Blu-ray-Rezension: „Love Exposure“

loveexposureAls Yus (Takahiro Nishijima) geliebte und tiefgläubige Mutter stirbt, gibt sie dem Jungen eine Marienfigur und prophezeit ihm, dass er irgendwann seine eigene Maria finden wird. In seiner Trauer wird Yus Vater Tetsu (Atsuro Watabe) katholischer Pfarrer. Doch eines Tages kommt die durchgeknallte Kaori (Makiko Watanabe) in seine Kirche und Tetsu beginnt eine heimliche Affäre mit ihr. Als sie ihn verlässt, nimmt Tetsu fanatische Züge an, und er zwingt Yu täglich, seine Sünden zu beichten. Da Yu aber ein sehr braver und gutmütiger Junge ist, hat er keine Sünden zu beichten. Um seinen Vater trotzdem zu gefallen, denkt er sich Sünden aus, was dem Vater aber sofort auffällt. Also beginnt Yu echte Sünden zu begehen, damit sein Vater ihm die Beichte abnehmen kann. Er wird ein Unterhöschen-Fotograf und bald schon Star der Pornoproduktion Bukkake-Productions. Als er eines Tages gegen seine Kollegen und Freunde eine Wette verliert, muss er als Manga/Filmheldin „Sasori“ verkleidet durch die Straßen laufen. Dabei begegnet er Yoko (Hikari Mitsushima), von der er sofort überzeugt ist, dass sie seine Maria ist. Dummerweise ist diese gerade in einen Straßenkampf verwickelt, hasst Männer und stellt sich zu allem Überfluss noch als Kaoris Pflegetochter heraus. Außerdem ist noch eine geheimnisvolle Sekte hinter ihm her, Yoko verliebt sich in „Sasori“ und glaubt sie wäre lesbisch, und dann mischt sich noch eine diabolische Abgesandte der Sekte (Sakura Ando) permanent in sein Leben ein und macht Yoko schöne Augen…

Willkommen in der wilden Welt des Sion Sono. Neben Takeshi Miike und – mit Abstrichen – Takashi Kintano, zählt der 1961 geborene Sono nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch unberechenbarsten Filmemachern Japans. Gerade mit Miike verbindet ihn auf den ersten Blick viel. So sind auch Sonos Filme ein Konglomerat an Themen, Stilen und Genres, die wild durcheinander geworfen und gerne auch auf die Spitze oder gar darüber getrieben werden. Doch im Gegensatz zu Miike, der auch gerne mal einen höchst kommerziellen Auftrag annimmt und dabei, wenn es sein muss, seine Exzesse auch einmal unter Kontrolle halten kann, scheint Sono in seinen Werken keinerlei Maß zu kennen. Insbesondere gilt dies für sein Mammutwerk „Love Exposure“, welches einem geschlagene vier Stunden die wildesten Bilder, Wendungen und Fantasien um die Ohren schlägt, ohne dabei auch nur einmal langweilig zu werden. Was insbesondere daran liegt, dass Sono trotz all des Wahnsinns seine Figuren ernst nimmt und man seine Liebe zu ihnen spürt. Diese Liebe, aber auch die Liebe an sich, bildet den roten Faden, an dem man sich durch den scheinbaren Irrsinn der Geschichte hangelt. Sonos Geschichte spiegelt zwar vor, in unserer Welt zu spielen, doch in Wirklichkeit bildet sie bizarres Parallel-Universum, in welchem man sich aber trotz der merkwürdigen Dinge, die hier geschehen, durchaus heimisch fühlt.

Alles an „Love Exposure“ ist Exzess. Sono lässt auch gerne mal 30 Minuten lang Ravels Bolereo im Hintergrund laufen und trotz dieser Dauerbeschallung fängt das Herz an zu klopfen, wenn der der Bolero dann plötzlich anschwillt, lauter und immer schneller wird, um orgiastisch aus den Bildern heraus zu brechen. Oder nimmt minutenlang nur das Gesicht seiner Hauptdarstellerin Hikari Mitsushima auf, die voller Leidenschaft und Verzweiflung ersten Brief an die Korinther rezitiert und am Ende unter Tränen förmlich aus sicher heraus schreit. Darunter lässt er den 2. Satz aus Beethovens 7. Symphonie laufen, was die ganze Szene noch einmal auf ganz eigene, aufwühlende Ebene hebt. Da spritzt das Blut in meterhohen Fontänen, nimmt der Held Yu, gespielt vom androgynen Takahiro Nashijima, unzähligen Perversen die Beichte ab. Und es wird die Kunst des „Unterhöschen-Fotografierens“ im Stile eines asiatischen Martial-Arts-Film inszeniert, was einem mit halsbrecherischer Eleganz den Atmen stocken lässt. Doch trotz all der zahlreichen und absurden Handlungssträngen, dem Wahnsinn, den postmodernen Spielereien und den immer wieder auftauchenden infantilen Albernheiten hat „Love Exposure“ einen starken roten Faden, der dieses Kaleidoskop zusammenhält: Die Liebe.

Yu und Yoko sind füreinander bestimmt, doch es dauert lange, bis sie zueinander finden. Die ganze erste Stunde des Films steuert auf dem Ereignis ihres ersten Treffens zu. Immer wieder wird diese durch Hinweise, dass etwas Großes bald bevor steht, unterbrochen. Und wenn dann endlich Yu auf Yoko trifft, erscheint auch nach einer geschlagenen Stunde der Titel des Filmes aus der Leinwand. Sono inszeniert dieses Urknall der Liebe in einem aufsehenerregenden Straßenkampf. In Zeitlupe und unter den finalen Schlägen des Boleros treffen sich Yus und Yokos Blicke. Das ist dann ganz großes Kino. Danach lässt Sono den Film urplötzlich in eine romantische Liebeskomödie kippen, nur um sich dann wieder der Lustfeindlichkeit katholischen Kirche, sexuellen Perversionen und bösartigem Sektenwahnsinn zu widmen. Niemals steht man bei Sono auf sicherem Boden. Immer wieder einem dieser mit Karacho unter den Füssen weggezogen. Das einzige, dem man sich sicher sein kann, ist Yus Liebe zu Yoko. Wenn dann nach 237 Minuten das letzte Bild dieses Mammutwerkes erscheint, hätte man sich gerne noch weiter in Sonos zügellosen Welt der „Perversen“, des Tabubruchs, der popkulturellen Zitate, des Pathos und der wahren Liebe gesuhlt.

Das Bild der bei REM erschienen Blu-ray ist gut. Der Film selber wurde auf HD-Video gefilmt und anschließend so bearbeitet, dass es etwas mehr nach „echtem“ Film aussieht. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Der Ton liegt lediglich im O-Ton mit deutschen Untertiteln vor, was aber zu verschmerzen ist, da gerade japanische Filme in den zumeist eher steril wirkenden Synchronisationen sehr viel von ihrer Identität. Neben einem sehr schönen, wie eine Zeitung aufgemachen Booklet, gibt es auf der Blu-ray noch 22 Minuten „Deleted Scenes“ zu schauen, sowie eine informatives fast halbstündiges Making-Of, in dem noch mehr im Film nicht verwendete Szenen zu sehen sind, so dass man insgesamt auch einen guten Eindruck davon bekommt, wie die ursprüngliche, noch weitaus längere Fassung ausgesehen hat, sowie warum und wie die auf 4 Stunden „verkürzte“ Version entstand.

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Das Bloggen der Anderen (19-10-15)

bartonfink_type2– Noch einmal das Filmfest Hamburg. Sonja Hartl fasst auf B-Roll noch einmal ihre Eindrücke zusammen, während Till Kadritzke den zweiten Teil seines Sehtagebuchs auf critic.de veröffentlicht. Rainer Kienböck und Patrick Holzapfel beenden auf Jugend ohne Film ihre Berichterstattung.

– Am 12. Oktober 2015 starb Joan Leslie im Alter von 90 Jahren in Los Angeles. Der Kinogänger widmet ihr einen Nachruf. Zudem gibt es auch wieder das Neuste aus Hollywood.

– Lobenswert: Alex Matzkeit geht auf real virtuality unter der Rubrik “Nachhaltigkeit” zurück zu seinen Blogeinträgen der letzten Monate und verweist auf interessante Entwicklungen in den angerissenen Themen. Außerdem kündigt er an, sich demnächst mit “Fantheorien” zu beschäftigen.

– Über eben diese „Fantheorien“ schreibt in dieser Woche auch Lucas Barwenczik auf B-Roll. Außerdem hat Andreas Köhnemann den französischen Filmemacher Olivier Assayas interviewt.

– Letztes Mal war hier von einem neuen Gamera-Film zu lesen. Diesmal soll der US-Godzilla laut Filmherum 2020 gegen King Kong antreten. Ja, gefällt mir.

– Sven Safarow weist auf Safarow schreibt auf das toll tönende KARACHO-1.-Festival-des-Actionfilms in Nürnberg hin. Wenn Nürnberg doch nicht so weit weg wäre…

– „Dead of Night“ von Bob Clark ist ein kleiner Lieblingsfilm von mir und es ist viel zu lange her, dass ich den gesehen habe. Ich hatte auch gar nicht mitbekommen, dass Bob Clark – der neben tollen Genrefilmen auch für „Porky’s“ verantwortlich war – in der zwsichenzeit unter tragischen Umständen ums Leben gekommen ist. Nachträglich RIP.  Auch Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte zeigt sich von dem auch als „Deathdream“ bekannten Film begeistert.

– Wo wir gerade bei Lieblingsfilmen sind: Mauritia Mayer hat sich für ihren Blog Schattenlichter Michaele Soavis wunderschönen „Dellamorte Dellamore“ vorgenommen.

– Simon Kyprianou schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte über „Autumn Blood“. Mit seiner Einordnung des Filmes als „Horror-Thriller“ habe ich so meine Probleme. Ich sehe ihn eher als Western und fand ihn letztendlich auch deutlich besser als Simon. Nachzulesen hier.

Die drei Muscheln über den Fabrice Du Welz-Doppelschlag „Colt 45“ und „Alléluja“. Beide können Rezensent stu leider nicht gänzlich überzeugen.

– Ganz anders sieht das Michael Schleeh auf Hard Sensations. Zumindest für „Alléluja“, den er hier mit großer Leidenschaft empfiehlt. Schön zu lesen und macht mich definitiv sehr neugierig auf den Film.

Cereality hat in den letzten Wochen die Filme des Hans W. Geissendörfer vorgestellt und fasst diese Retro noch einmal kompakt zusammen.

– Oliver Armknecht stellt auf film-rezensionen.de wieder einmal einen Animee vor und zwar „Last Exile“, der ihm gut gefiel. Weniger gut gefiel ihm der deutsche Splatter-Film „Caedes – Die Lichtung des Todes“.

Sehr interessant klingt der Dokumentarfilm „Chuck Norris und der Kommunismus“ über die wilde Art und Weise, wie früher Hollywood-Action nach Rumänien geschmuggelt wurde und dort so etwas wie ein Untergrund-Netzwerk für US-Filme entstand. Ronny Dombrowski  stellt ihn auf cinetastic vor. Der neue Woody Allen wird allerdings von ihm – trotz einer 6/10-Bewertung – ziemlich verrissen. Leider.

– Umgekehrt ist es bei schlombie von Schlombies Filmbesprechungen. Der gibt dem tschechischen Film „Der Rattengott“ (der auch auf meiner Einkaufsliste steht)  „nur“ 3/5, zeigt sich in seiner Besprechung durchaus fasziniert.

– Oliver Nöding von Remember It For Later besucht die die „Wall Street“ mit positivem Ergebnis. Ebenso erfreulich verlief die Begegnung mit dem „Midnight Cowoby“ und auch der Herr Schimansky aus „Zahn um Zahn“ entpuppte sich als angenehmer Zeitgenosse.

– YP und PD von Film im Dialog unterhalten sich diesmal über den Film „White God“ des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó.

– Udo Rotenberg von L’amore in cittá hat wieder einen Film von Steno im Gepäck:“ Le avventure di Giacomo Casanova „ alias „Casanova – seine Liebe und Abenteuer“, der für Udo ein frühes Beispiel für die sich erst sehr viel später herausbildende „“Commedia sexy all’italiana“ ist. Interessant.

– Rainer Kienböck schreibt auf Jugend ohne Film über Claude Lanzman und „Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures“.

– Lukas Foerster auf Dirty Laundry über „Navy Wife“, Allan Dwan und Einstellungen. Perfekt illustriert.

Wunderbare Bilder vom direkten Blick in die Kamera hat Rainer Knepperges auf new filmkritik gesammelt.

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Filmbuch-Rezension: „Film-Konzepte 38: Dominik Graf“

grafbuchEin Buch über Domink Graf und sein Werk ist in der deutschen Filmbuchlandschaft mehr als überfällig. Einen ersten Schritt in diese Richtung macht das, bei der edition text+kritik erschienene und von Jörn Glasenapp herausgegebene, Werk „Film-Konzepte 39: Dominik Graf“. Dieses beschränkt sich allerdings auf die TV-Arbeiten des Filmemachers, welche „einer kontextsensitiven film- und fernsehwissenschaftlichen Sichtung unterzogen werden“.

Den Kinoarbeiten sind Grafs Fernseharbeiten auch anzahlmäßig weit überlegen. Nach dem desaströsen Flop von „Die Sieger“ wandte sich Graf konsequent dem TV-Format zu, in dem einige seiner Hauptarbeiten entstanden, und welches er konsequent nutzte, um seine Themen in einer größtmöglichen Freiheit in Bilder umzusetzen. Tatsächlich sind Grafs TV-Arbeiten in vielerlei Hinsicht mehr Kino, als die für die große Leinwand bestimmten Werke seiner Kollegen. Und oftmals gibt es auch Schnittpunkte zwischen seiner TV-Arbeit und seinen Kinofilmen, was im vorliegenden Buch auch genauer beleuchtet wird. So findet Felix Lenz in den Graf-Episoden der TV-Serie „Der Fahnder“, nebenbei bemerkt eine der großartigsten deutschen Krimiserien – zumindest solange Klaus Wenneman den Fahnder Faber gab –, die Bausteine und Skizzen zu Grafs späteren Werken. Beispielsweise bildet die Folge „Bis ans Ende der Nacht“ die Blaupause zu seinem späteren Kinofilm „Die Sieger“.

Judith Ellenbürger beschäftigt sich mit der Körperlichkeit des Gelds in Grafs Werk. „Hotte im Paradies“ steht im Zentrum von Jörn Glasenapps Essay über die Verweigerung der Figuren dieses TV-Films. Kathrin Rothemund erklärt anhand der Mini-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ den Begriff der Serialität. Lisa Gotto, Florian Lehmann und Oliver Fahle nehmen sich einer eher unbekannteren, von Graf-Kennern aber umso mehr geschätzten, Seite des Filmemachers an: Dem Essay-Film. Namentlich „Das Wispern im Berg der Dinge“ über Grafs Vater, den Schauspieler Robert Graf, „München – Geheimnisse einer Stadt, den Graf zusammen mit dem Filmkritiker Michael Althen realisierte und „Es werde Stadt“ über 50 Jahre Grimme-Preis in Marl. Dieser letzte Artikel ist von den dreien von daher der interessanteste, da er sich auch mit der Fernsehgeschichte an sich befasst. Das Prunkstück des Buches ist aber eine Schrift von Dominik Graf selber, die sich „Logbucheintrag Dezember 2014“ nennt, und in der er in einen wunderbaren Stil, den er schon in dem höchst empfehlenswerten Buch „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ pflegte, über seine Gedanken und Projekte in eben jenem Dezember schreibt.

Wer sich in das Werk Dominik Grafs einlesen möchte, für den ist dieses Buch sicherlich nicht unbedingt geeignet. Zu speziell sind die Themen, die hier abgehandelt werden. Auch fehlen – dem Konzept des Bandes geschuldet – jegliche biographischen Informationen. Vielmehr ist „Dominik Graf“ ein Buch mit einem streng wissenschaftlichen Ansatz, welches Aspekte des Graf’schen Oeuvres zerlegt und in einen neuen Kontext bringt. Dabei herrscht selbstverständlich der wissenschaftliche Jargon vor, schließlich entstanden die Texte im Rahmen eines Kolloquiums, welches an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stattfand und den Titel „Avantgarde in Serie“ trug. Dies macht die Lektüre für fachfremde Einsteiger recht herausfordernd. Man sollte also zumindest schon einmal in kulturwissenschaftliche Bücher hineingeschnuppert haben, um zu wissen, worauf man sich hier einlässt.

Jörn Glasenapp (Hg.) : Film-Konzepte 38: Dominik Graf, edition text + kritik, 116 Seiten, Euro 20.00

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Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

MatratzeDer zweite Tag in Oldenburg begann naturgemäß sehr viel entspannter, als der chaotische erste Tag. In netter Begleitung meines „Weird Xperience“-Kompagnons Stefan und seiner reizenden Frau ging es zunächst wieder in den Theaterhof, wo uns der serbische „Travelator“ erwartete, den ich am Vortag für den guten „Dixieland“ hatte sausen lassen.

Travelator: Slav, ein junger serbischer Mann, der Champion in Ego-Shooter-Wettbewerben ist, wird nach Las Vegas geschickt, wo er einen echten Tötungsauftrag ausführen soll. Hier lebt ein korrupter serbischer Politiker im Zeugenschutzprogramm. Der junge Attentäter verliert sich zunächst in der Glitzerstadt und beginnt eine Liebesaffäre mit einer Prostituierten. Doch dann schreitet er doch noch zur Tat…

Der Film war im Vorberichterstattung des Festivals mehrmals positiv erwähnt worden und im Programmheft als „Taxi Driver meets Blade Runner“ angekündigt worden. Bei der anschließenden Q&A hätte ich den anwesenden Regisseur gerne mal gefragt, was er denkt, wenn er solch einen Quatsch liest. Ich habe es dann aber gelassen. Die Frage ist allerdings berechtigt, denn der Film hat weder mit „Taxi Driver“ (mit sehr viel gutem Willen kann man das abschließende Massaker als Parallele sehen, aber dazu gehört schon viel Fantasie), noch mit „Blade Runner“ (Las Vegas als futuristischer Moloch?) etwas zu tun. Davon einmal abgesehen ist „Travelator“ ein Film mit viel Licht und leider auch viel Schatten.

Zunächst der Schatten: Die Bilder sind zwar schön, aber Weiterlesen

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Bericht vom 22. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

HerzWie mittlerweile gut eingeübt, begann das diesjährige Internationale Filmfest Oldenburg für mich wieder erst am 3. Tag, dem Freitag. Doch im Gegensatz zu den Vorjahren, sollte der Beginn nicht nur hektisch, sondern auch recht frustrierend werden. An meiner Planung lag es nicht, dass ich in Oldenburg ziemlich ins Schwitzen geriet. Ich hatte mir genug Zeit eingeplant, um gemütlich meine Akkreditierung abzuholen, kurz mal zu Schauen, wer den so von den bekannten Gesichtern alles da ist, um dann entspannt ins Kino zu schlurfen. Ausgesucht hatte ich mir den äthiopischen Endzeitfilm „Crumbs“, der nicht nur zentral gelegen im CineK in der Kulturetage lief, sondern mit 68 Minuten auch so angenehm kurz war, dass man danach noch genug Zeit gehabt hätte, um in der Oldenburger Innenstadt eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Zudem war mir der Film auch sehr ans Herz gelegt worden, weshalb ich mich schon sehr auf diesen Auftakt gefreut hatte.

Ein Parkplatz direkt vor der Kulturetage machte das Glück zunächst perfekt, doch dann… Als ich in die Kulturetage kam, fiel mir auf, dass es nirgendwo Hinweisschilder bezüglich des Festivalbüros gab. Also habe ich erst einmal brav in der Schlange vor der Kasse gewartet, um zu fragen, wo sich dieses denn in diesem Jahr befände. Antwort: Weit weg am Pferdemarkt. Zu Fuß nicht machbar und auch mit dem Auto würde es knapp werden, Weiterlesen

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Das Bloggen der Anderen (12-10-15)

bartonfink_type2–  In der vergangenen Woche verstarb die belgische Filmemacherin Chantal Akerman. Ihr zu Ehren haben Patrick Holzapfel auf B-Roll und Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog jeweils einen ausführlichen Nachruf veröffentlicht.

– Letzte Woche fand auch das Filmfest Hamburg statt. Aus diversen Gründen war ich dort seit vielen Jahren nicht mehr, freue mich aber über die interessanten Berichte, die Till Kadritzke auf critic.de, die Bloggerin von Zeilenkino, Patrick Holzapfel/Rainer Kienböck von Jugend ohne Film  hinterlassen haben.

– Rochus Wolff macht sich auf B-Roll Gedanken über die Sehgewohnheiten heutiger Kinder und wie dies den Kinderfilm beeinflusst – oder andersherum.

– Frédéric Jaeger schreibt auf critic.de über den Kino- und Kulturabbau bei der hessischen Filmförderung.

– Auf filmgazette führt Wolfgang Nierlin ein Gespräch mit Regisseur Lars Kraume über dessen „Der Staat gegen Fritz Bauer“, dann verreißt Dietrich Kuhlbrodt den Film.

– Super. Dank dem US-„Godzilla“ werden auch in Japan wieder Monsterfilme gedreht. Martin Beck auf Reihe Sieben mit ersten Infos zu „Gamera 2016“.

– Einer der Gründe für meine längere Internet-Abstinenz war das wieder ganz wundervolle Deliria-Italiano-Forentreffen, welches diesmal in Wien stattfand und wo wir u.a. den schönen „Top Job“ sahen. Udo Rotenberg von L’amore in cittá war auch dabei und stellt den Film vor.

– Auch in Wien dabei war Mauritia Mayer, die auf ihrem Blog Schattenlichter den unterhaltsamen „Die Insel der neuen Monster“ von Sergio Martino bespricht.

– Auf seinem Blog Grün ist die Heide vergleicht Udo die beiden Versionen von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Einmal mit die von 1954 mit Hans Albers, und dann Rolf Olsens Exploitation-Variante mit Curd Jürgens von 1969.

– Lukas Foerster hat für Dirty Laundry „Zirkus Renz“ von Arthur Maria Rabenalt aus dem Jahre 1943 gesehen.

– Oliver Nöding von Remember It For Later sah den Film “Stridulum” aus dem „Beyond-Belief-Bereich“, der ihn allerdings nicht ganz so überzeugte. Dafür hat er sich in Michael Winners „Hannibal Brooks“ mit Oliver Reed verliebt und erklärt „Drei Schwedinnen in Oberbayern“ von Siggi Götz zum Meisterwerk.

– Auf Nischenkino schreibt Sebastian zunächst über „Die Rache der Cammora“, um dann an den jungen Mickey Rourke und „Auf den Schwingen des Todes“ zu erinnern.

– Der steht auch noch auf meiner „To-Do-Liste“: Der britische Horrorfilm „Raw Meat“ alias „Tunnel der lebenden Leiche“. Sebastian von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte hat ihn gesehen.

– Ebenfalls lange von mir gesucht: Der Lowlow-Budget Horrorstreifen „Death Bed“ aus den späten 70ern, der von Peter Schneider auf Mostly Movies vorgestellt wird.

– Von Ben Wheatley hört man ja (fast) nur Gutes. Bisher liegt nur sein „Sightseers“ (leider noch verpackt) hier. Nach der Appetit machenden „Kill List“-Besprechung auf Mise en cinéma muss ich mir den Herrn wohl mal genauer vornehmen.

– Zu meinen erklärten Lieblingen gehört ja auch die „Wundertüte“ Takashi Miike, dessen neuster Streich „Yakuza Apocalypse“ von Andrey Arnold auf Jugend ohne Film vorgestellt wird. Auch er mag Miike und zeigt sich begeistert.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Hard Sensations „The Club“ von Pablo Larraín, der bei der Berlinale 2015 den Silbernen Bären gewonnen hat.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland, legt er seinen Lesern das japanische Drama „100 Yen Love“ ans Herz und findet den Actioner „Skin Trade“ mit der unglaublichen Paarung Dolph Lundgren und Tony Jaa sehr unterhaltsam.

– Auf Deep Red Radio wird auf die erste deutsche Werkschau zu H.P.Lovecraft hingewiesen, die zwischen dem 3. Und 7. November in Braunschweig stattfindet.

Rüdiger Suchsland im Gespräch mit Jutta Hagedorn für die Mittelbadische Zeitung über seinen Film „Von Caligari zu Hitler“. Nachzulesen auf Negativ.

– Noch ein Laurel&Hardy-Nachklapp auf Die Nacht der lebenden Texte: Diesmal „Auf hoher See“. Außerdem hat sich Volker mit dem Asylum-Trasher „3-Headed Shark Attack“ beschäftigt, der beweist, dass sich Danny Trejo mittlerweile für nichts mehr zu schade ist.

Going to the movies ist begeistert von der Horror-Romanze „Spring“.

– YP und PD diskutieren auf Film im Dialog den Film „Everest“, des isländischen Regisseurs Baltasar Kormákur, der seit geraumer Zeit in Hollywood filmt.

– Die Retros auf Cereality gehen weiter: Hans W. Geißendörfers bislang letzter Film „In der Welt habt ihr Angst“ und David Cronenbergs „Die Fliege“.

Schlombies Filmbesprechungen bringt eine neue Ausgabe seiner Link-Sammlung „Die Besprechungen der Anderen“.

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In eigener Sache: Kurze Sendepause

Sicherlich hat sich der eine oder andere Stammleser schon gewundert, weshalb letzte Woche „Das Bloggen der Anderen“ noch einmal ausfiel, und der letzte Blogeintrag auch schon wieder etwas länger her ist. Die Antwort ist so einfach, wie schmerzhaft: Es fehlt mir einerseits an der Zeit, andererseits bin ich zurzeit einfach platt. Das Bloggen ist ja (leider, muss ich sagen – auch in Anbetracht der Zeit, Mühe und Liebe, die ich in das Filmforum Bremen stecke und die Freude, die es mir macht) nicht mein Beruf.  Und da Letzterer momentan auf unterschiedlichen Ebenen sehr belastend ist, fehlte mir oftmals die Kraft, mich abends oder auf der Heimfahrt im Zug noch zu einem Text aufzuraffen. An meiner Kritik zu „Love Exposure“ zum Beispiel sitze ich nun schon seit zwei Wochen. Das hat nichts damit zu tun, dass mir das Bloggen keinen Spaß mehr machen würde. Im Gegenteil, ärgert es mich ziemlich, dass ich in den letzten zwei Wochen nicht hier nicht so aktiv sein konnte, wie ich es sein möchte. Aber es hilft nichts. Ich muss mir eingestehen, dass ich dringend eine Pause brauche, denn ich fühle mich vollkommen ausgelaugt und muss jetzt erst einmal tief durchatmen. Dabei hilft es ungemein, dass ich jetzt erst einmal fast drei Wochen Urlaub habe. Die ersten Urlaubstage habe ich schon auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verbracht, morgen geht es mit der Familie an die Nordsee. Und dann steht am 2. und 3. Oktober noch das Deliria-Italiano-Forentreffen in Wien an, auf welches ich mich sehr freue. Dann habe ich noch ein, zwei Tage Ruhe bis es wieder zurück ins Büro geht. Ich denke bis dahin habe ich dann auch den Kopf frei bekommen und neue Kräfte gesammelt. Ich werde in der Zwischenzeit aber nicht völlig untätig sein, endlich meine „Love Exposure“-Besprechung beenden und vielleicht noch zwei andere, die ich in der Pipeline habe. Dann kommt natürlich noch der Bericht aus Oldenburg und eventuell zwei Buchbesprechungen. Aber da lasse ich mir Zeit und schreibe erst daran, wenn mir danach ist. Die nächsten drei Wochen gehören jetzt erst einmal nur mir und meiner Familie.

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“Weird Xperience”: Morgen im Lagerhaus/etage3 – ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature

Wie die meisten sicherlich wissen, organisiere ich seit einigen Jahren zusammen mit meinem Kollegen Stefan die Kino-Reihe „Weird Xperience“. Am 11. September feiern wir Premiere in unserer neuen Spielstätte, der etage3 im Kulturzentrum Lagerhaus. Für das erste Mal haben wir, zusammen mit unserem neuen Gang-Mitglied Andreas, etwas besonderes im Programm: Ein Herschell-Gordon-Lewis-Double-Feature.

Herschell Gordon Lewis ist nicht nur der „Erfinder“ des Gore-Films, sondern für den Papst des schlechten Geschmacks, John Waters, einer der beiden größten Regisseure der USA. Der andere ist Russ Meyer, mit dessen „Faster Pussycat, kill, kill..“ wir unsere Reihe vor vier Jahren im City 46 begannen. Da ist es nur logisch, wenn die erste Vorstellung in der etage3 sich nun dem Herrn Lewis widmet.

two-thousand-maniacsWir starten mit einem seiner bekanntesten Film: „Two Thousand Maniacs!“, den er selber als seinen gelungensten Film ansieht. Hier geht es um eine Gruppe Touristen aus dem Norden der USA, die es in die kleine Stadt Pleasant Valley im tiefsten Redneck-Süden verschlägt. Dort sollen sie die Ehrengäste einer großen Feier sein, die dem 100sten Jahrestag der Zerstörung der Stadt durch Yankee-Truppen gedenkt. Mit größter Freundlichkeit und Zuvorkommen werden die Gäste von den Bewohnern des Städtchens Pleasant Valley empfangen. Da wir uns aber in einem von Herschell Gordon Lewis Gorefilmen befinden und dieser auch noch „Two Thousand Maniacs!“ (mit Ausrufezeichen) befinden, kann man sich denken, dass hinter der südstaatlichen Gastfreundschaft ein blutiges Geheimnis steckt…

Mit „She-Devils On Wheels“ drehte Lewis 1968 einen hierzulande wenig bekannten Beitrag zum weiblichen Biker-Gang-Film. Die Regeln der female Outlaw Gang The Man Eaters sind einfach: Die schnellste Bikerin sucht sich einen Mann aus für eine Nacht aus und verlieben ist nicht. Als Neuzugang Karen letztere Regel bricht, bekommt das ihrem Favoriten schlecht und sie muss ihre Loyalität beweisen. Die Lage spitzt sich weiter zu, als plötzlich eine männliche Biker Gang auftaucht und den Man Eaters ihr Territorium streitig macht. Herschell Gordon Lewis mischt in diesem Film she-devils-on-wheelstypische Juvenile-Delinquency-Elemente mit Horror und Gewalt und lässt dies alles in ein großartiges Finale münden.

Nachdem Herr Lewis seine Karriere mit einer Reihe Nudisten-Filme begann und dann mit seinem frühen Splatterfilmen Kultstatus erlangte, wandte er sich Ende der 60er auch „sozial relevanten“ Themen zu. Allerdings in der ihm eigenen Art. D.h. viel Exploitation und wenig Geld. Neben Jugendkriminalität, Geburtenkontrolle, Frauentausch oder der Musikindustrie, eben auch den populären Bikerfilmen. Nebenbei inszenierte er noch Kinderfilme (!), bevor er 1970 wieder zum Geschmatter zurückkehrte. Nach einer langen Pause in den 80er und 90er Jahren, war er im neuen Jahrtausend mit der Fortsetzung seines ersten Hits „Blood Feast“ und der splatterigen „Uh! Oh! Show“ wieder zurück auf dem Regiestuhl.

Einlass ist am Freitag, den 11. September ab 20:00. Die Show beginnt um 20:30 Uhr. Natürlich gibt es von Stefan und mir vorweg wieder eine kleine Einführung und nach dem zweiten Film haut Euch Andreas alias DJ Wolfinger die passenden Töne um die Ohren. Wer noch Lust hat zu bleiben, kann das Tanzbein schwingen oder sich gemütlich niederlassen, um bei einem süffigen Getränk ein wenig zu

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Das Bloggen der Anderen (07-09-15)

bartonfink_type2– Wie der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Grund hierfür ist, dass ich momentan beruflich und privat so stark eingespannt bin, dass ich zeitnahe Artikel oftmals nicht mehr zustande bringe. D.h. ich muss mich auf Postings konzentrieren, die ich – wann immer es die Zeit erlaubt – vorschreiben und mit einem gewissen zeitlichen Verzug veröffentlichen kann. Darunter leidet zurzeit die Tagesaktualität, zu der ich neben „Das Bloggen der Anderen“ und der O-Ton-Übersicht auch die Nachrufe zähle. Besonders weh getan hat mir in diesem Zusammenhang, dass ich nichts zum Tode von Wes Craven geschrieben habe, obwohl mich dieser getroffen hat. Dafür waren aber die Kollegen sehr rege. Hier die gesammelten Nachrufe auf Wes Craven aus den deutschsprachigen Blogs: Rajko Burchardt auf Fünf FilmfreundeAndreas Köhnemann auf B-Roll. souli auf Die drei Muscheln. Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog.

– Michael Sennhauser ist mit Sennhausers Filmblog zurzeit in Venedig auf den dortigen Filmfestspielen. Dort hat er „The Danish Girl“, den er schön, aber konventionell findet und „Everest“ gesehen. Zu letzterem schreibt er: „Das ist grosses Bergkino, unglaublich dramatisch und spannend, nie aber beherrscht von zu viel hollywoodscher Dramatik.“

– In Venedig befindet sich auch Rüdiger Suchsland für Negativ. Er findet Venedig in den bisher zwei Folgen seines Sehtagebuchs vor allem extrem lässig.

– Ein Sehtagebuch betreibt auch Nina Linkel, die für critic.de auf dem 13. Internationalen Festival für Animationsfilm in Baden unterwegs ist und dort u.a den neuen Film von Bill Plympton gesehen hat. Michael Kienzl schreibt über eine Retrospektive, die dem Neuen Jugoslawischen Film gewidmet ist. h Und Silvia Szymanski berichtet in einem wunderbaren Text über ihre Erlebnisse in einem Pornokino in Brüssel.

– Urs Spörri hält auf B-Roll ein Plädoyer für den mittellangen Film (20 Minuten bis eine Stunde), der auf Festivals aufgrund des ungewöhnlichen Formats fast nie eine Chance hat. Lucas Barwenczik hat viel Lesenswertes über Alexei German und seinen letzten Film „Es ist schwer ein Gott zu sein“ zusammengetragen.

– Juli empfiehlt auf ihrem Blog Pieces of Emotion die aktuelle Tim-Burton-Ausstellung in Brühl.

– Sven Safarow schreibt über: Das merkwürdige Merchandise-Produkt „Buch zum Film„.

Warum hab‘ ich bloß 2 x ja gesagt? Fragte sich der italienische Komiker Lando Buzzanca 1969 in einem Film von Franz Antel. Udo Rotenberg stellt diese deutsch-italienische-Produktion in der u.a. Willy Millowitsch als italienischer Minister und Heinz Erhart auftreten, auf Grün ist die Heide vor.

– In der Regel weise ich nicht darauf hin, dass andere auf irgendwelche YouTube-videos hinweisen. Bei den Fünf Filmfreunden mache ich eine Ausnahme, weil das empfohlene Mash-up-Video „Hell’s Club“ wirklich gelungen ist.

– Himmel! Von „Sharknado“ gibt es schon Teil 3? Und 4 ist in der Mache. Da lese ich kurz Volker Schönenbergers Kritik auf Die Nacht der lebenden Texte und weiß, warum ich mir den nicht ansehe.  Dann doch lieber zum x-ten Mal das Meisterwerk „Die Marx Brothers im Krieg“!

– Oder den großartigen Lieblingsfilm „Spider Baby or The Maddest Story Ever Told“, den Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht.

– Nach einer Begegnung mit dem Filmemacher Pedro Costa unterhalten sich Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film und Michael Guarneri über die Filme, die Herr Costas empfohlen oder nur erwähnt hatte (auf Englisch). Patrick nochmal über die Simenon-Verfilmung „La Nuit du carrefour“ von Jean Renoir.

– Auf Film im Dialog unterhalten sich YP und PD über Apichatpong Weerasethakul und seinen Film „Mekong Hotel“.

– Florian Krautkrämer hat auf Daumenkino so seine Probleme mit Terrence Malicks „The Knight of Cups“.

– Bluntwolf hält „Das schwarze Reptil“ zwar nicht für den großen Wurf (was ich nicht unterschreiben würde), empfiehlt den ungewöhnlichen Hammer-Film aber trotzdem auf Nischenkino (was ich wiederum unterschreiben würde).

– Totalschaden von Splattertrash hat sich dem spektakulär betitelten „Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“ angenommen, dessen O-Titel „La settima donna“ die Sache eher trifft.

– Nach dem sehr ungewöhnlichen und obskuren Steve-McQueen-Film „An Enemy oft he People“ nach Ibsen, hat sich Oliver Nöding auf Remember It For Later einigen Filmen von John Carpenter angenommen. Neben dem explosiven Meisterwerk „Das Ende“ auch die unterschätzten „Elvis“ und „Starman“.

– Apropos Ibsen: In der empfehlenswerten Hans W. Geißendörfer-Retro auf Cereality wird dessen Ibsen-Adaption „Die Wildente“ besprochen. Ansonsten machen die Besprechungen dieses Filmes und auch von „Die gläserne Zelle“ nach Highsmith Lust, sich näher mit Geißendörfers Werk zu beschäftigen.  Zu dem meisterhaften „Crash“ von Cronenberg wird übrigens auch etwas geschrieben. h

– Oliver Armknecht empfiehlt auf film-rezensionen.de den Anime „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“.

– Und Mise en cinéma legt seinen Lesern den stillen koreanischen SF-Film „Nabi“ ans Herz.

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Blu-ray-Rezension: “Das Omen des Bösen”

omendesboesenXu Nuo (Ti Lung) ist Vorarbeiter einer großen Baufirma. Diese gehört der jungen, attraktiven Witwe Luo Yin (Lily Li), die mehr als ein Auge auf Xu Nuo geworfen hat. Zu ihrem großen Verdruss, steht dieser aber treu zu seiner Verlobten Quming (Tien Ni). Luo Yin selber wird von dem schmierigen Jiajie (Lo Lieh) umworben, der es auf ihr Vermögen abgesehen hat. Als Jiajie trotz aller Bemühungen von Luo Yin herausgeworfen wird, wendet er sich an den Schwarzmagier Shian Mei (Ku Feng). Dieser versorgt Jiajie mit einem Liebestrank und tatsächlich scheint Jiajies Plan zunächst aufzugehen. Doch Luo Yin kommt schnell hinter seine List. Nun will sie selber Shian Meis Dienste in Anspruch nehmen, um an einen Zauber zu kommen, der Xu Nuo für immer an sie binden soll…

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Allgemein werden die Filme des legendären Shaw Brothers Studio immer gleich dem Genre des „Kung-Fu-Films“ zugerechnet. Aber natürlich waren sie auch in anderen Bereichen tätig, wie dem Musical oder der romantischen Komödie. Unter Fans genießen auch die von den Shaw Brothers produzierten Horrorfilme einen hohen Stellenwert. Einer der Wegbereiter dieses Genres war der 1975 entstandenen „Das Omen des Bösen“. Dieser fällt noch relativ harmlos aus, bedenkt man die herben Geschmacklosigkeiten, die in späteren Horror-Filmen der Shaws noch folgen sollten. Bei allzu zarten Gemütern mit Gewürm-Aversion dürfte jedoch auch „Das Omen des Bösen“ seine Wirkung nicht verfehlen. Denn hier kriecht und krabbelt es an allen Ecken und Enden. Gerne auch mal unter der Haut eines armen Opfers. Und die Anfangssequenz, in der ein böser Zauberer als Zutaten für seine Beschwörung den Kopf und die Bauchdecke einer gut abgehangenen Leiche nutzt, hat man so zur damaligen Zeit auch noch nicht oft gesehen. Daher dürfte „Das Omen des Bösen“ zur Zeit seiner Entstehung durchaus Ekel- und Skandalpotential gehabt haben.

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Für letzteres sorgt der überraschend deutliche Umgang mit der Sexualität. Dass es bei den Begehrlichkeiten der „Fluch-Besteller“ vor allem um die Befriedigung fleischlicher Gelüste geht, daran besteht nie ein Zweifel. Dies gilt auch für den bösen Zauberer Shian Mei, der von Ku Feng, trotz der Tatsache, dass er in einer Holzhütte im Wald lebt, durchaus weltmännisch dargestellt wird. Ku Feng spielt ihn mehr als alternativen Arzt, denn als waldschratiger Hexenmeister. Aber auch die respektabel erscheinende Fassade, kann Shian Meis wahre Gelüste nicht verbergen. Mit großen, gierigen Augen melkt er die Brüste der Frauen und steigt mit seiner Klientin nach einem Liebeszauber gleich höchst selbst ins Bett. Dem schmierigen Jiajie geht es zwar in erster Linie ums Geld, aber dass für ihn der Sex mit der reichen und attraktiven Luo Yin mit zum Gesamtpaket gehört, ist von vornherein klar. Luo Yin selber geht für einen gut aussehenden Liebessklaven sowieso sprichwörtlich über Leichen.

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Demgegenüber hängen die positiven Figuren der Geschichte Idee von Romantik und Liebe nach, sind aber gleichzeitig schrecklich langweilig und fade. Gegen die von Lily Li gespielte Schlange Luo Yin, kann die doch sehr bieder daherkommende Quming keinen Stich machen, selbst wenn sie von der gut aussehenden Tien Ni gespielt wird. Auch Ti Lung als Xu Nuo wirkt seltsam asexuell. Während er in seinen Martial-Arts-Rollen unter Chang Cheh und Chu Yuan immer eine Menge männliche Erotik mitbrachte, wirkt er hier leb- und lustlos wie Gummipuppe. Natürlich wird er unter dem Einfluss des Liebeszaubers zum willenlosen Sexsklaven, doch selbst hier wirkt er hölzern und von seinem sonstigen Charisma fehlt hier jede Spur. Entweder ist sein Xu Nuo lieb wie ein Teddy oder wird fluchbeladen zum steifen Zombie. Die einzige Figur auf Seiten der Guten, die so etwas wie eine Identifikationsfigur darstellt ist der gute Zauberer, der wie eine Mischung aus gutem Onkel und Weihnachtsmann daherkommt. Dass er den Bösen dann aber gleich haushoch überlegen ist, trägt zur Spannung der Geschichte allerdings nicht viel bei.

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In Szene gesetzt wurde „Das Omen des Bösen“ von Ho Meng Hua, eines der interessantesten Talente bei den Shaw Brothers. Als er in den 70ern anfing, für die Shaws die unglaublichsten Filme zu inszenieren, war er schon 50 und hatte seit 1958 unzählige Filme in den unterschiedlichsten Genres gedreht. Nun konzentrierte er sich zunächst auf Martial-Arts-Film, ließ hier aber schon seinen Sinn für das Ungewöhnliche, das seltsam Bizarre und die Extraportion Grausamkeit einfließen. Wie in „The Flying Guillotine“, den er 1975 drehte. Nach „Das Omen des Bösen“ stieg er rasch zu einem der führenden Horror-Regisseur der Shaw Brothers auf und lieferte mit dem unglaublichen „Black Magic 2“ – der bisher leider nicht in Deutschland erschienen ist – mit der gleichen Besetzung eine Fortsetzung ab, die das Original an Obskurität, Hysterie und Unappetitlichkeit klar in den Schatten stellt. Auch sein „Oily Maniac“ und die King-Kong-Variante „Der Koloss von Konga“ (mit Evelyne Kraft) fallen unter die Rubrik: Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Was auch für sein 1984 entstandenes Spätwerk „The Rape After“ gilt.

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Der erste Film einer langen Reihe von „Black Magic“-inspirierten Filmen fällt vergleichsweise harmlos aus, bedenkt man, was da noch kommen sollte. Obwohl die Geschichte sehr vorhersehbar ist und sich die Helden als recht fade erweisen, können die Darstellungen auf Seiten der Bösen, sowie einige unangenehme Ekeleffekte den Film ohne große Langweile über die Zeit bringen.

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„Das Omen des Bösen“ ist der dritte Titel, den filmArt innerhalb ihrer Shaw-Brothers-Collection herausgebracht hat. Wieder in einer Blu-ray-/DVD-Kombo. Erfrischend, dass unter dem Logo der Shaw-Brothers einmal nicht das zu erwartende Kung-Fu-Epos, sondern auch einmal ein Film aus einem anderen Genre veröffentlicht wurde. Da gibt es ja noch eine ganze Menge zu entdecken, auch wenn die wenigsten dieser Filme es irgendwann einmal nach Deutschland geschafft hatten. Die Bildqualität ist wie gewohnt vom Feinsten. Es liegt die gute alte Kinosynchronisation (einmal gefiltert, einmal ungefiltert) vor, die sich zwar ab und zu in zeittypischen Schnoddrigkeiten verliert, ansonsten aber sehr angenehm zu hören ist. Des Weiteren ist auch die Mandarin-Tonspur mit dabei. Extras gibt es bis auf Trailer leider keine, dafür liegt ein nett anzusehendes Booklet mit dem kompletten Aushangfoto-Satz vor. Laut OFDb gibt es aber noch die VHS-Fassung (96:38 min) als Hidden Feature.

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