Rezension: “Dark Shadows”

Als der reiche und mächtige Barnabas Collins 1770 das Herz der Hexe Angelique bricht, rächt sie sich fürchterlich an ihm. Erst tötet sie seine große Liebe, dann verwandelt sie ihn in einen Vampir und sorgt dafür, dass er für 200 Jahre lebendig begraben wird.
1972 wird Barnabas durch einen Zufall befreit. Doch die Welt ist eine andere als zu seinen „Lebzeiten“. Hippies, Discomusik und merkwürdige Fahrzeuge verstören den aristokratischen Vampir zutiefst. Auch um seinen Besitz und letzte Nachfahren ist es schlecht bestellt. Barnabas beschließt, das alte Ansehen der Familie wieder herzustellen und muss dabei feststellen, dass seine alte Erzfeindin Angelique ebenfalls noch sehr a(ttra)ktiv ist…

Dark Shadows„, der neue Film von Tim Burton, beruht auf einer amerikanischen TV-Serie, die ursprünglich von 1967 bis 1971 lief. Hierzulande ist sie mangels TV-Ausstrahlung (immerhin schaffte es ein auf der Serie basierender Spielfilm von 1970, unter dem Titel „Das Schloß der Vampire„, nach Deutschland) so gut wie unbekannt. Nur wer sich für amerikanische Pop-Kultur interessiert (oder einige frühe Stephen-King-Romane gelesen hat, wo sie ab und zu erwähnt wurde) hat schon mal von Barnabas Collins und seiner Sippe gehört.

Die von Dan Curtis erfundene TV-Serie „Dark Shadows“ war so eine Art „Dallas mit Vampiren und Geistern“. Ebenso wie sein Lieblingsschauspieler Johnny Depp, gehört auch Tim Burton zu den Fans der Serie. Da lag es auf der Hand, dass sich beide zusammentaten – nun bereits zum achten Mal – und einen Spielfilm basierend auf der geliebten Serie konzipierten (Depp ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent). Auch der alten Besetzung der Serie wurde Ehre erwiesen, und sie darf bei der großen Ball-Szene durchs Bild huschen. Schräge Charaktere, eine fantastisch-absurde Geschichte und Referenzen an die Gruselfilme der 60er Jahre. So gesehen der perfekte Stoff für einen Tim-Burton-Film.

Herausgekommen ist aber nicht mehr, wenn auch nicht weniger, als nette Sonntagnachmittag-Unterhaltung. Vom speziellen „Burton-Flair“ keine Spur. Statt handgemachter Effekte platzt der Film nur so vor aufwändiger CGI. Das sieht (meistens) zwar perfekt aus, lässt aber komplett den Charme alter Burton-Filme vermissen. Auch eine seine stärksten Waffen, die skurrilen Nebenfiguren, bleiben blass. Was insbesondere im Falle seiner Ehefrau und Muse, der großartigen Helena Bonham-Carter, wirklich tragisch ist. Aber auch Chloë Grace Moretz, die in „Hugo Cabret“ noch zu begeistern wusste, wirkt hier unsympathisch und überflüssig. Auch mit dem missverstanden Jungen David (ein typischer Tim-Burton-Charakter mit großem Potential zum Alter-Ego des Regisseurs) weiß Burton überhaupt nichts anzufangen.

Merkwürdigerweise kann auch Eva Green als böse Hexe nicht wirklich Präsenz entfalten. Trotz aufreizender Kleidung und der nachgewiesenen Schönheit von Eva Green, bleibt ihre Angelique merkwürdig plastikhaft und unerotisch. Mag es an der deplaziert wirkenden blonden Perücke liegen? Oder an dem diffusen Weichzeichner, mit dem der Film aufgenommen wurde? Letzterer soll vielleicht eine Hommage an die Horrorfilme der frühen 70er (also der Zeit, in der Dark Shadows spielt) darstellen – hat aber auf jeden Fall den netten Nebeneffekt, dass der gealterten Michelle Pfeiffer stark geschmeichelt wird. Allerdings wirken die Figuren dadurch auch konturlos. Überhaupt fehlt dem Film jede Erotik, obwohl es an erotisch gemeinten Szenen keinen Mangel gibt. Am eklatantesten wird dieser Mangel in der „Sex-Kampf-Szene“ zwischen Barnabas und Angelique, die man nur als missglückt bezeichnen kann, da sie verkrampft spaßig und zudem schlecht geschnitten ist.

So bleibt es Johnny Depp überlassen, dem Film Leben einzuhauchen. Und dies tut er mit sichtlich großer Freude. Leider wird „Dark Shadows“ dadurch zu einer reinen „One-Man-Show“, denn neben dem strahlendem Hauptdarsteller bleibt alles andere blass und verschwommen. Allerdings macht es auch großen Spaß, Depp dabei zuzuschauen, wie er mit seiner altertümlichen Sprache und seinen steifen Manieren immer wieder für Irritationen sorgt und trotz aller Mühen so gar nicht ins Jahr 1972 passt. Der groovende 70er-Soundtrack, nebst Gastauftritt von Alice Cooper (“ …ugliest woman I’ve ever seen“), macht Laune. Man kann auch nicht behaupten, dass „Dark Shadows“ vollkommen misslungen wäre. Er plätschert eben harmlos-nett vor sich hin. Das ist für einen Tim-Burton-Film dann aber doch etwas wenig.

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