Nachbarschaftshilfe: Bremer OFDb Filmworks bringt „The Resurrected“

Resurrected__aNachdem ich vor Kurzem über die Veröffentlichung des großartigen Italo-Krachers „Wenn Du krepierst – lebe ich“ – ein Pflichtprogramm für jeden Italophilen- berichtet habe (aber bis jetzt irgendwie gar nichts von dessen Veröffentlichung mitbekommen habe), wollte ich nun auf ein Projekt verweisen, welches so lange in der Mache war, wie es die OFDb Filmworks gibt: Dan O’Bannons Lovecraft-Verfilmung „The Resurrected„. An diesen Film habe ich noch lebendige Erinnerungen aus den alten Videotheken-Tagen. Denn dort fiel mir einst ein Tape auf, welches so derartig schamlos vorgaukelte, es würde sich dabei um „Tanz der Teufel“ handeln, dass man vor soviel Dreistigkeit schon den Hut ziehen musste. Beginnend mit dem Titel „Evil Dead – Saat des Bösen“ bis zum vom „Tanz der Teufel 2“-Cover geklauten, grinsenden Totenkopf, schrie alles: TANZ DER TEUFEL. Und es klappte auch irgendwie, denn neugierig wie ich damals war, nahm ich den Film mal mit, um zu gucken, was sich dahinter versteckte. Und was das war, erkannte ich recht schnell: Eine recht vorlagengetreue Umsetzung von H.P. Lovecrafts „Der Fall Charles Dexter Ward“. Mit tanzenden Teufeln hatte das also rein gar nichts zu tun, und mich würde mal interessieren, wie viel Leute die Kassette aufgrund enttäuschter Erwartungen den Videothek an den Kopf geworfen haben. Natürlich zu unrecht, denn O’Bannons Film hat unbestreitbar seine Qualitäten.

Nun wird er nach jahrelanger Vorbereitungszeit weltweit erstmals auf Blu-ray und als erste legale DVD-Veröffentlichung in Deutschland als limitierte Collector’s Edition veröffentlicht. Und das randvoll mit interessanten Extras. Und da ich einige der Leute kenne, die an diesen mitgewerkelt haben, ist es mir eine Freude, die Veröffentlichung hier anzukündigen, auch wenn so etwas auf diesem Blog nicht auf Dauer Einzug halten soll.

Hier der Überblick über besagte Extras:

• Audiokommentar von den Produzenten Mark Borde und Kenneth Raich, Drehbuchautor Brent V. Friedman,
Special Make-Up Effects Creator Todd Masters und Schauspieler Robert Romanus (englisch)
• Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch)
• Audiokommentar von Jörg Kopetz und Daniel Perée vom Wicked-Vision Magazin (deutsch)
• Adapting Lovecraft – Ein Interview mit Drehbuchautor Brent V. Friedman
• The Man Inside – Ein Interview mit Hauptdarsteller Chris Sarandon
• Human Experiments – Ein Interview Special Make-Up Effects Creator Todd Masters
• Grotesque Melodies – Ein Interview mit Komponist Richard Band
• Lovecraftian Landscapes – Ein Interview mit Produktionsdesigner Brent Thomas
• Deleted & Extended Scenes
• Dan O’Bannon’s Dankesrede bei der Verleihung des „Fangoria Chainsaw Awards for Best Independent/Direct-
To-Video Feature“ im Jahre 1992
• Trailer (US Video Promo & japanischer Trailer)
• Bildergalerie
• H. P. Lovecraft – Der Fall Charles Dexter Ward (Teil 1 und 2) – die komplette Hörspielumsetzung der Lovecraft-
Geschichte in der Reihe Gruselkabinett von Titania Medien (auf der Bonus-DVD übers Menü und zusätzlich im
DVD-ROM-Part als MP3)
• 84-seitiges Booklet: „Lovecraft Resurrected – Die kosmische Katakomben-Kunst des Dan O’Bannon“ von Jörg
Kopetz

Und darum geht’s in „The Ressurected“:

Nachdem der wohlhabende Chemiker Charles Dexter Ward eine Kiste mit alten Familienerbstücken erhalten hat, beginnt er sich zusehends merkwürdig zu verhalten. Dies beunruhigt seine Ehefrau Clare soweit, dass sie sich an den Privatdetektiv John March wendet, um die Ursache der Veränderung ihres Mannes zu ergründen. Die Erkenntnisse, die John im Zuge seiner Ermittlungen gewinnt, sind jedoch alles andere als erfreulich: So läßt sich der immer weiter von der Außenwelt abschottende Charles größere Mengen Blut und Leichenteile in das abgeschiedene Haus seines Vorfahren Joseph Curwen liefern, in das er sich zurückgezogen hat. Es scheint beinahe so, als ob er von dem Geist seines Ahnen besessen sei, der als Alchemist mit Leben und Tod experimentiert hatte…

Als alternatives Cover gibt es übrigens auch noch das von mir oben angesprochene Motiv der alten VHS-Kassette.

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Blu-ray-Rezension: „Horsehead“

horseheadAls  Jessicas (Lilly-Fleur Pointeaux) Großmutter stirbt, kehrt sie  das erste Mal seit vielen Jahren wieder in ihr Elternhaus zurück. Dort wird sie von ihrer Mutter (Catriona MacColl) in das Zimmer neben ihrer toten Großmutter einquartiert. Dort wird sie immer wieder von furchteinflößenden Träumen heimgesucht in denen sie eine Schreckensgestalt mit Pferdekopf bedroht. Da die sensible Jessica schon seit ihrer Kindheit von Albträumen geplagt wird, hat sie gelernt, Kontrolle über ihre Traumwelt zu erlangen. Nun versucht sie, im Schlaf hinter die Bedeutung ihrer rätselhaften Träume zu kommen.  Dabei kommt sie einem Familiengeheimnis zu nahe, das sie selber in Lebensgefahr bringt…

Wenn vier Leute nach einem Film zusammenstehen und dabei fünf unterschiedliche Interpretationen des eben gesehen ausgetauscht werden, dann kann dies sowohl positiv als auch negativ bewertet werden. Im Falle von „Horsehead“ ist diese Kategorisierung nicht unbedingt leicht. Jeder sah in der finalen Einstellung des Filmes etwas anderes, was den Film und seine Bewertung dann für ihn in die eine oder andere Richtung kippen ließ. Durchaus interessant und der geneigte Lauscher unserer Konversation erfuhr dabei wahrscheinlich auch mehr über uns, als über den Film. Dieser gibt sich den Anstrich eines surrealen Horrorfilms, was aber nur zum Teil stimmt. Der Horror spielt sich auf zwei Ebenen ab. Einmal in der realen Vergangenheit der Mutter unserer Heldin Jessica und dann in den Träumen, in die Jessica eintaucht, um das Geheimnis um ihrer verstorbenen Großmutter zu lüften.

„Horsehead“ bewegt sich dabei auf den Pfaden, die schon Wes Cravens Klassiker „A Nightmare on Elm Street“ auslotete. Eine Figur begibt sich aktiv in ihre Träume, um sich dort einem Dämon zu stellen. Dieser ist hier nicht so eindeutig das Monster, wie Freddy Krüger in dem Horrorklassiker von 1984. Viel mehr arbeitet Regisseur Romain Basset vermehrt mit Symbolen aus der Traumdeutung. Das vermeintliche Unheil ist hier die titelgebende Figur. Ein riesiger Bischof mit einem Pferdekopf, der allerdings auch als Wegweiser durch das Labyrinth der Vergangenheit stehen kann. Hier hält sich Romain Basset bedeckt und vermeidet allzu eindeutige Aussagen. Auch ob es sich bei „Horsehead“ überhaupt um einen übernatürlichen Film handelt, kann unterschiedlich aufgefasst werden. Schließlich kommen alle Traumbilder aus Jessicas Kopf und könnten somit gänzlich ihrer überhitzten Fantasie geschuldet sein. Und letztendlich könnte diese dann auch zu unbewussten Verletzungen führen. Allerdings geht der Film dieser Möglichkeit nicht wirklich nach und legt seinen Schwerpunkt auf eine Lösung, in der „höhere Mächte“ im Spiel sind, die aus den Träumen heraus in unsere Wirklichkeit greifen können.

Die Bilder, die Romain Basset inspiriert vom „Nachtmahr“ des Malers Johann Heinrich Füssli (1741-1825) für seine Traumwelten findet, sind durchaus beeindruckend und stimmungsvoll inszeniert. Voller kräftiger Farben und einer unheimlichen Beleuchtung, die an das Werk Bavas oder Argentos denken lässt – oder gleich an deren Neo-Nachahmer Hélène Cattet und Bruno Forzani Allerdings verlassen diese Bilder nie die bereits von anderen gefundenen Wege, und ihnen fehlt damit die große Wucht, welche die Vorbilder in ihren besten Werken erreichten. Wirkliches Neues hat Romain Basset nicht zu bieten, dafür fehlt ihm entweder der Mut oder die Radikalität. Allein der kraftvoll-düstere Elektrobeat von Benjamin Shielden treibt einem seine Vision nachhaltig ins Hirn und lässt sie dort kleben.

Das große Pfund, mit dem Basset wuchern kann, sind seine Schauspieler. Catriona MacColl ist immer wieder ein gern gesehenes Gesicht auf der Leinwand und macht ihre Sache mehr als gut. Basset verlangt ihr einiges ab, insbesondere in den Szenen, in denen sie an Stelle ihres jüngeren Selbst tritt. Doch die McColl meistert auch diese Aufgabe mit Eleganz und Würde. Ein guter Schachzug Bassets ist es dann auch, dass er sich mit der jungen und schönen Gala Besson eine Doppelgängerin der McColl für die Rolle als deren Mutter in jungen Jahren gesichert hat. Die Ähnlichkeit zwischen beiden ist frappierend und unterstützt den Film. Ebenfalls eine großartige Besetzung ist Murray Head als Stiefvater der Heldin. Murray Head kennt man als den Sänger, der einst im Jahre 1984 mit dem von den beiden ABBAs Benny Andersson und Björn Ulvaeus komponierten Song „One Night in Bankog“ aus dem Musical Chess die Charts anführte. Dass er auch auf eine lange und erfolgreiche Karriere als Schauspieler zurückblicken kann, wissen wahrscheinlich nur die wenigsten hierzulande. In England ist er da weitaus populärer. Er spielt den Stiefvater Jim sehr überzeugend. Während man zunächst noch das Gefühl hat, in dem Mann würde eine schwarze Seele versteckt sein, wandelt er sich doch zum sehr bodenständigen, sympathischen Helden, dem man als Einzigen zutraut, dass er den gordischen Knoten aus alter Schuld und verdrängten Erinnerungen durchschlagen kann.

Die große Entdeckung ist aber Hauptdarstellerin Lilly-Fleur Pointeaux, die der Protagonisten Jessica ihr makelloses Antlitz leiht. Lilly-Fleur Pointeaux ist gleichzeitig verletzlich und scheu, wie auch selbstbewusst und voller Tatendrang. Es macht Freude ihr zuzusehen, wobei ihre Schönheit und Bereitschaft, sich auch in freizügigeren Posen filmen zu lassen, gerade in den Traumsequenzen diesen eine in doppelter Hinsicht traumhafte Qualität verleihen. Dabei soll aber nicht vergessen werden, dass die Pointeaux auch in schauspielerischer Hinsicht ihren namenhaften Mitspielern das Wasser reichen kann. Man kann gespannt sein, was in Zukunft noch von ihr zu erwarten ist.

So bleibt „Horsehead“ vor allem ein Versprechen. Kein schlechter Film, nur einer der es nicht schafft, ausgetretene Pfade konsequent zu verlassen, und etwas wirkliche Neues zu bieten. Innerhalb seiner Leitplanken weiß „Horsehead“ aber trotz einer eher dünnen Geschichte zu gefallen und kann neben schönen Bildern vor allem tolle Schauspieler und einen großartigen Soundtrack aufbieten.

Di bei Donau Film erschienene Blu-ray lässt bildtechnisch keinerlei Wünsche übrig. Kräftige, intensive Farben und ein echtes, tiefes Schwarz. Die deutsche Tonspur liegt nur in Stereo vor und leidet unter einen wirklich lieblosen Synchronisation. Da sollte man dann lieber auf den Originalton der franzöische Film wurde komplet auf Englisch gedreht) zurückgreifen, der nicht nur sehr viel lebendiger ist, sondern auch in 5.1. vorliegt. Die Extras sind dünn. Neben dem Trailer gibt es noch ein 15-minütiges Featurette, in dem der Regisseur über die Idee zum Pferdekopfmonster spricht und dessen Modelierung gezeigt wird. Sehr viel mehr bietet hier das teure 3-Disc-Media-Book, welches neben einem fast einstündigen Making Of noch diverse längere Featurettes, den Soundtrack und einen 16-seitiges Booklet mit einem Text von Marcus Stiglegger enthält.

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Open-Air-Kino in Bremen 2015 – Schlachthof, die Zweite

schlachthofUnd weiter geht’s im munteren Open-Air-Kino-Reigen. Nachdem die Schlachthof-Kneipe schon den ganzen Juni über die Arena am Schlachthof mit tollen Filmen bespielt hatte, ist nun das Kulturzentrum Schlachthof dran und zeigt an selber Stelle sein alljährliches Open-Kino-Kinoprogramm. Los geht es schon diesen Samstag, den 4. Juli. Alle Filme beginnen um 22:00 Uhr.

Die ersten beiden Filme kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich sie bisher (leider!) noch nicht sehen konnte. Doch mein Weird-Xperience-Kollege Stefan hat mir bereits von beiden vorgeschwärmt und da er über einen ausgezeichneten Filmgeschmack verfügt, hege ich keine Zweifel daran, dass sich der Besuch hier überaus lohnt.

Sa., 04.07. Grand Budapest Hotel – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.
Sa., 11.07. Tod den Hippies!! Es lebe der Punk! – Oscar Roehlers Autobiographische Groteske über die Berliner Szene der frühen 80er Jahre.
Sa., 25.07. Heute bin ich Samba – Französischer Feelgood-Film 1. Von den „Ziemlich beste Freunde“-Machern. Wieder mit Omar Sy und mit Charlotte Gainsbourg.
Sa., 01.08. Monsieur Claude und seine Töchter – Französischer Feelgood-Film 2. Multikulti-Komödie um ein Paar, dessen vier Töchter alle Männer aus anderen Kulturkreisen heiraten.

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Originalfassungen in Bremen: 02.07.15 – 08.07.15

Am sehr späten, noch immer heißen Abend doch noch die O-Ton-Übersicht für die kommende Woche fertig gestellt. Nicht unbedingt mit Highlights gesegnet, aber vielleicht findet ihr ja was für Euch.

Jurrasic World – Cinemaxx, Fr. und So. um 20:15 – Höher, schneller, weiter – Mittlerweile vierter Teil des Dino-Franchises. Diesmal führt der Neuling Colin Trevorrow Regie und die Stars sind die Dinos.

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Minions – Cinemaxx, Fr., Sa., Mo. um 20:00 und So. um 22:30, sowie Do./Di. Ebenfalls um 20:00 in der 3D-Version – Spin-Off des Animationsfilms „Ich – Einfach unverbesserlich“, welches sich ganz um die Helfershelfer des Schurken dreht.

[youtube width=“620″ height=“299″]https://www.youtube.com/watch?v=dVDk7PXNXB8[/youtube]

Ted 2 – Cinemaxx, Do./Mi. Um 20:15 & CineStar am So., den 5.7. um 20:30 – Fortsetzung des Filmes um den politisch unkorrekten Teddybären, der in diesem Teil Vater werden will.

Atlantic – Schauburg, Fr., So. und Di. immer um 21:30 – Niederländisch/Marrokanischer Spielfilm über einen jungen marokkanischen Fischer, der entlang der Atlantikküste hunderte Kilometer nach Norden surft.

8 Namen für die Liebe – Cinema, So., 5.7. um 14:00 Uhr – Spanische romantische Komödie über einen Vollblutandalusier und eine kratzbürstigen Baskin.

Heute bin ich Samba – City 46, Do.-So. immer 20:30 – Französischer Feelgood-Film von den „Ziemlich beste Freunde“-Machern. Wieder mit Omar Sy und mit Charlotte Gainsbourg.

Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee – City 46, Do., Sa.-Mo. immer 20:00 – Doku über die Reise des Regisseurs Stanislaw Mucha durch die Ukraine, kurz vor Ausbruch des Ukraine-Konflikts und der Krim-Krise.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 06.07. um 21:45

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DVD-Rezension: „Camp Evil“

campevilEine flämische Pfadfinder-Gruppe macht einen Ausflug in die gewaltigen Wälder des französisch-sprechenden Teil des Landes. Zu der Gruppe gehört auch der 12-jährige Sam (Maurice Luijten), der insbesondere vom Gruppen-Leiter Peter (Stef Aerts) immer wieder schikaniert wird. Als die geplante Campingstelle von zwei streitsüchtigen Proleten besitzt ist, schlägt sich die Gruppe tiefer in den Wald. Am Abend gruseln die beiden Leiter Kris (Titus De Voogdt) und Peter die Jungen mit Geschichten um einen mörderischen Waldjungen namens Kai, der hier hausen soll. Doch der sensible Sam erkennt bald, dass an dieser Mär weit mehr dran ist, als die Erwachsenen glauben…

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Der Belgier Jonas Govaerts hat für seinen Debütfilm „Camp Evil“ einige ungewöhnliche Wege beschritten. So ließ er einen Teil der Produktion seines eleganten Filmes durch Crowd-Funding unterstützen. Hierbei konnten die Zuschauer ihr Scherflein zu den ausgesprochen kreativen Mordmaschinen beitragen, die Govaerts für seinen Slasher entwarf. Möglicherweise stellte er sich dabei aber selbst ein Bein, denn nun mussten die zum Teil gewaltigen Apparate auch in die Geschichte eingebunden werden. Und es steht zu vermuten, dass Govaerts mittlerweile auch gerne eine andere Geschichte erzählt hätte. Oder viele andere Geschichte, denn leider wirkt sein Drehbuch in der finalen Version hoffnungslos überladen und strebt immerzu in unterschiedliche Richtungen, die am Ende kein stimmiges Ganzes mehr ergeben. Dies ist sehr schade, denn zumindest auf der visuellen Ebene zeigt Jonas Govaerts‘ großes Talent. Seine Film erinnert im positiven Sinne an die düsteren Slasher und Horrorthriller, die bis Mitte der 80er das Licht schummriger Kinosäle erblickte. Besonders John Carpenter kommt einen hier und dort in den Sinn, sieht man die Art und Weise, in welcher Govaerts das Breitwandformat und Vorder- und Hintergründe nutzt. Unterstützt wird diese nahezu fehlerlose Präsentation durch einen effektiven Soundtrack, der von einem alten Bekannten stammt. Steve Moore ist ein amerikanischer Musiker aus Pittsburgh, der unter anderem in dem grandiose „Space Rock“-Duo „Zombi“ für Bass und Synthesizer zuständig ist. „Zombi“ haben sich unter anderem vom Soundtrack italienischer Horrorfilmen der 70er und 80er inspiriert fühlt. Moores schrieb auch den sehr stimmigen Soundtrack zu dem tollen „The Guest“, der ebenfalls vor Kurzem veröffentlicht wurde (Kritik hier).

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Doch all dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Govaerts‘ Film auf der inhaltlichen Seite stark schwächelt. Govaerts springt von Thema zu Thema, möchte hier mal dies, dort mal jenes abdecken. Dabei verzettelt er sich allerdings gewaltig und sorgt für Frustration. Mit seinem jungen Protagonisten Sam, der von Maurice Luijten gespielt wird, hat er eine spannende Figur zur Hand, wie man sie ihn ähnlichen Filmen zwar schon oft gesehen hat, der man aber gerne bei ihrem Coming-of-Age-Prozess zusehen würde. Dass Maurice Luijten stark an den sehr jungen River Phoenix erinnert, was einen sofort an „Stand By Me“ erinnert. Dass darüber hinaus werden aber auch Assoziationen an „The Goonies“ geweckt. Doch wer nun auf ein spannendes Jungen-Abenteuer hofft liegt gänzlich falsch. Jonas Govaerts hat mit seiner Figur Sam ganz andere Dinge vor, und legt dabei leider viel zu viel auf dessen schmale Schultern.

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Nach einem hübschen Prolog, der einen zünftigen Slasher verspricht, befindet man sich erst einmal auf Kinder-Abenteuer-Terrain. Wobei den jungen Pfadfindern nicht viel Charakter zugestanden wird. Aus dem Wust der Figuren ragen nur Sam und sein bester Freund Dries hervor. Letzterer hat aber keine größere Aufgabe, als gelegentlicher Stichwortgeber für Sam zu fungieren. Demgegenüber stehen dann noch zwei Klischee-Arschlöcher. Der sportliche Junge, welcher zum Anführer der Truppe bestimmt wurde und dafür allerdings keinerlei Qualifikation mitbringt, außer der Liebling des gleichfalls unsympathischen Camp-Leiters Peter zu sein. Diesem wird noch ein – natürlich verfetteter -Sidekick zur Seite gestellt, dessen IQ entgegengesetzt zu seiner Leibesfülle steht. Darüber hinaus lernt man keinen der Jungen kennen. Schaut man genau hin, erkennt man, dass sich in dieser Jungstruppe auch ein Mädchen verirrt hat. Doch weder wird dies thematisiert, noch erhält diese Figur ein Gesicht. Ebenso stereotyp wie die Kinder, fallen auch die Erwachsenen aus. Während der Chef der Gruppe, Chris, zumindest noch halbwegs kompetent erscheint, so ist sein Partner Peter ein solch sadistischer Idiot, dass man sich ernsthaft fragt, wie dieser menschliche Totalausfall jemals einen Job bekam, in dem er für das Wohl und Wehe von Kindern verantwortlich ist. Die junge Köchin wird zunächst als starker, selbstbewusster Charakter eingeführt, nur um sich bald schon ausgerechnet Peter an den Hals zu werfen, und dessen hirnlose Aktionen ohne großen Widerspruch durchgehen zu lassen.

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Bald schon beginnt Jonas Govaerts Genres und Vorbilder zu vermischen. Aus dem Pfadfinder-Abenteuer wird ein Slasher, der sich aus Elementen speist, die man aus Filmen wie „Freitag, der 13.“, dem „The Hills Have Eyes“-Remake oder immer wieder auch „High Tension“ kennt. Die Verbindung zwischen Sam und dem geheimnisvollen Waldjungen mit der Holzmaske wird dabei recht offensichtlich als zwei Seiten der selben Medaille gespielt. Daraus hätte man aber viel machen können. Doch Govaerts zog es vor, seiner Hauptfigur lieber immer wieder neue Probleme anzudichten. Irgendwann tauchen dann Geschichten von einer geheimnisvollen Familie auf und am Ende wird Sam sogar noch Autismus untergejubelt. Letzteres eröffnet allerdings interessante neue Blickwinkel auf die Geschichte. Ist es möglich, dass die Geschehnisse ausschließlich aus Sams isolierten Blickwinkel gezeigt werden? Dass vieles nur in seinem Kopf passiert und dadurch die Realität – also der Blickwinkel des Zuschauers – nur verzerrt und subjektiv aus einer gestörten Wahrnehmung heraus wiedergeben wird? Vieles scheint darauf hinzudeuten und doch gleichzeitig wird dieser Ansatz auch immer wieder dadurch erstickt, dass Dinge geschehen, die bei dieser Prämisse nicht passieren dürften. Letztendlich scheint Govaerts an so etwas wie einer innere Logik seiner Geschichte, auch nicht wirklich interessiert zu sein. Vielmehr fühlt es sich so an, als ob er mit seiner Hauptfigur irgendwann nicht viel anzufangen wusste, weshalb sich der Film mal hierhin und mal dorthin biegt, und so letztendlich immer wieder selber ein Bein stellt.

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Bleiben das Horrorelement. Man kann Jonas Govaerts bei seinem Regiedebüt sicherlich vieles vorwerfen, aber nicht, dass er nichts vom Erschaffen eindrucksvoller Bilder verstehen würde. Hier findet er immer wieder großartige Einstellungen, welche die Macht des Waldes, aber auch das unangenehme Gefühl der permanenten Bedrohung betonen. Das Versteck des unheimlichen Killers, das merkwürdige Nest hoch im Baum und die ausgestorbene Fabrikstadt (ein wunderbarer Schauplatz, aus dem leider überhaupt nichts gemacht wird) zeugen von viel optisches Gespür und besitzen großes Gänsehaut-Potential. Zusammen mit den eingangs erwähnten, kreativen Mordwerkzeugen – die allerdings immer viel zu kurz auftauchen – und der großartigen Musik, macht Govaerts sehr viel richtig. Umso mehr verärgert es, wenn einem dann nach dem Abspann immer mehr bewusst wird, wie viel Potential für einen wirklich guten Horrorfilm – oder auch gerne Psycho-Thriller – hier liegengelassen wurde, weil der Regisseur keine klare Vorstellung davon hatte, welche Geschichte er eigentlich erzählen wollte. Ist man aber noch mitten im Film, verzeiht man ihm aufgrund der positiven Aspekte sehr viel mehr, als man es noch tut, wenn die Spannung beim Abspann langsam nachlässt.

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Mit „Camp Evil“ ist dem Belgier Jonas Govaerts ein optisch durchaus gelungenes Spielfilm-Debüt gelungen, welches allerdings auf der Drehbuchseite mehr frustriert, da das durchaus vorhandenen Potenzial für eine interessante und aufwühlende Geschichte einfach zugunsten ausgelutscher Genre-Elemente links liegen gelassen wird.

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Die Splendid-DVD glänzt mit einem sehr guten Bild, bei dem man selbst in den zahlreichen Nachtszenen gut erkennen kann, was vor sich geht und bei Tage die Pracht der Wälder zum Vorschein kommen. Die deutsche Synchronisation ist solides Mittelmaß, aber man sollte schon zur Originaltonspur greifen, da hier auch auf den Konflikt zwischen niederländisch sprechenden Flamen und den französischsprachigen Wallonen eingegangen wird. Extras gibt es leider keine.

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Das Bloggen der Anderen (29-06-15)

bartonfink_type2–  Leider gibt es kaum noch eine Woche ohne bedauerliche Todesmeldungen. In der letzten Woche verstarb der Komponist James Horner bei einem tragischen Flugzeugunglück. screen/read hat ihm einen ausführlichen Nachruf gewidmet.

– Wer noch einmal Horners Klängen lauschen möchte, für den hat Mostly Movies einen Zusammenschnitt seiner besten Scores im Netz gefunden.

–  Dem vor drei Wochen verstorbenen Christopher Lee zu Ehren bespricht JackoXL auf Die drei Muscheln den ungewöhnlichen Hammer-Film „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (ich bin sicherlich nicht Einzige, der früher bei dem Titel zunächst an däumlingsgroße Girls gedacht hat).

–  Udo Rotenberg beendet auf Grün ist die Heide seine tiefschürfende und für den des Genres Unkundigen sicherlich sehr überraschende Analyse des deutschen Heimatfilms. Wie ich finde hochspannend und bereits jetzt eines der Highlights dieses Jahres. Diesmal geht es um den Zenit in den Jahren 1955-1957 und den schleichenden Niedergang und der Hinwendung zur Sexklamotte in den Jahren 1958-1969.  Nicht zu vergessen: Die nachgeschobene und hoch informative Einleitung.

– Oliver Nöding war in der vergangenen Woche auf Remember It For Later ausgesprochen produktiv. Und was für mich persönlich von ganz besonderer Bedeutung ist: Er widmet sich drei Filmen, die auch in meinem Leben eine ganze besondere Rolle gespielt haben und mich zu dem Filmliebhaber gemacht haben, der ich heute bin. Da ist einmal „Lawrence von Arabien“. Ich erinnere mich noch sehr genau an die erste TV-Ausstrahlung, die ich sah. Diese war dreigeteilt und mit langen Pausen. Ich begann den Film im Wochenendhaus meiner Eltern zu schauen, dann besuchten wir Bekannte, wo der Film nebenher flimmerte und mich in seinen Bann zog. Doch auch dort bleiben wir nicht lange und so schaute ich dann Zuhause weiter, fasziniert davon, dass der Film (damals soweit ich mich erinnere in zwei Teilen mit einer langen Pause für die Nachrichten ausgestrahlt) noch immer lief und kein Ende zu nehmen schien. Gerade für mich war er „endlos“, denn vor dem Schluss musste ich ins Bett. Die Bilder, die Lean entwarf sollten mich dort noch lange verfolgen. Noch länger verfolgte mich „Gesprengte Ketten“, der mich völlig umwarf und lange, lange Zeit für mich DER Film blieb. Daran zu erkennen, dass ich noch Monate nach dem Film mit einem Tennisball in der Hand „Bunkerkönig“ spielte. Und „Nightmare on Elm Street“ war dann der erste echte „Splatter“, den ich sah und der Grundstein für eine sehr, sehr lange Faszination und Liebe für das Genre. So stark, dass ich Drumherum viel verpasste, was ich in den letzten20 Jahren Stück für Stück dann aber nachgeholt habe.

–  Verpasst hatte ich damals auch „Missing in Action – Teil 2“, was aber scheinbar kein großer Verlust war, wenn ich totalschaden von Splattertrash trauen kann. Nachprüfen werde ich es sicherlich bald, denn dieser Chuck-Norris-Streifen wartet noch in dem großen Stapel ungesehener DVDs auf mich.

–  Teil der 80er waren aber auch Yuppie-Filme wie „Wall Street“ oder das Michael J. Fox-Vehikel „Das Geheimnis meines Erfolges“ von 1987. Heute frage ich mich, warum ich damals diese „Lebe-den-amerikanischen-Traum“-Filme so toll fand. Jetzt denke ich mit einem eher unangenehmen Gefühl an sie zurück.  Der Intergalactic Ape-Man von Intergalaktische Filmreisen hat den Film einer erneuten Betrachtung unterzogen.  Und auf der anderen Seite der Filmmedaille hat er auch dem japanischen Katastrophenfilm „Gorath – Ufos zerstören die Erde“ von 1962 einige Zeilen gewidmet. Ein Film, der mir heute sicherlich besser gefallen würde als „Das Geheimnis meines Erfolges“.

– Schon immer sehr gut gefallen hat mir allerdings „Wenn Du krepierst – lebe ich“ und da schließe  ich mich gerne Mauritia Mayers Worten auf Schattenlichter an: „Wenn du krepierst – lebe ich“ ist ein schwer einzuordnender, jedoch in mancherlei Hinsicht herausragender Film“.

–  Schön, wenn Schlombie und ich mal einer Meinung sind. Kommt ja selten genug vor. Dass er auf Schlombies Filmbesprechungen so angetan von dem tollen „Der rote Rausch“ ist, freut mich sogar ganz besonders.

–  Auf Wilsons Dachboden hält Gastautor Dr. Wily ein flammendes Plädoyer für einen Film, den ich auch nicht gerade als Höhepunkt des Neo-Slasher-Films in der „Scream“-Nachfolge der späten 90er angesehen habe: „Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast“.

–  Zweimal deutsche Filmgeschichte auf Das Magazin des Glücks. Einmal wird der von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler 2008 hergestellte Film „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ besprochen und dieselben Schwächen aufgedeckt, die auch schon mal angekreidet habe, dann Dominik Grafs Althen-Porträt „Was heißt hier Ende?“ gelobt.

–  Auf B-Roll kann Urs Spörri gar nicht genug euphorische Worte über „Victoria“ verlieren und vergleicht diesen mit Klassikern wie „Menschen am Sonntag“. Lucas Barwenczik hat ein sehr schönes Essay zur Rolle des Menschen in den modernen Katastrophen-Blockbustern Hollywoods geschrieben. Und Lisa Hedler zieht ein erstes Resümee vom Festival des deutschen Films in Ludwigshafen.

– Mehr moderner deutscher Film – Teil 1: Christian Gertz zeigt sich auf mehrfilm erfreut über Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“.

– Mehr moderner deutscher Film – Teil 2: Andrey Arnold interviewt auf Jugend ohne Film den deutschen Dokumentarfilmer Jan Soldat, dessen Filme seit einiger Zeit regelmäßig für viel Furore im Netz sorgen.

–  Älterer deutscher Film: Nicolai Bühnemann ist auf filmgazette restlos begeistert von der Veröffentlichung des Streifens „Mädchen mit Gewalt“ von 1969, den er „einen der wohl kühnsten und verstörendsten Filme des bundesrepublikanischen Kinos“ nennt.

–  Über den Namen Veronika Franz hätte ich schon früher stolpern können. Ulrich Seidls Ehefrau hat einen Horror-Thriller namens „Ich seh, ich seh“ gedreht und der ist durchaus empfehlenswert, wie Oliver Armknecht von film-rezensionen.de findet. Und auch „Frequencies“ verdient einen näheren Blick, wie mir auch schon von anderer Seite bestätigt wurde.

– Ronny Dombrowsi von cinetastic ist von Shion Sonos neustem Werk ziemlich durcheinander gebracht worden und schreibt: „Je nachdem welche rosarote Brille der Zuschauer auf der Nase hat, wird er in „Tokyo Tribe“ entweder mit 116 Minuten Schwachsinn konfrontiert werden oder aber mit einem der genialsten Rap-Musicals der Filmgeschichte, das sich wirklich nur Shion Sono hat ausdenken können.“

– Alles was ich bisher von Quentin Dupieux gesehen habe (okay,“ Wrong Cops“ fehlt mir leider noch) hat mich begeistern können. Umso mehr fiebere ich seinem neusten Streich „Reality“ entgegen, auch wenn er Timo Kießling von cereality nicht gänzlich überzeugen konnte. Mike Albrecht hingegen ist überzeugt und zwar von David Cronenbergs Meisterstück „Die Unzertrennlichen“.

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DVD-Rezension: „On the Job“

onthejobDer alte Tatang (Joel Torre) und der junge, unerfahrenen Daniel Benitez (Gerald Anderson), arbeiten gemeinsam als Auftragskiller. Während Tatang für das Töten zuständig ist, soll Daniel von ihm lernen, um später in Tatangs Fußstapfen zu treten. Beide besitzen ein perfektes Alibi, denn sie sitzen beide ein, und werden nur für ihre Aufträge von korrupten Wärtern aus dem Gefängnis geschmuggelt. Während der kurzen Zeit in Freiheit, besucht Tatang regelmäßig seine junge Geliebte und seine Tochter, deren Jurastudium er mit dem dreckig verdienten Geld finanziert. Währenddessen versucht der junge Polizist Francis Coronel jr. (Pinolo Pascual) herauszufinden, wer hinter den Morden steckt. Dabei gerät er mit dem älteren Sergeant Acosta (Joey Marquez) aneinander, der die Fälle vor ihm untersucht hat. Bald schon finden beide heraus, dass die Spur bis in die obersten Regierungskreise führt…

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Schaut man auf die philippinischen Filme, die es in den letzten zwei-drei Jahren nach Deutschland geschafft haben, da gewinnt man den Eindruck, wenn man in Manila wohnt, kann man sich auch gleich eine Kugel durch den Kopf jagen. Sowohl in „Graceland“ (Kritik hier) als auch in dem ungemein krasseren „Mondo Manila“ des Regie-Wunderkinds Khvan erscheint Manila als Hölle auf Erden, in der nur diejenigen überleben, die ihre Menschlichkeit schon lange über Bord geworfen haben. Erik Mattis Spielfilm „On the Job“ setzt diese Reihe fort. Auch hier wird Manila als Moloch gezeichnet, durchzogen von Korruption und Gewalt. Ein Menschenleben ist dort nicht viel mehr wert, als die Kugel, welche es beendet. Oftmals noch nicht einmal das. Wo immer man auch hinblickt, es gibt keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Das einzige was man erreichen kann, ist die Erhaltung des eh schon niedrigen Status Quos, und irgendwie in diesem tödlichen Dschungel zu überleben.

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„On the Job“ beruht auf wahren Begebenheiten. Scheinbar wurden auf den Philippinen tatsächlich Strafgefangene von korrupten Wärtern kurzfristig aus den Gefängnissen geschmuggelt, um außerhalb der Gefängnismauern Mordaufträge durchzuführen, und dabei das perfekte Alibi zu besitzen. Der Film folgt zwei dieser Auftragskiller. Dem älteren Tatang und seinem „Azubi“ Daniel. Auffallend ist die unaufgeregte, ganz alltägliche Art und Weise, mit der der Film den beiden bei der Verrichtung ihrer Arbeit zusieht. Und eine Arbeit, ein „job“, ist es in der Tat nur, auch wenn mal wieder ein Schädel von den Kugeln durchsiebt förmlich explodiert. Nie stellen die Beiden ihre Taten in Frage, nie reden sie über ihre Opfer. Alles als wäre ihr blutiges Handwerk etwas anders, als ein ganz normaler Job, den man mit mal mehr, mal weniger Elan erledigt. Die beiden könnten auch Malermeister und Geselle sein. Und so interessiert sich Daniel dann auch wie jeder Angestellter für berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, während sich Tatang auf den Ruhestand vorbereitet. Was in seinem Falle die Entlassung aus dem Gefängnis und damit aus seinem „Nebenverdienst“ bedeutet. Doch sehr schnell wird klar, dass diese fleißigen Handwerker in einer Welt leben, in der ihr Leben ständig in Gefahr ist. Ein normales Miteinander oder Familienleben ist für sie nicht möglich. Der alte Tatang weiß das, der jünger Daniel ahnt es noch nicht einmal.

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Regisseur und Drehbuchautor Erik Matti wählt für seinen Film ein spannendes Konzept. Er lässt seine vier Protagonisten frontal aufeinander zusteuern, ohne eine eindeutige Wertung abzugeben. Tatang und Daniel sind durchaus sympathisch. Gerade Daniel ist in seiner unbekümmerten Art niemand, dem man ein gemeinsames Bier ausschlagen würde. Und Tatang wird als jemand gezeigt, der in seiner abgeklärten Ruhe und seiner Professionalität durchaus Vorbildcharakter haben könnte. Beide könnte man gern haben, wäre dort nicht auch das grausame Handwerk der Beiden, welches immer wieder auf äußerst brutale Art und Weise das Bild der netten Typen zerstört. Trotzdem hofft man für sie, dass alles irgendwie gut ausgeht, und sie am Ende vielleicht doch den Weg in ein normales Leben finden. Auch betont Regisseur Matti immer wieder, wie wichtig den beiden ein intaktes Familienleben ist, wie stark sie sich danach sehnen. Tatang versucht seine Leben mit Frau und Tochter halbwegs normal zu gestalten und dieses als Rückzugsort, als Ort eines scheinbar normalen Lebens zu nutzen. Das dies nicht funktionieren kann, da ihn sein „job“ bereits emotional verkrüppelt hat, wird allerdings im Laufe des Filmes immer offenkundiger . Daniel hingegen hat noch nicht erkannt, dass für jemanden wie ihn, eine glückliches, „normales“ Leben mit einer geliebten Partnerin nicht möglich ist.

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Auf der Gegenseite stehen die Polizisten, die ebenfalls zur Identifikation einladen. Der von Frauenschwarm und Sänger Piolo Pascual gespielte Francis Coronel, Jr. wirkt zunächst ambivalent. Er erscheint arrogant und den Verführungen eines korrupten Lebens nicht abgeneigt. Doch im Laufe der Handlung entpuppt sich gerade er als eine ehrliche, unbestechliche Haut, die eine Vision von einer besseren Welt hat und dieser alles unterordnet. Weil er an das Ziel glaubt, eine bessere Welt für sein ungeborenes Kinde schaffen zu können, ja es zu müssen. Hier spiegelt sich Killer Daniel in Polizist Francis. Beide besitzen eine gewisse Naivität – nämlich allein über sein Leben und seine Umwelt entscheiden zu können – und eine Leidenschaft mit der er sich beruflichen Herausforderungen stellt, wie Daniel. Und beide durchschauen nicht das wahre Ausmaß der Misere, in der sie stecken und unterschätzen dadurch die Konsequenzen, die ihr Tun für ihr Leben hat. Unterstützt und angeleitet wird er – ebenfalls wie Daniel – von einem alten, erfahrenen Knochen, hier in Gestalt des zwar unbestechlichen, in der Wahl seiner Mittel aber nicht gerade zimperlichen Sergeant Joaquin Acosta. Beide Pärchen folgen dem typischen Muster des Buddy-Movies, indem man sich zunächst aneinander reibt, um dann das Vertrauen des jeweils anderen zu erhalten, um am Ende dann mit höchsten Respekt füreinander durch die Hölle gehen. Doch in der finsteren Welt, die Erik Matti von Manila zeichnet, wird keins der beiden Buddy-Pärchen am Ende wie ihre Hollywood-Kollegen wie mit einem breiten Grinsen triumphieren können. Hier wird es spannend sein, wie dies in dem angekündigten US-Remake ausfallen wird. In der deprimierenden Welt von „On the Job“ gibt es jedenfalls für niemanden Hoffnung oder die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben. Egal auf welcher Seite des Gesetzes er steht. Und der Film macht einem auch keine Hoffnung, dass sich daran so schnell etwas ändern wird.

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Erik Matti ist mit seinem düsteren und nihilistischen Thriller ein Film gelungen, der noch lange im Kopf des Zuschauers nachhallt. Gut und Böse wird hier durchlässig gemacht und am Ende ist es dann auch egal auf welcher Seite des Gesetztes man sich befindet, alle sind nur Opfer einer durch und durch korrupten Gesellschaft. Neben vorzüglichen Schauspielern, hat auch Matti auch ein Händchen für raue Actionszenen und sein vorantreibender Rhythmus lässt einen auch in den Szenen, die lediglich den Alltag der Protagonisten beschreiben, nicht zur Ruhe kommen.

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Die Koch-Media-DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes Bild, in dunklen Szene manchmal einen Tick zu helles Bild aus. Als Tonauswahl liegt die gute deutsche Synchronspur oder die philippinische Originalfassung vor. Letztere ist allein aufgrund des landestypischen Philippino-Englisch-Gemisches empfehlenswert, welches weitaus authentischer rüber kommt, als die „sauberen“ deutschen Dialoge. Die Extras sehen zunächst nach sehr viel aus, aber das relativiert sich. Ein eher marktschreierisches Making-Of erreicht gerade mal 6 Minuten und sit mit Filmszenen gespickt. Die „Deleted Scences“ gehen geschlagene 38 Minuten (!), aber der Film funktioniert auch sehr gut – und vielleicht sogar sehr viel besser – ohne dieses Material.

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Das Bloggen der Anderen (22-06-15)

bartonfink_type2_ Irgendwann in den letzten Wochen hatte ich ja bereits erwähnt, dass ich die Texte von Lucas Barwenczik auf B-Roll sehr gerne lese. Auch sein neues Essay über Armut im Film spricht mir aus der Seele, so dass ich diesen mal an den Anfang dieser Ausgabe von „Das Bloggen der Anderen“ setze. Ebenfalls auf B-Roll gratuliert Andreas Köhnemann der göttlichen Isabella Rossellini zum 63. Geburtstag.

– Bluntwolf zeigt sich auf Nischenkino begeistert von dem deutschen Polizei-Thriller „Wir waren Könige“ über ein SEK-Team.

– Smooli von den Drei Muscheln ist von „Wir waren Könige“ weniger hingerissen, zeigt sich aber beeindruckt von der schauspielerischen Leistung des großartigen Frederick Lau. Außerdem hat er „German Angst“ gesehen und kommt zu einem zwiespältigen Ergebnis, bei dem er vor allem mit der Kosakowski-Episode massive Probleme hat. Stu zeigt sich demgegenüber von dem neuen Anders Thomas Jensen-Film „Men & Chicken“ durchaus angetan, auch wenn er seiner Meinung nach nicht die Klasse von „Adams Äpfel“ erreicht.

– Auch Thorsten Krüger von Komm&Sieh legt seinen Lesern Jensens Film „Men & Chicken“ nahe.

– Oliver Armknecht von film-rezensionen.de macht mich neugierig auf den neuen Film des „Bremer Filmpreis“-Trägers Ulrich Seidl: „Im Keller“.

– „It Follows“ sammelt überall gute Kritiken. Yzordderrexxiii kann der Film zwar nicht komplett begeistern, er hält ihn aber trotzdem für einen der besten Horrorfilme des Jahres. Auch gesehen: Dario Argentos „Trauma“, der ihm besser gefiel als dessen Ruf ist. Einer Meinung, der ich mich anschließen würde.

– Apropos Argento: Darios Tochter und Hauptdarstellerin Asia hat einen latent autobiographischen Film namens „Missverstanden“ gedreht, über den Till Kadritzke auf critic.de schreibt: „Argento scheißt auf alles, aber feiert damit weniger das Kino als ihr eigenes Scheißen.“ Immer wieder gerne drauf hingewiesen: Die tolle Jodorowski-Box von Bildstörung, die der nicht minder tolle Bodo Traber ebenfalls hier bespricht.

– Bleiben wir bei tollen Sachen. Silvia Szymanski hat auf Hard Sensations eine wunderbar eigenwillige Besprechung des neuen Films von Christoph Hochhäusler, „Die Lügen der Sieger“ online gestellt.

– Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry in der deutschen Filmgeschichte gegraben und dabei zwei spannende Filme ans Tageslicht geholt: „Mein schönes kurzes Leben“, den Klaus Lemke 1970 inszenierte und „Paul kommt zurück“ von Peter F. Bringmann, der zwar Manfred Krugs erster „West-Film“ war, aber vor allem durch Thilo Prückner glänzt.

– Sano Cestnik empfindet große Liebe für den eher unbekannten Dominik-Graf-Film „Der Felsen“, welchen er zur #55 der 100 deutschen Lieblingsfilme auf Eskalierende Träume macht. Ebenfalls dort diskutiert er den Film noch einmal zusammen mit Alexander Schmidt in der Tiefe.

– Über Grafs neues Werk, den Dokumentarfilm „Was heißt hier Ende“ hat Christian Gertz auf mehrfilm.de eine sehr deferenzierte Kritik geschrieben.

– Es gibt ein Filmgenre, welches man heutzutage als „unterschlagen“ ansehen könnt, da es einen ganz besonders üblen Leumund hat: Der Heimatfilm. Udo Rotenberg hat sich dieses ungeliebten Genres, welches einst die Massen ins Kino zog, angenommen und auf Grün ist die Heide in mehreren Teilen ein höchst informatives Plädoyer für dieses gar nicht uninteressante Gebiet veröffentlicht. In dieser Woche die Jahre 1947-1950 und 1951-1954.

– Mauritia Mayer von Schattenlichter war im weit entfernten Dillingen, wo ein großer Enthusiast ein Mini-35mm-Festival mit ganz wunderbaren Genretiteln auf die Beine gestellt hat. Unbedingt erwähnens- und lobenswert! Schade das Dillingen von Bremen aus am A** der Welt liegt. Ein Besuch wäre es sicherlich wert. In der Zwischenzeit bleibt mir da nur das Heimkino, wo ich vielleicht irgendwann mal meine Bildungslücke in Bezug auf italienische „Sandalenfilme“ schließen kann. Mauritias Vorstellung von „Maciste, der Rächer der Verdammten“ lädt ja dazu ein.

– Dass der Giallo „The Crimes of the Black Cat“ in Kopenhagen spielt, war mir gar nicht mehr bekannt. Wohl aber, dass er mir ähnlich gut gefiel, wie Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte.

– Timo Kießling stellt auf cereality zwei frühe, experimentelle Kurzfilme von David Cronenberg vor. Stefanie Schneider schreibt über den mir unbekannten Animationsfilm „Ernie Biscuit“, der von den Machern des von mir sehr gemochten „Mary & Max“ stammt.

– Der Intergalactic Ape-Man durfte vor einiger Zeit in dem Fanzine „Der Zombie“ über Stuart Gordons „From Beyond“ schreiben. Den „Director’s Cut“ des Artikels hat er nun auf seinem Blog Intergalaktische Filmreisen online gestellt.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later die komplette „Der weiße Hai“-Reihe besprochen. Bei seiner Einschätzung des meisterhaften ersten Teils spricht er mir aus dem Herzen.

– Alexander Matzkeit hat auf real virtuality einen sehr interessanten und unbedingt lesenswerten Artikel über CGI, Mad Max und den vermeintlichen Unterschied zwischen guter und schlechter CGI geschrieben.

– Philipp Stroh versucht auf wieistderfilm? In kurzen Sätzen die (technische) Geschichte des Films zusammenzufassen.

– Zum Schluss noch ein Zuckerstück für Leute wie mich. Unter dem vielversprechenden Titel „Howard Hawks zu Gast bei Jess Franco“ setzt sich david auf Whoknows presents mit „X312: Flug zur Hölle“ auseinander.

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Blu-ray-Rezension: „Das Geheimnis des blinden Meisters“

blindermeisterDer jungen, aufbrausende Kämpfer Cord (Jeff Cooper) nimmt an einem Kampf-Wettbewerb teil, um das Recht zu erwerben, den mysteriösen Meister Zetan (Christopher Lee) und sein sagenumwobenes Buch der Weisheit zu suchen. Cord kann zwar im Finale seinen Gegner Morthond (Anthony De Longis) besiegen, wird allerdings wegen Unsportlichkeit disqualifiziert. Trotzdem schließt er sich Morthond auf seiner Suche an. Als dieser gleich bei der ersten Aufgabe scheitert, macht sich Cord allein daran, Zetan zu finden. Dabei begegnet ihm ein geheimnisvoller blinder Meister (David Carradine)….

1969 hatte Bruce Lee, damals lediglich als Sidekick Kato des Helden „Green Hornet“ in der gleichnamigen Serie bekannt, die Idee zu einem Spielfilm, der die westlichen Zuschauer einerseits mit fernöstlicher Philosophie bekannt machen und andererseits als Bühne für seine Kung-Fu-Künste fungieren sollte. Das Skript mit dem Namen „The Silent Flute“ schrieb er zusammen mit seinem Kumpel James Coburn. Coburn sollte den Suchenden spielen, er selber den Meister. Doch dazu kam es nie. 1973 verstarb der mittlerweile zum Weltstar aufgestiegene Lee und das Drehbuch fing an, in Hollywood zu zirkulieren. Dort landete es bei den Produzenten Sandy Howard und Paul Maslansky. Diese ließen es von Stirling Silliphant und Stanley Mann überarbeiten, die die Gewalt abschwächten und das Buch etwas humorvoller gestalteten. Inwieweit das finale Drehbuch zu „Das Geheimnis des blinden Meisters“ noch etwas mit Bruce Lees Vision zu tun hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Laut seiner Frau Linda Lee soll der fertige Film aber recht weit von Lees Vorstellungen entfernt sein.

In der Ur-Fassung wollte Lee den blinden Meister und all die anderen Rollen spielen, die nun David Carradine besetzt. Coburn scheinbar den jungen Krieger Cord. Beide kann man sich nur schwer in den Rollen vorstellen. Coburn wäre 1978 schon zu alt gewesen, Lee zu jung. Für „Das Geheimnis des blinden Meisters“ schlüpfte nun David Carradine in die Rolle des Meisters und spielt gleichzeitig noch den Affenkrieger, den Nomaden-Häuptling Chang-Cha und den Tod. Die Figuren stellen Inkarnationen des Blinden Meisters dar, die den naiven und aufbrausenden Cord auf seiner Reise zum Buch der Weisheit auf den rechten spirituellen Weg bringen sollen. Den auf jeder Station lernt Cord etwas hinzu und nur so kann er seine spirituelles Selbst vervollkommnen. Der Blinde Meister fungiert dabei als Reiseführer, der Cord nicht nur auf seinem physischen Weg geleitet. Der dafür durch seine Rolle den Caine in der TV-Serie „Kung Fu“ dafür prädestinierte David Carradine, verleiht dem Blinden Meister eine würdevolle Ruhe, die ihn älter wirken lässt als er es damals war. In der Rolle des Affenkriegers und vor allem Chang-Cha zeigt er aber, dass er auch anders kann und festigt seinen damaligen Status als dynamischer Action-Held, den er sich in Produktionen wie „Cannonball“ und „Frankensteins Todesrennen“ erarbeitet hatte.

Demgegenüber muss man bei Jeff Cooper, der den Cord spielt, leider von einer krassen Fehlbesetzung sprechen. Für den jungen Suchenden ist er viel zu alt und klobig. Letzteres macht sich auch unangenehm bei den Kampfszenen bemerkbar, bei denen er noch nicht einmal die Beine vernünftig hoch bekommt. Deshalb wird er häufig auch nur in extremer Nahaufnahme gefilmt, um seine Unbeweglichkeit zu kaschieren. Gegen Carradine und vor allem Anthony de Longis wirkt er wie ein unbeholfenes Stück Holz. Gerade im Falle von de Longis ist es schade, dass hier nicht dessen Rolle mit der von Cooper getauscht wurde. Zwar macht auch de Longis nicht den Eindruck, dass ihm die Rolle des Cords auf den Leib geschnitten wäre, doch immerhin zeigt er in den wenigen Kampfszenen, die ihm gegönnt sind, dass er auch einen David Carradine locker in die Tasche stecken würde. So aber tapst Cooper mit viel inbrünstigen „Ha! Ha! Ha!“ durch die Handlung.

Jeff Cooper trieb sich Ende der 60er und Anfang der 80er häufig in Europa herum, wo er in einigen spanischen, aber auch deutschen Filmen wie „Es hat mir immer Spaß gemacht“, auftrat. Nach „Das Geheimnis des blinden Meisters“ versandete seine Karriere dann im US-Fernsehen. Immerhin war er aber in der Erfolgsserie „Dallas“ in immerhin 19 Folgen als Dr. Simon Ellby zu sehen. Der charismatische Anthony de Longis war zwar in einigen Filmen als Nebendarsteller zu sehen, ist vom eigentlichen Beruf aber Waffenmeister und Stunt-Koordinator. Als ausgebildeter Martial-Arts-Kämpfer und hervorragender Schwertkämpfer trat er dann auch in entsprechenden Serien wie „Highlander“ auf.

Als der Film 1978 in die Kinos kam, war er ein finanzieller Flop, der zudem noch miserable Kritiken erntete. Dies kann man verstehen, wirkt er doch durch seine bunten Kostüme und aufgesetzten, pseudo-philosophischen Gleichnisse oftmals ein wenig albern. Hinzu kommen die miserablen Kämpfe, die der Held Cord abliefert und die krasse Fehlbesetzung des Helden mit Jeff Cooper. Doch über die Jahre konnte „Das Geheimnis des blinden Meisters“ an Reputation gewinnen. Zuletzt, als Quentin Tarantino ihn direkt in seinem zweiten „Kill Bill“-Kapitel zitierte und seinem Hauptdarsteller David Carradine die riesige Flöte in die Hand drückte, welche dieser als blinder Meister hier immer wieder spielt. Der Film ist nicht wirklich gelungen, doch es ist eben solch ein Werk, wie es nur in den 70er Jahren entstehen konnte. Ein verrücktes Unterfangen, das asiatische Philosophie ganz ernsthaft mit einem Kung-Fu-Film kreuzt und dies Ganze mit bizarr wirkenden Figuren, unglaublichen Kostümen und einer nicht unbedingt einfach zu verstehenden, traumgleichen Handlung vermischt. In seinem Mut etwas ganz Anderes zu machen, erinnert er stark an John Boormans „Zardoz“, bei dem man einen ähnlichen Ansatz ausmachen kann. Nein, „Das Geheimnis des blinden Meisters“ ist nicht unbedingt erfolgreich in seiner Mission, aber allein der Mut einen solchen, durchaus ambitionierten, Film auf die Beine zu stellen, nötigt Respekt ab. Und ihm beim Scheitern zu beobachten, erzeugt auch eine gewissen Faszination.

Nicht immer gelungener, aber in seinem Scheitern faszinierender Film nach einem Drehbuch von Bruce Lee, welcher fernöstliche Philosophie mit den Mitteln des Kung-Fu-Films transportieren will. „Das Geheimnis des blinden Meisters“ hält dabei zwar eine Paraderolle für „Kung-Fu“-Star David Carradine bereit, leidet aber unter anderem an der krassen Fehlbesetzung des Heldens.

Das Bild der bei Cherry Bomb erschienen Blu-ray weiß zu gefallen. Kräftige Farben und mit einer guten Bildschärfe, bei der der „Kinolook“ aber nicht klinisch heraus gereinigt wurde. Der deutsche Ton liegt in 2.0 vor, der englische Originalton in 5.1. Ganz schwach ist die Veröffentlichung allerdings in Hinsicht auf irgendwelche Extras. Außer dem Trailer gibt es dort nicht. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die US-Blu-ray von Blue Underground mit fast zwei Stunden an Bonusmaterial und einem Audiokommentar gibt. Da wäre es schön gewesen, wenn wenigstens ein Teil lizenziert worden wäre.

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22. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme sind angekündigt

3Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass die ersten Filme für das Internationale Filmfest in Oldenburg (16. – 20. September) in der Vergangenheit bereits so früh angekündigt wurden wie 2015. Interessanterweise ist bei den nun bekanntgegebenen Titeln jede Menge Genre-Ware dabei. Vielleicht eine Antwort auf das zeitgleich einige Kilometer entfernt in Braunschweig stattfindende Cinestrange-Festival? Mich freut es auf jeden Fall, und ich bin sehr gespannt, welche weiteren Filme die Oldenburger noch aus dem Hut zaubern – und vor allem, wem die Retrospektive gelten wird. Toll wäre natürlich, wenn Lynn Lowry als Gast käme, die ja beim Film „Model Hunger“ dabei ist. Träumen darf man mal… 🙂

Unkommentiert aus der Pressemitteilung übernommen und mit Bildern aufgehübscht:

„GOTTLOS – WARUM MENSCHEN TÖTEN“

Regie: Thomas Stiller – Deutschland 2015

Unter der Regie des Grimme-Preisträgers Thomas Stiller entsteht ein für deutsches Fernsehen ungewöhnliches Serienformat, das dem Autor und Regisseur Stiller komplette künstlerische Freiheit überlässt. Mit einer solchen Haltung haben sich bisher auf internationaler Ebene wohl lediglich HBO oder auch Netflix einen Namen gemacht. Auch thematisch wird ein ungewohnter Weg beschritten: Eine Crime-Drama Serie, die auf realen Ereignissen basiert und erzählt, was im herkömmlichen Krimi nicht vorkommt – wie Täter und Opfer im Sog eines Konflikts unausweichlich auf das Verbrechen zusteuern. Conradfilm adaptiert für RTL II das niederländische Erfolgsformat „Godless“. Mit Darstellern wie Matthias Koeberlin, Jule Ronstedt oder Ralph Herforth hochkarätig besetzt, werden in Oldenburg die ersten drei Episoden als Special Event präsentiert. Weltpremiere.

NEXT TIME I’LL AIM FOR THE HEART

von Cedric Anger – Frankreich 2014

nexttimeCedric Angers Drama basiert auf wahren Ereignissen und brachte ihm und seinem Hauptdarsteller Guillaume Canet César Nominierungen ein. 1978 hielt der Serienmörder Alain Lamare die Region Oise in Frankreich in Atem, beherrschte die Schlagzeilen über einen Zeitraum von fast einem Jahr. Das bizarre an diesem Fall: Lamare war als Ortspolizist mit der Aufklärung seiner eigenen Morde beauftragt. Eine Paraderolle für Guillaume Canet, der diesen schizophrenen Balanceakt zu einem faszinierenden Abstieg in die Hölle macht. Deutschlandpremiere.

OBSERVANCE

von Joseph Sims-Dennet – Australien 2015

observanceJoseph Sims-Dennet schafft mit „Observance“ einen mitreißenden Paranoia Thriller ganz in der Tradition von Coppolas „The Conversation“. Ein Privatdetektiv übernimmt die Überwachung einer Frau. Ohne die Auftraggeber und den Grund der Überwachung zu kennen verstrickt er sich in eine Spirale aus Manipulation und Verunsicherung, bis sich die Grenzen zwischen Beobachter und Beobachtetem auflösen. In der politischen Paranoia nach Snowden scheint  die totale Überwachung keine Motive und keine Moral mehr zu kennen. Europapremiere.

TRAVELATOR

von Dusan Milic –  Serbien 2014

travelator„Blade Runner“ meets „Taxi Driver“ in Dusan Milics atemberaubenden Film über den 19jährigen Slav, dessen Meisterschaft in Ego-Shooter Games ihn für die Serbische Mafia interessant machen. Er wird mit einem Mord beauftragt und nach Las Vegas geschickt, um einen korrupten serbischen Kriegsgewinnler zu erledigen. Dusan Milic balanciert mit hypnotischen Bildern zwischen der harten Wirklichkeit der serbischen Flüchtlingslager und einem Las Vegas, das künstlicher als die virtuellen Welten der Videogames scheint. Deutschlandpremiere.

CRUMBS

von Miguel Llansó – Äthiopien/Spanien/Finnland 2015

crumbsDer Debütfilm des spanischen Autors und Regisseurs Miguel Llansó ist nicht nur Äthiopiens erster Science Fiction Film, sondern wahrscheinlich auch die schönste Übertragung des „Zauberers von Oz“ in das neue Jahrtausend. „Crumbs“ nimmt uns mit auf eine surreale Abenteuerreise durch ein postapokalyptisches Afrika voller poetische Bilder, die an Tarkovsky’s magische Reise des „Stalker“ erinnern. Deutschlandpremiere.

THE STRONGEST MAN

von Kenny Riches – USA 2015

strongestmanNach seiner Premiere beim Sundance Festival wurde der trockenhumorige, exzentrische Erzählstil des in Japan geborenen Filmemachers Kenny Riches von der Kritik mit „als hätte Terence Malick ‘Napoleon Dynamite‘ inszeniert“ umschrieben. Mit Leichtigkeit und schrägem Humor kratzt „The Strongest Man“ an der glitzernden Fassade des amerikanischen Traums und gleitet mit seinem ganz und gar unglamourösen Helden Beef durch die Straßen von Miami. Internationale Premiere.

IM SOMMER WOHNT ER UNTEN

von Tom Sommerlatte – Deutschland 2015

imsommerSchon bei seiner Berlinale Premiere hat Tom Sommerlatte mit seinem Spielfilmdebüt Kritik und Publikum gleichsam verzaubert. In der entspannten Atmosphäre des elterlichen Sommerhauses kommt es zu einer ungleichen Machtprobe zweier Brüder. Der eine ganz im Geiste der Familie auf Karriere und Regeln bedacht, der andere ein echter Slacker, der lieber dem Haschisch und dem süßen Nichtstun frönt. Mit seiner Schwester Iris als Produzentin, ist Tom Sommerlatte mit leichter Hand ein großer Wurf gelungen. Die deutsche Sommerüberraschung des Jahres. Vorpremiere.

WASTE LAND

von Pieter Van Hees – Belgien 2014

wastelandNach „Left Bank“ und „Dirty Mind“ kehrt Pieter Van Hees mit dem dritten Teil seiner „Love and Pain“-Trilogie nach Oldenburg zurück. Sein in den dunkelsten Ecken von Brüssel angesiedelter Neo-Noir-Thriller verwebt subtil die Folgen des Kolonialismus in eine psychologisch ausgefeilte Story um einen Polizisten, der den Mord an einem kongolesischen Einwanderer aufklären soll. Wie einst für Mickey Rourke in „Angel Heart“ gibt es für den Cop mehr zu entdecken als ihm lieb ist. Ein albtraumhafter Thriller über den Verlust von Identität. Deutschlandpremiere.

MODEL HUNGER

von Debbie Rochon – USA 2015

modelhungerAuf der Leinwand war sie bereits in über 200 Genrefilmen zu sehen, nun kehrt Scream-Queen Debbie Rochon mit ihrem Regiedebüt nach Oldenburg zurück. „Model Hunger“ ist eine provozierende Suche nach der Bedeutung von Schönheit, dessen rauer Ton Erinnerungen an das New Hollywood der 70er Jahre weckt, als Tobe Hooper das Splatterkino salonfähig machte. Lynn Lowry, die schon bei Cronenberg, Romero und Schrader vor der Kamera stand, glänzt in der Hauptrolle als verstörtes Ex-Model im Blutrausch. Internationale Premiere.

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