Bin mal kurz weg…

Eigentlich, eigentlich, eigentlich… wollte ich heute noch so viel schreiben und online stellen, bevor ich für die nächsten zwei Wochen in den Urlaub entschwinde. Aber der GDL-Streik, sowie diverse Bäume auf den Schienen in Altona und zwischen Bremen Hbf und Oberneuland, haben mein heutiges Zeitmanagement derartig durcheinander gewirbelt, dass ich noch nicht einmal zum Kofferpacken gekommen bin. Daher wird jetzt aufgeschoben, aber nicht aufgehoben – und ich melde mich dann in zwei Wochen wieder.

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Das Bloggen der Anderen (04-05-15)

bartonfink_type2– Ende April fand in Wiesbaden 15. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. David von Whoknows presents war dabei und hat einen ausführlichen Bericht geschrieben, bei dem man das Gefühl hat, selber anwesend gewesen zu sein.

– Rochus Wolff schreibt auf B-Roll über den Merchandise-Wahnsinn und Patrick Holzapfel stellt den ukrainische Filmemacher Sergei Loznitsa vor, der gerade beim Crossing Europe Festival in Linz geehrt wird.

– Auf Jugend ohne Film schreibt Thomas Rufin über den Film „In the Mood For Love“ und dessen Musik.

– Auf Daumenkino ärgert sich Philipp Fust über ein aktuelles „Kino der Restauration“, das für ihn ein Kino des Stillstandes ist.

– Görlitz ist seit neustem Schauplatz so mancher aktueller Hollywoodstreifen. Wo die Stars in „Görliwood“ ihre Fußstapfen hinterlassen haben, erzählt Andrea David auf filmtourismus.de.

– Harald Steinwender hat sich im Kino drei aktuelle Genre-Filme angesehen und macht sich darüber auf Themroc so seine Gedanken.

– Sascha Brittner hat auf PewPewPew einige nette Anekdoten über Werner Herzog zusammengetragen.

– Wie Joss Wheadon in „Avenger 2“ die Bildsprache von Comics auf eine neue Art in die Bildsprache von Filmen übersetzt, erläutert Alex Matzkeit auf real virtuality.

– „Karten, Pläne (V)“ von Rainer Knepperges auf new filmkritik. Immer wieder ein Genuss.

– Sano Cestnik ernennt auf Eskalierende Träume „Der Bulle und das Mädchen“ (an dessen mediale Werbung ich mich im Zuge von Jürgen Prochnows damalige Popularität im Gefolge von „Das Boot“ ich mich noch sehr gut erinnere) zu einem der 100 deutschen Lieblingsfilme.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf Grün ist die Heide wieder mit einem Film aus der „Zwischenzeit“. Zum 1961 erschienen „Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ schreibt er: „Im Subtext verbirgt sich, worum es Regisseur Philipp tatsächlich ging – um Sexualität und den Wandel der Geschlechterrollen.“

– Der italienische Komiker Totò ist bei mir – trotz Italoaffinität – ein weißer Fleck. Außer in Pasolinis „Große Vögel, kleine Vögel“ kenne ich keinen Film mit ihm. Udo weiß da auf L’amore in città weitaus mehr und stellt „Totò in Farbe“ vor.

– Der Mann für das Obskure – Alex Klotz mit seinen Hypnosemaschinen – stellt den isländischen Horrorfilm „Tilbury“ von 1987 vor. „Tilbury hingegen ist einer von diesen Filmen, die so originell und ideenreich sind, daß einem keine wirklich passenden Vergleichsobjekte einfallen wollen – man hockt vielmehr mit offenem Mund vor dem Bildschirm und glaubt nicht ganz, was man da gerade sieht. Großartig!“

Der große indische Regisseur Satyajit Ray findet in Deutschland einfach nicht statt. Dies will Hauptsache (Stumm)Film ändern und stellt Rays klassiker „Mahanagar (Die große Stadt)“ von 1963 vor.

– Von „Hara-Kiri“ kenne ich nur das – ebenfalls sehr gute – Remake. Nach dem Text von Sascha Schmidt auf Okaeri weiß ich, dass ich aber trotzdem auch Kobayashi Masakis Original von 1962 sehen sollte.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later vom bisherigen Werk des Paares Hélène Cattet & Bruno Forzani recht beeindruckt. Vor allem „Amer“ hat ihm gefallen, aber auch „Der Tod weint rote Tränen“ hat ihm gut gefallen. Ein ganz besonderen Platz in seinem Herzen hat allerdings „Die Braut des Prinzen“ (den ich immer noch nicht gesehen habe – aber der Druck nimmt solchen Texten immer weiter zu).

– Dafür habe ich aber bereits vor langer Zeit den famosen Italo-Kracher „Revolver“ mit Oliver Reed und Fabio Testi gesehen und kann die Lobpreisungen, die Bluntwolf auf Nischenkino der aktuellen deutschen Erstveröffentlichung zukommen lässt, absolut verstehen.

– Totalschaden schreibt auf Splattertrash über Maurizio Merlis Debüt im Polizieschi: Dem erzreaktionären „Verdammte heilige Stadt“.

– Kürzlich schrieb ich hier über die „Cannon“-Doku „Electric Boogaloo“. LZ von screen/read hat hierzu noch einiges mehr zu sagen.

– Passend dazu: Christian Witte auf Cerealty über „American Fighter“ und zum kommenden Kinostart von „Mad Max: Fury Road“ gibt es noch einen Rückblick auf „Mad Max 2“.

yzordderrexxiii über „German Angst“: „Es gibt ihn also doch, den deutschen Genre-Film – und er muss sich nicht verstecken. Das haben Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall hier eindrucksvoll und schmerzhaft bewiesen.“

– Über den Horrorfilm „Der Babadook“ liest man viel Gutes. So auch bei Oliver Armknecht auf film-rezenionen.de.  Ferner empfiehlt er den Anime „Vampire Princess Miyu“, der sich wirklich sehr gut anhört.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat „Der Golem“ von und mit Paul Wegener gesehen, ist beeindruckt und es fallen ihm auch die Ähnlichkeiten zu „Frankenstein“ auf. Abteilung Herzattacke: Der unglaublich niedliche, verspielte und allseits beliebte „Einer gegen das Imperium“ hat nicht seinen Geschmack getroffen und wieder muss der großartige Antonio Margheriti sich was von ihm anhören. Gut für Schlombie, dass die vierteilige TV-Serie, aus der der Film zusammengeschnitten wurde, (zumindest meines Wissens nach) nie veröffentlicht wurde.

– Normalerweise ist der Blog Komm&Sieh immer überaus kritisch und kaum ein Film kommt mal mit heiler Haut davon: Von dem SF-Mystery-Thriller „Parallels“ ist Jochen Plinganz allerdings begeistert.

Neues aus Hollywood vom Kinogänger.

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Filmbuch-Rezension: “Fritz Lang”

GrobFritzLangFritz Lang zählt zu den bekanntesten und angesehensten Regisseuren unseres Landes. Darüber hinaus ist er einer der ganz wenigen Filmemacher der Stummfilmzeit, deren Namen heute noch Nicht-Cineasten geläufig ist. Allerdings wird sein Werk fast immer nur auf die Zeit der Weimarer Republik reduziert. Und hier schwebt der Name „Metropolis“ über allem. Fast scheint es, als wäre sein berühmtestes Werk mittlerweile zum Synonym für seinen Namen geworden. Lang ist „der Metropolis-Regisseur“. Vielleicht kennt man noch sein Meisterwerk „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ oder seinen „Mabuse“. Mit etwas Glück noch „Die Nibelungen“ und „Der müde Tod“, doch damit hört es bei den Meisten schon auf. Dabei fällt ein gewichtiger Teil seines umfangreichen Werkes fast immer unter den Tisch: Die Filme, die in seiner Zeit in Hollywood entstanden. Immerhin 20 Jahre war er in den USA aktiv und arbeitete für große, später dann zunehmend kleine und unabhängige Produzenten. Viele seiner interessantesten Filme entstanden in dieser Zeit.

Norbert Grob legt nun im Propyläen Verlag-Verlag die erste umfassende Biographie des Mannes vor, der fast 50 Jahre lang Filmgeschichte schrieb und zu den Legenden des Kinos zählt. Und erfreulicherweise konzentriert sich Grob dabei nicht auf die Zeit bei der Ufa, sondern behandelt Langs weiteren Lebensweg gleichberechtigt. Ein „Metropolis“ nimmt bei ihm nicht viel mehr Platz ein, als beispielsweise Langs letzter Hollywood-Film „Beyond Reasonable Doubt“. Wer Details über die Dreharbeiten und technische Aspekte bei Grob erwartet, ist hier hier falsch. Grob liefert immer ausführlich Inhaltsangaben (auch von nicht realisierten Filmen), zeigt auf, wie die Filme von der zeitgenössischen Kritik aufgenommen wurden und ordnet sie in den größeren Kontext von Langs Leben, seinem Gesamtwerk und seinen großen Themen (der aussichtslose Kampf des Individuums gegen das Schicksal, die Existenz von Parallelwelten, ) ein. Immer steht dabei vor allem die Person Fritz Lang und seine nicht immer einfache Persönlichkeit im Vordergrund. Dabei nimmt Grob kein Blatt vor den Mund und schreibt hier keine Heldenverehrung, sondern stellt dem Leser einen Mann vor, der nicht immer sympathisch erscheint, aber seinen künstlerischen Überzeugungen ohne Wenn und Aber folgte. Der eine große Vision davon hatte, wie Film aussehen muss, der sein Leben mit Haut und Haar dem Kino verschrieben hatte und trotz seiner menschlichen Makel eine beeindruckende Persönlichkeit war.

Grob erzählt das Leben und Schaffen Langs tatsächlich als flüssig zu lesende Geschichte. Immer wieder begibt er sich ganz nah an seinen Protagonisten heran und schaut in dessen Kopf. Dies wirkt zunächst einmal befremdlich, denn Sätze wie „Lang dachte…“, „Lang freute sich auf…“ kann man doch zunächst als reine Spekulation abtun. Auch Dialoge, die wenn dann im Privaten geführt wurden, werden teilweise wiedergeben. Grob erwähnt aber später, dass Lang penibel Tagebuch führte und wahrscheinlich standen Grob Langs private Aufzeichnungen zur Verfügung, auch wenn dies nicht explizit erwähnt wird. Manchmal übertreibt es Grob aber auch mit dem Detailreichtum. So wird am Anfang beispielsweise ausführlich über einen Boxkampf geschrieben, den Lang sah, ohne dass ein direkter Einfluss auf Langs weiteren Werdegang deutlich wird. Später folgen immer wieder lange Aufzählungen von Filmen, die Lang im Kino sah. Dies ist zwar durchaus interessant und rundet das Bild, welches Grob von Lang zeichnet, ab, hemmt aber den Lesefluss und ist nicht unbedingt von zwingendem Interesse.

Vor diesem Hintergrund verwundert es dann, wenn einige weitaus interessantere Details komplett unter den Tisch fallen. So erwähnt Grob nicht, dass von „Das Testament des Dr. Mabuse“ zwei Sprachfassungen (Deutsch/Französisch) mit unterschiedlichen Schauspielern existieren. Vor allem fehlt aber auch der Hinweis, dass Langs Ehefrau Thea von Harbou zunächst mit Rudolf Klein-Rogge verheiratet war, dem Lang später wichtige Rollen in seinen Filmen anvertraute, wie zum Beispiel den berühmten Dr. Mabuse. Hier wäre es sicherlich interessant gewesen zu erfahren, wie die beiden Männer zueinander standen und wie sich die enge Zusammenarbeit gestaltete. Das Thema Fritz Lang und die Frauen ist ein Hauptthema nicht nur in diesem Buch, sondern auch Langs Lebens als solches. Langs Frauenverschleiß ist ebenso sagen- wie zwanghaft. Daher wirken die vielen hier erwähnten, wechselnden Damen und Abenteuer nicht sensationshaschend und boulevardesque, sondern sind durchaus wichtig, um den Menschen Fritz Lang, ebenso wie einige der Probleme, die ihn in seiner Laufbahn immer wieder behinderten, zu verstehen. Denn in seiner Jagdlust machte er auch vor den Frauen und Freundinnen seiner Freunde und Bekannten nicht halt. Dass diese in der Mehrzahl zu ihm hielten, ist ein Mysterium, welches auch Grobs Buch nicht vollständig erklären kann. Jedoch spürt man in dieser Biographie jederzeit die große Faszination und Autorität, die Lang auf seine Mitmenschen ausgestrahlt haben muss.

Norbert Grobs Buch liest sich stellenweise wie ein Roman. Und tatsächlich ist die Person Fritz Lang ein ausgesprochen dankbarer Protagonist, den wir hier durch die ersten 76 Jahre des letzten Jahrhunderts begleiten. Sein Leben beinhaltet alles, was einen interessanten Charakter ausmacht. Exzess, Sex und Drama.  Erfolg, Macht, Niederlage. Allein der geheimnisvolle Tod seiner ersten Ehefrau wäre Stoff für einen spannenden Krimi. Grob bringt einem aber auch den pedantischen Tyrannen Lang nahe. Führt aus, welche Ziele Lang mit seinem Filmen verfolgte. Wie er Film als Verlängerung seines frühen Schaffens als Maler verstand. Wie er seine Gemälde auf Zelluloid malte. Wie er das Auge (Lang bezeichnete sich nicht umsonst als „Augenmensch“) über alle Sinne erhob, wenn es um seine Vorstellung vom perfekten Film ging. Wie wichtig ihm seine filmischen Gemälde waren, zeigt Grob anhand von Langs Signatur auf. Denn diese signierte er wortwörtlich mit seiner Hand: Diese ist in fast all seinen Filmen zu sehen. Dass sie dabei oftmals dem Mörder gehört, mögen Psychologen bewerten.

Norbert Grob “ Fritz Lang – Ich bin ein Augenmensch, Propyläen Verlag, 448 Seiten, € 26,00

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Open-Air-Kino in Bremen 2015 – Schlachthof im Juni

schlachthofopenairNachdem der Schlachthof bereits im letzten Jahr Vorreiter in Sachen Open-Air-Kino war, werden nun unter der Regie der Schlachthofkneipe ganz große Geschütze aufgefahren.

Den ganzen Juni über gibt es nun Open-Air-Kino in der Arena am Schlachthof. Dabei stehen Spaß, gute Laune und eine tolle Atmosphäre im Vordergrund. Und als ein Teil des „Weird Xperience“-Teams habe ich die große Freude am 10. Juni auch einige Filme zusammen mit Stefan Mibs zu präsentieren. Das Programm für den Juni ist meiner Meinung nach ein wirklich hübsches „Something For Everybody“ mit geliebten Kult-Klassikern, neueren und zu unrecht nicht so bekannten Filmen. Ich freue mich schon und hoffe natürlich auf gutes Wetter.

Hier das Programm:

04.06. Die Feuerzangenbowle – Heinz Rühmann als Pfeiffer mit drei „F“. Und jeder nur einen „wönzögen Schlöck!“.

05.06. The Rocky Horror Picture Show – Kultfilm. ‚Nuff said.

06.06. The Breakfeast Club + The Big Lebowski – Einer der beliebten Filme der 80er Jahre, gefolgt einem der beliebsten Filme der 90er.

07.06. Life of Pi – Ang Lees Verfilmung des bekannten Bestsellers „Schiffbruch mit Tiger“.

10.06. Weird Xperience präsentiert: Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster, The Texas Chain Saw Massacre, The Toxic Avenger – ein Godzilla-Klassiker, Tobe Hoppers Original-Terrorfilm und der ungewöhnliche Superheld aus Tromaville!

11.06. John Wick – Keanu Reeves im harten Rächer-Modus.

12.06. Radio Rock Revolution – An der Kinokasse leider ungerechtfertigterweise untergangener Film über einen Piratensender vor Englands Küste in den 60er Jahren.

13.06. Blues Brothers – „Es sind 106 Meilen nach Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, ’n halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen!“

14.06. Mamma Mia! – Feelgood-Musical basierend auf ABBA-Songs.

18.06. Serena – Der neue Film von Susanne Bier spielt im Amerika der 30er Jahre. Mit Bradley Cooper und Jennifer Lawrence.

19.06. Ziemlich beste Freunde – Der große französische Erfolgsfilm, der in Deutschland sogar Harry Potter an der Kinokasse geschlagen hat.

21.06. Wüstentänzer – Im Iran ist das Tanzen verboten. Der junge Afshin bringt sich anhand von illegal geschauter Youtube-Videos selbst das Tanzen bei und tritt trotz aller Gefahren bei einer geheimen Veranstaltung in der Wüste auf.

25.06. Dead Man – Holla, einer meiner absoluten Lieblingsfilme! Johnny Depp in einem surrealen Western-Albraum von Jim Jarmush.

26.06. Can a Song Save Your Life? – Musikfilm mit der wunderbaren Keira Knightly als junge Musikerin, die durch einen gefeuerten Musikproduzenten die Chance ihres Lebens bekommt.

28.06. Ritter der Kokusnuss – Monty Pythons auf der Suche nach dem heiligen Gral. „Okay, einigen wir uns auf Unentschieden“.

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DVD-Rezension: „The Dead Lands“

DeadlandsDer Stamm des jungen Maori Hongi (James Rolleston) erhält Besuch von Wirepa (Te Kohe Tuhaka), dem Häuptlingssohn eines verfeindeten Stammes. Wirepa täuscht vor, im Namen des Friedens zu kommen, nutzt jedoch einen Vorwand, um Hongis Stamm erbarmungslos abzuschlachten. Nur Hongi und ein paar Frauen überleben. Hongi schwört Rache und folgt Wirepa und dessen Männern durch die „Dead Lands“. Dies ist ein verfluchtes Gebiet, in dem einst über Nacht ein ganzer Stamm verschwand und das nun von einem unheimlichen Wesen regiert wird, welches jeden, der sein Land durchquert, verspeist. Bald schon wird Hongi mit dem „Monster“ konfrontiert, welches sich als riesenhafter Krieger (Lawrence Makoare) herausstellt. Hongi gelingt es, den Krieger auf seine Seite zu ziehen, und gemeinsam setzten sie sich auf Wirepa Fährte…

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Die Prämisse des neuseeländischen Films „The Dead Lands“, und insbesondere sein Trailer, wecken Assoziationen zu Mel Gibsons brutalem Epos „Apocalypto“. Ging es dort um den Untergang der Maya-Kultur, so erzählt der neuseeländische Regisseur Toa Fraser von den Ureinwohnern seiner Heimat: Den Maori. Wie Gibson lässt er seine Figuren dabei in der archaischen Sprache der Ureinwohner sprechen. Und wie Gibson, zeigt er viel Action und lässt das Blut in Fontänen spritzen. Was ihm aber vollkommen abgeht, ist jener epischer Atem, der „Apocalypto“ auszeichnete. Trotz des vielversprechenden und nicht ganz alltäglichen Ansatzes, hat Toa Fraser dann doch nur einen B-Actionfilm gedreht, der eine philosophische Tiefe zwar ab und zu behauptet, aber stets an der Oberfläche bleibt, um eine schon tausendfach gesehene, ausgelutschte Rachegeschichte zu erzählen. Über die Kultur der Maori lernt man nicht viel und was man durch Frasers Film mitbekommt, wirkt auf den unvorbereiteten, westlichen Zuschauer zunächst einmal albern.

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Dies merken auch einige Kritiker an, die dem Film vorwerfen, sich aufgrund der für uns eher lustig anmutenden Riten, in Trash-Gebieten zu bewegen. Ein natürlich unhaltbarer, eher dummer Vorwurf. Denn man merkt deutlich, dass es Toa Frasers erklärtes Ziel war, so dicht und realistisch wie möglich die Maori-Kultur dran zu sein. Und dazu gehört auch wildes Augenrollen und das Herausstrecken der Zunge während eines Kampfes. Was man Fraser eher vorwerfen kann ist es, dass er die Maori-Kultur nicht wirklich nutzt, um uns die Ureinwohner und ihre Kultur vorzustellen. So bleibt es beispielsweise unbeantwortet, ob Kannibalismus unter den Maori wirklich verbreitet war oder dies eine Erfindung des Filmes ist. Für „das Monster“ scheint das Verspeisen seine Gegner durchaus etwas ganz Natürliches zu sein, aber auch Wirepa erwähnt einmal, der Kopf seines Feindes würde bei einem großen Fest verspeist. Und in einer späteren Szene laben sich die verdurstenden Krieger an dem Blut eines der ihren. Auch den mythischen Hintergrund und die Allgegenwart der Verstorbenen muss man sich mehr denken, als dass dies näher erläutert wird, wodurch die Szenen in denen Hongi plötzlich mit seiner toten Großmutter spricht, erst einmal komisch wirken. Nun muss nicht alles ausformuliert werden und „The Dead Lands“ ist auch keine Semi-Dokumentation. Aber er wäre die Chance gewesen, den Menschen außerhalb Neuseelands eine fremde, unterdrückte Kultur nahezubringen. Und da „The Dead Lands“ auch Neuseelands offizielle Oscar-Bewerbung war, kann man davon ausgehen, dass dies durchaus beabsichtigt war.

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Diese Oberflächlichkeit wirkt sich leider auch auf die Protagonisten aus. Unser Held Hongi bleibt blass, sein Weg vom ungeschickten, ängstlichen Häuptlingssohn zum starken Krieger wahllos und voller Sprünge hin und zurück. Auch erhält er keine Konturen, die ihn uns näher zum Herzen bringen. Gegenspieler Wirepa sieht mehr aus wie der Bösewicht aus einem Endzeitfilm und füllt seine Rolle dann auch gänzlich mit Klischees. Wirkliches Profil erhält er nicht, außer, dass er narzisstisch, böse und brutal ist. Und auch nicht besonders clever, denn er wählt mit großer Autorität immer den falschen Weg und ist dabei extrem beratungsresistent. Nur zwei Figuren bleiben einem am Ende im Gedächtnis: Das „Monster“ und eine junge Amazone. Das Monster, welches eigentlich nur ein überaus kräftiger Krieger mit kannibalischen Neigungen und einer finsteren Familiengeschichte ist, wird von Lawrence Makoare gespielt, der hinter Masken versteckt in einigen „Herr der Ringe“-Filmen dabei war. Hier kann er einmal zeigen, dass er eine starke Präsenz besitzt, die auch einen Film tragen kann. Man verzeiht ihm auch gerne, dass er einige platt-pathetische Sprüche aufsagen muss, und seine Figur auch nicht unbedingt eine Ausbund an Originalität ist. Spannender ist da schon eine, von Raukura Turei gespielte, junge Amazone, die sich mit dem Monster einen gnadenlosen, gut choreographierten Kampf liefert, der das Highlight des Filmes bildet. Leider ist ihr nur wenig Zeit auf der Leinwand vergönnt.

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Die Actionszenen sind recht kompetent umgesetzt, auch wenn die Kamera ab und zu die Details aus dem Auge verliert. Unglücklich ist es allerdings gelöst, wenn die Gruppe der Finsterlinge gegen unsere zwei Helden antreten muss. Dann nämlich tänzeln sie wie einst die Kämpfer in den alten Shaw-Brothers-Filmen umher, um schließlich immer schön einzeln anzugreifen. Aber vielleicht gehörte diese „faire Kampfführung“ ja auch zur Maori-Kultur. Ich bezweifle es aber. Ansonsten fällt auf, dass Regisseur Toa Fraser gerne in die Vollen geht und das Blut spitzen lässt. Allerdings ohne dabei die rohe Brutalität zu erreichen, die das oben angeführte Beispiel „Apocalypto“ erzeugte. Dafür lässt Fraser seine Figuren dann aber durch den neuseeländischen Dschungel hetzten, der zwar imposant ist, aber in den Bildern des Kameramanns Leon Narbey nie die mythische Qualität erreicht, die für den Film angebracht gewesen wäre. So wirken die Bilder eher klein, überschaubar und manchmal merkwürdig flach. Es fehlt einfach die Wucht, die unter anderem im Trailer suggeriert wurde und von einem Film wie „The Dead Lands“ auch irgendwo erwartet wird.

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Der neuseeländische Regisseur Toa Fraser hat mit „The Dead Lands“ einen soliden B-Actionfilm ohne jegliche epische Wucht gedreht, der weit hinter dem Potential zurück bleibt, welches die Beschäftigung mit der Maori-Kultur, lange vor der Kolonialisierung Neuseelands, geboten hätte. Stattdessen erzählt Fraser eine sehr simple und austauschbare Rachegeschichte, aus der am Ende nur Lawrence Makoares Portrait eines hünenhaften, kannibalischen Kriegers wirklich in Erinnerung bleibt.

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In Sachen Bild- und Tonqualität lässt sich diese bei Ascot Elite erschienene DVD nicht lumpen. Das Bild ist sehr scharf, die Farben – wo es sich so gehört – kräftig, das Schwarz auch wirklich schwarz. Auch der Ton kann überzeugen und spielt seine Dschungel-Effekte überzeugend aus. Nur die – solide – deutsche Synchronisation ist im Grunde überflüssig. Ist es doch die Intention des Regisseurs, dass die Schauspieler in der Sprache der Maori sprechen, um auch deren Kultur zu skizieren. Als Extras gibt es einige unkommentierte Szenen von den Dreharbeiten (6 Minuten), ebenso unkommentiertes Kampftraining (2 Minuten) und Einblicke in den Fitnessraum (4 Minuten). Die Blu-ray soll noch einige Interviews mit an Bord haben.

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Originalfassungen in Bremen: 30.04.15 – 06.05.15

Jetzt gab es eine lange Pause bei den O-Fassungen in Bremen. Dies ist einerseits privaten Gründen geschuldet, andererseits dem extrem erhöhten Arbeitsaufkommen in meinem „echten“ Job. Da das Zusammenstellen der O-Fassungen ein ziemlicher Zeitfresser ist, habe ich diese Rubrik erst einmal unter den Tisch fallen lassen. Die nächsten Wochen wird es auch nichts geben, dies liegt aber dann daran, dass ich in den wohlverdienten Urlaub gehe und in dieser Zeit dann den Blog einfach mal Blog sein lasse. In dieser Woche gibt es aber noch eine Auflistung der Filme in Originalfassung und es spielt mir sehr in die Karten, dass in den Kinos dahingehend sehr wenig los ist.

The Gunman – Cinemaxx, Do./So. Um 19:00 – Nach Liam Neeson begibt sich nun der nächste Character-Darsteller in den harten Action-Zirkus. Sean Penn spielt einen Ex-Söldner, der gegen seine ehemaligen Kollegen eintreten muss.

Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron 3D – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:45 & CineStar, So. 3.5. um 19:30 – Furioser Abschluss der Phase 2 der Marvel-Comicverfilmungen. Superhelden Galore!

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=rD8lWtcgeyg[/youtube]

Eden – Lost in Music – Schauburg, So., 3.5. um 21:15 – Der französiche Spielfilm zeichnet den Aufstieg und Fall eines Techno-DJs und seine Reise durch die Elektro-Szene in den 90er Jahren.

[youtube width=“630″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=2l1T9xs-o0o[/youtube]

Man For A Day – City 46, Di. 5.5. um 18:30 – Regisseurin Katarina Peters beobachtete den Verlauf eines Berliner Workshops der Gender-Aktivistin Diane Torr, in dem eine Gruppe von Frauen einen Tag lang als Mann leben. Eintritt frei! Mit Einführung und anschließender Diskussion.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit – City 46, Do.-Sa. immer 18:00, So./Mo. Um 20:30 und Mi., 5.5. um 20:00 – Britischer Spielfilm mit dem tollen Eddie Marsan, der einen „Funeral Officer“ spielt. Das ist jemand, der für eine würdevolle Beerdigung anonym Verstorbener sorgt, bei der er oft als einziger Anwesender eine persönliche Abschiedsrede hält. Am Mittwoch mit einer Einführung von Heinz-Martin Krauß.

Der Prozess – City 46, Do./Sa. um 20:30 und Mo. um 18:30 – Orson Welles kongeniale Verfilmung des Kafka-Romans. Mit Anthony Perkins als Josef K., Jeanne Moreau und Romy Schneider.

Touch of Evil – City 46, Fr. um 20:30 und So./Di. um 18:00 – Noch einmal einer meiner absoluten Lieblingsregisseure: Orson Welles, der in diesen Tagen 100 Jahre geworden wäre. 1957 drehte er diesen Spät-Noir, der zu seinen besten Filmen zählt. Allein die Eröffnungsszene verursacht dem Cineasten einen wohlige Gänsehaut. Und Marlene Dietrich sowieso.

[youtube width=“630″ height=“344″]https://www.youtube.com/watch?v=_S-AknU_R0Q[/youtube]

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 04.05. um 19:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 04.05. um 21:45

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DVD-Rezension: „Escape From Tomorrow“

escapefromtomorrowGerade als Jim (Roy Abramsohn) mit seiner Familie in der „Disneyworld“ in Orlando zu Besuch ist, erfährt er am Telefon, dass er von seinem Chef gefeuert wurde. Jim versucht sich nichts anmerken zu lassen und mit Frau, Tochter und Sohn einen schönen Tag in einem der weltgrößten Vergnügungsparks zu verbringen. Doch bald schon wird er auf zunächst kleine Merkwürdigkeiten aufmerksam: Die Gesichter einiger Besucher sieht er plötzlich verzehrt, sein Sohn erscheint ihm fremd und feindselig und der ganze Park bedrohlich. Zudem laufen ihm immer wieder zwei blutjunge Französinnen über den Weg, die mit ihm zu Flirten scheinen. Bald kann Jim nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden.

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Keine Besprechung des Filmes „Escape From Tomorrow“ kommt umhin, zunächst einmal von den außergewöhnlichen Umständen zu berichten, unter denen der Film entstand. Und auch diese Rezension macht da keine Ausnahme, da diese für die Rezeption dieses surrealen Psycho-Trips nicht ganz unwichtig sind. Regisseur Randy Moore hatte sich in den Kopf gesetzt, den Film in „Disneyworld“ zu drehen. Nun ist es aber unmöglich in „Disneyworld“ Filmaufnahmen zu machen – ganz besonders für einen Spielfilm, der den Vergnügungspark nicht unbedingt von seiner fröhlichsten Seite zeigt. Für Moore war das authentische Flair aber so wichtig, und dass er beschloss, den Film trotzdem mit seinen Schauspielern vor Ort zu drehen – unter den Augen des disney’schen Wachpersonals. Und tatsächlich gelang es Randy Moore seinen Film im Guerilla-Stil zu vollenden. Wer sich „Escape From Tomorrow“ deshalb als wilden Handkamera-Wackelfilm vorstellt, der könnte falscher gar nicht liegen. „Escape From Tomorrow“ besticht durch elegante, beunruhigend schöne schwarz-weiß-Bilder, die nach einem sehr viel höheren technischen Aufwand aussehen, als heimliche Aufnahmen mit einer kleinen Digitalkamera im Grunde zulassen.

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„Escape From Tomorrow“ wird gemeinhin als Horrorfilm vermarktet, und das Filmplakat lässt einen einen blutigen Slasher erwarten. Doch damit hat Regisseur und Drehbuchautor Randy Moore nichts im Sinn. Er zeigt vielmehr das albtraumhafte Psychogramm eines Mannes in der Midlife-Crisis, der mit seinem aktuellen Lebensentwurf nicht mehr zufrieden ist. Der einen Ausweg aus seinem tristen Leben sucht, und sich weigert einzugestehen, dass er sich schon seit Längerem auf der Verliererstraße befindet. Symbolisiert werden seinen Hoffnungen auf ein anderes, interessanteres Leben durch zwei blutjunge Französinnen, die ihn wie das weiße Kaninchen in „Alice im Wunderland“, immer tiefer in einen Kaninchenbau ziehen, der da auf Namen wie burn-out, Depression und Zusammenbruch hört. Dies wird aber vom Film niemals direkt formuliert, sondern ist allein aus den verstörenden Bildern zu erahnen. Diese gemahnen dann natürlich erst einmal an David Lynch, aber in ihrer seltsamen Künstlichkeit auch an den anderen großen, surrealen Seelenforscher, Guy Maddin. Gerade Hauptdarsteller Roy Abramsohn, der an eine verfettete trailer-park Version von Tom Cruise erinnert, passt da aufgrund eines expressionistischen Spiels gut ins Bild.

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„Escape From Tomorrow“ strotzt von merkwürdigen Einfällen, die sich im Verlauf des Filmes immer mehr steigern. Sind es am Anfang noch die leicht verzehrte Wahrnehmung des Protagonisten, der in harmlosen Figuren plötzlich böse Fratzen zu erkennen glaubt, so nimmt der Wahnsinn bald immer mehr Fahrt auf und kumuliert in der zweiten Hälfte in einem kaum noch nachvollziehbaren Plot um Manipulationsmaschinen, sinisteren Wissenschaftlern und unheimlichen Robotern. Von hysterischen Hexen ganz zu schweigen. Dieses sich permanent steigernde Albtraumszenario wäre in dieser extremen Form im Grunde gar nicht nötig gewesen. Tatsächlich wirkt das im letzten Viertel entfesselte Inferno etwas zu selbstzweckhaft und gewollt, da sich Randy Moore obendrein entschließt, seine Geschichte mit immer kryptischer werdenden Bildern und verschlungener Wendungen aufzuladen.

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Viele Kritiker des Films haben dem Film vorgeworfen, seine besondere Entstehungsgeschichte als reines Gimmick abzutun und werfen dem Regisseur vor, ganz bewusst eine Konfrontation mit dem bekanntermaßen recht prozesswütigen Disney-Konzern provoziert zu haben, um dadurch möglichst viel Publicity zu bekommen. Dabei ist der Schauplatz in der Tat essentiell für das Funktionieren der Geschichte. Denn bereits die bloße Tatsache, dass der Film der kunterbunten Disney-Unterhaltungswelt mit seinem Gute-Laune-Terror die Farbe entzieht, wirkt ausgesprochen verstörend. Durch diesen merkwürdig beunruhigenden Effekt, wirkt der berühmte Vergnügungspark tatsächlich wie ein Fegefeuer der falschen Fröhlichkeit. Gerade in den kleinen, „falschen“ Details – wie zum Beispiel der Szene, in der unser Protagonist entdeckt, dass sich die Disney-Prinzessinnen für japanische Geschäftsleute prostituieren – sind es, die für ein ungutes, irreales Gefühl sorgen. Der Disney-Konzern war allerdings clever genug, nicht auf „Escape From Tomorrow“ zu reagieren, und so erlangte der Film auch nicht die anarchistische Berühmtheit, die sich Randy Moore sicherlich erhofft hatte.

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Unter abenteuerlichen Umständen gelang Regisseur und Drehbuchautor Randy Moore ein kleiner, aber feiner surrealer Horrortrip in die Psyche eines Mannes kurz vor dem psychischen Zusammenbruch. Dabei sabotiert Moore seine beunruhigenden, an Guy Maddin erinnernde Bilder im letzten Drittel etwas, indem er seinen Film mit allerlei kryptischen Windungen überlädt.

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Wie oben bereits angedeutet, sollte man aufgrund der abenteuerlichen Drehbedingungen ein nicht ganz optimales Bild erwarten. Doch die Koch Media DVD besticht mit einem brillanten Schwarz-Weiß-Bild, das gestochen scharf und sehr gut in den Kontrasten ist. Auch der Ton weißt keinen Makel auf. Was zumindest für den Originalton gilt. Die deutsche Synchronfassung ist leider kein besonderes Highlight, sondern gerade noch so akzeptabel. An Extras wurden noch zwei Audiokommentare mit auf die DVD gepackt. Einmal mit Regisseur/Drehbuchautor Randy Moore und seinem Kameramann Lucas Lee Graham und dann mit Hauptdarstellern Roy Abramsohn und Elena Schuber, die so tun als wären sie noch immer ihre Figuren aus dem Film. Ferner gibt es noch eine sehr informative 15-minütige Dokumentation über die Entstehung des Filmes.

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Das Bloggen der Anderen (27-04-15)

bartonfink_type2– Starten wir mit Italien. Auf critic.de unterhalten sich Michael Kienzl und Lukas Foerster über ihre Erlebnisse auf dem zweiten „Terza Visione“ in Nürnberg.

– Dazu passend hat Lukas Foerster auf seinem Blog Dirty Laundry alle von ihm dort gesehenen Filme kurz bewertet.

– Mauritia Mayer taucht auf Schattenlichter in einen italienischen „heist-Film“ ein, der leider noch immer auf eine deutsche Veröffentlichung wartet: „Sieben goldene Männer“ mit dem Dreigestirn Philippe Leroy, Gastone Moschin und Gabriele Tinti.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen guckt sich gerade durch einige italienische Kannibalen-Filme, wird aber nicht wirklich glücklich damit. Immerhin kann er Ruggero Deodatos „Mondo Cannibale 2“ etwas abgewinnen. Fans von Antonio Margheriti werden bei Schlombies Einschätzung seines Filmes „Asphalt-Kannibalen“ allerdings einen Herzschlag bekommen: „Uninspirierter, guckbarer Durchschnitt, dem sein 70er Jahre-Charme, das Tempo, die harte Handschrift und die Ausstrahlung Saxons den Arsch vor der Belanglosigkeit rettet.“

– Gerade eben wurde ein hierzulande leider nicht allzu bekannter, aber nichtsdestotrotz grandioser Klassiker des italienischen Gangsterfilms veröffentlicht: Sergio Sollimas brillanter „Revolver“ mit einem der schönsten Morricone-Scores aller Zeiten. Oliver Nöding erweist dem Film auf Hard Sensations seinen Respekt.

– Von den blutigen Straßen ins revolutionäre Mexiko. Udo Rotenberg auf L’amore in città über den Italo-Western „Killer Kid“ mit Anthony Steffen.

– Kommen zurück nach Deutschland. Auf seinem Blog Grün ist die Heide hat sich Udo einen Film mit den reißerischen Titel „Mädchen hinter Gittern“ vorgenommen, den Rudolf Zehetgruber 1965 in Szene setzte.

– Einer – wenn nicht der – besten deutschen Action/Gangster/Expoitation/und überhaupt-Filme ist Rolf Olsens „Blutiger Freitag“, der es auf die #53 der Serie „100 Deutsche Lieblingsfilme“ auf Eskalierende Träume geschafft hat. Sven Safarow findet die passenden Worte.

– Als ich kürzlich meine Besprechung zu „Charley Varrick“ verfasste, musste ich an zwei Dinge denken. Die erste Sache war der Auftritt von Joe Don Baker, der zu beeindrucken Bösewicht gab und im selben Jahr mit „Walking Tall“ auch seine berühmteste Hauptrolle innehatte. Dass ich diesen Film noch nie gesehen hatte, fand ich in Anbetracht seiner Leistung in „Charley Varrick“ bedauerlich. Interessanterweise hat sich nun Sebastian vom Nischenkino eben dieses Streifens angenommen.

– Das zweite war, dass man Walter Matthau gar nicht als so sehr mehr als „ernsten“ Schauspieler auf dem Plan hat. Da dachte ich dann noch an „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ und dass ich den schon immer mal wieder sehen wollte. Das hat gerade totalschaden von Splattertrash getan. Wie das Leben so spielt…

– Ebenfalls in den Besprechungen hier war vor einigen Tagen die Doku „Electric Boogaloo“ über die Cannon Studios. Christian Witte schreibt auf Cereality über zwei der erfolgreichsten Cannon-filme. Die beiden Breakdance-Musicals: „Breakin‘“ und den Namensgeber der Doku „Breakin‘ 2 – Electric Boogaloo“.

– Philipp Stroh von wieistderfilm?.de erklärt: „Warum Filme Festivals brauchen, und umgekehrt“.

– Dazu passt dann Petra Palmers Bericht auf Negativ über das Lichter Filmfest. Ferner schreibt sie auch über Stanislaw Muchas interessante Doku „Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee“.

– Patrick Holzapfel hat sich auf Jugend ohne Film in einem sehr langen Essay Gedanken zu der Frage gemacht: „Ist die Vergangenheit des Kinos seine Zukunft?“ Er schreibt: „Dieses traurige Gefühl einer Nostalgie ist dominant. Nostalgieabende werden veranstaltet, „alte“ Filme werden gezeigt und man betont, was für eine Besonderheit es doch ist, dass man sie noch einmal auf Film projiziert zeigen wird. Das zieht sich von Retrospektiven auf Festivals, die zunehmende Bedeutung von Il Cinema Ritrovato in Bologna bis hin zu der unglaublichen Begeisterung für die Einfallslosigkeit eines neuen Star Wars Films. Man darf sich schon fragen, ob diese ganze Glorifizierung der Vergangenheit, das Schwärmen und die Nostalgie nicht der ultimative Sieg der Hollywoodmaschinerie mit ihren Remakes und Sequels ist, die Filmgeschichte als eine Spirale, 120 Jahre Hoffen auf die Vergangenheit. Damals war alles schöner? So einfach kann es gar nicht sein.“

– Urs Spörri hat auf B-Roll einige interessante Dinge zum Thema Filmförderung niedergeschrieben. Und John Waters wird 69. Grund genug für Andreas Köhnemann um den Pope of Trash in einem Portrait vorzustellen. Alex Matzkeit ist begeistert von dem britischen Schriftsteller und Drehbuch-Autoren Alex Garland, den er ausführlich vorstellt.

– Der Animationsfilm-Klassiker „Unten am Fluss“ zählt zu den schockierensten und traumatischsten Kino-Ereignissen meines bei der Kinopremiere Ende 1980 noch jungen Kinolebens. Schließlich war für mich zum dem Zeitpunkt Zeichentrick noch mit der heilen Disney-Welt besetzt. Oliver Armknechts Besprechung des Films auf film-rezensionen.de bringt die Erinnerungen wieder hoch. Weiterhin bespricht er noch Rosa von Praunheims neuen Dokumentarfilm „Härte“, der Doku und Spielfilm mischt. Klingt interessant.

– Theodor Frisorger auf Daumenkino mit einigen interessanten Gedanken über Tim Burtons neuen Film „Big Eyes“.

Symparanekronemoi empfiehlt den ungewöhnlichen Vampirfilm „A Girl Walks Home At Night Alone“.

– Und stu von den Drei Muscheln warnt vehement vor Russell Crowes Regiedebüt “Das Versprechen eines Lebens“.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood zu berichten.

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DVD-Rezension: „Charley Varrick – Der grosse Coup“

charleyvarrickCharley Varrick (Walter Matthau) kommt mit seiner kleinen Schädlingsbekämpfungs-Firma mehr schlecht als recht über die Runden. Daher hat er sich zusammen mit seiner Frau Nadine (Jacqueline Scott) und zwei Komplizen auf Banküberfälle in kleinen Städten spezialisiert. Als die vier wieder einmal eine Bank überfallen, geht alles schief. Nadine und ein Komplize werden erschossen, und die Beute entpuppt sich als Mafia-Geld in Millionenhöhe. Während sich sein junger Helfer Harman (Andrew Robinson) als unberechenbarer Trinker erweist, setzt die Bankchef und Mafia-Mittelsmann Maynard Boyle (John Vernon) einen Killer namens Molly auf die Spur der Bankräuber. Charley muss sich schnell etwas einfallen lassen, wenn er mit heiler Haut davonkommen will.. .

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Nach seinem großem Erfolg „Dirty Harry“ verabschiedete sich Don Siegel erst einmal aus der urbanen Steinwüste und kehrte aufs Land zurück. Dahin, von wo aus einige Jahre zuvor Clint Eastwood in „Coogans Bluff“ aufgebrochen war, um seine Wild-West-Methoden nach San Francisco zu tragen. Und die Provinz ist scheinbar voller solch geradliniger Typen, die ohne viel Federlesen und Gelaber genau das tun, was getan werden muss. Einer dieser Typen ist Charley Varrick, ehemaliger Stunt-Pilot, nun Besitzer einer kleinen Firma für Schädlingsbekämpfung aus der Luft, Bankräuber und „Last of the Independents“, wie sein Firmenoverall verrät. Charley ist ein Pragmatiker und gewiefter Taktiker, der nicht viele Worte verliert und selbst den Tod seiner geliebten Ehefrau mit stoischer Mine hinnimmt. Dass dieser Verlust nicht ganz spurlos an ihm vorbeigeht, wird lediglich durch kleine Gesten angedeutet – groß ausgespielt wird dieses persönliche Drama aber nicht.

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Charley Varrick ist eine Paraderolle für Walter Matthau. Sieht man den Film heute, kann man sich kaum noch vorstellen, dass ursprünglich Donald Sutherland diese Figur spielen sollte. Matthau und Varrick Verschmelzen förmlich miteinander und werden eine Person. Viel wird darüber geschrieben, wie ungewöhnlich doch die Besetzung des hartgesotten und dabei unglaublich coolen Verbrechers mit einem Schauspieler sei, der vor allem für seine Komödien bekannt und beliebt ist. Dabei werden aber immer wieder zwei Dinge vergessen. Matthau war am Anfang seiner Karriere bereits auf den heavy, den kriminellen Schurken, spezialisiert, wodurch Gangster und Killer durchaus zu seinem Rollenportfolio gehörten. Zweitens spielt Matthau auch in seinen Komödie ähnliche Profis mit Hang zum Kriminellen. Nur werden seine Figuren in Filmen wie „Der Glückspilz“ oder Extrablatt“ mit absurden Situationen konfrontiert, die ihre ganz auf sie zugeschnittene Welt auf den Kopf stellt, wodurch eine herrliche Komik entsteht. Man stelle sich nur vor, Charley Varrick würde mit einem Nervenbündel wie Jack Lemmon in „Buddy, Buddy“ oder „Ein verrücktes Paar“ konfrontiert.

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Aber „Der große Coup“ ist eben keine Komödie und der Matthau-Charakter kann seine ganze Professionalität und Coolness bewahren. Charley Varrick ist auch kein positiver Typ. Varrick manipuliert Menschen und nutzt sie für seine Zwecke aus. Er lässt auch ganz bewusst seinen Partner über die Klinge springen. Ob dies nur deshalb geschieht, weil dieser sich als unberechenbarer Alkoholiker erweist, oder ob Varrick diese Lösung seines Problems auch so in Erwägung gezogen hätte, bleibt offen. Nur Matthaus Kredit aus seinen sympathischen Rollen lassen den Zuschauer sofort an ersteres und weniger an letzteres denken. Überhaupt ist es interessant, dass uns Charley Varrick in der Gestalt Matthaus durchaus sympathisch und vor allem eher cool als kaltblütig erscheint. Donald Sutherland hätte dieser Figur sicherlich einen ganz anderen, skrupelloseren Touch gegeben.

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Auch die Nebenrollen sind durch die Bank weg hervorragend besetzt. Insbesondere das Schurken-Duo John Vernon und Joe Don Baker. John Vernon spielt den Bankchef mit besten Mafia-Kontakten als eleganten und durchaus nicht unsympathischen Charmeur und Gentleman. Nur seine stahlblauen Augen verraten ihn manchmal, wenn aus ihnen jede Freundlichkeit weicht, während das Gesicht noch ein einnehmendes Lächeln zeigt. Vernon erinnert irgendwie an einen großen Bruder, der einem liebevoll unter die Arme greift, kann aber auch zu keiner Sekunde seine Skrupellosigkeit verleugnen, die unter dem Maßanzug vibriert. Gleiches kann auch zu Joe Don Baker gesagt werden, der hier eine seiner ersten großen Rollen spielt. Noch unverschämt jung und schlank, scheint er seine Mitmenschen um mehr als einen Kopf zu überragen. Auch er gibt sich freundlich und kultiviert. Gerne zieht er an seiner Pfeife, was ihn als Kopfmenschen ausweisen soll. Doch sein Molly zeigt schnell, dass hinter der Fassade ein brutaler Schläger lauert, dem es zwar Freude bereitet, anderen Menschen Schmerzen zuzufügen, der dieses aber nie zugeben würde. Joe Don Baker hat nicht nur hier etwas hochgradig Beunruhigendes an sich, welches in einem spannenden Kontrast zu seinem Teddybären-Aussehen steht.

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Don Siegels Inszenierung des Films ist immer auf dem Punkt, ohne unwichtigen Szenen. Alles was gezeigt wird, wird auch für die Story benötigt. Da gibt es kein Füllmaterial oder kleine Schlenker. Von Anfang an läuft die Handlung wie ein perfektes Uhrwerk ab. Während in anderen Filmen die Hauptperson immer wieder Rückschläge hinnehmen muss, zieht Charley Varrick mit höchster Präzision sein Ding durch. Sobald er die gefährliche Situation, in der er sich befindet, erfasst hat, ist schon der Plan geschmiedet, wie er sich aus dieser tödlichen Fallen befreien und sogar noch mit einem Gewinn aus der Sache herauskommen kann. Don Siegel verzichtet auf irgendwelche Mätzchen, um zu zeigen wie clever doch das Drehbuch ist. Der Film ist wie Varrick: Er weiß was er kann und muss niemanden etwas beweisen. Herausragend die Kameraarbeit, die insbesondere zu Beginn den Film die Szenerie in wundervoll stimmige Bilder kleidet, und auch die mitreißende Musik von Lalo Schifrin, der hier coolen Wah-Wah-Funk mit typischer Americana verbindet. Allein das in diesem Kerle-Film vermittelte Frauenbild lässt einen kurz zusammenzucken. Denn diese erscheinen hier erst einmal als immer verfügbare und begattungswillige Objekte, die gerne mal etwas härter angefasst werden wollen. Oder sind doch selbstbestimmte Wesen, die sich einfach die Männer nehmen, auf die sie Lust haben? Dies liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters.

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Walter Matthau ist die Idealbesetzung für den lakonischen und unendlich coolen Bankräuber Charley Varrick. Don Siegels Film läuft ab wie ein perfektes Uhrwerk und erinnert dabei an ein saftiges Stück Steak, von dem alles überflüssige Fett abgeschnitten wurde. Großartige Musik, einen hervorragende Kameraarbeit und einprägsame Nebendarsteller runden das gute Bild dies ausgesprochen gradlinigen Gangster-Thrillers ab.

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Die neue Veröffentlichung aus dem Hause Koch Media kommt als 2-Disc-Speical-Edition daher. Grund dafür ist die 72-minütige Dokumentation „Last of the Independents – Don Siegel and the Making of Charley Varrick“, welche exklusive für diese Veröffentlichung produziert wurde und ebenso unterhaltsam, wie informativ daher kommt. Nach dieser hochinteressanten Doku sollten keine Fragen mehr offen sein. Die Dokumentation liegt auf Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln vor. Als zusätzliches Extra befindet sich auf Disc 1 noch eine englische Super-8-Fassung des Filmes, die etwas über eine viertel Stunde läuft. Bild und Ton des Hauptfilmes sind ausgezeichnet. Nur in sehr dunklen, schwach ausgeleuchteten Szenen fällt es etwas ab, was aber am Urpsprungsmaterial liegen dürfte.

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DVD-Rezension: „Coherence“

coherenceVier Paare treffen sich in einem etwas abgelegenen Haus zu einer gemeinsamen Dinner-Party. Nach anfänglichem, oberflächlichem Small-Talk, setzt man sich zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Dabei kommt das Gespräch auf einen Kometen, der an eben jenem  Abend nah an der Erde vorbeifliegen soll und bereits in der Vergangenheit angeblich für merkwürdige Phänomene gesorgt hat. Auch an diesem Abend geschehen einige unerklärliche Dinge. Zunächst gehen die Handys kaputt, dann kommt es zu einem Stromausfall in der ganzen Gegend, von dem scheinbar nur ein Haus in der Nachbarschaft verschont wurde. Zwei  der Freunde machen sich auf den Weg, um in dem Haus, um von dort aus zu telefonieren. Als sie wenig später wieder zurückkehren, berichten sie ihren Freunden von einer höchst beunruhigenden Entdeckung…

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Es gibt immer wieder Filme, denen man am Besten ganz unvorbereitet begegnet. Über „Coherence“ wusste ich nur, dass es sich um einen Low-Budget-Science-Fiction-Streifen handeln sollte und der Film mit guten Kritiken förmlich überschüttet wurde. Den Ausschlag aber „Coherence“ in den DVD-Player zu werfen, war es, dass er von dem vorbildlichen Label „Bildstörung“ vertrieben wurde. Da „Bildstörung“ bisher ein hervorragendes Händchen bei der Filmauswahl bewiesen hat, kann man ruhig einmal blind zugreifen, wenn eine neue Scheibe auf den Markt kommt – auch wenn man den Film bis dahin gar nicht kennt. Und es hat sich auch wieder gelohnt, denn „Coherence“ ist bisher die beste Heimkino-Veröffentlichung, die mir in diesem Jahr untergekommen ist. Ein sehr dichtes Mysterium mit starker philosophischer Grundierung und dabei auch noch ausgesprochenen spannend.

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Entwickelt wurde „Coherence“ von dem Drehbuch-Autoren James Ward Byrkit, der hier sein Regie-Debüt abliefert. Entstanden für ein sehr schmales Budget und unter primitivsten Bedingungen, dreht Byrkit den Spieß um und erschafft gerade aus den Limitationen der Produktion ein packendes Stück Film, welches einmal mehr beweist, dass es im Kino nicht auf große Effekte, sondern vor allem Originalität und Imagination ankommt. Zwar greift Byrkit auf altbekannte Tricks zurück und lässt durch eine ständig herumwirbelnde, hin -und her gerissene Kamera eine Pseudonähe entstehen, wie sie auch die großen und kleinen Bockbuster mittlerweile inflationär nutzen. Aber der nervöse Pseudo-Doku/Heimfilmer-Look passt sich gut in die Geschichte ein und unterstützt die auf das nötigste reduzierte Handlung. Und er lässt eine durchaus intime Nähe zu den Figuren entstehen. Dass diese so lebendig wirken, liegt nicht nur an den hervorragenden Darstellern, sondern auch an der Herangehensweise. James Ward Byrkit, gab seinen Schauspielern kein Drehbuch zu lesen, sondern nur kurze Anweisungen, welche nur sie kannten. Das dadurch entstandene, improvisierte Spiel geht auf. Die Charaktere wirken wie Wesen aus Fleisch und Blut und sind mit ihren Fehlern, menschlichen Unzulänglichkeiten und ihrem Egoismus jederzeit greifbar und ihre Handlunge nachvollziehbar. Schnell hat man sich zurechtgefunden und die handelnden Personen kennengelernt. Die Ballerina, die immer noch deprimiert ist, weil sie in ihre Karriereplanung einmal aus Hochmut die falsche Entscheidung traf. Ihr Freund, der sich nicht sicher ist, wie er zu ihr steht und in wie weit er bereit wäre, seine Karriere ihren Bedürfnissen unterzuordnen. So wie sie sich nicht sicher ist, ob sie ihn bei seinen Plänen unterstützen würde. Dann gibt es noch die esoterische Gastgeberin, den alkoholkranken Schauspieler, dessen kurzer Moment des Ruhm scheinbar unbemerkt vergangen ist. Die Ex-Freundin, die sich als Gift für die freundschaftliche Atmosphäre herausstellt. Sie alle leben ihre Lebensentwürfe, trauern aber verpassten Gelegenheiten und vermeintlich falschen Abzweigungen in ihrem Leben nach.

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Und gerade mit diesen „falschen“ Wegen werden sie alle sehr direkt konfrontiert. Das einzige echte Science-Fiction-Element ist in „Coherence“ ein Komet, der nahe an der Erde vorbei zieht und für merkwürdige Phänomene sorgt. Diese sickern erst sehr langsam, fast schon beiläufig in die Handlung ein. Doch Stück für Stück eskaliert die Situation. Jedes Puzzleteil für die Lösung des Rätsels führt nur zu neuen Entwicklungen, die sich scheinbar nicht aufhalten lassen. Wer sich die Spannung an der Auflösung nicht nehmen lassen möchte, sollte nun direkt zum Fazit dieser Besprechung springen. Alle anderen können hier nun weiterlesen. Gleich zu Beginn von „Coherence“ erwähnt die von Emily Foxler gespielte Em den Film „Sliding Doors“ und wie unheimlich sie es fand, als dort eine kleine Entscheidung massiven Einfluss auf das Leben der Filmfiguren hatte. Mit diesem Horror werden sie und ihre Freunde im Verlauf des Filmes dann um ein vielfaches potenziert konfrontiert. Lebe ich mein echtes Leben? Oder bin ich in einem falschen Leben stecken geblieben? Bin ich überhaupt ich oder leben ich nur die schlechtere Variation von etwas, was mir eigentlich zugestanden hätte? Ist das mein Leben? Und wenn ja: Bin ich damit zufrieden? Am Beispiel der Em wird dieses Dilemma durchgespielt. Wenn sie am Ende von Fenster zu Fenster hetzt, auf der Suche nach einem „richtigen“ Leben, dann konfrontiert dies auch den Zuschauer mit der Frage: Was-wäre-wenn? Kann ich mit dieser Frage leben und akzeptieren, was ich geworden bin? Oder bleibt ein Leben lang diese Unsicherheit, dass alles doch eigentlich ganz anders sein müsste. Denkt man zu lange darüber nach, kann einen dies durchaus in den Wahnsinn treiben.

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Doch auch jenseits seines philosophischen Horrors funktioniert der Film als unheimliches Konstrukt, welches den Zuschauer nach dem anfänglichen Smalltalk schnell in den Griff bekommt und über die restliche Laufzeit nicht mehr loslässt. James Ward Byrkit versteht es glänzend seine Mystery-Bausteine übereinander zu stapeln und dadurch ein solides Gebäude zu errichten, indem man sich zunehmend unwohler fühlt. Geheimnisvolle Botschaften, merkwürdige Zwischenfällen und unheimlichen Gestalten. Hier geht die Taktik den Schauspielern nur die allernötigste Informationen zu geben und sie ständig in Unsicherheit über den Fortlauf der Geschichte und dem was als nächstes passiert voll auf. Denn die Nervosität und Überraschung der Darsteller greift auch auf den Zuschauer über. Hätte Byrkit vielleicht mehr Zeit und Geld gehabt, um seinen Film abzudrehen, hätte dieser vielleicht gar nicht die Sogwirkung entwickeln können, die er nun hat. Vielleicht ein Weckruf für hiesige Filmemacher, die sich immer laut darüber beschweren, dass ihnen für ihre Genre-Projekte kein Geld aus Fördermitteln zur Verfügung gestellt wird. Einfach mal gucken, welche Mittel da sind und dann kreativ damit umgehen. James Ward Byrkit hat es vorgemacht.

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Drehbuchautor James Ward Byrkit ist mit seinem Low-Budget-Regiedebüt ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Mystery-Film gelungen, der sowohl als spannende Unterhaltung, als auch auf der philosophischen Ebene funktioniert. Wobei die Fragen, die letztere stellt, vielleicht sogar furchteinflößender sind, als die seltsamen Phänomen, denen sich die Hauptfiguren stellen müssen.

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Wie bei Bildstörung gewohnt, erfährt der Film hier wieder eine vorbildliche Präsentation. Bild und Ton sind so gut, wie es unter den Low-Budget-Produktionsbedingungen nur sein kann. Interessanterweise hat sich  Bildstörung bei dieser Veröffentlichung dazu entscheiden, den Film in zwei Fassungen zu veröffentlichen. Einmal als „normale“ DVD ohne nennenswerte Extras. Und dann als „Drop Out 024“ in einer limitierten Special Edition. Diese enthält einen  Audiokommentar mit Regisseur James Ward Byrkit, Hauptdarstellerin Emily Foxler und Co-Autor/Darsteller Alex Manugian, sowie ein 10-minütiges und in der Kürze auch sehr informatives „Behind the Scenes“, in dem die Entstehung des Filmes diskutiert wird. Ferner gibt es noch 4 Minuten Testaufnahmen, die ein Jahr vor den eigentlichen Dreharbeiten entstanden, einmal mit und einmal ohne Kommentar des Regisseurs. Weiterhin kann man noch jeweils 5-minütige Interviews mit den Darstellern Emily Foxler, Hugo Armstrong, und Lorene Scafaria anschauen. Das Booklet enthält die Regieanweisungen, die Regisseur James Ward Byrkit seinen Schauspielern gab. Und als Sahnehaube wurde noch eine Soundtrack-CD mit fast einer Stunde Musik von Kristin Øhrn Dyrud beigelegt.

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