Originalfassungen in Bremen: 28.06.12 – 04.07.12

Die Sommerpause ist zwar verregnet, aber als solche doch deutlich im Kinoprogramm spürbar. In dieser ruhigen Zeit dürfte der neue Hollywood-Blockbuster „Amazing Spider-Man“ einige Chancen haben, auf den Einspiel-Olymp zu klettern. Zumindest sehe ich in der aktuellen Woche weit und breit keine Konkurrenz im Popcorn-Bereich. Wer’s hingegen etwas anspruchsvoller mag, ist im City 46 gut aufgehoben, wo Godards Klassiker „Außer Atem“ läuft und der britische Arthouse-Film „Submarine“ eine „Zweite Chance“ erhält.

The Amazing Spider-Man – Cinemaxx, Fr./Sa. 19:00 und Di./Mi. um 21:00 – Die Frage ist natürlich, ob ein Film, der gerade einmal 10 Jahre alt ist, ein Quasi-Remake bzw. fünf Jahre nach Teil 2 bereits ein „Reboot“ braucht. Ich bin da ja eher skeptisch, werde mir heute Abend aber einmal selber ein Bild vom neu gestalteten „friendly neighborhood Spider-Man“ machen.

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Submarine – City 46, Do. und Sa.-Mi. um 20:00, sowie Fr. um 20:30 – Britisches Coming-of-age Drama um einen 15-jährigen Exzentriker in Wales, der versucht die Ehe seiner Eltern zu kitten und sich in eine Pyromanin verliebt.

Mama Africa – Miriam Makeba – City 46, So.-Mi. immer 21:30 – Dokumentation über die kürzlich verstorbene afrikanische Sängerin und Ikone. Vom Akis Bruder Mika Kaurismäki.

Außer Atem – City 46, So.-Mi. immer 19:30 – Der Film mit dem die Nouvelle Vague ins Rollen kam. Regie: Godard, Drehbuch: Truffaut, Hauptrolle: Belmondo. Und dazu die bezaubernde Jean Seberg im engen T-Shirt auf den Champs-Élysées. Meisterwerk.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 02.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 02.07. um 21:45

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DVD-Rezension: “Bessere Zeiten”

Leena lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern ein scheinbar glückliches Leben. Doch ein Anruf ihrer todkranken Mutter, die sie ihrer Familie die ganze Zeit über verschwiegen hat, lässt alte Wunden wieder aufbrechen. Obwohl Leena sich weigert, ihre Mutter ein letztes Mal zu besuchen, überredet ihr Ehemann sie dazu, gemeinsam zur Mutter im fernen Ystad zu fahren. Die Fahrt dorthin wird für Leena zu einer schmerzvollen Reise in die Vergangenheit. Sie erinnert sich an ihre schon verdrängte Kindheit. An ihren kleinen Bruder Sakrai, ihren ständig betrunkenen Vater, der seine Ehefrau regelmäßig verprügelte… und an ihre Mutter, die all dies geschehen ließ.

Der deutsche Titel „Bessere Zeiten“ mutet wie ein zynischer Scherz an. Der Originaltitel trifft den Inhalt direkter: „Svinalängorna“, was man mit „Schweineställe“ übersetzen kann. Wobei in diesem Fall der deutsche Titel  nicht schlecht gewählt ist. Denn von den „besseren Zeiten“ sprechen hier alle. Der Vater, der mit dem Trinken aufhören möchte; die Mutter , die fest daran glaubt, dass in der Zukunft alles besser wird und schließlich die Tochter Leena, der mit dem Umzug in eine neue Wohnung auch „bessere Zeiten“ versprochen wurden. In der Gegenwart  scheint Leena diese tatsächlich doch noch irgendwann gefunden zu haben. Sie hat einen liebenden Ehemann und zwei muntere Kinder. Doch der Anruf der Mutter, den sie zum Beginn des Filmes erhält, reißt sofort alte Wunden auf und zeigt, wie stark sie verletzt wurde. Wie tief im Inneren die schlimme Kindheit noch immer ihr Leben bestimmt. Ganz beiläufig zeigt Regisseurin Pernilla August einmal zwei tiefe Narben auf den Unterarmen der erwachsenen Leena. Dies wird nicht kommentiert, aber welcher Zuschauer denkt dabei nicht an einen Selbstmordversuch? Überhaupt lässt Pernilla August Bilder sprechen. Sie zeigt, sie kommentiert nicht. Vieles bleibt lange im Dunkeln (Wo ist der Bruder? Wo der Vater?) oder wird gar nicht erst angesprochen (was geschah mit Leena in den folgenden Jahren?). Während ersteres die Spannung hochhält und gleichzeitig für ein permanent unangenehmes Gefühl sorgt, ist letzteres auch gar nicht nötig. Viele kleine Indizien lassen ein Gesamtbild erahnen, welches kraftvoll genug ist, um nicht vollständig ausgemalt werden zu müssen.

Damit der Film eine solch durchschlagende Kraft entfalten kann, ist Pernilla August auf ausgezeichnete Schauspieler angewiesen. Und die hat sie für ihr Regiedebüt gefunden. Pernilla August ist selber seit Ende der 70er Jahre eine vielgefragte Schauspielerin, die mit Ingmar Bergman („Fanny und Alexander“) zusammengearbeitet hat und Anakin Skywalkers Mutter in „Star Wars: Episode 1“ spielte. Ihre lange Erfahrung als Schauspielerin hat sie augenscheinlich für den Umgang  mit ihren Darstellern sensibilisiert. Jeder einzelne liefert eine fantastische Darstellung ab. Dabei hilft ein ausgewogenes Drehbuch (von Pernilla August zusammen mit Lolita Ray auf Basis eines Romans der finnisch-schwedischen Autorin Susanna Alakoski verfasst).

In dieser Geschichte gibt es kein eindeutiges Gut und Böse. Zwar sind Leenas Eltern Alkoholiker, die ihre Kinder verwahrlosen lassen und sich im Alkoholrausch prügeln, aber sie sind nicht per se schlechte Menschen. Immer wieder zeigt sich, dass sie im Grunde ihres Herzens nur das Beste wollen. Aber der Alkohol hat sie zu fest im Griff, als dass sie sich aus diesem befreien könnten.  Der Vater wird zwar als saufendes und prügelndes Untier gezeigt, aber es gibt auch diese unglaublich zärtliche Szene, in der er der jungen Leena vorm Schlafen seine Sonnenblumen-Aufzucht zeigt und man wirklich glaubt, er könne die Wende schaffen. Auch wenn man ihn hassen sollte, so überwiegt doch mehr Mitleid, wenn er sich in der neuen Heimat (er ist mit seiner Familie aus Finnland nach Schweden gezogen) nicht richtig artikulieren kann oder, fassungslos über seine eigenen Taten, verzweifelt versucht, einen normalen Anschein zu bewahren. Und obwohl er die Mutter schlägt, wenn er mal wieder völlig besoffen ist, so spürt man doch, dass er seine Frau im Grunde seines Herzens liebt. Aber er kommt mit seiner ganzen Situation einfach nicht mehr zurecht. Gleiches gilt für die Mutter. Ja, sie ist eine schwache Frau, die sich die kaputte Welt, in der sie lebt, schönzureden versucht. Aber auf der anderen Seite liebt sie ihre Familie, sie liebt ihren Mann und wünscht sich nichts sehnlicher als das normale Leben, welches sie sich und anderen vorgaukelt. Obwohl sie alles falsch macht, kann man auch sie nicht hassen. Wer schon einmal mit Familien zu tun gehabt hat, in denen es einen Alkoholiker gibt, wird diese ständigen Ausreden und Vorspielen einer schönen, heilen Welt, sehr gut kennen. Hier hat Pernilla August genau hingesehen und ein realistisches Trinker-Drama geschaffen.

Star des Filmes – und wahrscheinlich auch der Grund, warum der Film nach zwei Jahren endlich eine deutsche DVD-Auswertung erfährt – ist Noomi Rapace, die als „Lisbeth Salander“ in der „Millennium“-Trilogie nach den Romanen von Stieg Larsson weltberühmt wurde.  Rapace ist mit ihrem schönen, aber herb-geheimnisvollen Aussehen die Idealbesetzung für die ältere Leena. Jederzeit spürt man, wie es bei unter der Oberfläche brodelt, welche Narben ihre Seele hat und wie nahe sie am Abgrund balanciert. Ihre Zerrissenheit zwischen Liebe zur Mutter und Abscheu gegenüber der Frau, die so viel Leid über sie und ihren Bruder gebracht hat. Dieses Schwanken zwischen Kälte und emotionalem Ausbruch bewerkstelligt Rapace perfekt. Sie bleibt in jeder Szene absolut glaubwürdig und lässt ohne große mimische Verrenkungen den Zuschauer wissen, was für Kämpfe, welche Ängste in ihr toben.

Die große Entdeckung des Filmes ist allerdings die junge Tehilla Blad, die die junge Leena mit einer faszinierenden Natürlichkeit spielt. Tehilla Blad spielte übrigens auch in der bereits erwähnten „Millenium-Trilogie“ die jüngere Ausgabe von Noomi Rapace. Tatsächlich besitzen beide auch eine entfernte Ähnlichkeit. Sie nimmt diese schwierige und fordernde Rolle ganz an und verschmilzt förmlich mit ihrer Figur. Eine tolle, junge Schauspielerin, der man gewiss eine große Zukunft voraussagen kann. Tehilla Blad stammt aus einer Schauspieler-Großfamilie. Ihre sieben Geschwister sind alle künstlerisch tätig. Ihr jüngerer Bruder Junior spielt in „Bessere Zeiten“ ihren Film-Bruder Sakari. Obwohl diese Rolle keine großen Anforderungen stellt (die meiste Zeit sitzt Sakari apathisch vor dem Fernseher oder in der Badewanne), so ist es doch beeindruckend, wie Junior Blad von Pernilla August in Szene gesetzt wird. Von Anfang an, auch wenn Sakari noch als munter spielendes Kind gezeigt wird, weiß man, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird.  Im Laufe des Filmes verblasst Sakari immer mehr. Wie eine Kerze, die langsam verglüht. Die letzten Blicke, die der Zuschauer auf Sakari werfen kann, sind schon so bedrückend, dass man sein späteres Schicksal nicht gezeigt bekommen muss, um zu wissen, wie es aussah.

„Bessere Zeiten“ ist bedrückendes und realistisches Alkoholiker-Drama. Aber auch ein mit prallem Leben gefülltes Familien-Portrait, das seine Figuren nie verrät und selbst die Schwächsten unter ihnen mit großer Liebe und viel Einfühlsamkeit zeichnet, weiß auf breiter Front zu überzeugen. Nur einige inszenatorische Spielereien hätte sich Pernilla August bei ihrem Regiedebüt sparen können. Wie die Dogma-inspirierte Kameraarbeit am Anfang oder die Szenen, in denen die junge und die alte Leena symbolisch gemeinsam auftreten. Aber dies sind nur untergeordnete Kritikpunkte für einen  starken, einfühlsamen und sensiblen Film, der von grandiosen schauspielerischen Leistungen getragen wird. Etwas, was auch vom Publikum honoriert wurde. So war der Film bereits vor seiner schwedischen Premiere auf den Filmfestivals in Hamburg und in Lübeck zu sehen, wo er jeweils Preise gewinnen konnte. Umso schöner, dass er nun auch in Deutschland, dank DVD-Veröffentlichung, auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Die DVD, die von EuroVideo  vertrieben wird, weiß durch eine gute Bild- und Tonqualität zu gefallen. Leider gibt es bis auf den Trailer keinerlei Extras. Schade, denn gerade bei diesem Film hätte man doch gerne mehr Hintergründe erfahren.

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DVD-Rezension: „Befehl aus dem Dunkel“

Hinter dem Saturn wurde ein geheimnisvoller, neuer Planet namens „X“ (in der deutschen Fassung Alpha 707) entdeckt. Die NASA und ihr japanisches Gegenstück schicken ihre beiden besten Männer, den Japaner Fuji und den Amerikaner Glenn, um den Planeten zu untersuchen. Auf „X“ angekommen, werden die beiden von den dortigen Bewohnern empfangen. Diese leben unter der Planetenoberfläche, wohin sie vor vielen tausend Jahren aufgrund des Monsters Ghidora geflohen waren, welches auf „X“ sein Unwesen treibt. Die Außerirdischen schlagen Fuji und Glenn einen Handel vor. Sie wollen die beiden Monster Godzilla und Rodan aus ihren Verstecken, in denen diese seit Jahrtausenden schlafen, befreien und auf „X“ transferieren, damit sie dort Ghidora in die Flucht schlagen. Als Gegenleistung bekommt die Erde ein Heilmittel gegen Krebs. Die Erdregierung (sprich Japan) stimmt dem zu und tatsächlich können Godzilla und Rodan mit vereinten Kräften Ghidora von „X“ vertreiben. Doch im Geheimen haben die Außerirdischen ganz andere Pläne mit den Monstern…

Nun schon zum siebten Mal veröffentlicht Anolis einen japanischen Monsterfilm (in der Landessprache Kaiju genannt) in einem edlen Steelbook. „Kaiju Classics“ nennt sich die Reihe, die sich bei Freunden des Genres großer Beliebtheit erfreut. Das ist auch verständlich, denn zur liebevollen Aufmachung gesellen sich informative Extras, wie ein sympathischer und lehrreicher Audio-Kommentar mit Deutschlands Kaiju-Experten Numero Uno, Jörg Buttgereit, und Bodo Traber. Als weiteres Extra gibt es ein Interview (16:46 Minuten) mit dem japanischen „Monsterdarsteller“ Ryu Hurrikane. Dieser hat zwar nichts mit „Befehl aus dem Dunkel“ zu tun gehabt, aber in den 90ern in einigen „Kaiju“-Filmen diverse Monster gespielt. Seine Statements über sein Selbstverständnis als Monster-Darsteller und wie er in seine Rollen hineinfindet, dürfte aber für alle Stuntmen in Gummikostümen repräsentativ sein. Zwei Trailer (deutsch und japanisch) runden die Extras ab.

Ferner befindet sich im 2-DVD-Set neben der ungekürzten Originalfassung (die in der deutschen Fassung fehlenden Szenen – immerhin 12 Minuten – wurden im Original belassen und untertitelt), auch noch eine DVD mit der alten deutschen Kinofassung und einem Easter Egg. Das Bild ist seinem Alter entsprechend zwar nicht brillant, aber um Längen besser als das, was einem gewisse Billig-Labels ab und an zumuten. Zudem wurde auch die korrekte Ration von 1:2,35 eingehalten. Ein besonders Lob gilt auch dem schönen und informativen 20-seitigen Booklet mit einem Text von Ingo Strecker.

Trotz gleich dreier Monster, ist „Befehl aus dem Dunkel“ weniger eine Monster-Party, als vielmehr ein Außerirdischen-Invasionsfilm. Die Monster Godzilla, Rodan (eine Art Flugsaurier) und Ghidora (ein drachenähnliches Geschöpf mit drei Köpfen) haben nur kleine Nebenrollen. Tatsächlich treten sie nur zweimal auf. Einmal auf dem geheimnisvollen Planeten X und dann zum großen Finale auf der Erde. Letzteres hat es dann aber in sich. Mit einer kindlichen Lust an der Zerstörung werden Miniaturlandschaften platt gewalzt. Godzilla und Rodan arbeiten gemeinsam gegen Ghidora und das Ganze hat dann schon etwas von Show-Catchen. Wer das Kind in sich selbst bewahrt hat, der kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Auch wenn Godzillas etwas albern wirkende Freudentänze schon die Entwicklung vorwegnehmen, die der Charakter in den folgenden Filmen nehmen sollte. Weg von dem tödlichen Giganten des Originals, hin zu der kinderfreundlichen Knuddel-Echse der späteren Jahre.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt also auf der Invasion der Außerirdischen. Die Ausstattung der Raumbasis auf dem Planeten X ist spartanisch, aber effizient. Make-Up und Kostüme der Außerirdischen wurden ebenfalls einfach, aber ansprechend gehalten. Natürlich wirken die Kostüme heute eher belustigend als beeindruckend, aber wir befinden uns im Jahr 1965 und dort sind diese noch nicht ganz so sehr das lustige Klischee gewesen, als welches sie uns heute anmuten. Und dies macht ja auch den großen Charme dieses Filmes aus. Die Modellarbeiten sind wie immer deutlich als solche zu erkennen, sind aber so liebevoll gestaltet, dass man sich in diesem „Miniaturwunderland“ einfach wohl fühlt.

Erstaunlich ist die Rolle der Frau in diesem Film. Japan hin oder her, ich glaube nicht, dass man auch dort heute noch mit solch sexistischen Klischees durchkommen könnte. Das ist wirklich eine ganz andere Zeit gewesen. Als die böse Außerirdische von ihren Kameraden zur Rede gestellt wird, warum sie Befehle nicht befolgte und den Menschen half, entschuldigt sie sich mit dem ungeheuren Satz: „Ich kann doch nichts dafür, dass ich nur eine Frau bin“. Die Schwester des japanischen Helden wird von diesem unter der Knute gehalten und darf ihren Freund nicht treffen, da dieser keine Erfolge vorzuweisen hat. Heutzutage wäre der tyrannische Bruder der Böse, hier aber ist er der strahlende Held. Ja ja, die gute, alte Zeit.

Dazu gesellt sich der von dem Amerikaner Nick Adams dargestellte Astronaut Glenn. Immer einen kessen Spruch auf den Lippen und eine Frau im Arm ist er das Abziehbild des westlichen Macho-Helden. Weniger James Bond, mehr Matt Helm. Dabei passt Nick Adams mit seiner eher schmächtigen Statur und dem leicht rattenähnlichen Gesicht eigentlich gar nicht in diese Rolle. Aber in diesem verrückten Film, in dem man eh nichts besonders ernst nehmen sollte, passt er dann doch wie die Faust aufs Auge. Nick Adams hatte schon im Vorjahr in dem japanischen Monsterfilm „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ (ebenfalls in der Anolis Kaiju-Classics Reihe erschienen) den Quoten-Amerikaner, der wichtig für die internationale Vermarktung war, gegeben. Und er sollte dies noch einmal, in dem nie in Deutschland erschienenen Spionage-Vehikel „The Killing Bottle„, tun. Berühmt geworden ist er durch eine Nebenrolle im James-Dean-Klassiker „.. .denn sie wissen nicht, was sie tun„. Seinen Durchbruch hatte er allerdings in der, in den USA höchst populären, Western-Serie „The Rebel„, wo er die Titelfigur Johnny Yuma gab. 1964 war er sogar mal für den Oscar für die beste Nebenrolle (in „Rufmord“ von Boris Sagal) nominiert. 1968 starb er dann leider unter mysteriösen Umständen, wahrscheinlich an einer Überdosis.

In Deutschland wurde der Film als „basierend auf dem Roman von Hans Dominik“ beworben. Hans Dominik war ein deutscher SF-Autor, der sich in den 20er Jahren einer hohen Beliebtheit erfreute. In den 60er Jahren sollte scheinbar sein Roman „Befehl aus dem Dunkel“ verfilmt werden. Als dieser Plan scheiterte, wurde kurzerhand “ Kaijû daisensô“, was übersetzt „Krieg der Monster“ heißt, zu „Befehl aus dem Dunkel“ umgedeutscht. Natürlich ist dieser künstlich hergestellte Bezug völliger Quatsch.

Ziemlicher Quatsch ist auch einiges, was in „Befehl aus dem Dunkel“ passiert. Nach Logik oder Plausibilität sollte man hier besser gar nicht anfangen zu suchen. Bei einigen Zufällen braucht man schon viel guten Willen und ein sonniges Gemüt, um diese zu schlucken. Aber der Film ist ja auch nicht als anspruchsvolles Filmwerk, sondern als pure Unterhaltungsware konzipiert worden. Und als solche funktioniert er ganz prächtig. Schön, dass ein Label wie Anolis sich dieses Genres angenommen hat und die Fans mit hochwertigen Produkten versorgt. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veröffentlichung.

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Open-Air-Kino 2012: „Kino im Hafen“ in Bremerhaven und Western in der „Botanika“

Man mag es bei dem extrem wechselhaften Wetter, und den noch nicht unbedingt sommerlichen Temperaturen draußen, gar nicht glauben, aber die Freiluftkino-Saison steht vor der Tür.

Und die ersten beiden Termine stehen auch schon fest. Einmal das traditionelle Kino im Hafen in Bremerhaven und dann kann man dieses Jahr auch in der Botanika (Rhododendron-Park) zwei Western schauen. U.a. einen meiner absoluten Lieblingsfilme!

Aber der Reihe nach.

Am 3. und 4. August heißt es wieder „Kino im Hafen“ im Schaufenster Fischereihafe/Bremerhaven. Beginn ist jeweils ca. 22 Uhr (Einbruch der Dunkelheit) – das Vorprogramm startet ab 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird das Kino im Hafen von einer Vielzahl namhafter, regional ansässiger Firmen und vom Technischen Hilfswerk. Am Kopf des Hafenbeckens im Schaufenster Fischereihafen werden insgesamt 20 Container, welche das Gerüst  für die 180 qm Leinwand bilden, gestapelt.

Gezeigt werden die folgenden Filme:

03. August: Türkisch für Anfänger – Erfolgreicher Kinofilm zur deutschen TV-Serie-

Sehr viel interessanter geht es dann am nächsten Tag  weiter.

04. August: Der scharlachrote Pirat – Der letzte große Piratenfilm, bevor sich das Genre – bis auf ein paar Ausnahmen wie Polanskis erfolgloser„Piraten“ oder Renny Harlins Megaflop „Die Piratenbraut“ – für mehr als zwei Jahrzehnte schlafen legte.  Die Hauptrolle spielt der großartige Robert Shaw, der als Gegenspieler von James Bond in „Liebesgrüße aus Moskau“ oder Seebär Quint in „Der weiße Hai“ Weltruhm erlangte und leider viel zu früh, zwei Jahre nach „Der scharlachrote Pirat“ an einem Herzinfarkt starb. „Der scharlachrote Pirat“ ist der Freibeuter Ned Lynch. Eine Art Robin Hood der Weltmeere, welcher – zusammen mit der heißblütigen Tochter eines Adeligen – einen Tyrannen auf Jamaika stürzt.

Der Film hat auch einen herrlichen deutschen Trailer:

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Innerhalb der Veranstaltung: „Lebensraum Wilder Westen Anpassungsstrategien von Pflanze, Tier und Mensch im Lebensraum Wüste“ kann man in dem Science-Center „Botankia“ im Rhododendron-Park zwei Western auf einer 10-Meter-Leinwand unter freiem Himmel schauen.  Der Eintritt ist im Botanika-Eintritt enthalten. Als Rahmenprogramm werden Lagerfeuer, Line Dance, Musik und BBQ geboten.

10. August: True Grit“ – Das Remake des John-Wayne-Westerns „Der Marshall“. Sicherlich nicht der beste Film der Coen-Brothers, aber sehr unterhaltsam mit einem tollen Jeff Bridges in der alten Wayne-Rolle.

11. August:Zwei glorreiche Halunken“ – „The Good, the Bad and the Ugly“. Einer DER Western überhaupt und auch über die Gerne-Grenzen hinweg ein ganz großartiger Film. Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach, Sergio Leone, Ennio Morricone. Wem da nicht das Herz aufgeht, der ist schon tot (oder zumindest kein Westernfan ;)).

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BluRay-Rezension: “Die Seven-Ups”

Die „Seven-Ups“ sind eine geheime Spezialeinheit der New Yorker Polizei, die sich auf die ganz großen Fische konzentriert. Daher auch der Name: “Seven-Ups“ heißt, dass die Leute, die die Einheit festnimmt, mindestens für sieben Jahre in den Knast gehen. Eher zufällig werden die „Seven-Ups“ in eine Reihe von Entführungen involviert, bei denen einflussreiche Mitglieder der lokalen Mafia gekidnappt und gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen werden. Als einer der „Seven-Ups“ sein Leben lassen muss, schlagen seine Kameraden unbarmherzig zu…

Die Seven-Ups“ gehört in die Kategorie Filme, die heute so nicht mehr gedreht werden. Schaut man sich die Polizei-Thriller der letzten Jahre an, so haben selbst Filme, die sich einen gewissen Realismus auf die Fahnen geschrieben haben – wie z.B. „Helden der Nacht“ – einen Hang zum Stylischen. Dieser geht den „Seven-Ups“ völlig ab. Die Inszenierung erinnert mehr an die geliebten US-Polizeiserien der 70er Jahre, wie „Einsatz in Manhattan“ oder „Die Straßen von San Francisco“.

Ebenso unglamourös wie das Bild kommen die Darsteller daher. Der äußerst markante Roy Scheider und auch Tony Lo Bianco wirken, wie direkt von der Straße weg engagiert. Sie agieren völlig natürlich, verfallen nie in Posen. Unter den Nebendarstellern tummeln sich viele bekannte Gesichter. So spielt Ken Kercheval, der Cliff Barnes aus „Dallas“, einen der Seven-Ups, dessen Schicksal hier schon seinen ewigen Loser aus der Erfolgsserie vorweg zu nehmen scheint. Joe Spinell, der sieben Jahre später mit der Titelrolle in „Maniac“ unsterblich werden sollte, sieht man in einer kleinen Rolle als Garagenbesitzer, und schließlich hält auch noch ein sehr junger Richard Lynch seine verbrannte Visage in die Kamera. Lynch spielte übrigens zusammen mit Tony Lo Bianco in Larry Cohens apokalyptischem Horrorklassiker „God Told Me To“ und war bis Ende der 80er ein gerne gesehener Gast in Low-Budget-Horrorproduktionen, wo er – bei seinem Gesicht kein Wunder – fast immer die Bösen spielte. Leider verstarb der charismatische Mime in der letzten Woche. Sein letzter Film wird damit Rob Zombies neustes Werk „The Lords of Salem“ sein, dass irgendwann im Laufe diesen Jahres veröffentlicht wird.

Frauen kommen in „The Seven-Ups“ so gut wie gar nicht vor. Die Seven-Ups selber scheinen keinerlei Privatleben zu führen. Nie sieht man sie außerhalb des Jobs, immer scheinen sie im Einsatz zu sein. Die „Seven-Ups“ sind eine hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, eine Familie mit einem eigenen Codex und Ehrbegriff. Ganz wie bei den Mafiosi, die sie bekämpfen. Wobei die Anfangssequenz nahelegt, dass es sich für sie hier weniger um einen Kampf, als vielmehr um ein Spiel handelt. Erst als einer der ihren angegriffen wird, schlagen sie skrupellos und nur ihren eigenen Regeln gehorchend zurück. Somit sind die „Seven-Ups“ als Allegorie auf die kämpfende Truppe in Vietnam zu sehen, die ja auch eine persönliches, nur der eigenen Einheit verpflichtetes, Gesetz entwickelte und Angriffe auf die Einheit unbarmherzig bestraft. Hier sei z.B. an das My-Lai-Massaker erinnert.

Andererseits agieren die Seven-Ups auch ganz ähnlich, wie es die faschistoiden Polizisten in dem zweiten Dirty-Harry-Film „Calahan“ tun. Nur dass sie, im Gegensatz zu den Vigilanten dort, in dieser Geschichte die Helden und nicht die Schurken sind. Aber im Grunde operieren sie genauso außerhalb des Gesetzes. Da wird in fremde Häuser eingebrochen und die unschuldige Ehefrau eines – nicht unsympathischen – Mobsters bedroht; Verdächtige gefoltert und die Drahtzieher nicht etwa der Justiz überantwortet, sondern der Mafia zum Fraß vorgeworfen.

Der inszenatorische Mittelpunkt des Filmes stellt eine 10minütige Auto-Verfolgungsjagd dar, die von den besten ihrer Zunft in Szene gesetzt wurde. Stuntfahrer Bill Hickman (der im Film auch eine kleine Rolle als zweiter Schurke neben Richard Lynch hat) war bereits für die legendären Autoszenen in „Bullitt“ und „French Connection“ verantwortlich. Diese Jagd hier steht eindeutig in dieser Tradition und ist den berühmteren Filmen mindestens ebenbürtig. Das ist auch kein Zufall. Philip D’Antoni , für den „Die Seven-Ups“ die einzige Regiearbeit blieb, war von Haus aus Produzent. Und als solcher auch für eben „Bullitt“ und „The French Connection“ verantwortlich. Bedenkt man, dass Roy Scheiders Charakter in „The French Connection“ und „Die Seven-Ups“ auf den Namen Buddy hört (auch wenn der Nachname unterschiedlich ist) und die Schauplätze identisch sind, kann man hier durchaus von einem Spin-Off zu William Friedkins erfolgreichem Klassiker sprechen.

Die BluRay von Koch Media hat, neben den Trailern, leider nur noch ein Extra an Bord. Dies ist aber von daher sehr interessant, dass es sich hier um zeitgenössisches Material handelt. Ein Werbefilm, in dem der Dreh der Autoverfolgungsjagd dokumentiert wird. Allein aufgrund des Zeitkolorits sehenswert. Das Bild ist für das Alter des Filmes sehr gut, wenn es auch in lichtärmeren Szenen zu einer extrem starken Körnung und Rauschen kommt. Was allerdings am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Ich muss allerdings sagen, dass ein Film von 1973 auch gerne so aussehen darf wie von 1973. Glattpoliert und zu Tode gefiltert würde er auch eine Menge an rauem Charme und vor allem Direktheit verlieren. Da mir eine BluRay vorliegt, kann ich diesmal leider keine Screenshots machen, sondern bin auf Pressematerial angewiesen.

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Originalfassungen in Bremen: 21.06.12 – 27.06.12

Als ich heute morgen in der Wochenbeilage des „Weser Kuriers“ blätterte, befürchtete ich schon, heute gar nichts zu O-Fassungen in Bremen schreiben zu können. Im Cinemaxx statt O-Ton Fussballspiele und auch sonst eher tote Hose. Gut, dass ich das noch einmal gegengecheckt habe, denn ganz so traurig sieht es nämlich gar nicht aus. Tipp der Woche: Für einen romantischen Nostalgiker wie mich natürlich „Sound It Out – The very last record shop “ 🙂

Rock of Ages – Cinemaxx, So., 24.06., 20:00 – US-Musical basierend auf einem Broadway-Hit. Sherrie und Drew haben ein gemeinsamen Traum. Sie wollen im L.A. der 80er Jahre als Musiker berühmt werden und eines Tages im legendären Club “Rock of Ages” auftreten. Der Weg dahin ist steinig, und dann kommt auch noch die Liebe in den Weg. Das große Idol der beiden, ein Rockstar namens Stacee Jaxx, wird von Tom Cruise gespielt.

Snow White and the Huntsman – Cinemaxx, Fr., 22.06., 20:00 – Filmbesprechung hier.

Ai Weiwei: Never Sorry – Atlantis, Do.-Mi. immer 17:00, ausser So., da um 16:00 – Er schaut uns hier in Bremen schon seit einer Woche von vielen Plakaten herunter an: Der chinesische Künstler Ai Weiwei. Ai Weiwei wurde in der Vergangenheit aufgrund regierungskritischer Äußerungen verhaftet, eingesperrt und mit überzogenen Anschuldigungen konfrontiert. Diese US-Doku will das Phänomen Ai Weiwei näher beleuchten. Achtung:  Im Programm des Atlantis steht nichts von O-Fassung mit Untertiteln. Mir ist jetzt nicht bekannt, dass es eine andere Version von diesem Film gäbe, aber im Bedarfsfall besser mal bei Atlantis nachfragen.

Sound It Out – The very last record shop – City 46, Do./So. um 20:30; Fr./Sa. Um 22:30 und Mo.-Mi. um 18:00 – doku über einen Schallplattenladen im Nordosten Englands, der immer noch das gute, alte Vinyl verkauft und für seine Kunden eine ganz besondere Heimat bietet.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=Qe7KRzHfFuc[/youtube]

Tango Lesson – City 46, Do., Sa.-Mi. 20:00 – US-Spielfilm von 1997 von und mit Sally Potter. In diesem semi-biographischen Spielfilm beschreibt Sally Potter, wie sie aufgrund einer Arbeitsblockade anfängt Tango zu lernen und sich dabei in einen attraktiven Tänzer verliebt.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 25.06., 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 27.05. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

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Nordische Filmtage in Lübeck: Bei der Retrospektive wird es schaurig

2010 war ich zu Gast auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck und schwer begeistert von diesem sehr sympathischen Filmfestival.
Leider habe ich es aus zeitlichen Gründen nicht geschafft, auch 2011 vorbei zu schauen. Ich hoffe aber sehr, dass ich in diesem Jahr (31.10.-04.11.) wieder die Gelegenheit erhalte, denn die Ankündigung für die Retrospektive, lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen:

Die diesjährige Retrospektive präsentiert sich unter dem Titel „Das kalte Grauen – Grusel und Schauder im skandinavischen Kino 1921 – 2011“ und wird passend zu Halloween am 31. Oktober 2012 eröffnet. Fünf Tage lang kommen Fans und Liebhaber von nordischen Filmen mit „Biss“ ganz auf ihre Kosten. Mit dabei sind neben Stummfilmklassikern und zahlreichen Spielfilmen der letzten Jahrzehnte auch moderne Genrefilme des skandinavischen Kinos, die in jüngster Zeit sehr erfolgreich im Kino liefen und ebenfalls für Hochspannung sorgen werden. Das vollständige Programm wird im Oktober 2012 bekannt gegeben.

Quelle: http://www.luebeck.de/filmtage/

Aber auch wer sich nicht gruseln mag, dem seien die Nordischen Filmtage sehr ans Herz gelegt. Bei all meinen Besuchen auf diversen Filmfestivals habe ich selten eine so hohe Dichte an wirklich tollen Filmen erlebt. Und die freundliche Atmosphäre in Lübeck ist auch klasse.

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DVD-Rezension: “Hara-Kiri – Tod eines Samurai”

Der Ronin Hanshiro bittet im Palast der mächtigen Fürsten Ii darum, Seppuku, den traditionellen japanischen Selbstmord, auch bekannt als Hara-Kiri, begehen zu dürfen. Der Verwalter des Palastes erzählt ihm daraufhin von einem jungen Samurai, Motome, der vor einiger Zeit mit der gleichen Bitte im Palast erschien. Der Verwalter vermutete, dass es sich dabei lediglich um einen Bettler handelte, denn zu dieser Zeit geschah es oft, dass herrenlose Samurai den Seppuku nur vortäuschen wollten, um im letzten Moment eine milde Gabe zu erlangen. An diesem jungen Ronin wurde daraufhin ein Exempel statuiert und man zwang ihn, sein Vorhaben durchzuführen. Unbeeindruckt von dieser Geschichte, kündigt Hanshiro an, seinen Seppuku auf jeden Fall vollenden zu wollen. Als er aber zur Tat schreiten will, stellt sich heraus, dass die Sache doch nicht so eindeutig ist, wie sie aussieht. Hanshiro verfolgt einen bestimmten Plan…

Takashi Miike ist und bleibt die große Wundertüte des internationalen Kinos. Nie kann man sich sicher sein, was der große Meister des Bizarren und Unerwarteten nun wieder aus dem Ärmel schüttelt. Das kann ultraharte Gore-Action, wie „Ichi – the Killer“, sein oder kunterbunte Kinderunterhaltung, wie „Krieg der Dämonen“. Bizarrer, David-Lynch-ähnlicher Surrealismus wie „Gozu“ oder auch mal reiner Trash wie „Full Metal Yakuza“. Dabei darf man aber nie vergessen, dass Miike auch die leisen Töne perfekt beherrscht. Sein „Birdpeople of China“ ist einer der schönsten asiatischen Spielfilme überhaupt. Und „Audition“ – sein vielleicht bekanntester Film – setzt auf leisen, subtilen und dadurch umso wirkungsvolleren Horror. Nach dem grandiosen „Big Bang Love“ ist mir Miike etwas aus den Augen geraten, trotz seines schier unglaublichen Ausstoß von bis zu 4 Filmen im Jahr. Ich hörte aber, dass sein letzter Film, „13 Assassins“, ihn endgültig auch als großen Mainstream-Regisseur in Japan etabliert hat und ein großer kommerzieller Erfolg war.

Hara-Kiri: Tod eines Samurai“ wird in Deutschland wie eine Art Fortsetzung beworben. Zumindest hat man aufgrund des Covers und der Werbung das Gefühl, es hier mit einem reinrassigen Samurai-Film und vielen stylischen Kämpfen zu tun zu haben. Weiter weg vom tatsächlichen Film kann man da allerdings gar nicht sein. Action wird in „Hara-Kiri“ ganz, ganz klein geschrieben und das ist auch gut so.

„Hara-Kiri“ ist das Remake eines japanischen Klassikers von 1962, der interessanterweise ebenso für eine Goldene Palme in Cannes nominiert war, wie das Remake ein halbes Jahrhundert später. Hier wäre ein direkter Vergleich zum Original, welches mir leider nicht bekannt ist, interessant. Denn wie ich las, gibt es hier durchaus kleine, aber deutliche Unterschiede, auch wenn die Geschichte im Großen und Ganzen identisch ist. Miike inszeniert seine Version als todtrauriges Drama. Was zunächst wie ein Mystery-Thriller daherkommt (eine geheimnisvolle Figur, deren Handlungen zunächst undurchschaubar bleiben, scheint für das Verschwinden dreier Samurai verantwortlich zu sein), wandelt sich schnell in ein bedrückendes Trauerspiel, in dem die Protagonisten unaufhaltsam ihrem tragischen Schicksal entgegen treiben. Da man von Anfang an weiß, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird, ist es bitter, die kleinen Glücksmomente mit anzuschauen, die die Familie des Ronins nur kurz genießen darf. Dann schlägt das Schicksal gnadenlos zu.

Interessanterweise sind aber auch die nominellen „Bösen“, die den jungen Motome in einen qualvollen Tod treiben, ambivalent gezeichnet. Mehr noch, scheinen sie doch durchaus im Recht zu sein. Das macht es dem Zuschauer schwer, eindeutige Hassgefühle ihnen gegenüber zu entwickeln. Es bleibt nur eine hilflose Ohnmacht gegenüber den Ereignissen.

Was seine – in früheren Jahren beinah schon zum Markenzeichen gewordenen – verrückten Ekeleffekte und überzogenen Brutalitäten angeht, so verzichtet Miike hier ganz darauf, was dem Film sehr gut tut. Scheinbar hat er gelernt, dass manchmal auch weniger mehr sein kann. Denn die Szene, in der der junge Samurai Motome mit einem stumpfen Holzschwert Hara-Kiri begeht, zeigt fast nichts. Aber sie ist von einer solch schmerzhaften Intensität, dass es fast unmöglich ist, sich diese furchtbaren Leiden anzusehen.

Wer aufgrund der vollmundigen Ankündigungen auf einen rasanten, spektakulären und blutspritzenden Endkampf gehofft hat, wir zwangsläufig enttäuscht zurückbleiben. Auch diesen Kampf inszeniert Miike, wie den ganzen Film, ganz klassisch, ritualisiert und in der Tradition alter Samurai-Filme aus den 50er und frühen 60er Jahren.

Miike gelingt ein emotional packendes, melancholisches Drama, das um Fragen wie Verantwortung und Ehre kreist. Wenn letztendlich der Begriff der Ehre hinterfragt wird und sich dieser auf ein hohles Stück Blech reduzieren lässt, wird klar, was Miike über die „edlen“ Samurai denkt. Ihr Begriff von Ehre ist genauso so hohl, wie die Blechrüstung, die im Palast des Fürsten Ii steht und eine vergangene Ära repräsentiert, die in leeren Worten und erstarrten Ritualen versinkt.

Getragen wird der Film durch exzellente schauspielerische Leistungen. Allen voran von Takenaka Naoto, der zwar etwas zu jung für seine Rolle ist, aber durch eine enorm starke Präsenz auffällt. Jetzt bleibt nur noch, gespannt abzuwarten, was Miike als nächstes aus dem Hut zaubert. Laut IMDb hat er bereits wieder vier weitere Filme abgeschlossen: U.a. einen Kinderfilm und eine PC-Game-Verfilmung.

Der Film war ursprünglich in 3D gedreht und gleichzeitig auch der erste 3D-Film, der für eine Goldene Palme in Cannes nominiert wurde. Die DVD von Ascot Elite ist natürlich in 2D, aber das macht gar nichts. Denn wüsste man nichts über seine dreidimensionale Herkunft, es würde auch nicht auffallen. Das Bild ist etwas dunkel, aber sehr scharf. Allerdings gibt es zeitweilig Probleme mit den Schwarztönen. Der Ton ist klar und gut abgemischt, die Untertitel gut lesbar. Als Extras gibt es leider nur Trailer.

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DVD-Rezension: “Habemus Papam – Ein Papst büxt aus”

Nach dem Tod des alten Papstes treffen sich die Kardinäle im Vatikan zur Wahl seines Nachfolgers. Nach mehreren erfolglosen Wahlgängen fällt die Wahl schließlich auf den Kardinal Melville. Doch dieser ist sich nicht sicher, ob er der richtige Mann für dieses hohe Amt ist. Als er sich dem wartenden Volk vorstellen soll, gerät er in Panik und flieht in seine Gemächer. Ein renommierter Psychiater soll ihn zur Besinnung bringen, aber dessen Versuche scheitern. Als letzten Ausweg versucht der Sprecher des Vatikans, Melville heimlich zur Ehefrau des Psychiaters zu schaffen, ebenfalls eine Koryphäe auf dem Gebiet der Psychoanalyse. Dabei gelingt es Melville allerdings, sich seinen Aufpassern zu entziehen…

Wer bei dem deutschen Titelzusatz von „Habemus Papam“, dem etwas albernen „Ein Papst büxt aus“, auf eine turbulente und leicht kreischige Komödie hofft, der dürfte ziemlich enttäuscht sein. Andererseits können all diejenigen, die selbiges befürchteten, erleichtert aufatmen. „Habemus Papam“ ist ein ruhiger, melancholischer Film, der zwar aufgrund der absurden Situation hier und da zum Schmunzeln einlädt, aber sicherlich nicht zum auf die Schenkel klopfen. Regisseur Nanni Moretti hätte es sich einfach machen können. Der Papst verschwindet, gerät in Rom in aberwitzige Situationen und kehrt geläutert in den Vatikan zurück. Sicherlich haben dies viele Zuschauer auch aufgrund des Trailers erwartet. Nur, und dafür gebührt Moretti aller Dank, er geht nicht den leichten Weg.

Ein deutlich gealterter Michel Piccoli gibt seine Papst-Figur niemals der Lächerlichkeit preis. Zwar erscheint er ein wenig weltfremd – was nachvollziehbar ist, gehört Kardinal Melville doch seit Jahrzehnten zu der Clique der obersten, in einer ganz eigenen Welt lebenden Kirchendiener – aber nie lächerlich. Eine tiefe Nachdenklichkeit, ja Traurigkeit, umweht ihn. Melville ist zwar am Ziel seiner beruflichen Laufbahn angekommen und sich auch sicher, von Gott ausgewählt worden zu sein. Aber nun fühlt er sich der großen Aufgabe und Verantwortung weder würdig noch gewachsen.

Der zarte Humor des Filmes ergibt sich aus der absurden, ja undenkbaren Situation, dass der Papst seine Wahl nicht annimmt. Und aus den verzweifelten Versuchen der kirchlichen Würdenträger, damit umzugehen. Zudem ist es auch amüsant, dabei zuzusehen, wie die kirchlichen Respektspersonen, die – aufgrund des nicht abgeschlossenen Konklave – dazu verurteilt sind, den Vatikan nicht verlassen zu dürfen, anfangen, sich wie eine Schulklasse auf Klassenfahrt aufzuführen. Dabei ist es erstaunlich, wie liebevoll der bekennende Atheist Moretti diese Figuren zeichnet.

Michel Piccoli ist die Idealbesetzung für Melville, den Papst wider Willen. Es ist kein Wunder, dass Moretti ihn die ganze Zeit vor Augen hatte, als er sein Drehbuch schrieb. Piccoli erscheint gleichzeitig würdevoll wie auch zutiefst unsicher. Nachdenklich, aber voller Liebe. Neben Piccoli muss auch der große polnische Schauspieler Jerzy Stuhr erwähnt werden, der als Sprecher des Vatikans in einer klischeehafteren Komödie so etwas wie der Antagonist zu Piccolis zweifelndem Melville wäre. Verzweifelt versucht er mit aller Kraft, die Dinge wieder in geordnete Bahnen zu bringen und den Papst auf den Balkon, um das Konklave zu beenden und den Status Quo wieder herzustellen. Stuhr spielt diesen Macher mit großer Wucht und bleibt trotz der schwierigen Rolle immer sympathisch, seine Handlungen jederzeit nachvollziehbar. Es ist sehr schade, dass dies wahrscheinlich der letzte Auftritt dieses großen Schauspielers war, da er Anfang des Jahres schwer an Kehlkopfkrebs erkrankte und operiert werden musste. Somit wird „Habemus Papam“ vielleicht seine Abschiedsvorstellung bleiben.

Wie in all seinen Filmen, taucht auch Moretti hier in einer Nebenrolle auf. Seine rationaler -natürlich atheistischer – Psychiater sorgt zunächst einmal für ein humoristisches Element, wenn in einer wirklich witzigen Szene, unter den skeptischen Blicken der versammelten Kardinäle versucht, mit Melville über dessen Kindheit zu sprechen. Später tauscht er mit Melville förmlich die Rollen, da er aufgrund des Konklave gezwungen wird, im Vatikan zu bleiben, während Melville ausbricht und sich frei in Rom bewegt. Leider baut Moretti seine Rolle zu stark aus. Ja, er drängt die Geschichte um den verschwundenen Papst etwas in den Hintergrund, insbesondere bei dem, von ihm organisierten, Volleyball-Turnier, welches etwas zu lang geraten ist und auch ins Leere läuft. Ebenfalls etwas fehlplatziert erscheint die Geschichte um die Theatergruppe, die Melville auf seinem Weg durch Rom begegnet. Diese Charaktere erscheinen arg überzogen und passen nicht wirklich in den Film. Die ganze Episode wirkt wie ein Fremdkörper und an den Haaren herbeigezogen. Dafür entschädigt Moretti den Zuschauer aber mit einem grandiosen, unerwarteten Schlussbild, welches in seiner Konsequenz so nicht zu erwarten gewesen wäre. Damit läuft dieser stille Film jeder Erwartung entgegen, aber das tut dieser stille Film bereits von Anfang an.

Leider liegt mir zur Rezension nur ein Pressemuster vor, welches einerseits nicht die volle Auflösung bietet, andererseits durch einen dicken Timecode und „Pro-Kino“ -Logo verschandelt wird. Daher muss ich, statt auf die gewohnten Screenshots, diesmal auf Pressematerial zurückgreifen. Die Extras bieten neben Trailern ein 24-minütiges „Behind the scenes“, welches Moretti bei den Dreharbeiten zeigt. Dass er sich dabei von einer sympathischen Seite zeigt, kann allerdings nicht behauptet werden. Es scheint eher, dass es nicht besonders einfach ist, mit ihm zusammenzuarbeiten. Dies wird auch in den „Verpatzen Szenen“ (11:35 Minuten) deutlich. Diese Szenen sind übrigens richtig „verpatzt“ und keine witzigen Blopper, wie man sie z.B. aus den Extras großer Hollywood-Produktionen kennt. Ein interessantes Interview mit Moretti dauert leider nur 8:39 Minuten, und ist schon zu Ende, wenn es anfängt, wirklich interessant zu werden. Abgerundet werden die Extras mit einem 6:53 Minuten langen Bericht von der Vorstellung des Filmes in Cannes, wo er 2011 für die Goldene Palme nominiert war.

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Streit um das Internationale Filmfest Oldenburg: Bremen als neuer Standort?!

Neues vom Streit um das Internationale Filmfest Oldenburg. Wie auch hier von mir bereits mehrfach berichtet, steht die Zukunft des Internationalen Filmfestivals Oldenburg weiterhin auf der Kippe. Die Stadt dreht immer mehr den Geldhahn zu, dazu kommt noch ein gerichtlicher Streit zwischen der Leitung des Filmfestes auf der einen und drei Regionalpolitikern auf der anderen Seite. Beim Gerichtstermin am Mittwoch kam es zu keiner Einigung, das endgültige Gerichtsurteil wird am 18. Juli erwartet. Vom Gericht wurde der Leitung des Filmfestes allerdings keine große Hoffnung gemacht, dass in ihrem Sinne entschieden wird.

Immerhin sind dadurch aber auch die überregionalen Medien auf den Fall aufmerksam geworden, und so richtig versteht auch dort wohl niemand, warum die Stadt Oldenburg sein renommiertes Filmfest quasi mit Füßen tritt. In diesem Zuge ist heute in der Bremer „Bild“ ein spannender Artikel erschienen, der der ganzen Sache einen neuen Dreh gibt und eine hochinteressante Perspektive für die Stadt Bremen aufzeigt. Demnach wird darüber nachgedacht, das Oldenburger Filmfest, welches ja bereits einen international hervorragenden Ruf besitzt, nach Bremen zu bringen oder zumindest zukünftig mit Bremen zu kooperieren. In der Vergangenheit habe ich ja in meinem Blog schon öfter das Fehlen eines Filmfestes in Bremen beklagt und auch – angesichts der Knüppel die dem Filmfest in Oldenburg zwischen die Beine geworfen werden – über die Möglichkeit einer Symbiose Filmfest Oldenburg/Bremen nachgedacht. Von daher finde ich die momentane Entwicklung ausgesprochen reizvoll.

In Bremen jedenfalls besteht scheinbar durchaus auch Interesse an einem eigenen Filmfest. So zitiert die „Bild“ Hermann Kleen, den Sprecher von Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen, dass es Überlegungen gäbe, ob auch für Bremen ein Filmfest sinnvoll und wie finanzierbar sein könnte. Und Carsten Werner, der kulturpolitische Sprecher der Grünen, kann, laut „Bild“, das „politische Gezocke“ in Oldenburg nicht verstehen und sich aber gut vorstellen, ein Filmfest, wie das in Oldenburg, auch in Bremen zu installieren. Denn „so ein Festival schmücke jede Stadt.“

Hier geht’s zum Bild-Artikel: http://www.bild.de/regional/bremen/filmfestivals/zieht-filmfestival-nach-bremen-24667776.bild.html

 

🙂

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