DVD-Rezension: “Im Wendekreis des Söldners“

wendekreisIn den letzten Tagen des Vietnamkrieges verheizt Captain Harlow (Antonio Marsina) seine Männer. Dadurch gerät er mit dem bei den Soldaten sehr beliebten Sgt. Maggio (Giancarlo Prete) aneinander. Harlow versucht Maggio loszuwerden, indem er ihn auf dem Schlachtfeld zurücklässt, als Maggio gerade einen verletzten Kameraden rettet. Doch Maggio gelingt es, sich mit seinem Kameraden wieder zurück zu den amerikanischen Linien durchzuschlagen. Doch Harlow provoziert Maggio immer weiter und als Maggio nach dem Selbstmord eines Freundes auf Harlow einprügelt, nutzt dieser die Chance, Maggio vor das Kriegsgericht zu stellen. Doch der Maggios Gefangenentransport wird von dem Vietcong angegriffen und Maggio gelingt die Flucht. Harlow und seine Männer heften sich an seine Fersen…

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Mit seinen italienisch co-produzierten Söldern-Filmen schwamm der legendäre Schweizer Filmproduzent Erwin C. Dietrich Anfang der 80er Jahre auf einer kleinen Erfolgswelle. Und so wurde auch der von ihm in Italien eingekaufte „Tornado“, ein lupenreiner Vietnam-Kriegsfilm, von der Titelschmiede seines Ascot-Verleihs kurzerhand zu einem Söldner-Film umgetextet und als „Im Wendekreis der Söldners“ auf den Markt geworfen. Da ein Jahr zuvor „Rambo“ ein großer internationaler Erfolg war, wurde dem Film zudem weltweit der Alternativtitel „Last Blood“ (statt „First Blood“) gegeben, und wie man auf der Innenseite des Wendecovers sehen kann, ein neues Plakat entworfen, auf welchem der Figur, die wahrscheinlich Hauptdarsteller Timothy Brent alias Giancarlo Prete darstellen soll, ein rotes Stirnband, wie man es vom „Rambo“-Poster kennt, hinzugemalt.

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Tatsächlich hat „Wendekreis des Söldners“ nur wenig mit dem Stallone-Film gemein, auch wenn der Covertext des US-Videotapes schreit: „All the action of Rambo – set in the steamy jungles of Vietnam.” Einzig, dass ein Mann sich allein auf der Flucht vor seinen eigenen Leute durch den Wald, bzw. Dschungel kämpfen muss und dabei außergewöhnliche Einzelkämpferqualitäten offenbart, hat etwas mit „Rambo“ zu tun. Viel mehr ist der Film stark von „Die durch die Hölle gehen“ inspiriert und die Szenen, in denen Maggio vom Vietcong gefangengenommen wird, oder wenn er sich mit seinem schwer verletzten Kameraden durch den Dschungel schlägt, scheinen direkt aus dem großen Vorbild übernommen. Als am Anfang Maggio von seinem eiskalten Vorgesetzten skrupellos im Dschungel zurückgelassen wird, während dieser im sicheren Helikopter sitzt, meint man, Regisseur Antonio Margheriti hätte auch bei „Platoon“ geklaut. Tatsächlich entstand „Im Wendekreis des Söldners“ aber drei Jahre vor Oliver Stones preisgekrönten Vietnam-Drama. Die Figur des skrupellosen Karrieristen ist dann auch nicht an Tom Berengers Sgt. Barnes, sondern vielmehr an dem von Maximilian Schell gespielten Hauptmann Stransky in Sam Peckinpahs Weltkriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“ angelehnt.

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Das Autoren-Duo Tito Capri und Gianfranco Couyoumdjian (der den Film auch produziert hat), haben viele von Margheritis 80er Jahre Vietnam- und Söldnerfilmen geschrieben. U.a. auch „Jäger der Apocalypse“ aus denen fast alle aufwändigeren Action-Szenen übernommen wurden. Immer wenn in „Im Wendekreis des Söldners“ Helikopter zum Einsatz kommen oder Dörfer explodieren, ist dies Material aus eben jenem Film. Man hat fast Gefühl, „Im Wendekreis des Söldners“ wurde allein geschrieben, um einen Rahmenhandlung für dieses Recycling zu haben. Aber auch die originären Actionzenen sind Margheriti wieder einmal gut gelungen, und er beweist einmal mehr, dass er ein gutes Händchen für solide Action hat. An den Einsatz des düsteren Synthie-Sounds von Aldo Tamborelli (als „Sound of Eden“) muss man sich kurz gewöhnen, dann funktioniert der an John Carpenter und Tangerine Dream gemahnende Score recht gut.

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Die Hauptrolle des Sgt. Maggio spielt der Italiener Giancarlo Prete, der hier unter seinem anglisierten Namen Timothy Brent geführt wird. Prete ist vor allem durch die beiden Endzeit-Filme „Metropolis 2000“ und „Riffs 2 – Flucht aus der Bronx“ von Enzo G. Castellari bekannt geworden, hat aber auch in einigen internationalen Produktionen mitgewirkt. Sein Sgt. Maggio ist erst einmal Körper und gerne wird Pretes muskulöser Leib gezeigt. Prete selber gibt den Maggio routiniert, das Drehbuch verlangt ihm aber auch keine großen Meisterleistungen ab. Neben Prete sind eigentlich nur noch Antonio Marsina als fieser Captain Harlow und „der italienische Peter Lorre“ Luciano Pigozzi alias Allan Collins als knurriger Journalist erwähnenswert. Leider verschwindet Marsina in der Mitte des Filmes fast komplett aus der Handlung und auch Pigozzi hat außer ein paar kritische Äußerungen über den Krieg zu machen, keine größere Aufgabe. Die episodenhafte Handlung konzentriert sich ganz auf Prete.

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Der Film zerfällt in drei Teile. Im ersten Teil, wird, wie oben geschrieben, mit Elementen aus „Steiner“ und „Die durch die Hölle gehen“ gespielt und dient vor allem dazu den kernigen Maggio, sowie den Karrieresoldaten Harlow und ihren gemeinsamen Konflikt einzuführen. Der zweite Teil, in dem Maggio mit seinen Männer einen erfolgreichen Einsatz absolvieren, ist für die Handlung eigentlich irrelevant, aber man konnte hier wunderbar die ganzen Explosionen und Helikoptereinsätze aus „Jäger der Apokalypse“ einbauen. Der dritte und längste Teil behandelt dann Maggios Flucht und seine Begegnung mit dem Vietcong. Interessanterweise wird gerade hier der durchaus kriegskritische Ton, der in den beiden ersten Teilen vor allem durch die von Pigozzi gespielte Figur des Journalisten immer wieder aufgenommen wird, ad absurdum geführt. Wenn Petre auf Nordvietnamesen stößt, gehören diese natürlich alle zum Vietcong, und dessen Mitglieder erweisen sich als sadistische, menschenverachtende Monster, denen es eine pures Vergnügen ist, Maggio zu foltern. Man kann so leicht den Eindruck bekommen, die USA würden gegen diese Ausgeburten des Bösen einen gerechten Krieg führen.

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Was man Antonio Margheriti wieder einmal anrechnen muss, ist dass er mit minimalen Mitteln einen sehr temporeichen und kurzweiligen Actionfilm gezimmert hat, der zwar hinter seinen anderen Kriegsfilmen aus dieser Zeit etwas hinterherhinkt, aber trotzdem gut unterhält, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Margheriti war in vielen Genres unterwegs. Mitte der 60er drehte er eine Reihe Science-Fiction-Filme, als dieses Genre in Italien so gut wie nicht existent war. Er drehte Gothic Horror, ebenso wie Italo-Western. Eine seiner Spezialitäten war es, kunstvoll gefertigte Miniaturen eindrucksvoll in die Luft zu jagen, was man insbesondere in seinen Kriegs- und Söldnerfilmen aus den 80er Jahren exzessiv bewundern kann. Margheriti gelang es seine Filme auf einem durchgehend hohen handwerklichen Niveau zu halten. Was auch der sehr günstig hergestellte „Im Wendekreis des Söldners“ beweist.

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Sieht man davon ab, dass „Im Wendekreis des Söldners“ seine vorgeblichen Antikriegsbotschaft selber untergräbt, ist Antonio Margheriti ein kurzweiliger und temporeicher Genrebeitrag gelungen, der zwar nicht in der ersten Liga spielt, aber als preisgünstiger B-Actionfilm recht gut funktioniert.

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Wie auch schon andere „Söldner-Filme“ aus dem Ascot-Elite-Archiv, ist „Im Wendekreis des Söldners“ in der Reihe „Cinema Treasures“ neu und erstmals ungekürzt herausgekommen. Wie so oft, wurde dabei der DVD auf Extras verzichtet. Auf der Blu-ray, ist allerdings noch die knapp einstündige Dokumentation „The Outsider – The Cinema Of Antonio Margheriti‘enthalten, die – wie man hört-  sehr gelungen sein soll. Das Bild der DVD für das Alter des Filmes okay. Die recycelten Szenen sind recht einfach daran zu erkennen, dass dort ein dünner Laufstreifen zu sehen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor.

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