Premiere des neuen Films von Eike Besuden mit Gästen im City 46

Am morgigen Donnerstag, den 08. November um 20:30 Uhr, hat im City 46 der Film „Aufgeben? – Niemals! – Die Geschichte der Familie Bamberger“ des Bremer Filmemachers Eike Besuden Premiere. Der Film handelt vom jüdischen Kaufmann Julius Bamberger und seinen Kindern Anneliese und Egon.

Julius Bamberger gehörte das erste moderne Kaufhaus (zudem das erste mit Rolltreppe!) in Bremen. Es befand sich in dem Gebäude in der Faulenstraße, wo heute die VHS ihren Sitz hat, gegenüber von Radio Bremen.

Julius Bamberger ist zu Beginn der 30er Jahre ein überaus erfolgreicher und angesehener Geschäftsmann, der das modernste Kaufhaus in der Stadt Bremen führt. Aber dann nimmt die Katastrophe ihren Lauf: Antisemitische Drohungen, die Weltwirtschaftskrise und schließlich der 30. Januar 1933.

Nachdem Bamberger aus Deutschland verjagt worden war, hatte er nur ein Ziel: Seine beiden Kinder irgendwann in eine Lebenssituation zu bringen, in der sie in Ruhe und Frieden leben können. Dieser Weg führt ihn innerhalb von sechs Jahren über die Schweiz, nach Frankreich, nach Spanien und nach Portugal, um dort ein Schiff in die USA zu besteigen. Eine Odyssee, an deren Ende die kleine Familie erst im Exil dem Terror entkommt.

Für die Premiere morgen sind Gäste angekündigt. Es steht zwar nicht dabei, wer alles kommt – aber Regisseur Eike Besuden dürfte bestimmt darunter sein.

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DVD-Rezension: „Henry – Portrait of a Serial Killer“

Henry (Michael Rooker) ist ein Serienmörder. Er fährt durch das Land und tötet wahllos. Zusammen mit seinem alten Knastbruder Otis (Tom Towles) wohnt er in einer kleinen Wohnung in Chicago. Eines Tages zieht Otis Schwester Becky (Tracy Arnold) bei ihnen ein. Becky ist fasziniert von dem stillen, schweigsamen Henry. Sie ahnt nicht, was hinter dessen gutaussehender Fassade vor sich geht.

Als „Henry – Portrait of a Serial-Killer“ im Jahre 1990, nach drei Jahren im Regal der Produktionsfirma und einem Jahr im Festival-Zirkus, endlich ins Kino kam, löste er einen Schock aus. In unbehauenen, fast dokumentarisch anmutenden Bildern musste man den Taten des titelgebenden Henry zusehen, für den das Töten so normal ist, wie sich im Geschäft um die Ecke, einen Schokoriegel zu kaufen. Dabei ist der Film – bis auf wenige Ausnahmen – nicht besonders explizit. Aber die Bilder der Opfer, unterlegt mit einer verstörenden Tonspur auf denen verzerrt ihr Todeskampf zu hören ist, macht das Zusehen schwer erträglich. Henry ist kein Monster wie Freddy oder Jason. Er ist der unscheinbare Mann von nebenan. Ein nicht mal unsympathischer, gutaussehender Typ – aber innen drin ein Fleischwolf auf zwei Beinen. Immer bereit in der nächsten Sekunde einen weiteren, bestialischen Mord zu begehen. Gerade dies macht „Henry“ so unangenehm. Er zieht einem die Sicherheit unter den Füßen weg. Normalerweise sehen Killer in Filmen auch wie Killer aus. Dadurch entsteht eine Barriere zwischen ihnen und dem Publikum. Bei Henry ist das anders. Henry könnte auch der Typ, der neben Dir im Kino sitzt, sein und Du sein nächstes Opfer.

Verstärkt wird diese Wirkung noch durch die Figur des Otis. Otis ist ein Proll, wie er im Buche steht und man sieht ihm deutlich an, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Er ist nicht nur äußerlich ein eher unangenehmer, ungepflegter Zeitgenosse, sondern er benimmt sich auch so, wie man es von solch einer Type erwartet. Mit Otis würde man kein Bier trinken gehen und träfe man ihn auf der Straße, würde man darüber nachdenken, die Seite zu wechseln. Nicht so bei Henry. Henry wirkt demgegenüber vollkommen normal, was es für das Publikum noch weitaus unheimlicher und verstörender macht. Man erkennt das Böse nicht mehr, es kann überall sein.

Durch seine ruhige Art, die im krassen Gegensatz zu Otis‘ aufbrausendem Temperament steht, wirkt Henry im Vergleich fast schon sympathisch. Man ist unwillkürlich auf seiner Seite, auch weil der Film keine andere Alternative anbietet. Da ist noch Becky, aber durch ihre naive Art taugt auch sie nicht zur Identifikation. Becky ist auch deutlich als Opfer stigmatisiert, und wer will sich schon mit einem Opfer identifizieren? Nein, der stille, aber höchst charismatische Henry ist es, der uns durch die Geschichte führt. Und gerade darum wirkt die Brutalität und Beiläufigkeit seiner Taten so grenzenlos schockierend. Man lechzt förmlich danach, dass der böse Henry sich besinnt und vielleicht die Liebe seinen Taten ein Ende setzt. Dass Regisseur John McNaughton einem diesen Ausweg verweigert, deprimiert einerseits und macht andererseits Angst. Henry könnte überall und jeder sein. Was kann ihn aufhalten? Nach diesem Film sieht man seine Umwelt mit anderen Augen und dürfte ein ganzes Stück paranoider sein.

Getragen wird McNaughtons Spielfilmdebüt durch eine überzeugende Darsteller-Riege. Allen voran Michael Rooker, der später auf die Rolle des besten Kumpels des Helden abonniert war. Während der Zeit, in der „Henry“ noch auf eine Veröffentlichung wartete, kursierten bereits Filmausschnitte mit Rooker, welche ihm die Türen zu größeren Rollen in größeren Filmen öffneten. Rooker verschmilzt so sehr mit Henry, dass man Mühe hat, den „Henry“ aus dem Kopf zu bekommen, wenn man ihn einmal in anderen Rollen sieht. Er spielt Henry nicht nur, er ist Henry. Auch Tom Towles in der Rolle des Otis weiß zu gefallen, auch wenn seine Psychopathen-Rolle etwas konservativer angelegt ist und Towles dem Affen ordentlich Zucker gibt. Doch er schafft es, dieser irgendwo auch komischen Figur so viel Schmierigkeit und dumpfes Proletentum zu verpassen, dass man sich unangenehm dabei fühlt, ihm zuzusehen. Tracy Arnold als Becky kann ebenfalls vollends überzeugen. Mit ihrer zögerlichen Haltung, der Flucht vor Verantwortung und dem naiven Glauben, dass alles gut wird, gibt sie ein glaubwürdiges Portrait eines „White Trash“-Girl, bei dem Gewalt in der Familie an der Tagesordnung ist und die trotzdem (oder gerade deswegen) immer wieder zu den falschen Männern Vertrauen fasst.

„Henry“ zeichnet ein düsteres, trostloses Bild einer Welt, in der es kein Regulativ gibt (Polizei oder sonstige Ordnungskräfte sucht man vergeblich). Eine Welt aus den Fugen, ohne Moral, in der der Tod blitzschnell und brutal um die Ecke kommen kann und niemand etwas dagegen tun kann. Wo jeder Schritt vor die Tür bedeutet, dass ein Irrer einen ins Visier nehmen kann und auch das eigene Heim keine Sicherheit mehr bietet. Eine Welt ohne Hoffnung, die einerseits wie ein böser Traum, andererseits aber auch sehr real wirkt.

Mit „Henry – Portrait of a Serial-Killer“ ist John McNaughton ein erschreckendes Debüt gelungen, welches, getragen durch starke Schauspieler und einem dreckig-realistischen, manchmal fast dokumentarischen Look, eine brutale Welt ohne jegliche Hoffnung zeigt. Obwohl die Gewalt häufig nur im Off oder aus der Distanz gezeigt wird, geht jede dieser Szenen doch unter die Haut. Unterstützt von einem eindringlichen Sounddesign ist „Henry“ ein gnadenloser Albtraum, den man mit offenen Augen erlebt.

Die Doppel-DVD von Bildstörung ist eine wahre Offenbarung. Hier bleiben keine Wünsche offen, die Edition ist vollgestopft mit interessanten Extras (die das Bonusmaterial der US-amerikanischen Veröffentlichung von MPI/Dark Sky und der britischen von Optimum zusammenfassen) und dürfte als die beste Veröffentlichung dieses Filmes weltweit gelten. Das Bild (in 4:3) ist dem Thema des Filmes angemessen unschön, was aber die Intention des Regisseurs war. Der Look ist rau und blass, und wurde nicht künstlich aufgehübscht, wofür man Bildstörung nur dankbar sein kann.

Die Extras erschlagen einen förmlich: Da ist zunächst ein höchst informatives 53-minütiges „Making Of“, das alle Aspekte der Produktion und der Rezeption des Filmes abdeckt. Zwei lange, zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommene Interviews mit John McNaughton (30 und 22 Minuten) ergänzen dieses perfekt. Deleted Scenes und Outtakes (20 Minuten) lassen den interessierten Zuschauer einen noch tieferen Blick in den Film und ursprüngliche Intentionen (wie die homoerotische Beziehung zwischen Otis und Henry, welche für den fertigen Film fallen gelassen wurde) werfen. Um Henrys Vorbild im wahren Leben, Henry Lee Lucas, geht es in einer etwas älteren Dokumentation von 1995 für das US-Fernsehen (26 Minuten). Des Weiteren gibt es noch ein Featurette über die britische Zensurgeschichte des Filmes (15 Minuten), Storyboards (5 Minuten) und einen Audiokommentar von John McNaughton. Nicht unerwähnt bleiben soll auch das – mal wieder – umfangreiche, 23-seitige Booklet, welches einen Beitrag von Stefan Höltgen (ein Auszug aus seinem Buch „Schnittstellen – Serienmord im Film“), die Akte aus dem deutschen Indizierungsverfahren von 1994 und das Schreiben mit der Begründung der Listenstreichung von 2012 enthält. Die Limited Edition enthält darüber hinaus noch eine CD (22 Tracks, 45:30 Minuten) mit dem intensiven, manchmal an John Carpenter erinnernden Soundtrack. Mit anderen Worten: Die perfekte Veröffentlichung! Ich ziehe meinen Hut vor dem Label „Bildstörung“!

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Das Bloggen der Anderen (02-11-12)

Die letzten beiden Wochen lag diese Rubrik brach, da ich zunächst beruflich, danach durch das große Deliria-Italiano-Forentreffen in Bremen stark eingespannt war. In der Zwischenzeit stapelten sich die Einträge in den Blogs, die ich so mal mehr, mal weniger verfolge. Somit war es diesmal wirklich eine Heidenarbeit, einen Überblick der – meiner Meinung nach – wichtigsten Artikel zu erstellen. Zumal die Anzahl der Blogs, die ich im Überblick habe, in letzter Zeit merklich gewachsen ist. Was mich daran erinnert, dass ich meine Link-Liste rechts endlich mal aktualisieren sollte. Viele spannende Reviews der Kollegen und so manches Lesenswerte ist diesmal auf der Strecke geblieben, aber irgendwo muss man mal kürzen, und es bringt ja nichts, seitenweise Links zu posten. Von daher hoffe ich, dass die rigide Auswahl Euren Geschmack trifft.

– Zur Erinnerung an den großen Filmkritiker Michael Althen hat die F.A.Z. einen nach ihm benannten Preis ausgeschrieben. Dadurch gewürdigt werden soll eine Form der Kritik, in der analytische Schärfe und Emotion einander bedingen und ergänzen. Die erste Preisträgerin ist Sarah Khan, die in dem Magazin „Cargo“, Heft Nr. 13, einen Artikel über die TV-Serie „Dr. House“ schrieb. Aus diesem Grunde hat der „Cargo“-Blog diesen unbedingt lesenswerten, gefühlvollen und trotz aller Tragik wundervollen Text noch einmal online gestellt.

– Auf Revolver schreibt die Schauspielerin Evi Rejeki über Stereotypen-Casting und welche Probleme ihr dies bereitet.

– In seinem Filmtagebuch ärgert sich Thomas Groh darüber, dass dem neuen Film von William Friedkin, „Killer Joe“, die FSK-Freigabe verweigert wurde.

– Einige interessante Artikel gibt es wieder auf „Eskalierende Träume„; hier eine kurze Auswahl: Christoph schreibt einen langen und persönlichen Text zu dem – mir übrigens völlig unbekannten – „The Appaloosa“ von 1966 mit Marlon Brando. Titel: „Filme, an denen ich schriftlich scheitere, Teil 1„. Und Alexander S. beginnt eine Reihe über einen meiner absoluten Lieblingsregisseure: Andrzej Zulawski. Als erstes ist natürlich dessen Spielfilm-Debüt „Ein Drittel der Nacht“ von 1971 dran.

– Der revolutionäre japanische Regisseur Koji Wakamatsu ist gestorben. Wakamatsu hat in seiner fast 40-jährigen Karriere über 100 Filme inszeniert, von denen einige für immer als Beispiele für radikales Filmemachen im Gedächtnis bleiben werden. Zuletzt erregete er mit „Caterpiller“ Aufsehen, der 2010 für den Goldenen Bären nominiert war und dessen Hauptdarstellerin einen Silbernen Bären mitnahm. Auf Eskalierende Träume und Revolver gibt es Nachrufe.

– Sehr schön und absolut lesenswert: Auf the gaffer hat vannorden einen schönen, persönlichen Text über seine Top 100 Filme geschrieben. Seine Top 100 Liste findet sich dann hier.

– Weiter geht es mit Listen. Auf L’Amore in cittá findet sich eine Auflistung aller italienischen, neorealistischen Filmen von 1942-1953.

– Zwei Kurzfilme: Martin Beck empfiehlt auf Reihe Sieben den 9-minütigen Horrorfilm „No Way Out“ und Leon stellt auf seinem Blog Leons Filmreviews und Buchrezenionen den todtraurigen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von Disney vor.

Gordon Gernand empfiehlt auf Mann beißt Film den deutsch-österreichischen Thriller „Die Muse“ von Christian Genzel.

– Beim Magazin des Glücks geht die Reihe über Berlin-Filme weiter, und ich werde daran erinnert, dass ich unbedingt noch den neuen Film von Alain Resnais schauen muss.

– Immer wieder für eine überraschende Empfehlung gut ist der Blog Hypnosemaschine. Diesmal wird Appetit auf den niederländischen Film „Besessen – Das Loch in der Wand“ und den Österreicher „Tod im November“ gemacht. Bei letzterem spielen Europloitation-Lieblinge John Phillip Law und die unvergleichliche Florinda Bolkan mit.

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Cinemarkt 2012: Am 11. November im “Modernes”

Das ist er wieder: Der Bremen-Vier-Cinemarkt im „Modernes„.

Auch in diesem Jahr öffnen die Bremer Kinos ihre Schatzkammern und bieten Film-Plakate, lebensgroße Papp-Aufsteller, Banner und Merchandise-Aufsteller aus dem aktuellen Kinojahr zum Verkauf an.

Am Sonntag, 11. November, von 13 bis 17 Uhr , kann man wieder nach Herzenslust wühlen und sammeln, kaufen und ersteigern!

Das eingenommene Geld kommt wieder der Aids-Beratungsstelle im Rat & Tat Zentrum in Bremen zugute. Im letzten Jahr kamen über 7.000 Euro zusammen. Das soll in diesem Jahr natürlich überboten werden.

Der Eintritt zum Bremen-Vier-Cinemarkt ist frei.

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Originalfassungen in Bremen: 01.11.12 – 07.11.12

Bond, Bond, Bond… Das Cinemaxx zeigt die O-Fassung täglich. Da soll sich niemand beschweren, er hätte keine Chance gehabt, den Film im Original (also Daniel Craig ohne Adam Sandlers Stimme) zu sehen. Für mich Pflichtprogramm. Genauso wie „Holy Motors“ im City 46. Von daher: Für mich eine perfekte Woche, auch wenn die Liste diesmal eher kurz ist.

Skyfall – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:00 – Bond No. 23. Meine Vorfreude war schon ziemlich groß und wird durch die sich vor Begeisterung überschlagenen Kritiken noch mal einen Ticken gesteigert. Der Titelsong von Adele geht mir eh schon nicht mehr aus dem Kopf. Es ist fast so wie früher…

Çanakkale 1915 – Cinemaxx, Do.-Mi. immer um 22:30 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg.

Sag, dass Du mich liebst – Parlez-moi de vous – Atlantis, So., 4.11. um 20:00 – Französische „Dramödie“ über eine Frau, die in Paris als Radiomoderatorin arbeitet, privat aber von ihren Neurosen und Ängsten gepeinigt wird.

Holy Motors – City 46, Fr./Sa. um 18:00 und 22:30, So./Mo./Mi. immer 20:30 – ein Film, auf den ich mich wahnsinnig gefreut habe. „Holy Motors“ ist der erste lange Spielfilm des legendären Leos Carax („Die Liebenden von Pont -Neuf„) seit 13 Jahren. Sein Lieblingsschauspieler Denis Lavant spielt Monsieur Oscar, der in einer weißen Limousine durch Paris gleitet und dabei in immer wieder neue Persönlichkeiten schlüpft. Mit von der Partie: Edith Scob (das Mädchen hinter der Maske aus „Augen ohne Gesicht„), Kylie Minouge, Michel Piccoli und Eva Mendes. Tipp!

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Lluvia – Im Regen des Südens – City 46, Sa., Mo.-Mi. immer 20:00 – In diesem argentinischen Film treffen sich unvermittelt zwei Menschen, als Roberto im strömenden Regen einfach bei Alma ins Auto steigt. Beide wissen nicht wohin. Alma hat vor ein paar Tagen ihren Mann verlassen und Roberto kehrt nach 30 Jahren in Europa zurück in sein Land, fühlt sich aber heimatlos.

Diese alten Liebesbriefe – City 46, Di., 6.11. um 18:00 – Estnischer Spielfilm über das Leben des Komponisten Raimond Valgre, dem „estnischen Cole Porter“, in den 30er und 40er Jahren, die dramatischen, politischen Veränderungen in seinem Heimatland und die Zeit nach dem Krieg, als seine Lieder bei den Sowjets als unerwünscht galten.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 05.11. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 05.11. um 21:45

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BluRay-Rezension: “Der Mann mit der Stahlkralle”

Nach sieben Jahren Kriegsgefangenschaft kehrt Major Rane (William Devane) in seine Heimatstadt zurück. Dort wird er zwar als Held gefeiert, doch in der Familie ist nichts mehr wie es vorher war. Seine Frau hat einen Liebhaber, den sie heiraten will, und sein zehnjähriger Sohn hat sich vollkommen von ihm entfremdet. Da er von der Stadt eine stattliche Summe als Wiedergutmachung für seine in Gefangenschaft erlittenen Qualen erhalten hat, dringen Gangster in sein Haus ein, foltern und verstümmeln ihn, dann töten sie seine Familie. Obwohl er weiß, wer die Täter sind, verschweigt er der Polizei diese Information und begibt sich zusammen mit der ahnungslosen Schönheitskönigin und Kellnerin Linda Forchet (Linda Haynes) auf einen Rachefeldzug.

Nur ein Jahr nach „Taxi Driver“ entstand 1977 dieser „Vietnam-Veteran“-Film, ebenfalls nach einem Drehbuch von Paul Schrader. Ursprünglich ein Low-Budget-Film eines Major Studios (20th Century Fox), wurde der fertige Film von den Produzenten aufgrund seiner Gewalttätigkeiten abgelehnt und an Samuel Z. Arkoffs „American International Pictures“ verkauft, wo er gut aufgehoben war. Der B-Movie-Produzent hatte keine Skrupel, den Film mit all seinen Brutalitäten ins Kino zu bringen.

Dabei ist „Der Mann mit der Stahlkralle“ (dessen weniger marktschreierischer Originaltitel „Rolling Thunder“ lautet) kein blutrünstiger Actionfilm, sondern ein konsequentes, überraschend ruhiges Drama, welches nur in den letzten fünf Minuten in einem Blutbad explodiert. Dies hat der Film mit dem bereits angesprochenen „Taxi Driver“ gemein. Doch dies ist nicht die einzige Parallele. Hier wie dort geht es um einen Vietnam-Veteranen, der in der zivilen Welt nicht mehr zurecht kommt und weiterhin den Krieg in sich trägt, der sich am Ende gewalttätig seine Bahn bricht. Sowohl Travis Bickle als auch Major Charles Rane haben es verlernt, sich als soziale Wesen zu verhalten. Während Travis aber allein bleibt, hat Charles Rane noch eine Familie, zu der er glaubt, zurückkehren zu können. Aber glaubt er das wirklich? Von Anfang an geht er auf Distanz und verschanzt sich mit Vorliebe hinter seiner großen Sonnenbrille vor der Umwelt. Für seinen Sohn ist er ein Fremder, der es auch nicht schafft, eine Nähe zu ihm aufzubauen. Eine symbolische Szene zeigt Rane dabei, wie er seinen Sohn beim Baseball-Training beobachtet – beide werden von einem unüberwindlichen Maschendrahtzaun getrennt. Als seine Frau ihm offenbart, dass sie ihn während seiner Kriegsgefangenschaft in Vietnam betrogen hat und nun gedenkt, ihren Liebhaber zu heiraten, bleibt er ganz ruhig. Ja, fast scheint er erleichtert.

Charles Rane gehört dem Krieg. Die Folter hat ihn physisch und psychisch abstumpfen lassen. Als die Einbrecher ihn quälen, genießt er es augenscheinlich und imaginiert sich zurück in seine Zelle im Kriegsgefangenenlager. Die Gewalt, die ihm in seiner eigenen Wohnung angetan wird, bringt ihn dorthin zurück, wo nun seine eigentliche Heimat ist. Wo der alte Charles Rane gestorben ist und sein Geist freigesetzt wurde, um als Gespenst nach Amerika zurückzukehren. Daher bezeichnen er und sein Kamerad und Leidensgenosse Johnny Vohden sich auch als „Tote“. Als er seine Familie und seine Hand verliert, nimmt er dies mit stoischer Gelassenheit hin. Er weiß, dass die Rache an den Mördern ihm endlich einen Grund gibt, seinen Krieg in die Heimat zu bringen. Sich hier nun die Welt zu schaffen, in die er mittlerweile gehört: Die Hölle des Krieges.

Dass er seine Familie noch geliebt hat, darf bezweifelt werden. Dieser Mann ist zu keinen Gefühlen mehr fähig. Weder Liebe, noch Hass. All dies hat er sich während der Folter abtrainiert. Er lebt nur noch für den Krieg, der noch immer in ihm tobt.

So entwickelt sich zwischen ihm und der weiblichen Hauptrolle, Linda Haynes, keine Liebesbeziehung. Obwohl sie Gefühle für ihn hegt, nutzt er sie nur als Lockvogel. Am Ende wird er sie, ohne mit der Wimper zu zucken, allein zurücklassen. Ob er dies tut, um sie zu schützen oder weil sie ihre Aufgabe für ihn erfüllt hat, bleibt dem Zuschauer überlassen. Die einzige Person, die Rane nahe steht, ist allein sein Kamerad Johnny Vohden, der eindrucksvoll von einem sehr jungen Tommy Lee Jones gespielt wird. Auch Vohden kann sich in der Heimat nicht mehr zurecht finden und wirkt im Kreise seiner Familie wie ein Fremdkörper. Er hat seinen Zweck in der Gesellschaft verloren. Als Rane ihm anbietet, ihn auf seinem Rachefeldzug zu begleiten, muss er daher keine Sekunde nachdenken. Der Mann, der zuvor wie ein unliebsames Möbelstück im Haus seiner Familie gewirkt hat, wird plötzlich agil und glüht förmlich von innen. Tommy Lee Jones gibt hier eine eindrucksvolle Kostprobe seines großen Talents, welches ihn dann erst spät im reifen Alter von 47 Jahren (in „Auf der Flucht“) zu einem großen Star gemacht hat. So gut Jones hier spielt, überstrahlt wird er von William Devane, der noch im Vorjahr in Hitchcocks letztem Film „Familiengrab“ als smarter Entführer glänzte. Hier verschmilzt er ganz mit seiner Figur. Jede kleine Geste, jede Bewegung, alles an ihm ist Major Charles Rane. William Devane macht Rane zu der Rolle seines Lebens.

„Der Mann mit der Stahlkralle“ ist trotz seines reißerischen deutschen Titels ein melancholisches Vietnam-Heimkehrer-Drama, welches trotz einiger Gewaltausbrüche und einem infernalischen Ende für heutige Sehgewohnheiten vielleicht etwas zu träge daherkommt. Doch unter der Oberfläche brodelt es, und ein brillanter William Devane sorgt zusammen mit Autor Paul Schrader dafür, dass hier kein tumbes Rache-Vehikel entstanden ist, sondern das intensiv-traurige Portrait einer verlorenen Generation, die zwar aus Vietnam körperlich zurückkehrte, aber ihre Seele auf den Schlachtfeldern gelassen hat.

Mir liegt zu Besprechung die BluRay vor, wodurch ich auf Screenshots diesmal verzichten muss. Das Bild ist dem Alter entsprechend und mit der Koch Media-Veröffentlichung von „The Seven-Ups“ vergleichbar. Das Bild ist generell sehr gut und scharf, aber nicht zu Tode gefiltert. Hier und da sieht man einige kleine Verschmutzungen auf dem Filmmaterial, was mir aber gut gefällt, da das  Bild dadurch einfach authentischer wirkt. Bei dunklen Einstellungen ist das Bild sehr körnig. Der Ton ist okay, wenn auch im O-Ton etwas dumpf. Als Extras gibt es einen Audiokommentar von Heywood Gould, der zusammen mit Paul Schrader für das Drehbuch verantwortlich war, und ein Interview mit Hauptdarstellerin Linda Haynes, die etwas über ihre Schauspielkarriere und speziell den Dreh zu „Rolling Thunder“ erzählt.

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Das Phantastival kommt! Vom 22.-25. November im City 46

Phantastische Neuigkeiten! Bremen hat dieses Jahr sein eigenes phantastisches Filmfestival!

Und da ich die große Freude habe, an der Konzeption und Durchführung aktiv mitzuarbeiten, ist es mir natürlich ein ganz besonderes Vergnügen, hier brandheiße Infos darüber zu posten.

Am Donnerstag, den 22. November, um 18:00 Uhr, geht es los mit „Masks“ (Deutschland, 2011, R: Andreas Marschall). Ein Giallo aus deutschen Landen? Aus dem letzten Jahr? Geht das? Und ob das geht! Andreas Marschall macht in seinem zweiten Langfilm die Balletschule aus „Suspiria“ kurzerhand zur Schauspielschule und der Spaß kann beginnen. Unterstützt von einer gelungenen Kameraarbeit, einem flotten Soundtrack und seiner attraktiven Hauptdarstellerin Susen Ermich wird dem Genre des italienischen Thrillers eine würdige Hommage erwiesen.

A Night of Nightmares“ (USA 2012, R: Buddy Giovinazzo, OF) erleben am Donnerstag, um 20:30 Uhr, ein Magazinherausgeber und seine Entdeckung Ginger, als sie ein Videointerview in einem Haus in den Bergen machen. Regisseur Giovinazzo („Combat Shock„) spielt dabei kräftig mit den Erwartungen der Zuschauer.

In der H.P. Lovecraft-Verfilmung »The Whisperer in Darkness« (USA 2011, R: Sean Branney, OF) werden am Freitag, um 18:00 Uhr die legendären Universal-Horrorfilme der 30er Jahre wieder zum Leben erweckt. Im Grenzbereich von Horror und Science Fiction, untersucht Professor Albert Wilmarth Legenden von seltsamen Kreaturen in den abgelegenen Bergen von Vermont.

Die Crew von „Zombies from Outer Space“ (D 2011, R: Martin Faltermeier, 95 Min.) wird am Freitag, den 23.11. um 20:30 zu Gast sein. In ihrem bajuwarischen Horror-Heimatfilm verbreiten grausige Funde toter Frauen Angst und Schrecken bei den bayrischen Dörflern. Nachdem ein Außerirdischer in einem Kornkreis gefunden wurde, beginnt der Aufstieg der Untoten, um die Menschheit zu vernichten.

„Weird Xperience“ ist am Freitag zur gewohnten Zeit um 22:30 Uhr mit dem bizarr-absurden Japan-Schocker »Vampire Girl vs Frankenstein Girl« vertreten und am Samstag erzählen, ebenfalls um 22:30 Uhr, 10 Kurzfilme »Dark Tales«.

Ein weiteres Highlight ist am Samstag, um 16:00 Uhr, der Vortrag des Medienwissenschaftler Florian Krautkrämer von der HBK Braunschweig, über die Theorie und Geschichte des Zombiefilms.

Goodbye Lenin!“-Star Daniel Brühl spielt am Samstag, um 18:00 Uhr, in dem spanischen retrofuturistischen Indie-Sci-Fi-Film »Eva« (Sp 2011, R: Kike Maíllo, OmengU) den Kybernetiker Alex, der im Jahr 2041 ein künstliches Geschöpf erschaffen will. Ein Experiment, das langsam, aber sicher, völlig außer Kontrolle gerät.

Stummfilm mit Live-Musik wird am Samstag, um 20:30 Uhr, präsentiert, wenn Ezzat Nashashibi und sein Gast Marc Pira den sowjetischen SF-Klassiker „Aelita – Der Flug zum Mars“ von 1924 (Regie: Jakow Protasanow) neu vertonen. Nach dem Roman von Alexej Tolstoj fliegen drei sowjetische Bürger zum Mars, stürzen dort das totalitäre Regime und gründen auf dem fernen Planeten eine neue Sowjetrepublik. Dabei verliebt sich der Ingenieur Losj in die Königstochter Aelita.

Drei japanische Filmen werden zum Abschluss des Phantastivals am Sonntag gezeigt: Um 18:30 Uhr „Symbol“ (Jap 2009, R: Hitoshi Matsumoto, OmU) ist eine bizarre Komödie, in der ein Mann in einem schneeweißen Raum aufwacht und in dem kleine Engelpenise eine große Rolle spielen.

Für die Animee-Fans gibt es um 20:30 Uhr das Double-Feature „Planzet“ (Jap 2010, R: Jun Awazu, OmengU), über die erste Marsstation im Jahr 2030, sowie der klassische Animationsfilm „The Asylum Session“ (Jap 2009, R: Takuto Aoki, OmengU).

Zum krönenden Abschluss können wir am Sonntag, um 18:15 Uhr, in einer Sondervorstellung als Deutschland-Premiere den brandneuen, direkt von der Viennale importierten, britische Neo-Giallo „Berberian Sound Studio“ von Peter Strickland zeigen. Darüber freuen wir uns natürlich ganz besonders. Im Jahre 1976 ist Gilderoy ein begnadeter und gefragter Tontechniker für Filmproduktionen. Er wird engagiert, wenn Regisseure für ihre Filme den perfekten Sound und die passenden Geräusche haben wollen. Deshalb bekommt er auch den Auftrag, für den italienischen Horror-Film-Meister Santini seinen neusten Film zu vertonen. Eine Aufgabe, die ihn an den Rand seines Verstandes bringt.

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Schräge Veranstaltungs-Tipps für Freitag und Samstag: Das Bahnhofskino lebt!

Freitag geht es los mit der neusten Ausgabe von „Weird Xperience“ um 22:30 Uhr im City 46. Gezeigt wird diesmal der Berliner Underground-Film „Guitar Men – the Darkest Secret of Rock ’n Roll„.

Deutschland 1945, der Krieg ist fast vorüber. Nazi-Wissenschaftler verstecken die Pläne der ultimativen Waffe in einer Gitarre. Vierzehn Jahre später kauft einer junger GI namens Elvis Presley diese auf dem Flohmarkt. Im Laufe der Zeit wissen immer mehr obskure Organisationen von dem dunkelsten Geheimnis des Rock and Rolls und sind hinter diesem her.
Eine schmutzige Perle aktueller deutscher Filmkunst. Film- und Fernsehprofis Thomas Wind, Michael Redolfi und Werner Bednarz drehten eine Hommage an die sleazigen 60/70er Crime-Movies, und gleichzeitig eine Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Berlin. Hier ist alles drin, was der trashige Film braucht: Naziwissenschaftler, Ninjas, Frauen in Leder und Elvis-Imitatoren. So entwickelt sich um einen McGuffin eine rasante Geschichte durch sechs Jahrzehnte.
Lassen wir Thomas Wind selbst zu Wort kommen:

“Ich habe als Kind, in den frühen siebziger Jahren zu viel Fernsehen geschaut; wenn der Fernseher ausblieb, ging ich mit dem Großvater ins Kino.”

Zitiert nach dem Berliner Tagesspiegel, der den Film den “ultimativen Verschwörungsfilm nennt.” Und die Kollegen vom Terrorverlag:

“Die Intention der Macher war eine Hommage an die Exploitation- und Grindhousefilme der 60er- bis 80er-Jahre, was ihnen auch geglückt ist. Regisseure wie Roger Corman („Bloody Mama“, „Die wilden Engel“…) oder Ted V. Mikels („Das Kommando der Frauen“, „Die Leichenmühle“…) und andere B- und C-Movie-Veteranen standen sichtbar Pate für diesen Streifen.”

Neben der obligatorischen Einführung durch Stefan und mich, haben wir noch einen animierten Vorfilm im Gepäck, nämlich „Die Metamorphosen des Vampirs“. Dessen Schöpfer, Paul Drogla, wird anwesend sein und sich unseren knallharten Fragen stellen.

Und am Samstag heißt es ab 13:30 Uhr: Bahn frei für die „Riffs“! Zusammen mit dem Internet-Forum „Deliria Italiano“ präsentieren wir als „Weird Xperience“ – wieder im City 46 – ein kultiges Double-Feature.

Um noch einmal die Kollegen zu zitieren:

Liebe Interessierte,

die heißesten Riffs spielt das Leben! Endlich konnten wir Trash und seine Gang zu einer Stippvisite anlässlich unseres Forentreffens gewinnen, und das gleich im Endzeit-Action-Doppelpack des italienischen Genrespezialisten Enzo G. Castellari – live, in Farbe und 2D!

Am 27.10.2012 findet in der Hansestadt Bremen das dritte offizielle Forentreffen von deliria-italiano.de statt:

– DELIRIA ÖVER BREMEN –

Erneut nicht fehlen wird natürlich unser mittlerweile inoffizielles Forenmaskottchen George Eastman, mit dem es im ersten Film ein Wiedersehen gibt. Also sattelt eure Totenkopfmofas und erscheint zahlreich, pünktlich und am besten selber oder doch gleich persönlich.

Das Forentreffen ist natürlich öffentlich und ein Jeder ist gern gesehener Gast.

Die deliria-italiano-Crew freut sich auf euch.

Das Double-Feature wird selbstverständlich auf 35mm und mit kleinem Rahmenprogramm gezeigt.
Das Ganze startet am 27.10. um 13:30 Uhr im City 46, und wir freuen uns über jeden Gast.

Gezeigt werden:

The Riffs – Die Gewalt sind wir! (Italien 1982)

The Riffs – Flucht aus der Bronx (Italien 1983)

Regie bei beiden Teilen führt Action-Spezialist und Kult-Regisseur Enzo G. Castellari.

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Originalfassungen in Bremen: 25.10.12 – 31.10.12

Nein, in dieser Woche kann man sich nicht beschweren. Die Liste mit O-Fassungen ist endlich mal wieder richtig lang und vielseitig. Ganz oben, natürlich, das 23. Bond-Abenteuer „Skyfall“, auf das ich mich mal wieder – wie bei jedem neuen Bond – wie ein kleiner Junge freue. Wer es ruhiger mag, ist bei der Schauburg gut aufgehoben, die „Frank & Robot“ zweimal und zu sehr zivilen Zeiten im Original zeigt. Danke und weiter so! Und im City 46 erhalten zwei interessante, aktuelle Produktionen ihre „zweite Chance“.

Skyfall – Cinemaxx, Mi., 31.10. um 19:45 – Bond is back! ’nuff said! Ich freue mich 🙂

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=6kw1UVovByw[/youtube]

96 Hours – Taken 2 – Cinemaxx, Sa., 27.10. um 21:30– Liam Neeson schlägt wieder gewaltig zu. In der Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Hause Luc Besson, schießt, prügelt und foltert er sich wieder durch die Reihen ekliger Terroristen.

Savages – Cinemaxx, Do. und So. um 21:30 – Der neue Film von Oliver Stone handelt von einer Menage a trois, die sich das sorgenlose Leben mit selbstangebautem Marihuana finanzieren.  Doch eines Tages geraten sie ins Visier der mexikanischen Drogenmafia. Klingt soweit ganz interessant, und noch habe ich Oliver Stone nicht abgeschrieben – trotz seiner Flops in den letzten Jahren. Was mich allerdings stutzig macht, ist Hauptdarsteller Taylor Kitsch, der nicht nur äußerst limitiert ist, sondern auch ein untrügliches Händchen für schlechte Filme hat.

Premium Rush – Cinemaxx, Di. 30.10. um 21:30 – Fast wöchentlich ein neuer Film mit Joseph Gordon-Levitt. Hier spielt er einen Fahrradkurier, der in die Machenschaften der chinesischen Mafia verwickelt wird.  Sieht nett und actionhaltig aus.

Çanakkale 1915 – Cinemaxx, Do.-Mi. 21:30 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg.

Paranormal Activity 4 – Cinemaxx, Fr. und Mo. um 21:30 – Der erfolgreiche „Blair Witch“-Rip-Off geht bereits in Runde 4. Na ja…

Robot & Frank– Schauburg, So.+Mi. um 19:15 – Melancholische SF-Komödie um einen ehemaligen Juwelen-Dieb, der an Demenz leidet. Daraufhin schenkt ihm sein essen Sohn ihm einen Roboter als Haushaltshilfe, die der alte Mann bald als Partner bei neuen Raubzügen missbraucht. mit dem großartigen Frank Langella, endlich mal in einer Hauptrolle!

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360 – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – „City of God„-Regisseur Fernando Meirelles erzählt eine weltumspannende Episodengeschichte im Stile eines Alejandro González Iñárritu („Babel“). Prominent besetzt mit Rachel Weisz, Anthony Hopkins, Jude Law und Moritz Bleibtreu.

50/50 – Freunde fürs (Über)leben – City 46, Do., Mo. und Mi. um 18:00 und Fr., So. Di. um 20:30 – Wieder Joseph Gordon-Levitt. Diesmal spielt er einen jungen Mann, der damit konfrontiert wird, dass er bald an Krebs sterben wird. Der Film handelt davon, wie er uns seine Umwelt mit dieser traurigen Botschaft umgehen.

Bombay Beach – City 46, Do, Mo. und Mi. um 20:30 und Fr.-So., sowie Di. um 18:00 – Porträt einer kleinen Gemeinschaft an einem verseuchten See. Rund 100 Menschen leben hier noch in einer kleinen Ortschaft namens Bombay Beach. Die Dokumentation erzählt die Geschichte von drei Bewohnern.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 29.10. um 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 31.10. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

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DVD-Rezension: „Masks“

Stella (Susen Ermich) ist eine nicht gerade mit reichlich Talent, aber großem Ehrgeiz ausgestattete, angehende Schauspielschülerin. Nachdem sie mal wieder bei einer Aufnahmeprüfung nicht genommen wurde, weißt sse einer der Prüfer auf die private Schauspielschule „Matteusz Gdula“ hin. Diese ist benannt nach ihrem geheimnisvollen Gründer, dessen extreme Methoden in den 70er Jahren einigen Schülern das Leben kostete. In der Schule angekommen, muss sich Stella erst einmal gegen ihre Mitschüler zur Wehr setzen. Aber sie findet in der schüchternen Cecilie (Julita Witt) schnell eine gute Freundin. Aber als Stella versucht, mehr über die Methoden des Matteusz Gdula herauszufinden, gerät sie in tödliche Gefahr…

Es ist ja kein großes Geheimnis, dass es um den deutschen Horrorfilm eher schlecht bestellt ist. Wagt sich mal einer am fantastischen Genre, dann verschwindet das Ergebnis ungeachtet der Qualität zumeist sang und klanglos in der Versenkung (wie z.B. „Der letzte Angestellte“). Allein die Semi-Professionelle Szene um Olaf Ittenbach und Konsorten  konnte sich  mit derben Splatter-Epen eine treue Fan-Basis – sogar im Ausland –  erobern. Was hier allerdings fehlt, sind neben überzeugenden Schauspielern, vernünftige Drehbücher, die um die – zugegeben technisch perfekten – Splattereffekte eine ansprechende Geschichte bauen.

Vor acht Jahren betrat Andreas Marschall mit seinem ersten Langfilm „The Tears of Kali“ die Szene. Jetzt liegt sein zweiter Spielfilm, die Argento-Verbeugung „Masks“ vor. Dass Marschall ein gutes Auge für eine gelungene Optik besitzt, merkt man recht schnell. Kein Wunder, bekannt geworden ist er als Zeichner von Comics und vor allem Plattencovern für Metal-Bands wie „Blind Guardian“ und „Running Wild“. Wer diese detailreichen Gemälde schon mal bewundernd betrachtet hat, wird keinen Zweifel daran hegen, dass Marschall auch seine Spielfilme ansprechend gestalten kann. Dass er nun für seinen zweiten Spielfilm sich am Genre des Giallo (dieser speziell italienischen Art des Thrillers, die ab Ende der 60er bis Anfang der 80er seine Blütezeit erlebte) ausgesucht hat, ist somit verständlich. Steht doch das Genre des Giallo wie kaum ein anderes für stylische Morde und anspruchsvolle Optik.

Und tatsächlich gelingt ihm eine hübsche, an die großen Vorbilder Argento, Martino und Bava erinnernde Bildgestaltung, die es einerseits schafft, einen gewissen Filmlook zu kreieren und andererseits, eine ansprechende Stimmung zu erzeugen. Ein Lob hier an Marschalls Kameramann Sven Jakob, der „Masks“ kinoreif gestaltet hat. Auch auf Seiten der Schauspieler finden sich keine Knallchargen, sondern echte Profis, die ihre Rollen unaufgeregt und ohne die ansonsten in solch preisgünstigen Produktionen üblichen Übertreibungen spielen. Viele stammen direkt von der Schauspielschule, die Marschall auch als Kulisse für seinen Film diente. Allein der Freund der Hauptdarstellerin wirkt als Einziger so, als sei er ein guter Kumpel, den man aus alter Verbundenheit seine Sätze ungelenk aufsagen lässt. Ansonsten hat Marschall großen Wert auf überzeugende Schauspieler gelegt, von denen man vielleicht in der Zukunft noch etwas hören wird. Vor allem Susen Ermich und Julita Witt wissen zu gefallen. Dazu kommen noch einige Veteranen aus der dritten und vierten Reihe wie Maximilian Rüthlein  und Norbert Losch.

Einen großen Teil der Wirkung des Filmes macht die Musik von Sebastian Levermann und Nils Weise aus, die sich wunderbar eng an den Melodien der großen Gialli der 70er orientiert, ohne wie ein billiges Plagiat zu wirken. Den beiden Komponisten gelingt ein ohrwurmiger Soundtrack zwischen Goblin und Bruno Nicolai. Eine Soundtrack-CD wäre hier höchst willkommen. Ferner muss man Marschall auch dankbar dafür sein, dass er seine blutigen Mordszenen nicht ist zum Exzess auswalzt. Die Morde geschehen schnell und blutig, aber lassen dem Zuschauer Raum, die Fantasie spielen zu lassen und ergehen sich nicht in repetitiven Grausamkeiten, die den Handlungsfluss unterbrechen würden. „Masks“ ist zwar recht hart, aber eben „nur“ ein Giallo und kein Splatterfilm. Und so macht er dahingehend auch all das richtig, was ähnlich gelagerte Neo-Giallo aus dem semi-profesionellen Bereich von Grund auf falsch machen (wie z.B. solche Machwerke wie „Glam Gore“).

Ein Kritikpunkt ist die allzu große Nähe zum Über-Vorbild „Suspiria“. Bis auf die Tatsache, dass hier die Ballettschule gegen eine Schauspielschule und die Hexen gegen etwas anderes ausgetauscht werden, handelt es sich häufig sogar um eine 1:1-Kopie. Wenn z.B. Stella am Anfang einem aus der Schule flüchtenden Mädchen begegnet, dann kommt einem das doch sehr bekannt vor. Auch muss festgestellt werden, dass es „Masks“ etwas an Spannung fehlt. Hier wären einige Straffungen hier und dort möglicherweise von Vorteil gewesen. Auch die Erotik – immerhin ein Markenzeichen der Gialli –  kommt etwas zu kurz. Zwar gibt es hier mal ein Geschmuse zwischen attraktiven Frauen und dort blitzt mal eine blanke Brust, aber das wirkt doch arg gezwungen und irgendwie prüde.

Mit „Masks“ ist Andreas Marschall ein höchst ansprechender Low-Budget-Film gelungen, der seine Mit-Konkurrenten, nicht nur aus dem semi-professionellen Bereich, weit hinter sich lässt. Optik, Sound und Darsteller sind gut gewählt, lediglich die manchmal sklavische Nähe zu den Vorbildern ist zu bemängeln. Nichtsdestotrotz beweist „Masks“ eindrucksvoll, dass das deutsche Genre-Kino lebt, und man darf sehr gespannt darauf sein, was Andreas Marschall als nächstes in Angriff nimmt. Von dem Mann wird man in Zukunft sicherlich noch eine Menge hören.

Die Extras der Anolis-DVD bestehen zunächst aus 14-minütigen, unkommentierten Impressionen vom Dreh, die für Crew-Mitglieder sicherlich interessant und lustig sind, für den Uneingeweihten eher langweilig. Dazu kommen noch diverse „Deleted Scenes“. Highlight ist ein Audiokommentar von Regisseur Andreas Marschall, Kameramann Sven Jakob und Produzent Heiner Thimm. Trailer und Bildgalerie runden das Bild ab. Die Bildqualität ist sehr gut. Das Bild geht weg vom HD-Video-Look und erscheint ausgesprochen filmisch. Insbesondere im Prolog, der mit kleinem, dezent eingestreutem „Filmschmutz“ fast wie auf klassischem Filmmaterial gedreht aussieht. Der Ton schwankt manchmal etwas, aber das ist zu verschmerzen.

Die DVD und BluRay erscheinen am 25. Oktober.

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