Schräge Veranstaltungs-Tipps für Freitag und Samstag: Das Bahnhofskino lebt!

Freitag geht es los mit der neusten Ausgabe von „Weird Xperience“ um 22:30 Uhr im City 46. Gezeigt wird diesmal der Berliner Underground-Film „Guitar Men – the Darkest Secret of Rock ’n Roll„.

Deutschland 1945, der Krieg ist fast vorüber. Nazi-Wissenschaftler verstecken die Pläne der ultimativen Waffe in einer Gitarre. Vierzehn Jahre später kauft einer junger GI namens Elvis Presley diese auf dem Flohmarkt. Im Laufe der Zeit wissen immer mehr obskure Organisationen von dem dunkelsten Geheimnis des Rock and Rolls und sind hinter diesem her.
Eine schmutzige Perle aktueller deutscher Filmkunst. Film- und Fernsehprofis Thomas Wind, Michael Redolfi und Werner Bednarz drehten eine Hommage an die sleazigen 60/70er Crime-Movies, und gleichzeitig eine Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Berlin. Hier ist alles drin, was der trashige Film braucht: Naziwissenschaftler, Ninjas, Frauen in Leder und Elvis-Imitatoren. So entwickelt sich um einen McGuffin eine rasante Geschichte durch sechs Jahrzehnte.
Lassen wir Thomas Wind selbst zu Wort kommen:

“Ich habe als Kind, in den frühen siebziger Jahren zu viel Fernsehen geschaut; wenn der Fernseher ausblieb, ging ich mit dem Großvater ins Kino.”

Zitiert nach dem Berliner Tagesspiegel, der den Film den “ultimativen Verschwörungsfilm nennt.” Und die Kollegen vom Terrorverlag:

“Die Intention der Macher war eine Hommage an die Exploitation- und Grindhousefilme der 60er- bis 80er-Jahre, was ihnen auch geglückt ist. Regisseure wie Roger Corman („Bloody Mama“, „Die wilden Engel“…) oder Ted V. Mikels („Das Kommando der Frauen“, „Die Leichenmühle“…) und andere B- und C-Movie-Veteranen standen sichtbar Pate für diesen Streifen.”

Neben der obligatorischen Einführung durch Stefan und mich, haben wir noch einen animierten Vorfilm im Gepäck, nämlich „Die Metamorphosen des Vampirs“. Dessen Schöpfer, Paul Drogla, wird anwesend sein und sich unseren knallharten Fragen stellen.

Und am Samstag heißt es ab 13:30 Uhr: Bahn frei für die „Riffs“! Zusammen mit dem Internet-Forum „Deliria Italiano“ präsentieren wir als „Weird Xperience“ – wieder im City 46 – ein kultiges Double-Feature.

Um noch einmal die Kollegen zu zitieren:

Liebe Interessierte,

die heißesten Riffs spielt das Leben! Endlich konnten wir Trash und seine Gang zu einer Stippvisite anlässlich unseres Forentreffens gewinnen, und das gleich im Endzeit-Action-Doppelpack des italienischen Genrespezialisten Enzo G. Castellari – live, in Farbe und 2D!

Am 27.10.2012 findet in der Hansestadt Bremen das dritte offizielle Forentreffen von deliria-italiano.de statt:

– DELIRIA ÖVER BREMEN –

Erneut nicht fehlen wird natürlich unser mittlerweile inoffizielles Forenmaskottchen George Eastman, mit dem es im ersten Film ein Wiedersehen gibt. Also sattelt eure Totenkopfmofas und erscheint zahlreich, pünktlich und am besten selber oder doch gleich persönlich.

Das Forentreffen ist natürlich öffentlich und ein Jeder ist gern gesehener Gast.

Die deliria-italiano-Crew freut sich auf euch.

Das Double-Feature wird selbstverständlich auf 35mm und mit kleinem Rahmenprogramm gezeigt.
Das Ganze startet am 27.10. um 13:30 Uhr im City 46, und wir freuen uns über jeden Gast.

Gezeigt werden:

The Riffs – Die Gewalt sind wir! (Italien 1982)

The Riffs – Flucht aus der Bronx (Italien 1983)

Regie bei beiden Teilen führt Action-Spezialist und Kult-Regisseur Enzo G. Castellari.

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Originalfassungen in Bremen: 25.10.12 – 31.10.12

Nein, in dieser Woche kann man sich nicht beschweren. Die Liste mit O-Fassungen ist endlich mal wieder richtig lang und vielseitig. Ganz oben, natürlich, das 23. Bond-Abenteuer „Skyfall“, auf das ich mich mal wieder – wie bei jedem neuen Bond – wie ein kleiner Junge freue. Wer es ruhiger mag, ist bei der Schauburg gut aufgehoben, die „Frank & Robot“ zweimal und zu sehr zivilen Zeiten im Original zeigt. Danke und weiter so! Und im City 46 erhalten zwei interessante, aktuelle Produktionen ihre „zweite Chance“.

Skyfall – Cinemaxx, Mi., 31.10. um 19:45 – Bond is back! ’nuff said! Ich freue mich 🙂

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96 Hours – Taken 2 – Cinemaxx, Sa., 27.10. um 21:30– Liam Neeson schlägt wieder gewaltig zu. In der Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Hause Luc Besson, schießt, prügelt und foltert er sich wieder durch die Reihen ekliger Terroristen.

Savages – Cinemaxx, Do. und So. um 21:30 – Der neue Film von Oliver Stone handelt von einer Menage a trois, die sich das sorgenlose Leben mit selbstangebautem Marihuana finanzieren.  Doch eines Tages geraten sie ins Visier der mexikanischen Drogenmafia. Klingt soweit ganz interessant, und noch habe ich Oliver Stone nicht abgeschrieben – trotz seiner Flops in den letzten Jahren. Was mich allerdings stutzig macht, ist Hauptdarsteller Taylor Kitsch, der nicht nur äußerst limitiert ist, sondern auch ein untrügliches Händchen für schlechte Filme hat.

Premium Rush – Cinemaxx, Di. 30.10. um 21:30 – Fast wöchentlich ein neuer Film mit Joseph Gordon-Levitt. Hier spielt er einen Fahrradkurier, der in die Machenschaften der chinesischen Mafia verwickelt wird.  Sieht nett und actionhaltig aus.

Çanakkale 1915 – Cinemaxx, Do.-Mi. 21:30 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg.

Paranormal Activity 4 – Cinemaxx, Fr. und Mo. um 21:30 – Der erfolgreiche „Blair Witch“-Rip-Off geht bereits in Runde 4. Na ja…

Robot & Frank– Schauburg, So.+Mi. um 19:15 – Melancholische SF-Komödie um einen ehemaligen Juwelen-Dieb, der an Demenz leidet. Daraufhin schenkt ihm sein essen Sohn ihm einen Roboter als Haushaltshilfe, die der alte Mann bald als Partner bei neuen Raubzügen missbraucht. mit dem großartigen Frank Langella, endlich mal in einer Hauptrolle!

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360 – City 46, Do.-Mi. immer 20:00 – „City of God„-Regisseur Fernando Meirelles erzählt eine weltumspannende Episodengeschichte im Stile eines Alejandro González Iñárritu („Babel“). Prominent besetzt mit Rachel Weisz, Anthony Hopkins, Jude Law und Moritz Bleibtreu.

50/50 – Freunde fürs (Über)leben – City 46, Do., Mo. und Mi. um 18:00 und Fr., So. Di. um 20:30 – Wieder Joseph Gordon-Levitt. Diesmal spielt er einen jungen Mann, der damit konfrontiert wird, dass er bald an Krebs sterben wird. Der Film handelt davon, wie er uns seine Umwelt mit dieser traurigen Botschaft umgehen.

Bombay Beach – City 46, Do, Mo. und Mi. um 20:30 und Fr.-So., sowie Di. um 18:00 – Porträt einer kleinen Gemeinschaft an einem verseuchten See. Rund 100 Menschen leben hier noch in einer kleinen Ortschaft namens Bombay Beach. Die Dokumentation erzählt die Geschichte von drei Bewohnern.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 29.10. um 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 31.10. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

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DVD-Rezension: „Masks“

Stella (Susen Ermich) ist eine nicht gerade mit reichlich Talent, aber großem Ehrgeiz ausgestattete, angehende Schauspielschülerin. Nachdem sie mal wieder bei einer Aufnahmeprüfung nicht genommen wurde, weißt sse einer der Prüfer auf die private Schauspielschule „Matteusz Gdula“ hin. Diese ist benannt nach ihrem geheimnisvollen Gründer, dessen extreme Methoden in den 70er Jahren einigen Schülern das Leben kostete. In der Schule angekommen, muss sich Stella erst einmal gegen ihre Mitschüler zur Wehr setzen. Aber sie findet in der schüchternen Cecilie (Julita Witt) schnell eine gute Freundin. Aber als Stella versucht, mehr über die Methoden des Matteusz Gdula herauszufinden, gerät sie in tödliche Gefahr…

Es ist ja kein großes Geheimnis, dass es um den deutschen Horrorfilm eher schlecht bestellt ist. Wagt sich mal einer am fantastischen Genre, dann verschwindet das Ergebnis ungeachtet der Qualität zumeist sang und klanglos in der Versenkung (wie z.B. „Der letzte Angestellte“). Allein die Semi-Professionelle Szene um Olaf Ittenbach und Konsorten  konnte sich  mit derben Splatter-Epen eine treue Fan-Basis – sogar im Ausland –  erobern. Was hier allerdings fehlt, sind neben überzeugenden Schauspielern, vernünftige Drehbücher, die um die – zugegeben technisch perfekten – Splattereffekte eine ansprechende Geschichte bauen.

Vor acht Jahren betrat Andreas Marschall mit seinem ersten Langfilm „The Tears of Kali“ die Szene. Jetzt liegt sein zweiter Spielfilm, die Argento-Verbeugung „Masks“ vor. Dass Marschall ein gutes Auge für eine gelungene Optik besitzt, merkt man recht schnell. Kein Wunder, bekannt geworden ist er als Zeichner von Comics und vor allem Plattencovern für Metal-Bands wie „Blind Guardian“ und „Running Wild“. Wer diese detailreichen Gemälde schon mal bewundernd betrachtet hat, wird keinen Zweifel daran hegen, dass Marschall auch seine Spielfilme ansprechend gestalten kann. Dass er nun für seinen zweiten Spielfilm sich am Genre des Giallo (dieser speziell italienischen Art des Thrillers, die ab Ende der 60er bis Anfang der 80er seine Blütezeit erlebte) ausgesucht hat, ist somit verständlich. Steht doch das Genre des Giallo wie kaum ein anderes für stylische Morde und anspruchsvolle Optik.

Und tatsächlich gelingt ihm eine hübsche, an die großen Vorbilder Argento, Martino und Bava erinnernde Bildgestaltung, die es einerseits schafft, einen gewissen Filmlook zu kreieren und andererseits, eine ansprechende Stimmung zu erzeugen. Ein Lob hier an Marschalls Kameramann Sven Jakob, der „Masks“ kinoreif gestaltet hat. Auch auf Seiten der Schauspieler finden sich keine Knallchargen, sondern echte Profis, die ihre Rollen unaufgeregt und ohne die ansonsten in solch preisgünstigen Produktionen üblichen Übertreibungen spielen. Viele stammen direkt von der Schauspielschule, die Marschall auch als Kulisse für seinen Film diente. Allein der Freund der Hauptdarstellerin wirkt als Einziger so, als sei er ein guter Kumpel, den man aus alter Verbundenheit seine Sätze ungelenk aufsagen lässt. Ansonsten hat Marschall großen Wert auf überzeugende Schauspieler gelegt, von denen man vielleicht in der Zukunft noch etwas hören wird. Vor allem Susen Ermich und Julita Witt wissen zu gefallen. Dazu kommen noch einige Veteranen aus der dritten und vierten Reihe wie Maximilian Rüthlein  und Norbert Losch.

Einen großen Teil der Wirkung des Filmes macht die Musik von Sebastian Levermann und Nils Weise aus, die sich wunderbar eng an den Melodien der großen Gialli der 70er orientiert, ohne wie ein billiges Plagiat zu wirken. Den beiden Komponisten gelingt ein ohrwurmiger Soundtrack zwischen Goblin und Bruno Nicolai. Eine Soundtrack-CD wäre hier höchst willkommen. Ferner muss man Marschall auch dankbar dafür sein, dass er seine blutigen Mordszenen nicht ist zum Exzess auswalzt. Die Morde geschehen schnell und blutig, aber lassen dem Zuschauer Raum, die Fantasie spielen zu lassen und ergehen sich nicht in repetitiven Grausamkeiten, die den Handlungsfluss unterbrechen würden. „Masks“ ist zwar recht hart, aber eben „nur“ ein Giallo und kein Splatterfilm. Und so macht er dahingehend auch all das richtig, was ähnlich gelagerte Neo-Giallo aus dem semi-profesionellen Bereich von Grund auf falsch machen (wie z.B. solche Machwerke wie „Glam Gore“).

Ein Kritikpunkt ist die allzu große Nähe zum Über-Vorbild „Suspiria“. Bis auf die Tatsache, dass hier die Ballettschule gegen eine Schauspielschule und die Hexen gegen etwas anderes ausgetauscht werden, handelt es sich häufig sogar um eine 1:1-Kopie. Wenn z.B. Stella am Anfang einem aus der Schule flüchtenden Mädchen begegnet, dann kommt einem das doch sehr bekannt vor. Auch muss festgestellt werden, dass es „Masks“ etwas an Spannung fehlt. Hier wären einige Straffungen hier und dort möglicherweise von Vorteil gewesen. Auch die Erotik – immerhin ein Markenzeichen der Gialli –  kommt etwas zu kurz. Zwar gibt es hier mal ein Geschmuse zwischen attraktiven Frauen und dort blitzt mal eine blanke Brust, aber das wirkt doch arg gezwungen und irgendwie prüde.

Mit „Masks“ ist Andreas Marschall ein höchst ansprechender Low-Budget-Film gelungen, der seine Mit-Konkurrenten, nicht nur aus dem semi-professionellen Bereich, weit hinter sich lässt. Optik, Sound und Darsteller sind gut gewählt, lediglich die manchmal sklavische Nähe zu den Vorbildern ist zu bemängeln. Nichtsdestotrotz beweist „Masks“ eindrucksvoll, dass das deutsche Genre-Kino lebt, und man darf sehr gespannt darauf sein, was Andreas Marschall als nächstes in Angriff nimmt. Von dem Mann wird man in Zukunft sicherlich noch eine Menge hören.

Die Extras der Anolis-DVD bestehen zunächst aus 14-minütigen, unkommentierten Impressionen vom Dreh, die für Crew-Mitglieder sicherlich interessant und lustig sind, für den Uneingeweihten eher langweilig. Dazu kommen noch diverse „Deleted Scenes“. Highlight ist ein Audiokommentar von Regisseur Andreas Marschall, Kameramann Sven Jakob und Produzent Heiner Thimm. Trailer und Bildgalerie runden das Bild ab. Die Bildqualität ist sehr gut. Das Bild geht weg vom HD-Video-Look und erscheint ausgesprochen filmisch. Insbesondere im Prolog, der mit kleinem, dezent eingestreutem „Filmschmutz“ fast wie auf klassischem Filmmaterial gedreht aussieht. Der Ton schwankt manchmal etwas, aber das ist zu verschmerzen.

Die DVD und BluRay erscheinen am 25. Oktober.

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Nachruf: Sylvia Kristel (1952-2012)

Ein Rattansessel. Darauf eine schöne, kurzhaarige Frau, die lasziv mit einer Perlenkette spielt. Die Beine übergeschlagen, die Brüste frei. Wer an Sylvia Kristel denkt, hat sofort dieses ikonische Plakat des ersten „Emmanuelle„-Films vor sich. Ein Bild, das an Erotik kaum zu überbieten ist und die Fantasie – insbesondere eines Heranwachsenden kurz vor der Pubertät – ordentlich anheizt. Dieses Bild kannte ich lange, bevor ich irgendwann den dazugehörigen Film gesehen habe. Als ich es dann irgendwann tat – er lief Anfang der 90er auf RTL – war ich eher enttäuscht. Zu stark hatte sich das Bild der schönen Frau auf dem Korbstuhl in meinem Gehirn eingebrannt, zu viele andere Geschichten hatten meine Gedanken bereits gesponnen. Da konnte Just Jaeckins Erotikstreifen gar nicht mithalten.

Die am 28. September 1952 in Utrecht geborene Sylvia Kristel war eine wunderschöne Frau, die gleichzeitig Eleganz und ein natürliches „Mädchen-von-Nebenan“-Gefühl ausstrahlte. Sieht man die aufgepumpten, geklonten „Erotikstars“ von der Stange, die heute die Szene bevölkern, dann erscheint Sylvia Kristel wie eine überirdische Schönheit von einem anderen Stern. Aber sie war auch eine gute Schauspielerin. Etwas, wovon ihre hocherotische Ausstrahlung gerne einmal ablenkt.

Emmanuelle war DIE Rolle der schönen Niederländerin Sylvia Kristel. Obwohl es bereits 1969 eine Verfilmung des gleichnamigen Romans durch Cesare Canevari mit Erica Blanc in der Hauptrolle gegeben hat (Io, Emmanuelle), wurde erst der Film von 1974 zu einem sensationellen Erfolg und Sylvia Kristel sollte das erotische Image der Emmanuelle nie wieder verlieren. Dabei ist es eigentlich unfair, sie ganz auf diese eine Rolle festzunageln. Spielte sie doch in der Folge Hauptrollen bei Alain Robbe-Grillet (Das Spiel mit dem Feuer, 1975), Claude Chabrol (Alice ou la dernière fugue, 1977),  Walerian Borowczyk (La Marge, 1976) oder Roger Vadim (Une femme fidèle, 1976). Aber Emmanuelle sollte ihr Schicksal sein. 1975 folgte bereits „Emmanuelle 2 – Garten der Liebe„, 1977 der dritte Teil „Goodbye, Emmanuelle„. 1984 übergab sie im vierten Teil den Stab an die junge Mia Nygren, die allerdings keinen solch nachhaltigen Erfolg wie Sylvia Kristel in der Rolle hatte. Gleiches gilt für ihre Nachfolgerinnen in der Rolle. 1992, nach vielen mageren Jahren, kehrte Sylvia Kristel für eine erotische TV-Reihe noch einmal zu ihrer Erfolgsrolle zurück, ebenso für einen unbekannt gebliebenen siebten Teil der Kinoreihe, bei dem der legendäre Porno-Regisseur Francis Leroi Regie führte.

1981 hatte Sylvia Kristel noch einmal mit einer Literaturverfilmung Erfolg: „Lady Chatterleys Liebhaber„, wieder vom „Emmanuelle“-Regisseur Just Jaeckin. In den 80er Jahren war Sylvia Kristel gänzlich auf die Erotiknummer in billigen Filmen abonniert. Highlights dieser Jahre waren 1985 der Film“Mata Hari“ und das kultige „Women-in-Prison“-B-Movie „Red Heat“ mit Linda Blair und Elisabeth Volkmann (!).

An die Berichterstattung zu „Mata Hari“ kann ich mich noch gut erinnern. Da gab es im „Stern“ (ich meine zumindest, es war der „Stern“) einen großen Fotobericht drüber – und der Anblick der nackten Frau Kristel löste ganz komische Gefühle bei mir aus. Zumindest kann ich mich bis heute noch ganz genau an die Bilder erinnern.

In den letzten Jahren spielte Sylvia Kristel oft in niederländischen Produktionen mit. Ihr letzter Kinofilm war die kroatisch-französische Ko-Produktion „Two Sunny Days„, 2010.

Letzten Mittwoch erlag eine der schönsten Frauen der Filmgeschichte in Amsterdam einem Krebsleiden. Sie wurde nur 60 Jahre alt.

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DVD-Rezension: „Und erlöse uns nicht von dem Bösen“

Die beiden Klosterschülerinnen Anne (Jeanne Goupil) und Lore (Catherine Wagener) haben ein sehr inniges Verhältnis zueinander und sind von dem Bösen fasziniert. Auch die Sommerferien verbringen die Beiden zusammen. Annes Eltern sind ohne sie in den Urlaub gefahren und Lores Eltern kümmern sich nicht sonderlich um ihre Tochter. Gemeinsam radeln Anne und Lore durch die schöne Landschaft und hecken teuflische Bösartigkeiten aus…

Den Wunsch „Und erlöse uns nicht von dem Bösen“ kann man in diesem blasphemischen Film von 1971 durchaus ernst nehmen. Denn das dringlichste Ziel seiner beiden Protagonistinnen ist es, böse zu sein und sich dadurch von traditionellen, repressiven Systemen wie der Kirche zu lösen.

„Und erlöse uns nicht von dem Bösen“ ist damit das perfekte Begleitstück zu dem tschechischen Nouvelle-Vague-Film „Tausendschönchen“, den das vorbildliche Label Bildstörung bereits im Juli veröffentlicht hatte (Besprechung hier). Hier wie dort geht es um zwei junge Mädchen, die beschließen, nicht mehr nach den Regeln zu spielen und „verdorben“ bzw. „böse“ zu sein. Doch konnte man Marie und Marie im tschechischen Film aufgrund ihrer Kindlichkeit und hemmungslosen Lebensfreude noch Sympathien entgegen bringen, fällt dies bei Anne und Lore schon schwerer. Marie und Marie begründen ihre Rebellion gegen alles noch damit, dass die Welt verdorben sei. Bei Anne und Lore werden zwar die bigotte und unterdrückende Kirche sowie die gleichgültigen Eltern als Motive herangezogen, doch die kompromisslose Bösartigkeit der Beiden scheint durch beides nicht unbedingt gerechtfertigt.

Auch ist ihre Rebellion keine anarchistische Revolte von unten. Anne stammt aus einer reichen Aristokraten-Familie und auch Lore stammt aus einem mittelständischen, guten Elternhaus. Statt nun aber wie soziale Rebellen gegen gesellschaftliche Zwänge und bürgerliche Konventionen aufzubegehren, müssen vor allem die Armen und Schwachen unter ihren Boshaftigkeiten leiden. Ein – von ihnen im Vorfeld schon als Trottel deklarierter – Bauer wird erst von ihnen vorsätzlich zu einem sexuellen Übergriff gereizt, später zünden sie seine Ernte an und amüsieren sich über seine Familie, die sie heimlich als dumm und hässlich beschimpfen. Noch verstörender ist es, wie sie mit einem offensichtlich geistig zurückgebliebenen Diener umgehen, dessen geliebte Vögel sie langsam und qualvoll töten. Der Todeskampf eines Kanarienvogels und das todtraurige Gesicht des Dieners, wenn er seinen gefiederten Freund tot vorfindet, stechen einem direkt ins Herz.

Ebenfalls schwer zu ertragen ist eine Stelle, in der die Mädchen kichernd aus dem Roman „Die Gesänge des Maldoro“ von Lautréamont vorlesen, in dem die Hauptfigur detailliert seine Lust ein Baby zu quälen beschreibt. Diese radikale Abkehr von allem was als „Gut“ bezeichnet wird, macht den Film zu einem gut gezielten Tritt gegen das Schienbein und hinterfragt auf hinterhältige Weise die Faszination des Bösen. Woher kommt es? Wie kann es im Familienschoß unbemerkt erblühen? Die Langeweile des Familienlebens und die Heuchelei der Kirche allein können das brutale, eiskalte Verhalten der Mädchen nicht rechtfertigen. Zumal gerade die Kirchenmänner und -frauen als Witzfiguren und wenig bedrohlich daherkommen. Können vielleicht Bücher mit bösen Gedanken die Seelen Heranwachsender verderben, wenn Kirche und Familie den Acker für die giftige Saat bereiten? Antworten gibt Regisseur und Drehbuchautor Joël Séria keine, und so wirkt das Handeln der Mädchen – die immer aktiv auf ihre Umwelt Einfluss nehmen und mit spielerischer Freude deren dunkelste Begierden hervorkitzeln – nicht irgendwo niedlich (wie in „Tausendschönchen“), sondern wirklich bedrohlich und zutiefst verstörend.

Auch fühlt man sich als Zuschauer sehr unbehaglich, wenn die Mädchen sich entblößen und die Männer aufreizend necken. Zwar waren die Hauptdarstellerinnen Jeanne Goupil und Catherine Wagener zum Zeitpunkt des Drehs bereits 19 und 21, aber sie wirken sehr viel jünger, wie höchstens 14, und damit als frühreife Lolitas ausgesprochen glaubwürdig. Insbesondere Jeanne Goupil als Anne ist ein Naturtalent. Sie, die zuvor nie etwas mit Film zu tun hatte, spielt in „Und erlöse uns nicht von dem Bösen“ so natürlich, verführerisch und hintergründig, dass es einem gleichzeitig fröstelt und in der Magengrube kribbelt. Dagegen kann Catherine Wagener, die Schauspiel gelernt hat, nicht anspielen. Überhaupt hat sie die undankbarere Rolle. Ihre Lore wird, wie der ganze Film, von Anne dominiert. Die Beziehung zwischen beiden ist keine gleichberechtigte Liebschaft, sondern eine Beziehung durch Abhängigkeiten. Anne genießt es, Lore zu manipulieren, Macht über sie auszuüben. Auch wenn sie es Lore nicht direkt spüren lässt. Lore wiederum ist fasziniert von der – auch gesellschaftlich höher stehenden – Anne und lässt sich bereitwillig auf den passiven Part ein. Bezeichnend dafür sind zwei Szenen, in denen Anne Lore mutwillig in Gefahr bringt. Wenn sie den Bauern soweit gereizt haben, dass er über Lore herfällt, verschwindet Anne und treibt lieber die Kühe von der Weide, als ihrer Freundin beizustehen. Auch in der Szene, die zum Mord führt – und die Bauern-Szene spiegelt – sorgt sie dafür, dass Lore mit einem sexuell aufgeheizten Mann alleine bleibt und dessen Opfer wird. Warum tut sie das? Weil sie ihre Lust daraus zieht zu dominieren, zu manipulieren und zu kontrollieren. Wie sie es als Spross einer herrschenden Familie gelernt hat. Sie ist keine rebellische Jeanne D’Arc, sondern eher ein mordender Gilles de Rais.

Man merkt Joël Sérias Erstlingswerk seine Leidenschaft und Wut an. Wie Anne und Lore besitzt auch der Regisseur eine Lust am Zerstören und sei es nur die Moralvorstellung der Zuschauer. In einem, auf der DVD als Extra enthaltenen, Interview räumt er ein, dass der Film viele autobiographische Elemente enthält. Aber auch ohne dieses Wissen merkt man seine Leidenschaft und unbedingten Zwang, diese Geschichte genauso zu erzählen, wie er es tut. Ohne Kompromisse.

Dadurch ist „Und erlöse uns nicht von dem Bösen“ zu einem kleinen, leider fast vergessenen, Meisterwerk geworden, welches stark von der überzeugenden Jeanne Goupil in ihrer ersten Filmrolle geprägt wird. Aber auch darüber hinaus findet der Film hinterhältige Bilder, die sich aufgrund ihrer verführerischen Schönheit ins Gehirn des Zuschauers einfräsen und dort ihre giftige Saat hinterlassen. Fast könnte man bei diesem Film von der Schnittstelle zwischen „Tausendschönchen“ und „Ein Kind zu töten“ (ebenfalls bei Bildstörung erscheinen) sprechen.

Neben dem erwähnten 15-minütigen Interview finden sich auf der wie immer vorbildlich ausgestatteten Bildstörung-DVD noch die beiden Dokumentationen „Advokat des Teufels“ – ein 12-minütiges Interview mit Jeanne Goupil – und „Höllische Kreaturen“ (ebenfalls 12 Minuten), in dem der Autor Paul Buck über die Gemeinsamkeiten der Filmhandlung und dem realen Mordfall Pauline Parker/Juliet Hulme (von Peter Jackson als „Heavenly Creatures“ mit Kate Winslet verfilmt) spricht. Wie auch das Interview, sind diese Extras der US-amerikanischen „Don’t Deliver Us From Evil“-Ausgabe aus dem Hause Mondo Macabro entnommen.

Eine deutsche Tonspur liegt nicht vor, obwohl in dem Interview mit Joël Séria eine Kinoauswertung in Deutschland erwähnt wird. Im Gegensatz zu den „Bildstörung“-Veröffentlichungen davor, gibt es diesmal keine Limited Edition mit dem Soundtrack. Was schade ist, denn Claude Germain und Dominique Neys Musik ist wirklich ein wunderschöner Ohrwurm.

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DVD-Rezension: „Woody Allen: A Documentary“

Bei dem 2-DVD-Set „Woody Allen: A Documentary“ handelt es sich nicht um die bekannte 113-minütige Kinofassung, sondern um die ursprüngliche, 2-teilige TV-Dokumentation aus der die deutlich kürzere Kinofassung destilliert wurde. 184 Minuten nimmt sich Regisseur Robert B. Weide Zeit, Woody Allens Leben nachzuzeichnen. Dabei konzentriert er sich vor allem für dessen berufliche Karriere, private Details kommen nur am Rande vor. Auch der große Skandal von 1992, als Allen eine Affäre mit Soon-Yi Previn, der Adoptivtochter seiner Lebensgefährtin Mia Farrow einging, wird nur kurz gestreift. Wer also auf Klatsch und Tratsch aus ist, ist hier nicht richtig aufgehoben.

Wer sich allerdings für den Filmemacher und „Auteur“ Woody Allen interessiert, findet hier eine Fülle an Informationen. Vielleicht ist Robert B. Weide etwas zu nah an Allen dran, denn man hört kaum ein kritisches Wort. Nur die Filme Ende der 90er, kurz vor seinem furiosen Comeback „Match Point“, werden als „belanglos“ charakterisiert und – leider – aus der großen Werkschau ausgenommen. Ich finde das etwas schade, denn gerade aus dieser Phase mag ich einige Werke sehr gerne, wie z.B. „Celebrity“, „Anything Else“ oder „Schmalspurganoven“. Davon abgesehen wird jeder Film Allens (bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. das ernstere Werke „Die andere Frau“) ausführlich vorgestellt.

Auch wenn kritische Töne eher selten vorkommen (der größte Woody-Allen-Kritiker ist immer noch Woody Allen selber, der viele seiner Werke völlig ohne Koketterie gerne runterspielt oder gleich als vollkommen misslungen bezeichnet), scheint doch immer wieder die andere Seite Allens durch. Der schwierige, grüblerische Mensch, der voller Ängste und Zweifel steckt und mit nichts wirklich zufrieden ist. Interessanterweise scheint Allen tatsächlich davon überzeugt zu sein, dass er nur ein mittelmäßiger Regisseur ist, der noch nie ein wirklich bedeutendes Werk, wie seine großen Vorbilder Bergman oder Fellini, geschaffen hat. So war bei dem Soon-Yi-Previn-Skandal auch seine größte Überraschung, dass sich andere Menschen für ihn und sein Privatleben interessieren.

Der erste Teil dieser Dokumentation beschäftigt sich recht lange mit einer Facette aus Allens Karriere, die seinen deutschen Fans vielleicht bisher verborgen war. Vor seiner Filmkarriere war er bereits ein in den USA sehr bekannter Stand-Up-Comedian und ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen. Faszinierend auch die Bilder des jungen Allan Stewart Konigsberg, der mit kurzem Haar, ohne die charakteristische Brille und mit einem durchtrainierten, sportlichen Körper so gar nicht an den späteren „Woody“ erinnert. Danach werden seine ersten Filme vorgestellt, Zeitgenossen dazu befragt und auch Ausschnitte aus älteren Interviews mit Woody Allen gezeigt. Dabei zeigt sich immer wieder deutlich, dass viele seiner Filme autobiographische Züge haben und auch, dass es einige Themen gibt (vor allem die Angst vor dem Tod), die sich durch alle Woody-Allen-Filme ziehen. Der erste Teil der Dokumentation endet mit „Stardust Memories“. Den Film, den er selber am meisten schätzt, der damals aber ein ungeheurer Reinfall an der Kinokasse und bei der Kritik war.

Teil 2 beginnt dann zunächst mit seinem „Comeback“-Film „Match Point“ und dem Beginn seiner „europäischen Phase“, schlägt dann aber eine Brücke zu „Eine Sommernachts-Sexkomödie“, der damals – nach dem Desaster mit „Stardust Memories“ – ebenfalls eine Art Comeback war. Danach geht es weiter bis „Harry außer sich“. Persönliche Dinge werden dabei eher ausgelassen, ein Schwerpunkt allerdings auf Allens Art mit Schauspielern umzugehen gelegt. Überraschend ist dabei die Aussage Allens und aller Beteiligten, dass er am Set durchaus Improvisation zulässt und die Schauspieler ermuntert, ihre Texte zu ändern, falls sie sich mit den von ihm geschriebenen Worten nicht wohl fühlen. Die Filme nach „Harry außer sich“ überspringt Robert B. Weide dann, um bei „Match Point“ wieder einzusteigen.

„Woody Allen: A Documentary“ hat dann sogar noch eine – für alle Beteiligten sicherlich überraschende – Pointe bereit. Eigentlich endet er mit den „To Rome With Love“-Dreharbeiten und einem Woody Allen, der bedauert, nie einen wirklichen Hit produziert zu haben – nur um mit den überraschend hohen Einspielergebnissen von „Midnight in Paris“ noch einen Epilog anzuhängen. Woody Allens großer Hit bei Kritikern und vor allem sein bisher größter an der Kinokasse. Happy End.

Trotz seiner Länge von über drei Stunden ist „Woody Allen: A Documentary“ sehr kurzweilig geworden. Besonders in der frühen Phase von Woody Allens Karriere gibt es sicherlich einige Dinge, die der normale Zuschauer bisher nicht wusste. Manchmal wünscht man sich ein wenig mehr Distanz des Filmemachers zu seinem Objekt, aber andererseits entpuppt sich der sonst privat so dröge wirkende Woody Allen als charmanter Gesprächspartner, der sich offensichtlich bei Robert B. Weiden wohl gefühlt hat. Den Freunden seiner Filme sei diese Dokumentation über einen der letzten großen, amerikanischen „Auteurs“ ans Herz gelegt. Vor allem aber macht der Film eins: Ungeheuren Appetit auf Woody-Allen-Filme.

Die Extras sind sehr reichhaltig. Man merkt deutlich, dass die „Deleted Scenes“ zu Recht geschnitten wurden, da sie den Film unnötig in die Länge gezogen hätten und seinen kurzweiligen Rhythmus zerstört hätten. Aber es ist schön, dass man sie separat vom Film ansehen kann. Insbesondere die 20-minütige Sequenz, in der Woody Allen Regisseur Robert B. Weide die Gegend in Brooklyn zeigt, in der er aufgewachsen ist, ist sehenswert. Aber auch die sehr charmante Geschichte, die Mariel Hemingway über Allens Besuch bei ihrer Familie in Idaho erzählt. Allein das Interview mit dem Nebendarsteller John Doumanian, der in 14 Woody-Allen-Filmen mal durch das Bild läuft, zieht sich etwas. Ferner gibt es noch ein kurzes, aber sehenswertes 5-minütiges Segment namens „12 Fragen an Woody Allen“ und ein 6-minütiges Interview mit Robert B. Weide.

Die Doppel-DVD erscheint am 25. Oktober von EuroVideo.

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Originalfassungen in Bremen: 20.10.12 – 24.10.12

In dieser Woche bin ich leider etwas spät dran, aber eine Dienstreise nach Bukarest und sonstiger beruflicher Stress haben mich etwas aus der Bahn geworfen. Darum frisch ans Werk und nur kurz auf den neuen Oliver-Stone-Film „Savages“ hingewiesen, der heute im Cinemaxx läuft.

Savages – Cinemaxx, Sa. 20.10. um 20:00 – Der neue Film von Oliver Stone handelt von einer Menage a trois, die sich das sorgenlose  Leben mit selbstangebautem Marihuana finanzieren.  Doch eines Tages geraten sie ins Visier der mexikanischen Drogenmafia. Klingt soweit ganz interessant, und noch habe ich Oliver Stone nicht abgeschrieben – trotz seiner Flops in den letzten Jahren. Was mich allerdings stutzig macht, ist Hauptdarsteller Taylor Kitsch, der nicht nur äußerst limitiert ist, sondern auch ein untrügliches Händchen für schlechte Filme hat.

[youtube width=“640″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=wFWZ6doRb34[/youtube]

Premium Rush – Cinemaxx, Di. 23.10. um 23:00 – Fast wöchentlich ein neuer Film mit Joseph Gordon-Levitt. Hier spielt er einen Fahrradkurier, der in die Machenschaften der chinesischen Mafia verwickelt wird.  Sieht nett und actionhaltig aus.

Paranormal Activity 4 – Cinemaxx, So. und Mo. Um 20:00 – Der erfolgreiche „Blair Witch“-Rip-Off geht bereits in Runde 4. Na ja…

Angels‘ Share – Schauburg, So. und Mi. um 21:30 – Der neue Film von Ken Loach. Er handelt von einigen kleinkriminellen Jugendlichen, die sich auf die Suche nach einem Fass mit dem teuersten Whiskey der Welt machen. Ken Loach ist eigentlich immer eine Bank für typisch britische Filme. Sollte man ruhig einen Blick riskieren.

Çanakkale 1915 – Cinemaxx, Sa.-Mi. 21:30 – Patriotischer türkischer Film um zwei Freunde im ersten Weltkrieg.

Sag, dass Du mich liebst – Parlez-moi de vous – Schauburg, So., 21.10. um 12:00 – Französische „Dramödie“ über eine Frau, die in Paris als Radiomoderatorin arbeitet, privat aber von ihren Neurosen und Ängsten gepeinigt wird. Läuft offiziell erst am 1. November an.

Woody Allen: A Documentary – City 46, Sa./Mo. um 20:30; so. um 18:00 – US-amerikanische Dokumentation über einen der großen Meister des Kinos: Woody Allen. Schöne  Doku für Einsteiger.

Ai Weiwei – Never Sorry – City 46, Sa.-Mi. immer 20:00 – Der chinesische Künstler Ai Weiwei wurde in der Vergangenheit aufgrund regierungskritischer Äußerungen verhaftet, eingesperrt und mit überzogenen Anschuldigungen konfrontiert. Diese US-Doku will das Phänomen Ai Weiwei näher beleuchten.

Tres días con la familia – City 46, Mi., 24.10 um 20:00 – Drama über drei Brüder und eine Schwester, die nach dem Tod des Vaters zusammen mit ihren Familien zwei Tage zusammen verbringen, woraufhin alte Zwistigkeiten wieder aufbrechen. Präsentiert vom Instituto Cervantes Bremen.

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 22.10. um 21:45

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Vorpremiere: „Fraktus“ mit Regisseur Lars Jessen in der Schauburg

Am 08. November startet der Film „Fraktus“ bundesweit in den Kinos. In der Schauburg kann man den Film schon vorab am Mittwoch, den 31.10. um 21:00 Uhr ansehen.

Und das zusammen mit dem Regisseur Lars Jessen. Jessen war schon öfter Gast in Bremen, zuletzt mit seiner netten Komödie „Hochzeitspolka„. Vorher hatte er sich schon einen guten Namen mit norddeutschen Stoffen wie „Die Schimmelreiter“ und der Verfilmung von Rocco Schamonis Roman „Dorfpunks“ gemacht.

Rocco Schamoni selber spielt einer der Hauptrollen in „Fraktus“, zusammen mit seinen beiden Studio-Braun-Kollegen Heinz Strunk und Jacques Palminger. Die Drei spielen in dieser „Mockumentary“ das wegweisende Elektro-Pop-Trio „Fraktus“, welches Anfang der 80er zu den Wegbereitern der elektronischen Musik und später des Techno gehörten. Doch nach ihren Erfolgen vor über 20 Jahren verschwanden sie plötzlich von der Bildfläche. Ein Musikproduzent spürt die drei Musiker auf, die inzwischen ganz unterschiedlich und in Deutschland verstreut leben, und bewegt sie zu einer Wiedervereinigung.

Kling auf jeden Fall nach einer Menge Spaß und bei dieser Besetzung ist der Film eine Pflichtveranstaltung. Meine Erwartungen sind zumindest recht hoch.

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DVD-Rezension: „Doomsday Book“

„Brave New World“: Ein geheimnisvoller, durch die Nahrung aufgenommener Virus lässt die Menschheit sich in Zombies verwandeln.

„Heavenly Creature“: Ein Roboter erlangt in einem buddhistischen Kloster seine Erleuchtung und wird von den Mönchen als Reinkarnation Buddhas angesehen.

„Happy Birthday“: Durch eine fatale Falschbestellung im Internet, rast ein riesiger Meteor auf die Erde zu.

Doomsday Book“ ist ein koreanischer Anthologie-Film, der drei Geschichten umfasst, die alle mehr oder weniger um das Thema Weltuntergang kreisen. Die ersten beiden Episoden wurden 2006 von den beiden zurzeit sehr angesagten Regisseuren Jee-woon Kim („A Tale of Two Sisters„, „I Saw the Devil„) und Pil-Sung Yim („Hansel & Gretel„) gedreht. Ursprünglich war noch Han Jae-rim mit an Bord, der die dritte Story beisteuern sollte, ein SF-Musical. Aber diese wurde aus Kostengründen nicht umgesetzt und erst 2010 wurde die jetzige dritte Episode hinzugefügt, die Jee-woon Kim und Pil-Sung Yim zusammen inszenierten.

„Brave New World“ zeigt den Weltuntergang anhand einer klassischen Zombiegeschichte, und hier muss man einmal fragen, was die FSK geritten hat, „Doomsday Book“ ab 12 Jahren freizugeben. Noch 20 Jahre zuvor wäre „Doomsday Book“ aufgrund dieser Episode mindestens mit dem FSK 18-Siegel und diversen Schnitten belegt worden. Das ist zwar auch übertrieben, aber die gelungenen Zombiegestalten und ihr blutiges Treiben würde ich keinem 12-Jährigen zumuten wollen. Merkwürdig, merkwürdig. Davon aber abgesehen ist die Episode sehr gelungen. Sie hat ein gutes Tempo und weist allerhand (makabren) Humor auf. Make-Up und Effekte sind, wie gesagt, sehr effektiv und zum Teil von exquisiter Ekelhaftigkeit. Hinzu kommt eine überaus schön anzusehende Kameraarbeit und Bildgestaltung.

Einige Darsteller, insbesondere der Protagonist und seine (Comic)-Familie, überziehen zwar maßlos, aber da die Geschichte sowieso als überdrehte Satire angelegt ist, fällt dies nicht besonders negativ ins Gewicht. Wie alle Geschichten der Anthologie, versteht sich auch „Brave New World“ (der Aldous-Huxley -Titel ist kein Zufall) als Parabel. Seine Gier nach Gewinnmaximierung; das skrupellose Ausbeuten der Natur und die Gedankenlosigkeit, welche Konsequenzen sein Tun hat, wird den Menschen schließlich ins Unglück stürzen. Doch die Menschheit macht wie Zombies immer weiter und immer weiter.

Dazu passt das Bild vom verfaulten Apfel (als Symbol für pervertierte Wissenschaft), der immer wieder ins Bild gerückt wird. Wer denkt da nicht an den Baum der Erkenntnis und die damit verbundene Vertreibung aus dem Paradies. Insgesamt eine handwerklich vollauf überzeugende, kurzweilige Episode, die auch nicht davor Halt macht, die aktuellen Zustände in Korea zu kritisieren. So wird von den Medien und der Politik die Zombie-Problematik heruntergespielt oder schlichtweg geleugnet, während die Politiker vor laufender Kamera nichts Besseres zu tun haben, als sich gegenseitig zu beschimpfen und die Schuld zuzuschieben, statt zu handeln.

Die zweite Episode, „Heavenly Creature“, kommt gänzlich anders daher. Regisseur Jee-woon Kim ist eigentlich als Regisseur wilder und extrem harter Geschichten bekannt. Hier aber präsentiert er sich von einer vollkommen anderen Seite. Seine Geschichte über einen Roboter, der ein Bewusstsein entwickelt und in einem Buddhisten-Kloster seine Erleuchtung findet, ist sehr langsam – fast hypnotisch -, in wunderschönen Bildern und eleganten Kamerabewegungen erzählt.

Die Story selber enthält, abseits von seinen oberflächlichen Reizen, eine Menge Stoff zum Nachdenken. Was passiert, wenn sich das Werk auf eine Stufe mit oder sogar noch über den Schöpfer erhebt? Ist es Segen oder Fluch? Muss die arbeitende Masse dumm gehalten werden, damit sie ihre Aufgaben erfüllt? Was macht einen Menschen aus? Wann ist ein Wesen perfekt? Diese und mehr theologische, wie moralische Fragen werden angeschnitten, aber nicht beantwortet. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, sich darüber Gedanken zu machen. Die Grenze zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht wird durchlässig. Denn die Frage, wer sich hier die Wahrheit für sich beanspruchen kann, bleibt ebenfalls dem Zuschauer überlassen.

Eine starke, in wunderbare Bilder umgesetzte Geschichte, die im krassen Kontrast zu den anderen Episoden in „Doomsday Book“ steht. Auch die thematische Klammer „Weltuntergang“ wird hier eher theoretisch angerissen. Wäre es wirklich unse Untergang, wenn unsere Schöpfung, oder – weniger theologisch – die ausgebeutete Masse ein Bewusstsein erhält?

Nach diesem ruhigen Ausflug ins Philosophische ist in der letzten Episode, „Happy Birthday“, wieder Spaß angesagt. Die märchenhafte Geschichte um ein kleines Mädchen, das im Internet auf der falschen Seite etwas bestellt und damit versehentlich die Apokalypse auslöst, ist vor allem humorig. Auch die Seitenhiebe auf Politik und Medien, die wir schon in der ersten Episode gesehen haben, kehren wieder zurück. Hier aber sehr viel übertriebener, so das der satirische Ansatz fast schon im Klamauk stecken bleibt.

Zwar hat „Happy Birthday“ sehr viel weniger Tiefgang als Episode 2 und ist auch weniger actionreich als Episode 1, aber dieser kurze Film weiß trotzdem Freude zu bereiten. Auch wenn sich die Darsteller hier gerne zu Overacting hinreißen lassen. Insbesondere die Mutter ist doch sehr anstrengend. Ansonsten hat auch diese Episode den Charakter einer Parabel und zeigt, was passiert, wenn eine fortgeschrittene Technik nicht mit gewissem Bewusstsein einsetzt wird. Aufgrund dieser Episode wird „Doomsday Book“ mit Lars Von Triers „Melancholia“ verglichen, was aber natürlich ein himmelschreiender Blödsinn ist.

Insgesamt ist „Doomsday Book“ eine überdurchschnittlich gelungene Anthologie mit drei sehr interessanten und anspruchsvoll gefilmten Geschichten, aus denen insbesondere die philosophische zweite herausragt. Nur die FSK 12 Freigaben halte ich, angesichts der expliziten Zombie-Episode, für nicht angebracht.

Als Extras wird ein 3:52 Minuten kurzes„Making Of“ angeboten, welches aber viel zu kurz ist, um irgendwelche tiefschürfenden Erkenntnisse zu bringen. Schade, denn gerade zur zweiten Episode und seine buddhistischen Hintergründe hätte ich gerne mehr gehört. Bild- und tontechnisch kann die DVD aber überzeugen.

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Das Bloggen der Anderen (12-10-12)

– The Wayward Cloud empfiehlt die schöne Bizzare-Cinema-Reihe in Hamburg, bei der noch echtes 35mm benutzt wird.

– Auf dem letztjährigen Filmfest in Oldenburg habe ich den sympathischen schwedischen Filmemacher Filip Tegstedt kennengelernt. Auf screenread erfährt man Neues über seine aktuellen Projekte.

– Peter Schneider hat sich auf Mostly Movies die Mühe gemacht und 38 Werbeclips ausgegraben, in denen sein Lieblingsmonster King Kong eine Rolle spielt.

– Wieder viel Schönes im Magazin des Glücks: Sieben Berlin-Filme der 80er Jahre werden vorgestellt. Darunter einer meiner absoluten Lieblinge: Zulawskis „Possession“.

– Der Intergalactic Ape-Man erzählt auf Intergalaktische Filmreisen davon, warum er ein Geek ist.

– Alex Klotz bespricht auf Hard Sensations den gerade auf DVD erschienenen „Das Schwedenmädchen Anita“ von 1973 mit der bezaubernden Christina Lindberg und einen sehr jungen Stellan Skarsgård.

– Nilz N Burger schreibt bei den „Fünf Filmfreunden“ eine persönliche Hommage an „Dirty Dancing“, der mittlerweile auch 25 Jahre alt ist.

– Auf Equilibrium geht es mit der Tony-Scott-Retro weiter: Diesmal „Tage des Donners“ und der von mir heiß geliebte „Last Boy Scout„. Ferner: Ein erster Trailer zu Paul Schraders‘ Brett-Easton-Ellis-Verfilmung „The Canyons“. Ich muss allerdings Stefan zustimmen: Klingt super, aber der „Grindhouse“-Look des Trailers passt nicht wirklich.

– Eskalierende Träume: Robert hat einen sehr schönen Text über den Film „Die Liebesvögel – Küss mich da, wo ich es mag“ (1979) des berüchtigten Porno- und Sexfilmers Jürgen Enz verfasst. Hochinteressant ist die Betrachtung von Andreas bezüglich 70mm Filmen auf analogem Filmmaterial und als digital hochgerechnete 4K-Kopien.

– Auf „Whoknows presents“ schreibt david einen ziemlich langen und gut begründeten Verriss zu einem echten Darling des deutschen Filmpublikums: „Unseres“ Oscar-Gewinners „Das Leben der Anderen“. Ich habe den Film noch nicht gesehen, darum kann ich nicht sagen, ob ich seine Argumente teile. Eine interessante Lektüre ist es aber allemal.

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