Originalfassungen in Bremen: 14.06.12 – 20.06.12

Viel tut sich in dieser Woche nicht. Was all denjenigen entgegenkommen dürfte, die sich nicht so recht zwischen Fußball-EM und Kino entscheiden können.  Ein Film, auf den ich mich schon lange gefreut habe, läuft im City 46: „The Turin Horse“ vom Ungarn Bela Tarr. Aber Achtung: Der Gewinner des Silbernen Bären 2011 ist wirklich kein Film für jedermann. Mehr dazu unten in den Filmvorstellungen.

Rock of Ages – Cinemaxx, Do.-So. immer um 20:00 – US-Musical basierend auf einem Broadway-Hit. Sherrie und Drew haben ein gemeinsamen Traum. Sie wollen im L.A. der 80er Jahre als Musiker berühmt werden und eines Tages im legendären Club „Rock of Ages“ auftreten. Der Weg dahin ist steinig, und dann kommt auch noch die Liebe in den Weg. Das große Idol der beiden, ein Rockstar namens Stacee Jaxx, wird von Tom Cruise gespielt.

[youtube width=“640″ height=“305″]http://www.youtube.com/watch?v=USxhXb5VC5E[/youtube]

Snow White & the Huntsman – Cinemaxx, Di., 19.6. um 20:00 – Filmbesprechung hier.

Ai Weiwei – Never sorry – Schauburg, Do.-Fr. immer 15:30 und 19:15 (nur So. schon um 18:45) – Er schaut uns hier in Bremen schon seit einer Woche von vielen Plakaten herunter an: Der chinesische Künstler Ai Weiwei. Ai Weiwei wurde in der Vergangenheit aufgrund regierungskritischer Äußerungen verhaftet, eingesperrt und mit überzogenen Anschuldigungen konfrontiert. Diese US-Doku will das Phänomen Ai Weiwei näher beleuchten.

The Turin Horse – City 46, Do., Sa. und Di. um 20:30, Fr. um 18:00 – Das – als sein letztes angekündigtes – Werk des bildgewaltigen Ungarn Bela Tarr ist eine 2,5-stündige stille Apokalypse. Der von mir hochgeschätzte Bela Tarr ist so etwas wie das extreme Gegenteil vom Hollywood-Kino. Sehr lange Einstellungen, kaum Dialog, schwarz-weiß und zum Teil extreme Entschleunigung. Um Tarrs Filme genießen zu können, braucht man Geduld und die Bereitschaft, sich auf seine Art des Erzählens einzulassen. Ich freue mich sehr, „The Turin Horse“ auf der großen Leinwand sehen zu können. Es ist aber, wie oben erwähnt, kein Film, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=TRQpPTc9QxM[/youtube]

Little Alien – City 46, Do.-Mo. und Mi. jeweils 20:00 – Doku-Drama um jugendliche Flüchtlinge, die versuchen, aus ihren krisengeschüttelten Ländern nach Österreich zu fliehen und ihre Schwierigkeiten, wenn sie es geschafft haben, dort anzukommen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 18.06. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 18.06. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

„Weser Kurier“-Artikel über die Lautstärke im Kino

Gestern stand im Weser Kurier ein interessanter Artikel von Mona Stephan mit dem Titel „Kinobesucher klagen über zu hohe Lautstärke“, den man seit letzten Freitag auch schon online lesen konnte.

Zusammengefasst geht es in dem Artikel darum, dass viele Kinobesuchern die Lautstärke der Filme als zu hoch empfinden. Es gibt zwar eine Dolby-Norm 7.0, die regelt, wie laut Filme im Idealfall sein sollten, aber die Kontrolle liege beim Einlass-Mitarbeiter individuell. Dieser ist auch immer, zumindest im Cinemaxx, als Ansprechpartner im Empfangsbereich des Saales. Im IMAX-Saal ist aber eine Änderung der Saal-Lautstärke technisch nicht möglich. Grundsätzlich kann man es aber niemals allen Kinogängern recht machen, da Lautstärke immer subjektiv empfunden wird. Vom medizinischen Standpunkt her, führt ein Kinobesuch, auch wenn dieser sehr laut wird, nicht zu dauerhaften Hörschäden, „dafür müsste man schon rund um die Uhr im Kino sitzen“.

Den vollständigen Artikel kann man hier nachlesen: http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Vermischtes/604848/Neue-Kinosaele-werden-immer-lauter.html

Mich stört es im allgemeinen viel mehr, wenn ein Film zu leise ist, als zu laut. Aber was meint ihr dazu?

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “White Vengeance”

Ca. 200 vor Christi in China. Rebellen revoltieren gegen die Besetzung ihres Heimatlandes Chu durch den chinesischen Kaiser. Die einflussreichsten Revolutionäre sind der kriegerische Xiang Yu und der idealistische Liu Bang. Der Kaiser ersinnt eine List, um die beiden zu schwächen. Subtil hetzt er den einen gegen den anderen auf. Als dann auch noch eine Frau ins Spiel kommt, ist das Band zwischen Xiang Yu und Liu Bang endgültig zerschnitten. Aus beiden werden erbitterte Feinde…

Als ich früher im Freundeskreis das erste Mal asiatische Filme gezeigt habe, wurde gerne in den Raum geworfen, man könne die ganzen Asiaten nicht auseinander halten. Wer ist denn jetzt wer? Das  hat mich immer zutiefst verärgert, denn natürlich kann man auch als „Langnase“ Chow Yun-Fat prima von Tony Cheung unterscheiden. Als ich jetzt „White Vengeance“ sah, bekam ich das erste Mal eine Ahnung davon, warum sich mein Freundeskreis damals so schwer tat. Gleich in den ersten Szenen wird man mit einem ganzen Haufen Menschen konfrontiert, die nicht nur ähnliche Kleidung tragen, sondern auch nahezu identische Haar- und Barttracht. Da fällt die Unterscheidung der Protagonisten doch etwas schwer. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zuschauer innerhalb kürzester Zeit mit unzähligen Namen und Ereignissen bombardiert wird, was ihn erst einmal ziemlich ratlos zurücklässt.

Vielleicht liegt es daran, dass der Film auf historischen Ereignissen beruht und Regisseur Daniel Lee diese als bekannt voraussetzt. Liu Bang und Xiang Yu gab es wirklich. Liu Bang lebte von 256 – 195 vor Christi und wurde unter dem Namen  Han Gaozu 202 v.Chr. Kaiser von China. Generell sind alle Ereignisse und viele der Nebenfiguren aus „White Vengeance“ historisch verbürgt. Für jemanden, der sich mit chinesischer Geschichte nicht auskennt, ist dies allerdings recht verwirrend. Insbesondere wenn zu Anfang von Han Gaozu die Rede ist und man nicht weiß, dass dieser mit Liu Bang identisch ist. Die Ereignisse um das „Hongmen Banquet“ gehören, soweit ich das recherchieren konnte, scheinbar zur Allgemeinbildung in China.  Dort ging es allerdings weniger um ein Go-Spiel, wie im Film, sondern  um einen Schwerttanz, bei dem ein Attentat auf Liu Bang ausgeübt werden sollte. Reste dieser Geschichte finden sich aber auch in der Filmhandlung.

Man muss sich also schon etwas konzentrieren, um die ganzen Personen, Orte und Zusammenhänge für sich einsortieren zu können. „White Vengeance“ ist ein großes historisches Drama, für das seine Laufzeit von 133 Minuten immer noch viel zu wenig ist. Immer wieder werden neue, für die Handlung wichtige, Charaktere eingeführt. Andere verschwinden physisch lange aus der Handlung, bleiben aber in Dialogen präsent. Zudem wird der Schwerpunkt der Geschichte mal auf den einen, mal auf den anderen Protagonisten gesetzt. Einmal werden sie auch zu Nebenfiguren und die Handlung konzentriert  sich auf die beiden Berater der beiden. Insgesamt hätte  etwas mehr Straffung und die Konzentration auf einige wenige Figuren, es dem unwissenden Zuschauer einfacher gemacht, in die Handlung hineinzufinden.

Es fällt dadurch auch sehr schwer, eine Beziehung zu einer der Hauptpersonen aufzubauen. Analog zum Go-Spiel, welches der Film immer wieder als Metapher für politische Intrigen einsetzt, sind sie nur Steine, die auf einem Spielfeld hin und her geschoben werden.  Darunter leidet natürlich die Spannung, und es ist frustrierend zu sehen, wie einige wirklich interessante Nebenfiguren nicht wirklich ausgefüllt werden. So wirkt der Film trotz seiner Laufzeit von über zwei Stunden gehetzt und unfertig.

Die romantische Rolle von Yifei Liu als Yu Ji wird es so aber nicht gegeben haben. Sie wirkt auch nicht wirklich in die Handlung integriert. Zwar wird unterstellt, dass sie eine wichtige Rolle in der Konkurrenz zwischen Xiang Yu und Liu Bang spielt, aber mehr als Behauptung bleibt dies nicht. Wem ihre Liebe gilt wird auch nicht richtig klar. Zwar scheint sie Xiang Yu zu lieben, lässt sich aber auch widerstandslos mit Liu Bang ein, nur um am Ende für ein  melodramatisches Finale zu Xiang Yu zurückzukehren. Hier soll wohl, aus Rücksicht auf Kinokonventionen, in die historischen Geschichte um politische Intrigen und Machthunger, noch schnell eine kleine Liebesgeschichte mit eingewoben werden. Das wirkt allerdings arg aufgesetzt. Zumal man weder zu  ihr, noch mit den Protagonisten, aus oben angeführten Gründen keine echte emotionale Beziehung aufbauen kann.

Unter den Kameraden Liu Bangs gibt es viele interessante Typen. Allen voran Qing Xiu als Xiao He. Leider wird niemandem der Raum gegeben, seine Figur wirklich zum Leben zu erwecken. Besonders schade ist dies bei der von Andy On gespielten Figur des General Han Xin, bei dem man deutlich spürt, dass seine Figur weitaus vielschichtiger und ambivalenter ist, als seine kurzen Auftritte im Film zeigen.

Die mit Abstand interessantesten Figuren in „White Vengeance“ sind aber die beiden Berater der Kontrahenten. Insbesondere Hanyu Zhang weiß als Zhang Liang sehr zu gefallen. Er erinnert irgendwo an einen der klassischen Meisterdetektive vom Schlage eines Sherlock Holmes, die anhand kleinster Indizien komplexe Vorgänge rekonstruieren. Genauso ist Zhang Liang in der Lage, allein durch Beobachtung und Zuhören die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Züge der Gegner vorherzusehen. Für ihn ist Politik und Kriegsführung nichts weiter als eine intellektuelle Herausforderung, und da ist es ihm schon fast egal, welchem Herrn er dient. Das Spiel ist wichtig. Das sich messen mit anderen. Und genau darin gleicht er dem vom großen Anthony Wong gespielten Fan Zeng, dem  Berater von Xiang Yu. Es ist ein cleverer Schachzug von Daniel Lee, dass er beim legendären „Hongmen-Banquet“ die historischen Vorgaben verlässt und ein Go-Spiel zwischen Zhang Liang und Fan Zeng erfindet. Dieses inszeniert er dann auch folgerichtig wie einen klassischen Kung-Fu-Kampf, inklusive Blutspucken bei einem besonders „tödlichen“ Zug des Gegners. Schade, dass Daniel Lee sich nicht öfter diese Freiheit nimmt, von den historischen Fakten abzuweichen.

Generell hat der Film etwas Zwitterhaftes.  Einerseits hält er sich fast sklavisch an historische Ereignisse und scheint das Ziel zu verfolgen, einen „seriösen“ Geschichtsfilm zu drehen. Aber dann lässt er wieder Figuren wild durch die Luft fliegen oder stattet sie mit übermenschlichen Fähigkeiten aus. So sitzt er permanent zwischen den Stühlen. Dem einen mag die rekonstruierende Herangehensweise zu trocken und verwirrend sein, dem anderen die „fantastischen“ Elemente  zu unrealistisch.

Es ist ebenfalls schade, dass Lee seinen Film mit einem Übermaß an kleinen Spielereien und technischen Tricks vollstopft. Ständig Zeitlupe, Zeitraffer, Hochgeschwindigkeit-Zooms und Jump-Cuts. Das ganze Arsenal an Postproduction-Tricks wird hier aufgefahren und nervt irgendwann. Dazu werden die Action-Szenen mit der Handkamera gefilmt, um ihnen noch mehr Dynamik zu geben. Es scheint fast so, als wollte sich Daniel Lee nicht auf die Kraft der Geschichte verlassen und deshalb der Meinung ist, solche Taschenspielereien nötig zu haben.

Das ist schade, denn das hat der Film eigentlich gar nicht nötig. Er ist zwar zum Teil verwirrend, aber nicht langweilig. Am Besten liest man sich vorher etwas Wissen über Xiang Yu und Liu Bang an. Es ist sehr schade, dass „White Vengeance“ sein volles Potential nicht ausschöpft. Als TV-Serie, oder zumindest als Zweiteiler, hätte er sicherlich mehr Kraft entwickeln können. Aber auch so bleibt ein Film, mit dem man sehr gut einmal etwas über zwei Stunden totschlagen kann.

Die DVD von Splendid weist ein sehr gutes Bild, aber außer dem Trailer keinerlei Extras auf. Durch das Wendecover kann man das riesige FSK-Logo verschwinden lassen. Die Synchronisation ist sehr solide. Wer – wie ich – den O-Ton bevorzugt, kann sich über eine Tonspur auf Mandarin mit optionalen deutschen Untertiteln erfreuen.

Veröffentlicht unter DVD, Film | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Deutschland-Premiere in der Schauburg: Kurzfilm „Bipolar – A Narration of Manic Depression“

Am nächsten Sonntag, den 17. Juni um 20:30 Uhr, feiert der neue Kurzfilm des 1982 in Bremen geborenen Filmemachers und Musikers Daniel Ruczko in der Schauburg, nach diversen Einsätzen auf internationalen Festivals, Deutschland-Premiere.

Der u.a. in Bremen in englischer Sprache gedrehte, halbstündige Film „Bipolar – A Narration of Manic Depression“ handelt von einem manisch-depressiven Schriftsteller. Dabei wurde für den gesamten Film das Split-Screen-Verfahren angewendet, um die zwei Seiten der Hauptperson wiederzugeben.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=NCu24nl00VI[/youtube]

http://www.bipolar-movie.com/

Veröffentlicht unter Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Revenge: Sympathy for the Devil”

In Hongkong geht ein Serienmörder um. Er tötet schwangere Frauen, indem er ihnen das ungeborene Kind aus dem Leib schneidet. Diese Frauen haben alle eins gemeinsam: Ihre Ehemänner sind Polizisten. Schon bald wird ein Tatverdächtiger gefangen. Doch es stellt sich heraus, dass hinter den Taten noch mehr steckt. Eine tragische Liebesgeschichte und ein weiteres, brutales Verbrechen…

In meiner Schulzeit gab es für manche Filme das nicht ganz so schöne Kürzel GWS. Wer in den späten 80ern seine ersten Videothekengänge gemacht hat (endlich 18!), der wird sich bestimmt daran erinnern. Da lieh man sich den neusten Grusel-Schocker oder Actionfilm aus, saß wenig später mit gleichgesinnten Freunden Zuhause, bewaffnet mit reichlich Knabberkram und leicht alkoholischen Getränken, in freudiger Erwartung auf das, was das Videocover an Aufregungen versprach. Der Film begann und gleich die erste Szene, in der es zur Sache ging, sah merkwürdig abgehackt aus. Ein Schuss und tausend Tote. Ein kollektives Aufstöhnen ging durch den Raum, denn man wusste: Dieser Film ist GWS. Geschnitten wie Sau.

Anfang des neues Jahrtausends, und mit dem Aufkommen der DVD, schien sich die Lage etwas zu entspannen. Ja, klar. Es wurde immer noch gekürzt, aber lange nicht mehr so exzessiv, wie zu seligen VHS-Zeiten. Ehrlich gesagt, hatte ich schon ganz vergessen, wie es sich anfühlte, wenn man plötzlich einem verstümmelten Filmtorso gegenüber sitzt. Dank der netten Leute von i-on Media, weiß ich es nun wieder. Aber es ist eine Erinnerung, die ich lieber unterdrückt hätte.

Im Internet wird die Länge der asiatischen DVD von „Revenge: Sympathy for the Devil“ mit 91 Minuten angeben. Nach Deutschland haben es davon gerade mal 77 geschafft. D.h. ganze 14 Minuten (vierzehn!) sind der Schere zum Opfer gefallen. Zunächst fällt dies gar nicht so stark auf. Ja, man merkt, dass hier und da eine Szene länger gewesen sein könnte, aber man kann das Geschehen noch immer gut im Kopf ergänzen. Ärgerlich, aber immerhin ist es noch möglich der Handlung zu folgen. Nach ca. einer Stunde ändert sich das aber rapide. Wenn die Hauptperson Kit es mit einer ganzen Polizeieinheit aufnimmt, kann man noch nicht einmal mehr erahnen, was vor sich geht. Personen tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden plötzlich auf Nimmerwiedersehen. Andere Charaktere weisen ohne fremdes Zutun wie von Geisterhand zugefügte Wunden auf. Man weiß nicht, was mit wem, wann passiert. Daher ist der Schluss ebenso frustrierend, wie verwirrend. Vielleicht erfährt man in der ungekürzten Fassung auch nicht alles, das kann ich anhand der vorliegenden Stümmelfassung nicht beurteilen, aber bei der deutschen DVD erscheint einem nicht nur ein Fragezeichen über dem Kopf. Das FSK18 Siegel auf dem Cover und die reißerischen Werbesprüchen erscheinen im Nachhinein bestenfalls als Hohn, schlimmstenfalls als Verarschung. Auf diese Art von Nostalgie hätte ich gerne verzichtet

Zum Film selber kann man dementsprechend auch nicht viel sagen, da er durch die fehlenden 14 Minuten gar nicht objektiv bewertet werden kann. Ich will trotzdem versuchen, die geschnittene Fassung irgendwie zu besprechen. Vielleicht (oder ganz bestimmt sogar, man kennt ja den Markt) wird irgendwann ein überteuerte Uncut-Fassung hinterhergeworfen.

„Revenge: Sympathy for the Devil“ trägt im Original den Titel „Revenge: A Love Story“, was die Handlung genauer wiedergibt. Wobei das im „deutschen“ Titel eingeforderte Mitgefühl auch nicht so verkehrt ist. Allerdings ist es trotz der tragischen Hintergrundgeschichte schwer, Mitgefühl für Kit zu entwickeln. Zu grausam sind seine Morde und treffen zudem auch noch die Falschen. Warum er die unschuldigen Frauen und, schlimmer noch, die ungeborenen Babies tötet, wird nicht klar und scheint allein der etwas perversen Fantasie des Drehbuchautors geschuldet zu sein. Schade, denn weniger Provokation an dieser Stelle hätte die Geschichte schlüssiger und emotional packender gemacht. Natürlich hat man Mitleid mit dem armen Kit und mehr noch mit seiner geistig zurückgebliebenen Freundin Weng, die in die brutalen Hände skrupelloser Polizisten geraten. Ja, selbstverständlich wünscht man diesen Ungeheuern in Uniform die Pest an den Hals. Aber doch nicht so.

Irgendwie scheint der Film dann auch im Laufe der Zeit sein kontroversen Beginn zu vergessen. Aus den abscheulichen und überflüssigen Rache-Morden vom Anfang entwickelt sich im Finale ein eher klassischer Feldzug gegen die Peiniger. Die dörfliche Umgebung erinnert an „The Untold Story“, erreicht aber nie dessen perverse Intensität. Okay, zumindest in der extrem gekürzten deutschen Fassung. Es kann durchaus sein, dass die ungeschnittene Fassung da mehr bietet.

Ansonsten, CATIII wie seit vielen Jahren bekannt. Mit prügelnden Polizisten und expliziten Morden. Alles handwerklich sauber und nicht gänzlich unspannend. Erstaunlich aber, wie hier, in einem chinesischen Film, die Staatsmacht in Form der Polizei, als solch ein skrupelloser und moralisch verkommener Haufen gezeigt werden kann. Da scheint Hong Kong innerhalb der Volksrepublik doch noch eine Sonderrolle zu spielen. Die schauspielerischen Leistungen sind okay, verlangen den Darstellern aber auch nicht allzu viel ab. Hongkong-Popstar Juno Mak (der auch die Idee zum Film lieferte) verkörpert den stoisch-linkischen Kit, dessen Mangel an Mimik seinem Darsteller vielleicht entgegenkommt. Mit großen Augen darf der japanische Pornostar Sola Aoi die geistig behindert Wing geben. Was ihr ohne große Anstrengungen gut gelingt. Die restlichen Schauspieler spielen routiniert ihren Stiefel runter. Insgesamt ist der Film angenehm ruhig, wenn auch etwas kalt, inszeniert. Lediglich am Ende gibt er plötzlich ordentlich Gas, was aber in der deutschen Fassung allenfalls zu erahnen ist. Solide Kost für CAT-III-Fans, die in der vorliegenden Flicken-Fassung allerdings absolut ungenießbar ist.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 07.06.12 – 13.06.12

Das Schöne an dieser Woche ist, dass ich zu einigen O-Ton-Filmen gar nicht soviel schreiben brauche, weil ich das schon ausführlich in den jeweiligen Rezensionen getan habe. Trotz der vielen Wiederholungen fällt es  gar nicht so leicht, ein Highlight der Woche auszuwählen. Ich entscheide mich da für den spanischen „Smoking Room“, den ich zwar nicht kenne, der sich sehr gut anhört.

Snow White & the Huntsman – Cinemaxx, Do. und Mo. um 19:45 – Filmbesprechung hier.

Dark Shadows – Cinemaxx, Mi. 15.6. um 16:40 – Filmbesprechung hier.

Men in Black III (3D) – Cinemaxx, Fr. 8.6. um 16:40 – Filmbesprechung hier.

Der Diktator – Cinemaxx, Di. 12.6. um 16:40 – Sacha Baron Cohen is back! Nach “Ali G.“, “Borat” und “Brüno” ist er diesmal “der Diktator”. Eine Mischung aus Saddam und Gaddafi.

Smoking Room – City 46, Mi. 13.6. um 20:30 – Ein weiterer Film aus der Reihe “Junger Spanischer Film“. Die Regisseure Julio Wallowits und Roger Gual wurden für diesen Film 2003 mit dem Goya für das beste Regie-Debüt ausgezeichnet. Es geht um den Angestellten Ramírez, der Unterschriften gegen ein Rauchverbot in seiner Firma sammeln will, um einen leerstehenden Raum des Büros zu einem „ Smoking Room“ umzufunktionieren. Als es daran geht, den Plan in die Tat umzusetzen, finden plötzlich alle Kollegen eine Ausrede, sich nicht an der Unterschriftenaktion zu beteiligen, und ohne es zu bemerken, enthüllt Ramírez, dass jeder Mitarbeiter etwas zu verbergen hat. In Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=TVecJqpSR3M[/youtube]

Unter dem Sand – City 46, Do./Di. um 20:00 und Sa./So. um 20:30 – Französisches Psychodrama von Starregisseur Francois Ozon mit der wunderbaren Charlotte Rampling als alternde Ehefrau, deren Ehemann nach einem Bad im Meer nicht wieder auftaucht.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=DmmLMnrAUQk[/youtube]

Little Alien – City 46, Do. und Mo. jeweils 20:00 – Doku-Drama um jugendliche Flüchtlinge, die versuchen, aus ihren krisengeschüttelten Ländern nach Österreich zu fliehen und ihre Schwierigkeiten, wenn es geschafft haben, dort anzukommen.

Mein Bruder Leo – City 46, Do./Mo. Um 18:00, Fr. 20:30 und Sa./So./Mi. um 20:00 – Französisches Drama um einen 12-jährigen Jungen, der durch Zufall erfährt, dass sein schwuler Bruder an HIV erkrankt ist.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 11.06. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Internationales Filmfest Oldenburg: Der Streit mit der Politik geht weiter…

Heute flatterte mir folgende Pressemitteilung ins Haus:

Am 13. Juni 2012 ab 9 Uhr finden die mündlichen Verhandlungen zu den Gerichtsverfahren im Rechtsstreit zwischen dem Internationalen Filmfest Oldenburg und drei Oldenburger Kommunalpolitikern vor dem Landgericht Oldenburg (…) statt.

Das Internationale Filmfest Oldenburg hatte die Politiker aufgefordert, öffentlich getätigte Äußerungen zurückzunehmen, die das Filmfest in Misskredit gebracht haben. Nach der Weigerung der Politiker dieser Aufforderung nachzukommen, wurde Klage auf Unterlassung und Widerruf beim Landgericht eingereicht. Am Mittwoch, den 13.6.2012 werden die drei Verhandlungen ab 9 Uhr öffentlich geführt.

Holla, was ist da denn schon wieder los? Ohne alle Details zu kennen, riecht das für mich doch sehr danach, dass es in der Auseinandersetzung zwischen Filmfestleitung und Stadt mittlerweile nur noch um persönliche Befindlichkeiten und Abneigungen geht. Nicht mehr um die Sache an sich. Ich hoffe, ich irre mich. Aber vielleicht sollten sich alle Beteiligten trotzdem mal einen Moment zusammenreißen und ihre Egos hintenan stellen. Ansonsten könnte es so enden wie bei dem Autofahrer, auf dessen Grabstein stand :“Ich hatte Vorfahrt!“.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Rezension: “Snow White & the Huntsman”

Nachdem sich die böse Hexe Ravenna in das Herz des Königs Magnus geschlichen hat, bringt sie ihn um und sperrt seine Tochter Snow White im Schloss ein. Snow White wächst zur jungen Frau heran und Ravenna erkennt, dass das Mädchen der Schlüssel ihrer ewigen Jugend ist. Zu Ravennas Leid gelingt es Snow White aber zu fliehen, bevor die böse Königin ihr die Kräfte rauben kann. Snow White flüchtet in den dunklen Wald und Ravenna schickt ihr einen zum Trinker gewordenen Jäger hinterher. Dieser verbündet sich allerdings mit Snow White und hilft ihr auf der Flucht vor den Schergen der Königin.

Das ist er also. Der mittlerweile zweite „Schneewittchen“-Film dieser Saison. Nach „Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ mit Julia Roberts als böser Königin und Audrey-Hepburn-Verschnitt Lily Collins als Schneewittchen, sind jetzt Charlize Theron und Twilight-Shooting-Star Kristen Stewart an der Reihe, dem Märchen neues Leben einzuhauchen. „Snow White & the Huntsman“ soll sich durch Düsternis und Dreckigkeit von der bunten „Spieglein, Spieglein“-Welt des Bilderzauberers Tarsem Singh abheben. Was aber herausgekommen ist, ist ein „Herr der Ringe„-Abklatsch mit aseptischem Schmutz, welcher zu keinem Zeitpunkt real, sondern kunstvoll dahindrapiert aussieht. Ein Beispiel gefällig? Immer wieder zeigt die Kamera in Großaufnahme die dreckigen Fingernägel von Snow White. Das soll wohl Realismus simulieren. Klappt aber nicht, wenn die „Schmutzgestaltung“ so aussieht, dass die Nagelränder zwar eine schwarze Linie haben, die Nagelspitzen aber strahlend sauber und perfekt manikürt sind. Dies ist ein Symbolbild für den ganzen Film. Überall wird behauptet, der Film sei nun besonders rau und finster. Aber in Wirklichkeit bietet er doch nur harmlose Familien- und vor allem Teenie-taugliche Unterhaltung. Von einer „echten“ Grimm-Verfilmung ist man hier genauso weit entfernt, wie es Disneys um Welten besserer Zeichentrick-Klassiker von 1937 ist.

Die Kämpfe sehen auf den ersten Blick brutal aus, Blut sieht man in der Regel aber keins. Selbst als einer der Oberbösewichter von unzähligen, abgestorbenen Zweigen durchbohrt wird, fließt es nicht, sondern wird durch ein umfallendes Tintenfass simuliert. Zu keiner Sekunde traut sich der Film, einmal richtig ernst zu machen und voll durchzuziehen. Stattdessen gibt er sich ständig den bloßen Anschein, als ob er eben dies täte. Spätestens aber wenn man feststellen muss, dass die Szene, in der Snow White bei ihrer Flucht aus dem Schloss an einem Strand, zwischen Felsklippen ein weißes Pferd findet, das dort nur auf sie gewartet hat, nicht etwa ironisch, sondern wirklich ernst gemeint ist, sollte man seine Erwartungen auf ein Minimum reduzieren.

Kristen Stewart als Snow White ist eine krasse Fehlbesetzung. Ständig sieht sie so aus, als käme sie geradewegs vom Kostümball einer kalifornischen High School. Zwischen all den anderen, die sich zumindest bemühen so auszusehen, als würden sie tatsächlich in einem britischen (zumindest bemühen sich außer der Stewart alle, einen möglichst britischen Akzent an den Tag zu legen) Mittelalter leben, wirkt sie wie ein Fremdkörper. Noch dazu sind ihre mimischen Möglichkeiten arg limitiert und beschränken sich im Grunde darauf, durch offenen Mund und halb geschlossene Augen melodramatisch zu wirken oder mit zusammengekniffenen Lippen und vorgeschobenem Kinn kämpferisch. Zudem, sollte Schneewittchen nicht schöner sein als die böse Königin? Geht es in der Geschichte nicht im Grunde darum? Nun, gegen die überirdische Schönheit einer Charlize Theron wirkt die Stewart wie ein ganz hübsches Teenie-Girl, dem es aber leider an Ausstrahlung fehlt.

Davon hat Charlize Theron zwar eine ganze Menge, aber die schwache Regie (Debütant Rupert Sanders) weiß damit nichts anzufangen. Was auch die Theron gemerkt haben muss, denn sie wirft sich mit solch einer Inbrunst in Pose, das man zeitweise von grimassieren sprechen muss. Schade, denn dass sie eigentlich eine sehr gute Schauspielerin ist, hat sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Außerdem ist es problematisch, der bösen Königin eine wehleidige Hintergrundgeschichte zu verpassen und dadurch ihre Bosheit quasi zu entschuldigen. Aber wir sind hier ja in einem Teenie-Film, da darf einfach niemand durch und durch böse sein.

Der Huntsman wird von Chris Hemsworth gespielt, der es gerade durch seine Rolle als Thor im gleichnamigen Film und in den „Avengers“ zu etwas Berühmtheit gebracht hat. Leider kann Hemsworth in „Snow White & the Huntsman“ nicht so glänzen, wie in seiner Paraderolle. Nicht, dass er wirklich grottenschlecht spielen würde, aber er „spielt“ eben. Nie wird er eins mit seiner Figur, immer sieht man einen Schauspieler der vorgibt, jemand anderes zu sein. Auch er also: vergeudet. Und was Prinz Willhelm (Sam Claflin) für eine Aufgabe hat, wird auch nicht klar. Für die Handlung ist er völlig überflüssig und als „love interest“ für Snow White taugt seine Figur auch nicht.

Halbwegs achtbar kann sich gerade noch Sam Spruell als Bruder der bösen Königin aus der Affäre ziehen, wenn er auch hier und da ganz schön überzieht. Aber zu seiner Rolle passt das wenigstens. Und natürlich die acht (!!!) Zwerge, die zum Großteil von bekannten britischen Schauspielern (Bob Hoskins, Eddie Marsan oder Nick Frost) gespielt werden, die dann durch das Wunder der Technik zu Kleinwüchsigen gemorpht wurden. Leider sieht man von ihnen viel zu wenig und einige peinliche Momente wurden auch ihnen nicht erspart (Stichwort: Singen und Tanzen).

Das Schlimmste an „Snow White & the Huntsman“ ist aber, dass er schrecklich langweilt. Immer wieder kommt die Handlung zum Halten, weil irgendjemand ohne großen Elan viele tolle Sätze aufsagen muss, die scheinbar aus dem Drehbuch-Generator stammen. Hohle Phrasen, die wohl bedeutend klingen sollen, aber nur wiederholen, was man in 83 Jahren Tonfilmgeschichte schon x-Mal gehört hat… nur besser. Auch die Schauplätze der Handlung, die Kostüme und die uninspirierte „Wir-sind-mittendrin“-Kameraarbeit hat man schon unzählige Male gesehen. Was man aber so wahrscheinlich noch nicht gesehen hat, ist das „Feenland“. Diesen Kitsch-Overkill inklusive weißem Hirsch, von Pandora importierten bunten Pflanzen und moosbewachsenen Schildkröten, möchte man eigentlich auch gar nicht sehen. Die geschlechtslosen, wie abgemagerte Teletubbies aussehenden Feen, übrigens auch nicht. Dagegen ist der berühmte Disney-Touch schierer Neorealismus. Und natürlich ist diese Szene für die Filmhandlung völlig unerheblich und sorgt nur einmal mehr für Leerlauf.

Aber das ist alles schon viel zu viel Aufregung für solch einen schwachen Film, der seine Versprechen zu keiner Sekunden einhalten kann. Bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann jemand den Mut hat und die Gelegenheit bekommt, ein Grimmsches Märchen so zu verfilmen, wie es „Snow White & the Huntsman“ vielleicht ursprünglich mal vorgehabt hat. Bis dahin sollte man diesen, am Reißbrett mit Zielgruppen-Fokus entstandenen, Schnarcher für pubertierende Teenies möglichst meiden.

Veröffentlicht unter Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Prisoners of War”

Der Südkoreaner Jun-shik Kim und der Japaner Tatsuo Hasegawa wachsen zusammen im japanisch besetzten Korea auf. Sie eint die Begeisterung für den Marathonlauf, aber sie trennt die unterschiedliche Herkunft. Als Tatsuos Großvater bei einem Bombenattentat stirbt, wird Tatsuo vor Hass auf die Koreaner fast wahnsinnig. Als Jun-shik Kim ihn dann auch noch bei einem Marathon besiegt, kommt es zum Eklat. Obwohl Kim gewonnen hat, wird Tatsuo zum Sieger erklärt. Nach einem Handgemenge zwischen den Japanern und Koreanern werden Kim und seine Freunde von der japanischen Armee zwangsverpflichtet und in die Mongolei zum Kampf gegen die Russen  deportiert. Dort können Kim und seine Freunde gerade noch mit dem Leben davonkommen, aber Tatsuo ist mittlerweile zum Hauptmann befördert worden und wird ebenfalls in die Mongolei geschickt. Dort errichtet der verblendete Tatsuo ein wahres Schreckensregime…

1999 war die Actionfilm-Welle aus Asien, die mit Werken von z.B. John Woo und Tsui Hark Mitte der 80er Jahre die ganze Welt überrollt hatte, zum Halten gekommen. Hongkong hatte im Zuge der Rückgabe der Kronkolonie 1997 an China seine meisten bedeutenden Filmemacher an die USA verloren. Der Rest fabrizierte vornehmlich auf Westen getrimmten 08/15-Action von der Stange. Lediglich Johnny To war hier und da für einen Überraschung gut, doch Ende der 90er produzierte er immer häufiger romantische Komödien.

Da erschien plötzlich Südkorea mit einem gewaltigen Knall auf der internationalen Filmbühne. „Shiri“ hieß das Werk, das den Startschuss für eine, bis heute anhaltende, Welle von international erfolgreichen Genrefilmen gab. In der Folgezeit startete nicht nur das international angesehene Regie-Genie Kim Ki-Duk mit seinem Meisterwerk „Seom – Die Insel“ (2000) durch, mit „Shiri“ wurde auch der Grundstein für die Erfolge von Chan-wook Park („OldBoy„, 2003) und Joon-ho Bong („Memories of Murder„, 2003) gelegt.

Der Regisseur von „Shiri“ hieß Je-kyu Kang, der in der Folgezeit auch den modernen Kriegsfilm-Klassiker „Brotherhood“ schuf. Danach nahm er sich eine Auszeit von sieben Jahren und meldete sich dieses Jahr auf der Berlinale mit seinem vierten Spielfilm zurück: „My Way“, der unter dem Titel „Prisoners of War“ jetzt von Splendid auch in Deutschland auf DVD und BluRay veröffentlicht wurde.


Also wieder ein Kriegsfilm. Dazu noch mit 24 Millionen US-Dollar der aufwendigste und teuerste in der koreanischen Geschichte. Mit viel Pathos erzählt Je-kyu Kang die Geschichte zweier Männer, die seit der Kindheit zwar durch ihre gemeinsame Leidenschaft für den Marathonlauf vereint, aber durch den „Rassenhass“ der Japaner doch auch getrennt sind. Während Dong-gun Jang den schier unbesiegbaren, heldenhaften Südkoreaner Jun-shik Kim spielt, gibt Jô Odagiri in der Rolle des fanatischen, japanischen Herrenmenschen Tatsuo Hasegawa ordentlich Gas. Er geht so sehr in seiner Rolle auf, dass man ihn nur zu gerne hasst. Auch wenn seine Darstellung immer mal wieder die Grenze zur Karikatur überschreitet. Teuflischer noch gebiert sich sein Adjutant Noda, der von Tarô Yamamoto mit unangenehmer Schlangenhaftigkeit gespielt wird. Gegenüber diesen Monstren wirkt der Held Je-kyu Kang natürlich noch edler, aber gleichzeitig auch langweiliger. Zumindest muss man aber konstatieren, dass Dong-gun Jang in seiner Rolle ausgesprochen sympathisch rüber kommt. Die anderen Nebendarsteller bleiben, bis auf Kim In-gwon als koreanischer Überläufer „Anton“, unscheinbar. Kim In-gwon hat allerdings auch eine sehr dankbare Rolle zugewiesen bekommen. Vom lustigen Dicken Lee Jong-dae wandelt er sich, im sowjetischen Kriegsgefangenenlager mit etwas Macht ausgestattet,  überzeugend zu einem brutalen, wenn auch tragischen Mitläufer „Anton“.

Die Idee, die Protagonisten zu zwingen, in immer wieder anderer Uniform von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz (Mongolei, Ostfront, Normandie) ziehen zu lassen und dort um ihr Leben zu kämpfen, eröffnet dem Film die Möglichkeit zu wahrlich spektakulären, mitreißenden Actionsequenzen. Hier zieht Regisseur Je-kyu Kang alle Register und lässt den Zuschauer förmlich atemlos zurück. Auch wenn nicht jeder CGI-Effekt perfekt sitzt (Explosionen, Flugzeuge etc.), so hat man doch keine Zeit darüber nachzudenken und wird bereits in die nächste gnadenlose Kampfszene geworfen. Die hohe Kunst der mitreißenden Actioninszenierung beherrscht Je-kyu Kang also aus dem Effeff. Woran es hier und da hapert, ist das Drehbuch.

Während in der ersten Hälfte Koreaner und Japaner noch im stereotypischsten schwarz-weiß gezeichnet werden, so bemüht sich das Drehbuch dann immerhin in der zweiten Hälfte um Ausgewogenheit. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte gewaltige Lücken aufweist. Manche Handlungen der Protagonisten sind einfach nicht zu verstehen und allein dem Klischee ihrer Rolle geschuldet. Gänzlich abstrus ist dann der Charakter einer chinesischen Scharfschützin, die sich am Ende zwar heroisch, aber auch schlichtweg dämlich verhält. Auch Tatsuo Hasegawas Wandlung vom Saulus zum Paulus erscheint übereilt. Insbesondere bleibt nicht nachvollziehbar, warum Jun-shik Kim Tatsuo, trotz dessen scheußlicher Verbrechen und seiner Verbohrtheit, immer wieder unter Einsatz seines Lebens rettet. Dies ist zwar für die zweite Hälfte des Filmes zwingend wichtig, wirkt aber zum Teil arg konstruiert. Ebenso wie der Umstand, dass die beiden Protagonisten unter den widrigsten Bedingungen immer wieder überleben und am Ende sogar in die Deutsche Wehrmacht integriert werden. Hier gehorcht der Film dann nur noch den Regeln des Actionfilmes. Mit dem ernsthaften Ansatz eines realistischen Anti-Kriegsfilms hat das nichts zu tun, auch wenn der Film sich fortwährend diesen Habitus gibt.

Doch aller Kritik zum Trotz, muss festgehalten werden, dass „Prisoners of War“ als reines Action-Spektakel mit angedeutetem Tiefgang sehr gut funktioniert. Zudem ist seine Grundaussage, dass Menschen nicht durch Herkunft oder Uniform definiert werden, sondern allein dadurch, was sie aus sich machen, sehr sympathisch. Und die finale Szene sorgt sogar für etwas Gänsehaut. Dass der Film aber von wahren Ereignissen inspiriert wurde, ist natürlich Quatsch. Allein das Bild eines Koreaners in Deutscher Wehrmachtsuniform hat die Fantasie der Filmemacher beflügelt. Diese führte aber zu einem guten Actionfilm mit einer spannenden Geschichte, der seine eigenen hohen Ansprüche allerdings verfehlt.

Neben zahlreichen Trailern für das Spendid-Programm, finden sich auf der gelungenen DVD noch 5 Minuten Interviews mit Dong-gun Jang und Je-kyu Kang, sowie ein 9-minütiger Blick auf die Dreharbeiten. Das Bild lässt ebenfalls keine Wünsche offen, die deutsche Synchronisation ist okay. Für die Originalfassung stehen gut lesbare, deutsche Untertitel zur Verfügung. Die Originalfassung ist dabei allein schon aufgrund des Sprachgewirrs aus Koreanisch, Japanisch, Russisch und Deutsch zu bevorzugen. Zudem ist diese Spur sehr gut abgemischt.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Phase 7”

Coco und seine schwangere Frau Pipi sind vor kurzem in ein Apartment in einem erst zur Hälfte vermieteten Neubau gezogen. Plötzlich bricht in ihrer Stadt ein Virus aus, der innerhalb kürzester Zeit das ganze Land infiziert. Einer ihrer Nachbarn scheint sich bereits angesteckt zu haben, denn die Behörden stellen das ganze Haus unter Quarantäne. Zunächst geht alles einen gewohnten Gang, doch dann gehen die Vorräte zu Ende und die Nachbarn fangen an, nach möglichen Infizierten zu suchen. Die Situation spitzt sich zu und Cocos einzige Hilfe ist sein seltsamer Nachbar Horacio, der allerdings ein bis an die Zähne bewaffneter Verschwörungstheoretiker ist…

Obwohl Argentinien immer wieder beweist, dass es ein vitales und interessantes Kino besitzt, finden argentinische Filme nicht oft ihren Weg zum deutschen Publikum. Und wenn doch, dann stranden viele noch immer auf Festivals und bekommen keinen Verleih. Werke wie die surreale Stummfilm-Hommage „La Antenna“ oder der packende Polit-Thriller „Buenos Aires 1977“ sind da eher die Ausnahme als die Regel. Umso erfreulicher, dass Koch Media nun einen weiteren sehenswerten Film aus dem südamerikanischen Land auf DVD und BluRay herausbringt.

Phase 7“ ist schwer einzuordnen. Einerseits apokalyptischer Viren-Thriller in der Tradition des kürzlich in Deutschland im Kino gelaufenen „Contagion“ von Steve Soderbergh oder Wolfgang Petersens „Outbreak“, andererseits aber auch Paranoia-Kino und rabenschwarze Komödie, die durchaus auch an Alex de la Igleasias‘ „La Comunidad – Allein unter Nachbarn“ erinnert.

Regisseur und Drehbuchautor Nicolás Goldbart ist von Beruf eigentlich Cutter und hat in dieser Funktion schon an einigen argentinischen Filmen mitgearbeitet. U.a. an „Los paranoicos“, dessen Titel prophetisch für sein Regie-Debüt ist. Wahrscheinlich wurde er dort auch auf Daniel Hendler und Jazmín Stuart aufmerksam, die in jenem Film bereits zusammen die Hauptrollen spielen.

Daniel Hendler ist ein sehr sympathischer Hauptdarsteller. Sein Coco ist ein antriebsloser Hänger und trotz schwangerer Ehefrau noch immer nicht ganz erwachsen. Nicht nur vom Aussehen her erinnert Daniel Hendler hier an die Figur des Ulf aus der deutschen Sitcom „Stromberg“. Man muss ihn einfach ins Herz schließen, auch wenn er in seiner Naivität und Passivität nicht unbedingt ein Vorbild ist. Seine Freundin Pipi, gespielt von Jazmín Stuart, ist da schon ein anderes Kaliber und macht es dem Zuschauer schwer, Sympathie für sie zu empfinden. Zu oft keift sie ihren Coco scheinbar grundlos an und auch wenn die Katastrophe schon weit fortgeschritten ist, scheint sie den Ernst der Lage nicht zu begreifen.

Die Konzentration des Filmes auf Coco, und später dann auch seinen paranoiden Nachbarn Horacio, ist aber auch eine vergebene Chance, denn aus den skurrilen Mitbewohnern der beiden hätte man einfach mehr machen müssen. Der lange Guglierini und der kurze Lange tauchen nur am Rande auf und bleiben diffus. Dies ist sehr schade, denn sie hätten eine Menge Potential als Horrorversionen von Laurel&Hardy gehabt. Auch alle anderen Figuren, die sich neben Coco und Horacio im und um das Haus herum aufhalten, werden nicht wirklich in die Handlung eingebunden. Als Beispiel sei hier nur Horacios Tochter genannt. Gänzlich verschenkt wird Federico Luppi als mysteriöser, älterer Nachbar Zanutto, welcher zum Ende des Filmes hin zu einer unheimlicheren Gestalt wird. Daraus schlägt das Drehbuch dann aber kein Kapital. Im Gegenteil, zu diesem Zeitpunkt scheinen Nicolás Goldbart die Ideen ausgegangen zu sein, wie er seinen Film zu einem stimmigen Ende führt.

Das ist wirklich schade, denn gerade in der erste Hälfte erinnert der Film an solche großartigen „Miethaus-als-Hölle-Klassiker“, wie den schon erwähnten „La Comunidad“ oder Roman Polanskis grandiosen „Der Mieter“. Das Ganze gemischt mit einer zünftigen Portion „Eingeschlossenen-Horror“ ala „[rec]“. Die zweite Hälfte wirkt gerade zum Ende hin leider orientierungslos und nicht konsequent. Ausdruck hierfür ist vor allem die letzte überraschende Wendung ganz am Schluss. Somit ruht der Film ganz auf den Schultern von Daniel Hendler und Filmneuling Yayo Guridi, der den Horacio spielt. Beide liefern aber eine sehr gute (Hendler) bzw. gute (Guridi) schauspielerische Leistung ab. Die Geschichte um die „Phase 7“, die der paranoide Horacio immer wieder erwähnt und nach der, in der „Phase 7“, die Regierungen die Bevölkerung systematisch ausrottet, um eine neue Weltordnung zu schaffen, wird leider nur als Hintergrundmelodie des Filmes verwendet. Andererseits ist es auch vorteilhaft, dass dieser Aspekt nicht überbetont wird. Denn so bleibt der Film darin ambivalent, ob Paranoiker Horacio mit seinen kruden Theorien eventuell recht gehabt hat oder nicht.

Die stimmungsvolle elektronische Musik von Guillermo Guareschi erinnert in seinen besten Momenten an den frühen John Carpenter oder die ruhigen Passagen des „Goblin“-Scores aus „Zombie“. Die Musik unterstreicht auf effektive Weise die ruhige und doch unter der Oberfläche unheilvolle und bedrohliche Stimmung von „Phase 7“.

Die DVD von Koch Media bietet den Film in guter Bildqualität an. Lediglich die Schwarztöne scheinen etwas zu hell zu sein. Ausgesprochen gelungen ist die Tonabmischung (zumindest in der spanischen Originalfassung), die viel Wert auf atmosphärische Klangeffekte legt. Die deutsche Synchronisation ist solide, für den O-Ton gibt es deutsche Untertitel. Neben Trailern beinhalten die Extras drei geschnittene Szenen, von denen die zweite eine verlängerte Fassung einer auch im Film vorkommenden Sequenz ist. Während die erste Szene vielleicht zu deutlich zeigt, in welcher Gefahr sich die Protagonisten befinden (Coco beobachtet, wie auf offener Straße ein Mann von den Behörden erschossen wird), steht in den anderen beiden Cocos Frau Pipi im Vordergrund. Und hier muss man sagen, dass es eine gute Entscheidung des Regisseurs war, auf diese Szenen zu verzichten. Hier wirkt Pipi schon sehr unsympathisch-hysterisch. Wären die Szenen so im Film geblieben, dann würde es dem Zuschauer sicherlich schwer fallen, irgendwelches Mitleid für diesen Charakter aufzubringen.

„Phase 7“ erscheint am 9. Juni bei Koch Media auf DVD und BluRay.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar