Originalfassungen in Bremen: 22.11.12 – 28.11.12

Dass auf dem Phantastival alle Filme NATÜRLICH im Originalton laufen, muss ich ja nicht sonderlich betonen. Da ich darüber schon so viel geschrieben habe, lass ich diese mal aus der wöchentlichen Übersicht raus. Nichtsdestotrotz hoffen wir natürlich auch hier auf möglichst viele Besucher 😉 Ansonsten gibt es wieder eine bunte Mischung an Filmen, von denen Ben Afflecks „Argo“ mit den meisten Lobeshymnen überschüttet wurde.

Argo – Cinemaxx, Di, 27.11. um 20:30 – In letzter Zeit macht Ben Affleck mehr als talentierter Regisseur, denn als Schauspieler von sich reden. Auch sein neuer Film „Argo“ wurde wieder mit Lob bedacht. Dabei handelt es sich um einen auf Tatsachen beruhenden Thriller, der von einer geheimen Mission im Iran der 80er Jahre erzählt, als sich CIA-Agenten als Filmemacher ausgaben und unter dem Vorwand, einen SF-Film namens „Argo“ zu drehen, einige politische Geiseln befreiten. Das klingt zwar ziemlich an den Haaren herbeigezogen, ist aber wirklich so passiert. Sometimes truth is stranger than fiction.

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Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 – Cinemaxx, Do.-Mi (außer Mo.) immer um 19:00 – Der letzte Teil der Saga um Bella und Edward. Nicht mein Ding, aber viele Mädels freuen sich ja schon auf den letzten Auftritt der schönen Liebenden. Es soll ihnen gegönnt sein.

Skyfall – Cinemaxx, Do. um 22:50 und Mo. um 19:30 – Hat mir gut gefallen. Meine Besprechung gibt es hier.

Oglum Bak Git – Junge zieh’ Leine! – Cinemaxx, Do.+Di. um 23:00 – Türkische Komödie um den Taxifahrer und Pechvogel Orhan. Wow, ich sehe gerade 1,2/10 Punkte bei 95 Votes in der IMDb. Das klingt wie eine handfeste Warnung.

Cloud Atlas – Cinemaxx, So. 25.11. um 20:00 & Schauburg, So. + Mi. um 20:45 – Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Tom Tykwer mag ich eigentlich, die Wachowskis haben mich nach dem furiosen ersten “Matrix“-Teil nur noch enttäuscht (Teil 3 habe ich ihnen bis heute nicht verziehen).  Der Trailer sieht nach Gigantomanie und schwerer Bedeutsamkeit aus. Könnte durchaus interessant sein oder ein Mega-Flop.

Miss Bala – Schauburg, Di., 27.11. um 15:00 – Mexikanisches Thriller-Drama um eine junge Frau aus ärmsten Verhältnissen, deren großer Traum es ist, Schönheitskönigin zu werden und ihrem Milieu zu entfliehen. Doch sie wird immer tiefer in den mexikanischen Drogenkrieg und Gangsterauseinandersetzungen hineingezogen.

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Das Meer in mir – City 46, Mo.+Mi. um 18:00 und Di. um 20:30 – Passend zur Themenwoche der ARD, die sich mit dem Tod beschäftigt, dieses spanische Meisterwerk von Alejandro Amenábar mit einem wunderbaren Javier Bardem in der Hauptrolle. Es geht um das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Bardem spielt Ramon, der seit 27 Jahren vollständig gelähmt ist und nur einen Wunsch hat: Zu sterben. Aber die Gesellschaft erlaubt ihm dies nicht.

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Sneak Preview – Schauburg, Mo. 26.11. um 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 28.11. um 21:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

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DVD-Rezension: “V/H/S”

Eine Gruppe von Anarcho-Filmern, die im Internet Videos ihrer Aktionen (leerstehendes Haus verwüsten, fremden Frauen das Oberteil vom Leib reißen) hochladen, wird beauftragt, in einem alten Haus eine bestimmte VHS-Kassette zu finden. Natürlich filmen sie auch diese Aktion. Im Haus stoßen sie nicht nur auf die Leiche des Besitzers, sondern auch auf unzählige VHS-Tapes. Um nun das richtige zu finden, müssen sie sich durch diese Sammlung gucken. Und was sie dort sehen, ist sehr unheimlich…

Mumblecore nennt sich eine neue Filmbewegung aus den USA, die mittlerweile auch durch Axel Ranisches „Dicke Mädchen“ in Deutschland für Furore unter den Cineasten sorgt. Dabei handelt es sich um No-Budget-Filme, die mit Amateuren besetzt sind und vor allem Wert auf den Dialog legen. Aus dem Umfeld dieser Indie-Film-Bewegung stammen auch die meisten der an „V/H/S“ beteiligten Regisseure. Allen voran Joe Swanberg und Adam Wingard. Über ihre Beweggründe, gemeinsam das Projekt „V/H/S“ zu initiieren, kann ich nur mutmaßen. Vielleicht sollten die, nur eingeschworenen Indie-Fankreisen bekannten Filmemacher durch eine Genre-Produktion einem größeren Publikum bekannt gemacht werden. Ähnliches hat man ja 1995 mit dem Film-Quartett „Four Rooms“ versucht, für das die damals heißesten Indie-Regisseure jeweils eine Episode beisteuern durften. Leider war dieser Versuch damals reichlich missglückt. Ob „V/H/S“ nun diesen Zweck erfüllt hat, darf angesichts der großen Hass-Welle im Internet allerdings stark bezweifelt werden.

Wer sich auf „V/H/S“ einlässt, braucht eine gewisse Abgestumpftheit gegenüber extremer Wackelkamera-Optik. Alle Geschichten sowie die Rahmenhandlung, gehören nämlich zum eigentlich schon völlig ausgelutschten Genre des „Found-Footage“-Films. Dieser täuscht Authentizität durch eine bewusst amateurhafte Kameraführung vor. Wobei ich kaum glaube, dass irgendein Amateurfilmer so inkompetent mit der Kamera umgeht, wie es einem diese Art von Filmen weismachen möchte. Wie dem auch sei, bei „V/H/S“ wird ordentlich gewackelt. Da hier gleichzeitig auch noch das suboptimale Bild alter VHS-Tapes imitiert wird, hat man häufig große Mühe, etwas zu erkennen und dem Geschehen zu folgen. Dies ist der Hauptkritikpunkt der vielen Internet-Reviews und auch nachzuvollziehen. Kann oder will man sich nicht auf das massive Geschüttel einlassen, nervt „V/H/S“ schon nach wenigen Minuten ganz gewaltig.

Ein anderes, immer wieder vorgebrachtes Argument behauptet, dass die Geschichten dünn und langweilig seien. Das kann ich so nicht stehen lassen. Zwar muss man zugeben, dass nicht alle Episoden gleich gut gelungen sind und ausgerechnet diejenige von Ti West, der sich mit seinen Old-School-Horrorfilmen „House of the Devil“ und „The Innkeepers“ bereits eine ordentliche Fanbasis erworben hat, ist ein echter Schnarcher. Der Rest allerdings bewegt sich zwischen okay und sehr gut. Die Rahmenhandlung ist zunächst ein wenig verwirrend und durch seine extrem unsympathischen Protagonisten stark gewöhnungsbedürftig. Doch im Grunde soll hier ja nur der Rahmen für die zu zeigenden Kurzfilme geschaffen und das gemeinsame Thema (Found Footage und der VHS-Look) erklärt werden. Gerade in der Rahmenhandlung bricht der Film aber auch mal mit seinem Konzept, und so gibt es mindestens eine Szene, in der nicht nur mit einer einzigen Kamera gearbeitet und dadurch das „Found Footage“-Konzept ad absurdum geführt wird. Dem Regisseur der Rahmenhandlung, Adam Wingard, gelingt es aber hervorragend, das Haus, in dem seine Geschichte spielt, in eine gruselige Gruft zu verwandeln, die tiefe Ängste schürt. Vielleicht wäre die Rahmenhandlung noch etwas effektiver, wenn ihre Hauptpersonen nicht solche Arschlöcher wären.

Sympathisch sind die drei Protagonisten der ersten Episode, „Amateur Night“ inszeniert von David Bruckner, aber auch nicht gerade. Im Gegenteil, auch ihnen wünscht man schnell ein böses Ende. Die einzige Ausnahme bildet der Nerd, der mit seiner „Spionage-Brille“ das Ganze aufzeichnet. Regisseur Bruckner macht aber sonst alles richtig, insbesondere bei seiner Wahl seiner Hauptdarstellerin. Hannah Fierman ist schlichtweg fantastisch. Ihr merkwürdiges Aussehen, die großen, scheu und gehetzt durch die Gegend blickenden Augen und ihre seltsame Art, sich zu bewegen, das alles wirkt zutiefst beunruhigend. Wenn sie sich in Großaufnahme der Kamera nähert und emotionslos immer wieder „I like you“ aufsagt, läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Wollen sich dann die Jungs unter großem Gelächter in einem billigen Hotelzimmer an ihren beiden „Opfern“ vergehen, fühlt man sich aufgrund der unmittelbaren Nähe, die der Found-Footage-Look suggeriert, sehr unangenehm. Dieses ungute Gefühl verstärkt den Horror, wenn der Film plötzlich in eine Splatter-Geschichte umschlägt. Man hat es geahnt, aber es trifft einen doch ins Mark. Dazu tragen die sehr real wirkenden Special-Effekts (natürlich gut kaschiert durch das unzureichende Filmmaterial) effektiv bei.

Die zweite Episode „Second Honeymoon“ von Ti West, ist die schwächste Episode des Filmes. Hier geht es um zwei Hochzeitsreisende, die durch die USA fahren und sich dabei filmen. Es gibt eines Abends eine mysteriöse Begegnung mit einem merkwürdigen Mädchen (offscreen), und einmal werden die beiden nachts von einer unbekannten Person gefilmt. Diese Vorstellung ist zwar unangenehm, aber im Kontext nicht besonders gruselig. Leider sind einem die beiden Turteltauben (der Mann wird übrigens vom Regisseur der stärksten „V/H/S“-Episode, Joe Swanberg, gespielt) auch ziemlich egal und die finale Pointe ziemlich blöd.

Episode No. 3 mit dem bezugsreichen Titel „Tuesday, the 17th“ (Regie: Glenn McQuaid) kommt als „Friday, the 13th„-Hommage daher. Wir haben den Wald, die Gruppe Teenies, die verbotene Sachen machen und den gnadenlosen Killer, der aus dem Nichts zuschlägt. Einige seiner blutigen Morde zitieren sogar wörtlich das Vorbild. Der interessante Aspekt dieser Episode ist es, dass der Killer in den Störungen des Videotapes existiert. Dies ist gut umgesetzt, allerdings leidet auch diese Geschichte etwas darunter, dass die Teenies unsympathische Großmäuler sind, denen man ihr Schicksal von Herzen gönnt. Ein Thema, welches sich irgendwie durch „V/H/S“ zieht, denn die Typen aus der Rahmenhandlung, der ersten und auch der letzten Episode sind auch nicht viel besser.

Es folgt die beste und innovativste Episode: „The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Young” von Joe Swanberg. Die Idee, einen Film vollständig über Skype aufzunehmen, ist nun wirklich neu und verblüffend effektiv umgesetzt. Hier entsteht der Horror weniger durch das, was man sieht, sondern eher durch das, was man nicht sieht oder zu sehen meint. Zudem steht mit Emily endlich mal eine sympathische und liebenswerte Person im Zentrum einer Episode. Gespielt wird sie von der Newcomerin Helen Rogers, die einerseits sehr niedlich, anderseits aber auch leicht merkwürdig aussieht. Sie kommt so warmherzig rüber, dass man wirklich Angst um sie hat, was dem Horror noch eine zusätzliche Dimension verleiht und ihn kaum erträglich macht. Über das seltsame Ende der Geschichte kann man streiten. Es lässt zumindest Raum für Spekulationen. Über 90 Minuten würde das filmische Konzept sicherlich nicht tragen, aber „Emily“ hat genau die richtige Länge für solch ein Experiment. Ich würde jetzt gerne mehr von Helen Rogers sehen.

Die abschließende Episode “10/31/98″ des Internet-Kollektivs Radio Silence bringt noch einmal eine weitere Gruppe unangenehmer, ungehemmter Kerle auf die Mattscheibe. Hier sind es drei Kumpels, die auf eine Halloween-Party eingeladen sind. Einer von ihnen trägt ein Bärenkostüm mit eingebauter Kamera. Dementsprechend verwackelt sind die von ihm aufgenommenen Bilder. Die Drei fahren zu einem scheinbar verlassenen Haus, wo angeblich eine Party stattfinden soll. Doch statt der versprochenen Party finden sie auf dem Dachboden eine Gruppe merkwürdiger Leute, die offensichtlich ein junges Mädchen quälen. Hier wird alles aufgefahren, was die Spukhausthematik so hergibt. Fliegende Gegenstände, aus der Wand greifende Arme, merkwürdige Kinder und ein Haus, welches ein Eigenleben zu führen scheint. Klassischer Horror mit klassischer Pointe. Die „Wackelästhetik“ wird hier bis zum Exzess ausgereizt, und hätte man diese Episode hinter die erste gepackt, wäre es wahrlich des Guten zu viel gewesen. So hatte man zumindest Zeit, seine Augen mit den eher ruhiger gefilmten Geschichten zu beruhigen. „10/31/98“ macht Spaß und kommt vom Look her der Idee eines alten Amateuervideofilms am nächsten.

„V/H/S“ spaltet die Gemüter. Die Frage, wie man zu diesem Film steht, hat auch damit zu tun, wie resistent man gegen das permanente Gewackel der Kamera ist. Bis auf wenige Ausnahmen bietet diese Anthologie aber ausgesprochen gruselige Geschichten, von denen „The Sick Thing That Happened to Emily When She Was Young” durch seine frische Experimentierfreude, eine interessante Story und liebenswerte Hauptdarstellerin heraussticht. Lediglich Ti Wests „Second Honeymoon“ enttäuscht.

Über die Bildqualität, deren Minderwertigkeit ja zum Konzept gehört, kann man logischerweise nichts sagen. Gleiches gilt für den Ton, der auch laienhafte Videoaufnahmen imitiert. Die DVD von Splendid hat einige Extras an Bord, die allerdings recht willkürlich zusammengewürfelt erscheinen. Da gibt es ein Selbstinterview des Regisseurs der „Emily“ Episode und dann interviewt er höchstselbst noch seine Hauptdarstellerin Helen Rogers, die in natura ebenso niedlich und sympathisch rüberkommt, wie im Film. Was man von Drew Moerlein und seinen Kollegen aus der Episode „Tuesday, the 17th“ nicht sagen kann, die sich im Privatleben ebenso „cool“ und unangenehm aufführen wie im Film. Es gibt noch ein alternatives Ende der „10/31/98“, welches allerdings absolut unbefriedigend ausfällt und zurecht auf den Müll flog. Das war’s dann leider schon. Ein erhellendes Interview mit allen Filmemachern über die Hintergründe, wie und warum das Projekt „V/H/S“ zustande kam, wäre da interessanter gewesen.

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DVD-Rezension: “The Pact”

Die Mutter von Nicole und Annie ist gestorben. Nicole kümmert sich um das Begräbnis und den Nachlass der Mutter, die den beiden Schwestern eine harte und traumatische Kindheit beschert hatte. Als Nicole sich abends allein im Haus der Mutter aufhält, verschwindet sie urplötzlich. Als Annie eintrifft, macht sie sich sogleich auf die Suche nach Nicole und bemerkt dabei, dass in dem unheimlichen Haus etwas nicht stimmt. Als dann auch noch ihre Cousine spurlos verschwindet und es deutliche Anzeichen für Poltergeist-Aktivität gibt, wendet sie sich an die Polizei, die ihr ihre Geschichte aber nicht glaubt. Mit Hilfe des Mediums Stevie versucht Annie auf eigene Faust Licht ins Dunkel zu bringen und gerät bald darauf in tödliche Gefahr…

Nach „When the Lights Went Out“ (Review hier) – mit dem „The Pact“ übrigens die liebevolle Ausstattung und das Faible für geschmacklose Tapeten teilt- veröffentlicht Ascot Elite gleich noch einen „Spukhaus-Film“. Diesmal stammt dieser aus den USA und basiert auf einem recht erfolgreichen Kurzfilm des Regisseurs Nicholas McCarthy, der auch in der langen Version für Drehbuch und Regie verantwortlich ist. Vor diesem Hintergrund ist es etwas schade, dass Ascot Elite den Kurzfilm nicht gleich als Extra mit auf die DVD gepackt hat. Einige Ausschnitte des kurzen Werkes sind aber im „Making Of“ zu sehen, und man erkennt deutlich, dass der Prolog des Spielfilmes ein 1:1-Remake des Kurzfilms ist. Aus dem Kurzfilm übernahm McCarthy auch fast die gesamte technische Crew: Komponist Ronen Landa, Editor Adriaan van Zyl, Production-Design Walter Barnett, Set-Decoration Sandy Hubshman und vor allem auch Kameramann Bridger Nielson, der das Ganze in schöne, durchaus atmosphärische Bilder kleidet, und eine wirkungsvolle, wenn auch nicht sonderlich experimentierfreudige Arbeit hinlegt.

Für seinen Spielfilm hat Nicholas McCarthy seinen Kurzfilm lediglich als Sprungbrett genommen, um daraus einen Mystery-Thriller zu spinnen, der leider seine Horrorhaus-Geschichte zugunsten einer mehr irdischen Ausrichtung vernachlässigt. Zwar werden besonders in der ersten Hälfte zahlreiche Standards des Geisterfilms gekonnt ausgespielt – so gibt es immer wieder geheimnisvolle Schatten im Hintergrund, Schockeffekte und das bekannte „Menschen-und-Gegenstände-werden-durch-die-Luft-geschleudert“, aber der Fokus des Filmes liegt eher auf der Detektivgeschichte, in der die von der attraktiven Caity Lotz (welche eine gewissen Ähnlichkeit mit Gillian „X-Files“ Anderson besitzt, was ja in diesem Zusammenhang durchaus passend ist) gespielte Annie versucht herauszufinden, was mit ihrer Schwester passiert ist und welches düstere Geheimnis in der Vergangenheit ihrer Mutter zu finden ist. Diese Suche nach der Wahrheit ist zwar einigermaßen spannend erzählt, auch wenn der geübte Zuschauer ziemlich bald die Lösung parat haben dürfte. Allerdings haben sich hier auch einige haarsträubende Albernheiten eingeschlichen. Geister die Google-Maps benutzen, um kryptische Rätsel zu stellen und Internetseiten, wie sie nur in der Fantasie eines einfallslosen Drehbuchautoren existieren, der schnell zum Ende kommen will, sind da nur zwei Beispiele. Damit gerät der Film dann schon mehr als einmal an den Rand der Lächerlichkeit.

Zugleich Stärke und Schwäche von „The Pact“ ist die Figur der Stevie. Ein Medium, das von Haley Hudson sehr creepy dargestellt wird und mit seinem blassen Teint und dunklen Ringen unter den Augen, selber wie ein Gespenst aussieht. Die Stärke beruht darauf, dass Haley Hudson die Figur wirklich interessant und „andersartig“ anlegt. Man spürt förmlich das Leiden und die Verzweiflung, die ihre Gabe mit sich bringt. Die Schwäche besteht allerdings darin, dass das Auftauchen Stevies ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Es sei denn, es gibt in den USA in jedem kleinen Kaff ein „Dorf-Medium“, das alle kennen. Aber dies kann man noch vom Tisch wischen, schwerer wiegt, dass aus der Figur nichts gemacht wird. Stevie dient lediglich dazu, etwas Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen und Annie am Ende etwas in die Hand zu geben, um selber aktiv zu werden. So schnell wie Stevie in die Geschichte eingeführt wurde, genauso schnell verschwindet sie wieder. Was schade ist und etwas frustriert, da dieser Charakter weitaus interessanter ist, als z.B. der von Casper Van Dien gespielte Polizist. Wobei man von Caspar Van Dien – trotz top-billing – auch nicht allzu viel sieht.

So bleibt es ganz Caity Lotz überlassen, „The Pact“ zu einer „One-Woman-Show“ zu machen. Und das gelingt ihr auch recht gut, da sie genug Präsenz und Ausstrahlung mitbringt, um das Interesse des Zuschauers an ihrer Person aufrecht zu erhalten. Wer allerdings aufgrund der marktschreierischen Werbesprüche auf dem Cover den ultimativen Gruselfilm erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht. Zwar gibt es gerade in der ersten Hälfte immer mal wieder unheimliche Augenblicke, doch gerade in der zweiten Hälfte wird der atmosphärische Grusel zugunsten von Spannung und Action aufgegeben. Was per se nicht schlecht ist, aber die Erwartungshaltung – sofern man eine hatte – doch unterläuft. Generell hat man das Gefühl, einen recht unterhaltsamen Film zu sehen, der aber seinen eigenen Möglichkeiten permanent hinterherläuft. Hier wäre durchaus Raum für mehr gewesen, aber „The Pact“ entscheidet sich irgendwann dafür, vom puren Spukhausfilm zum Serienkiller-Thriller zu werden. Bei der Verquickung beider Genres müssen hier und dort natürlich Kompromisse eingegangen werden, und so kommen sowohl Horror- als auch Thrillerfreunde etwas zu kurz. Trotzdem, wen dies nicht stört, der wird mit einem spannenden Finale belohnt, welches dann allerdings ausgesprochen unspektakulär und plötzlich zu Ende geht.

„The Pact“ ist bei weitem nicht DER Ober-Gruseler als der er angekündigt wurde. Vielmehr ist er eine „One-Woman-Show“ der Hauptdarstellerin Caity Lotz, neben der alle anderen Nebenfiguren leider völlig unterentwickelt sind. Obwohl „The Pact“ es schmerzlich versäumt, sein Potential voll auszuschöpfen und einige Gelegenheiten zu einem wirklich guten Film einfach links liegen lässt, funktioniert er – trotz aller Albern- und Ungereimtheiten – durchaus als unterhaltsamer Mystery-Thriller.

Bei der DVD von Ascot Elite, die mit einer guten Bild- und Tonqualität aufwarten kann, vermisst man – wie gesagt – schmerzlich den zugrunde liegenden Kurzfilm. Die Extras bestehen aus einem informativen „Making Of“ (19:25 Minuten) in dem auch ausführlich auf den Kurzfilm eingegangen wird. Ferner gibt es einige Interviews, die aber zumeist nur längeres Material der im „Making Of“ verwendeten Statements ist.  Ein Audiokommentar des Regisseurs Nicholas McCarthy ist auch noch dabei.Erwähnenswert ist die Aufmachung der DVD, denn die Amaray-Hülle steckt in einem Schuber, auf dem das Motiv der aus der Wand kommenden Figur (was so übrigens im Film nicht vorkommt und – mehr noch – falsche Erwartungen weckt) stark hervorgehoben ist und quasi aus dem Cover heraustritt. Das sieht schon sehr schick aus.

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Überraschungserfolg: „Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger“ – zusätzliche Vorstellungen

Das hätte bei der Premiere des Filmes wohl keiner erwartet:  “Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger” von Eike Besuden ist in unserem kleinen Bremen eine ähnliche Erfolgsstory, wie die Publikums-Sensation des Jahres: „Ziemlich beste Freunde“. Wie beim französischen Erfolgsfilm, hat sicherlich auch hier niemand mit einem derartigen Einschlag gerechnet. Seit Tagen sind die Vorstellungen des Filmes  im City 46 restlos ausverkauft!!!

Aus diesem Grunde werden nun noch einige zusätzliche Vorstellungen dran gehangen.

Nächste Woche läuft der Film dann noch an diesen beiden zusätzlichen Terminen:

Mo. 19.11.  und Mi. 21.11. jeweils um 18:15 Uhr, sowie am 22., 24., 26. und 28. zur selben Zeit im Kino 2.

Meine Gratulation an Eike Besuden und sein Team zu diesem tollen Erfolg!

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DVD-Rezension: „When the Lights Went Out“

1974, Yorkshire, England: Die Maynards sind eine junge Familie, die hier endlich ihr Traumhaus gefunden hat. Doch die Freude währt nicht lange. Schon bald müssen sie feststellen, dass in dem Haus scheinbar ein Poltergeist spukt, der es insbesondere auf ihre 13-jährige Tochter Sally (Tasha Connor) abgesehen hat…

Vielleicht inspiriert vom großen Erfolg der japanischen J-Horror-Filme, sind Geistergeschichten seit einiger Zeit wieder en vogue. Hier kommt mit „When the Lights Went Out“ nun ein britischer Vertreter dieses Untergenres, der es mit einer Mischung aus „Amityville Horror“ und „Der Exorzist“ versucht. Von „Amityville Horror“ stammt u.a. die Behauptung, dass es sich bei dem Gezeigten um eine wahre Begebenheit handeln würde. Das ist auch nicht so falsch, denn der Film beruht auf einer Poltergeist-Erscheinung, die in den 60er Jahren in Yorkshire als „Black Monk of Pontefract“ einige Berühmtheit erlangte. Regisseur Pat Holden betont in Interviews auch immer wieder, dass er familiäre Verbindungen zu der damals betroffenen Familie Pritchard unterhalten würde.

Für den Film ist das Geschehen allerdings ins Jahr 1974 verlegt (warum eigentlich?) und der Name der Familie von Pritchard in Maynard geändert worden. Obwohl die zeitliche Verortung in den 70ern Jahren somit recht willkürlich ist, gelingt es Pat Holden jedoch perfekt, diese Dekade auf authentische und liebevoll Art und Weise zu rekonstruieren. Auch das Lokalkolorit wird ausgezeichnet getroffen. Die Darsteller scheinen tatsächlich aus der Zeit gefallen und erfüllen gleichzeitig auch genau das Bild, welches man sich von den knorrigen Leuten aus der britischen Provinz macht. Hier muss man Set-Designern, Kostümbildnern und Friseuren ein ganz großes Kompliment aussprechen. Ebenfalls toll besetzt ist die junge Tasha Connor in der Hauptrolle der Sally. Wahrlich keine Schönheit, spielt sie das normale Mädchen von nebenan, welches mitten in der Pubertät mit sich, ihrer Familie und der Welt im Allgemeinen hadert, natürlich und überzeugend.

Das Problem an „When the Lights Went Out“ ist das Drehbuch, welches unentschlossen hin und her schlingert und es nicht schafft, eine überzeugende Geschichte zu erzählen. Zwar ist die erste Hälfte noch spannend erzählt und hält ein- zwei fiese Schockeffekte parat, aber schon hier macht sich der größte logische Fehler des Filmes schmerzhaft bemerkbar. Nachdem die ganze Familie einige heftige Spukattacken über sich hat ergehen lassen müssen, sind alle fest davon überzeugt, dass ein böser Geist im Haus umher geht. Doch die Familie zieht nicht aus und ist merkwürdigerweise in der Folge immer wieder überrascht, wenn der Geist das nächste Mal zuschlägt. Wenn ich morgens neben dem blutenden Geist eines toten Mädchens aufwachen würde, würde ich keinen Fuß mehr in meine Wohnung setzen. Hier will die Mutter aber unbedingt in ihrem Traumhaus (welches nun wirklich kein Palast ist) bleiben und ihr Ehemann akzeptiert dies zähneknirschend, statt seine Siebensachen zu packen und sich zusammen mit seiner Tochter in Sicherheit zu bringen. Das ist reichlich an den Haaren herbeigezogen. Natürlich –  ohne diesen Kniff wäre der Film nach 30 Minuten zu Ende, aber wenn sich ein Film darauf beruft, eine „wahre“ Geschichte zu erzählen, dann hätte man dieses unnormale Verhalten doch zumindest irgendwie erklären sollen. Dass die junge Sally auch noch ständig von ihren Eltern geohrfeigt und aufs Übelste beschimpft wird – weil sie angeblich alles nur inszenieren würde, obwohl allen in der Familie schon lange klar ist, dass hier eine Poltergeist-Manifestierung vorliegt – stößt ebenfalls übel auf.

Schade auch, dass viele interessante Ansätze nicht weiter verfolgt werden. So wird die Hintergrundgeschichte des Geistes erst großartig vorbereitet und dann lieblos dahingeworfen. Sallys beste Freundin ist ein merkwürdiges Mädchen, deren Mutter Sally das Versprechen abringt, sie nie in das Geisterhaus zu lassen. Die ganze Zeit über wird dabei unterschwellig angedeutet, es könnte eine böse Verbindung zwischen dem Mädchen und dem Spuk geben. Als es dann zur – lahmen – Konfrontation kommt, bekommt das Mädchen nur einen Schreck und verschwindet aus der Handlung. Hierzu gäbe es noch weitere Beispiele, wo interessante Geschichten und Aspekte aufgebaut werden, aber diese Fäden dann ins Leere laufen. Dass die Familie Maynard Fremde gegen Eintrittsgeld durch ihr Geisterhaus führt, gehört auch dazu.

Bis auf die oben erwähnten Schockeffekte in der ersten Hälfte, ist „When the Lights Went Out“ auch nicht besonders gruselig. Zu zerfasert sind die Handlungsstränge, zu sprunghaft der Erzählstil. Am Ende taucht dann noch ein waschechter Exorzist auf, aber seine Szene wirkt wie eine Parodie auf William Friedkins Klassiker und entbehrt jeglicher Ernsthaftigkeit. Von der finalen Wendung, inklusive billiger CGI, mal ganz abgesehen. Stark ist der Film immer nur, wenn er das England der 70er Jahre abbildet und seinen urbritischen Charakteren etwas Raum zur Entfaltung gibt. Leider tut er dies aber zu wenig.

„When the Lights Went Out“ kann mit einer akribischen Rekonstruktion der britischen Provinz in den 70er Jahren und einer interessanten Hauptdarstellerin punkten. Als Horrorfilm ist er aber einfach zu wenig gruselig und zerfasert in zu viele Handlungsstränge, die zusammen kein einheitliches Bild ergeben und das Vergnügen zum Teil durch ihre krasse Unlogik stören.

Die DVD von Ascot zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild aus. Auch der Ton ist dynamisch und unterstreicht die Poltergeist-Aktivitäten. Als Extras gibt es 6 unkommentierte Minuten von den Dreharbeiten in der Klosterruine und weitere 3 Minuten mit Dreharbeiten im Pfarrhaus, wobei auch die  beteiligten Schauspieler einige kurze Statements abgeben. Ansonsten gibt es außer Trailern hier nichts zu gucken.

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Das Bloggen der Anderen (16-11-12)

– U.a. auf Affenheimtheater ist der relativ heftige Trailer zu Johnnie Tos neustem Werk „Drug War“ zu sehen, welches ihn wieder in die Welt der Gangster führt.

– Auf Equilibrium kann man sich das parodistische „Audition-Tape von Wes Anderson für Star Wars: Episode VII“ anschauen.

– In der Filmgazette kann man ein interessantes Interview mit dem Filmemacher Axel Ranisch lesen, der- laut Filmdienst – seit seinem Film „Dicke Mädchen“ die Speerspitze eines neuen deutschen Low-Budget-Kinos ist.

– Thomas Groh empfiehlt auf seinem filmtagebuch den Film „Dredd“ und weist auf eine Musikveröffentlichung hin, die mir auch sehr am Herzen liegt: Die CD „Segni misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ der Band Sospetto. Darüber wird es hier demnächst auch etwas geben.

– Das tolle DVD-Label CMV hat vor Kurzem die „Frits-Fronz-Collection“ veröffentlicht. Dazu passend wird auf Hard Sensations von Sylvia Szymanski der Frits-Fronz-Film „Perfekt in allen Stellungen“ vorgestellt.

– Dreimal Poliziesco bei Remember it for later: „I padroni della città“ (Zwei Supertypen räumen auf), und „Il boss“ (Der Teufel führt Regie) vom großartigen Fernando di Leo, sowie „La belva col mitra“ (Der Tollwütige) von Sergio Grieco mit Helmut Berger (das ist der Film, den sich Bridget Fonda in Tarantinos „Jackie Brown“ im TV ansieht und Robert deNiro auf Berger deutend fragt, ob das Rutger Hauer sei).

– Weiter geht es mit noch mehr italienischem. Noch ein Poliziesco bei L’Amore in città: Roma a mano armata (Die Viper) von Umberto Lenzi mit der Traumpaarung Maurizio Merli und Tomas Milian. Schöner Film, schöner Text. Ebenso ausführlich wird dort auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme besprochen: La caduta degli dei ( (Die Verdammten) von Luchino Visconti.

– Zu guter Letzt ist bei The Wayward Cloud der Berliner Filmautor und -kurator Michael Baute über die im Internet florierende Praxis der Video Essays interviewt worden. Auch sehr interessant.

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Originalfassungen in Bremen: 15.11.12 – 21.11.12

Viele Filme, davon sicherlich einige auch heiß erwartet. Für meinen Geschmack ist leider nicht wirklich was dabei, aber was soll’s. Ich freue mich trotzdem über die große Auswahl. Als Tipp fällt mir spontan „Cosmopolis“ ein, aber auch nur, weil er von David Cronenberg ist, der mal verteufelt gute Filme gemacht hat. Und „Rocky Horror“ kann man eigentlich auch immer wieder gucken…

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 1 & 2 – Cinemaxx, So. 18.11. um 14:30 – Der letzte Teil der Teenie-Vampire-Reihe im Doppelpack. Die Fans wird es sehr erfreuen.

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 – Cinemaxx, Mi., 21.11. um 20:15 – Der letzte Teil der Saga um Bella und Edward. Nicht mein Ding, aber viele Mädels freuen sich ja schon auf den letzten Auftritt der schönen Liebenden. Es soll ihnen gegönnt sein.

Skyfall – Cinemaxx, Fr. und Di. um 19:00 und Sa. um 20:30 – Hat mir gut gefallen. Meine Besprechung gibt es hier.

Çanakkale 1915  – Cinemaxx, Do.-Mi. 23:15 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg. Läuft und läuft und läuft…

Oglum Bak Git – Junge zieh‘ Leine! – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:50 und 23:15 – Türkische Komödie um den Taxifahrer und Pechvogel Orhan. Wow, ich sehe gerade 1,2/10 Punkte bei 95 Votes in der IMDb. Das klingt wie eine handfeste Warnung.

Cloud Atlas – Schauburg, So. 18.10. und Mi. 21.10. jeweils 20:30 & Cinemaxx, ebenfalls So. 18.11. auch um 20:30 – Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Tom Tykwer mag ich eigentlich, die Wachowskis haben mich nach dem furiosen ersten „Matrix„-Teil nur noch enttäuscht (Teil 3 habe ich ihnen bis heute nicht verziehen).  Der Trailer sieht nach Gigantomanie und schwerer Bedeutsamkeit aus. Könnte durchaus interessant sein oder ein Mega-Flop. Interessant ist auch das Gehabe des deutschen Verleihs, über das man hier etwas lesen kann.

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=BFeRC1qJS_w[/youtube]

Cosmopolis – City 46, Do., Sa., So., Mi. immer um 20:00 – Wer nach „Breaking Dawn“ noch nicht genug von Robert Pattinson hat, der kann sich David Cronenbergs neusten Film ansehen. Hier spielt der Jungstar einen arroganten Yuppie, der in der Stretchlimo durch New York fährt. Nach dem Roman von Don DeLillo und mit Juliette Binoche.

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=dS9jc3BnLRc[/youtube]

Die Lieder meiner Liebe – City 4, Di. 20.11. um 20:30 – Japanisches Biopic über Taki Rentaro (1879 – 1903), einem der bekanntesten Komponisten Japans, genannt „japanischer Schubert“. In Kooperation mit der japanisch-deutschen Kulturinitiative. Eintritt frei!

Babamin Sesi – Die Stimme meines Vaters – City 46, Do. 18:00 und Fr., Sa., Mi. um 20:30 – Türkisches Drama um eine Kurdin, Basê, die auf die Rückkehr ihres Sohnes, der – wie einst der Vater – aus seinem türkischen Dorf floh, wartet. Als Basês jüngerer Sohn Mehmet, eines Tages Tonbänder im Haus findet, erfährt er nach und nach Details aus dem Leben der Eltern.

Robert Mugabe… What Happened? – City 46, So. 18.10 um 20:30 – Biographie Robert Mugabes, dem ersten Präsidenten des unabhängigen Zimbabwe, der vom Freiheitskämpfer zum Diktator mutierte. Regisseur Simon Bright wird bei der Vorführung zu Gast sein!

Rocky Horror Picture Show – City 46, Fr./Sa. um 22:30, So./Mi. 18:00 und Mo. 20:30 – Muss man dazu noch etwas schreiben?

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 19.11. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 19.11. um 21:45

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BluRay-Rezension: “Iron Sky”

2018: Eine neue Mondmission, bestehend aus dem afroamerikanischen Model James Washington (Christopher Kirby) und einem anderen Astronauten, stößt auf der dunklen Seite des Mondes zufällig auf eine Kolonie Nazis. Diese flohen 1945 mit Reichsflugscheiben hierher und planen nun schon seit Jahrzehnten die Rückeroberung der Erde. Washingtons Begleiter wird erschossen, er selber gefangengenommen. Sein Smartphone scheint für die Mondnazis der fehlende Schlüssel zu sein, um ihre gewaltigste Waffe, das Raumschiff „Götterdämmerung“, zu starten. Der ehrgeizige Klaus Adler (Götz Otto) und seine junge Frau Renate (Julia Dietze) fliegen im Auftrag des neuen Führers Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) zusammen mit dem mittlerweile „albinosierten“ Washington zurück zur Erde, um dort genug Smartphones für den Start der Invasion zu sammeln…

Wenn man etwas über „Iron Sky“ schreibt, muss man die unglaubliche Vorgeschichte erzählen, die zur Produktion dieses Filmes führte. Die Macher Timo Vuorensola und Samuli Torssonen haben zuvor nur eine Handvoll Amateurfilme namens „Star Wreck“ gedreht, die „Star Trek“ parodierten. Samuli Torssonen interessierte hierbei vor allem der technische Aspekt. So wurden die Filme mit der Zeit immer aufwändiger und hatte schnell eine große Schar Fans hinter sich. „Star Wreck“ blieb dabei aber immer noch eine Amateurproduktion ohne echte Schauspieler, die vor allen Dingen vom Elan und Enthusiasmus aller Beteiligten lebte. Dann kamen Vuorensola und Torssonen auf die Idee, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen: Ein Film über Mondnazis. Die Grundidee für „Iron Sky“ war geboren und schon bald schwärmten erste Teaser im Netz, um für den Film Reklame zu machen. Und das mit Erfolg: Via Crowdfounding fanden sich schnell zahlreiche Unterstützer und große Produktionsfirmen wurden auf die ambitionierten Finnen aufmerksam. Dass der Film allerdings zum größten Teil durch die Gelder von Fans realisiert wurde, ist ein gerne geglaubtes Märchen. Gerade einmal 10% kamen auf diese Weise in die Kasse, den Rest schossen die Produktionsunternehmen aus Finnland, Deutschland und Australien dazu. Im Netz war der Hype um „Iron Sky“ bereits vor seiner Premiere so groß, dass der große Kassenerfolg (fast eine halbe Million Zuschauer allein in Deutschland)  nicht besonders überrascht.

Aber kann „Iron Sky“ die großen Erwartungen erfüllen? Die Antwort lautet leider: Nein. Dazu setzt er sich einfach zu sehr zwischen alle Stühle. Für eine Komödie ist er nicht lustig genug, für einen SF-Film allerdings zu albern. Einige gute Ansätze werden nicht konsequent verfolgt und scharfe Satire wechselt mit albernem Klamauk, aber für reinen Trash ist er dann doch z.T. zu ernsthaft inszeniert und sieht zu gut aus, wobei man aber trotzdem deutlich das relativ schmale Budget erkennt. Der Film schlingert hin und her ohne sich konkret für eine Richtung zu entscheiden. Im Netz wird kolportiert, dass die Fans am Drehbuch mitschreiben durften. Ob dies nun der Wahrheit entspricht oder nicht, der fertige Film macht in seiner Unentschiedenheit durchaus diesen Eindruck.

Vielleicht liegt es auch daran, dass mit Timo Vuorensola kein Profi hinter der Kamera stand. Seine Erfahrungen beim Film beschränken sich eben auf eine Rolle in der „Star Wreck“-Serie und die Inszenierung deren letzter Folge, die als erste Spielfilmlänge hatte. Und das merkt man leider auch. Es fehlt einfach an Disziplin und einer klaren Vorstellung davon, wie der Film aussehen soll. Zumindest hat er die Unterstützung seiner Darsteller, die sichtlich mit Freude bei der Sache sind. Und mit Julia Dietze, die ihre Sache gut macht, ist ein hübsches, unverbrauchtes Gesicht an Bord, das man gerne wiedersehen würde. Auch die alten Haudegen Udo Kier (immer wieder gerne gesehen) und Götz Otto machen genau das Richtige und spielen lediglich überspitzte Versionen der Rollen, die man von ihnen gewohnt ist. Die restlichen Darsteller stören nicht, werden aber von der Regie ziemlich im Stich gelassen und treiben im luftleeren Raum ohne eine Erdung zu finden.

Die guten Momente sind durchaus vorhanden. Z.B. wenn bei der UNO-Versammlung der nordkoreanische Botschafter behauptet, die UFOs hätte sein mächtiger Führer persönlich entworfen und gebaut. Oder die Sarah-Palin-mäßige Präsidentin mit Nazi-Propaganda in den Wahlkampf zieht und vor allem die tiefschwarze und pessimistische Schlusspointe. Doch sie sind zu sehr im Film verstreut. Man hat das Gefühl, dass sich die Macher zunächst an ihrer  trashigen – und nicht unoriginellen – Idee berauscht haben, aber dann irgendwann einen „richtigen“ Film drehen wollten. So sehr man das fertige Produkt auch mögen möchte, so sympathisch einem die Nerd-Geschichte drumherum auch erscheinen, „Iron Sky“ schmeckt – trotz der richtigen Zutaten – irgendwie fade. Selbst die Musik von „Laibach“ klingt nicht so, wie man sich das im Vorfeld vorgestellt hatte.  Ihre Brachialität klingt zwar immer mal wieder an, doch wie so vieles hier, ist es zu punktuell.

„Iron Sky“ wird den hohen Erwartungen bedauerlicherweise und trotz aller Sympathie nicht gerecht. Es ist weder das gut gelaunte Trash-Spektakel, das man erhoffte, noch der große Effekte-Film, der er sein möchte. Uneinheitlich und nicht konsequent genug, leidet er vor allem an der Unerfahrenheit seiner Macher. Darüber können leider auch einige gelungene Pointen, der ungeheure und detailverliebte technische Aufwand und Leute wie Kier, Otto oder die schöne Julia Dietze nicht hinwegtäuschen. „Iron Sky“ bleibt am Ende doch nur der teuerste und aufwändigste Amateurfilm aller Zeiten.

Da mir die BluRay vorliegt, muss ich leider auf Screenshots verzichten und auf Pressebilder zurückgreifen. Die BluRay ist – wie man es von Splendid kennt – technisch wieder einmal in Bild und Ton hervorragend. Vielleicht sogar zu gut, denn durch die hohe Schärfe kann man die Künstlichkeit der Umgebung leider nur allzu gut erkennen. Als Extras hat die BluRay einen Audiokommentar von Timo Vuorensola. Besonders interessant ist das 8-minütige Feature „Iron Sky“: How it all started“, welches in kurzer Zeit viele interessante Fakten über die Entstehung des Filmes und den Hintergrund seiner Macher beleuchtet. Ferner gibt es noch ein Feature über „Story & Charakter“ (15 Minuten) und ein Special über die Premiere auf der Berlinale (12 Minuten), welches scheinbar von einem Fan (?) aufgenommen wurde, denn am Anfang steht die Kamera mitten in der Menge und nimmt auch die Gesprächsfetzen der umstehenden Leute mit auf.

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Das Bloggen der Anderen (10-11-12)

Auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte wird „Rubber“ sehr positiv besprochen. Den Film haben wir in diesem Jahr auch im Rahmen unserer Weird Xperience-Reihe im City 46 gezeigt.

Eine sehr ausführliche Kritik zum Oldenburg-Liebling „Oh Boy“ hat Björn Schneider auf Filme Welt geschrieben.

Auf seinem Filmtagebuch weist Thomas Groh auf seine kritische Besprechung der neuen Kim-ki duk „Pietá“  in der taz hin.

Auf Final Frontier Film vergleicht Der Außenseiter bei einer Besprechung des sehr tollen „Der Pfarrer von St. Pauli“ Rolf Olsen mit John Ford, was mich zu spontanem Applaus hinreißt. Und er erinnert an einen DER Skandalfilme der 80er (zumindest für die damaligen Bravo-Leser): „Der Fan“ von Eckhard Schmidt.

Bei Hard Sensations stellt Experte Oliver Nöding neuen Action-Stoff auf DVD vor. Außerdem gibt es von Alex Klotz eine Besprechung der CMV-Veröffentlichung „Parapsycho – Spektrum der Angst“ des großen Österreichers Peter Patzak. Ich hoffe, über diese DVD kann ich demnächst auch etwas schreiben. Überhaupt sollte man mehr Patzak gucken. Da gibt es noch sehr viel zu entdecken. Nicht nur „Kottan“.

Das Magazin des Glücks widmet sich diesmal den „Dr. Mabuse“-Filmen. Unbedingt lesenswert, auch wenn einige spätere Filme (noch?) fehlen.

Hamburg ist eine Reise wert, wenn dort die Reihe „Bizarre Cinema“ gezeigt wird. The Wayward Cloud stellt das Programm für November/Dezember vor.

Auf screen/read gibt es ein Interview mit der amerikanischen Filmemacherin Ama Lea zu lesen, die einen von Bava und Argento inspirierten Kurzfilm (30 Minuten) mit dem Titel „Red Red“ gedreht hat. Vielversprechender Titel des Interviews: „Boobs! Blood! Lesbians!

Letztes Mal war der neorealistische Film dran, diesmal hat L’Amore in città eine Zeittafel des politischen italienischen Films von 1960-1980 erstellt. Außerdem: „Elfmeter für den Superbullen„, der siebte und letzte Film um den von Tomas Millian verkörperten „Superbullen“ Nico Geraldi .

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Rezension: „Skyfall“

In Istanbul soll James Bond (Daniel Craig) eine gestohlene digitale Liste mit verdeckten Identitäten von Geheimdienstlern, die sich in Terrororganisationen eingeschleust haben, wiederbeschaffen. Doch die Aktion wird zum Debakel, als die zu seiner Unterstützung eingesetzte Agentin Eve (Naomie Harris) auf Befehl von MI6-Chefin M (Judi Dench) auf ihn schießt und dabei scheinbar tötet. In London wird M wegen der verschwundenen Liste von Gareth Mallory (Ralph Fiennes), dem Leiter des Sicherheitskomitees der Regierung, unter Druck gesetzt. Als das MI6-Hauptquartier durch einen Bombenanschlag zerstört wird, kehrt Bond „von den Toten zurück“, befindet sich aber in denkbar schlechter Verfassung. Trotzdem wird er auf die Spur des Cyber-Terroristen Silva (Javier Bardem) gesetzt, mit dem Bond mehr verbindet, als er ahnt…

Da ist er nun also: Bond No. 23. Eine ganze Zeit lang stand Daniel Craigs dritter Einsatz als Geheimagent Ihrer Majestät auf der Kippe. Mitten in den Vorbereitungen ging MGM, das Studio, welches die Rechte zur Serie besitzt, pleite. Damit wurden alle Arbeiten an dem Film gestoppt, und es hieß zeitweise sogar,die Reihe würde gar nicht mehr fortgesetzt. Aber das war natürlich Quatsch. Niemand würde ein so lukratives Franchise wie die Bond-Filme einfach aufgeben. Und so fand sich mit Sony rasch ein Helfer für das marode MGM-Studio, und nach einer Pause von vier Jahren (übrigens die längste, ohne dass der Hauptdarsteller wechselte. Die längste Auszeit – sechs Jahre – gab es beim Wechsel von Dalton zu Brosnan) ging nun, pünktlich zum 50. Jahrestag der „Dr. No“-Premiere, „Skyfall“ an den Start.

Die Erwartungshaltung war natürlich immens. Nach dem eher verunglückten „Ein Quantum Trost“, dem jegliches „Bond-Feeling“ durch einen hypernervösen Filmschnitt ausgetrieben wurde, und nach der langen Wartezeit, erwartet natürlich jeder zum Jubiläum große Dinge. Dass mit Sam Mendes ein waschechter Oscar-Gewinner (für „American Beauty“, zudem Regisseur des großartigen „Zeiten des Aufruhrs“) verpflichtet wurde und mit Javier Bardem ein grandioser Schauspieler als Schurke, der bereits in „No Country For Old Men“ bewiesen hat, wie furchteinflössend er agieren kann, hob die Stimmung weiter. Auch wenn Mendes – wie sein Vorgänger bei „Ein Quantum Trost“, Marc Forster – nicht gerade für Actionfilme bekannt ist.

Ich bin Bond-Fan durch und durch. Als die ersten Teaser zu „Skyfall“ im Netz zu finden waren, sog ich diese begierig in mich auf. Was ich da sah, war sehr vielversprechend und verursachte dieses gewisse Kribbeln der Vorfreude in meiner Bauchgegend. Gleichzeitig meldete sich da aber auch diese kleine Stimme im Hinterkopf, die sich vor einer riesigen Enttäuschung fürchtete. Die rauschende Begeisterung, die nach der Weltpremiere des Filmes in London durch den Blätterwald fegte, ließ die Stimme zwar leiser werden, brachte sie aber nicht zum Verstummen. So saß ich dann mit einer Mischung aus erregter Erwartung und leiser Angst im Kino. Würde dieser Bond, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, meine Erwartungen erfüllen?

Bereits die legendäre Pre-Titel-Sequenz – ein Muss bei allen Bond-Filmen und quasi der Appetitanreger für die folgende Haupthandlung – ließ meine Bedenken sich in Luft auflösen. Sie knüpfte direkt an die besten Traditionen der Serie an. Von der Rasanz erinnert sie an die Connery-Zeit und vom Spektakulären her an die Moore-Ära. Gute, alte Stuntarbeit, ein furioser Kampf auf einem fahrenden Zug, atemlose Spannung und sogar Humor. Diese Sequenz belegt eindrucksvoll: Bond is back! Wenn sie dann in die an den legendären Maurice Binder gemahnende Titelsequenz übergeht und diese mit Adeles Titelsong – ein ganz klassisches Bond-Stück und weit entfernt von vorherigen Rock-Experimenten – unterlegt wird, dann geht einem als Fan das Herz über. Nur die kleine Stimme fragte weiterhin leise: Kann der Film dieses Niveau halten?

Im Großen und Ganzen: Ja. Auf charmante und clevere Weise wird in „Skyfall“ der Bogen zurück zu den Klassikern der Serie gespannt. Nachdem Bond in „Casino Royale“ neu erfunden wurde und „Ein Quantum Trost“ eine Art Zwischenzustand darstellte, wird Daniel Craig – überzeugend und physisch ungeheuer präsent – in „Skyfall“ endgültig zu dem James Bond, den wir seit 50 Jahren kennen und lieben. Zurück zum Start und doch völlig neu: So präsentiert sich James Bond im Jahre 2012. Der Reboot ist gelungen, Craig IST James Bond. Für Fans und Nostalgiker hält „Skyfall“ viele schöne Überraschungen und Anspielungen bereit, die ich hier nicht näher ausführen werde – auch wenn es in den Fingern juckt – um allen, die den Film noch nicht gesehen haben, nicht die Freude zu verderben. Das macht einfach Spaß und ist erfreulicherweise auch nicht „gezwungen“, sondern entwickelt sich aus der Geschichte heraus. Sogar der lange vermisste Humor zieht wieder in die Serie ein und Craig lässt einige charmante Oneliner vom Stapel, die an die glorreiche Zeit mit Sean Connery erinnern.

Auch ein Film wie „Skyfall“ ist nicht ganz ohne Schwächen. So sind einige am Computer entstandene Effekte extrem offensichtlich (Warum? Am Budget kann es ja kaum gelegen haben). Insbesondere wenn Bond einen Riesenwaran als Sprungbrett benutzt, fühlt man sich fast in das Uralt-PC-Spiel „Pitfall“ hineinversetzt. Auch wird Craigs Gesicht etwas zu deutlich per Computer auf den Körper eines Stuntmans kopiert. Aber gut, in den alten Bonds waren die Szenen vor einer Rückpro-Leinwand auch nicht gerade realistisch. Am Anfang der zweiten Hälfte – wenn ein Schurke scheinbar mühelos festgenommen wurde – zieht sich der Film etwas. Auch bleiben die Bond-Girls eher blass. Doch das alles verzeiht man gerne, denn insgesamt macht der Film vieles richtig.

Ja, es ist wahr. James Bond wird hier noch mehr vermenschlicht, als in den beiden Vorgängern. Bis dahin stand Bonds Psyche ja eher selten im Vordergrund, vom ungewöhnlichen und für mich besten Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ – und einige zaghafte Versuche in der Brosnan-Periode – mal abgesehen. Dieser Bond zeigt seine ganze Spannbreite und ist sich auch nicht zu schade, Schwächen zu zeigen. Interessant – und etwas unlogisch – , dass er immer als „Relikt“ aus einer anderen Zeit und als „zu alt für diese Welt“ bezeichnet wird. In der Chronologie der Filme mit Daniel Craig steht Bond ja eigentlich erst am Anfang seiner Geheimdienstkarriere. Aber diese Bemerkungen sollte man wohl auf die 50jährige Kinogeschichte des James Bond, nicht auf die Daniel-Craig-Inkarnation beziehen. Craig macht sich die Rolle ganz zu eigen und ist mit keinem seiner Vorgänger direkt vergleichbar. Am wenigsten mit den „leichten“ Bonds Moore und Brosnan. Sein Bond schwitzt, blutet, zweifelt und zeigt Gefühle. Auch erfahren wir mehr über seine Kindheit und wie er der wurde, der er ist. Ob man „Skyfall“ nun mag oder nicht, hängt auch stark davon ab, ob man mit dieser „Vermenschlichung“ der Ikone Bond mitgeht oder nicht. Schön in früheren Bonds hatte ich Probleme, wenn seine Fälle zu persönlich wurden – so habe ich die jahrelange Gefangenschaft Brosnans in „Stirb an einem anderen Tag“ nie so richtig akzeptieren können. Andererseits mochte ich – wie gesagt – „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Vielleicht kommt es auch darauf an, wer Bond spielt. Frische, unverbrauchte Gesichter wie Lazenby oder Craig kann ich hier eher akzeptieren, als Connery, Moore oder Brosnan. Dalton liegt da so in der Mitte. Wer also seinen James Bond als über allen stehenden Superhelden, ja als Mythos, bevorzugt, könnte Probleme mit „Skyfall“ bekommen. Denn „Skyfall“ ist für die Bond-Serie in etwa das, was „The Dark Knight Returns“ für die Batman-Comics war.

Und am Ende stehen wir dann dort, wo die Serie vor 50 Jahren begann. James Bonds Lehrjahre sind abgeschlossen, die Trilogie zu einem Ende gekommen. James Bond ist nun James Bond, sein Universum ist komplett und die Geschichte kann endlich wieder von vorne losgehen. Mal schauen, was die Zukunft bringt. Vielleicht – was konsequent wäre – ein „Dr. No“-Remake? Oder etwas ganz anderes? „James Bond Will Return“ steht im Abspann und ich freue mich drauf.

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