DVD-Rezension: „The Act of Killing“

act of killing dvd

In der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober 1965 kam es in Indonesien zu einem Putschversuch, an dem Teile des Militärs beteiligt waren. Der Putsch wurde aber niedergeschlagen und die – tatsächlich unbeteiligte – kommunistische Partei PKI als Schuldige ausgemacht. Daraufhin wurde von den Militärs mit Hilfe von Kleinkriminellen ein Massaker an tatsächlichen und angeblichen Kommunisten verübt, dem nach Schätzungen von Amnesty International in den folgenden Monaten fast eine Million Menschen zum Opfer fielen. Auch die chinesische Minderheit wurde zum Opfer des Irrsinns, denn um damals als “Kommunist” zu gelten, reichte es schon nur chinesischer Staatsangehöriger zu sein, oder dass jemanden die Nase nicht gepasst hat. Todesschwadrone folterten und töteten auf bestialische Art und Weise tausende Unschuldige.

vlcsnap-00204vlcsnap-00203

Der 2,5-stündige Dokumentarfilm „The Act of Killing“, zeigt Angehörige eines Todesschwadron, die heute noch in Indonesien leben und sich dort nicht nur als Helden fühlen, sondern auch von der Regierung zu solchen stilisiert werden. „The Act of Killing“ handelt vor allem von einem Projekt, in welchem Veteranen der Todeskommandos ihre damaligen Taten noch einmal für einen Film nachspielen sollen. Dabei haben diese freie Hand, wie sie ihre Erinnerungen gestalten möchten, was zu fast schon surrealen Szenen führt, wenn sich die Männer als Cowboys, Film Noir Gangster oder als Dämonen inszenieren. Dabei wird allerdings nicht ganz klar, wer dieses Projekt initiiert hat. War es der Regisseur des Films Joshua Oppenheimer oder – wie es der Film suggeriert – die Veteranen selber, die ihre Taten glorifiziert sehen möchten. Die Antwort auf diese Frage tut für die Aussage des Films allerdings nichts zur Sache.

vlcsnap-00219vlcsnap-00214

Wer an das Gute in der Welt glaubt, geht vielleicht davon aus, dass die alten Männer heute unter ihren Taten leiden oder im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Form ihre gerechte Strafe erhalten haben. Doch weit gefehlt. Die Männer leben im heutigen Indonesien in Saus und Braus, werden dort als Helden gefeiert und protzen mit ihren Untaten. Einer sagt z.B. dass die Definition von Kriegsverbrechen immer den Gewinnern überlassen ist. Er sei ein Gewinner und könne deshalb für sich definieren, dass er keine Verbrechen begangen hätte. Und so sieht man ihn glücklich und zufrieden mit seiner Familie durch ein luxuriöses Einkaufscenter schlendern. Überraschenderweise – oder sollte man eher sagen erschreckenderweise? – sind die alten Leute gar nicht so unsympathisch. Und das ist es, was einen erst zu richtig Angst macht. Sie erzählen von ihren grausamen Hinrichtungen so, wie andere in Erinnerungen von tollen Partynächten schwelgen. Tatsächlich scheinen sie ihre unmenschlichen Verbrechen auch als so etwas ganz ähnliches zu begreifen. Sie haben Spaß und Lachen gemeinsam, wenn sie sich erzählen, wie sie jemanden gefoltert und massakriert haben. Dem Zuschauer aber bleibt bei ihren Schilderungen mehr als einmal ein dicker Kloß im Hals stecken. Einmal setzten sich die Männer auf einen Tisch und scherzen und singen gemeinsam. Das hätten sie früher auch so gemacht und dabei das Tischbein einem Delinquenten auf den Kehlkopf gestellt.

vlcsnap-00227vlcsnap-00224

In der für mich schlimmsten Szene des Filmes, stellen die Männer im Stile eines Film noir eine Verhörszene nach. Ein wichtiges Requisit ist ein Teddybär, der die kleine Tochter des Verhörten darstellen soll. Die Hauptfigur in dieser Dokumentation, Anwar Congo, spielt den verhörenden Polizisten. Während des Filmes ist Anwar als derjenige aufgebaut worden, der am Ehestens reflektiert, was er damals getan hat. Dadurch ist er – ob man es will oder nicht – so etwas wie der „Sympathieträger“ (sofern man hier überhaupt von so etwas sprechen kann). Er entreißt dem Verhörten den Teddy, dieser bettelt Anwar möge ihm doch seine „Tochter“ zurückgeben. Doch Anwar fängt an, höhnisch zu lachen und fragt, ob der andere sich nicht immer gefreut hat, wenn die Tochter lachend auf ihn zugelaufen kam – und wie soll das jetzt gehen ohne Beine? Und er schneidet dem Teddy grinsend die Beine ab. Danach folgen weitere Verstümmelungen und schließlich der grausame „Tod“ des Teddys. Alles unter dem permanentem Weinen und Heulen des Verhörten. Nun mag die Szene von den Männern bewusst übertrieben dargestellt worden sein. Aber aus dem Kontext des Filmes und nach dem, was man über die nachgestellten Szenen und das Leben der Männer damals erfahren hat, kann es damals tatsächlich zu solch einen unmenschlichen, grauenhaften Tat gekommen sein. Allein diese Möglichkeit treibt mir Tränen in die Augen und Wut in den Bauch. Und ich bekommen Angst vor dem grausamen Monster, das auch in meinen Mitmenschen leben könnte, wenn man ihnen die Macht, und die Möglichkeit diese ohne Konsequenzen auszuüben gibt.

vlcsnap-00242vlcsnap-00238

Einmal wird ein Massaker an einem Dorf nachgespielt und einer der Rädelsführer prahlt damit, wie toll es war, damals die Frauen zu vergewaltigen und welch ein Glück man doch hatte, wenn eine 14jährige darunter gewesen ist. Es sind Szenen wie diese, die einem den Magen umdrehen. Nun kann man dem Film sicherlich vorwerfen, dass einige Szenen gestellt wirken und er natürlich seine Geschichte nicht in einen größeren geschichtlichen Kontext stellt. Über die Hintergründe der damaligen Situation erfährt man nur wenig, ebenso darüber, ob die Schilderungen der Männer zur Gänze der Wahrheit entsprechen. Insbesondere die letzte Szene, in der Anwar Congo ein zweites Mal an den Ort seiner Morde zurückkehrt und sich bei der Erinnerung an seine Taten vor der Kamera übergibt, scheint offensichtlich inszeniert zu sein. Doch ohne diese Szene, die deutlich unterstreichen soll, dass in ihm tatsächlich eine Veränderung stattgefunden hat, er sich langsam bewusst wird, was er damals getan hat und die Dämonen ihn nun einholen, wäre der Film unerträglich. Ohne sie gäbe es nirgendwo den Funken Hoffnung, dass solch grausame Taten nicht irgendwann von so etwas wie einem Gewissen gesühnt würden.

vlcsnap-00233vlcsnap-00236

„The Act of Killing“ handelt von der absoluten Banalität des Bösen. Diese Männer sind eben keine Monster. Es steht ihnen nicht ins Gesicht geschrieben, dass sie eiskalt die grausamsten Tötungen vorgenommen haben. Im Gegenteil. Und im heutigen Indonesien gehören sie sogar zu den geachteten Gesellschaftsmitgliedern und werden für ihre Taten gelobt. Das zeigt auch, wie es vielleicht in Deutschland ausgesehen hätte, wenn Nazi-Deutschland den Krieg gewonnen hätte. Wer ein Monster ist und wer ein Held, dass ist immer die Sache derjenigen, die am Ende noch da sind, um die Geschichte schreiben. Daher sollte, nein muss man, die Geschichten der Sieger immer auch hinterfragen. Aber der Film hat noch so viele andere interessante und erschütternde Aspekte, die ich jetzt hier gar nicht alle aufführen will. Ich möchte nur jeden einladen, sich diesen Film ebenfalls anzusehen, denn es ist ein wichtiger Film. Purer Horror, der wirklich Angst macht vor der Bestie Mensch. Kein Wunder also, dass Werner Herzog und Errol Morris, nachdem sie ihn gesehen hatten, ihre guten Namen als Executive Producers zur Verfügung stellten, um ihm eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen.

vlcsnap-00222vlcsnap-00212

„The Act of Killing“ wurde u.a. von arte und ZDF co-finanziert. In einem auf der DVD enthalten Interview erklärt Regisseur Joshua Oppenheimer, er hätte für etwaige TV-Ausstrahlungen eine stark gekürzte Fassung herstellen müssen. Was eine Schande ist, denn von den 156 Minuten fand ich jede einzelne wichtig. Gott sei Dank ist auf der bei Koch Media erschienenen DVD die Langfassung enthalten.

vlcsnap-00225vlcsnap-00216

„The Act of Killing“ lässt den Zuschauer nicht ungeschoren davonkommen. Er zeigt eines der schlimmsten Massaker des letzten Jahrhunderts aus der Sicht der Täter, die weder unter ihren Taten leiden, noch Konsequenzen tragen mussten. Im Gegenteil, noch heute prahlen sie mit ihren Untaten und genießen das Leben. Oppenheimers Dokumentarfilm zeigt das banale Gesicht des Bösen, und schafft es zumindest einen der Täter zu Reue zu bewegen, indem er ihm einen Spiegel vorhält. Das dies aber bei seinen Mit-Tätern nicht der Fall ist, lässt einen erschaudern und macht große Angst. Ein wichtiger Film!

vlcsnap-00231vlcsnap-00249

Die DVD besitzt ein zum Teil glasklares Bild, was durch den Einsatz von HD-Kameras nicht verwunderlich ist. Ferner ist ein Audiokommentar an Bord, von dem es auf der DVD-Rückseite heißt, er werde von Werner Herzog und Errol Morris gesprochen. Tatsächlich aber sprechen hier Werner Herzog und Regisseur Joshua Oppenheimer. Vielleicht kommt später noch Morris dazu, ich habe nur in die ersten Minuten reingehört. Oppenheimer ist aber definitiv dabei, anders hätte das auch nicht viel Sinn gemacht. Des Weiteren gibt es noch ein 22-minütiges, informatives Interview mit Oppenheimer, welches allerdings manchmal durch Bild- und Tonfehler etwas entstellt wird. 10 Minuten „Deleted Scenes“ bringen keinen neuen Erkenntnisse, sind aber interessant anzusehen. Gesprochen wird ausschließlich auf Indonesisch mit deutschen Untertiteln. Es gibt also kein Voice-Over.

Anmerkung: Bei diesem Text handelt es sich um eine überarbeitete und erweitertete Fassung meiner Gedanken, die ich letztes Jahr anlässlich der Aufführung des Filmes bei Internationalen Filmfests in Oldenburg niederschrieb.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 20.03.14 – 26.03.14

Auch in dieser Woche gibt es keine wirklichen Gründe für Jubelschreie. Kurz war ich der Ente aufgesessen, das CineStar würde nun auch O-Fassungen zeigen, aber das war leider wirklich eine Falschmeldung. So bleibt es bei den üblichen verdächtigen und auch diesmal wieder vielen Wiederholungen.

Need For Speed – Cinemaxx, Do. und So. um 19:30 – Videospieladaption vom Hauptberuflichen Stuntman Scott Waugh. In den Hauptrollen zwei Schauspieler aus der zweiten Reihe: Aaron Paul aus „Breaking Bad“ und Dominic Cooper.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=fsrJWUVoXeM[/youtube]

300: Rise of an Empire  – Cinemaxx, Fr., 21.3. um 19:30 – Der Regisseur des Erstlings, Zack Snyder, ist diesmal nur als Drehbuchautor dabei, aber Frank Miller hat wieder die Comic-Vorlage geliefert. Regie führt Noam Murro, der bisher nur eine Romantic Comedy mit Sarah Jessica Parker von 2008 in seiner Filmographie aufweisen kann. Der Cast setzt sich – bis auf die wunderbare Eva Green – aus eher unbekannten Namen zusammen.

Non-Stop – Cinemaxx, Sa./Di. um 19:30 – Liam Neeson ist wieder als Einzelkämpfer unterwegs. Hier spielt er einen Sky Marshall, der ein Flugzeug und dessen Passagiere vor einem sich unerkannt am Bord der Maschine befindenden Terroristen schützen muss. Regie führt der Spanier Jaume Collet-Serra, der mit Neeson schon “Unknown Identity” drehte.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-So., Di./Mi Um 17:40 und Fr./Sa./Di. Auch 23:15 & CineStar – Kristall-Palast Do.-Sa. immer 23:20 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Sadece Sen – Cinemaxx, Do./Sa. um 23:15 – Türkischer Liebesfilm/Drama um einen blinde Frau, die sich in einen ehemaligen Boxer verliebt.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So. um 19:00 und Mi. um 21:15 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch. Tipp!

Art War – City 46, Di./Mi. Um 20:00 – Dokumentarfilm von Marco Wilms über Sprayer und Graffitikünstlern, HipHoppern und Rockmusikern im heutigen Kairo.

Das letzte Spiel – City 46, Fr. um 20:30, So.+Mi. um 18:00 Uhr – Queer-Film über zwei Strichjungen in Havanna, die sich ineinander verlieben.

Like Someone in Love – City 46, Do., Sa.-Mi. immer 20:00 – Japanischer Spielfilm des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami über eine Prostituierte und einen Professor.

Only Lovers Left Alive – City 46, Do./Di. um 18:00 und Sa./Mo. um 20:30 – Jim Jarmusch erster Spielfilm nach vier Jahren spaltet die Gemüter. Scheinbar gibt es bei diesem Vampir-Drama mit der großartigen Tilda Swinton und Tom “Loki” Hiddleston nur zwei Fraktionen: Die einen sind von ihm entsetzt, die anderen lieben ihn.

Thelonious Monk: Straight, No Chaser – City 46, Mi., 26.3. um 20:30 – Portrait des legendären Jazz-Musikers. Mit Einführung durch Arne Schumacher.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 24.03. um 19:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 24.03. um 21:45

Französische Sneak Preview –  Gondel, Mi., 26.03. um 21:00

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (17-03-14)

bartonfink_type2– Drei Jahre älter als dieses Blog ist die sehr empfehlenswerte Seite kino-zeit.de, die vor Kurzem auch eine eigene Blog-Rubrik namens B-Roll aufgemacht hat, zu der ich hier auch schon oft verlinkt habe. Anlässlich zum 10-jährigen Jubiläum finden sich dort wieder einige interessante Einträge. So gibt es die nächsten zehn Wochen Interviews mit Filmemachern, die in der Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen könnten. Den Auftakt macht der Dokumentarfilm-Regisseur Daniel Abma. Passend dazu ein Vorbericht auf das 16. Dokumentarfilmfestival in Thessaloniki von Kirsten Kieninger und als Krönung ein ganz wunderbares Essay von Beatrice Behn über das gemeinsame Erlebnis Kino. Mein Highlight der Woche! Unbedingt auch erwähnenswert: Eine Liebeserklärung von Joachim Kurz an (nicht nur) Lars von Triers „Melancholia“.

– Was für ein Zufall. Ungefähr zeitgleich zu meiner Rezension des Wenzel-Storch-Buches hat auch Alex Klotz seine Besprechung auf Hard Sensations online gestellt. Auch er ist begeistert. Dort bespricht Jamal Tuschnik auf Rossellinis Klassiker „Rom, offene Stadt“, der ihn nicht so wirklich überzeugt hat.

– Zur Zeit läuft im Berliner Arsenal Kino eine Kathryn Bigelow Retrospektive. Anlässlich dessen hat sich Lukas Foerster auf Dirty Laundry sich ihren unbekannteren Film „K-19: The Widowmaker“ vorgenommen.

The Wayward Cloud hat ein sehr interessantes und informatives Essay zum Thema Sounddesign geschrieben. Anlass ist der Film „Berberian Sound Studio“, der am 20. März um 23:15 im WDR seine TV-Premiere feiert.

– Vor Kurzem hatten wir polnischen Besuch Zuhause. Dieser schwärmte von dem Film „Ida“. Seit langer Zeit der erste polnische Film, der international groß vermarktet wird. Peter Gutting von cinetastic.de hat ihn gesehen und findet ihn auch gut. Und am 26.März läuft im Kommunalkino City 46 innerhalb unserer Reihe „Weird Xpereince“ Marvin Krens „Blutgletscher“. Hier gibt es eine positive Besprechung des Films von Ronny Dombrowski.

– Sascha von PewPewPew hat noch nicht alle Hoffnung in M.Night Shamalayan verloren und berichtet von dessen geplanten neuen Film. Außerdem weißt er auf die interessante Doku „Life After Pi“ hin, in der es um den Niedergang des SFX-Studios geht, die für „Life of Pi“ verantwortlich waren und in dem Moment Bankrott anmelden mussten, als sie für den Film einen Oscar gewannen.

Going to the Movies gesteht seine große Liebe zu George Millers Regie-Debüt „Mad Max“.

– Und Yzordderrexxiii erinnert an die „Blonde Fury“ Cynthia Rothrock, die in den späten 80ern/frühen 90ern aus den unteren Regalen der Action-Abteilung der Videotheke nicht wegzudenken war.

Grün ist die Heide bespricht detailliert und mit großen Kennerwissen einen Film, der einst meine erste wirklich intensive Begegnung mit Jess Franco war und deshalb bis heute einen großen Platz in meinem Herzen einnimmt: „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“.

– Und auf L’Amore in città nimmt sich Udo Rotenberg einen DER großen Knaller des italienischen Gangsterfilms vor: „Der Mafiaboss“ mit einem einfach umwerfenden Mario Adorf, Henry Silva und Woody Strode.

– Oliver Nöding ist in diesen Wochen auf Remember It For Later ganz besonders fleißig und veröffentlicht eine lesenswerte Review nach der anderen. Daher greife ich aus der Flut an Besprechungen nur mal drei heraus: Den Thriller „Der Todesengel“ mit Tomas Milian in einer für ihn eher ruhigen Rolle, „Ein Bürger setzt sich zur Wehr“ vom Dream-Team Enzo G. Castelari/Franco Nero und „Missing in Action“ mit the one and only Chuck Norris.

– Es gibt Filme, die haben einen schlechten Ruf und man fragt sich dann, ist man der Einzige, der das Werk gar nicht schlecht findet, ja sogar mag? So ergeht es mit mit John Carpenters heute fast vergessenen „Jagd auf einen Unsichtbaren“, wo ich da Gemecker nie so recht verstehen konnte und den ich recht interessant fand, auch aufgrund der ungewöhnlichen Besetzung mit Chevy Chase. David sieht das ganz genauso. Ja, er liebt diesen Film sogar, wie er in einem langen Essay auf Whoknows presents darlegt. Jetzt würde mich auch mal seine Meinung zu Wes Cravens „Vampire in Brooklyn“ interessieren.

– Vorletztes Jahr war Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ meine Urlaubslektüre. Aufgrund der langen, langen Monate auf platz 1 der Bestsellerliste war ich zunächst skeptisch, aber tatsächlich hat mir der amüsante Roman gut gefallen, nur zum Ende hin lies er etwas nach. Jetzt kommt die Verfilmung in die Kinos, die Miriam Eck für Daumenkino gesehen und für gut befunden hat.

– cutrin von filmosophie war in dem zweiten Teil von Lars von Triers „Nymphomaniac“ und auch wenn der Titel ihrer Besprechung anderes vermuten lässt, hat er ihr sehr gefallen.

– Erstaunlich. Überall wird Keanu Reeves Regie-Debüt „Man of Tai Chi“ verrissen, aber Asien-Experte Michael Schleeh gibt ihm auf Filmgazette 8 von 10 Punkten. Da sollte man dann vielleicht doch mal einen Blick riskieren.

– Über den belgischen Regisseur André Delvaux meine ich erst vor Kurzem etwas von Alex Klotz gelesen zu haben, was mein Interesse geweckt hatte. Wie dem auch sei, durch die Vorstellung vierer Filme des Regisseurs durch das Magazin des Glücks bin ich jetzt erst recht neugierig geworden.

Japankino berichtet über interessante Neuheiten im DVD-Regal, Abteilung Japan.

– Wieder viele interessante Artikel gibt es auf Jugend ohne Film. Patrick Holzapfel schreit anlässlich des Todes von Alain Resnais über Filmsprache und über die Regisseure, die eine neue Filmsprache erschaffen haben. Ich mag es fast gar nicht sagen, aber Wong Kar-Wai ist bei mir noch immer ein unbeschriebenes Blatt. Das muss ich auch noch ändern, besonders nach Patricks schönen Artikel über die Liebe im Kino Wong Kar-Weis. Ferner schreibt er über „Kärlek 65“ von Bo Widerberg. Hier stimme ich seiner Bemerkung Woody Allen habe in den 70ern seinen Zenit erreicht nicht unbedingt zu. Aber das hat ja nichts mit dem schönen Artikel zu tun. Rainer Kienböck ist ziemlich umgehauen worden von Dziga Vertovs „Odinnadcatyi“.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: “Im Wendekreis des Söldners“

wendekreisIn den letzten Tagen des Vietnamkrieges verheizt Captain Harlow (Antonio Marsina) seine Männer. Dadurch gerät er mit dem bei den Soldaten sehr beliebten Sgt. Maggio (Giancarlo Prete) aneinander. Harlow versucht Maggio loszuwerden, indem er ihn auf dem Schlachtfeld zurücklässt, als Maggio gerade einen verletzten Kameraden rettet. Doch Maggio gelingt es, sich mit seinem Kameraden wieder zurück zu den amerikanischen Linien durchzuschlagen. Doch Harlow provoziert Maggio immer weiter und als Maggio nach dem Selbstmord eines Freundes auf Harlow einprügelt, nutzt dieser die Chance, Maggio vor das Kriegsgericht zu stellen. Doch der Maggios Gefangenentransport wird von dem Vietcong angegriffen und Maggio gelingt die Flucht. Harlow und seine Männer heften sich an seine Fersen…

vlcsnap-00091vlcsnap-00093

Mit seinen italienisch co-produzierten Söldern-Filmen schwamm der legendäre Schweizer Filmproduzent Erwin C. Dietrich Anfang der 80er Jahre auf einer kleinen Erfolgswelle. Und so wurde auch der von ihm in Italien eingekaufte „Tornado“, ein lupenreiner Vietnam-Kriegsfilm, von der Titelschmiede seines Ascot-Verleihs kurzerhand zu einem Söldner-Film umgetextet und als „Im Wendekreis der Söldners“ auf den Markt geworfen. Da ein Jahr zuvor „Rambo“ ein großer internationaler Erfolg war, wurde dem Film zudem weltweit der Alternativtitel „Last Blood“ (statt „First Blood“) gegeben, und wie man auf der Innenseite des Wendecovers sehen kann, ein neues Plakat entworfen, auf welchem der Figur, die wahrscheinlich Hauptdarsteller Timothy Brent alias Giancarlo Prete darstellen soll, ein rotes Stirnband, wie man es vom „Rambo“-Poster kennt, hinzugemalt.

vlcsnap-00096vlcsnap-00098

Tatsächlich hat „Wendekreis des Söldners“ nur wenig mit dem Stallone-Film gemein, auch wenn der Covertext des US-Videotapes schreit: „All the action of Rambo – set in the steamy jungles of Vietnam.” Einzig, dass ein Mann sich allein auf der Flucht vor seinen eigenen Leute durch den Wald, bzw. Dschungel kämpfen muss und dabei außergewöhnliche Einzelkämpferqualitäten offenbart, hat etwas mit „Rambo“ zu tun. Viel mehr ist der Film stark von „Die durch die Hölle gehen“ inspiriert und die Szenen, in denen Maggio vom Vietcong gefangengenommen wird, oder wenn er sich mit seinem schwer verletzten Kameraden durch den Dschungel schlägt, scheinen direkt aus dem großen Vorbild übernommen. Als am Anfang Maggio von seinem eiskalten Vorgesetzten skrupellos im Dschungel zurückgelassen wird, während dieser im sicheren Helikopter sitzt, meint man, Regisseur Antonio Margheriti hätte auch bei „Platoon“ geklaut. Tatsächlich entstand „Im Wendekreis des Söldners“ aber drei Jahre vor Oliver Stones preisgekrönten Vietnam-Drama. Die Figur des skrupellosen Karrieristen ist dann auch nicht an Tom Berengers Sgt. Barnes, sondern vielmehr an dem von Maximilian Schell gespielten Hauptmann Stransky in Sam Peckinpahs Weltkriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“ angelehnt.

vlcsnap-00099vlcsnap-00101

Das Autoren-Duo Tito Capri und Gianfranco Couyoumdjian (der den Film auch produziert hat), haben viele von Margheritis 80er Jahre Vietnam- und Söldnerfilmen geschrieben. U.a. auch „Jäger der Apocalypse“ aus denen fast alle aufwändigeren Action-Szenen übernommen wurden. Immer wenn in „Im Wendekreis des Söldners“ Helikopter zum Einsatz kommen oder Dörfer explodieren, ist dies Material aus eben jenem Film. Man hat fast Gefühl, „Im Wendekreis des Söldners“ wurde allein geschrieben, um einen Rahmenhandlung für dieses Recycling zu haben. Aber auch die originären Actionzenen sind Margheriti wieder einmal gut gelungen, und er beweist einmal mehr, dass er ein gutes Händchen für solide Action hat. An den Einsatz des düsteren Synthie-Sounds von Aldo Tamborelli (als „Sound of Eden“) muss man sich kurz gewöhnen, dann funktioniert der an John Carpenter und Tangerine Dream gemahnende Score recht gut.

vlcsnap-00102vlcsnap-00104

Die Hauptrolle des Sgt. Maggio spielt der Italiener Giancarlo Prete, der hier unter seinem anglisierten Namen Timothy Brent geführt wird. Prete ist vor allem durch die beiden Endzeit-Filme „Metropolis 2000“ und „Riffs 2 – Flucht aus der Bronx“ von Enzo G. Castellari bekannt geworden, hat aber auch in einigen internationalen Produktionen mitgewirkt. Sein Sgt. Maggio ist erst einmal Körper und gerne wird Pretes muskulöser Leib gezeigt. Prete selber gibt den Maggio routiniert, das Drehbuch verlangt ihm aber auch keine großen Meisterleistungen ab. Neben Prete sind eigentlich nur noch Antonio Marsina als fieser Captain Harlow und „der italienische Peter Lorre“ Luciano Pigozzi alias Allan Collins als knurriger Journalist erwähnenswert. Leider verschwindet Marsina in der Mitte des Filmes fast komplett aus der Handlung und auch Pigozzi hat außer ein paar kritische Äußerungen über den Krieg zu machen, keine größere Aufgabe. Die episodenhafte Handlung konzentriert sich ganz auf Prete.

vlcsnap-00105vlcsnap-00107

Der Film zerfällt in drei Teile. Im ersten Teil, wird, wie oben geschrieben, mit Elementen aus „Steiner“ und „Die durch die Hölle gehen“ gespielt und dient vor allem dazu den kernigen Maggio, sowie den Karrieresoldaten Harlow und ihren gemeinsamen Konflikt einzuführen. Der zweite Teil, in dem Maggio mit seinen Männer einen erfolgreichen Einsatz absolvieren, ist für die Handlung eigentlich irrelevant, aber man konnte hier wunderbar die ganzen Explosionen und Helikoptereinsätze aus „Jäger der Apokalypse“ einbauen. Der dritte und längste Teil behandelt dann Maggios Flucht und seine Begegnung mit dem Vietcong. Interessanterweise wird gerade hier der durchaus kriegskritische Ton, der in den beiden ersten Teilen vor allem durch die von Pigozzi gespielte Figur des Journalisten immer wieder aufgenommen wird, ad absurdum geführt. Wenn Petre auf Nordvietnamesen stößt, gehören diese natürlich alle zum Vietcong, und dessen Mitglieder erweisen sich als sadistische, menschenverachtende Monster, denen es eine pures Vergnügen ist, Maggio zu foltern. Man kann so leicht den Eindruck bekommen, die USA würden gegen diese Ausgeburten des Bösen einen gerechten Krieg führen.

vlcsnap-00109vlcsnap-00110

Was man Antonio Margheriti wieder einmal anrechnen muss, ist dass er mit minimalen Mitteln einen sehr temporeichen und kurzweiligen Actionfilm gezimmert hat, der zwar hinter seinen anderen Kriegsfilmen aus dieser Zeit etwas hinterherhinkt, aber trotzdem gut unterhält, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt. Margheriti war in vielen Genres unterwegs. Mitte der 60er drehte er eine Reihe Science-Fiction-Filme, als dieses Genre in Italien so gut wie nicht existent war. Er drehte Gothic Horror, ebenso wie Italo-Western. Eine seiner Spezialitäten war es, kunstvoll gefertigte Miniaturen eindrucksvoll in die Luft zu jagen, was man insbesondere in seinen Kriegs- und Söldnerfilmen aus den 80er Jahren exzessiv bewundern kann. Margheriti gelang es seine Filme auf einem durchgehend hohen handwerklichen Niveau zu halten. Was auch der sehr günstig hergestellte „Im Wendekreis des Söldners“ beweist.

vlcsnap-00115vlcsnap-00111

Sieht man davon ab, dass „Im Wendekreis des Söldners“ seine vorgeblichen Antikriegsbotschaft selber untergräbt, ist Antonio Margheriti ein kurzweiliger und temporeicher Genrebeitrag gelungen, der zwar nicht in der ersten Liga spielt, aber als preisgünstiger B-Actionfilm recht gut funktioniert.

vlcsnap-00113vlcsnap-00114

Wie auch schon andere „Söldner-Filme“ aus dem Ascot-Elite-Archiv, ist „Im Wendekreis des Söldners“ in der Reihe „Cinema Treasures“ neu und erstmals ungekürzt herausgekommen. Wie so oft, wurde dabei der DVD auf Extras verzichtet. Auf der Blu-ray, ist allerdings noch die knapp einstündige Dokumentation „The Outsider – The Cinema Of Antonio Margheriti‘enthalten, die – wie man hört-  sehr gelungen sein soll. Das Bild der DVD für das Alter des Filmes okay. Die recycelten Szenen sind recht einfach daran zu erkennen, dass dort ein dünner Laufstreifen zu sehen ist. Der Ton liegt nur auf Deutsch vor.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Filmbuch-Rezension: Wenzel Storch „Die Filme“

Storch_Die FilmeDie Lektüre des Buches „Die Filme“ von Wenzel Storch war für mich ein kleines Experiment. Kann man das Buch auch genießen, wenn man mit Storchs Werk bisher nicht vertraut ist? Über seinen Film „Sommer der Liebe“ hatte ich in dem leider nur zwei Ausgaben lang erschienenen, wunderbaren Fanzine „Absurd 3000“ Ende der 90er Jahre das erste Mal gelesen. „Reise ins Glück“ begegnete mir dann später in der „Splatting Image“. Doch zu sehen bekam ich diese Filme bisher nie. Einmal habe ich 10 Minuten von „Sommer der Liebe“ erhaschen können, aber das war’s dann auch.

Um meine Eingangs gestellt Frage gleich zu beantworten: Ja, man kann. „Die Filme“ ist weniger ein klassisches Filmbuch, als vielmehr die Autobiographie des 1961 in Braunschweig geborenen Universalkünstlers. Man erfährt viel über Wenzel Storchs Welt. Sein streng katholisches Elternhaus, das schlechte Verhältnis zum Vater und die Zeit als Ministrant, die sein Leben und seine ersten Filme prägte. Man hört etwas über das legendäre Kassetten-Label „Pissende Kuh Kassetten“ der beiden Brüdern Iko und Diet Schütte, über das auch der Filmgelehrte Christian Keßler schon oft berichtet hat, und bei dem auch Storch aktiv war. Man liest über das Leben in einem sozialen Brennpunkt am Rande von Hildesheim, wo Storch lange Zeit über einem Kiosk wohnte, der zentraler Anlaufpunkt für die Alkoholiker der Gegend war. Man lernt skurrile Typen, wie den Scheißefresser Hardy, den Philosophen oder den Baron von Lallu kennen. Zusammen mit einer repressiven Kirche bildete dieser Umgebung den Boden, auf dem Storchs Werk gedieh. Und ohne diesen wären Filme wie „Der Glanz dieser Tage“ wahrscheinlich gar nicht entstanden.

Erst nach 97 Seiten wendet sich das Buch dem Thema seines Titels zu: Den Filmen. Beginnend mit „Der Glanz dieser Tage“, der mit viel Fantasie und Skepsis gegenüber der katholischen Kirche in dem abbruchreifen Haus in Hildesheim entstand. Weiter zu „Sommer der Liebe“, der bereits aufwändiger war und Wenzel Storch einen Skandal bescherte, als eine radikale Lesbengruppe aus einem Göttinger Kino eine Rolle des Filmes entführen, weil sie den Film „rassistisch, sexistisch und faschistisch“ fanden. Abschließend mit dem Albtraum von „Reise ins Glück“. Ein Mammutwerk, welches zwölf Jahre zur Fertigstellung brauchte, Storch mehr als einmal in den Bankrott und tiefste Verzweiflung trieb. Selbst wenn man den Film nicht gesehen hat, so singen doch die zahlreichen Fotos im Buch ein Lied davon, dass sich der ganze Aufwand und Ärger zumindest optisch vollauf gelohnt hat.

Überhaupt muss man auf die Bilder zu sprechen kommen. Storch bebildert seine Lebensgeschichte mit allerlei Fundstücken, die einem selber aus der eigenen Jugend (zumindest, wenn man in den 70ern aufgewachsen ist) einerseits bekannt und doch wie aus einer völlig anderen Welt zu stammen scheinen. Die Art und Weise, wie Storch sie zum Teil ironisch, aber immer treffsicher in den Kontext des Textes einbindet, erinnert an Max Goldt, aber auch an Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“, wo ja auch eine Kindheit und Jugend anhand von popkulturellen Fundstücken aus der Vergangenheit rekonstruiert wird. Während die Bebilderung im ersten Teil des Buches noch der Illustration der Lebensgeschichte dienen, findet man in der zweiten Hälfte zahlreiche Fotos vom Set seiner Filme, die von seiner überbordenden Kreativität und der Fähigkeit aus Müll ganz wunderbare exotisch-verrückte Kulissen zu zaubern, zeugen. Spätestens diese Opulenz macht das Buch dann auch zu einem echten visuellen Leckerbissen.

„Die Filme“ ist eine Collage aus anderswo veröffentlichten Interviews, Ausschnitten aus Storchs literarischem Werk, seinen Zeichnungen, persönlicher Fotos und merkwürdigem, irgendwo gefundenen Bildmaterial. Nach der Lektüre des Buches hat man dann das Gefühl, „Deutschlands besten Regisseur“, wie ihn das Satiremagazin Titanic einst nannte, tatsächlich ein wenig zu kennen. Und man ist sehr neugierig auf sein filmisches Werk geworden. Ein erster Schritt in die ziemlich seltsame Welt des Filmemachers Storch kann man machen, indem man sich das Musikvideo „Altes Arschloch Liebe“ ansieht, welches Storch 2009 für Bela B. (einem großen Fan von „Reise ins Glück“) gedreht hat. Leider seine bisher letzte Filmarbeit – die ironischerweise auch von weitaus mehr Leuten gesehen wurde, als all seine Filme zusammen. Storch selber rechnet vor: Während „Der Glanz dieser Tage“ 3.000 Zuschauer hatte, „Sommer der Liebe“ 32.000 und „Reise ins Glück“ 26.000, haben den Videoclip 10x mehr Leute gesehen, als alle drei Filme zusammen.

Zurzeit beschäftigt Wenzel Storch sich, wie im letzten Kapitel des Buches zu lesen ist, mit dem Schreiben von Essays, von denen viele in den Büchern „Der Bulldozer Gottes“ (2009) und „Das ist die Liebe der Prälaten“ (2013) zusammengefasst sind. Wer sich näher mit Wenzel Storch beschäftigen möchte, der findet im Anhang des Buches umfangreiche Listen mit seinen Werken aus Film, Literatur und Musik, Kritiken, Beiträge in anderen Büchern, Artikeln, Lesungen und vieles mehr.

Und wer Wenzel Storch einmal live erleben möchte, der sei an dieser Stelle auf den 24. April hingewiesen. Dann zeigt das Bremer Kommunalkino City 46 in der Reihe „Weird Xperience“ nicht nur den Film „Die Reise ins Glück“, sondern hat Wenzel Storch auch eingeladen, um vorab aus seinem hier besprochenen Buch zu lesen. Hingehen!

Wenzel Storch : „Die Filme“ , Martin-Schmitz-Verlag, 336 Seiten und über 700 farbige Abbildungen, Zeichnungen und Skizzen. Euro 29.80

Veröffentlicht unter Bücher, Film | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

DVD-Rezension: „Drecksau“

drecksau

Bruce Robertson (James McAvoy) ist Detective Sergeant bei der Polizei in Glasgow. Was ihn aber nicht davon abhält Drogen zu nehmen, Minderjährige zum Oralsex zu zwingen, Zeugen zu erpressen, zu lügen und zu betrügen. Sein ganzes Streben gilt seiner Beförderung zum Detective Inspector, doch da stehen ihm seine Kollegen im Weg, weshalb er ständig gegen sie intrigiert und versucht, sie gegeneinander auszuspielen. Der Mordfall eines japanischen Austauschstudenten könnte ihm jetzt gute Karten in Bezug auf seine Beförderung in die Hände spielen…

vlcsnap-00050vlcsnap-00052

Drecksau“ beruht auf einem Roman des schottischen Schriftstellers Irvine Welsh, der durch „Trainspotting“ und die daraus resultierende Verfilmung berühmt wurde. An „Trainspotting“ muss man auch denken, wenn man den – im übrigen hervorragenden – Trailer sieht. Wie hier der Wahnsinn zu den treibenden Beats von „Gorgeous“ der Scissor Sisters (welches im Film übrigens nicht vorkommt) aus dem Bildschirm kippt, die mit hohem Tempo aneinander geschnittenen Szenen neben Chaos und Verkommenheit auch jede Menge anarchistischen Spaß suggerieren, das ist schon große Kunst. Doch kann der Film halten, was diese Werbung verspricht?

vlcsnap-00063vlcsnap-00059

Natürlich zelebriert der Film all die aus dem Trailer bekannten Geschmacklosigkeiten und hält über weite Strecken auch das hohe Tempo durch, doch der eigentliche Grund, warum man den Film sehen sollte, ist die beeindruckende Vorstellung James McAvorys, der hier sehr viel älter aussieht als er eigentlich ist. Wobei ein großer Teil des Lobes auch an den Maskenbildner gehen muss, der das Gesicht des eigentlich blendend aussehenden McAvory mit geplatzte Äderchen und Pickel übersät hat. Bleich, mit gläsernen Auen und einem wirren Sauerkrautbart, wirkt Detective Bruce Robertson zeitweise wie ein lebender Toter, den allein der innere Zorn auf die Welt noch am Leben hält. McAvory spielt dies mit Geifer im Mundwinkel als hoch explosive Mischung aus manischem Rausch und schwärzester Depression.

vlcsnap-00073vlcsnap-00077

Neben McAvory, der die Leinwand ganz für sich fordert, verblassen alle anderen Figuren. Selbst der ansonsten immer sehenswerte Jamie Bell fällt kaum auf. Charaktere wie seine beiden Kollegen verschwinden regelrecht aus der Handlung und auch die hübsche Imogen Poots als Robertsons Konkurrentin um eine Beförderung, ist kaum mehr Staffage, obwohl sie in einer wichtigen Szene durchaus Präsenz zeigt. Allein der großartige Eddie Marsan, dessen rattenhaftes Äußere diesmal als graue Maus daher kommt, bleibt im Gedächtnis haften. Doch muss man auch hier festhalten, dass sein Charakter Bladesey nicht wirklich ausgefüllt ist und mehr als Stichwortgeber für McAvory, denn als als lebendige Figur funktioniert. Da McAvory gleichzeitig auch sein eigener Antagonist ist, fehlt auch ein richtiger Widerpart für ihn. Der blonde Punk, welcher den japanischen Studenten umbrachte, könnte dieser sein, tritt aber nur kurz am Schluss auf.

vlcsnap-00057vlcsnap-00090

Das Problem des Filmes liegt in seiner Inkonsequenz. Zunächst wird die Figur des Bruce Robertson als eine Art „Stromberg aus der Hölle“ aufgebaut. Er kostet seine Gemeinheiten bis zum letzten aus und missbraucht seine Macht als Polizist. Dabei spricht aus ihm nicht etwa eine fatalistische Desillusionierung und Verzweiflung, wie bei Harvey Keitel in Ferraras „Bad Lieutenant“. Nein, Robertson scheint großen Gefallen an seiner Rolle als „böser Junge“ zu haben, der sich einen Dreck um Regeln und Andere schert und allein sich selbst und seinen Begierden verpflichtet ist. In seiner hemmungslosen Egozentrik und Bereitwilligkeit jedes Laster und jede Perversion bis zur Neige auszukosten, erinnert er fast schon an einen de Sadeschen Libertine. Doch dann wird ausführlich erklärt, wie Robertson wurde was er ist. Wie sehr er im Inneren leidet, und dann waren – Klischee – doch wieder nur die schlimme Kindheit und der Vater, der ihn nicht geliebt hat, an allem schuld.

vlcsnap-00079vlcsnap-00078

Gegen Ende dann stopft Regisseur Jon S. Baird die Figur des Robertson so sehr mit seelischen Defekten und Neurosen voll, dass es schon wieder zu viel ist. Statt Robertson als echten Geisteskranken zu demaskieren, wäre es wahrscheinlich spannender gewesen, einen Menschen zu zeigen, der so ist, wie er ist, weil er es will. Nicht, weil er durch eine traurige Kindheit und die Umstände dazu geformt wurde. Davon abgesehen gelingt Jon S. Baird aber ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Film, der wie seine Hauptfigur im Rausch dahin saust und einem kaum Zeit zum Luftholen lässt. Auch das Verschwimmen von Realität und Drogenwahn – wenn Robertson beispielsweise seine Mitmenschen und sich selbst immer wieder mit grotesken Tierköpfen sieht – im letzten Drittel ist sehr effektiv umgesetzt. Wenn sich der zuvor so selbstsichere Robertson vor den Augen des Publikums förmlich auflöst, und ein heulendes Häufchen Elend zum Vorschein kommt, nutzt Jon S. Baird dies für einige interessante filmische Spielereien. Und sein Hauptdarsteller James McAvory nimmt die Gelegenheit dankbar wahr, um seinen Bruce Robertson förmlich implodieren zu lassen.

vlcsnap-00083vlcsnap-00086

Was man „Drecksau“ vor allem hoch anrechnen muss, ist, dass er am Ende nicht der großen Versuchung von Romantik-Kitsch und einem inkonsequenten Happy-End verfällt, sondern die Geschichte des Bruce Robertson zu einem logischen Ende bringt. Auch Kameraführung, Schnitt und Musik liegen auf hohem Niveau und treiben den Film förmlich immer weiter voran. Exemplarisch sei hier nur die Sequenz erwähnt, in der Robertson und Bladesey in Hamburg Urlaub machen und der arme Bladesey von Robertson immer wieder in peinliche Situationen gebracht wird. Dies allein könnte schon als energetischer Videoclip durchgehen.

vlcsnap-00061vlcsnap-00088

„Drecksau“ ist eine furiose James-McAvory-One-Mann-Show, die mit sehr hohem Tempo vom amüsant-zynischen Beginn zum absurd-tragischen Finale rast. Obwohl der Film prächtig unterhält, vergibt er aber doch einige interessantere Ansatzpunkte, da ganz klischeehaft am Ende doch nur wieder der gefühlskalte Vater an allem Schuld ist.

vlcsnap-00089vlcsnap-00081

Das Bild dieser im Hause Ascot erschienen DVD ist guter Durchschnitt, der Ton aber kraftvoll. Vor dem Film gib es eine kurze Einführung durch den Hauptdarsteller James McAvory. Ein „Featurette“ von gerade mal 3,5 Minuten besteht aus vielen Filmausschnitten und Blah-blah. Da sind die Interviews mit McAvory (15 Minuten), Jamie Bell ( 2 Minuten), Imogen Poots (1 Minute) und Jon S. Baird ( 11 Minuten) schon etwas interessanter, auch wenn sie ihren Werbecharakter nicht verleugnen können. Eine 6 Minuten Impressionen vom Dreh schließen die Extras ab.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 13.03.14 – 19.03.14

Das ist brutal. Liam Neeson lässt mal wieder die Sau raus, was er ja seit einigen Jahren gerne mal macht. Auch der von den Kritikern hochgelobte „A Touch of Sin“ handelt von Gewalt und vom „300“-Sequel spreche ich jetzt mal nicht. Ansonsten vieles, was man schon mal hier in dieser Rubrik gesehen hat. Also eine eher durchschnittliche Woche.

Non-Stop – Cinemaxx, Do./Sa./Di. immer 20:15 – Liam Neeson ist wieder als Einzelkämpfer unterwegs. Hier spielt er einen Sky Marshall, der ein Flugzeug und dessen Passagiere vor einem sich unerkannt am Bord der Maschine befindenden Terroristen schützen muss. Regie führt der Spanier Jaume Collet-Serra, der mit Neeson schon „Unknown Identity“ drehte.

[youtube width=“630″ height=“330″]http://www.youtube.com/watch?v=fcJ1vGhFP9w[/youtube]

300: Rise of an Empire – Cinemaxx, Fr., 14.3. um 19:45 – Der Regisseur des Erstlings, Zack Snyder, ist diesmal nur als Drehbuchautor dabei, aber Frank Miller hat wieder die Comic-Vorlage geliefert. Regie führt Noam Murro, der bisher nur eine Romantic Comedy mit Sarah Jessica Parker von 2008 in seiner Filmographie aufweisen kann. Der Cast setzt sich – bis auf die wunderbare Eva Green – aus eher unbekannten Namen zusammen.

Recep Ivedik 4 – Cinemaxx, Do.-Di.. 17:30, 19:45 (außer Fr.) und 22:45. Mi, nur um 17:30 & CineStar Do.-Sa. 22:45 – Vierter Teil der türkischen Erfolgskomödie. diesmal muss Recep Ivedik ein Grundstück für die Kinderfussballmannschaft seiner Nachbarschaft retten.

Sadece Sen – Cinemaxx, Do.-Mi. 20:30 und 23:10, So. auch 17:30 – Türkischer Liebesfilm/Drama um einen blinde Frau, die sich in einen ehemaligen Boxer verliebt.

Grand Budapest Hotel – Schauburg, So. um 19:00 und Mi. um 21:15 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch. Tipp!

A Touch of Sin – City 46, Do./Fr./Mo. um 18:00 und Sa./Di. um 20:30 – Einer der Gewinner der letztjährigen Filmfestspiele in Cannes (bestes Drehbuch). Zhangke Jia erzählt vier Geschichten aus dem modernen China, die von plötzliche Akte der Gewalt handeln.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=5DJM6maEoGo[/youtube]

Crulic – Weg ins Jenseits – City 46, Mo.-Mi. immer 20:00 – Preisgekrönter Polnisch-rumänischer Animationsfilm, der eine wahre Geschichte erzählt. Der junge Rumäne Claudiu Crulic 2007 in Polen wegen eines Verbrechens verhaftet, das er offenbar nicht begangen hat. Er ist fest entschlossen, seine Unschuld zu beweisen und gegen das Vorgehen der Behörden mit einem Hungerstreik zu protestieren.

The Turin Horse – Fr., 20:30 und So./Di. um 18:00 – Das – als sein letztes angekündigtes – Werk des bildgewaltigen Ungarn Bela Tarr ist eine 2,5-stündige stille Apokalypse. Der von mir hochgeschätzte Bela Tarr ist so etwas wie das extreme Gegenteil vom Hollywood-Kino. Sehr lange Einstellungen, kaum Dialog, schwarz-weiß und zum Teil extreme Entschleunigung. Um Tarrs Filme genießen zu können, braucht man Geduld und die Bereitschaft, sich auf seine Art des Erzählens einzulassen. Ich freue mich sehr, “The Turin Horse” auf der großen Leinwand sehen zu können. Es ist aber, wie oben erwähnt, kein Film, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde.

Like Someone in Love – City 46, Sa./So. um 20:00 – Japanischer Spielfilm des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami über eine Prostituierte und einen Professor.

Und dann der Regen – Tambien la Lluvia – City 46, Do. 20:30 und So. 18:00 – Drama um einen ambitionierten Regisseur, der bei den Dreharbeiten zu einem sozialkritischen Columbus-Film in Bolivien in reale Konflikte und Unruhen gerät. Mit Gael García Bernal.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 17.03. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 17.03. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Unsere Reihe „Weird Xperience“ im City 46 wird ab dem 27. März fortgesetzt!

weird Xperience 2014_front“Weird Xperience” ist zurück!

Nach einer kleinen Zwangspause meldet sich unsere Reihe “Weird Xperience” im Bremer Kommunalkino City 46 im März wieder zurück.

Und dies mit neuen Kräften an Bord. Stefan und ich erhalten ab dieser Saison Unterstützung von dem Damen-Trio Janna, Tanja und Jihae. Dies schlägt sich einerseits in der Programmgestaltung nieder, andererseits auch in einem wundervollen Flyer, den Janna für uns gebastelt hat und den wir in den nächsten Wochen in Bremen streuen wollen.

Was ändert sich? Die größte Veränderung ist der Tag an dem “Weird Xperience” gezeigt wird. Nachdem sich Freitag, 22:30 Uhr, und Sonntag, 18:00 Uhr, als beim Publikum als nicht besonders beliebt erwiesen hatten sind wir jetzt auf jeden vierten Donnerstag im Monat, 20:30 Uhr, gerutscht und hoffen, dass dieser Termin nun besser angenommen wird. Ferner bieten wir erstmals eine günstige Dauerkarte für alle vier “Weird Xperience”-Vorstellungen bis Juni an. Sonst ändert sich nicht so schrecklich viel. Es wird weiterhin vor jedem Film eine Einführung geben, die zunächst einmal Stefan und ich halten. Was aber nicht heißt, dass nicht auch mal eine unserer neuen Kolleginnen vorne auf der Bühne stehen wird.

In der 1. Hälfte der 2014er Saison ist jetzt leider kein Klassiker auf 35mm dabei, was aber nicht automatisch bedeutet, dass das kategorisch ausgeschlossen ist. Los geht’s am 27. März mit Marvin Krens Alpen-Horror „Blutgletscher„.

Über Programm wurde von Janna, Tanja, Jihae, Stefan und mir gemeinschaftlich abgestimmt. Für das 2. Halbjahr 2014 werden wir dann im Sommer entscheiden.

Das “Weird Xperience”-Programm auf einem Blick:

weird Xperience 2014_back

Veröffentlicht unter City 46, Veranstaltungen | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (10-03-14)

bartonfink_type2– Ich habe ja eine große Schwäche für alte mexikanische Horrorfilme aus den 50ern und 60ern. Allerdings lebe ich diese nur sehr selten aus, da der Bezug der Film kein Selbstgänger ist, und mir leider die Zeit fehlt, mich aktiv darum zu kümmern. Aber wenn ich lese, was Sascha Nolte auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über „El Vampiro“ schreibt, sollte ich doch vielleicht etwas mehr Energie in die Beschaffung stecken.

– Russland ist ja zur Zeit in aller Munde. Nur leider nicht mit seinem immer noch sehr vitalem Kino. Mehrfilm weist auf die 6. Russischen Filmtage hin, die ab dem 14. März in Münster stattfinden und deren Programm sehr vielversprechend klingt.

– Über „Forbidden Zone“ habe ich hier ja auch schon geschwärmt. Schön, dass sich der immer wieder höchst lesenswerte jogiwan auf project-equinox diesem Urteil anschließt.

– Einer der großartigsten Gangsterfilme, die jemals aus Italien zu uns herüberschwappten, ist Fernando di Leos „Milano Kaliber 9“. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich die ersten Minuten einmal im Rahmen eine „Filmanfänge“-Diskussion in unserem Kommunalkino vorgeführt habe und bleiche Gesichter hinterließ. Wer den Film noch nicht kennt, kann sich bei Udo Rotenberg auf L’Amore in città Appetit holen.

– Apropos: Udo wird auch zu Gast sein bei dem 1. Festival des italienischen Genrefilms, welches vom 25.-27.April in Nürnberg stattfindet. Eskalierende Träume hat hier genauere Details.

– Ein toller italienischer Genrefilm ist auch „Die Viper“ mit der Traumpaarung Maurizio Merli und Tomas Milian, den Oliver Nöding auf Remember It For Later bespricht. Dort ebenfalls zu finden: Peter Patzaks strangerParapsycho“, den ich hier auch mal am Wickel hatte.

– Halb Deutschland, halb Italien ist Helmut Käutners kaum bekannter Film „Die Rote“, den Silva Szmanski auf Hard Sensations mit Worten beschreibt, wie nur sie finden kann. Bebilderte Poesie.

– Wenn ich lese, was Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film über Wes Andersons „The Budapest Grand Hotel“ schreibt, werde ich das Gefühl nicht los, dass er Herrn Anderson gegenüber recht zwiespältige Gefühle hegt. Ich kann mich auch täuschen, den seine Filmbesprechung ist eigentlich recht euphorisch, aber da lauert etwas unter der Oberfläche. Rainer Kienböck schreibt einen langen, sehr interessanten Artikel über einen Regisseur, den ich – im Gegensatz zur gleichnamigen Stiftung – tief ins Herz geschlossen habe: Friedrich Wilhelm Murnau. Auch sehr schön: Ioana Florescu hat sich auf die Suche nach Regen im Film gemacht, der nicht einfach Regen ist, sondern Regen, der nicht oder nicht ausschließlich aus Wasser besteht. Partick Holzapfel hat zu den Bildern die Texte geschrieben.

– Arne Fischer beschäftigt sich auf Daumenkino eingehend mit Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“ und Henrik Götte, Florian Krautkrämer und Kristina Scholz haben ein langes Interview mit Ramon Zürcher, dem Regisseur von „Ein merkwürdiges Kätzchen“ geführt.

– Gerold Marks widmet auf seinem Blog Digitale Leinwand dem Thema Filmposter einen langen, informativen Artikel. Außerdem macht er sich Gedanken über Drehorte und ihre Bedeutung (nicht nur) für einen Film. Interessant für alle Filmblogger: Getty – die ja als Abmahner berüchtigt sind – stellt ein Bildarchiv von 35 Mio. Bildern kostenlos zur Verfügung. Gerold erklärt, was dahinter steckt und wie es funktioniert.

– Sven Kietzke von CineKie will mit seinem Blog kein Geld verdienen, hat aber eine recht schöne Idee, wie er seinen Lesern die Möglichkeit gibt, ihn für gute Arbeit auf seinem Blog zu belohnen. Sollte ich vielleicht auch mal machen.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen die zweite Ausgabe seines „Die Besprechungen der Anderen“ (Ähnlichkeit mit dem Titel einer Rubrik in diesem Blog sind von ihm durchaus erwünscht) online gestellt. Ferner bespricht er einen Film, zu dem ich die wärmsten Erinnerungen habe – den ich aber bisher tatsächlich nur einmal vor 20 Jahren gesehen habe: „Die Nacht der Creeps“.

– Ich muss mal mehr Kaiju-Filme gucken. Da habe ich noch immer empfindliche Lücken. Warum nicht mal „UFOs zerstören die Erde“, den totalschaden auf Splattertrash bespricht?

– Was mir aber in Kürze bevorsteht, sind drei Filme von Alejandro Jodorowski, die gerade bei Bildstörung in einer wunderbaren Box erschienen sind. Ich schiebe das noch etwas vor mir her, da ich die Filme erst vor Kurzem gesehen habe und im Sommer auf der großen Leinwand sehen werde. Filmosophie hat auf ihrem Blog schon mal vorgelegt.

– Thomas Groh hat die „300“-Fortsetzung „300: The Rise of the Empire“ gesehen und für gut befunden, wie er auf seinem filmtagebuch schreibt. Ich habe damals den ersten „300“ im Kino gesehen und fand den doof und vor allem strunzenlangweilig. Da Thomas den ersten scheinbar auch nicht mochte, sollte ich dem Sequel vielleicht trotzdem mal eine Chance geben?

– Bernd Zywietz zeigt sich auf screenshot ausgesprochen begeistert von Dominik Grafs neuem Kinofilm „Die geliebten Schwestern“ über den jungen Schiller.

– Vorletzte Woche besprach ich hier Paul Droglas empfehlenswertes Buch „Vom Fressen und Gefressenwerden“. Nicolai Bühnemann hat sich auf Filmgazette ebenfalls das Buch vorgenommen und ist ebenfalls sehr angetan.

– Neulich musste ich googlen, wer denn dieser Pepe Danquart ist, der regelmäßig über den Träger des Bremer Filmpreises mitbestimmt. Jetzt hat der Berliner Regisseur einen neuen Film am Start: „Lauf Junge lauf“, die Geschichte des jüdischen Jungen, der während des Zweiten Weltkriegs aus dem Warschauer Ghetto entflieht und wie durch ein Wunder den Krieg und die Verfolgung durch die Nazis überlebt. Frank Schmidke von cineastic.de hat den auf einer wahren Geschichte beruhenden Film gesehen und positiv besprochen.

– Mathiasdeepred schreibt auf Deepreds Kino „Als ich knackige 18 war, da war DEAD HEAT (Dead Heat) ein Knaller auf jeder Video-Party. Mit genügend Knabberzeug und Grüner Wiese (ja, das Kultgetränk) konnte man sogar die blödesten Sprüche von VokuHila-Darsteller Joe Piscopo ertragen.“ Was zeigt, dass wir wahrscheinlich a) ein ähnliches Alter haben und b) ähnlich sozialisiert wurden.

– Und zum Schluss auf B-Roll ein Loblied auf einen unbesungenen Helden: Den unbekannten Filmvorführer.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

DVD-Rezension: “Der Killer von Wien”

killer von wien

Die unglücklich verheiratete Julie Wardh macht eine schwere Zeit durch: Sie wird nach einer Affäre erpresst und ihr sadistischer Ex-Liebhaber stellt ihr noch immer nach. Gleichzeitig geht in Wien geht ein unheimlicher Mörder um, der junge Frauen mit dem Rasiermesser tötet. Dieser scheint es auch auf Julie abgesehen zu haben.

vlcsnap-00003vlcsnap-00006

Es ist schwierig objektiv einen Film zu besprechen, der einem recht viel bedeutet. Das erste Mal sah ich „Der Killer von Wien“ auf einem schraddeligen VHS-Tape, als x-te Kopie des schwedischen Tapes unter dem Titel „Next!“. Im falschen Format, voller Video-Laufstreifen, ab und an wurde das Bild schwarz-weiß und manchmal musste man raten, was man da gerade sieht, so unscharf war das Ganze mittlerweile. Trotzdem zog mich der Film in seinen Bann und so verbrachte ich die folgenden Jahre damit, an eine perfekte Fassung zu kommen. 2006 brachte Koch Media den „Killer von Wien“ auf DVD heraus und letztes Jahr im Februar erfüllte ich mir selber den ultimativen Wunsch: Diesen Film einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe zeigten wir im Bremer Kommunalkino eine tolle 35mm-Kopie aus dem Münchener Werkstattkino. Leider wurde – wie so oft – dies von meinen lieben Mitbürgern nicht besonders honoriert und so fanden sich nur wenige Interessierte zu diesem Ereignis ein. Für mich allerdings, war es trotzdem eines der schönsten Kinoerlebnisse überhaupt. Edwige Fenech in ihrer ganzen Pracht und Herrlichkeit schaute mich von der Leinwand herab an und mein Herz schmolz.

vlcsnap-00007vlcsnap-00009

Nun ist die umwerfend schöne französisch-algerische Schauspielerin nicht der einzige Grund, weshalb „Der Killer von Wien“ in meinem persönlichen Kino-Pantheon einen relativ hohen Platz einnimmt, aber ein wichtiger. Für Edwige Fenech, Tochter eines maltesischen Vaters und einer sizilianischen Mutter, war der Film die erste echte dramatische Rolle, nachdem sie zuvor in vielen – vor allem deutsch co-produzierten – Sexkomödien mitgespielt hatte. Zum „Killer von Wien“ war sie gekommen, da sie zu diesem Zeitpunkt mit Luciano Martino zusammen war, der den Film seines Bruders Sergio produzierte. Die damals gerade 22-jährige Schauspielerin sollte auch in Martinos weiteren Gialli und generell in diesem Genre eine wichtige Rolle spielen, bevor sie Ende der 70er wieder vermehrt in Sexkomödien, wie den „Heißen Teens“-Filmen, zu finden war. „Der Killer von Wien“ zeigt dann auch gleich ihre ganz besondere Qualität, denn neben ihrer Schönheit besitzt sie auch eine enorme Präsenz und Autorität. Sobald sie die Szene betritt, zieht sie gleich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, und so damit sollte sie es auch später immer wieder schaffen, schwächere Filme allein durch ihre Anwesenheit zu adeln.

vlcsnap-00026vlcsnap-00017

Sergio Martinos Inszenierung ist bei „Der Killer von Wien“ zwar nicht so verspielt wie „Der Schwanz des Skorpions“, doch bereits hier setzt er innovativ die Kamera ein. Die elegante, scheinbar endlose Kreisfahrt um die Fenech, wenn sie einen Anruf des geheimnisvollen Erpressers erhält, nimmt schon das vorweg, wofür Brian de Palma oder Michael Ballhaus Jahre später berühmt wurden. Jeder Kamerawinkel stimmt, die Fenech wird nicht gefilmt, sondern förmlich zelebriert und die Morde haben eine derart wilden Intensität, die für die damalige Zeit (wir schreiben das Jahr 1970) noch unbekannt war. Zusätzlich wird viel Wert auf Design und Kostüme gelegt. „Der Killer von Wien“ ist mit seinen bunten, streng geometrischen Tapeten, Edwige Fenechs farbintensiven Kostümen und George Hiltons cooler Sonnenbrille ist einer der stylishsten, bestaussehensten Filme seiner Ära. Dies gilt vor allem auch für die stilvollen Rückblenden, in denen sich die Fenech und Ivan Rassimov in slow motion im Regen wälzen, oder eine Weinflasche zertrümmert wird und sich die Splitter in Zeitlupe wie ein Feuerwerk explodiert, um sich dann wie Sperma auf der nackten Signoria Wardh zu ergießen. Szenen, die man nicht wieder vergisst.

vlcsnap-00027vlcsnap-00032

Ein wichtiger Faktor, um den Film zu einem Highlight des italienischen Thrillers werden zu lassen, ist die grandiose Musik von Nora Norlandi, die später auch in Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol.2“ zu finden war. In einer der spannendsten Szenen des Filmes – wenn nicht auch des ganzen Genres – ist sie allerdings abwesend. Wenn Mrs. Wardh am Ende des Filmes in größter Lebensgefahr schwebt, verzichtet Martino darauf, die suspense per dramatischer Musik zu erzeugen, sondern verlässt sich ganz auf einen effektiven Schnitt und intensives Sounddesign.  Ein dröhnender Ton und der Herzschlag der Signora Wardh reichen aus, um die Spannung ins Unerträgliche zu steigern. Neben der Fenech als Mittelpunkt des Filmes, hat Martino auch ein vorzüglichen weiteren Cast vor der Kamera versammelt. Da ist einmal natürlich Ivan Rassimov, der hier wieder einmal mit seiner dämonisch wirkenden, leicht exotische Erscheinung, die Idealbesetzung für den unheimlichen, sadistisch veranlagten Ex-Liebhaber der Wardh ist. Aber auch Sunnyboy George Hilton, weiß in seiner etwas zwielichtigen Rolle zu gefallen. Nicht vergessen sollte man ferner Alberto de Mendoza als Mr. Wardh, der das Beste aus seiner scheinbar undankbaren Rolle herausholt.

vlcsnap-00035 vlcsnap-00042

Sergio Martino etablierte sich mit „Der Killer von Wien“ als einer der Großmeister des italienischen Thrillers. Insbesondere mit dem mörderisch spannenden Finale dieses Filmes gelang es ihm, sich in den Köpfen und Herzen der Fans zu verankern.

vlcsnap-00043vlcsnap-00046

Nach der schon lange vergriffenen DVD von Koch Media, ist diese Doppel-DVD von filmArt, die als No. 4 ihrer Giallo-Reihe erschien, die zweite Veröffentlichung des „Killers von Wien“ in Deutschland. Für denjenigen, die den Film noch nicht im Regal stehen hat, ist die Anschaffung durchweg zu empfehlen. Die Frage ist, lohnt sich für Besitzer der Koch-Media-Scheibe der Neukauf? Nicht unbedingt. Beginnen wir mit den Extras. Die sehr interessante Doku „Dark Fears Behind The Door“ (31 Minuten) stammt von der  amerikanischen „No Shame“-DVD und war bereits auf der Koch-DVD enthalten. Die beiden Features „La bellissima musica della Signora Orlandi“ und das sehr entbehrliche „Austrofred – Tu felix Austria nude“ haben es nicht auf die filmArt-Scheibe geschafft. Dafür findet sich dort eine spannendes, halbstündiges Interview mit Sergio Martino, welches 2013 aufgenommen wurde und sich mit seiner Filmkarriere beschäftigt. Der Wermuts-Tropfen: Das selbe Interview war bereits auf der No.2 der filmArt Giallo Edition, „Der Schwanz des Skorpions“, enthalten. Dafür gibt es ein weltexklusives Feature, welches natürlich mein Herz höher schlagen lässt: Eine Abtastung der alten, deutschen 35mm-Kopie. Wahrscheinlich der selben, die wir auch in Bremen gezeigt haben. Natürlich sieht man dieser Kopie das Alter und sein „Leben“ deutlich an, aber das macht für mich gerade den nostalgischen Reiz aus. Aber das mag auch Geschmackssache sein. Wie sieht es mit Bild und Ton aus? Der Ton wurde gegenüber der Koch Media-DVD neu abgetastet und liegt gefiltert und ungefiltert vor. Zudem wurde auch noch die alte Abtastung mit auf die Scheibe gepackt. Letztere klingt etwas dünn, während sich mir die neue ein wenig zu dumpf anhört. Zwischen gefiltert und ungefiltert habe ich keinen großen Unterschied gehört, aber das mögen andere Ohren auch anders empfinden. Das Bild ist mit dem der Koch-Media-DVD identisch und hat für meinen Geschmack etwas wenig Kontrast und einen Hauch zu dunkel. Zum Vergleich mit der alten Koch-Media hier zwei Screenshots.

vlcsnap-00010

Neue DVD von filmArt

vlcsnap-00049

Alte DVD von Koch Media

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Ein Kommentar