„Black Swan“ erzählt von der jungen Balletttänzerin Nina. Eine höfliche, schüchterne junge Frau, die den Ehrgeiz hat, durch absolute Perfektion Anerkennung zu finden. Sie kämpft um die Doppelrolle des weißen und des schwarzen Schwans in einer neuen Bearbeitung des Balletts „Schwanensee“ durch einen französischen Star-Choreographen. Eigentlich hat sie keine Chance, denn obwohl sie technisch brillant ist und die Idealbesetzung für den reinen, sanften weißen Schwan, so fehlt ihr die Tiefe und die Verruchtheit des schwarzen Gegenübers. Trotzdem erhält sie überraschend die Rolle. Von nun an nimmt der unerbittliche Druck auf Ninas zerbrechliche Seele immer mehr zu und ihre inneren Dämonen brechen hervor.
„Schwanensee“ ist wohl das bekannteste Ballett der Welt. Die Musik von Piotr I. Tschaikowsky weltberühmt und 1.000fach recycelt, das Ballett selber schon so oft kopiert und parodiert, dass es eins der ausgelutschten Stücke auf den Bühnen der Welt ist. Im Film wird dann auch folgerichtig gesagt: „It’s been done to death“. Aber kennt jemand überhaupt die Geschichte, die dieses Ballett erzählt? Es ist wie bei den vielen Bestsellern, über die alle sprechen, aber die keiner wirklich gelesen hat. Worum geht es in Schwanensee? Und ist die Geschichte überhaupt noch zeitgemäß? Darren Aronofsky nimmt dies berühmte und dennoch unbekannt Geschichte und transportiert sie ins Jetzt. Seine Interpretation der Geschichte handelt von einer Person, die unter dem Borderline-Syndrom leidet. Interessanterweise zeigt der Film die Symptome (Selbstverletzung, paranoide Vorstellungen, Halluzinationen, Ich-Spaltung) ohne nur einmal namentlich darauf einzugehen.
Der Druck, der auf die Hauptperson Nina ausgeübt wird, kommt von allen Seiten. Von ihrer Mutter, die (ein Klischee, welches leider in der Realität tatsächlich häufig vorkommt) ihre verpatze Karrierewünsche auf das Kind projiziert. Die Rolle der Mutter ist sehr interessant. Sie treibt ihre Tochter nicht direkt zu Höchstleistungen an, aber sie baut einen solchen Druck auf Nina auf, dass diese ihren Lebenssinn darin sieht, sich für ihre bloße Existenz bei der Mutter zu entschuldigen. Und zwar dadurch, dass sie die perfekte Tänzerin wird, die die Mutter niemals war. Die Mutter wiederum ahnt, was in ihrem Kind vorgeht, versucht Nina in einer Kinderwelt einzubetten und ist scheinbar auch über ihre psychische Störung informiert. Trotzdem macht sie durch ihr Verhalten alles nur noch schlimmer und treibt Nina immer weiter in den Abgrund.


