DVD-Rezension: „On the Job“

onthejobDer alte Tatang (Joel Torre) und der junge, unerfahrenen Daniel Benitez (Gerald Anderson), arbeiten gemeinsam als Auftragskiller. Während Tatang für das Töten zuständig ist, soll Daniel von ihm lernen, um später in Tatangs Fußstapfen zu treten. Beide besitzen ein perfektes Alibi, denn sie sitzen beide ein, und werden nur für ihre Aufträge von korrupten Wärtern aus dem Gefängnis geschmuggelt. Während der kurzen Zeit in Freiheit, besucht Tatang regelmäßig seine junge Geliebte und seine Tochter, deren Jurastudium er mit dem dreckig verdienten Geld finanziert. Währenddessen versucht der junge Polizist Francis Coronel jr. (Pinolo Pascual) herauszufinden, wer hinter den Morden steckt. Dabei gerät er mit dem älteren Sergeant Acosta (Joey Marquez) aneinander, der die Fälle vor ihm untersucht hat. Bald schon finden beide heraus, dass die Spur bis in die obersten Regierungskreise führt…

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Schaut man auf die philippinischen Filme, die es in den letzten zwei-drei Jahren nach Deutschland geschafft haben, da gewinnt man den Eindruck, wenn man in Manila wohnt, kann man sich auch gleich eine Kugel durch den Kopf jagen. Sowohl in „Graceland“ (Kritik hier) als auch in dem ungemein krasseren „Mondo Manila“ des Regie-Wunderkinds Khvan erscheint Manila als Hölle auf Erden, in der nur diejenigen überleben, die ihre Menschlichkeit schon lange über Bord geworfen haben. Erik Mattis Spielfilm „On the Job“ setzt diese Reihe fort. Auch hier wird Manila als Moloch gezeichnet, durchzogen von Korruption und Gewalt. Ein Menschenleben ist dort nicht viel mehr wert, als die Kugel, welche es beendet. Oftmals noch nicht einmal das. Wo immer man auch hinblickt, es gibt keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Das einzige was man erreichen kann, ist die Erhaltung des eh schon niedrigen Status Quos, und irgendwie in diesem tödlichen Dschungel zu überleben.

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„On the Job“ beruht auf wahren Begebenheiten. Scheinbar wurden auf den Philippinen tatsächlich Strafgefangene von korrupten Wärtern kurzfristig aus den Gefängnissen geschmuggelt, um außerhalb der Gefängnismauern Mordaufträge durchzuführen, und dabei das perfekte Alibi zu besitzen. Der Film folgt zwei dieser Auftragskiller. Dem älteren Tatang und seinem „Azubi“ Daniel. Auffallend ist die unaufgeregte, ganz alltägliche Art und Weise, mit der der Film den beiden bei der Verrichtung ihrer Arbeit zusieht. Und eine Arbeit, ein „job“, ist es in der Tat nur, auch wenn mal wieder ein Schädel von den Kugeln durchsiebt förmlich explodiert. Nie stellen die Beiden ihre Taten in Frage, nie reden sie über ihre Opfer. Alles als wäre ihr blutiges Handwerk etwas anders, als ein ganz normaler Job, den man mit mal mehr, mal weniger Elan erledigt. Die beiden könnten auch Malermeister und Geselle sein. Und so interessiert sich Daniel dann auch wie jeder Angestellter für berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, während sich Tatang auf den Ruhestand vorbereitet. Was in seinem Falle die Entlassung aus dem Gefängnis und damit aus seinem „Nebenverdienst“ bedeutet. Doch sehr schnell wird klar, dass diese fleißigen Handwerker in einer Welt leben, in der ihr Leben ständig in Gefahr ist. Ein normales Miteinander oder Familienleben ist für sie nicht möglich. Der alte Tatang weiß das, der jünger Daniel ahnt es noch nicht einmal.

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Regisseur und Drehbuchautor Erik Matti wählt für seinen Film ein spannendes Konzept. Er lässt seine vier Protagonisten frontal aufeinander zusteuern, ohne eine eindeutige Wertung abzugeben. Tatang und Daniel sind durchaus sympathisch. Gerade Daniel ist in seiner unbekümmerten Art niemand, dem man ein gemeinsames Bier ausschlagen würde. Und Tatang wird als jemand gezeigt, der in seiner abgeklärten Ruhe und seiner Professionalität durchaus Vorbildcharakter haben könnte. Beide könnte man gern haben, wäre dort nicht auch das grausame Handwerk der Beiden, welches immer wieder auf äußerst brutale Art und Weise das Bild der netten Typen zerstört. Trotzdem hofft man für sie, dass alles irgendwie gut ausgeht, und sie am Ende vielleicht doch den Weg in ein normales Leben finden. Auch betont Regisseur Matti immer wieder, wie wichtig den beiden ein intaktes Familienleben ist, wie stark sie sich danach sehnen. Tatang versucht seine Leben mit Frau und Tochter halbwegs normal zu gestalten und dieses als Rückzugsort, als Ort eines scheinbar normalen Lebens zu nutzen. Das dies nicht funktionieren kann, da ihn sein „job“ bereits emotional verkrüppelt hat, wird allerdings im Laufe des Filmes immer offenkundiger . Daniel hingegen hat noch nicht erkannt, dass für jemanden wie ihn, eine glückliches, „normales“ Leben mit einer geliebten Partnerin nicht möglich ist.

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Auf der Gegenseite stehen die Polizisten, die ebenfalls zur Identifikation einladen. Der von Frauenschwarm und Sänger Piolo Pascual gespielte Francis Coronel, Jr. wirkt zunächst ambivalent. Er erscheint arrogant und den Verführungen eines korrupten Lebens nicht abgeneigt. Doch im Laufe der Handlung entpuppt sich gerade er als eine ehrliche, unbestechliche Haut, die eine Vision von einer besseren Welt hat und dieser alles unterordnet. Weil er an das Ziel glaubt, eine bessere Welt für sein ungeborenes Kinde schaffen zu können, ja es zu müssen. Hier spiegelt sich Killer Daniel in Polizist Francis. Beide besitzen eine gewisse Naivität – nämlich allein über sein Leben und seine Umwelt entscheiden zu können – und eine Leidenschaft mit der er sich beruflichen Herausforderungen stellt, wie Daniel. Und beide durchschauen nicht das wahre Ausmaß der Misere, in der sie stecken und unterschätzen dadurch die Konsequenzen, die ihr Tun für ihr Leben hat. Unterstützt und angeleitet wird er – ebenfalls wie Daniel – von einem alten, erfahrenen Knochen, hier in Gestalt des zwar unbestechlichen, in der Wahl seiner Mittel aber nicht gerade zimperlichen Sergeant Joaquin Acosta. Beide Pärchen folgen dem typischen Muster des Buddy-Movies, indem man sich zunächst aneinander reibt, um dann das Vertrauen des jeweils anderen zu erhalten, um am Ende dann mit höchsten Respekt füreinander durch die Hölle gehen. Doch in der finsteren Welt, die Erik Matti von Manila zeichnet, wird keins der beiden Buddy-Pärchen am Ende wie ihre Hollywood-Kollegen wie mit einem breiten Grinsen triumphieren können. Hier wird es spannend sein, wie dies in dem angekündigten US-Remake ausfallen wird. In der deprimierenden Welt von „On the Job“ gibt es jedenfalls für niemanden Hoffnung oder die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben. Egal auf welcher Seite des Gesetzes er steht. Und der Film macht einem auch keine Hoffnung, dass sich daran so schnell etwas ändern wird.

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Erik Matti ist mit seinem düsteren und nihilistischen Thriller ein Film gelungen, der noch lange im Kopf des Zuschauers nachhallt. Gut und Böse wird hier durchlässig gemacht und am Ende ist es dann auch egal auf welcher Seite des Gesetztes man sich befindet, alle sind nur Opfer einer durch und durch korrupten Gesellschaft. Neben vorzüglichen Schauspielern, hat auch Matti auch ein Händchen für raue Actionszenen und sein vorantreibender Rhythmus lässt einen auch in den Szenen, die lediglich den Alltag der Protagonisten beschreiben, nicht zur Ruhe kommen.

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Die Koch-Media-DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild, in dunklen Szene manchmal einen Tick zu helles Bild aus. Als Tonauswahl liegt die gute deutsche Synchronspur oder die philippinische Originalfassung vor. Letztere ist allein aufgrund des landestypischen Philippino-Englisch-Gemisches empfehlenswert, welches weitaus authentischer rüber kommt, als die „sauberen“ deutschen Dialoge. Die Extras sehen zunächst nach sehr viel aus, aber das relativiert sich. Ein eher marktschreierisches Making-Of erreicht gerade mal 6 Minuten und sit mit Filmszenen gespickt. Die „Deleted Scences“ gehen geschlagene 38 Minuten (!), aber der Film funktioniert auch sehr gut – und vielleicht sogar sehr viel besser – ohne dieses Material.

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