Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

HerzWie mittlerweile gut eingeübt, begann das diesjährige Internationale Filmfest Oldenburg für mich wieder erst am 3. Tag, dem Freitag. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren, sollte der Beginn nicht nur hektisch, sondern auch recht frustrierend werden. An meiner Planung lag es nicht, dass ich in Oldenburg ziemlich ins Schwitzen geriet. Ich hatte mir genug Zeit eingeplant, um gemütlich meine Akkreditierung abzuholen, kurz mal zu Schauen, wer den so von den bekannten Gesichtern alles da ist, um dann entspannt ins Kino zu schlurfen. Ausgesucht hatte ich mir den äthiopischen Endzeitfilm „Crumbs“, der nicht nur zentral gelegen im CineK in der Kulturetage lief, sondern mit 68 Minuten auch so angenehm kurz war, dass man danach noch genug Zeit gehabt hätte, um in der Oldenburger Innenstadt eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Zudem war mir der Film auch sehr ans Herz gelegt worden, weshalb ich mich schon sehr auf diesen Auftakt gefreut hatte.

Ein Parkplatz direkt vor der Kulturetage machte das Glück zunächst perfekt, doch dann… Als ich in die Kulturetage kam, fiel mir auf, dass es nirgendwo Hinweisschilder bezüglich des Festivalbüros gab. Also habe ich erst einmal brav in der Schlange vor der Kasse gewartet, um zu fragen, wo sich dieses denn in diesem Jahr befände. Antwort: Weit weg am Pferdemarkt. Zu Fuß nicht machbar und auch mit dem Auto würde es knapp werden, dorthin zu kommen, die Akkreditierung abzuholen und pünktlich wieder zurück zu kommen. Auf meine Frage, woher man denn wissen solle, dass man ganz zum Pferdemarkt müsse, kam die lapidare Antwort, dies würde irgendwo im Programmheft stehen (was a) nutzlos wäre, da man dieses erst in Oldenburg bekommt und b) eh nicht stimmte). Also ins Auto gesprungen und zum Pferdemarkt, dort das Büro gesucht und dann wieder in einer langen Schlange gestanden. Denn tatsächlich saß dort nur eine junge Dame hinter dem Schreibtisch und fünf Leute standen vor dem Schreibtisch. Die Uhr tickte, die junge Dame verschwand ab und zu, und 10 Minuten vor Filmstart war ich endlich an der Reihe (danke an die netten, englischsprachigen Leute, die mich vorgelassen haben). Den Stress hätte ich mir auch sparen können, denn die junge Dame wies mich lächelnd zur Tür hinter ihr. Dort bekäme man seine Akkreditierung. Schade, dass das nirgendwo ausgeschildert war, denn so hatte ich vollkommen sinnlos fast 20 Minuten in der Schlange gestanden.

Schnell zurück zur Kulturetage, was durch die recht eigenwillige Verkehrsführung in Oldenburg nicht so einfach war. Der Parkplatz war natürlich weg, aber 5 Minuten nach Filmbeginn stand ich endlich wieder an der Kasse – um zu hören, dass „Crumbs“ ausverkauft sei. Ich bitte die Damen an der Kasse meinen kurzen Frustanfall zu entschuldigen. Aber Glück im Unglück, durch dieses unerfreuliche Erlebnis wehte es mich über die Straße zum Theaterhof, wo in der George-Armitage-Retrospektive „Miami Blues“ lief, von dem ich zwar die ersten Minuten verpasst hatte – der aber im Nachhinein mein persönliches Highlight des 22. Internationalen Filmfestes wurde.

Miami Blues: Der junge Frederick J. Frenger Jr., genannte Junior, (Alec Baldwin) bricht bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Miami einem Hare Krishna den Finger, was bei diesem einen tödlichen Schock auslöst. Daraufhin setzt sich der heruntergekommene Cop Hoke Moseley (Fred Ward) auf Juniors Spur. Der wiederum bändelt mit der jungen Prostituierten Susie Waggoner an und heiratet sie kurze Zeit später. Als Moseley Junior verhört, beschließt dieser mit seiner Susie in ein besseres Leben zu verschwinden. Er überfällt Moseley und klaut nicht nur dessen Gebiss, sondern auch die Polizeimarke und Dienstwaffe. Damit ausgestattet, gibt sich Junior als Polizist aus und jagt Kleinkriminellen ihre Beute ab. Doch Juniors Methoden werden immer rücksichtsloser und Moseley will nicht nur sein Gebiss wiederhaben, sondern auch Junior ein für allemal das Handwerk legen.

Was für ein Film. Leider ist er einige Jahre zu früh in die Kinos gekommen, denn er nimmt schon viel von dem vorweg, was im Kielwasser von „Pulp Fiction“ immensen Erfolg haben sollte. Er hat coole Dialoge, interessante Typen, großartige Veteranen in den Nebenrollen – neben Fred Ward u.a. Charles Napier und Jackie Gleason, und ein leicht bizarre Geschichte. Dazu noch ein unverschämt gut aussehender, charismatischer und unglaublich lässiger Alec Baldwin. Sieht man ihn hier in jungen Jahren, fragt man sich unweigerlich, warum er es, trotz eines vielversprechenden Anfangs und einigen Hauptrollen in Blockbustern, nie wirklich zu dem Superstar geschafft hat, dessen Anlagen hier eindeutig zu erkennen sind. Wo nahm seine Karriere die falsche Abzweigung? Wobei man auch dem deutlich fülligeren und älteren Alec Baldwin, den man heute kennt, immer noch Charisma und eine coole Abgeklärtheit attestieren muss. Nicht zu vernachlässigen: Seine großartige Stimme und die bunten 80er Klamotten, die er in „Miami Blues“ trägt.

Neben ihm glänzt Jennifer Jason Leigh als naive Hure mit großem bürgerlichen Traum. Auch hier fragt man sich unwillkürlich, weshalb sie nie den Status einer der ganz großen amerikanischen Schauspielerinnen erlangte, sondern auch eher eine Eintagsfliege blieb, die nach ihr Hochzeit Ende der 80er/Anfang der 90er so ziemlich von der Bildfläche wieder verschwand (Anmerkung: Gerade habe ich gelesen, dass oben bereits genannter Herr T. in seinem neuen Film „Hateful Eight“ wiederentdeckt hat). In „Miami Blues“ ist sie mal wieder sehr toll. Das Trio wird mit Fred Ward komplettiert, der hier eine Rolle spielt, wie sie beispielsweise Robert Forster einige Jahre später in „Jackie Brown“ einen goldenen Karriereherbst einbrachte. Ward ist einfach grandios als leicht angegammelter Polizist, mit dem es das Schicksal nicht gut meint, der sich aber wie ein Terrier verbeißt oder doch eher wie ein alter Bluthund die Spur aufnimmt, um sich das bisschen an Reputation, das er noch hatte, wiederzuholen – oder zumindest sein Gebiss. Die Rolle des Sgt. Hoke Moseley, im übrigen die Hauptfigur in vier Romanen Charles Willefords, sollte ursprünglich Gene Hackman spielen. Aber nach „Miami Blues kann man sich niemanden anderen als Ward in dieser Rolle vorstellen.

Ein wenig erinnert „Miami Blues“ an Jim McBrides kolossalen „Atemlos“ und Baldwins Figur erinnert in ihrer kindhaften Freude an seinem Fantasieleben an Richard Geres Jesse Lujack. Aber dieser Vergleich, ist unbedingt als Kompliment zu verstehen. Nach dem Film erzählte Regisseur George Armitage – der die ganze Vorstellung über anwesend war – noch einige Anekdoten von den Dreharbeiten und zeigte sich höchst amüsiert von den deutschen Untertiteln mit den vielen „ß“, sowie von den (leider fast immer unpassenden und mit der Zeit sehr nervigen) Lachattacken zweier merkwürdiger Frauen in der ersten Reihe.

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George Armitage

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George Armitag in Aktion

Nach „Miami Blues“ bliebt wie befürchtet nicht viel Zeit, um das Kino zu wechseln, denn der nächste Film wurde in der Exerzierhalle am Pferdemarkt gezeigt. Da blieb kaum Zeit, zwischendurch im Vorbeigehen für das eigene leibliche Wohl zu sorgen.

Dixieland: Der junge Kermit ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er sechs Jahre einsaß, weil er auf den Liebhaber seiner Mutter, den schmierigen Nachtclubbesitzer Larry Pretty geschossen hatte. Zurück bei seiner Mutter im White-Trash-Trailer-Park, versucht er sich aus Ärger herauszuhalten. Doch seine alten Kumpels versuchen alles, um ihn wieder in kriminelle Machenschaften hereinzuziehen. Als er sich wieder mit Larry anlegt, spinnt dieser einen perfiden Plan, um Kermit los zu werden. Insbesondere ist Larry ein Dorn im Auge, dass sich Kermit in die hübsche Rachel verliebt hat, die gerade in Larrys Striptease-Club als Tänzerin angefangen hat und auf die es Larry ebenfalls abgesehen hat. Kermit genießt derweil sein Glück mit Rachel, welches aber nur von kurzer Dauer sein kann…

„Dixieland“ ist meine positive Überraschung des diesjährigen Festivals. Ursprünglich nur ein „Notnagel“, da ich mich kurzfristig entschlossen hatte, den von mir zunächst für diesen Slot ausgesuchten „Travelator“ auf den nächsten Tag zu schieben, war „Dixieland“ für mich tatsächlich der beste Film des diesjährigen Festivals. Nicht ohne Fehler, aber mit dem Herzen auf den rechten Fleck, und er macht mehr Dinge richtig als falsch. Zunächst muss man Regisseur und Drehbuchautor Hank Bedford für die genaue Beobachtung seiner Heimat loben. Bedford wuchs selber in der ärmlichen Gegend in den Südstaaten auf, in der der Film spielt. Dass sich Bedford mit seinem Thema auskennt, merkt man dann auch deutlich in der Beschreibung des Milieus. Auch sind seine seine Darsteller ein großes Plus, denn sie spielen so natürlich, dass ich zunächst glaubte, Bedford hätte Laiendarsteller gecastet, die sich mehr oder weniger selber spielen. Tatsächlich aber, war es Bedford möglich, recht große – wenn in Deutschland auch eher unbekannte – Namen für sein Projekt zu gewinnen. Hauptdarsteller Chris Zylka ist einer der Hauptdarsteller einen populären TV-Serie („The Leftovers“) und hat in „The Amazing Spider-Man“ den Flash Thompson gegeben. Die weibliche Hauptrolle wird von Riley Keough gespielt, die im wahren Leben die Enkelin des einzige wahren King – Elvis Presley – ist. Als Kermits Mutter agiert mit Faith Hill eine der populärsten Country-Sängerinnen der USA.

Ein emotionaler Höhepunkt des Filmes ist die Szene, in der Kermit und Rachel sich im Strip-Club begegnen. Rachel zunächst schamvoll ihren Tanz beginnt und dann von Kermit enthusiastisch angefeuert wird. Begleitet von pumpenden Hardrock birst diese Szene geradezu vor Lebensfreude und Energie. Später verheddert sich Regisseur Hank Bedford allerdings in seiner Liebesgeschichte zwischen Kermit und Rachel. Nachdem die Beiden einen glücklichen Nachmittag zusammen verbracht haben, schneidet Bedford immer wieder Rückblenden zu diesem Nachmittag in die laufende Handlung, was sehr aufdringlich, am Ende dann in seiner Penetranz sogar nervend wirkt. Dafür verkneift sich Bedford aber dann den einfachen Ausweg und bringt seine Geschichte zu einem ebenso bitteren, wie auch konsequenten Ende. Da hätte es dem nachgeschobenen Fast-„Happy End“ überhaupt nicht mehr bedurft, auch wenn es den Zuschauer mit einem etwas besseren Gefühl in die Nacht entlässt, als würde Hank Bedford seinen Film 10 Minuten eher beenden, was ich präferiert hätte. Interessanterweise erzählte Bedford bei der folgenden Q&A, dass er einige Kämpfe im Schnittraum ausfechten musste, weil er sich entschlossen hatte, authentische Interviews mit Bewohner der von ihm beschrieben Gegend in den Film zu schneiden. Dabei verstärken diese nicht nur die von Hank Bedford erzählte Geschichte, sondern spiegeln diese auch auf eine Weise wieder, die dem Zuschauer ein Gespür dafür vermittelt, wie nah sich Bedford und sein Drehbuch an der Wirklichkeit entlang bewegen.

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Regisseur Hank Bedford

Embers: Der nächste Film des Tages war das Debüt der jungen amerikanischen Regisseurin Claire Carré. Der SF-Film erzählt von einer Welt, in der eine Seuche das Lang- und Kurzzeitgedächtnis der Menschheit zerstört hat. Wer einschläft oder sich ablenken lässt, wird am nächsten Tag sich an nichts mehr erinnern können. Der Film folgt einem Pärchen, welches sich jeden morgen aufs Neue fragen muss: „Wer bist Du? Was machen wir hier? Wo sind wir?“. Sowie einen Jungen, der letztendlich bei einem ehemaligen Hirnforscher landet, welcher jeden Tag wieder verzweifelt versucht, eine Heilung zu finden. Ferner gibt es noch einen Jugendlichen, der der ganzen Situation mit sinnloser und brutaler Gewalt antwortet, sowie einen Vater, der mit seiner Tochter in einem Bunker wohnt. Beide sind von der Krankheit verschont geblieben und hüten nun das Erbe der Menschheit.

Der sehr gemächlich erzählte Film, besticht vor allem durch seine beeindruckenden Drehorte, die scheinbar tatsächlich eine verfallene Zivilisation zeigen, in Wahrheit aber vor allem in Polen – u.a. in Lodz, wo auch David Lynch gerne Filme dreht – ganz real zu finden sind. Auch mit der Ausgestaltung des Bunkers haben sich Claire Carré und ihr Team viel Mühe gegeben. Optisch ist der Film also schon einmal einen Blick wert. Auch die Grundidee ist interessant und lädt zu allerlei Gedankenspielchen ein. Leider trägt sie keinen 90-minütigen Film. Es ist zwar faszinierend, die Hauptfiguren immer wieder beim Aufwachen und sich dann völlig neu Orientieren zu beobachten, doch so kann es natürlich zu keiner Charakterentwicklung kommen. Jedes Mal wird der Zeiger wieder zurück auf Null gedreht und alles geht von vorne los. Allein der Vater und seine Tochter im Bunker machen einen Entwicklung durch, doch auch dies reicht nicht, um den Film gänzlich zu füllen. Zwar gibt es einige schockierende Momente – wie die Vergewaltigung des gewalttätigen jungen Mannes -, aber im Großen und Ganzen lassen einen die Schicksale der Figuren kalt. Allerdings geht Claire Carré auch nicht den leichten Weg, und versucht es allen Zuschauern recht zu machen. Das muss man ihr anrechnen. Ebenso hat sie ein perfektes, weil eben nicht „mainstream-perfektes“ Ende für ihr Gedankenspiel gefunden. Claire Carré sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

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Regisseurin Claire Carré

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Die Macher von „Embers“

Model Hunger: Der letzte Film des Abends sollte dann ein weiteres weibliches Regiedebüt werden. Debbie Rochon hat in unzähligen amerikanischen B- und C-Direct-to-Video Horrorfilmchen mitgespielt und ist seit einigen Jahren Stammgast in Oldenburg. Nun hat sie ihren ersten Film selbst inszeniert, und da ist es nur logisch, dass dieser auch in Oldenburg Premiere feiert (in der IMDb ist er als 2016er Produktion aufgeführt). Für ihr Debüt konnte sie sich zwei große Namen sichern, die das Herz des Genrefans schneller schlagen lässt: Horror- und Sexikone Lynn Lowry, die u.a. in Cronenbergs Debüt „Parasitenmörder“, George A. Romeros „The Crazies“ oder Radley Metzgers großartigen Tabubrecher „Score“ dabei war. Und für die Musik sorgt Harry Manfredini, der die ersten „Freitag, der 13.“-Teile vertonte.

In „Model Hunger“ geht es um eine ältere Dame, die in den 70er Jahren als Pin-Up-Model gearbeitet hat, dann aber von einem schlankeren Model und einem schmierigen Fotografen aus dem Geschäft gedrängt wurde. Jetzt lebt sie allein und gibt sich einem ganz besonderen Hobby hin. Sie verspeist junge Mädchen, die ihren Körper normgerecht operiert haben lassen. Eine neu in die Gegend gezogene Nachbarin, kommt ihr aber schon bald auf die Spur. Ich gebe es zu, der Film hatte es bei mir zunächst nicht leicht.

Da wird Regisseurin Debbie Rochon als einer der Stargäste des Festivals angekündigt und Videoclips mit ihr auf die Festival-Homepage geladen, in denen sie Oldenburg durchstreift – und dann hat die Dame es noch nicht einmal nötig, zum Screening ihres eigenen Filmes zu erscheinen. Ich hätte mich sehr über ein Q&A im Anschluss des Filmes gefreut, aber noch nicht einmal für eine kurze Begrüßung der Zuschauer hatte Frau Rochon Zeit. Wahrscheinlich, weil zeitgleich die große Filmfest-Party lief und das natürlich so viel wichtiger ist, sich dort zu zeigen, als im Kinosaal (Debbie Rochon war nur am Donnerstag in Oldenburg und am Freitag bereits wieder auf dem Rückweg in die USA. Da das erwähnte Video mit ihr am Freitag veröffentlicht wurde, entstand leider der falsche Eindruck, sie wäre die ganze Zeit über anwesend). Als dann nach einem hübsch auf alt gemachten Vorspann das Bild in hässlichsten HD-Video-Look erstrahlte und vollkommen talentfreie Darstellerinnen auf lustig machten, wollte ich schon gehen. Nur wegen Lynn Lowry verließ ich nicht gleich den Saal.

Die erste Stunde von „Model Hunger“ ist ein echter Belastungstest. Wie auch so viele Amateurfilmer hierzulande, scheint Frau Rochon der fixen Idee verfallen zu sein, miese Darsteller, die ein Maximum an Overacting hinlegen, seien „witzig“ oder zumindest „amüsant“. Nein, sind sie nicht. Sie nerven. Erstaunlicherweise hält sie sich auch mit Goreeffekten sehr stark zurück. Vieles geschieht im Off oder wird lediglich angedeutet. Die plötzlich einsetzenden Monologe Lynn Lowrys irritieren ebenso sehr, wie der talentlose Darsteller eines Automechanikers, dessen Aussehen irgendwo zwischen Jack Sparrow und Monezza angesiedelt ist. Merkwürdig auch die Entscheidung eine attraktive Frau, die gut in die alternative Goth-Szene passen würde, als liebende Ehefrau eines dicken Schnautzbartträgers und Sesselpupsers zu etablieren. Auch Manfredini Musik beschränkt sich auf Gedudel im Hintergrund. Schlimm auch ein bizarre TV-Show, die immer wieder dazwischen geschnitten wird. Hier soll es um übergewichtige Modells gehen und das Recht so mollig zu sein, wie man mag. Leider beschränkt sich dies auf eine attraktive, sicherlich recht schlanke Moderatorin, die mit Perücke und Kissen auf dick und hässlich gemacht wurde, sowie dem grauenvollsten Divine-Imitator der Filmgeschichte. Falls Frau Rochon dachte, hier ein Kommentar über den Schönheitswahn in den USA anzugeben, so geht das gründlich nach hinten los, da sie sich stattdessen über die Gruppe, die sie möglicherweise unterstützen möchte, kräftig lustig macht.

Erst in der letzten halben Stunde nimmt der Film dann an Fahrt auf und überrascht mit einer geschmacklosen Explizität, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hatte. Das Entfernen und Verspeisen einer Klitoris gehört dort fast schon zum Standard. Überhaupt traut sich Frau Rochon plötzlich weitaus mehr und geht in allen Belangen in die Vollen. Da darf dann auch Frau Lowry zeigen, dass sie mit fast 70 noch eine gute Figur in schwarzer Reizwäsche macht. Hier erinnert der Film dann auch eher an die Geschmacklosigkeiten eines Herschell Gordon Lewis oder Joel M. Reed, die zu Beginn der 70er ihre Grenzen austesteten, als an Tromas Lloyd Kaufman mit seinen „trash for trash sake“. Insgesamt einer ekeliger, aber dann doch versöhnlicher Abschluss eines recht mediokren Filmes.

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2 Antworten zu Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

  1. Debbie Rochon sagt:

    I was at the first screening and introduced the film and did a Q&A afterward. I was not able to go to the second screening because I had to fly back to the US for work. I flew into German for one day just to be there for the premeiere. I attended NO parties. Please get your facts straight before you say incorrect things, it makes you look like a bad journalist. And it’s just mean. Thank you.

  2. Marco Koch sagt:

    Dear Ms Rochon, first of all thank you very much for writing and getting things straight. Due to the release and content of the interview video on Friday, I got the wrong impression you would be on the festival the whole time. Also, there was a very strange delay before the second screening of your film, where a lot of people thought, that the staff was just waiting for you to arrive and nobody came. Anyway, you are of course totally right, that one should check the facts, before writing down one’s assumptions. I corrected my text as soon as I read your comment. Please accept my apologies and try to see it from this side: I was just very much looking forward to see you there in person and ask you some questions about your movie.

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