Blu-ray-Rezension: “Das Todeslied des Shaolin”

todesliedshaolinEnde des 19. Jahrhunderts: China steht unter dem Einfluss Japans. Der Kaiser ist schwach und soll nach Willen der Japaner durch einen ihnen genehmen Nachfolger ersetzt werden. Aus diesem Grund schickt Japan Kizu (Sit Hon) und Sheila (Cheung Ying Shen) nach China, um dort Kontakt mit General Tso aufzunehmen, der von Japan als Thronfolger auserkoren wurde. Doch Kizus und Sheilas Mission wird immer wieder durch den schier unbesiegbar erscheinenden Kämpfer Chin Lung (Jimmy Wang Yu) sabotiert. Also engagieren Kizu und Sheila verschiedene Kämpfer, um Chin Lung auszuschalten. Doch erst der mit modernen Pistolen ausgestattete Sau Pai-lung (Lung Fei) erweist sich als echte Gefahr für Chin Lung…

Jimmy Wang Yu ist ein Phänomen. Mitte der 60er Jahre stieg er kometenhaft zum Superstar des Hongkong-Kinos auf. Nach ersten Erfolgen wie beispielsweise in dem wegweisenden Martial-Arts-Film „ Der Tempel des roten Lotus“ wurde er von dem Shaw Brothers Studio, zum zu ihrem Star aufgebaut. 1968 schlüpfte er dann in die Rolle, die in endgültig an die Spitze katapultieren sollte und ihm gleichzeitig wie auf den Leib geschneidert war: Der einarmige Schwertkämpfer in „Das goldene Schwert des Königstigers“. Hier konnte auf sehr kreative Weise ein Manko beseitigt werden, welches Wang Yu von seinen Mitkonkurrenten unterschied. Während diese die Kampfkunst von der Pike an gelernt hatten, kam Wang Yu von einer anderen Sportdisziplin. Er war vor seiner Filmkarriere Schwimmer gewesen. Dass er nicht ganz die einzigartigen Fähigkeiten eines Ti Lung oder David Chiang (die beide nach ihm auf der Bildfläche erschienen) mitbrachte, konnte nicht nur durch geschickte Kameraarbeit, sondern auch den Umstand, dass er mit nur einem Arm kämpfte, erklärt werden. In den folgenden Jahren sollte Wang Yu sehr häufig zu dieser Rolle oder Rollenvarianten zurückkehren und darin sogar einmal gegen den berühmten blinden Samurai Zatoichi antreten.

In „Das Todeslied der Shaolin“ besitzt Wang Yus Charakter zwar beide Arme, vermeidet aber große Kampfszenen Mann gegen Mann. Vielmehr springt er meterhoch durch die Gegend, fängt Dinge auf und schleudert diese mit tödlicher Präzision auf den Feind zurück. Am Ende bleibt er – egal wer der Gegner ist – der lachende Sieger. Einmal steht er sogar lächelnd auf der Spitze eines gigantischen Speers, den sein Widersacher in der Hand hält. Generell zeichnen sich Wang Yus Filme durch ein wunderbares Sammelsurium grotesker Kämpfer und Waffen aus. Dies war so schon in seiner ersten Regiearbeit „The Chinese Boxer“ (Deutscher Titel: „Wang Yu – Sein Schlag war tödlich“) – als dessen Fortsetzung dieser Film unter dem Titel „The Return of the Chinese Boxer“ in den USA vermarktet wurde – der Fall und erst recht in seinem 1976 entstanden Klassiker „Duell der Giganten“, welcher es insbesondere Quentin Tarantino angetan haben dürfte, da dieser den Film exzessiv in seinen „Kill Bill“-Filmen musikalisch und visuell zitiert. Auch „Das Todeslied des Shaolin“ kann mit einem ganzen Panoptikum skurriler Gestalten aufwarten.

Neben den pistolen-schwingenden Antagonisten, den Ninjas und dem am ganzen Leib mit Wurfmesser ausgestatteten Helfer der bösen Sheila, sind dies vor allem drei Zombie-Kämpfer. Diese wurden mit schwarzer Magie aus dem Reich der Toten zurück in ihre verrottenden Kadaver geholt und treten nun in einer äußerst denkwürdigen Szene gegen den Helden an. Aber auch die Waffen sind überdimensioniert. So gibt es eine Pistole mit scheinbar unendlich vielen, langen Läufen, den bereits erwähnten überdimensionierten Speer und noch zahlreiche andere Waffen, die beinahe wie Parodien wirken. Stahlkrallen, Sicheln mit explosiven Ketten und noch vieles mehr. Man kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Dabei geht diese Lust des Zeigens zulasten einer stringent erzählten Geschichte. Diese ist eh schon sehr dünn und wenig mehr als ein Vorwand, Jimmy Wang Yu und seine Mitstreiter in Aktion zu erleben. Doch Wang Yu kümmert sich auch nicht weiter darum, sondern geht sogar so weit, den Film durch eine völlig unnötige Rückblende zu unterbrechen, welche die Erzählung über einen Kampfwettbewerb bebildert, der für die eigentlichen Handlung des Filmes aber von keinerlei Belang ist.

In dieser merkwürdigen Sequenz geht es um eine Gestalt namens Yin Feng, die als unbesiegbarer Kämpfer angepriesen wird und später gegen Wang Yu antreten wird. Das Unorthodoxe an der ganzen Episode ist es, dass die Japanerin Sheila und den von ihm gewonnen Wettbewerb nur nebenbei erwähnt, worauf hin dieses Turnier dann aber viele Minuten lang in aller Ausführlichkeit gezeigt wird. Als die Episode zu ende ist, wird das gerade gesehene von der Erzählenden dahingehend kommentiert, dass sie plötzlich einen weiteren potentiellen Helfer für den Kampf gegen den von Wang Yu gespielten Chin Lung aus dem Hut zaubert. Die beiden machen sich sogleich auf diese Suche nach diesem noch besseren Kämpfer, ohne dass Yin Feng noch einmal erwähnt wird. Trotzdem taucht Yin Feng später dann noch einmal recht unmotiviert auf, wird aber dem Ruf, den die Geschichte um den Wettbewerb aufgebaut hatte, nicht im mindesten gerecht. Er flieht feige vor Chin Lung und begeht schließlich einen recht dilettantisch wirkenden Selbstmord. Entweder wollte der Regisseur Wang Yu seine eigene Figur Chin Lung damit noch einmal kräftig überhöhen oder auf subtilen Weise andeuten, dass man nicht alles glauben soll, was man über Andere hört. Wang Yus durchaus schwierigen Charakter im Hinterkopf habend, ist letzteres aber eher unwahrscheinlich.

So bleibt es dann Lung Fei als Pistolenmann Sau Pai-lung überlassen, einzig ebenbürtiger Gegner Chin Lungs zu sein. Wobei seine Gleichwertigkeit nur mithilfe seiner Schusswaffen hergestellt wird. Was zu einem wundervollen Finale führt, in dem Sau Pai-lung unseren Helden in einer riesigen Scheune sucht, welche von oben bis unten mit Chin Lung-Puppen voll gestellt ist. Eine hübsch einfallsreiche Variation des Spiegelmotivs aus Orson Welles „Die Lady von Shanghai“ oder natürlich auch dem bahnbrechenden Bruce-Lee-Klassiker „Der Mann mit der Todeskralle“. Besonders effektiv ist hierbei der seltsam-unheimliche Dampf geraten, der den Puppen im Augenblick ihres „Todes“ entweicht. Diesem gelungenen Finale folgt dann noch ein eher unspektakulärer und mittlerweile auch ziemlich egaler Appendix, der noch einmal die Ziellosigkeit des Drehbuchs unterstreicht. Aber auch hier gilt, die Schauwerte – in diesem Fall eine schöne Frau beim Schwerttanz, entschuldigen für diese Holprigkeiten.

Trotz einer dünnen Story und eines katastrophal konstruierten Drehbuchs macht Jimmy Wang Yus Ego-Show „Das Todeslied des Shaolin“ eine ganze Menge Spaß, da der Film mit bizarren Ideen und Bildern vollgestopft wird, die die Augen eines jedem, der Sinn für bunten Wahnsinn hat, zum Leuchten bringen.

Die Blu-ray us dem Hause filmArt präsentiert den Film ungekürzt in glorreichem Widescreen. Die Qualität des Bildes schwankt dabei von sehr gut bis okay. Wobei letzteres auch am Kameramann liegen kann, der scheinbar an einigen Stellen vergaß, wo man den Fokus einstellt. Lediglich die Titelsequenz fällt etwas ab und ist offensichtlich von einer schon sehr verbrauchten deutschen Kinorolle gezogen worden. Der Film liegt in Deutsch und Englisch vor. Die Originaltonspur fehlt somit leider. Die deutsche Synchronisation aus dem Hause Schier ist zwar preisgünstig, aber professionell und mit den typischen 70er-Eigenheiten gespickt. Der englischen Fassung ist sie haushoch überlegen. Extras gibt es bis auf die obligatorischen Trailer leider keine, dafür aber ein informatives – wenn auch manchmal leider etwas ungelenk formuliertes – Booklet von Frank Faltin.

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Das Bloggen der Anderen (24-08-15)

bartonfink_type2– Das war jetzt überraschend. Mauritia Meyer hat auf Schattenlichter einige Impressionen von apulischen Filmdrehorten gepostet. Und siehe da, verschüttete Erinnerungen stiegen in mir auf. Dort war ich doch in den späten 70er Jahren als kleiner Knirps und verbrachte in Apulien wunderschöne Urlaube mit meinen Eltern. Die Trullis, das Castel del Monte. Fast vergessen und nun wieder da vor meinem geistigen Auge. Dann muss ich mir mal die dazugehörigen Filme besorgen. D.h. „“Die Killer der Apokalypse“ liegt hier auch schon irgendwo…

– Ein Déjà-vu der anderen Art ist Udo Rotenbergs Besprechung des Filmes „Verführung am Meer“ von Jovan Zivanovic. Eben jener wurde nämlich vor wenigen Wochen auch auf Whoknows presents besprochen. Nichtsdestotrotz ist natürlich auch Udos Rezension auf Grün ist die Heide nicht nur als Ergänzung sehr lesenswert.

– Ebenso wie seine Vorstellung des Filmes „Totò in der Hölle“ auf L’amore in cittá. Der in Italien extrem populäre und in den 40 bis 60er Jahren auch sehr umtriebige Totò ist hierzulande ja fast völlig unbekannt, wenn er nicht von beispielsweise Pasolini eingesetzt wurde. Zweit also, sich diesem Thema einmal zu widmen.

– Heute ebenfalls fast vergessen ist Adrian Lynchs stilbildenden 80er-Jahre-Erotikfilm „9 ½ Wochen“, der dafür verantwortlich war, dass Kim Basinger so manchem den Schlaf raubte und Joe Cockers „You Can Leave Your Head On“ zum abgenüdelten Striptease-Standard wurde. Das Soundtrack-Album hatte ich damals sogar. Oliver Nöding hat ihn auf Remember It For Later wiedergesehen. Außerdem: Steve McQueen und Dustin Hoffman in „Papillion“.

– Sascha hat Wim Wenders 4-Stunden-Epos „Bis ans Ende der Welt“ gesehen und verrät auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, warum es ihn nicht gepackt hat.

– Volker hat bei mir im Blog einen Gastbeitrag zum Film „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ verfasst. Auf seinem eigenen Blog, Die Nacht der lebenden Texte, schreibt er über Laurel und Hardys Meisterwerk „The Music Box“.

Going to the movies bespricht zwei Filme, die letztes Jahr auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg liefen, die ich dort aber aus unterschiedlichen Gründen verpasst habe: „Miss Meadows“ war damals der einzige Film, bei dem ich es erlebt habe, dass es keine Pressekarten mehr gab, weil alle beiden Vorstellungen bis auf den letzten Platz ausverkauft waren. Und „White Bird in a Blizzard“ verlor gegen einen Film, der mich mehr interessierte. Wie ich aber sehe, habe ich auch weder in dem einen, noch dem anderen Falle etwas versäumt.

– Selbiges gilt scheinbar auch für „Vorsicht vor Leuten“ von den „Stromberg“-Machern. Ein Film den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de bespricht. Dafür scheint „Frank“ mit einem maskierten Michael Fassbender aber sehr vielversprechend zu sein.

– Sebastian hat auf Nischenkino einmal die Besprechungen der dort erschienenen Don-Siegel-Retro zusammengefasst.

– Mit zwei Retrospektiven geht es auch beim Cereality weiter. In der Cronenberg-Retro wird „Eastern Promises“ hoch gelobt. Den mag scheinbar jeder. Muss ich wohl noch einmal gucken. Im Kino stießen mir damals die tumben Klischees doch sehr auf. Und auch die Hans W. Geißendörfer-Retro geht weiter. Diesmal wird der mir unbekannte „Perahim – Die zweite Chance“ von 1972 besprochen, für den Uli Edel und Bernd Eichinger (!) das Drehbuch schrieben.

– Auf Duoscope findet man ein informatives und sehr umfangreiches Portrait über den Ausnahme-Schauspieler Sean Penn.

– Sascha Schmidt hat auf Okaeri die japanische Schauspielerin Sakura Ando (u.a. „Love Exposure“) interviewt.

– Michael Fleig schreibt auf critic.de über die für ihn sehr enttäuschenden Kurzfilme auf dem Fantasy Filmfest.

– Patrick Wellinski reflektiert auf B-Roll über Licht und Schatten im Film, während Lucas Barwenczik Tarsem Singh und seine Filme vorstellt. Derweil Patrick Holzapfel einem der – meiner Meinung nach – besten deutschen Regisseure zum 50. Geburtstag gratuliert: Hans-Christian Schmid.

– Apropos Patrick Holzapfel. Auf seinem eigenen Blog Jugend ohne Film schreibt er, warum ihn Kamerafahrten im Film so begeistern und stellt einen wenig bekannten „Kurzfilm“ (eigentlich einen Verkehrserziehungs-Film) des großen Dänen Carl Theodor Dreyer vor.

– Hoffman auf Drei Cineasten über „Drei verschiedene Erscheinungsformen des Film Noir“. Außerdem stellt er den tollen Neuzeit-Western „Einsam sind die Tapferen“ mit Kirk Douglas vor und zieht Parallelen zum 20 Jahre später entstanden ersten „Rambo“.

Indyfilmblog schreibt darüber, wie er durch den Film „Flash Point“ Donny Yen für sich entdeckt hat und schwärmt von dem Finale dieses Filmes, das er mit den großen Klassikern des Martial-Arts-Kinos gleichsetzt.

– Michael Schleeh ist auf Hard Sensations sehr angenehm von dem australischen Amateur-Splatterfilm „ Wyrmwood: Road of the Dead“ überrascht.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland findet er „Attack on Titan“ von Shinji Higuchi sehr viel besser als seinen Ruf und zeigt sich von Dante Lams Radsportfilm „To the Fore“ enttäuscht.  Dafür hat er dafür gesorgt, dass ich unbedingt den Bollywood-Revenge-Thriller „Nastik“ mit Amitabh Bachcha sehen muss. Zitat: „In NASTIK scheint alles möglich, und am besten überzeugt man sich selbst von der Güte dieses abwechslungsreichen Films. Genre-Grenzen kennt dieser Film jedenfalls nicht.“

Hauptsache (Stumm)Film widmet sich Sacha Guitrys 1951 entstanden Film „Das Scheusal“ mit Michel Simon.

– Die Cannon-Ninjafilme waren ein Renner bei uns in der Schule. Seltsamerweise habe ich die aber bis heute nicht gesehen. Totalschadens Besprechung von „Die Rückkehr der Ninjas“ auf Splattertrash weckt jetzt auch nicht so sehr meine Neugier. Vielleicht später einmal…

Yzordderrexxiii hat seit seiner Kindheit eine „guilty pleasure“. Auf seinem Blog erzählt er, warum er den italienischen Endzeitfilm „She“ von Avi Nesher so mag.

– Ich habe auch einen Film, den ich seit meiner Kindheit sehr, sehr liebe: „Meuterei am Schlangenfluss“ von Anthony Mann mit James Stewart. Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat ihn sich auch angeguckt und findet ihn leider „insgesamt zu lahm“, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Hach, ich könnte den gleich wieder gucken. Da freue ich mich doch mehr über die Erwähnung zweier meiner Rezensionen in seinen „Besprechungen der Anderen“.

– Zu Letzt: Neues aus Hollywood vom Kinogänger.

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Gastrezension: Laurel & Hardy in „In der Fremdenlegion“

Premiere! Erstmals veröffentliche ich einen Gastbeitrag auf meinem Blog und bin sehr glücklich darüber, gleich solch einen so schönen und interessanten Artikel zugesteckt bekommen zu haben. Und dann noch zu einem Thema, welches seit der Kindheit ganz, ganz tief in meinem Herzen wohnt: Laurel & Hardy! Da will ich auch gar nicht lange plappern, sondern übergebe mit großer Freude an Volker.

 

In der Fremdenlegion – Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Ollie!

Gastrezension von Volker Schönenberger von „Die Nacht der lebenden Texte

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Komödie // An die Präsentationen von Theo Lingen inklusive der hineingeschnittenen Stan-und-Ollie-Szenen entsinne ich mich nur noch dunkel. Schön, mal wieder eine gesehen zu haben. Mit einer solchen dreiminütigen Einführung aus „Lachen Sie mit Stan & Ollie“ beginnt „In der Fremdenlegion“ auf meiner DVD. Besagte Reihe ist 1975 und 1976 im ZDF ausgestrahlt worden. Lingens kurze Texte stammen vom Filmjournalisten Joe Hembus.

Paris – zum Sterben schön

Ganz schön derbe! Weil sich Ollie im Urlaub in Paris ebenso unsterblich wie unglücklich verliebt hat, will er sich in der Seine ertränken – und Kumpel Stan soll aus Freundschaft gleich mit in den Tod springen. Zum Glück kommt der Offizier Francois (Reginald Gardiner) vorbei, der die beiden überredet, sich bei der Fremdenlegion zu melden. Ollie werde dort seinen Liebeskummer innerhalb weniger Tage vergessen. Der traurige Tropf ahnt nicht, dass der Soldat der Ehemann der reizenden Georgette (Jean Parker) ist, deretwegen er so untröstlich ist. Francois allerdings erfährt auch erst später, dass seine Gemahlin der Auslöser für Ollies Liebesleid ist.

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Hier vergisst man seinen Liebeskummer zügig

Das harte Leben in der Legion setzt den zwei Freunden schnell zu, sodass sie das Weite suchen wollen. Nur haben die beiden die Rechnung ohne den Wirt gemacht – mit ihrem Gebaren haben sie den Zorn des Kommandanten (Charles Middleton) auf sich gezogen. Das Auftauchen von Georgette bringt zusätzliche Komplikationen.

Tragik und Komik

Bei all dem Slapstick (der Wäscheberg!) ist „In der Fremdenlegion“ doch auch sehr tragisch: Ollies Selbstmordversuch zu Beginn in Verbindung mit der Nötigung Stans, es ihm gleichzutun, ist schon starker Tobak. Später werden die beiden als Deserteure zum Tode verurteilt und gejagt. Ihre Flucht per Flugzeug endet nach etlichen waghalsigen Manövern mit dem Absturz, was Ollie tatsächlich das Leben kostet: Als Engel fliegt er gen Himmel. Immerhin wird ihm sein zuvor geäußerter Wunsch erfüllt, als Pferd zurückzukehren – inklusive Stimme, Schnurrbart und Hut. Die Schuld schiebt er natürlich einmal mehr Stan in die Schuhe: Well, here’s another nice mess you’ve gotten me into.

Der verliebte Ollie winkt jovial mit seiner Krawatte. Der tieftraurige Ollie seufzt: I want to be alone. Der gar nicht Selbstmord-willige Stan zögert den Sprung in die Seine mit immer neuen Fragen hinaus. Die beiden setzen versehentlich die gesamte Schmutzwäsche ihrer Kompanie in Brand und glauben, die Fremdenlegion einfach so verlassen zu können, indem sie sich der Uniformen entledigen und in Zivil vom Standort spazieren. Stan überrascht seinen Kumpel in der Todeszelle mit einem Musikstück, dargeboten auf dem zur Harfe umfunktionierten Bettfedergestell. Schließlich die turbulente Flucht der beiden im einmotorigen Flugzeug und die furchtsamen Gesichter der zwei Piloten wider Willen. Mit ihrer Mimik, den Gesten und all dem Gebaren ist das Humor für die Ewigkeit.

„Lachen Sie mit Stan & Ollie“

Ich hatte Laurel und Hardy seit Jahren nicht mehr gesehen und diverse Filme nun für eine Titelgeschichte über US-Filmkomiker in der Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erneut gesichtet – die Ausgabe kann hier bestellt werden. Der Slapstick ist immer noch so wunderbar anzuschauen wie in den 30er-Jahren oder in den 70ern, als ich mit Reihen wie „Lachen Sie mit Stan & Ollie“, „Väter der Klamotte“ und „Männer ohne Nerven“ aufgewachsen bin. Diese beiden tragikomischen Gestalten sind einfach großartig.

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In der Todeszelle

„The Flying Deuces“, so der Originaltitel, entstand 1939 einmal nicht unter der Ägide von Hal Roach, dem Stammproduzenten vieler Laurel-und-Hardy-Filme. Roach hatte für den Film Boris Morros den Vortritt gelassen. Der Film war die erste Produktion des ansonsten vornehmlich als musikalischer Leiter und Komponist von Soundtracks tätigen Russen. Einen kurzen Auftritt als Gefängniswärter hat der als Laurel-und-Hardy-Antagonist beliebte James Finlayson.

In der Bundesrepublik Deutschland feierte die Komödie erst am 30. Januar 1951 unter dem Titel „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ Kinopremiere. Sie lief in der Folge jahrelang immer mal wieder erfolgreich in unseren Kinos. Auf DVD rate ich zur Fassung von Studiocanal oder der Vorgänger-Edition von Kinowelt – der Film ist urheberrechtsfrei und von diversen Wald-und-Wiesen-Publishern in lieblosen Versionen auf den Markt geworfen worden.

Eine Frau verdreht allen die Köpfe

Es ist nicht der erste Auftritt von Laurel und Hardy in der Fremdenlegion. Bereits 1931 verschlug Ollies Liebeskummer ihn und seinen Kumpel im 35-minütigen „Dick und Doof in der Wüste“ („Beau Hunks“) dorthin. Auch die kurze Variante ist schreiend komisch, mir gefällt sie sogar deutlich besser als „In der Fremdenlegion“. Allein die Szene, in der die beiden bemerken, dass sich auch die anderen neuen Rekruten und sogar ihr Kommandant aus Liebeskummer zur Legion gemeldet haben – allesamt wegen derselben Frau wie Olli wohlgemerkt – herrlich!

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„In der Wüste“: Reißnägel eignen sich gut als Waffe

Beim Gewaltmarsch in der Wüste fragt Ollie seinen Kumpel: Wo hast du dein Marschgepäck? Stans Antwort: Das hab‘ ich alles bei dir drin. Ollies Blick beim folgenden Ach so kann sich jeder vorstellen, der die beiden schon mal gesehen hat. Man muss auch zugeben: Die Idee mit den Reißnägeln hätte man den beiden nicht zugetraut – beim Angriff der Araber wachsen Stan und Ollie geradezu über sich hinaus. Und ratet mal, welcher Frau der feindliche Stammesführer nachtrauert, wenn er am Ende abgeführt wird?

„Dick und Doof in der Wüste“ ist auf DVD in Kombination mit „Dick und Doof als Ehemänner“ („Twice Two“, 1933) und „Dick und Doof als Mitgiftjäger“ („Me and My Pal“, 1933) erschienen, die DVD ist auch Teil der „Dick & Doof Collection 1“.

In_der_Fremdenlegion-Cover-BoxVeröffentlichung: 20. Mai 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 2“

Länge: 69 Min.

Altersfreigabe: FSK 6

Sprachfassungen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Originaltitel: The Flying Deuces

Deutscher Alternativtitel: Fliegende Teufelsbrüder

USA 1939

Regie: A. Edward Sutherland

Drehbuch: Ralph Spence, Charley Rogers, Fred Schiller, Harry Langdon

Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, Jean Parker, Reginald Gardiner, Charles Middleton, Jean Del Val, Crane Whitley (als Clem Wilenchick), James Finlayson

Zusatzmaterial: Die deutschen Synchronfassungen (Texttafeln), Kurzfilm „Oranges and Lemons“ (1923, mit Stan Laurel, 10 Min.), Kurzfilm „45 Minutes from Hollywood“ (1926, mit Oliver Hardy in einer Nebenrolle als Hausdetektiv und Stan Laurel in einem Gastauftritt als hungernder Schauspieler, 18. Min.), Kurzfilm „His Wooden Wedding“ (1925, mt Charley Chase, 20. Min.), Kurzfilm „Is Marriage the Bunk“ (1925, mt Charley Chase, 10. Min.), Starinfo, Fotogalerie

Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

 

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

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22. Internationales Filmfest Oldenburg: George-Armitage–Retrospektive und weitere Filme

George Armitage, George Armitage? Den Namen kenne ich doch. Ja, tatsächlich. Erst kürzlich besprach ich hier seinen Film „Vigilante Force“ mit einem großartigen Kris Kristoffersen. Nun widmet ihm das Internationale Filmfest Oldenburg eine Retrospektive. Und die Titel dieser sieben ihm zu Ehre aufgeführten Filme, lassen das Herz höher schlagen.

Da ist Armitages Debüt als Autor, die 1972 entstandene Roger-Corman-Produktion „Gas-s-s-s“, in der er auch selbst eine Rolle übernahm. Im gleichen Jahr folgte der von ihm geschriebene und inszenierte Blaxploitation-Film „Hit Man“ mit Bernie Casey in der Hauptrolle. „Hot Rod“ um Straßenrennen in den 50ern folgte 1979. 1990 adaptierte er den Charles-Willeford-Roman „Miami Blues“ mit Alec Baldwin als Anti-Helden. Es folgte 1997 dann einer seiner bekanntesten Filme, der wunderbare Auftragskiller-Film „ Grosse Point Blank“ mit John Cusack als Killer, der zum Klassentreffen in seine Heimatstadt zurückkehrt.

2004 adaptierte er Elmore Leonards Roman „The Big Bounce“ mit einer Starbesetzung. Allerdings wurde der Film vom Studio umgeschnitten und zu einem künstlerischen und finanziellen Desaster. Wenn man in der Presemitteilung des Filmfest Oldenburg zwischen den Zeilen liesst, dann klingt es aber durchaus so, als ob Armitage seine bisher nie gezeigten Director’s Cut Schnittfassung zeigen würde. Ich bin sehr gespannt.
Ach ja, eingangs erwähnter „Vigilante Force“ von 1976 wird auch in Oldenburg gezeigt.

George Armitage als Ehrengast in Oldenburg vom 16. bis zum 20. September seine Filme persönlich vorstellen. Ich freue mich darauf.

Zeitgleich mit der Ankündigung der Retrospektive, wurden noch einige weitere Titel verraten, die auf dem diesjährigen Filmfest laufen werden.

GOD OF HAPPINESS: Der deutsch-georgische Filme von Dito Tsintsadze gewann gerade den Silbernen Leoparden in Locarno. Es geht um die komplizierte Beziehung zwischen einem Vater und seiner seit einem Jahrzehnt entfremdeten Tochter.godofhapiness

DARK: Von Nick Basile, erzählt wie sich eine junge Frau (Whitney Able, war bereits vor ein paar Jahren mit „Monsters“ in Oldenburg) während des großen Black-Out in New York gegen ihre größten Ängste durch die Nacht kämpft. Joe Dante war hier Executive Producer.

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TOO LATE: Regisseur Dennis Hauck erzählt von einem Privatdetektiv, der in Südkaliforniens eine vermisste Frau sucht.

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DIXIELAND: Hank Bedford erzählt seine Bonnie und Clyde-Geschichte im brütend heißen Mississippi.dixieland

ONE WILD MOMENT: Vincent Cassel und François Cluzet spielen die Hauptrollen in Jean- François Richets Remake des Originals von 1977. Zwei beste Freunde machen sie Urlaub mit ihren jugendlichen Töchtern. Doch dann schläft der eine mit der Tochter des anderen.

TANGERINE: Sean Bakers Film ist eine Odyssey durch Los Angeles‘ Transgender-Subkultur, die auf einem kleinen iPhone eingefangen wurde.

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„Dark“ ist bei mir schon mal gesetzt – sofern der Spielplan mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

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Open-Air-Kino in Bremen 2015 – „Wall-Sommer“

Von Donnerstag, dem 27. August, bis Sonnabend, den 29. August, findet der sogenannte „Wall-Sommer“ im Abschnitt zwischen Herdentor und Bischofsnadel statt.

Was das mit Kino zu tun hat? Eine Menge, den der „Weser Kurier“ (der gerade in einem Akt der totalen Gleichgültigkeit das wöchentliche Kinoprogramm in seiner Mittwochsbeilage gekillt hat) besinnt sich plötzlich wieder auf die siebte Kunst und präsentiert am Wall ein Open-Air-Kino.

Dort wird am Donnerstagabend der Film „Little Miss Sunshine“ gezeigt. Am Freitag folgt Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ und am Sonnabend eine Zusammenstellung von Kurzfilmen. Welche das sein werden, ist mir noch nicht bekannt.

Mehr ist bisher noch nicht herauszufinden. Ich gehe aber mal fest davon aus, dass das Open-Air-Kino am Wall kostenlos sein wird und nach Beginn der Dämmerung startet.

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DVD-Rezension: „Blackout – Anatomie einer Leidenschaft“

blackoutEine junge Frau wird mit einer Überdosis Schlaftabletten in ein Wiener Krankenhaus eingeliefert. Während die Ärzte verzweifelt um ihr Leben kämpfen, verhört der Polizeibeamte Netusil (Harvey Keitel) den jungen Mann der die junge Frau gefunden hat. Langsam wird klar, wie es zu der Tragödie gekommen ist. Der amerikanische Psychoanalytiker Alex Linden (Art Garfunkel) lebt und unterrichtet in Wien. Dort lernt er auf einer Party die etwas jüngere Melina (Theresa Russell) kennen, die ihm sofort Avancen macht. Melina ist eine extrovertierte, lebenslustige junge Frau, die etwas zu sehr dem Alkohol zugeneigt ist und ihr freies Leben genießt. Beide beginnen einen leidenschaftliche Affäre. Bald schon kommt Alex durch Zufall dahinter, dass Melina hinter dem eisernen Vorhang mit einem sehr viel älteren tschechoslowakischen Geheimdienstoffizier namens Stefan (Denholm Elliott) verheiratet ist. Alex wird immer eifersüchtiger und versucht Melina mit allen Mitteln an sich zu binden…

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Ich weiß nicht, ob Quentin Tarantino ein Fan dieses Filmes ist. Auf jeden Fall scheint „Blackout – Anatomie einer Leidenschaft“ einen großen Einfluss auf ihn ausgeübt zu haben, als er seinen weltweiten Durchbruch „Pulp Fiction“ konzipierte. So trägt John Travolta in jenem 1995 in die Kino gekommenen Film nicht nur die gleichen Klamotten wie Harvey Keitel in „Blackout“, beide haben auch exakt die gleiche Frisur. So sieht Travoltas Vincent Vega beinah wie der Zwillingsbruder von Keitels Netusil aus. Eine andere Gemeinsamkeit beider Filme ist natürlich das nicht-lineare Erzählen. Heutzutage hat man sich an diese Erzähltechnik ja schon gewöhnt, weshalb es nach einer kurzen Zeit der Orientierungslosigkeit nicht besonders schwerfällt, die einzelnen Puzzleteile, die einem Regisseur Nicolas Roeg präsentiert, in das Gesamtbild einzupassen. Doch 1980 muss „Blackout“ sein Publikum zutiefst verwirrt haben. Figuren beobachten sich über unterschiedliche Zeitebenen hinweg. Anfang und Ende von Dialoge bilden keine zeitliche oder räumliche Einheit. So radikal wie Roeg hatte zuvor niemand diese Techniken in einem Mainstream-Film benutzt.

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Und tatsächlich ist dies hier keine kleine Independent-Produktion, die einfach mal Dinge ausprobiert, sondern ein Film der renommierten Rank Organisation, die ihre Produktion gerade ausbaute. Hauptdarsteller Art Garfunkel war als Musiker ein ähnlicher Superstar, wie David Bowie, der zuvor in Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ die Hauptrolle spielte. Harvey Keitel hatte sich einen Namen als Martin Scorseses Lieblingsschauspieler gemacht – bevor Robert deNiro auf der Bildfläche erschien. Gedreht wurde in Wien und an der Grenze zur Tschechoslowakei. Obwohl der Kalte Krieg hier keine aktive Rolle spielt, wird die ganze Stimmung der Zeit genutzt, um die Paranoia Alex Lindens, der in jedem Freund Milenas einen potentiellen Nebenbuhler sieht, noch zu verstärken. Alex hat neben seiner wissenschaftliche Arbeit noch einen Job als psychologischer Profiler gegnerischer Agenten. Ein andermal hält er eine Vorlesung über das heimliche Beobachten. Und auch Milena verfolgt er wie ein Detektiv, um möglichst viel über ihr Leben zu erfahren – immer getrieben einerseits von seiner Faszination für dieses geheimnisvolle Wesen, aber auch latenter Aggression, wenn er glaubt, sie betrüge ihn oder wolle ihn für einen anderen verlassen. Im Grunde spiegelt sich hier aber nur Alex‘ rücksichtslose Egozentrik wider, der einerseits mit seinem exotischen Fang angeben will, andererseits aber auch gerade diese Exotik austreiben will, um sie in sein eigentlich extrem konservatives Lebensbild zu pressen.

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Eine bezeichnende, beinahe schmerzvolle Szene ist die, in welcher die Beiden in Marokko zusammensitzen. Milena erfreut sich an der Gegenwart, der Landschaft, der Stimmung. Sie ist begeistert von genau diesem Tag, dieser Stunde, dieser Minute. Alex hat dafür aber gar kein Auge und auch kein Verständnis für Milenas Begeisterung. Brutal zerstört er ihr diesen wundervollen Moment, indem er ihr eröffnet, dass sie am nächsten Tag abreisen würden, denn in der Heimat könne man doch ein gutes Leben gemeinsam führen und heiraten. Während Milena also den Moment genießen und auch schätzen kann, lebt Alex ständig in einer von ihm erdachten Zukunft, die natürlich um so vieles besser sein muss, als seine Gegenwart. Die große Frage in dieser „Anatomie einer Leidenschaft“ ist es daher, was Milena an diesem Kotzbrocken findet. Alex versucht ihr ständig sein Leben und seine Idealvorstellung von einem Zusammenleben aufzudrängen, und reagiert wie ein beleidigtes Kind, wenn sie seine Pläne nicht honoriert. Demgegenüber ist ihr sehr viel älterer Ehemann ein sehr viel sympathischer Charakter, der seine Frau und ihre Bedürfnisse versteht und ihr schweren Herzens die Freiheit gibt, die sie braucht. Alex hingegen sperrt sie ein.

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Durch Roegs zersplitterte Weise der Erzählung erscheint Alex Linden auch dem Zuschauer zunächst als positiv besetzter Charakter. Er ist ein fein geistiger Intellektueller, der sich für Kunst interessiert und scheinbar so etwas wie ein Beschützer der anfangs ziemlich verrückt erscheinenden Milena Doch mit jedem Puzzleteil, welches Roeg uns präsentiert, ändert sich das Bild. Es wird klarer und am Ende ist es Alex, der als psychisch Kranker dasteht und Milena mit ihren nachvollziehbaren, freiheitsliebenden Wünschen und Leidenschaften entpuppt sich als die „Normale“ in dieser Beziehung. Wenn am Ende dann das letzte Stück ins Puzzle gedrückt wird, ist es unmöglich Alex Linden noch mit den selben unschuldigen Augen zu sehen, wie am Anfang. Dann steht er förmlich nackt vor uns. All seiner schützenden, täuschenden Aura des sensiblen Intellektuellen beraubt. Ein krankhaft ichbezogener Starrkopf, der ganz in seiner eigenen Welt lebt, unfähig Empathie für seine Mitmenschen zu empfinden. Milena wird sich nach ihrer traumatischen Nahtod-Erfahrung von ihm lösen können, doch die Narben bleiben. Physisch und psychisch. Doch sie wird ihren Weg gehen, während er in seinem Egoismus gefangen bleibt.

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Nicolas Roeg erzählt seine „Anatomie einer Leidenschaft“ in einer vertrackten Rückblendenstruktur, bei der jedes neu hinzugefügtes Puzzleteil ein häufig klareres, manchmal aber auch ganz anderes Bild der handelnden Personen ergibt. Roegs Film ist elegant gefilmt und mit einem erlesenen und passenden Soundtrack veredelt. Wenn man am Ende dann das ganze Puzzlebild erkennen kann, dann zeigt dieses eine Egoismus vergiftete Leidenschaft.

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Die Veröffentlichung im Rahmen der der Koch-Media-Reihe „Masterpieces of Cinema“ ist solide. Die Bildqualität ist gut, aber weit davon entfernt vollkommen perfekt zu sein. Für den Hausgebrauch reicht es aber vollkommen. Auch der Ton ist in Ordnung. Da der Film in Wien spielt und die Darsteller je nach Herkunftsland Englisch oder Deutsch sprechen – mit Ausnahme von Keitel, der zwar einen Wiener spielt, aber nur Englisch redet – empfiehlt sich die Originaltonspur. Als Extras gibt es 17 Minuten „Deleted Scenes“, die interessant sind, aber im fertigen Film auch nicht fehlen. Die Extras der amerikanischen Criterion-DVD wurden leider nicht übernommen.

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Das Bloggen der Anderen (17-08-15)

bartonfink_type2– Natürlich wieder Locarno. Auch wenn das mittlerweile vorüber ist. Gewonnen hat der Südkoreaner Hong Sang-soo mit „Right now, Wrong Then“, den Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog bespricht. Ebenso wie den Bollywood-Gangster-Film „Bombay Velvet“. Und eine Liste mit allen Preisträgern gibt es dort auch.

– Hannes Brühwiler stellt auf critic.de die für ihn schönsten Filme vom diesjährigen Locarno-Filmfests vor, die allesamt auch mal Experimente wagen. Und Frédéric Jaeger führt sein Locarno Seh-Tagebuch weiter, welches ihn zu Peckinpah und Alex von Warmerdam führt.

– Rüdiger Suchsland hat sich für Negativ die Peckinpah-Retro in Locarno angesehen und war von Antoine Fuquas Film „Southpaw“, der jetzt auch in den deutschen Kinos anläuft, sehr begeistert.

– Auch Joachim Kurz von B-Roll ist in Locarno und hat dort den Schweizer Film „Heimatland“ gesehen und wünscht sich, „dass genau ein solches Werk voller Wucht und Wut auch einmal in Deutschland entstehen würde, ja überhaupt nur könnte.“ Seine Kollegin Beatrice Behn hat das diesjährige Festival in Locarno  vor allem als „das Jahr der Männergeschichten“ erlebt. Kirsten Kieninger hat einen sehr schönen und nachdenkenswerten Artikel über CGI im Kino verfasst, der die künstlichen Bilder einmal nicht per se verdammt.  Und Lucas Barwenczik macht sich Gedanken darüber, wieso aus „Agenten wieder Superhelden werden“.

– Sano Cestnik und Gary Vanisian berichten auf Eskalierende Träume über einen Film, den sie auf der Nippon Connection 2015 sahen und der sie tief beeindruckte: Einen japanischen Stummfilm aus den 30er Jahren, der von einem japanischen Kinosprecher (Benshi) begleitet wurde.

– Michael Schleeh von Schneeland ist auf dem Hong Kong International Summer Film Festival 2015, wo er den Bollywood-Film „Piku“ mit dem großen Amitabh Bachchan gesehen hat.

– Joris Julius-Sabinus bedauert auf Hard Sensations, dass Vincent Grashaw Film „Coldwater“, über Boot Camps in den USA, seine Chancen nicht nutzt. Er „hätte hier wirklich in ein gewaltiges Wespennest stechen können. Bedauerlicherweise war ihm ein glatter Protagonist und eine profane Narrativ-Fuzziness deutlich wichtiger. So bleibt „Coldwater“ ein Torture Porn, der spurlos an einem vorbeigeht“. Derweil trägt Alex Klotz weiterhin die Lobpreisungen des 88-jährigen Aachener Amateur-Animations-Filmers Bruno Sukrow in die Welt.

– Auf Grün ist die Heide reflektiert Udo Rotenberg über Wolfgang Petersens frühen Thriller „Einer von uns Beiden“ mit dem damals noch unbekannten Jürgen Prochnow und Klaus Schwarzkopf in einer ungewohnt negativen Rolle.

– Auf Schattenlichter begibt sich Mauritia Mayer allein wegen Marisa Mell in das von ihr nicht besonders geliebte Reich der Komödien. Doch „Casanova 70“ konnte auch sie überzeugen.

– Oliver Nöding hat es auf Remember It For Later in dieser Woche mit Reis-Bäuerinnen in knappen Outfit und tragischer Geschichte. Neben dem Vater dieses „Sub-Genres“, „Bitterer Reis“, hat er sich noch die neorealistischen Dramen „Das Reismädchen“ mit Elsa Martinelli und „Die Frau vom Fluss“ mit Sophia Loren angesehen.

– Dinge, die ich noch nicht wusste #1: Batman-Erfinder Bob Kane hat eine Figur namens Cool McCool erfunden, der in einer TV-Trickfilmserie der 60er die Geheimagenten-Welle parodierte. Mehr dazu von Oliver Armknecht auf film-rezenionen.de.

– Dinge, die ich noch nicht wusste #2: James-Bond- Drehbuchautor Richard Maibaum hat mal das Drehbuch für eine Deutsch(!)-Amerikanische Co-Produktion mit Fabio Testi geschrieben, in der eine weibliche Bond-Variante auf Verbrecherjagd geht. Das Ergebnis heißt „S.H.E. – Super Harter Engel“. Cooler Titel. Ob der Film auch so cool ist, liest man bei totalschaden auf Splattertrash. Außerdem für mich sehr interessant: Ein polnischer Actionfilm im Bond-Fahrwasser, der in seinem Heimatland unter die schlechtesten polnischen Filme ever gewählt wurde. Natürlich will ich unbedingt „Der Fluch des Schlangentals“ sehen, aber in Polen scheint der – nach flüchtiger Recherche – nicht auf DVD erschienen zu sein.

– Im Nischenkino gibt es gerade eine Don Siegel-Retro. Dort wird zunächst der eher wenig bekannte Kriegsfilm “Hell is for Heroes“ mit Steve McQueen und dann der etwas bekanntere, aber immer noch viel zu selten erwähnte „Betrogen“ mit Clint Eastwood besprochen.

– Da wir gerade bei Retros sind. Auf Cereality geht es mit David Cronenbergs „Spider“ (noch immer eine Bildungslücke bei mir) weiter.

– Ich glaube Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat gerade die selbe Erich von Strohheim-Biografie wie ich gelesen. Zumindest finde ich in seinem Vergleich zwischen EvS und dem rumänischen Filmemacher Cristi Puiu einiges davon wieder.

– „The Terminator“ war für mich Mitte der 80er ein ganz, ganz wichtiger Film. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir den geschaut haben. Christian Genzel ist aufgefallen, wie der Cameron es „mit nur neun Einstellungen (…)  die perfekte Stimmung für den Rest des Films setzt und (es) schafft (…), sogar diesen kleinen Prolog (der nur knapp eine Minute dauert!) an einem geschickten erzählerischen Faden aufzuziehen.“ Wie, das erzählt er anhand von Screenshots auf Wilsons Dachboden.

– Nochmal 80er. „Sie leben“ ist nicht perfekt, aber trotzdem einer meiner liebsten Carpenter. Yzordderrexxiii mag ihn auch.

– PD und YP unterhalten sich auf Filme im Dialog über einen Western. Und zwar den gerade angelaufenen „Slow West“ mit Michael Fassbender.

– Der große Film Noir-Regisseur Robert Siodmak lieferte nach seiner Rückkehr in die Heimat seine Version eines „Sissy“-Films ab. Hoffman von Die drei Cineasten hat „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ gesehen, ist aber nicht gerade begeistert.

– Zeilenkino über „Himmelsverbot“. Für seinen Dokumentarfilm „Jailbirds – Geschlossene Gesellschaft“ besuchte Schwartz vor zehn Jahren das rumänische Hochsicherheitsgefängnis Rahova und begegnete während der Dreharbeiten Gabriel, einem zu lebenslanger Haft verurteiltem Mörder. In „Himmelverbot“ begleitet er diesen nun in die Freiheit. Kling sehr interessant.

– Blick nach Osten. Vitellone ist auf Die drei Muscheln nach einiger Anlaufzeit dann doch ziemlich überwältigt vom legendären „Russian Arc“, dem One-Take-Wonder des russischen Regisseurs  Alexander Sokurov.

– Und zu guter Letzt: Noch mehr „Gespräche der Anderen“. Die interessantesten Podcasts der Woche bei Wiederaufführung. Den Link zum Bahnhofskino, wo zwei großartige, polnische besprochen werden, habe ich mir schon abgespeichert.

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Filmforum Bremen zu Gast bei „Klare Worte – Der Deliria-Italiano-Podcast“

Vor Kurzem hatte ich die große Ehre, als Gast beim Deliria-Italiano-Podcast „Klare Worte“ dabei sein zu dürfen.

Entgegen des Namens „Deliria-Italiano„, welcher auch gut die Hauptthemen dieses sehr schönen und familiären Forums umschreibt, ging es hierbei nicht um irgendwelche Gialli oder Polizieschi, sondern um einen der ganz großen Meister der Filmgeschichte: Stanley Kubrick. Da eine ausführliche Betrachtung aller Filme natürlich den Zeitrahmen eines Podcasts locker gesprengt hätte, wurde sich auf vier große Werke konzentriert: „2001: Odyssee im Weltraum„, „Uhrwerk Orange„, „Shining“ und „Eyes Wide Shut„. Trotz dieser eisernen Beschränkung auf nur vier Titel aus Kubricks Oeuvre, dauert der Podcast etwas über zwei Stunden.

Der Podcast wurde von René alias Seth_LCF ins Leben gerufen. Vor der Kubrick-Episode gab es bereits eine erste Folge, in der sich René mit dem Foren-Mitglied buxtebrawler – einem ausgewiesenen Slasher-Experten – über die komplette „Freitag, der 13.„-Reihe unterhielt. Dieser sehr schöne Premieren-Podcast kann hier runtergeladen werden (Rechtsklick auf den Link und dann „Ziel speichern unter“ drücken).

René und ich kamen am vorletzten Donnerstag zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen. Große Vorbereitungen gab es nicht, geschnackt wurde frei von der Leber weg ohne Skript oder eingehende vorherige Recherche. Der Podcast hat auch keine wissenschaftliche oder tiefe analytische Ansprüche. Wir redeten mehr darüber, wie wir die Filme empfanden, was sie in uns auslösten und wie wir sie für uns interpretieren.

Leider sind die ersten 20 Minuten teilweise von schlimmen Störgeräuschen und Tonschwankungen begleitet (was während der Aufnahme leider nicht auffiel). Wen diese zu sehr stören, der springe doch bitte direkt zu Minute 20. Für mich war das Ganze eine Premiere, die mir allerdings sehr gefallen hat. Falls es die Leute interessiert, was René und ich da vor uns hin sabbeln, kann ich mir gut vorstellen, demnächst mal wieder Gast bei „Klare Worte“ zu sein.

Hier noch einmal der Download-Link zu der Kubrick-Epsiode vonKlare Worte – Der Deliria-Italiano-Podcast„.

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DVD-Rezension: “Die Nacht hat tausend Augen”

nachttausendWährend einer seiner Vorstellungen stellt der Varieté-Hellseher John Triton (Edward G. Robinson) fest, dass er tatsächlich in die Zukunft blicken kann. Da er mit den plötzlich auftauchenden Zukunftsvisionen nicht umgehen kann, beschließt er, sich in ein einsames Exil zurückzuziehen. Als Triton nach vielen Jahren nach Los Angeles zieht, sieht er den Tod seines alten Partners und Freundes Whitney Courtland (Jerome Cowan) voraus, welcher durch Tritons Vorhersagen zu großem Reichtum gekommen ist. Triton will Courtland warnen, kommt jedoch zu spät. Courtland stirbt bei einem Flugzeugunglück. Eine weitere Vision zeigt Triton die Ermordung von Courtlands Tochter Jean (Gail Russell). Triton setzt nun alles daran, diesen Mord zu verhindern, doch niemand glaubt seinen Warnungen…

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Dass Cornell Woolrich heutzutage nicht den selben Ruhm wie beispielsweise Raymond Chandler oder auch ein Dashiell Hammett genießt, ist sehr bedauerlich. Sein Werk ist zwar fast lückenlos auch in Deutschland (bei Diogenes, bei denen viele seiner meisterlichen Zeitgenossen ihr Zuhause gefunden haben) erschienen, kann aber nur noch im Antiquariat bezogen werden. Wer weiß heutzutage noch, dass es seine Kurzgeschichte „It Had To Be Murder“, die die Vorlage zu Alfred Hitchcocks unsterblichen „Fenster zum Hof“ lieferte? Oder Francois Truffaut mit „Die Braut trug schwarz“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ gleich zwei seiner Romane verfilmte. Auch „Die Nacht hat tausend Augen“ beruht auf einem Roman von Cornell Woolrich und war 1948 nur eine von gleich drei Adaptionen seiner Werke. Überhaupt waren die 40er Jahre eine gute Zeit für Woolrich-Verfilmungen. „Leopard Man“ von Jacques Tourneur, „Schwarzer Engel“ von Roy William Neill und „Zeuge gesucht“ von Robert Siodmak (Rezension hier) entstanden alle in diesem Jahrzehnt.

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„Die Nacht hat tausend Augen“ mischt recht effektiv Noir- mit Mystery-Elementen. Neben der typischen Story eines Mannes, dessen Leben langsam, aber sicher den Bach runter geht, werden auch übersinnliche Elemente, wie die Fähigkeit des Protagonisten in die Zukunft zu schauen, mit verwoben. Edward G. Robinson spielt diesen unglücklichen Hellseher, der um seine Gabe nie gebeten hatte und nun hilflos mitansehen muss, wie sie einem finstereren Schatten gleich, in sein einst unbeschwertes Leben kriecht. Dabei stellt der Film eine interessante Frage: Kann der von Robinson gespielte John Triton wirklich in die Zukunft blicken, oder ist er selber es, der die zukünftigen Geschehnisse als Art self fulfilling prophecy dadurch in Gang bringt, indem er sie ausspricht. Letzteres würde bedeuten, dass er die Dinge selber steuern könnte. So macht er dann auch die Probe aufs Exempel. Mit tödlichen Konsequenzen, die ihn endgültig in die Einsamkeit treiben. Denn Triton muss auf die harte Tour lernen, dass er seiner Gabe hilflos ausgeliefert ist.

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Man fragt sich, warum er diese Fähigkeit nicht nutzt, um Gutes zu tun, statt sich irgendwo zu vergraben. Der Blick in seine traurigen Augen verrät es: Er will nicht die Verantwortung für das Schicksal fremder Menschen tragen. Robinson spielt diesen traurigen und schwachen Helden mit aller gebotenen Melancholie und Lebensmüdigkeit. Erst als die Tochter seiner einstigen Verlobten und seines besten Freundes in mörderische Gefahr gerät, rafft sich der kleine Mann auf, um einmal in seinem Leben das Schicksal mit aller Macht zu drehen – auch wenn es für ihn den Tod bedeuten sollte. Aber eigentlich sucht er diesen ja auch, um endlich die für ihn so schwere Last des Wissens loszuwerden. Für Robinson ist der einfache Mann, der zum Spielball des Schicksals wird, eine Paraderolle, die er gerade Ende der 40er Jahre häufig spielen sollte. So z.B. in Fritz Langs Noir-Klassikern „Gefährliche Begegnung“ und „Straße der Versuchung“. Diese schwachen Figuren ergänzen perfekt seine harten Gangster-Rollen, mit denen Robinson berühmt geworden ist, und zeigen seine schauspielerische Bandbreite. Später sollte er diese noch durch den väterlichen Typus erweitern.

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Neben Robinson bleiben die anderen Darsteller eher blass. John Lund als Verlobter des potentiellen Opfers wirkt eher borniert und daher recht unsympathisch. Gail Russell, die in „Der unheimliche Gast“ (Kritik hier) noch strahlen konnte, kann sich nicht aus dem Korsett de naiv-hilflosen Mädchens befreien. Ihr großes Charisma kommt in der Rolle der Jean Courtland überhaupt nicht zum Tragen. Möglicherweise ist dies auf ihre übergroße Nervosität vor der Kamera zurückzuführen, die sie mit Alkohol zu bekämpfen versuchte, was letztendlich zu ihrem viel zu frühen Tod mit nur 36 Jahren führte. Ein Schau für sich ist allerdings William Demarest, der hier einen ganz harten Detektiv spielt. Demarest bewegt sich dabei immer am Rande der reinen Parodie, ohne diese Grenze gänzlich zu überschreiten. So kann er sich trotz seiner kleinen Rolle immer wieder in den Vordergrund spielen. Wobei es ihm auch hilft, nicht allzu viele Szenen gemeinsam mit Robinson zu haben.

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Inszeniert wurde „Die Nacht hat tausend Augen“ von John Farrow, Vater von Mia und Tisa. Farrow setzt den Film eher konservativ – größtenteils kammerspielartig – in Szene, immer bemüht, die geringen Produktionskosten zu kaschieren. Große Unterstützung erhält er dabei von dem genialen Kameramann John F. Seitz, der für Billy Wilder unter anderem dessen großartige Film Noirs, „Frau ohne Gewissen“, „Das verlorene Wochenende“ oder „Boulevard der Dämmerung“ fotografierte. Seitz hat ein hervorragendes Gespür für effektive Licht und Schattenspiele, mit denen er auch die kleine Studiokulisse wie einen weitläufigen Garten über den Wipfeln Los Angeles aussehen lässt.

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„Die Nacht hat tausend Augen“ ist eine effektive und spannende Mischung aus Film Noir, Drama und Mystery. Basierend auf einem Roman von Cornell Woolrich, lebt der Film vor allem von der Persönlichkeit des Hauptdarstellers Edward G. Robinson und der atmosphärischen Kameraarbeit von John F. Seitz.

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Koch Media präsentiert diese Veröffentlichung mit einem für das Alter des Filmes bis auf ein paar kleine Kratzer sehr gutem Bild. Auch der englische Originalton ist sehr gut und klar. Die deutsche Synchronisation scheint für das Fernsehen aufgenommen zu sein. Die Sprecher sind gut (insbesondere G.G. Hoffmann, der John Lund spricht), wenn auch der Sprecher Robinsons recht weit weg vom markanten Original ist. Jedoch ist die Atmosphäre recht steril. Bis auf eine hübsche Bildgalerie gibt es keine Extras.

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Originalfassungen in Bremen: 13.08.15 – 19.08.15

Wenn ich einmal eine freie Minute finde, um zeitnah die Originalfassungen zusammenzutragen, sollte ich das schnell tun. In diesem Sinne… nicht lang schnacken.

Dating Queen – Cinemaxx, Sa. und Di. um 19:30 – Der neue Film von Judd Apatow wurde der Stand-Up-Komikerin Amy Schumer für ihr Leinwanddebüt auf den Leib geschrieben. Die trinkfeste, vulgäre und männerverschleißende Reporterin Amy verliebt sich in einen sensiblen Sportarzt.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=-JfJQJI2Epo[/youtube]

Mission: Impossible – Rogue Nation – Cinemaxx, Fr., 14.8.  um 19:30 – Der fünfte Teil TV-Serien-Adaption rund um den von Tom Cruise gespielten Superagenten Ethan Hunt. In diesem Teil löst das Pentagon die Impossible Mission Force auf und kurz darauf stehen ihre Mitglieder auf der Abschussliste eines geheimnisvollen Gegners.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=pXwaKB7YOjw[/youtube]

Codename U.N.C.L.E. – Cinemaxx, So. und Mi. um 19:30 & CineStar, So., 16.8. um 19:30 – Und noch eine TV-Serien-Adaption. Hier liegt ebenfalls eine Agenten-Serie der 60er Jahre zugrunde. Der CIA-Agent Solo soll zusammen mit dem „Feind“, dem KGB-Mann Kuryakin, ein international operierendes Verbrechersyndikat zerschlagen. Regie führt Guy Ritchie.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=-x08iNZ8Mfc[/youtube]

Amy – The Girl Behind the Name – Schauburg, Do.-Mi., Sa./So. auch 12:15 – Dokumentation über den Aufstieg und viel zu frühen Tod der Amy Winehouse.

Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben – Schauburg, Mi. 19.8. um 19:15 – Tragikomödie von Isabel Coixet mit Ben Kingsley als indischen Taxifahrer in New York, der einer frisch geschiedenen und sehr unselbständigen Schriftstellerin Fahrstunden gibt.

Slow West – Schauburg, So., 16.8. um 21:15 – Western mit Michael Fassbender als einsilbigen Revolverhelden, der ein junges und naives Greenhorn aus Schottland unter seine Fittiche nimmt. Regiedebüt des Musikers John Maclean.

Las Insoladas – Sonnenstiche – Cinema Ostertor, So. 16.8. um 17:00 – Argentinische Komödie. Sechs Freundinnen träumen davon nach Kuba zu reisen, doch sie leben in Buenos Aires und haben kein Geld.

Sneak Preview –  Cinemaxx, Mo., den 17.8. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 17.8. um 21:15

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