Originalfassungen in Bremen: 20.02.14 – 26.02.14

Diese Woche ist mal wieder gar nichts los in Sachen O-Fassung. Der einzige attraktive Film erscheint mir George Clooneys „Monuments Men“, wobei er auf der Berlinale auch mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Immerhin wurde der im Harz gedreht, was doch schon mal nett ist.

Monuments Men – Cinemaxx, Do., Sa.-Mo. immer 20:15 % Schauburg, Mi., 26.2. um 17:00 – Fünfte Regie-Arbeit von George Clooney, der zusammen mit einigen seiner Kumpels auch die Hauptrolle übernimmt. Es geht um eine Spezialeinheit im 2. Weltkrieg, in der Kunstwissenschaftler und Museumsdirektoren im Kriegsgebiet Kulturgüter vor der Vernichtung durch die Nazis retten sollen.

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Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do./Sa./Mo./Di./Mi 23:10, Fr. auch 20:15 und So. auch 16:40 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Mi. um 14:20/17:20/20:10/23:00 & CineStar – Kristallpalast Do.-Mi., 14:40/17:30/20:30, Do.-Sa. auch 23:20 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Chasing Ice – City 46, Do./So./Mo. um 20:30 und Fr./Di. um 18:00 – Doku über den Fotografen James Balog der für die „National Geographic“ in die Arktis reiste und dort erschreckende Beweise für den Klimawandel fand.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 24.02. um 21:45 Uhr

Französische Sneak Preview –  Gondel, Mi., 26.01. um 21:00

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DVD-Rezension: “Forbidden Zone”

forbidden zoneIm Keller des Hauses der Familie Hercules gibt es eine geheimnisvolle Tür, die in die Sechste Dimension führt. In dieser regieren der zwergenhafte König Fausto (Hervé Villechaize) und seiner Domina-mäßigen Königin Doris (Susan Tyrrell). Nachdem die Tochter der Hercules, Frenchy (Marie-Pascale Elfman), von ihrem Klassenkameraden Squeezit (Matthew Bright) gehört hat, dass dieser in einer Vision gesehen habe, dass seine transsexuelle Schwester René (ebenfalls Matthew Bright) durch die Tür im Keller der Hercules in die sechste Dimension geraten ist, beschließt Frenchy einen kurzen Blick hinter die Tür zu wagen. Es kommt, wie es kommen muss. Frenchy gerät ebenfalls in die sechste Dimension und wird dort gefangen genommen. Nach und nach folgen ihr ihre Familienmitglieder, und was sie in der Sechsten Dimension erleben, sprengt jegliche Logik…

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Holla, was ist das den? Es gibt viele Filme, denen das Prädikat „Kultfilm“ aufgedrückt wird. Aber „Forbidden Zone“ hat diesen Stempel mehr als verdient. Der erste Spielfilm von Richard Elfman sprüht nur so über vor verrückten Ideen, purem Wahnsinn und filmischen Extravaganzen. Obwohl wahrscheinlich nur aus Budgetgründen in schwarz-weiß gedreht, entpuppt sich diese Entscheidung als genau die richtige. „Forbidden Zone“ vereint Elemente des expressionistischen Stummfilms, des frühen Slapsticks und des Vaudeville, und mixt diese mit avantgardistischem Dada, Three-Stooges-Humor, Cartoons, Terry-Gilliam-Animationen, John-Waters-Geschmacklosigkeiten und Musicalelementen. Mal erinnert er an einen amoklaufenden Guy Maddin auf Ecstasy, dann wieder an die „Rocky Horror Picture Show“. Und inmitten des Wahnsinns schwingt eine in eine enges Lederkostüm gequetschte Susan Tyrrell die Peitsche, während ihre Tochter barbusig durch die Gegend hüpft. „Forbidden Zone“s überbordender Einfallsreichtum und Mut einfach mal ohne Sinn und Verstand über die Stränge zu schlagen, lässt einen atemlos und trotz der kurzen Laufzeit von nur 70 Minuten auch etwas erschlagen zurück.

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„Forbidden Zone“ ist ein Projekt, welches seine Wurzeln in der extravaganten Show der Musiktheater-Gruppe „The Mystic Knights of the Oingo Boingo“ hat. Einer avantgardistischen Musik-Theater-Truppe, die zeitweise bis zu 15 Mitglieder auf die Bühne brachte. Gegründet wurde sie 1972 von Richard Elfman und seinem jüngeren Bruder Danny. Die Band spielte Musik aus den Jahren 1890 bis 1950. Dies konnten Songs von Cab Calloway, russische Ballettmusik oder balinesische Volksmusik sein. Gespielt wurde auf selbstgebauten Instrumenten und in fantasievoller Kostümierung. Bereits 1976 begann sich Richard Elfman für Filmregie zu interessieren und übergab die Leitung der „Mystic Knights“ an seinen Bruder Danny. Jetzt begannen sie auch Singles aufzunehmen, zuvor hatten sie ausschließlich live performt. 1979 begann die Band sich unter Dannys Leitung in eine „echte“ Band zu verwandeln. Der Name wurde auf „Oingo Boingo“ verkürzt und von einer vielköpfigen Theatertruppe auf acht Mitglieder verkleinert. Bald schon stellte sich im Zuge der New Wave der erste Charterfolg ein. „Oingo Boingo“ wurde eine international erfolgreiche Musikgruppe und existierte bis 1995. Zu diesem Zeitpunkt war Danny Elfman bereits einer der berühmtesten und vielbeschäftigsten Filmkomponisten Hollywoods. Er schrieb für alle Tim-Burton-Filme die Musik und kooperierte häufig mit Sam Rami, für den er u.a. „Spider-Man“ vertonte. Zudem ist ihm das Titelthemen der TV-Serien „Die Simpsons“ und „Desperate Housewives“ zu verdanken.

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Die Idee zu „Forbidden Zone“ hatte Richard Elfman, weil er die extravagante Bühnenshow der „Mystic Knights of the Oingo Boingo“ festhalten wollte und den ganzen Wahnsinn, den sie produzierten. Vergleicht man den Film mit den Videoaufnahmen der „Mystic Knights“-Show, die freundlicherweise in den Extras zu sehen sind, erkennt man einerseits, dass Elfman dieses Vorhaben geglückt ist und er andererseits die Schraube noch viel mehr anzog. Das Tohuwabohu der „Mystic Knights“ wurde noch mit filmischen Extravaganzen und genuinen Irrwitz angereichert, so dass der Film am Ende weit über eine bloße Hommage an die „Mystic Knights“ hinausgeht. Die Dreharbeiten erstreckten sich über drei Jahre. Zunächst war ein 16mm Film unter dem Titel „The Hercules Family“ mit 12 „Mystic Knights“-Nummern geplant. Zwei Nummern wurden gedreht (ebenfalls in den Extras zu finden), dann aber wurde das Projekt größer, es wurde auf 35mm gedreht und die bereits fertigen Szenen neu konzipiert, damit sie in den neuen Film, der jetzt „The Forbidden Zone“ hieß, passten. Die Dreharbeiten waren chaotisch und irgendwann halfen auch die Schauspieler mit, ihre Kostüme zu schneidern und Kulissen zu bauen.

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Ein nicht unwichtiger Faktor für den Erfolg des Filmes ist, neben der Musik, auch die großartige Arbeit von Richard Elfmans damaliger Ehefrau Marie-Pascale Elfman, die nicht nur eine der Hauptrollen spielte, sondern auch für das Design der expressionistisch-naiven Kulissen zuständig war. Beim Casting wurde zunächst natürlich auf die Mitglieder der „Mystic Knights“ gesetzt. Dann wurden Verwandte und Bekannte dazu geholt. Ein besonderer Coup gelang mit der Besetzung von Hervé Villechaize, der berühmt wurde als Christopher Lees teuflischer Handlanger Nick Nack in dem James-Bond-Abenteuer „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und als Mr. Roarkes Assistent Tattoo in der in den USA enorm populären TV-Serie „Fantasy Island“. Villechaize war ein ehemalige Mitbewohner von „Forbidden Zone“s Co-Drehbuchautor und Darsteller des Squeezit, Matthew Bright und brachte noch seine Ex-Freundin Susan Tyrrell mit. Gerade Susan Tyrrell gibt dem Film noch zusätzlich Würze. Ihre hemmungslose und de Grenze zum Wahnsinn einige Male überschreitende Darstellung der Königin Doris sprengt förmlich den Bildschirm. Dass Frau Tyrrell auch im wahren Leben eine sehr explosive und extrovertierte Persönlichkeit war, kann man einerseits in den Extras bestaunen, andererseits in einem Interview mit John Waters, welches er vor einige Tagen „Spiegel Online“ im Rahmen seiner „This Filthy World“-Tour gegeben hat, nachlesen. Dort sagt er über Susan Tyrrell – die in seinem „Cry Baby“ eine ähnlich erinnerungswürdige Darstellung gab: „Die (war) zwar die ganze Zeit betrunken (…), (hat) aber trotzdem umwerfend gespielt (…)! Es war nur manchmal ein wenig irritierend, mit ihr zu reden, weil ihre Augäpfel die ganze Zeit wie wild hin- und herflackerten…“. Leider nahm es mit Frau Tyrrell ein trauriges Ende. Aufgrund einer seltenen Krankheit mussten ihr 2000 beide Beine amputiert werden, was sie aber nicht davon abhielt, noch bis zum ihrem frühen Tod 2012 weiter in Filmen aufzutreten.

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Neben Villechaize und Tyrrell kann man noch die Ex-Warhol-Muse Viva als Ex-Königin und Joe „Maniac“ Spinell in einer deutlich von „Marnie“ inspirierten Szene als Squeezits betrunkener und gewalttätiger Vater sehen. Noch einmal deutlich hervorheben muss man aber die Gesang- und Tanzkünste von Marie-Pascale Elfman, dem heimlichen Star des Filmes. Generell spielt die Musik naturgemäß eine große Rolle in „Forbidden Zone“ und die Bandbreite reicht von Playback-Aufnahmen alter Jazz- und Swing-Standards, über die brillante Coverversion von „Minnie the Moocher“ von Danny Elfman bis in zum unvergesslichen Titelthema, welches von „Oingo Boingo“ eingespielt wurde und schon deren musikalische Ausrichtung am New Wave in den 80er Jahren deutlich macht. Dieses wilde Potpourri an Musikstilen passt hervorragend in einen Film, der insgesamt ausgesprochen zusammengewürfelt wirkt. Was in diesem speziellen Fall nicht negativ gemeint ist.

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„Forbidden Zone“ ist Chaos und Wahnsinn pur. Ein expressionistisches Cartoon-Musical mit Monty-Pythonesquen Animationen, avantgardistischen Einfällen, schlechten Witzen und nackten Brüsten. Irgendwo zwischen aus dem Ruder gelaufenen Vorschultheater und Experimentalfilm. Das kann man lieben oder hassen. Kein Film für jedermann.

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Die CMV-DVD ist sehr vorbildlich. Der Film wird in der bestmöglichen Qualität präsentiert. Neben der originalen schwarz-weiß-Version kann man auch eine kolorierte Fassung auswählen. Die Kolorierung wirkt – wie so häufig – etwas „unecht“, wurde aber so von Regisseur Richard Elfman durchgeführt, der den Film von vornherein gerne bunt gedreht hätte. Allerdings geht die Farbe zu Lasten der expressionistischen und an Stumm- und Slapstickfilme gemahnende Bildkomposition. Die Extras lassen keine Wünsche offen und sind hoch informativ. Insbesondere kann man hier sehr genau die Karriere Danny Elfmans verfolgen. Kernstück der Extras ist die 36-minütige Doku „“A Look into Forbidden Zone“ in der Richard Elfman seine damaligen Mitstreiter interviewt. Des Weiteren kann man sich 10 Minuten „Outtakes“ ansehen und 5-Minuten aus dem ursprünglichen 16mm „The Hercules Family“-Film. In einer 4-minütigen japanischen Promo tritt Richard Elfman als Zirkusdirektor auf und erzählt über die Entstehung des Filmes. Wenn man wissen möchte, wie es mit „Oingo Boingo“ weiterging, der kann sich ein Musikvideo der Gruppe von 1982 ansehen, welches Richard Elfman gedreht hat: „Private Life“. Und obendrauf gibt es noch einen Audiokommentar von Richard Elfman und Matthew Bright, der wie die meisten Extras von der US-amerikanischen „Fantoma“-DVD übernommen wurde. Super!

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Das Bloggen der Anderen (17-02-14)

bartonfink_type2Bin ich froh, das die Berlinale jetzt vorbei ist. Den entsprechenden Blog-Beiträgen zu folgen, war wirklich weitaus mehr Arbeit, als ich mir zunächst vorgestellt hatte. Also noch einmal Zähne zusammenbeißen und los.

– Den Anfang macht Mehrfilm. Lida Bach hat „Test“ von Chris Mason Johnson gesehen, das HIV-Drama fand sie positiv unsentimental. Im Transgender-Film “52 Tuesdays” von Sophie Hyde fand sie feinen Humor und Unverkrampftheit. „Kraftidioten“ von Hans Peter Molland hält sie für eine „dumpfe Fascho-Farce“. Die Doku “Non-fiction Diary” von Jung Yoon-suk kommt dahingegen gut weg. Zu „Kumiko, the Treasure Hunter” von David Zellner schreibt sie „Ihre erzählerische Nuancierung ist jedoch eine ganz andere als die desorientierte, hitzige Wut des brutalen Kinderdramas“. Und einen ordentlichen Verriss gibt es bei “Tape_13″ von Axel Stein. “God Help the Girl” von Stuart Murdoch fand sie so la-la und wie sie den queeren „Praia do futuro“ fand, bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich denke mal eher nicht so besonders. „To mikro psari – Stratos“ fand sie „blutleer“.

– Brigitte Häring war für Sennhausers Filmblog auf der Berlinale und sah „Boyhood“ von Richard Linklater, den sie für ein Meisterwerk hält. „To Mikro Psari“ von Yannis Economides ist für sie einer der stärksten Filme im Wettbewerb. „Kraftidioten“ von Hans Peter Molland ist für sie „ein ganz großes Vergnügen“. “Tui Na – Blind Massage” von Lou Ye hat sie berührt und ist hängen geblieben. Teddy-Award-Gewinner „Der Kreis“ von Stefan Haupt hat ihr auch sehr gut gefallen.

– Doreen Butze von Kino–German Film zeigt sich von „Die Zeit der Kannibalen“ sehr begeistert und auch „’71“ ist bei ihr sehr gut angekommen. Mit „Jack“ ist Edward Berger ein „wirklich guter Wettbewerbsbeitrag“ gelungen. Kritiker- und Publikumsliebling „Boyhood“ hat ihr auch sehr gut gefallen.

– Ein kurzer Kommentar zu Berlinale von Lukas Foerster gibt es auf Dirty Laundry.

– In der zweiten und dritten Folge seines Berlinale-Tagebuchs auf Negativ hat sich Michael Schleeh einige asiatische Beiträge vorgenommen.

– Frédéric Jaeger ärgert sich auf critic.de über die Politik der Berlinale, den Journalisten die Berichterstattung über den dort vorgeführten Rohschnitt der neuen Doku von Martin Scorsese zu verbieten und zieht sein persönliches Fazit.  Eine interessante Aktion: Studierenden des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2014“ verfassen Texte über Filme des aktuellen Berlinale-Programms. Acht kurze Texte hier und weitere Texte über den Film „Meine Mutter, ein Krieg und ich“ von Tamara Trampe dort und Johann Feindt und „Töchter“ von Maria Speth an dieser Stelle.

– Miriam Eck von Daumenkino empfiehlt „Iranien“ und „’71“ und hat „Vulva 3.0.“ gesehen, Philip Fürst nennt Dante Lams „Mo Jiing“ ein „kerniges Vergnügen“. Jennifer Ament ist etwas enttäuscht von „Butter on the Latch“. Florian Krautkrämer findet den Experimentalfilm „The Guests“ von Ken Jacobs interessant, gegenüber „Leaves Fall in All Seasons“ ist er eher zurückhaltend. Kristina Scholz war beeindruckt von „Patardzlebi“ und empfiehlt „Kumiko, the Treasure Hunter“. Arne Fischer hält „Night Flight“ für einen harten und ehrlichen Film. Alle „Daumenkinoler“haben Lars von Triers „Nymphomaniac Vol. 1“ gesehen und mit einem Satz kommentiert. Der Tenor: Alle mochten den Film auf einer Bandbreite von gut bis Meisterwerk. Zu diesem Film hat Florian Krautkrämer auch über die „Dialektik der Lust“ geschrieben. Und zu guter Letzt gibt es noch eine Top 10 aller Daumenkino-Blogger.

– Sehr begeistert zeigt sich Peter Gutting auf cinetastic.de von dem deutschen Beitrag “Zeit der Kannibalen“.

– Ausgesprochen verärgert ist Bernd Zywietz auf screenshot über George Clooneys „Monument Men“. Sehr viel mehr angetan ist er von den meisten der deutschen Beiträge auf der Berlinale, insbesondere Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“, den er detailliert bespricht.

– Eigentlich dürfte filmosophie, wie sie selbst schreibt, „Kreuzweg“ nicht mögen. Trotzdem hat er sie nachhaltig beeindruckt. „Things People Do“ von Debütant Saar Klein findet sie dumm. Cutrin sieht bei „Ieji (Homeland)“ von Nao Kubota leider viel verschenktes Potential. Den brasilianischen Film „The Man of the Crowd (O Homem das Multidões)“ findet sie hübsch, aber leer.

Und jetzt genug von der Berlinale! Es gibt ja noch andere Themen.

– Ein Film Vittorio De Sica mit Maximilian Schell und Sophia Loren der in Hamburg-Altona spielt? Das gibt es? Wusste ich auch nicht, aber dank Udo Rotenbergs L’Amore in cità bin ich jetzt auch etwas schlauer.

– Regisseur Christoph Hochhäusler hat einige Filmklassiker wiedergesehen und berichtet darüber auf seinem Blog Parallel Films.

– Jamal Tuschick hat „Dallas Buyers Club“ gesehen und auf Hard Sensations besprochen. So ganz klar wird es nicht, aber er scheint ihm gefallen zu haben.

– Nicht so gut scheint „Dallas Buyers Club“ demgegenüber dem Pärchen von Film im Dialog gefallen zu haben, was sie sich gegenseitig näher ausführen.

Einen ganz wunderbaren Film stellt Oliver Nöding auf Remember It For Later vor: Giorgio Ferronis ungerechtfertigterweise relativ unbekannter „La Notte Dei Diavoli“. Den hatte ich einst als schraddelige VH-Kopie gesehen und hatte nichts erwartet. Umso mehr hat mich der Film damals ziemlich weggeblasen und auch Gianni Garko war dadurch stark in meiner Gunst gestiegen. Ganz toller Film, der weitaus bekannter sein sollte.

– Patrick Holzapfel hat „American Hustle“ gesehen und schreibt darüber auf Jugend ohne Film, „Man muss sich einlassen auf die pure Freude am Schauspiel, um den Film zu lieben und manchem mag das zu wenig sein.“. 2006 habe ich auf dem Filmfest Hamburg den Film „Day Night Day Night“ gesehen, der mich sehr stark beeindruckte und zu dem Besten gehörte, was ich in diesem Jahrgang (als ich noch sehr, sehr viel mehr Filme als heute schaute) gesehen hatte. Warum den so war, hat Patrick in seinem langen Review über den Film gut zusammengefasst. Und zuletzt gibt es noch ein sehr lesenswertes Essay über den „Geist im Kinosaal“.

– Sascha schreibt auf PewPewPew über das Luxus-Kino ArcLight in Luxemburg und sinnt darüber nach, ob dieses Modell auch in Deutschland eine Zukunft hätte. Und die „SciFi Short Collection“ geht in Runde 6.

– Der Titel „Twins of Evil“ hat für mich ja eine besondere Bedeutung, weshalb ich hier mal auf totalschadens Review auf Splattertrash verweise, auch wenn er den dazugehörigen Film nur durchschnittlich fand.

– Der, wie ich finde, schönste Artikel der Woche stammt vom Hofbauer Kommando und wurde auf Eskalierende Träume unter dem Titel „Hofbauer-Report, 2. Teil: Was Gourmets den Schlaf raubt“ veröffentlicht. Lesen, schmunzeln, genießen. Mahlzeit!

– Schön schmuddeligen Softcore-Trash von H.G.Lewis hat die Eule gesehen und auf Das Filmtagebuch der Eule verarbeitet. Und einen sehr frühen Kurosawa hat die Eule auch geschaut.

– Nach Oliver Nöding auf Remember It For Later,  jetzt auch Sebastian Schubert auf Das Magazin des Glücks: „Derrick“!!!! Ich glaube, ich muss da wirklich mal die frühen Folgen gucken. Scheint sich ja sehr zu lohnen – ja geradezu elementar zu sein.

– Zum Abschluss noch ein „Das finstere Tal“-Special. Denn kein anderer Film wurde in dieser Woche so oft und zum Teil auch euphorisch besprochen. Gian-Philip Andreas von Mehrfilm schreibt noch verhalten „Leider gehen die beiden Ebenen des Films, der Rachewestern und das Dorfdrama, nicht sonderlich elegant zusammen. Und nach dem zentralen Plot-Twist in der Mitte des Films bleiben weitere Überraschungen aus. Dann wird Prochaska die Stimmung leider wichtiger als der Plot.“ Jamal Tuschick auf Hard Sensations: „Sporen klirren, Sattel knarren, Hufe klappern. Mitunter verlangsamt sich die Bildfolge. Andreas Prochaska schöpft aus dem Vollen des Westerngenre. Das muss man auch mit Humor sehen.“ Harald Steinwender vergibt auf Filmgazette 9 von 10 Punkten: „Wenn am Ende dann ein geradezu apokalyptisches Blutgericht über das Dorf niedergeht, sich Vater- und Brudermorde ereignen und eine Melange von Inzest, Wahn und Rachsucht aufgedeckt wird, dann hat dies zugleich die Wucht einer griechischen Tragödie wie die morbide Faszination eines Horrorfilms.“ Geht das noch besser? Ja, es geht. Ebenfalls auf Filmgazette gibt Lukas Schmutzer glatte 10 von 10: „Mit der Verfilmung von Thomas Willmanns Roman ist ein großer Wurf gelungen, der mit Nachdruck ans Herz gelegt sei – nicht nur den Liebhabern des Heimatfilms“.

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DVD-Rezension: “Malabimba – Vom Satan besessen”

malabimbaWährend einer Séance, bei der Kontakt zu der verstorbener Ehefrau von Andrea Caroli (Enzo Fisichella) hergestellt werden soll, wird unglücklicherweise der Geist seiner Ahnin, der sexsüchtigen und bösartigen Lucrezia Borgia, freigesetzt. Dieser nimmt sogleich Besitz von Carolis junger Tochter Wanja (Katell Laennec).

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Man möchte ja gerne mal Mäuschen spielen, wenn ein beinharter Horrorfan sich den wunderbaren Bahnhofs-Reißer „Malabimba – Vom Satan besessen“ in den Player schiebt und aufgrund des Titels und dem ausgesprochen schönen DVD-Cover einen fiesen Gruseler erwartet. Denn wahrscheinlich weiß nicht jeder, dass dieses Werk einst unter dem Namen „Komm und mach’s mit mir“ in den Schmierbuden der Republik lief. Denn was wahrscheinlich einmal als echter „Exorzist„-Rip-Off geplant war, ist über weite Strecken ein veritabler Sexfilm, dem von geldgierigen Produzenten auch noch ein paar Porno-Inserts spendiert wurden. Wirklich gruselig ist das alles nicht, obwohl die Szenen, in denen der Geist der Lucrezia Borgia (die soll es zumindest in der deutschen Fassung sein) durch das Schloss fliegt und von der jungen Wanja (im Original Bimba) Besitz ergreift, recht stimmungsvoll umgesetzt wurden. Doch die Schauwerte sind weniger die entfesselten Kamerafahrten am Anfang, als vielmehr die prallen Brüste von Patrizia Webley. Auch führt die Besessenheit bei Wanja nicht zu drehenden Köpfen und Kotzorgien, sondern zu einer massiven Textilallergie.

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Was den Film so interessant macht ist, dass er unter all den wilden Zutaten, die Bianchi dazu schmeißt, tatsächlich eine nachvollziehbare Geschichte erzählt. Wanja steckt mitten in der Pubertät, entdeckt die eigene Sexualität und muss gleichzeitig feststellen, dass die Welt ihrer Familie keine heile ist, und die eigenen Eltern (bzw. hier der Vater) ein eigenes, reges Sexleben führen. Was sie verwirrt und zu extremen Gegenreaktionen veranlasst. Und das alles brav – wie einst beim „Exorzisten“ – unter dem Deckmäntelchen der Besessenheit, die hier wie dort als Metapher für die Veränderungen der zuvor noch kindlichen Seele und des Körpers stehen. Während „Der Exorzist“ allerdings einen konservativ-christlichen Ansatz verfolgt, steht „Malabimba“ für die Freiheit der Sexualität. Nachdem es jeder mit jedem getrieben hat, scheint die Sonne wieder und das Familienleben kann weiter gehen. Nur die katholische Nonne kann nicht mit ihren wahren Gelüsten stehen und bezahlt den Preis dafür. Interessanterweise funktioniert diese Geschichte auch noch trotz der billigen Schmiere, mit der Bianchi seinen Film einreibt.

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Das dem so ist, liegt zu einem guten Teil an Kameramann Franco Villa, der zuvor sehr eng mit Fernando de Leo zusammengearbeitet hatte und u.a. dessen Gangster-Klassiker „Milano Kaliber 9“, „Der Mafiaboss“ und „Der Teufel führt Regie“ fotografierte. Zur Zeit von „Malabimba“ arbeitete er für den Produzenten Gabriele Crisanti, der ihn neben „Malabimba“ noch für weitere Sleaze-Feste, wie den berüchtigten „Giallo A Venzia“, „Patrick lebt“ und „La Bambina de Satan“ (der ein Remake von „Malabimba“ darstellt, ebenfalls Mariangela Giordano als Nonne auffährt und Porno-Inserts enthält) als Kameramann verpflichtete. Villa weiß was er tut und es gelingt ihm auch, die eher karge Kulisse recht opulent in Szene zu setzten. Dass der Produktion vorne und hinten das Geld fehlt, ist offensichtlich. Der Film spielt ausschließlich in und vor dem Schloss, von dem auch nur wenige Zimmer als Drehorte benutzt werden. Das Personal ist mit sieben Schauspielern ebenfalls sehr übersichtlich. Für Stars oder zumindest Hauptdarsteller aus der zweiten Reihe fehlt sowieso das Budget. Die bekannteste Schauspielerin dürfte tatsächlich die schöne Mariangela Giordano in der Rolle der Schwester Sofia sein. Sie war damals mit Gabriele Crisanti verheiratet, dem es anscheinend ein sadistisches Vergnügen bereitete, seine damals schon über 40-jährige Ehefrau in seine besonders schmierigen Filme zu stecken, und dort möglichst grausam misshandeln zu lassen. Man denke nur an „Patrick lebt“, wo ihr eine riesige Eisenstange zwischen die Schenkel gebohrt wird oder Bianchis „Rückkehr der Zombies“, wo ihr von ihrem Sohn (gespielt von dem kleinwüchsigen Peter Bark) die Brustwarze abgebissen wird. Dagegen ist ihr Schicksal in „Malabimba“ geradezu human.

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Eine echte Entdeckung ist Katell Laennec in der titelgebenden Rolle als „schlechtes Kind“. Abgesehen davon, dass sie vor der Kamera recht freizügig mit ihrem knabenhaften Körper umgeht, kann man ihr sogar Ausstrahlung und – im Rahmen eines solchen Filmes – schauspielerisches Talent bescheinigen. In den Szenen in denen sie die Besessene gibt, erliegt sie nicht der Versuchung so gnadenlos zu Grimassieren, wie z.B. das Medium in der anfänglichen Séance-Szene, sondern durchaus glaubhaft, die teuflische Lolita zu spielen. Leider hat man nach diesem Film nichts mehr von Katell Laennec gehört. Christian Keßler stellt in dem Booklet zur DVD allerdings die Theorie auf, Katell Laennec könnte mit dem französischen Pornosternchen Francoise Perrot identisch sein. So oder so ist es schade, dass die in mehr als einer Hinsicht sehenswerte Katell Laennec nicht noch öfter auf der großen Leinwand agierte. Ansonsten fallen im Ensemble nur noch Enzo Fisichella als Vater und Patrizia Webley als dessen Schwägerin auf. Enzo Fisichella ist ein alter Veteran, der schon in Filmen der unterschiedlichsten Genres mitgemacht hat (u.a. hatte er eine größere Rolle in Georges Franjus „Der Mann ohne Gesicht“) und seine Rolle hier routiniert herunterspielt. Patrizia Webley hält mit großem Enthusiasmus ihre reichlichen vorhandenen, weiblichen Attribute in die Kamera und hat zuvor – wie übrigens auch Fisichella – bereits in dem ähnlich schmierigen „Play Motel“ mitgespielt.

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Andrea Bianchi ist ein guter Handwerker, dessen durchaus vorhandenes Talent von der schmuddeligen Art überdeckt wurde, mit der er seine Filme inszenierte. Bianchi zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die ihm zur Verfügung stehenden Drehbücher mit allem anreichert, was dem geneigten Schmier-Freund Freude bereitet. In keinem Film z.B. sah man die bezaubernde Edwige Fenech so oft im Evaskostüm agieren, wie in seinem „Die Nacht der blanken Messer“, und die finale PO!inte dürfte auch recht einmalig in der Filmgeschichte sein. Die oben beschriebene Szene mit der abgebissenen Brustwarze und dem kleinwüchsigen Erwachsenen, der ein Kind doubelt ist ein anderer, typischer Bianchi-Einfall. Bianchi agiert häufig und mit großem Enthusiasmus knapp über der Grenze der Geschmacklosigkeit. Wenn am Anfang von „Malabimba“ eine Séance mit einem wilde Grimassen schneidendem Medium gezeigt wird, fährt der Geist der bösen Lucrezia Borgia natürlich nicht nur so durch den Raum, sondern öffnet auch Hosenschlitze und reißt die Oberbekleidung von Frau Webley hinfort. Der gelähmte Onkel vegetiert natürlich nicht in irgendeinem komfortablen Schlafzimmer des Schlosses vor sich dahin, sondern im Verlies. Und „Tod durch Fellatio“ ist auch mal eine kreative Art jemanden ins Jenseits zu befördern. Diese wilde Einfälle werden von der derben deutschen Synchronisation noch unterstützt, wobei man fairerweise sagen muss, dass diese nicht ganz bis auf das Niveau der Franco-Frauengefängnisfilme sinkt.

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Bianchi verteilt seine Schmiere nicht in kleinen Prisen, sondern mit der ganz großen Schöpfkelle. Wer Freude am schmuddeligen Bahnhofskino der späten 70er Jahre hat, ist hier allerbestes aufgehoben. Wer allerdings einen ernsthaften Horrorfilm erwartet, der dürfte die Scheibe spätestens beim ersten Porno-Insert mit hochrotem Kopf aus dem Playern reißen.

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Die filmART-DVD hat nicht das allerbeste Bild, aber es ist immer noch gut und der Art des Filmes durchaus angemessen. Der Ton ist gut, aber liegt nur auf deutsch vor. Als Bonus liegt noch die alte deutsche Kinofassung bei, die 1,5 Minuten länger ist als die Kopie, die der DVD zugrunde lag. Die Qualität ist aber ziemlich schlecht und ich konnte auf die schnelle auch nicht feststellen, wo die Unterschiede zur DVD-Fassung sind. 15 Minuten mit Deleted Scenes sind auf Italienisch mit deutschen Untertiteln. Dann gibt es noch den Original-Trailer und den deutschen Trailer und eine winzige Galerie mit 8 Bildern. Sehr schön ist das 8-seitige Booklet von Christian Keßler geworden, in dem er sich nicht nur mit dem Film, sondern auch Andrea Bianchi beschäftigt. Beim Lesen merkt man noch einmal, wie sehr man doch seine „Splatting Image“-Artikel vermisst. Das tolle Bild auf dem Pappschuber der DVD stammt übrigens von Graham Humphrey. Schade, dass es die 20-minütige Doku „Malabimba Uncovered“ von der US-DVD nicht auf diese Veröffentlichung geschafft hat, sonst wäre sie wirklich perfekt gewesen.

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Die Statistiken der FFA für das Kinojahr 2013 – und wie man sie nicht lesen sollte.

ffaGestern veröffentlichte die Filmförderungsanstalt (FFA) die aktuellen Statistiken zum Kinojahr 2013. Darunter auch die durchschnittlichen Ticketpreise pro Bundesland und die Anzahl der Kinobesuche. Grund genug für den „Weser-Kurier“ auf seiner Facebook-Seite zu fragen: „Als wüssten wir es nicht schon länger: In #Bremen ist der Kinobesuch bundesweit am teuersten. Die Konsequenz: Weniger Besucher. Ist das bei euch auch so?“

Mal abgesehen davon, dass die Gleichung „In Bremen sind die Ticketpreise so hoch – darum gehen hier weniger Menschen ins Kino“ etwas gewagt und populistisch konstruiert ist, muss man das doch etwas differenzierter sehen. Mit einem Durchschnitt von 2,90 Kinobesuchen pro Einwohner liegt das Bundesland Bremen weiterhin noch vor dem vergleichbaren Stadtstaaten Berlin (2,77) und Hamburg (2,39) und deutlich vor dem viertplatzierten Bayern (1,82). Allerdings gingen im Land Bremen die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr um -6,8% zurück. Was aber nicht an einer exorbitanten Erhöhung der Ticketpreise gegenüber 2012 liegen kann. Denn diese stiegen mit +3,3% auf dem gleichen Niveau, wie der Bundesdurchschnitt (+3,1%). Ich denke eher, dass es in der Tat, wie es auch die Filmförderungsanstalt angibt, an den mangelnden „Must see“s in 2013 lag. Das Jahr 2012 hatte den Film „Ziemlich beste Freunde“ (8,9 Millionen Besucher), welcher aufgrund von Mundpropaganda so einige Zuschauer ins Kino gezogen hat, die in der Regel nicht oder nicht mehr ins Kino gehen. Allein in meinem Verwandten-, Bekannten- und Kollegenkreis waren einige Personen im mittleren bis gesetzteren Alter dabei, die für diesen Film das erste Mal seit vielen Jahren wieder den Weg ins Kino gefunden hatten. 2013 gab es keinen Film, der einen ähnlichen Effekt ausgelöst hätte. Auch die filme, die 2012 auf Platz 2 („Skyfall“, 7,45 Mio. Besucher) und 3 („Ice Age 4“, 6,7 Mio.) lagen, hatten deutlich mehr Besucher als der Spitzenreiter 2013 („Fack Ju Göhte“, 5,6 Mio.). Bei aller Euphorie bei der FFA darüber, dass erstmals seit 2008 wieder ein deutscher Film die Charts anführt, kann man dies doch eher auf das schwache Wettbewerbsumfeld schieben. (Quelle: http://www.ffa.de)

Schaut man einmal weg von den Bundesländern auf die größten Städte Deutschlands, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Dort liegt Bremen (von der FFA wird immer nur Bremen und Bremerhaven gesamt ausgewiesen) mit seinen 2,9 Kinobesuchen/Einwohner auf Platz 7, gemeinsam mit den Städten Berlin (!) und Kiel, aber noch vor Hamburg (2,7). So schlecht ist das nicht. Spitzenreiter ist hier Karlsruhe (4,7) vor Nürnberg (4,1). In Nürnberg zahlt man übrigens auch das meiste Geld für ein Kinoticket (€ 8,94). Das ist eine Verteuerung gegenüber 2012 von +6,3% (gegenüber den +3,3% in Bremen), trotzdem bleibt der Kinobesuch pro Einwohner hier gleich (2012: ebenfalls 4,1). Somit beist sich das mit dem vom „Weser Kurier“ angeführten Argument, die hohen Ticketpreisen wären allein schuld daran, dass die Leute nicht mehr ins Kino gehen.

Der Grund für den Besucherrückgang in Bremen ist meiner Meinung nach weniger – wie vom „Weser Kurier“ suggeriert – in den Ticketpreisen zu sehen. Deren Erhöhung durch dem höheren Anteil von 3D und Überlängenfilme zu tun haben dürfte (und möglicherweise auch dran, dass die hochpreiseigen „Nicht-Film“-Veranstaltungen wie Opern-, Konzert- und Theaterübertragungen zugenommen haben. Ich weiß nicht, in wie weit diese in die Berechnung der durchschnittlichen Eintrittspreise hineinspielen). Vielmehr fehlten 2013 die „Zugpferde“. Möglicherweise – das ist zumindest meine Theorie – liegt es aber auch daran, dass in den jüngeren Bevölkerungsgruppen – getrieben durch immer besseres Home Entertainment Equipment oder Verfügbarkeit der Filme im Internet – eine gewisse Kinomüdigkeit eingesetzt hat. Auch, weil die jüngere Generation es gar nicht mehr gelernt hat, für einen Film ins Kino zu gehen. Dies wird noch durch die mittlere bis ältere Generation ausgeglichen, die in den Programmkinos ihre Heimat gefunden hat (in Tat kann man auch mehr von einer Mulitiplex-Krise, als von einer allgemeinen Kinokrise sprechen. Deren Besucherzahlen gingen deutschlandweit 2013 um -5,4% zurück, während die Programmkinos „nur“ -2,7%*  verloren). Allerdings – speziell auf Bremen bezogen – ist die Programmvielfalt hier merklich geschrumpft. Schauburg und Gondel zeigen oftmals zeitversetzt das selbe Programm, und das Cinema hat seinen „künstlerischen Anspruch“ nach dem Verkauf an die Bremer Filmkunsttheater-Gruppe etwas eingebüßt. Was sehr gut läuft sind Spezialveranstaltungen, wie die Sneak-Preview in der Schauburg, die schon „Kult“ ist, oder die Stummfilme mit Live-Musik im Kommunalkino. Meiner Meinung nach ist dies auch der Weg, wieder mehr jüngere Menschen ans Erlebnis Kino heranzuführen: Das muss als etwas besonderes, als „Event“ inszeniert werden. Einfaches Abspielen reicht nicht (immer).

* eigene Berechnung

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DVD-Rezension: “Big Ass Spider”

big ass spiderKammerjäger Alex Mathis (Greg Grunberg) wird nach einem Spinnenbiss ins Krankenhaus eingeliefert. Als er hört, dass in der Leichenhalle eine ziemlich große spinne ihr Unwesen treiben soll, nutzt er die Gelegenheit die Rechnung für seine Behandlung gegen seine professionellen Dienste einzutauschen. Doch die Sache ist komplizierter als Alex dachte. Die Spinne ist das Nebenprodukt eines Experiments mit außerirdischer DNA und wächst mit rasender Geschwindigkeit. Auch das Militär scheint ohnmächtig gegenüber der Mega-Spinne, die bald schon so groß wie ein Haus ist und beginnt in L.A. Amok zu laufen. Alle Hoffnung ruht nun auf Alex‘ breiten Schultern…

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Als 1996 Mike Mendez erster Film in die deutschen Videotheken kam, war ich einigermaßen verblüfft. Hierzulande hieß dieser nämlich großspurig „Mike Mendez‘ Killers„. Warum der Name eines Regiedebütanten, von dem man zuvor noch nie etwas gehört hatte, derartig marktschreierisch über den Filmtitel geknallt wurde, hatte sich mir damals schon nicht erschlossen. Und der Versuch, hier einen künstlichen Kult um Herrn Mendez zu erzeugen, dürfte auch gründlich misslungen sein, denn nach seinem zweiten Film „The Convent“ hörte man – bis auf ein kurzes Lebenszeichen 2006 mit „The Gravedancers“ – nichts mehr von ihm. Und obwohl bei seinem ersten Film seit 7 Jahren jetzt groß „Vom Regisseur von „Mike Mendez‘ Killers“ und „The Convent““ auf dem Cover prangt, muss man sagen, dass diese beiden Film nun auch keine Meisterwerke waren. Man merkte schon deutlich, dass Mike Mendez bei seinem Erstling erst 23 Jahre alt war und vor allem seinen großen Vorbildern nacheifern wollte. So war die Struktur des Filmes dann auch von dem Rodriguez/Tarantino-Film „From Dusk Till Dawn“ übernommen. Und seine Horror-Komödie „The Convent“ übertrieb dann so reichlich, dass gute Ansätze irgendwo in der coolen Pose stecken blieben. Trotzdem kann beiden Filmen ein gewisser Unterhaltungswert nicht abgesprochen werden.

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Für seinem neuen Film „Big Ass Spider“ gilt dies ebenso. „Big Ass Spider“ ist kein guter Film, aber seine kurze Laufzeit von 77 Minuten sorgt dafür, dass man sich trotzdem unterhält. Allerdings muss festgehalten werden, dass jede weitere Minuten, den Film auch unnötig in die Länge gezogen hätte. Wie in seinem Filmdebüt „Killers“ gelingt es Mendez gleich mit der Eröffnungsszene, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. War es in „Killers“ der unsterbliche Song “ In-A-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly, der die stimmungsvolle und unvergessliche Untermalung für eine ikonisierte Szene lieferte, so ist es hier eine langsame Cover-Version des Pixies-Klassikers „Where Is My Mind“, welche von Storm Large vorgetragen wird. Dazu gibt es Zeitlupenbilder von Zerstörung, panisch flüchtenden Menschen und einem stoischen Helden, der wie ein Fels in der Brandung sich gegen die Flüchtenden stemmt. Doch auch diese schöne Sequenz, die mehr verspricht als der Film dann hält, macht schon die Schwächen von „Big Ass Spider“ deutlich. Da sind einmal die unglaublich billig wirkenden CGI Effekte, und zum anderen der Versuch, mit ein paar aufgeregten Statisten panischen Menschenmassen zu simulieren. Und wie bei „Killers“ auch nach Jahren noch die “ In-A-Gadda-Da-Vida „-Szene im Gedächtnis bleibt, so wird es bei „Big Ass Spider“ wohl vor allem dieser Auftakt sein.

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Doch schon kurz darauf flacht der Film ab. Eine etwas angestrengt komödiantische Szene führt den Helden des Filmes ein. Greg Grunberg spielt den Kammerjäger Alex Mathis als eine Mischung aus John Goodmans Berufskollegen in „Arachnophobia“ und dem „King of Queens„. Danach verlagert sich die Handlung zunächst in einem angeblich großen Krankenhaus, von dem man allerdings nur ein Behandlungszimmer, den kleinen Empfang, ein merkwürdig dunkles Patientenzimmer und die Leichenkammer zu sehen bekommt. Auch herrscht hier kein großer Trubel. Alles in allem, hätten die meisten Krankenhaus-Szenen auch im Appartement des Regisseurs gedreht werden können. So verwundert es auch nicht, dass es der Armee mit nur eine kleinen Handvoll Leuten gelingt, die Kontrolle des Krankenhauses zu übernehmen. Gerade in solchen Szenen wird das geringe Budget, welches Mendez zur Verfügung stand, erst richtig deutlich sichtbar. Immer wenn von dem die Riesenspinne jagendem Militär die Rede ist, bekommt man eine einstellig Anzahl von Soldaten zu sehen. Und wenn das Monster in einem angeblich vielbesuchten Stadtpark sein Unwesen treibt, reichen auch ein paar kreuz und quer durch die Gegend laufenden Statisten, um Massenpanik zu suggerieren. Da fällt es dann erst einmal auch nicht ins Gewicht, dass die schlecht animierte Spinne noch künstlicher ins Bild kopiert wirkt, als ihre Vorgänger in den B-Filmen der 50er Jahre.

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Große Innovationen sollte man von „Big Ass Spider“ ebenfalls nicht erwarten. Er liefert nach Schema F genau das, was man von einem solchen Film erwartet. Vom „Working Class Hero“, über böses Militär, verrückten Wissenschaftlern, Spinnen-Attacken, Gefahr durch „Reproduktion“ und ein King-Kong-mäßiges Ende. Mendez hat hier Versatzstücke aus allen möglichen Monster-Tiere-Filmen zusammengebastelt, so dass man beinah das Gefühl hat, man hätte „Big Ass Spider“ schon einmal gesehen, auch wenn er gerade erst angefangen hat. Natürlich wird auch der obligatorische Sidekick und die ungleiche Romanze mit eingebaut. Wer also Lust auf ein „Best of“ hat, wird sich sicherlich gut unterhalten fühlen. Allerdings führt dieses beinahe schon krampfhafte Festhalten an einem schon zu oft durchgekauten Strickmuster dazu, dass so etwas wie Spannung zu keiner Sekunde aufkommt. Auch die coolen One-Liner und Comedy-Elemente ringen einem ein müdes Lächeln, aber keine übermäßig große Begeisterung ab. Auf der anderen Seite hält Mendez das Tempo hoch und obwohl man schon weiß, was gleich kommt, kann der angenehm kurze Film als Cheeseburger-Äquivalent den größten Hunger kurzzeitig stoppen. Zwar wird man nicht richtig statt, aber wenn man noch mehr davon in sich hinein stopft, würde einem davon nur schlecht werden. Oder kurzgesagt: Man kann „Big Ass Spider“ auch als den perfekten Bügel-Film für Sonntagnachmittag empfehlen.

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„Big Ass Spider“ leidet einerseits an seinen dürftigen CGI-Effekten, andererseits an seiner Vorhersehbarkeit. Er folgt sklavisch ausgetretenen Big-Bug-Horrorfilm-Pfaden, die seit den 50er Jahren schon viel zu oft beschritten wurden. Sein augenscheinlich sehr geringes Budget sieht man dem Film jederzeit an und es gelingt „Big Ass Spider“ auch nicht, dieses durch gelungene Einfälle zu kaschieren. Immerhin sorgen das hohe Tempo, die kurze Spielzeit und der recht sympathische Hauptdarsteller dafür, dass man sich nicht über Gebühr langweilt.

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Das Bild der Splendid-DVD wirkt etwas blass und leicht milchig. Was vielleicht von den Machern so gewollt ist, um die CGI-Elemente nicht so deutlich hervorstechen zu lassen (was ihnen dann aber nicht gelungen ist). Der Ton ist aber sehr gut. Die Extras sind ein Witz. Die „Interviews“ bestehen aus 1:20 Minuten, die noch mit reichlichen Filmausschnitten gestreckt sind. Und auch die „SXSW Premiere“ ( 4 Minuten 55) ist entbehrlich.

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Originalfassungen in Bremen: 13.02.14 – 19.02.14

Ich habe ganz vergessen, im Vorfeld auf die CINÉFÊTE 14, dem französisches Jugendfilmfestival, hinzuweisen. Einige Filme des Programms laufen auch im Abendprogramm des Kommunalkinos. Ansonsten läuft auch der vielgelobte Oscar-Kandidat „Dallas Buyers Club“ im O-Ton.

Winter’s Tale – Cinemaxx, Fr./So. um 19:30 – US-Spielfilm um einen Kleinkriminellen im New York der Jahrhundertwende, der sich in eine Todkranke verliebt und auf geheimnisvolle Weise plötzlich im Manhatten der Gegenwart landet. Klingt wie eine Mischung aus „Love Story“ und „Kate & Leopold“. Die Hauptrollen spielen Colin Farrell, Jessica Brown Findlay und Russell Crowe.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=DBSj1MKwx6A[/youtube]

American Hustle – Cinemaxx, Do., Sa.Mo., Mi. immer 19:30 – David O. Russell ist einer der spannendsten Regisseure des neuen Hollywood-Kinos. Daher kann man gespannt sein auf sein neustes Werk, welches in den 70er Jahren spielt und mit Christian Bale und Bradley Cooper besetzt ist. Es geht um ein Gaunerpärchen, das von einem eifrigen Polizisten einen verlockenden Deal angeboten bekommt. Oscar-Kandidat!

The Wolf of Wall Street – Cinemaxx, Di., 18.2. um 19:30 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio.

Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do./Di. 23:15, Fr./Sa./Mo./Mi 19:50/23:15, So. 16:30/19:50/23:15 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Dallas Buyers Club – Schauburg, So./Mi. jeweils 21:00 – Matthew McConaughey hungerte sich für die Rolle des einfachen Elektrikers und Cowboys Ron Woodroof 25 Kilo runter. Der homophobe Woodroof wird mit dem HIV-Virus infiziert und eröffnet im Angesicht des Todes ein regen Schwarzmarkt-Handel mit illegalen Pillen, die – im Gegensatz zu den „offiziellen“ – den Kranken wirklich helfen. Unterstützt wird er dabei von dem ebenfalls Aids-kranken Transvestiten Rayon, gespielt von Jared Leto. Oscar-Material nach einer wahren Begebenheit.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=U8utPuIFVnU[/youtube]

12 Years a Slave – Schauburg, Di., 18.2. um 18:15 – Nach “Hunger” und “Shame” der dritte Spielfilm von Steve McQueen. Wieder mit Michael Fassbender in einer der Hauptrollen. Der film spielt 1841 und handelt von dem freien Afroamerikaner Solomon Northup, der aus New York entführt und im Süden der USA 12 Jahre lang als Sklave gefangen gehalten wird. Die Hauptrolle spielt Chiwetel Ejiofor. Ferner mit Brad Pitt, Paul Dano und Benedict Cumberbatch.

Die Jungfrau, die Kopten und ich – City 46, Do., Sa.-Mi. immer 20:00 – Französische Dokumentation. Der ursprünglich aus Ägypten stammende Regisseur Namir Abdel Messeeh reist ins Land seiner Eltern, wo seine Mutter einst eine Marien-Erscheinung gehabt haben soll.

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte – City 46, Do., 13.2. um 20:00 – Doku von Michael Moore. Mit Einführung und Diskussion.

Das Meer am Morgen – City 46, Do./Fr. 20:30 und So./Mo. 18:00 – Französischer Spielfilm von Volker Schlöndorff über die Exekution des 17-jährige Guy Môquet, der während der nationalsozialistischen Besatzung in einem Kino Flugblätter vom Rang geworfen hatte. CINÉFÊTE 14 / Französisches Jugendfilmfestival

In ihrem Haus – City 46, Do.-Sa. 18:00 und Di. 20:30 – Französischer Thriller von François Ozon über Voyeurismus und der dünnen Linie zwischen Realität und Fiktion. CINÉFÊTE 14 / Französisches Jugendfilmfestival

[youtube width=“630″ height=“350″]http://www.youtube.com/watch?v=eegoZpxQCzc[/youtube]

Mein liebster Alptraum – City 46, Sa./Mo. um 20:30 und Di./Mi. 18:00 – Französisch-belgische Komödie mit Isabelle Huppert und Benoît Poelvoorde, um eine wohlhabende Galeristin, die mit dem Vater eines Schulfreundes ihres Sohnes konfrontiert wird. Einem Gelegenheitsarbeiter mit krimineller Vergangenheit. CINÉFÊTE 14 / Französisches Jugendfilmfestival

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 17.02. um 20:30 Uhr

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 17.02. um 21:45 Uhr

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DVD-Rezension: “Herzflimmern”

herzflimmernDer 15-jährige Laurent Chevalier (Benoît Ferreux), wächst in den 1950er Jahren im französischen Dijon auf. Zu seinem Vater Charles (Daniel Gélin) hat er nur ein sehr distanziertes Verhältnis, dafür liebt er seine italienische Mutter Clara (Lea Massari) über alles. Von seinen beiden älteren Brüdern wird Laurent animiert heimlich Bars zu besuchen, Alkohol zu trinken und Zigarren zu rauchen. Auch sein erstes sexuelles Erlebnis mit der Prostituierten Freda (Gila von Weitershausen) wird von seinen Brüdern arrangiert. Als bei Laurent eine Herzschwäche diagnostiziert wird, fährt er mit seiner Mutter in einen Kurort, wo sich beide ein Zimmer teilen müssen…

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Louis Malle gehörte zwar in das nahe Umfeld der Nouvelle Vague, war aber selber nie ein Teil von ihr. Sein Spielfilmdebüt „Fahrstuhl zum Schafott“ kam bereits ein Jahr vor dem Startschuss der Nouvelle Vague „Sie küssten und sie schlugen ihn“ in die Kinos, und auch später war sein Platz im Spannungsfeld zwischen den jungen Filmemachern, die alle als Filmkritiker im Film Magazin “ Les Cahiers du cinéma“ ihre Sporen verdient hatten, und dem französischen „Qualitätskino“. Aber gerade hier baute Malle sein eigenes Spielfeld auf. Das Interessante an seiner Arbeit ist, dass er sich nie auf einen bestimmten Stil festgelegt hat. Vergleicht man seine Arbeiten „Zazie“ und „Das Irrlicht„, so könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Oftmals wirken seine Werke, als ob hier verschiedene Regisseure am Werk gewesen wären. Denn der gelernte Dokumentarfilmer (er begann seine Filmlaufbahn als Assistent von Jaques Cousteau bei dessen Unterwasser-Dokus) erfand sich mit jedem seiner Filme neu. Der Inhalt seiner Filme bestimmten am Ende ihr Aussehen und nicht etwa irgendein Markenzeichen. In den 70er und 80er Jahren verarbeite Louis Malle auch viel Persönliches in seinen Filmen. Besonders ausgeprägt in den beiden biographischen Filmen „Auf Wiedersehen, Kinder“ und vor allem in „Herzflimmern“.

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„Herzfilmmern“ erzählt von einer Jugend im Frankreich der 50er Jahre. Malle selber war zwar in den 40ern aufgewachsen, doch die Themen, denen er sich hier widmet, sind zeitlos. Es geht um die Schwelle im Leben, an der aus dem Kind ein Mann wird. Mit all den Verwirrungen, physischen und psychischen Veränderungen, dem hin und her gerissen sein zwischen der Suche nach Geborgenheit und dem eigenen Weg. Der 15-jährige Laurent ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Auf dem Weg in das Erwachsenenleben durchläuft eine Reihe von Initiationen. Die erste Zigarre, der erste Alkohol, der erste Sex. Doch noch steckt auch noch der Junge in ihm, der seine Mutter vergöttert, auch mal bockig sein kann und kindlich ausgelassen. Dem die Naivität aber bereits abhanden gekommen ist und der anfängt die Welt zu durchschauen. Benoît Ferreux spielt Laurent mit einer großen Natürlichkeit. Malle leitet seinen jungen Schauspieldebütanten präzise an, genau diesen sehr speziellen Zeitpunkt im Leben eines jungen Menschen wiederzugeben. Dabei wird nichts verklärt oder verteufelt. Laurent verhält sich natürlich auch unmoralisch. Aber Malle hebt nicht den Zeigefinger oder thematisiert dies. Er zeigt einfach nur, dies allerdings mit viel Liebe für seine Figuren und die Details. Und jeder dürfte sich in Laurent wiederfinden. Das Austesten von Grenzen, das bewusste Provozieren, um eine Reaktion hervorzurufen, das Forschen und Tasten – aber gleichzeitig auch das noch nicht ganz in der Welt der Erwachsen angekommen sein. Das Unsichere, manchmal über die Stränge schlagende und die großen und kleinen Überraschungen, die das Leben bietet.

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Laurent gleicht dem jungen Malle mit seinem Interesse für Albert Camus, der Faszination von dem Thema Selbstmord, der tiefen Liebe zum Jazz, dem Aufwachsen in einem gut bürgerlichen Haushalt und die Schulzeit in einen streng katholischen Schule. Man kann sich gut vorstellen, dass auch Louis Malle seine Platten gestohlen hat, mit dem Klingelbeutel durch die Straßen gelaufen ist und mit seinen älteren Brüdern gestritten und Unfug getrieben hat. Wie er selber sagt, war er sogar – wie Laurent – einmal mit seiner Mutter nach einem Herzproblem in der Kur und musste mit ihr in einem Zimmer schlafen, was er „bizarr“ fand. Im wahrem Leben ist es aber nicht zu dem Äußersten gekommen ist, wie es der Film zeigt. Diese Inzest-Szene, die den Zuschauer recht unvorbereitet trifft, hat „Herzflimmern“ den Ruf eines Skandal-Films eingebracht. Doch selten sah man dieses Tabu-Thema so leicht und unbeschwert umgesetzt. Es wird nicht moralisch hinterfragt, und wie der Zuschauer dies bewertet, wird ihm selbst überlassen. Malle erliegt auch nicht der Versuchung, die Szene auszuwalzen und exploitiv zu verwenden. Alles verläuft eher nebenbei und nicht wie eine große Sensation. Vor allem entspannt die nachfolgende Szene, in der Laurent die von ihm verehrte Elaine aufsucht, um dann bei deren Freundin Daphne zu landen, die Situation. Und das gemeinsame Lachen der Familie am Ende verhindert ebenfalls, dass man mit einem eher flauen Gefühl im Magen den Film verlässt. Laurent hat nun mit seiner Kindheit abgeschlossen und tritt als junger, freier Mann in die Welt hinaus.

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Die junge Mutter Clara wird von der bezaubernden Lea Massari gespielt. Ein wahrer Wildfang, der so gar nicht zu dem konservativen, steifen Vater passt. Und doch spürt man noch ihre Zuneigung zu dem Mann, der scheinbar auch andere Seiten hat, als die, die seine Kinder von ihm kennen. Was Malle in einer Szene andeutet, in der Laurents Vater leicht angetrunken ist. Dass Clara ihn betrügt, liegt nicht an mangelnder Liebe zu ihrer Familie, sondern daran, dass sie noch jung ist und das Leben in vollen Zügen und unabhängig genießen will. Lea Massari legt so viel Energie und übersprudelnde Lebendigkeit in ihre Darstellung, dass man sich ein wenig in sie verlieben muss. Auch die anderen Nebenrollen sind exzellent besetzt. Sei es Daniel Gélin als strenger Vater, der wie oben beschrieben seiner eigentlich recht eindimensional Rolle Tiefe verleiht und eben nicht, wie ein eiskaltes Monster daher kommt, wie es in anderen Filmen mit autoritären Vaterfiguren oft der Fall ist. Besonders herauszuheben ist auch Michael Lonsdale als Priester und Lehrer Laurents. In ihren gemeinsamen Szenen vibriert er förmlich vor Begehren nach dem Jungen, ohne dass Malle dabei zu offensichtlich wird oder es aussprechen muss. Kleine Gesten, wie das etwas zu lange die Hand auf die Schulter legen oder da gedankenverlorene anfassen des nackten Oberschenkels sprechen aber Bände. Überhaupt ist es Malles großer Verdienst, nie mit erhobenem Zeigefinger oder mit der Hand im Nacken des Zuschauers zu agieren.

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Die große Entdeckung des Filmes ist aber natürlich Benoît Ferreux, der den Laurent mit einer großen Natürlichkeit und nervösen Lässigkeit spielt. Auch physisch passt er perfekt in die Rolle des Kindes an der Schwelle zum Mann. Seine Glieder wirken noch unproportional lang zum Rest des Körpers, seine Bewegungen erscheinen manchmal noch etwas ungelenk und Laurent schwankt stetig zwischen kindlicher Begeisterung an der Entdeckung der Welt der Erwachsenen, als auch tiefes Grübeln darüber, ob er dort überhaupt hineinpassen möchte. Sein Gegenspieler ist François Weber als Hubert. Ein reicher Schnösel, der die snobistischen Phrasen, die seine Eltern ihm eingepflanzt haben, nachplappert und sich dabei als etwas Besser generiert. Dabei steckt dahinter keinerlei Substanz, die scheinbare Abgeklärtheit ist Fassade und so ist es am Ende Laurent, der den „Sieg“ davonträgt. Weil er handelt, statt nur zu reden.

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„Herzflimmern“ ist einer der schönsten und persönlichsten Filme des Meisterregisseurs Louis Malle. Er lässt die Welt des französischen Bürgertums der 50er Jahre detailverliebt wieder auferstehen und zeigt auf sehr sensible Weise das Freud und Leid eines 14-jährigen Jungen, der auf der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenenalter steht, und in diesem Moment in keine der beiden Welten gehört. Auch „der große Skandal“ wird angenehm beiläufig und ohne moralischen Zeigefinger inszeniert. Nicht nur in Louis Malles Schaffen ist „Herzflimmern“ ein Höhepunkt, sondern auch in dem Genre der „Coming of Age“-Filme.

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Dem Berliner Label CMV ist es zu verdanken, dass dieses Kleinod nun endlich auf DVD vorliegt. Das Bild ist gut und gibt kein Anlass zur Beschwerde. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Der Ton liegt nur auf Deutsch und nicht auf Französisch vor. Das ist sehr ärgerlich, da die deutsche Synchronisation zwar ausgezeichnet ist, die bekannten Sprecher für die Rollen der Jugendlichen aber viel zu alt wirken. Dies gilt insbesondere für Benoît Ferreux, der von Hans-Georg Panczak, der deutschen Synchronstimme von Luke Skywalker in den „Krieg der Sterne“-Filmen synchronisiert wird. Auch Fabien Ferreux als sein Bruder Thomas klingt zu alt, wenn er von Thomas Dannenberg (alias Arnold Schwarzenegger/Sylvester Stallone) gesprochen wird. Hört man im – ebenfalls auf der DVD enthalten – Original-Trailer, so klingen die echten Stimme viel jünger, was dem Film entgegen kommt. Zudem ist der Ton in der Szene nach dem Inzest kurz sehr asynchron, was ziemlich verwirrt. Nichtsdestotrotz muss man CMV dankbar sein, sich dieses Filmes angenommen zu haben.

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Das Bloggen der Anderen (10-02-14)

bartonfink_type2Es ist Berlinale und die halbe Filmblogosphäre scheint sich in der Bundeshauptstadt aufzuhalten, und über die Filme des Festivals zu bloggen. Was es mir einerseits einfach, andererseits aber auch schwer macht. Es gibt so viele Blogeinträge, dass ich wirklich nicht näher auf jeden einzelnen eingehen kann. Ich werde aber mal versuchen, den ganzen Wust möglichst übersichtlich zu strukturieren.

– Fangen wir mit dem Team von Daumenkino an. Jennifer Ament hat den neuen Film von Michel Gondry „Is the Man Who Is Tall Happy?“ gesehen, eine „animated conversation“, die sie interessant fand. Ferner hat sie die kanadische Doku „La marche à suivre“ über Problemkinder gesehen, die ihr gut gefallen hat. Arne Fischer sah „The Midnight After“ von Fruit Chan, den er okay findet. Philipp Fust war in „Snowpiercer“ und schreibt „(auf ihn) passt (…) besonders ein Adjektiv: grandios!

– Weiter mit Sennhausers Filmblog und Dominik Grafs Schiller-Film „Geliebte Schwestern“, den Brigitte Häring ziemlich fürchterlich findet. „The Monuments Men“ von George Clooney fand sie unterhaltsam, aber enttäuschend. Den Eröffnungsfilm „Grand Budapest Hotel“ mochte sie aber sehr gerne.

– Für Negativ berichtet Michael Schleeh von der Berlinale. Er hat „Grand Budapest Hotel“ gesehen, ist aber nicht ganz so euphorisch.

– Für Filmosophie ist cutrin auf dem Festival und besonders fleißig. Sie schreibt über den Lincoln-Film „The Better Angels“von A.J. Edwards (fand sie berauschend), „Güeros“ von Alonso Ruíz Palacios („gewissermaßen der mexikanische „Oh Boy““) und den Dokumentarfilm „The Dog“, der quasi die Vorgeschichte zu Sidney Lumets „Hundstage“ erzählt, welchen sie sehr gelungen findet. Des weiteren war sie in Michel Gondrys „Is the Man Who Is Tall Happy?“, den sie interessant fand, aber ihrer Meinung nach zum falschen Zeitpunkt gesehen hat. Die Doku „Finding Vivian Maier“ über eine unbekannte Fotokünstlerin, deren Nachlass durch Zufall gefunden wurde, mochte sie sehr gerne.    Das sehr harte indische Drama „Papilio Buddha“ von Jayan Cherian ist für sie auch ein sehr starker Film. Der vietnamesische Endzeit-Film „Nuoc“ hat sie letztendlich auch zufrieden gestellt.

– Auch Mehrfilm bloggt von der Berlinale. Dort hat Lida Bach in der „Perspektive Deutscher Film“ den Film „Hüter meines Bruders“ gesehen, den sie „schwammig“ fand. Der norwegisch-niederländischen „Blind“ konnte sie auch nicht recht überzeugen. Der drei-stündige, starbesetzte „The Turning“ aus Australien, lässt sie ein wenig zwiespältig zurück.

– Thomas Groh stelle auf filmtagebuch das Berlinale Forum vor, wo Filme des Japaners Noboru Nakamura gezeigt werden.  und bespricht den vietnamesischen Film „Nouc“, der ihm mit Abstrichen gefiel.

– Und wieder der Eröffnungsfilm „Grand Budapest Hotel“. DasDingAufDerSchwelle findet ihn vorzüglich.

– Auf Cineastic.de findet ist Peter Gutting ebenfalls von Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ sehr begeistert. Noch sehr viel mehr gefiel Ronnie Dombrowski Bong Joon-hos “Snowpiercer”, denn er für den mit weitem Abstand beste Science Fiction Film der letzten Jahren hält.

– Auf Französischer-Film.de gibt es eine Auflistung aller französischen Filme auf der Berlinale.

– Michael Schleeh schreibt auf Schneeland über den japanischen Meisterregisseur Teinosuke Kinugasa, von dem einige Werke in der Retrospektive „Licht und Schatten“ laufen.

critic.de gibt einige Empfehlungen und Danny Gronmaier berichtet über die Sektion „Perspektive Deutsches Kino“. Hier sollte man sich vor allem „Der Samurai“ von Till Kleinert merken.

– Aber genug von der Berlinale. Es gibt ja Gott sei Dank noch andere interessante Themen. Wie zum Beispiel die Brian-de-Palma-Reihe im Hamburger Metropolis, die The Wayward Cloud vorstellt.

– Oder „The Ghost of the Hunchback„, einen japanischen Gruseler von 1965, den Alex Klotz auf Hypnosemaschinen vorstellt. Regie führt hier Hajime Satô, der auch den tollen „Goke – Vampir aus dem Weltall“ inszeniert hat.

– Viel gibt es auch wieder bei Oliver Nöding auf Remember It For Later zu entdecken. 2x Franco („Miss Muerte“ und „Necronomicon“), die Fortsetzung der sehr interessanten „Derrick“-Sause („Derrick“ hatte ich schon seit Jahren nicht mehr auf dem Schirm – wahrscheinlich, weil ich die letzten, sehr steifen und am Rande der Selbstparodie schlitternden Folgen „live“ mitbekommen hatte und diese meine Interesse an der Materie nicht gerade förderten – obwohl mir einige Highlights doch im Gedächtnis geblieben waren, aber der immer gleiche Matsch überwog) und Will Trempers „Endlose Nacht“, den ich mir unbedingt noch besorgen muss.

– Einer meiner allerliebsten Filme ist Maya Derens ganz wunderbarer Traum „Meshes of the Afternoon“. Auch Stubenhockerei fehlt angesichts dieses Meisterwerks fast die Worte.Von dem Fragment „Witches’s cradle“, einem Film, den Maya Deren mit dem Surrealisten Marcel Duchamp drehen wollte, habe ich jetzt bei Stubenhockerei das erste Mal gehört. Danke für den Hinweis.

– Zu dem urbayerischen Kabarettisten Gerhard Polt habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Einiges ist aber schon genial, weshalb ich recht gespannt auf seinen neuen Film „… und Äktschen“ bin, der die Hitler-Filmerei aufs Korn nimmt. Oliver Armknecht hat ihn gesehen und auf film-rezensionen.de durchaus kritisch besprochen.

– Klaus Kreimeier setzt auf Filmgazette die Reihe „Magische Momente“ mit dem Film „Yella“ fort. Michael Schleeh stellt die Doku „Handschlag mit dem Teufel – General Roméo Dallaire und der Völkermord in Ruanda“ vor, die sehr interessant zu sein scheint und Ulrich Kierst hat „Zero Killed“ von Michal Kosakowski (zur Zeit einer der führenden Köpfe hinter dem „German Angst“-Projekt) gesehen und für gut befunden. Von Harald Steinwender gibt es eine relativ positive Kritik zum Alpen-Monster-Horror „Blutgletscher“.

Hauptsache Stummfilm nimmt sich eines „modernen“ Films ohne Worte an. Jacques Tatis unsterblichen – und ein weiterer meiner persönlichen Favoriten – „Playtime“. Und als Bonus gibt es noch eine Handvoll kürzerer Filmkritiken obendrauf.

– YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über den großartigen und leider viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman.

– Harald Mühlbeyer von screenshot war in Mannheim wieder auf einer Grindhouse-Nacht und schreibt über das Double-Feature „Re-Animator“ und „Hydra – Verschollen in Galaxis 4“.

Drama-Blog über ein Schriftstück, in dem sich ein anonymer Drehbuchautor über die Qualität und die Bedingungen im deutschen TV auslässt.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über den Symbolismus von Schlangen im Film und Rainer Kienböck steuert zum dem Blog ein Portrait des italienischen Regisseurs Gillo Pontecorvo bei.

– Nachdem er das letzte Mal dem Regisseur Antonio Pietrangeli ein aufschlussreiches Essay gewidmet hat, nimmt Udo Rotenberg auf L’Amore in cità diesmal dessen ersten Spielfilm „Die Sonne in den Augen“ von 1954 unter die Lupe.

Anlässlich des Todes von Maximilian Schell bespricht Udo auf Grün ist die Heide den Film „Ein Mädchen aus Flandern“, bei dem 1956 Helmut Käutner Regie führte.

– Lesenswertes gibt es auch wieder auf Whoknows presents. Dort geht Manfred Polak zunächst auf die damals gnadenlos gefloppte Dr.Seuss-Verfilmung „Die 5000 Finger des Dr. T“ ein, während sich david sehr ausführlich mit dem 1913 entstandenen „Richard Wagner“ (lief vor zwei Wochen auch mit Live-Musik im Bremer Kommunalkino!) beschäftigt.

– totalschaden nimmt sich mal wieder dem grandiosen Meister Mario Bava an und bespricht auf Splattertrash sein Spätwerk „Baron Blood“ (welches übrigens eine absolut scheußliche deutsche TV-Synchro hat).

Der Kinogänger berichtet einem mehr Neues aus Hollywood. Da er letzte Woche damit etwas spät dran war (oder diese Woche zu früh), gibt es hier eine Doppelverlinkung auf letzte und diese Woche.

– Und zum Abschluss etwas sehr schönes. PewPewPew macht mit der Kunst von Laurent Durieux bekannt. Dieser malt wunderschöne Plakate zu fantastischen Hollywood-Filmen. Ansehen, genießen.

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Blu-ray-Rezension: “Hotel zur Hölle“

Hotel zur HölleVincent Smith und seine Schwester Ida betreiben eine Schweinezucht und eine Räucherei, in der sie sie das beliebte „Farmer Vincent’s Smoked Meat“ herstellen. Darüber hinaus führen sie auch das Motel „ Hello“. Doch dies dient alles nur der Tarnung. In ihrer Räucherei verarbeiten sie Menschfleisch, und auch das Hotel dient in erster Linie nur dazu, Nachschub anzulocken. Ab und zu stellt Vincent auch auf der nahegelegenen Durchgangstrasse Fallen auf. Dort erwischt er eines Tages das Pärchen Bo und Terry, welches auf dem Motorrad unterwegs ist. Bo kommt dabei scheinbar um, doch an der gutaussehenden Terry findet Vincent Gefallen und nimmt sie mit nach Hause. Dort kümmert sich Vincent zunächst einmal rührend um Terry. Was seiner eifersüchtigen Schwester gar nicht passt. Und dann gibt es da noch diesen geheimnisvollen Garten hinter dem Haus…

Als der britische Regisseur Kevin Connor hielt sich schon seit drei Monaten in den USA auf und es schien nicht wirklich gut für ihn zu Laufen, da vermittelte ihm sein Agent die Regie zu „Hotel zur Hölle“. Zu diesem Zeitpunkt war der Plan noch, daraus einen ernsthaften Slasher zu machen. Das Drehbuch lag zwar schon seit zwei Jahren herum, aber nach dem überraschenden Erfolg von „Freitag, der 13.“ wollte jetzt jeder ein Stück vom blutigen Kuchen abhaben. Und so fand das „Hotel zur Hölle“-Drehbuch endlich einen Produzenten. Connor nahm die Regie an, aber unter der Bedingung, dass er aus dem Stoff eine schwarze Komödie machen und die ganz derben Effekten raus lassen könne. Die Jaffe Brüder, die den Film produzierten, sagten ihm dies zu und so kommt „Hotel zur Hölle“ heute recht harmlos, wenn auch gespickt mit einigen hübsch geschmacklosen Ideen, daher.

Connor hatte sein Handwerk bei der Hammer-Film-Konkurrenz Amicus gelernt, die für ihre Episoden-Horrorfilme berühmt waren. Uns so war Connors erster Spielfilm dann auch solch ein typisches Amicus-Vehikel: „Die Tür ins Jenseits“. Kurz darauf sollte sich Connors als Spezialist für Urzeit-Fantasy-Stoffe beweisen und drehte mit Cowboy-Darsteller Doug McClure eine Serie von Fantasy-Filmen wie „Caprona- Das vergessene Land“, „Caprona II“, „Der sechste Kontinent“ und „Tauchfahrt des Schreckens“. Auch in seinem US-Debüt „Hotel zur Hölle“ spielt ein alter Western-Veteran die Hauptrolle. Rory Calhoun war ein altes Schlachtross, das in den 50er Jahren durch eine Serie von B-Western bekannt geworden war, in denen er zunächst häufig zwielichtige Gestalten und Bösewichte spielte. Am Bekanntesten dürfte sein Auftritt als Marilyn Monroes finsterer Geliebter in „Fluss ohne Wiederkehr“ von Otto Preminger sein. In Sergio Leones erstem Spielfilm „Der Koloss von Rhodos“ spielte er dann den Helden. In den 60er und 70er war er zumeist als Gaststar in zahlreichen TV-Serien präsent. Seine Rolle in „Hotel zur Hölle“ macht ihm sichtlich Spaß. Den ganzen Film über spielt er den Farmer Vincent mit einem breiten Grinsen und nimmt die schrecklichen Vorgänge rund um sein Motel und Wursträucherei nicht besonders ernst, was dem Film auch sehr zu Gute kommt, da durch Calhouns enthusiastische Spielweise der komödiantische Aspekt noch betont wird.

Ihm zur Seite steht in einem kongenialen Besetzung-Coup Nancy Parsons, die hier eine beängstigende Mischung aus Komödie, verschlagenem Wahnsinn und gruseliger Skrupellosigkeit mitbringt. Calhoun ist zwar der Star und das Gesicht von „Hotel zur Hölle“, doch Nancy Parson das verdrehtes Herz des Filmes. Die Latzhosen und Zöpfe passen so gar nicht zu ihrem grobschlächtigen Äußeren und lassen sie durch den großen Kontrast von „kleinem Mädchen“ und dicker Frau umso unheimlicher wirken. Parson gelingen auch die kleinen Gesten. Neben dem derben Scherzen, wenn sie z.B. zwei Kinder mit einem abgetrennten Schweinekopf verschreckt, gibt es auch immer wieder die kurzen Momente, wenn nur ein Blick von ihr reicht, um zu zeigen, wie sie die Eifersucht auffrisst und in ihrem Kopf Mordpläne reifen lasst. Und wenn sie danach dann wimmernd wieder in den „kleines Mädchen“-Modus zurückfällt, hinterlässt dies ein unangenehmes Gefühl.

Neben diesem ungewöhnlichen Geschwisterpaar müssen alle anderen Darsteller verblassen. Und tatsächlich können weder Paul Linke als guter Bruder, noch Nina Axelrod als Terry irgendeinen Eindruck hinterlassen. Auch wenn Nina Axelrod in der zweiten Hälfte des Öfteren einmal blank ziehen darf. In einer winzigen Rolle kann man die zukünftige „Cheers“-Ikone John Ratzenberger entdecken. Allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um ihn als eines der armen Opfer des kannibalischen Geschwister-Paares zu identifizieren. Der Film selber ist deutlich von „Psycho“ und „Blutgericht in Texas“ inspiriert. Aus „Psycho“ wurde das abgelegene Motel, das als Falle für unfreiwillige Fleischlieferanten dient, übernommen. Aus „Blutgericht in Texas“ die kannibalischen Tendenzen und die degenerierte Hinterwäldler-Familie. Allerdings setzt „Hotel zur Hölle“ nicht auf Terror und Grusel, sondern mehr auf schwarzen, manchmal durchaus britischen Humor. Die Idee, seine Opfer wie Kohlköpfe in den Boden zu pflanzen und dort zu mästen, bis das Fleisch reif für die Räucherei ist, hat etwas beinahe Monty Pythonesques.

Auch in den klassischen Horrorszenen, wie dem Fallenstellen durch Farmer Vincent, verzichtet Connors ganz auf Suspense oder blutige Details. Und wenn tatsächlich ein Pärchen in die Motel-Falle tappt, sind diese beiden zu schrill überzeichnet, als dass sich so etwas wie Mitgefühl oder Angst um die beiden Comic-Abziehbilder einstellt. Hier überdreht Connor dann leider auch das Rad und diese Szene wirkt leider aufgrund ihrer puren Albernheit fehl am Platze. Häufig geht „Hotel zur Hölle“ immer dann die Luft aus, wenn sich wieder zu sehr auf die Handlung konzentriert wird, oder Vincent und Ida einmal nicht im Bild sind. Für diese Durchhänger wird man allerdings durch das wunderbar groteske Finale entschädigt, in dem ein abgetrennter Schweinekopf und zwei Motorsägen zum Einsatz kommen.

Mangelnde Spannung und Grusel macht „Hotel zur Hölle“ durch bizarre Ideen und ein Bösewicht-Pärchen in Topform wieder weg. Auch wenn einige Szenen zu langatmig und anderen zu überdreht ausgefallen sind, kann diese schwarzhumorige Komödie in Slasher-Verkleidung über die gesamte Laufzeit gut unterhalten.

Die Blu-ray des sympathischen Berliner Labels CMV zeigt den Film in guter Qualität. Wahrscheinlich ist aus dem Material auch nicht mehr heraus zu holen. Abstriche muss man leider beim Ton machen, der auf Englisch manchmal recht schwer zu verstehen ist. Auch die deutsche Tonspur ist hier nicht so viel besser. Extras gibt es bis auf Trailer und Bildgalerie leider keine. Dafür liegt der Blu-ray noch eine Überraschungs-DVD bei, welche bei mir allerdings kein Lächeln aufs Gesicht zauberte, denn es handelt sich dabei um eine deutsche Amateurfilm-Produktion, und die sind nicht so wirklich mein Ding.

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