Das Bloggen der Anderen (16-06-14) – Doppelausgabe

bartonfink_type2Wie vielleicht der eine oder andere bemerkt hat, fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Denn das Pfingstwochenende habe ich anders genutzt, als daheim im Internet zu surfen. Aber keine Angst, es ist nichts verloren gegangen und so gibt es diesmal quasi eine „Doppelausgabe“.

Auf Eskalierende Träume gibt es sehr interessante Vorberichte (hier „Aufrisse“ genannt) zum kommenden Hofbauer-Kongress in Nürnberg. Man erfährt schon vorab so einiges wissenswertes (und appetitanregendes) über Filme wie „Dirty Lilly“, „Holiday in St. Tropez“, „Giulia“ oder frühen Film-Jukeboxen (aus den 40ern!).

Schöne Idee. Sebastian Schubert beschreibt auf Magazin des Glücks ein Filmstandbild. Er verrät zwar nicht, aus welchem Film es stammt, ich gehe aber mal fest von „Die geheimnisvolle Gräfin“ aus.

Der Berlinale-Gewinner „Black Coal, Thin Ice“ kommt nun unter dem Titel „Feuerwerk am helllichten Tage“ in die Kinos. Frank Schmidtke von cineastic.de ist allerdings nicht besonders begeistert. Dafür mochte Ronny Dombrowski den zweiten Film von William Eubank („Love“) sehr gerne und vergibt an „The Signal“ 8 von 10 Punkten.

Genau umgekehrt ist es bei Komm & Sieh, wo Sir Real „The Signal“ ziemlich verreißt, Thorsten Krüger „Feuerwerk am hellichten Tag“ aber als recht gelungen einschätzt.  Besser weg kommt allerdings der ebenfalls chinesische Film „A Touch of Sin“, der ebenfalls von Thorsten Krüger besprochen wird.  Und Jochen Plinganz empfiehlt „The Suspect“, ein weiterer „Nordkoreanischer Spion in Südkorea“-Thriller.

Pieces of Emotion stellt den Blog „Leinwandreporter“ vor.

Stubenhockerei befasst sich mit dem Fassbinder-Film „Wildwechsel“, der auf einem Theaterstück vom Franz-Xaver Kroetz beruht (eigene Anmerkung: Der übrigens gar nicht begeistert war und weitere Vorführungen des Films verhinderte). Passend dazu gibt auch noch was zu Peter Fleischmanns „Jagdszenen aus Niederbayern“.

Herzlichen Glückwunsch, Tonight is gonna be a large one. Bullions Blog ist jetzt seit acht Jahren im Netz.

Herzlichen Glückwunsch auch an Donald Duck, der 80 Jahre wurde. Sie Donnerbold von Sir Donnerbolds Bagatellen gratuliert.

symparanekronemoi stellt noch einmal ausführlich die Jodorowsky-Box von Bildstörung und die darin enthaltenen Filmen vor.

Passend zur WM stellt Joachim Kurz auf B-Roll einige Fußballfilme im näheren und weiteren Sinne vor. Und Rochus Wolff schreibt wieder einmal in seiner Kinderfilm-Kolumne eine sehr kluge Worte über das Tempo im Kinderfilm und warum gute Kinderfilme zeitlos sind.

Der Kinogänger hatte zweimal „Neues aus Hollywood“ am Start. Für die 22. und die 23. Kalenderwoche.

Sascha Nolte empfiehlt „die perfekte, fiese Unterhaltung für heiße Sommernächte – ein flirrender, fieberhafter Alptraum vor schwüler Kulisse.“ Auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht er den merkwürdige (und aufgrund seiner zahlreichen Alternativtitel reichlich falsche Erwartungen weckende) „Macchie solari“ aka „Autopsie – Hospital der lebenden Leichen“. Des weiteren hat er auch einen sehr frühen Film des Sleaze-Meisters Renato „Delirio Caldo“ Polselli gesehen: „Die Geliebte des Vampirs“ von 1960.

Tim ist auf Bad im Bilderstrom ziemlich angetan vom deutschen Gangsterfilm „Harms“, der sonst ja eher durchwachsene Kritiken bekommt.

Apropos deutscher Genrefilm. Themroc hat sehr viele gute Worte über „Stereo“ zu verlieren und hat schon leichte Hoffnungen auf ein Wiederauferstehen des deutschen Genrefilms (wobei ich ja der Meinung bin, dass der nie wirklich weg, sondern nur gut versteckt war). Dazu passen dann im historischen Rückblick die Besprechungen von fünf Genrefilmen aus den 30ern, die u.a. bereits Wallace- und Karl-May-Stoffe verwendeten.

Alex Klotz stellt auf Hypnosemaschinen wieder zwei unbekannte Film vor, die scheinbar ganz meine Kragenweite sind. Den mexikanischen Film „El escapulario“ und „Rendezvous in Bray“ von André Delvaux, dessen leicht surreales Werk Alex schon des öfteren empfohlen hat.

Die zur Zeit beste Reihe in deutschen Filmblogs findet man auf Hard Sensations, wo Marco Siedelmann unter dem Titel „Reden über Schreiben über Film“ lange und sehr interessante Interviews mit Menschen führt, die im Netz über Film schreiben. Diesmal: Hasko Baumann, ehemaliger Mitgründer der seligen „Schnitt“, Redakteur des Online-Magazins „Das Manifest“ und Macher solch innovativer TV-Sendungen wie dem grandiosen „Durch die Nacht mit…“. Was er zu sagen hat ist auch sehr sympathisch und interessant. Sehr hintergründig und spannend ist auch das Interview mit einem des bekanntesten deutschen Filmkritiker: Ekkehard Knörer.

Lukas Foerster hat eine sehr kritische und ausgewogene Besprechung zu Douglas Limans „Edge of Tomorrow“ auf Dirty Laundry veröffentlicht.

Andreas Köhnemann bespricht auf critic.de die Doku „I Am Divine“, die auch auf meiner Liste ganz oben steht. Frédéric Jaeger schreibt über das Buch „Der Dokumentarfilm ist tot – es lebe der Dokumentarfilm: Über die Zukunft des dokumentarischen Arbeitens“, welches im Mai im Schüren Verlag ein Sammelband anlässlich des Internationalen Dokumentarfilmfestivals München erschienen ist und für das er auch einen Beitrag verfasst hat. Michael Kienzl wiederum stellt die Filme von Kô Nakahira vor, dem auf der diesjährigen Nippon Connection die Retrospektive gewidmet war.  Auch eine tolle Reihe: „Bewegte Bilder“ – Kunstwerke die häufig in Filmen zitiert werden. Diesmal „Orphelia“ von John Everett Millais.

Ulrich Kriest ist auf filmgazette schwer von Götz Spielmanns neuem Film „Oktober November“ begeistert, dem er 9 von 10 Punkten gibt. Dazu passt dann ein ausführliches Interview, das er mit Spielmann geführt hat.

Alex Matzkeit macht sich auf real virtuality so seine Gedanken um die kommende neue Star-Wars-Trilogie und weshalb sie scheitern könnte.

Udo Rotenberg hat sich für seinen Blog L’amore in cittá den Proto-Giallo „Die Mörderklinik“ von Elio Scardamaglia mit William Berger vorgenommen, der kurz nach Bavas „Blutiger Seide“ entstand.

Eine wunderbare Mischung aus Giallo und Polizeifilm bespricht totalschaden auf Splattertrash, nämlich einen meiner persönlichen Lieblinge: „Der Tod trägt schwarzes Leder“.

Wer zu viel Geld übrig hat, kann dieses in einen Film über außerirdische Brustimplantate namens „Killer Rack“ investieren, bei dem auch Lloyd Kaufman mitmischt. Screenread berichtet darüber. Ebenso wie über den mexikanischen Gruseler „Here comes the Devil“, zu dem ich hier die Tage auch ein paar Gedanken schweifen lassen werden.

Den hat auch Deep Red Radio am Wickel. Ebenso wie Ralph Bakshis kontroversen Animationsklassiker „Coonskin“, über den ich hier geschrieben hatte.

„Coonskin“ wird auch von Oliver Armbrust auf film-rezensionen.de besprochen. Das passt auch sehr gut in seine Reihe mit Animationsfilmen, die mit dem Anime „Perfect Blue“ fortgeführt wird.

Ebenfalls einen Anime – wenn auch mit eher jüngeren Zielgruppe – bespricht Robin Schröder auf Mise en cinéma: „Welcome to the Space Show“, dem er etwas ambivalent gegenüber steht.

Und noch ein Anime: Martin Beck gefällt auf Reihe Sieben der letzte Film des großen Hayao Miyazakis: „Wie der Wind sich hebt“.

Und eine Blogparade macht auch wieder die Runde. Going to the movies hat 10 Filme aufgeführt, die er gut fand, aber kein zweites Mal schauen möchte. Da er seine Entscheidung auch kurz begründet hat, weise ich hier mal drauf hin. Hmmmm…. relativ konventionelle Filme. Mich würde mal interessieren, was er zu „120 Tage von Sodom“ oder „Begotten“ sagen würde.

Ich habe ja so meine Probleme mit dem Kino des Eli Roth, welches ich zu gewollt und krampfhaft auf „krass“ getrimmt ist. Darum warte ich auch nicht unbedingt auf seine Kannibalen-Film „The Green Inferno“, den Stefan auf Equilibrium allerdings ausdrücklich lobt.

Auf Daumenkino hat Natalie Wilke eine lesenswerte Kritik zu dem Film „Enemy“ von Denis Villeneuve veröffentlicht.

dennis schreibt auf filmospohie über „Eine kurze Geschichte der (Film)Zeit“. Definitiv kein Text zum mal eben drüber schauen, sondern wert, dass man sich in den Artikel vertieft und etwas Gehirnschmalz in die Theorie investiert.

jogiwan schreibt auf project-equinox eine intelligente Review über „Berberian Sound Studio“, den ich mir wohl einmal ein zweites Mal anschauen sollte. Beim ersten Mal hat es – wohl auch aufgrund der falschen Erwartungshaltung – so überhaupt nicht Klick bei mir gemacht.

Auf Filme im Dialog unterhalten sich PD und YP diesmal über den Regisseur Richard Linklater.

Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen einen neue Ausgabe der „Besprechungen der Anderen“ erstellt und ich bedanke mich hier für die nette Erwähnung dort. http://schlombies-filmbesprechungen.blogspot.de/2014/06/die-besprechungen-der-anderen.html

Oliver Nöding nutzt seine Elternzeit um weiterhin regelmäßig interessante Besprechungen auf Remember It For Later zu veröffentlichen. Diesmal u.a. dabei: Harald Reinls Poe-Film „Die Schlangengrube und das Pendel“ und zwei Filme, die ich auch gerade in der Mache hatte: „Loreley’s Grasp“ und „Geheimcode: Wildgänse“.

Nachdem Hauptsache Stummfilm vor Kurzem bereits die Version von 1929 besprochen hat, ist nun eine weitere Fassung der „Three Godfathers“ dran. Richard Boleslawskis „Das Wunder in der Wüste“ von 1938.

Sascha Schmidt berichtet auf Okaeri von der Nippon Connection, wo er die Dokumentation „The Frivolous“ sah. Dieser handelt von den Gouverneurswahl in Osaka handelt, für die sich für rund 30.000 US-Dollar jeder aufstellen lassen kann.

Annika Stelter schaut auf Die Filme, die ich rief Michael Caminos „Die durch die Hölle gehen“, der sie tief einsaugt.

Und zum Schluss gibt es noch einen schönen Text von Rainer Knepperges auf new filmkritik mit der Überschrift „Infrastruktur“.

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DVD-Rezension: Drei Söldnerfilme von „Anthony M. Dawson“

Mitte der 80er erlebte ein Genre seine Blütezeit, welches heute – bis in den warmen Erinnerungen der Mit-40er – fast vergessen ist: Der Söldnerfilm. Dieses wurde fast im Alleingang von einem Mann auf dem Boden gestampft: Erwin C. Dietrich. Dietrich hatte mit dem Prototyp der in den 80ern folgenden Söldnerfilme – „Die Wildgänse kommen“ – im Jahre 1978 seine erste große, internationale Co-Produktion verwirklicht. Das Ganze funktionierte vor allem als Star-Vehikel, welches mit großen Namen wie Richard Burton, Roger Moore oder Hardy Krüger protzen konnte. Zwar zog der Film einige ähnlich gelagerte Filme, wie „Die Seewölfe kommen“ nach sich, doch Dietrich sollte den Söldnerfilm, so wie man sich heute an ihn erinnert, erst einige Jahre später in einer Handvoll deutsch-italienischer Co-Produktionen definieren. Nachdem Ascot-Elite bereits „Die Rückkehr der Wildgänse“ (Kritik hier) und „Im Wendekreis des Söldners“ (Kritik hier) veröffentlichte, kommen nun auch jene drei großen Söldnerfilme auf den DVD-Markt, die in den späten 80ern die Augen der Videothekenbesucher zum Leuchten brachten. Allen dreien ist der Hauptdarsteller Lewis Collins und der Regisseur Antonio Margheriti (alias Anthony M. Dawson) gemein, sowie die Besetzung der weiteren Rollen mit alternden Hollywoodstars und deutschen Synchronsprechern. Und noch eins fällt auf: In allen drei Werken stiehlt der großartige Manfred Lehmann dem etatmäßigen Helden Lewis Collins gehörig die Schau.

 

Geheimcode: Wildgänse (1984)

geheimcode wildgänse
Captain Robert Wesley (Lewis Collins) wird mit seinem Söldner-Team von dem Geschäftsmann Brenner (Hartmut Neugebauer) angeheuert, um im Auftrag der amerikanischen Drogenfahndung im Goldenen Dreieck ein großes Heroinlager zu vernichten, welches einem korrupten General gehört. Damit soll der Drogennachschub in die USA und Europa unterbunden werden. Unterstützt von Weiterlesen

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Blu-ray-Rezension: “The Body – Die Leiche”

BD_2D_The_Body_Der Nachtwächter eines Leichenschauhauses rennt panisch durch die Nacht und wird auf seiner wilden Flucht von einem Auto angefahren und fällt ins Koma. Inspektor Jaime Peña (José Coronado) und seine Kollegen ermitteln. Dabei entdecken sie, dass aus dem Leichenschauhaus die Leiche der frisch eingelieferten, reichen Mayka Villaverde (Belén Rueda) verschwunden ist. Sie bestellen deren sehr viel jüngeren Ehemann Álex Ulloa (Hugo Silva) zum Tatort, um ihn nach den näheren Umständen ihres plötzlichen Todes zu befragen. Was sie nicht wissen, Ulloa hat seine Ehefrau am morgen mit einem nicht nachweisbaren, langsam wirkenden Gift umgebracht, um mit seiner Geliebten Carla (Aura Garrido) ein neues Leben anzufangen. Während in den Ermittlern der Verdacht wächst, dass etwas mit Ulloa nicht stimmt, entdeckt diese überall Indizien, die auf seine Tat hinweisen. Wer weiß von Ulloas Verbrechen und versucht ihn in den Wahnsinn zu treiben? Und wo ist die Leiche seiner Frau geblieben? Und wovor flüchtete der Nachtwächter in solcher großen Panik?

BODY_0786The Body“ ist das Spielfilmdebüt des Drehbuchautors Oriol Paulo, der kurz zuvor auch den Thriller „Julia’s Eyes“ geschrieben hatte. Mit diesem teilt er sich nicht nur die Hauptdarstellerin Belén Rueda, sondern auch die generelle Atmosphäre und Struktur. Ebenso wie in „Julia’s Eyes“ lässt Paulo in seinem Film den Regen eine dramatische Rolle in den unheimlichen Szenen spielen, und er arbeitet viel mit Rückblenden, die immer wieder ihre Wahrheit in Frage stellen. Ist das, was der Zuschauer sieht wirklich die Wahrheit oder nur ein geschicktes Täuschungsmanöver des Erzählenden? Sind die Erinnerungen des Protagonisten wirklich verlässlich oder nur eine subjektive Wahrnehmung, die ihn und uns in die Irre leitet? Oftmals wird die selbe Szenen in mehreren möglichen Variationen durchgespielt. Zusätzlich brechen die Rückblenden aber auch den kammerspielartigen Charakter des Filmes auf, der fast ausschließlich während einer regnerischen Nacht in einem Leichenschauhaus spielt. Dies stört zwar immer wieder die klaustrophobische Stimmung, wirft zugleich aber auch immer wieder neue Fragen auf oder gibt scheinbar Hinweise auf die Wahrheit, so dass der Zuschauer ungeduldig dem nächste Puzzelteil entgegen fiebert.

BODY_1116Die Leichenhalle als Handlungsort ist natürlich gut gewählt. Paulo fängt den unheimlichen Ort mit einem großen Sinn für alte alte Gruselfilme ein. Einmal lässt er es sogar in der Leichenhalle regnen, was das Gefühl des Unwirklichen und der Bedrohung noch verstärkt. Tatsächlich ist man zu Beginn auch geneigt, eine übersinnliche Lösung des Rätsels in Betracht zu ziehen. Jedoch wird relativ schnell klar, dass Paulo etwas anderes vorhat. Dabei führt er den Zuschauer geschickt auf eine Fährte, die den Film zunächst recht durchschaubar wirken lässt. Paulos Stärke liegt dabei vor allem darin, dass er dem Zuschauer glauben macht, dass dieser selber langsam die Einzelteile zu einem großen Ganzen zusammenfügt, obwohl er doch nur den Brotkrumen folgt, die Paulo ihm geschickt hingeworfen hat. Dies funktioniert wahrscheinlich vor allem bei dem Publikum ausgezeichnet, die in den letzten Jahrzehnten nicht viele Dutzende Thriller gesehen haben, oder die sich gerne zurücklehnen und dem Regisseur die Aufgabe überlassen, sie durch sein kunstvoll aufgebautes Konstrukt zu führen. Alle anderen werden sich vielleicht an einigen Stellen fragen, was die eine oder andere scheinbar unwichtige Rückblende soll und daraus möglicherweise die richtigen Schlüsse ziehen.

BODY_1323Nichtsdestotrotz ist „The Body“ unglaublich spannend. Während Kamera und das bereits erwähnte, äußerst effektive Set Design eine unheilvolle, gruselige Stimmung erzeugen, sind auch die Schauspieler hervorragend ausgesucht. Dies gilt insbesondere für den spanischen Shooting-Star Hugo Silva, der in den letzten 3-4 Jahren in zahlreichen erfolgreichen spanischen Produktionen von de la Iglesias bis Almodóvar zu sehen war. Während man ihn am Anfang als arroganten, viel zu glatten Schönling abtut, wandelt er sich im Laufe des Filmes immer mehr zu einer Art Sympathieträger. Silva gelingt es seine im Grunde höchst unsympathische Figur Stück für Stück zu demontieren und einen zutiefst unsicheren, verängstigten und irgendwo auch hoffnungslos romantischen Kern, freizulegen. Wie seine Verzweiflung und sein Entsetzen sich langsam steigern, und er dann am Ende vor Sorge um seine große Liebe zusammenbricht, ist schon sehr sehenswert.

BODY_1042Belén Rueda, die nur in den Rückblenden auftritt, ist wie schon in „Julia’s Eyes“ eine Bank und passt perfekt zu der schönen, aber nicht mehr ganz taufrischen Dame aus der oberen Gesellschaft, die sich ihren jungen, nicht standesgemäßen Mann eher wie ein Spielzeug hält und mit fiesen Scherzen quält, statt ihn wie einen ebenbürtigen Partner zu behandeln. Dabei wirkt sie ebenso undurchdringlich und überlegen, wie verletzlich. Als Gegenspieler Ulloas macht der Polizist Peña eine gute Figur. José Coronado spielt den alternden Ermittler, der selber eine ganze Menge Probleme mit sicher herumschleppt und oftmals wie eine tickende Zeitbombe wirkt, sehr überzeugend. Wenn auch diese Figur etwas zu karikaturhaft gezeichnet wird, um sie als echten Menschen, und nicht nur als Filmfigur wahrzunehmen. Ein Kompliment hier an den Maskenbildern, der Coronado in einigen Rückblenden tatsächlich Jahre jünger aussehen ließ.

BODY_0873Oriol Paulo schafft es spielten, den Zuschauer den ganzen Film über zu fesseln und den Puls hier und dort hochzutreiben. Ist der Abspann aber gelaufen und der Zauber des Augenblicks ein wenig verflogen, zeigt sich in der Rückschau, dass einige Elemente nicht ganz in den raffinierten Plan passen, dessen man hier Zeuge wurde. Einige nicht vorhersehbare Zufälle helfen dabei, dass alles so funktioniert, wie gedacht. Auch wird hier an ein paar Stellen die Glaubwürdigkeit einer bestimmten Situation etwas überstrapaziert, was einen im Nachhinein ein wenig ärgert, da man sich ein wenig an der Nase herumgeführt fühlt. So tut man am Ende besser daran, den Film nicht großartig zu reflektieren und sich ganz vom Moment gefangennehmen zu lassen.

„The Body“ ist ein hochspannender Thriller, der kunstvoll mit Horrorelementen spielt und seinen Protagonisten durch ein geschickt konstruiertes Fegefeuer treibt, welches ihn vom arroganten Täter zum verzweifelten Opfer schrumpfen lässt. Mit einem hervorragenden Hugo Silva in der Hauptrolle, weiß der Film bestens zu unterhalten, auch wenn sein finaler Dreh für den erfahrenen Zuschauer keine so große Überraschung darstellt und einige Handlungselement im Nachhinein nicht ganz in das clevere Gebilde passen.

Die Blu-Ray aus dem Hause OFDb FILMWORKS besitzt ein perfektes, gestochen scharfes Bild, bei dem das Schwarz wirklich tiefschwarz und nicht wie so häufig nur ein sehr dunkles Grau ist. Der Ton ist sehr klar und spielt beschäftigt gekonnt alle Lautsprecher für subtile Toneffekte. Die deutsche Synchronfassung ist okay, wobei ich die spanische Fassung mit sehr guten, deutschen Untertiteln bevorzuge. An Extras gibt es ein 20-minütiges „Making Of“, welches Szenen vom Set mit Statements der Schauspieler und des Regisseurs kreuzt, die aber nicht so viel Aussagekraft haben, da sie hauptsächlich erzählen, welche Rollen sie spielen, worum es in diesem Film geht und wie toll er doch geworden ist. „Hinter den Kulissen“ sind drei Minuten mit kommentarlosen Impressionen vom Dreh der Verhörszene, was mit Musik aus dem Film unterlegt ist. Des weiteren kann man sich sechs Minuten mit Alternativen Szenen ansehen, welche sich aber nicht drastisch von denen im Film unterscheiden. Zum Schluss gibt es noch zwei deutsche und zwei spanische Trailer von „The Body“.

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Originalfassungen in Bremen: 12.06.14 – 18.06.14

Der nahende Sommerbeginn bringt auch etwas Ruhe ins O-Fassungen-Programm. Aber die Auswahl ist immer noch ganz in Ordnung. Neue Highlights gibt es zwar nicht, aber man kann bequem nachholen, was man in den letzten Wochen eventuell verpasst hat.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter – Cinemaxx, Do.+Sa. um 19:30 – US-Bestsellerverfilmung um eine Jugendliche, die an Schilddüsenkrebs leiden und nicht mehr lange zu leben hat. Mit einem guten Freund erfüllt sie sich ihren letzten Wunsch. Sie fliegt gemeinsam nach Amsterdam, um dort ihren Lieblingsautoren zu treffen.

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Edge of Tomorrow 3D – Cinemaxx, So., 15.6. um 19:30 – Tom Cruise und Emily Blunt in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie “Starship Troopers meet Groundhog Day”. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit 3D – Cinemaxx, Mi., 18.6. um 19:30 – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Her – City 46, Do.-Di.immer 20:30, außer So., dann um 18:00 – “A Spike Jonze Love Story”. Joaquin Phoenix verliebt sich in die Stimme seines Computers. Kein wunder, wird diese doch von Scarlett Johansson gesprochen. Ich kann mir ja eigentlich nicht vorstellen, dass ein Spike-Joneze-Film schlecht sein kann, weshalb ich mich hier trotz sehr durchwachsener Kritiken mal überrachen lassen würde.

Maleficent – Die dunkle Fee 3D – Cinemaxx, Fr.+Di. um 19:30 & CineStar, So., 15.6. um 20:00 – “Dornröschen” aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

Boyhood – Schauburg, Do-So. und Mi. um 21:00, Mo./Di. um 12:00 – Richard Linklaters faszinierendes und bei der Berlinale umjubeltes Langzeit-Experiment. Über 12 Jahre filmte er immer mal wieder an diesem Film, der den Weg ins Erwachsenenleben zeigt. Linklater erzählt die Geschichte eines Jungen von seinem sechsten Lebensjahr an bis zu seinem College-Eintritt mit 18 Jahren.

Die unerschütterliche Liebe der Suzanne – Atlantis, So., 15.6. um 20:00 – Franösisches Drama, welches 25 Jahre im Leben der Suzanne zeigt. Ihr enges Verhältnis zu ihrer Schwester und den Versuch der Beiden, den Tod der Mutter zu verkraften.

Kisiljows Liste – City 46, Mi., 18.6. um 20:00 – Russischer Dokumentarfilm über den Partisan Nikolaj Kisiljow, der eine Gruppe von über 200 Juden aus einem Schtetl nahe Minsk in einem wochenlangen Marsch über die Frontlinie hinweg in das sowjetische Hinterland zu führen.  Mit Einführung von Inna Gerasimova, Historikerin und Aufbau/ Leitung des jüdischen Museums Minsk

Träumen und Schweigen – City 46, Do., 12.6. um 20:00 – Spanisches Drama. Nach dem Tod einer ihrer Töchter, versuchen zwei Eheleute den Verlust auf unterschiedliche Weise zu verarbeiten und daran zu zerbrechen drohen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 16.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 16.6. um 21:45

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Blu-ray-Rezension: “Coonskin”

cover_coonskin_bluraySampson (Barry White) und der Prediger (Charles Gordone) wollen ihren Kumpel Randy (Philip Michael Thomas) aus dem Knast holen. Dieser hat bereits mit seinem Mithäftling Pappy (Scat Man Crothers) seine Flucht vorbereitet. Während sie auf Sampson und den Prediger warten, erzählt Pappy Randy die Geschichte von Hase, Bär und Fuchs. Drei Typen, die aus dem Süden nach Harlem kommen und sich dort einen Namen machen wollen…

Nach seinem Debüt „Fritz, the Cat„, welchem die Kult-Comics des Underground-Zeichners Robert Crumb zugrunde lag, und seinem, von ihm selbst geschriebenen und aufgrund des hohen Sex- und Gewalt-Anteils kontrovers aufgenommenen „Heavy Traffic„, bei dem er erstmalig mit Animationen und realen Hintergründen experimentierte, drehte Ralph Bakshi 1975 „Coonskin„. „Coonskin“ wird heutzutage oftmals übersehen, denn die beiden ersten Filmen haben einen großen Einfluss auf „erwachsene“ Animationsfilme gehabt, dass sie heute als die Prototypen des anarchistisch-subversiven Underground-Film gelten. Seine nächsten Filme, „Herr der Ringe“ und „Feuer und Eis„, kehrten dann dem Underground den Rücken zu und beschäftigten sich mit Fantasy-Themen.

„Coonskin“ ist zwar inhaltlich und stilistisch immer noch Underground, wurde aber bereits von einem großen Studio (Paramount) produziert. Vielleicht liegt hier der Grund dafür, dass er heute nicht so bekannt ist, wie seine anderen Filme. Denn obwohl Bakshi hier auf bekannte Stimmen, wie dem großen Barry White oder Scat Man Crothers (der später auch in „Shining“ eine wichtige Rolle spielte) zurückgreifen konnte, war „Coonskin“ auch Bakshis am meisten angefeindeter Film und vielleicht war es Paramount peinlich, mit Rassismus-Vorwürfen in Verbindung gebracht zu werden. Und diese sind durchaus nachvollziehbar, zeichnet doch der in Palästina geborene Bakshi ein denkbar schlechtes Bild von den farbigen Amerikanern. Er wirft jedes billige Klischee und jedes Vorurteil in die Waagschale und überzeichnet dieses noch einmal. Sieht man sich „Coonskin“ an, könnte man auf die Idee kommen, alle Schwarzen wären Drogendealer, Prostituierte oder Gewaltverbrecher. Aber dies ist nur die eine Seite. Tatsächlich übertreibt Bakshi diese Stereotypen so maßlos, dass der satirische Faktor klar hervorgehoben wird und einem durch dieses Überspitzen die eigenen Vorurteile gnadenlos ns Gesicht knallen. Und man darf nicht vergessen, dass die Weißen auch nicht viel besser wegkommen. Tatsächlich gibt es in dem ganzen Film keine einzige normale, sympathische Figur.

szenenbild_Coonskin1Als Bakshi mit seinen Eltern in den USA zog, lebten sie u.a. in einem schwarzen Viertel, wo Bakshis einzigen Freunde schwarz waren. Um mit ihnen zusammen zu sein, entschloss er sich, von seiner rein weißen, auf eine rein schwarze Schule zu wechseln, wo er dann der einzige weiße Schüler war. Dies brachte ihm und seinen Eltern einigen Ärger seitens der weißen Behörden ein. Von daher weiß Bakshi schon genau, worüber er seinen Film drehte, und der Verdacht des Rassismus ist nicht haltbar. Bakshis Film ist eine überdrehte und recht geschmacksbefreite Satire und gleichzeitig ein waschechter Blaxploitation-Film. Gleichzeitig verarbeitet er alle rassistischen Ausprägungen der amerikanischen Pop-Kultur. Von Szenen aus „Birth of a Nation“ (der für seine positive Darstellung des Ku-Klux-Klan und einer entsprechend schlechten der Schwarzen bekannt ist) bis zum berüchtigten „Blackfacing“, bei dem weiße Darsteller ihr Gesicht schwarz malten, um schwarze Witzfiguren darzustellen. Aber auch Klischeedarstellungen der Schwarzen als immer potente Sexmaschinen, die nur das eine im Kopf haben und generell auch eine Neigung zu kriminellen Machenschaften und Größenwahn aufweisen. Quasi so, wie sich die amerikanischen Gangsta-Rapper gerne geben.

szenenbild_Coonskin2Während der Animationsteil von „Coonskin“ noch relativ konventionell beginnt, steigert er sich in Laufe der Handlung immer mehr ins Groteske hinein. Besonders deutlich wird dies, wenn auch die Mafia auftritt. Der „Pate“ (im Original von Al „Grandpa Munster“ Lewis gesprochen) ist ein merkwürdig aussehendes Wesen mit vielen Zähnen, Warzen und einen dicken, behaartem Bauch, der sich ständig unter seinem Hemd hervor drückt. Seine Sohne alles Homosexuelle, die – dies zieht sich als roter Faden durch den Film – auch jedem Klischee entsprechen, welches man sich vorstellen kann. Dabei reicht ihre Bandbreite von einer scheinbar an David Bowie orientierten Figur bis hin zu einen Rüsselwesen, dessen merkwürdiger Kopf an eine Mischung aus Ameisenbär und Staubsauger erinnert. Der jüngste Sohn ist dann ein affenähnliches Geschöpf im Harlekin-Kostüm. Grundsätzlich sind Bakshis Zeichnungen klar karikaturartig, wobei sie von recht detailliert bis hin zum kruden, skizzenhaften reichen. Während z.B. ein Charakter wie Bär noch einem klassischen Stil folgt, ist der korrupte Polizist Madigan einem verzerrten Underground-Stil verpflichtet.

szenenbild_Coonskin4Wie schon in „Heavy Traffic“ vermischt Bakshi Animation und Realfilm. Ein etwas holprig daherkommender Realfilm bildet die Rahmenhandlung des Filmes, in denen Barry White, Charles Gordone, Michael Philip Thomas und Scat Man Crothers, der hier auch die Rolle des Erzählers übernimmt, zu sehen sind. Alle vier leihen auch den Figuren im Animationsteil ihre Stimmen. Inspiriert wurde Bakshi bei dieser Rahmenhandlung von dem Disney-Film „Song of the South“, indem ebenfalls im Realfilmteil der Rahmen für die animierten Szenen im Film vorgebenden wird, und ein durch einen Schauspieler verkörperter Erzähler vorkommt. „Song of the South“ basiert wiederum auf den „Onkel Remus“-Büchern, die Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden und in denen ein freundlicher, schwarzer Onkel Remus afroamerikanische Fabeln erzählt. In diesen tauchen dann auch die drei Figuren Bruder Hase, Bruder Bär und Bruder Fuchs auf. Ähnlich wie „Onkel Toms Hütte“ galten die Bücher bis in die 50er als Darstellungen der „guten Schwarzen“ bis sie ab den 60ern als Beispiele für indirekten Rassismus aufgegriffen wurden. Bakshi bezieht sich ganz direkt auf die „Onkel Remus“-Geschichten. Nicht nur indem er die drei Hauptcharaktere Hase, Bär und Fuchs übernimmt, sondern auch Elemente aus den Geschichten, wie z.B. das „Pech-Baby“, zitiert.

Innerhalb des Filmes lässt er dann Trickfiguren mit Menschen interagieren. Sei es, dass reale Menschenmengen den Hintergrund einer Szene bilden; in einer großartigen Szene, der korrupte Madigan von einer realen, barbusigen Schönheit verführt wird oder sich einmal sogar Rabbit mit realen Schauspielern unterhält. Auch nutzt Bakshi Filmaufnahmen, die er in Harlem gemacht hat, um diese als Hintergründe für seinen Film zu verwenden. Dies gibt „Coonskin“ trotz aller satirischen Übertriebenheit einen rauen, realistischen Ton und stellt heute ein geradezu historisches Dokument über das Leben in Harlem Mitte der 70er Jahre dar.

„Coonskin“ steckt voller Brutalität, billigem Sex, bewusst vorgeführten, rassistischen Stereotypen und schierem Wahnsinn, der sich auch auf der kreativen Ebene niederschlägt. Dies ist manchmal schon zu viel des Guten, an einigen stellen sicherlich viel zu dick aufgetragen und kann zu gewissen Ermüdungserscheinungen führen. „Coonskin“ stellt aber darüber hinaus ein interessantes Zeitzeugnis dar, welches sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft (und treffen will), aber zumindest einmal gesehen werden sollte.

Die OFDb FILMWORKS Blu-Ray zeigt den Film einerseits in technsich makelloser Umsetzung, hat andererseits aber damit zu kämpfen, dass viele Stellen von Bakshi auch bewusst „schmutzig“ und körnig angelegt wurden. Was aber auch gut zum Thema des Filmes passt. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor. Aufgrund des typischen Slangs empfiehlt es sich, die englische Tonspur und die deutschen Untertitel zu nutzen. Extras gibt es bis auf einen Trailer leider keine.

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DVD-Rezension: “Der unheimliche Gast”

unheimliche gast_Die Geschwister Roderick und Pamela Fitzgerald (Ray Milland und Ruth Hussey) entdecken in ihrem Urlaub ein leerstehendes Herrenhaus nahe einer Steilküste. Pamela verliebt sich augenblicklich in das Gebäude. Zusammen mit ihrem Bruder kauft sie es seinem Besitzer, Commander Beech (Donald Crisp), ab. Dieser ist auch gar nicht unglücklich darüber, das Anwesen los zu sein. Es gehörtet einst seiner Tochter, Mary, die dort einst durch tragische Umstände ums Leben kam. Gar nicht erfreut über die neuen Besitzer ist ihre Tochter Stella (Gail Russell), die nach dem Tod der Mutter bei ihrem Großvater aufwuchs. Sie fühlt sich auf besondere Weise zum Haus hingezogen. Bald schon bemerken Roderick und Pamela, dass etwas in ihrem neuen Heim nicht stimmt…

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Konnte man mit gutem Willen die vorherigen Veröffentlichungen der Reihe „Film Noir“ noch halbwegs als „Noirs“ durchgehen lassen, so fällt dies bei „Der unheimliche Gast“ schon schwerer. Denn hierbei handelt es sich um einen lupenreinen Gruselfilm, komplett mit übernatürlichen Erscheinungen und einem alten Fluch. Allerdings orientiert sich Kamera und Set Design deutlich am deutschen Expressionismus, was ja auch bei den „echten“ Noirs der Fall war. Ich meine sogar, dass das unheimliche Atelier des verstorben Künstlers und ehemaligen Herrn des Spuk-Hauses, auch in dem, im selben Jahr entstandenen, Film Noir „Zeuge gesucht“ (ebenfalls in der „Film Noir“-Reihe erschienen, Kritik hier) Verwendung fand.

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Der unheimliche Gast“ mixt auf effektive Weise Screwball-Elemente mit einer handfesten Gruselgeschichte. Dabei unterstreicht der leichte Ton, der vor allem zwischen den Geschwistern Roderick und Pamela Fitzgerald herrscht, die unheimlichen Vorgänge, welche immer wieder in die scheinbar sorgenlose Welt der Beiden einbrechen. Man könnte beinah denken, dass die Geschwister ursprünglich als Ehepaar konzipiert waren, so perfekt werfen sie sich die Bälle zu. Dies kennt man sonst vor allem von legendären Screwball-Paaren wie William Powell und Myrna Loy in der „Dünne Mann“-Serie oder Spencer Tracy/Kathrine Hepburn. Doch die Beiden waren schon in der literarischen Vorlage von Dorothy Macardle nur Bruder und Schwester. Dieses verwandtschaftliche Verhältnis hilft natürlich dabei, die Liebesgeschichte zwischen den weltmännischen Roderick und der blutjungen und unerfahrenen Stella aufzubauen, die im Zentrum der unheimlichen Geistergeschichte steht. So erinnern die unbeschwerten Szenen zwischen ihr und Roderick an die romantischen Komödien dieser Zeit. Umso stärker ist die Kraft, mit der das Übernatürliche, das Ernste und Tragische in die Geschichte einbricht.

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Diese unheimlichen Element wirken niemals aufgesetzt, sondern sind integraler Bestandteil der Geschichte. Und man muss Regisseur Lewis Allen bescheinigen, dass es ihm grandios gelingt, einen wirklich unheimlichen Film zu gestalten. Gerade dadurch, dass die oberflächliche Handlung einen eher heiteren – und damit für den Zuschauer „realistischeren“ – Ton anschlägt, wirkt das finsterer Herz der Geschichte, welches unablässig unterhalb diese Oberfläche pocht, umso angsteinflößender. Eine Taktik, wie sie z.B. auch Stephen King in seinen besten Büchern anwendet. Nicht umsonst setzte ihn Martin Scorsese 2009 auf seine Lister, der, seiner Meinung nach, elf unheimlichsten Filme aller Zeiten. Und nennen ihn Guillermo Del Toro einen der Filme, die ihn geängstigt und beeinflusst haben.

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Zu unheimlichen Stimmung trägt, wie oben erwähnt, auch das Set Design bei. Dieses wurde übrigens von einem waschechten Bremer erstellt. Hans Dreier wurde 1885 in Bremen geboren. Später studierte er in München und begann dann bei der Ufa zu arbeiten. Anfang der 20er Jahre folgte er Ernst Lubitsch und anderen in die Vereinigten Staaten, wo sie sich ein höheres Einkommen versprechen. In der Folgezeit war Dreier zunächst für das Design aller Filme sowohl von Lubitsch, als auch Josef von Sternberg zuständig, in die er seine Expressionistischen Erfahrungen einfließen lies (besonders deutlich zu sehen bei Sternbergs „Die scharlachrote Kaiserin“). Später bestimmte er nicht nur den „Look“ der Produktionen der Paramount Studios, sondern arbeitete eng mit Billy Wilder an all seinen großen Filmen bis „Boulevard der Dämmerung“ zusammen. Des weiteren war Dreier auch an den Filmen von Preston Sturges und zahlreichen „Film Noir“-Klassikern, wie z.B. „Die Narbenhand“ beteiligt. Irgendwann in der Zukunft werde ich mich sicherlich noch einmal eingehend mit diesem Sohn meiner Heimatstadt beschäftigen.

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„Der unheimliche Gast“ gilt als erster ernsthafter „Haunted House“-Film und war damals ein ungeheurer Erfolg. Dies gilt im übrigen auch für die Filmmusik. Das eigenes für diesen Film geschriebene Stück „Stella by Starlight“, welches Roderick der jungen Stella mal eben beiläufig auf dem Klavier vorklimpert und dabei nonchalant meint, er hätte es sich „mal eben so“ ausgedacht, wurde eine ausgesprochen beliebter Jazz-Standard, der von zahlreichen großen Künstlern interpretiert wurde. Ich kannte es z.B. in der Version des großartigen Krzystof Komeda, aber auch Miles Davis, Stan Getz und Dexter Gordon haben ihn gespielt. Ein wenig erinnert „Der unheimliche Gast“ auch an Hitchcocks amerikanisches Debüt „Rebecca“, welches ebenfalls davon erzählt, wie eine zu Beginn des Filmes verstorbene Person, Macht über die Lebenden gewinnt. Die Figur der Miss Holloway erinnert auch ein wenig an Mrs. Danvers aus dem Hitchcock-Film und die riesige Portraits der Mary Meredith, die förmlich in das Filmbild drängen und die junge Stella schier zu erdrücken scheinen, finden sich so ähnlich auch in „Rebecca“. Doch während in „Rebecca“ nur mit dem Gedanken gespielt wird, die Titelheldin könnte noch am Leben sein oder als Geist Manderly heimsuchen, ist die Bedrohung in „Der unheimliche Gast“ von Anfang an ganz klar übersinnlicher Natur. Am Ende erscheint der Geist sogar in einer für die damalige Zeit spektakulären – und auch heute seine Wirkung wahrlich nicht verfehlenden – Weise auf der Leinwand.

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Zwar kann man „Der unheimliche Gast“ nur bedingt dem Genre „Film Noir“ zuordnen, er ist aber mit Fug und Recht ein Klassiker der Horrorfilms. Er verbindet die Leichtigkeit einer Screwball-Comedy mit wirkungsvollen Horrorelementen, die durch den scheinbar realistischen Kontext noch verstärkt werden. Dabei lebt der unheimliche Film auch von seinem expressionistischen Set Design und wartet mit überraschend überzeugenden Special Effects auf.

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Das Bild der DVD aus dem Haus Koch ist gut und der Ton ist für das alter recht klar. Die deutsche Synchronisation geht in Ordnung, allerdings klingt die deutsche Fassung recht steril, da die Geräusche der Originaltonspur ausgeblendet, bzw. durch neue ersetzt wurden. Als Extras sind gleich zwei Radio-Hörspiele des Stücks beigegeben. Einmal eine Aufführung des Screen Guilde Theater von 1944 (mit Ray Milland und Ruth Hassey in ihren Filmrollen) und dann von The Screen Directors Playhouse aus dem Jahre 1949 , wieder mit Ray Milland.  Die DVDs der Reihe „Film Noir“ zeichnen sich in der Regel auch immer durch informative Booklets aus. Da mir hier allerdings nur die DVD an sich ohne Verpackung zur Rezension vorlag, kann ich hierzu leider keine Angaben machen.

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DVD-Rezension: „Unter Verdacht“

unter verdachtDer gutmütige Geschäftsinhaber Philip Marshall (Charles Laughton) ist mit der schrecklichen Cora (Rosalind Ivan) verheiratet, die ihm das Eheleben zur Hölle macht. Als Philip die junge Mary (Ella Raines) kennenlernt, ist er das erste Mal seit langem wieder glücklich und genießt die Begleitung der jungen Frau, die ihm ebenfalls liebevolle Gefühle entgegen bringt. Philip beschließt, sich von Cora scheiden zu lasen, doch diese lehnt seinen Vorschlag vehement ab. Philip fügt sich in sein Schicksal, beendet seine Treffen mit Mary und versucht mit Cora ein normales Leben zu führen. Doch als aber diese voller Eifersucht ankündigt, Marys Leben zerstören zu wollen, geschieht ein Unglück…

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Wie schon „Das schwarze Buch“ (Kritik hier) scheint „Unter Verdacht“ so gar nicht in eine Reihe, die sich „Film Noir“ nennt zu passen. Handelt es sich hierbei doch um eine Geschichte, die in London um 1902 herum spielt und somit ganz weit entfernt ist von den Gangstern, Hard-boiled Detektiven und Stadtschluchten im Amerika der 40er Jahre. Tatsächlich ist der Film aber zeitlos und könnte genauso – sieht man einmal von den Kostümen und Kutschen ab – auch in jedem anderen Jahrzehnt oder sogar im hier und jetzt spielen. Inszeniert wurde der Film auch von einem ausgewiesenen Noir-Spezialisten, dem Deutschen Robert Siodmak, der kurz zuvor mit „Zeuge gesucht“ (Kritik hier) bereits seinen ersten großen Film Noir abgeliefert hatte.

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„Unter Verdacht“ lebt ganz von der erstaunlich zurückgenommenen Darstellung Charles Laughtons. Laughton hat in seinen Filmen immer einen Hang gehabt, seine Figuren mit dem ganz breiten Pinsel zu malen und sie larger-then-life auszugestalten. Umso mehr verwundert ist, wie still und unaufdringlich er den sympathischen Philip spielt. Anders würde der Film auch gar nicht funktionieren. Der Zuschauer muss Philip in sein Herz schließen. Wie sollte auch sonst glaubhaft vermittelt werden, dass sich die bezaubernde Ella Raines mit der Siodmak schon „Zeuge gesucht“ gedreht hatte, sich in den älteren, fettleibigen Laughton verliebt. Doch Laughton spielt so nett, bescheiden und vor allem liebenswürdig, dass man bereit ist zu glauben, dass die Raines tatsächlich tiefe Gefühle für ihn hegt. Und auch der Zuschauer ist ganz auf der Seite des Mörders, wodurch der Film seine ambivalente Spannung bezieht. Denn hier wird er gezwungen, nicht der Enttarnung des Täters, sondern dessen Davonkommen entgegen zu fiebern. So stellt Siodmak das moralische Grundgerüst eines Hollywoodfilms völlig auf den Kopf. Der Mörder ist unser Held, der Polizist der fast schon manisch versucht, ihn hinter Gitter zu bringen der Bösewicht.

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Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muss ein Film wie „Unter Verdacht“ auch in den Nebenrollen bestens besetzt sein, was hier der Fall ist. Philips schreckliche Ehefrau wird von Rosalind Ivan gespielt, die in Fachkreisen den Spitznamen „Ivan the Terrible“ erhielt, da sie auf solche Rollen abonniert war. Auch hier macht sie Philip das Leben zur Hölle und torpediert all seine Versuche, mit ihr ein normales Leben zu führen. Aber aus ihr sprießt nicht reine Bosheit, sondern es liegt einfach in ihrer Natur, durch ihre absolute Egozentrik im Zwischenmenschlichen nicht unbedingt geschickt vorzugehen. Eine wunderbare Leistung erbringt auch der großartige Henry Daniell als Nachbar Philips. Ein trunksüchtiger Tunichgut, der seine liebe Ehefrau schlägt und sich lieber in Tavernen als in einem Job aufhält. Henry Daniell spielt ihn zwar fies, aber irgendwo auch nicht gänzlich unsympathisch. Sein Mr. Simmons weiß, dass er ein schlechter Charakter ist, aber das ist ihm herzlich egal. Er hat aufgeben, so zu tun, als wäre er ein guter Mensch, der zu etwas taugt. Lieber konzentriert er sich auf das, was er kann: Auf krummen Wegen sich sein Stück vom Kuchen zu sichern. Und obwohl Simmons eine verabscheuungswürdige Figur ist, spielt Daniell ihn mit einem Hauch von Melancholie und einer arroganten Eleganz, dass man ihm dabei gerne zuschaut. Interessanterweise stammen fast alle Schauspieler dieser amerikanischen Produktion aus London, wo auch der Film spielt, was den Thriller leicht an die frühen Hitchcock-Filme erinnern lässt.

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Auch wenn „Unter Verdacht“ gerade im Mittelteile ein paar Längen aufweist, so sind es zwei Szenen, die ihn über den Durchschnitt heben und im Gedächtnis verankern. Die erste ist eine Rekonstruktion des Verbrechens. Hier übernimmt der Inspektor die Rolle des Drehbuchautoren. Er erzählt die Vorgänge der unheilvollen Nacht, er sorgt für die richtige Stimmung, indem er eigenhändig die Beleuchtung ändert und er fertigt auch den Schnitt an, indem er in seiner Erzählung bestimmte Einstellungen und Einzelheiten/Großaufnahmen beschreibt. So entsteht vor dem geistigen Auge des Zuschauers eine Szene, die das Verbrechen zeigt, ohne das darin die Akteure tatsächlich auftreten. Dies geschieht so lebhaft, dass es nicht verwundert, dass am Ende Charles Laughton das einzige Mal in diesem Film wirklich die Fassung verliert. Wobei es eine interessante Variante wäre, wenn sich die wahren Ereignisse – die dem Zuschauer vorenthalten werden – sich tatsächlich so abgespielt hätten, wie von Philip ausgesagt. Es also in Wirklichkeit keinen Mord gegeben hätte und – als eine Variation von Victor Hugos „Les Misérables“ – die hier gezeigte Fantasie des starrsinnigen Inspektors die ganze folgende Tragödie und damit auch den zweiten (?) Mord ausgelöst haben.

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Nach besagtem zweiten Mord folgt eine weitere brillante Szene, die scheinbar 30 Jahre später in der Louis-de-Funés-Komödie „Jo – Hasch mich in bin der Mörder“ nochmals neu interpretiert wurde. Philip hat einen Leichnam hinter dem Sofa versteckt. Doch seine Familie nebst Freunden kommt unerwartet zurück. Sein Sohn setzt sich mit seiner Verlobten auf das Sofa, als diese plötzlich aufschreit und behauptet, eine Hand hätte ihren Knöchel berührt. Laughtons Gesicht erstarrt in einem Lächeln und man sieht in seinem Gesicht, wie sich hinter der lächelnden Fassade gerade seinen bisheriges Leben abläuft, von dem er in diesem Augenblick Abschied nimmt. Ganz große Schauspielkunst.

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Obwohl „Unter Verdacht“ im Mittelteil einige Längen aufweist, sind es die hervorragenden Schauspieler und zwei unvergessliche Szenen, die ihn unvergesslich machen. Insbesondere Charles Laughtons ungewöhnlich zurückhaltendes und liebenswertes Spiel ist besonders hervorzuheben, da der Film ohne dieses in sich zusammenbrechen würde. Ebenfalls interessant ist das Spiel mit der Moral und die Möglichkeit, dass der Film auch zeigen könnte, wie ein redlicher Mann durch den übertriebenen Diensteifer eines Polizisten zum Mörder gemacht wurde.

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Die Bildqualität der DVD ist zwar nicht überragend, aber doch immerhin gut. Der Ton liegt in Deutsch und gut verständlichem Englisch vor. Deutsche Untertitel können eingeblendet werden. Ferner befindet sich auch eine knapp einstündige Radio-Hörspielfassung des Filmes mit auf der Scheibe, bei welchem Laughton, Raines und Ivan ihre Rollen aus dem Film wiederholen. Die DVDs der Reihe „Film Noir“ zeichnen sich in der Regel auch immer durch informative Booklets aus. Da mir hier allerdings nur die DVD an sich ohne Verpackung zur Rezension vorlag, kann ich hierzu leider keine Angaben machen.

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Radley Metzgers Meisterwerk „The Image“ in Deutschland beschlagnahmt

»The Image« gilt als einer von Radley Metzgers kontroversesten und besten Filmen. Er wählte auch hier eine literarische Vorlage als Grundlage für das Drehbuch: »L’Image« von Catherine Robbe-Grillet, erschienen unter dem Pseudonym Jean de Berg. Mit »The Image«, auch unter dem Titel »The Punishment of Anne« bekannt, drehte Metzger an Originalschauplätzen in Paris ein Meisterwerk des erotischen Filmes und eine der ernsthaftesten filmischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Sadomasochismus und sexuelle Abhängigkeit.

In schwelgerisch fotografierten Bildern sowie einer sinnlich-erlesenen Inszenierung ohne Klischees erzählt Metzger die Geschichte von Claire und deren Freundin Anne sowie des Schriftstellers Jean, deren Beziehung zwischen Obsession, wahrer Zuneigung und Selbstverachtung hin- und herpendelt. Das Filmfest Oldenburg zeigt die in Bild und Ton neu gemasterte und ungeschnittene Fassung.

So kündige das renommierte Internationale Filmfest Oldenburg letztes Jahr Radley Metzgers 1975 entstanden Film an, den es gleich für zwei Vorstellungen ins Programm genommen hatte. Radley Metzger war selber anwesend, um seinen Film – der hier zurecht als Meisterwerk des erotischen Films bezeichnet wird – in der neu gemasterten Fassung vorzustellen. Erst drei Jahre zuvor, war der amerikanische Regisseur am selben Orte Ehrengast und wurde mit einer umfangreichen Retrospektive gewürdigt.

imagebJetzt, vier Jahre später, geschah Folgendes: Metzgers Meisterwerk „The Image“ – welches bisher nur bei der amerikanischen Firma „Synapse“ auf DVD veröffentlicht wurde – wurde am 30. Januar von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, kurz BpjM, indiziert und auf ihre berüchtigte Liste B gesetzt, auf der nur Filme (Musik, Spiele, Bücher usw.) stehen, bei denen von schwerer Jugendgefährdung und der Annahme einer strafrechtlichen Relevanz ausgegangen wird. Und am 02. April beschlagnahmt das Amtsgericht Fulda die amerikanische „Synapse“-DVD. Wie das alles mit Indizierung und Beschlagnahmung funktioniert, erklärt Rajko Buchardt sehr ausführlich auf Moviepilot oder wenn man es etwas technischer mag schaut man hier mal rein.

Radley Metzgers „The Image“ verstößt angeblich gegen § 131 StGB, woraus folgt, dass er „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt.“ Nun, ich kenne den Film ebenso, wie die zahlreichen Zuschauer beim beim letztjährigen Filmfest Oldenburg. Ich kann beim allerbesten keinen der oben genannten Punkte in diesem Film sehen – es sei denn bereits das Zeigen sado-masochistischer Praktiken (die ja unter Einverständnis beider Parteien geschehen) ist bereits eine „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeit“. Dann müssten aber auch Filme wie der im selben Jahr entstandene „Die Geschichte der O“ oder „9 1/2 Wochen“ auf der Liste B landen. Mir ist auch nicht bekannt, dass in Oldenburg jemand wegen dieses Filmes in Ohnmacht gefallen oder vor lauter Empörung die Festivalsleitung angezeigt hätte.

image_2Richtig ärgerlich wird die ganze Geschichte, wenn man in einer Diskussion auf Facebook aus berufenem Munde hören muss, dass bereits eine deutsche Veröffentlichung des neu gemasterten Filmes unter Beteiligung von Radley Metzger persönlich in Vorbereitung war. Angesichts der sehr dünnen Verbreitung von Metzgers Filmen in Deutschland (immerhin ist erst kürzlich „Das lüsternde  Quartett“ bei Zweitausendeins erschienen), wäre dies nicht nur großartig gewesen, sondern hätte möglicherweise zu einer kleinen und längst überfälligen „Radley-Metzger-Renaissance“ führen können. Man ist ja Optimist. Aber das ganze Projekt war schon mit der Indizierung gestorben.

Ich finde den Fall „The Image“ traurig und absolut unverständlich. Hier wird in der Tat Kunst, die vielleicht Themen zeigt, welche für manche erzkonservative Menschen mit eingeengten Moralvorstellungen möglicherweise etwas beunruhigend wirken könnten, kurzerhand aus dem Verkehr gezogen. Keine Angst, ich verfalle nun nicht in eine dieser schier unendlichen, oftmals mit dumpfen Parolen und primitive Wortwahl geführten Tiraden, die man in diversen Foren liest, wenn man wieder ein Splatterfilm kassiert wurde. Dazu bin ich auch viel zu erschüttert von dem ganzen Vorgang.

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Originalfassungen in Bremen: 05.06.14 – 11.06.14

Mal schauen, wie lange das so weiter geht. Ich will mich auf jeden Fall nicht beschweren, denn auch in dieser Woche ist das O-Ton-Programm wieder recht reichlich und abwechslungsreich. Das Highlight ist sicherlich Richard Linklaters umjubelter „Langzeitfilm“ „Boyhood“. Was mich daran erinnert, dass Lars von Trier einst ein ganz ähnliches Projekt, wenn auch zeitlich noch viel länger, gestartet, aber nach einige Jahren wieder hingeworfen hatte.

A Million Ways to Die in the West – Cinemaxx, Do. und Sa. um 19:30 & CineStar, So., 8.10. um 20:30 – Die neue Komödie von und mit „Family Guy“-Schöpfer Seth MacFarlane, in der er einen maulheldigen Schafzüchter im Wilden Westen spielt. für optische Highlights sorgen Charlize Theron und Amanda Seyfried.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=CXxqG4aqwY4[/youtube]

Maleficent – Die dunkle Fee – Cinemaxx, So., 8.6. um 19:30 – “Dornröschen” aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

Edge of Tomorrow – Cinemaxx, Mi., 11.6. um 19:30 – Tom Cruise und Emily Blunt in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie “Starship Troopers meet Groundhog Day”. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Cinemaxx, Fr. 6.6. um 49:30 in 3D und Di., 10.6. um 19:30 in 2D – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Boyhood – Schauburg, Do.-So. und Di.-Mi. immer 20:45, sowie Mo. um 15:30 – Richard Linklaters faszinierendes und bei der Berlinale umjubeltes Langzeit-Experiment. Über 12 Jahre filmte er immer mal wieder an diesem Film, der den Weg ins Erwachsenenleben zeigt. Linklater erzählt die Geschichte eines Jungen von seinem sechsten Lebensjahr an bis zu seinem College-Eintritt mit 18 Jahren.

[youtube width=“630″ height=“340″]https://www.youtube.com/watch?v=Ys-mbHXyWX4[/youtube]

Chasing the Wind – Atlantis, So., 8.6. um 20:00 – Norwegischer Spielfilm um eine junge Frau, die zur Beerdigung ihrer Großmutter in ihre alte Heimat zurückkehrt und dort mit ihrem mürrischen Großvater, ihrem ehemaligen Freund und der Vergangenheit konfrontiert wird.

As Times Goes By in Shanghai – City 46, Do., Sa.-Mo. immer 20:00 – Doku über die älteste Jazz-Band der Welt.

Le Passé – Das Vergangene – City, Sa. um 18:00 und So./Mo. Um 20:30 – Der neue Film des iranischen Filmemachers Asgahr Farhadi, der für sein “Nader und Simin – eine Trennung” nicht nur den Goldenen Bären und den Golden Globe, sondern auch den Oscar gewonnen hat. In seinem neuen Film geht es wieder um eine getrenntes Paar und die Schwierigkeiten danach.

Träumen und Schweigen – City 46, Di./Mi. Um 20:00 – Spanisches Drama. Nach dem Tod einer ihrer Töchter, versuchen zwei Eheleute den Verlust auf unterschiedliche Weise zu verarbeiten und daran zu zerbrechen drohen.

Die Entführung – Rainbow Kids – City 46, Di., 10.6. um 20:30 – Humorvoller japanischer Krimi von 1991 um drei junge Männer, die eine alte Frau entführen, die bald das Kommando über ihre eigene Entführung übernimmt und den drei Jngs einmal zeigt, wie so etwas geht. Eintritt frei.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 09.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 09.6. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (02-06-14)

bartonfink_type2– Das japanische Festival Nippon Connection in Frankfurt ist gerade wieder zu ende gegangen und für alle, die nicht dabei sein konnte (so wie ich), gibt es einen ausführlichen Bericht von Michael Schleeh auf Negativ.

– Auf seinem eigenen Blog Schneeland schreibt er noch einmal vertieft über den dort gezeigten Film „Lesson of the Evil“ von Takashi Miike.

– Auch Christian Moises von Eskalierende Träume befasst sich mit der Nippon Connection und schreibt einen ausführlich und hochinteressanten Bericht über die Retrospektive, die in diesem Jahr dem wichtigen Vertreter der „Neuen japanischen Welle“, Kô Nakahira, gewidmet war.

– Ebenfalls bei der Nippon Connection war der Blog Schöner Denken, der seine Beiträge mit Podcasts ergänzt.

– Auf unserem Phantastival 2012 lief der sowjetische SF-Stummfilm „Aelita“ mit Musikbegleitung. Die Fassung war allerdings merkwürdig kurz und im Gegensatz zur angekündigten Zeit fehlten plötzlich fast 45 Minuten. Ich frage mich, welche Fassung Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte gesehen hat, der den Film auf seinem Blog vorstellt.

– YP und PD von Film im Dialog befassen sich diesmal mit einem spannenden Regisseur, dem Kanadier Denis Villeneuve, der gerade mit zwei Filmen, „Prisoners“ und „Enemy“, in den deutschen Kinos zu Gast war.

– filmosophie nennt den neuen Disney-Film „Maleficent“ einen Emanzen-Porno. Warum, kann man auf ihrem Blog filmosophie nachlesen. Ferner schreibt dennis über „Emma hat Flügel“ von der Hamburger Untergrund-Filmemacher-Crew „Arrogant & Radikal“, über die ich hier vor Kurzem auch berichtete, als sie Unterstützer für ihr neues Projekt suchten.

– Auf B-Roll fragt filmosophie unter ihrem bürgerlichen Namen Sophie Charlotte Rieger, ob Frauenfilme immer gleich Problemfilme sein müssen und schreibt: „Frauen machen keine „Problemfilme“, weil es ihnen im Blut liegt, sondern unter anderem deshalb, weil sich hierin ihre eigene Erfahrungswelt widerspiegelt.“

– Sträflich vernachlässigt werden ja immer die Simmel-Verfilmungen der 70er, die ja quasi die legitimen Nachfolger der Wallace- und May-Reihen der 60er sind. Immerhin brachte es diese Reihe auch auf neun Verfilmungen, die fast ausschließlich von Meisterregisseur Alfred Vohrer gedreht wurden. Udo Rotenberg stellt mit „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, den auf Grün ist die Heide den ersten Film dieser Serie vor.

– Und auf seinem Blog L’amore in cittá analysiert er einen meiner Lieblingsfilme: Lucio Fulcis „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“, den er auf dem 1. Italienischen Genre-Festival in Nürnberg gesehen hatte.

– Auf Hard Sensations schreibt Jamal Tuschick über „Nymphomaniac Vol. 2“ oder vielmehr fiktionalisiert seinen Kinobesuch.

– Wo gerade die neue Big-Budget-US-Variante in den Kino läuft, ist es auch schön, mal wieder an den ersten „Godzilla“ von 1954 zu erinnern, wie es Robin Schröder auf Mise en cinéma tut. http://miseencinema.wordpress.com/2014/05/27/godzilla/

Movies & Sports stellt den Filmpodcast „Die Flimmerfreunde“ vor. http://negativespace.blogger.de/stories/2407243/

– Ich muss Oliver Nöding echt bewundert. Gerade das zweite Mal Vater geworden und trotzdem schreibt er auf Remember It For Later eine Filmbesprechung nach der anderen. Sein Geheimnis, wie er das schafft, möchte ich mal kennen. U.a. dabei: Der vorerst letzte Teil der „Kommissar X“-Reihe: „Drei goldene Schlangen“. Der wirklich letzte Teil „.. jagt die roten Tiger“ ist ja leider bisher nicht in Deutschland erhältlich – kommt aber scheinbar bald von „Filmjuwelen“.

– Wie heißt der Film, bei dem Bruce Dern seine Diana Ladd kennenlernte und sie kurz darauf ihre Tochter Laura Dern zeugten? Natürlich :“Die wilden Engel“ – nomen est omen. Totalschaden bespricht diesen Rockerfilm-Prototyp, der Hauptdarsteller Peter Fonda auf die Idee zu „Easy Rider“ brachte auf Splattertrash. Ferner: Argentos „Die neunschwänzige Katze“.

– Zeit für Experimentalfilme. „ERE ERERA BALEIBU IZIK SUBUA ARUAREN… ist ein abstrakter Film, den Sistiaga direkt, also ohne Kamera, auf 35mm-Film malte“, schreibt Manfred Polak auf Whoknows presents, wo er den obengenannten Film vorstellt, aber auch sehr viel lesenswertes über den Künstler José Antonio Sistiaga schreibt.

Nischenkino schreibt über Claude Sautets „Die Dinge des Lebens“ mit Romy Schneider und Michele Piccoli, er sei „Grandios, Berührend, exzellent gespielt mit einer emotional ergreifenden Melancholie…“.

– „Es gibt ja so Filme, von denen man vorher weiß, dass sie kitschig, vorhersehbar und dermaßen simpel erzählt sind, dass sogar noch Taub-Blinde alles kapieren. Aaaaber in ihrem Bombast bewegen sie etwas, eben dieses seltsame Ding im Brustkorb, das manche Herz nennen. Ich nenne so rare Meisterwerke Empathie-Pornos, weil sie die höchste Kunst repräsentieren, indem sie sogar den Zyniker noch begeistern.“ Das schreibt Reda auf Der breite Grad in Bezug auf den japanischen Film „Season of Snow“, den er am Ende noch mit der Schulnote 1 belohnt.

– Oliver Armknecht fährt auf film-rezensionen.de mit seinem Animations-Special fort und stellt den Anime „Tekkonkinkreet“ vor. Den habe ich einst auf dem Japanischen Filmfest in Hamburg gesehen und fand ihn ganz fürchterlich. Nach Olivers Besprechung sollte ich mich vielleicht mal an eine Zweitsichtung wagen. Des weiteren: Der mexikanische Horrorfilm „Here Comes the Devil“, den wir letztes Jahr für das Phantastival in Betracht gezogen hatten und der auch noch auf meiner Liste steht.

– Auch Komm und sieh stellt einen Anime vor: Hayao Miyazakis letzten Film „Wie der Wind sich hebt“, der am 17.7. in die Kinos kommt. Auch Shion Sonos Neuer, „Why Don’t You Play in Hell“ wird besprochen.

– Als Kinder hatten wir in der Grundschule einen Helden: Jimmy Bondi (Mr. Zehetgruber himself), den „kleinen Bruder von James Bond“, und sein Wunderauto Dudu. Schlombie hat den ersten Film der Dudu-Reihe wohl zu spät im Leben gesehen, um ihn noch lustig zu finden. Entsprechend der Verriss auf Schlombies Filmbesprechungen. Und es gibt eine weitere Folge der „Besprechungen der Anderen“.

Going to the movies entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen Jan de Bonts „Speed“ und Henri-Georges Clouzots Meisterwerk (und einer meiner meiner All-time favorites) „Lohn der Angst“.

Tonight is gonna be a large one empfiehlt das Buch „Cabinet of Curiosities: My Notebooks, Collections, and Other Obsessions“ von Guillermo del Toro, in dem dieser seine Notizbücher, die er meist projektübergreifend führt, veröffentlicht hat.

Deep Red Radio fragt sich, ob der amerikanische Amateuer-Horrorfilm „Resolution – Cabin of Death“ tatsächlich solch eine Perle ist, wie das Cover behauptet. Die Antwort: Ja, der Film ist durchaus empfehlenswert, nur die deutsche DVD ist zum Weglaufen.

– Nachdem in der letzten Woche Alexander Matzkeit den belgischen Animations-Regisseur für real virtuality interviewt hat, ist jetzt sein Kollege Gerold Marks für Digitale Leinwand dran. Eine schöne Ergänzung.

– Zum Schluss: Lukas Foerster erinnert auf Dirty Laundry kurz an den DEFA-Film „Für die Liebe noch zu mager“.

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