DVD-Rezension: “Ein Sarg aus Hongkong”

Sarg aus HongkongAls der Privatdetektiv Nelson Ryan (Heinz Drache) eines Abends nach Hause kommt, wartet dort eine unangenehme Überraschung in Form einer attraktiven, aber toten asiatischen Frau auf ihn. Schon bald taucht der Schwiegervater der Dame mitsamt Sekretärin auf und bittet Ryan, die mysteriösen Umstände des Todes seines Sohnes zu untersuchen. Ryan sagt zu und macht sich mit seinem Kumpel Bob Tooly (Ralf Wolter) auf den Weg nach Hongkong, wo der Verstorbene zuletzt gelebt hat. Dort geraten beide prompt in tödliche Gefahr…

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Ein Sarg aus Hongkong“ ist eine Co-Produktion zwischen Erwin C. Dietrich und Wolf C. Hartwig. Dies ist von daher bemerkenswert, als die beiden nur wenige Jahre später die größten Konkurrenten auf dem sich explosionsartig entwickelnden Sexfilm-Markt werden sollten. Erwin C. Dietrich mit Filmen wie „Mädchen, die am Wege liegen“ oder „Blutjunge Verführerinnen“, Hartwig mit seinen Report-Filmen, die 1970 mit dem „Schulmädchen-Report“ begannen. In „Die Stewardessen“ hat Dietrich auch einen schönen Seitenhieb auf den Kollegen eingebaut (siehe in der Besprechung des Filmes hier). Ursprünglich sollte Dietrich den Film für die Constantin allein produzieren, kam aber vor Ort in Hongkong mit der Crew des Filmes gar nicht zurecht und wurde dann gegen Hartwig ausgetauscht, der bereits vorher mit dem Regisseur Manfred R. Köhler zusammengearbeitet hatte. Allerdings war Köhler zuvor nur als Syncho-Regisseur und Drehbuchautor aufgefallen. Und sieht man sein Regiedebüt „Ein Sarg aus Hongkong“, merkt man leider deutlich, dass der Regiestuhl nicht unbedingt das passenden Mobiliar für ihn war.

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Mit „Ein Sarg aus Hongkong“ versuchten die Macher gleich zwei populäre Wellen des deutschen Unterhaltungskinos der frühen 60er abzugreifen. Einmal natürlich die zu diesem Zeitpunkt immens erfolgreichen Edgar-Wallace-Filme und andererseits die Abenteuer- und Spionagefilme, die im exotischen Asien – gerne auch in Hongkong – spielten. Gerade Wolf C. Hartwig hatte bereits eine ganze Reihe dieser „Asien-Reißer“ erstellt, wie „Heißer Hafen Hongkong“, „Weiße Fracht für Hongkong“ oder „Die Diamantenhölle am Mekong“. Wie bei den Wallace-Filmen wurde auch bei „Ein Sarg aus Hongkong“ ein populärer Autor prominent auf dem Filmplakat erwähnt. In diesem Falle James Hadley Chase, ein britischer Autor, der es auf fast 100 Romane brachte. Hauptdarsteller Heinz Drache ist der offensichtlichste Bezug zur Wallace-Reihe. Hatte er doch dort bereits die Hauptrolle in „Das indische Tuch“ und „Der Hexer“ gespielt. In „Ein Sarg als Hongkong“ ist er allerdings ein Schwachpunkt. Vielleicht liegt es nur an einer unvorteilhaften Ausleuchtung, aber er wirkt hier wächsern und aufgequollen. So gar nicht der smarte und fesche Hans Dampf, wie ihn das Drehbuch vorgibt. Hinzu kommt, dass Drache als Nelson Ryan nicht gerade sympathisch wirkt. Eher arrogant und ein Tick zu selbstverliebt.

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Erstaunlich – oder in Hinblick auf die beiden Produzenten vielleicht auch gerade nicht – ist der für 1964 recht offene Umgang mit Sex und Prostitution. Während in den Wallace-Filmen die Prostituierten erst einmal als Bar-Damen bezeichnet werden, ist hier völlig klar, dass sie Sex gegen Geld anbieten. Höhepunkt dürfte eine Speisekarte sein, aus der die Herren die passende Dame auswählen können. Aber der Film spielt ja auch in Hongkong und nicht in London, und dort ist alles etwas exotischer, bedrohlicher und „unzivilisierter“. Denn wie so oft, werden auch hier wieder alle rassistischen Klischees vom verschlagenen Asiaten und seinen „merkwürdigen“ Gebräuchen hervorgeholt, denen die überlegenen und „zivilisierten“ Westeuropäer gegenüberstehen. So stellte man sich in Deutschland eben den unbekannten – und damit auch ein wenig bedrohlichen – asiatischen Raum vor und dies wurde dann auch – illustriert von bunten Urlaubsbildern – bedient. Mit dem netten Nebeneffekt, dass man auch die sittlichen Grenzen etwas verschieben konnte.

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Manfred R. Köhler hat zu „Ein Sarg in Hongkong“ auch das Drehbuch geschrieben. Leider ist dieses ebenso unbefriedigend, wie seine Inszenierung. Für das Drehbuch wurde viele mittlerweile aus den Wallace-Filmen und ihren Epigonen bekannte Situationen variiert. Der maskierte Bösewicht, der lustige Sidekick des coolen Helden, die exotischen Tötungsmethoden. Dazwischen gelingt es Köhler aber nicht, eine halbwegs spannende Handlung zu bauen. Vielmehr springt diese recht unmotiviert von einem Ort zu anderen, und schert sich dabei nur wenig um einen gelungenen Spannungsbogen. Die Londoner Geschichte mit der Leiche in Ryans Wohnung wird nicht wieder aufgegriffen und alle dort auftauchenden Figuren verschwinden auf Nimmerwiedersehen aus der Handlung. Noch schlimmer: Die Auflösung der Londoner Episode wird am Ende recht lustlos und vollkommen unfilmisch erzählt, aber nicht gezeigt. Ähnlich sieht es mit der Lee-Lai-Episode aus. Nachdem Lee Lai – die immerhin als „love interest“ des Helden aufgebaut wird – verschwunden ist, gibt es auf einmal ein riesiges Loch in der Geschichte, welches weder gefüllt und erklärt wird. Plötzlich fährt Ryan mit Stella durch die Gegend, ohne dass darauf Bezug genommen wird, wie sie sich kennengelernt haben. Die Szene, in der sie ihn auf einen Berg lockt, wo zwei Killer auf ihn warten, ist auch ebenso sinnlos und überflüssig. Da sie zwar etwas Action zeigt, aber keinerlei Konsequenzen für die Handlung hat.

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Immerhin ist der Film tatsächlich vor Ort gedreht worden, was durch schöne authentische Bilder aus dem Hongkong der frühen 60er Jahre belegt wird, in denen sich die deutschen Hauptdarsteller tummeln dürfen. Neben diesen Schauwerten hat der Film aber leider nicht sonderlich viel zu bieten. Alles wirkt hölzern und wenig enthusiastisch. Als hätten die Beteiligten so gänzlich die Lust an dem Film verloren. Selbst die Musik von Karl Barthel und Fred Strittmatter, die immer wieder mit lauten Fanfaren vermeintliche Höhepunkte unterstreicht, wirkt aufdringlich und wenig einfallsreich. Die Identität des Schurken dürfte der erprobte Krimi-Gucker eh schon erraten haben, bevor die Figur überhaupt das erste Mal auftritt. Da helfen auch Ralf Wolters müde Sprüche nicht mehr weiter. Immerhin bieten die attraktiven Damen – allen voran Elga Andersen – und der fesche Pierre Richard dem männlichen, wie weiblichen Zuschauer etwas für’s Auge. Und die Filmnerds können neben dem deutliche gealterten Willy Birgel, noch den Namen Walter Boos in den Credits entdecken, der hier für den Schnitt verantwortlich war und in den 70ern dann für Wolf C. Hartwig einig Schulmädchen-Episoden, sowie später auch die deutschen „Exzorzist“-Variante  „Magdalena, vom Teufel besessen“  inszenierte.

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„Ein Sarg aus Hongkong“ ist leider eine Edgar-Wallace-Rip-Off der schnarchigen Art, welches zu gleichen Teilen unter einem formelhaften, wenige aufregenden und vor allem lückenhaftem Drehbuch, wie einer uninspiriert-hölzernen Regie leidet. Schade, besonders wenn man bedenkt, dass die beiden legendären Produzenten des Filmes auch für ganz andere, aufregendere Filme verantwortlich waren.

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Das Bild der Ascot-Elite-DVD, die im Rahmen der „Cinema Treasures“-Reihe herausgekommen ist, kann man als guten Durchschnitt bezeichnen. Hier und dort macht sich ein leichter Hauch Rotstich bemerkbar, der aber nicht weiter auffällt. Ansonsten ist das Bild recht klar und farbintensiv. Extras gibt es – bis auf eine Bildergalerie – keine, dafür liegt der DVD ein hübscher Mini-Nachdruck des damaligen Programmheftes bei. Eine wirklich schöne und charmante Idee. Bei „Filmjuwelen“ ist der Film ebenfalls kürzlich erschienen. Angeblich in einer 7 Minuten längeren Fassung. Aber ob diese den Film noch raus reißen oder noch zäher machen, ist mir nicht bekannt.

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Originalfassungen in Bremen: 20.11.14 – 26.11.14

Diesmal ist es etwas ruhiger als in den Vorwochen. Auch fehlen – bis auf den dritten Teil der „Tribute von Panem“ – die großen Blockbuster. Vielleicht eine gute Gelegenheit, sich auch mal im Programm- und Kommunalkino umzusehen. Dort gibt es z.B. den neuen Film von John Michael McDonagh und einen Leckerbissen für alle Bollywood-Fans.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:30 & CineStar, So., 23.11. um 20:00 – Da man mit zwei Filmen mehr Geld macht als mit einem, wurde der letzte Roman der Panem-Trilogie nun kurzerhand auf zwei Filme aufgeteilt.

Interstellar – Cinemaxx, Fr., So. und Di. immer 19:40 – Der neue Film von Christopher Nolan wird so ziemlich überall abgefeiert. Auf der Suche nach alternativen Lebensräumen wird ein Raumschiff in den Weltraum geschickt. Mit Matthew McConaughey und Anna Hathaway.

Birlesen Gönüller – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 17:00 und 22:45 – Türkisches Drama um ein nordkaukasischen Türkenpaar, welches sich in den Schrecken des 2. Weltkrieges verliert.

Deliha – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:30 – Türkische Komödie um eine chaotische junge Frau auf der Suche nach der großen Liebe.

Am Sonntag bist du tot – Schauburg, So., 23.11. um 19:00 – Der zweite Spielfilm von John Michael McDonagh nach „The Guard“. Wieder mit dem Brendan Gleeson in der Hauptrolle. Dieser spielt den irischen Pater James, dem im Beichtstuhl seine Ermordung angekündigt wird.

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20.000 Days on Earth – Schauburg, Mi., 26.11. um 21:30 – Verspielte Doku, die Nick Cave an seinem 20.000sten Tag auf Erden begleitet.

Das Verschwinden der Elenor Rigby – Schauburg, Mo., 24.11. um 12:00 & Atlantis, So., 23.11. um 20:00 – Drama mit Jessica Chastain und James McAvoy um das Auseinanderbrechen einer Ehe und dem, was danach folgt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Ehemannes und der Ehefrau. In weiteren Rollen: Isabelle Huppert und William Hurt.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=7AhTkFc-XCM[/youtube]

Ageroland – City 46, Do., 20.11. um 20:00 – Italienischer Dokumentarfilm über ein Tabakwarengeschäft in Agerola, einem kleinen Dorf bei Neapel.

Die Kraft der Schwachen – City 46, Mi., 26.11. um 20:00 – Dokumentarfilm um einen körperlich schwer behinderten Jungen aus Kuba, der zu einem politischen Kämpfer reift. Gäste: Regisseur Tobias Kriele und Protagonist Jorge Jérez

Happy New Year – City 46, Mo. und Di. jeweils um 20:00 – Einer neuer Bollywood-Film mit Shah Rukh Khan. Inszeniert von der großartigen Bollywood-Regisseurin und -Choreographin Farah Khan. Um einen spektakulären Raub zu begehen, muss eine Gaunerbande einen Tanzwettbewerb gewinnen.

Sturmland – City 46, Fr. 21.11. um 20:30 – Ungarischer Queerfilm um einen jungen Fußballspieler, der in sein kleines Dorf zurückkehrt und sich dort in einen anderen Mann verliebt.

Tour du Faso – City 46, Do. und Mo. um 20:30 und Sa. um 18:00 – Dokumentarfilm über Afrikas größtes Radrennen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 24.11. um 19:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 24.11. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 26.11. um 21:00

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Das Bloggen der Anderen (17-11-14)

bartonfink_type2– Hofbauer, Hofbauer, Hofbauer. Bei vielen der von mir beobachteten Blogs ist der 1. Auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer Kommando in Frankfurt/Main vom 07. bis 09.11.2014 das Thema Nr. 1. Leider konnte ich aus familiären Gründen auch dieses Mal nicht teilnehmen (was sich aber ja sicherlich irgendwann ändern wird – und hoffentlich nicht erst, wenn ich den Nachwuchs gleich mitbringen kann). Dafür waren aber Andere dort, die fleißig berichten. Wie z.B. Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide, der über einen Film mit dem gar reißerischen Titel „Tanja – die Nackte von der Teufelsinsel“ und einen Schlagerfilm des Namenspatrons, Ernst Hofbauer, „Tausend Takte Übermut“ berichtet.

– Und auch Oliver Nöding waren anwesend und schreibt auf Remember It For Later ausführlich über Otto Retzers „Babystrich im Sperrbezirk“; den dänischen „Nordische Nächte – Verschwiegene Parties“ von Poul Nyrups , dem Nicholas Winding Refn seinen dritten „Pusher“-Film widmete; „Sünde mit Rabatt“ von Rudolf Lobowski; dem ziemlich schmierig betitelten „Pornospiele mit Stock und Peitsche“ von Joe Sarno; ebenfalls „Tanja – Die Nackte von der Teufelsinsel“, sowie dem Kultfilm der Hofbauers „Herzromanze“ von Jürgen Enz (den ich noch immer nicht gesehen habe).

– Ich weiß nicht, ob Sebastian in Frankfurt dabei war oder dies nur ein passender Zufall ist, aber in Das Magazin des Glücks befasst er sich mit gleich drei Ernst-Hofbauer-Filmen.

– Auf Zeilenkino findet man den 2. Teil mit Kurzkritiken zu den Filmen, die auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck liefen.

– Ebenfalls mit dem 2. Teil wurde das Essay „Der neue Kannibalismus in Kino und TV | Eine Annäherung.“ von LZ auf screen/read fortgesetzt. Ferner wird der Film „Coherence“ besprochen, der Dank des rührigen Filmverleihs Drop-Out und dem vorzüglichen Label Bildstörung demnächst auch in einigen ausgewählten Kinos zu sehen ist.

– Mauritia Mayer hat für uns Helmut Bergers Autobiographie „Ich“ gelesen und ihre Gedanken dazu auf Schattenlichter niedergeschrieben.

– Udo Rotenberg war auch anwesend, als wir mit dem 5. Öffentlichen Forentreffen von Deliria-Italiano.de in Nürnberg zu Gast waren. Auf L’amore in città schreibt er über unseren Abschlussfilm „Geisterstadt der Zombies“.

– Sascha Nolte bespricht auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte einen japanischen Gangsterfilm von Seijun Suzuki; „Branded to kill“. Ein irgendwie höchst merkwürdiger Film, der mich einst bei einer TV-Sichtung tief beeindruckt hat. Sascha erging es scheinbar ähnlich.

Nicht ganz so enthusiastisch, aber immerhin positiv hat Oliver Armknecht „Branded to kill“ auf film-rezensionen.de aufgenommen. Desweiteren empfiehlt er den Anime „Mind Game“ und Oliver Frost ist vom neuen Werk des „Amer“-Gespanns Hélène Cattet & Bruno Forzani, „Der Tod weint rote Tränen“ sehr angetan.

– Zum Anschauen ist es leider zu spät, aber trotzdem sei darauf hingewiesen, dass man auf B-Roll in der neuen Rubrik Doc Blog einige Dokumentarfilme vom CPH-DOX-Festival in Kopenhagen ansehen konnte. Am 21.11. soll es aber Nachschub geben. Ferner gibt es ein Interview mit dem Belgier Geoffrey Enthoven, der beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg mit dem „New Master of Cinema“-Award ausgezeichnet wurde. Und Lucas Barwenczik porträtiert das Wunderkind und neuen Darling der Filmkritik Xavier Dolan.

– Apropos Mannheim-Heidelberg. Auf critic.de geht Frédéric Jaeger mit diesem Filmfestival sehr hart ins Gericht.

– Sehr viel Gutes hörte ich schon über den deutschen Psycho-Horror-Thriller „Ich seh, ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala der gerade auch auf dem Filmfest in Braunschweig lief. Theodor Frisorger reiht sich auf Daumenkino in die Menge der Begeisterten ein. Nicht ganz so begeistert war Miriam Eck von dem Film „Brazilian Western“. Sie schreibt: „Eben weil die Figuren so unnahbar bleiben, ist die Zurschaustellung der Folter so fehl am Platze. Der Zuschauer ist Schaulustiger aber nicht betroffen. Höchstens Ekel aber keine Tragik entsteht.“

– Patrick Holzapfel leitet auf Jugend ohne Film seine Besprechung des Filmes „Al doilea joc“ von Corneliu Porumboiu wie folgt ein: „Wenn einer der besten Filme des Kinojahres ohne Kameramann und Drehbuchautor entsteht, dann sollte man darüber nachdenken.“ Danach macht er sich anhand einiger Filmbeispiele lesenswerte Gedanken über Techniken, das Vergehen der Zeit zu filmen.

– Auf Negativ kann man ein schönes Interview mit dem höchst sympathischen Till Kleinert über seinen sehenswerten Film „Der Samurai“ lesen. Außerdem berichtet Amos Borchert über das Dokumentarfilm-Festival in Leipzig.

– Ein ebenso merkwürdiger, wie sehenswerter und fordernder Film scheint „Masked and Anonymous“ von Larry Charles zu sein, der mit ungewöhnlich großem Staraufgebot ein Drehbuch von Bob Dylan (der selber die Hauptrolle spielt) umsetzt. Sven Safarow legt ihn uns auf Safarow schreibt ans Herz.

– Sir Donnerbold macht sich auf SDB-Film Gedanken über die Vorverurteilung von Filmen.

– Was James Bond angeht bin ich zwar seit klein auf ein großer Fan, allerdings etwas langweilig. Ich halte weiterhin Sean Connery für den besten Bond und „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ ist mein Lieblings-Bond-Film. Totalschaden von Splattertrash mag den auch.

– Recht häufig stimme ich ja mit Schlombies Filmbesprechungen nicht ganz überein. Bei „Die Tollwütigen“ alias „I Drink Your Blood“ sind wir uns aber ziemlich einig.

– Ich bin schon recht gespannt auf die DVD von „The Young Ones“, die hier hoffentlich auch bald eintrudelt. Bis dahin hält die Kritik von quadzar auf filmosophie das Interesse weiterhin am Köcheln.

– Und auf Wiederaufführung gibt es das Neuste von den Filmpodcasts.

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Blu-ray-Rezension: “Graceland”

graceland bluMarlon Villar (Arnold Reyes) arbeitet als Fahrer für den korrupten Politiker Changho (Menggie Cobarrubias), der eine ungesunde Schwäche für minderjährige Mädchen hat. Als diese an die Öffentlichkeit dringt, verdächtigt Changho Marlon geplaudert zu haben und entlässt ihn nach vielen Jahren treuer Dienste. Als letzte Amtshandlung holt Marlon noch Changhos Tochter Sophia (Patricia Gayod) und seine eigene Tochter Elvie (Ella Guevara) von der Schule ab. Da passiert die Katastrophe: Marlon gerät in eine Entführung. Sophia wird erschossen und Elvie an ihrer Stelle gekidnappt. Verzweifelt versucht Marlon Sophias Tod zu vertuschen, um die Lösegeldzahlung für Elvie zu sichern. Dabei gerät er schnell ins Visier der Ermittler, die ihn für einen Mittäter halten…

Mit „Graceland“ hat der auf den Philippinen geborene, aber in New York lebende Regisseur Ron Morales seinen zweiten Langfilm abgeliefert. Wie sein Erstling „Santa Mesa“ von 2008 spielt auch dieser wieder auf ARNOLD-DUMPden Philippinen. Morales hat ein scharfes Gespür für die Missstände in seinem Geburtsland und nimmt auch kein Blatt vor den Mund, was die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen dort angeht. Zwar erreicht er nicht die radikale Wut, die sein Landsmann Khvan in seinem Wutschrei „Mondomanila“ auszudrücken vermochte, doch Morales‘ Blick ist eine ebenso pessimistischer. Keine seiner Figuren taugt zur Identifikation Auch der „Held“ Marlon Villar nicht. Zwar fiebert man anfangs mit ihm mit und erfährt fast schon körperlich sein Verzweiflung, doch auch er ist ein Täter. Denn bei den perversen Taten seines Vorgesetzten schaute er nicht nur weg, sondern war auch direkt daran beteiligt, auch wenn er nicht selber die jungen Mädchen schändet. Doch er sorgte dafür, dass die „Ware“ an den richtigen Ort kommt und dann von dort auch wieder verschwindet. Möglicherweise hat er auch einmal geholfen, eine Leiche verschwinden zu lassen. Marlon mag also ein guter Vater und treusorgender Ehemann sein, doch moralisch hat er sich seinem Umfeld angepasst.

ARNOLD_MENGGIE_GRACELAND_OVERPASS_NIGHT„Graceland“ macht keine Gefangenen. Gleich zu Beginn wird auf das Elend der minderjährigen Mädchen, die Freiwild für reiche Pädophile sind, aufmerksam gemacht. Dabei scheut sich Ron Morales auch nicht, die Opfer nach dem perversen Akt auch nackt zu zeigen (Ron Morales nutzt hier ein Body-Double, was der Szene aber nichts von ihrer verstörenden Wirkung nimmt). Menschenleben zählen in dieser Vorhölle namens Manila nichts. Selbst unschuldige Kinder werden ohne mit den Augen zu zwinkern kaltblütig erschossen. Nach Szenen wie diese muss man erst einmal erst tief durchatmen. Wer immer bei der FSK für eine Freigabe dieses Films „ab 12 Jahren“ zuständig war, muss sehr tief geschlafen haben. Neben oben angeführten Szenen, werden auch die (echten) Kinderbordelle Manilas gezeigt, korrupte Polizisten prügeln auf Verdächtige ein und auch Organhandel wird am Rande thematisiert. Dies alles zwar relativ unblutig, doch die physische und psychische Gewalt in dieser menschenverachtenden Umgebung frisst sich tief ins Bewusstsein. Das ist definitiv kein Stoff, aus dem Kinderträume sein sollten.

INT-ROOMGerade in der ersten Hälfte erzählt Ron Morales eine aufwühlende und sehr gradlinige Geschichte, in der er die Ausweglosigkeit der Situation für den Zuschauer greifbar macht. Man kann Marlons Angst und Verzweiflung beinahe schmecken. Wozu auch der junge Arnold Reyes, der den Marlon spielt, schauspielerisch einen großen Teil beiträgt. Er bleibt jederzeit glaubhaft und überträgt seine Gefühle so intensiv auf den Zuschauer, dass dieser sich bald selber in einem ausweglosen Netz aus Lügen gefangen glaubt. Umso bedauerlicher ist es, dass Ron Morales in seine zuvor simpel, aber ausgesprochen effektiv erzählten Geschichte, gerade in der zweiten Hälfte einige Tricks und überraschende Plotwendungen einbaut, die zwar die Handlung noch ambivalenter machen, dem Film aber insgesamt auch einiges von seiner rohen, unmittelbaren Kraft einbüßen lassen. Insbesondere die Entscheidung aus dem Entführer letztendlich auch „nur“ ein Opfer zu machen, ihm also ein Motiv für seine schreckliche Tat und somit etwas Menschliches, „Gerechtes“, statt nur egoistischer Geldgier, unterzuschieben, ist etwas unglücklich. Denn es erlaubt es dem Zuschauer, sich des Griffes des Filmes zu entziehen. Die Ursache der Gewalt wird „vermenschlicht“ und damit relativiert.

RIVERTrotz dieser Kritikpunkte ist Ron Morales ein intensiver, packender Film gelungen, der unter die Haut geht. In vielen Kritiken wird auf die Ähnlichkeit mit den Filmen „Sympathy for Mr. Vengeance“ und Akira Kurosawas „Zwischen Himmel und Hölle“ hingewiesen. Dies mag stimmen, und im Falle Kurosawa hat Morales diesen auch als Inspiration für seinen Film genannt, doch Morales formt daraus etwas ganz Eigenständiges. Etwas sehr „Philippinisches“. Und so nimmt die Hauptstadt Manila in diesem Film beinahe die Rolle eines eigenständigen Charakters an. Morales zeigt die dunklen, hässlichen Seiten. Die von Armut geprägten Viertel der Stadt, die gigantische Müllkippe, die heruntergekommenen Straßen, das Krankenhaus, welches eher an ein Gefängnis erinnert, die Bordelle. Selbst das Büro eines mächtigen Mannes wie Changho sieht recht erbärmlich aus und auch seine Prunkvilla wirkt kalt, ungemütlich und irgendwie ärmlich. Dies mag dem mickrigen Budget geschuldet sein, fügt sich aber nahtlos ins Bild, welches der Film von Manila zeichnet.

LEON_GRACELAND_INT_DAYAm Ende scheint es dann doch fast so etwas wie ein Funken Hoffnung zu eben. Doch es spricht für Ron Morales, dass er hier nicht den einfachen Weg geht und den Zuschauer auf einer positiven Note entlässt. Sondern dass er auch dies vage hält und sich die Waage des Schicksals durchaus in die eine oder andere Richtung senken kann. Auf der Blu-ray befindet sich noch ein alternatives Ende, welches allerdings ebenso ausgelutscht, wie vorhersehbar ist. Mit dem nun gewählten Schlusspunkt hat Morales nicht nur den richtigen Ton getroffen, sondern er gibt dem Film noch eine weitere – für den, der zwischendrin gut aufgepasst hat – beängstigende Ebene.

In seinem zweiten Spielfilm „Graceland“ zeichnet Ron Morales ein deprimierend-freudloses Bild seines Geburtslandes, den Philippinen. Neben der realistischen Beschreibung einer bis ins Mark korrupten und menschenverachtenden Gesellschaft, in der die Reichen sich alles erlauben können und die Armen zu Handlangern ihrer Verbrechen werden, erzählt Morales auch eine spannende Thriller-Geschichte, die zwar in der zweiten Hälfte durch einige plötzliche Wendungen etwas an Durchschlagskraft einbüßt, den Zuschauer aber bis zum Ende nicht mehr loslässt.

„Graceland“ ist erst die sechste Veröffentlichung des jungen Bremer Labels OFDb Filmworks. Und wie bei den bisherigen Titeln, haben die Macher wie ein gutes Händchen für einen interessanten Film bewiesen. Auch technisch ist nichts an der Blu-ray auszusetzen. Zwar wirkt das Bild etwas blass, doch dies ist eine künstlerische Entscheidung, um die von Armut und Verfall geprägte Umgebung visuell zu entsprechen. Der Ton liegt auf Deutsch und Tagalog mit ausblendbaren, deuuschen Untertiteln vor. Als Bonus gibt es ein Making-Of, welches vor allen Dingen aus Interviews mit dem Regisseur, seinem Kameramann und den beiden amerikanischen Produzenten besteht. Hier wird leider nur auf die schwierigen und zum Teil abenteuerlichen Drehbedingungen und dem täglichen Kampf mit dem geringen Budget eingegangen. Hier hätte ich lieber etwas über die Hintergründe des Filmes und die Beweggründe, gerade dieses Thema so zu verfilmen erfahren. Doch dies bleibt leider außen vor. Möglicherweise wird darauf aber im Audiokommentar (den ich bisher aus zeitlichen Gründen nicht anhören konnte) eingegangen, den Regisseur/Drehbuchautor Ron Morales, die Produzenten Rebecca Lundgren und Sam Rider, Kameramann Sung Rae Cho und Gaffer Blaise Miller bestreiten. Ferner gibt es noch einen Audio-Kurzkommentar mit Sound Mixer Nikola Chapelle und eine Handvoll entfernter Szenen, die dem Film aber auch nichts weiter hinzufügen. Das alternative Ende ist wie oben erwähnt, enttäuschend und dem letztendlich genommenen Ende weit unterlegen.

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DVD-Rezension: „Robot Jox“

Robotjox50 Jahre nach dem 3. Weltkrieg, der die Erde verheerend zerstört hat, sind Kriege verboten. Stattdessen kämpfen stellvertretend die besten „Jox“ der beiden Weltmächte „Market“ und „Konföderation“ in gigantischen Robotern um die Herrschaft in den verbliebenen Ländern der Welt. Der beste Jox des „Market“ ist Achilles (Gary Graham), der bereits 9 seiner vertraglich geforderten 10 Kämpfe gewonnen hat. Er muss gegen den sadistischen Alexander (Paul Koslo) von der „Konföderation“ antreten. Beim Duell der Beiden kommt es zu einer Katastrophe. Durch einen unfaireren Angriff Alexanders kommen hunderte Zuschauer zu Tode. Der Kampf wird als Unentschieden gewertet. Voller Gewissensbisse lehnt Achilles eine Wiederholung ab, wodurch die junge Athena (Anne-Marie Johnson), die als In-Vitro-Kämpferin nur für diesen Zweck gezüchtet wurde, ihre Chance wittert als erster weiblicher Jox anzutreten…

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Robot Jox“ ging bereits 1986, auf dem Höhepunkt der damals grassierenden „Transformers„-Hysterie (die TV-Animationsserie und die Spielzeuge waren damals DER Renner in us-amerikanischen Kinderstuben) in die Planung. Stuart Gordon hatte die Idee, aus der Animationsserie einen Live-Action-Film zu machen und trat damit an Charles Bands Empire-Studio heran, die Gordons erste Erfolge produziert hatten. Diesem war das Projekt zunächst zu teuer, ließ aber von einige Stop-Motion-Sequenzen, die Gordon als Demo erstellt hatte, doch überzeugen mit 7 Millionen US-Dollar das höchste Budget für eine „Empire“-Produktion überhaupt. Der preisgekrönte SF-Autor Joe Haldemann wurde engagiert zusammen mit Gordon das Drehbuch zu schreiben, aber bald schon knallte es zwischen den beiden, da man sich über die Ausrichtung des Filmes nicht einige wurde. Haldemann plante einen „Erwachsenenfilm, den auch Kinder schauen können“, während Gordon in Richtung Kinderfilm, der auch für Erwachsene unterhaltsam ist, einschlagen wollte. Neben diesen Spannungen waren auch die Dreharbeiten von unvorhergesehenen Schwierigkeiten geplagt. Nachdem der größte Teil des Filmes in Italien abgedreht war, sollten die Szenen mit den Robotern in San Bernardino gedreht werden, so allerdings Sandstürme und Fluten die Kulissen zerstörten. Am Ende betrug das Budget dann 10 Millionen US-Dollar, die man dem Film allerdings zu keiner Sekunde ansieht.

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Als der Film endlich fertiggestellt war, ging „Empire“ in den Bankrott und „Robot Jox“ bliebt zunächst einmal im Regal liegen. Erst Ende 1990 kam er dann in die Kinos. Von den „Transformers“ wollte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr etwas wissen und auch der alte „Kalte Krieg“-Konflikt, mit dem „Robot Jox“ offensiv spielt, war mittlerweile Geschichte. Und so wollte dann auch niemand mehr „Robot Jox“ sehen. Ob der Film allerdings drei Jahre vorher ein größeres Publikum gefunden hätte, bleibt Spekulation. Das Hauptspektakel des Filmes sind die Roboter-Kämpfe, doch diese kommen etwas zu kurz. Nur zwei Kämpfe gibt es zu bestaunen, wovon der erste schon recht schnell vorbei ist. Gedreht wurden die Duelle vorwiegend in Stop-Motion. Aber auch eine Marionette mit deutlich erkennbaren Fäden) kommt zum Einsatz. Obwohl man den Spielzeugcharakter der Maschinen nicht verleugnen kann, hat dies doch weitaus mehr Charme als seelenlose CGI. Zudem hat man bei den Robotern eine Menge Kreativität bewiesen. So klappt der russischen Kampfmaschine auch schon mal eine Kreissäge aus dem Gemächte. Gerne hätte man davon noch mehr gesehen, doch den größten Teil der Zeit muss an sich damit begnügen, die seelischen Konflikte des Helden mitzuerleben oder einer halbgaren Spionage-Geschichte zu folgen.

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Wie eingangs bereits geschrieben, scheint der größte Teil des Budgets irgendwo versickert zu sein. Massenszenen werden durch eine Ansammlung von maximal 20 Personen gedoubelt und in der Zentrale der vereinten westlichen Welt arbeiten ebenfalls nur eine überschaubare Anzahl Personen. Leider keine besonders interessanten. Die Geschichte um die Gruppe In-Vitro-Kämpfern z.B. ist nicht besonders packend, was auch daran liegt, dass der Konflikt zwischen Athena und ihrem Konkurrenten um Achilles Nachfolge ebenso klischeehaft, wie vorhersehbar ist. Ein wandelndes Klischee ist auch unser Held Achilles, der von Gary Graham seltsam lustlos gespielt wird. Demgegenüber geben die Herren Paul Koslo als böser Alexander und Michael Alldredge als legendärer Tex Conway umso mehr Gas. Insbesondere um Paul Koslo muss man sich Sorgen machen, dass er vor lauter wildem Augenrollen und hämischen Lachen keinen Herzinfarkt bekommt. Und Michael Alldredge als verfetteter Ex-Star-Jox, der ständig einen Cowoby-Hut trägt und pseudo-coole Macho-Sprüche um sich wirft, kann trotz seines Enthusiasmus, den er in die Rolle einbringt, auch nicht gerade zu den Sympathieträgern gezählt werden. Die eingeflochtene Geschichte um einen Verräter in den Reihen der „Western Market“-Kämpfer baut auch keine übermäßige Spannung auf.

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Aber immerhin ist Stuart Gordon ein versierter Regisseur, der aus dem wenigen, was ihm zur Verfügung steht, einen soliden B-Film zaubert, dem zwar sämtliche Kinoqualitäten abgehen, der sich aber gut in den Regalen der Videotheken macht. Eine effektive Lichtsetzung sorgt für die nötige Stimmung und täuscht über die spärlichen Kulissen hinweg. Die stereotypen Figuren werden angenommen und es wird nicht vorgegaukelt große Kunst abzuliefern. Stuart Gordon sorgt eben für dass, was er von Anfang an im Sinn hatte: Gute Unterhaltung für große Kinder. Wären dort nicht einige kleine Geschmacklosigkeiten (in der US-Fassung mit PG-13-Rating dann auch sorgsam eliminiert wurden), könnte der Film auch im Rahmen einer Vorabendserie laufen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Film mittlerweile eine kleine Fan-Gemeinde hat, die den Film als Haupt-Inspiration für Guillermo del Toros „Pacific Rim“ ansehen.

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Trotz eines klischeebeladenen Drehbuch und altbekannten Stereotypen, bringt Stuart Gordon seinen kleinen B-Film über die von sogenannten Jox gesteuerten, riesigen Robotern gut über die Runden. Von den ausgesprochen charmant und ohne viel Geld animierten Roboter-Kämpfen hätte man allerdings gerne mehr gesehen, statt die Zeit mit den uninteressanten Helden zu vertrödeln.

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Explosive Media hat den Film in einer unspektakulären Ausgabe veröffentlicht. Bild und Ton sind zwar gut, doch irgendwelche Extras sucht man, abgesehen von einer kleinen Bildgalerie, vergeblich. Bezüglich der nur auf Englisch vorliegenden Untertitel bestehen die selben Probleme, wie bei der „Vigilante Force – Das Gesetz sind wir“-DVD. Sie geben nicht immer das Gesprochene wieder und sind teilweise fehlerhaft.

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Freitag: „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ mit Gästen in der Schauburg

Die-Einsamkeit-des-Killers-vor-dem-Schuss_2Am morgigen Freitag, den 14.11., um 18:00 Uhr erwartet die Schauburg prominenten Besuch. Schauspieler Benno Fürmann und Regisseur und Regisseur Florian Mischa Böder haben sich angekündigt, um persönlich ihren neuen Film „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ vorzustellen.

Die  Komödie handelt von einem Killer, der jahrelang auf einen Auftrag gewartet hat – und diesen gerade dann bekommt, als er ein Date hat.

Koralnik ist Profikiller im offiziellen Auftrag der Europäischen Union. Eisern lebt er seinen Alltag streng nach den ihm auferlegten Regeln, zurückgezogen, diszipliniert und allzeit bereit für einen eintreffenden Auftrag. Doch der will einfach nicht kommen. Er wartet seit acht Jahren auf den ersten Job – frustriert und bored out! Bis er sich entschließt, die Tristesse seines Lebens zu durchbrechen. Er lädt die lebenslustige Rosa zu sich zum Essen ein und lässt mit Alkohol und Drogen endlich einmal Fünfe gerade sein. Doch genau an diesem Abend wird er für einen ersten Job aktiviert und muss sich mit Rosa im Schlepptau auf eine Odyssee begeben, bei der alles schief geht, was schief gehen kann. Als sich dann auch noch die Zielperson als einer seiner Kollegen entpuppt, ist Koralniks gesamtes Lebenskonzept endgültig in Frage gestellt.

 

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Originalfassungen in Bremen: 13.11.14 – 19.11.14

Glücklich kann sich schätzen, wer gerne türkische Filme im Original sieht. Neben den regelmäßigen Mainstream-Fimen im Cinemaxx, die auch in dieser Woche wieder gezeigt werden, findet im Kommunalkino auch eine Türkei-Woche statt, in der weniger populäre, aber künstlerisch anspruchsvolle Filme und Dokumentationen gezeigt werden. Blockbuster-Fans freuen sich wahrscheinlich am Meisten auf „Tribute von Panem 3.1.“

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 – Cinemaxx, Mi. 19.11. um 20:30 – Da man mit zwei Filmen mehr Geld macht als mit einem, wurde der letzte Roman der Panem-Trilogie nun kurzerhand auf zwei Filme aufgeteilt.

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Ich darf nicht schlafen – Cinemaxx, Fr. 14.11. um 23:15 – Thriller mit Nicole Kidman und Colin Firth um eine Frau, die nach einem Unfall ihre Gedächtnis verloren hat und jeden Tag auf’s Neue lernen muss, wer sie ist.

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Interstellar – Cinemaxx, Fr.-So., Di. immer 19:30 & CineStar, So., 16.11. um 20:00 – Der neue Film von Christopher Nolan wird so ziemlich überall abgefeiert. Auf der Suche nach alternativen Lebensräumen wird ein Raumschiff in den Weltraum geschickt. Mit Matthew McConaughey und Anna Hathaway.

Birlesen Gönüller – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 21:30 – Türkisches Drama um ein nordkaukasischen Türkenpaar, welches sich in den Schrecken des 2. Weltkrieges verliert.

Deliha – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:30 – Türkische Komödie um eine chaotische junge Frau auf der Suche nach der großen Liebe.

Oflu Hocanin Sifresi – Cinemaxx, So./Mo. Jeweils 22:45 – Türkische Komödie. Der Moderator einer Ratgeber-Sendung mit chaotischem Familienleben versucht sich als Teamleiter eines Fußballclubs.

Ein Schotte macht noch keinen Sommer – Schauburg, Mo., 17.11. um 12:00 & Atlantis, So., 16.11. um 20:00 – Komödie um ein getrennt lebendes Paar, welches zum 75. Geburtstages des schottischen Familienoberhaupts fährt, die Familie aber noch nicht über den neuen Beziehungsstatus informiert hat.

20.000 Days on Earth – Schauburg, Mi., 19.11. um 21:45 – Verspielte Doku, die Nick Cave an seinem 20.000sten Tag auf Erden begleitet.

5 Zimmer Küche Sarg – Schauburg, So., 16.11. um 21:45 – Publikums-Favorit auf der Berlinale und dem Fantasy Filmfest! Neuseeländische Mockumentary über Leben in einer Vampir-WG.

Das Meer – City 46, Do./Mi. um 20:00 und Sa. um 20:45 – Spanisches Drama von Agustí Villaronga. Die Leidensgeschichte zweier Freunde vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkrieges. Jahre später treffen sich schwerkrank wieder.

Geburt eines Sektenpriesters – City 46, Di., 18.11. um 20:30 – Japanische Komödie, die auf einem Roman von Japans bekanntem Comedian Beat Takeshi beruht (unter dem Namen Takeshi Kitano selber einer der größten Regisseur Japans), der darin den religiösen Boom im Japan der 90er Jahr thematisiert. Eintritt frei!

Gözdagi: Gezi’nin 48 saati – City 46, Fr. 14.11. um 20:30 – Türkische Doku über die Proteste in Gezi – den städtischen Parks in Istanbul – im Sommer 2013, bei denen viele Demonstranten ihr Augenlicht verloren.

Beyond – City 46, So.-Di. Immer 20:00 – Doku über die in streng religiöser Askese lebenden Sadhus in Indien, die das weltliche Leben gänzlich aufgegeben. Vorfilm: Riverred.

Takva – Gottesfurcht – City 46, So. um 18:00 und Mi. um 20:30 – Türkischer Film über das einfache Mitglied eines erzkonservativen Ordens, dass eines Tages in der Hierarchie aufsteigt und sich in eine Frau verliebt. Produziert von Fathi Akin.

Kasaba – Die Kleinstadt – City 46, Do. 20:30 und Fr. 18:00 – Türkisches Familiendrama um eine Großfamilie in der Provinz.
The Teacher’s Country – City 46, Mo. Um 20:30 und Di./Mi. Um 18:00 – Doku über Tansania, 50 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes. Dabei begleiten der Film Madaraka Nyerere, den jüngsten Sohn des ersten Präsidenten, auf den Kilimanjaro.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 17.11. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 17.11. um 21:45

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DVD-Rezension: “Vigilante Force – Das Gesetz sind wir“

Vigilant_ForceNachdem eine reich sprudelnde Ölquelle gefunden wurde, wird das Städtchen Elk Hills von den dort arbeitenden Männern tyrannisiert. Um diesem Missstand Abhilfe zu verschaffen, bitten die Stadtoberen den jungen Ben Arnold (Jan-Michael Vincent), seinen Bruder Aaron (Kris Kristofferson) um Hilfe zu bitten. Dieser ist nicht nur als schlagkräftiges Raubein bekannt und gefürchtet, sondern wurde auch in Vietnam ausgezeichnet. Aaron macht sich mit ein paar seiner Vietnam-Kameraden auf nach Elk Hills und räumt tatkräftig unter den Arbeitern auf. Doch bald müssen die braven Bürger von Elk Hills feststellen, dass sie den Bock zum Gärtner gemacht haben…

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Obwohl „Die Gewalt sind wir“ in einer Kleinstadt in den 70er Jahren spielt, ist er doch im Grunde seines Herzens ein klassischer Western. Seine marodierenden Ölfeld-Arbeiter könnten ebenso gut Goldgräber oder Viehtreiber sein, und der Vietnamkrieg, aus dem Aaron als Kriegsheld zurückgekehrt ist, der amerikanische Bürgerkrieg. Und wie im Western, sitzt auch hier jedem Einzelnen der Colt locker. Bereits in der Einführungsszene endet eine Massenschlägerei in einer wilden Schießerei, die mindestens ein Opfer fordert. Später „reiten“ Bankräuber wild um sich schießend in ihrem Auto aus der Stadt. Alles, ohne dass es sichtbare Konsequenzen gäbe. Ein derartig gesetzloses Treiben hat man zuvor höchstens in Wild-West-Städten wie Tombstone oder Dodge City im Film erlebt. Das ganze Szenario ist durch unzählige B-Western ebenso vertraut, wie durch seine Übertragung in die 70er Jahre irritierend. Diese Irritation kommt insbesondere im Finale des Films zum Tragen, wo es dann wieder heißt Mann gegen Mann, Zahn um Zahn, und die eiskalt kalkulierte Selbstjustiz des jungen Helden und seiner Helfer als ganz selbstverständlich abgefeiert wird.

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Direkt aus einem Western kommt auch Kris Kristofferson, der drei Jahre vor „Das Gesetz sind wir“ in Sam Peckinpahs Meisterwerk „Pat Garett jagt Bill the Kid“ die Hauptrolle gespielte hatte, und der hier eine ähnlich charismatischer Outlaw-Figur spielt. Trotz Jan-Michael Vincent – der hier den nominellen Helden spielt – ist Kristofferson der unbestrittene Star. Er dominiert seine Szenen nicht nur mit seinem unverschämt guten Aussehen und einer gehörigen Portion Charisma, sondern strahlt dabei auch eine ungeheure Lässigkeit und verschlagene Gefährlichkeit aus. Kaum betritt er das Bild, gehört die Leinwand ihm. Seine Figur des Aaron Arnold ist dabei zunächst noch recht ambivalent gezeichnet. Voller Komplexe, latenter Paranoia und mit einer eiskalter Skrupellosigkeit. Dabei spielt sein Vietnam-Hintergrund allerdings keine Rolle. Sie dient nur als Begründung dafür, warum der unverbesserliche Troublemaker wieder zurück in seine Heimatstadt geholt wird, und weshalb er sich so gut mit Selbstverteidigung auskennt.

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Aus dieser Vietnam-Geschichte hätte man durchaus mehr machen können. Auch seine Freunde, die er mit nach  Elk Hills mitbringt, kommen nicht über den Status von reinen Statisten heraus. Allerdings überdreht das Drehbuch am Ende etwas, wenn von Aaron zum Ende hin scheinbar alles noch menschliche abzufallen scheint, und er noch nicht einmal mehr Skrupel hat, hilflose Frauen von hinten zu erschießen. Hier wird leider all das zwiespältige, was die Figur des Aaron bis dahin ausgemacht hat, fallen gelassen, um Aaron in ein erbarmungsloses Tier zu verwandeln, welches es scheinbar verdient hat, abgeknallt zu werden. Sicherlich dient dies in erster Linie dazu, die Sympathien des Zuschauers für  den Helden Ben Arnold zu stärken, der gegenüber seinem Bruder bis dahin eher blass blieb und nun dringend ein Motiv braucht, um endlich Rückgrat zu beweisen und sich Aaron zu stellen.

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Trotz seiner Brutalität strahlt „Die Gewalt sind wir“ auch eine gewisse Gediegenheit aus. Was einerseits natürlich an der uralten Geschichte vom guten und vom bösen Bruder (noch so ein klassisches Western-Motiv) liegt, wie auch an der Kulisse. „Mayberry“ diente lange Jahre als Drehort für unzählige B-Western der Firma RKO und in den späten 60er Jahren als Ersatz für fremde Planeten in der beliebten SF-Serie „Raumschiff Enterprise“. „Das Gesetz sind wir“ ist der letzte Film, der vor dieser oft gesehen Kulisse spielte. Zum anderen sind da die Nebendarsteller, die sehr authentisch wirken und kleinstädtische Gemütlichkeit ausstrahlen. Allerdings bleiben sie ebenso sehr im Hintergrund, wie die Schurken.

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Bis auf Ben und Aaron Arnold ist keine der Figuren wirklich ausgezählt. Alle anderen bleiben vage und austauschbar. Eine erwähnenswerte Ausnahme bildet die von Bernadette Peters gespielte Little Dee. Eine ätherische Gestalt, die ihre Gegenüber dadurch irritiert, dass sie behauptet ihn hier oder dort schon einmal getroffen zu haben. Zwar wird auch  Little Dee nicht hinreichend charakterisiert, umgibt sich aber mit einer seltsam-sphärischen Aura. Dass ausgerechnet Bernadette Peters, die in der Folge einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Musical-Stars am Broadway werden sollte, eine völlig untalentierte Sängerin spielt, der jeder rät, den Beruf aufzugeben, ist natürlich eine amüsante Randnotiz. Ungewohnt ist es Victoria Principal, die schöne Pamela Ewing aus „Dallas„, hier als blonde Landfrau zu erleben. Als Barpianist kann kurz den legendären Dick Miller erblicken.

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„Das Gesetz sind wir“ ist ein solider B-Film in der Tradition des klassischen Western. Er wird dominiert von einem charismatischen Kris Kristofferson in der Rolle des skrupellosen Schurken. Neben diesem bleiben alle anderen Figuren etwas blass. Trotz aller Gewalt und einer schwer verdaulichen, reaktionären Sichtweise, zeichnet sich der Film auch durch eine gewisse altmodische Gediegenheit aus.

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Von dem Cover der DVD, welches bis auf das fürchterlich entstellte Gesicht von Jan-Michael Vincent meiner Meinung nach eigentlich recht hübsch geworden ist, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Hier liegt keine minderwertige Billig-Veröffentlichung vor, sondern Explosive Media hat sich recht viel Mühe geben. Zwar ist das Bild nicht durchgängig gut, aber dies liegt am Ausgangsmaterial. Was dadurch offensichtlich wird, dass die Bildqualität sich häufig zwischen Schuss und Gegenschuss ändert. Auch in sehr dunklen Szenen hat das Filmmaterial Probleme. Der Ton geht auch in Ordnung. Merkwürdig sind die Untertitel. Hier sind nur englische Untertitel verfügbar und diese unterscheidenden sich zum Teil sehr von dem, was in der Originalfassung gesprochen wird. Zudem sind sie nicht ganz fehlerfrei. Bis auf eine Bildergalerie gibt es keine weiteren Extras.

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Das Bloggen der Anderen (10-11-14)

bartonfink_type2– Oliver Nöding gibt auf Remember It For Later einen ersten Vorgeschmack auf den Erstern auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer-Kommandos in Frankfurt und berichtet über „Frankfurt Kaiserstraße“ von Roger Fritz und „69 – Sixtynine“ von Jörg Donner.

– Michael Kienzl berichtet auf critic.de weiter von der Viennale, wo er sich dem einer Retrospektive über den 16mm-Film und „Straßen-Filmen“ von Giovanni Bonfanti, Peter Bogdanovich und Pedro Costa gewidmet hat.

– Das Team von Jugend ohne Film hat mit der Viennale abgeschossen und seine Höhepunkte des diesjährigen Festivals kommentiert.

– Harald Mühlbeyer war für screen/shot auf den Hofer Filmtagen und hat dort den deutschen Thriller „„True Love Ways“ von Mathieu Seiler, der ihm mit seinen Trashmomenten ziemlich gut unterhalten hat, und den Serienkiller-Thriller „Cruel“ von Eric Cherrièr, der bei ihm Eindruck hinterlassen hat, gesehen. Fürchterlich geärgert hat er sich über „Der Kuckuck und der Esel“ von Andreas Arnstedt, den er in der Luft zerreißt.

– Wie gerne wäre ich mal wieder bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck. Über das diesjährige Programm berichtet Zeilenkino im Form von Kurzkritiken.

– Sonja Hartl war ebenfalls in Lübeck und hat ihre Filmerlebnisse auf B-Roll ebenfalls zusammengefasst. Rajko Burchardt entmystifiziert die geheimnisumwitterte „Pressevorstellung“.

– Aus Anlass einer Retrospektive der Cinematheque Francaise widmet sich Lukas Foerster auf Dirty Laundry in einer längeren Reihe dem amerikanischen Regisseur Phil Karlson. Den ersten Teil seiner persönlichen Retrospektive findet man hier.

– Auf Whoknows presents hat david einen sehr spannenden Artikel über Paul Lenis ersten Hollywood-Film „The Cat and the Canary“ veröffentlicht, den ich sehr genossen habe. Er sei hiermit jedem ans Herz gelegt, der sich für Stummfilme, Expressionismus und die Wurzeln des „Haunted House“-Genres interessiert. Ich muss jetzt dringend mal sehen, dass ich mir den Film besorgen. Bisher kenne ich nämlich nur das 70er Jahre Remake von Radley Metzger.

– Thomas Groh hat auf seinem filmtagebuch eine Besprechung der Snowden-Doku „Citizenfour“ veröffentlicht, die ursprünglich in der taz erschienen war.

– Bald kommt ja Eckhart Schmidts „Der Fan“ auf Blu-ray. Zeit also, sich mal intensiver mit Schmidt zu beschäftigen. So wie es Alex Klotz auf Hard Sensations getan hat, der dort Schmidts ein Jahr später entstandenen „Das Gold der Liebe“ besprochen hat.

– Sven Safarow ärgert sich auf Safarow schreibt darüber, dass David Cronenbergs neuer Film „Map to the Stars“ mit Begriffen wie „bitterböse Satire“, „Hollywoodsatire“, „Abgründe der Traumfabrik“, „Kulissen der Glitzerwelt“ usw. belegt wird und erklärt warum.

– LZ schreibt auf screenread über den „Neuen Kannibalismus in Kino und TV“. An dieser Stelle möchte ich hier insbesondere an meinen lieben Paul eine besondere Empfehlung dieses Artikels aussprechen, der sich dem Thema ja auch schon sehr intensiv gewidmet hat.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality eine schöne und vertiefende Liebeserklärung an den Audiokommentar geschrieben und dabei auch einige gelungene und weniger gelungene Audiokommentare kommentiert. Sehr lesenswert!

– So kann es kommen. Wegenen eines Verisses von „Europa Report“ ist bullion von Tonight is gonna be a large one auf den Film aufmerksam geworden und fand ihn am Ende ähnlich gut, wie ich einst.

– Die Seite, auf der er den Verriss gefunden hat war übrigens symparanekronemoi, wo man in dieser Woche eine kritische Besprechung zum Berlinale-Gewinner „Feuerwerk am hellichten Tage“ findet.

– Italien 1. Udo Rotenberger stellt auf L’amore in città den pessimistischen „La spiaggia“ (Der Skandal) von Alberto Lattuada vor, welcher übrigens auch den für Udos Blog namensgebenden Film inszenierte.

– Italien 2. Auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, nimmt sich Sacha des merkwürdigen, aber nichtsdestotrotz hoch interessanten „Anima Persa“ von Dino Risi an.

– Italien 3. Auf Schattenlichter schreibt Mauritia Mayer ausführlich über „Blutiger Schatten“.

– Auf dem Oldenburger Filmfest habe ich ihn verpasst, jetzt wurde er von Oliver Armknecht bei film-rezensionen.de besprochen: „White Shadow“.  Ferner gibt es eine dicke Empfehlung von Oliver für den animierten Episoden-Film „Sita Sings the Blues“ – plus Verlinkung zum Film auf Youtube.

– Für mich wieder ein Pflichttermin: Der neue von Ulrich Seidl: „Im Keller“. Auch wenn Peter Gutting auf cineastic nicht ganz so begeistert ist.  Dafür ist Ronny Dombrowski vom Kinderfilm „Antboy“ begeistert, von dem ich auch schon sehr viel Gutes gehört habe.

– Filme aus Malaysia bekommt man hierzulande nicht oft vor die Augen. Michael Schleh von Schneeland hat nun den Gangsterfilm „Songlap“ von Effendee Mazlan & Fariza Azlina Isahak gesehen und als gar nicht so schlecht empfunden.

– So unterscheiden sich die Ansichten. Ulrich Kriest vergibt auf filmgazette 7 von 10 Punkte für „Im Labyrinth des Schweigens“, während sein Kollege Dietrich Kuhlbrodt dem Film gar nichts abgewinne konnte und gerade 2 magere Pünktchen vergibt.

Der Kinogänger hat wieder das Neuste aus der Hollywood-Küche.

– Und Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine weitere Ausgabe der „Besprechungen der Anderen“ veröffentlicht. Vielen Dank für die Erwähnung meines Halloween-Spezials.

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Blu-ray Rezension: “Hände voller Blut“

hände voller blutDr. Pritchard (Eric Porter) nimmt mit seinem Sohn an einer Séance teil, die er sofort als Betrügerei entlarvt. Als das Medium direkt nach der Séance brutal umgebracht wird, nimmt sich Dr. Pritchard der jungen Anna (Angharad Rees) an, die er zwar für die Mörderin hält, aber auch als interessantes Studienobjekt betrachtet. Dr. Pritchard versucht im Sinne Freuds das Wesen des Bösen zu erklären und es dadurch heilbar zu machen. Was Dr. Pritchard nicht weiß: Anna ist die Tochter des berüchtigten Jack the Ripper, dessen Geist immer wieder in das junge Mädchen fährt und sie zu fürchterlichen Taten zwingt…

Nachdem Hammer in den 50er und 60er Jahren höchst erfolgreich die bekannten Monster aus den Horror-Klassikern der Universal-Studios wiederbelebt hatte, wand sich das Studio 1971 einem ur-britischen Thema zu: Dem berüchtigten Jack, the Ripper. Neben „Hände voller Blut“ entstand im selben Jahr noch „.Dr. Jekyll und Schwester Hyde“, der die Figur des Rippers ebenfalls aufgriff. Im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren hatten sich die Zeiten stark geändert. Dem Publikum musste man mittlerweile mehr bieten als die klassischen Horrorfilme um Dracula und Frankenstein. Sex und Gewalt bestimmten die Filme, die vor allem aus Amerika über den großen Teich schwappten. Und auch die Hammer-Filme wagten mehr in diesem Bereich. Die 70er Jahre läuteten bei Hammer eine neue Ära ein. Dass diese leider recht kurz sein würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Der ungarische Regisseur Peter Sasdy hatte bereits 1969 bei „Wie schmeckt das Blut von Dracula“ Regie geführt. 1971 nun inszenierte er zwei Filme, die damals an der Kinokasse nicht besonders erfolgreich waren, heute aber – gerade durch ihre ungewöhnliche Dramaturgie – ihre Anhänger haben: „Comtesse des Grauens“ und eben „Hände voller Blut“. Beiden ist gemeinsam, dass es keine klar als gut oder böse definierten Protagonisten gibt. Insbesondere bei „Hände voller Blut“ schwankt der Zuschauer, wem er seine Sympathien zuteilwerden lässt. Das nominell Böse in diesem Film ist die junge Anna, die aber zugleich auch ein unschuldiges Opfer ist, welches unter dem „Fluch“ des Rippers leidet und der man nichts mehr als die Erlösung wünscht. Auf der anderen Seite haben wir Dr. John Pritchard, der auf der Seite der Guten stehen müsste. Will er doch das Böse erforschen und „heilbar“ machen. Doch weißt asoziale Tendenzen auf. Zwar ist ihm das junge Mädchen nicht egal – doch hierfür hat er seine ganz eigenen Motive. Dass er es ausgerechnet im Zimmer seiner verstorben Frau einquartiert, spricht da Bände. Ebenso seine Annäherung an die Patientin, die doch eigentlich noch ein Kind ist. Jederzeit hat man das Gefühl, er würde gleich über sie herfallen. Gleichzeitig nimmt er bewusst den Tod mehrerer Menschen im Kauf, um seine Studien weiterführen zu können. Dr. Pritchard ähnelt in beiderlei Hinsicht stark an den von Peter Cushing für die Hammer-Studios porträtierten Dr. Frankenstein, hinter dessen knöcherner Fassade auch immer eine unheilvolle Leidenschaft loderte.

Besonders interessant ist die ambivalente Charakterzeichnung im Falle von Derek Godfrey, der den bigotten Abgeordneten Dysart spielt. Dysart wäre prädestiniert für die Schurkenrolle in diesem Film. Er ist arrogant, egozentrisch und versucht gleich zu Beginn die junge Anna zu vergewaltigen, nachdem diese sich nicht prostituieren will. Doch gleichzeitig ist Dysart auch die Stimme der Vernunft, die Dr. Pritchard sehr früh vor Anna warnt und dessen Argumente jederzeit nachvollziehbar und logisch bleiben. Würde dieses Ekel nur etwas mehr Initiative zeigen, wäre er sogar der klassische Held in „Hände voller Blut“. Helden gibt es hier aber keine. Dr. Pritchards Sohn bleibt bis zum Ende passiv und trägt zur Geschichte eher wenig bei. Seine blinde Verlobte könnte diese Rolle übernehmen. Ist sie doch eine der ganz wenigen, wirklich liebenswerten Figuren in diesem Film. Doch auch sie durchschaut die Zusammenhänge nicht und wird dadurch am Ende fast zum Opfer. Gerade die Weigerung der simplen Schwarz-Weiß-Malerei macht „Hände voller Blut“ zu einem außergewöhnlichen Horrorfilm, dessen realistisch gezeichneten Figuren die Empathie des Zuschauers gewinnen und die ihm gerade deshalb auch nicht egal sind.

Natürlich kann dies nur funktionieren, wenn man besonders gute Schauspieler zur Hand hat, und die hat Sasdy. Jeder Darsteller passt perfekt zu seiner Figur. Man kann sich am Ende auch keinen der bekannteren „Hammer“-Namen – auf die Sasdy komplett verzichtet -, wie Lee, Cushing oder Michael Gough in den Rollen vorstellen. Gerade dadurch, dass man die Schauspieler noch nicht in unzähligen anderen Rollen gesehen hat, gewinnen sie an Glaubwürdigkeit. Ebenfalls bemerkenswert ist es, in welcher Art und Weise mit den phantastischen Elementen umgegangen wird. Zwar wird als Zugeständnis an den Horrorfan gezeigt, wie sich vor den Morden die Hände der bemitleidenswerten Anna verändern, doch dies der einzige konkrete Hinweis auf etwas Übernatürliches. Ebenso gut kann die ursprüngliche Diagnose Dr. Pritchards auch als richtig angesehen werden und Anna durch das frühkindliche Trauma „nur“ an einer schizophrenen Störung leiden. Auch die Einflüsterungen des Rippers müssen nicht auf Besessenheit zurückgeführt werden, sondern können sich allein im psychisch angeschlagenen Kopf des Mädchens manifestieren.

Neben den vorzüglichen Darstellern und dem durchdachten Drehbuch, kann der Film auch in Sachen Filmmusik und Ausstattung punkten. Da in den Pinewood-Studios noch die Kulissen des Billy-Wilder-Films „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ zur Verfügung standen, sieht der Film nach einem sehr viel höheren Budget aus, als tatsächlich zur Verfügung stand. Ebenfalls beachtlich sind die Spezialeffekte, die für ihre Zeit ausgesprochen drastisch daher kommen. Insbesondere ein von einer Hutnadel durchbohrtes Auge bleibt in Erinnerung. Wobei der außergewöhnlich hohe Gewaltanteil zwar die erst eine Dekade später stattfindende Slasher-Welle vorwegnimmt, aber sich gleichzeitig auch in den Dienst einer gut erzählten Geschichte stellt. Also nicht selbstzweckmäßig daher kommt.

„Hände voller Blut“ ist einer der Höhepunkte der späten Produktions-Phase der „Hammer“-Studios. Durch seine komplexe Charakterisierung und den hohen Anteil grafischer Gewalt unterscheidet er sich deutlich von den Werken, für die das Studio in den 50er und 60er Jahren bekannt geworden ist. Die für ein „Hammer“-Produkt ungewohnten Schauspieler sind perfekt besetzt und tragen dazu bei, dass die tragische Geschichte der Anna einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Die Blu-ray aus dem Haus Anolis ist sehr gelungen. Die Qualität des Bildes schwankt etwas zwischen gut und ausgezeichnet. Das kann man von den Extras nicht behaupten, die diese zeichnen sich durch die Bank weg durch höchstes Niveau aus. Da ist zunächst einmal die äußerst interessante Doku „The Devils bloody Playground“, die fast eine halbe Stunde läuft. Weitere Informationen erhält man durch ein unterhaltsames Interview mit Regisseur Peter Sasdy (19 Minuten). Hervorragend auch die beiden Audiokommentare. Ein speziell für die diese Veröffentlichung erstellter Track mit Dr. Rolf Giesen und Ivo Scheloske, sowie ein englischer Audiokommentar mit Angharad Reese, Stephen Jones und Kim Newman. Diverse Trailer, Werberatschläge und eine 7-minütiger Vergleich mit der geschnittenen US-TV-Fassung.

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