Filmbuch-Rezension: “Drei Meister in Hollywood”

dreimeisterNorbert Grob hat dieses Jahr bereits eine schöne Fritz-Lang-Biographie vorgelegt. Nun folgt der nächste Streich. Wobei die in seinem Buch „Drei Meister in Hollywood“ veröffentlichten Essays bereits in den 90er Jahren im Rahmen der jeweiligen Berlinale Retrospektiven erschienen waren. Für diese Neuauflage wurden jene aber vollständig überarbeitet und aktualisiert. Wieder beschäftigt sich Grob mit deutschsprachigen Hollywood-Immigranten. Neben den beiden Österreichern Erich von Stroheim und Otto Preminger, beschäftigt sich Grob auch mit dem im Elsass geborenen William Wyler. Mit der Lang-Biographie, ist sein aktueller Triptychon nicht zu vergleichen. Beschäftigte er sich im Lang-Buch vor allem mit dem Menschen Lang, dessen Privatleben, Ansichten und wie all dies Eingang in seine Filme erhielt, steht in „Drei Meister in Hollywood“ weitaus mehr das Werk er drei legendären Regisseure und die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem im Vordergrund. Allein bei Erich von Stroheim geht Grob auch weiter auf den Menschen bzw. die Kunstfigur „von Stroheim“ ein, da sich diese auch nicht vom Werk trennen lässt.

Sehr detailliert untersucht Grob die Handvoll Spielfilme, die von Stroheim vollenden konnte und beschreibt dabei kenntnisreich die Probleme, Konflikte und Rückschläge, die von Stroheim dabei immer wieder hinnehmen musste. Kaum ein Werk konnte von Stroheim so in die Kinos bringen, wie er es konzipiert hatte. Immer wieder geriet er mit dem Produzenten und der Zensur aneinander, seine oft mehrere Stunden dauernden Filme wurden gegen seinen Willen auf „kinogemäße“ Länge heruntergestürzt, geändert und von anderen beendet. Grob gibt dem Leser eine gute Idee davon, wie die Filmwelt des Erich von Stroheim ausgesehen hätte, wenn man ihn nur gelassen hätte. Ferner erläutert er die Hintergründe, weshalb von Stroheims Werk heute – wenn überhaupt – nur verstümmelt zu sehen ist. Auch stellt er den Schauspieler Erich von Stroheim vor und legt dar, wie dieser seine ganz eigene Philosophie vom Filmemachen auch in seine schauspielerische Arbeit für andere Regisseur eingebrachte. Etwas verwirrend an dem Von-Stroheim-Abschnitt des Buches ist es, dass Grob hier nicht chronologisch vorgeht, sondern die zeitliche Abfolge eher intuitiv wählt. So wird bereits eingehend von Stroheims Filmkarriere nach seinem Letzten selbst inszenierten Spielfilm besprochen, bevor seine große Erfolge in den 20er Jahren und sein Schiffbruch mit „Queen Kelly“ besprochen werden.

Beim Elsässer Wilhelm Wyler belässt es Grob bei den allernötigsten biographischen Angaben und beschränkt diese im Wesentlichen auf seine Anfänge beim Film. Viel mehr beschäftigt sich Grob mit Wylers Art der Bildkomposition und die nicht ganz unumstrittene Weise, wie Wyler das Optimum aus seinen Schauspielern heraus holte. Dabei ging Wyler oft bis an deren Belastungsgrenzen, um den erwünschten Effekt zu erzielen. Etwas, was ihm den Ruf eines Diktators und Menschenschinders einbrachte. Grob zeigt aber auch immer wieder auf, wie Wyler bestimmte Themen immer wieder in sein Gesamtwerk einbringt. Dieses lässt sich nicht eindeutig katalogisieren, da Wyler zwar aus dem Western stammt, die Fließbandarbeit an Dutzenden von B-Western vor allem als Lehrzeit nutzte, um seinen persönlichen Stil und vor allem seine Tricks zu entwickeln. Grob stellt für jedes Jahrzehnt, in dem Wyler tätig war, einen Höhepunkt heraus: „Hell’s Heroes“ für die 20er, „Wuthering Heights“ für die 30er, „The Best Years of Our Lives“ für die 40er und natürlich Wylers berühmtesten Film, „Ben Hur“ für die 50er. Die 60er Jahre, in denen Wyler neben dem gerade in den letzten Jahren oftmals variierten Psycho-Thriller „The Collector“ vor allem leichtere Kost mit Audrey Hepburn oder schließlich „Funny Face“ mit Barbara Streisand drehte, misst Grob hingegen nicht so viel Wichtigkeit bei. Diese Jahre bleiben eher Fußnoten.

Spürt man bei von Stroheim und Wyler zu jeder Zeit Grobs große Bewunderung für Werk und Schöpfer, so vermittelt er in Bezug auf Otto Preminger ein eher zwiegespaltenes Verhältnis. Hier spart er ebenfalls mit biographischen Details und nährt sich dem Filmemacher ganz über dessen Werk. Hier merkt man allerdings deutlich, dass Grob die gezielten Tabubrüche, die Preminger insbesondere in den 50er Jahren in sein Werk einbrachte, eher missfallen und er sie als Marketing-Tricks abtut. Auch attestiert er Preminger eine gewisse Schlampigkeit, wenn diesen etwas nicht hundertprozentig interessiert. Aber auch wenn Preminger von Grob weitaus kritischer gesehen wird als von Stroheim und Wyler, spürt man doch auch eine gewisse Faszination, die Grob Premingers Werk entgegenbringt. Ebenso wie Respekt für dessen Werk, auch wenn Grob die Spätphase Premingers aber Mitte der 60er als weniger gelungen oder schlichtweg misslungen („Skidoo“) abstraft. Als herausragend in Premingers Werk werden „Laura“ und „Bonjour Tristese“, der ein eigenes Kapitel erhält, herausgestellt. Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist eine eingehende Betrachtung des Film Noir. Insgesamt macht sich Grob in dem Preminger-Abschnitt für meinen Geschmack etwas zu sehr die Meinung der Väter der Nouvelle Vague – die auch fleißig zitiert werden – zu eigenen, die während ihrer Zeit bei der Cahiers du cinéma Otto Preminger – der in den 40ern unerschrockenen gegen das Studiosystem kämpfte und oftmals auch seine Kopf durchsetzten konnte – zu so etwas wie ihren Schutzpatron stilisierten, ihn dann aber im Zuge seiner Arbeiten als freier Produzent in den 50er fallen ließen. Insgesamt hat Norbert Grob hier aber ein sehr interessantes und höchst lesenswertes Buch geschrieben, welches dem Leser viele neue und inspirierende Blickwinkel auf die Arbeiten der drei Meister werfen lässt.

Norbert Grob “ Drei Meister in Hollywood: Erich von Stroheim – William Wyler – Otto Preminger (Deep Focus), Bertz+Fischer, 304 Seiten, 206 Fotos, € 25,00

 

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