26. Mai im City 46: Ein fast vergessener Klassiker bei “Stummfilm plus zwei”

Beim nächsten „Stummfilm plus zwei“ am kommenden Samstag, den 26.Mai um 20:30 Uhr, wird dem geneigten Zuschauer ein ganz besonderes Schätzchen präsentiert. Der heute leider sehr rare „Geheimnisse einer Seele“ von G.W. Pabst. Pabst ist, neben Lang und Murnau, einer der drei Giganten des Deutschen Stummfilms. Während Fritz Lang noch heute, dank „Metropolis“, in aller Munde ist (obwohl sein Mega-Epos „Die Nibelungen“ hier noch immer einer DVD-Veröffentlichung harrt), konnte sich sein Kollege F.W. Murnau zumindest mit seinem „Nosferatu“ im kollektiven Gedächtnis verankern. Aber auch bei ihm gilt, dass viele seine wichtigen Werke (wie z.B. „Faust„) nur als Import auf DVD erhältlich sind. Bei Pabst nun sieht es noch trauriger aus. Zwar liegt sein wegweisender „Die freudlose Gasse“ in einer exzellenten Ausgabe innerhalb der „Edition Filmmuseum“ vor, aber seine berühmtesten Werke, „Die Büchse der Pandora“ und „Tagebuch einer Verlorenen“, beide mit der göttlichen Louise Brooks, sind bislang nur im Ausland veröffentlicht worden. Auch „Geheimnisse einer Seele“ wurde bisher nur in den USA auf DVD veröffentlicht. In Deutschland lief er vor vier Jahren einmal im Montagnachtprogramm von Arte. Umso schöner, dieses Werk nun auf der großen Leinwand sehen zu können.

Der Chemiker Martin Fellmann erfährt, dass der attraktive Cousin seiner Frau nach langer Zeit aus Indien zurückkehrt. Seither erlebt er bizarre Albträume, in denen er z. B. versucht, seine Frau mit einem Dolch zu erstechen. Um dem immer stärkeren Drang, sie wirklich zu töten, nicht nachzugeben, entwickelt er eine Messer-Phobie. Sein innerer Konflikt wird von verschiedenen Ereignissen noch verstärkt, bis er voller Schrecken aus seinem Haus flieht und den Psychiater Dr. Orth konsultiert, der bereit ist, ihn psychotherapeutisch zu behandeln…

Psychoanalyse war in der Entstehungszeit des Filmes groß in Mode. Man darf auch nicht vergessen, dass Sigmund Freud zu dieser Zeit seine wichtigsten Werke, wie „Das Ich und das Es“ (1923), schrieb und seine Theorien die Menschen faszinierten. Zwar wurde schon vorher im Film die Psyche des Menschen thematisiert, aber mehr im Nachbau von Innenwelten im Expressionismus („Das Cabinett des Dr. Caligari“). Hier nun stand die Methode der Psychoanalyse erstmals selbst im Mittelpunkt (diese Faszination sollte in den 50er und 60er mit Filmen wie Hitchcocks „Ich kämpfe um Dich“ oder John Hustons „Freud“ ein kleines Revival erfahren). Freud selber war vom Medium Film übrigens wenig angetan. Zwar wurde er gefragt, ob er nicht als Berater bei „Geheimnisse einer Seele“ fungieren wolle, er lehnte aber ab, da er die Abstraktionen der Psychoanalyse als im Film für nicht darstellbar charakterisierte. Seine Schüler Karl Abraham (geboren in Bremen!) und Hanns Sachs übernahmen dann diese Aufgabe.

Der Initiator und Gastgeber der Reihe „Stummfilm plus zwei“, Pianist Ezzat Nashashibi, begrüßt diesmal den Kontrabassisten Johannes W. Schäfer als musikalischen Partner. Johannes W. Schäfer lebt als selbständiger Musiker und Komponist in Bremen. Er gelangte über Geige und Gitarre zum Kontrabass. Als Bassist ist er in mehreren Orchestern und Jazz-Formationen in der Region Bremen/Oldenburg beschäftigt, u.a. in der Drei-Groschen-Oper am Bremer Theater, sowie in den Jazztrios JoGA und Passing Time. Er komponierte bereits Kammermusik, Orchestermusik, Jazz, Elektroakustische Musik, zwei Musicals und ein Oratorium für Kinderchor und Ensemble. Seine Kompositionen werden von internationalen Interpreten im In- und Ausland aufgeführt.

Der Stummfilmabend findet wie immer im City 46 statt. Es empfiehlt sich, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern, da die „Stummfilme plus zwei“ immer gut besucht sind.

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