1999 erschien im Terrorverlag das deutschsprachige Standardwerk zum italienischen Gangster- und Polizeifilm „Der Terror führt Regie“ von Karsten Thurau und Michael Cholewa. 2008 erfuhr das Werk noch einmal eine schön gestaltete, erweiterte Neuauflage im MPW Verlag. Diese Ausgabe ist leider mittlerweile nur noch zu Mondpreisen im dreistelligen Bereich zu bekommen. Lange Zeit war „Der Terror führt Regie“ die einzige umfangreiche Veröffentlichung zu diesem Thema. Seit November diesen Jahres gesellt sich ein zweites Buch hinzu: „Bleigewitter über Cinecittà“ von Christian Keßler. Nach seinen Ausflügen in die Welt des Italo-Western (ebenfalls wie „Der Terror führt Regie“ im Terrorverlag erschienen und mittlerweile leider auch nur noch für viel Geld antiquarisch zu bekommen) und dem Giallo ist dies nun sein drittes Buch (nimmt man das ebenfalls schon lange vergriffene Frühwerk „Das wilde Auge“ mal außer acht), welches sich mit einem der großen Phänomene des populären italienischen Kinos der 60er, 70er und teilweise auch der 80er beschäftigt. Damit knüpft er auch direkt an seine legendären Artikel in der „Splatting Image“ an, mit denen er sich in den 90er Jahren in die Herzen der Liebhaber des „unterschlagen Films“ geschrieben hat.
Christian Keßler schreibt im Vorwort, dass er im Vergleich zu seinem Buch über den Film Noir, welches zuletzt von ihm im Martin Schmitz Verlag erschienen ist, etwas „flapsiger“ unterwegs sei. Wer nun befürchtet, dass seine Filmvorstellungen mit billigen Witzchen und schlechten Wortspielen gespickt seien, der kennt Christians bisheriges Werk nicht. Christians frühen Artikel in der „Splatting Image“ waren wegweisend für eine ganze Generation, die darüber das Italo-Kino – vor allem der 70er Jahre – kennen und lieben gelernt hat. Und ja, die Sprache ist flapsig. Aber (und dies ist ein großes aber) niemals herablassend. Dies kann man erst dann wirklich wertschätzen, wenn man die vielen Versuche zahlreicher Epigonen gelesen hat, die sich von Christians Stil zwar haben inspirieren lassen – ihn aber nie wirklich verstanden haben. Christians Formulierungen sind fantasiereich, humorvoll und ja: „flapsig“. Aber sie treffen immer den Kern der Sache. Wer etwas liest wie „In der Hauptrolle stellt Luc Merenda das Kantengesicht der Gerechtigkeit dar, ein riesiger Mund, Mundwinkel, die selbst dann nach oben weisen, wenn er todernst kuckt, echte Dressmanqualitäten in seinen Bewegungen – jemand, der sich im eigenen Saft offensichtlich wohl fühlt“, der hat ein wunderbar akkurates Bild von Luc Merenda vor Augen, welches Merendas Stärken und Schwächen liebevoll in einem einzigen Satz vereint. Vergleicht man dies mit den Nachahmern, fühlt man den Unterschied. Während Christian voller Humor, aber auch genauen Blick und treffsicheren Worten beschreibt und dabei den Film in den Vordergrund stellt, hat man bei den Imitatoren das Gefühl, es geht eben nicht um den Film. Dieser ist eher ein Vehikel, um sich selbst zu überhöhen und mit möglichst herablassenden und verhöhnenden Worten zu zeigen, wie lustig und cool man selber doch ist. Bei Christian ist es in den Arm nehmende Neckereien, bei den Anderen ein auf den Arm nehmender, beißender Sarkasmus. Da geht es dann in erster Linie um den Autoren, weniger um die Sache. Und während Christian bemüht ist, erst einmal positiv an einen Film heranzugehen, so herrscht dann anderswo scheinbar die Denke vor: „Der Film ist eh kacke, da kann ich jetzt mal so ordentlich ‚lustig‘ vom Leder ziehen“. Was schade ist, aber Christians Bücher umso wertvoller macht.
Nun aber zum Buch selber. War Thurau/Cholewas „Der Terror führt Regie“ noch auf die Jahre 1968 bis 1982 beschränkt und ließ z.B. Mafiafilme (wie lustigerweise den titelgebenden „Der Terror führt Regie“), Komödien oder nicht in Deutschland erschienene Filme aus (diese wurden im umfangreichen Anhang nur knapp mit Namen und Credits vorgestellt), so spannt Christian Keßler den Bogen weiter. „Bleigewitter über Cinecittà“ beginnt im Jahre 1960 und damit in den Ausläufern des Neorealismus. Erster besprochener Film ist „Der Bucklige von Rom“. Der Letzte ist Sergio Leones amerikanisch co-produzierter Schwanengesang „Es war einmal in Amerika“. Ein mehr als würdiger und logischer Abschluss.
Neben den klassischen Polizieschi und Gangsterfilmen erlaubt sich Christian auch immer wieder Ausflüge in artverwandte Gefilde. Beispielsweise dem Heist-Film oder der Komödie. Die Filmvorstellungen sind gespickt mit Anekdoten und Informationen zu Regisseur*innen und Darsteller*innen. Aber auch Informationen, welche die Filme in einen historischen oder filmgeschichtlichen Kontext setzen. Was wo den Schwerpunkt ausmacht, ist vor allem dem jeweiligen Film geschuldet. Da wird dann schon ein Unterschied gemacht, ob nun „Die Rache des Paten“ oder „Der Fall Mattei“ besprochen wird. Und das passt dann auch immer sehr gut und macht das Lesen sehr abwechslungsreich. Dazu ist das Buch wie einst „Der Terror führt Regie“ hübsch bebildert. Eine Galerie der wichtigsten Darsteller und Darstellerinnen (letztere oftmals wie Gott sie schuf) wie sie in „Der Terror führt Regie“ vorhanden war, fehlt hier. Aber die hätte auch, wenn man ehrlich ist, nicht wirklich gepasst. Fazit: Wieder ein wunderbares Buch im typischen Keßler-Stil, welches einen leichtfüßig durch die bleierne Zeit Italiens führt. Und einmal mehr großen Appetit auf die entsprechenden Filme macht. Gut gemacht, Herr Keßler! Und ich freue mich schon sehr auf sein nächstes Buch, welches einen in das Reich des italienischen Horrorfilm entführen soll.
Christian Keßler “Bleigewitter über Cinecittà – Gangster und Polizisten im italienischen Kino von 1960-1984“, Martin Schmitz Verlag, 360 Seiten, gebunden, farbige Abbildungen, € 36,00
Commissario Belli (Franco Nero) von der Fremdenpolizei erhält unter Hand von dem einflussreichen Rechtsanwalt Fontana (Adolfo Celi) Geld dafür, das englische Model Sandy (Delia Boccardo) abschieben zu lassen, da diese eine Affäre mit Fontanas Sohn Mino (Maurizio Bonuglia) begonnen hat. Außerdem soll er dann gleich auch einmal den Musikproduzenten Romani gründlich überprüfen. Denn in dessen Geschäfte will Fontanas Frau Vera (Florinda Bolkan) viel Geld investieren. Doch als Belli Romani aufsucht, findet er nur noch dessen Leiche vor. Um nicht mit seinen kleinen Nebengeschäften in die Ermittlungen seines Kollegen Baldo (Renzo Palmer) von der Mordkommission zu geraten, beginnt Belli auf eigene Faust zu ermitteln.
Der Clan der Eisernen Flagge setzt sich für das Gute, Recht und Ordnung ein. Sein Gegenspieler ist der kriminelle Adler-Clan, der die Spielcasinos und Bordelle unter seiner Kontrolle hat. Als der Meister der Eisernen Flagge bei einem Treffen mit dem Adler Clan aus dem Hinterhalt ermordet wird, wird Chow Feng (Feng Lu) zum neuen Anführer der Eisernen Flagge bestimmt. Lo Hsin (Phillip Kwok), der eigentlich vom verstorbenen Meister als neuer Chef des Clans auserkoren wurde, nimmt die Schuld an den Vorkommnissen auf sich und verlässt den Clan. Er nimmt auswärts eine Arbeit als Kellner an, um dort erst einmal abzuwarten. Doch bald schon stehen die Attentäter Schlange, um Lo Hsin zu eliminieren. Los Hsin gelingt es mit Hilfe des geheimnisvollen „weißen Wanderers“ (Tien-Hsiang Lung) die zahlreichen Angriffe abzuwehren und macht sich auf den Weg zurück. Doch bei seiner Rückkehr erwartet ihn eine Überraschung…
Der coole Drogenschmuggler Fabio (Testi) wird am Flughafen erwischt und von einer getarnten Interpol-Einheit unter der Führung des Briten Mike Hamilton (David Hemmings) inhaftiert. Im Gefängnis trifft Fabio auf den drogensüchtigen Gilo (Wolfango Soldati), der dort sitzt, weil er vor einer Schule versucht hat zu dealen. Fabio gelingt es gemeinsam mit Gilo zu fliehen, und Kontakt mit den Männern hinter den Drogengeschäften aufzunehmen.
von Carsten Henkelmann
Im 1. Weltkrieg wird Klaus Schneider am Kopf verletzt und in das Krankenhaus des Dr. Bettelheim eingeliefert. Dieser findet heraus, dass Schneider eine hellseherische Gabe besitzt. Nach dem Krieg tut sich Schneider mit seinem ehemaligen Hauptmann Nowotny zusammen, der sein Berater und Manager wird. Schneider ändert seinen Namen in Erik Jan Hanussen und startet in den 20er Jahren eine erfolgreiche Karriere als Varieté-Star…
Die neue 70MM ist da! Zum fünften Mal durfte ich diese Zeitschrift als Chefredakteur betreuen, und ich bin auch diesmal wieder durchaus zufrieden mit dem Ergebnis. Ich selber habe auch einen Artikel über die „Street Fighter“-Trilogie mit Sonny Chiba beigetragen.
Chi Ming-Sing (Ti Lung) ist auf der Flucht. Erschöpft und halb verhungert wird er von einem Fremden (Alexander Fu Sheng) gefunden, der ihn wieder aufpäppelt. Statt Dankbarkeit zu zeigen, stiehlt im Chi Ming-Sing dem Fremden allerdings das Pferd und den Proviant. Bald schon aber hat der Fremde Chi wieder eingeholt. Just in diesem Moment erscheinen vier Männer, die Chi an den Kragen wollen. Gemeinsam können Chi und der Fremde diese erledigen. Langsam fasst Chi Vertrauen zu dem Fremden und erzählt ihm seine Geschichte. Er wuchs als Waisenkind auf und wurde zusammen mit zwölf anderen Kindern von dem brutalen Kung-Fu Meister Yoh Xi-Hung (Feng Ku) zu skrupellosen Killern und Räubern erzogen. Nun sorgen sie als die 13 Adler für Angst und Schrecken. Doch Chi hat dem allen nun den Rücken gekehrt und damit sein Todesurteil unterschrieben…
Bei manchen Ideen fragt man sich, weshalb nicht schon jemand anderes darauf gekommen ist. Es ist doch so naheliegend. Genau das waren meine Gedanken als ich das schöne Buch „Glücksorte für Filmfans“ in der Hand hielt. Ein Reiseführer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz für Filmfreund. Es gibt einen Blog im Internet, der einen ähnlichen Anspruch (okay, hier dann eher international gedacht) formuliert. Aber dieser hält meiner Meinung nach genau das nicht, was ich als Einzelperson mir darunter vorstellen würde. Drehorte aktueller Mainstream-Blockbuster ist doch mehr hübscher Reise- denn interessanter Filmblog.
Am für mich dritten und letzten Tag musste ich auf meinen Begleiter Stefan verzichten. Dafür legte ich mir den ersten Film so früh, dass ich ausnahmsweise mit dem Zug (Deutschlandticket sei Dank!) fahren konnte, da der letzte Filme um 20:40 zu Ende war und ich bequem zurückreisen konnte. Überraschenderweise lief mit der Bahn auch alles glatt. Sogar so glatt, dass ich fast den Oldenburger Hauptbahnhof verpasst hatte, weil ich mich gerade in eine Lektüre versenkt hatte.
