DVD-Rezension: „Befehl aus dem Dunkel“

Hinter dem Saturn wurde ein geheimnisvoller, neuer Planet namens „X“ (in der deutschen Fassung Alpha 707) entdeckt. Die NASA und ihr japanisches Gegenstück schicken ihre beiden besten Männer, den Japaner Fuji und den Amerikaner Glenn, um den Planeten zu untersuchen. Auf „X“ angekommen, werden die beiden von den dortigen Bewohnern empfangen. Diese leben unter der Planetenoberfläche, wohin sie vor vielen tausend Jahren aufgrund des Monsters Ghidora geflohen waren, welches auf „X“ sein Unwesen treibt. Die Außerirdischen schlagen Fuji und Glenn einen Handel vor. Sie wollen die beiden Monster Godzilla und Rodan aus ihren Verstecken, in denen diese seit Jahrtausenden schlafen, befreien und auf „X“ transferieren, damit sie dort Ghidora in die Flucht schlagen. Als Gegenleistung bekommt die Erde ein Heilmittel gegen Krebs. Die Erdregierung (sprich Japan) stimmt dem zu und tatsächlich können Godzilla und Rodan mit vereinten Kräften Ghidora von „X“ vertreiben. Doch im Geheimen haben die Außerirdischen ganz andere Pläne mit den Monstern…

Nun schon zum siebten Mal veröffentlicht Anolis einen japanischen Monsterfilm (in der Landessprache Kaiju genannt) in einem edlen Steelbook. „Kaiju Classics“ nennt sich die Reihe, die sich bei Freunden des Genres großer Beliebtheit erfreut. Das ist auch verständlich, denn zur liebevollen Aufmachung gesellen sich informative Extras, wie ein sympathischer und lehrreicher Audio-Kommentar mit Deutschlands Kaiju-Experten Numero Uno, Jörg Buttgereit, und Bodo Traber. Als weiteres Extra gibt es ein Interview (16:46 Minuten) mit dem japanischen „Monsterdarsteller“ Ryu Hurrikane. Dieser hat zwar nichts mit „Befehl aus dem Dunkel“ zu tun gehabt, aber in den 90ern in einigen „Kaiju“-Filmen diverse Monster gespielt. Seine Statements über sein Selbstverständnis als Monster-Darsteller und wie er in seine Rollen hineinfindet, dürfte aber für alle Stuntmen in Gummikostümen repräsentativ sein. Zwei Trailer (deutsch und japanisch) runden die Extras ab.

Ferner befindet sich im 2-DVD-Set neben der ungekürzten Originalfassung (die in der deutschen Fassung fehlenden Szenen – immerhin 12 Minuten – wurden im Original belassen und untertitelt), auch noch eine DVD mit der alten deutschen Kinofassung und einem Easter Egg. Das Bild ist seinem Alter entsprechend zwar nicht brillant, aber um Längen besser als das, was einem gewisse Billig-Labels ab und an zumuten. Zudem wurde auch die korrekte Ration von 1:2,35 eingehalten. Ein besonders Lob gilt auch dem schönen und informativen 20-seitigen Booklet mit einem Text von Ingo Strecker.

Trotz gleich dreier Monster, ist „Befehl aus dem Dunkel“ weniger eine Monster-Party, als vielmehr ein Außerirdischen-Invasionsfilm. Die Monster Godzilla, Rodan (eine Art Flugsaurier) und Ghidora (ein drachenähnliches Geschöpf mit drei Köpfen) haben nur kleine Nebenrollen. Tatsächlich treten sie nur zweimal auf. Einmal auf dem geheimnisvollen Planeten X und dann zum großen Finale auf der Erde. Letzteres hat es dann aber in sich. Mit einer kindlichen Lust an der Zerstörung werden Miniaturlandschaften platt gewalzt. Godzilla und Rodan arbeiten gemeinsam gegen Ghidora und das Ganze hat dann schon etwas von Show-Catchen. Wer das Kind in sich selbst bewahrt hat, der kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Auch wenn Godzillas etwas albern wirkende Freudentänze schon die Entwicklung vorwegnehmen, die der Charakter in den folgenden Filmen nehmen sollte. Weg von dem tödlichen Giganten des Originals, hin zu der kinderfreundlichen Knuddel-Echse der späteren Jahre.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt also auf der Invasion der Außerirdischen. Die Ausstattung der Raumbasis auf dem Planeten X ist spartanisch, aber effizient. Make-Up und Kostüme der Außerirdischen wurden ebenfalls einfach, aber ansprechend gehalten. Natürlich wirken die Kostüme heute eher belustigend als beeindruckend, aber wir befinden uns im Jahr 1965 und dort sind diese noch nicht ganz so sehr das lustige Klischee gewesen, als welches sie uns heute anmuten. Und dies macht ja auch den großen Charme dieses Filmes aus. Die Modellarbeiten sind wie immer deutlich als solche zu erkennen, sind aber so liebevoll gestaltet, dass man sich in diesem „Miniaturwunderland“ einfach wohl fühlt.

Erstaunlich ist die Rolle der Frau in diesem Film. Japan hin oder her, ich glaube nicht, dass man auch dort heute noch mit solch sexistischen Klischees durchkommen könnte. Das ist wirklich eine ganz andere Zeit gewesen. Als die böse Außerirdische von ihren Kameraden zur Rede gestellt wird, warum sie Befehle nicht befolgte und den Menschen half, entschuldigt sie sich mit dem ungeheuren Satz: „Ich kann doch nichts dafür, dass ich nur eine Frau bin“. Die Schwester des japanischen Helden wird von diesem unter der Knute gehalten und darf ihren Freund nicht treffen, da dieser keine Erfolge vorzuweisen hat. Heutzutage wäre der tyrannische Bruder der Böse, hier aber ist er der strahlende Held. Ja ja, die gute, alte Zeit.

Dazu gesellt sich der von dem Amerikaner Nick Adams dargestellte Astronaut Glenn. Immer einen kessen Spruch auf den Lippen und eine Frau im Arm ist er das Abziehbild des westlichen Macho-Helden. Weniger James Bond, mehr Matt Helm. Dabei passt Nick Adams mit seiner eher schmächtigen Statur und dem leicht rattenähnlichen Gesicht eigentlich gar nicht in diese Rolle. Aber in diesem verrückten Film, in dem man eh nichts besonders ernst nehmen sollte, passt er dann doch wie die Faust aufs Auge. Nick Adams hatte schon im Vorjahr in dem japanischen Monsterfilm „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ (ebenfalls in der Anolis Kaiju-Classics Reihe erschienen) den Quoten-Amerikaner, der wichtig für die internationale Vermarktung war, gegeben. Und er sollte dies noch einmal, in dem nie in Deutschland erschienenen Spionage-Vehikel „The Killing Bottle„, tun. Berühmt geworden ist er durch eine Nebenrolle im James-Dean-Klassiker „.. .denn sie wissen nicht, was sie tun„. Seinen Durchbruch hatte er allerdings in der, in den USA höchst populären, Western-Serie „The Rebel„, wo er die Titelfigur Johnny Yuma gab. 1964 war er sogar mal für den Oscar für die beste Nebenrolle (in „Rufmord“ von Boris Sagal) nominiert. 1968 starb er dann leider unter mysteriösen Umständen, wahrscheinlich an einer Überdosis.

In Deutschland wurde der Film als „basierend auf dem Roman von Hans Dominik“ beworben. Hans Dominik war ein deutscher SF-Autor, der sich in den 20er Jahren einer hohen Beliebtheit erfreute. In den 60er Jahren sollte scheinbar sein Roman „Befehl aus dem Dunkel“ verfilmt werden. Als dieser Plan scheiterte, wurde kurzerhand “ Kaijû daisensô“, was übersetzt „Krieg der Monster“ heißt, zu „Befehl aus dem Dunkel“ umgedeutscht. Natürlich ist dieser künstlich hergestellte Bezug völliger Quatsch.

Ziemlicher Quatsch ist auch einiges, was in „Befehl aus dem Dunkel“ passiert. Nach Logik oder Plausibilität sollte man hier besser gar nicht anfangen zu suchen. Bei einigen Zufällen braucht man schon viel guten Willen und ein sonniges Gemüt, um diese zu schlucken. Aber der Film ist ja auch nicht als anspruchsvolles Filmwerk, sondern als pure Unterhaltungsware konzipiert worden. Und als solche funktioniert er ganz prächtig. Schön, dass ein Label wie Anolis sich dieses Genres angenommen hat und die Fans mit hochwertigen Produkten versorgt. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veröffentlichung.

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