Und wieder ist ein Jahr vergangen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, 2023 ging noch schneller vorbei als die Jahre davor. So ereigneten sich viele Dinge, die ich in diesen obligatorischen Jahresrückblick aufnehmen wollte, schon 2022. Was mich dann doch sehr überrascht hat. Vielleicht liegt dieses subjektiv gefühlte hohe Tempo aber auch daran, dass 2023 wieder ein extrem produktives Jahr war. Vier Booklets erschienen in diesem Jahr an denen ich entweder mitbeteiligt war oder sie komplett selbst geschrieben habe. Drei weitere sind schon abgegeben, erscheinen aber erst 2024. Ferner schrieb ich zwei Beiträge für ein weiteres Buch – wann dies erscheint steht allerdings noch in den Sternen. Ich hoffe einfach mal, da tut sich 2024 etwas und die Arbeit war nicht umsonst. Mit Buch-Projekten habe ich ja traditionell immer sehr wenig Glück. Dafür durfte ich zwei Video-Features zu polnischen Filmen, die mir am Herzen liegen, für Ostalgica produzieren. Und zusammen mit Lars und Clemens gab es noch drei „Filmtalks“, die es letztes Jahr auch auf Blu-ray geschafft haben. Drei Audiokommentare sind auch erschienen. Wer es genau wissen möchte, der kann gerne auf den Reiter „Veröffentlichungen“ oben klicken. Dort gibt es die genaue Aufstellung.
Natürlich nahm mich auch die “35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ in Beschlag. Für das „Mutterschiff“ schrieb ich 2023 sechs Artikel. Für die für mir verantwortete „70 Millimeter“ waren es zwei und für die Sonderausgaben ebenfalls zwei. Hinzu kommen zahlreiche Rezensionen. Da nicht nur kurze in gedruckter Form, sondern auch ausführlichere hier auf dem Blog. Das waren dann noch einmal 12 Buch- und Filmbesprechungen. Da hatte ich dann schon ab und an mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen und habe bei der 35 Millimeter 52 erstmals eine Pause eingelegt – die auch ganz gut tat. Momentan arbeite ich aber schon wieder an meinem Artikel für die Nummer 53. Apropos Blog. Da flatterte mir zwischen den Tagen 2022 auf 2023 ein Schreiben der Abmahnmafia ins Haus, welches mich lange beschäftigte und bei dem ich mich fragte, ob ich den Blog nicht ganz einstampfen soll. Ich habe dann den besten Rat befolgt: Einfach nicht reagieren. Und das war tatsächlich ein guter Rat, denn nach zwei Monaten und einigen Schreiben mehr war dann endlich Ruhe. Trotzdem hat mich das nicht gerade motiviert, viel Energie in den Blog zu stecken. Aber vielleicht kommt das noch wieder. In den letzten Monaten war hier ja auch schon wieder mehr los.
Aber so schön das Schreiben auch ist – das Beste ist es immer noch Filme im Kino, und dort am Besten im Kreise lieber Menschen zu sehen. Auch davon gab es 2023 wieder reichlich und jedes Mal war es ein großes Glück und eine Zeit, um positive Energie zu tanken. Los ging es mit dem tollen Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf, der wieder eine einzige Quelle der Freude war. Schön war auch das „öffentliche Redaktionstreffen“ der „35 Millimeter“ hier in Bremen. In meinem „neuen Hobby“, der Kneipe Helga in Bremen-Walle (dazu später mehr) gab es neben einem geselligen Beieinander noch drei Vorträge und einen musikalischen Beitrag für die Allgemeinheit. Letztere hatte aber leider nicht allzu viel Interesse und so hatten wir gerade mal eine Handvoll „externe“ Zuhörer. Das fand ich extrem schade und auch ein wenig traurig. Im September ging es zum 30. Internationalen Filmfest in Oldenburg, welches dieses Jahr merklich kleiner und „unglamouröser“ ausgefallen ist – aber nichtsdestotrotz mit großartigen Filmen und einer gewohnt familiären Atmosphäre glänzen konnte. Und was wäre das Jahr ohne das wunderbare Delira-Italiano-Forentreffen? Drei Tage voller Freude und Freunde! Dieses Jahr verschlug es uns ins sehr schöne KoKi in Lübeck. Fast hätte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber davon haben wir uns nicht aufhalten lassen. Und erstmals „Die Banditen von Mailand“ auf großer Leinwand zu sehen, war eine Pracht. Und nicht vergessen darf man das „HyperHorrorHappening“, welches zum vierten Mal im Kommunalkino Bremen stattfand und bei dem Stefan und ich als „Weird Xperience“-Macher mitmoderieren durften. Das waren zwei ganz, ganz großartige Tage, die wir zusammen mit den drei wunderbaren HHH-Verantwortlichen Johanna, Olli und Alfred, sowie dem supersympathischen Gast Jörg Buttgereit verbringen konnten. Auch so ein Ding, von dem man noch lange zerrt.
Apropos „Weird Xperience“. Mit unserer Reihe hatten wir auch ein sehr aufregendes Jahr. Nachdem der Start ins Jahr mit einer ganz wunderbaren und spannenden Kooperation mit der Uni Bremen (Danke an Julian für die Organisation) noch sehr harmonisch und schön war, platze Mitten in der Vorbereitung zum zweiten Halbjahr die Bombe. Das Cinema Ostertor wurde von der Besitzerfamilie – die uns immer super unterstützt hat – verkauft. Nun hieß es erst einmal die Karten neu mischen, mit den neuen Besitzern (den Bremer Filmkunsttheatern) in Kontakt treten und irgendwie schauen, dass es weiter geht. Natürlich schwirrten uns sogleich x Szenarien durch den Kopf. Anfang Oktober erhielten wir aber von den Bremer Filmkunsttheatern erst einmal grünes Licht und konnten die Reihe (die erst einmal bis Februar 2024 gesichert ist) im Dezember mit einem sehr gut besuchten „Texas Chainsaw Massacre“ neu starten. Damit kommen wir 2023 immerhin auf sieben Vorstellungen. Zusätzlich hieß es auch noch zwei Mal „Film und Konzert“ im Karo in Walle. Das Konzept erst einen Film mit Einführung zu zeigen, danach ein Konzert zu organisieren und beides unter eine thematische Klammer zu bringen, finde ich immer noch super. Leider kamen im Mai (allerdings auch an einen schönen, heißen Tag an dem in Bremen generell viel los war) kaum jemand. Weshalb wir dann beschlossen, die Reißleine zu ziehen und im November dann das letzte Mal diese Veranstaltung durchzuziehen. Die war dann wieder besser besucht, aber trotzdem haben wir das Konzept soweit erst einmal auf Eis gelegt.
Wo ich dann auch schon bei der Musik bin, die in 2023 einen großen Teil meines Lebens ausfüllte. Neben eigenen Ambitionen veranstaltete ich als Teil der „Helga-Veranstaltungsgruppe“ in diesem Jahr elf Konzerte in unserer „Helga“ mit. Davon waren gleich drei auch noch Doppel-Konzerte. Also insgesamt 14. Zählt man die beiden „Film & Konzert“ im Karo mit dazu, komme ich eben locker auf 16. Puuhh.. Das war sehr anstrengend und vor allem zeitfressend. Aber am Ende standen immer tolle und teilweise unvergessliche Abende. Und 2024 ist auch schon wieder gut durchgeplant. Dazu kommen noch „normale“ Konzertbesuche. Highlight hier auf jeden Fall „Die Sterne“ im Lagerhaus. Das für mich sehr wichtige Überseefestival habe ich auch wieder voll mitnehmen können und bei der Jazzahead die European-Night und die Clubnight. Insgesamt hätte das mehr sein können, aber aufgrund der vielen Aktivitäten oben, musste ich hier und da Abstriche machen – und ehrlich gesagt, auch die Wochenenden zum Verschnaufen nutzen. Da half es auch, dass ich in diesem Jahr zwei große CD-Sammlungen geerbt habe, durch die ich mich noch immer höre. Ein tolles Projekt, bei dem ich sehr, sehr viel für mich entdeckt, Lücken geschlossen und generell viel schöne Zeit mit Musik verbracht habe. Hinzu kommt meine stetig wachsende Vinyl-Sammlung. Ich bin jetzt kein „Vinyl only“-Verfechter und muss auch nicht alles auf schwarzer Scheibe haben. Da kann ich links wie rechts. Aber wenn ich mal irgendwo unterwegs bin und einen Plattenladen sehe, dann nehme ich mir sehr gerne ein Souvenir in Form einer Schallplatte mit. Auf Konzerten sowieso, und Bremer Bands sammele ich bevorzugt auf Vinyl. Die schöne Plattenbörse im Kulturhaus Brodelpott im Sommer hat auch das Stöbern nach alten Platten bei mir angefixt. Macht einfach Spaß und 2023 ist so sehr viel in mein Regal gewandert.
Nun aber zurück zum Thema Film. Natürlich habe ich auch dieses Jahr wieder fleißig Filme geschaut. 212 waren es an der Zahl. Das ist wieder exakt auf dem Niveau von 2020. Zeigt aber auch, dass ich in diesem ersten richtigen Post-Covid-Jahr wieder vielen anderen schönen Aktivitäten nachgegangen bin. Was mich sehr gefreut hat: Dadurch dass die Kinder jetzt in dem Alter sind, wo man sie auch mal in Filme ab 12 mitnehmen kann, war ich auch öfter mal im Kino (also ganz regulär, abseits von Sonderveranstaltungen). Das war immer noch viel, viel zu wenig, aber ein guter Anfang. Denn Kino ist für mich weiterhin das Größte, und ich ärgere mich regelmäßig, dass ich dort so selten hinkomme. Aber wenn man den ganzen Text oben gelesen hat, wird man verstehen, weshalb das so ist. Aber mit den Kindern ist das jetzt ein guter Ansporn/Ausrede. Hier nun die beiden jährlichen Listen.
Top 10 aktuelle Filme (Produktionsjahre 2022/2023)



1. Spider-Man: Across the Spider-Verse (Justin K. Thompson/Kemp Powers/Joaquim Dos Santos, 2023)*
2. La espera (F. Javier Gutiérrez, 2023)* – Review hier
3. Oppenheimer (Christopher Nolan, 2023)*
4. Piso apo tis thimonies (Asimina Proedrou, 2022)* – Review hier
5. Elvis (Baz Luhrmann, 2022)
6. Everything Everywhere All at Once (Daniel Kwan/Daniel Scheinert, 2022)
7. Gojira -1.0 (Takashi Yamazaki, 2023)*
8. Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayhem (Jeff Rowe/Kyler Spears, 2023)*
9. The Belgian Wave (Jérôme Vandewattyne, 2023)* – Review hier
10. Carvão (Carolina Markowicz, 2022)* – Review hier
* im Kino gesehen
Top 10 ältere Filme (nur Erstsichtungen)



1. Banditi a Milano (Carlo Lizzani, 1968)
2. Gendai yakuza: Hito-kiri yota (Kinji Fukasaku, 1972)
3. The Intruder (Roger Corman, 1962)
4. Spider-Man: Into the Spider-Verse (Rodney Rothman/Peter Ramsey/Bob Persichetti, 2018)
5. The Long Goodbye (Robert Altman, 1973)
6. 7 Men from Now (Budd Boetticher, 1956)
7. The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot (Robert D. Krzykowski, 2018)
8. Luzifer (Peter Brunner, 2021)
9. Belfast (Kenneth Branagh, 2021)
10. Medusa (Anita Rocha da Silveira, 2021)
Ich wünsche allen meinen Leser*innen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleibt gesund! Wir lesen/sehen uns wieder in 2024!
Während der Weihnachtszeit fällt ein junges Mädchen in der abgelegenen Calvin Finishing School For Girls einem aus dem Ruder gelaufenen Scherz zum Opfer und stürzt vom Balkon in den Tod. Zwei Jahre später leert sich die Schule zur Weihnachtszeit. Fünf Schülerinnen, die Haushälterin Mrs. Jensen und ihr Faktotum Ralph bleiben zurück. Die Mädchen planen das Wochenende heimlich ihre Freunde zu treffen, die mit einem Privatflugzeug einfliegen. Das funktioniert soweit ganz gut – bis das erste Pärchen einem Killer mit seltsamer Maske und Weihnachtsmannkostüm zum Opfer fallen…
1999 erschien im Terrorverlag das deutschsprachige Standardwerk zum italienischen Gangster- und Polizeifilm „Der Terror führt Regie“ von Karsten Thurau und Michael Cholewa. 2008 erfuhr das Werk noch einmal eine schön gestaltete, erweiterte Neuauflage im MPW Verlag. Diese Ausgabe ist leider mittlerweile nur noch zu Mondpreisen im dreistelligen Bereich zu bekommen. Lange Zeit war „Der Terror führt Regie“ die einzige umfangreiche Veröffentlichung zu diesem Thema. Seit November diesen Jahres gesellt sich ein zweites Buch hinzu: „Bleigewitter über Cinecittà“ von Christian Keßler. Nach seinen Ausflügen in die Welt des Italo-Western (ebenfalls wie „Der Terror führt Regie“ im Terrorverlag erschienen und mittlerweile leider auch nur noch für viel Geld antiquarisch zu bekommen) und dem Giallo ist dies nun sein drittes Buch (nimmt man das ebenfalls schon lange vergriffene Frühwerk „Das wilde Auge“ mal außer acht), welches sich mit einem der großen Phänomene des populären italienischen Kinos der 60er, 70er und teilweise auch der 80er beschäftigt. Damit knüpft er auch direkt an seine legendären Artikel in der „Splatting Image“ an, mit denen er sich in den 90er Jahren in die Herzen der Liebhaber des „unterschlagen Films“ geschrieben hat.
Commissario Belli (Franco Nero) von der Fremdenpolizei erhält unter Hand von dem einflussreichen Rechtsanwalt Fontana (Adolfo Celi) Geld dafür, das englische Model Sandy (Delia Boccardo) abschieben zu lassen, da diese eine Affäre mit Fontanas Sohn Mino (Maurizio Bonuglia) begonnen hat. Außerdem soll er dann gleich auch einmal den Musikproduzenten Romani gründlich überprüfen. Denn in dessen Geschäfte will Fontanas Frau Vera (Florinda Bolkan) viel Geld investieren. Doch als Belli Romani aufsucht, findet er nur noch dessen Leiche vor. Um nicht mit seinen kleinen Nebengeschäften in die Ermittlungen seines Kollegen Baldo (Renzo Palmer) von der Mordkommission zu geraten, beginnt Belli auf eigene Faust zu ermitteln.
Der Clan der Eisernen Flagge setzt sich für das Gute, Recht und Ordnung ein. Sein Gegenspieler ist der kriminelle Adler-Clan, der die Spielcasinos und Bordelle unter seiner Kontrolle hat. Als der Meister der Eisernen Flagge bei einem Treffen mit dem Adler Clan aus dem Hinterhalt ermordet wird, wird Chow Feng (Feng Lu) zum neuen Anführer der Eisernen Flagge bestimmt. Lo Hsin (Phillip Kwok), der eigentlich vom verstorbenen Meister als neuer Chef des Clans auserkoren wurde, nimmt die Schuld an den Vorkommnissen auf sich und verlässt den Clan. Er nimmt auswärts eine Arbeit als Kellner an, um dort erst einmal abzuwarten. Doch bald schon stehen die Attentäter Schlange, um Lo Hsin zu eliminieren. Los Hsin gelingt es mit Hilfe des geheimnisvollen „weißen Wanderers“ (Tien-Hsiang Lung) die zahlreichen Angriffe abzuwehren und macht sich auf den Weg zurück. Doch bei seiner Rückkehr erwartet ihn eine Überraschung…
Der coole Drogenschmuggler Fabio (Testi) wird am Flughafen erwischt und von einer getarnten Interpol-Einheit unter der Führung des Briten Mike Hamilton (David Hemmings) inhaftiert. Im Gefängnis trifft Fabio auf den drogensüchtigen Gilo (Wolfango Soldati), der dort sitzt, weil er vor einer Schule versucht hat zu dealen. Fabio gelingt es gemeinsam mit Gilo zu fliehen, und Kontakt mit den Männern hinter den Drogengeschäften aufzunehmen.
von Carsten Henkelmann
Im 1. Weltkrieg wird Klaus Schneider am Kopf verletzt und in das Krankenhaus des Dr. Bettelheim eingeliefert. Dieser findet heraus, dass Schneider eine hellseherische Gabe besitzt. Nach dem Krieg tut sich Schneider mit seinem ehemaligen Hauptmann Nowotny zusammen, der sein Berater und Manager wird. Schneider ändert seinen Namen in Erik Jan Hanussen und startet in den 20er Jahren eine erfolgreiche Karriere als Varieté-Star…
Die neue 70MM ist da! Zum fünften Mal durfte ich diese Zeitschrift als Chefredakteur betreuen, und ich bin auch diesmal wieder durchaus zufrieden mit dem Ergebnis. Ich selber habe auch einen Artikel über die „Street Fighter“-Trilogie mit Sonny Chiba beigetragen.
Chi Ming-Sing (Ti Lung) ist auf der Flucht. Erschöpft und halb verhungert wird er von einem Fremden (Alexander Fu Sheng) gefunden, der ihn wieder aufpäppelt. Statt Dankbarkeit zu zeigen, stiehlt im Chi Ming-Sing dem Fremden allerdings das Pferd und den Proviant. Bald schon aber hat der Fremde Chi wieder eingeholt. Just in diesem Moment erscheinen vier Männer, die Chi an den Kragen wollen. Gemeinsam können Chi und der Fremde diese erledigen. Langsam fasst Chi Vertrauen zu dem Fremden und erzählt ihm seine Geschichte. Er wuchs als Waisenkind auf und wurde zusammen mit zwölf anderen Kindern von dem brutalen Kung-Fu Meister Yoh Xi-Hung (Feng Ku) zu skrupellosen Killern und Räubern erzogen. Nun sorgen sie als die 13 Adler für Angst und Schrecken. Doch Chi hat dem allen nun den Rücken gekehrt und damit sein Todesurteil unterschrieben…