Überraschungserfolg: „Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger“ – zusätzliche Vorstellungen

Das hätte bei der Premiere des Filmes wohl keiner erwartet:  “Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger” von Eike Besuden ist in unserem kleinen Bremen eine ähnliche Erfolgsstory, wie die Publikums-Sensation des Jahres: „Ziemlich beste Freunde“. Wie beim französischen Erfolgsfilm, hat sicherlich auch hier niemand mit einem derartigen Einschlag gerechnet. Seit Tagen sind die Vorstellungen des Filmes  im City 46 restlos ausverkauft!!!

Aus diesem Grunde werden nun noch einige zusätzliche Vorstellungen dran gehangen.

Nächste Woche läuft der Film dann noch an diesen beiden zusätzlichen Terminen:

Mo. 19.11.  und Mi. 21.11. jeweils um 18:15 Uhr, sowie am 22., 24., 26. und 28. zur selben Zeit im Kino 2.

Meine Gratulation an Eike Besuden und sein Team zu diesem tollen Erfolg!

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DVD-Rezension: „When the Lights Went Out“

1974, Yorkshire, England: Die Maynards sind eine junge Familie, die hier endlich ihr Traumhaus gefunden hat. Doch die Freude währt nicht lange. Schon bald müssen sie feststellen, dass in dem Haus scheinbar ein Poltergeist spukt, der es insbesondere auf ihre 13-jährige Tochter Sally (Tasha Connor) abgesehen hat…

Vielleicht inspiriert vom großen Erfolg der japanischen J-Horror-Filme, sind Geistergeschichten seit einiger Zeit wieder en vogue. Hier kommt mit „When the Lights Went Out“ nun ein britischer Vertreter dieses Untergenres, der es mit einer Mischung aus „Amityville Horror“ und „Der Exorzist“ versucht. Von „Amityville Horror“ stammt u.a. die Behauptung, dass es sich bei dem Gezeigten um eine wahre Begebenheit handeln würde. Das ist auch nicht so falsch, denn der Film beruht auf einer Poltergeist-Erscheinung, die in den 60er Jahren in Yorkshire als „Black Monk of Pontefract“ einige Berühmtheit erlangte. Regisseur Pat Holden betont in Interviews auch immer wieder, dass er familiäre Verbindungen zu der damals betroffenen Familie Pritchard unterhalten würde.

Für den Film ist das Geschehen allerdings ins Jahr 1974 verlegt (warum eigentlich?) und der Name der Familie von Pritchard in Maynard geändert worden. Obwohl die zeitliche Verortung in den 70ern Jahren somit recht willkürlich ist, gelingt es Pat Holden jedoch perfekt, diese Dekade auf authentische und liebevoll Art und Weise zu rekonstruieren. Auch das Lokalkolorit wird ausgezeichnet getroffen. Die Darsteller scheinen tatsächlich aus der Zeit gefallen und erfüllen gleichzeitig auch genau das Bild, welches man sich von den knorrigen Leuten aus der britischen Provinz macht. Hier muss man Set-Designern, Kostümbildnern und Friseuren ein ganz großes Kompliment aussprechen. Ebenfalls toll besetzt ist die junge Tasha Connor in der Hauptrolle der Sally. Wahrlich keine Schönheit, spielt sie das normale Mädchen von nebenan, welches mitten in der Pubertät mit sich, ihrer Familie und der Welt im Allgemeinen hadert, natürlich und überzeugend.

Das Problem an „When the Lights Went Out“ ist das Drehbuch, welches unentschlossen hin und her schlingert und es nicht schafft, eine überzeugende Geschichte zu erzählen. Zwar ist die erste Hälfte noch spannend erzählt und hält ein- zwei fiese Schockeffekte parat, aber schon hier macht sich der größte logische Fehler des Filmes schmerzhaft bemerkbar. Nachdem die ganze Familie einige heftige Spukattacken über sich hat ergehen lassen müssen, sind alle fest davon überzeugt, dass ein böser Geist im Haus umher geht. Doch die Familie zieht nicht aus und ist merkwürdigerweise in der Folge immer wieder überrascht, wenn der Geist das nächste Mal zuschlägt. Wenn ich morgens neben dem blutenden Geist eines toten Mädchens aufwachen würde, würde ich keinen Fuß mehr in meine Wohnung setzen. Hier will die Mutter aber unbedingt in ihrem Traumhaus (welches nun wirklich kein Palast ist) bleiben und ihr Ehemann akzeptiert dies zähneknirschend, statt seine Siebensachen zu packen und sich zusammen mit seiner Tochter in Sicherheit zu bringen. Das ist reichlich an den Haaren herbeigezogen. Natürlich –  ohne diesen Kniff wäre der Film nach 30 Minuten zu Ende, aber wenn sich ein Film darauf beruft, eine „wahre“ Geschichte zu erzählen, dann hätte man dieses unnormale Verhalten doch zumindest irgendwie erklären sollen. Dass die junge Sally auch noch ständig von ihren Eltern geohrfeigt und aufs Übelste beschimpft wird – weil sie angeblich alles nur inszenieren würde, obwohl allen in der Familie schon lange klar ist, dass hier eine Poltergeist-Manifestierung vorliegt – stößt ebenfalls übel auf.

Schade auch, dass viele interessante Ansätze nicht weiter verfolgt werden. So wird die Hintergrundgeschichte des Geistes erst großartig vorbereitet und dann lieblos dahingeworfen. Sallys beste Freundin ist ein merkwürdiges Mädchen, deren Mutter Sally das Versprechen abringt, sie nie in das Geisterhaus zu lassen. Die ganze Zeit über wird dabei unterschwellig angedeutet, es könnte eine böse Verbindung zwischen dem Mädchen und dem Spuk geben. Als es dann zur – lahmen – Konfrontation kommt, bekommt das Mädchen nur einen Schreck und verschwindet aus der Handlung. Hierzu gäbe es noch weitere Beispiele, wo interessante Geschichten und Aspekte aufgebaut werden, aber diese Fäden dann ins Leere laufen. Dass die Familie Maynard Fremde gegen Eintrittsgeld durch ihr Geisterhaus führt, gehört auch dazu.

Bis auf die oben erwähnten Schockeffekte in der ersten Hälfte, ist „When the Lights Went Out“ auch nicht besonders gruselig. Zu zerfasert sind die Handlungsstränge, zu sprunghaft der Erzählstil. Am Ende taucht dann noch ein waschechter Exorzist auf, aber seine Szene wirkt wie eine Parodie auf William Friedkins Klassiker und entbehrt jeglicher Ernsthaftigkeit. Von der finalen Wendung, inklusive billiger CGI, mal ganz abgesehen. Stark ist der Film immer nur, wenn er das England der 70er Jahre abbildet und seinen urbritischen Charakteren etwas Raum zur Entfaltung gibt. Leider tut er dies aber zu wenig.

„When the Lights Went Out“ kann mit einer akribischen Rekonstruktion der britischen Provinz in den 70er Jahren und einer interessanten Hauptdarstellerin punkten. Als Horrorfilm ist er aber einfach zu wenig gruselig und zerfasert in zu viele Handlungsstränge, die zusammen kein einheitliches Bild ergeben und das Vergnügen zum Teil durch ihre krasse Unlogik stören.

Die DVD von Ascot zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild aus. Auch der Ton ist dynamisch und unterstreicht die Poltergeist-Aktivitäten. Als Extras gibt es 6 unkommentierte Minuten von den Dreharbeiten in der Klosterruine und weitere 3 Minuten mit Dreharbeiten im Pfarrhaus, wobei auch die  beteiligten Schauspieler einige kurze Statements abgeben. Ansonsten gibt es außer Trailern hier nichts zu gucken.

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Das Bloggen der Anderen (16-11-12)

– U.a. auf Affenheimtheater ist der relativ heftige Trailer zu Johnnie Tos neustem Werk „Drug War“ zu sehen, welches ihn wieder in die Welt der Gangster führt.

– Auf Equilibrium kann man sich das parodistische „Audition-Tape von Wes Anderson für Star Wars: Episode VII“ anschauen.

– In der Filmgazette kann man ein interessantes Interview mit dem Filmemacher Axel Ranisch lesen, der- laut Filmdienst – seit seinem Film „Dicke Mädchen“ die Speerspitze eines neuen deutschen Low-Budget-Kinos ist.

– Thomas Groh empfiehlt auf seinem filmtagebuch den Film „Dredd“ und weist auf eine Musikveröffentlichung hin, die mir auch sehr am Herzen liegt: Die CD „Segni misteriosi, con il sangue dipinto sul muro“ der Band Sospetto. Darüber wird es hier demnächst auch etwas geben.

– Das tolle DVD-Label CMV hat vor Kurzem die „Frits-Fronz-Collection“ veröffentlicht. Dazu passend wird auf Hard Sensations von Sylvia Szymanski der Frits-Fronz-Film „Perfekt in allen Stellungen“ vorgestellt.

– Dreimal Poliziesco bei Remember it for later: „I padroni della città“ (Zwei Supertypen räumen auf), und „Il boss“ (Der Teufel führt Regie) vom großartigen Fernando di Leo, sowie „La belva col mitra“ (Der Tollwütige) von Sergio Grieco mit Helmut Berger (das ist der Film, den sich Bridget Fonda in Tarantinos „Jackie Brown“ im TV ansieht und Robert deNiro auf Berger deutend fragt, ob das Rutger Hauer sei).

– Weiter geht es mit noch mehr italienischem. Noch ein Poliziesco bei L’Amore in città: Roma a mano armata (Die Viper) von Umberto Lenzi mit der Traumpaarung Maurizio Merli und Tomas Milian. Schöner Film, schöner Text. Ebenso ausführlich wird dort auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme besprochen: La caduta degli dei ( (Die Verdammten) von Luchino Visconti.

– Zu guter Letzt ist bei The Wayward Cloud der Berliner Filmautor und -kurator Michael Baute über die im Internet florierende Praxis der Video Essays interviewt worden. Auch sehr interessant.

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Originalfassungen in Bremen: 15.11.12 – 21.11.12

Viele Filme, davon sicherlich einige auch heiß erwartet. Für meinen Geschmack ist leider nicht wirklich was dabei, aber was soll’s. Ich freue mich trotzdem über die große Auswahl. Als Tipp fällt mir spontan „Cosmopolis“ ein, aber auch nur, weil er von David Cronenberg ist, der mal verteufelt gute Filme gemacht hat. Und „Rocky Horror“ kann man eigentlich auch immer wieder gucken…

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 1 & 2 – Cinemaxx, So. 18.11. um 14:30 – Der letzte Teil der Teenie-Vampire-Reihe im Doppelpack. Die Fans wird es sehr erfreuen.

Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 – Cinemaxx, Mi., 21.11. um 20:15 – Der letzte Teil der Saga um Bella und Edward. Nicht mein Ding, aber viele Mädels freuen sich ja schon auf den letzten Auftritt der schönen Liebenden. Es soll ihnen gegönnt sein.

Skyfall – Cinemaxx, Fr. und Di. um 19:00 und Sa. um 20:30 – Hat mir gut gefallen. Meine Besprechung gibt es hier.

Çanakkale 1915  – Cinemaxx, Do.-Mi. 23:15 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg. Läuft und läuft und läuft…

Oglum Bak Git – Junge zieh‘ Leine! – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:50 und 23:15 – Türkische Komödie um den Taxifahrer und Pechvogel Orhan. Wow, ich sehe gerade 1,2/10 Punkte bei 95 Votes in der IMDb. Das klingt wie eine handfeste Warnung.

Cloud Atlas – Schauburg, So. 18.10. und Mi. 21.10. jeweils 20:30 & Cinemaxx, ebenfalls So. 18.11. auch um 20:30 – Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Tom Tykwer mag ich eigentlich, die Wachowskis haben mich nach dem furiosen ersten „Matrix„-Teil nur noch enttäuscht (Teil 3 habe ich ihnen bis heute nicht verziehen).  Der Trailer sieht nach Gigantomanie und schwerer Bedeutsamkeit aus. Könnte durchaus interessant sein oder ein Mega-Flop. Interessant ist auch das Gehabe des deutschen Verleihs, über das man hier etwas lesen kann.

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=BFeRC1qJS_w[/youtube]

Cosmopolis – City 46, Do., Sa., So., Mi. immer um 20:00 – Wer nach „Breaking Dawn“ noch nicht genug von Robert Pattinson hat, der kann sich David Cronenbergs neusten Film ansehen. Hier spielt der Jungstar einen arroganten Yuppie, der in der Stretchlimo durch New York fährt. Nach dem Roman von Don DeLillo und mit Juliette Binoche.

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Die Lieder meiner Liebe – City 4, Di. 20.11. um 20:30 – Japanisches Biopic über Taki Rentaro (1879 – 1903), einem der bekanntesten Komponisten Japans, genannt „japanischer Schubert“. In Kooperation mit der japanisch-deutschen Kulturinitiative. Eintritt frei!

Babamin Sesi – Die Stimme meines Vaters – City 46, Do. 18:00 und Fr., Sa., Mi. um 20:30 – Türkisches Drama um eine Kurdin, Basê, die auf die Rückkehr ihres Sohnes, der – wie einst der Vater – aus seinem türkischen Dorf floh, wartet. Als Basês jüngerer Sohn Mehmet, eines Tages Tonbänder im Haus findet, erfährt er nach und nach Details aus dem Leben der Eltern.

Robert Mugabe… What Happened? – City 46, So. 18.10 um 20:30 – Biographie Robert Mugabes, dem ersten Präsidenten des unabhängigen Zimbabwe, der vom Freiheitskämpfer zum Diktator mutierte. Regisseur Simon Bright wird bei der Vorführung zu Gast sein!

Rocky Horror Picture Show – City 46, Fr./Sa. um 22:30, So./Mi. 18:00 und Mo. 20:30 – Muss man dazu noch etwas schreiben?

[youtube width=“640″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=6PAkEZDJtqg[/youtube]

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 19.11. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 19.11. um 21:45

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BluRay-Rezension: “Iron Sky”

2018: Eine neue Mondmission, bestehend aus dem afroamerikanischen Model James Washington (Christopher Kirby) und einem anderen Astronauten, stößt auf der dunklen Seite des Mondes zufällig auf eine Kolonie Nazis. Diese flohen 1945 mit Reichsflugscheiben hierher und planen nun schon seit Jahrzehnten die Rückeroberung der Erde. Washingtons Begleiter wird erschossen, er selber gefangengenommen. Sein Smartphone scheint für die Mondnazis der fehlende Schlüssel zu sein, um ihre gewaltigste Waffe, das Raumschiff „Götterdämmerung“, zu starten. Der ehrgeizige Klaus Adler (Götz Otto) und seine junge Frau Renate (Julia Dietze) fliegen im Auftrag des neuen Führers Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) zusammen mit dem mittlerweile „albinosierten“ Washington zurück zur Erde, um dort genug Smartphones für den Start der Invasion zu sammeln…

Wenn man etwas über „Iron Sky“ schreibt, muss man die unglaubliche Vorgeschichte erzählen, die zur Produktion dieses Filmes führte. Die Macher Timo Vuorensola und Samuli Torssonen haben zuvor nur eine Handvoll Amateurfilme namens „Star Wreck“ gedreht, die „Star Trek“ parodierten. Samuli Torssonen interessierte hierbei vor allem der technische Aspekt. So wurden die Filme mit der Zeit immer aufwändiger und hatte schnell eine große Schar Fans hinter sich. „Star Wreck“ blieb dabei aber immer noch eine Amateurproduktion ohne echte Schauspieler, die vor allen Dingen vom Elan und Enthusiasmus aller Beteiligten lebte. Dann kamen Vuorensola und Torssonen auf die Idee, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen: Ein Film über Mondnazis. Die Grundidee für „Iron Sky“ war geboren und schon bald schwärmten erste Teaser im Netz, um für den Film Reklame zu machen. Und das mit Erfolg: Via Crowdfounding fanden sich schnell zahlreiche Unterstützer und große Produktionsfirmen wurden auf die ambitionierten Finnen aufmerksam. Dass der Film allerdings zum größten Teil durch die Gelder von Fans realisiert wurde, ist ein gerne geglaubtes Märchen. Gerade einmal 10% kamen auf diese Weise in die Kasse, den Rest schossen die Produktionsunternehmen aus Finnland, Deutschland und Australien dazu. Im Netz war der Hype um „Iron Sky“ bereits vor seiner Premiere so groß, dass der große Kassenerfolg (fast eine halbe Million Zuschauer allein in Deutschland)  nicht besonders überrascht.

Aber kann „Iron Sky“ die großen Erwartungen erfüllen? Die Antwort lautet leider: Nein. Dazu setzt er sich einfach zu sehr zwischen alle Stühle. Für eine Komödie ist er nicht lustig genug, für einen SF-Film allerdings zu albern. Einige gute Ansätze werden nicht konsequent verfolgt und scharfe Satire wechselt mit albernem Klamauk, aber für reinen Trash ist er dann doch z.T. zu ernsthaft inszeniert und sieht zu gut aus, wobei man aber trotzdem deutlich das relativ schmale Budget erkennt. Der Film schlingert hin und her ohne sich konkret für eine Richtung zu entscheiden. Im Netz wird kolportiert, dass die Fans am Drehbuch mitschreiben durften. Ob dies nun der Wahrheit entspricht oder nicht, der fertige Film macht in seiner Unentschiedenheit durchaus diesen Eindruck.

Vielleicht liegt es auch daran, dass mit Timo Vuorensola kein Profi hinter der Kamera stand. Seine Erfahrungen beim Film beschränken sich eben auf eine Rolle in der „Star Wreck“-Serie und die Inszenierung deren letzter Folge, die als erste Spielfilmlänge hatte. Und das merkt man leider auch. Es fehlt einfach an Disziplin und einer klaren Vorstellung davon, wie der Film aussehen soll. Zumindest hat er die Unterstützung seiner Darsteller, die sichtlich mit Freude bei der Sache sind. Und mit Julia Dietze, die ihre Sache gut macht, ist ein hübsches, unverbrauchtes Gesicht an Bord, das man gerne wiedersehen würde. Auch die alten Haudegen Udo Kier (immer wieder gerne gesehen) und Götz Otto machen genau das Richtige und spielen lediglich überspitzte Versionen der Rollen, die man von ihnen gewohnt ist. Die restlichen Darsteller stören nicht, werden aber von der Regie ziemlich im Stich gelassen und treiben im luftleeren Raum ohne eine Erdung zu finden.

Die guten Momente sind durchaus vorhanden. Z.B. wenn bei der UNO-Versammlung der nordkoreanische Botschafter behauptet, die UFOs hätte sein mächtiger Führer persönlich entworfen und gebaut. Oder die Sarah-Palin-mäßige Präsidentin mit Nazi-Propaganda in den Wahlkampf zieht und vor allem die tiefschwarze und pessimistische Schlusspointe. Doch sie sind zu sehr im Film verstreut. Man hat das Gefühl, dass sich die Macher zunächst an ihrer  trashigen – und nicht unoriginellen – Idee berauscht haben, aber dann irgendwann einen „richtigen“ Film drehen wollten. So sehr man das fertige Produkt auch mögen möchte, so sympathisch einem die Nerd-Geschichte drumherum auch erscheinen, „Iron Sky“ schmeckt – trotz der richtigen Zutaten – irgendwie fade. Selbst die Musik von „Laibach“ klingt nicht so, wie man sich das im Vorfeld vorgestellt hatte.  Ihre Brachialität klingt zwar immer mal wieder an, doch wie so vieles hier, ist es zu punktuell.

„Iron Sky“ wird den hohen Erwartungen bedauerlicherweise und trotz aller Sympathie nicht gerecht. Es ist weder das gut gelaunte Trash-Spektakel, das man erhoffte, noch der große Effekte-Film, der er sein möchte. Uneinheitlich und nicht konsequent genug, leidet er vor allem an der Unerfahrenheit seiner Macher. Darüber können leider auch einige gelungene Pointen, der ungeheure und detailverliebte technische Aufwand und Leute wie Kier, Otto oder die schöne Julia Dietze nicht hinwegtäuschen. „Iron Sky“ bleibt am Ende doch nur der teuerste und aufwändigste Amateurfilm aller Zeiten.

Da mir die BluRay vorliegt, muss ich leider auf Screenshots verzichten und auf Pressebilder zurückgreifen. Die BluRay ist – wie man es von Splendid kennt – technisch wieder einmal in Bild und Ton hervorragend. Vielleicht sogar zu gut, denn durch die hohe Schärfe kann man die Künstlichkeit der Umgebung leider nur allzu gut erkennen. Als Extras hat die BluRay einen Audiokommentar von Timo Vuorensola. Besonders interessant ist das 8-minütige Feature „Iron Sky“: How it all started“, welches in kurzer Zeit viele interessante Fakten über die Entstehung des Filmes und den Hintergrund seiner Macher beleuchtet. Ferner gibt es noch ein Feature über „Story & Charakter“ (15 Minuten) und ein Special über die Premiere auf der Berlinale (12 Minuten), welches scheinbar von einem Fan (?) aufgenommen wurde, denn am Anfang steht die Kamera mitten in der Menge und nimmt auch die Gesprächsfetzen der umstehenden Leute mit auf.

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Das Bloggen der Anderen (10-11-12)

Auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte wird „Rubber“ sehr positiv besprochen. Den Film haben wir in diesem Jahr auch im Rahmen unserer Weird Xperience-Reihe im City 46 gezeigt.

Eine sehr ausführliche Kritik zum Oldenburg-Liebling „Oh Boy“ hat Björn Schneider auf Filme Welt geschrieben.

Auf seinem Filmtagebuch weist Thomas Groh auf seine kritische Besprechung der neuen Kim-ki duk „Pietá“  in der taz hin.

Auf Final Frontier Film vergleicht Der Außenseiter bei einer Besprechung des sehr tollen „Der Pfarrer von St. Pauli“ Rolf Olsen mit John Ford, was mich zu spontanem Applaus hinreißt. Und er erinnert an einen DER Skandalfilme der 80er (zumindest für die damaligen Bravo-Leser): „Der Fan“ von Eckhard Schmidt.

Bei Hard Sensations stellt Experte Oliver Nöding neuen Action-Stoff auf DVD vor. Außerdem gibt es von Alex Klotz eine Besprechung der CMV-Veröffentlichung „Parapsycho – Spektrum der Angst“ des großen Österreichers Peter Patzak. Ich hoffe, über diese DVD kann ich demnächst auch etwas schreiben. Überhaupt sollte man mehr Patzak gucken. Da gibt es noch sehr viel zu entdecken. Nicht nur „Kottan“.

Das Magazin des Glücks widmet sich diesmal den „Dr. Mabuse“-Filmen. Unbedingt lesenswert, auch wenn einige spätere Filme (noch?) fehlen.

Hamburg ist eine Reise wert, wenn dort die Reihe „Bizarre Cinema“ gezeigt wird. The Wayward Cloud stellt das Programm für November/Dezember vor.

Auf screen/read gibt es ein Interview mit der amerikanischen Filmemacherin Ama Lea zu lesen, die einen von Bava und Argento inspirierten Kurzfilm (30 Minuten) mit dem Titel „Red Red“ gedreht hat. Vielversprechender Titel des Interviews: „Boobs! Blood! Lesbians!

Letztes Mal war der neorealistische Film dran, diesmal hat L’Amore in città eine Zeittafel des politischen italienischen Films von 1960-1980 erstellt. Außerdem: „Elfmeter für den Superbullen„, der siebte und letzte Film um den von Tomas Millian verkörperten „Superbullen“ Nico Geraldi .

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Rezension: „Skyfall“

In Istanbul soll James Bond (Daniel Craig) eine gestohlene digitale Liste mit verdeckten Identitäten von Geheimdienstlern, die sich in Terrororganisationen eingeschleust haben, wiederbeschaffen. Doch die Aktion wird zum Debakel, als die zu seiner Unterstützung eingesetzte Agentin Eve (Naomie Harris) auf Befehl von MI6-Chefin M (Judi Dench) auf ihn schießt und dabei scheinbar tötet. In London wird M wegen der verschwundenen Liste von Gareth Mallory (Ralph Fiennes), dem Leiter des Sicherheitskomitees der Regierung, unter Druck gesetzt. Als das MI6-Hauptquartier durch einen Bombenanschlag zerstört wird, kehrt Bond „von den Toten zurück“, befindet sich aber in denkbar schlechter Verfassung. Trotzdem wird er auf die Spur des Cyber-Terroristen Silva (Javier Bardem) gesetzt, mit dem Bond mehr verbindet, als er ahnt…

Da ist er nun also: Bond No. 23. Eine ganze Zeit lang stand Daniel Craigs dritter Einsatz als Geheimagent Ihrer Majestät auf der Kippe. Mitten in den Vorbereitungen ging MGM, das Studio, welches die Rechte zur Serie besitzt, pleite. Damit wurden alle Arbeiten an dem Film gestoppt, und es hieß zeitweise sogar,die Reihe würde gar nicht mehr fortgesetzt. Aber das war natürlich Quatsch. Niemand würde ein so lukratives Franchise wie die Bond-Filme einfach aufgeben. Und so fand sich mit Sony rasch ein Helfer für das marode MGM-Studio, und nach einer Pause von vier Jahren (übrigens die längste, ohne dass der Hauptdarsteller wechselte. Die längste Auszeit – sechs Jahre – gab es beim Wechsel von Dalton zu Brosnan) ging nun, pünktlich zum 50. Jahrestag der „Dr. No“-Premiere, „Skyfall“ an den Start.

Die Erwartungshaltung war natürlich immens. Nach dem eher verunglückten „Ein Quantum Trost“, dem jegliches „Bond-Feeling“ durch einen hypernervösen Filmschnitt ausgetrieben wurde, und nach der langen Wartezeit, erwartet natürlich jeder zum Jubiläum große Dinge. Dass mit Sam Mendes ein waschechter Oscar-Gewinner (für „American Beauty“, zudem Regisseur des großartigen „Zeiten des Aufruhrs“) verpflichtet wurde und mit Javier Bardem ein grandioser Schauspieler als Schurke, der bereits in „No Country For Old Men“ bewiesen hat, wie furchteinflössend er agieren kann, hob die Stimmung weiter. Auch wenn Mendes – wie sein Vorgänger bei „Ein Quantum Trost“, Marc Forster – nicht gerade für Actionfilme bekannt ist.

Ich bin Bond-Fan durch und durch. Als die ersten Teaser zu „Skyfall“ im Netz zu finden waren, sog ich diese begierig in mich auf. Was ich da sah, war sehr vielversprechend und verursachte dieses gewisse Kribbeln der Vorfreude in meiner Bauchgegend. Gleichzeitig meldete sich da aber auch diese kleine Stimme im Hinterkopf, die sich vor einer riesigen Enttäuschung fürchtete. Die rauschende Begeisterung, die nach der Weltpremiere des Filmes in London durch den Blätterwald fegte, ließ die Stimme zwar leiser werden, brachte sie aber nicht zum Verstummen. So saß ich dann mit einer Mischung aus erregter Erwartung und leiser Angst im Kino. Würde dieser Bond, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, meine Erwartungen erfüllen?

Bereits die legendäre Pre-Titel-Sequenz – ein Muss bei allen Bond-Filmen und quasi der Appetitanreger für die folgende Haupthandlung – ließ meine Bedenken sich in Luft auflösen. Sie knüpfte direkt an die besten Traditionen der Serie an. Von der Rasanz erinnert sie an die Connery-Zeit und vom Spektakulären her an die Moore-Ära. Gute, alte Stuntarbeit, ein furioser Kampf auf einem fahrenden Zug, atemlose Spannung und sogar Humor. Diese Sequenz belegt eindrucksvoll: Bond is back! Wenn sie dann in die an den legendären Maurice Binder gemahnende Titelsequenz übergeht und diese mit Adeles Titelsong – ein ganz klassisches Bond-Stück und weit entfernt von vorherigen Rock-Experimenten – unterlegt wird, dann geht einem als Fan das Herz über. Nur die kleine Stimme fragte weiterhin leise: Kann der Film dieses Niveau halten?

Im Großen und Ganzen: Ja. Auf charmante und clevere Weise wird in „Skyfall“ der Bogen zurück zu den Klassikern der Serie gespannt. Nachdem Bond in „Casino Royale“ neu erfunden wurde und „Ein Quantum Trost“ eine Art Zwischenzustand darstellte, wird Daniel Craig – überzeugend und physisch ungeheuer präsent – in „Skyfall“ endgültig zu dem James Bond, den wir seit 50 Jahren kennen und lieben. Zurück zum Start und doch völlig neu: So präsentiert sich James Bond im Jahre 2012. Der Reboot ist gelungen, Craig IST James Bond. Für Fans und Nostalgiker hält „Skyfall“ viele schöne Überraschungen und Anspielungen bereit, die ich hier nicht näher ausführen werde – auch wenn es in den Fingern juckt – um allen, die den Film noch nicht gesehen haben, nicht die Freude zu verderben. Das macht einfach Spaß und ist erfreulicherweise auch nicht „gezwungen“, sondern entwickelt sich aus der Geschichte heraus. Sogar der lange vermisste Humor zieht wieder in die Serie ein und Craig lässt einige charmante Oneliner vom Stapel, die an die glorreiche Zeit mit Sean Connery erinnern.

Auch ein Film wie „Skyfall“ ist nicht ganz ohne Schwächen. So sind einige am Computer entstandene Effekte extrem offensichtlich (Warum? Am Budget kann es ja kaum gelegen haben). Insbesondere wenn Bond einen Riesenwaran als Sprungbrett benutzt, fühlt man sich fast in das Uralt-PC-Spiel „Pitfall“ hineinversetzt. Auch wird Craigs Gesicht etwas zu deutlich per Computer auf den Körper eines Stuntmans kopiert. Aber gut, in den alten Bonds waren die Szenen vor einer Rückpro-Leinwand auch nicht gerade realistisch. Am Anfang der zweiten Hälfte – wenn ein Schurke scheinbar mühelos festgenommen wurde – zieht sich der Film etwas. Auch bleiben die Bond-Girls eher blass. Doch das alles verzeiht man gerne, denn insgesamt macht der Film vieles richtig.

Ja, es ist wahr. James Bond wird hier noch mehr vermenschlicht, als in den beiden Vorgängern. Bis dahin stand Bonds Psyche ja eher selten im Vordergrund, vom ungewöhnlichen und für mich besten Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ – und einige zaghafte Versuche in der Brosnan-Periode – mal abgesehen. Dieser Bond zeigt seine ganze Spannbreite und ist sich auch nicht zu schade, Schwächen zu zeigen. Interessant – und etwas unlogisch – , dass er immer als „Relikt“ aus einer anderen Zeit und als „zu alt für diese Welt“ bezeichnet wird. In der Chronologie der Filme mit Daniel Craig steht Bond ja eigentlich erst am Anfang seiner Geheimdienstkarriere. Aber diese Bemerkungen sollte man wohl auf die 50jährige Kinogeschichte des James Bond, nicht auf die Daniel-Craig-Inkarnation beziehen. Craig macht sich die Rolle ganz zu eigen und ist mit keinem seiner Vorgänger direkt vergleichbar. Am wenigsten mit den „leichten“ Bonds Moore und Brosnan. Sein Bond schwitzt, blutet, zweifelt und zeigt Gefühle. Auch erfahren wir mehr über seine Kindheit und wie er der wurde, der er ist. Ob man „Skyfall“ nun mag oder nicht, hängt auch stark davon ab, ob man mit dieser „Vermenschlichung“ der Ikone Bond mitgeht oder nicht. Schön in früheren Bonds hatte ich Probleme, wenn seine Fälle zu persönlich wurden – so habe ich die jahrelange Gefangenschaft Brosnans in „Stirb an einem anderen Tag“ nie so richtig akzeptieren können. Andererseits mochte ich – wie gesagt – „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Vielleicht kommt es auch darauf an, wer Bond spielt. Frische, unverbrauchte Gesichter wie Lazenby oder Craig kann ich hier eher akzeptieren, als Connery, Moore oder Brosnan. Dalton liegt da so in der Mitte. Wer also seinen James Bond als über allen stehenden Superhelden, ja als Mythos, bevorzugt, könnte Probleme mit „Skyfall“ bekommen. Denn „Skyfall“ ist für die Bond-Serie in etwa das, was „The Dark Knight Returns“ für die Batman-Comics war.

Und am Ende stehen wir dann dort, wo die Serie vor 50 Jahren begann. James Bonds Lehrjahre sind abgeschlossen, die Trilogie zu einem Ende gekommen. James Bond ist nun James Bond, sein Universum ist komplett und die Geschichte kann endlich wieder von vorne losgehen. Mal schauen, was die Zukunft bringt. Vielleicht – was konsequent wäre – ein „Dr. No“-Remake? Oder etwas ganz anderes? „James Bond Will Return“ steht im Abspann und ich freue mich drauf.

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DVD-Rezension: “Stolen”

Will Montgomery (Nicolas Cage) ist einer der größten Bankräuber der USA. Doch eines Tages geht ein großer Coup schief und Will wandert für acht Jahre hinter Gitter. Die Beute allerdings bleibt verschwunden. Wieder in Freiheit, will er dem kriminellen Leben abschwören, doch sein ehemaliger – inzwischen vollkommen irre gewordener – Kollege Vincent (Josh Lucas) entführt Wills Tochter Alison (Sami Gayle ) und fordert das Geld aus ihrem letzten Raubzug: 10 Millionen Dollar. Dummerweise hat Will das Geld einst verbrannt. Als er die Polizei um Hilfe bittet, glaubt diese an einen Trick. Allein auf sich gestellt, setzt Will Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Tochter aus den Klauen des wahnsinnigen Vincent zu befreien…

Nun also ist Nicolas Cage endgültig in der Welt der „DVD-Premieren“ angekommen. Wobei „Stolen“ in den USA scheinbar einen begrenzten Kinostart hatte. Hierzulande hat sich Splendid des Filmes angenommen und ihn ohne Umschweife auf DVD veröffentlicht. Auch wenn Nu Image hinter der Produktion steckt, die so manchen ihrer B-Filme mit abgehalfterten A-Stars aufwerten (z.B. den grässlichen „Righteous Kill“), kann man sich bei „Stolen“ auf das solide Handwerk seines Regisseurs Simon West verlassen. West ist kein Meisterregisseur, aber ein guter Handwerker, und das merkt man „Stolen“ auch an. Der Film steht in der Tradition der kleinen B-Thriller, die früher auch gerne mal als „Double Features“ liefen und sich vor allem dadurch hervortaten, dass sie grundehrliche Unterhaltung ohne großen Anspruch ablieferten.

Dankenswerterweise scheint Nicolas Cage nicht so recht Lust auf den Film gehabt zu haben, denn er spielt – im Vergleich zu anderen Produktionen – mit angezogener Handbremse. Was gut ist, denn so müssen wir auf sein legendäres Overacting verzichten. Ich wage sogar zu behaupten, dass Cage hier eine seine besten Leistungen der letzten Jahre zeigt (den sehr schönen „Bad Lieutenant: Port of Call“, wo er dem Affen richtig Zucker gibt, mal außen vor gelassen). Auch die anderen Darsteller fallen nicht negativ auf und spielen ihren Stiefel routiniert runter. Danny Huston gibt den harten Cop mit einem heimlichen Herz für den bankenausraubenden Cage und hat ein lustiges, kleines Popeye-Doyle-Hütchen auf dem Kopf, welches ihm recht gut steht. Sami Gayle als Cages Tochter erfüllt ihre Standard-Rolle unauffällig, was auch für Malin Åkerman als Cages alter Kollegin und love interest gilt. Richtig aufs Gas drückt allein Josh Lucas als irrer Antagonist mit wirrem Blick, ebensolcher Haarpracht und natürlich vielen Tattoos. Dass er statt eines Beines eine Stahlschiene trägt, ist ein nettes Accessoire, aus dem der Film aber nicht besonders viel macht. Josh Lucas hat merklich Spaß daran, den Wahnsinnigen zu geben, und das färbt durchaus auch auf den Zuschauer ab. Also der Spaß, nicht der Wahnsinn.

Innovativ ist „Stolen“ beileibe nicht. Die gleiche Geschichte hat man so oder so ähnlich schon unzählige Male gesehen. Wenn man nett ist, spricht man von einem klassischen Stoff, wenn man es nicht ist, nennt man das ausgelutscht. Simon West scheint sich dessen durchaus bewusst zu sein, und so legt er gleich von Anfang an ein so hohes Tempo vor, dass einem der Gedanke, man habe die Geschichte schon mal gesehen, ebenso wenig kommt, wie die zahlreichen Logiklöcher auffallen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, und da der Film es schafft, Tempo und Spannung über die volle Distanz zu halten, fühlt man sich bestens unterhalten. Etwas mehr hätte aus dem Drehort New Orleans und dem dort stattfindenden Mardi Gras gemacht werden können, aber anders als im bereits erwähnten „Bad Lieutenant: Port of Call“ spielt die Stadt hier nur eine untergeordnete Rolle.

93 rasante und sehr unterhaltsame Minuten lassen einen kurzfristig vergessen, dass die Geschichte unoriginell und schon dutzende Male erzählt worden ist. Ein angenehm zurückhaltend spielender Nicolas Cage; auf CGI verzichtende, „echte“ Stunts und routinierte Nebendarsteller machen dieses B-Movie interessant für regnerische Nachmittage, an denen man einfach nur mal gut gemachte Action sehen möchte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die von Splendid veröffentlichte DVD lässt von Bild- und Tonqualität her keine Wünsche offen. Die Extras erschöpfen sich in der üblichen B-roll (10:28 Minuten) , einem „Behind the scenes“ (6:27 Minuten) und mal mehr, mal weniger langen Interviews. Insgesamt also die übliche Packung, in der sich alle ordentlich auf die Schulter klopfen.

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DVD-Rezension: “Maximum Conviction – Keiner kann sie stoppen“

Die beiden Söldner Tom Steele (Steven Seagal) und Manning (Steve Austin) überwachen die Schließung eines streng geheimen Hochsicherheitsgefängnisses. Sechs Häftlinge sollen dabei von FBI-Agenten abgeholt und in ein anderes Gefängnis überführt werden. Doch die Männer vom FBI führen ganz etwas anderes im Schilde. Sie wollen eine, erst kürzlich ins Gefängnis eingelieferte Gefangene in ihre Hände bringen und töten, da sie über brisante Informationen verfügt. Aber Steele, Manning und ihre Männer stellen sich ihnen entgegen…

Es gibt da Tage, an denen steht einem der Sinn nach ausgeschaltetem Hirn und anspruchslosem Krach. Für diese Tage ist „Maximum Conviction“ ein idealer Film. Obwohl das ganze Set-Up unnötig kompliziert ist, geht es dann doch recht schnell nur noch darum, dass die Guten gegen die Bösen kämpfen und das war’s. Auf beiden Seiten stehen den Akteuren schwere Handfeuerwaffen, Granaten und – zumindest im Falle der Guten – Martial-Arts-Fähigkeiten zur Verfügung. Kostengünstig wird auf zu viele Außenaufnahmen verzichtet, und die Schlacht findet in den engen Gängen des Gefängniskomplexes statt. D.h. Schleichen durch Korridore, unterbrochen durch einige heftige Gefechte. Der Grund für das ganze Tohuwabohu ist nicht weiter wichtig. Es geht um ein Mädel, das zur falschen Zeit am falschen Ort war und nun zu viel Wissen in sich trägt. Dass sie ausgerechnet in das Gefängnis eingeliefert wird, welches von den beiden Söldnern Steven Segal und Steve Austin geräumt werden soll (man fragt sich kurz, warum die Regierung für ihr ultrageheimes Projekt auf die Hilfe zweier „externer Dienstleister“ zurückgreift, die auch prompt das Kommando über das Militärpersonal haben, – aber im Grunde ist das auch egal), ist natürlich hanebüchen. Dem Drive der Geschichte kommt zugute, dass Segals Söldnertruppe gerade in der Gegend ist, um dem Meister unter die Arme zu greifen. Damit kann der Spaß beginnen.

Nicht erst seit den „Expendables“ ist es Mode, zwei Action-Stars zusammenzukoppeln. Zwar sind Segal und Austin nicht Stallone und Schwarzenegger, aber als B-Movie-Team-Up funktioniert die Sache ganz gut. Große Chemie entwickeln die beiden zwar nicht, dafür haben sie auf dem Bildschirm auch viel zu wenig Zeit miteinander, aber wegen ihrer abgeklärten und ruhigen Art nimmt man ihnen durchaus ab, dass sie seit Jahren zusammenarbeiten. Steve „Stone Cold“ Austin war mir aus seligen „Super Channel“-Zeiten noch als WWF-Wrestler bekannt. Dass er mittlerweile auch als Actionheld seine Rente aufbessert, hatte ich nur am Rande mitbekommen. Steven Segal ist natürlich eine Legende, auch wenn ich gestehen muss, dass ich ihn das letzte Mal bewusst in „Alarmstufe: Rot“ gesehen hatte, als er noch halb so breit war wie heute. Von seinem Auftritt in dem – meiner Meinung nach völlig misslungenen, aber von den Fans geliebten – „Machete“ einmal abgesehen. Segal lebt von seinem Ruf, der ihm seit seinen ersten Filmen Mitte der 80er vorangeht. Dass dieser große, schwerfällige und völlig aus dem Leim gegangene Mann noch zu blitzschnellen Aktionen und körperlich anspruchsvollen Kämpfen fähig ist, dürfte keiner so recht glauben. Aber es ist die Ikone Steven Segal, die hier kämpft und von daher reicht die Behauptung, dass es so wäre, vollkommen aus. Es ist ein wenig wie bei Bud Spencer, dessen mörderischen Dampfhammer in seinen späten Filmen auch niemand hinterfragte, nur weil er sichtbar alt und schwerfällig geworden war.

Eine Schau ist der alten Haudegen Michael Paré, der Anfang der 80er kurz vor einer großen Karriere stand, bevor er plötzlich von der Bildfläche verschwand und nur noch in B- und C-Ware auftauchte. Man merkt ihm an, dass es ihm durchaus Freude bereitet, den Bösen zu spielen und er hat immer noch genug Präsenz, um ein würdiger Gegenspieler für die beiden, sehr physisch agierenden, Hauptdarsteller zu sein. Immerhin ist er das, was Seagal und Austin nie sein werden: Ein Schauspieler. Seagal und Austin sind Seagal und Austin. Mehr nicht. Und mehr müssen sie in diesem Film auch nicht sein. In den Nebenrollen kann niemand wirklich glänzen. Alles bleibt klischeehaft und vorhersehbar. Allein Bren Foster weiß durch einige flott-akrobatische Martial-Arts-Einlagen für hochgezogene Augenbrauen zu sorgen. Der Rest tut das, wofür er bezahlt wird: Ballern und sterben.

Maximum Conviction ist ein kleines, kostengünstiges Ballerfilmchen, das nichts Neues zeigt und es auch mit der Logik nicht so ernst nimmt. In erster Linie ist es ein Vehikel, um seine beiden Stars in Szene zu setzen. Permanente Action und laute Explosionen lassen keine Langweile aufkommen, die Wirkung ist allerdings mit einem Big Mäc vergleichbar. Kurz gesättigt, dann vergessen.

Die Splendid DVD überzeugt mal wieder mit einem brillanten Bild. Der Ton könnte – zumindest in der Originalfassung – besser ausgewogen sein. Dialoge sind zu leise, die Actionszenen hingegen verwandeln das Wohnzimmer in ein Kriegsgebiet. Die Extras sehen zwar nach viel aus, bringen aber keinen wirklichen Erkenntnisgewinn. Mir lag zur Rezension die ungeschnittene „Black Edition“-Ausgabe (SPIO JK / keine schwere Jugendgefährdung) vor. Es scheint noch eine geschnittene FSK 18-Fassung zu geben. Also Vorsicht!

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Originalfassungen in Bremen: 08.11.12 – 14.11.12

Wer den – im Übrigen sehr empfehlenswerten – neuen Bond noch nicht im Original gesehen hat, der hat in der kommenden Woche noch einmal die Gelegenheit dazu. Für alle anderen sieht es eher trübe aus. Viel Altbekanntes. Da bleibt als Tipp eigentlich nur der Talking-Heads-Konzertfilm „Stop Making Sense“ übrig.

Skyfall – Cinemaxx, Do.-Mo. um 20:00, Di. um 20:30 – Grandioses Comeback für James Bond. Kritik folgt.

Çanakkale 1915 – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 22:45 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg.

Angels’ Share – Ein Schluck für die Engel – Schauburg, Mi., 14.11. um 19:00 – Der neue Film von Ken Loach. Er handelt von einigen kleinkriminellen Jugendlichen, die sich auf die Suche nach einem Fass mit dem teuersten Whiskey der Welt machen. Ken Loach ist eigentlich immer eine Bank für typisch britische Filme. Sollte man ruhig einen Blick riskieren.

Sag, dass Du mich liebst – Parlez-moi de vous – Atlantis, So., 11.11. um 20:00 – Französische „Dramödie“ über eine Frau, die in Paris als Radiomoderatorin arbeitet, privat aber von ihren Neurosen und Ängsten gepeinigt wird.

Stop Making Sense – City 46, So., 11.11. um 20:30 – Wegweisender Konzertfilm mit den Talking Heads. Regie führt Jonathan Demme, der einst in der Roger-Corman-Fabrik seine ersten Sporen verdiente und später mit „Schweigen der Lämmer“ und „Philadelphia„, Anfang der 90er gleich zweimal hintereinander abräumen konnte. Vorgestellt von Tom Gefken.

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Codependent Lesbian Space Alien Seeks Same – City 46, Fr. und Sa. um 20:30 – US-amerikanischen Komödie, die ihre Handlung schon im Titel trägt. Die Abenteuer zwei lesbischer Ausserirdischer auf der Erde, von denen eine eine Beziehung mit einer schüchternern Grußkartenverkäuferin eingeht.

Sushi – The Global Catch – City 46, Do. und So.-Di. immer 20:00 – Dokumentation über Sushi.

Under the Stars – City 46, Mi. 14.11. um 20:00 – Nachdem sein Vater gestorben ist, kehrt ein in der Großstadt lebender Club-Musiker zu seinem Bruder in sein kleines Dorf zurück. Aus der Filmreihe: “Spanische Filme 2012 – Neueste Titel” präsentiert vom Instituto Cervantes Bremen.

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Sneak Preview – Schauburg, Mo. 12.11. um 21:45

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