aber auch Miles Davis, Stan Getz und Dexter Gordon haben ihn gespielt. Ein wenig erinnert „Der unheimliche Gast“ auch an Hitchcocks amerikanisches Debüt „Rebecca“, welches ebenfalls davon erzählt, wie eine zu Beginn des Filmes verstorbene Person, Macht über die Lebenden gewinnt. Die Figur der Miss Holloway erinnert auch ein wenig an Mrs. Danvers aus dem Hitchcock-Film und die riesige Portraits der Mary Meredith, die förmlich in das Filmbild drängen und die junge Stella schier zu erdrücken scheinen, finden sich so ähnlich auch in „Rebecca“. Doch während in „Rebecca“ nur mit dem Gedanken gespielt wird, die Titelheldin könnte noch am Leben sein oder als Geist Manderly heimsuchen, ist die Bedrohung in „Der unheimliche Gast“ von Anfang an ganz klar übersinnlicher Natur. Am Ende erscheint der Geist sogar in einer für die damalige Zeit spektakulären – und auch heute seine Wirkung wahrlich nicht verfehlenden – Weise auf der Leinwand.

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Zwar kann man „Der unheimliche Gast“ nur bedingt dem Genre „Film Noir“ zuordnen, er ist aber mit Fug und Recht ein Klassiker der Horrorfilms. Er verbindet die Leichtigkeit einer Screwball-Comedy mit wirkungsvollen Horrorelementen, die durch den scheinbar realistischen Kontext noch verstärkt werden. Dabei lebt der unheimliche Film auch von seinem expressionistischen Set Design und wartet mit überraschend überzeugenden Special Effects auf.

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Das Bild der DVD aus dem Haus Koch ist gut und der Ton ist für das alter recht klar. Die deutsche Synchronisation geht in Ordnung, allerdings klingt die deutsche Fassung recht steril, da die Geräusche der Originaltonspur ausgeblendet, bzw. durch neue ersetzt wurden. Als Extras sind gleich zwei Radio-Hörspiele des Stücks beigegeben. Einmal eine Aufführung des Screen Guilde Theater von 1944 (mit Ray Milland und Ruth Hassey in ihren Filmrollen) und dann von The Screen Directors Playhouse aus dem Jahre 1949 , wieder mit Ray Milland.  Die DVDs der Reihe „Film Noir“ zeichnen sich in der Regel auch immer durch informative Booklets aus. Da mir hier allerdings nur die DVD an sich ohne Verpackung zur Rezension vorlag, kann ich hierzu leider keine Angaben machen.

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DVD-Rezension: „Unter Verdacht“

unter verdachtDer gutmütige Geschäftsinhaber Philip Marshall (Charles Laughton) ist mit der schrecklichen Cora (Rosalind Ivan) verheiratet, die ihm das Eheleben zur Hölle macht. Als Philip die junge Mary (Ella Raines) kennenlernt, ist er das erste Mal seit langem wieder glücklich und genießt die Begleitung der jungen Frau, die ihm ebenfalls liebevolle Gefühle entgegen bringt. Philip beschließt, sich von Cora scheiden zu lasen, doch diese lehnt seinen Vorschlag vehement ab. Philip fügt sich in sein Schicksal, beendet seine Treffen mit Mary und versucht mit Cora ein normales Leben zu führen. Doch als aber diese voller Eifersucht ankündigt, Marys Leben zerstören zu wollen, geschieht ein Unglück…

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Wie schon „Das schwarze Buch“ (Kritik hier) scheint „Unter Verdacht“ so gar nicht in eine Reihe, die sich „Film Noir“ nennt zu passen. Handelt es sich hierbei doch um eine Geschichte, die in London um 1902 herum spielt und somit ganz weit entfernt ist von den Gangstern, Hard-boiled Detektiven und Stadtschluchten im Amerika der 40er Jahre. Tatsächlich ist der Film aber zeitlos und könnte genauso – sieht man einmal von den Kostümen und Kutschen ab – auch in jedem anderen Jahrzehnt oder sogar im hier und jetzt spielen. Inszeniert wurde der Film auch von einem ausgewiesenen Noir-Spezialisten, dem Deutschen Robert Siodmak, der kurz zuvor mit „Zeuge gesucht“ (Kritik hier) bereits seinen ersten großen Film Noir abgeliefert hatte.

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„Unter Verdacht“ lebt ganz von der erstaunlich zurückgenommenen Darstellung Charles Laughtons. Laughton hat in seinen Filmen immer einen Hang gehabt, seine Figuren mit dem ganz breiten Pinsel zu malen und sie larger-then-life auszugestalten. Umso mehr verwundert ist, wie still und unaufdringlich er den sympathischen Philip spielt. Anders würde der Film auch gar nicht funktionieren. Der Zuschauer muss Philip in sein Herz schließen. Wie sollte auch sonst glaubhaft vermittelt werden, dass sich die bezaubernde Ella Raines mit der Siodmak schon „Zeuge gesucht“ gedreht hatte, sich in den älteren, fettleibigen Laughton verliebt. Doch Laughton spielt so nett, bescheiden und vor allem liebenswürdig, dass man bereit ist zu glauben, dass die Raines tatsächlich tiefe Gefühle für ihn hegt. Und auch der Zuschauer ist ganz auf der Seite des Mörders, wodurch der Film seine ambivalente Spannung bezieht. Denn hier wird er gezwungen, nicht der Enttarnung des Täters, sondern dessen Davonkommen entgegen zu fiebern. So stellt Siodmak das moralische Grundgerüst eines Hollywoodfilms völlig auf den Kopf. Der Mörder ist unser Held, der Polizist der fast schon manisch versucht, ihn hinter Gitter zu bringen der Bösewicht.

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Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muss ein Film wie „Unter Verdacht“ auch in den Nebenrollen bestens besetzt sein, was hier der Fall ist. Philips schreckliche Ehefrau wird von Rosalind Ivan gespielt, die in Fachkreisen den Spitznamen „Ivan the Terrible“ erhielt, da sie auf solche Rollen abonniert war. Auch hier macht sie Philip das Leben zur Hölle und torpediert all seine Versuche, mit ihr ein normales Leben zu führen. Aber aus ihr sprießt nicht reine Bosheit, sondern es liegt einfach in ihrer Natur, durch ihre absolute Egozentrik im Zwischenmenschlichen nicht unbedingt geschickt vorzugehen. Eine wunderbare Leistung erbringt auch der großartige Henry Daniell als Nachbar Philips. Ein trunksüchtiger Tunichgut, der seine liebe Ehefrau schlägt und sich lieber in Tavernen als in einem Job aufhält. Henry Daniell spielt ihn zwar fies, aber irgendwo auch nicht gänzlich unsympathisch. Sein Mr. Simmons weiß, dass er ein schlechter Charakter ist, aber das ist ihm herzlich egal. Er hat aufgeben, so zu tun, als wäre er ein guter Mensch, der zu etwas taugt. Lieber konzentriert er sich auf das, was er kann: Auf krummen Wegen sich sein Stück vom Kuchen zu sichern. Und obwohl Simmons eine verabscheuungswürdige Figur ist, spielt Daniell ihn mit einem Hauch von Melancholie und einer arroganten Eleganz, dass man ihm dabei gerne zuschaut. Interessanterweise stammen fast alle Schauspieler dieser amerikanischen Produktion aus London, wo auch der Film spielt, was den Thriller leicht an die frühen Hitchcock-Filme erinnern lässt.

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Auch wenn „Unter Verdacht“ gerade im Mittelteile ein paar Längen aufweist, so sind es zwei Szenen, die ihn über den Durchschnitt heben und im Gedächtnis verankern. Die erste ist eine Rekonstruktion des Verbrechens. Hier übernimmt der Inspektor die Rolle des Drehbuchautoren. Er erzählt die Vorgänge der unheilvollen Nacht, er sorgt für die richtige Stimmung, indem er eigenhändig die Beleuchtung ändert und er fertigt auch den Schnitt an, indem er in seiner Erzählung bestimmte Einstellungen und Einzelheiten/Großaufnahmen beschreibt. So entsteht vor dem geistigen Auge des Zuschauers eine Szene, die das Verbrechen zeigt, ohne das darin die Akteure tatsächlich auftreten. Dies geschieht so lebhaft, dass es nicht verwundert, dass am Ende Charles Laughton das einzige Mal in diesem Film wirklich die Fassung verliert. Wobei es eine interessante Variante wäre, wenn sich die wahren Ereignisse – die dem Zuschauer vorenthalten werden – sich tatsächlich so abgespielt hätten, wie von Philip ausgesagt. Es also in Wirklichkeit keinen Mord gegeben hätte und – als eine Variation von Victor Hugos „Les Misérables“ – die hier gezeigte Fantasie des starrsinnigen Inspektors die ganze folgende Tragödie und damit auch den zweiten (?) Mord ausgelöst haben.

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Nach besagtem zweiten Mord folgt eine weitere brillante Szene, die scheinbar 30 Jahre später in der Louis-de-Funés-Komödie „Jo – Hasch mich in bin der Mörder“ nochmals neu interpretiert wurde. Philip hat einen Leichnam hinter dem Sofa versteckt. Doch seine Familie nebst Freunden kommt unerwartet zurück. Sein Sohn setzt sich mit seiner Verlobten auf das Sofa, als diese plötzlich aufschreit und behauptet, eine Hand hätte ihren Knöchel berührt. Laughtons Gesicht erstarrt in einem Lächeln und man sieht in seinem Gesicht, wie sich hinter der lächelnden Fassade gerade seinen bisheriges Leben abläuft, von dem er in diesem Augenblick Abschied nimmt. Ganz große Schauspielkunst.

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Obwohl „Unter Verdacht“ im Mittelteil einige Längen aufweist, sind es die hervorragenden Schauspieler und zwei unvergessliche Szenen, die ihn unvergesslich machen. Insbesondere Charles Laughtons ungewöhnlich zurückhaltendes und liebenswertes Spiel ist besonders hervorzuheben, da der Film ohne dieses in sich zusammenbrechen würde. Ebenfalls interessant ist das Spiel mit der Moral und die Möglichkeit, dass der Film auch zeigen könnte, wie ein redlicher Mann durch den übertriebenen Diensteifer eines Polizisten zum Mörder gemacht wurde.

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Die Bildqualität der DVD ist zwar nicht überragend, aber doch immerhin gut. Der Ton liegt in Deutsch und gut verständlichem Englisch vor. Deutsche Untertitel können eingeblendet werden. Ferner befindet sich auch eine knapp einstündige Radio-Hörspielfassung des Filmes mit auf der Scheibe, bei welchem Laughton, Raines und Ivan ihre Rollen aus dem Film wiederholen. Die DVDs der Reihe „Film Noir“ zeichnen sich in der Regel auch immer durch informative Booklets aus. Da mir hier allerdings nur die DVD an sich ohne Verpackung zur Rezension vorlag, kann ich hierzu leider keine Angaben machen.

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Radley Metzgers Meisterwerk „The Image“ in Deutschland beschlagnahmt

»The Image« gilt als einer von Radley Metzgers kontroversesten und besten Filmen. Er wählte auch hier eine literarische Vorlage als Grundlage für das Drehbuch: »L’Image« von Catherine Robbe-Grillet, erschienen unter dem Pseudonym Jean de Berg. Mit »The Image«, auch unter dem Titel »The Punishment of Anne« bekannt, drehte Metzger an Originalschauplätzen in Paris ein Meisterwerk des erotischen Filmes und eine der ernsthaftesten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Sadomasochismus und sexuelle Abhängigkeit.

In schwelgerisch fotografierten Bildern sowie einer sinnlich-erlesenen Inszenierung ohne Klischees erzählt Metzger die Geschichte von Claire und deren Freundin Anne sowie des Schriftstellers Jean, deren Beziehung zwischen Obsession, wahrer Zuneigung und Selbstverachtung hin- und herpendelt. Das Filmfest Oldenburg zeigt die in Bild und Ton neu gemasterte und ungeschnittene Fassung.

So kündige das renommierte Internationale Filmfest Oldenburg letztes Jahr Radley Metzgers 1975 entstanden Film an, den es gleich für zwei Vorstellungen ins Programm genommen hatte. Radley Metzger war selber anwesend, um seinen Film – der hier zurecht als Meisterwerk des erotischen Films bezeichnet wird – in der neu gemasterten Fassung vorzustellen. Erst drei Jahre zuvor, war der amerikanische Regisseur am selben Orte Ehrengast und wurde mit einer umfangreichen Retrospektive gewürdigt.

imagebJetzt, vier Jahre später, geschah Folgendes: Metzgers Meisterwerk „The Image“ – welches bisher nur bei der amerikanischen Firma „Synapse“ auf DVD veröffentlicht wurde – wurde am 30. Januar von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, kurz BpjM, indiziert und auf ihre berüchtigte Liste B gesetzt, auf der nur Filme (Musik, Spiele, Bücher usw.) stehen, bei denen von schwerer Jugendgefährdung und der Annahme einer strafrechtlichen Relevanz ausgegangen wird. Und am 02. April beschlagnahmt das Amtsgericht Fulda die amerikanische „Synapse“-DVD. Wie das alles mit Indizierung und Beschlagnahmung funktioniert, erklärt Rajko Buchardt sehr ausführlich auf Moviepilot oder wenn man es etwas technischer mag schaut man hier mal rein.

Radley Metzgers „The Image“ verstößt angeblich gegen § 131 StGB, woraus folgt, dass er „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt.“ Nun, ich kenne den Film ebenso, wie die zahlreichen Zuschauer beim beim letztjährigen Filmfest Oldenburg. Ich kann beim allerbesten keinen der oben genannten Punkte in diesem Film sehen – es sei denn bereits das Zeigen sado-masochistischer Praktiken (die ja unter Einverständnis beider Parteien geschehen) ist bereits eine „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeit“. Dann müssten aber auch Filme wie der im selben Jahr entstandene „Die Geschichte der O“ oder „9 1/2 Wochen“ auf der Liste B landen. Mir ist auch nicht bekannt, dass in Oldenburg jemand wegen dieses Filmes in Ohnmacht gefallen oder vor lauter Empörung die Festivalsleitung angezeigt hätte.

image_2Richtig ärgerlich wird die ganze Geschichte, wenn man in einer Diskussion auf Facebook aus berufenem Munde hören muss, dass bereits eine deutsche Veröffentlichung des neu gemasterten Filmes unter Beteiligung von Radley Metzger persönlich in Vorbereitung war. Angesichts der sehr dünnen Verbreitung von Metzgers Filmen in Deutschland (immerhin ist erst kürzlich „Das lüsternde  Quartett“ bei Zweitausendeins erschienen), wäre dies nicht nur großartig gewesen, sondern hätte möglicherweise zu einer kleinen und längst überfälligen „Radley-Metzger-Renaissance“ führen können. Man ist ja Optimist. Aber das ganze Projekt war schon mit der Indizierung gestorben.

Ich finde den Fall „The Image“ traurig und absolut unverständlich. Hier wird in der Tat Kunst, die vielleicht Themen zeigt, welche für manche erzkonservative Menschen mit eingeengten Moralvorstellungen möglicherweise etwas beunruhigend wirken könnten, kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. Keine Angst, ich verfalle nun nicht in eine dieser schier unendlichen, oftmals mit dumpfen Parolen und primitive Wortwahl geführten Tiraden, die man in diversen Foren liest, wenn man wieder ein Splatterfilm kassiert wurde. Dazu bin ich auch viel zu erschüttert von dem ganzen Vorgang.

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Originalfassungen in Bremen: 05.06.14 – 11.06.14

Mal schauen, wie lange das so weiter geht. Ich will mich auf jeden Fall nicht beschweren, denn auch in dieser Woche ist das O-Ton-Programm wieder recht reichlich und abwechslungsreich. Das Highlight ist sicherlich Richard Linklaters umjubelter „Langzeitfilm“ „Boyhood“. Was mich daran erinnert, dass Lars von Trier einst ein ganz ähnliches Projekt, wenn auch zeitlich noch viel länger, gestartet, aber nach einige Jahren wieder hingeworfen hatte.

A Million Ways to Die in the West – Cinemaxx, Do. und Sa. um 19:30 & CineStar, So., 8.10. um 20:30 – Die neue Komödie von und mit „Family Guy“-Schöpfer Seth MacFarlane, in der er einen maulheldigen Schafzüchter im Wilden Westen spielt. für optische Highlights sorgen Charlize Theron und Amanda Seyfried.

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Maleficent – Die dunkle Fee – Cinemaxx, So., 8.6. um 19:30 – “Dornröschen” aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

Edge of Tomorrow – Cinemaxx, Mi., 11.6. um 19:30 – Tom Cruise und Emily Blunt in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie “Starship Troopers meet Groundhog Day”. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Cinemaxx, Fr. 6.6. um 49:30 in 3D und Di., 10.6. um 19:30 in 2D – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Boyhood – Schauburg, Do.-So. und Di.-Mi. immer 20:45, sowie Mo. um 15:30 – Richard Linklaters faszinierendes und bei der Berlinale umjubeltes Langzeit-Experiment. Über 12 Jahre filmte er immer mal wieder an diesem Film, der den Weg ins Erwachsenenleben zeigt. Linklater erzählt die Geschichte eines Jungen von seinem sechsten Lebensjahr an bis zu seinem College-Eintritt mit 18 Jahren.

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Chasing the Wind – Atlantis, So., 8.6. um 20:00 – Norwegischer Spielfilm um eine junge Frau, die zur Beerdigung ihrer Großmutter in ihre alte Heimat zurückkehrt und dort mit ihrem mürrischen Großvater, ihrem ehemaligen Freund und der Vergangenheit konfrontiert wird.

As Times Goes By in Shanghai – City 46, Do., Sa.-Mo. immer 20:00 – Doku über die älteste Jazz-Band der Welt.

Le Passé – Das Vergangene – City, Sa. um 18:00 und So./Mo. Um 20:30 – Der neue Film des iranischen Filmemachers Asgahr Farhadi, der für sein “Nader und Simin – eine Trennung” nicht nur den Goldenen Bären und den Golden Globe, sondern auch den Oscar gewonnen hat. In seinem neuen Film geht es wieder um eine getrenntes Paar und die Schwierigkeiten danach.

Träumen und Schweigen – City 46, Di./Mi. Um 20:00 – Spanisches Drama. Nach dem Tod einer ihrer Töchter, versuchen zwei Eheleute den Verlust auf unterschiedliche Weise zu verarbeiten und daran zu zerbrechen drohen.

Die Entführung – Rainbow Kids – City 46, Di., 10.6. um 20:30 – Humorvoller japanischer Krimi von 1991 um drei junge Männer, die eine alte Frau entführen, die bald das Kommando über ihre eigene Entführung übernimmt und den drei Jngs einmal zeigt, wie so etwas geht. Eintritt frei.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 09.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 09.6. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (02-06-14)

bartonfink_type2– Das japanische Festival Nippon Connection in Frankfurt ist gerade wieder zu ende gegangen und für alle, die nicht dabei sein konnte (so wie ich), gibt es einen ausführlichen Bericht von Michael Schleeh auf Negativ.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland schreibt er noch einmal vertieft über den dort gezeigten Film „Lesson of the Evil“ von Takashi Miike.

– Auch Christian Moises von Eskalierende Träume befasst sich mit der Nippon Connection und schreibt einen ausführlich und hochinteressanten Bericht über die Retrospektive, die in diesem Jahr dem wichtigen Vertreter der „Neuen japanischen Welle“, Kô Nakahira, gewidmet war.

– Ebenfalls bei der Nippon Connection war der Blog Schöner Denken, der seine Beiträge mit Podcasts ergänzt.

– Auf unserem Phantastival 2012 lief der sowjetische SF-Stummfilm „Aelita“ mit Musikbegleitung. Die Fassung war allerdings merkwürdig kurz und im Gegensatz zur angekündigten Zeit fehlten plötzlich fast 45 Minuten. Ich frage mich, welche Fassung Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte gesehen hat, der den Film auf seinem Blog vorstellt.

– YP und PD von Film im Dialog befassen sich diesmal mit einem spannenden Regisseur, dem Kanadier Denis Villeneuve, der gerade mit zwei Filmen, „Prisoners“ und „Enemy“, in den deutschen Kinos zu Gast war.

– filmosophie nennt den neuen Disney-Film „Maleficent“ einen Emanzen-Porno. Warum, kann man auf ihrem Blog filmosophie nachlesen. Ferner schreibt dennis über „Emma hat Flügel“ von der Hamburger Untergrund-Filmemacher-Crew „Arrogant & Radikal“, über die ich hier vor Kurzem auch berichtete, als sie Unterstützer für ihr neues Projekt suchten.

– Auf B-Roll fragt filmosophie unter ihrem bürgerlichen Namen Sophie Charlotte Rieger, ob Frauenfilme immer gleich Problemfilme sein müssen und schreibt: „Frauen machen keine „Problemfilme“, weil es ihnen im Blut liegt, sondern unter anderem deshalb, weil sich hierin ihre eigene Erfahrungswelt widerspiegelt.“

– Sträflich vernachlässigt werden ja immer die Simmel-Verfilmungen der 70er, die ja quasi die legitimen Nachfolger der Wallace- und May-Reihen der 60er sind. Immerhin brachte es diese Reihe auch auf neun Verfilmungen, die fast ausschließlich von Meisterregisseur Alfred Vohrer gedreht wurden. Udo Rotenberg stellt mit „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, den auf Grün ist die Heide den ersten Film dieser Serie vor.

– Und auf seinem Blog L’amore in cittá analysiert er einen meiner Lieblingsfilme: Lucio Fulcis „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, den er auf dem 1. Italienischen Genre-Festival in Nürnberg gesehen hatte.

– Auf Hard Sensations schreibt Jamal Tuschick über „Nymphomaniac Vol. 2“ oder vielmehr fiktionalisiert seinen Kinobesuch.

– Wo gerade die neue Big-Budget-US-Variante in den Kino läuft, ist es auch schön, mal wieder an den ersten „Godzilla“ von 1954 zu erinnern, wie es Robin Schröder auf Mise en cinéma tut. http://miseencinema.wordpress.com/2014/05/27/godzilla/

Movies & Sports stellt den Filmpodcast „Die Flimmerfreunde“ vor. http://negativespace.blogger.de/stories/2407243/

– Ich muss Oliver Nöding echt bewundert. Gerade das zweite Mal Vater geworden und trotzdem schreibt er auf Remember It For Later eine Filmbesprechung nach der anderen. Sein Geheimnis, wie er das schafft, möchte ich mal kennen. U.a. dabei: Der vorerst letzte Teil der „Kommissar X“-Reihe: „Drei goldene Schlangen“. Der wirklich letzte Teil „.. jagt die roten Tiger“ ist ja leider bisher nicht in Deutschland erhältlich – kommt aber scheinbar bald von „Filmjuwelen“.

– Wie heißt der Film, bei dem Bruce Dern seine Diana Ladd kennenlernte und sie kurz darauf ihre Tochter Laura Dern zeugten? Natürlich :“Die wilden Engel“ – nomen est omen. Totalschaden bespricht diesen Rockerfilm-Prototyp, der Hauptdarsteller Peter Fonda auf die Idee zu „Easy Rider“ brachte auf Splattertrash. Ferner: Argentos „Die neunschwänzige Katze“.

– Zeit für Experimentalfilme. „ERE ERERA BALEIBU IZIK SUBUA ARUAREN… ist ein abstrakter Film, den Sistiaga direkt, also ohne Kamera, auf 35mm-Film malte“, schreibt Manfred Polak auf Whoknows presents, wo er den obengenannten Film vorstellt, aber auch sehr viel lesenswertes über den Künstler José Antonio Sistiaga schreibt.

Nischenkino schreibt über Claude Sautets „Die Dinge des Lebens“ mit Romy Schneider und Michele Piccoli, er sei „Grandios, Berührend, exzellent gespielt mit einer emotional ergreifenden Melancholie…“.

– „Es gibt ja so Filme, von denen man vorher weiß, dass sie kitschig, vorhersehbar und dermaßen simpel erzählt sind, dass sogar noch Taub-Blinde alles kapieren. Aaaaber in ihrem Bombast bewegen sie etwas, eben dieses seltsame Ding im Brustkorb, das manche Herz nennen. Ich nenne so rare Meisterwerke Empathie-Pornos, weil sie die höchste Kunst repräsentieren, indem sie sogar den Zyniker noch begeistern.“ Das schreibt Reda auf Der breite Grad in Bezug auf den japanischen Film „Season of Snow“, den er am Ende noch mit der Schulnote 1 belohnt.

– Oliver Armknecht fährt auf film-rezensionen.de mit seinem Animations-Special fort und stellt den Anime „Tekkonkinkreet“ vor. Den habe ich einst auf dem Japanischen Filmfest in Hamburg gesehen und fand ihn ganz fürchterlich. Nach Olivers Besprechung sollte ich mich vielleicht mal an eine Zweitsichtung wagen. Des weiteren: Der mexikanische Horrorfilm „Here Comes the Devil“, den wir letztes Jahr für das Phantastival in Betracht gezogen hatten und der auch noch auf meiner Liste steht.

– Auch Komm und sieh stellt einen Anime vor: Hayao Miyazakis letzten Film „Wie der Wind sich hebt“, der am 17.7. in die Kinos kommt. Auch Shion Sonos Neuer, „Why Don’t You Play in Hell“ wird besprochen.

– Als Kinder hatten wir in der Grundschule einen Helden: Jimmy Bondi (Mr. Zehetgruber himself), den „kleinen Bruder von James Bond“, und sein Wunderauto Dudu. Schlombie hat den ersten Film der Dudu-Reihe wohl zu spät im Leben gesehen, um ihn noch lustig zu finden. Entsprechend der Verriss auf Schlombies Filmbesprechungen. Und es gibt eine weitere Folge der „Besprechungen der Anderen“.

Going to the movies entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen Jan de Bonts „Speed“ und Henri-Georges Clouzots Meisterwerk (und einer meiner meiner All-time favorites) „Lohn der Angst“.

Tonight is gonna be a large one empfiehlt das Buch „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ von Guillermo del Toro, in dem dieser seine Notizbücher, die er meist projektübergreifend führt, veröffentlicht hat.

Deep Red Radio fragt sich, ob der amerikanische Amateuer-Horrorfilm „Resolution – Cabin of Death“ tatsächlich solch eine Perle ist, wie das Cover behauptet. Die Antwort: Ja, der Film ist durchaus empfehlenswert, nur die deutsche DVD ist zum Weglaufen.

– Nachdem in der letzten Woche Alexander Matzkeit den belgischen Animations-Regisseur für real virtuality interviewt hat, ist jetzt sein Kollege Gerold Marks für Digitale Leinwand dran. Eine schöne Ergänzung.

– Zum Schluss: Lukas Foerster erinnert auf Dirty Laundry kurz an den DEFA-Film „Für die Liebe noch zu mager“.

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DVD-Rezension: „The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat“

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In einem Städtchen am Rhein wird eine junge Frau in der Nacht vor ihrer Hochzeit brutal ermordet. Bald schon macht das Gerücht die Runde, dass der Mord auf das Konto der mythischen Loreley (Helga Liné) geht, die sich in Vollmondnächten in ein Monster verwandelt und die Herzen junger Mädchen frisst, um selber jung zu bleiben. Um die Bewohnerinnen des nahen Mädchenpensionats vor einem solchen Schicksal zu bewahren, beschließt die Leitung des Pensionats den Jäger Sigurd (Tony Kendell) als Schutz anzustellen. Doch das Morden geht weiter…

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Obwohl „The Loreley’s Grasp“ in Deutschland spielt und die rheinische Legende von der Loreley (neben Elementen aus der „Nibelungen“-Sage, die hier ebenfalls unter mit eingebaut werden), sagen wir mal kreativ interpretiert, hatte dieser 1974 entstandene spanische Film den Weg nach Deutschland bisher nicht finden können. Möglicherweise aufgrund der für seine Zeit recht expliziten Mordszenen, vielleicht aber auch, weil der Film nach allem aussieht, aber nicht nach der Rheingegend. Tatsächlich wurden nur einige wenige Szenen tatsächlich auf und am Rhein gedreht. Der Hauptteil allerdings in und um Madrid, was man ihm auch ansieht. Wenn beispielsweise Loreley recht verführerisch vor einem Gewässer auf einem Felsen sitzt, dann wird noch nicht einmal mit der wohlwollendste Zuschauer auf die Idee kommen, dabei könnte es sich tatsächlich um den Rhein handeln. Von den Darstellern ganz abgesehen. Während man der gebürtigen Berlinerin die Loreley noch gerne abnimmt, fällt es doch schwer, sich Luciano Stella alias Tony Kendell als Figur namens Sigurd vorzustellen. Von Italo-Western- und Jess-Franco-Veteran Luis Barboo als Alberich mal ganz abgesehen. Das Amüsement beim deutschen Zuschauer dürfte gleich dem sein, wenn ein US-Amerikaner sieht, wie in bundesdeutschen Winnetou-Filmen Jugoslawien plötzlich zum Wilden Westen wird.

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Regisseur Amando de Ossorio, der auch für die Geschichte und das Drehbuch verantwortlich war, ist vor allem mit seiner vierteiligen „Reitende Leichen„-Saga berühmt geworden. die älteren werden sich sicherlich noch mit Freude daran erinnern, als diese zu später Stunde im Rahmen von Horrorfilm-Reihe mit der „wilden Hilde“ auf RTL liefen. Neben den reitenden Leichen, dürfte „Loreley’s Grasp“ zu seinen bekanntesten Werken gehören. Die Geschichte folgt auch in etwa dem bei den „Reitenden Leichen“ eingeführten Muster. Eine alte Legende, die plötzlich wieder zum Leben erwacht und eine zuvor definierte Gruppe einen nach dem anderen dezimiert. Hier sind es die Schülerinnen eines Mädchenpensionats (für die Optik) und die Bewohner einer kleinen Stadt am Rhein. Dabei geht de Ossorio sehr grafisch vor. Die Szenen, in denen den Opfern das Herz in Großaufnahme herausgerissen wird, sind nicht nur für das Jahr 1974 ziemlich deftig, sondern stellen auch in de Ossorios Werk einen Höhepunkt an Explizitheit dar. „Loreley’s Grasp“ ist damit de Ossorrios härtestes Werk und die FSK16-Freigabe ist (besonders in Hinblick auf den im gleichen Jahr entstandenen und im Vergleich ausgesprochen harmlosen, aber trotzdem noch immer auf dem Index stehenden „Geisterschiff der schwimmenden Leichen“) beachtlich. Wahrscheinlich wurde hier wohlwollend berücksichtigt, dass die Effekte recht durchschaubar sind (was allerdings auch für den abgeschlagenen Pappmaché-Kopf im „Geisterschiff“ gilt).

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Obwohl technisch sauber und mit einem Gespür für stimmungsvolle Fotografie gedreht, fehlt es „Loreley’s Grasp“ an Spannung und Grusel. Da recht schnell ersichtlich ist, wer hinter der Morden steckt und diese dann auch recht gleichförmig an unbedeutenden Figuren ausgeübt werden – von den Hauptcharakteren gerät lange Zeit niemand in echte Gefahr – bleibt die Spannung auf der Strecke und dem Grusel wird dadurch der Gar aus gemacht, dass man vom Monster häufig eine als solche gut zu erkennende Gummikrallenhand oder ein rechte billige und eher lustig aussehende Monstermaske zu sehen sind. Vermutlich tut hier das gute und scharfe Bild der DVD noch ihr übriges dazu, jegliche Illusion von einer unheimlichen Kreatur zu zerstören. Trotzdem weiß der Film in der Fülle der Handlungselemente zu unterhalten. Neben den blutigen Morden, gibt es hübsche Mädchen im Nachtgewand oder Bikini, einen verrückten Professor mit absurden Experimenten, dann natürlich die knapp bekleidete Loreley und am Ende noch eine Höhle mit grünen Wassernixen und Niblungenschatz. Dass hier nichts ernst zu nehmen ist, wird spätestens klar, wenn Tony Kendell als „Sigurd“ (eine Hommage an den legendären Comiczeichner Hansrudi Wäscher?) in viel zu engen Hosen mit kilometerweitem Schlag von den Pensionatsbewohnerinnen in bester „Kommissar X“-Tradition angehimmelt wird.

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Auf Seiten der Schauspieler gibt es viele bekannte Gesichter zu entdecken. Neben Tony Kendell, der mit de Ossorrio bereits bei dessen „Rückkehr der reitenden Leichen“ dabei war, ist es Helga Liné, die in den späten 60er Jahren aber vor allem in den 70ern zahlreiche spanische Genrefilme mit ihrer Anwesenheit veredelt hat und in den frühen 80ern mit dem damals noch jungen Pedro Almodóvar zusammenarbeitete. Viel hat sie in diesem Film zwar nicht zu tun, außer wahlweise erhaben-melancholisch oder verführerisch-selbstbewusst auszusehen. Die gelingt der schönen Berlinerin dann allerdings auch sehr gut. Neben ihr ist die 15 Jahre jüngere, und ebenfalls wunderschöne Silvia Tortosa zu sehen, die hier eine leitende Angestellte des Pensionats spielt und dabei jünger aussieht als manche der hübschen Bewohnerinnen. Silvia Tortosa blickt mittlerweile auf eine lange Filmkarriere zurück, in der sie in allen möglichen Genres dabei war, oftmals als Anhängsel des Helden. In Spanien wurde sie allerdings vor allem durch ihre zahlreichen Auftritte in der Klatschpresse, wo ausführlich über ihre zahlreichen Liebschaften und Ehen berichtet wurde. In „Loreley’s Grasp“ hält sie sich recht bedeckt, aber im Internet stößt man auf zahlreiche Bilder, auf denen sie sich im Alter von 60 Jahren – wohl anlässlich des Erscheinens ihrer Memorieren – sehr freizügig hat ablichten lassen.

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In „Loreley’s Grasp“ interpretiert „Reitende-Leichen“-Regisseur Amando de Ossorio die Legende von der Lorelei ganz neu und macht aus ihr ein Herzen verschlingendes Monster. Kostengünstige Splattereffekte sorgen für einen ungewöhnlich blutrünstigen Film. Mangelnde Spannung und Grusel wird durch eine krude Geschichte, die alle möglichen deutschen Legenden wild miteinander verquirlt, gern gesehene Schauspieler aus der zweiten Reihe und vielen hübsche Mädchen ausgeglichen.

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Der Film erschien, wie eingangs geschrieben, bisher noch nicht in Deutschland. Weder im Kino, noch auf VHS. 2012 wurde er zunächst von Schock DVD als „Limited Edition“ in Österreich veröffentlicht. Da selbstverständlich keine deutsche Synchronisation vorlag, wurde von Shock selber eine deutsche Sprachfassung erstellt. Man hört allerdings doch sehr deutlich, dass hier nicht viel Geld zur Verfügung stand. Zudem werden teilweise Hintergrundgeräusche verschluckt. Nun ist die identische Schock DVD-Scheibe auch in Deutschland erschienen. Wobei der Werbespruch „Endlich erstmals ungeschnitten in deutscher Sprache“ zwar in dem Sinne stimmt, als die DVD dieselbe ist, wie die vor zwei Jahren in Österreich veröffentlichte. Neben der deutschen Tonspur sind noch eine englische (die etwas dumpf kling) und eine spanische (die zu bevorzugen, aber auch nicht ganz makellos ist) dabei, sowie deutsche Untertitel. Am Bild gibt es nichts auszusetzen. Dieses ist klar und die Farben kräftig. An Extras gibt es den spanischen Trailer, eine Bildergalerie mit Standfotos (leider im falschen Format und dadurch in die Breite „gedrückt“) und die spanische Titelsequenz. Auf der Verpackung sind unter „Extras“ noch „Uncut Version!“ aufgeführt, was auf den ersten Blick vermuteten lässt, es wäre ein noch längere Fassung als Bonus mit dabei. Dies stimmt aber nicht, das bezieht sich auf den Hauptfilm (und hat unter „Extras“ somit eigentlich nichts zu suchen). Ein letztes Wort zu Menü. Dieses erinnert stark an das alte Laser Paradiese Intro und hat zwar die nette Idee, das Menü und die Untermenüs in einem Buch zu zeigen, aber das animierte „Umblättern“ dauert nervig lange.

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“Weird Xperience”: Morgen Vatertagsfreuden mit „Tetsuo – The Iron Man“

 

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Recht spät, aber hoffentlich noch nicht zu spät, hier der Veranstaltungshinweis auf unsere nächste „Weird Xperience„-Veranstaltung im City 46, die bereits morgen um 20:30 Uhr im City 46 stattfindet.

Ich stelle hier einfach mal auf die Schnelle unseren Newsletter rein. Darin sind alle wesentlichen Informationen enthalten:

Vatertag mal anders. Statt Radtour und Bier, lieber abgefahrenes japanisches Kultkino bei Weird Xperience!

Liebe Freunde des obskuren Filmes,

Morgen um 20:30 Uhr zeigen wir Shin’ya Tsukamotos legendäres Cyberpunk-Opus „Tetsuo – The Iron Man“

Ein Metallfetischist implantiert sich selbst Industriemetall unter die Haut. Das Experiment geht leider schief und in der Wunde sammeln sich Maden, er schreit vor Schmerzen und läuft davon.

Ein anderer Mann wird von Alpträumen geplagt, in denen sich Menschen in Metallwesen verwandeln. Eines morgens schneidet er sich beim Rasieren und entdeckt Glänzendes unter seiner Haut. Auf dem Weg zu seiner Arbeit wird er von einer Frau angegriffen, deren Arme aus Industrieabfall bestehen. Innerhalb von Stunden verwandelt sich der Büroangestellte immer mehr zu einem Metallwesen und es kommt zu einem Show-Down mit dem Fetischisten.

Der Film wechselt zwischen Real-, Wunsch- und Traumsequenzen, wobei die Unterscheidung nicht immer eindeutig ist. Er spielt mit unterdrückten Ängsten, versteckten Sehnsüchten und realen Zwängen.

Auf 16mm in schwarz/weiß gedreht kommt er fast ohne Dialoge aus, es läuft Industrial-Music von Chu Ishikawa, inspiriert von den Einstürzenden Neubauten und DAF. Wegweisend ist die sich ständig bewegende Kamera.

Die End-80er waren die interessanteste Zeit der künstlerischen Körperhorrorfilme. Neben den Arbeiten von David Cronenberg („Videodrome“, „Die Fliege“), wären da auch Jörg Buttgereits „Nekromantik“ (1987) und „Nekromantik 2“ (1991), sowie Clive Barkers „Hellraiser“ (1987) zu nennen. Unter diesen ist Shin’ya Tsukamotos Film der wohl radikalste. 1992 und 2010 folgten zwei Fortsetzungen.

„Tetsuo – The Iron Man“ gewann den Preis als bester Film auf den FantaFestival in Rom 1989 und den Audience Award beim Fantastic Film Festival in Schweden.

Als Vorfilm zeigen wir Tsukamotos früher entstandenen Kurzfilm „Futsu saizu no kaijin“ (The Phantom Of Regular Size), der als Vorübung für „Tetsuo“ verstanden werden kann.

Hier der Trailer:

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=uROMTzJsfOI[/youtube]

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Originalfassungen in Bremen: 29.05.14 – 04.06.14

Diese Woche gibt es wieder ein hübsch buntes O-Ton-Programm in den Bremer Kinos. Von experimenteller Filmkunst bis zum Big-Budget-Blockbuster ist alles dabei. Insbesondere trägt das Favourites Film Festival, welches zum zweiten Mal im City 46 stattfindet, dazu bei, die Programmvielfalt noch einmal ordentlich zu erweitern. Und morgen gibt es auch wieder „Weird Xperience“.

Maleficent – Die dunkle Fee – Cinemaxx, Do./So./Di. um 19:30 in 3D und So., 1.6. um 16:50 in 2D – „Dornröschen“ aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=ioEA5fWjvOE[/youtube]

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Cinemaxx, Fr., 30.5. um 19:30 in 3D und Sa. 31.5. um 19:30 in 2D – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Edge of Tomorrow 3D – Cinestar, So., 1.6. um 20:20 – Tom Cruise und Emily Blun in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie „Starship Troopers meet Groundhog Day“. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=yUmSVcttXnI[/youtube]

Die zwei Gesichter des Januars – Schauburg, So. und Mi. um 21:00 – Thriller nach Patricia Highsmith mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac in den Hauptrollen. Regiedebüt des Drehbuchautoren Hossein Amini mit der Musik des Bremer-Filmpreis-Trägers Alberto Iglesias. 1962 befreundet sich ein junger Amerikaner in Athen mit einem amerikanischen Ehepaar und wird in der Folge in einen Mord hineingezogen.

Maman und ich – Atlantis, So., 1.6. um 20:00 – Französischer Film über einen Mann, der von seiner dominanten Mutter in die Tochterrolle gedrängt wird und erst mein 30 sein „Coming Out“ als heterosexueller Mann erlebt.

Watermark – Cinema, Mi., 17:00 und So. 15:00 – Dokumentarfilm über die Bedeutung des Wassers für das Leben.

Tetsuo – The Iron Man – City 46, Do., 29.5. um 20:30 – Wahnwitziger Cyperpunk-Klassiker zwischen Experimentalfilm und Manga. Von Shin’ya Tsukamoto! In der Reihe Weird Xperience.

A Serious Man – City 46, Do. um 18:00 und So. um 19:00 – Drama von Joel Coen & Ethan Coen über einen normalen jüdischen Mann, der plötzlich durch diverse Schicksalsschläge geprüft wird.

As Times Goes By in Shanghai – City 46, Di., 3.6. um 20:00 – Doku über die älteste Jazz-Band der Welt.

Beware of Mr. Baker– City 46, Fr./Sa. um 20:00 – Dokumentarfilm über den legendären Schlagzeuger Ginger Baker, der mit Bands wie “Cream” oder “Blind Faith” weltberühmt wurde.

The Golden Dream – City 46, Do., 29.5. um 19:00 – Favourites Film Festival: Mexikanischer Spielfilm um drei 15-jährige Teenager, die aus ihrem Slum in Guatemala Richtung USA flüchten. Dafür gab es den Nachwuchspreis „Un Certain Talent“ der internationalen Filmfestspiele in Cannes.

Love is Blind – City 46, Do., 29.5. um 21:00 – Favourites Film Festival. Estnischer Spielfilm um eine scheinbar geistig behindere junge Frau, die ebenso scheinbar einer Vergewaltigung zum Opfer fiel. aber was ist tatsächlich passiert?

Hijacking: Todesangst – In der Gewalt von Piraten – City 46, Fr., 30.5. um 19:00 – Favourites Film Festival. Dänischer Spielfilm um die Crew eines Frachtschiffes, die vor Somalia von Piraten als Geiseln gehalten werden.

Out in the Dark – City 46, Fr. 30.5. um 21:00 – Favourites Film Festival. Israelischer Spielfilm über einen jungen Palästinenser, der sich in einen Israeli verliebt.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 02.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 02.6. um 21:45

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