DVD-Rezension: „Police Story: Back For Law“

policestorybackDer Polizeibeamte Zhong Wen (Jackie Chan) trifft in der Wu Bar seine Tochter Miao (Jing Tian), die ihm nicht verzeihen kann, dass er in ihrer Kindheit nie für sie da war und auch beim Tod der Mutter aufgrund eines Einsatzes zu spät kam. Sie offenbart ihm, das sie nun mit dem Besitzer der Bar, Wu Jiang (Liu Ye), zusammen ist. Enttäuscht will Zhong Wen die Bar verlassen, als diese überfallen und er selber niedergeschlagen wird. Als er erwacht ist er an einen Stuhl gefesselt und muss erkennen, dass Wu Jiang selbst hinter dem Überfall steckt. Dieser hält seine Gäste als Geiseln und verlangt von der Polizei den Häftling Wei Xiaofu herbeizuschaffen, sonst würde er die Geiseln töten. Zhong Wen gelingt es sich zu befreien und er setzt alles daran, die Geiseln zu retten…

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Jackie Chan wird bei mir immer einen großen Stein im Brett haben. Mit ihm begann Anfang der 90er meine Leidenschaft für das asiatische Kino. Zuvor hatte ich dieses aus denselben störrisch-ignoranten Gründen abgelehnt, wie sie mir später selber, beim Versuch der Missionierung meines Freundeskreises, entgegen gebracht wurden. Auslöser zu allem war aber ein amerikanischer Film, „Rapid Fire“ mit Bruce Lees Sohn Brandon. Hatte mein Videokonsum zuvor aus Horror und Männern mit dicken Wummen bestanden, sah ich das erste Mal Kampfkunst und halsbrecherische Aktionen in höchster ästhetischer Vollendung. Als ich mit offenem Mund da saß und wie hypnotisiert auf das starrte, was ich da auf dem Bildschirm erleben durfte, meinte mein Freund, der mir den Film empfohlen hatte, dann sollte ich erst einmal einen Jackie-Chan-Film anschauen. Gesagt, getan. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich möchte gerne, dass „Police Story“ mein erster Jackie-Chan-Film war. Denn das große Finale übertraf alles, was ich bisher unter dem Terminus „Actionfilm“ verbucht hatte. Eine solche Erleuchtung hatte ich dann erst wieder viele, viele Jahre später, als ich „Ong-bak“ sah, der mich zwar mit ähnlich großen Augen zurückließ – filmisch aber weit hinter Jackie Chans Output hinterher hinkt.

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Danach versuchte ich erst einmal alles zu schauen, was die Videotheken in Bremen an Jackie-Chan-Filmen hergaben. Vor dort aus sprang der Funken dann auf John Woo und Heroic Bloodshed und von dort – kein weiter Weg – auf die Shaw-Brothers-Klassiker von Chang Che über. Keine Hongkong Genre-Produktion von den 60ern bis zu den 90ern war mehr vor mir sicher. Einmal bekam ich sogar das Angebot an einem „Hongkong-Filmlexikon“ mitzuarbeiten, das im Verlag der „Hölle auf Erden“-Macher erscheinen sollte – woraus aber nie etwas wurde. Nach Hongkong war dann Japan dran, dann Südkorea. Es musste auch nicht immer Genre sein, asiatische Dramen und Arthouse fanden ebenso seinen Weg in mein Herz. Doch dann wurde die Liebe etwas kühler. Was nicht daran lag, dass der Output aus Asien schlechter geworden wäre, vielmehr hielten mich meine mittlerweile vielzähligen anderen filmische Interessen auf Trab.

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Jackie Chan behielt ich zunächst weiterhin im Auge. Ja, legte mir sogar seine Autobiographie zu. Sein Ticket nach Amerika, der Best-of-Jackie-Mix „Rumble in the Bronx“, bekam eine deutsche Kinoauswertung und ich schaffte es – zumindest für die Dauer eines Abends – einige „Ungläubige“ zu konvertieren. Selbst „Rush Hour“ schaute ich noch im Kino. Doch dann erlahmte das Interesse. Filme wie „The Tuxedo – Gefahr im Anzug“ verrieten alles, wofür Jackie stand. Hier wurden seine unglaublichen akrobatischen Fähigkeiten plötzlich einem technischen Gadget zugeschrieben. „Shangahi Noon“ war nette, aber nichtssagende Unterhaltung, die weit unter dem rangierte, was er in Hongkong produziert hatte. Aus Hongkong kamen aber weiterhin noch einige Kracher und man konnte als Faustregel sagen: Hongkong hui – Hollywood pfui. Aber auch dort nahm die Anzahl der „echten“ Jackie-Chan-Filme ab. Er wurde ja auch nicht jünger und seine Markenzeichen – die selbst ausgeführten Stunts und brillant choreographierten Kämpfe – sind nun einmal nicht bis in alle Ewigkeit machbar. Darum versuchte er sich immer öfter an ernsthaften Rollen und produzierte auch Werke, die den neuen Herrscher in Hongkong – die Volksrepublik China – verherrlichten. Spätestens hier stieg ich dann aus, und bis auf den bis dahin letzten Film, der den Namen „Police Story“ trug – „New Police Story“ von 2004 – verlor ich Jackie Chan ganz aus den Augen. Auch seinen dritten Eintrag in die ebenfalls erfolgreiche Abenteuerserie um den Schatzjäger „Asian Hawk“ , „Chinese Zodic“ ließ ich nach einer vernichtenden Kritik von Martin Beck – der allerdings schon zu „Splatting Image“-Zeiten nicht gut auf den „Clownprince of Hongkong“ zu sprechen war – ebenfalls aus.

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Nun führte der mittlerweile sechste „Police Story“-Film Jackie und mich – beide deutlich gealtert – wieder zusammen. Um es gleich vorweg zu nehmen. Mit den ersten vier „Police Story“-Filmen hat dieser neue Teil, der den Titel „Police Story: Back for Law“ trägt, nichts gemeinsam. Vielmehr orientiert er sich an dem Vorgänger „New Police Story“, der ebenfalls ernsthaft-grimmig und ein wenig tragisch daher kam. Bereits das erste Bild setzt den Ton. Jackie Chan hält sich eine Pistole an den Kopf und drückt ab. Wie es dazu kam, erzählt der Film in einer langen Rückblende, die immer wieder durch weitere Rückblenden zerstückelt wird. Doch dazu später mehr. Jackie Chan ist mittlerweile 60 Jahre alt und das sieht man ihm langsam auch an. Von daher ist es ein kluger Entschluss, seinen früheren, kindlich-fröhlichen Charakter nicht weiterzuführen, und sich stattdessen in ernsten Rollen zu versuchen. Dies gelingt ihm auch ganz gut, da das Alter und sein stoisches Auftreten ihm eine gewisse Würde verleihen.

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Dass Jackie Chan trotzdem immer noch für Stunts herhalten muss, mag seine Fans vielleicht erfreuen, doch es verändert den Stil seiner Filme dramatisch. Konnte man früher sicher sein the real thing zu sehen, so nutzt Chan nun ganz offensichtlich Hilfe vom Computer und Filmschnitt. Letzterer lässt „Police Story: Back for Law“ zu einer leicht frustrierenden Angelegenheit werden, denn der rasante Schnitt gönnt jeder Einstellung nur einige Sekunden, um selbst die Dialogszenen wie Actionszenen zu beschleunigen. Viel schlimmer ist allerdings, dass der Schnitt die Kämpfe förmlich zerhäckselt. Von den atemberaubenden moves früher Filme ist nichts mehr übrig. Mit blitzschnellen Schnitten wird nun kaschiert, dass Jackie Chan mittlerweile das Alter erreicht hat, wo seine frühere Geschwindigkeit nicht mehr möglich ist. Und obwohl der Film im Grunde als eine Kammerspiel und Psychoduell angelegt ist, wird trotzdem ständig die Actionkarte gezogen. Jeder Dialog muss mit Rückblenden illustriert werden, die dann natürlich Jackie in Aktion oder minutenlang die Kämpfe, die der Antagonist einst in Thailand bestehen musste, zeigen. Erzählerisch bringen diese Rückblenden aber keinen Mehrgewinn, sondern stören eher den Fluss. Gleiches gilt für Vorblenden, die – dies ist scheinbar bei den „Sherlock Holmes“-Filmen von Guy Ritchie abgeschaut – mögliche Ausgänge einer Kampfsituation bebildern.

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Obwohl die Geschichte durchaus spannend ist, ärgeren einen doch einige Ungereimtheiten im Drehbuch. Auch scheint die Rache des Antagonisten ein wenig überdimensioniert. Hier glaubt man sich fast schon in „Oldboy“ versetzt. Selbst wenn man einmal die Frage, wofür der Böse das Geld hat, um solch eine groß angelegte Aktion über Jahre vorzubereiten, so bleiben noch genug andere Frage offen. Allen voran, ob er das Ganze nicht auch etwas einfacher hätte haben können. Liu Ye gibt den nach Rache durstenden Wu Jiang in einer eleganten Mischung aus Gentleman-Terrorist und gequälte Seele und macht seine Sache dabei sehr gut. Auch Jing Tian als Jackie Chans Tochter weiß zu gefallen. Jackie Chan passt ebenfalls sehr gut in seine Rolle, nur hätte der Drehbuchautor ihm vielleicht eine edle und selbstlose Tat weniger ins Drehbuch schreiben können. Alles in allem gelingt es dem Film, trotz aller Schwächen, über die volle Laufzeit routiniert zu unterhalten und Jackie Chan ein würdigen sechsten „Police Story“-Auftritt zu garantieren. Nur mit dem mittlerweile 30 Jahren alten, furiosen ersten Teil der Saga, sollte man ihn nicht vergleichen. Bis auf den Namen und den Hauptdarsteller gibt es hier keinerlei Gemeinsamkeiten.

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Der mittlerweile 60-jährige Jackie Chan hat sich mit der Hauptrolle in „Police Story: Back for Law“ eine Figur ausgesucht, die seinem Alter angemessen ist und ihm auch keine übermäßigen schauspielerischen Fähigkeiten abverlangt. Dass er mit 60 Jahren trotzdem wieder in zahlreichen Actionszenen seine Knochen hinhalten muss, führt zu hektischen Schnitten und computergenerierter Unterstützung, was sein Alter kaschieren soll. Zudem stören unnötigen Spielereien mit Rück- und Vorblenden den filmischen Fluss. Trotzdem gelingt es dem – nicht immer ganz logischen – Film den Zuschauer über seine vollen 106 Minuten anspruchslos zu unterhalten. Ein meisterhaftes Alterswerk sollte man allerdings nicht erwarten.

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Das Bild der Splendid-DVD gibt wieder einmal kein Anlass, sich zu beschweren. Auch der Ton ist voll und dynamisch. Als Extras gibt es ein kurzes, aber nicht komplett uninteressantes Making Of“ von gerade einmal 5 Minuten. Ein weiteres Extra heißt „The Director’s Vision“ (4 Minuten) und enthält vor allem kurze Interview-Schnippsel. Weitere Interviews mit den drei Hauptdarstellern machen noch einmal 16 Minuten aus.

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Originalfassungen in Bremen: 18.09.14 – 24.09.14

Bis auf „Sin City 2“, gibt es nicht viel Neues in dieser Woche zu berichten. Und gerade diese – von vielen schon lange herbeigesehnte – Fortsetzung, scheint es den Fans des ersten Teils gar nicht leicht zu machen.

Sin City 2: A Dame to Kill For (3D) – Cinemaxx, Do./Sa./Di. Immer 19:30 & CineStar, So., 21.9. um 20:00 – Nach sieben Jahren nun die lange angekündigte Fortsetzung der damals sensationellen Comic-Verfilmung von Robert Rodriguez und Frank Miller, welcher auch die Comic-Vorlage lieferte. Beide sind nun wieder am Start, zusammen mit einigen bekannten Gesichtern aus dem ersten Teil. Wenn nur die Kritiken besser wären. Aber jeder scheint von dem Sequel enttäuscht zu sein – nur in femme fatale Eva Green sind alle verliebt.

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Guardians of the Galaxy – Cinemaxx, Fr., 19.9. um 21:30 – Marvel-Comic-Verfilmung. Die „Guardians“ kenne ich gar nicht, obwohl ich lange Jahre großer “Marvel”-Fan war und das Marvel-Universum regelmäßig verfolgt habe. Der Trailer haut mich jetzt nicht vom Hocker, die bisherigen Besprechungen allerdings schon. Scheint zu rocken, das Ding.

Lucy – Cinemaxx, Sa., 20.9. um 16:45 – Luc Bessons neuster Action-Streich. Mit einer hyperintelligenten Scarlett Johansson, die ihre durch eine Droge versehentlich verzehnfachten geistigen Fähigkeiten plötzlich zur Superheldin mit Superkräften wird.

A Most Wanted Man – Cinemaxx, So., 21.9. um 19:30 & Schauburg, So. um 21:30 und Mi., 24.9. um 19:15  – Der letzte Film mit dem kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman in der Hauptrolle. In Hamburg spielender, britischer Agenten-Thriller-Drama-Mix nach einer Vorlage von Bestsellerautor John Le Carré. Von dem Meisterfotograf und legendärem Videoregisseur Anton Corbijn. Ferner mit Rachel McAdams und Willem Dafoe.

Istanbul United – Cinespace, Do.-Mi. Immer 22:45 – Doku über die Ultra-Fans der drei wichtigsten Fußballclubs in Istanbul (Galatasaray, Fenerbahçe und Besiktas), die – obwohl Todfeinde – sich im Sommer 2013 während der Proteste gegen die türkische Regierung und Premierminister Erdogan im Gezi-Park zusammenschlossen.

Camera Obscura – City 46, Sa./So. jeweils 20:00 – Spanischer Spielfilm von 2013 um ein blindes, 13-jähriges Mädchen, welches von einem Cousin ihres Vaters das Photographieren beigebracht bekommt.

63 Jahre später – City 46, So., 21.9. um 17:30 – Südkoreanische Doku über fünf beispielhafte Schicksale von Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs in Asien und der Pazifikregion durch die japanischen Streitkräfte sexuell versklavt wurden.

Slumdog Millionär – City 46, So., 21.9. um 20:30 – Oscar-prämierter und sehr erfolgreicher Film von Danny Boyle. Viele lieben diesen Film, mich liess er damals ziemlich kalt. Wer meine alte Kritik lesen möchte, findet sie hier.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 22.9. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 22.9. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi, den 24.9. um 21:0

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Das Bloggen der Anderen (15-09-14)

bartonfink_type2– Fast hätte es diese Ausgabe gar nicht gegeben, denn ich habe mich am Wochenende im Oldenburg auf dem 21. Internationalen Filmfest herumgetrieben. Jetzt wollte ich eigentlich erst einmal meine Gedanken sortieren und meinen Festivalbericht schreiben. Aber dann habe ich mich doch wieder hingesetzt, um„Das Bloggen der Anderen“ in Angriff zu nehmen. Christian Gertz von mehrfilm.de war auch in Oldenburg und berichtet schon mal über den ersten Tag, den ich gar nicht mitbekommen habe, da ich erst am Freitag ins Festivalgeschehen eingestiegen bin.

– Es hat mich sehr gewundert, dass es in den Blogs keinen Nachruf auf Joachim Fuchsberger gab. Immerhin hat Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide, aber ein unbekannteres Werk mit Fuchsberger besprochen, „Die feuerrote Baroness“ von Rudolf Jugert, in dem Blacky den Übergang vom romantischen Liebhaber zum harten Krimihelden probt. Desweiteren schreibt Udo über „Der Griller“, einen Film des New Yorker Autorenfilmers George Moorse, der ab Mitte der 60er ausschließlich in Deutschland arbeitete und im „Griller“ 1968 den jungen Rolf Zacher mit der Titelrolle betraute.

– Und auf seinem dem italienischen Film gewidmeten Blog L’amore in città widmet er sich eines Filmes, der in meinem Herzen einen besonderen Platz hat: „The Riffs – Die Gewalt sind wir“, den wir – zusammen mit dem zweiten Teil – 2012 auf dem 3. öffentlichen Deliria-Italiano-Forentreffen in Bremen von 35mm gezeigt haben.

– Auf Deep Red Radio beschließt david mit dem zweiten Teil seine präzise „Eis am Stil“-Gesamtbetrachtung, die dann doch recht ernüchternd war.  Benedikt Wilken schreibt über John Badhams ’79er „Dracula“-Fassung, die ich auch unbedingt noch sehen muss. Immerhin war meine Ausgabe von Bram Stokers Roman damals quasi „das Buch zum Film“, was heißt, dass es viele Standfotos aus Badhams Film enthielt.  Und schließlich setzt sich loonen kritisch mit Erwin C. Dietrichs „Rolls Royce Baby“ auseinander. Meine Kritik gibt es übrigens hier.

– Sven Safarow stellt auf Eskalierende Träume einen weiteren der „100 deutschen Lieblingsfilme“ vor: Ulli Lommels „Wachtmeister Rahn“ von 1974. Laut Filmplakat „Ein Action-Thriller über den Alltag der Polizei“.

– Alex Klotz hat den südkoreanischen Spielfilm „The Divine Move“ gesehen und schreibt auf Hard Sensations: „Neben einem Sammelsurium sympathischer Underdog-Figuren wie dem blinden Go-Meister “Drinking Jesus” und einem Armamputierten Hersteller von Gadgets stimmt vor allem die Verteilung von rasanten Actionszenen und wenig zimperlichen Gewaltspitzen.“ Klingt doch gut.

– Auf seinem eigenen Blog hypnosemaschinen ist Alex auch immer wieder für eine hochspannende Ausgrabung gut. Doch diesmal beschäftigt er sich mit zwei Filmen, die derzeit in aller Munde sind: „Under the Skin“ und „The Strange Color of Your Body’s Tears“, die beide auch gerade beim Fantasy Filmfest laufen.

Yzordderrexxiii berichtet von einem durchwachsenen Fantasy Filmfest, auf dem ihm aber immerhin zwei Filme ziemlich begeistert haben.

Schlombies Filmbesprechungen bringt eine neue Ausgabe seiner Reihe „Die Besprechungen der Anderen“.

– Auf Jugend ohne Film sind auch in dieser Woche viele schöne Artikel erscheinen, die ich hier gar nicht alle aufführen kann. Deshalb beschränke ich mich bei meinen Empfehlungen auf den Liebesbrief, den Patrick Holzapfel an Julianne Moore geschrieben hat, Rainer Kienböcks Besprechung eines meiner Lieblingsfilme, „Quadrophenia“, der wiederum auf einer meiner absoluten Lieblingsplatten (die ich mindestens einmal im Jahr hören muss) beruht und auf Andrey Arnolds wütenden Verriss von „A Most Wanted Man“. Empfehle aber jedem, noch selber etwas auf der Seite herumzuschnüffeln.

– Viele interessante Artikel gibt es auch wieder auf B-Roll. So hat Lucas Barwenczik ein Portrait von David Cronenberg verfasst, in welchem er auch speziell auf dessen Werbe-Clips u.a. für Nike) eingeht.  Patrick Heidmann berichtet vom Filmfestival in Toronto.  Beatrice Behn schreibt sarkastisch über „Feel Good Movies“ und empfiehlt das Buch „Explizit! Neue Perspektiven zu Pornografie und Gesellschaft“.

– Letzteres wird auch von Sven Jachmann auf filmgazette besprochen, wobei aber nicht ganz herauskommt, was er nun konkret von dem Buch „Explizit! Neue Perspektiven zu Pornografie und Gesellschaft“ hält. Das Thema findet er jedenfalls sehr interessant und führt seine Meinung hierzu auch näher aus. Ebenfalls auf filmgazette schreibt Nicolai Bühnemann ausführlich über Peter Kern und die ihm gewidmete Veranstaltung „Schauplatz Körper: Tribute to Peter Kern“, die im August im Berliner Arsenal Kino lief.

– Auf Dirty Laundry beschäftigt sich Lukas Foerster näher mit Christian Petzold. Zunächst widmet er sich dessen TV-Frühwerk „Cuba Libre“, dann schreibt er über J. Lee Thompsons 1965 entstandenen Film „Return from the ashes“, einer Verfilmung der selben Vorlage, die für Petzolds neuem Film „Phoenix“ verwendete.

– Auch Oliver Nöding war wieder sehr produktiv. Aus den zahlreichen Reviews, die er letzte Woche auf Remember It for Later veröffentlichte, möchte ich nur zwei heraus greifen: Die sehr zutreffende Analyse von Bruce Lees „Die Rückkehr der Todeskralle“ und seine Verteidigung des Renny-Harlin-Films „The Legend of Hercules“.

– Welches ist Jack Ketchums liebster Horrorfilm? Screenread weiß es. Ebenso, wie welcher verloren geglaubter Ed-Wood-Film wieder aufgetaucht ist.

– Malina schwärmt auf Stubenhockerei „mädchenhaft“ von Dore O.s experimentellen Kurzfilm „Alaska“ von 1968. Und da der Film auf YouTube zu finden ist, kann man sich auch gleich selber ein Bild machen.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über den mir bisher vollkommen unbekannten, 24-jährigen kanadischen Filmemacher Xavier Dolan und dessen neuen Film „“Tom à la ferme”.

– Dennis Vetter schreibt auf Negativ über den Film „Heli“ von Amat Escalante: „Gewalt und Tod überschatten alle Geschehnisse ab dem ersten Bild. Wenn man doch wagt zu hoffen, wie es im Film nur Kinder tun, löst sich bald ein, was man befürchtet oder verdrängt hat. Es wird grausam und unmenschlich, traurig, deprimierend, zermürbend.“

– Ein ungewöhnliches und beeindruckendes Seherlebnis scheint der Animationsfilm „The Old Man and the Sea“ von  Alexander Petrov zu versprechen, den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de vorstellt.

– Sascha Nolte hat auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte die japanische Manga-Real-Verfilmung „Sukeban deka“, über einen „Girl Cop in Schuluniform“ mit tödlichem Jo-Jo, gesehen, der u.a. eine sehr erfolgreiche TV-Serie voran ging. Das gehört scheinbar alles zusammen zum 1×1 der japanischen Pop-Kultur.

– Last but not least: Sebastian Schubert stellt auf Das Magazin des Glücks drei Filme von Henry Cornelius vor. Einem Sohn deutsch-jüdischer Eltern. 1913 in Südafrika geboren, Schüler von Max Reinhardt in Berlin, über Paris nach England emigriert und dann für die Ealing Studios als Regisseur tätig, bevor er nach nur fünf Filmen viel zu früh starb. Außerdem bespricht er Cronenbergs „Maps to the Stars“, der ihn an Billy Wilders „Feodora“ erinnert.

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Blu-ray-Rezension: “Töte, Django“

djangoNach einem gemeinsamen Überfall wird eine Bande mexikanischer Banditen von ihren amerikanischen Partnern, die von Oaks (Piero Lulli) angeführt werden, exekutiert. Doch der Anführer der Mexikaner (Tomas Milian, im Original ein namenloser Fremder, in der internationalen Werbung „Django“ getauft) überlebt das Massaker und wird von zwei Indios gepflegt. Er folgt Oaks und seiner Bande in die Stadt „Unhappy Place“, wo diese bereits von den Einwohnern aufgehängt wurden. Nur Oaks kämpft noch um sein Leben, wird aber von Django tödlich verwundet. Django beschließt in der Stadt zu bleiben und wird bald Zeuge, wie die Bewohner der Stadt, allen voran der Barbesitzer Templer (Milo Quesada) und der Kaufmann Hagerman (Francisco Sanz), sowie der Großgrundbesitzer Zorro (Roberto Camardiel) mit seiner Armee hübscher, in schwarzes Leder gewandeten Leibwächter, versuchen an das Gold aus dem Überfall zu kommen, welches Oasks Bande in die Stadt gebracht hat und das seitdem verschwunden ist…

Töte, Django“ wird allgemein dem Genre des Italo-Western zugeschlagen. Und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass der Film alle Ingredienzien besitzt, die zu einer zünftigen Italo-Western-Suppe gehören. Eine Rachegeschichte, die Gier nach Gold, schöne Frauen, harte Kerle. Es wird auch viel geschossen in diesem Film. Doch was Spielfilmdebütant Giulio Questi aus einem scheinbar simplen Genrefilm geschaffen hat, sprengt die Grenzen des Genres und verwandelt „Töte, Django“ in einen surrealen Trip ins Purgatorium.

Questi ist einer der interessantesten Regisseure des italienischen Films, und es ist sehr schade, dass sein merkwürdiges, und sehr spezielles, Ouevre lediglich drei Spielfilme umfasst. Sein nächster Film „Die Falle“ gehört zum Genre des Giallo, aber ebenso, wie sich „Töte, Django“ nicht in die Schublade des Western pressen lasen will, sperrt sich die „Die Falle“ gegen eine eindeutige Charakterisierung, ist gleichzeitig Science Fiction und Farce. Nachdem Questi mit seinem dritten – dem Vernehmen nach ebenfalls überaus seltsamen – Spielfilm „Arcana“ dem Kino den Rücken kehrte, inszenierte er noch bis 1994 zahlreiche Kurzfilme und arbeitete für das Fernsehen.

„Töte, Django“ ist die Beschreibung einer Fahrt in die Hölle. Questi nimmt dabei Anleihen bei Experimentalfilm (insbesondere in der Montage der Flashbacks) und des surrealistischen Films. Tatsächlich nimmt er ähnliche Hybride vorweg. Filme wie Cesare Canevaris „Willkommen in der Hölle“ – mit dem er die albtraumhafte, hoffnungslose Stimmung teilt – und das surreale Meisterwerk „El Topo“, dessen korrupt-inhumane Westernstadt und das blutrünstige Finale von „Töte, Django“ inspiriert sein könnten. Questi findet Bilder, die direkt aus einer bedrückenden Traumwelt stammen könnten. Gleich zu Beginn kämpft sich ein geschundener Körper aus einem Massengrab. In der Stadt werden Kinder gequält oder spucken sich gegenseitig ins Gesicht. Hinter den Scheiben der Häuser nimmt man geduckte Schemen wahr. Die Stadt „Unhappy Place“ ist das Fegefeuer, durch das alle Figuren gehen müssen.Auch der von Tomas Milian gespielte Fremde, der hier nach seiner Wiederauferstehung weniger als Racheengel, als vielmehr an der Grausamkeit der Welt verzweifelnder Messias auftritt. Diese christliche Implikation wird auch visualisiert, wenn er in einer Gefängniszelle an ein Kreuz gebunden wird.

Der Fremde schaut verständnislos auf die Niedertracht und Schlechtigkeit seiner Mitmenschen. Tatsächlich gibt es kaum eine positive Gestalt in diesem Film. Die ganze Atmosphäre vibriert vor Heuchelei, Gier, Egoismus und Bosheit. Die Bösen werden von Menschen gerichtet, die sich selbst als rechtschaffend ausgeben, aber tatsächlich kein Deut besser sind als die Banditen. Ja, sie sind noch schlimmer als diese. Denn während die Banditen sich als genau das geben, was sie sind (skrupellose Mörder und Diebe), verstecken sich die ehrenwerte Bürgen hinter edlen Werte, die sie selber hinter verschlossenen Türen mit Füssen treten.

Die treibenden Kräfte in der Stadt sind dabei der Kapitalismus (Templer, der Inhaber der Bar) und der Glaube. Letzterer repräsentiert durch den Händler Hagerman, der zwar stetig das Wort des Herren und andere moralisch einwandfreie Gesinnungen im Mund führt, tatsächlich aber beim Anblick des Goldes zu sabbern anfängt, und seine eigene Tochter gefangenhält. Diesen beiden Institutionen, die vorgeben nur das Beste für die Allgemeinheit zu wollen, sich in Wahrheit jedoch nur selbst die Taschen vollstopfen, hält Questi einen Spiegel vor das Gesicht und entlarvt sie als das, was sie sind: Bigotte Schurken, die sich die Maske des edlen Menschen vors Gesicht halten, dahinter aber nur das gierige Monster verbergen. Und während die Beiden versuchen, sich ihre Vorteile zu erschleichen, steht der Großgrundbesitzer Zorro für den Staat, der mit seiner Armee/Polizei, sein großes Stück vom Kuchen einfordert. Doch treibt er, der Staat, es zu weit, droht ihm der Aufstand durch das Bürgertum, welches nicht für eine bessere Welt, sondern allein für seine eigene egoistischen Ziele kämpft.

Der von Tomas Milian dargestellt Fremde wandelt durch diese zutiefst nihilistische und grausame Welt. Seine Versuche ein Gleichgewicht herzustellen und die guten Seelen zu retten, müssen in dieser Vorhölle erfolglos bleiben. Der junge Evans, der die Unschuld der Jugend darstellt, wird von dem Vater betrogen und den Männer Zorros missbraucht. Er entschließt sich zum Selbstmord, den der Fremde nicht verhindern kann. Eine junge Frau, die die Liebe in diese finstere Welt bringt, muss elendig verbrennen. Selbst die Kinder bieten keine Hoffnung mehr, wenn im letzten Bild zwei Kinder „Folter“ spielen und das Mädchen den Jungen anbrüllt:“Schreien musst Du! Schreien!“.

Neben dem noch jungen Milian, der hier fernab seiner späteren, bis zum Anschlag aufgedrehten Clownerien mit einer stoischen Ruhe und einer resignierten Melancholie agiert, gibt es ein Wiedersehen mit Piero Lulli, der in zahlreichen Italo-Western den eleganten und intriganten Schurken gab. Auch hier ist sein Auftritt zunächst von der, für ihn typischen, selbstsicheren Arroganz und Gewissenlosigkeit geprägt. Dadurch wirkt seine Begegnung mit den Stadtbewohnern, die ihn an gieriger Grausamkeit noch überbieten, noch stärker und beängstigender. Auch Milo Quesada als Barbesitzer und vor allem Francisco Sanz als bigotter, vor Gier fast wahnsinniger Ladenbesitzer, wissen zu überzeugen. Nur Marilù Tolo bleibt blass. Zwar hat sie eine überaus dankbare Rolle als intrigantes Luder mit Lady McBeth-Attitüde, aber wirklich im Gedächtnis bleibt sie nicht. Dafür wird man sich an den damals gerade 16-jährigen Ray Lovelock in seiner ersten Filmrolle erinnern, dessen zartes, engelsgleiches Wesen in hartem Kontrast zu den Demütigungen steht, die er sogar noch als Leiche ertragen muss.

Kameramann Franco Delli Colli hält diesen Albtraum in ebenso ästhetischen, wie grausamen Bildern fest, die man so leicht nicht vergisst. Zudem verleiht er dem Film eine traumähnliche Stimmung und gestaltet den Film so, dass man sich an die visuell innovativen Horrorfilme der 70er Jahre erinnert fühlt. Tatsächlich fotografierte Delli Collie später sowohl den Polischetti/Giallo-Crossover „Der Tod trägt schwarzes Leder“ und Pupi Avtis unheimlichen „Zeder“, als auch Bruno Matteis Billig-Produktion „The Riffs 3 – Die Ratten von Manhatten“. Dem brutalen, visuellem Reichtum steht eine Filmmusik gegenüber, die einerseits mit typischen Elementen eines Italo-Western-Soundtracks spielt, diese aber auch immer wieder durch schräge, experimentelle Klänge bricht.

Für Freunde eines wagemutigen, den Konventionen widersprechenden Kinos ist „Töte, Django“ ein Muss. Um so schöner, dass filmArt den Film nun in einer edlen Blu-ray-Edition veröffentlicht hat. Das in HD-remasterte Bild ist umwerfend schön und der Film erstrahlt in dem Glanz, der ihm angemessen ist. Der Ton liegt auf Deutsch und Italienisch in Stereo und in Englisch in einer Mono-Version vor. Szenen, die in der deutschen Kinofassung geschnitten waren, liegen auf Italienisch mit Untertiteln vor. Extras beinhalten die alte deutsche Kinofassung, die 3,5 Minuten kürzer ist. Hier wurden die deutschen Titel scheinbar von einer alten Kinorolle übernommen, während mir der Rest mit der ungekürzten HD-Fassung identisch scheint. Hier hätte ich mir allerdings aus Nostalgiegründen den ganzen Film im „Kinolook“ gewünscht. Leider wurden für die Extras nicht auch die Interviews mit Guilio Questi,Tomas Milian und Ray Lovelock der amerikanischen Blu-ray von Blue Underground übernommen. Dafür hat man für diese Veröffentlichung exklusives Material in Form einer 26-minütigen Featurette mit dem Titel „Ray Lovelock in Coversation“ (Italienisch mit deutschen Untertiteln) produziert, in der ein gut aufgelegter Ray Lovelock über seine Anfänge beim Film berichtet. Ebenfalls erwähnenswert ist das wunderschöne Booklet, welches neben einem informativen Essay von Pelle Felsch, das deutschem Werbematerial der Erst- und Wiederaufführung enthält. Alles in allem eine sehr schöne, essenzielle Veröffentlichung.

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Die „Gondel“ öffnet heute wieder ihre Türen – und weitere Gedanken zum Thema Kino

Der Umbau des Kinos „Gondel“ im Stadtteil Schwachhausen ist abgeschlossen. Heute soll das Kino nach knapp zweiwöchiger Renovierung wieder eröffnet werden – und zwar mit der Ambition ein „Luxuskino“ zu sein, wie der „Weser Kurier“ plakativ auf seiner Online-Seite berichtet. Demnach wurde die komplette Einrichtung des 176 Plätze fassenden Saals komplett erneuert. Was auch nötig war. Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war dort einmal im tiefsten Winter bei ausgefallener Heizung, mit einem Heizlüfter und dem Hinweis besser nicht zu weit vorne zu sitzen, einen Film schaute.

Wie das „Luxuskonzept“ aussehen soll, wird aus dem Artikel nicht so ganz klar. Die Bezeichnung „Luxuskino“ könnte auch irreführend sein. Ein Projekt wie das hochpreisige Luxuskino „Residenz-Kino“ in Köln, mit Portier, Clubsesseln und Bedienung, ist hier sicherlich nicht zu erwarten. So wird Besitzer Manfred Brocki auch nur mit den Worten zitiert, die Gondel sei seine Version eines Luxuskinos, und der Zuschauer wolle eben etwas Besonderes geboten bekommen. Gegen das heraufbeschworene Bild vom teuren „Luxuskino“ sprechen Gottseidank auch die Eintrittspreise, die weiterhin identisch mit denen von Schauburg und Atlantis sind.

Damit spricht er mir aus dem Herzen. Ich vertrete schon seit Jahren die These, dass ein Kino heute nur noch erfolgreich sein kann, wenn es sich als Event, und nicht als bloße Abspielstätte inszeniert. Bei der Gondel scheint dieses „Event“, welches auch vom Publikum angenommen wird, scheinbar durch die geschickte Anbindung der Gastronomie gefunden worden zu sein. Laut dem „Weser Kurier“-Artikel sei die Zahl der Zuschauer sprunghaft um 25 Prozent gestiegen, als im Foyer der Gondel ein Café errichtet wurde, welches im vergangenen Jahr noch erweitert wurde. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dieses Café auch tatsächlich zum Verweilen einlädt. Es ist nett eingerichtet. An den Wänden hängen stilvolle Bilder aus klassischen Filmen und auch das Essen ist in Ordnung. Man kann sich hier also gemütlich mit anderen Leuten treffen, etwas essen, gemeinsam einen Film anschauen und danach noch bei einem Getränke in netter Atmosphäre über den Film plaudern. Dazu kommt eine Filmauswahl, die einem Publikum, welches gerne gemeinsam einen netten Abend verbringen möchte, sehr entgegenkommt.

Das ist das Herausstellungsmerkmal der Gondel, die – auch das darf man nicht vergessen – das letzte Stadtteilkino Bremens ist und eben nicht im Zentrum, sondern etwas abseits liegt – und trotzdem überlebt, weil sie ihrem Publikum ein auf sie zugeschnittenes Event bietet. Davon können andere Kinos lernen, auch wenn ich mir natürlich wünsche, dass dann nicht abgekupfert, sondern mit einer ganz eigenen, innovativen Idee, wie aus dem Kinobesuch etwas besonderes gemacht werden kann, um die Ecke gekommen wird. Genau so kann der Betrieb Kino auch heute noch funktionieren.

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Originalfassungen in Bremen: 11.09.14 – 17.09.14

Auch diese Woche bringt wieder eine bunte Mischung an Originalfassungen. Richtige Höhepunkte finde ich nicht, aber auch keine Titel, bei denen man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde.

Sex Tape – Cinemaxx, Fr.+So.um 19:30 & CineStar, So., 14.9. um 20:40 – US-Mainstream-Komödie mit Cameron Diaz und Jason Segel. Ein Ehepaar lädt versehentlich ihr privates Sexvideo in eine Cloud, wo es sich automatisch mit den Apple-Produkten ihrer Freunde und Verwandte synchronsiert. Beide versuchen nun zu verhindern, dass alle Welt ihr Video sehen kann.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=eJTct8eHKYE[/youtube]

A Most Wanted Man – Cinemaxx, Do.+Mi. um 19:30 – Der letzte Film mit dem kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman in der Hauptrolle. In Hamburg spielender, britischer Agenten-Thriller-Drama-Mix nach einer Vorlage von Bestsellerautor John Le Carré. Von dem Meisterfotograf und legendärem Videoregisseur Anton Corbijn. Ferner mit Rachel McAdams und Willem Dafoe.

Guardians of the Galaxy – Cinemaxx, Sa.+Di. um 19:30 – Marvel-Comic-Verfilmung. Die „Guardians“ kenne ich gar nicht, obwohl ich lange Jahre großer “Marvel”-Fan war und das Marvel-Universum regelmäßig verfolgt habe. Der Trailer haut mich jetzt nicht vom Hocker, die bisherigen Besprechungen allerdings schon. Scheint zu rocken, das Ding.

Madame Mallory und der Duft von Curry – Schauburg, So., 14.9. um 19:30 – Französische Feel-Good-Komödie, in der eine indische Familie in einer französischen Kleinstgemeinde ein Restaurant gegenüber eines Ein-Sterne-Restaurants eröffnet. Vom Regisseur von „Chocolate“.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit – Schauburg, 17.9. um 19:15 – Britischer Film über einen eigenbrötlerischen Mann, der für die Londoner Stadtverwaltung Hinterbliebene von in der Großstadt anonym Verstorbenen aufstöbert. Mit dem tollen Eddie Marsan. Allein deshalb schon einen Blick wert.

Gemma Bovery – Schauburg, Mo., 15.9. um 12:00 & Atlantis, So., 14.9. um 20:00 –  Französische Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel „Gemma Bovery“, einem aktualisierten Version von „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. Die Hauptrolle spielt passenderweise Gemma Arterton.

Canned Dreams – City 46, Di., 16.9. um 18:00 – Finnischer Dokumentarfilm über globalisierte Lebensmittelproduktion am Beispiel einer Dose Ravioli.

Schule II – City 46, Di., 16.9. um 20:30 – Japanischer Spielfilm von 1996 über Leiter einer Sonderschule in Hokkaido, der sich mit den Problemen seiner Tochter und zwei seiner Schüler herumschlägt. Eintritt frei.

Camera Obscura – City 46, 17.9. um 20:00 – Spanischer Spielfilm von 2013 um ein blindes, 13-jähriges Mädchen, welches von einem Cousin ihres Vaters das Photographieren beigebracht bekommt.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 15.09. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 15.09. um 21:45

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Filmbuch-Rezension: “Actionkino – Moderne Klassiker des populären Films”

actionkinoDer Actionfilm ist eine Filmgattung, welches in der ernsthaften Beschäftigung mit dem Medium Film fast gar keine Rolle spielt, obwohl der „Actionfilm“ – neben der Komödie – das kommerziell erfolgreichste und beim Publikum beliebteste Genres ist. Was sicherlich auch daran liegen mag, wie das sehr empfehlenswerte, von Ingo Irsigler, Gerrit Lembke und Willem Strank herausgegebene, Buch „Actionkino – Moderne Klassiker des populären Films“ herausarbeitet, dass der Actionfilm fast immer ein Hybrid ist. D.h. dass er auch immer zu einem anderen Genre gehört. „Dirty Harry“ wird zumeist dem Copfilm oder Krimi zugeschlagen. „The Terminator“ ist Science Fiction, James Bond – und die „Mission: Impossible“-Reihe Agentenfilm. Und eben innerhalb dieser Genres werden sie zumeist dann auch nur betrachtet. Eine dezidierte Untersuchung auf ihre „Actionfilm“-Spezifikationen, kommt so gut wie nie vor. Daraus folgt auch eine gewisse Schwierigkeit den „Actionfilm“ als solchen zu klassifizieren, und als Genre greifbar zu machen.

Vor diesem Dilemma stehen auch Irsigler, Lembke und Strank. Eine umfassende Untersuchung des Genres und das Aufzeigen einer „gemeinsamen Grammatik“ wollen sie dann auch gar nicht angehen, sondern „nur“ 8 Klassikern des Actionskinos analysieren. Welche in ihren Augen aber auch die „enorme Bandbreite als auch die zentralen Gemeinsamkeiten des Kinos (abbilden)“. Nichtsdestotrotz leisten sie schon einmal eine nicht zu unterschätzende Pionierarbeit, indem sie in 11 Thesen zu umreißen versuchen, was allen „Actionfilmen“ gemein ist. Und tatsächlich lassen sich diese 11 Thesen, mehr und weniger gut, auf alle acht auf den ersten Blick so unterschiedlichen Beispiele, in diesem Buch besprochen werden, anwenden und geben eine gute Idee davon, wie komplex und inhomogen das Genre des „Actionfilms“ ist.

Der erste Film, welcher dann im Detail besprochen wird, ist der Copfilm-Klassiker „Dirty Harry“, bei dem man zunächst nicht unbedingt an einen „Actionfilm“, sondern einen Polizeithriller denkt. Willem Strank untersucht die ganze fünfteilige Reihe nach ihrer Doppeldeutigkeit. Denn die Figur „Dirty Harry“ ist „einerseits ein Individualist, der effektiv das bewerkstelligt, was eigentlich das System leisten sollte, indem er gegen dessen Gesetzte verstößt; und reaktionärer Faschist, der seine Ziele durch undemokratischen Waffengebrauch erreicht“. Dieses Spannungsfeld ist laut Strank typisch für einen Actionhelden, und in seinem Artikel geht er dann auch eingehend auf die gesellschaftliche Rezeption des ersten Filmes und die Reaktion darauf im weiteren Verlauf der Reihe ein.

Gerrit Lembke schreibt ausgesprochen interessant über „Rambo“ und führt anhand der Abweichungen von Roman und Film auf, welche unterschiedlichen, aber trotzdem auch ähnliche, Ansätze beide verfolgen, und in wieweit für den Film die Vorlage abgeändert wurde, damit sie als Actionfilm funktioniert. Eckhard Pabst beschäftigt sich mit den beiden ersten „Terminator“-Filmen und die Art, wie hier Entscheidungen inszeniert werden und welche Bedeutung sie für die Aussage der beiden Filme besitzen. Dabei geht er auch generell auf wiederkehrende Aspekte im Kino James Camerons ein. Ingo Irsigler zeigt überzeugend die Parallelen zwischen dem klassischen Western – und hier insbesondere dem Film „12 Uhr Mittags“ – und dem Actionklassiker „Stirb langsam“ auf. Dieses Essay hat mir persönlich am Besten gefallen, was wahrscheinlich meiner Liebe zu diesem Film und meiner gleichzeitigen Affinität zum Western-Grenre geschuldet ist. Dominik Orth entdeckt in der „Mission: Impossible“-Reihe einerseits ein Beispiel für den Lebenszyklus eines Genres, andererseits auch, wie die Reihe durch seine vier Filme hindurch, ein neues Männlichkeitsideal für seinen Actionhelden (und damit letztendlich auch dessen Darsteller) erschafft, welches sich vom Actionhelden er 80er Jahre deutlich unterscheidet.

Christoph Rauen hat Quentin Tarantions beiden „Kill Bill“-Teile auf ihre Struktur als Rache-, wie auch Familienfilm untersucht. Dabei stellt er fest, dass Tarantino nicht nur die bekannten Formen des Rachefilms durchexerziert, sondern sich auch damit befasst, welchen Einfluss die Gewalt auf die Kinder hat. „Die Wiedergeburt eines Unsterblichen“ nennt Jan Tilman Schwab seinen Artikel über das große James-Bond-Comeback und Daniel-Craig-Debüt „Casino Royale“. Ob dies nun wirklich der beste und wichtigste James-Bond-Film aller Zeiten ist, wie Schwab immer wieder betont, mag dahingestellt sein. Seine Analyse des Filmes und seiner Wichtigkeit nicht nur für die Serie, ist aber ausgesprochen präzise. Das Buch endet dann mit „Der Rückkehr der Körpertäter“, wo sich nochmals Gerrit Lembke zu Wort meldet und auf die „Expendables“-Reihe und ihre Bedeutung für das (post)moderne Actionkino eingeht.

Wenn man dem Buch „Actionkino – Moderne Klassiker des populären Films“ etwas vorwerfen kann, dann, dass es mit 176 Seiten zu kurz ist. Gerne hätte man noch mehr über das Genre des Actionfilms gelesen. Denn das Buch weckt nicht nur den Appetit darauf, noch einmal den einen oder anderen Actionfilmklassiker in den Player zu werfen, sondern reizt noch mehr dazu,  Genrefilme zu durchleuchten und einmal von einer ganz anderen Perspektive aus zu betrachten. Auch fällt auf, dass das Buch sehr USA-konzentriert ist. Wenn man „Casino Royale“ einmal Hollywood und nicht der britischen Filmindustrie zuschlägt, so wären in der Tat nur US-Filme besprochen worden. Das asiatische Kino, welches in den 70er und vor allem den 80er Jahren einen enormen Einfluss auch auf das US-Kino hatte, wird hier ganz außen vor gelassen. Ebenso wie z.B. die französischen Actionfilme eines Luc Besson. Weiterhin wäre es auch interessant, in dem Kontext des Actionfilmes nicht nur die „großen“ Filme anzusehen, sondern gerade auch die kleinen, billigen Ripp-Offs, die ja die Essenz der großen Vorbilder noch einmal verdichten und verstärken, was ebenfalls ein hochspannendes Untersuchungsobjekt wäre.

Aber dies ist Jammern auf sehr hohem Niveau und zudem unfair. Denn wie Irsigler, Lembke und Strank bereits ganz am Anfang ausführen, war solch eine umfassende Betrachtung des Actionfilmes ja auch nie die Zielsetzung dieses Buches gewesen. Es wäre aber spannend, wenn die Autoren sich an eine entsprechende Fortsetzung ihres Buches wagen würden. Schließlich haben sie ja in ihren Thesen, wie auch den Filmanalysen, treffend ausgeführt, dass Sequels ein herausstechendes Merkmal des Actionfilms sind.

Ingo Irsigler, Gerrit Lembke und Willem Strank (Hrsg.) „Actionkino – Moderne Klassiker des populären Films“, Bertz+Fischer, 176 Seiten, € 16,90

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Das Bloggen der Anderen (08-09-14)

bartonfink_type2– Wieder gab es in dieser Woche eine traurige Nachricht. Gottfried John ist mit nur 72 Jahren von uns gegangen. Hier Der Kinogänger mit einem Nachruf.

– Das Filmfestival in Venedig ist nun vorbei, mein Liebling Roy Andersson hat den Hauptpreis bekommen und die Kollegen haben ihre Abschlussberichte verfasst. Rüdiger Suchsland auf Negativ, Brigitte Häring auf Sennhausers Filmblog  und Sophie Charlotte Rieger auf B-Roll.

– Und auch das Fantasy Filmfest hat (zumindest in Berlin) geendet, ebenso wie das Filmtagebuch von DasDingAufDerSchwelle.

– In Wien fand die Retrospektive „Land of the Dead“ statt, die von Patrick Holzapfel vom Blog Jugend ohne Film besucht wurde. Seine Betrachtungen sind von daher sehr interessant, als dass er das Genre des Horrorfilms überhaupt nicht mag und somit einen ganz anderen Blickwinkel auf die dort aufgeführten Filme besitzt, als jemand, der dem Genre zugeneigt ist. So findet er interessante Einschätzungen einiger Klassiker, die ihren Fans – mir erging es zumindest so – zwar einen Stich ins Herz geben, aber auch mal eine ganz andere Perspektive eröffnen, die man teilen kann oder auch nicht. Lesenswert ist sie auf jeden Fall. So schreibt er über „Halloween“: „Aber er zeigt (dem Publikum) nichts, was sie nicht erwartet haben, kein wirklicher Horror des Unvorstellbaren, keine Fantastik, keine wirkliche Überraschung. Er zeigt ihnen keine Figuren, kein Leben, keine Welt, alles findet im Kopf statt. Manche würden Halloween diese Eigenschaften als Qualität anerkennen, dann aber nur, weil sie sich selbst wichtiger nehmen als den Film.“.“Profondo Rosso“ konnte er „trotz (s)einer Aversionen gegen alles was (er) bislang vom Italiener sah, einiges abgewinnen.“ Interessant auch seine Begeisterung für Hammers „The Devil Rides Out“.  Andery Arnold war ebenfalls bei „Land of the Dead“ und sah dort zum wiederholtem Male Nobuhiko Obayashis „House“. Und Thomas Rufin bespricht Rudolf Thomes „Das rote Zimmer“, der ihn auf positive Weise verwirrt zurück lässt.

– Zum Thema Dario Argento: Going to the movies hat eine sehr schöne, sehr persönliche Kritik zu „Suspiria“ verfasst.

– Auf Hard Sensations hat Gregor Torinus (den Namen sollte man sich merken) zwei wunderbare Texte verfasst. Den ersten über „Under the Skin“, den zweiten über „The Strange Colour of Your Body’s Tears“. Beide sind sehr schön zu lesen und wecken den Wunsch, beide Filme genau jetzt zu sehen.

– Thomas Groh hat auf seinem filmtagebuch drei Texte online gestellt, die zuvor an anderer Stelle in gedruckter Form erschienen sind. Über „Traumstadt“ von Johannes Schaaf und die Doku „I am Divine“ (beide ursprünglich in „Der Freitag“ veröffentlicht),  und über „Der Samurai“ von Till Kleinert. Dieser Text erschien ursprünglich in „Sissy“, und der Film läuft diese Woche auf dem Filmfest in Oldenburg.

– Auf hypnosemaschinen gibt es wieder etwas zu entdecken. Diesmal den südkoreanischen Gruselfilm „Iodo“ von 1977. Klingt toll, will ich sehen. Und den tschechischen Film „The Damned House of Hajn“, den Jirí Svoboda 1988 inszenierte, von dem Alex Klotz wunderschöne Bilder gepostet hat und den ich natürlich auch sehen möchte.

– Auf critic.de hat Michael Kienzl eine neue Reihe namens „Pinoy Cinema 1970–89: Das zweite Goldene Zeitalter des philippinischen Kinos“ initiiert, für die in den nächsten Woche einige namenhafte Blogger schreiben werden. Schon die von ihm verfasste Einleitung in das Thema ist aber ausgesprochen interessant und lesenswert.

– Ciprian David berichtet auf Negativ über den Dokumentarfilm seines Kollegen Rüdiger Suchsland: „Von Caligari bis Hitler“, welchen ich auch schon voller Spannung erwarte.

– david hat sich auf Deep Red Radio die berühmt-berüchtigte „Eis am Stil“-Reihe vorgenommen. Mit der Serie dürften wohl alle Jungen meiner Generation aufgewachsen sein. Ferner bespricht Udo Rotenberg Paul Verhoevens frühes Skandalwerk „Spetters“.

– Apropos Udo. Der war auch auf seinen eigenen Blogs sehr fleißig. So schreibt er auf L’amore in città sehr ausführlich und fundiert über Ruggereo Deodatos „Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch“ und auf Grün ist die Heide über Alfred Vohrers Simmel-Verfilmung „Der Stoff, aus dem die Träume sind“. (Anmerkung: Dessen Titelsong von Peter Thomas übrigens höllische Ohrwurm-Qualitäten hat).

– gabelingeber stellt auf Hauptsache (Stumm)Film die italienische Komödie „Verliebt in scharfe Kurven“ mit Vittorio Gassman und Jean-Louis Trintignant vor, zu dem er auch wieder viele Hintergrundinfos zusammengetragen hat.

– Auf Stubenhockerei schreibt Malina über Derek Jarmans „Sebastiane“  und Werner Nekes offensichtlich sehr wild-experimentellen „Spaltenfilm“ „Kelek“.

– LZ hat auf Screenread eine interessante Besprechung mit einigen Infos über den Autoren der Vorlage (den ich bislang nur als Autor eines der wenige in Deutschland veröffentlichten „Judge Dredd“-Comics kannte) von David Cronenbergs „Maps to the Stars“ veröffentlicht.

– Schwanenmeister weist auf movies & sports darauf hin, dass Quentin Tarantino nicht nur sein eigenen Filmfestival startet, sondern nun auch sein eigenes Kino hat, in dem nur alte 16mm und 35mm Kopien zu sehen sein werden. Hell yeah!

– „Was macht eigentlich?“ fragt Rajko Burchardt auf B-Roll und begibt sich auf die Suche nach einigen (fast) vergessenen Diven. Und Lucas Barwenczik porträtiert den alten Troma-Spezi James Gunn, der jetzt Blockbuster für Marvel inszenieren darf.

– „Ein Brief an Momo“ ist ein japanischer Anime vom „Jin-Roh“-Regisseur Hiroyuki Okiura, der nix mit der von Michael Ende erdachten Figur zu tun hat, wie Oliver Armknecht in seinem Animationsfilm-Special auf film-rezensionen.de zu berichten weiß.

– Ein anderer Oliver, nämlich Oliver Nöding, hat Harald Reinls „Die Nibelungen 1+2“ gesehen und konstatiert: „Reinls Zweiteiler verkommt dabei jedoch niemals zum bloß bunten Märchenschinken, sondern bewahrt eine literarische, fast avantgardistische Qualität sowie die seltsame Fremdheit der Vorlage, anstatt diese zu bezähmen.“ Außerdem schreibt er über Wes Anderson und dessen „Grand Budapest Hotel“, welchen ich noch nicht kenne, aber den Part über Anderson kann ich so unterschreiben. Beides zu finden auf Remember It For Later. 

– Wenn mich jemand nach meinem Lieblingsfilm fragt, verweigere ich die Antwort. Nervt derjenige trotzdem dauernd weiter, nenne ich „Spiel mir das Lied vom Tod“, womit ich dann gut leben kann und meine Ruhe habe. Auf filmtourismus.de kann man sich die Drehorte ansehen.

– Reda empfiehlt auf Der breite Grad eindringlich den Film „Aesthetics of a Bullet“ zu dem er schreibt: „AESTHETICS OF A BULLET ist eine echte Perle des Yakuzafilms und kann sich dank seiner Milieutreue und dem ihm innewohnenden Nihilismus problemlos neben Fukasakus GRAVEYARD OF HONOR stellen.“ Wow.

PewPewPew macht das Resultat einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne aufmerksam: „Twenty-Four by Thirty-Six“, einem Dokumentarfilm, der sich mit der Geschichte von Filmpostern, alternativen Postern und Movie Art generell auseinandersetzt.

– Und wer gerne etwas auf die Ohren bekommt: Wiederaufführung hat wieder eine Liste empfehlenswerter Podcasts zusammengestellt.

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DVD-Rezension: “Die Koch Media Italowestern-Enzyklopädie No. 3″

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Nach dem die zweite „Italo-Western-Enzyklopädie“ recht flott auf die erste Box folgte, wurde sich nun bei der dritten Ausgabe etwas mehr Zeit gelassen. Die großen Klassiker des Genres sind mittlerweile alle irgendwo erschienen, aber es klaffen noch empfindliche Lücken, was die „B-Klassiker“ angeht. Einige können nun aber mit der dritten Box in liebevoller Ausstattung geschlossen werden.

Sartana (Mille dollari sul nero, 1966)

Nach zwölf Jahren im Gefängnis für einen Mord, den er nicht begangen hat, kehrt Johnny Liston (Anthony Steffen) heim. Doch dort haben sich die Dinge geändert. Sein Bruder Sartana (Gianni Garko) hat nicht nur Johnnys frühere Geliebte geheiratet, sondern tyrannisiert mit seiner Bande auch die ganze Gegend. Johnny stellt sich seinem brutalen und zunehmend psychopathischer agierenden Bruder entgegen, unterstützt von Jerry (Roberto Miali), dem stummen Bruder seiner ehemaligen Geliebten, der von Sartana zutiefst gedemütigt wird, und Joselita (Erika Blanc), der Tochter des angeblich von ihm Ermordeten…

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1966 betrat eine Figur die Bühne des Italo-Western, die bald zu den beliebtesten überhaupt gehören sollte: Sartana. Doch mit dem Sartana, der in einem eleganten schwarzen Anzug und langem schwarzen Mantel, zahlreichen Gadgets im Gepäck und einem flotten Spruch auf den Lippen, den Wilden Westen aufmischen sollte, hat die hier eingeführte Figur nur den Namen und den Darsteller gemein. Dieser“ Sartana“ hier ist ein sadistischer Psychopath, ein Muttersöhnchen und skrupelloser Mörder. Auch kommt er nicht im Anzug, sondern einer alten, verschlissenen Armeeuniform daher und lässt sich von seiner Bande als „General“ ansprechen. Gespielt wird er Weiterlesen

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DVD-Rezension: „Dario Argentos Dracula“

Dario-Argentos-DraculaJonathan Harker (Unax Ugalde) nimmt nach Vermittlung durch Lucy Kisslinger (Asia Argento), der besten Freundin seiner Ehefrau Mina (Marta Gastini), eine Stellung als Bibliothekar im Schloss des Grafen Dracula (Thomas Kretschmann) an. Dort hat er bald schon eine bösartige Begegnung mit der schönen Vampirin Tania (Miriam Giovanelli). Als sie nichts mehr von ihrem Ehemann hört, reist Mina besorgt nach Transsylvanien, nicht wissend, dass sie damit geradewegs in eine Falle tappt, die Dracula ihr gestellt hat…

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Dario Argento war einmal ein bedeutender Regisseur, der bei seinen Fans gottgleiche Verehrung erfuhr. Dafür sorgten vor allem surreale Meisterwerke wie der Über-Giallo „Profondo Rosso“ und die beiden Horrorfilme „Suspiria“ (der ihm seinen Platz im Filmgeschichtsbuch sicherte) und „Horror Infernal“. Mit jedem neuen Film war die Erwartungshaltung der Fans enorm, und jeder Eintrag in seine Filmographie, der den Erwartungen nicht entsprach, wurde mit äußeren Umständen entschuldigt. Mit den Kompromissen, die er bei seinem ersten und einzigen US-Film „Aura“ eingehen musste, mit niedrigem Budget oder generell schlechten Produktionsbedingungen. Doch irgendwann wurde das Rumoren unter den Fans immer lauter. Jeder neue Film beinahe gefürchtet, da er Mal um Mal die Hoffnung der Fans auf ein weiteres Meisterwerk gründlich zerstörte. Jeder neue Film galt nun umgehend als sein schlechtester überhaupt. Stimmt das aber so? Man muss Argento zugutehalten, dass er versucht hat, sich weiterzuentwickeln. Seinen Stil zu ändern. Von visueller Opulenz – die von seinen Anhängern so geliebt wurde – zu einem gröberen, realistischeren Stil. Mit „Stendhal Syndrome“ von 1996, der sehr zwiegespalten aufgenommen wurde, ist ihm dies bravourös gelungen, auch wenn schlechte Computergrafiken und eine fehlbesetzte Asia Argento die Wucht des Filmes etwas sabotieren.

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In seinen folgenden Filmen wurden diese Versuche auszubrechen und etwas völlig anderes zu erschaffen, aber immer wieder von einer gewissen Kompromissbereitschaft unterminiert. Besonders deutlich tritt dies bei „The Card Player“ zutage, wo Szenen, die den Film auf eine formal realistische Ebene bringen sollen – was zugeben nicht wirklich funktioniert – von kleinen Kabinettstückchen begleitet werden, die in ihrer lyrisch-surrealen Art an frühere, bessere Werke erinnern. Mit dieser hasenfüssigen Hinwendung zu einem Publikum, das keine Veränderung seines Stils mitmachen möchte, zerstört Argento gleichzeitig seinen Ansatz, neue Wege zu gehen. Mittlerweile scheint es fast so, dass er seine Filme nicht mehr für sich, sondern für ein Publikum dreht, dem er gefallen möchte, aber gleichzeitig auch keine Lust mehr hat, ständig aufgefordert zu werden, zum Stil von „Suspiria“ zurückzukehren. In der Folge sind seine Filme unentschlossen. Weder Fisch, noch Fleisch und zudem gehandicapt durch miserable Drehbücher und Argentos immer deutlicher zu Tage tretende Schwäche in der Führung seiner Schauspieler. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war „Giallo“, indem ein schmierender Adrian Brody und eine nichtschauspielende Emmanuelle Seigner durch eine wirre Geschichte stolpern.

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Oftmals versuchte Argento in der Vergangenheit diese Schwächen unter möglichst blutigen Szenen zu begraben („Mothers of Tears“), doch auch da folgte ihm sein Publikum nicht mehr. Was uns zu „Dracula 3D“ bringt, der beinah einhellig als absoluter Tiefpunkt seiner Karriere angesehen wird. Und leider kann man dies nur bestätigen, denn von der einst optischen Eleganz und innovativen Gestaltung ist hier noch nicht einmal ein letzter Hauch übrig geblieben. Und dies, obwohl Argento das erste Mal wieder mit Luciano Tovoli zusammenarbeitete, der auch sein Kameramann bei „Suspiria“ war. Einen Teil des Fiaskos kann man sicherlich auf die für Argento ungewohnte 3D-Technik schieben. Zunächst einmal scheint sie bewirken, dass die Bilder einen billiges, ausgesprochen unattraktives Aussehen besitzen. Ihnen fehlt völlig der kino look, wodurch sie stark an auf Video gedrehte Amateurfilme erinnern. Dadurch wirken die kargen Kulissen noch kümmerlicher, der Film regelrecht freudlos. Besonders deutlich wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wenn die faden Videobilder noch mit Claudio Simonettis opulenter Orchestermusik zugekleistert werden, wodurch ihre Ärmlichkeit noch deutlicher zum Tragen kommt. Ebenfalls der 3D-Technik geschuldet sind mit Sicherheit auch einige Einstellungen, die in 3D den Räumen Tiefe verleihen sollen, sich aber in der 2D-Version nur noch wie für das Fernsehen abgefilmtes Theater anfühlen.

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Erinnert schon das Aussehen des Filmes an Low-Budget-Amateuerfilme, so wird dieser Eindruck noch durch die Darsteller unterstrichen. Kaum einer spielt in irgendeiner Weise natürlich. Man hat in vielen Szenen das Gefühl, Argento hätte seine Darsteller angewiesen:“Jetzt guck mal ängstlich“ und das hätten sie dann auch genauso gespielt, wie sich Klein Fritzchen „ängstlich aussehen“ vorstellt. Man sieht hinter jeder Geste das Spiel und davon dann auch viel zu viel. Besonders grausam ist das, was Asia Argento hier anstellt. Billigstes Schmierentheater vom Schlechtesten. Auch ein gestandener Schauspieler wie Thomas Kretschmann verfällt regelmäßig in dickes Pathos und Theaterhaftigkeit. Auffällig ist dieser eklatante Mangel an Schauspielführung bereits in der ersten Szene, in der sich die beiden Figuren exakt so hilflos verhalten, wie man es von aus Debütfilmen aus dem Amateurbereich kennt, wo gerne mal Laien aus dem Freundes- und Bekanntenkreis besetzt werden. Lediglich zwei Ausnahmen seien hier erwähnt. Zunächst Rutger Hauer, der sich ohne große Anstrengung durch den Film schlafwandelt, und dann die einzige Schauspielerin, die sich in „Dracula 3D“ diese Bezeichnung auch verdient: Die talentierte Marta Gastini in der Rolle der Mina Harker.

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Aber nicht nur Bildgestaltung und Schauspielführung sind Argento anzulasten. Es hapert an allen Ecken und Enden. So ist der Schnitt des Filmes erschreckend uninspiriert und erinnert an Papas erste Versuche, am Computer aus seinem Urlaubsfilm eine Hollywoodproduktion zu machen. Auftritte und Abgänge werden so inszeniert, das einfach jemand die starre Einstellung betritt und seinen Spruch aufsagt und diese dann wieder verlässt. Auch hier gibt es keinerlei Dynamik oder den Versuch einer filmischeren Lösung. Die Special Effects aus dem Computer sehen genau danach aus, und scheinen aus 20 Jahre alten PC-Spielen übernommen zu sein. Was besonders ärgert, da diese Effekte zum größten Teil gar nicht nötig gewesen wären, hätte Argento nicht die fixe Idee gehabt, seinen Dracula in immer neuen Tier-Inkarnationen zu zeigen. Aber wenn man das so macht, sollte man besser auch über die technischen Möglichkeiten verfügen. Vielleicht waren Argento diese Schwächen auch bewusst, so dass er dann versuchte, sie mit deftigem Splatter (Schaufel in den Kopf) und Sex (die gut bestückte Miriam Giovanelli muss ständig blank ziehen) zu übertünchen.

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Möglicherweise war Argento mit der 3D-Technik überfordert und vernachlässigte deshalb jeden anderen Aspekt seines Filmes. Dass der Film dann noch allen Ernstes mit „eine berauschende Hyper-Trash-Erfahrung und essenzielle B-Filmkunst“ beworben wird, ist die endgültige Bankrotterklärung eines Filmes, dem man seine Ambitionen, ebenso wie ihr eklatantes Scheitern, ansieht. Nein, Trash sollte das nie sein. Dass es das geworden ist, stimmt mich traurig. Ich kann in „Dracula 3D“ auch nicht die „gekonnte Persiflage“ erkennen, die Beatrice Behn in dem empfehlenswerten Buch „Dario Argento – Anatomie der Angst“ in ihm gesehen hat. Ich stimme ihr allerdings zu, wenn sie schreibt: „(Es ist) fast so, als möge Argento mit (der Persiflage) sagen: Sehet, ich könnte euch vieles bieten. Aber ich tue es nicht.“ Dieses Gefühl beschlich mich – leider – auch.

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„Dracula 3D“ ist leider eben jenes Fiasko, welches die Filmkritik und die Gemeinde der Argento-Fans in ihm sieht. Der Regisseur scheint mit der 3D-Technik völlig überfordert gewesen zu sein, was sich nicht nur eklatant in der kümmerlichen Bildgestaltung, sondern auch in allen sonstigen Aspekten des Filmemachens niederschlägt. Da helfen auch nackte Brüste und viel Kunstblut nicht weiter.

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Das Bild der Koch Media DVD ist leider etwas zu hell, so dass Schwarztöne als dunkles Grau erscheinen. Die deutsche Synchronisation ist eher unterer Durchschnitt, die englische Tonspur aber nicht viel besser. Man hört deutlich, dass einige Schauspieler ihre Rolle auf Englisch interpretiert haben (Asia Argento z.B. mit deutlichem Akzent) und andere nachträglich synchronisiert wurden. Leider nicht immer passend und manchmal mit einer unnatürlichen Diktion. Rutger Hauer spricht sich selbst, neigt aber zu merkwürdigen Kunstpausen mitten im Satz, was etwas irritiert. Die Extras können absolut überzeugen, neben einem interessanten – vielleicht angesichts des Ergebnisses etwas zu enthusiastischen – 62-minütigen Making-Of, weiß insbesondere ein Q&A mit Dario Argento zu gefallen, welches beim Slash Festival in Wien aufgenommen wurde. Zwar ist Argento manchmal etwas – aufgrund seines doch recht bescheidenen Englisch – schwer zu verstehen, aber er erzählt einige interessante Dinge und eine ganz wunderbare Anekdote über Rutger Hauer, die dieser sicherlich nicht gerne hört.

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