In eigener Sache: Kurze Sendepause

Sicherlich hat sich der eine oder andere Stammleser schon gewundert, weshalb letzte Woche „Das Bloggen der Anderen“ noch einmal ausfiel, und der letzte Blogeintrag auch schon wieder etwas länger her ist. Die Antwort ist so einfach, wie schmerzhaft: Es fehlt mir einerseits an der Zeit, andererseits bin ich zurzeit einfach platt. Das Bloggen ist ja (leider, muss ich sagen – auch in Anbetracht der Zeit, Mühe und Liebe, die ich in das Filmforum Bremen stecke und die Freude, die es mir macht) nicht mein Beruf.  Und da Letzterer momentan auf unterschiedlichen Ebenen sehr belastend ist, fehlte mir oftmals die Kraft, mich abends oder auf der Heimfahrt im Zug noch zu einem Text aufzuraffen. An meiner Kritik zu „Love Exposure“ zum Beispiel sitze ich nun schon seit zwei Wochen. Das hat nichts damit zu tun, dass mir das Bloggen keinen Spaß mehr machen würde. Im Gegenteil, ärgert es mich ziemlich, dass ich in den letzten zwei Wochen nicht hier nicht so aktiv sein konnte, wie ich es sein möchte. Aber es hilft nichts. Ich muss mir eingestehen, dass ich dringend eine Pause brauche, denn ich fühle mich vollkommen ausgelaugt und muss jetzt erst einmal tief durchatmen. Dabei hilft es ungemein, dass ich jetzt erst einmal fast drei Wochen Urlaub habe. Die ersten Urlaubstage habe ich schon auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verbracht, morgen geht es mit der Familie an die Nordsee. Und dann steht am 2. und 3. Oktober noch das Deliria-Italiano-Forentreffen in Wien an, auf welches ich mich sehr freue. Dann habe ich noch ein, zwei Tage Ruhe bis es wieder zurück ins Büro geht. Ich denke bis dahin habe ich dann auch den Kopf frei bekommen und neue Kräfte gesammelt. Ich werde in der Zwischenzeit aber nicht völlig untätig sein, endlich meine „Love Exposure“-Besprechung beenden und vielleicht noch zwei andere, die ich in der Pipeline habe. Dann kommt natürlich noch der Bericht aus Oldenburg und eventuell zwei Buchbesprechungen. Aber da lasse ich mir Zeit und schreibe erst daran, wenn mir danach ist. Die nächsten drei Wochen gehören jetzt erst einmal nur mir und meiner Familie.

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“Weird Xperience”: Morgen im Lagerhaus/etage3 – ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature

Wie die meisten sicherlich wissen, organisiere ich seit einigen Jahren zusammen mit meinem Kollegen Stefan die Kino-Reihe „Weird Xperience“. Am 11. September feiern wir Premiere in unserer neuen Spielstätte, der etage3 im Kulturzentrum Lagerhaus. Für das erste Mal haben wir, zusammen mit unserem neuen Gang-Mitglied Andreas, etwas besonderes im Programm: Ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature.

Herschell Gordon Lewis ist nicht nur der „Erfinder“ des Gore-Films, sondern für den Papst des schlechten Geschmacks, John Waters, einer der beiden größten Regisseure der USA. Der andere ist Russ Meyer, mit dessen „Faster Pussycat, kill, kill..“ wir unsere Reihe vor vier Jahren im City 46 begannen. Da ist es nur logisch, wenn die erste Vorstellung in der etage3 sich nun dem Herrn Lewis widmet.

two-thousand-maniacsWir starten mit einem seiner bekanntesten Film: „Two Thousand Maniacs!“, den er selber als seinen gelungensten Film ansieht. Hier geht es um eine Gruppe Touristen aus dem Norden der USA, die es in die kleine Stadt Pleasant Valley im tiefsten Redneck-Süden verschlägt. Dort sollen sie die Ehrengäste einer großen Feier sein, die dem 100sten Jahrestag der Zerstörung der Stadt durch Yankee-Truppen gedenkt. Mit größter Freundlichkeit und Zuvorkommen werden die Gäste von den Bewohnern des Städtchens Pleasant Valley empfangen. Da wir uns aber in einem von Herschell Gordon Lewis Gorefilmen befinden und dieser auch noch „Two Thousand Maniacs!“ (mit Ausrufezeichen) befinden, kann man sich denken, dass hinter der südstaatlichen Gastfreundschaft ein blutiges Geheimnis steckt…

Mit „She-Devils On Wheels“ drehte Lewis 1968 einen hierzulande wenig bekannten Beitrag zum weiblichen Biker-Gang-Film. Die Regeln der female Outlaw Gang The Man Eaters sind einfach: Die schnellste Bikerin sucht sich einen Mann aus für eine Nacht aus und verlieben ist nicht. Als Neuzugang Karen letztere Regel bricht, bekommt das ihrem Favoriten schlecht und sie muss ihre Loyalität beweisen. Die Lage spitzt sich weiter zu, als plötzlich eine männliche Biker Gang auftaucht und den Man Eaters ihr Territorium streitig macht. Herschell Gordon Lewis mischt in diesem Film she-devils-on-wheelstypische Juvenile-Delinquency-Elemente mit Horror und Gewalt und lässt dies alles in ein großartiges Finale münden.

Nachdem Herr Lewis seine Karriere mit einer Reihe Nudisten-Filme begann und dann mit seinem frühen Splatterfilmen Kultstatus erlangte, wandte er sich Ende der 60er auch „sozial relevanten“ Themen zu. Allerdings in der ihm eigenen Art. D.h. viel Exploitation und wenig Geld. Neben Jugendkriminalität, Geburtenkontrolle, Frauentausch oder der Musikindustrie, eben auch den populären Bikerfilmen. Nebenbei inszenierte er noch Kinderfilme (!), bevor er 1970 wieder zum Geschmatter zurückkehrte. Nach einer langen Pause in den 80er und 90er Jahren, war er im neuen Jahrtausend mit der Fortsetzung seines ersten Hits „Blood Feast“ und der splatterigen „Uh! Oh! Show“ wieder zurück auf dem Regiestuhl.

Einlass ist am Freitag, den 11. September ab 20:00. Die Show beginnt um 20:30 Uhr. Natürlich gibt es von Stefan und mir vorweg wieder eine kleine Einführung und nach dem zweiten Film haut Euch Andreas alias DJ Wolfinger die passenden Töne um die Ohren. Wer noch Lust hat zu bleiben, kann das Tanzbein schwingen oder sich gemütlich niederlassen, um bei einem süffigen Getränk ein wenig zu

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Das Bloggen der Anderen (07-09-15)

bartonfink_type2– Wie der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Grund hierfür ist, dass ich momentan beruflich und privat so stark eingespannt bin, dass ich zeitnahe Artikel oftmals nicht mehr zustande bringe. D.h. ich muss mich auf Postings konzentrieren, die ich – wann immer es die Zeit erlaubt – vorschreiben und mit einem gewissen zeitlichen Verzug veröffentlichen kann. Darunter leidet zurzeit die Tagesaktualität, zu der ich neben „Das Bloggen der Anderen“ und der O-Ton-Übersicht auch die Nachrufe zähle. Besonders weh getan hat mir in diesem Zusammenhang, dass ich nichts zum Tode von Wes Craven geschrieben habe, obwohl mich dieser getroffen hat. Dafür waren aber die Kollegen sehr rege. Hier die gesammelten Nachrufe auf Wes Craven aus den deutschsprachigen Blogs: Rajko Burchardt auf Fünf FilmfreundeAndreas Köhnemann auf B-Roll. souli auf Die drei Muscheln. Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog.

– Michael Sennhauser ist mit Sennhausers Filmblog zurzeit in Venedig auf den dortigen Filmfestspielen. Dort hat er „The Danish Girl“, den er schön, aber konventionell findet und „Everest“ gesehen. Zu letzterem schreibt er: „Das ist grosses Bergkino, unglaublich dramatisch und spannend, nie aber beherrscht von zu viel hollywoodscher Dramatik.“

– In Venedig befindet sich auch Rüdiger Suchsland für Negativ. Er findet Venedig in den bisher zwei Folgen seines Sehtagebuchs vor allem extrem lässig.

– Ein Sehtagebuch betreibt auch Nina Linkel, die für critic.de auf dem 13. Internationalen Festival für Animationsfilm in Baden unterwegs ist und dort u.a den neuen Film von Bill Plympton gesehen hat. Michael Kienzl schreibt über eine Retrospektive, die dem Neuen Jugoslawischen Film gewidmet ist. h Und Silvia Szymanski berichtet in einem wunderbaren Text über ihre Erlebnisse in einem Pornokino in Brüssel.

– Urs Spörri hält auf B-Roll ein Plädoyer für den mittellangen Film (20 Minuten bis eine Stunde), der auf Festivals aufgrund des ungewöhnlichen Formats fast nie eine Chance hat. Lucas Barwenczik hat viel Lesenswertes über Alexei German und seinen letzten Film „Es ist schwer ein Gott zu sein“ zusammengetragen.

– Juli empfiehlt auf ihrem Blog Pieces of Emotion die aktuelle Tim-Burton-Ausstellung in Brühl.

– Sven Safarow schreibt über: Das merkwürdige Merchandise-Produkt „Buch zum Film„.

Warum hab‘ ich bloß 2 x ja gesagt? Fragte sich der italienische Komiker Lando Buzzanca 1969 in einem Film von Franz Antel. Udo Rotenberg stellt diese deutsch-italienische-Produktion in der u.a. Willy Millowitsch als italienischer Minister und Heinz Erhart auftreten, auf Grün ist die Heide vor.

– In der Regel weise ich nicht darauf hin, dass andere auf irgendwelche YouTube-videos hinweisen. Bei den Fünf Filmfreunden mache ich eine Ausnahme, weil das empfohlene Mash-up-Video „Hell’s Club“ wirklich gelungen ist.

– Himmel! Von „Sharknado“ gibt es schon Teil 3? Und 4 ist in der Mache. Da lese ich kurz Volker Schönenbergers Kritik auf Die Nacht der lebenden Texte und weiß, warum ich mir den nicht ansehe.  Dann doch lieber zum x-ten Mal das Meisterwerk „Die Marx Brothers im Krieg“!

– Oder den großartigen Lieblingsfilm „Spider Baby or The Maddest Story Ever Told“, den Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht.

– Nach einer Begegnung mit dem Filmemacher Pedro Costa unterhalten sich Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film und Michael Guarneri über die Filme, die Herr Costas empfohlen oder nur erwähnt hatte (auf Englisch). Patrick nochmal über die Simenon-Verfilmung „La Nuit du carrefour“ von Jean Renoir.

– Auf Film im Dialog unterhalten sich YP und PD über Apichatpong Weerasethakul und seinen Film „Mekong Hotel“.

– Florian Krautkrämer hat auf Daumenkino so seine Probleme mit Terrence Malicks „The Knight of Cups“.

– Bluntwolf hält „Das schwarze Reptil“ zwar nicht für den großen Wurf (was ich nicht unterschreiben würde), empfiehlt den ungewöhnlichen Hammer-Film aber trotzdem auf Nischenkino (was ich wiederum unterschreiben würde).

– Totalschaden von Splattertrash hat sich dem spektakulär betitelten „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ angenommen, dessen O-Titel „La settima donna“ die Sache eher trifft.

– Nach dem sehr ungewöhnlichen und obskuren Steve-McQueen-Film „An Enemy oft he People“ nach Ibsen, hat sich Oliver Nöding auf Remember It For Later einigen Filmen von John Carpenter angenommen. Neben dem explosiven Meisterwerk „Das Ende“ auch die unterschätzten „Elvis“ und „Starman“.

– Apropos Ibsen: In der empfehlenswerten Hans W. Geißendörfer-Retro auf Cereality wird dessen Ibsen-Adaption „Die Wildente“ besprochen. Ansonsten machen die Besprechungen dieses Filmes und auch von „Die gläserne Zelle“ nach Highsmith Lust, sich näher mit Geißendörfers Werk zu beschäftigen.  Zu dem meisterhaften „Crash“ von Cronenberg wird übrigens auch etwas geschrieben. h

– Oliver Armknecht empfiehlt auf film-rezensionen.de den Anime „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“.

– Und Mise en cinéma legt seinen Lesern den stillen koreanischen SF-Film „Nabi“ ans Herz.

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Blu-ray-Rezension: “Das Omen des Bösen”

omendesboesenXu Nuo (Ti Lung) ist Vorarbeiter einer großen Baufirma. Diese gehört der jungen, attraktiven Witwe Luo Yin (Lily Li), die mehr als ein Auge auf Xu Nuo geworfen hat. Zu ihrem großen Verdruss, steht dieser aber treu zu seiner Verlobten Quming (Tien Ni). Luo Yin selber wird von dem schmierigen Jiajie (Lo Lieh) umworben, der es auf ihr Vermögen abgesehen hat. Als Jiajie trotz aller Bemühungen von Luo Yin herausgeworfen wird, wendet er sich an den Schwarzmagier Shian Mei (Ku Feng). Dieser versorgt Jiajie mit einem Liebestrank und tatsächlich scheint Jiajies Plan zunächst aufzugehen. Doch Luo Yin kommt schnell hinter seine List. Nun will sie selber Shian Meis Dienste in Anspruch nehmen, um an einen Zauber zu kommen, der Xu Nuo für immer an sie binden soll…

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Allgemein werden die Filme des legendären Shaw Brothers Studio immer gleich dem Genre des „Kung-Fu-Films“ zugerechnet. Aber natürlich waren sie auch in anderen Bereichen tätig, wie dem Musical oder der romantischen Komödie. Unter Fans genießen auch die von den Shaw Brothers produzierten Horrorfilme einen hohen Stellenwert. Einer der Wegbereiter dieses Genres war der 1975 entstandenen „Das Omen des Bösen“. Dieser fällt noch relativ harmlos aus, bedenkt man die herben Geschmacklosigkeiten, die in späteren Horror-Filmen der Shaws noch folgen sollten. Bei allzu zarten Gemütern mit Gewürm-Aversion dürfte jedoch auch „Das Omen des Bösen“ seine Wirkung nicht verfehlen. Denn hier kriecht und krabbelt es an allen Ecken und Enden. Gerne auch mal unter der Haut eines armen Opfers. Und die Anfangssequenz, in der ein böser Zauberer als Zutaten für seine Beschwörung den Kopf und die Bauchdecke einer gut abgehangenen Leiche nutzt, hat man so zur damaligen Zeit auch noch nicht oft gesehen. Daher dürfte „Das Omen des Bösen“ zur Zeit seiner Entstehung durchaus Ekel- und Skandalpotential gehabt haben.

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Für letzteres sorgt der überraschend deutliche Umgang mit der Sexualität. Dass es bei den Begehrlichkeiten der „Fluch-Besteller“ vor allem um die Befriedigung fleischlicher Gelüste geht, daran besteht nie ein Zweifel. Dies gilt auch für den bösen Zauberer Shian Mei, der von Ku Feng, trotz der Tatsache, dass er in einer Holzhütte im Wald lebt, durchaus weltmännisch dargestellt wird. Ku Feng spielt ihn mehr als alternativen Arzt, denn als waldschratiger Hexenmeister. Aber auch die respektabel erscheinende Fassade, kann Shian Meis wahre Gelüste nicht verbergen. Mit großen, gierigen Augen melkt er die Brüste der Frauen und steigt mit seiner Klientin nach einem Liebeszauber gleich höchst selbst ins Bett. Dem schmierigen Jiajie geht es zwar in erster Linie ums Geld, aber dass für ihn der Sex mit der reichen und attraktiven Luo Yin mit zum Gesamtpaket gehört, ist von vornherein klar. Luo Yin selber geht für einen gut aussehenden Liebessklaven sowieso sprichwörtlich über Leichen.

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Demgegenüber hängen die positiven Figuren der Geschichte Idee von Romantik und Liebe nach, sind aber gleichzeitig schrecklich langweilig und fade. Gegen die von Lily Li gespielte Schlange Luo Yin, kann die doch sehr bieder daherkommende Quming keinen Stich machen, selbst wenn sie von der gut aussehenden Tien Ni gespielt wird. Auch Ti Lung als Xu Nuo wirkt seltsam asexuell. Während er in seinen Martial-Arts-Rollen unter Chang Cheh und Chu Yuan immer eine Menge männliche Erotik mitbrachte, wirkt er hier leb- und lustlos wie Gummipuppe. Natürlich wird er unter dem Einfluss des Liebeszaubers zum willenlosen Sexsklaven, doch selbst hier wirkt er hölzern und von seinem sonstigen Charisma fehlt hier jede Spur. Entweder ist sein Xu Nuo lieb wie ein Teddy oder wird fluchbeladen zum steifen Zombie. Die einzige Figur auf Seiten der Guten, die so etwas wie eine Identifikationsfigur darstellt ist der gute Zauberer, der wie eine Mischung aus gutem Onkel und Weihnachtsmann daherkommt. Dass er den Bösen dann aber gleich haushoch überlegen ist, trägt zur Spannung der Geschichte allerdings nicht viel bei.

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In Szene gesetzt wurde „Das Omen des Bösen“ von Ho Meng Hua, eines der interessantesten Talente bei den Shaw Brothers. Als er in den 70ern anfing, für die Shaws die unglaublichsten Filme zu inszenieren, war er schon 50 und hatte seit 1958 unzählige Filme in den unterschiedlichsten Genres gedreht. Nun konzentrierte er sich zunächst auf Martial-Arts-Film, ließ hier aber schon seinen Sinn für das Ungewöhnliche, das seltsam Bizarre und die Extraportion Grausamkeit einfließen. Wie in „The Flying Guillotine“, den er 1975 drehte. Nach „Das Omen des Bösen“ stieg er rasch zu einem der führenden Horror-Regisseur der Shaw Brothers auf und lieferte mit dem unglaublichen „Black Magic 2“ – der bisher leider nicht in Deutschland erschienen ist – mit der gleichen Besetzung eine Fortsetzung ab, die das Original an Obskurität, Hysterie und Unappetitlichkeit klar in den Schatten stellt. Auch sein „Oily Maniac“ und die King-Kong-Variante „Der Koloss von Konga“ (mit Evelyne Kraft) fallen unter die Rubrik: Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Was auch für sein 1984 entstandenes Spätwerk „The Rape After“ gilt.

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Der erste Film einer langen Reihe von „Black Magic“-inspirierten Filmen fällt vergleichsweise harmlos aus, bedenkt man, was da noch kommen sollte. Obwohl die Geschichte sehr vorhersehbar ist und sich die Helden als recht fade erweisen, können die Darstellungen auf Seiten der Bösen, sowie einige unangenehme Ekeleffekte den Film ohne große Langweile über die Zeit bringen.

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„Das Omen des Bösen“ ist der dritte Titel, den filmArt innerhalb ihrer Shaw-Brothers-Collection herausgebracht hat. Wieder in einer Blu-ray-/DVD-Kombo. Erfrischend, dass unter dem Logo der Shaw-Brothers einmal nicht das zu erwartende Kung-Fu-Epos, sondern auch einmal ein Film aus einem anderen Genre veröffentlicht wurde. Da gibt es ja noch eine ganze Menge zu entdecken, auch wenn die wenigsten dieser Filme es irgendwann einmal nach Deutschland geschafft hatten. Die Bildqualität ist wie gewohnt vom Feinsten. Es liegt die gute alte Kinosynchronisation (einmal gefiltert, einmal ungefiltert) vor, die sich zwar ab und zu in zeittypischen Schnoddrigkeiten verliert, ansonsten aber sehr angenehm zu hören ist. Des Weiteren ist auch die Mandarin-Tonspur mit dabei. Extras gibt es bis auf Trailer leider keine, dafür liegt ein nett anzusehendes Booklet mit dem kompletten Aushangfoto-Satz vor. Laut OFDb gibt es aber noch die VHS-Fassung (96:38 min) als Hidden Feature.

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Gastrezension: „Ex Machina“

Kaum konnte ich hier die erste Gastrezenison verkünden, schon folgt der zweite Streich. Diesmal hat Simon Kyprianou – der auch Gastautor bei „Die Nacht der lebenden Texte“ und Autor bei „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ist – einen Beitrag verfasst. Ich hoffe, er gefällt Euch.

Ex Machina – Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Gastrezenion von Simon Kyprianou

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Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt in seiner Firma an einem Gewinnspiel, das es dem 26-Jährigen ermöglicht, eine Woche mit dem öffentlichkeitsscheuen, allseits bewunderten Konzernchef Nathan (Oscar Isaac) zu verbringen. Ein Hubschrauber setzt Caleb inmitten wilder Natur ab. Das riesige Areal befindet sich in Nathans Besitz, völlig abgeschieden steht dort sein hochmodernes Anwesen. In dieser Einöde also werden Caleb und Nathan eine Woche miteinander verbringen.

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Der zurückhaltende Caleb …

Bald schon offenbart Nathan, dass nicht das Gewinnspiel der Grund für Calebs Anwesenheit ist, sondern ein ganz anderer: Obwohl er sich immer mehr als cholerischer Alkoholiker entpuppt, ist es Nathan gelungen, die perfekte künstliche Intelligenz herzustellen: in Gestalt des Androiden Ava (Alicia Vikander) – eines mechanischen Skeletts, überzogen mit hautähnlicher Substanz, das in einer Zelle im Kellergewölbe des Hauses untergebracht ist.

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… kommt in das Haus in der Einöde …

Caleb soll mit dem Turing-Test die Vollkommenheit des Androiden bestätigen. Doch während er mit Ava Gespräche führt, wachsen in der Einöde die Spannungen: zwischen Ava und den Menschen, aber auch zwischen Caleb und Nathan. Caleb entdeckt, dass Nathan schon einige Vorgängermodelle gebaut hat, weniger intelligent, die er als Sexsklavinnen hält. Ava ihrerseits versucht, Caleb zu verführen, um ihre Flucht zu ermöglichen.

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… wo Nathan ihm seine neuesten Forschungsergebnisse zeigt

„Ex Machina“ ist ein kluger Film über künstliche Intelligenz, der erste kluge Film über dieses Thema seit Langem. In seiner ersten Regiearbeit vermeidet es der britische Autor Alex Garland („The Beach“, „28 Days Later“), die Thematik zu vereinfachen. Er fürchtet sich nicht vor ihrer Komplexität und versucht gar nicht erst, Antworten zu finden, sondern stellt Fragen und eröffnet Denkräume: Die allumfassende Überwachung, die derzeit so heiß diskutiert wird, ist Grundlage für das Gehirn der Androiden. Nathan arbeitet mit einer Telefonfirma zusammen, um Daten illegal zu sammeln und zusammenzuführen.

 

Sind Androiden unser Untergang?

Wenn die Androiden sklavenähnlich ausgebeutet werden, liegen Bezüge zum Umgang zwischen Menschen nahe. Die Androiden werden aber auch als potenzieller selbsterschaffener Untergang dargestellt, obwohl Garland ihr Potenzial niemals verleugnet. Er macht es sich also nicht so einfach wie Neill Blomkamp in „Chappie“, – sie sind bei Garland keineswegs Alternative zum Menschen.

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Kann Android Ava lieben?

„Ex Machina“ ist wunderbar präzise geschrieben und inszeniert. Die Isolation und die langsam fortschreitende Eskalation beobachtet Garland mit bedrohlicher Langsamkeit. Und wenn es am Ende im labyrinthischen Kellergewölbe zur Katastrophe kommt, dessen in rotes Licht getauchte Gänge Garland filmt wie Stanley Kubrick die Hotelgänge in „Shining“, dann ist „Ex Machina“ längst kein Science-Fiction-Film mehr, sondern ein reinrassiger, furchteinflößender Horrorfilm.

Veröffentlichung: 3. September 2015 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Ex Machina
GB 2015
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Besetzung: Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Corey Johnson, Sonoya Mizuno, Claire Selby, Symara A. Templeman, Tiffany Pisani, Gana Bayarsaikhan, Elina Alminas
Zusatzmaterial: Die Handlung, Die Besetzung, Das Design, Die Entstehung von AVA, Der Turing Test
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshot: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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Blu-ray-Rezension: „“The Twilight Zone – Die gesamte vierte Staffel”

twilightzone4Das vierte Jahr sollte für die „Twilight Zone“ ein schwieriges werden. Ein letztes Mal wurde das berühmte Intro geändert, welches ab jetzt lautete: „You unlock this door with the key of imagination. Beyond it is another dimension: a dimension of sound, a dimension of sight, a dimension of mind. You’re moving into a land of both shadow and substance, of things and ideas; you’ve just crossed over into the Twilight Zone.“ Der produzierende Sender CBS beschloss, die vierte Staffel als Ersatz für die Comedy-Serie „Fair Exchange“ zu nutzen. Diese lief allerdings eine Stunde (inklusive Werbung), als doppelt so lang wie eine „Twilight Zone“-Folge. Dies hatte zwei Konsequenzen: Es wurden nur 18 statt wie sonst über 30 Folgen produziert. Und auch die „Twilight Zone“ hatte nun eine Stunde zu laufen, um den freiwerdenden Sendeplatz auszufüllen. Eine Entscheidung, die beim Schöpfer, Moderator und Hauptautoren der Sendung gar nicht gut ankam. Schon früh beschwerte er sich darüber, dass die einzelnen Folgen nun mit „Seifenopern-Elementen“ auf Länge gebracht werden müssten, und der Zuschauer in der ersten Viertelstunde gar nicht wüsste, ober nun die „Twilight Zone“ oder eine populäre Drama-Serie sehen würde. Und tatsächlich bekam die längere Laufzeit der Sendung nicht besonders. Dies ist vor allem in den ersten Folgen der vierten Staffel sehr offensichtlich. Während sich die erste Folge noch gut schlägt, leiden insbesondere die beiden folgenden Episoden sehr unter zu viel Laufzeit.

In „In His Image“ (Wie ein Spiegelbild, Folge 103), der ersten Folge der vierten Staffel geht es um ein typisches „Twilight Zone“-Thema. Ein Mann kehrt mit seiner Verlobten in seine Heimatstadt zurück. Dort scheint nicht nur die Zeit plötzlich 20 Jahre nach vorne gesprungen zu sein, es erinnert sich auch niemand mehr an ihn. Im Haus seiner Tante wohnt ein fremder Mann und die Gräber seiner Eltern sind auf dem Friedhof verschwunden. Um die Nettospielzeit von knapp über 50 Minuten zu füllen,wird dies alles sehr ausführlich erzählt. Ein guter Plot-Twist im letzten Drittel bringt aber wieder Tempo in die Geschichte und ermöglicht es dem fantastischen Hauptdarsteller George Grizzard noch einmal sein ganzes Können zu zeigen. Sieht man seine charismatische und fesselnde Darstellung in „Wie ein Spiegelbild., fragt man sich, warum George Grizzard kein Name ist, den man heute noch kennt.

In der zweiten Folge „The Thirty-Fathom Grave“ (Die Tiefe, Folge 104) können die Auswirkungen der längeren Laufzeit nicht mehr verdeckt werden. Die Geschichte um ein Kriegsschiff, welches mitten auf dem Atlantik plötzlich Kopfzeichen aus einem lange versunkenen U-Boot vernimmt, ist nett und perfekt für 25 Minuten. Gestreckt auf eine Stunde fängt die Geschichte, trotz einiger guten Szenen und Einfälle, an zu nerven. Denn die Auflösung liegt spätestens der Hälfte klar auf der Hand und es erstaunt, weshalb niemand von den handelnden Personen schon viel früher darauf kommt. So ist die „Überraschung“ am Ende nur noch die lange herbeigesehnte Bestätigung dessen, was man eh schon weiß. Ähnlich verhält es sich mit „Valley of the Shadow“ (Das Tal der Schatten, Folge 105), die wieder eine altbekannte Geschichte – Mann verirrt sich in ein geheimnisvolles Dorf in dem jeder Bewohner Teil eines großen Geheimnisses zu sein scheint – nur eben in der doppelten Zeit wie zuvor. Trotz wiederum guter Einfälle und Schauspieler, dauert es viel zu lange, bis die Geschichte endlich auf den Punkt kommt und sie enthält auch viel zu viele genaue Erklärungen, was in der merkwürdigen Stadt los ist.

Erst mit der vierten Folge, „He’s Alive„( Er ist zurück, Folge 106), scheint sich die vierte Staffel gefunden zu haben. Die Handlung um einen jungen Mann mit Minderwertigkeitskomplexen, der alles versucht, um sich an die Spitze einer kleinen Nazi-Gruppe in einer amerikanischen Stadt zu setzen, nutzt das mehr an Spielzeit effektiv, um die Geschichte langsam und nachvollziehbar aufzubauen, und den einzelnen Figuren Tiefe zu verleihen. Dabei profitiert „He’s Alive“ von der intensiven Darstellung eines blutjungen Dennis Hopper, der den jungen Nazi spielt. Zudem verzichtet Serling in dieser Episode, die im scheinbar sehr am Herzen lag, weitgehend auf phantastische Elemente. Diese kommen eher allegorisch zum Tragen.

In der vierten Staffel gab es keine Klassiker, an die man sich besonders erinnert oder die auf den Bestenlisten der Fans auftauchen. Dabei hätte dort durchaus die Folge „On Thursday We Leave for Home“ (Gestrandet, Folge 118) hingehört. Ein großartiger James Whitmore spielt „Captain“ Benteen, den Anführer einer Gruppe von Erd-Aussiedlern, die vor 30 Jahren der Erde den Rücken gekehrt haben, um auf einem anderen Planeten eine neue, bessere Welt zu schaffen. Dummerweise sind sie auf einem extrem unwirtlichen Planeten gelandet. Als nach 30 Jahren tatsächlich das von allen ersehnte Raumschiff kommt, um sie wieder zur Erde holen, merkt Benteen schnell, dass seine über die Jahre aufgebaute Autorität und sein fast gottgleicher Status rasch schwinden. Verzweifelt versucht er, seine Leute davon zu überzeugen, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Der „Diktator“ wird hier nicht als Unhold gezeichnet und man kann seine Gefühle nachvollziehen, ohne seine Einstellungen gut zu heißen. Autor Rod Serling hielt „On Thursday We Leave For Home“ für die effektvollste Folge der vierten Staffel, und man kann ihm da recht geben.

Die letzte Folge der vierten Staffel , „The Bard“ (Der Barde, Folge 120) ist dann eine satirische Abrechnung Serlings mit dem TV-Betrieb. Ein hoffnungslos untalentierter Autor versucht hartnäckig, seine immer gleichen Drehbücher an den Mann zu bringen. Eines Tages gelingt es ihm mithilfe schwarzer Magie, Wilhelm Shakespeare ins Leben zurückzuholen und diesen als wortwörtlichen „Ghostwriter“ zu nutzen. Tatsächlich wird sein neues Drehbuch ein Erfolg, auch wenn der Sponsor der Fernsehsendung zahlreiche Änderungen vornehmen lässt. Vor den überzogenen Forderungen der Geldgeber ist nämlich selbst ein Shakespeare nicht gefeit. Serling legt diese letzte Episode der vierten Staffel ganz klar als überdrehten Klamauk an. Immer wieder werden die Taten der handelnden Personen über die slapstickhafte Musik kommentiert. Jack Weston gibt eine gnadenlos überzogene Darstellung des großmäuligen Verlierers Julius Moomer und Burt Reynolds taucht kurz auf, um eine solch bösartige Parodie auf Marlon Brando abzuliefern, dass man das „Original“ beinah wutschnaubend vor dem Fernseher sitzen sehen kann. Allein Hitchcock-Stammschauspieler John Williams behält als wiederauferstandener William Shakespeare seine Würde und würzt seinen Auftritt mit feiner Ironie.

Nach nur 18 Folgen endete die vierte Staffel und man hatte etwas gelernt: In der fünften und letzten Staffel kehrte man zu bekannten Halbstunden-Format zurück.

Die Qualität der Blu-rays beeindruckt wieder nachhaltig. Die schwarz-weiße Bilder wirken teilweise schon plastisch. Die 18 Folgen der vierten Staffel verteilen sich auf 6 Blu-rays. Die Folgen werden, wie in den Staffeln zuvor, wieder fast immer von einem oder gleich mehreren Audiokommentaren begleitet und man kann sich – seltsamerweise bis auf die letzten drei Folgen – die Musikspur isoliert anhören. Die sonstigen Extras befinden sich auf der sechsten Blu-ray und beinhalten Radiohörspiele nach Folgen der vierten Staffel, Interviews, Werbespots mit Rod Serling und einen Sketch aus „Saturday Night Live“ von 1979, in dem Dan Aykroyd eine perfekte Rod Serling-Imitation gibt. Da die vierte Staffel zuvor nie in Deutschland gezeigt wurde, gibt es auch keine Synchronisation. Alle Folgen liegen im Original mit deutschen (manchmal leider etwas fehlerhaften) Untertiteln vor.

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„24 Std. Filmfest Bremen“ am 4./5. September im Cinemaxx

105493Am vergangenen Sonntag kam ich zufällig an einem großen Plakat vorbei, auf dem „24 Stunden Filmfest Bremen“ stand. Ich gebe zu, da blieb mein Herz kurz stehen. Sollte sich hier tatsächlich ein Filmfest wie in Hamburg, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig, Lübeck oder Emden (um nur mal ein paar zu nennen, die im Gegensatz zu unserer geliebten Hansestadt ein Filmfest auf die Beine stellen) etablieren wollen? Und warum zur Hölle weiß ich da nichts von?

Zuhause wurde gleich mal die alte Tante Google angeworfen und siehe da, es gibt eine Homepage (www.filmfestbremen.de) auf der ein „Erstes Filmfest Bremen“ angekündigt wird, welches 24 Stunden vom 4. bis zum 5. September im Bremer Cinemaxx stattfindet. Mit den oben genannten Filmfesten hat dies aber eher wenig zu tun. Hier wird „BREMER“ groß geschrieben, weniger „Filmfest“. Dies spiegelt sich schon in der Beschreibung auf der Homepage wieder: „Das 1. Filmfest Bremen: der 24 Stunden-Filmmarathon. In Bremen. Über Bremen. Von Bremern. Für Bremer. Eine ganztägige Tour de Force durch das filmische Schaffen in der Hansestadt. Quer durch alle Genres und verschiedene Jahrzehnte. Gespickt mit bekannten Gästen. Mit Anekdoten über die lokale Filmhistorie. Und einem eigenen Kurzfilmwettbewerb. “. D.h., es werden „Spiel- und Dokumentarfilme, Genre- und Kurzfilme, ebenso wie aktuelle Produktionen für Kino und Fernsehen mit Klassikern der Bremischen Filmgeschichte und Nachwuchsarbeiten“ gezeigt.

Das klingt schon mal sehr spannend. Ein Blick auf den Spielplan relativiert die Aussage „Klassiker der Bremischen Filmgeschichte“ und „Quer durch verschiedene Jahrzehnte“. Große Produktionen wie der 1964 in Bremen gedrehte „Der Boss hat sich was ausgedacht“ mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg und Gert Fröbe fehlt hier genauso wie „Ich bin ein Elefant, Madame“ von Zadek, Fassbinders „Bremer Freiheit“, „Meines Vaters Pferde“ mit Curd Jürgens oder zumindest „Auf der anderen Seite“ von Fatih Akin.

Das Gros der Filme sind Dokumentarfilme mit Bezug zu Bremen, zumeist aus dem Themenbereich Musik. An Spielfilmen habe ich lediglich „Summertime Blues“ von 2009 entdeckt. In dem Film von Marie Reich geht es um einen Teenager, der nach der Scheidung seiner Eltern mit seiner Mutter nach England zieht. Immerhin eine Co-Produktion mit Bremedia. Ausserdem wird ein 45-minütiger Horrorfilm von Daniel Flügger gezeigt: „Dead Past“ von 2010. Außerdem gibt es noch eine „Lange Nacht der Künste“, die mit Arbeiten der Hochschule für Künste bestritten wird, ein „Talent Corner“ mit Nachwuchsarbeiten, Bremer Kurzfilme und einen Wettbewerb.

Bei diesem Wettbewerb müssen die Teilnehmer innerhalb von 48 Stunden Kurzfilme bis max. 5 Minuten Länge zu einem vorgegebenen Motto erstellen. Der Film muss auf jeden Falle einen Bezug zu Bremen haben. Sei es Drehort, Wohnsitz der Filmemacher oder Inhalt des Films. Alle Genres sind willkommen. Die Bekanntgabe des diesjährigen Mottos erfolgt am Donnerstag, den 03.09.2015 um 15 Uhr auf www.filmfestbremen.com. Die fertigen Filme werden am Samstagnachmittag (05.09.) im Festival-Kino uraufgeführt. Über die Gewinner entscheiden eine Fachjury und das Publikum per Abstimmung, sowohl im Kinosaal als später auch online. Anmelden kann man sich auf der oben genannten Homepage.

Insgesamt als eine gute Sache, wenn auch nicht das, was ich mir jetzt unter einem „Bremer Filmfest“ vorgestellt hätte. Trotzdem ist es sehr schön, dass hier überhaupt mal was passiert, und ich wünsche den Veranstaltern und allen Teilnehmern alles Gute und großen Zulauf.

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Blu-ray-Rezension: “Das Todeslied des Shaolin”

todesliedshaolinEnde des 19. Jahrhunderts: China steht unter dem Einfluss Japans. Der Kaiser ist schwach und soll nach Willen der Japaner durch einen ihnen genehmen Nachfolger ersetzt werden. Aus diesem Grund schickt Japan Kizu (Sit Hon) und Sheila (Cheung Ying Shen) nach China, um dort Kontakt mit General Tso aufzunehmen, der von Japan als Thronfolger auserkoren wurde. Doch Kizus und Sheilas Mission wird immer wieder durch den schier unbesiegbar erscheinenden Kämpfer Chin Lung (Jimmy Wang Yu) sabotiert. Also engagieren Kizu und Sheila verschiedene Kämpfer, um Chin Lung auszuschalten. Doch erst der mit modernen Pistolen ausgestattete Sau Pai-lung (Lung Fei) erweist sich als echte Gefahr für Chin Lung…

Jimmy Wang Yu ist ein Phänomen. Mitte der 60er Jahre stieg er kometenhaft zum Superstar des Hongkong-Kinos auf. Nach ersten Erfolgen wie beispielsweise in dem wegweisenden Martial-Arts-Film „ Der Tempel des roten Lotus“ wurde er von dem Shaw Brothers Studio, zum zu ihrem Star aufgebaut. 1968 schlüpfte er dann in die Rolle, die in endgültig an die Spitze katapultieren sollte und ihm gleichzeitig wie auf den Leib geschneidert war: Der einarmige Schwertkämpfer in „Das goldene Schwert des Königstigers“. Hier konnte auf sehr kreative Weise ein Manko beseitigt werden, welches Wang Yu von seinen Mitkonkurrenten unterschied. Während diese die Kampfkunst von der Pike an gelernt hatten, kam Wang Yu von einer anderen Sportdisziplin. Er war vor seiner Filmkarriere Schwimmer gewesen. Dass er nicht ganz die einzigartigen Fähigkeiten eines Ti Lung oder David Chiang (die beide nach ihm auf der Bildfläche erschienen) mitbrachte, konnte nicht nur durch geschickte Kameraarbeit, sondern auch den Umstand, dass er mit nur einem Arm kämpfte, erklärt werden. In den folgenden Jahren sollte Wang Yu sehr häufig zu dieser Rolle oder Rollenvarianten zurückkehren und darin sogar einmal gegen den berühmten blinden Samurai Zatoichi antreten.

In „Das Todeslied der Shaolin“ besitzt Wang Yus Charakter zwar beide Arme, vermeidet aber große Kampfszenen Mann gegen Mann. Vielmehr springt er meterhoch durch die Gegend, fängt Dinge auf und schleudert diese mit tödlicher Präzision auf den Feind zurück. Am Ende bleibt er – egal wer der Gegner ist – der lachende Sieger. Einmal steht er sogar lächelnd auf der Spitze eines gigantischen Speers, den sein Widersacher in der Hand hält. Generell zeichnen sich Wang Yus Filme durch ein wunderbares Sammelsurium grotesker Kämpfer und Waffen aus. Dies war so schon in seiner ersten Regiearbeit „The Chinese Boxer“ (Deutscher Titel: „Wang Yu – Sein Schlag war tödlich“) – als dessen Fortsetzung dieser Film unter dem Titel „The Return of the Chinese Boxer“ in den USA vermarktet wurde – der Fall und erst recht in seinem 1976 entstanden Klassiker „Duell der Giganten“, welcher es insbesondere Quentin Tarantino angetan haben dürfte, da dieser den Film exzessiv in seinen „Kill Bill“-Filmen musikalisch und visuell zitiert. Auch „Das Todeslied des Shaolin“ kann mit einem ganzen Panoptikum skurriler Gestalten aufwarten.

Neben den pistolen-schwingenden Antagonisten, den Ninjas und dem am ganzen Leib mit Wurfmesser ausgestatteten Helfer der bösen Sheila, sind dies vor allem drei Zombie-Kämpfer. Diese wurden mit schwarzer Magie aus dem Reich der Toten zurück in ihre verrottenden Kadaver geholt und treten nun in einer äußerst denkwürdigen Szene gegen den Helden an. Aber auch die Waffen sind überdimensioniert. So gibt es eine Pistole mit scheinbar unendlich vielen, langen Läufen, den bereits erwähnten überdimensionierten Speer und noch zahlreiche andere Waffen, die beinahe wie Parodien wirken. Stahlkrallen, Sicheln mit explosiven Ketten und noch vieles mehr. Man kommt aus dem Staunen kaum noch heraus. Dabei geht diese Lust des Zeigens zulasten einer stringent erzählten Geschichte. Diese ist eh schon sehr dünn und wenig mehr als ein Vorwand, Jimmy Wang Yu und seine Mitstreiter in Aktion zu erleben. Doch Wang Yu kümmert sich auch nicht weiter darum, sondern geht sogar so weit, den Film durch eine völlig unnötige Rückblende zu unterbrechen, welche die Erzählung über einen Kampfwettbewerb bebildert, der für die eigentlichen Handlung des Filmes aber von keinerlei Belang ist.

In dieser merkwürdigen Sequenz geht es um eine Gestalt namens Yin Feng, die als unbesiegbarer Kämpfer angepriesen wird und später gegen Wang Yu antreten wird. Das Unorthodoxe an der ganzen Episode ist es, dass die Japanerin Sheila und den von ihm gewonnen Wettbewerb nur nebenbei erwähnt, worauf hin dieses Turnier dann aber viele Minuten lang in aller Ausführlichkeit gezeigt wird. Als die Episode zu ende ist, wird das gerade gesehene von der Erzählenden dahingehend kommentiert, dass sie plötzlich einen weiteren potentiellen Helfer für den Kampf gegen den von Wang Yu gespielten Chin Lung aus dem Hut zaubert. Die beiden machen sich sogleich auf diese Suche nach diesem noch besseren Kämpfer, ohne dass Yin Feng noch einmal erwähnt wird. Trotzdem taucht Yin Feng später dann noch einmal recht unmotiviert auf, wird aber dem Ruf, den die Geschichte um den Wettbewerb aufgebaut hatte, nicht im mindesten gerecht. Er flieht feige vor Chin Lung und begeht schließlich einen recht dilettantisch wirkenden Selbstmord. Entweder wollte der Regisseur Wang Yu seine eigene Figur Chin Lung damit noch einmal kräftig überhöhen oder auf subtilen Weise andeuten, dass man nicht alles glauben soll, was man über Andere hört. Wang Yus durchaus schwierigen Charakter im Hinterkopf habend, ist letzteres aber eher unwahrscheinlich.

So bleibt es dann Lung Fei als Pistolenmann Sau Pai-lung überlassen, einzig ebenbürtiger Gegner Chin Lungs zu sein. Wobei seine Gleichwertigkeit nur mithilfe seiner Schusswaffen hergestellt wird. Was zu einem wundervollen Finale führt, in dem Sau Pai-lung unseren Helden in einer riesigen Scheune sucht, welche von oben bis unten mit Chin Lung-Puppen voll gestellt ist. Eine hübsch einfallsreiche Variation des Spiegelmotivs aus Orson Welles „Die Lady von Shanghai“ oder natürlich auch dem bahnbrechenden Bruce-Lee-Klassiker „Der Mann mit der Todeskralle“. Besonders effektiv ist hierbei der seltsam-unheimliche Dampf geraten, der den Puppen im Augenblick ihres „Todes“ entweicht. Diesem gelungenen Finale folgt dann noch ein eher unspektakulärer und mittlerweile auch ziemlich egaler Appendix, der noch einmal die Ziellosigkeit des Drehbuchs unterstreicht. Aber auch hier gilt, die Schauwerte – in diesem Fall eine schöne Frau beim Schwerttanz, entschuldigen für diese Holprigkeiten.

Trotz einer dünnen Story und eines katastrophal konstruierten Drehbuchs macht Jimmy Wang Yus Ego-Show „Das Todeslied des Shaolin“ eine ganze Menge Spaß, da der Film mit bizarren Ideen und Bildern vollgestopft wird, die die Augen eines jedem, der Sinn für bunten Wahnsinn hat, zum Leuchten bringen.

Die Blu-ray us dem Hause filmArt präsentiert den Film ungekürzt in glorreichem Widescreen. Die Qualität des Bildes schwankt dabei von sehr gut bis okay. Wobei letzteres auch am Kameramann liegen kann, der scheinbar an einigen Stellen vergaß, wo man den Fokus einstellt. Lediglich die Titelsequenz fällt etwas ab und ist offensichtlich von einer schon sehr verbrauchten deutschen Kinorolle gezogen worden. Der Film liegt in Deutsch und Englisch vor. Die Originaltonspur fehlt somit leider. Die deutsche Synchronisation aus dem Hause Schier ist zwar preisgünstig, aber professionell und mit den typischen 70er-Eigenheiten gespickt. Der englischen Fassung ist sie haushoch überlegen. Extras gibt es bis auf die obligatorischen Trailer leider keine, dafür aber ein informatives – wenn auch manchmal leider etwas ungelenk formuliertes – Booklet von Frank Faltin.

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Das Bloggen der Anderen (24-08-15)

bartonfink_type2– Das war jetzt überraschend. Mauritia Meyer hat auf Schattenlichter einige Impressionen von apulischen Filmdrehorten gepostet. Und siehe da, verschüttete Erinnerungen stiegen in mir auf. Dort war ich doch in den späten 70er Jahren als kleiner Knirps und verbrachte in Apulien wunderschöne Urlaube mit meinen Eltern. Die Trullis, das Castel del Monte. Fast vergessen und nun wieder da vor meinem geistigen Auge. Dann muss ich mir mal die dazugehörigen Filme besorgen. D.h. „“Die Killer der Apokalypse“ liegt hier auch schon irgendwo…

– Ein Déjà-vu der anderen Art ist Udo Rotenbergs Besprechung des Filmes „Verführung am Meer“ von Jovan Zivanovic. Eben jener wurde nämlich vor wenigen Wochen auch auf Whoknows presents besprochen. Nichtsdestotrotz ist natürlich auch Udos Rezension auf Grün ist die Heide nicht nur als Ergänzung sehr lesenswert.

– Ebenso wie seine Vorstellung des Filmes „Totò in der Hölle“ auf L’amore in cittá. Der in Italien extrem populäre und in den 40 bis 60er Jahren auch sehr umtriebige Totò ist hierzulande ja fast völlig unbekannt, wenn er nicht von beispielsweise Pasolini eingesetzt wurde. Zweit also, sich diesem Thema einmal zu widmen.

– Heute ebenfalls fast vergessen ist Adrian Lynchs stilbildenden 80er-Jahre-Erotikfilm „9 ½ Wochen“, der dafür verantwortlich war, dass Kim Basinger so manchem den Schlaf raubte und Joe Cockers „You Can Leave Your Head On“ zum abgenüdelten Striptease-Standard wurde. Das Soundtrack-Album hatte ich damals sogar. Oliver Nöding hat ihn auf Remember It For Later wiedergesehen. Außerdem: Steve McQueen und Dustin Hoffman in „Papillion“.

– Sascha hat Wim Wenders 4-Stunden-Epos „Bis ans Ende der Welt“ gesehen und verrät auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, warum es ihn nicht gepackt hat.

– Volker hat bei mir im Blog einen Gastbeitrag zum Film „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ verfasst. Auf seinem eigenen Blog, Die Nacht der lebenden Texte, schreibt er über Laurel und Hardys Meisterwerk „The Music Box“.

Going to the movies bespricht zwei Filme, die letztes Jahr auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg liefen, die ich dort aber aus unterschiedlichen Gründen verpasst habe: „Miss Meadows“ war damals der einzige Film, bei dem ich es erlebt habe, dass es keine Pressekarten mehr gab, weil alle beiden Vorstellungen bis auf den letzten Platz ausverkauft waren. Und „White Bird in a Blizzard“ verlor gegen einen Film, der mich mehr interessierte. Wie ich aber sehe, habe ich auch weder in dem einen, noch dem anderen Falle etwas versäumt.

– Selbiges gilt scheinbar auch für „Vorsicht vor Leuten“ von den „Stromberg“-Machern. Ein Film den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de bespricht. Dafür scheint „Frank“ mit einem maskierten Michael Fassbender aber sehr vielversprechend zu sein.

– Sebastian hat auf Nischenkino einmal die Besprechungen der dort erschienenen Don-Siegel-Retro zusammengefasst.

– Mit zwei Retrospektiven geht es auch beim Cereality weiter. In der Cronenberg-Retro wird „Eastern Promises“ hoch gelobt. Den mag scheinbar jeder. Muss ich wohl noch einmal gucken. Im Kino stießen mir damals die tumben Klischees doch sehr auf. Und auch die Hans W. Geißendörfer-Retro geht weiter. Diesmal wird der mir unbekannte „Perahim – Die zweite Chance“ von 1972 besprochen, für den Uli Edel und Bernd Eichinger (!) das Drehbuch schrieben.

– Auf Duoscope findet man ein informatives und sehr umfangreiches Portrait über den Ausnahme-Schauspieler Sean Penn.

– Sascha Schmidt hat auf Okaeri die japanische Schauspielerin Sakura Ando (u.a. „Love Exposure“) interviewt.

– Michael Fleig schreibt auf critic.de über die für ihn sehr enttäuschenden Kurzfilme auf dem Fantasy Filmfest.

– Patrick Wellinski reflektiert auf B-Roll über Licht und Schatten im Film, während Lucas Barwenczik Tarsem Singh und seine Filme vorstellt. Derweil Patrick Holzapfel einem der – meiner Meinung nach – besten deutschen Regisseure zum 50. Geburtstag gratuliert: Hans-Christian Schmid.

– Apropos Patrick Holzapfel. Auf seinem eigenen Blog Jugend ohne Film schreibt er, warum ihn Kamerafahrten im Film so begeistern und stellt einen wenig bekannten „Kurzfilm“ (eigentlich einen Verkehrserziehungs-Film) des großen Dänen Carl Theodor Dreyer vor.

– Hoffman auf Drei Cineasten über „Drei verschiedene Erscheinungsformen des Film Noir“. Außerdem stellt er den tollen Neuzeit-Western „Einsam sind die Tapferen“ mit Kirk Douglas vor und zieht Parallelen zum 20 Jahre später entstanden ersten „Rambo“.

Indyfilmblog schreibt darüber, wie er durch den Film „Flash Point“ Donny Yen für sich entdeckt hat und schwärmt von dem Finale dieses Filmes, das er mit den großen Klassikern des Martial-Arts-Kinos gleichsetzt.

– Michael Schleeh ist auf Hard Sensations sehr angenehm von dem australischen Amateur-Splatterfilm „ Wyrmwood: Road of the Dead“ überrascht.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland findet er „Attack on Titan“ von Shinji Higuchi sehr viel besser als seinen Ruf und zeigt sich von Dante Lams Radsportfilm „To the Fore“ enttäuscht.  Dafür hat er dafür gesorgt, dass ich unbedingt den Bollywood-Revenge-Thriller „Nastik“ mit Amitabh Bachcha sehen muss. Zitat: „In NASTIK scheint alles möglich, und am besten überzeugt man sich selbst von der Güte dieses abwechslungsreichen Films. Genre-Grenzen kennt dieser Film jedenfalls nicht.“

Hauptsache (Stumm)Film widmet sich Sacha Guitrys 1951 entstanden Film „Das Scheusal“ mit Michel Simon.

– Die Cannon-Ninjafilme waren ein Renner bei uns in der Schule. Seltsamerweise habe ich die aber bis heute nicht gesehen. Totalschadens Besprechung von „Die Rückkehr der Ninjas“ auf Splattertrash weckt jetzt auch nicht so sehr meine Neugier. Vielleicht später einmal…

Yzordderrexxiii hat seit seiner Kindheit eine „guilty pleasure“. Auf seinem Blog erzählt er, warum er den italienischen Endzeitfilm „She“ von Avi Nesher so mag.

– Ich habe auch einen Film, den ich seit meiner Kindheit sehr, sehr liebe: „Meuterei am Schlangenfluss“ von Anthony Mann mit James Stewart. Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat ihn sich auch angeguckt und findet ihn leider „insgesamt zu lahm“, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Hach, ich könnte den gleich wieder gucken. Da freue ich mich doch mehr über die Erwähnung zweier meiner Rezensionen in seinen „Besprechungen der Anderen“.

– Zu Letzt: Neues aus Hollywood vom Kinogänger.

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Gastrezension: Laurel & Hardy in „In der Fremdenlegion“

Premiere! Erstmals veröffentliche ich einen Gastbeitrag auf meinem Blog und bin sehr glücklich darüber, gleich solch einen so schönen und interessanten Artikel zugesteckt bekommen zu haben. Und dann noch zu einem Thema, welches seit der Kindheit ganz, ganz tief in meinem Herzen wohnt: Laurel & Hardy! Da will ich auch gar nicht lange plappern, sondern übergebe mit großer Freude an Volker.

 

In der Fremdenlegion – Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Ollie!

Gastrezension von Volker Schönenberger von „Die Nacht der lebenden Texte

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Komödie // An die Präsentationen von Theo Lingen inklusive der hineingeschnittenen Stan-und-Ollie-Szenen entsinne ich mich nur noch dunkel. Schön, mal wieder eine gesehen zu haben. Mit einer solchen dreiminütigen Einführung aus „Lachen Sie mit Stan & Ollie“ beginnt „In der Fremdenlegion“ auf meiner DVD. Besagte Reihe ist 1975 und 1976 im ZDF ausgestrahlt worden. Lingens kurze Texte stammen vom Filmjournalisten Joe Hembus.

Paris – zum Sterben schön

Ganz schön derbe! Weil sich Ollie im Urlaub in Paris ebenso unsterblich wie unglücklich verliebt hat, will er sich in der Seine ertränken – und Kumpel Stan soll aus Freundschaft gleich mit in den Tod springen. Zum Glück kommt der Offizier Francois (Reginald Gardiner) vorbei, der die beiden überredet, sich bei der Fremdenlegion zu melden. Ollie werde dort seinen Liebeskummer innerhalb weniger Tage vergessen. Der traurige Tropf ahnt nicht, dass der Soldat der Ehemann der reizenden Georgette (Jean Parker) ist, deretwegen er so untröstlich ist. Francois allerdings erfährt auch erst später, dass seine Gemahlin der Auslöser für Ollies Liebesleid ist.

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Hier vergisst man seinen Liebeskummer zügig

Das harte Leben in der Legion setzt den zwei Freunden schnell zu, sodass sie das Weite suchen wollen. Nur haben die beiden die Rechnung ohne den Wirt gemacht – mit ihrem Gebaren haben sie den Zorn des Kommandanten (Charles Middleton) auf sich gezogen. Das Auftauchen von Georgette bringt zusätzliche Komplikationen.

Tragik und Komik

Bei all dem Slapstick (der Wäscheberg!) ist „In der Fremdenlegion“ doch auch sehr tragisch: Ollies Selbstmordversuch zu Beginn in Verbindung mit der Nötigung Stans, es ihm gleichzutun, ist schon starker Tobak. Später werden die beiden als Deserteure zum Tode verurteilt und gejagt. Ihre Flucht per Flugzeug endet nach etlichen waghalsigen Manövern mit dem Absturz, was Ollie tatsächlich das Leben kostet: Als Engel fliegt er gen Himmel. Immerhin wird ihm sein zuvor geäußerter Wunsch erfüllt, als Pferd zurückzukehren – inklusive Stimme, Schnurrbart und Hut. Die Schuld schiebt er natürlich einmal mehr Stan in die Schuhe: Well, here’s another nice mess you’ve gotten me into.

Der verliebte Ollie winkt jovial mit seiner Krawatte. Der tieftraurige Ollie seufzt: I want to be alone. Der gar nicht Selbstmord-willige Stan zögert den Sprung in die Seine mit immer neuen Fragen hinaus. Die beiden setzen versehentlich die gesamte Schmutzwäsche ihrer Kompanie in Brand und glauben, die Fremdenlegion einfach so verlassen zu können, indem sie sich der Uniformen entledigen und in Zivil vom Standort spazieren. Stan überrascht seinen Kumpel in der Todeszelle mit einem Musikstück, dargeboten auf dem zur Harfe umfunktionierten Bettfedergestell. Schließlich die turbulente Flucht der beiden im einmotorigen Flugzeug und die furchtsamen Gesichter der zwei Piloten wider Willen. Mit ihrer Mimik, den Gesten und all dem Gebaren ist das Humor für die Ewigkeit.

„Lachen Sie mit Stan & Ollie“

Ich hatte Laurel und Hardy seit Jahren nicht mehr gesehen und diverse Filme nun für eine Titelgeschichte über US-Filmkomiker in der Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erneut gesichtet – die Ausgabe kann hier bestellt werden. Der Slapstick ist immer noch so wunderbar anzuschauen wie in den 30er-Jahren oder in den 70ern, als ich mit Reihen wie „Lachen Sie mit Stan & Ollie“, „Väter der Klamotte“ und „Männer ohne Nerven“ aufgewachsen bin. Diese beiden tragikomischen Gestalten sind einfach großartig.

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In der Todeszelle

„The Flying Deuces“, so der Originaltitel, entstand 1939 einmal nicht unter der Ägide von Hal Roach, dem Stammproduzenten vieler Laurel-und-Hardy-Filme. Roach hatte für den Film Boris Morros den Vortritt gelassen. Der Film war die erste Produktion des ansonsten vornehmlich als musikalischer Leiter und Komponist von Soundtracks tätigen Russen. Einen kurzen Auftritt als Gefängniswärter hat der als Laurel-und-Hardy-Antagonist beliebte James Finlayson.

In der Bundesrepublik Deutschland feierte die Komödie erst am 30. Januar 1951 unter dem Titel „Dick und Doof in der Fremdenlegion“ Kinopremiere. Sie lief in der Folge jahrelang immer mal wieder erfolgreich in unseren Kinos. Auf DVD rate ich zur Fassung von Studiocanal oder der Vorgänger-Edition von Kinowelt – der Film ist urheberrechtsfrei und von diversen Wald-und-Wiesen-Publishern in lieblosen Versionen auf den Markt geworfen worden.

Eine Frau verdreht allen die Köpfe

Es ist nicht der erste Auftritt von Laurel und Hardy in der Fremdenlegion. Bereits 1931 verschlug Ollies Liebeskummer ihn und seinen Kumpel im 35-minütigen „Dick und Doof in der Wüste“ („Beau Hunks“) dorthin. Auch die kurze Variante ist schreiend komisch, mir gefällt sie sogar deutlich besser als „In der Fremdenlegion“. Allein die Szene, in der die beiden bemerken, dass sich auch die anderen neuen Rekruten und sogar ihr Kommandant aus Liebeskummer zur Legion gemeldet haben – allesamt wegen derselben Frau wie Olli wohlgemerkt – herrlich!

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„In der Wüste“: Reißnägel eignen sich gut als Waffe

Beim Gewaltmarsch in der Wüste fragt Ollie seinen Kumpel: Wo hast du dein Marschgepäck? Stans Antwort: Das hab‘ ich alles bei dir drin. Ollies Blick beim folgenden Ach so kann sich jeder vorstellen, der die beiden schon mal gesehen hat. Man muss auch zugeben: Die Idee mit den Reißnägeln hätte man den beiden nicht zugetraut – beim Angriff der Araber wachsen Stan und Ollie geradezu über sich hinaus. Und ratet mal, welcher Frau der feindliche Stammesführer nachtrauert, wenn er am Ende abgeführt wird?

„Dick und Doof in der Wüste“ ist auf DVD in Kombination mit „Dick und Doof als Ehemänner“ („Twice Two“, 1933) und „Dick und Doof als Mitgiftjäger“ („Me and My Pal“, 1933) erschienen, die DVD ist auch Teil der „Dick & Doof Collection 1“.

In_der_Fremdenlegion-Cover-BoxVeröffentlichung: 20. Mai 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 2“

Länge: 69 Min.

Altersfreigabe: FSK 6

Sprachfassungen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Originaltitel: The Flying Deuces

Deutscher Alternativtitel: Fliegende Teufelsbrüder

USA 1939

Regie: A. Edward Sutherland

Drehbuch: Ralph Spence, Charley Rogers, Fred Schiller, Harry Langdon

Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, Jean Parker, Reginald Gardiner, Charles Middleton, Jean Del Val, Crane Whitley (als Clem Wilenchick), James Finlayson

Zusatzmaterial: Die deutschen Synchronfassungen (Texttafeln), Kurzfilm „Oranges and Lemons“ (1923, mit Stan Laurel, 10 Min.), Kurzfilm „45 Minutes from Hollywood“ (1926, mit Oliver Hardy in einer Nebenrolle als Hausdetektiv und Stan Laurel in einem Gastauftritt als hungernder Schauspieler, 18. Min.), Kurzfilm „His Wooden Wedding“ (1925, mt Charley Chase, 20. Min.), Kurzfilm „Is Marriage the Bunk“ (1925, mt Charley Chase, 10. Min.), Starinfo, Fotogalerie

Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

 

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

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