22. Internationales Filmfest Oldenburg: George-Armitage–Retrospektive und weitere Filme

George Armitage, George Armitage? Den Namen kenne ich doch. Ja, tatsächlich. Erst kürzlich besprach ich hier seinen Film „Vigilante Force“ mit einem großartigen Kris Kristoffersen. Nun widmet ihm das Internationale Filmfest Oldenburg eine Retrospektive. Und die Titel dieser sieben ihm zu Ehre aufgeführten Filme, lassen das Herz höher schlagen.

Da ist Armitages Debüt als Autor, die 1972 entstandene Roger-Corman-Produktion „Gas-s-s-s“, in der er auch selbst eine Rolle übernahm. Im gleichen Jahr folgte der von ihm geschriebene und inszenierte Blaxploitation-Film „Hit Man“ mit Bernie Casey in der Hauptrolle. „Hot Rod“ um Straßenrennen in den 50ern folgte 1979. 1990 adaptierte er den Charles-Willeford-Roman „Miami Blues“ mit Alec Baldwin als Anti-Helden. Es folgte 1997 dann einer seiner bekanntesten Filme, der wunderbare Auftragskiller-Film „ Grosse Point Blank“ mit John Cusack als Killer, der zum Klassentreffen in seine Heimatstadt zurückkehrt.

2004 adaptierte er Elmore Leonards Roman „The Big Bounce“ mit einer Starbesetzung. Allerdings wurde der Film vom Studio umgeschnitten und zu einem künstlerischen und finanziellen Desaster. Wenn man in der Presemitteilung des Filmfest Oldenburg zwischen den Zeilen liesst, dann klingt es aber durchaus so, als ob Armitage seine bisher nie gezeigten Director’s Cut Schnittfassung zeigen würde. Ich bin sehr gespannt.
Ach ja, eingangs erwähnter „Vigilante Force“ von 1976 wird auch in Oldenburg gezeigt.

George Armitage als Ehrengast in Oldenburg vom 16. bis zum 20. September seine Filme persönlich vorstellen. Ich freue mich darauf.

Zeitgleich mit der Ankündigung der Retrospektive, wurden noch einige weitere Titel verraten, die auf dem diesjährigen Filmfest laufen werden.

GOD OF HAPPINESS: Der deutsch-georgische Filme von Dito Tsintsadze gewann gerade den Silbernen Leoparden in Locarno. Es geht um die komplizierte Beziehung zwischen einem Vater und seiner seit einem Jahrzehnt entfremdeten Tochter.godofhapiness

DARK: Von Nick Basile, erzählt wie sich eine junge Frau (Whitney Able, war bereits vor ein paar Jahren mit „Monsters“ in Oldenburg) während des großen Black-Out in New York gegen ihre größten Ängste durch die Nacht kämpft. Joe Dante war hier Executive Producer.

dark

TOO LATE: Regisseur Dennis Hauck erzählt von einem Privatdetektiv, der in Südkaliforniens eine vermisste Frau sucht.

toolate

DIXIELAND: Hank Bedford erzählt seine Bonnie und Clyde-Geschichte im brütend heißen Mississippi.dixieland

ONE WILD MOMENT: Vincent Cassel und François Cluzet spielen die Hauptrollen in Jean- François Richets Remake des Originals von 1977. Zwei beste Freunde machen sie Urlaub mit ihren jugendlichen Töchtern. Doch dann schläft der eine mit der Tochter des anderen.

TANGERINE: Sean Bakers Film ist eine Odyssey durch Los Angeles‘ Transgender-Subkultur, die auf einem kleinen iPhone eingefangen wurde.

tangerine

„Dark“ ist bei mir schon mal gesetzt – sofern der Spielplan mir nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Veröffentlicht unter Allgemein, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Open-Air-Kino in Bremen 2015 – „Wall-Sommer“

Von Donnerstag, dem 27. August, bis Sonnabend, den 29. August, findet der sogenannte „Wall-Sommer“ im Abschnitt zwischen Herdentor und Bischofsnadel statt.

Was das mit Kino zu tun hat? Eine Menge, den der „Weser Kurier“ (der gerade in einem Akt der totalen Gleichgültigkeit das wöchentliche Kinoprogramm in seiner Mittwochsbeilage gekillt hat) besinnt sich plötzlich wieder auf die siebte Kunst und präsentiert am Wall ein Open-Air-Kino.

Dort wird am Donnerstagabend der Film „Little Miss Sunshine“ gezeigt. Am Freitag folgt Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ und am Sonnabend eine Zusammenstellung von Kurzfilmen. Welche das sein werden, ist mir noch nicht bekannt.

Mehr ist bisher noch nicht herauszufinden. Ich gehe aber mal fest davon aus, dass das Open-Air-Kino am Wall kostenlos sein wird und nach Beginn der Dämmerung startet.

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: „Blackout – Anatomie einer Leidenschaft“

blackoutEine junge Frau wird mit einer Überdosis Schlaftabletten in ein Wiener Krankenhaus eingeliefert. Während die Ärzte verzweifelt um ihr Leben kämpfen, verhört der Polizeibeamte Netusil (Harvey Keitel) den jungen Mann der die junge Frau gefunden hat. Langsam wird klar, wie es zu der Tragödie gekommen ist. Der amerikanische Psychoanalytiker Alex Linden (Art Garfunkel) lebt und unterrichtet in Wien. Dort lernt er auf einer Party die etwas jüngere Melina (Theresa Russell) kennen, die ihm sofort Avancen macht. Melina ist eine extrovertierte, lebenslustige junge Frau, die etwas zu sehr dem Alkohol zugeneigt ist und ihr freies Leben genießt. Beide beginnen einen leidenschaftliche Affäre. Bald schon kommt Alex durch Zufall dahinter, dass Melina hinter dem eisernen Vorhang mit einem sehr viel älteren tschechoslowakischen Geheimdienstoffizier namens Stefan (Denholm Elliott) verheiratet ist. Alex wird immer eifersüchtiger und versucht Melina mit allen Mitteln an sich zu binden…

vlcsnap-00327vlcsnap-00331

Ich weiß nicht, ob Quentin Tarantino ein Fan dieses Filmes ist. Auf jeden Fall scheint „Blackout – Anatomie einer Leidenschaft“ einen großen Einfluss auf ihn ausgeübt zu haben, als er seinen weltweiten Durchbruch „Pulp Fiction“ konzipierte. So trägt John Travolta in jenem 1995 in die Kino gekommenen Film nicht nur die gleichen Klamotten wie Harvey Keitel in „Blackout“, beide haben auch exakt die gleiche Frisur. So sieht Travoltas Vincent Vega beinah wie der Zwillingsbruder von Keitels Netusil aus. Eine andere Gemeinsamkeit beider Filme ist natürlich das nicht-lineare Erzählen. Heutzutage hat man sich an diese Erzähltechnik ja schon gewöhnt, weshalb es nach einer kurzen Zeit der Orientierungslosigkeit nicht besonders schwerfällt, die einzelnen Puzzleteile, die einem Regisseur Nicolas Roeg präsentiert, in das Gesamtbild einzupassen. Doch 1980 muss „Blackout“ sein Publikum zutiefst verwirrt haben. Figuren beobachten sich über unterschiedliche Zeitebenen hinweg. Anfang und Ende von Dialoge bilden keine zeitliche oder räumliche Einheit. So radikal wie Roeg hatte zuvor niemand diese Techniken in einem Mainstream-Film benutzt.

vlcsnap-00342vlcsnap-00346
Und tatsächlich ist dies hier keine kleine Independent-Produktion, die einfach mal Dinge ausprobiert, sondern ein Film der renommierten Rank Organisation, die ihre Produktion gerade ausbaute. Hauptdarsteller Art Garfunkel war als Musiker ein ähnlicher Superstar, wie David Bowie, der zuvor in Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ die Hauptrolle spielte. Harvey Keitel hatte sich einen Namen als Martin Scorseses Lieblingsschauspieler gemacht – bevor Robert deNiro auf der Bildfläche erschien. Gedreht wurde in Wien und an der Grenze zur Tschechoslowakei. Obwohl der Kalte Krieg hier keine aktive Rolle spielt, wird die ganze Stimmung der Zeit genutzt, um die Paranoia Alex Lindens, der in jedem Freund Milenas einen potentiellen Nebenbuhler sieht, noch zu verstärken. Alex hat neben seiner wissenschaftliche Arbeit noch einen Job als psychologischer Profiler gegnerischer Agenten. Ein andermal hält er eine Vorlesung über das heimliche Beobachten. Und auch Milena verfolgt er wie ein Detektiv, um möglichst viel über ihr Leben zu erfahren – immer getrieben einerseits von seiner Faszination für dieses geheimnisvolle Wesen, aber auch latenter Aggression, wenn er glaubt, sie betrüge ihn oder wolle ihn für einen anderen verlassen. Im Grunde spiegelt sich hier aber nur Alex‘ rücksichtslose Egozentrik wider, der einerseits mit seinem exotischen Fang angeben will, andererseits aber auch gerade diese Exotik austreiben will, um sie in sein eigentlich extrem konservatives Lebensbild zu pressen.

vlcsnap-00350vlcsnap-00359
Eine bezeichnende, beinahe schmerzvolle Szene ist die, in welcher die Beiden in Marokko zusammensitzen. Milena erfreut sich an der Gegenwart, der Landschaft, der Stimmung. Sie ist begeistert von genau diesem Tag, dieser Stunde, dieser Minute. Alex hat dafür aber gar kein Auge und auch kein Verständnis für Milenas Begeisterung. Brutal zerstört er ihr diesen wundervollen Moment, indem er ihr eröffnet, dass sie am nächsten Tag abreisen würden, denn in der Heimat könne man doch ein gutes Leben gemeinsam führen und heiraten. Während Milena also den Moment genießen und auch schätzen kann, lebt Alex ständig in einer von ihm erdachten Zukunft, die natürlich um so vieles besser sein muss, als seine Gegenwart. Die große Frage in dieser „Anatomie einer Leidenschaft“ ist es daher, was Milena an diesem Kotzbrocken findet. Alex versucht ihr ständig sein Leben und seine Idealvorstellung von einem Zusammenleben aufzudrängen, und reagiert wie ein beleidigtes Kind, wenn sie seine Pläne nicht honoriert. Demgegenüber ist ihr sehr viel älterer Ehemann ein sehr viel sympathischer Charakter, der seine Frau und ihre Bedürfnisse versteht und ihr schweren Herzens die Freiheit gibt, die sie braucht. Alex hingegen sperrt sie ein.

vlcsnap-00366vlcsnap-00377
Durch Roegs zersplitterte Weise der Erzählung erscheint Alex Linden auch dem Zuschauer zunächst als positiv besetzter Charakter. Er ist ein fein geistiger Intellektueller, der sich für Kunst interessiert und scheinbar so etwas wie ein Beschützer der anfangs ziemlich verrückt erscheinenden Milena Doch mit jedem Puzzleteil, welches Roeg uns präsentiert, ändert sich das Bild. Es wird klarer und am Ende ist es Alex, der als psychisch Kranker dasteht und Milena mit ihren nachvollziehbaren, freiheitsliebenden Wünschen und Leidenschaften entpuppt sich als die „Normale“ in dieser Beziehung. Wenn am Ende dann das letzte Stück ins Puzzle gedrückt wird, ist es unmöglich Alex Linden noch mit den selben unschuldigen Augen zu sehen, wie am Anfang. Dann steht er förmlich nackt vor uns. All seiner schützenden, täuschenden Aura des sensiblen Intellektuellen beraubt. Ein krankhaft ichbezogener Starrkopf, der ganz in seiner eigenen Welt lebt, unfähig Empathie für seine Mitmenschen zu empfinden. Milena wird sich nach ihrer traumatischen Nahtod-Erfahrung von ihm lösen können, doch die Narben bleiben. Physisch und psychisch. Doch sie wird ihren Weg gehen, während er in seinem Egoismus gefangen bleibt.

vlcsnap-00380vlcsnap-00374
Nicolas Roeg erzählt seine „Anatomie einer Leidenschaft“ in einer vertrackten Rückblendenstruktur, bei der jedes neu hinzugefügtes Puzzleteil ein häufig klareres, manchmal aber auch ganz anderes Bild der handelnden Personen ergibt. Roegs Film ist elegant gefilmt und mit einem erlesenen und passenden Soundtrack veredelt. Wenn man am Ende dann das ganze Puzzlebild erkennen kann, dann zeigt dieses eine Egoismus vergiftete Leidenschaft.

vlcsnap-00376vlcsnap-00375
Die Veröffentlichung im Rahmen der der Koch-Media-Reihe „Masterpieces of Cinema“ ist solide. Die Bildqualität ist gut, aber weit davon entfernt vollkommen perfekt zu sein. Für den Hausgebrauch reicht es aber vollkommen. Auch der Ton ist in Ordnung. Da der Film in Wien spielt und die Darsteller je nach Herkunftsland Englisch oder Deutsch sprechen – mit Ausnahme von Keitel, der zwar einen Wiener spielt, aber nur Englisch redet – empfiehlt sich die Originaltonspur. Als Extras gibt es 17 Minuten „Deleted Scenes“, die interessant sind, aber im fertigen Film auch nicht fehlen. Die Extras der amerikanischen Criterion-DVD wurden leider nicht übernommen.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (17-08-15)

bartonfink_type2– Natürlich wieder Locarno. Auch wenn das mittlerweile vorüber ist. Gewonnen hat der Südkoreaner Hong Sang-soo mit „Right now, Wrong Then“, den Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog bespricht. Ebenso wie den Bollywood-Gangster-Film „Bombay Velvet“. Und eine Liste mit allen Preisträgern gibt es dort auch.

– Hannes Brühwiler stellt auf critic.de die für ihn schönsten Filme vom diesjährigen Locarno-Filmfests vor, die allesamt auch mal Experimente wagen. Und Frédéric Jaeger führt sein Locarno Seh-Tagebuch weiter, welches ihn zu Peckinpah und Alex von Warmerdam führt.

– Rüdiger Suchsland hat sich für Negativ die Peckinpah-Retro in Locarno angesehen und war von Antoine Fuquas Film „Southpaw“, der jetzt auch in den deutschen Kinos anläuft, sehr begeistert.

– Auch Joachim Kurz von B-Roll ist in Locarno und hat dort den Schweizer Film „Heimatland“ gesehen und wünscht sich, „dass genau ein solches Werk voller Wucht und Wut auch einmal in Deutschland entstehen würde, ja überhaupt nur könnte.“ Seine Kollegin Beatrice Behn hat das diesjährige Festival in Locarno  vor allem als „das Jahr der Männergeschichten“ erlebt. Kirsten Kieninger hat einen sehr schönen und nachdenkenswerten Artikel über CGI im Kino verfasst, der die künstlichen Bilder einmal nicht per se verdammt.  Und Lucas Barwenczik macht sich Gedanken darüber, wieso aus „Agenten wieder Superhelden werden“.

– Sano Cestnik und Gary Vanisian berichten auf Eskalierende Träume über einen Film, den sie auf der Nippon Connection 2015 sahen und der sie tief beeindruckte: Einen japanischen Stummfilm aus den 30er Jahren, der von einem japanischen Kinosprecher (Benshi) begleitet wurde.

– Michael Schleeh von Schneeland ist auf dem Hong Kong International Summer Film Festival 2015, wo er den Bollywood-Film „Piku“ mit dem großen Amitabh Bachchan gesehen hat.

– Joris Julius-Sabinus bedauert auf Hard Sensations, dass Vincent Grashaw Film „Coldwater“, über Boot Camps in den USA, seine Chancen nicht nutzt. Er „hätte hier wirklich in ein gewaltiges Wespennest stechen können. Bedauerlicherweise war ihm ein glatter Protagonist und eine profane Narrativ-Fuzziness deutlich wichtiger. So bleibt „Coldwater“ ein Torture Porn, der spurlos an einem vorbeigeht“. Derweil trägt Alex Klotz weiterhin die Lobpreisungen des 88-jährigen Aachener Amateur-Animations-Filmers Bruno Sukrow in die Welt.

– Auf Grün ist die Heide reflektiert Udo Rotenberg über Wolfgang Petersens frühen Thriller „Einer von uns Beiden“ mit dem damals noch unbekannten Jürgen Prochnow und Klaus Schwarzkopf in einer ungewohnt negativen Rolle.

– Auf Schattenlichter begibt sich Mauritia Mayer allein wegen Marisa Mell in das von ihr nicht besonders geliebte Reich der Komödien. Doch „Casanova 70“ konnte auch sie überzeugen.

– Oliver Nöding hat es auf Remember It For Later in dieser Woche mit Reis-Bäuerinnen in knappen Outfit und tragischer Geschichte. Neben dem Vater dieses „Sub-Genres“, „Bitterer Reis“, hat er sich noch die neorealistischen Dramen „Das Reismädchen“ mit Elsa Martinelli und „Die Frau vom Fluss“ mit Sophia Loren angesehen.

– Dinge, die ich noch nicht wusste #1: Batman-Erfinder Bob Kane hat eine Figur namens Cool McCool erfunden, der in einer TV-Trickfilmserie der 60er die Geheimagenten-Welle parodierte. Mehr dazu von Oliver Armknecht auf film-rezenionen.de.

– Dinge, die ich noch nicht wusste #2: James-Bond- Drehbuchautor Richard Maibaum hat mal das Drehbuch für eine Deutsch(!)-Amerikanische Co-Produktion mit Fabio Testi geschrieben, in der eine weibliche Bond-Variante auf Verbrecherjagd geht. Das Ergebnis heißt „S.H.E. – Super Harter Engel“. Cooler Titel. Ob der Film auch so cool ist, liest man bei totalschaden auf Splattertrash. Außerdem für mich sehr interessant: Ein polnischer Actionfilm im Bond-Fahrwasser, der in seinem Heimatland unter die schlechtesten polnischen Filme ever gewählt wurde. Natürlich will ich unbedingt „Der Fluch des Schlangentals“ sehen, aber in Polen scheint der – nach flüchtiger Recherche – nicht auf DVD erschienen zu sein.

– Im Nischenkino gibt es gerade eine Don Siegel-Retro. Dort wird zunächst der eher wenig bekannte Kriegsfilm “Hell is for Heroes“ mit Steve McQueen und dann der etwas bekanntere, aber immer noch viel zu selten erwähnte „Betrogen“ mit Clint Eastwood besprochen.

– Da wir gerade bei Retros sind. Auf Cereality geht es mit David Cronenbergs „Spider“ (noch immer eine Bildungslücke bei mir) weiter.

– Ich glaube Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat gerade die selbe Erich von Strohheim-Biografie wie ich gelesen. Zumindest finde ich in seinem Vergleich zwischen EvS und dem rumänischen Filmemacher Cristi Puiu einiges davon wieder.

– „The Terminator“ war für mich Mitte der 80er ein ganz, ganz wichtiger Film. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir den geschaut haben. Christian Genzel ist aufgefallen, wie der Cameron es „mit nur neun Einstellungen (…)  die perfekte Stimmung für den Rest des Films setzt und (es) schafft (…), sogar diesen kleinen Prolog (der nur knapp eine Minute dauert!) an einem geschickten erzählerischen Faden aufzuziehen.“ Wie, das erzählt er anhand von Screenshots auf Wilsons Dachboden.

– Nochmal 80er. „Sie leben“ ist nicht perfekt, aber trotzdem einer meiner liebsten Carpenter. Yzordderrexxiii mag ihn auch.

– PD und YP unterhalten sich auf Filme im Dialog über einen Western. Und zwar den gerade angelaufenen „Slow West“ mit Michael Fassbender.

– Der große Film Noir-Regisseur Robert Siodmak lieferte nach seiner Rückkehr in die Heimat seine Version eines „Sissy“-Films ab. Hoffman von Die drei Cineasten hat „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ gesehen, ist aber nicht gerade begeistert.

– Zeilenkino über „Himmelsverbot“. Für seinen Dokumentarfilm „Jailbirds – Geschlossene Gesellschaft“ besuchte Schwartz vor zehn Jahren das rumänische Hochsicherheitsgefängnis Rahova und begegnete während der Dreharbeiten Gabriel, einem zu lebenslanger Haft verurteiltem Mörder. In „Himmelverbot“ begleitet er diesen nun in die Freiheit. Kling sehr interessant.

– Blick nach Osten. Vitellone ist auf Die drei Muscheln nach einiger Anlaufzeit dann doch ziemlich überwältigt vom legendären „Russian Arc“, dem One-Take-Wonder des russischen Regisseurs  Alexander Sokurov.

– Und zu guter Letzt: Noch mehr „Gespräche der Anderen“. Die interessantesten Podcasts der Woche bei Wiederaufführung. Den Link zum Bahnhofskino, wo zwei großartige, polnische besprochen werden, habe ich mir schon abgespeichert.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

Filmforum Bremen zu Gast bei „Klare Worte – Der Deliria-Italiano-Podcast“

Vor Kurzem hatte ich die große Ehre, als Gast beim Deliria-Italiano-Podcast „Klare Worte“ dabei sein zu dürfen.

Entgegen des Namens „Deliria-Italiano„, welcher auch gut die Hauptthemen dieses sehr schönen und familiären Forums umschreibt, ging es hierbei nicht um irgendwelche Gialli oder Polizieschi, sondern um einen der ganz großen Meister der Filmgeschichte: Stanley Kubrick. Da eine ausführliche Betrachtung aller Filme natürlich den Zeitrahmen eines Podcasts locker gesprengt hätte, wurde sich auf vier große Werke konzentriert: „2001: Odyssee im Weltraum„, „Uhrwerk Orange„, „Shining“ und „Eyes Wide Shut„. Trotz dieser eisernen Beschränkung auf nur vier Titel aus Kubricks Oeuvre, dauert der Podcast etwas über zwei Stunden.

Der Podcast wurde von René alias Seth_LCF ins Leben gerufen. Vor der Kubrick-Episode gab es bereits eine erste Folge, in der sich René mit dem Foren-Mitglied buxtebrawler – einem ausgewiesenen Slasher-Experten – über die komplette „Freitag, der 13.„-Reihe unterhielt. Dieser sehr schöne Premieren-Podcast kann hier runtergeladen werden (Rechtsklick auf den Link und dann „Ziel speichern unter“ drücken).

René und ich kamen am vorletzten Donnerstag zu einem gemeinsamen Gespräch zusammen. Große Vorbereitungen gab es nicht, geschnackt wurde frei von der Leber weg ohne Skript oder eingehende vorherige Recherche. Der Podcast hat auch keine wissenschaftliche oder tiefe analytische Ansprüche. Wir redeten mehr darüber, wie wir die Filme empfanden, was sie in uns auslösten und wie wir sie für uns interpretieren.

Leider sind die ersten 20 Minuten teilweise von schlimmen Störgeräuschen und Tonschwankungen begleitet (was während der Aufnahme leider nicht auffiel). Wen diese zu sehr stören, der springe doch bitte direkt zu Minute 20. Für mich war das Ganze eine Premiere, die mir allerdings sehr gefallen hat. Falls es die Leute interessiert, was René und ich da vor uns hin sabbeln, kann ich mir gut vorstellen, demnächst mal wieder Gast bei „Klare Worte“ zu sein.

Hier noch einmal der Download-Link zu der Kubrick-Epsiode vonKlare Worte – Der Deliria-Italiano-Podcast„.

Veröffentlicht unter Allgemein, Film | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Die Nacht hat tausend Augen”

nachttausendWährend einer seiner Vorstellungen stellt der Varieté-Hellseher John Triton (Edward G. Robinson) fest, dass er tatsächlich in die Zukunft blicken kann. Da er mit den plötzlich auftauchenden Zukunftsvisionen nicht umgehen kann, beschließt er, sich in ein einsames Exil zurückzuziehen. Als Triton nach vielen Jahren nach Los Angeles zieht, sieht er den Tod seines alten Partners und Freundes Whitney Courtland (Jerome Cowan) voraus, welcher durch Tritons Vorhersagen zu großem Reichtum gekommen ist. Triton will Courtland warnen, kommt jedoch zu spät. Courtland stirbt bei einem Flugzeugunglück. Eine weitere Vision zeigt Triton die Ermordung von Courtlands Tochter Jean (Gail Russell). Triton setzt nun alles daran, diesen Mord zu verhindern, doch niemand glaubt seinen Warnungen…

vlcsnap-00208vlcsnap-00212
Dass Cornell Woolrich heutzutage nicht den selben Ruhm wie beispielsweise Raymond Chandler oder auch ein Dashiell Hammett genießt, ist sehr bedauerlich. Sein Werk ist zwar fast lückenlos auch in Deutschland (bei Diogenes, bei denen viele seiner meisterlichen Zeitgenossen ihr Zuhause gefunden haben) erschienen, kann aber nur noch im Antiquariat bezogen werden. Wer weiß heutzutage noch, dass es seine Kurzgeschichte „It Had To Be Murder“, die die Vorlage zu Alfred Hitchcocks unsterblichen „Fenster zum Hof“ lieferte? Oder Francois Truffaut mit „Die Braut trug schwarz“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ gleich zwei seiner Romane verfilmte. Auch „Die Nacht hat tausend Augen“ beruht auf einem Roman von Cornell Woolrich und war 1948 nur eine von gleich drei Adaptionen seiner Werke. Überhaupt waren die 40er Jahre eine gute Zeit für Woolrich-Verfilmungen. „Leopard Man“ von Jacques Tourneur, „Schwarzer Engel“ von Roy William Neill und „Zeuge gesucht“ von Robert Siodmak (Rezension hier) entstanden alle in diesem Jahrzehnt.

vlcsnap-00214vlcsnap-00217
„Die Nacht hat tausend Augen“ mischt recht effektiv Noir- mit Mystery-Elementen. Neben der typischen Story eines Mannes, dessen Leben langsam, aber sicher den Bach runter geht, werden auch übersinnliche Elemente, wie die Fähigkeit des Protagonisten in die Zukunft zu schauen, mit verwoben. Edward G. Robinson spielt diesen unglücklichen Hellseher, der um seine Gabe nie gebeten hatte und nun hilflos mitansehen muss, wie sie einem finstereren Schatten gleich, in sein einst unbeschwertes Leben kriecht. Dabei stellt der Film eine interessante Frage: Kann der von Robinson gespielte John Triton wirklich in die Zukunft blicken, oder ist er selber es, der die zukünftigen Geschehnisse als Art self fulfilling prophecy dadurch in Gang bringt, indem er sie ausspricht. Letzteres würde bedeuten, dass er die Dinge selber steuern könnte. So macht er dann auch die Probe aufs Exempel. Mit tödlichen Konsequenzen, die ihn endgültig in die Einsamkeit treiben. Denn Triton muss auf die harte Tour lernen, dass er seiner Gabe hilflos ausgeliefert ist.

vlcsnap-00221vlcsnap-00228

Man fragt sich, warum er diese Fähigkeit nicht nutzt, um Gutes zu tun, statt sich irgendwo zu vergraben. Der Blick in seine traurigen Augen verrät es: Er will nicht die Verantwortung für das Schicksal fremder Menschen tragen. Robinson spielt diesen traurigen und schwachen Helden mit aller gebotenen Melancholie und Lebensmüdigkeit. Erst als die Tochter seiner einstigen Verlobten und seines besten Freundes in mörderische Gefahr gerät, rafft sich der kleine Mann auf, um einmal in seinem Leben das Schicksal mit aller Macht zu drehen – auch wenn es für ihn den Tod bedeuten sollte. Aber eigentlich sucht er diesen ja auch, um endlich die für ihn so schwere Last des Wissens loszuwerden. Für Robinson ist der einfache Mann, der zum Spielball des Schicksals wird, eine Paraderolle, die er gerade Ende der 40er Jahre häufig spielen sollte. So z.B. in Fritz Langs Noir-Klassikern „Gefährliche Begegnung“ und „Straße der Versuchung“. Diese schwachen Figuren ergänzen perfekt seine harten Gangster-Rollen, mit denen Robinson berühmt geworden ist, und zeigen seine schauspielerische Bandbreite. Später sollte er diese noch durch den väterlichen Typus erweitern.

vlcsnap-00233vlcsnap-00239
Neben Robinson bleiben die anderen Darsteller eher blass. John Lund als Verlobter des potentiellen Opfers wirkt eher borniert und daher recht unsympathisch. Gail Russell, die in „Der unheimliche Gast“ (Kritik hier) noch strahlen konnte, kann sich nicht aus dem Korsett de naiv-hilflosen Mädchens befreien. Ihr großes Charisma kommt in der Rolle der Jean Courtland überhaupt nicht zum Tragen. Möglicherweise ist dies auf ihre übergroße Nervosität vor der Kamera zurückzuführen, die sie mit Alkohol zu bekämpfen versuchte, was letztendlich zu ihrem viel zu frühen Tod mit nur 36 Jahren führte. Ein Schau für sich ist allerdings William Demarest, der hier einen ganz harten Detektiv spielt. Demarest bewegt sich dabei immer am Rande der reinen Parodie, ohne diese Grenze gänzlich zu überschreiten. So kann er sich trotz seiner kleinen Rolle immer wieder in den Vordergrund spielen. Wobei es ihm auch hilft, nicht allzu viele Szenen gemeinsam mit Robinson zu haben.

vlcsnap-00244vlcsnap-00242
Inszeniert wurde „Die Nacht hat tausend Augen“ von John Farrow, Vater von Mia und Tisa. Farrow setzt den Film eher konservativ – größtenteils kammerspielartig – in Szene, immer bemüht, die geringen Produktionskosten zu kaschieren. Große Unterstützung erhält er dabei von dem genialen Kameramann John F. Seitz, der für Billy Wilder unter anderem dessen großartige Film Noirs, „Frau ohne Gewissen“, „Das verlorene Wochenende“ oder „Boulevard der Dämmerung“ fotografierte. Seitz hat ein hervorragendes Gespür für effektive Licht und Schattenspiele, mit denen er auch die kleine Studiokulisse wie einen weitläufigen Garten über den Wipfeln Los Angeles aussehen lässt.

vlcsnap-00247vlcsnap-00246
„Die Nacht hat tausend Augen“ ist eine effektive und spannende Mischung aus Film Noir, Drama und Mystery. Basierend auf einem Roman von Cornell Woolrich, lebt der Film vor allem von der Persönlichkeit des Hauptdarstellers Edward G. Robinson und der atmosphärischen Kameraarbeit von John F. Seitz.

vlcsnap-00248vlcsnap-00249

Koch Media präsentiert diese Veröffentlichung mit einem für das Alter des Filmes bis auf ein paar kleine Kratzer sehr gutem Bild. Auch der englische Originalton ist sehr gut und klar. Die deutsche Synchronisation scheint für das Fernsehen aufgenommen zu sein. Die Sprecher sind gut (insbesondere G.G. Hoffmann, der John Lund spricht), wenn auch der Sprecher Robinsons recht weit weg vom markanten Original ist. Jedoch ist die Atmosphäre recht steril. Bis auf eine hübsche Bildgalerie gibt es keine Extras.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 13.08.15 – 19.08.15

Wenn ich einmal eine freie Minute finde, um zeitnah die Originalfassungen zusammenzutragen, sollte ich das schnell tun. In diesem Sinne… nicht lang schnacken.

Dating Queen – Cinemaxx, Sa. und Di. um 19:30 – Der neue Film von Judd Apatow wurde der Stand-Up-Komikerin Amy Schumer für ihr Leinwanddebüt auf den Leib geschrieben. Die trinkfeste, vulgäre und männerverschleißende Reporterin Amy verliebt sich in einen sensiblen Sportarzt.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=-JfJQJI2Epo[/youtube]

Mission: Impossible – Rogue Nation – Cinemaxx, Fr., 14.8.  um 19:30 – Der fünfte Teil TV-Serien-Adaption rund um den von Tom Cruise gespielten Superagenten Ethan Hunt. In diesem Teil löst das Pentagon die Impossible Mission Force auf und kurz darauf stehen ihre Mitglieder auf der Abschussliste eines geheimnisvollen Gegners.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=pXwaKB7YOjw[/youtube]

Codename U.N.C.L.E. – Cinemaxx, So. und Mi. um 19:30 & CineStar, So., 16.8. um 19:30 – Und noch eine TV-Serien-Adaption. Hier liegt ebenfalls eine Agenten-Serie der 60er Jahre zugrunde. Der CIA-Agent Solo soll zusammen mit dem „Feind“, dem KGB-Mann Kuryakin, ein international operierendes Verbrechersyndikat zerschlagen. Regie führt Guy Ritchie.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=-x08iNZ8Mfc[/youtube]

Amy – The Girl Behind the Name – Schauburg, Do.-Mi., Sa./So. auch 12:15 – Dokumentation über den Aufstieg und viel zu frühen Tod der Amy Winehouse.

Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben – Schauburg, Mi. 19.8. um 19:15 – Tragikomödie von Isabel Coixet mit Ben Kingsley als indischen Taxifahrer in New York, der einer frisch geschiedenen und sehr unselbständigen Schriftstellerin Fahrstunden gibt.

Slow West – Schauburg, So., 16.8. um 21:15 – Western mit Michael Fassbender als einsilbigen Revolverhelden, der ein junges und naives Greenhorn aus Schottland unter seine Fittiche nimmt. Regiedebüt des Musikers John Maclean.

Las Insoladas – Sonnenstiche – Cinema Ostertor, So. 16.8. um 17:00 – Argentinische Komödie. Sechs Freundinnen träumen davon nach Kuba zu reisen, doch sie leben in Buenos Aires und haben kein Geld.

Sneak Preview –  Cinemaxx, Mo., den 17.8. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 17.8. um 21:15

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (10-08-15)

bartonfink_type2– Mit Lorcano steht das nächste große Filmfestival vor der Tür und ist das große Thema in den deutschsprachigen Blogs. So berichtet Michael Sennhauser für Sennhausers Filmblog über Otar Iosselianis „Chant D’Hiver“ und schreibt: „Der knapp unter der Realismusgrenze angesiedelte Alters-Stil erinnert ein wenig an Jacques Tati und sehr stark an Iosseliani.“. Ferner hat er noch zwei Filme gesehen, denen ich ebenfalls entgegenfiebere: Alex van Warmerdams „Borgman“-Nachfolger „Schneider Vs. Bax“ und die Rückkehr des großen Andrzej Zulawski mit „Cosmos“.

– Für critic.de ist Frédéric Jaeger in Lorcano unterwegs und hat dort u.a. den deutschen Film „Der Nachtmahr“ und auch Zulawskis „Cosmos“ sowie den Iosseliani gesehen.

– Rüdiger Suchsland macht sich anlässlich des in Lorcano so gut wie nicht vorkommenden deutschen Films auf The Outtakes seine Gedanken zu dessen Status.

– Joachim Kurz & Beatrice Behn schreiben für B-Roll aus Lorcano und sind ebenfalls von Zulawskis Rückkehr begeistert. Ferner berichtet Joachim Kurz Erschütterndes aus den Deutschen Filmarchiven: „(..) das Filmarchiv des Bundesarchivs (hat) in Berlin-Hoppegarten seit der Wiedervereinigung seine Bestände an filmischen Dokumenten von 140.000 Rollen auf 70.000 Rollen „abgebaut“ (…). Der eigentliche Skandal dieser Nachricht liegt in dem Euphemismus, der die Tatsache kaschiert, dass der Abbau nichts anderes bedeutet als die bewusste Vernichtung von Kulturgütern, die unwiederbringlich verloren gehen.“

– Apropos deutsche Filmgeschichte: „Die letzte bekannte Kopie ist vor Scham errötet, was auf dem Rechner in Verbindung mit der Muffigkeit des Settings durchaus Charme entfaltet, für eine eventuelle DVD- oder gar Blu-Ray-Veröffentlichung aber nur wenig reizvoll ist.“ Worum es geht? Rolf Olsens tollen „Das Stundenhotel von St. Pauli“, den wir einmal in unserer Bremer Kinoreihe „Weird Xperience“ gezeigt habe, weshalb ich den oben beschrieben Zustand der Kopie leider bestätigen muss. Was sich da so langsam auflöst, kann man bei Oliver Nöding auf Remember It for Later nachlesen. Denkt man an St.Pauli im Film fällt einem spontan Jürgen Roland ein, dessen Meisterwerk „Polizeirevier Davidswache“ und der nicht ganz so meisterliche, aber unterhaltsame „St.- Pauli-Report“ hier auch abgehandelt werden.

– Damals wollte ihn von uns keiner gucken, weil er aus Deutschland war, heute wahrscheinlich keiner, weil er von Roland „Hollywood“ Emmerich ist. So ändern sich die Zeiten. Dabei findet Bluntwolf auf Nischenkino: „“Joey“ ist ein wunderbares und ziemlich düsteres modernes Märchen, das eine unheimliche Geschichte von Tod und Magie präsentiert.“

– Weiter mit Deutschland. Von Johannes Schaaf kenne ich bisher leider noch keinen Film, auch den mir bereits des Öfteren empfohlenen „Traumstadt“ nicht. Udo Rotenberg hat sich auf Grün ist die Heide nun eines frühen Films des Regisseurs angenommen: „Tätowierungen“ mit dem RAF-Mitglied Christof Wackernagel in der Hauptrolle.

– Auf seinem zweiten Blog L’amore in cittá schreibt er über „Die Terrasse“, einen der letzten Vertreter der Commedia all’italiana: „Aus heutiger Sicht lässt sich nur statuieren, dass Scolas Blick auf die Kollegen und ihr politisch-kulturelles Engagement, trotz aller Anzeichen einer negativen Entwicklung, liebenswert blieb – das gemeinsame Singen am Ende des Films erhält angesichts der schon wenige Jahre später eintretenden Realität einen melancholisch-sentimentalen Charakter.“

Was für ihn einen guten Film ausmacht, verrät Filmemacher Christoph Hochhäusler in seinem Blog Parallel Films.

– Patrick Holzapfel hat Angst vor Picknicks. Und das Kino ist schuld daran. Warum? Das erklärt er auf Jugend ohne Film.

– Der Kultursemiotiker Kilian Hauptmann schreibt in einem Gastbeitrag auf real virtuality „Wie Cloud Atlas das “Ende der Erzählungen” beendet“.

– Volker Schönenberger rezensiert auf Die Nacht der lebenden Texte das Reclam-Büchlein „Kriegsfilme“, welches in der Reihe „Filmgenres“ erschienen ist. Zudem wird das „Dawn oft he Dead“-Remake von zwei Seiten beleuchtet. Während Volker es für ein Musterbeispiel der gelungen Neuverfilmung hält, lässt Simon Kyprianou kein gutes Haar an dem Film.

– Es tut mir weh, aber symparanekronemoi äußert sich zunächst sehr kritisch über eines meiner Lieblingsbücher (High Fidelity) und dann noch die – wie ich finde recht gelungene – Filmadaption. Okay, in der fehlt meine Lieblingsstelle (der Besuch bei der Dame, die die Plattensammlung ihres Ex-Mannes verhökern will – findet man aber in den Deleted Scenes), aber trotzdem…

Eine schöne Neubetrachtung des Kalte-Kriegs-Klassikers „Die Rote Flut“ hat Robert Wagner auf the gaffer geschrieben.

– Auf Mise en cinéma wird eindrücklich Akira Kurosawas spätes Meisterwerk „Kagemusha“ empfohlen.

Noch ein japanischer Klassiker: Der Anime „Neon Genesis Evangelion“ wird von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de besprochen.

– Hans W. Geißendörfer verbindet man zu allererst mit seiner Schöpfung „Lindenstrasse“. In den späten 60ern gehörte er aber zur Speerspitze des Neuen Deutschen Films und drehte u.a. den Vampirfilm „Jonathan“, den Christian Witte auf cereality vorstellt. Außerdem gibt es wieder Cronenberg: „Scanners“.

– Den ersten Teil der Kinovorschau für den Herbst gibt es bei Der Kinogänger.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 10 jetzt erhältlich

35MILLIMETER10Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle das sehr empfehlenswerte „35 Millimeter“-Magazin vorgestellt. Wie sehr mir diese Publikation gefallen hat sieht man daran, dass ich zu der Ausgabe #7 (Feb./März 2015) einen Artikel über den polnischen Stummfilm-Vamp Pola Negri beigesteuert habe. Nun ist seit heute bereits die 10. Ausgabe des Magazins erhältlich, und wieder konnte ich einen Artikel unterbringen.  Dabei geht es um ein Thema, welches mir schon seit vielen, vielen Jahren nah am Herzen liegt und ich mich ganz besonders freue, dass ich hierzu einen Artikel verfassen konnte: „Russ Meyer und die Satansweiber von Tittfield“. Man erinnere sich: „Die Satansweiber von Tittfield“ (oder „Faster Pussycat, kill, kill…“, wie er im Original heißt), war auch vor vier Jahren der erste Film, den wir hier in Bremen innerhalb unserer Kino-Reihe „Weird Xperience“ gezeigt haben.

 

Hier das Inhaltsverzeichnis der Jubiläumsausgabe:

DER GROTESKE FILM – Das vergessene Erbe der Slapstick-Epoche

BUSTER KEATON- Komik an der Schwelle zur Moderne

VERGESSENE KOMIKER – des frühen Tonfilms in Hollywood

REDAKTIONS-CHARTS – Komödien

THE THREE STOOGES – Die Könige des Kurzfilms

ABBOTT & COSTELLO – Universals sichere Bank

HAROLD LLOYD – Vom einem, der aufstieg, Erfolg zu haben

CHARLIE CHAPLIN – Ein Kind im Rampenlicht der Grossstadt

THE MARX BROTHERS – Anarchie in Hollywood

ROSCOE FATTY ARBUCKLE – Rufmord – ungesühnt

JERRY LEWIS – Mit Leib und Seele

LAUREL & HARDY- Von wegen dick und doof!

PIDAX-LABEL-SPEZIAL – Interview + Rezis

REGIE-LEGENDEN: Jules Dassin – Teil 1 – Das Gespenst von Canterville + Tell-Tale Heart

RUSS MEYER – Der Herr der Brüste und die Satansweiber von Tittfield

TROMMELN AUS WEITER FERNE – „Schwarzafrika“ im Film Teil 3

REZIS – DVD/BLU-RAY/ BÜCHER

Il Cinema Ritrovato – Festivalreport Bologna 2015

TIMELINE – 1900

KUNG FU KLAMOTTENKISTE – Eastern von Gestern

KOLUMNE: LICHTBLICKE MIT BRAUNEM TON – Zwischen Kunst und Ideologie – Teil 4: Sergeant Berry

KOLUMNE: DER VERGESSENE FILM – Epilog: Das Geheimnis der Orplid

Das Magazin kann man u.a. dort für 4 Euro beziehen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Bücher | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar

Open-Air-Kino in Bremen 2015 – „Kino im Hafen“ in Bremerhaven

Für Kurzentschlossene: Leider bin ich bisher nicht dazu gekommen auf das „Kino im Hafen“ unserer Schwesterstadt Bremerhaven hinzuweisen. Und dabei geht das heute schon los.
Diesmal findet, nun schon im 20. Jahr, an gleich drei Abenden Open-Air-Kino im Fischereihafen statt.

Die Veranstaltungen beginnen um 21 Uhr mit einem Vorprogramm. Bei Einbruch der Dunkelheit (ca. 22 Uhr) werden die Filme auf die 180 Quadratmeter große Leinwand im Schaufenster Fischereihafen projiziert.
Und wie immer: Das Open-Air-Event ist gratis!

Gezeigt wird heute, am Donnerstag den 08.08., der große Klassiker und rabenschwarze Kultfilm „Harold und Maude“.
Harold ist ein junger Mann, der seine Mutter mit bizarren Selbstmord-Inszenierungen zur Verzweiflung bringt. Der vom Tod faszinierte Harold besucht auch gerne fremde Beerdigungen, wie auch die 80-jährige Maude. Harold ist begeistert von der fröhlichen und ziemlich verrückten Dame und die beiden werden ein Liebespaar.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=5mz3TkxJhPc[/youtube]

Am Freitag, den 09.08. folgt „Haie und kleine Fische“.
Der deutsche Hollywood-Regisseur Frank Wisbar inszenierte diesen Kriegsfilm in seiner alten Heimat. Gedreht wurde im Sommer 1957 u. a. im Kaiserhafen, auf der Weser und im Fischereihafen Bremerhaven.
Der Film erzählt von einem zunächst unbekümmerten Seekadetten (Hansjörg Felmy), der die Schrecken des Krieges im Nordatlantik kennenlernt, Freunde verliert und selbst nur knapp überlebt. In einer Nebenrolle ist der großartige Horst Frank zu sehen.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=xqVuwzMEEZE[/youtube]

Am Samstag, den 10.08. wird die französische Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde“ gezeigt, die sich scheinbar zu einem Standard bei jeder Open-Air-Kinoveranstaltung entwickelt hat, und über die man hier dann auch keine Worte mehr verlieren braucht.

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare