Nachruf: Christopher Lee (1922-2015)

Christopher-LeeeugenieHeute wurde bekannt, dass Christopher Lee bereits am 07. Juni im Alter von stolzen 93 Jahren verstarb. Ein Schock. Denn Christopher Lee begleitet mich schon so lange in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, der Mann wäre unsterblich. Was natürlich Quatsch ist. Aber gerade Lee, der in den letzten Jahrzehnten noch in Blockbustern wie den „Der Herr der Ringe“/“Der Hobbit“-Trilogie oder sogar „Star Wars“ mitgespielt hatte, war irgendwie immer um einen herum und schien immer so voller Energie und Lebenskraft, von solch einer beeindruckenden Aura, dass überhaupt nicht daran zu denken war, dass er irgendwann nicht mehr da ist. Jetzt ist er tot.

Ich erspare mir seine biographischen Details. Das kann jeder in Wikipedia nachlesen. Oder in einem der zahlreichen Nachrufe überall. Heute war der News-Stream meines Facebook-Accounts fast ausschließlich mit Postings zu seinem Tod gefüllt. Seitenweise haben meine Facebook-Freunde ihrer Bestürzung Ausdruck verliehen. Christopher-Lee007Was mir einerseits zeigt, dass ich die richtigen Facebook-Freunde habe und andererseits, welche große Rolle Christopher Lee in deren Leben gespielt hat. Welche gewaltige Wertschätzung dieser – wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf nicht immer einfache – Mann genossen hat. Nein, noch immer genießt. Lee gehörte zu denjenigen, die die große Gabe besitzen, allein durch ihre Anwesenheit eine Leinwand vollkommen auszufüllen.

Denkt man an Lee, denkt man nicht primär an einen Schauspieler. Man denkt eher an seine ungeheure Präsenz. An seine Autorität, seine dunklen, alles durchdringenden Augen, seine imposante Gestalt, seine zugleich furcht- wie respekteinflößende Aura, seine tiefe Stimme, die man einmal hörte und dann nie wieder vergaß, seine Erotik und – ja auch seinen Humor. Letztes Jahr sah ich ihn auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg in Philippe Moras „The Return of Captain Invincible“. Christopher-Lee_draculaIch wurde gefangengenommen von seiner parodistischen, aber nicht albernen Darstellung des finsteren Schurken Mr. Midnight und – mal wieder – zutiefst beeindruckt von seinem enormen Sangeskünsten. Es gab augenscheinlich nichts, was dieser Mann nicht konnte. Schauspielen, Singen, fünf Sprachen fließend sprechend, vier weitere so, dass es zur Konversation reicht. Unter anderem Mandarin. Er war aristokratischer Abstammung, mit James-Bond-Vater Ian Fleming verwandt – und machte dann auch als Bond-Schurke eine hervorragende Figur. Es war ausgebildeter Opern-Sänger und nahm eine Heavy-Metal-Scheibe auf. Und er war natürlich der ewige Dracula, aber auch Fu-Manchu. Er spielte für Tim Burton und Billy Wilder ebenso, wie für Jess Franco. Und selbst in den schlechtesten Filmen blieb er immer würdevoll und unantastbarChristopher-Lee_Wicker. Eigentlich gab es auch keine schlechten Filme mit ihm, den er veredelte sie alle mit seiner Gegenwart.

Nun ist Christopher Lee nicht mehr da. Man sollte heute Abend „The Wicker Man“ schauen. Einen Film, den er selbst produzierte und sehr mochte. Oder einen anderen seiner über 250 Filme. Und sich dann ein Glas guten Weines einschenken, zum Himmel hoch schauen und diesem großen Mimen noch einmal zuprosten.

 

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Das Bloggen der Anderen (08-06-15)

bartonfink_type2– Am 02. Juni verstarb der italienische Regisseur und Drehbuchautor Alberto De Martino. Im deutschsprachigen Netz, waren keine Nachrufe zu finden. Allerdings hat Udo Rotenberg von L’amore in città anlässlich des Todes von de Martino dessen Film „Mord im schwarzen Cadillac“ von 1969 besprochen und dabei viel Biographisches über den Regisseur einfließen lassen.

– Wie der „Zufall“ so spielt: In „Mord in im schwarzen Cadillac“ spielt der Deutsche Roger Fritz eine Hauptrolle. Und eben jener hat den Film inszeniert, auf den Udo auf seinem zweiten Blog, Grün ist die Heide detailliert eingeht: „Mädchen mit Gewalt“, der auch gerade in der liebevollen „Edition Deutsche Vita“ erschienen ist.

– Gabelinger hat auf Hauptsache (Stumm)Film entdeckt, dass die italienische Kriegs-Komödie „Zwei im gleichen Stiefel“ von Luciano Salce mit einem  jungen Ugo Tognazzi eine deutsche DVD-Veröffentlichung bei einem Billig-Label erhalten hat. Er hat den Film gesehen und ist begeistert.

– Ebenfalls vor kurzem erschienen: Giulio Questi sehr, sehr merkwürdiger „Giallo“ (eigentlich alles andere, aber er wird immer wieder gerne in dieses Genre gesperrt) „Die Falle“. Mauritia Meyer meint dann auch auf Schattenlichter: „Der Film polarisiert und spaltet Genre Fans aus nachvollziehbaren Gründen in zwei Lager. Wer diesen schrägen Streifzug durch die Gefilde der niederen menschlichen Instinkte bis zum Finale gebannt verfolgt hat, weiß, wovon ich schreibe.“

– Für Der Kinogänger ist Ettore Scolas Film „Ein besonderer Tag“ von 1977 auch ein besonderer Film. „Ein intimes und melancholisches, aber zutiefst humanistisches, dabei sehr dialogstarkes und hervorragend gespieltes Porträt zweier grundverschiedener Menschen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges“.

– Auf B-Roll wird zunächst dem vielseitigen Paul Giamatti mit einem Portrait zum 48. Geburtstag (mein Gott, ist der wirklich nur drei Jahre älter als ich?) gratuliert. Darauf folgen zwei hochspannende Artikel mit viel Diskussionspotential. Zunächst nimmt Lucas Barwenczik – der sich langsam zu einem meiner Lieblingsblogger entwickelt – ziemlich genau das Film-Crowdfunding und seine Fallstricke unter die Lupe. Und dann nimmt Martin Beck eine hitzige Diskussion auf, die zwei kurze Sätze von Marcus Stiglegger auf Facebook ausgelöst haben. Dieser hatte sich über Filmkritik im Netz aufgeregt, die jegliches Basiswissen vermissen lassen.

– Gwendolen van der Linde berichtet auf critic.de über die Kurzfilme, die dieses Jahr auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt wurden.

– Auf einem anderen Filmfestival, nämlich in Berlin, wurde der Film „Taxi Teheran“ des iranischen, unter Berufsverbot stehenden Regisseurs  Jafar Panahi ausgezeichnet. Peter Gutting von cineastic.de hat ihn gesehen und ist begeistert.

– Trotz vieler kritischer Worte in seiner Kritik hat sich Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de zu einer 8/10 für den deutschen Spielfilm „Viktoria“ durchgerungen. Nicht wirklich überzeugen konnte ihn der Animationsfilm „Mutant Aliens“ des großartigen Bill Plympton, der es laut Olivers Meinung nach eigentlich viel besser kann.

Welche Filme man sich im Juni ansehen sollte, verrät Christian Witte auf cereality. Mike Albrecht kann mit Walerian Borowczyks wundervollen Kultfilm „La Bête“ nicht so viel anfangen. Außerdem geht es mit den Chuck-Norris-Krachern „Delta Force“ und „Invasion U.S.A.“ handfest in der Cannon-Retro weiter.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über Nicholas Rays seltsames Avantgarde-Stück „We Can’t Go Home Again“.

– Ebenfalls sehr merkwürdig soll „Nothing Lasts Forever“ (Alles ist vergänglich) sein. Der erste und zugleich letzte Film von Tom Schiller. Diese durchaus eindrucksvoll besetzte schwarz-weiße Noir- Komödie von 1984 wurde von Warner Brothers bis zum heutigen Tagt nahezu todgeschwiegen. Die Vergleiche mit Guy Maddin, die Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte anstellt, machen mich natürlich neugierig.

– Sebastian hat auf Das Magazin des Glücks den Dokumentarfilm „Von Caligari bis Hitler“ des Filmkritikers Rüdiger Suchsland besprochen, dessen Bilder er großartig, aber leider etwas „zugetextet“ findet.

Mise en cinéma erinnert an das Regiedebüt des (meiner Meinung nach) talentierteren Scott: Tonys „Begierde“ mit der Deneuve und David Bowie.

– Und auf der „Pulp“-Seite der Filmgeschichte: Einer der vielen „Hongkong“-Filme der Rapid Film: „Weiße Fracht für Hongkong“. Und wenn ich die Namen Brad Harris und Horst Frank lese, kann ich auch gar nicht anders, als auf totalschadens ausführliche Besprechung dieses Filmes auf Splattertrash hinzuweisen.

– „Etwas zum Staunen“ von Rainer Knepperges auf new filmkritik.

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Veranstaltungshinweis für Mittwoch: “Weird Xperience“ beim Open-Air-Kino am Schlachthof

Am Mittwoch, den 10. Juni folgt der zweite Teil des „Weird Xperience„-Juni-Doppelschlages. Nachdem uns das hervorragende Wetter ams Samstag einen Strich durch die schöne Rechnung gemacht hat, hoffen wir mal, dass es uns am Mittwoch in die Hände spielt. Da sind Stefan und ich snämlich beim Open-Air-Kino am Schlachthof zu Gast und haben drei wunderbare Klassiker im Gepäck.

Eintritt pro Film 4 Euro. Alle Filme zusammen 5 Euro. Und wer verkleidet kommt zahlt gar nichts und wird mit Jägermeister begrüßt!

 

FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER (Start: 18:30 Uhr)

Die Küste vor Tokio ist vollkommen durch Müll und Industrieabfälle verdreckt. Aus dieser Suppe entsteigt ein gigantisches Ungeheuer namens “Hydrox”, welches sich von der Umweltverschmutzung ernährt und eine tödliche Gefahr für die Menschen darstellt. Doch Godzilla stellt sich dem „Teufelsmonster“…

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=_ikbMrtgvXc[/youtube]

Die einmalige Mischung aus Holzhammermoral, Hippiechique, phantasievollen, überschäumenden Avantgardetechniken und naivem Monstertrash ist vor allem deshalb so grandios, weil sich all diese äußerst disparate Elemente perfekt ergänzen. – Lukas Foerster, Dirty Laundry

Der psychedelische Film weist teilweise fast schon halluzinatorische Bilder auf (man beachte hier vor allem die Szenen in der Disco), inkludiert aber auch Elemente, die nicht nur Showstopper sind, sondern auch einen gewissen Kuriositätenwert haben. – Peter Osteried, kino-zeit.de

Ein wagemutiges Experiment am Rande des Irrsinns, ohne Rücksicht auf irgendwelche Regeln oder den Geschmack des Publikums. Für ein dafür empfängliches Publikum eine sehenswerte, stellenweise fast avantgardistische Entdeckung.Filmforum Bremen

 

TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Start: 20:30 Uhr)

Sally fährt zusammen mit ihrem Freund Jerry, ihrem im Rollstuhl sitzenden Bruder Franklin und zwei weiteren Freunden nach Texas , um dort das Haus ihres verstorbenen Großvaters zu besuchen. Auf dem Weg dorthin, haben die fünf Freunde eine verstörende Begegnung mit einem scheinbar verrückten Anhalter. Doch dieser ist nicht der einzige Schrecken, der sie erwartet. Am Ende ihrer Reise werden sie mit einem unfassbaren Grauen konfrontiert…

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=Vs3981DoINw[/youtube]

Willkommen im amerikanischen Albtraum.– Michael Kienzl, critic.de

„The Texas Chainsaw Massacre“ ist ein Film wie kein anderer. Mit kaum Geld, aber großer Konsequenz zum Anschlag gedreht. Die Zutaten mögen grob sein, das Schauspielvermögen begrenzt, aber alles, was in anderen Fällen einem Werk abträglich wäre, summiert sich hier zur vollen texanischen Dröhnung. – Ekkehart Knörer, taz.de

The Texas Chainsaw Massacre ist auch heute noch ein echtes Erlebnis. (…) Es ist vor allem die Feststellung, dass Tobe Hoopers schlichte, aber enorm effiziente Inszenierungsweise bis zum heutigen Tage nichts von ihrer grausigen Faszination verloren hat. Die implizite Explizitheit der Bilder, das bizarr-schöne Setdesign und die Spezialeffekte, das Wummern, Krachen, Gnarzen und Grunzen auf der Tonspur, die Schlichtheit des Storytelling, das sich nicht lange mit gewundenen dramaturgischen Ellipsen aufhält (von der eher satirisch zu nennenden Figurenzeichnung des Beginns mal ganz abgesehen) – all das wirkt auch heute noch ungeheuer lebendig (nun ja…) und so, dass man bedenkenlos ganze Heerscharen von Nachwuchsfilmern vor die Leinwand platzieren kann, damit sie begreifen, dass gerade aus der Beschränkung der (auch finanziellen) Mittel Filme entstehen können, die unmittelbar an die Synapsen und Eingeweide der Rezipienten andocken und den Zuseher nicht mehr loslassen. – Joachim Kurz, kino-zeit.de

 

THE TOXIC AVENGER (Start: 22:30 Uhr)

Melvin ist ein ziemlicher Trottel und Versager. Er arbeitet als Putzhilfe im „Health Club“, einem Fitnesscenter in Tromaville, wo er Tag für Tag von Jugednlichen drangsaliert wird. Als diese es eines Tages arg zu doll mit ihm treiben, landet Melvin in einem Fass mit radioaktiv verseuchtem Giftmüll. Daraufhin mutiert Melvin zu Toxie, dem neuen Superhelden…

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=6rLEIpP8His[/youtube]

„The Toxic Avenger“ ist ein billiger Trash-Spaß voller Sex und Gewalt, die Film gewordene Definition der politischen Inkorrektheit, eine romantische Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ und eine ätzende Gesellschaftskritik, der ihre versteckte Intelligenz fast ein wenig peinlich zu sein scheint.
Gregor Torinus, spielfilm.de

‚The Toxic Avenger,“ which opens today at the RKO Warner Twin and other theaters, may be trash, but it has a maniacally farcical sense of humor, and Tromaville’s evildoers are dispatched in ingenious ways.– Stephen Holden, The New York Times

 

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Veranstaltungshinweis für Samstag: „Cinema Obscure“-Tag im City 46

Am Samstag, den 6. Juni wird „Weird Xperience“ im Kommunalkino City 46 zu Gast sein. Dort wo vor drei Jahren alles begann. Stefan und ich präsentieren Euch dann einen „Cinema Obscure“-Tag. Gezeigt werden neue Filme und ein Mitternachtskino-Klassiker.

Um Euch schon mal einzustimmen, hier eine kurze Vorstellung der Filme:

15:30 Uhr – LET US PREY

Nachtschicht in einer Polizeistation in einem gottverlassenen schottischen Kaff: Ein mysteriöser Fremder erscheint, der ein blutiges Spiel mit den Einwohnern des Städtchens treibt.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=k2fnLntATUo[/youtube]

„LET US PREY ist ein kompromisslos harter Reißer, der sein Publikum sehr schnell für sich einnimmt und auf einen wahren Höllentrip schickt.“Manifest – das Filmmagazin

„Regisseur Brian O’Malley knallt uns mit „Let us Prey“ einen düsteren, reinrassigen Genrehorror auf die Leinwand, der weniger gruseln oder gar anspannend soll, sondern dem Zuschauer seine Gewalt und seine Kompromisslosigkeit voll ins Gesicht schlägt.“Moviebreak

„Ein visuell beeindruckendes, humorloses, düsteres und äußerst verstörendes Horror-Meisterwerk, das einen in die dunklen Tiefen der menschlichen Psyche entführt…wo man eigentlich gar nicht hin möchte.“angstrated.com

 

18:00 – HORSEHEAD

Die junge Jessica leidet seit ihrer Kindheit an furchteinflößenden Alpträumen. Darin wird sie von einem Pferdekopf oder einer Person mit einer solchen Maske verfolgt. Die Bedeutung der grotesken und verstörenden Bilder ist ihr ein Rätsel. Als ihre Großmutter verstirbt, reist sie wieder zu ihren Eltern in die ländliche Heimat. Im Traum begegnet sie der Toten und kommt einem schwerwiegenden Geheimnis ihrer Familie auf die Spur…

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=Bn9E1bAyY6k[/youtube]

„Sowohl die nicht an Erklärungen interessierte Erzählform, als auch das ruhige Tempo widersprechen heutigen Sehgewohnheiten und verlangen vom Betrachter einiges ab, um sich in die so komplexe, wie reizvolle Welt des jungen Regisseurs einzufinden. Belohnt wird er dafür mit einer Atmosphäre, die zunehmend das Grauen eines ewigen, scheinbar unentrinnbaren Alptraums geradezu körperlich fühlbar zu vermitteln vermag.“Wicked Vision

„Beyond its merits as a film, however, Horsehead has continued to linger in my memory, its dreamy essence filtering through my consciousness on unexpected occasions.“ Twitchfilm

 

20:30 – GERMAN ANGST

In drei Horrorepisoden von Liebe, Sex und Tod entführen JÖRG BUTTGEREIT (Nekromantik, Der Todesking), ANDREAS MARSCHALL (Tears of Kali, Masks) und MICHAL KOSAKOWSKI (Zero Killed) in die dunkelsten Gassen von Berlin.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=aAYsMulhkcw[/youtube]

„Ausgestattet mit hervorragenden und äußerst drastischen Gewaltdarstellungen ist GERMAN ANGST ein künstlerisch anspruchsvolles Filmgut aus deutschen Landen und als Gesamtwerk ein Muss für jeden Genrefan.“angstrated.com

“ „German Angst“ tut beim Anschauen richtig, richtig weh – und genau das zeichnet ihn aus. Die Macher haben tatsächlich etwas zu sagen und nachdem sie uns einen ungebremsten Schlag in die Magengrube verpasst haben, bekommen sie auch unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.“Filmstarts.de

 

22:30 – SINGAPORE SLING

Auf der Suche nach seiner verschwundenen großen Liebe Laura landet ein Privatdetektiv in den Fängen eines nymphomanen, inszestuösem Mutter/Tochter-Gespanns.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=5e-NT5aI7Zc[/youtube]

„Singapore Sling“ ist schlicht großartiges Kino: herausfordernd, kraftvoll, verführerisch, humorvoll, bizarr, atemberaubend.“Filmgazette

„„Singapore Sling“s provokante Mischung aus eleganter Film-Noir-Optik, Gedärm, Körperflüssigkeiten, nacktem Wahnsinn und bösem Humor sichert ihm Kultfilm-Status. Aber auch darüber hinaus hat der Film viel Hintersinniges, nicht nur zum Rollenspiel zwischen Männlein und Weiblein, zu sagen.“Filmforum Bremen

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Originalfassungen in Bremen: 04.06.15 – 10.06.15

Und wieder ist es eine ganze Weile her, dass ich hier die O-Fassungen in Bremen gepostet habe. Neben meinem Urlaub ist es immer noch mein „echter“ Job, der mich zur Zeit stark belastet und da fällt solch ein zeitaufwändiger, regelmäßiger und vor allem zeitnaher Artikel wie die Zusammenstellung der O-Fassungen immer als erstes hinten runter. Ich kann leider auch nicht vorhersehen, wann ich hier wieder zu einem regelmäßigeren Rhythmus zurückfinden werde. Heute habe ich gerade mal etwas Luft und daher habe ich mich flug ans Werk gemacht.

Spy – Susan Cooper undercover – Cinemaxx, Do./Sa./Di. immer  19:50 – US-amerikanische Agenten-Komödie um eine unscheinbare Büroangestellte im Geheimdienst, die sich plötzlich im aktiven Einsatz wiederfindet. Mit Melissa McCarthy, Jason Statham und Jude Law. Klingt so ein wenig nach dem großartigen „Spione wie wir“, aber das ist sicherlich nur Wunschdenken.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=kM4ksRPcUcg[/youtube]

Mädchen im Eis – Cinemaxx, Do., 4.6. um 12:00 – Liebes- und Krimikomödie, die einen satirischen Blick auf den Zustand der russischen Gesellschaft wirft.

Mad Max: Fury Road – Cinemaxx, Fr./So. um 23:00 (3D) & Schauburg, So., 7.6. um 20:45 (2D) – George Miller zeigt wo der Hammer hängt. 120 Minuten Adrenalin, Crash & Burn. Mit Tom Hardy als Mel-Gibson-Nachfolger und Charlize Theron als Furiosa – der Name ist Programm. Toller Film.

Lost River – Schauburg, Mi., 10.6. um 20:30 – Ryan Goslings Regie-Debüt ist eine Hommage an David Lynch und Nicolas Winding Refn. Nicht die schlechtesten Referenzen.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=H8ngDiG9V8w[/youtube]

Kind 44 – CineStar, So., 7.6- um 19:45 – Thriller um Geheimdienstoffizier, der in den 50er Jahren in einem Kindrmord-Fall auf eigene Faust ermittelt und daraufhin vons einen vorgesetzten degradiert und strafversetzt wird. Mit Tom Hardy, Noomi Rapace und Gary Oldman.

2001 – Odyssee im Weltraum – City 46, Mo., 8.6. um 20:30 – Stanley Kubricks unsterblicher SF-Klassiker.

Uhrwerk Orange – City 46, Do./Fr./So. immer 20:00 – Noch ein Klassiker von Herrn Kubrick. Genießt man am besten mit einem gute alte Moloko-Plus mit Messern drin.

[youtube width=“620″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=G7fO3bzPeBQ[/youtube]

Let Us Prey – City 46, Sa., 6.6. um 15:30 – Splatter aus England/Irland. Cinema Obscure Tag.

Horsehead – City 46, Sa., 6.6. um 18:00 – Surrealer Horror aus Belgien. Cinema Obscure Tag.

Singapore Sling – City 46, Sa., 6.6. um 22:30 – Bizarres aus Griechenland. Cinema Obscure Tag.

Wüstentänzer – City 46, Di./Mi. um 20:30 – Im Iran ist das Tanzen verboten. Der junge Afshin bringt sich anhand von illegal geschauter Youtube-Videos selbst das Tanzen bei und tritt trotz aller Gefahren bei einer geheimen Veranstaltung in der Wüste auf.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 08.06. um 21:15

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 08.06. um 21:45

 

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Das Bloggen der Anderen (01-06-15)

bartonfink_type2– Es ist doch immer wieder schön, mal zu schauen, wie die bekannten Plätze, die einem durch diverse Filme so vertraut geworden sind, eigentlich in der Realität aussehen. Bzw. was aus ihnen im Laufe der Jahrzehnte geworden ist. Andrea David von filmtourismus.de hat sich ganz diesem Thema verschrieben und stellt auf ihrer Seite diesmal die wundervolle Stadt Prag vor. Und nimmt uns auf eine Tour durch die Barrandov Studios mit.

– Auf Mauritia Meyer vom Blog Schattenlichter war auf Reisen und hat viele Fotos mitgebracht, wie die Drehorte der beiden Klassiker „Il Demonio“ von Brunello Rondi und Lucio Fulcis „Don’t Torture A Duckling“ heute aussehen.

– Das Filmfestival von Cannes ist vorbei. Eine Bilanz von Frédéric Jaeger auf critic.de.

– Auf Nischenkino bespricht Bluntwolf den späten Giallo „Body Puzzle“ von Lamerto Bava. Den habe ich vor 20 Jahren mal gesehen und weiß bis heute nicht, ob die Fassung komplett war oder nicht. Ein guter Grund sich dem Film mal wieder zu widmen.

– Vor noch mehr Jahren – schätzungsweise 30 – sah ich im TV einmal den Film „Im Visier des Falken“ alias „Figures on a Landscape“, der mich damals tief beeindruckte. Lange habe ich gebraucht herauszufinden, welchen Film ich da damals gesehen habe. Dank Patrick Holzapfels schönem Artikel auf Jugend ohne Film, der neben diesen noch einen weiteren Lieblingsfilm (Der Prozess“ von Orson Welles) vorstellt, habe ich gerade entdeckt, dass er vor zwei Jahren auf DVD erschienen und für kleines Geld zu haben ist.

Einen zeitlosen Klassiker seziert gabelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film. John Hustons „Der Schatz der Sierra Madre“ von John Houston mit Humphrey Bogart und nach einem Roman von B.Traven.

– Houstons Zeitgenosse Howard Hawks war mir allerdings immer etwas näher am Herzen und für zahlreiche meiner Lieblingsfilme (El Dorado!!!) verantwortlich. Ihm widmet Andreas Köhnemann auf B-Roll ein umfangreiches Porträt. Lucas Barwenczik erklärt in einem langen und interessanten Artikel, warum das Kino keine Angst vor sozialen Medien haben darf.

– Filmkritiker Rüdiger Suchsland hat die Seiten gewechselt und einen Film gedreht. Der Dokumentarfilm „Von Caligari bis Hitler“ läuft in diversen Kinos und Suchsland berichtet auf Negativ von seinen Erlebnissen auf der Kinotour.

– Vor ein paar Jahren sah ich in der Cinematheque in Paris die Kostüme zu Jaques Demys „Eselshaut“, den ich seitdem gerne sehen wollte. Aber leider ist der Film in Deutschland nicht auf DVD erschienen und die französische hatte keine Untertitel. Also heißt es weiter warten und zwischendurch Hoffmans Text über den Film auf Drei Cineasten lesen.

– Sano Cestnik stellt auf Eskalierende Träume wortgewaltig einen neuen deutschen (okay, eigentlich ja mehr italienischen, wenn man’s genau nimmt) Lieblingsfilm vor: „Condottieri“, den Luis Trenker 1937 in Szene setzte.

– Apropos deutscher Lieblingsfilm: Udo Rotenberg stellt auf Grün ist die Heide Roland Klicks damals schmählich vernachlässigten, heute rehabilitierten „Deadlock“ vor.

– Und auf L’amore in città schreibt er über den Guerilla-Kriegsfilm „La colomba non deve volare“ von Sergio Garrone, der trotz deutscher Co-Produktion und Horst Buchholz in der Hauptrolle es bis heute nicht nach Deutschland geschafft hat.

– Oliver Nöding zeigt sich auf Remember It For Later von Linklaters „Boyhood“ angetan und nimmt sich die komplette „Freitag, der 13.“-Reihe vor. Stellvertretend hier mal der Link zu einem der besten teile, nämlich die Nummer 4.

– Wo wir bei den 80ern sind. Auf Cereality gibt es eine kleine Cannon-Retro mit „Masters of the Universe“ und „Invasion vom Mars“.

– Und Lukas Foerster hält auf Dirty Laundry ein flammendes Plädoyer für John Badhams „Drop Zone“.

– Kommen wir noch einmal auf Lieblingsfilme zurück. Bei mir steht Andrzej Zulawskis „Possession“ ganz, ganz weit oben auf der Beliebheitsskala. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de gibt ihm nur 7,5/10 Punkten. Da hätte ich mehr vergeben. Ferner wird der Anti-Kriegs-Anime „Barfuß durch Hiroshima“ empfohlen.

– Ebenfalls eine Empfehlung spricht Rochus Wolff auf seinem Kinderfilmblog für den in Palästina spielenden „Giraffada“ aus.

– Nicht unbedingt von einem Kinderfilm kann man bei „Camp Evil“ sprechen, auch wenn die Protagonisten im vorpubertären Alter sind. Sascha Nolte nennt ihn auf Die seltsamen Filmen des Herrn Nolteeinen der besten Slasher der letzten Jahre.

Begeistert sind auch YP und PD von Film im Dialog. Allerdings von „A Girl Walks Home At Night“.

– Stu von den Drei Muscheln wurde von Sono Sions neustem Werk „Tokyo Tribes“ ziemlich durcheinander gerüttelt. „Am Ende bleiben Ungläubigkeit, hochgezogene Mundwinkel, Verwirrung, Freude und vor allem die Wahrheit, dass Gewalt keine Lösung ist. Musik aber schon.“

– Christian Genzel schreibt auf Wilsons Dachboden über Ulrich Seidls „Paradies: Liebe“.

Kozure Okami berichtet, dass der legendäre SFX-Guru Rick Baker die Nase von Hollywood voll hat und dem modernen CGI-Zirkus den Rücken kehrt – um sein eigenes Ding zu machen.

Kino Vorschau Sommer 2015, Teil 2 – beim Kinogänger.

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DVD-Rezension: „The Guest“

theguestEines Morgens steht vor der Tür der Familie Peterson ein junger Mann (Dan Stevens), der sich David nennt und sich als Kamerad ihres verstorbenen Sohnes vorstellt. Die Familie Peterson bietet dem freundlichen und gutaussehenden David an, ein paar Tage bei ihnen zu bleiben. Bald schon sind sie seinem Charme erlegen und behandeln ihn fast wie ein Familienmitglied. David zahlt es ihnen zurück, indem er sich um Luke (Brendan Meyer), den Sohn des Hauses, kümmert und ihm zeigt, wie er mit sich in der Schule gegen seine Peiniger durchsetzen kann. Auch das Herz der Tochter Anna (Maika Monroe) und deren Freunde gewinnt er im Sturm. Doch bald schon wächst in Anna der Verdacht, dass David nicht der sein könnte, für den er sich ausgibt…

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Es gibt ihn noch: Den B-Film, der gar nicht erst so tut, als wolle er sich mit den großen Blockbustern messen, sondern sein kleines Budget dafür nutzt, mit tollen Schauspielern eine ökonomisch erzählte und dichte Geschichte ohne große Umwege und unnötige Ausschmückungen. Adam Wingards Film erinnert an die besten Werke eines John Carpenter, der am Anfang seiner Karriere einen ganz ähnlichen Stil pflegte, der wiederum an solchen alten Meistern wie Howard Hawks geschult war. In einer Zeit, in der alles immer größer und „cleverer“ sein muss, und man es kaum noch schafft einfache Geschichte in 90 Minuten zu erzählen und scheinbar ständig bewiesen werden muss, wie raffiniert oder ironisch man doch ist, stellt es eine Wohltat dar, wenn einem mal wieder ein Film wie „The Guest“ unterkommt.

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„The Guest“ bietet viele Interpretationsmöglichkeiten an, ohne dem Zuschauer eine bestimmte Lesart aufzwingen zu wollen. Auch wird nicht alles zum Erbrechen aus erzählt. Das Publikum erfährt genau soviel, wie es braucht, um dem Film zu folgen. Es gibt viele Leerstellen, die man selbst füllen kann – aber nicht braucht. Als Allegorie oder einfacher Spannungsfilm – „The Guest“ funktioniert auf beiden Ebenen. Klar bietet es sich an, ihn als Parabel auf die verändert aus dem Krieg heimkehrenden jungen Menschen zu sehen, die zu viel Grauen gesehen habe, zu unmenschliche Taten verübt haben, um noch diejenigen zu sein, die ihre Eltern einst in eine fernes Land ziehen ließen, um einen Krieg zu führen, den sie nicht verstehen. Bob Clarkes wunderbarer Zombiefilm „Deathdream“ wäre dann ein geistiger Bruder von „The Guest“. Aber man kann ihn auch als eine Coming-of-Age-Geschichte verstehen. Die junge Tochter, die sich in ihrem engen Elternhaus nicht mehr Zuhause fühlt und von dem Fremden fasziniert ist, der am Anfang aus der großen Weite, die ihr muffiges Haus umgibt, in ihr Leben gelaufen kommt.

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Folgt man diesem Ansatz, so ist „The Guest“ ein Film über die Angst eines jungen Mädchens, die einerseits von den Männern angezogen wird, sich anderseits aber davor fürchtet, dass der Ausgewählte nicht der richtige ist und sich am Ende als jemand vollkommen anderer entpuppt, als der, in den man sich verliebt hat. David ist eine Manifestation dieser Angst. Eloquent, freundlich, selbstbewusst und unverschämt gut aussehend. Doch am Ende wird sich herausstellen, dass er innerlich tot und ohne jedes Mitgefühl und Skrupel ist. Dass er beim kleinsten Anlass Gewalt anwenden wird. David ist ein potentieller Frauenschläger par excellence. Einer von denen, bei denen man sich fragt, wie „sie“ auf „ihn“ hereinfallen konnte. „The Guest“ zeigt sehr deutlich wie das geht, denn auch der Zuschauer ist schnell von dem charmanten und selbstsicheren David eingenommen. Einem echten Kerl, der so cool ist, dass allein sein Blick ausreicht, um die Schwätzer im Raum zum Verstummen zu bringen. Ein Verführer, bei dem man gar nicht merkt, dass man seinem Charme schon erlegen ist.

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Eine der schönsten Szenen des Filmes dreht sich um den ultimativen Liebesbeweis eines Teenies. Anna hat David ein Mix-Tape (zeitgemäß auf CD, immerhin aber kein MP3-Grab) erstellt. Sie hat sich auf ihr Bett gelegen, es noch einmal durch gehört und dabei ganz sicherlich von David geträumt. Nun hat sie aber herausgefunden, dass David gefährlich und für den Tod einiger Menschen verantwortlich sein könnte. Über sie fällt der „Schatten des Zweifels“. Wie einst Teresa Wright in Hitchcocks Klassiker fragt sie sich, ob der tolle „Onkel Charlie“ nicht ein psychopathischer Mörder sein könnte und versucht sich von ihm fern zu halten. Doch betritt ihr Zimmer und entdeckt die selbst gebrannte CD. Er scheint sich darüber aufrichtig zu freuen, doch an der Art, wie David reagiert als er Annas Geschenk, dass nun gar nicht mehr für ihn bestimmt und so etwas wie die Manifestation eines großes Irrtums ist, an sich nimmt, zeigt, wie genau an dieser Stelle etwas zwischen beiden zerbricht.

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Doch man muss diesen Gedanken nicht folgen. Man kann sich auch einfach zurücklehnen und die gut geölte Maschine genießen, die Adam Wingard und sein Drehbuchautor Simon Barrett auf die Spur gesetzt haben. Die beiden haben gemeinsam auch schon den schwer unterhaltsamen „You’re Next!“ (Kritik hier) verantwortet und sind zu einem gut eingespielten Team geworden, welches man in Zukunft beachten sollte. Eine wichtige Rolle spielt in „The Guest“ auch der großartige Soundtrack, der aus 80er-Jahren-Stücken besteht. Aber nicht aus den bekannten Gassenhauern der Format-Radios, sondern aus dem wirklich guten Stoff. Diese Stücke von Bands wie Front 242, Sisters of Mercy oder Clan of Xymox sorgen zusammen mit dem kongenialen Soundtrack aus der Feder von Steve Moore für die richtige Atmosphäre und lassen eine zusätzliche emotionale Ebene entstehen. „The Guest“ ist ein Film, den man ebenso gut hören, wie sehen kann. Wem läuft es nicht angenehm den Rücken hinunter, wenn er unerwartet DAFs „Mussolini“ hört und im Finale plötzlich ihr „Alles ist gut“ ertönt. Auch hat Adam Wingard seine elegante und auf dem Höhepunkt delirierende Bildführung im Vergleich zu „You’re Next“ noch verfeinert. Am Ende lockt er Anna zusammen mit ihrem Bruder in eine Film-Hölle, in der sich „Die Lady von Shanghai“, „Suspiria“ und der Trockeneisnebel der alten Hammer-Filme die fiebrige Hand geben. Das hat dann alles nichts mehr mit einer Realität zu tun, die der Film anfangs vorgibt, aber sehr viel mit dem Irrsinn, welchen man so vor allem im klassischen B-Film finden kann. Da ist das letzte Bild des Filmes ausnahmsweise nicht nervig, sondern einfach nur konsequent. Der klassische B-Kino stirbt nie, auch wenn es sich dann und wann eine andere Gestalt gibt.

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„The Guest“ ist einerseits ein ungemein spannender Thriller, andererseits aber für die, die genauer hinschauen, auch ein vielschichtiges Werk, welches viele Lesarten anbietet, diese aber nicht penetrant einfordert.

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Das Bild der Splendid-DVD ist sehr gelungen. An manchen Stellen hat es nicht die Brillanz, die manch anderer aktueller Film, doch gerade dies gibt dem Film eine „80er-Jahre-Note“, die sicherlich beabsichtigt ist. Der Ton ist hervorragend und die deutsche Synchro sehr solide, auch wenn Hauptdarsteller Dan Stevens dadurch etwas von seinem Charisma verliert. Auch die Extras können sich sehen lassen. Neben seinem Audiokommentar des Regisseurs finden sich noch eine handvoll Deleted Scenes, zu denen ebenfalls ein Audiokommentar von Adam Wingart zugeschaltet werden kann, eine Gag-Szene und eine verlängerte Szene. Neben der Standard-Version gibt es noch eine 2-Disc Limited Edition – die allerdings neben einem Booklet und diversen Covern, nur den Film und die oben besprochen Extras einmal als Blu-ray und einmal als DVD anbietet. Da der Film aber auch eigenständig auf DVD und Blu-ray erschienen ist, erschließt sich mir diese Veröffentlichungspolitik nicht wirklich.

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Filmbuch-Rezension: “Liebling, ich bin im Kino!“

althenkinoIm Zuge des Dokumentarfilms „Was heißt hier Ende?“, den Dominik Graf über seinen Freund, den Filmkritiker Michael Althen drehte und auf der diesjährigen Berlinale vorstellte, erscheint nun im Blessing-Verlag eine Sammlung mit Althens Schriften. Das Buch trägt den schönen Titel „Liebling, ich bin im Kino!“ und enthält nicht nur Filmkritiken aus den letzten drei Jahrzehnten, sondern auch gefühlvolle Portraits ikonischer Schauspieler und Schauspielerinnen.

Das ganze Buch durchzieht das Band der Liebe für den Film. Üble Verrisse oder ein kräftiges Draufhauen, wenn ihm ein Film nicht gefallen hat, sind Althens Sache nicht. Wenn er einen Film nicht mochte, spürt man keinen blanken Hass, sondern eher eine Traurigkeit und Enttäuschung, weil da hätte mehr sein können. Nein, sein sollen. Wie zum Beispiel bei seiner Kritik zum „Baader-Meinhoff-Komplex“, bei dem kein wirklich böses Wort fällt, man aber deutlich seine Frustration über den Film spürt. Oftmals entdeckt Althen aber auch in weniger gelungene Filmen genau die Szenen, die dann doch aus einem Werk heraus leuchten, welches diese Strahlkraft vielleicht gar nicht verdient hat.

Althens Texte wollen keine Konfrontation mit dem Leser, sondern diesen zum Nachdenken anregen. Sie machen ihren Punkt klar, ohne dabei ausfällig zu werden, oder sich über das Objekt der Besprechung hämisch zu erheben. Dabei beeindruckt die thematische Vielfalt, die Althen bespricht. Diese reicht vom Arthaus-Drama über den Hollywood-Blockbuster zu eher unbekannten Kleinoden und dem reinen Genrefilm. Da werden dann auch keine dummen Unterschiede zwischen U und E gemacht, und die Schubladen bleiben zu. Alles wird mit dem selben Respekt und der gleichen Liebe zum Kino behandelt.

Michael Althens größte Stärke liegt im Portrait. Wenn Althen zum Beispiel über Dean Martin schreibt, so kommt dieser in dem Text kaum vor, aber gerade dadurch wirkt „Dino“ so supercool wie nur irgendwas. Wunderbar auch der Nachruf zu einem anderen Mr. Cool des Kinos: Robert Mitchum, dessen unmögliches Leben Althen noch einmal Revue passieren lässt und es dabei überlebensgroß auf eine imaginäre Leinwand wirft. Oder seine so treffenden Worte zur Schönheit einer Jeanne Moreau. Interessant auch sein Nachruf auf Bernd Eichinger, bei dem man deutlich merkt, dass er nicht unbedingt ein Freund des Eichinger-Kinos war, aber dem Mann den größten Respekt entgegen bringt und in Eichingers Liebe zum Kino durchaus einen Seelenverwandten erkannt hat.

Einen Text über Wim Wenders Dokumentation „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“ nutzt Althen, um den Regisseur und dessen Einstellung zum Film eingehend zu charakterisieren. So, wie er eigentlich immer über die reine Filmkritik hinausgeht, ja dem Leser häufig eine schwarz-weiße Meinung, gut oder schlecht, verweigert und stattdessen auffordert, sich nicht nur mit diesem einen Film, sondern seiner persönlichen Idee von Kino zu beschäftigen. Zum Beispiel, dass Stanley Kubrik zwar ein brillanter Bildermacher ist, aber seinen Filmen die Seele fehlt. Und davon, dass dessen filmischer Ziehsohn Steven Spielberg unter dem selben Symptom leidet. Neben den reinen Filmtexten, findet sich hier auch ein interessantes Essay über den 11. September, welches einige Tage nach dem Anschlag in New York entstand. Und er zollt seinen beiden Lehrern Respekt: Den verstorbenen Filmkritikern Frieda Grafe und Peter Buchka.

Michael Althen schrieb zunächst für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, die Zeit, Tempo und andere Zeitschriften. 1998 wurde er verantwortlicher Filmredakteur der Süddeutschen Zeitung. 2001 wechselte er als Redakteur zum Feuilleton der FAZ. Zusammen mit Dominik Graf drehte er zwei Film-Essays: „Das Wispern im Berg der Dinge“ über Grafs Vater, den Schauspieler Robert Graf, und die filmische Liebeserklärung an seine Heimatstadt „München – Geheimnisse einer Stadt“. Hans Helmut Prinzler realisierte er die Dokumentation „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ (Kritik hier) über die deutsche Filmgeschichte.

2011 verstarb Michael Althen im Alter von nur 48 Jahre. Liest man noch einmal seine Texte, erkennt man, dass das deutsche Feuilleton mit ihm eine einfühlsame und verführerische, wortgewandte und poetische Stimme verloren hat. Und einen großen Liebhaber des Kinos, der fähig war, andere mit seiner Leidenschaft anzustecken.

Michael Althen “ Liebling, ich bin im Kino!, Herausgeben von Claudius Seidl, Blessing Verlag, 352 Seiten, € 19,99

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27. – 31. Mai: Das dritte Favourites Film Festival in Bremen

Vom 27. bis zum 31. Mai 2015 findet im Bremer Kommunalkino City 46 zum dritten Mal das Favourites Film Festival statt. Gezeigt werden Filme aus aller Welt, die bereits auf Festivals im In- und Ausland einen Publikumspreis gewonnen haben.

Am Mittwoch, den 27. Mai 2015 wird um 19:00 Uhr das dritte Favourites Film Festival Bremen mit einem Sektempfang im Foyer des City 46 eröffnet. Im Anschluss wird um 19:30 Uhr der französisch-senegalesische Eröffnungsfilm „DES ÉTOILES“ von Dyana Gaye gezeigt.

„DES ÉTOILES“ gewann den Publikumspreis des Premiers Plans Festival d’Angers in Frankreich. Das Spielfilmdebüt erzählt in geschickt miteinander verknüpften Episoden von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um in einem fremden Land zu leben und andersrum auf den Spuren ihrer Familiengeschichten ihre Wurzeln entdecken.

Die weiteren Spiel- und Dokumentarfilme des Festivals kommen aus Afghanistan, Kanada, Dänemark, Polen, den USA, Frankreich und dem Senegal.

U.a. wird auch das neuste Werk Oscar-nominierten Dokumentarfilm-Regisseurin Hanna Polak, „Something Better To Come“, gezeigt, an dem die Polin über 14 Jahre gearbeitet hat. Sie begleitet darin die anfangs 11-jährige Yula, die mit ihrer Mutter, ihren Freunden und vielen anderen Obdachlosen auf einer der größten Mülldeponien Europas außerhalb Moskaus aufwächst. Während Yula zwischen Geröll, Gestank, Alkohol und Zigaretten versucht zu überleben, wird sie vor den Augen der Zuschauer erwachsen und gibt trotz all des Elends um sie herum die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf.

Zur Vorführung ihres Films am Donnerstag, den 28. Mai um 19:00 Uhr im CITY 46 wird Hanna Polak persönlich anwesend sein, um von den außergewöhnlichen Dreharbeiten zu berichten und die Fragen des Publikums zu beantworten.

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Bremer OFDb Filmworks bringt „Wenn du krepierst – lebe ich“

HitchhikeAusgesprochen gute – wenn auch mittlerweile schon etwas ältere – Nachrichten aus der Nachbarschaft. Die OFDb Filmworks veröffentlicht am 05.06.2015 den grandiosen „Hitch Hike – Wenn du krepierst lebe ich“ von Pasquale Festa Campanile. Campanile ist mehr für seine Dramen und Komödien bekannt. Hier zieht er ganz mächtig vom Leder und lässt in seinem misogynen Meisterwerk David Hess („Krug“ aus Wes Cravens Kult-Schocker „Last House on the Left“ und ebenfalls in Ruggereo Deodatos bösen„Der Schlitzer“ zu sehen) Franco Nero und die bezaubernde Corinne Cléry aus „Die Geschichte der O“ zu einem grandiosen Morricone-Soundtrack aufeinander los.

Walter Mancini (Franco Nero) befindet sich mit seiner Frau Eve (Corinne Cléry) auf einer Reise durch den Süden der USA. Die Reise ist aber kein allzu großes Vergnügen, denn das Paar ist zerstritten und die Beziehung alles andere als harmonisch. Als ihnen ein Anhalter begegnet, der offensichtlich eine Autopanne hatte, hält Eve gegen den Willen ihres Mannes an und nimmt ihn mit. Zuerst unterhält sich Walter noch mit Adam Konitz (David Hess), aber als dieser sexistische Bemerkungen gegenüber seiner Frau macht, eskaliert die Situation schnell und Konitz zeigt sein wahres Gesicht: Er ist ein gesuchter Krimineller, der eine Beute von zwei Millionen Dollar bei sich hat, die er mit der Hilfe von Walter und Eve über die mexikanische Grenze schmuggeln will…

Die Veröffentlichung kommt als 3-Disc Limited Edition daher, die eine Blu-ray und zwei DVDs im Digipak enthält. Der Film wurde neu vom Originalnegativ in HD abgetastet und mit drei Tonspuren (Deutsch, Englisch, Italienisch) versehen. Auch die Extras können sich sehen lassen. Enthalten sind u.a. ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und die 85 (!)-minütige Doku „Road to Ruin“.

Da herrscht bei mir große Vorfreude, und meine alte US-DVD dürfte bald ausgedient haben.

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