DVD-Rezension: “Hara-Kiri – Tod eines Samurai”

Der Ronin Hanshiro bittet im Palast der mächtigen Fürsten Ii darum, Seppuku, den traditionellen japanischen Selbstmord, auch bekannt als Hara-Kiri, begehen zu dürfen. Der Verwalter des Palastes erzählt ihm daraufhin von einem jungen Samurai, Motome, der vor einiger Zeit mit der gleichen Bitte im Palast erschien. Der Verwalter vermutete, dass es sich dabei lediglich um einen Bettler handelte, denn zu dieser Zeit geschah es oft, dass herrenlose Samurai den Seppuku nur vortäuschen wollten, um im letzten Moment eine milde Gabe zu erlangen. An diesem jungen Ronin wurde daraufhin ein Exempel statuiert und man zwang ihn, sein Vorhaben durchzuführen. Unbeeindruckt von dieser Geschichte, kündigt Hanshiro an, seinen Seppuku auf jeden Fall vollenden zu wollen. Als er aber zur Tat schreiten will, stellt sich heraus, dass die Sache doch nicht so eindeutig ist, wie sie aussieht. Hanshiro verfolgt einen bestimmten Plan…

Takashi Miike ist und bleibt die große Wundertüte des internationalen Kinos. Nie kann man sich sicher sein, was der große Meister des Bizarren und Unerwarteten nun wieder aus dem Ärmel schüttelt. Das kann ultraharte Gore-Action, wie „Ichi – the Killer“, sein oder kunterbunte Kinderunterhaltung, wie „Krieg der Dämonen“. Bizarrer, David-Lynch-ähnlicher Surrealismus wie „Gozu“ oder auch mal reiner Trash wie „Full Metal Yakuza“. Dabei darf man aber nie vergessen, dass Miike auch die leisen Töne perfekt beherrscht. Sein „Birdpeople of China“ ist einer der schönsten asiatischen Spielfilme überhaupt. Und „Audition“ – sein vielleicht bekanntester Film – setzt auf leisen, subtilen und dadurch umso wirkungsvolleren Horror. Nach dem grandiosen „Big Bang Love“ ist mir Miike etwas aus den Augen geraten, trotz seines schier unglaublichen Ausstoß von bis zu 4 Filmen im Jahr. Ich hörte aber, dass sein letzter Film, „13 Assassins“, ihn endgültig auch als großen Mainstream-Regisseur in Japan etabliert hat und ein großer kommerzieller Erfolg war.

Hara-Kiri: Tod eines Samurai“ wird in Deutschland wie eine Art Fortsetzung beworben. Zumindest hat man aufgrund des Covers und der Werbung das Gefühl, es hier mit einem reinrassigen Samurai-Film und vielen stylischen Kämpfen zu tun zu haben. Weiter weg vom tatsächlichen Film kann man da allerdings gar nicht sein. Action wird in „Hara-Kiri“ ganz, ganz klein geschrieben und das ist auch gut so.

„Hara-Kiri“ ist das Remake eines japanischen Klassikers von 1962, der interessanterweise ebenso für eine Goldene Palme in Cannes nominiert war, wie das Remake ein halbes Jahrhundert später. Hier wäre ein direkter Vergleich zum Original, welches mir leider nicht bekannt ist, interessant. Denn wie ich las, gibt es hier durchaus kleine, aber deutliche Unterschiede, auch wenn die Geschichte im Großen und Ganzen identisch ist. Miike inszeniert seine Version als todtrauriges Drama. Was zunächst wie ein Mystery-Thriller daherkommt (eine geheimnisvolle Figur, deren Handlungen zunächst undurchschaubar bleiben, scheint für das Verschwinden dreier Samurai verantwortlich zu sein), wandelt sich schnell in ein bedrückendes Trauerspiel, in dem die Protagonisten unaufhaltsam ihrem tragischen Schicksal entgegen treiben. Da man von Anfang an weiß, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird, ist es bitter, die kleinen Glücksmomente mit anzuschauen, die die Familie des Ronins nur kurz genießen darf. Dann schlägt das Schicksal gnadenlos zu.

Interessanterweise sind aber auch die nominellen „Bösen“, die den jungen Motome in einen qualvollen Tod treiben, ambivalent gezeichnet. Mehr noch, scheinen sie doch durchaus im Recht zu sein. Das macht es dem Zuschauer schwer, eindeutige Hassgefühle ihnen gegenüber zu entwickeln. Es bleibt nur eine hilflose Ohnmacht gegenüber den Ereignissen.

Was seine – in früheren Jahren beinah schon zum Markenzeichen gewordenen – verrückten Ekeleffekte und überzogenen Brutalitäten angeht, so verzichtet Miike hier ganz darauf, was dem Film sehr gut tut. Scheinbar hat er gelernt, dass manchmal auch weniger mehr sein kann. Denn die Szene, in der der junge Samurai Motome mit einem stumpfen Holzschwert Hara-Kiri begeht, zeigt fast nichts. Aber sie ist von einer solch schmerzhaften Intensität, dass es fast unmöglich ist, sich diese furchtbaren Leiden anzusehen.

Wer aufgrund der vollmundigen Ankündigungen auf einen rasanten, spektakulären und blutspritzenden Endkampf gehofft hat, wir zwangsläufig enttäuscht zurückbleiben. Auch diesen Kampf inszeniert Miike, wie den ganzen Film, ganz klassisch, ritualisiert und in der Tradition alter Samurai-Filme aus den 50er und frühen 60er Jahren.

Miike gelingt ein emotional packendes, melancholisches Drama, das um Fragen wie Verantwortung und Ehre kreist. Wenn letztendlich der Begriff der Ehre hinterfragt wird und sich dieser auf ein hohles Stück Blech reduzieren lässt, wird klar, was Miike über die „edlen“ Samurai denkt. Ihr Begriff von Ehre ist genauso so hohl, wie die Blechrüstung, die im Palast des Fürsten Ii steht und eine vergangene Ära repräsentiert, die in leeren Worten und erstarrten Ritualen versinkt.

Getragen wird der Film durch exzellente schauspielerische Leistungen. Allen voran von Takenaka Naoto, der zwar etwas zu jung für seine Rolle ist, aber durch eine enorm starke Präsenz auffällt. Jetzt bleibt nur noch, gespannt abzuwarten, was Miike als nächstes aus dem Hut zaubert. Laut IMDb hat er bereits wieder vier weitere Filme abgeschlossen: U.a. einen Kinderfilm und eine PC-Game-Verfilmung.

Der Film war ursprünglich in 3D gedreht und gleichzeitig auch der erste 3D-Film, der für eine Goldene Palme in Cannes nominiert wurde. Die DVD von Ascot Elite ist natürlich in 2D, aber das macht gar nichts. Denn wüsste man nichts über seine dreidimensionale Herkunft, es würde auch nicht auffallen. Das Bild ist etwas dunkel, aber sehr scharf. Allerdings gibt es zeitweilig Probleme mit den Schwarztönen. Der Ton ist klar und gut abgemischt, die Untertitel gut lesbar. Als Extras gibt es leider nur Trailer.

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DVD-Rezension: “Habemus Papam – Ein Papst büxt aus”

Nach dem Tod des alten Papstes treffen sich die Kardinäle im Vatikan zur Wahl seines Nachfolgers. Nach mehreren erfolglosen Wahlgängen fällt die Wahl schließlich auf den Kardinal Melville. Doch dieser ist sich nicht sicher, ob er der richtige Mann für dieses hohe Amt ist. Als er sich dem wartenden Volk vorstellen soll, gerät er in Panik und flieht in seine Gemächer. Ein renommierter Psychiater soll ihn zur Besinnung bringen, aber dessen Versuche scheitern. Als letzten Ausweg versucht der Sprecher des Vatikans, Melville heimlich zur Ehefrau des Psychiaters zu schaffen, ebenfalls eine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychoanalyse. Dabei gelingt es Melville allerdings, sich seinen Aufpassern zu entziehen…

Wer bei dem deutschen Titelzusatz von „Habemus Papam“, dem etwas albernen „Ein Papst büxt aus“, auf eine turbulente und leicht kreischige Komödie hofft, der dürfte ziemlich enttäuscht sein. Andererseits können all diejenigen, die selbiges befürchteten, erleichtert aufatmen. „Habemus Papam“ ist ein ruhiger, melancholischer Film, der zwar aufgrund der absurden Situation hier und da zum Schmunzeln einlädt, aber sicherlich nicht zum auf die Schenkel klopfen. Regisseur Nanni Moretti hätte es sich einfach machen können. Der Papst verschwindet, gerät in Rom in aberwitzige Situationen und kehrt geläutert in den Vatikan zurück. Sicherlich haben dies viele Zuschauer auch aufgrund des Trailers erwartet. Nur, und dafür gebührt Moretti aller Dank, er geht nicht den leichten Weg.

Ein deutlich gealterter Michel Piccoli gibt seine Papst-Figur niemals der Lächerlichkeit preis. Zwar erscheint er ein wenig weltfremd – was nachvollziehbar ist, gehört Kardinal Melville doch seit Jahrzehnten zu der Clique der obersten, in einer ganz eigenen Welt lebenden Kirchendiener – aber nie lächerlich. Eine tiefe Nachdenklichkeit, ja Traurigkeit, umweht ihn. Melville ist zwar am Ziel seiner beruflichen Laufbahn angekommen und sich auch sicher, von Gott ausgewählt worden zu sein. Aber nun fühlt er sich der großen Aufgabe und Verantwortung weder würdig noch gewachsen.

Der zarte Humor des Filmes ergibt sich aus der absurden, ja undenkbaren Situation, dass der Papst seine Wahl nicht annimmt. Und aus den verzweifelten Versuchen der kirchlichen Würdenträger, damit umzugehen. Zudem ist es auch amüsant, dabei zuzusehen, wie die kirchlichen Respektspersonen, die – aufgrund des nicht abgeschlossenen Konklave – dazu verurteilt sind, den Vatikan nicht verlassen zu dürfen, anfangen, sich wie eine Schulklasse auf Klassenfahrt aufzuführen. Dabei ist es erstaunlich, wie liebevoll der bekennende Atheist Moretti diese Figuren zeichnet.

Michel Piccoli ist die Idealbesetzung für Melville, den Papst wider Willen. Es ist kein Wunder, dass Moretti ihn die ganze Zeit vor Augen hatte, als er sein Drehbuch schrieb. Piccoli erscheint gleichzeitig würdevoll wie auch zutiefst unsicher. Nachdenklich, aber voller Liebe. Neben Piccoli muss auch der große polnische Schauspieler Jerzy Stuhr erwähnt werden, der als Sprecher des Vatikans in einer klischeehafteren Komödie so etwas wie der Antagonist zu Piccolis zweifelndem Melville wäre. Verzweifelt versucht er mit aller Kraft, die Dinge wieder in geordnete Bahnen zu bringen und den Papst auf den Balkon, um das Konklave zu beenden und den Status Quo wieder herzustellen. Stuhr spielt diesen Macher mit großer Wucht und bleibt trotz der schwierigen Rolle immer sympathisch, seine Handlungen jederzeit nachvollziehbar. Es ist sehr schade, dass dies wahrscheinlich der letzte Auftritt dieses großen Schauspielers war, da er Anfang des Jahres schwer an Kehlkopfkrebs erkrankte und operiert werden musste. Somit wird „Habemus Papam“ vielleicht seine Abschiedsvorstellung bleiben.

Wie in all seinen Filmen, taucht auch Moretti hier in einer Nebenrolle auf. Seine rationaler -natürlich atheistischer – Psychiater sorgt zunächst einmal für ein humoristisches Element, wenn in einer wirklich witzigen Szene, unter den skeptischen Blicken der versammelten Kardinäle versucht, mit Melville über dessen Kindheit zu sprechen. Später tauscht er mit Melville förmlich die Rollen, da er aufgrund des Konklave gezwungen wird, im Vatikan zu bleiben, während Melville ausbricht und sich frei in Rom bewegt. Leider baut Moretti seine Rolle zu stark aus. Ja, er drängt die Geschichte um den verschwundenen Papst etwas in den Hintergrund, insbesondere bei dem, von ihm organisierten, Volleyball-Turnier, welches etwas zu lang geraten ist und auch ins Leere läuft. Ebenfalls etwas fehlplatziert erscheint die Geschichte um die Theatergruppe, die Melville auf seinem Weg durch Rom begegnet. Diese Charaktere erscheinen arg überzogen und passen nicht wirklich in den Film. Die ganze Episode wirkt wie ein Fremdkörper und an den Haaren herbeigezogen. Dafür entschädigt Moretti den Zuschauer aber mit einem grandiosen, unerwarteten Schlussbild, welches in seiner Konsequenz so nicht zu erwarten gewesen wäre. Damit läuft dieser stille Film jeder Erwartung entgegen, aber das tut dieser stille Film bereits von Anfang an.

Leider liegt mir zur Rezension nur ein Pressemuster vor, welches einerseits nicht die volle Auflösung bietet, andererseits durch einen dicken Timecode und „Pro-Kino“ -Logo verschandelt wird. Daher muss ich, statt auf die gewohnten Screenshots, diesmal auf Pressematerial zurückgreifen. Die Extras bieten neben Trailern ein 24-minütiges „Behind the scenes“, welches Moretti bei den Dreharbeiten zeigt. Dass er sich dabei von einer sympathischen Seite zeigt, kann allerdings nicht behauptet werden. Es scheint eher, dass es nicht besonders einfach ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Dies wird auch in den „Verpatzen Szenen“ (11:35 Minuten) deutlich. Diese Szenen sind übrigens richtig „verpatzt“ und keine witzigen Blopper, wie man sie z.B. aus den Extras großer Hollywood-Produktionen kennt. Ein interessantes Interview mit Moretti dauert leider nur 8:39 Minuten, und ist schon zu Ende, wenn es anfängt, wirklich interessant zu werden. Abgerundet werden die Extras mit einem 6:53 Minuten langen Bericht von der Vorstellung des Filmes in Cannes, wo er 2011 für die Goldene Palme nominiert war.

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Streit um das Internationale Filmfest Oldenburg: Bremen als neuer Standort?!

Neues vom Streit um das Internationale Filmfest Oldenburg. Wie auch hier von mir bereits mehrfach berichtet, steht die Zukunft des Internationalen Filmfestivals Oldenburg weiterhin auf der Kippe. Die Stadt dreht immer mehr den Geldhahn zu, dazu kommt noch ein gerichtlicher Streit zwischen der Leitung des Filmfestes auf der einen und drei Regionalpolitikern auf der anderen Seite. Beim Gerichtstermin am Mittwoch kam es zu keiner Einigung, das endgültige Gerichtsurteil wird am 18. Juli erwartet. Vom Gericht wurde der Leitung des Filmfestes allerdings keine große Hoffnung gemacht, dass in ihrem Sinne entschieden wird.

Immerhin sind dadurch aber auch die überregionalen Medien auf den Fall aufmerksam geworden, und so richtig versteht auch dort wohl niemand, warum die Stadt Oldenburg sein renommiertes Filmfest quasi mit Füßen tritt. In diesem Zuge ist heute in der Bremer „Bild“ ein spannender Artikel erschienen, der der ganzen Sache einen neuen Dreh gibt und eine hochinteressante Perspektive für die Stadt Bremen aufzeigt. Demnach wird darüber nachgedacht, das Oldenburger Filmfest, welches ja bereits einen international hervorragenden Ruf besitzt, nach Bremen zu bringen oder zumindest zukünftig mit Bremen zu kooperieren. In der Vergangenheit habe ich ja in meinem Blog schon öfter das Fehlen eines Filmfestes in Bremen beklagt und auch – angesichts der Knüppel die dem Filmfest in Oldenburg zwischen die Beine geworfen werden – über die Möglichkeit einer Symbiose Filmfest Oldenburg/Bremen nachgedacht. Von daher finde ich die momentane Entwicklung ausgesprochen reizvoll.

In Bremen jedenfalls besteht scheinbar durchaus auch Interesse an einem eigenen Filmfest. So zitiert die „Bild“ Hermann Kleen, den Sprecher von Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen, dass es Überlegungen gäbe, ob auch für Bremen ein Filmfest sinnvoll und wie finanzierbar sein könnte. Und Carsten Werner, der kulturpolitische Sprecher der Grünen, kann, laut „Bild“, das „politische Gezocke“ in Oldenburg nicht verstehen und sich aber gut vorstellen, ein Filmfest, wie das in Oldenburg, auch in Bremen zu installieren. Denn „so ein Festival schmücke jede Stadt.“

Hier geht’s zum Bild-Artikel: http://www.bild.de/regional/bremen/filmfestivals/zieht-filmfestival-nach-bremen-24667776.bild.html

 

🙂

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Originalfassungen in Bremen: 14.06.12 – 20.06.12

Viel tut sich in dieser Woche nicht. Was all denjenigen entgegenkommen dürfte, die sich nicht so recht zwischen Fußball-EM und Kino entscheiden können.  Ein Film, auf den ich mich schon lange gefreut habe, läuft im City 46: „The Turin Horse“ vom Ungarn Bela Tarr. Aber Achtung: Der Gewinner des Silbernen Bären 2011 ist wirklich kein Film für jedermann. Mehr dazu unten in den Filmvorstellungen.

Rock of Ages – Cinemaxx, Do.-So. immer um 20:00 – US-Musical basierend auf einem Broadway-Hit. Sherrie und Drew haben ein gemeinsamen Traum. Sie wollen im L.A. der 80er Jahre als Musiker berühmt werden und eines Tages im legendären Club „Rock of Ages“ auftreten. Der Weg dahin ist steinig, und dann kommt auch noch die Liebe in den Weg. Das große Idol der beiden, ein Rockstar namens Stacee Jaxx, wird von Tom Cruise gespielt.

[youtube width=“640″ height=“305″]http://www.youtube.com/watch?v=USxhXb5VC5E[/youtube]

Snow White & the Huntsman – Cinemaxx, Di., 19.6. um 20:00 – Filmbesprechung hier.

Ai Weiwei – Never sorry – Schauburg, Do.-Fr. immer 15:30 und 19:15 (nur So. schon um 18:45) – Er schaut uns hier in Bremen schon seit einer Woche von vielen Plakaten herunter an: Der chinesische Künstler Ai Weiwei. Ai Weiwei wurde in der Vergangenheit aufgrund regierungskritischer Äußerungen verhaftet, eingesperrt und mit überzogenen Anschuldigungen konfrontiert. Diese US-Doku will das Phänomen Ai Weiwei näher beleuchten.

The Turin Horse – City 46, Do., Sa. und Di. um 20:30, Fr. um 18:00 – Das – als sein letztes angekündigtes – Werk des bildgewaltigen Ungarn Bela Tarr ist eine 2,5-stündige stille Apokalypse. Der von mir hochgeschätzte Bela Tarr ist so etwas wie das extreme Gegenteil vom Hollywood-Kino. Sehr lange Einstellungen, kaum Dialog, schwarz-weiß und zum Teil extreme Entschleunigung. Um Tarrs Filme genießen zu können, braucht man Geduld und die Bereitschaft, sich auf seine Art des Erzählens einzulassen. Ich freue mich sehr, „The Turin Horse“ auf der großen Leinwand sehen zu können. Es ist aber, wie oben erwähnt, kein Film, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=TRQpPTc9QxM[/youtube]

Little Alien – City 46, Do.-Mo. und Mi. jeweils 20:00 – Doku-Drama um jugendliche Flüchtlinge, die versuchen, aus ihren krisengeschüttelten Ländern nach Österreich zu fliehen und ihre Schwierigkeiten, wenn sie es geschafft haben, dort anzukommen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 18.06. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 18.06. um 21:45

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„Weser Kurier“-Artikel über die Lautstärke im Kino

Gestern stand im Weser Kurier ein interessanter Artikel von Mona Stephan mit dem Titel „Kinobesucher klagen über zu hohe Lautstärke“, den man seit letzten Freitag auch schon online lesen konnte.

Zusammengefasst geht es in dem Artikel darum, dass viele Kinobesuchern die Lautstärke der Filme als zu hoch empfinden. Es gibt zwar eine Dolby-Norm 7.0, die regelt, wie laut Filme im Idealfall sein sollten, aber die Kontrolle liege beim Einlass-Mitarbeiter individuell. Dieser ist auch immer, zumindest im Cinemaxx, als Ansprechpartner im Empfangsbereich des Saales. Im IMAX-Saal ist aber eine Änderung der Saal-Lautstärke technisch nicht möglich. Grundsätzlich kann man es aber niemals allen Kinogängern recht machen, da Lautstärke immer subjektiv empfunden wird. Vom medizinischen Standpunkt her, führt ein Kinobesuch, auch wenn dieser sehr laut wird, nicht zu dauerhaften Hörschäden, „dafür müsste man schon rund um die Uhr im Kino sitzen“.

Den vollständigen Artikel kann man hier nachlesen: http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Vermischtes/604848/Neue-Kinosaele-werden-immer-lauter.html

Mich stört es im allgemeinen viel mehr, wenn ein Film zu leise ist, als zu laut. Aber was meint ihr dazu?

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DVD-Rezension: “White Vengeance”

Ca. 200 vor Christi in China. Rebellen revoltieren gegen die Besetzung ihres Heimatlandes Chu durch den chinesischen Kaiser. Die einflussreichsten Revolutionäre sind der kriegerische Xiang Yu und der idealistische Liu Bang. Der Kaiser ersinnt eine List, um die beiden zu schwächen. Subtil hetzt er den einen gegen den anderen auf. Als dann auch noch eine Frau ins Spiel kommt, ist das Band zwischen Xiang Yu und Liu Bang endgültig zerschnitten. Aus beiden werden erbitterte Feinde…

Als ich früher im Freundeskreis das erste Mal asiatische Filme gezeigt habe, wurde gerne in den Raum geworfen, man könne die ganzen Asiaten nicht auseinander halten. Wer ist denn jetzt wer? Das  hat mich immer zutiefst verärgert, denn natürlich kann man auch als „Langnase“ Chow Yun-Fat prima von Tony Cheung unterscheiden. Als ich jetzt „White Vengeance“ sah, bekam ich das erste Mal eine Ahnung davon, warum sich mein Freundeskreis damals so schwer tat. Gleich in den ersten Szenen wird man mit einem ganzen Haufen Menschen konfrontiert, die nicht nur ähnliche Kleidung tragen, sondern auch nahezu identische Haar- und Barttracht. Da fällt die Unterscheidung der Protagonisten doch etwas schwer. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zuschauer innerhalb kürzester Zeit mit unzähligen Namen und Ereignissen bombardiert wird, was ihn erst einmal ziemlich ratlos zurücklässt.

Vielleicht liegt es daran, dass der Film auf historischen Ereignissen beruht und Regisseur Daniel Lee diese als bekannt voraussetzt. Liu Bang und Xiang Yu gab es wirklich. Liu Bang lebte von 256 – 195 vor Christi und wurde unter dem Namen  Han Gaozu 202 v.Chr. Kaiser von China. Generell sind alle Ereignisse und viele der Nebenfiguren aus „White Vengeance“ historisch verbürgt. Für jemanden, der sich mit chinesischer Geschichte nicht auskennt, ist dies allerdings recht verwirrend. Insbesondere wenn zu Anfang von Han Gaozu die Rede ist und man nicht weiß, dass dieser mit Liu Bang identisch ist. Die Ereignisse um das „Hongmen Banquet“ gehören, soweit ich das recherchieren konnte, scheinbar zur Allgemeinbildung in China.  Dort ging es allerdings weniger um ein Go-Spiel, wie im Film, sondern  um einen Schwerttanz, bei dem ein Attentat auf Liu Bang ausgeübt werden sollte. Reste dieser Geschichte finden sich aber auch in der Filmhandlung.

Man muss sich also schon etwas konzentrieren, um die ganzen Personen, Orte und Zusammenhänge für sich einsortieren zu können. „White Vengeance“ ist ein großes historisches Drama, für das seine Laufzeit von 133 Minuten immer noch viel zu wenig ist. Immer wieder werden neue, für die Handlung wichtige, Charaktere eingeführt. Andere verschwinden physisch lange aus der Handlung, bleiben aber in Dialogen präsent. Zudem wird der Schwerpunkt der Geschichte mal auf den einen, mal auf den anderen Protagonisten gesetzt. Einmal werden sie auch zu Nebenfiguren und die Handlung konzentriert  sich auf die beiden Berater der beiden. Insgesamt hätte  etwas mehr Straffung und die Konzentration auf einige wenige Figuren, es dem unwissenden Zuschauer einfacher gemacht, in die Handlung hineinzufinden.

Es fällt dadurch auch sehr schwer, eine Beziehung zu einer der Hauptpersonen aufzubauen. Analog zum Go-Spiel, welches der Film immer wieder als Metapher für politische Intrigen einsetzt, sind sie nur Steine, die auf einem Spielfeld hin und her geschoben werden.  Darunter leidet natürlich die Spannung, und es ist frustrierend zu sehen, wie einige wirklich interessante Nebenfiguren nicht wirklich ausgefüllt werden. So wirkt der Film trotz seiner Laufzeit von über zwei Stunden gehetzt und unfertig.

Die romantische Rolle von Yifei Liu als Yu Ji wird es so aber nicht gegeben haben. Sie wirkt auch nicht wirklich in die Handlung integriert. Zwar wird unterstellt, dass sie eine wichtige Rolle in der Konkurrenz zwischen Xiang Yu und Liu Bang spielt, aber mehr als Behauptung bleibt dies nicht. Wem ihre Liebe gilt wird auch nicht richtig klar. Zwar scheint sie Xiang Yu zu lieben, lässt sich aber auch widerstandslos mit Liu Bang ein, nur um am Ende für ein  melodramatisches Finale zu Xiang Yu zurückzukehren. Hier soll wohl, aus Rücksicht auf Kinokonventionen, in die historischen Geschichte um politische Intrigen und Machthunger, noch schnell eine kleine Liebesgeschichte mit eingewoben werden. Das wirkt allerdings arg aufgesetzt. Zumal man weder zu  ihr, noch mit den Protagonisten, aus oben angeführten Gründen keine echte emotionale Beziehung aufbauen kann.

Unter den Kameraden Liu Bangs gibt es viele interessante Typen. Allen voran Qing Xiu als Xiao He. Leider wird niemandem der Raum gegeben, seine Figur wirklich zum Leben zu erwecken. Besonders schade ist dies bei der von Andy On gespielten Figur des General Han Xin, bei dem man deutlich spürt, dass seine Figur weitaus vielschichtiger und ambivalenter ist, als seine kurzen Auftritte im Film zeigen.

Die mit Abstand interessantesten Figuren in „White Vengeance“ sind aber die beiden Berater der Kontrahenten. Insbesondere Hanyu Zhang weiß als Zhang Liang sehr zu gefallen. Er erinnert irgendwo an einen der klassischen Meisterdetektive vom Schlage eines Sherlock Holmes, die anhand kleinster Indizien komplexe Vorgänge rekonstruieren. Genauso ist Zhang Liang in der Lage, allein durch Beobachtung und Zuhören die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Züge der Gegner vorherzusehen. Für ihn ist Politik und Kriegsführung nichts weiter als eine intellektuelle Herausforderung, und da ist es ihm schon fast egal, welchem Herrn er dient. Das Spiel ist wichtig. Das sich messen mit anderen. Und genau darin gleicht er dem vom großen Anthony Wong gespielten Fan Zeng, dem  Berater von Xiang Yu. Es ist ein cleverer Schachzug von Daniel Lee, dass er beim legendären „Hongmen-Banquet“ die historischen Vorgaben verlässt und ein Go-Spiel zwischen Zhang Liang und Fan Zeng erfindet. Dieses inszeniert er dann auch folgerichtig wie einen klassischen Kung-Fu-Kampf, inklusive Blutspucken bei einem besonders „tödlichen“ Zug des Gegners. Schade, dass Daniel Lee sich nicht öfter diese Freiheit nimmt, von den historischen Fakten abzuweichen.

Generell hat der Film etwas Zwitterhaftes.  Einerseits hält er sich fast sklavisch an historische Ereignisse und scheint das Ziel zu verfolgen, einen „seriösen“ Geschichtsfilm zu drehen. Aber dann lässt er wieder Figuren wild durch die Luft fliegen oder stattet sie mit übermenschlichen Fähigkeiten aus. So sitzt er permanent zwischen den Stühlen. Dem einen mag die rekonstruierende Herangehensweise zu trocken und verwirrend sein, dem anderen die „fantastischen“ Elemente  zu unrealistisch.

Es ist ebenfalls schade, dass Lee seinen Film mit einem Übermaß an kleinen Spielereien und technischen Tricks vollstopft. Ständig Zeitlupe, Zeitraffer, Hochgeschwindigkeit-Zooms und Jump-Cuts. Das ganze Arsenal an Postproduction-Tricks wird hier aufgefahren und nervt irgendwann. Dazu werden die Action-Szenen mit der Handkamera gefilmt, um ihnen noch mehr Dynamik zu geben. Es scheint fast so, als wollte sich Daniel Lee nicht auf die Kraft der Geschichte verlassen und deshalb der Meinung ist, solche Taschenspielereien nötig zu haben.

Das ist schade, denn das hat der Film eigentlich gar nicht nötig. Er ist zwar zum Teil verwirrend, aber nicht langweilig. Am Besten liest man sich vorher etwas Wissen über Xiang Yu und Liu Bang an. Es ist sehr schade, dass „White Vengeance“ sein volles Potential nicht ausschöpft. Als TV-Serie, oder zumindest als Zweiteiler, hätte er sicherlich mehr Kraft entwickeln können. Aber auch so bleibt ein Film, mit dem man sehr gut einmal etwas über zwei Stunden totschlagen kann.

Die DVD von Splendid weist ein sehr gutes Bild, aber außer dem Trailer keinerlei Extras auf. Durch das Wendecover kann man das riesige FSK-Logo verschwinden lassen. Die Synchronisation ist sehr solide. Wer – wie ich – den O-Ton bevorzugt, kann sich über eine Tonspur auf Mandarin mit optionalen deutschen Untertiteln erfreuen.

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Deutschland-Premiere in der Schauburg: Kurzfilm „Bipolar – A Narration of Manic Depression“

Am nächsten Sonntag, den 17. Juni um 20:30 Uhr, feiert der neue Kurzfilm des 1982 in Bremen geborenen Filmemachers und Musikers Daniel Ruczko in der Schauburg, nach diversen Einsätzen auf internationalen Festivals, Deutschland-Premiere.

Der u.a. in Bremen in englischer Sprache gedrehte, halbstündige Film „Bipolar – A Narration of Manic Depression“ handelt von einem manisch-depressiven Schriftsteller. Dabei wurde für den gesamten Film das Split-Screen-Verfahren angewendet, um die zwei Seiten der Hauptperson wiederzugeben.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=NCu24nl00VI[/youtube]

http://www.bipolar-movie.com/

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DVD-Rezension: “Revenge: Sympathy for the Devil”

In Hongkong geht ein Serienmörder um. Er tötet schwangere Frauen, indem er ihnen das ungeborene Kind aus dem Leib schneidet. Diese Frauen haben alle eins gemeinsam: Ihre Ehemänner sind Polizisten. Schon bald wird ein Tatverdächtiger gefangen. Doch es stellt sich heraus, dass hinter den Taten noch mehr steckt. Eine tragische Liebesgeschichte und ein weiteres, brutales Verbrechen…

In meiner Schulzeit gab es für manche Filme das nicht ganz so schöne Kürzel GWS. Wer in den späten 80ern seine ersten Videothekengänge gemacht hat (endlich 18!), der wird sich bestimmt daran erinnern. Da lieh man sich den neusten Grusel-Schocker oder Actionfilm aus, saß wenig später mit gleichgesinnten Freunden Zuhause, bewaffnet mit reichlich Knabberkram und leicht alkoholischen Getränken, in freudiger Erwartung auf das, was das Videocover an Aufregungen versprach. Der Film begann und gleich die erste Szene, in der es zur Sache ging, sah merkwürdig abgehackt aus. Ein Schuss und tausend Tote. Ein kollektives Aufstöhnen ging durch den Raum, denn man wusste: Dieser Film ist GWS. Geschnitten wie Sau.

Anfang des neues Jahrtausends, und mit dem Aufkommen der DVD, schien sich die Lage etwas zu entspannen. Ja, klar. Es wurde immer noch gekürzt, aber lange nicht mehr so exzessiv, wie zu seligen VHS-Zeiten. Ehrlich gesagt, hatte ich schon ganz vergessen, wie es sich anfühlte, wenn man plötzlich einem verstümmelten Filmtorso gegenüber sitzt. Dank der netten Leute von i-on Media, weiß ich es nun wieder. Aber es ist eine Erinnerung, die ich lieber unterdrückt hätte.

Im Internet wird die Länge der asiatischen DVD von „Revenge: Sympathy for the Devil“ mit 91 Minuten angeben. Nach Deutschland haben es davon gerade mal 77 geschafft. D.h. ganze 14 Minuten (vierzehn!) sind der Schere zum Opfer gefallen. Zunächst fällt dies gar nicht so stark auf. Ja, man merkt, dass hier und da eine Szene länger gewesen sein könnte, aber man kann das Geschehen noch immer gut im Kopf ergänzen. Ärgerlich, aber immerhin ist es noch möglich der Handlung zu folgen. Nach ca. einer Stunde ändert sich das aber rapide. Wenn die Hauptperson Kit es mit einer ganzen Polizeieinheit aufnimmt, kann man noch nicht einmal mehr erahnen, was vor sich geht. Personen tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden plötzlich auf Nimmerwiedersehen. Andere Charaktere weisen ohne fremdes Zutun wie von Geisterhand zugefügte Wunden auf. Man weiß nicht, was mit wem, wann passiert. Daher ist der Schluss ebenso frustrierend, wie verwirrend. Vielleicht erfährt man in der ungekürzten Fassung auch nicht alles, das kann ich anhand der vorliegenden Stümmelfassung nicht beurteilen, aber bei der deutschen DVD erscheint einem nicht nur ein Fragezeichen über dem Kopf. Das FSK18 Siegel auf dem Cover und die reißerischen Werbesprüchen erscheinen im Nachhinein bestenfalls als Hohn, schlimmstenfalls als Verarschung. Auf diese Art von Nostalgie hätte ich gerne verzichtet

Zum Film selber kann man dementsprechend auch nicht viel sagen, da er durch die fehlenden 14 Minuten gar nicht objektiv bewertet werden kann. Ich will trotzdem versuchen, die geschnittene Fassung irgendwie zu besprechen. Vielleicht (oder ganz bestimmt sogar, man kennt ja den Markt) wird irgendwann ein überteuerte Uncut-Fassung hinterhergeworfen.

„Revenge: Sympathy for the Devil“ trägt im Original den Titel „Revenge: A Love Story“, was die Handlung genauer wiedergibt. Wobei das im „deutschen“ Titel eingeforderte Mitgefühl auch nicht so verkehrt ist. Allerdings ist es trotz der tragischen Hintergrundgeschichte schwer, Mitgefühl für Kit zu entwickeln. Zu grausam sind seine Morde und treffen zudem auch noch die Falschen. Warum er die unschuldigen Frauen und, schlimmer noch, die ungeborenen Babies tötet, wird nicht klar und scheint allein der etwas perversen Fantasie des Drehbuchautors geschuldet zu sein. Schade, denn weniger Provokation an dieser Stelle hätte die Geschichte schlüssiger und emotional packender gemacht. Natürlich hat man Mitleid mit dem armen Kit und mehr noch mit seiner geistig zurückgebliebenen Freundin Weng, die in die brutalen Hände skrupelloser Polizisten geraten. Ja, selbstverständlich wünscht man diesen Ungeheuern in Uniform die Pest an den Hals. Aber doch nicht so.

Irgendwie scheint der Film dann auch im Laufe der Zeit sein kontroversen Beginn zu vergessen. Aus den abscheulichen und überflüssigen Rache-Morden vom Anfang entwickelt sich im Finale ein eher klassischer Feldzug gegen die Peiniger. Die dörfliche Umgebung erinnert an „The Untold Story“, erreicht aber nie dessen perverse Intensität. Okay, zumindest in der extrem gekürzten deutschen Fassung. Es kann durchaus sein, dass die ungeschnittene Fassung da mehr bietet.

Ansonsten, CATIII wie seit vielen Jahren bekannt. Mit prügelnden Polizisten und expliziten Morden. Alles handwerklich sauber und nicht gänzlich unspannend. Erstaunlich aber, wie hier, in einem chinesischen Film, die Staatsmacht in Form der Polizei, als solch ein skrupelloser und moralisch verkommener Haufen gezeigt werden kann. Da scheint Hong Kong innerhalb der Volksrepublik doch noch eine Sonderrolle zu spielen. Die schauspielerischen Leistungen sind okay, verlangen den Darstellern aber auch nicht allzu viel ab. Hongkong-Popstar Juno Mak (der auch die Idee zum Film lieferte) verkörpert den stoisch-linkischen Kit, dessen Mangel an Mimik seinem Darsteller vielleicht entgegenkommt. Mit großen Augen darf der japanische Pornostar Sola Aoi die geistig behindert Wing geben. Was ihr ohne große Anstrengungen gut gelingt. Die restlichen Schauspieler spielen routiniert ihren Stiefel runter. Insgesamt ist der Film angenehm ruhig, wenn auch etwas kalt, inszeniert. Lediglich am Ende gibt er plötzlich ordentlich Gas, was aber in der deutschen Fassung allenfalls zu erahnen ist. Solide Kost für CAT-III-Fans, die in der vorliegenden Flicken-Fassung allerdings absolut ungenießbar ist.

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Originalfassungen in Bremen: 07.06.12 – 13.06.12

Das Schöne an dieser Woche ist, dass ich zu einigen O-Ton-Filmen gar nicht soviel schreiben brauche, weil ich das schon ausführlich in den jeweiligen Rezensionen getan habe. Trotz der vielen Wiederholungen fällt es  gar nicht so leicht, ein Highlight der Woche auszuwählen. Ich entscheide mich da für den spanischen „Smoking Room“, den ich zwar nicht kenne, der sich sehr gut anhört.

Snow White & the Huntsman – Cinemaxx, Do. und Mo. um 19:45 – Filmbesprechung hier.

Dark Shadows – Cinemaxx, Mi. 15.6. um 16:40 – Filmbesprechung hier.

Men in Black III (3D) – Cinemaxx, Fr. 8.6. um 16:40 – Filmbesprechung hier.

Der Diktator – Cinemaxx, Di. 12.6. um 16:40 – Sacha Baron Cohen is back! Nach “Ali G.“, “Borat” und “Brüno” ist er diesmal “der Diktator”. Eine Mischung aus Saddam und Gaddafi.

Smoking Room – City 46, Mi. 13.6. um 20:30 – Ein weiterer Film aus der Reihe “Junger Spanischer Film“. Die Regisseure Julio Wallowits und Roger Gual wurden für diesen Film 2003 mit dem Goya für das beste Regie-Debüt ausgezeichnet. Es geht um den Angestellten Ramírez, der Unterschriften gegen ein Rauchverbot in seiner Firma sammeln will, um einen leerstehenden Raum des Büros zu einem „ Smoking Room“ umzufunktionieren. Als es daran geht, den Plan in die Tat umzusetzen, finden plötzlich alle Kollegen eine Ausrede, sich nicht an der Unterschriftenaktion zu beteiligen, und ohne es zu bemerken, enthüllt Ramírez, dass jeder Mitarbeiter etwas zu verbergen hat. In Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen.

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Unter dem Sand – City 46, Do./Di. um 20:00 und Sa./So. um 20:30 – Französisches Psychodrama von Starregisseur Francois Ozon mit der wunderbaren Charlotte Rampling als alternde Ehefrau, deren Ehemann nach einem Bad im Meer nicht wieder auftaucht.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=DmmLMnrAUQk[/youtube]

Little Alien – City 46, Do. und Mo. jeweils 20:00 – Doku-Drama um jugendliche Flüchtlinge, die versuchen, aus ihren krisengeschüttelten Ländern nach Österreich zu fliehen und ihre Schwierigkeiten, wenn es geschafft haben, dort anzukommen.

Mein Bruder Leo – City 46, Do./Mo. Um 18:00, Fr. 20:30 und Sa./So./Mi. um 20:00 – Französisches Drama um einen 12-jährigen Jungen, der durch Zufall erfährt, dass sein schwuler Bruder an HIV erkrankt ist.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 11.06. um 21:45

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Internationales Filmfest Oldenburg: Der Streit mit der Politik geht weiter…

Heute flatterte mir folgende Pressemitteilung ins Haus:

Am 13. Juni 2012 ab 9 Uhr finden die mündlichen Verhandlungen zu den Gerichtsverfahren im Rechtsstreit zwischen dem Internationalen Filmfest Oldenburg und drei Oldenburger Kommunalpolitikern vor dem Landgericht Oldenburg (…) statt.

Das Internationale Filmfest Oldenburg hatte die Politiker aufgefordert, öffentlich getätigte Äußerungen zurückzunehmen, die das Filmfest in Misskredit gebracht haben. Nach der Weigerung der Politiker dieser Aufforderung nachzukommen, wurde Klage auf Unterlassung und Widerruf beim Landgericht eingereicht. Am Mittwoch, den 13.6.2012 werden die drei Verhandlungen ab 9 Uhr öffentlich geführt.

Holla, was ist da denn schon wieder los? Ohne alle Details zu kennen, riecht das für mich doch sehr danach, dass es in der Auseinandersetzung zwischen Filmfestleitung und Stadt mittlerweile nur noch um persönliche Befindlichkeiten und Abneigungen geht. Nicht mehr um die Sache an sich. Ich hoffe, ich irre mich. Aber vielleicht sollten sich alle Beteiligten trotzdem mal einen Moment zusammenreißen und ihre Egos hintenan stellen. Ansonsten könnte es so enden wie bei dem Autofahrer, auf dessen Grabstein stand :“Ich hatte Vorfahrt!“.

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