Blu-ray-Rezension: „Das Geheimnis des blinden Meisters“

blindermeisterDer jungen, aufbrausende Kämpfer Cord (Jeff Cooper) nimmt an einem Kampf-Wettbewerb teil, um das Recht zu erwerben, den mysteriösen Meister Zetan (Christopher Lee) und sein sagenumwobenes Buch der Weisheit zu suchen. Cord kann zwar im Finale seinen Gegner Morthond (Anthony De Longis) besiegen, wird allerdings wegen Unsportlichkeit disqualifiziert. Trotzdem schließt er sich Morthond auf seiner Suche an. Als dieser gleich bei der ersten Aufgabe scheitert, macht sich Cord allein daran, Zetan zu finden. Dabei begegnet ihm ein geheimnisvoller blinder Meister (David Carradine)….

1969 hatte Bruce Lee, damals lediglich als Sidekick Kato des Helden „Green Hornet“ in der gleichnamigen Serie bekannt, die Idee zu einem Spielfilm, der die westlichen Zuschauer einerseits mit fernöstlicher Philosophie bekannt machen und andererseits als Bühne für seine Kung-Fu-Künste fungieren sollte. Das Skript mit dem Namen „The Silent Flute“ schrieb er zusammen mit seinem Kumpel James Coburn. Coburn sollte den Suchenden spielen, er selber den Meister. Doch dazu kam es nie. 1973 verstarb der mittlerweile zum Weltstar aufgestiegene Lee und das Drehbuch fing an, in Hollywood zu zirkulieren. Dort landete es bei den Produzenten Sandy Howard und Paul Maslansky. Diese ließen es von Stirling Silliphant und Stanley Mann überarbeiten, die die Gewalt abschwächten und das Buch etwas humorvoller gestalteten. Inwieweit das finale Drehbuch zu „Das Geheimnis des blinden Meisters“ noch etwas mit Bruce Lees Vision zu tun hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Laut seiner Frau Linda Lee soll der fertige Film aber recht weit von Lees Vorstellungen entfernt sein.

In der Ur-Fassung wollte Lee den blinden Meister und all die anderen Rollen spielen, die nun David Carradine besetzt. Coburn scheinbar den jungen Krieger Cord. Beide kann man sich nur schwer in den Rollen vorstellen. Coburn wäre 1978 schon zu alt gewesen, Lee zu jung. Für „Das Geheimnis des blinden Meisters“ schlüpfte nun David Carradine in die Rolle des Meisters und spielt gleichzeitig noch den Affenkrieger, den Nomaden-Häuptling Chang-Cha und den Tod. Die Figuren stellen Inkarnationen des Blinden Meisters dar, die den naiven und aufbrausenden Cord auf seiner Reise zum Buch der Weisheit auf den rechten spirituellen Weg bringen sollen. Den auf jeder Station lernt Cord etwas hinzu und nur so kann er seine spirituelles Selbst vervollkommnen. Der Blinde Meister fungiert dabei als Reiseführer, der Cord nicht nur auf seinem physischen Weg geleitet. Der dafür durch seine Rolle den Caine in der TV-Serie „Kung Fu“ dafür prädestinierte David Carradine, verleiht dem Blinden Meister eine würdevolle Ruhe, die ihn älter wirken lässt als er es damals war. In der Rolle des Affenkriegers und vor allem Chang-Cha zeigt er aber, dass er auch anders kann und festigt seinen damaligen Status als dynamischer Action-Held, den er sich in Produktionen wie „Cannonball“ und „Frankensteins Todesrennen“ erarbeitet hatte.

Demgegenüber muss man bei Jeff Cooper, der den Cord spielt, leider von einer krassen Fehlbesetzung sprechen. Für den jungen Suchenden ist er viel zu alt und klobig. Letzteres macht sich auch unangenehm bei den Kampfszenen bemerkbar, bei denen er noch nicht einmal die Beine vernünftig hoch bekommt. Deshalb wird er häufig auch nur in extremer Nahaufnahme gefilmt, um seine Unbeweglichkeit zu kaschieren. Gegen Carradine und vor allem Anthony de Longis wirkt er wie ein unbeholfenes Stück Holz. Gerade im Falle von de Longis ist es schade, dass hier nicht dessen Rolle mit der von Cooper getauscht wurde. Zwar macht auch de Longis nicht den Eindruck, dass ihm die Rolle des Cords auf den Leib geschnitten wäre, doch immerhin zeigt er in den wenigen Kampfszenen, die ihm gegönnt sind, dass er auch einen David Carradine locker in die Tasche stecken würde. So aber tapst Cooper mit viel inbrünstigen „Ha! Ha! Ha!“ durch die Handlung.

Jeff Cooper trieb sich Ende der 60er und Anfang der 80er häufig in Europa herum, wo er in einigen spanischen, aber auch deutschen Filmen wie „Es hat mir immer Spaß gemacht“, auftrat. Nach „Das Geheimnis des blinden Meisters“ versandete seine Karriere dann im US-Fernsehen. Immerhin war er aber in der Erfolgsserie „Dallas“ in immerhin 19 Folgen als Dr. Simon Ellby zu sehen. Der charismatische Anthony de Longis war zwar in einigen Filmen als Nebendarsteller zu sehen, ist vom eigentlichen Beruf aber Waffenmeister und Stunt-Koordinator. Als ausgebildeter Martial-Arts-Kämpfer und hervorragender Schwertkämpfer trat er dann auch in entsprechenden Serien wie „Highlander“ auf.

Als der Film 1978 in die Kinos kam, war er ein finanzieller Flop, der zudem noch miserable Kritiken erntete. Dies kann man verstehen, wirkt er doch durch seine bunten Kostüme und aufgesetzten, pseudo-philosophischen Gleichnisse oftmals ein wenig albern. Hinzu kommen die miserablen Kämpfe, die der Held Cord abliefert und die krasse Fehlbesetzung des Helden mit Jeff Cooper. Doch über die Jahre konnte „Das Geheimnis des blinden Meisters“ an Reputation gewinnen. Zuletzt, als Quentin Tarantino ihn direkt in seinem zweiten „Kill Bill“-Kapitel zitierte und seinem Hauptdarsteller David Carradine die riesige Flöte in die Hand drückte, welche dieser als blinder Meister hier immer wieder spielt. Der Film ist nicht wirklich gelungen, doch es ist eben solch ein Werk, wie es nur in den 70er Jahren entstehen konnte. Ein verrücktes Unterfangen, das asiatische Philosophie ganz ernsthaft mit einem Kung-Fu-Film kreuzt und dies Ganze mit bizarr wirkenden Figuren, unglaublichen Kostümen und einer nicht unbedingt einfach zu verstehenden, traumgleichen Handlung vermischt. In seinem Mut etwas ganz Anderes zu machen, erinnert er stark an John Boormans „Zardoz“, bei dem man einen ähnlichen Ansatz ausmachen kann. Nein, „Das Geheimnis des blinden Meisters“ ist nicht unbedingt erfolgreich in seiner Mission, aber allein der Mut einen solchen, durchaus ambitionierten, Film auf die Beine zu stellen, nötigt Respekt ab. Und ihm beim Scheitern zu beobachten, erzeugt auch eine gewissen Faszination.

Nicht immer gelungener, aber in seinem Scheitern faszinierender Film nach einem Drehbuch von Bruce Lee, welcher fernöstliche Philosophie mit den Mitteln des Kung-Fu-Films transportieren will. „Das Geheimnis des blinden Meisters“ hält dabei zwar eine Paraderolle für „Kung-Fu“-Star David Carradine bereit, leidet aber unter anderem an der krassen Fehlbesetzung des Heldens.

Das Bild der bei Cherry Bomb erschienen Blu-ray weiß zu gefallen. Kräftige Farben und mit einer guten Bildschärfe, bei der der „Kinolook“ aber nicht klinisch heraus gereinigt wurde. Der deutsche Ton liegt in 2.0 vor, der englische Originalton in 5.1. Ganz schwach ist die Veröffentlichung allerdings in Hinsicht auf irgendwelche Extras. Außer dem Trailer gibt es dort nicht. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die US-Blu-ray von Blue Underground mit fast zwei Stunden an Bonusmaterial und einem Audiokommentar gibt. Da wäre es schön gewesen, wenn wenigstens ein Teil lizenziert worden wäre.

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2 Antworten zu Blu-ray-Rezension: „Das Geheimnis des blinden Meisters“

  1. Ha, ich liebe diesen Film, seit ich ihn vor vielleicht 30 Jahren (und später irgendwann nochmal) im Fernsehen sah. Allein schon die Szene mit Eli Wallach im Ölfass finde ich ja endlos genial. Das ist fast schon Dekonstruktion des Fantasy-Genres, das sich ja gelegentlich selbst zu wichtig nimmt. Ich sehe hier auch gewisse Parallelen zum Schluss von Jodorowskys THE HOLY MOUNTAIN. Die von Dir genannten Schwächen tragen vielleicht sogar zu dieser Wirkung bei (wenn mir jetzt die Erinnerung keinen Streich spielt) und kehren sich so ins Positive … :-Þ

  2. Marco Koch sagt:

    Die Szene mit dem Ölfass hatte sich mir auch ins Gedächnis gebrannt. Wahrscheinlich haben wir auch da die gleiche TV-Ausstrahlung gesehen. Als ich den Film jetzt wieder in der Hand hatte, könnte ich mich zwar an sonst nicht mehr viel erinneren, aber an das Ölfass und den Spruch von Cord, als er einen Blick reinwirft: „Ja, das ist nur noch ein kleiner Pickel“.

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