Category: Film

Am Sonntag: WEIRD XPERIENCE mit Action-Double-Feature beim Schlachthof Open-Air-Kino

Von , 23. Juni 2017 12:47

Schlag auf Schlag geht es für die Reihe Weird Xperience, die ich zusammen mit Stefan kuratiere und moderiere. Am nächsten Sonntag, den 25. Juni ab 20:00 Uhr heißt es beim Open-Air-Kino am Schlachthof ACTION!

Zuerst zeigen wir „Frankensteins Todesrennen“ von 1975 aus der Roger-Corman-Schmiede. In den faschistoiden USA der damaligen Zukunft wird die Masse mit einem gewaltverherrlichenden TV-Programm ruhig gehalten. Höhepunkt ist das „Death Race 2000“ (so auch der Originaltitel). An den Lenkern: David Carradine (bekannt aus der TV-Serie „Kung Fu“ und natürlich „Kill Bill“) und ein junger Sylvester Stallone vor seinem Durchbruch mit „Rocky“. Sly darf hier den bösen Wicht Machine Gun Joe Viterbo spielen, der förmlich über Leichen fährt, denn für das Töten von Passanten gibt es bei diesem Todesrennen schließlich Bonuspunkte, die von Geschlecht und Alter der Opfer abhängig sind. Der gefeierte Fahrer Frankenstein (Carradine) gilt als Mann der Regierung und ahnt nicht, dass seine Copilotin Annie Mitglied einer Widerstandsbewegung ist, die ihm nach dem Leben trachtet. Frankenstein ist jedoch keine Marionette des Systems und verfolgt eigene Pläne.

Trashfilm-Pionier und Kultfigur Paul Bartels (immerhin Jurymitglied der Berlinale im Jahr 1979) führte bei diese actionreichen Polit-Satire Regie. Produziert wurde sie von der Legende Roger Corman, der sich damit an den Erfolg von „Rollerball“ heften wollte. 2008 folgte ein erstes Remake mit Jason Statham in der Carradine-Rolle, welches noch zwei Direct-to-video-Sequels bekam. Eine offizielle Fortsetzung produzierte Roger Corman letztes Jahr unter dem Titel „Death Race 2050“ dann selber. Der Film kam Anfang des Jahres in den USA veröffentlicht. Seine Spuren hinterließ „Frankensteins Todesrennen“ seit Anfang der 80er Jahre auch in zahlreichen Computerspielen, dies ich von dem blutigen Treiben auf der Piste inspirieren ließen.

Danach geht es gleich weiter mit einem Klassiker des Poliziottesco – jener italienischen Spielart des Polizeifilms in der es immer ordentlich kracht und rumst.

Kaum ist „der Chinese“ (Tomas Milian) aus dem Gefängnis geflohen, lässt er umgehend den Mann exekutieren, der ihn einst hinter Gitter brachte: Den Ex-Kommissar Tanzi (Maurizio Merli). Doch Tanzi überlebt den Mordanschlag. Offiziell für Tod erklärt, macht sich Tanzi auf eigene Faust daran, dem „Chinesen“ das Handwerk zu legen. Währenddessen hat dieser mit dem mächtigen Gangsterboss Di Maggio (John Saxon) einen Pakt geschlossen. Doch die Zusammenarbeiten zwischen den beiden läuft nicht reibungslos, und Tanzi gelingt es immer wieder, neuen Sand ins Getriebe zu streuen. Bald schon steuert Rom auf einen blutigen Bandenkrieg zu…

Nach dem Erfolg von „Die Viper“ drehte Umberto Lenzi 1977 diese Quasi-Fortsetzung namens „Die Gewalt bin ich“. Maurizio Merli darf dabei wieder in die Rolle des Kommissar Tanzi schlüpfen, der hier allerdings den Dienst quittiert hat und nunmehr als Privatmann die Unterwelt aufmischt. Und so pflügt der wilde Ex-Cop durch die Reihen der Gangster. Immer mit akkuratem Seitenscheitel und korrekt gestutzten Schnauzer. Das üppige Brusthaar aus dem zu weit aufgeknöpften Hemd wallen lassend und einen bedenklichen Faible für Goldkettchen zu Schau stellend.

Ebenfalls aus „Die Viper“ wurde Tomas Milian übernommen, der hier wie dort den Part des Bösewichts übernimmt. Sein „Chinese“ ist durchtrieben, skrupellos und mit einer großen Bauernschläue gesegnet. Neben Merli und Milian, ist Genre-Vertan John Saxon zu sehen. Saxon konnte schon 1977 auf eine lange und ereignisreiche Karriere zurückblicken. So war er nicht nur im „ersten“ Giallo mit von der Partie, sondern spielte auch den Hauptcharakter in „Der Mann mit der Todeskralle“. In den 70er Jahren tauchte er vermehrt in italienischen Polizeifilmen auf. 1980 war er bei Antonio Margheritis „Asphalt-Kannibalen“ dabei und ab 1984 in dem Horrorklassiker „A Nightmare on Elm Street“ nebst zwei der Sequels. In „Die Gewalt bin ich“ spielt er einen eleganten Gangsterboss, der auch schon mal selbst Hand anlegt, wenn er einen Verräter mit Golfschläge aus kurzer Distanz foltert. In einigen Szenen meint man, dass er sich einen Spaß daraus macht, Marlon Brandos „Paten“ zu parodieren.

„Die Gewalt bin ich“ ist gute alte Action-Unterhaltung aus dem sonnigen Italien mit tollen Hauptdarstellern und perfekter Musikuntermalung durch Franco Micalizzi. Da hoffen wir doch mal auf gutes Wetter, damit das südländische Flair auch so richtig rüberkommt. Der Wetterbericht droht zwar mit bewölktem Himmel, aber es soll nicht regnen. Das wäre doch schon mal was.

DVD-Rezension: „Die Narbenhand“

Von , 22. Juni 2017 18:06

Der einzelgängerische Philip Raven (Alan Ladd) ist ein Auftragskiller, der allein mit einer kleinen Katze in einem schäbigen, kleinen Apartment in San Franscisco lebt. Nach dem Mord an einem Erpresserpärchen wird er von seinem Auftraggeber Willard Gates (Laird Cregar), Rechte Hand eines Industriellen und nebenbei Betreiber eines Nachtclubs, mit „schmutzigen“ Geldscheinen bezahlt, die bald schon die Polizei auf Ravens Spur bringen. Die Untersuchung leitet Detective Michael Crane (Robert Preston). Wie es der Zufall so will, wird dessen Verlobte, die singende Magierin Ellen Graham (Veronica Lake) von einem Senator aus Washington angeheuert, um undercover in Gates Nachtclub in Los Angeles anzuheuern und herauszufinden, wer geheime Informationen an die Japaner weitergibt. Auch Raven macht sich auf nach Los Angeles, um Gates zu stellen, und bald schon kreuzen sich ihre Wege…

Die Narbenhand“ ist in zweierlei Hinsicht ein bemerkenswertes Debüt. Zum einen ist erstmals Alan Ladd in einer größeren Rolle zu sehen, der durch diesen Film zu einem der großen Hollywood-Stars der 40er und 50er Jahre aufstieg – zum anderen dürfte „Die Narbenhand“ einer der ersten Filme sein, die die Figur des Profi-Killers in den Mittelpunkt stellen. Der „Gun For Hire“, was auch der Originaltitel dieses Klassikers ist. Laut Wikipedia war „Die Narbenhand“ auch das Vorbild für Melvilles „Der eiskalte Engel“. Ladd erweist sich als Idealbesetzung für den Killer Raven. Man traut ihm eben so zu, jemanden kaltblütig über den Haufen zu knallen, wie einer armen, kleinen Katze Milch zu geben. Auch in seinem Gesicht, welches noch nicht „schön“ in Szenen gesetzt wird, wie in seinen späteren Filmen, spiegelt sich die Zerrissenheit zwischen innerer Abgestorbenheit und der Sehnsucht nach etwas menschlicher Wärme. Ladd ist gleichzeitig heiß und kalt – und damit tatsächlich der Prototyp des „Eiskalten Engels“.

Der nominelle Held des Filmes ist allerdings Robert Preston, der in den Titeln auch groß an zweiter Stelle nach Veronica Lake aufgeführt wird. Alan Ladd muss sich – trotz einiger kleiner Nebenrollen, die er zuvor gespielt hatte – mit einem kleinen „introducing“ am Ende begnügen. Der etwas ungelenk und langweilig wirkende Preston hat auch weitaus weniger Szenen als Ladd. Tatsächlich spielt er eigentlich nur eine größere Nebenrolle. Das ist auch gut so, denn Prestons Det. Lt. Michael Crane wirkt einfach fade. Ein guter Polizist mit konservativer Weltsicht, der freudestrahlend seiner Verlobten ein Leben in der Küche, wo sie auf den tollen Göttergatten wartet, als reinstes Paradies in Aussicht stellt. Eine Rolle, in der man sich die großartige Veronica Lake nicht unbedingt vorstellen kann. Zumal sie hier einen draufgängerischen und unabhängigen Typ spielt. Die Szene in denen sie Preston anhimmelt und davon spricht, dass sie sich nichts schöneres vorstellen kann als ihm abends die Pantoffeln zu bringen, wirken dementsprechend deplatziert und peinlich. An der Seite des sehr viel interessanteren und gefährlichen Ladd fühlt sich die Lake dann auch sichtlich wohler, und ihre unbestreitbar knisternde Chemie führt dazu, dass beide noch in sechs weiteren Filmen ein Paar geben sollten. Insbesondere in „Der gläserne Schlüssel“ funkt es so sehr zwischen den beiden, dass die Leinwand förmlich elektrisiert wird.

„Die Narbenhand“ strotzt nur so vor wundervollen Szenen, die sich einem tief ins Gedächtnis brennen. Wenn Raven am Anfang brutal ein Zimmermädchen schlägt, weil diese eine kleine Katze aus seinem Zimmer jagen wollte. Oder wenn er am Ende in höchster Not eine miauende Katze erstickt, damit diese ihn nicht verraten kann und sein Gesicht widerspiegelt, dass er damit gerade einen Teil von sich selbst getötet hat. Unvergessen auch Veronica Lakes ebenso erschrockenes, abgestoßenes, aber auch mitleidiges Gesicht, wenn sie realisiert, was Raven da gerade getan hat. Besonders intensiv ist der Augenblick in dem Raven kurz überlegt, ob er ein gehbehindertes kleines Mädchen, welches ihn als Zeugin belastet könnte, umbringen soll oder nicht – und wie er sich dann zögernd für Letzteres entscheidet. Hier ist die Summe der Teile mehr als das Ganze, denn zusammengehalten wird dies alles von einem Drehbuch, welches durch ein erhöhtes Maß unwahrscheinlicher Zufälle, konservativen Zeitgeist, langen Musiknummern und patriotischen Aufrufen zusammengehalten wird. Dass Veronica Lakes Charakter gleichzeitig Sängerin, hochtalentierte Show-Magierin, Freundin des ermittelnden Polizisten und Undercover-Agentin sein soll, ist schon sehr hartes Brot. Dass sich dann im Zug ausgerechnet Ladd neben sie setzt, ist ebenfalls im höchsten Grade vom Drehbuch erzwungen. Man mag kaum glauben, dass diese hochgradig konstruierte Geschichte so auch in dem zugrundeliegende Roman des legendären Autoren Graham Greene vorkommt. Doch angesichts der hervorragenden Einzelszenen, nimmt man das mal so dahin.

Während „die Guten“ hier also eine ebenso untergeordnete wie langweilige Rolle spielen, zeichnet sich „Die Narbenhand“ durch seine wundervollen Bösewichte aus. Allen voran der dicke Laird Cregar als Willard Gates, der zwar ohne zu zögern Morde in Auftrag gibt, aber immer wieder betont, wie sehr ihm Gewalt zusetzt und der sich geschickt aus der schmutzigen Seite des Geschäfts heraushält. Und natürlich Marc Lawrence als sein Chauffeur und rechte Hand, Tommy. Ein finsteres Spiegelbild Ravens, der sein tödliches Geschäft nicht eiskalt und effektiv aufführt, sondern heiß und voller Freude. Ein Sadist wie er im Buche steht, der im Mordgeschäft seine Erfüllung gefunden hat. Tommy blitzen die Augen, sobald er daran denkt, jemanden vom Leben in den Tod zu bringen. In einer Szene erzählt er Willard Gates voller Begeisterung und sehr detailliert, was er mit einem potentiellen Opfer vor hat, während sich dieser in Anbetracht der bunt ausformulierten Grausamkeiten in größter Pein windet. Lawrence sollte in seiner langen Karriere noch viele Gangster und Bösewichte spielen und als solcher zweimal gegen James Bond antreten, in „Diamantenfieber“ und „Der Mann mit dem golden Colt“. In den 90er spielte er auch zweimal kleine Rolle unter der Regie von Robert Rodriguez. In „From Dusk Till Dawn“ und „Four Rooms“.

„Die Narbenhand“ ist zurecht ein Klassiker des Film Noir. Der Film glänzt in vielen Momenten, die sich lange ins Gedächtnis brennen und die definierend für das Genre des „Killer-Films“ sind. Als Ganzes ist er dann allerdings doch mit seinen zu lang geratenen Musiknummern und dem zu sehr auf unglaubliche Zufälle bauenden Drehbuch zu zerfasert, um zu den ganz Großen seiner Gattung zählen zu können. Trotzdem sei allen Filmfreunden dieses erste Zusammentreffen der Noir-Ikonen Alan Ladd und Veronica Lake sehr ans Herz gelegt.

Die 24. Ausgabe der Film Noir-Reihe des Hauses Koch Media fällt wieder durch ein gutes, wenn auch diesmal nicht ganz optimales Bild auf. Bei näherem Hinsehen, könnte es an einigen Stellen etwas schärfer sein, was aber den Sehgenuss in keinster Weise schmälert. Der Originalton ist klar und deutlich. Die deutsche Tonspur dementsprechend auch okay, klingt allerdings etwas künstlich, da alle Geräusche ebenfalls neu vertont wurden. Die Synchronisation ist sehr solide und wartet mit bekannten Sprechern auf. Als Extras gibt es den original Kinotrailer und eine Bildergalerie mit Werbematerial.

City 46: Slapstick-Abend mit Livemusik-Begleitung

Von , 21. Juni 2017 15:51

Am Samstag, den 24.6. um 20:30 Uhr lädt das Kommunalkino City 46 zum wiederholtem Male zu einem Slapstick-Abend ein. dieser wird wie immer vom „Hausmusiker“ Ezzat Nashashibi musikalisch begleitet.

Es laufen vier Kurzfilme, die es in sich haben. Der geniale Buster Keaton erlebt als Schmetterlingsjäger in „Das Bleichgesicht“ von 1922 ein Abenteuer bei den Indianern.

Weniger bekannt als Buster Keaton ist heutzutage leider Charlie Chase. Um zu sehen, was für ein komisches Genie er war – und wie modern er heute noch wirkt -, sollte man sich (den in diesem Rahmen schon öfter gezeigten) „Mighty like a Moose“ (1926) nicht entgehen lassen.

Anita Garvin und Marion Byron war das – mir zumindest bekannte – einzige weibliche Comedy-Team. Auch ihre Filme sind heute leider fast vergessen. Zeit diese grandiosen Damen wiederzuentdecken. Die Gelegenheit ergibt sich bei „A Pair of Tights“ von 1929.

DAS Comedy-Team schlechthin sind die unvergleichlichen Laurel & Hardy. Auch wenn mir Buster Keaton vom Kopf her am Nächsten steht, mein Herz gehört doch diesen zwei großartigen Charakterköpfen. Ein Beispiel für ihre hohe Kunst ist „Wrong Again“ von 1927.

Blu-ray Rezension: “Die Bande des Captain Clegg“

Von , 20. Juni 2017 20:17

Die königliche Krone schickt den Marine-Captain Collier (Patrick Allen) in ein kleines Dorf in den Romney-Sümpfen an der Frankreich zugewandten englischen Küstengegend, um dort einer Schmugglerbande das Handwerk zu legen. Diese macht sich den Aberglauben um unheimliche Romney-Moorgeistern zu Nutze, um ungestört ihrem Treiben nachgehen zu können. Im Dorf treffen Collier und seine Männer auf den freundlichen Reverend Dr. Blyss (Peter Cushing), der weitaus mehr ist als er zunächst zu sein scheint. Und welche Verbindung hat der gefürchtete Pirat Captain Clegg, dessen Grab sich auf dem Kirchfriedhof befindet, mit den seltsamen Vorgängen in den Romney-Sümpfen?

Denkt man an Hammer, denkt man zuallererst an die berühmten Horrorfilme, welche die klassischen Monster der Universal Studios in neues, farbiges Licht rückten. Fans kommen sicherlich noch die von Clouzots „Die Teuflischen“ inspirierten, von Freddie Francis umgesetzten Psychothriller in den Sinn. Doch das Studio produzierte in seiner Glanzperiode noch sehr viel mehr. Neben einige „Robin Hood“-Streifen auch Piratenfilme. „Die Bande des Captain Clegg“ fällt zwischen diese beiden Genres. Sein Anti-Held ist Pirat, seine Bande Schmuggler – er selber sieht sich als eine Art Robin Hood, der gegen die Krone kämpft und den armen Leuten zu Reichtum verhilft. Und somit liegt die Sympathie des Zuschauers dann auch ganz klar bei dem doppelgesichtigen Geistlichen Dr. Blyss und nicht bei dem gewissenhaften Captain der Krone, der mit seinen Männern versucht, dem Schmuggler-Treiben ein drastisches Ende zu setzen. Dr. Blyss wird dabei von dem Hammer-Star Peter Cushing gespielt, der selber ein großer Fan der Vorlage war und sichtlich Freude an der Rolle hat.

Peter Cushing zeigt in „Die Bande des Captain Clegg“, was ihn so großartig machte. Brille auf und er ist der liebenswürdige, stets gütig lächelnde Vikar. Ein Mann, dem man ohne weiteres sein Haus anvertrauen würde, und der eine große Wärme ausstrahlt. Brille ab und aus Cushing wird augenblicklich der harte Chef einer Schmuggler-Bande, hinter dessen eisblauen Augen das Gehirn wie eine Maschine arbeitet. Zwischen diesen beiden Gesichtern liegt kein Atmenzug und Cushing überzeugt mit beiden gleichermaßen. Für Cushing war der Dr. Blyss eine Traumrolle, denn er war schon lange ein Fan der Bücher über Dr. Syn und sein Alter Ego Captain Clegg, welche diesem Film zugrunde lagen. Bereits 1937 gab es eine erste Verfilmung mit George Arliss und 1963 folgte eine weitere durch das Walt Disney Studio. Hier spielte Patrick „Nummer 6“ McGoohan die Hauptrolle. Da die Hammer-Produktion lediglich die Rechte am ersten „Dr. Syn“-Buch hatte, Disney aber die an den Figuren, musste Dr. Syn kurzfristig in Dr. Blyss umbenannt werden. Alle anderen Charaktere konnten allerdings ihre Namen behalten. Cushing selber versuchte sich immer wieder ins Drehbuch einzubringen und schrieb einige Jahre später selber ein auf den „Dr. Syn“-Romanen beruhendes Drehbuch, welches allerdings nie realisiert wurde. Selbst wenn man die Darstellungen von Arliss und McGoohan kennt, Peter Cushing IST einfach Dr. Blyss. Zu jeder Sekunde sieht man ihm seine Begeisterung und Spielfreude an. Sogar die zahlreichen Stunts führte er augenscheinlich zum Großteil selber aus.

Nah dran Peter Cushing die Schau zu stehlen ist Hammer-Veteran Michael Ripper, der in „Die Bande des Captain Clegg“ seine großartigste Darbietung zeigt. Der im Laufe seiner Karriere auf mal größere, mal kleinere Nebenrollen abonnierte Schauspieler, spielt hier die wahrscheinlich größte Rolle seines Lebens und lässt sich diese Chance nicht entgehen. Sieht man Ripper als Sargmacher Jeremiah Mipps, mag man kaum glauben, dass die Filmgeschichte keine Hauptrolle für ihn bereit hielt. Sympathisch, augenzwinkernd, aber auch hart durchgreifend, wenn es sein muss Im großen Finale möchte man fast mit ihm mit weinen. Aber auch die anderen Schauspieler gehen in ihren Rollen auf. Sei es der blutjunge Oliver Reed, der hier zwar weit hinter seinen ungeheuer charismatischen King aus „Sie sind verdammt“ zurückbleibt, dessen beeindruckende Präsenz aber auch hier in jederzeit spürbar ist. Oder der mehr als solide Patrick Allen welcher als Captain Collier eigentlich der nominelle Held der Geschichte sein müsste. Da aber die Sympathien der Filmemacher und des Drehbuchs ganz klar bei den Schmugglern liegen, bleibt für ihn nur der Platz eines klugen und sehr menschlichen Antagonisten, wobei der wahre Schurke der Geschichte der intrigante, eifersüchtige Barbesitzer Mr. Rash ist, welcher von Martin Benson herrlich widerlich gegeben wird. Allein die schöne Yvonne Romain bleibt etwas blass und ist mehr Ausstattungsstück als eigenständiger Charakter. „Die Bande des Captain Clegg“ ist eben ein reiner Männerfilm, der mit Frauen nicht viel anfangen kann.

Obwohl formell nicht dem Horrorfilm zuzurechnen, herrscht auch in „Die Bande des Captain Clegg“ eine Hammer-typische, unheimlich Atmosphäre vor. Diese wird von den „Moorgeistern“ verbreitet. Eine wahrlich schauerliche Gruppe von Geisterreitern, die auf ihren skelettierten Pferden durch das neblige Moor reiten und selber nur aus Gerippe und Totenschädel zu stehen scheinen. Zwar wird recht schnell verraten, dass es sich bei den Moorgeistern um sehr irdische Phänomene im „Misfits“-Outfit handelt, trotzdem sind die Szenen in denen sie auftauchen recht gruselig und beeindruckend gefilmt. Auch für den stämmigen „Mulatten“, zunächst noch ein besonders bedauernswerter Charakter, wird in der zweiten Hälfte des Films zu einem unheimlichen Todesengel, der immer wieder aus den Schatten auftaucht, um jemanden zu meucheln. Dies sind aber nur die Sahnehäubchen auf einen durchweg unterhaltsamen und kurzweiligen Film, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat und vor allem auch wegen Peter Cushings exzellenter Darbietung und den pointierten Dialogen zwischen ihm und seinem Feind von der Marine noch heute viele Freunde hat.

Die schöne Blu-ray Veröffentlichung des Hauses Anolis lässt diesen schönen Film in ganz neuer Pracht erstrahlen. Auch der glasklare Ton macht Freude. Neben der guten deutschen Synchronfassung ist natürlich auch der O-Ton an Bord. Richtig punkten kann die Blu-ray in Punkto Ausstattung. War die alte DVD von Koch Media mehr oder weniger „bare bones“, so wird hier groß aufgefahren. Zunächst findet man hier einen informativen Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz. Hochinteressant ist auch das Featurette „The Making of Captain Clegg“ (32 Minuten). Und sehr hübsch geraten ist das kurze „Die Kutschen des George Mossman“ (7 Minuten), wo man viel über den Mann erfährt, der Hammer mit Kutschen ausstattete. Sonst gibt es noch den US- und deutscher Trailer, sowie britische, deutsche und französische Werberatschläge und eine Bildergalerie. Alles in allem wieder eine tolle Veröffentlichung für einen wirklich schönen Film.

Filmbuch-Rezension: Ingo Strecker „Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“

Von , 17. Juni 2017 16:43

Manchmal merkt man gleich, wenn es die große Liebe ist. Mir erging es so, als ich Ingo Streckers wundervolles Buch „Gorillawood“ aus dem Briefumschlag zog. Ein dicker, großformatiger Schinken, der den Einen vielleicht an ein Telefonbuch, mich jedoch augenblicklich an Michael Weldons „The Psychotronic Video Guide“- erinnert hat. Noch so ein Buch, welches mein Herz im Sturm eroberte – damals bevor ich Internetzugang hatte und damit (fast) alle Informationen aus der Welt des merkwürdigen Films auf einen Knopfdruck.

„Gorillawood“ handelt von den Männern, die sich vor allem ab den 30er Jahren in Hollywood wortwörtlich zum Affen machten. Die Gorillamänner, die unter schweren Kostümen schwitzten und ackerten, damit Tarzan gegen einen „waschechten“ Gorilla kämpfen konnte oder diverse Komiker voller Panik davonrennen. Oder wie ein Kollege von mir kopfschüttelnd meinte: „Das ist ja nun wirklich ein Buch für die Nische in der Nische“. Das stimmt wohl auch – und es ist großartig. Mir war zuvor nie bewusst gewesen, dass es wirklich Männer gab, die zusammen mit ihrem Kostüm von Filmproduktionen quasi ausgeliehen wurden. Und dass diese Männer mit ihren markanten, leicht zu unterscheidenden und damit gut wiederzuerkennende Kostümen dann in mehrere Filmen auftraten. Irgendwie hatte ich die seltsame Vorstellung, für jeden Film wäre ein neues Kostüm genäht worden, welches dann irgendein unbekannter Stuntman übergeworfen bekam. Aber weit gefehlt. „Gorillamann“ war damals ein Beruf und die Kostüme, die sich allesamt im Besitz der Darsteller befanden, wurden von diesen nicht nur gehegt und gepflegt, sondern teilweise auch erstellt. Sie waren ein kostbares Arbeitsmaterial, welches den Broterwerb sicherte. So musste z.B. Emil Van Horne seine Karriere beenden, als sein Kostüm von seiner Vermieterin, der er Geld schuldete, einfach als Pfand einbehalten wurde.

Die Männer unter dem Fell sind so unterschiedlich, wie ihre Schöpfungen. Da ist der Filipino Charles Gemora, der König der Gorillamänner“, der von der Filmaustattung und Make-Up kam, und die herrlichsten Gorillakostüme für sich und andere entwarf. Ray Corrigan – ein veritabler B-Western-Star, der teilweise auch in Filmen, in denen er eine „menschliche“ Hauptrolle spielte, ins Fell schlüpfte. Emil Van Horne, der nebenbei auch in Burlesque-Shows den Affen markierte. Steve Calvert, der eigentlich Barkeeper in Hollywood war. Und dann gab es noch andere. Ihre teilweise unglaublichen Lebensgeschichten hier werden nacherzählt und ihre Kostüme – und vor allem auch ihre Art die Affen zu spielen – ausführlich vorgestellt.

Und das Fantastische an diesem Buch ist es, dass Ingo Strecker tatsächlich jeden Film, in dem die Gorillamänner mitgewirkt haben, bespricht. In seinen reichlich und absolut wundervoll bebilderten Besprechungen, liegt sein Augenmerk natürlich zunächst einmal auf dem Gorillamann. Auf dessen Darstellung, wie er an die Rolle kam und natürlich das Kostüm, welches er benutzte. Aber Ingo Strecker hält sich nicht nur damit auf. Er gibt auch die Handlung der größtenteils seltenen und hierzulande unbekannten Filme detailliert wieder, und schreibt viel über dessen Einordnung in der Filmgeschichte, über die Studios und die „menschlichen“ Darsteller. So lernt man eine Menge über Serials, heute nahezu vergessene Komiker und über die Schauspieler in A-, B- und C-Filmen und ihre Geschichten. So schafft es Ingo Strecker mal eben im Vorbeigehen, gleich eine ganze Geschichte des mittlerweile untergegangen, klassischen Hollywoods in all seinen unterschiedlich budgetieren Ausprägungen von A bis Z auf Papier zu zaubern. „Gorillawood“ ist nicht nur eine Geschichte der „Gorillamänner“ sondern auch eine des B-Films, so wie es ihn heute nicht mehr gibt.

Die beeindruckende Recherchearbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist wahrlich enorm. Dazu ist es auch ein unfassbares Wunder, welch grandioses Bildmaterial Ingos Strecker für sein Buch zusammengetragen hat. „Gorillawood“ lädt herzlich ein zum Schmökern, Staunen und darin versinken. Ich habe „Gorillawood“ in einem Rutsch verschlungen und konnte mir danach kaum noch vorstellen, dass es auch gute Filme ohne Gorillas geben soll. Oder frei nach Loriot: „Ein Film ohne Gorillamänner ist möglich, aber sinnlos“.

Ingo Strecker Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“, tredition, 516 Seiten, € 34,80

Schauburg: Sönke Wortmann stellt seinen Film „Sommerfest“ vor

Von , 16. Juni 2017 22:03

Am Dienstag, den 27. Juni um 18:00 Uhr stellt Sönke Wortmann (u.a. „Das Wunder von Bern“, „Deutschland – ein Sommermärchen“, „Der bewegte Mann“)  zusammen mit den Darstellerinnen Anna Bederke und Sandra Borgmann in der Schauburg seinen neuen Film „Sommerfest“ vor. Der Film beruht auf einem Ruhrpott-Romans des Autoren Frank Goosen und startet offiziel erst zwei Tage später in den deutschen Kinos.

“Die geistige Enge, das Spießertum, das ewige Gelaber von Arbeit und Fußball, die niedrigen Häuser und der ganze Dreck” – Stefan (Lucas Gregorowicz) hat ziemlich viel an seiner ehemaligen Heimat, dem Ruhrgebiet, auszusetzen. Inzwischen wohnt der Schauspieler in München, arbeitet am Theater und ist bloß in die alte Heimat zurückgekommen, um die Formalitäten nach dem Tod seines Vaters zu klären. Unerwartet läuft er dabei jedoch so manchem alten Bekannten über den Weg, und jeder fragt ihn: “Hast du schon mit Charlie gesprochen?”

Charlie und Stefan – so hieß das Traumliebespaar aus Kindertagen. Doch das Wiedersehen mit der Jugendliebe Charlie (Anna Bederke) stürzt Stefan in Zweifel darüber, ob er wirklich den richtigen Weg eingeschlagen hat. Während in München das Vorsprechen bei einer Seifenoper wartet, lernt Stefan das Ruhrgebiet zusammen mit alten Freunden wie den Lebenskünstlern Olaf (André Rohde), Diggo (Markus John) und Toto (Nicholas Bodeux) neu kennen. Und schließlich ist da ja auch noch das titelgebende Sommerfest, bei dem alle Freunde von früher zusammenkommen.

Quelle: Schauburg

DVD-Rezension: “The Void“

Von , 15. Juni 2017 06:36

Während seiner nächtlichen Streife entdeckt Deputy Carter (Aaron Poole) ein schwerverletzten Mann (Evan Stern) am Straßenrand. Carter bringt diesen umgehend zum nächstgelegenen Krankenhaus, obwohl dort zur Zeit nur eine Notbesetzung ihren Dienst tut. Dort angekommen entwickelt sich die Nacht zu einem einzigen Albtraum: Vor dem Gebäude versammelt sich eine unheimliche Gruppe vermummter Gestalten, und im Krankenhaus verwandeln sich die Eingeschlossenen in rasende Killer und schleimige Monster…

Würde man eine Liste anfertigen, von welchen Genrefilmen sich die Macher des kanadischen „The Void“ inspiriert haben lassen, so wäre rasch der erste Absatz dieser Besprechung und vielleicht auch noch der zweite gut gefüllt. John Carpenters „Die Fürsten der Dunkelheit“ (mit Abstrichen auch „Assault on Precint 13“), „Hellraiser“ und „Re-Animator“ sind da nur die Beispiele, die als erstes ins Auge springen. Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofmauer“ und „Die Geisterstadt der Zombies“ sind etwas weniger plakative Inspirationsquellen. Tatsächlich fühlt man sich angenehm an das Horrorkino der 80er Jahre erinnert. Was auch daran liegt, dass man erfreulicherweise auf seelenlose CGI-Effekte weitgehend verzichtet hat und ein beeindruckender Teil des Aufwands in wunderschöne, handgemachte Effekte geflossen ist. Da laufen dem Freund von Latexmasken und Kunstblut angenehme Schauer den Rücken herunter und man fragt sich unwillkürlich, warum die hohe Kunst der „echten“ Special Effects heutzutage fast schon vergessen ist, und selbst das Blut aus dem Computer stammt muss. Eine recht preisgünstige Produktion wie „The Void“ – die mit Crowdfunding-Mitteln realisiert wurde – schafft es doch auch, kreative Masken und handgemachte Effekte auf den Bildschirm zu zaubern.

Dass das alles dann auf Kosten einer originellen Geschichte geht, nimmt man mal so hin. Auch, dass die Charaktere nicht gerade mit dem feinen Pinsel, sondern eher mit der groben Bürste gezeichnet wurden. Überraschungen bleiben also aus, sofern man die „Originale“ kennt. Und ein Subplot, wie der um den Verlust eines Kindes durch das Protagonisten-Paar, wirkt zu dick aufgetragen, um wirken zu können. Auch aus dem Schurken hinter der apokalyptischen Geschichte hätte man mehr machen können. Hinter seiner freundlichen Maske bleibt er anfangs so blass und egal, dass man nach seiner Verwandlung in ein dämonisches Überwesen mit Gottkomplex Mühe hat, sich an seine vorherige Inkarnation überhaupt zu erinnern. Zu beliebig wird diese Figur aus dem Hut gezaubert. Immerhin schafft es Aaron Poole in der Hauptrolle, seinen Deputy Carter sehr sympathisch und lebendig zu gestalten. Ebenfalls relativ gut gelungen ist das Duo, welches zunächst als unheimliche und skrupellose Killer eingeführt wird, sich dann aber als wertvolle Helfer im Kampf gegen Sektenmitglieder und untote Kreaturen entpuppen. Allerdings merkt man dem Drehbuch zu sehr die Absicht an, diese beiden Charaktere als heimliche Helden zu etablieren. Das wirkt dann eher krampfhaft bemüht als cool, zumal die Figur des Sohnes vom Drehbuch vollkommen im Stich gelassen wird.

Doch davon abgesehen, weiß „The Void“ durchaus zu gefallen, was nicht nur an den einfallsreichen, bodenständigen „Creature Designs“ und der für eine FSK16 recht ungewöhnliche Härte liegt. Das Regie-Duo, welches bei einigen großen Blockbustern schon in der Special Effects Abteilung zusammengearbeitet hat, zieht seine Geschichte flott und angenehm humorlos durch. Keine ironisches Augenzwinkern in Richtung der Vorbilder, keine coolen Sprüche. Diese Ernsthaftigkeit tut dem Film sehr gut. Zudem machen Jeremy Gillespie und Steven Kostanski das Beste aus ihrem schmalen Budget und lassen das verlassene Krankenhaus tatsächlich zum „Tor zur Hölle“ werden. Die dichte, stimmungsvolle Inszenierung lässt einen trotz aller Vorhersehbarkeit ab und zu an den Nägeln kauen. Handwerklich kann man Gillespie und Kostanski also keine Vorwürfe machen. Kameraarbeit, Ausstattung, Lichtsetzung – alles vom Feinsten. Es wird spannend sein, den weiteren Weg der Beiden zu beobachten und zu sehen was passiert, wenn sie die Möglichkeit haben ein etwas eigenständiges, besser ausgearbeitetes Drehbuch zu realisieren. Bis dahin ist „The Void“ aber schon einmal eine erstklassige Visitenkarte mit der Empfehlung für höhere Weihen,

„The Void“ ist eine sympathische, blutig-schleimiger Eintopf aus Motiven der großen Horrorklassiker der 80er Jahre von Carpenter über Baker bis Fulci. Dabei bleibt die Eigenständigkeit etwas auf der Strecke und die Figuren sind mitunter recht grob geschnitzt. In Sachen Creature Design, blutige Effekte, Ausstattung und stimmungsvoller Kameraarbeit können die beiden Regisseure aber bereits eine eine Empfehlung in eigener Sache abgeben.

Das Bild der DVD ist recht gut, auch wenn es an einigen Stellen noch optimaler hätte ausfallen können. Da lässt dann die Schärfe etwas nach. Der Ton ist klar und deutlich, wobei kaum die Möglichkeit zu Surround-Effekten genutzt wird. Trotz einer sehr liberalen FSK 16 ist der recht blutige und harte Filme ungeschnitten. Echtes Bonusmaterial sucht man vergeblich. Lediglich mit Trailern wird man abgespeist.

Am Freitag: WEIRD XPERIENCE ist zurück und hat etwas GROSSES mit dabei

Von , 10. Mai 2017 21:41

Zusammen mit meinem Kollegen Stefan organisiere ich seit 2011 die Filmreihe WEIRD XPERIENCE. Nachdem wir am Anfang des Jahres einige Schwierigkeiten mit unserem Veranstaltungsort hatten, geht es nun endlich weiter und wir werden einmalig in der Schwankhalle zu Gast sein. Hier der Text dazu, den ich auch auf unserem Weird-Xperience-Blog gepostet habe.

Darauf haben wir alle sehr lange gewartet: WEIRD XPERIENCE ist zurück. Weiter geht es am 12. Mai um 21:30 Uhr. Dann sind wir erstmals in der Schwankhalle zu Gast. Hintergrund ist das Projekt A.r.G.da.Na.ni (Aus rechtlichen Gründen darf Name nicht genannt werden) des Bremer Künstlers Jan van Hasselt, welches am 18. und 19.5. in der Schwankhalle läuft. Ein Ton-Bild-Vortrag über „eine Art Dino mit Stacheln auf dem Rücken, der eine Kulisse aus Miniaturhäusern zertrampelt und einen Schrei ausstößt, der klingt, als wäre ein Grammophon kaputt. Er darf nicht gezeigt werden, und sein Name nicht genannt. Denn die japanische Produktionsfirma Toho achtet peinlich genau auf den Schutz der Trademark. Was fasziniert so an Argdanani? Wer ist er? Und was will er eigentlich hier? Antworten sucht der Filmemacher Jan van Hasselt auf der Bühne und im Video-Interview mit Experten wie Jörg Buttgereit, Sebastian Krehl, Dietrich Kuhlbrodt, Jürgen Palmtag und Christoph Spehr.“ Im Vorfeld hatte uns Jan gefragt, ob wir von WEIRD XPERIENCE nicht einen Film mit diesem ominösen Dino zeigen könnten. Und dieser Bitte sind wir nur zu gerne nachgekommen. Und wir haben sogar dafür gesorgt, dass wir den Namen des Untieres nennen dürfen!

Laut einer alten Legende aus Okinawa, soll wenn ein schwarzer Berg in den Bergen hoch über die Wolken hinaus ragt, ein Monster auftauchen und versuchen, die Welt zu zerstören. Als diese Prophezeiung eintrifft ist es zum allgemeinen Erstaunen Godzilla, der dort als Weltenzerstörer agiert. Erst zertrümmert Godzilla einige Häuser, dann bringt er fast seinen alten Kumpel, den Igel-ähnlichen Anguirus, um. Doch schnell ist das Geheimnis gelüftet. Dieser Godzilla ist gar nicht der echte Godzilla, sondern ein riesiger Roboter namens „King Kong“ (zumindest in der deutschen Fassung), der von Außerirdischen hergestellt wurde, um ihnen zu helfen, die Erde zu unterjochen. Da hat die Menschheit Glück, dass bald schon der echte Godzilla auftaucht und sich schließlich zusammen mit Okinawas Schutz-Gottheit King Caesar dem stählernen Unhold stellt…

Der Ruf der in den 70er Jahren unter der Regie von Jun Fukuda entstanden Godzilla-Streifen mag nicht der beste sein. Tatsächlich sind sie sehr viel bunter, kindischer und lustiger als jene Filme aus den 50er und 60er, für die noch Godzilla-Schöpfer Ishirô Honda verantwortlich war. Wer darüber hinwegsehen kann und sich ein junges Gemüt bewahrt hat, wird aber besonders mit „King Kong gegen Godzilla“ seine Freude haben. Insbesondere, da hier auf nervige Kinderdarsteller verzichtet wurde und mit Mech-Godzilla einer der coolsten Gegner Godzillas seinen ersten Auftritt hat. GoMecha-Godzilla hört in der deutschen Fassung – wie vor ihm schon der Roboter Jet Jaguar – auf den Namen „King Kong“. Ob man in Deutschland – wo der Film am 20. Dezember 1974 anlief – darauf spekulierte, dass er von dem damals erwarteten Erfolg des amerikanischen „King Kong“-Remakes, partizipieren könne oder einfach eine Kontinuität zum Vorgänger herstellen sollte (die 60er Filme waren ja in Deutschland durch einen imaginären „Frankenstein“ im Titel miteinander verbunden) sei dahingestellt.

Trailer für A.r.G.da.Na.ni

Blu-ray-Rezension: „Angriff der Riesenkralle“

Von , 3. Mai 2017 20:22

Während er mit seinem Flugzeug einen Radartest durchführt, glaubt der der Elektronikingenieur Mitch MacAfee (Jeff Morrow) ein riesiges UFO zu sehen. Wieder am Boden, glaubt ihm niemand die Geschichte. Weder die augenblicklich gestarteten Militärflugzeuge, noch die Radarstationen haben etwas ungewöhnliches feststellen können. Doch kurze Zeit später häufen sich die Sichtungen eines gigantischen, vogelähnlichen Gebildes – ohne dass dieses von den Radars erfasst wird. Da die Maschinen der Piloten, die mit dem unheimlichen Phänomen in Berührung gekommen sind, abstürzen und von den Piloten keine Spur zu finden ist, bleibt MacAfee der einzige Augenzeuge. Zusammen mit der Mathematikerin Sally Caldwell (Mara Corday) wird er nach New York beordert. Auf dem Weg dorthin wird ihr Flugzeug allerdings von einem gewaltigen Vogel attackiert…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Ich muss es zugeben. Mir hat „Angriff der Riesenkralle“ sehr gut gefallen. Trotz oder wegen des Marionetten-Truthahns? Sowohl als auch. „Angriff der Riesenkralle“ ist ein ganz wunderbares Beispiel für einen B-Film, dessen Drehbuch viel größere Ambitionen hat, als es das lausige Budget hergibt. Ein riesiger Greifvogel, der Düsenjets angreift und Fallschirmspringer als kleine Häppchen zwischendurch verspeist. Der dazu noch eine Welttournee hinlegt und neben Washington, noch London und Paris in Schutt und Asche legt. Massenpanik! Maximale Zerstörung! Heute ein klarer Fall für Emmerich und Co.! 1957 ein Stoff für den Produzenten Sam Katzman und seinen zuverlässigen Routinier Fred F. Sears hinter der Kamera. Der Name Sam Katzman ist mir noch aus Zeiten ein Begriff, als ich mich intensiv mit dem Filmschaffen des Kings, Elvis Presley, beschäftigt habe. Dort wurde hinter dem Namen Katzman immer der Titel „King of the Quickies“ gehängt. Und das war nicht schmeichelhaft gemeint. Schließlich war er als Produzent für den angeblich schlechtesten Elvis-Film „Verschollen im Harem“ verantwortlich. Wie „Angriff der Riesenkralle“ auch so ein Fall, in dem die Ansprüche des Drehbuch (Elvis sah sich nach dessen Durchsicht in einer Rolle, die eines Rudolfo Valentino würdig gewesen wäre) und die gering budgetierte Wirklichkeit zwar weit auseinanderklafften, der Dreh aber ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen wurde.

Dabei war Katzman in den 50er für so schöne wie legendäre B-Filme wie „Fliegende Untertassen greifen an“ und „Das Grauen aus der Tiefe“ verantwortlich. Beide wurden mit Hilfe des Stop-Motion-Gurus Ray Harryhausen realisiert. Harryhausen sollte auch die Effekte für „Der Angriff der Riesenkralle“ anfertigen, was dann aber aus Kostengründen scheiterte. Wäre Harryhausen mit an Bord gewesen, würde „Der Angriff der Riesenkralle“ heute sicherlich in einer Liga mit den vorgenannten Filmen spielen und einen anders gelagerten Kultstatus genießen, als es nun der Fall ist. Denn statt Geld in die Riesenkreatur, die hier einen Ein-Vogel-Krieg gegen die Menschheit führt, zu stecken, wurde nach kostengünstigeren Möglichkeiten gesucht und diese in Mexiko gefunden. Was dort aber fabriziert wurde, hat der wunderbare Filmgelehrte Christian Keßler in seinem empfehlenswerten Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof“ Schorsch Schnabel genannt. Eine hässliche Marionette, die aussieht wie eine verunglückte Mischung aus Lämmergier und Truthahn, wobei sie von beiden nicht das Beste mitbekommen hat. An deutlich sichtbaren Fäden wird sie mal von links, dann von rechts durch das Bild gezogen und erinnert in den Momenten, in denen sie auf ihrem Nest oder dem Empire State Building (für ein Riesenmonster natürlich Standesgerecht) in der Tat verdächtig an Urmel aus dem Eis. Aber, trotz des putzigen, ja in der Tat hochgradig Lächerlichen (was hat man sich bloß bei diesem Federschmuck auf dem Kopf gedacht, der aussieht wie ein Staubwedel in der Mauser?) Aussehens hat dieses Vogelmonster Charme und Charakter. Und dies hundertfach mehr, als die seelenlosen CGI-Hai, die „Trash“-Schmieden im Dutzend jeden Monat auf den Markt werfen. Wenn es am Ende sein unvermeidliches Schicksal trifft, dann hat man wirklich Mitleid mit ihm.

Ob das Aussehen der Marionette nun ein Unfall oder Kalkül war, lässt sich wohl nicht mehr herausfinden. Aber es passt perfekt zum großen Wurf des Drehbuchs, welcher vom Budget in keinster Weise umgesetzt werden kann. Trotzdem haben die Macher nicht etwa die kostspieligen Szenen zusammengestrichen, sondern Mittel und Wege gefunden, diese epischen Bilder für den Preis eines Butterbrotes nachzustellen. Das erinnert dann an eine Bande aufgeweckter Kinder, die am Weserstrand „Laurence von Arabien“ nachdrehen. Für die große Massenzerstörung wird auf ganz offensichtliches Stock-Footage und Ausschnitten aus anderen Filmen (vor allem Katzmans eigenen „Fliegende Untertassen greifen an“ zurückgegriffen. In Schauspieler deklamieren Dialoge, wie aus einem Shakespeare-Stück und agieren so ernsthaft, als gelte es einen Oscar zu gewinnen. Auch wenn man Jeff Morrows immer reichlich skeptisch dreinblickenden Gesicht ansieht, dass er zumindest ahnt, was am Ende rauskommt. Auch wenn niemand, aber auch wirklich niemand der Darsteller sicherlich eine Vorstellung davon hatte, wie das Riesenmonster, das die alle bedroht, am Ende aussehen wird. Der Legende nach sah Morrow es erstmals bei der Premiere in seiner Heimatstadt und als das Publikum in schallendes Gelächter ausbrach, flüchtete er schnell aus dem dunklen Kinosaal, um nicht erkannt zu werden.

Aber auch jenseits des wirklich unglaublichen Monsters funktioniert der Film als kuscheliger Unterhaltungsfilm. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt. Zwar nimmt man dem älteren und nicht durch übermäßige Attraktivität glänzenden Jeff Morrow und der überaus sympathischen Mara Corday das Liebespaar nicht ab, aber sie agieren hier wie gute Freunde, die sich einfach mögen und auch gerne mal necken. Irgendwie fühlt man sich hier an die frühen Scully & Mulder erinnert. Auch wenn die 50er-Hollywood-Konventionen natürlich vorsehen, dass sich die kühle Wissenschaftlerin in den draufgängerischen Typen verliebt. Generell hat man das Gefühl, dass sich die Darsteller gut verstanden haben und auf dem Set eine angenehme Atmosphäre herrscht. Oft wird freundschaftlich auf den Arm oder den Rücken geklopft. Auch die beiden Generäle spielende Morris Ankrum und Robert Shayne machen den Eindruck alte Kumpels zu sein. Ein weiteres Plus ist das von Paul Gangelin und Samuel Newman verfasste Drehbuch, das in die Vollen geht und sich für nichts zu schade ist. Völlig ungezügelt wird der Riesenvogel dann noch zum außerirdischen Supermonster mit Antimaterieschild gemacht. Da fehlt komplett die Schere im Kopf, was geht und was nicht. Da wird einfach gemacht. Zusammengehalten wird das Ganze von Fred F. Sears routinierter Regie. Der Mann der als vielbeschäftigter Schauspieler in Klein.- und Kleinstrollen in Hollywood begann, drehte in nur fünf Jahren führte er in 29 Spielfilmen Regie. Meistens Western, aber auch Musikfilme wie der Billy-Haley-Film „Außer Rand und Band“ oder den bereits erwähnten „Fliegende Untertassen greifen an“. Leider verstarb er schon 1957 mit nur 44 Jahren an Gehirnblutung. „Angriff der Riesenkralle“ war einer seiner letzten Filme.

„Angriff der Riesenkralle“ ist ein durchweg sympathischer Film, der weitaus mehr vom Kuchen abbeißt, als er kauen kann. Und das sehenden Auges. Legendär ist er durch die unglaubliche Marionette geworden, die so was wie einen außerirdischen Riesen-Truthahn darstellen soll. Aber der Film hat ganz anderere Qualitäten. Figuren, denen man gerne beim manchmal doch absurden Treiben zuschaut, ein hohes Tempo, eine sehr solide Regie und vor allem ein Drehbuch, welches von vornherein Vollgas gibt und einen großen Science-Fiction-Monster-Katastrophenfilm konzipiert, auch wenn der Produktion gar nicht die Mittel zur Verfügung stehen, um das alles adäquat umzusetzen. Aber irgendwie hat man es dann doch versucht – und ein schwer unterhaltsames Stückchen klassischen B-Film geschaffen. Mit einem wahrlich unvergesslichen Filmmonster.

Auch mit der neusten Veröffentlichung seiner „Rückkehr der Galerie des Grauens“ versorgt Anolis Monster- und Horrorfans mit einer kleinen Rarität. Zumindest in Deutschland dürfte „The Giant Claw“ noch relativ unbekannt sein. Erst 1996 – also 39 Jahre nach seiner Herstellung – erlebte der Film unter dem Titel „Angriff der Riesenkralle“ auf RTL seine Deutschland-Premiere. RTL ließ auch die deutsche Synchronfassung herstellen, die wie leider sehr viele TV-Synchronisationen zwar routiniert, aber auch recht leblos und klinisch klingt. Neben dieser deutschen Fassung hat die mal wieder vorbildliche „Anolis“-Scheibe aber auch einen sehr sauberen Originalton mit dabei, der hier vorzuziehen ist. Auch die Bildqualität ist vom Feinsten und eigentlich schon zu gut für diesen Film. Dr. Rolf Giesen spricht in seiner Einführung dann auch von „falscher HD-Aufbereitung“ – womit er allerdings meint, dass durch das kristallklare Bild die Fäden deutlich zu erkennen sind, an der die vogel-Marionette durch das Bild gezogen wird. In den alten 35mm-Versionen wäre das in dieser Deutlichkeit nie zu erkennen gewesen. Anolis stellt diese missverständliche Aussage bezüglich „falscher Aufbereitung“ dann auch noch einmal auf einer Texttafel klar. Wie schon gewohnt, gibt es auch wieder zwei Audiokommentare. Auf dem ersten sind Ingo Strecker (der auch das informative 16-seitige Booklet schrieb) und Thomas Kerpen zu hören. Auf dem zweiten das bewährte Trio Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Label-Chef Ivo Scheloske. die mexikanische und spanische Titelsequenz, sowie der US-Trailer runden diese wie gewohnt schicke Edition ab.

Filmbuch-Rezension: „Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“

Von , 29. April 2017 16:57

Vor knapp vier Jahren erschien bei Bertz+Fischer das Buch „Dario Argento – Anatomie der Angst“ (Rezension hier), als erstes deutschsprachiges Buch, welches sich auf wissenschaftliche Art und Weise mit dem italienischen Regisseur Dario Argento beschäftigte. Der Ansatz war damals, die Filme für sich sprechen zu lassen. Also dem Regisseur die Deutungshoheit über sein Werk zu nehmen, und sich somit ganz allein auf das zu beziehen, was für alle sichtbar ist. Eine Methode, die von vielen Filmwissenschaftlern immer wieder protegiert wird. Nun ist ein neues, deutschsprachiges Buch über Argento erscheinen. Geschrieben wurde es von Robert Zion, der bereits Bücher über William Castle und Vincent Price veröffentlicht hat. Und Robert Zion geht nun den anderen Weg und gibt Argentos Stimme wieder Gehör. Seine Untersuchungen der Argento’schen Filme unterfüttert er mit zahlreichen Zitaten des Regisseurs und verortet die Filme in dessen Biographie, wie er auch biographische Details aus Argentos Leben für seine Interpretation und Bewertung der Film zu Rate zieht. Dieser konträre Ansatz zu „Anatomie der Angst“ macht „Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“ damit zu einer spannenden Ergänzung zu jener Veröffentlichung.

Robert Zion beschränkt sich auf zehn Filme, die er als Argentos Hauptwerk definiert, oder die er für Argentos künstlerische Entwicklung am Wichtigsten hält. Über die Auswahl kann man natürlich streiten. So steigt Zion erst bei „Vier Fliegen auf grauem Samt“ ein und verbucht die beiden Vorgängerfilme unter „Fingerübungen“. Auch Argentos ungewöhnlichstes Werk „Die Halunken“, welches so vollkommen aus seinem sonstigen Oeuvre herausfällt und daher meiner Meinung nach eine nähere Betrachtung verdient hätte, wird nur in ein paar wenigen Sätzen als misslungen abgewatscht. Auch das umstrittene Spätwerk wird außer acht gelassen. Zions Buch endet mit „Sleepless“. In Anbetracht der Tatsache, dass gerade diese Filme von den Fans regelmäßig in der Luft verrissen und regelrecht mit Hass übergossen werden, hätte ich mir an dieser Stelle einmal eine konträre Meinung gewünscht. Doch da auch Zion Filme wie „The Card Player“ oder „The Mother of Tears“ als größtenteils missraten und damit für den Kern seines Buches als unerheblich ansieht, werden sie allenfalls gestreift. Ein wenig Bauchgrummeln macht mir auch die Herabsetzung anderer Regisseure, insbesondere Lucio Fulcis und hier explizit dessen „New York Ripper“, demgegenüber Robert Zion eine in Abscheu übergehende Aversion hegt.

Was Robert Zion zu den von ihm in den Fokus gestellten Argento-Filmen zu sagen hat, ist aber hochinteressant und dürfte auch für den Kenner der Materie einige neue Einsichten bieten. Dabei ist spannend, wie „Phenomena“ als Wendepunkt in Argentos Filmographie – und seiner Art Filme zu machen – herausgestellt wird. Zuvor waren Argentos Filme laut Zion abstrakt und von jungschen Archetypen geprägt. Mit „Phenomena“, den Zion als ersten – wenn auch nicht ganz gelungenen – autobiographischen Film Argentos ansieht, ändert sich dies. Die Figuren werden psychologisch unterfüttert und statt an Jung, orientiert sich Argento nun an Freud. Auch das Abstrakte seiner Kunst nimmt ab. Argentos Fokus ändert sich dadurch und man kann seine Filme von seiner ganzen Herangehensweise und Intention in ein „Vorher“ und „Nachher“ einteilen. Auch in „Terror in der Oper“ findet Zion zahlreiche autobiographische Details und gleichzeitig eine Psychologisierung der Bilder. „Aura“ ist für ihn schließlich das, was „Phenomena“ sein wollte – ein Schlüsselfilm, der viel über Argento erzählt, und von ihm als versteckte Autobiographie konzipiert wurde. Besonders erfreulich ist die Wertschätzung, die Zion dem oftmals stark unterschätzen „The Stendhal Syndrome“ zukommen lässt. Für ihn ist „The Stendhal Syndrome“ Argentos Meisterwerk. Eine Bewertung, die sicherlich kontrovers diskutiert werden kann, aber von Zion sehr überzeugend hergeleitet wird. Aufschlussreich sind die vielen Verweise dieses Films auf die Welt der Malerei, die Zion hier herausarbeitet. Interessant sind auch seine knappen Ausführungen zu „Das Phantom der Oper“ im „Sleepless“-Kapitel, welche den Film durchaus in einem neuen, positiven Licht erscheinen lassen. „Sleepless“ selber bildet nicht nur den Schlusspunkt des Buches, sondern für Robert Zion auch den perfekten Abschluss für Argentos Karriere als bedeutender Filmemacher. Dementsprechend werden Argentos weitere Filme nur noch im Vorübergehen angerissen. Für Robert Zion ist Argento ein Künstler des 19. Jahrhunderts, der seine Kunst nicht mehr ins 21. Jahrhundert transportieren konnte.

Abgerundet wird das Ganze durch einen 25-seitigen Epilog, der noch einmal sehr schön die vorhergehenden Punkte bezüglich Argentos Stils – wie die Parallelen zur Malerei -, seiner Inhalte und seiner Bedeutung für die Filmgeschichte noch einmal aufgreift und verdichtet.  Eine detaillierte Filmographie seiner Kinofilme (bei der der TV-Film „Do You Like Hitchcock?“ zwar aufgenommen wurde, seine sonstigen TV-Arbeiten aber leider keine Beachtung finden) und ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis beschließen das Buch.

Robert Zion hat ein sehr interessantes Buch über Dario Argento geschrieben, welches dem Leser viele spannende, neue Denkansätze nahe bringt, die natürlich auch kontrovers diskutiert werden können. Insbesondere, was die Bewertung einiger Filmen (vor allem außerhalb von Argentos Werk) angeht. Sehr gelungen ist die Erläuterung der Hauptthesen anhand von 14 farbigen Bildtafeln in der Mitte des Buches. Der einzige Kritikpunk wäre das mangelnde Lektorat, welches am Anfang des Buches (und dann nochmal im „Phenomena“-Kapitel) durch unnötige Rechtschreibfehlern und einer Vorliebe für endlose Schachtelsätze auffällt. Dies gibt sich dann aber recht bald im weiteren Verlauf des Buches und soll auch bei einer bald anstehenden zweiten Auflage überarbeitet werden. Von daher steht einer Empfehlung nichts im Wege.

Robert Zion Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“, Books on Demand, 368 Seiten, € 28,99

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