Unsere Reihe „Weird Xperience“ im City 46 wird ab dem 27. März fortgesetzt!

weird Xperience 2014_front“Weird Xperience” ist zurück!

Nach einer kleinen Zwangspause meldet sich unsere Reihe “Weird Xperience” im Bremer Kommunalkino City 46 im März wieder zurück.

Und dies mit neuen Kräften an Bord. Stefan und ich erhalten ab dieser Saison Unterstützung von dem Damen-Trio Janna, Tanja und Jihae. Dies schlägt sich einerseits in der Programmgestaltung nieder, andererseits auch in einem wundervollen Flyer, den Janna für uns gebastelt hat und den wir in den nächsten Wochen in Bremen streuen wollen.

Was ändert sich? Die größte Veränderung ist der Tag an dem “Weird Xperience” gezeigt wird. Nachdem sich Freitag, 22:30 Uhr, und Sonntag, 18:00 Uhr, als beim Publikum als nicht besonders beliebt erwiesen hatten sind wir jetzt auf jeden vierten Donnerstag im Monat, 20:30 Uhr, gerutscht und hoffen, dass dieser Termin nun besser angenommen wird. Ferner bieten wir erstmals eine günstige Dauerkarte für alle vier “Weird Xperience”-Vorstellungen bis Juni an. Sonst ändert sich nicht so schrecklich viel. Es wird weiterhin vor jedem Film eine Einführung geben, die zunächst einmal Stefan und ich halten. Was aber nicht heißt, dass nicht auch mal eine unserer neuen Kolleginnen vorne auf der Bühne stehen wird.

In der 1. Hälfte der 2014er Saison ist jetzt leider kein Klassiker auf 35mm dabei, was aber nicht automatisch bedeutet, dass das kategorisch ausgeschlossen ist. Los geht’s am 27. März mit Marvin Krens Alpen-Horror „Blutgletscher„.

Über Programm wurde von Janna, Tanja, Jihae, Stefan und mir gemeinschaftlich abgestimmt. Für das 2. Halbjahr 2014 werden wir dann im Sommer entscheiden.

Das “Weird Xperience”-Programm auf einem Blick:

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Das Bloggen der Anderen (10-03-14)

bartonfink_type2– Ich habe ja eine große Schwäche für alte mexikanische Horrorfilme aus den 50ern und 60ern. Allerdings lebe ich diese nur sehr selten aus, da der Bezug der Film kein Selbstgänger ist, und mir leider die Zeit fehlt, mich aktiv darum zu kümmern. Aber wenn ich lese, was Sascha Nolte auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über „El Vampiro“ schreibt, sollte ich doch vielleicht etwas mehr Energie in die Beschaffung stecken.

– Russland ist ja zur Zeit in aller Munde. Nur leider nicht mit seinem immer noch sehr vitalem Kino. Mehrfilm weist auf die 6. Russischen Filmtage hin, die ab dem 14. März in Münster stattfinden und deren Programm sehr vielversprechend klingt.

– Über „Forbidden Zone“ habe ich hier ja auch schon geschwärmt. Schön, dass sich der immer wieder höchst lesenswerte jogiwan auf project-equinox diesem Urteil anschließt.

– Einer der großartigsten Gangsterfilme, die jemals aus Italien zu uns herüberschwappten, ist Fernando di Leos „Milano Kaliber 9“. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich die ersten Minuten einmal im Rahmen eine „Filmanfänge“-Diskussion in unserem Kommunalkino vorgeführt habe und bleiche Gesichter hinterließ. Wer den Film noch nicht kennt, kann sich bei Udo Rotenberg auf L’Amore in città Appetit holen.

– Apropos: Udo wird auch zu Gast sein bei dem 1. Festival des italienischen Genrefilms, welches vom 25.-27.April in Nürnberg stattfindet. Eskalierende Träume hat hier genauere Details.

– Ein toller italienischer Genrefilm ist auch „Die Viper“ mit der Traumpaarung Maurizio Merli und Tomas Milian, den Oliver Nöding auf Remember It For Later bespricht. Dort ebenfalls zu finden: Peter Patzaks strangerParapsycho“, den ich hier auch mal am Wickel hatte.

– Halb Deutschland, halb Italien ist Helmut Käutners kaum bekannter Film „Die Rote“, den Silva Szmanski auf Hard Sensations mit Worten beschreibt, wie nur sie finden kann. Bebilderte Poesie.

– Wenn ich lese, was Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film über Wes Andersons „The Budapest Grand Hotel“ schreibt, werde ich das Gefühl nicht los, dass er Herrn Anderson gegenüber recht zwiespältige Gefühle hegt. Ich kann mich auch täuschen, den seine Filmbesprechung ist eigentlich recht euphorisch, aber da lauert etwas unter der Oberfläche. Rainer Kienböck schreibt einen langen, sehr interessanten Artikel über einen Regisseur, den ich – im Gegensatz zur gleichnamigen Stiftung – tief ins Herz geschlossen habe: Friedrich Wilhelm Murnau. Auch sehr schön: Ioana Florescu hat sich auf die Suche nach Regen im Film gemacht, der nicht einfach Regen ist, sondern Regen, der nicht oder nicht ausschließlich aus Wasser besteht. Partick Holzapfel hat zu den Bildern die Texte geschrieben.

– Arne Fischer beschäftigt sich auf Daumenkino eingehend mit Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“ und Henrik Götte, Florian Krautkrämer und Kristina Scholz haben ein langes Interview mit Ramon Zürcher, dem Regisseur von „Ein merkwürdiges Kätzchen“ geführt.

– Gerold Marks widmet auf seinem Blog Digitale Leinwand dem Thema Filmposter einen langen, informativen Artikel. Außerdem macht er sich Gedanken über Drehorte und ihre Bedeutung (nicht nur) für einen Film. Interessant für alle Filmblogger: Getty – die ja als Abmahner berüchtigt sind – stellt ein Bildarchiv von 35 Mio. Bildern kostenlos zur Verfügung. Gerold erklärt, was dahinter steckt und wie es funktioniert.

– Sven Kietzke von CineKie will mit seinem Blog kein Geld verdienen, hat aber eine recht schöne Idee, wie er seinen Lesern die Möglichkeit gibt, ihn für gute Arbeit auf seinem Blog zu belohnen. Sollte ich vielleicht auch mal machen.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen die zweite Ausgabe seines „Die Besprechungen der Anderen“ (Ähnlichkeit mit dem Titel einer Rubrik in diesem Blog sind von ihm durchaus erwünscht) online gestellt. Ferner bespricht er einen Film, zu dem ich die wärmsten Erinnerungen habe – den ich aber bisher tatsächlich nur einmal vor 20 Jahren gesehen habe: „Die Nacht der Creeps“.

– Ich muss mal mehr Kaiju-Filme gucken. Da habe ich noch immer empfindliche Lücken. Warum nicht mal „UFOs zerstören die Erde“, den totalschaden auf Splattertrash bespricht?

– Was mir aber in Kürze bevorsteht, sind drei Filme von Alejandro Jodorowski, die gerade bei Bildstörung in einer wunderbaren Box erschienen sind. Ich schiebe das noch etwas vor mir her, da ich die Filme erst vor Kurzem gesehen habe und im Sommer auf der großen Leinwand sehen werde. Filmosophie hat auf ihrem Blog schon mal vorgelegt.

– Thomas Groh hat die „300“-Fortsetzung „300: The Rise of the Empire“ gesehen und für gut befunden, wie er auf seinem filmtagebuch schreibt. Ich habe damals den ersten „300“ im Kino gesehen und fand den doof und vor allem strunzenlangweilig. Da Thomas den ersten scheinbar auch nicht mochte, sollte ich dem Sequel vielleicht trotzdem mal eine Chance geben?

– Bernd Zywietz zeigt sich auf screenshot ausgesprochen begeistert von Dominik Grafs neuem Kinofilm „Die geliebten Schwestern“ über den jungen Schiller.

– Vorletzte Woche besprach ich hier Paul Droglas empfehlenswertes Buch „Vom Fressen und Gefressenwerden“. Nicolai Bühnemann hat sich auf Filmgazette ebenfalls das Buch vorgenommen und ist ebenfalls sehr angetan.

– Neulich musste ich googlen, wer denn dieser Pepe Danquart ist, der regelmäßig über den Träger des Bremer Filmpreises mitbestimmt. Jetzt hat der Berliner Regisseur einen neuen Film am Start: „Lauf Junge lauf“, die Geschichte des jüdischen Jungen, der während des Zweiten Weltkriegs aus dem Warschauer Ghetto entflieht und wie durch ein Wunder den Krieg und die Verfolgung durch die Nazis überlebt. Frank Schmidke von cineastic.de hat den auf einer wahren Geschichte beruhenden Film gesehen und positiv besprochen.

– Mathiasdeepred schreibt auf Deepreds Kino „Als ich knackige 18 war, da war DEAD HEAT (Dead Heat) ein Knaller auf jeder Video-Party. Mit genügend Knabberzeug und Grüner Wiese (ja, das Kultgetränk) konnte man sogar die blödesten Sprüche von VokuHila-Darsteller Joe Piscopo ertragen.“ Was zeigt, dass wir wahrscheinlich a) ein ähnliches Alter haben und b) ähnlich sozialisiert wurden.

– Und zum Schluss auf B-Roll ein Loblied auf einen unbesungenen Helden: Den unbekannten Filmvorführer.

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DVD-Rezension: “Der Killer von Wien”

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Die unglücklich verheiratete Julie Wardh macht eine schwere Zeit durch: Sie wird nach einer Affäre erpresst und ihr sadistischer Ex-Liebhaber stellt ihr noch immer nach. Gleichzeitig geht in Wien geht ein unheimlicher Mörder um, der junge Frauen mit dem Rasiermesser tötet. Dieser scheint es auch auf Julie abgesehen zu haben.

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Es ist schwierig objektiv einen Film zu besprechen, der einem recht viel bedeutet. Das erste Mal sah ich „Der Killer von Wien“ auf einem schraddeligen VHS-Tape, als x-te Kopie des schwedischen Tapes unter dem Titel „Next!“. Im falschen Format, voller Video-Laufstreifen, ab und an wurde das Bild schwarz-weiß und manchmal musste man raten, was man da gerade sieht, so unscharf war das Ganze mittlerweile. Trotzdem zog mich der Film in seinen Bann und so verbrachte ich die folgenden Jahre damit, an eine perfekte Fassung zu kommen. 2006 brachte Koch Media den „Killer von Wien“ auf DVD heraus und letztes Jahr im Februar erfüllte ich mir selber den ultimativen Wunsch: Diesen Film einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe zeigten wir im Bremer Kommunalkino eine tolle 35mm-Kopie aus dem Münchener Werkstattkino. Leider wurde – wie so oft – dies von meinen lieben Mitbürgern nicht besonders honoriert und so fanden sich nur wenige Interessierte zu diesem Ereignis ein. Für mich allerdings, war es trotzdem eines der schönsten Kinoerlebnisse überhaupt. Edwige Fenech in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit schaute mich von der Leinwand herab an und mein Herz schmolz.

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Nun ist die umwerfend schöne französisch-algerische Schauspielerin nicht der einzige Grund, weshalb „Der Killer von Wien“ in meinem persönlichen Kino-Pantheon einen relativ hohen Platz einnimmt, aber ein wichtiger. Für Edwige Fenech, Tochter eines maltesischen Vaters und einer sizilianischen Mutter, war der Film die erste echte dramatische Rolle, nachdem sie zuvor in vielen – vor allem deutsch co-produzierten – Sexkomödien mitgespielt hatte. Zum „Killer von Wien“ war sie gekommen, da sie zu diesem Zeitpunkt mit Luciano Martino zusammen war, der den Film seines Bruders Sergio produzierte. Die damals gerade 22-jährige Schauspielerin sollte auch in Martinos weiteren Gialli und generell in diesem Genre eine wichtige Rolle spielen, bevor sie Ende der 70er wieder vermehrt in Sexkomödien, wie den „Heißen Teens“-Filmen, zu finden war. „Der Killer von Wien“ zeigt dann auch gleich ihre ganz besondere Qualität, denn neben ihrer Schönheit besitzt sie auch eine enorme Präsenz und Autorität. Sobald sie die Szene betritt, zieht sie gleich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, und so damit sollte sie es auch später immer wieder schaffen, schwächere Filme allein durch ihre Anwesenheit zu adeln.

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Sergio Martinos Inszenierung ist bei „Der Killer von Wien“ zwar nicht so verspielt wie „Der Schwanz des Skorpions“, doch bereits hier setzt er innovativ die Kamera ein. Die elegante, scheinbar endlose Kreisfahrt um die Fenech, wenn sie einen Anruf des geheimnisvollen Erpressers erhält, nimmt schon das vorweg, wofür Brian de Palma oder Michael Ballhaus Jahre später berühmt wurden. Jeder Kamerawinkel stimmt, die Fenech wird nicht gefilmt, sondern förmlich zelebriert und die Morde haben eine derart wilden Intensität, die für die damalige Zeit (wir schreiben das Jahr 1970) noch unbekannt war. Zusätzlich wird viel Wert auf Design und Kostüme gelegt. „Der Killer von Wien“ ist mit seinen bunten, streng geometrischen Tapeten, Edwige Fenechs farbintensiven Kostümen und George Hiltons cooler Sonnenbrille ist einer der stylishsten, bestaussehensten Filme seiner Ära. Dies gilt vor allem auch für die stilvollen Rückblenden, in denen sich die Fenech und Ivan Rassimov in slow motion im Regen wälzen, oder eine Weinflasche zertrümmert wird und sich die Splitter in Zeitlupe wie ein Feuerwerk explodiert, um sich dann wie Sperma auf der nackten Signoria Wardh zu ergießen. Szenen, die man nicht wieder vergisst.

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Ein wichtiger Faktor, um den Film zu einem Highlight des italienischen Thrillers werden zu lassen, ist die grandiose Musik von Nora Norlandi, die später auch in Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol.2“ zu finden war. In einer der spannendsten Szenen des Filmes – wenn nicht auch des ganzen Genres – ist sie allerdings abwesend. Wenn Mrs. Wardh am Ende des Filmes in größter Lebensgefahr schwebt, verzichtet Martino darauf, die suspense per dramatischer Musik zu erzeugen, sondern verlässt sich ganz auf einen effektiven Schnitt und intensives Sounddesign.  Ein dröhnender Ton und der Herzschlag der Signora Wardh reichen aus, um die Spannung ins Unerträgliche zu steigern. Neben der Fenech als Mittelpunkt des Filmes, hat Martino auch ein vorzüglichen weiteren Cast vor der Kamera versammelt. Da ist einmal natürlich Ivan Rassimov, der hier wieder einmal mit seiner dämonisch wirkenden, leicht exotische Erscheinung, die Idealbesetzung für den unheimlichen, sadistisch veranlagten Ex-Liebhaber der Wardh ist. Aber auch Sunnyboy George Hilton, weiß in seiner etwas zwielichtigen Rolle zu gefallen. Nicht vergessen sollte man ferner Alberto de Mendoza als Mr. Wardh, der das Beste aus seiner scheinbar undankbaren Rolle herausholt.

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Sergio Martino etablierte sich mit „Der Killer von Wien“ als einer der Großmeister des italienischen Thrillers. Insbesondere mit dem mörderisch spannenden Finale dieses Filmes gelang es ihm, sich in den Köpfen und Herzen der Fans zu verankern.

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Nach der schon lange vergriffenen DVD von Koch Media, ist diese Doppel-DVD von filmArt, die als No. 4 ihrer Giallo-Reihe erschien, die zweite Veröffentlichung des „Killers von Wien“ in Deutschland. Für denjenigen, die den Film noch nicht im Regal stehen hat, ist die Anschaffung durchweg zu empfehlen. Die Frage ist, lohnt sich für Besitzer der Koch-Media-Scheibe der Neukauf? Nicht unbedingt. Beginnen wir mit den Extras. Die sehr interessante Doku „Dark Fears Behind The Door“ (31 Minuten) stammt von der  amerikanischen „No Shame“-DVD und war bereits auf der Koch-DVD enthalten. Die beiden Features „La bellissima musica della Signora Orlandi“ und das sehr entbehrliche „Austrofred – Tu felix Austria nude“ haben es nicht auf die filmArt-Scheibe geschafft. Dafür findet sich dort eine spannendes, halbstündiges Interview mit Sergio Martino, welches 2013 aufgenommen wurde und sich mit seiner Filmkarriere beschäftigt. Der Wermuts-Tropfen: Das selbe Interview war bereits auf der No.2 der filmArt Giallo Edition, „Der Schwanz des Skorpions“, enthalten. Dafür gibt es ein weltexklusives Feature, welches natürlich mein Herz höher schlagen lässt: Eine Abtastung der alten, deutschen 35mm-Kopie. Wahrscheinlich der selben, die wir auch in Bremen gezeigt haben. Natürlich sieht man dieser Kopie das Alter und sein „Leben“ deutlich an, aber das macht für mich gerade den nostalgischen Reiz aus. Aber das mag auch Geschmackssache sein. Wie sieht es mit Bild und Ton aus? Der Ton wurde gegenüber der Koch Media-DVD neu abgetastet und liegt gefiltert und ungefiltert vor. Zudem wurde auch noch die alte Abtastung mit auf die Scheibe gepackt. Letztere klingt etwas dünn, während sich mir die neue ein wenig zu dumpf anhört. Zwischen gefiltert und ungefiltert habe ich keinen großen Unterschied gehört, aber das mögen andere Ohren auch anders empfinden. Das Bild ist mit dem der Koch-Media-DVD identisch und hat für meinen Geschmack etwas wenig Kontrast und einen Hauch zu dunkel. Zum Vergleich mit der alten Koch-Media hier zwei Screenshots.

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Neue DVD von filmArt

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Alte DVD von Koch Media

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Originalfassungen in Bremen: 06.03.14 – 12.03.14

Auch diesmal ist die Liste nicht besonders lang, bietet mit dem neuen Wes Anderson aber ein echtes Highlight. Zu der Fortsetzung von „300“ schreibe ich hier mal lieber nichts, da ich den ersten Teil schon ziemlich öde fand. was mich völlig verwundert ist der scheinbar phänomenale Erfolg der türkischen Komödie „Recep Ivedik 4“, der noch immer mit voller Power in allen drei Multiplexen läuft.

300: Rise of an Empire – Cinemaxx, Do.-Mi., außer Mo. immer 21:30 – Der Regisseur des Erstlings, Zack Snyder, ist diesmal nur als Drehbuchautor dabei, aber Frank Miller hat wieder die Comic-Vorlage geliefert. Regie führt Noam Murro, der bisher nur eine Romantic Comedy mit Sarah Jessica Parker von 2008 in seiner Filmographie aufweisen kann. Der Cast setzt sich – bis auf die wunderbare Eva Green – aus eher unbekannten Namen zusammen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=2WrAw2-R_20[/youtube]

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Mi. 17:20, 20:00 und 23:10 & CineSpace Do.-Di. 20:15, 23:00, Sa. auch 12:20 und Mi. um 23:00 & CineStar, Do.-Mi. 13:50, 16:40, 20:10, sowie Do.-Sa. auch 22:50 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So. 19:00 und Mi. 21:15 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch. Tipp!

[youtube width=“630″ height=“330″]http://www.youtube.com/watch?v=_hL8HEzTNmU[/youtube]

Blau ist eine warme Farbe – City 46, Do./Sa./Mo./Mi. immer 19:00 – Der Gewinner der letztjährigen Filmfestspiele in Cannes. ein dreistündiges Epos über eine lesbische Liebe zwei sehr unterschiedlicher Frauen und die Probleme, die Beziehungen so mit sich bringen. Kontrovers aufgenommen wegen seiner expliziten Sexszenen, aber auch sehr gefeiert.

Der große Gatsby – City 46, Fr./Si. um 18:00 und So. um 20:30 – Baz Lurman nimmt sich in seinem typisch opulenten Stil einen der großen Klassiker der amerikanischen Literatur vor: “The Great Gatsby” von F. Scott Fitzgerald. Starbesetzt mit Leonardo diCaprio, Tobey Maguire und einer Schauspielerin, die mir seit “Shame” und “Drive” sehr ans Herz gewachsen ist: Die großartige Carey Mulligan.

Negative: Nothing – Step by Step for Japan – City 46, Di., 11.3. um 20:30 – Dokumentarfilm über den Schweizer Thomas Köhler, der – nachdem er in Japan nach der Tsunami-Katastrophe zu den freiwilligen Helfern gehörte – das Land zu Fuß durchwandert.

Und dann der Regen – Tambien la Lluvia – City 46, So., 9.3. um 18:00 – Drama um einen ambitionierten Regisseur, der bei den Dreharbeiten zu einem sozialkritischen Columbus-Film in Bolivien in reale Konflikte und Unruhen gerät. Mit Gael García Bernal.

Water Makes Money – City 46, Do., 6.3. um 20:00 – Dokumentarfilm über die Kapitalisierung der Wasserversorgung. Eintritt frei!

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 10.03. um 21:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 10.03. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (04-03-14)

bartonfink_type2Unverhofft kommt oft. Da einige meiner wochenendlichen Verpflichtungen der Weltpolitik zum Opfer fielen, habe ich ganz unerwartet etwas Luft bekommen. Und da zudem in der Filmblogwelt auch nicht so schrecklich viel los war, gibt es – entgegen meiner Ankündigung in der letzten Woche – doch noch ein, wenn auch verspätetes, „Bloggen der Anderen“.

– Den Anfang macht ein Artikel von Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide, der mir sehr am Herzen liegt. Wie manch einer bei meinem DVD-Rezensionen gemerkt hat, habe ich eine Schwäche für Jess Franco und arbeite mich gerade an seiner Erwin-C.-Dietrich-Phase ab. Da trifft es sich gut, dass sich Udo gerade das selbe Thema zur Brust genommen hat. Wer sich also etwas Näher mit diesen drei sehr produktiven Jahren beschäftigen möchte, findet hier einen guten Anfang.

– Das bringt uns dann zu Udos zweiten Blog L’Amore in città, wo er Enrico Maria Salerno, dem frühen Held des italienischen Polizeifilms, seinen Respekt bezeugt und den Film „Auf verlorenem Posten“ von Romolo Guerrieri mit einem besonderen Blick auf Salerno seziert.

– Dies wiederum hat Oliver Nöding auf Remember It For Later inspiriert, sich seinerseits mit Salerno und den, für das Genre des italienischen Polizeifilms wegweisenden, „Das Syndikat“ bespricht.  Und wo man gerade beim „Poliziesco“ ist, kann man sich auch noch seine Review zu „Die Kröte“ durchlesen, den ich hier ja auch schon mal am Wickel hatte.

– Wer in der Nacht vom Sonntag auf Montag schlafen musste und daher nicht die Oscar-Verleihung gesehen hat, kann einen detaillierten Bericht von Christin Ehlers auf Daumenkino lesen. Ebenfalls sehr spannend: Eine Arbeit von Rasmus Greiner von der Universität Bremen über Kriegs-Arbeit im Film.

– Neben den Oscars wurden auch die Césars vergeben. Französischer Film.de berichtet von der Verleihung des höchsten französischen Filmpreises.

– Der Außenseiter ist auf Final Frontier Film bei seiner Magical Mystery Tour im Jahre 1905 und „La Presa di Roma“ angekommen.

– 1944 drehte Hans Steinhoff den Film „Melusine“, der der deutschen Bevölkerung noch einmal etwas Ablenkung verschaffen sollte. Zur Kinoaufführung kam er dann aber nicht mehr und wurde erst im Rahmen der letzten Berlinale im Kino gezeigt. Lukas Foerster hat ihn gesehen und seine Gedanken auf Dirty Laundry zusammengefasst.

– Ganz große Klasse: Sven Safarow schreibt auf Eskalierende Träume über „DVD-Cover zum Davonlaufen“ und hat wirklich ein paar Prachtexemplare ausgegraben und in einen sehr unterhaltsamen Text gepackt.

– Michael Schleeh auf Schneeland über den indischen „Mahakaal“, der Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ nach Bollywood verlegt. Dazu kann ich jetzt nur eins sagen: ICH WILL DAS SEHEN!

– Ein sehr interessantes, wie ich finde nachahmenswertes Projekt: Das Filmarchiv Austria veranstaltet Filmscreenings im Rahmen ihres „Kino der Orte“-Projekts in sieben ehemalige Spielstätten, die nunmehr als Sex-Kinos, Schuhgeschäfte oder Büros dienen. Rainer Kienböck war dabei und stellt das Projekt auf Jugend ohne Film vor. Und in dem Essay „Stein auf Stein“ beschäftigt er sich mit Erinnerungen im Film.

– Wo steckt eigentlich Charlie Kaufman? Lange hat man nichts mehr von diesem genialen Autoren gehört. Dafür dreht sein Spezi Spike Jonesz wieder. Sein schräger „Her“ kommt demnächst in die Kinos und filmosophie hat sich ein wenig in den Film verliebt, wie sie auf ihrem Blog gesteht.

– „Who Killed the Romantic Comedy“ fragte Amy Nicholson in der LA Weekly und Drama Blog fasst ihren Artikel zusammen.

– Joachim Kurz hat auf B-Roll einen starken Artikel zum Thema Filmkritik und Online-Filmkritik geschrieben, welche Chancen es gibt und welche bisher liegen gelassen wurden.

– Der Intergalatic Ape-Man ist sehr stark in der Filmblogger-Szene aktiv und um ein Vernetzten der Blogs bemüht. Auf seinem Blog Intergalaktische Filmreisen beschäftigt auch er sich mit dem Printmagazine und ihre Opposition zu Filmblogs und Online-Journalismus.

– Apropos Vernetzten: real virtuality stellt passend zur Oscarverleihung den Blog „Die Academy“ vor.

– Noch mehr Vernetzung. Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich bei Schlombies Filmbesprechungen die Rubrik „Die Besprechungen der Anderen“ entdeckte. Das kam mir schon etwas bekannt vor und tatsächlich bezieht sich Schlombie bei seiner Rubrik expliziet auf „Das Bloggen der Anderen“, was er als große Inspiration empfunden hat. Wow, da fühle ich mich ja durchaus geehrt. Da Schlombie dort sich rein auf Filmbesprechungen konzentriert und dafür zum Teil auch Blogs und Filmseiten abgrast, die ich aus dem einen oder anderen Grund bewusst nicht beobachte, kann man das durchaus als Ergänzung zu dieser Rubrik hier ansehen.

Hard Sensations hat eine neue Autorin und Nadja Lambacher gibt ihren Einstand gleich mit der italienischen Horror-Anthologie „3 Faces of Terror“ von Fulcis Effekte-Mann Sergio Stivaletti. Leider ist das Ergebnis nicht durchgängig überzeugend. Also, das des Filmes, nicht des Artikels. Jamal Tuschik hat Tarkowskis Diplomarbeit „Die Straßenwalze und die Geige“ gesehen, von dem ich leider nur einen Ausschnitt kenne.

– Von Tarkowski zu den Schulmädchen. Deren dritten Report hat sich totalschaden auf Splattertrash vorgenommen. Was Eltern nicht mal ahnen!

– In meiner frühen Jugend, so zwischen 1982 und 1984, habe ich die klassischen britische Kriminalromane nicht gelesen, sondern förmlich verschlungen. Natürlich die roten Edgar-Wallace-Krimis in der Goldmann-Jubiläumsausgabe, aber auch Sayers, Chesterton, Queen und wie sie alle hießen. Und ganz oben thronte Agatha Christie. Um die Zeit habe ich wohl auch „Mord im Orient-Express“ das erste Mal gesehen und war sehr beeindruckt. 10 Jahre danach hat Annika Stelter den Film gesehen. Ihre persönliche Zeitreise beschreibt sie auf Die Filme, die ich rief.

– W.C. Fields ist auf meiner persönlichen Filmlandkarte noch immer ein weißer Fleck. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen seiner Filme gesehen zu haben. Darüber gelesen, ja. Aber gesehen, leider nein. Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte ist mir da voraus, denn er sah „Gib keinem Trottel eine Chance“.

– Es ist und bleibt eine große Schande, dass der deutsche Genrefilm der 70er Jahre auch heute noch bei vielen Filmfreunden auf seine Wiederentdeckung wartet. Dabei muss er sich nicht vor den italienischen Vorbildern verstecken. Schon gar nicht, wenn die Italiener ihre Finger im Spiel hatten – wie bei Jürgen Rolands „Zinksärge für die Goldjungen“, den Björn Helbig auf Yzordderrexxiii bespricht.

– Bei der Stubenhockerei gibt es wieder etwas zu entdecken. So den Experimentalfilm „Introspection“ von Sara Kathryn Arledge.

– Alain Resnais ist tot. Er starb mit 91 Jahren. Bei der diesjährigen Berlinale hat er erst vor drei Wochen für seinen neuen Film den Alfred-Bauer-Preis für Filme, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen, erhalten. Das sagt schon einiges über Resnais und seine Art Filme zu machen aus. Hier einige Nachrufe auf den Meister. Patrick Wellinski auf B-Roll. Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog. Und Sebastian Schubert auf Das Magazin des Glücks, nebst Besprechung von „On connaît la chanson“.

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Filmbuch-Rezension: Paul Drogla „Vom Fressen und Gefressenwerden“

vom fressen droglaDenkt man an Kannibalen-Filme, hat man zugleich die italienischen Schocker aus den späten 70ern und frühen 80ern vor Augen, die derartig drastisch die Dekonstruktion und das Verschlingen des menschlichen Körpers zeigen, dass sogar hartgesottene Splatterfreunde diesen Auswüchsen des italienischen Exploitationkinos eher skeptisch gegenüberstehen. Zwar ist Ruggereo Deodatos „Cannibal Holocaust“ heutzutage weitgehend als wütendes Meisterwerk des provokanten und schockierenden Extremkinos anerkannt, die weiteren Vertreter werden aufgrund der selbst-zweckhaften „Tiersnuff“-Szenen, dem latenten Rassismus und der überzogenen Ekeleffekte überwiegend abgelehnt.

Dabei ist die Figur des Kannibalen aber schon sehr viel älter und vielschichtiger, wie Paul Drogla in seinem Buch „Vom Fressen und Gefressenwerden – Filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen“ aufzeigt. Tatsächlich ist es heute strittig, ob es die aggressiven Wilden, die sich vom Fleisch anderer Stämme ernähren, in dieser Form tatsächlich gegeben hat. Vieles basiert auf Hören und Sagen; Erzählungen von Entdeckern, die diese wiederum von Eingeboren übernommen haben. Ob diese Schreckensgeschichten nun der Wahrheit entsprechen oder nur genutzt wurden, um die Fremden zu verschrecken, bzw. die anderen Stämme zu verteufeln, ist bis heute ein Streitpunkt unter den Gelehrten.

Für die mediale Figur des wilden Kannibalen – „zivilisierte“ Menschenfresser, wie einen Dr. Hannibal Lector und seine realen Vorbilder, klammert Drogla bei seiner Betrachtung bewusst aus – ist dies auch in soweit unerheblich, als diese aus den exotischen Berichten aus ferner Ländern entstand, die im damaligen Europa förmlich aufgesogen wurden. Und so setzt Drogla auch den bekanntesten wilden Kannibalen der Literaturgeschichte – Freitag aus Daniel Defoes „Robinson Crusoe“– an den Anfang der medialen Verwertung und Formung dieser Figur und widmet ihm ein ganzes Kapitel seiner Arbeit. In diesem untersucht er, wie sehr diese fiktive Gestalt noch heute unser Bild vom wilden Kannibalen prägt. Interessanterweise weist er auch nach, dass die Figur des wilden Kannibalen eine solche Popularität erreichte, dass er bereits in der Frühzeit des Films, u.a. 1899 in „Bringing Home A Friend For Dinner“ oder wenige Jahre später bei Méliès, auftauchte.

Grundsätzlich haben sich, so die Hauptthese Droglas, gerade durch die verschieden Inszenierungen im Film, sechs unterschiedliche Stereotypen des wilden Kannibalen entwickelt, die er wie folgt kategorisiert. 1. Der „edle Wilde“ für den exemplarisch der „Freitag“ aus der Robinsonade steht, 2. Der wilde Menschenfresser auf fiktionaler Basis, wie man ihn als Bedrohung in diversen Abenteuerfilmen kennt, 3. Der komödiantische Kannibale, der als Klischee in Komödien und vor allem Cartoons auftaucht, 4. der pseudo-dokumentarische Wilde, wie man ihn in den Mondofilmen vorfindet (insbesondere „Guinea Ama“ sei hier erwähnt, der sich in Teilen auch in Bruno Matteis Zombiefilm „Hölle der lebenden Toten“ wiederfindet, 5. Die rohe und bestien-artige Variante, die den wilden Kannibalen als Monster inszeniert, und die man dann in den eingangs erwähnten italienischen Kannibalen-Filmen wiederfindet, und letztendlich der 6. historisch fundierte Kannibale, welcher in Historienfilm wie Ridley Scotts „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ auftaucht.

Seine These untermauert Paul Drogla mit zahlreichen Filmbeispielen. Hierbei ist es sehr interessant, wie insbesondere beim „Komödien-Kannibalen“ einige wenige Insignien (Knochen im Haar, Speer, großer Kochtopf) ausreichen, einen Wilden als Kannibalen zu charakterisieren, ohne dessen anthropophagen Neigungen zu verdeutlichen. Tatsächlich ist laut Drogla die Figur des wilden Kannibalen vor allem eine, die seit Jahrhunderten durch die Medien geformt und immer wieder neu inszeniert wurde, ohne das es hierfür konkrete historischen Grundlagen gäbe. Eine spannende Erkenntnis, denn das Bild des wilden Kannibalen hat sich durch seine verschiedenen Inszenierungen im Film bereits so in der Gesellschaft verfestigt, dass sie als „echt“ und historisch akkurat akzeptiert ist. Dies gilt insbesondere für die Inszenierung des von Drogla eingeführten Typen des „historisch fundierten Kannibalen“, dem in der realen Welt wahrscheinlich ebenso die Basis fehlt, wie dem „Cartoon-Kannibalen“.

„Vom Fressen und Gefressenwerden“ ist meines Wissens nach das erste deutschsprachige Buch, welches sich explizit wissenschaftlich mit dem Bild des wilden Kannibalen im Film beschäftigt. Dieser tauchte – zumindest in der Filmliteratur – bisher eher als Nebenfigur in Büchern über italienischen Genrefilme auf. Das Büchlein „Kannibalen!“ von Aron Boone, kann zwar mit vielen bunten Bildern aufwarten, ist allerdings in einem nichtssagendem und marktschreierischen Fan-Sprech geschrieben. Illustrierende Bilder fehlen in „Vom Fressen und gefressen werden“ komplett, aber das Buch ist auch eine wissenschaftliche Abhandlung über die filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen und mitnichten ein Buch über Kannibalen-Filme. Dies sollte dem potentiellen Leser vorab bewusst sein.

Bei dem Buch handelt es sich um die punktuell erweiterte wissenschaftliche Arbeit, die zur Erlangung des ersten Staatsexamens an der Technischen Universität Dresden vorgelegt wurde. Dies merkt man an der sehr trockenen und formelhaften Einleitung, mit der dem Anspruch des wissenschaftlichen Betriebes seine Schuldigkeit erwiesen wird, und den zahlreichen Fußnoten. Sobald Paul Drogla aber tief in das Thema seiner Arbeit eintaucht, gelingt es ihm, den Leser auf sprachlich hohem, aber verständlichen Niveau, souverän durch seine Arbeit zu führen, und seine Schlussfolgerungen klar begreiflich zu machen.

Paul Drogla: „Vom Fressen und Gefressenwerden – Filmische Rezeption und Re-Inszenierung des wilden Kannibalen“, Tectum Verlag, 154 Seiten, € 19,95

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Originalfassungen in Bremen: 27.02.14 – 05.03.14

Die Liste sieht in dieser Woche erfreulich lang aus, was vor allem an dem 9. Brasilianischen Filmfestival im Kommunalkino liegt. Sehr überraschend ist für mich der scheinbar umwerfende Erfolg der türkischen Komödie „Recep Ivedik 4“, die jetzt im Cinemaxx, CineStar und Cinespace mit mehreren Vorstellungen am Tag läuft. Ansonsten sehe ich leider keine wirklichen Highlights, außer vielleicht „Philomena“, über den ich einiges Gutes hörte.

Philomena – Cinemaxx, Mi., 5.3. um 20:00 – Die 70-jährige Philomena Lee (Judi Dench) macht sich zusammen mit dem Journalisten Martin (Steve Coogan) auf die Suche nach ihrem Sohn, den musste sie vor 50 Jahren zur Adoption freigeben musste. Ein Oscar-Kandidat von Stephen Frears.

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Pompeii 3D – Cinemaxx, Di., 4.3. um 21:15 – „Resident Evil“-Macher Paul W.S. Anderson probiert sich diesmal ohne seine Muse Milla Jovovich an einem Historienfilm. Zombies gibt s diesmal auch nicht, dafür einen Vulkanausbruch, Gladiatoren und eine Romeo & Julia-Geschichte.

American Hustle – Cinemaxx, Fr., 28.2. um 21:15 – David O. Russell ist einer der spannendsten Regisseure des neuen Hollywood-Kinos. Daher kann man gespannt sein auf sein neustes Werk, welches in den 70er Jahren spielt und mit Christian Bale und Bradley Cooper besetzt ist. Es geht um ein Gaunerpärchen, das von einem eifrigen Polizisten einen verlockenden Deal angeboten bekommt. Ein weiterer Oscar-Kandidat!

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Mi. um 14:00/17:20/20:10/23:10 & Cinespace Do.-Mi. um 14:30/17:00/20:15/22:15 (Sa./So. auch 12:30) & CineStar Do.-Mi. 13:50/16:40/19:40 (So. 13:00 und Fr./Sa. auch 22:40) – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Monuments Men – Cinemaxx, So., 2.3. um 21:15 & Schauburg, So./Mi. um 21:15 – Fünfte Regie-Arbeit von George Clooney, der zusammen mit einigen seiner Kumpels auch die Hauptrolle übernimmt. Es geht um eine Spezialeinheit im 2. Weltkrieg, in der Kunstwissenschaftler und Museumsdirektoren im Kriegsgebiet Kulturgüter vor der Vernichtung durch die Nazis retten sollen.

Cloudburst – City 46, Fr./Di. um 20:30 und Sa./So. um 18:00 – US-amerikanisches Road-Movie um ein lesbisches Pärchen, welches seit drei Jahrzehnten zusammenlebt. Als die eine aufgrund eines Betruges ihrer Enkelin in ein Altersheim muss, wird sie von der anderen „entführt“ und gemeinsam machen sie sich auf nach Kanada, um dort zu heiraten.

Der große Gatsby  – City 46, Di., 4.3. um 15:30 – Baz Lurman nimmt sich in seinem typisch opulenten Stil einen der großen Klassiker der amerikanischen Literatur vor: “The Great Gatsby” von F. Scott Fitzgerald. Starbesetzt mit Leonardo diCaprio, Tobey Maguire und einer Schauspielerin, die mir seit “Shame” und “Drive” sehr ans Herz gewachsen ist: Die großartige Carey Mulligan.

Das Glück der großen Dinge – City 46, Do./Sa./So. um 20:30 und Mo./Mi. um 18:00 – US-amerikanischer Spielfilm mit Julianne Moore und Alexander Skarsgard, um ein sechsjähriges Mädchen, das mit ansehen muss, wie die Ehe ihrer Eltern zerbricht, und sie zum Spielball im Scheidungsprozess wird.

Der Kapitän und sein Pirat – Do./Fr./Di. um 18:00 und Mo./Mi. um 20:30 – Doku über die Piraten vor Somalia und für den Fall der »Hansa Stavanger« 2009. Stavanger-Kapitän Krzysztof Kotiuk und der jungen Somalier Ahadu, Anführer der Piraten, erzählen im Wechsel die Geschichte. Am Donnerstag mit Einführung und Diskussion.

Das Sprungbrett – City 46, So./Mi. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um den 12-jährigen Deos und seinen 10-jährigen Freundes Felizardo, die in einem Armenviertel täglich ums Überleben kämpfen und nach einem folgenschweren Zwischenfall beschließen, einem Kinderschänder den Gar aus zu machen. CINEBRASIL

Der Wirbel – City 46, Do., 27.2. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um die 81-jährige Bastú, die von geheimnisvollen Erscheinungen heimgesucht wird, und daraufhin beschließt, die Habseligkeiten ihres verstorbenen Mannes in das Dorf seines Bruders zu bringen. CINEBRASIL

Es war einmal – City 46, Mo., 3.3. und Di., 4.3. um 20:00 – Brasilianischer Spielfilm um einen Mann aus der Favela Cantagalo, der am Strand von Ipanema Hot Dogs verkauft und versucht, nicht in die Gewalt in seinem Viertel hineingezogen zu werden. Dabei verliebt er sich in ein Mädchen aus gutem Hause. CINEBRASIL

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 03.03. um 21:15

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 03.03. um 21:45

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DVD-Rezension: “Die Sklavinnen“

sklavinnenMartine (Martine Stedil), die Tochter des Millionärs Radeck (Vítor Mendes) wurde entführt. Obwohl Radeck das geforderte Lösegeld von fünf Millionen Dollar zahlte, bleibt seine Tochter verschwunden. Die Spur führt zur Besitzerin des Edel-Bordells „Pagode“, Madame Arminda (Lina Romay), die allerdings gerade im Gefängnis sitzt, weil sie ihre Mädchen mit Drogen gefügig macht und gegen ihren Willen festhält. Um herauszufinden, was mit seiner Tochter und dem Lösegeld passiert ist, organisiert Radeck Armindas Flucht, um sie dann von seinem Handlanger (Jess Franco) foltern zu lassen. Der Plan geht auf: Arminda beginnt zu erzählen…

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Die Sklavinnen“ ist ein weiter Film aus der Ära, in der der spanische Kultregisseur Jess Franco für den Schweizer Filmproduzenten Erwin C. Dietrich Filme am Fließband produzierte. Die Rollen waren immer gleich verteilt: Dietrich steuerte unter dem Pseudonym „Manfred Gregor“ das Drehbuch bei, Franco inszenierte und die beiden Baumgartners, Peter und Walter, waren für die Kamera bzw. die Musik zuständig. Bei einem Ausstoß von bis zu sieben Filmen im Jahr und den selben Leuten hinter – und zumeist auch vor – der Kamera, ist es nicht verwunderlich, wenn diese Filme einige Ähnlichkeiten aufweisen und in der Rückschau auch ineinander verschwimmen. Immer geht es um Frauen, die irgendwo gefangengehalten werden (hier in der „Pagode“, dem Edel-Bordell von Madame Arminda) und gerne wird noch eine rudimentäre Krimi-Handlung integriert. Besonders auffällig ist allerdings die gewaltige Misanthropie, mit der Dietrich seine Drehbücher ausstattet. So wählt er oftmals Enden, die wenige Anlass auf Hoffnung geben und den Zuschauer eher runter ziehen, statt ihm ein Happy End zu gönnen.

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In „Die Sklavinnen“ treibt diese pessimistische Weltsicht ihre ausgeprägtesten Blüten. Als Erzählerin, und damit Identifikationsfigur für den Zuschauer, wird ausgerechnet die skrupellose Puffmutter Arminda gewählt. Diese lamentiert dann darüber, dass sie ein so schweres Schicksal habe und ihre Geliebte ja unter Drogen setzen und ins Bordell abschieben musste, weil es nun einmal so zu sein hätte. Dieser Zynismus ist schon bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, dass „Die Sklavinnen“ keinerlei positive Hauptfiguren kennt. Nun könnte man Martine Radeck als solche bezeichnen, doch schaut man genau hin, dann ist auch sie selbstsüchtig und beginnt nur eine Affäre mit Madame Arminda, um ein wenig an deren Macht partizipieren zu können. Das Schicksal der Mädchen in der Pagode ist ihr ziemlich egal. Tatsächlich gib es nur zwei Figuren, die eine menschliche Regung zeigen. Einmal die von Peggy Markoff gespielte Vicky, die versucht Martine zu retten, und dann mit Abstrichen der von Franco persönlich gespielte Handlanger des Radeck, der zwar auch eine gewisse Brutalität an den Tag legt, dem aber auch die finale Einstellung gehört, in welcher sein Gesicht die Resignation vor der Niedertracht der Menschen widerspiegelt.

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Wie so oft wirkt Francos Film über weite Strecken, als wäre er nur die Inhaltszusammenfassung eines anderen Filmes. Alles, was nicht unbedingt wichtig ist, wird weggelassen, und viele Dinge entweder nur behauptet oder als bekannt vorausgesetzt. Wenn sich Lina Romay am Anfang von einer Festungsmauer abseilt, wird einfach unterstellt, dass diese jetzt zu einem Gefängnis gehört. Das muss nicht noch einmal gezeigt werden. Auch das Madame Arminda ein prunkvolles Bordell mit vielen hundert Mädchen führt, wird zwar behauptet, aber durch das Bild nie bewiesen. Es ist auch unwichtig für die Handlung und ein solcher optischer Beweis würde nur Geld kosten. Oftmals greift Franco auch konsequent auf Stereotype und Handlungen zurück, die man aus der Filmgeschichte – oder Francos eigenem Oeuvre – zu genüge kennt. Da muss nichts erklärt oder plausibilisiert werden, weil sich durch die Filmerfahrung des Zuschauers die Handlung in seinem Kopf formt. Ganze Handlungsabschnitte werden einfach übersprungen und dem Zuschauer lediglich das Resultat gezeigt. Hier ist der Erzähler Franco eben auch ein Meister der Ökonomie. Das Fett vom Braten wird radikal weggeschnitten und auf die blanken Knochen dann viel nacktes Fleisch gehangen.

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Als böse Madame Arminda macht Lina Romay im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur. Da Arminda als Identifikationsfigur aufgebaut wird, ist Lina Romay eine gute Wahl, denn sie bringt – bis auf Ausnahmen wie „Greta – Haus ohne Männer“ wo sie auch rein äußerlich verändert auftritt – immer auch etwas naiv-begeistert Liebenswertes mit. Mit einer Monica Swinn z.B. hätte diese doppelbödige Rolle nicht unbedingt funktioniert. Ihr zur Seite steht die ausgesprochen hübsche Martine Stedil, die an die junge Brigitte Lahaie erinnert. Martine Stedil ist als Schauspielerin interessanterweise nur in Franco/Dietrich-Filmen aufgetaucht. Zwischen 1975 und 1977 brachte sie es auf fünf Auftritte. Nach „Die Sklavinnen“ verschwand sie dann spurlos von der Bildfläche, und es war mir nicht möglich gewesen, irgendetwas über ihren weiteren Werdegang in Erfahrung zu bringen. Aber es ist ja für Franco durchaus typisch, dass es einen Kern von Schauspielern gibt, die ausschließlich mit ihm drehen – und dies oftmals über lange Jahre – und deren Filmographie dann irgendwann abrupt abbricht. Ich vermute einmal, dass viele nur aus persönlicher Freundschaft zu Franco in seinen Filmen auftraten und ansonsten keine weiteren Ambitionen auf eine große Filmkarriere hegten.

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„Die Sklavinnen“ ist ein weiterer Titel aus der Franco/Dietrich-Ära, der mit kleinem Geld eine zutiefst zynische und pessimistische Krimigeschichte um eine scheinbar entführte Millionärstochter, einer gierigen Jagd nach dem Lösegeld und Betrug auf allen Fronten erzählt. Mit Lina Romay und Martine Stedil ist das Filmchen dabei überaus attraktiv besetzt. Das Drehbuch weißt zwar große Lücken auf, doch diese überspringt Franco mit dreistem, aber auch sehr ökonomischem Pragmatismus und stopft diese mit viel nackter Haut zu.

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Die DVD weist ein gutes Bild auf, dessen Schärfe allerdings auch oftmals einen guten Blick auf diverse Hautunreinheiten freigibt. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor. Extras gibt es bis auf den Trailer und eine Bildgalerie, sowie ein 40-minütiges Audio-Interview, welches Hans D. Furrer am 17.06.1976 mit Jess Franco im Hotel Gregory in Zürich geführt hat. Das Interview ist auf französisch mit deutschen Untertiteln.

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Das Bloggen der Anderen (24-02-14)

bartonfink_type2Fangen wir an mit dem letzten Nachklapp zur Berlinale. Und mit der Ankündigung, dass „Das Bloggen der Anderen“ nächste Woche aufgrund von familiären Verpflichtungen ausfallen wird.

– Auf Negativ führt Michael Schleeh sein Berlinale Diary weiter. In Teil 4 hat der u.a. den deutschen „Zwischen zwei Welten“ gesehen, den er „schlimm und peinlich“ fand.  Den Abschluss sei es Berichtes stellen in Teil 5 dann das Ranking aller 30 von ihm gesehen Filme.

– Jennifer Borrmann schreibt auf B-Roll über die Retrospektive der Berlinale, die sich mit Licht und Schatten auseinander gesetzt hat. Allein die Bilder machen einem da schon den Mund wässerig.

– Michael Kienzel erinnert auf critic.de an einen japanischen Regisseur, der im Forum der Berlinale vorgestellt wurde und ungerechtfertigterweise relativ unbekannt geblieben ist: Noboru Nakamura. Drei seiner Filme aus den 50ern wurden gezeigt und hier besprochen.

– Lukas Foerster bespricht auf Dirty Laundry auch noch zwei Filme, die auf der Berlinale liefen. „A Dream of Iron“ aus Korea von Kelvin Kyung Kun Park und der rumänische „The Second Game“ von Corneliu Porumboiu.

– dennis von filmosophie kennt die Berlinale sowohl als Fachbesucher, wie als Presse-Akkreditierter und hat einen schönen Bericht über beide Erfahrungen geschrieben.

– Hannes Brühwiler hat für Revolver noch einmal vier Filme besprochen, die für ihn zu den Highlights der Berlinale zählten.

– Nur bedingt „Berlinale“ und auch kein Filmblog. Trotzdem finde ich den langen Bericht von Christian Hempel von traumfalter filmwerkstatt über die zweite, sogenannte „Genrenale“ sehr interessant und in seiner Ausführlichkeit sicherlich für den einen oder anderen hier von Interesse.

Das war es nun mit der Berlinale.

– Herzlichen Glückwunsch an den Blog real virtuality, der sein 5-jähriges feiert.

– Annika Stelter von Die Filme, die ich rief hat sich einen meiner Lieblingsfilme angesehen: „The Wild Bunch“. Sie mochte ihn, wenn auch nicht uneingeschränkt. Interessant hier mal eine weibliche Perspektive zu lesen, denn obwohl sie den Film gut fand, liegen ihre Gründe dafür doch auf anderen Schwerpunkten, als ich sie setze. Ist wohl ein guter Film für ein typisches Mann-Frau-Ding.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de Kim Ki-Duks „Moebius“ besprochen und kommt zu dem Schluss: „So grotesk, unpersönlich und symbolüberladen, dass der Film irgendwann mehr anstrengt als dass er fesselt“. Klingt trotzdem spannend.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat den herrlichen Quatsch „Zombies unter Kannibalen“ gesehen, fand den aber gar nicht lustig – ganz im Gegenteil. Und auch eine meiner „guilty pleasures“ „Der Triebmöder“ aka „Das Schloss der blauen Vögel“ kommt nicht gut weg.

– Letztes Jahr haben wir im Rahmen unser Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino Bremen den Film „Mondomanila“ des philipinischen Regisseurs Khvan gezeigt und der hat das Hsaus ordentlich gerockt, aber auch für verstörte Gesichter gesorgt. Alex Klotz hat nun den Nachfolger „Misericordia: The Last Mystery of Kristo Vampiro“ gesehen und schreibt auf Hard Sensations: „Er kotzt die Bilder spontan aus, ohne vorher großartig über sie nachzudenken, was ihn auch erst zum Hoffnungsträger des wahrlich wilden Weltkinos fernab aller Arthouse-Befindlichkeiten werden liess.“ Ich freue mich schon. Mit etwas Verspätung erfreut uns Silvia Szymanski mit ihrem sehr ausführlichen Bericht vom letzten Hofbauer-Kongress. Wie alles, was Silvia in ihrem unnachahmlichen Stil verfasst: Höchst lesenswert.

– Sano Cestnik auf Eskalierende Träume über bereits verfügbare und hoffentlich irgendwann kommende Veröffentlichungen von Rudolf Thomes Filmen.

– Demnächst erscheint bei Camera Obscura der Giallo „Neun Gäste für den Tod“. Ich habe auch schon höflich nach einem Rezensionsexemplar angefragt, um meinen Lesern eine Besprechung dieses Filmes anbieten zu können. Leider habe ich noch keine Antwort, kann aber in der Zwischenzeit auf Udo Rotenbergs Artikel über den Film auf L’amore in cità verweisen.

– Ebenfalls sehr spannend und lesenswert: Udo auf Grün ist die Heide über das Frühwerk des Erotik-Pioniers José Bénazéraf 1963 bis 1974. Von dem kenne ich bisher nur „Black Love“ und das Ferkel-Spätwerk. Noch eine Lücke, die dringend geschlossen werden muss.

– Es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken. So hat Manfred Pollack sich auf Whoknows presents der venezolanischen Dokumentarfilmern Margot Benacerraf angenommen, die nur zwei Filme drehte (ein dritter über Picasso ist verschollen). Spannend.

– Von Fernando di Leos Film „Avere vent‘ anni“, der in Deutschland „Oben ohne, unten Jeans“ hieß, habe ich schon viel interessantes gelesen. Oliver Nödings Review auf Remember It For Later bestätigt mich darin, dass ich diesen Film unbedingt sehen sollte, denn Oliver schreibt: „Di Leo hat viele fantastische Filme gedreht, vielleicht ist dieser seine Meisterleistung. Herausfordernd, originell und absolut niederschmetternd, ist es von denen, die ich bisher kenne, sein konzeptionell spannendster, radikalster und mutigster. Unbedingt ansehen. Man vergisst AVERE VENT’ANNI nie wieder.“

– Andreas Köhnemann bespricht auf screenshot vier Filme aus dem diesjährigen Sundance Festival-Programm, die sich alle vier mit dem Erwachsenwerden beschäftigen.

– Der Tango gehört zu Finnland wie Wodka und Melancholie. Was jetzt erst wieder eine spielerische Doku namens „Mittsommernachtstango“ beweist, die Frank Schmidke auf cineastic.de bespricht. Peter Gutting schreibt im selben Blog über die deutsche Komödie „Love Steaks“, die letztes Jahr auf dem Filmfest München für Furore gesorgt hat.

– „Love Steaks“ hat auch filmosophie von filmosophie nachhaltig beeindruckt. Sie nennt ihn „eine Art Pop-Oper“ und schreibt: „Love Steaks könnte der Anfang von etwas ganz Großem sein. Nicht nur von einer großen Karriere des Regisseurs, sondern auch von einer deutschen Filmströmung, auf die wir endlich mal wieder richtig stolz sein können.“ cutrin hat „Monuments Men“ gesehen und bedauert sehr, dass sie kein gutes Haar an diesem Werk lassen kann.

– Drehli Robnik sieht das auf filmgazette genauso und vergibt für „Monuments Men“ glatte 0/10 Punkte.

– So streng ist Miriam Eck auf Daumenkino nicht mit „Monuments Men“. Sie fordert „Geschichtsbuch weglegen und Popcorn raus!“.  Philipp Fust hat Abbas Kiarostamis neuen Film „Like someone in love“ gesehen, den er einen „dichten wie vereinnahmenden Dekonstruktionsfilm“ nennt.

– Auf Jugend ohne Film macht sich Rainer Kienböck anlässlich einer Vorführung von „Triumph des Willens“ gekoppelt mit „Flaming Creatures“ Gedanken darüber, warum erstgenannter Film nicht besessen werden darf.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood zusammengetragen.

– Ein Nachzügler zu den „Das finstere Tal“-Reviews in der letzten Woche: Björn Schneider von Filme Welt hat er auch sehr gut gefallen.

– Ganz tief in die Geschichte des Bollywoodfilms taucht Michael Schleeh auf Schneeland ein. Er schreibt über den 1943 Film „Kismet“, den er sehr schön fand. Gleichzeitig erfährt man etwas über das indische Kino in den 40ern.

– Oha, ein Greenaway, den ich nicht nur nicht gesehen, sondern von dem ich vielmehr noch nicht einmal etwas gehört habe. Das macht mich neugierig! Also flugs auf Stubenhockerei gegangen, über „Death in the Seine“ gelesen und den Film auf meine Wunschliste gepackt.

– Giallo-Time auf Intergalaktische Filmreisen. Der Ape-Man schreibt über „Blutspur im Park“ von einem der eher unbekannteren, aber nichtsdestotrotz wichtigen Regisseure Italiens: Duccio Tessari. Hier spielt einmal nicht sein Stammschauspieler Giuliano Gemma, sondern der unverwüstliche Helmut Berger die Hauptrolle. Einen Geheimtipp aus deutschen Landen hat er auch noch: „Der Satan lockt mit Liebe“ aus der Wolf-C.-Hartwig-Schmiede, den er eine „Liebeserklärung an den Film noir“ nennt.

– Durch den Ape-Man bin ich auf den Blog ERGOthek aufmerksam geworden, wo sich die Bloggerin die Sinnfrage stellt. Wozu blogge ich eigentlich? Interessiert das jemanden? Könnte ich mit meiner Zeit nicht etwas besseres anfangen? Das schlechte Gewissen, wenn man mal gar nichts schreibt oder noch Themen hat, zu denen man einfach nicht kommt. Also alles Dinge, die wir Blogger uns sicherlich auch sehr häufig stellen. Ich tue es jedenfalls und darum spricht mir der Text durchaus aus dem Herzen. Vor allem, wie wichtig es ist Feedback zu bekommen oder wenigstens ein wenig Anerkennung für das was man da macht. Sei es durch Kommentare, „Likes“ bei Facebook oder – finde ich besonders schön – eine Verlinkung in der Blogroll.

– Letzte Woche hatte ich für „Das finstere Tal“ einige Reviews gebündelt, da dieser Film von sehr vielen Blogs besprochen wurde. Diese Woche haben wir die gleiche Situation – sogar noch im größeren Ausmaß – mit „Nymph()maniac“, weshalb ich wieder so vorgehe, die Reviews hierzu zusammenzufassen. Auf filmgazette gibt Janis El-Bira 10/10 und schreibt „Daraus kündigt sich schon nach „Volume I“ die aberwitzigste Großfilmtat seit langem an: Ein erotoman-nietzscheanisch-katholischer Bildungsroman in allgemeiner Absicht.“ Jamal Tuschik auf Hard Sensations mag den Film auch und schreibt: „Mich beeindruckt diese in Plastik geschlagene Liturgie für den Hausgebrauch und alle Fälle, vom Gebet bis zur Gestik.“. Auch cutrin von filmosophie ist sehr angetan: „Nymphomaniac Volume One wirkt zu jedem Zeitpunkt seltsam rau und unfertig – und doch angenehm konzise und stringent durcherzählt, zusammengehalten durch die Rahmenhandlung.“ Sebastian Selig wird angesichts des Filmes aus Negativ geradezu lyrisch: „Kino als Freiheitskampf. In welchem sich all der gehörige Wagemut, all die Tapferkeit, dann umso lustvoller am Ende eben doch noch auszahlt. Strahlend bunter Sonnenaufgang. Ich komme. Aus dem Dunkeln. Dem Knistern und Knacken eines dunklen Kinosaals heraus mit all seinen dort in 110 Jahren Filmgeschichte festgetrockneten Spermaflecken.“. Etwas nüchterner, aber nichtsdestotrotz vom Film überzeugt schreibt Ronny Dombrowski auf cinetastic: „sondern vielmehr eine ausgeklügelte und fein gezeichnete Charakterstudie einer Frau die von Zweifeln und Selbsthass gezeichnet ist. Ein typisch provokanter Lars von Trier den man gesehen haben sollte.“ Nach all den Lobeshymnen zum Abschluss noch ein paar kritische Worte von Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film: „Am Ende bleibt der fade Beigeschmack eines manipulierenden Stück Provokation, einer filmischen Masturbation, die in einer Gleichgültigkeit versinkt, die sie selbst auf keinen Fall möchte.“

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Blu-ray-Rezension: “Basket Case”

Basket Case - White EditionEinst wurde Duane Bradly gegen seinen Willen in einer illegalen Operation von seinem missgestalteten siamesischen Zwilling Belial getrennt und dieser im wahrsten Sinne auf dem Müll geworfen. Doch Duane rettete seinen Bruder. Jahre später macht sich Duane zusammen mit Belial, den er in einem Weidenkorb versteckt hält, auf nach New York, um an den Ärzten, die für ihr Schicksal verantwortlich waren, blutige Rache zu nehmen.

Irgendwann in den frühen 90ern sah ich mit einem guten Freund zusammen einen Film namens „Frankenhooker„, der uns beide nicht begeisterte. Im Gegenteil, wir ärgerten uns damals, was wir uns da für ein Schrott aus der Videothek mitgebracht hatten und machten uns über den Namen des Regisseurs, Frank Henenlotter, lustig. Wenn jemand schon so heißt, so unsere These, könne da ja auch kein gescheiter Film rauskommen. Etwas später landete „Basket Case“ im Player und als in den Titel der Regisseur genannt wurde, wurden unsere Gesichter zunächst lang und nach der Sichtung sogar noch länger. Wieder hatte uns der „Hennen-Lothar“ einen Film vorgesetzt, mit dem wir so gar nichts anfangen konnten. Heute, ungefähr zwei Jahrzehnte nach diesen nächtlichen Video-Sessions, muss ich zu unserer Ehrenrettung sagen, dass wir noch jung waren und zudem die verstümmelten Videofassungen der Filme sahen. Gerade im Bezug auf „Basket Case“ geschah mit uns also genau das, was Frank Henenlotter in der schönen Doku zur „Baske Case“-Trilogie erzählt. Beim Kinostart des Filmes in den USA hatte der Verleiher alle blutigen Szenen herausgeschnitten und den Film als reine Komödie verkaufen wollen. Niemand wollte den Film sehen. Erst als die blutigen Stellen wieder eingefügt wurden, standen die Leute vor den Grindhouse-Theatern Schlange. Damals hatte „Basket Case“ also bei mir nicht gezündet. Wie sieht es heute aus, wo die ungekürzte Fassung sogar auf Blu-ray vorliegt?

Um es vorweg zu nehmen: Sehr viel besser. Heute weiß ich die billige, aber leidenschaftliche Machart des Streifens zu würdigen. Ebenso den amateurhaften Charme und die etwas steifen oder übertrieben enthusiastischen Darsteller. „Basket Case“ ist ein Werk, welches aus Liebe zum schundigen Exploitationkino entstanden ist, und das merkt man in jeder schmutzigen Ecke des Filmes. Auch muss festgehalten werden, dass die z.T. recht übertrieben Goreeffekte dem Film gut tun und nicht – wie in anderen Werken – eher die Stimmung stören. „Basket Case“ ist zwar nicht unbedingt als Komödie zu titulieren, nimmt sich aber zu keiner Sekunde ernst und gewinnt seinen Witz aus der absurden Geschichte und den überzogenen Splatterszenen. Es ist also kein Wunder, dass der Film einen Großteil seiner Wirkung verliert, wenn diese – wie bei der US-Premiere oder der deutschen Videoauswertung durch Starlight – fehlen. Obwohl der Film seine Wurzeln im Amateurbereich nicht verleugnen kann, erliegt Henenlotter nicht – wie viele seiner deutschen Kollegen – der Versuchung, seinen Film in einen verkrampften, unkomischen Splatterslapstick zu verwandeln, sondern hält sich gerade hier stark zurück. Ganz auf seine Geschichte und seine Darsteller vertrauend.

Diese stammen überwiegend aus Henenlotters Bekanntenkreis oder von der Schauspielschule. Dort befand sich zu der Zeit auch Hauptdarsteller Kevin Van Hentenryck, dessen Duane Bradley zunächst auf Jahre hinaus seine einzige Rolle bleiben sollte. Er spielte diesen Charakter auch in den beiden Fortsetzungen 1990 und 1991, bevor er 2006 auch einmal eine kleine Rolle in einem anderen Film hatte. In der Zwischenzeit widmete er sich ganz der Bildhauerei. Vielleicht nicht die schlechteste Idee, denn zieht man seine Darstellung in „Basket Case“ in Betracht, so kann er nicht unbedingt zu den Besten in seiner Klasse gehört haben. Er spielt den Duane mit einer Mischung aus Passivität und dann wieder hektischem Overacting, insbesondere in seinen Szenen mit dem siamesischen Zwilling Belial. Irritierend ist auch der ständige Wechsel der Länge seines beeindruckenden Haarschopfes. Hier merkt man deutlich, dass die Dreharbeiten fast über ein Jahr gedauert haben, und Kevin Van Hentenryck zwischendurch mal zum Friseur gegangen ist. Trotz dieser Kritik muss man allerdings festhalten, dass Van Hentenryck sein Bestes gibt und gerade in seinem ernsthaften Bemühen eine seriöse Leistung zu zeigen, durchaus die Sympathien auf seiner Seite hat.

Auch die anderen Darsteller können kaum verhehlen, dass sie keine professionellen Schauspieler sind. Terri Susan Smith ist zwar nett und man möchte sie gerne in den Arm nehmen, doch sie hat die Tendenz ihre Texte mehr aufzusagen, als ihnen eine natürliche Färbung zu geben (zumindest in der O-Ton Fassung). Auch hilft die hässliche Perücke, die man ihr aufgesetzt hat – laut Henenlotter war sie damals Mitglied einer Punk-Band und hatte sich den Kopf rasiert – trägt augenscheinlich nicht dazu bei, ihr eine gewisse Unsicherheit vor der Kamera zu nehmen. Lloyd Pace legt seinen Dr. Needleman offensichtlich als Witzfigur an und übertreibt maßlos, während Diana Browne als Dr. Kuttler zunächst ungeheuer steif daherkommt, um dann um so theatralischer ihr Ende zu finden. Ein Vorteil hat die Besetzung mit Laien aber, um dem Hotel Broslin Authentizität zu verleihen. Duane Bradleys Mitbewohner in dieser heruntergekommen Absteige, scheinen wirklich dort zu wohnen und sorgen für ein realistisches Umfeld. Allen voran Beverly Bonner als Prostituierte mit Herz, Casey, und Joe Clarke als versoffener, diebischer Nachbar.

Unbestrittener Star des Filmes ist aber das Ding im Korb, der „unheimliche Zwilling“ Belial. Dieser ist ein unförmiger Fleischklumpen mit zwei langen Armen und klauenähnlichen Fingern. Belial ist zwar sehr primitiv, aber auch effektvoll gestaltet. Obwohl jederzeit als Puppe oder Teilkostüm zu erkennen, gelingt es Henenlotter trotzdem, seinem Belial eine Seele einzuhauchen, so dass er ein echter Teil der Darstellerriege wird. Henenlotter hält sich auch an eine der elementarsten Regeln des Horrorfilms, und zeigt sein Monster nicht zu früh. So wird Spannung aufgebaut und gerade die frühen Szenen, in denen Belial nur schemenhaft zu erkennen ist, sind tatsächlich gruselig geraten. Aber auch später, wenn man Belial in seiner ganzen Pracht sieht, macht er trotz (oder gerade wegen) seiner doch recht kruden Machart einen guten Eindruck. Man sieht, dass seine Schöpfer viel Liebe in ihre Kreation gesteckt haben. Und auch eine hübsche Stop-Motion-Animation mit Belial trägt dazu bei, dem Film einen ganz besonderen Charme zu geben. Von Charme kann bei den drastischen Splatterszenen zwar nicht die Rede sein, doch diese sind, wie bereits erwähnt, dermaßen übertrieben ausgefallen, dass sie weniger düster-beängstigend, sondern eher irrwitzig-belustigend ausgefallen. Dass gerade die Special Effects im Vergleich zu dem Rest des Filmes so professionell wirken, hat wohl auch damit zu tun, dass die führenden Köpfe dabei – John Caglione und Kevin Haney – junge, sehr engagierte Künstler waren, die nach diesem Film auch zu Recht Karriere gemacht haben und später bei vielen Blockbustern und Kultfilmen an Bord waren und noch sind.

Seinen besonderen Reiz bezieht „Basket Case“ aus seiner dreckigen Atmosphäre, die die Stimmung im New York der späten 70er, frühen 80er – ähnlich wie z.B. „Maniac“ – sehr authentisch einfängt. Die heruntergekommen Hotels und die 42nd Street mit seinen Grindhouse-Kinos, Sexclubs und dem Drogenhandel auf offener Straße. Einmal wird Duane von einem Dealer angesprochen, der ihm eine Zeitlang folgt und dabei ununterbrochen seine Waren anpreist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dies nicht gespielt, sondern nur zufällig von der Kamera eingefangen wurde, also echt ist. Selbst die Szenen zu Fuße der Freiheitsstatue strahlen keine Romantik aus, sondern eher den herben Charme einer hundekotverseuchten Wiese. Die Stadt ist neben Duane und Belial beinahe schon so etwas wie der dritte Hauptdarsteller. Daher ist „Basket Case“, neben all seinen anderen Meriten, auch ein interessantes Zeitdokument.

„Basket Case“ in ein kleiner Low-Budget-Film mit einem großen Herz. Er lebt einerseits vom Enthusiasmus seiner Macher und der liebevollen Gestaltung seines Monsters, andererseits aber auch von der maroden Stimmung im New York der frühen 80er. Ernst nehmen sollte man den Film nicht, aber das tut er selber auch zu keiner Sekunde. Mit seiner abstrusen Geschichte und dem unterschwelligen Witz gehört „Basket Case“ zu Recht zu den Klassikern des alternativen Mitternachtskinos.

Die Blu-ray aus dem Hause CMV lässt den Film in einem Glanz erstrahlen, den man kaum für möglich gehalten hätte. Regisseur Frank Henenlotter hat die original 16mm-Negative gefunden und als Grundlage für die Blu-ray verwendet. Dabei hat er das Format auch bei 4:3 belassen, da – wie er selber in der Einführung erläutert – die Anpassung an das heute gängige 16:9-Format einfach schrecklich ausgesehen hätte. Schade, dass nicht alle so denken, das würde dem Filmfreund eine Menge Kummer ersparen. Und man muss zugeben, dass es wohl kaum einen 16mm-Film gab, der im Heimkino so gut aussah. Der Ton ist auch kraftvoll und überzeugend. Und die Extras lassen dem geneigten Zuschauer die Augen übergehen und versammeln fast (es fehlt nur das 20-minütige Feature „Grisly Graham Humpreys“ von der UK-Blu-ray) alles, was bisher auf der UK-Blu-ray von Second Sight („The Trilogy“) und der US-DVD von Something Weird zu finden war. Neben einem Audiokommentar Regisseur Frank Henenlotter und Produzent Edgar Ievins, gibt es noch eine Einführung in den Film von Frank Henenlotter, in dem er über den HD-Transfer für die Blu-ray spricht (2:26 Minuten). Des weiteren: „In Search for Hotel Broslin“, eine 15-minütige Doku in der Henenlotter und der New Yorker Rapper R.A. The Rugged Man (mit dem er 2008 gemeinsam das Drehbuch zu „Bad Biology“ schrieb) sich auf die Suche nach den damaligen Drehorten machen. Das 7-minütige „Beverly Bonner’s Laugh Track“ enthält einen Ausschnitt aus einer TV-Show von Casey-Darstellerin Beverly Bonner. Die Show ist sehr, sehr billig und ist scheinbar für das New Yorker Äquivalent des „Offenen Kanals“ entstanden. 6-Minuten „Outtakes“ sind sehr nett anzusehen und mit einem ziemlich tollen Song untermalt, von dem ich Titel und Interpret leider nicht herausfinden konnte. 7-Minuten „Ein Blick hinter die SFX-Kulissen“ zeigen SFX-Spezialist Gabriel Bartalos, der den Belial in „Basket Case“ Teil 2 und 3 entworfen hat, bei einer recht netten Tour durch sein Studio. Es gibt noch Radiospots, Radiointerviews (8:55) und ein kleines Feature über die Besonderheiten der deutschen Fassung, sprich den deutschen Vorspann und eine Szene, indem durch das spiegelverkehrte Einsetzten einer Einstellung ein Anschlussfehler korrigiert wurde. Das Herzstück der Extras ist aber eine 87-minütige Doku namens „What’s in the basket?“, in der im Detail auf alle drei „Basket Case“-Filme eingegangen wird und sich Henelotter sehr selbstkritisch zum Teil 3 äußert. Überhaupt ist Frank Henenlotter sehr sympathisch und ein sehr guter Erzähler, was die Extras mit ihm noch zusätzlich aufwertet. Alles in allem: Eine perfekte Präsentation des Filmes „Basket Case“.

Ich sollte jetzt vielleicht auch noch einmal „Frankenhooker“ eine zweite Chance geben.

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