Heute in der Schauburg: André Erkau stellt seinen Film “Das Leben ist nichts für Feiglinge“ vor

Heute Abend ist wieder ein Regisseur in der Schauburg zu Gast, um der Premiere seines neusten Filmes beizuwohnen und sich den Fragen des Publikums zu stellen. Wie schon bei seinem letzten Film „Arschkalt“, lässt es sich André Erkau nicht nehmen, seinen Film einen Tag vor der Deutschlandpremiere in seiner Heimatstadt vorzustellen. Geboren in Dortmund ist André Erkau in Bremen aufgewachsen und vor einigen Jahren auch wieder hierhin zurückgekehrt. In einem lesenswerten Artikel, der heute im „Weser Kurier“ veröffentlich wurde, sagt er dazu:

„Zum Drehen muss man ohnehin oft seinen Wohnort verlassen. Also kann ich auch in meiner alten Heimat Bremen wohnen. Hier fühle ich mich wohl, ich mag das Tempo der Stadt, die relaxte Bremer Lebensart. Und die Stadt inspiriert mich, weil ich hier nicht unter einer künstlerischen Käseglocke lebe“.

DLIFF_Plakat_RZ_01_Layout 1Sein aktueller Film, der heute um 21:00 Uhr in der Schauburg Premiere hat, ist eine Tragikomödie und heißt „Das Leben ist nichts für Feiglinge„. Er handelt von einer Familie, die nach dem plötzlichen Tod der Mutter auseinanderzubrechen droht. Der Vater versucht den Tod seiner Frau zu verdrängen, während sich eine Tochter immer weiter zurückzieht und auch im Freundeskreis zur Außenseiterin wird. Allein die liebenswerte Großmutter versucht die Familie zusammenzuhalten. Doch bald schon wird bei ihr Krebs diagnostiziert. Sie verheimlicht dies ihrer Familie, doch dann fliegt das Geheimnis auf. Wütend verschwindet die Tochter mit ihrem Freund nach Dänemark. Der zurückbleibende Vater muss nun versuchen, sich seinen Gefühlen zu stellen und seine Tochter zurückzugewinnen.

Die Hauptrolle spielt der wunderbare Wotan Wilke Möhring. Und auch der hochtalentierte Frederick Lau („Picco„, „Oh Boy„) ist dabei. Lau hat ja bereits Bremen-Erfahrung. Schließlich spielte er hier den Frank Lehmann in „Neue Vahr Süd„.

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DVD-Rezension: „Die Koch Media Italowestern-Enzyklopädie No. 1“

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Nach etlichen Verschiebungen ist sie nun endlich da: Die seit langem angekündigte „Koch Media Italowestern Enzyklopädie Vol. 1“. Vor kurzem hat Koch Media ja schon mal einen Schwung Italowestern unter dem Label „Western Unchained“ auf den Markt geworfen. Darunter einige Repacks aus der legendären „Italowestern“-Reihe, aber auch einige interessante DVD-Premieren. In der „Italowestern Enzyklopädie“ werden nun ausschließlich Erstveröffentlichungen präsentiert. Zwar wurden „Amigos“ und „Shamango“ in der Vergangenheit auch von anderen Labels veröffentlicht, allerdings nur in gekürzter Form.

Hier liegen alle Filme im richtigen Bildformat und ungekürzt vor. Wie bei der „Giallo“-Box aus demselben Haus, verwundert es etwas, dass die Bildqualität nicht den hohen Standards entspricht, die Koch Media in der Vergangenheit an den Tag gelegt hat. „Schweinehunde beten nicht“ sieht sehr „gebraucht“ aus und stammt scheinbar von einer sichtbar alten 35mm Rolle. Das Bild von „Drei Halunken und ein Halleluja“ ist sehr grobkörnig und wirkt bei Aussenaufnahmen zum Teil etwas milchig. Dies kann aber durchaus auch am bei der Produktion des Filmes verwendeten Filmmaterial liegen. „Shamango“ wirkt nicht unbedingt gestochen scharf und auch etwas milchig. Am besten schneidet „Amigos“ ab. In Sachen Extras befinden sich die Veröffentlichungen aber auf dem gewohnt guten Niveau, für das Koch Media bekannt ist.

 

Schweinehunde beten nicht  (I vigliacchi non pregano, 1969)

Der Ex-Soldat Brian (Gianni Garko) kehrt nach dem Bürgerkrieg heim zu seiner Frau. Doch das Glück währt nicht lang. Ein Trupp Nordstaatler überfällt sein Haus, vergewaltigt und tötet seine Frau und lässt den halbtot geschlagenen Brian in der brennenden Ruine zurück. Der zufällig vorbeikommende Daniel (Ivan Rassimov alias „Sean Todd“) rettet ihn. Gemeinsam Weiterlesen

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Das Bloggen der Anderen (13-04-13)

bartonfink_type2– Lukas Foerster hat das Sportlerdrama „Love Lifting“ von Hermann Yau gesehen und konstatiert auf Dirty Laundry: „Solange das Hongkongkino noch solche Filme hervorbringt, kann es nicht ganz schlecht um es bestellt sein“.

– Das goEast-Festival widmet dem ungarischen Regisseur Miclós Jancsó eine Hommage. Christian Moises stellt auf Eskalierende Träume den Regisseur und sein Werk ausführlich vor.

– Nochmal goEast: Ciprian David und Elisabeth Maurer schreiben auf Negativ weniger über das Festival, sondern eher über ihre Erlebnisse und Eindrücke drumherum, was ich sehr schön finde.

– Patrick ist neu bei filmosophie und wird dort zukünftig über Sneak-Previews berichten. Sein erster Bericht, der auch das ganze Drumherum mit einschließt, handelt vom US-Indie-Film „Smashed“.

– Silvia Szymanski war mit einigen Gleichgesinnten im Kölner Filmclub 813 und hat dort eine Menge toller Filme gesehen. U.a. „Heimlichkeiten“ von Wolfgang Staudte, den ich schon im letzten „Bloggen der Anderen“ drin hatte. Ihr ausführlicher, große Lust auf die Filme machender, Bericht findet sich, wie immer, auf Hard Sensations. Dort geht es auch weiter mit der „Vergewaltigung im Film“-Reihe. Diesmal über die Doku „Tabloid“ von Errol Morris, die bei mir auch noch rumliegt und nun umso dringender gesehen werden möchte.

– Alex Klotz hat auf hypnosemaschinen wieder einen obskuren Film ausgegraben: Den spanisch-französischen „El secreto de la momia egipcia“, dessen US-Titel – laut IMDb „Love Brides of the Blood Mummy“ lautet.

– Apropos obskur. In den Kommentaren des letzten „Bloggen der Anderen“ habe ich es schon erwähnt und darum MUSS ich darauf hinweisen: Der Intergalatic Ape Man hat auf Intergalaktische Filmreisen den Film „Rocktober Blood – An der Schwelle zum Wahnsinn“ besprochen. Hier also noch einmal ein Nachschlag in Sachen „unbekannter 80er Trash mit Rockmusik“.

– Von Jonas Mekas habe ich einmal „Walden – Diaries Notes and Sketches“ im Kino gesehen und war überrascht, wie schnell hier ein Sog entstand, der drei Stunden Experimentalfilm wie im Fluge vergehen ließ. Das war wieder ein wunderbares Beispiel dafür, dass man solche tollen Erlebnisse nur im Kino haben kann, wo man dem Film „ausgeliefert“ ist und sich nicht durch tausend kleiner Dinge ablenken lassen kann. Zur Zeit ist Jonas Mekas im Filmmuseum Wien zu Gast und hat dort seinen Film „Reminiscences of a Journey to Lithuania“ gezeigt. Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film war dabei.

– Als früher Teenie habe ich in einer Programmzeitschrift mal ein Bild von Laura Antonelli gesehen und den Titel des dazugehörigen Films „Das nackte Cello“ hatte meine Fantasie mächtig angeheizt. Auf L’Amore in città habe ich jetzt die Kritik zum Film gelesen.

– Man hat bereits allerlei Schlimmes darüber gehört und Martin Beck bestätigt es auch auf Reihe Sieben mit großem Entsetzen. Dario Argentos „Dracula 3D“ ist wohl ganz, ganz großer Mist geworden. Schnief.

– Wie bereits in der O-Fassung-Übersicht geschildert, ist „der neue Tom Cruise“, „Oblivion“ zunächst völlig an mir vorbei gegangen, und ich hatte nicht wirklich eine Ahnung davon, worum es geht und ob sich ein Kinobesuch lohnen würde. In der Blogosphäre wird der Film jetzt auf Filmherum, screen/read und cinetastic.de besprochen. Zu meiner großen Überraschung sind alle drei Reviews recht positiv. Cinetastic.de ist zwar nicht vollends überzeugt, zerreißt den Film aber nicht in der Luft. Screen/read und Filmherum sind aber ziemlich angetan. Positiv hervorgehoben werden aber bei allen die optischen Reize des Filmes, die allein wohl schon einen Kinobesuch lohnen.

– Ronny Dombrowski von cinetastic.de hat auch bereits das von vielen mit großer Ungeduld erwartete „Evil Dead“-Remake gesehen (wo?!?!). Er fand den Film zwar sehr gut, überschlägt sich jetzt aber nicht vor Begeisterung.

– Etwas spät dran ist Filmlandschaft, was seinen Bericht von der Berlinale angeht. Doch Peer Kling & Elisabeth Niggemann haben einen so ausführlichen und persönlichen Artikel über ihren Besuch auf der Berlinale geschrieben, dass man fast das Gefühl hat, selber dabei gewesen zu sein. Und darum gehört er hier auch verlinkt.

– Manfred Polak hat auf Whoknowspresents wieder einen sehr ausführlichen und vor interessantem Hintergrundinformationen und Analysen strotzenden Artikel veröffentlicht. Diesmal hat er sich LA VIE EST À NOUS (DAS LEBEN GEHÖRT UNS), Frankreich 1936, vorgenommen. Bei diesem Film führten Jacques Becker, Jacques-Bernard Brunius, Henri Cartier-Bresson, Jean-Paul Le Chanois, Maurice Lime, Marc Maurette, Jean Renoir, Pierre Unikc und André Zwoboda Regie. Die Gesamtleitung hatte Jean Renoir. Lesen! Auch die Kommentare!

Couchmonster denkt über die aktuellen Comic-Verfilmungen nach und führt deren Stärken und Schwächen auf. Seine Meinung zu den Tim-Burton-“Batmans“ teile ich zwar überhaupt nicht, den Rest kann ich größtenteils so unterschreiben.

Freude am Film beginnt mit einer Stanley-Kubrick-Werkschau und geht kurz auf dessen Frühphase von „Die Rechnung geht nicht auf“ bis „Dr. Seltsam“ ein. Das „Fear and Desire“ nicht dabei ist, kann ich ja noch verstehen. Warum „Der Tiger von New York“ fehlt, finde ich allerdings etwas merkwürdig.

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DVD-Rezension: “Chillerama”

Chillerama

Momentan scheint es ein Trend zu sein, dass sich ein paar junge Regisseure zusammentun, um einen Horror-Episoden-Film zu drehen. Vor kurzem war „V/H/S“ solch ein Vehikel, „V/H/S/2“ steht schon in den Startlöchern und auch „Chillerama“ gehört in diese Kategorie. Im Gegensatz zu den vorher genannten, nimmt sich „Chillerama“ aber zu keiner Sekunde ernst und versteht sich als wilde Persiflage, die sich einmal durch die Dekaden des Horrorfilms arbeitet.

Dabei kann nicht gesagt werden, dass „Chillerama“ nicht liebevoll gemacht wäre. Bei jeder Episode spürt man die Liebe der Macher zum Genre, und die jeweiligen Filmjahrzehnte (von den 30ern bis in die 80er) werden mit großer Sorgfalt rekonstruiert. Leider stellt sich der Film mit seinem pubertären Humor und dem beinahe zwanghaft inszenierten Tabubruch selbst ein Bein. Während die Geschichte vom gigantischen Killerspermium für sich genommen noch recht witzig ist, nervt es doch schon bald, dass alle Episoden auf Teufel komm raus irgendwelche, zumeist sexuellen, Tabus brechen wollen. Wenn sich dann noch recht plump über das tragische Schicksal der jüdischen Familie Frank, und vor allem ihrer Tochter Anne, lustig gemacht wird, da frage ich mich dann doch: Muss das sein?
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Einen Tiefpunkt erreicht der Film dann, wenn relativ unmotiviert noch ein Fäkalfilm namens „Deathication“ (der wohl die 70er repräsentieren soll und mich irgendwie an den berüchtigten „Gesichter des Todes“ erinnert hat) eingeblendet wird. Das wirkt dann wirklich nur noch erzwungen. Wenn die Macher sich John Waters „Pink Flamingos“ (der hier zitiert wird, wenn auch unter anderen Vorzeichen) richtig angesehen hätten, dann hätten sie gesehen, dass Schock und Anarchie anders funktionieren und nicht wie hysterischen Späße einiger Pennäler. Das stimmt etwas traurig, denn solche Dinge hätten nicht sein müssen. Der Film hätte auch gut ohne funktioniert. Ich würde sogar behaupten, besser. Aber das ist in diesem Falle wirklich auch eine Frage des persönlichen Humors.

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Zu den einzelnen Stories:

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Regisseur Adam Rifkin, der Anfang der 90er mit „The Chase“ auf sich aufmerksam machte und dessen „Detroit Rock City“ ein kleiner Erfolg war, spielt hier selbst die Hauptrolle. Einen kleinen Angestellten, der nur immer ein Spermium produzieren kann. Ein Mad Doctor (Ray Wise, Laura Palmers Vater aus „Twin Peaks“) will ihm helfen, doch das Serum führt nicht dazu, mehr Spermien zu produzieren, sondern das eine zu stärken und wachsen zu lassen. Schon bald wird die Welt von einem riesigen, gefräßigen Spermium bedroht.

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Die Geschichte ist klar als Parodie auf die Monsterfilme der 50er angelegt. Der Humor wurde allerdings aus „Dumm und dümmer“ importiert. Nichtsdestotrotz macht diese Episode Spaß, denn hier wurde nicht nur das gute, alte Stop-Motion-Verfahren nachempfunden, sondern Rifkin hat die Klassiker genau beobachtet und zollt ihnen seinen Respekt. Garniert wird all dies mit einigen wunderschönen Frauen von denen man gerne mehr sehen würde. Aber wie in den 50ern ist diese Episode zwar thematisch schlüpfrig, aber ansonsten erstaunlich prüde.

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I Was A Teenage Werebear

Der junge Ricky ist verwirrt. Zwar hat er eine tolle und brünstige Freundin, doch immer wieder ziehen knackige junge Kerle sein Interesse auf sich. Besonders die drei coolen Jungs in Leder haben es ihm angetan. Bald schon muss er erkennen, dass die Drei nicht nur cool und gutaussehend sind, sondern in ihnen noch mehr steckt: Sie sind Werbären!

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Tim Sullivan, der bisher mit dem Remake zu „2001 Maniacs“, dessen Fortsetzung und dem Horrorthriller „Driftwood“ in Erscheinung getreten ist, verlegt seine Geschichte namens „I Was A Teenage Werebear“in die 60er Jahre und mischt farbintensive Bilder mit einigen Musicalnummern. Das funktioniert soweit ganz gut. Auch die Idee, hier ganz plakativ das Monster, den Außenseiter, als Metapher für Homosexualität zu entlarven, ist clever. Allerdings trägt Sullivan manchmal etwas zu dick auf und gerade am Ende verheddert er sich etwas. Trotzdem macht auch diese Episode durchaus Spaß, wenn sie auch hier und dort ihre Längen hat und etwas angestrengt wirkt.

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The Diary of Anne Frankenstein

Adam Green hat mit der „Hatchet“-Serie bei Fans von old school Slasher-Fimen für Furore gesorgt Hier nimmt er sich der 40er Jahre an und dreht einen Schwarz-Weiß Film, der stellenweise tatsächlich aus der Zeit gefallen scheint. Auch die Idee, Hitler einen jüdischen Golem-Frankenstein bauen zu lassen, ist charmant. Leider überzieht Green seine Ideen maßlos.

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Das geschmacklose „Anne Frank“-Intro verdirbt einem etwas den Spaß, und dass alle Darsteller Deutsch sprechen und nur Hitler ein merkwürdiges, skandinavisch anmutendes Kauderwelsch ist als Reminiszenz an Chaplins „Großen Diktator“ zunächst augenzwinkernd lustig, nervt aber auf die Dauer. Auch hier muss man sagen, dass hier mehr drin gewesen wäre, hätte man nicht unbedingt so hysterisch-lustig-trashig sein wollen. So schießt der Film etwas über das Ziel hinaus, aber durch sein tolles Design zählt diese Episode zu den Höhepunkten des Filmes.

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Zom-B Movie

Die Rahmenhandlung und abschließende Episode „Zom-B Movie“ hat Joe Lynch inszeniert, der zuvor nur den nicht gerade geliebten „Wrong Turn 2“ inszeniert hatte. Zunächst beginnt seine Episode sehr stimmungsvoll auf einem alten Friedhof und ist vom expressionistischen Universal-Horror der 30er inspiriert. Doch schon schnell wird die Stoßrichtung des Filmes klar gemacht. Ein versuchter Blowjob mit einer Leiche und durch die Gegend fliegende Testikel lassen ahnen, worauf das alles hinauslaufen wird.

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Die Zwischensequenzen und das große Finale sind angelehnt an die Teenie-Zombie-Filme der 80er Jahre, wie z.B. „Return of the Living Dead“ oder „Nacht der Creeps“. Auch hier gibt es einige wunderschön in Szene gesetzte Stellen, wenn z.B. der Autokino-Besitzer Zwiesprache mit einem Orson-Welles-Poster hält und über die gute, alte Zeit philosophiert, in der Kino noch handgemacht und etwas Besonderes, Magisches, war. Aber solchen Momenten stehen dann auch wieder sehr plumpe Gags gegenüber, wenn derselbe Autokinobesitzer bis an die Zähne bewaffnet One-Liner aus 80er Actionfilmen von sich gibt. Auch die Idee aus den Zombies sexsüchtige Untote zu machen, passt zwar in den Kontext des Filmes, wirkt aber aufgesetzt und so sehr auf „Kult“ und „Fun“ getrimmt, dass die Wirkung eher eine gegenteilig ist.

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„Chillerama“ ist eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits bietet er wunderbare und sehr liebevoll gemachte Hommagen an das fantastische Kino von den 30ern bis zu den 80ern, aber intelligente Scherze wechseln sich mit pubertären „Fick und Furz“-Humor ab, der nicht jedermanns Sache sein dürfte und mir etwas zu sehr auf „Kult“- und „Abgefahren“-Potential schielt. Drückt man hier aber ein Auge kräftig zu und konzentriert sich auf die Stärken dieses Episodenfilms, wird man gut unterhalten. Auch wenn er etwas zu lang geraten ist, und man auf die „Deathication“-Sequenz gut hätte verzichten können.

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Bild und Ton der DVD ist hervorragend. Die deutschen Untertitel orientieren sich an der deutschen Synchronisation, die wiederum oftmals vom Originaltext abweicht und so manchen Sprachwitz verschwinden lässt. Als Extras gibt es zwei Interviews mit dem Regie-Quartett, die jeweils auf Conventions aufgenommen wurden (das zweite Interview hat eine grausige Tonqualität und ist auch nicht untertitelt, was das Verständnis mehr als schwer macht). Trotz FSK 16 ist der Film ungeschnitten, was durchaus Sinn macht, denn die blutigen Szenen sind klar als Filmtricks zu erkennen.

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Hamburg: Vom 19.-21.April heißt es wieder „Monster machen mobil“

Eine Veranstaltung, die mir sehr am Herzen liegt, findet vom 19. bis 21. April in unserer Nachbar-Hansestadt Hamburg statt. Bereits zum vierten Mal heißt es dann im dortigen Kommunalkino, dem Metropolis, „Monster machen mobil

Gezeigt werden einige wunderbare Köstlichkeiten. Und alles natürlich auf wohlmundendem 35mm. Unter dem Spezialitäten befinden solche Delikatessen wie Roger Vadims „… und vor Lust sterben“, der legendäre „Flesh Gordon“ (mit „E“!), Luigi Cozzis „Astaron – Die Brut des Schreckens“, „Frankensteins Kung Fu Monster“, „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ und viele mehr!

Wahre Gourmets sollten sich dieses Menü nicht entgehen lassen!

Hier die Speisekarte: http://www.monstercon.de

monster_machen_mobil2013Ich selber will sehen, dass ich mindestens einen Tag dabei bin. Aufgrund meiner neuen familiären Umstände ist das zwar nicht so einfach, aber irgendwie bekomme ich das hin. Die Frage ist nur Samstag oder Sonntag.

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Originalfassungen in Bremen: 11.04.13 – 17.04.13

Mit „Oblivion“ steht ein potentieller Blockbuster in den Startlöchern. Aber ob Tom Cruise noch die Massen anzieht, wird sich zeigen. Des Weiteren klinkt das US-Debüt des Dänen Niels Arden Oplev recht vielversprechend. Vor allem wegen den Damen Rapace und Huppert. Ansonsten ist mal wieder nicht so viel los, was O-Fassungen angeht.

Oblivion – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 20:00 – Tom Crusises neuer Big-Budget SciFi-Film. Die Plakate habe ich schon überall hängen sehen, aber bisher hatte ich keine Ahnung, worum es da eigentlich geht. So richtig schlau bin ich jetzt auch nicht geworden und versuche mal das wiederzugeben, was ich verstanden habe. In der Zukunft ist die Erde völlig zerstört und die letzten Überreste werden von Aliens geplündert. Im Auftrag ehemaliger Erdenbürger, die nun irgendwo in den Wolken leben, kehrt ein Mann auf die Erde zurück, um die Aliens zu stoppen. Regisseur Joseph Kosinski hat davor nur den schwachen „Tron: Legacy“ gedreht.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=dQ3Mt9yiz6k[/youtube]

Dead Man Down – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 22:50 – Action-Thriller mit Colin Farrell, der wunderbaren Noomi Rapace und der noch wunderbareren Isabelle Huppert. Regie führt der Däne Niels Arden Oplev, der auch die „Millenium-Trilogie“ verfilmt hat. In seinem Hollywood-Debüt geht es um einen unbekannten Killer, er die Gang eines Mafiabosses dezimiert. Farrell spielt einen Helfer des Bosses, der den Killer aufspüren soll.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=BI2ruUmvuKU[/youtube]

Canakkale Yolun Sonu – Canakkale – Der unbesiegbare Widerstand – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 22:45 – Patriotischer, türkischer Kriegsfilm über die Schlacht an der Çanakkale-Front im April 1915.

Ginger & Rosa – Schauburg, So., 14.4., um 19:15 – Drama, das im England der 60er Jahre spielt. Die beiden 16jährigen Freundinnen Ginger und rosa engagieren sich zusammen in der Friedensbewegung. Da beginnt Rosa plötzlich eine Affäre mit Gingers Vater.

Mademoiselle Populaire – Gondel, So. 14.4. um 20:30 – Französische Liebeskomödie. In den 50er Jahren träumt eine davon, Weltmeisterin im Schreibmaschineschreiben zu werden.

Enjoy The Music – Die Pianistin Edith Kraus – City 46, Sa. 20:30, Mo.-Mi. 18:00 – Portrait der Pianistin Edith Kraus, die einst als Wunderkind galt und dann nach Theresienstadt deportiert wurde. Heute lebt sie in Israel.

Lagos – Notizen einer Stadt – City 46, Sa.+Mi. um 20:00 – Dokumentation von Jens Wenkel über die Hauptstadt Nigerias.

Moderne Zeiten – City 46, So., 14.4. um 20:30 – Charlie Chaplins zeitloser Klassiker. Zwar sein zweiter Tonfilm, doch gesprochen wird noch nicht. Aber der Tramp darf zum ersten Mal singen! In einer wunderbaren Kunstsprache und wahrlich ohrwurmverdächtig.

Working Man’s Death – City 46, Do.+Di. um 20:00 und Fr.+So. um 18:00 – Doku des Filmemachers Michael Glawogger, der auch mit seinen Spielfilmen (z.B. „Nacktschnecken“ oder dessen Fortsetzung „Contact High“ ) sehr erfolgreich ist. Hier geht es um den „Tod der Arbeiterklasse“, die Glawogger in mehreren Ländern beobachtet.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 15.04. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 15.04. um 21:45

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Das Bloggen der Anderen (07-04-13)

bartonfink_type2– Der Tod Jess Francos war in der Blogosphäre natürlich auch ein großes Thema in der letzten Woche. Zusätzlich zu den in meinem Nachruf erwähnten Links, hier noch zwei weitere Beileidsbekundungen. Oliver Nöding von Remember it for later hat ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht, was Jess Franco und seinen Ruf in der deutschsprachigen Filmliteratur der 80er und 90er anging. Auch Allesglotzer widmet ihm einen Eintrag.

– Für mich der Höhepunkt unter den Blogeinträgen dieser Woche: „Bakelitperücke und hölzerner Umhängebart (Teil 3 – Finale) – Über Masken, Helme und Verbände“ vom Filmemacher und SigiGötzEntertainment-Autor Rainer Knepperges auf new filmkritik. Anhand von Szenenfotos lässt er seine Assoziationen fliegen. Zurücklehnen, lesen, genießen. Großartig!

– Sven Safarow beschäftigt sich auf Eskalierende Träume mit grausigen DVD-Menüs.

– cutrin hat auf Filmosophie den französisch-belgischen Film „Der Tag wird kommen“ gesehen und erinnert sich dabei an ihre eigene kleine „Punkzeit“.

– Zwei Filmrezensionen gibt es auf Hard Sensations. Joris Julius-Sabinus nimmt sich Istvan Szabos „Hanussen“ von 1988 vor und ist etwas zwiegespalten. Jacques Audiards „Der Geschmack von Rost und Knochen“ wird von Jamal Tuschick bespochen, der den Film offensichtlich mochte.

– An die semiprofessionellen Neo-Gialli aus Frankreich „Black Aria“ und „Last Caress“ aka „Glam Gore“ habe ich mich noch nicht ran getraut. Zu groß ist meine Skepsis. Alex Klotz hat jetzt „Glam Gore“ gesehen und auf hypnosemaschinen besprochen. Wirklich begeistert ist er auch nicht, aber so schrecklich, wie ich befürchtete, ist das Werk wohl auch nicht.

– Der Intergalactic Ape-Man hat auf Intergalaktische Filmreisen wieder Video-Trash aus den 80ern ausgegraben. Diesmal „Witch Bitch – Tod aus dem Jenseits“.

Jugend ohne Film hält einen sehr interessanten Rückblick auf das 1. Quartal des aktuellen Kinojahres. Lesenswert!

– Ein deutsch-italienische Produktion aus dem Jahre 1961 stellt L’Amore in città vor. Nämlich den mir bis dato völlig unbekannten „Die Rote“ (La rossa) vom großen Helmut Käutner. Gleichzeitig verweist Autor Udo Rotenberg auf seinen zweiten Blog „Grün ist die Heide“, der sich mit dem deutschen Film 1930-1970 beschäftigt. Ebenfalls eine interessante Lektüre und ein guter Ort zum Stöbern.

– Martin Beck stellt auf Reihe Sieben einen neuen japanischen Superhelden vor: „HENTAI KAMEN, ein nackter Superheld mit Strapsen, BORAT-Bikini und Schlübbi aufm Kopp!“ Äh, ja…

– Auf Revolver sinniert Christoph über die Disziplin Filme nach Punkten zu bewerten, und wie dies zu interessanten Ergebnissen führen kann.

– Auf screen/read findet sich eine lange Besprechung des Filmes „American Mary“, den ich als uninteressantes Filmchen abgetan hätte, aber nach der Einschätzung „„American Mary“ ist ein radikales, irrwitziges, dunkles und zugleich traumhaft schönes Stück Kino, das bei wiederholtem Ansehen zunehmend an Tiefe gewinnt“ bin ich jetzt doch neugierig geworden.

– totalschaden bespricht auf Splattertrash (ja, die Namen lassen Schlimmes vermuten, doch die Seite ist wirklich hübsch und lesenswert) „Zombies from Outer Space“ des sympathischen Bayern Martin Faltermeier. Ganz überzeugt ist er nicht von dem Film, kann aber auch eine gewisse Sympathie nicht leugnen.

– Einen sehr langen, gut recherchierten und geschriebenen Text zum russischen Film „Die Kommissarin“ von 1967 hat david auf Whoknowspresents online gestellt. Der Film wurde umgehend verboten und zerstörte die Karriere seines Regisseurs Aleksandr Askol‘dovs, der aus der Partei ausgeschlossen und mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt wurde. Erst 1988 konnte der Film bei der Berlinale seine Welturaufführung erleben.

– Christian Liemke hat für DVDuell einen amüsanten Clip gefunden. Die Vernichtung des Todessterns als Verschwörungstheorie.

– 2005 wurde ein Film namens „Curandero“ auf dem Screamfest-Festival gezeigt und war danach verschwunden. Seltsam, denn das Drehbuch stammt von Robert Rodriguez. Jetzt ist er wieder aufgetaucht. Mehr darüber auf Frag das Kino….

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Originalfassungen in Bremen: 04.04.13 – 10.04.13

Nach zwei Wochen Abstinenz komme ich jetzt endlich wieder dazu, auch diese Rubrik wieder mit Leben zu füllen. Allerdings muss ich sagen, dass ich in dieser Woche nichts finde, was mich aus dem Haus locken würde. Sind zwar einige nette Sachen dabei, aber kein wirklicher Brenner. Aber vielleicht sieht der eine oder andere Leser das ja ganz anders.

G.I. Joe: Die Abrechnung – Cinemaxx, Do./Di. um 23:00 und Fr. um 20:10 – Sequel zum Film von 2009. Diesmal mit Dwayne Johnson in der Haupt- und Bruce Willis in einer Nebenrolle. Sieht so aus, als ob sich die Fortsetzung nun nicht mehr so sehr an die ganz jungen Teenies richtet. Obwohl, Regisseur Jon M. Chu hat davor eine Justin-Bieber-Doku und diverse Teenie-Tanzfilme gedreht.

[youtube width=“630″ height=“290″]http://www.youtube.com/watch?v=V2YMu52MfqA[/youtube]

Voll abgezockt – Cinemaxx, Fr.-Mo. und Mi.  um 23:00, Di. um 20:10 –  US-Mainstreamkomödie um eine Frau, die  unter falscher Identität einen aufwändigen Lebensstil pflegt. Tatsächlich ist der Leidtragende ein Mann, der versucht, dies stoppen.  Regie führt Komödien-Spezialist Seth Gordon, die Hauptrollen spielen Jason Bateman und Melissa McCarthy.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=KcvIpsf-ENY[/youtube]

Canakkale Yolun Sonu – Canakkale – Der unbesiegbare Widerstand – Cinemaxx, Do.-Mi. außer Sa. immer 22:45 –  Patriotischer, türkischer Kriegsfilm über die Schlacht an der Çanakkale-Front im April 1915.

Mahmut ile Meryem – Mahmut und Meryem – Cinemaxx, Sa., 6.4. um 22:45 – Türkische Liebesgeschichte über den muslimischen Mahmut und die Christin Meryem.

Mutlu Aile Defteri – Glückliches Familienalbum – Cinemaxx, So., 7.4. um 23:00 – Türkische Komödie um einen autoritären Vater, der nach einem Unfall das erste Mal auf die Hilfe seiner Familie angewiesen ist.

No! – Schauburg, 7.4. um 21:15 – Polit-Drama nach wahren Begebenheiten mit Gael García Bernal.  Um einen Werbefachmann, der 1988 in Chile eine Kampagne zum Sturz des Diktators Pinochet entwirft.

Hitchcock – Gondel, So., 7.4. um 20:00 – Das“Making Of Psycho” mit Anthony Hopkins als Hitchcock. Gut, abgesehen davon, dass Hopkins trotz Maske und Fat-Suite überhaupt auch nicht im Entferntesten nach Hitch aussieht (von Fr. Johansson als Janet Leigh gar nicht zu sprechen), habe ich zu viele Hitchcock-Biographien gelesen, dass ich denke, der Film würde mich nur aufregen und ärgern. Beispiel gefällig? Im Film wird ein großes Bohei (zumindest wird das in der Vorberichtserstattung immer wieder betont) darum gemacht, dass Alma Hitchcock die Idee hatte, die Hauptdarstellerin in Psycho möglichst früh umzubringen. Tatsächlich ist das aber schon im Roman von Robert Bloch so. Und mir würde sicherlich noch mehr auffallen, als dass ich den Film vorurteilsfrei genießen könnte.

Bab`Aziz – Der Tanz des Windes – City 46, Do., Fr., So. um 18:00 und Sa., Mo. um 20:30 – Tunesischer Spielfilm über das Mädchen Ishtar, das mit seinem blinden Großvater Bab’Aziz unterwegs zum großen Derwisch-Treffen ist, das alle 30 Jahre stattfindet. Lief vor ein paar Jahren schon mal, damals noch im Kino 46. Ist ein netter Film mit tollen Bildern.

Der Shimato-Fluss – City 46, Di., 9.4. um 20:30 – Japanischer Spielfilm von 1991 über den  Jungen Atsuyoshi , der 1959 in einem entlegenen Dorf an den Ufern des Flusses Shimanto aufwächst und nach einem schweren Unfall seines Vaters gezwungen ist, in der großen Stadt Arbeit zu suchen. Eintritt frei!

Habe keine Angst – City 46, Mi., 10.4. um 20:00 – Spanisches Drama um ein trauriges Thema. Die junge Silvia wurde von ihrem siebten Lebensjahr an von ihrem Vater missbraucht. Präsentiert vom Instituto Cervantes.

Lasst uns verschwinden – City 46, Mi., 10.4. um 20:30 – Dokumentation über den Jazz-Trompeter Chet Baker. Mit einer Einführung von Dr. Will Friedmann.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 10.04. um 21:45

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Nachruf: Jess Franco (1930-2013)

Ich will gar nicht so viele Fakten über Jess Franco und sein Werk hier ausbreiten. Das wird dem großen Mann des europäischen Exploitationkinos nicht gerecht. Nur ein paar Eckdaten sollen es sein. Geboren am 20. Mai 1930 unter dem Namen Jesús Franco Manera. 199 Filme in 55 Jahren. Zeitweise in den 70ern drehte er bis zu neun Filme in einem Jahr. Berühmte Pseudonyme: Jess Frank, Clifford Brown, Frank Hollman, James P. Johnson, David J. Khune und ca. 40 andere. Zusammenarbeit mit allen Größen des europäischen Exploitationkinos: Klaus Kinski, Christopher Lee, Helmut Berger… und immer wieder Howard Vernon. Entdecker der Filmgöttinen Soledad Miranda und Lina Romay. Jazz-Musiker. Regieassistent von Orson Welles. Voyeur. „Schmuddelfilmer“. Legende.

Heute starb Jess Franco im Alter von 82 Jahren. Ich hatte mit so etwas schon gerechnet. Nachdem letztes Jahr seine große Liebe und Muse Lina Romay einem Krebsleiden erlag, rechnete ich bereits damit, dass Jess ihr bald folgen würde. Jess Franco ohne Lina Romay? Das erschien mir schwer vorstellbar. Etwas Hoffnung gab es mir, dass sich Jess relativ zügig wieder seiner zweiten großen Liebe zuwandte: Dem Film. Bald schon hieß es, dass er zwei neue Filme fertiggestellt habe.

Doch dann hörte ich von der desaströs verunglückten Jess-Franco-Retrospektive in Berlin. Wo seine Filme von DVD und im falschen Format, manchmal sogar nur in Italienisch ohne Untertitel gezeigt wurden. Jess war als Gast mit dabei und musste erleben, wie er nicht nur im Rollstuhl als Kuriosum herum gefahren wurde, sondern sein filmisches Werk lieblos und vor nur sehr wenigen Zuschauern gezeigt wurde. Eine erschütternde Beschreibung dieser etwas würdelosen Veranstaltung, hat ugo-piazza im Deliria-Italiano-Forum hinterlassen. Da erinnert man sich doch lieber an die große Gala 2009, als Jess der Goya, der wichtigste spanische Filmpreis, für sein Lebenswerk überreicht wurde und auch Lina noch dabei war.

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Ugo schrieb bereits, dass Jess einen sehr zerbrechlichen Eindruck gemacht hätte. Letzten Mittwoch informierte der amerikanische Filmjournalist und Franco-Kenner Tim Lucas (Herausgeber des „Video Watchdog“-Magazins), dass Jess einen Schlaganfall erlitten hätte und sich in einem sehr kritischen Zustand befände. Da ahnte ich schon, dass sich ein Leben, welches sich leidenschaftlich dem Film und den eigenen Obsessionen gewidmet hatte, dem Ende entgegen geht. Noch hatte ich gehofft, dass Jess vielleicht doch noch wieder aufersteht. Zu Ostern hätte das ja gut gepasst. Nicht umsonst ist sein richtiger Vorname ja Jésus. Doch heute war dann klar, dass alles Hoffen nicht geholfen hatte. Wieder war es Tim Lucas, der als erster die Nachricht vom Tode Jess Francos im Netz verbreitete und schon kurz danach lief mein News-Stream auf Facebook heiß. Filmfreunde von überall her zeigten sich darüber betroffen, dass der Großmeister des europäischen Exploitationfilms in eine andere Welt gewechselt ist. Der einzige Trost ist, dass er dort endlich wieder mit seiner geliebten Lina vereint ist.

Meine erste Begegnung mit dem Namen Jess Franco hätte schlechter gar nicht sein können. Damals sah ich vor allem Horrorfilme und ähnliches. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland bei weitem nicht so viel Literatur zum phantastischen Film, wie es heute der Fall ist. Also las ich die Nachschlagewerke „Hölle auf Erden“ oder „Die Angst sitzt neben Dir“. Ja, Franco tauchte dort auf, wurde aber immer wieder als Stümper, Billigfilmer und „schlechtester Regisseur der Welt“ betitelt. Nein, die Autoren diese Bücher konnten mit Jess Francos spezieller Art Filme zu machen nichts anfangen. Natürlich übernahm ich zunächst diese Meinung und mied seine Filme wie die Pest.

Erst später hatte ich mein persönliches Erweckungserlebnis. Im Internet lernte ich Uwe G. kennen. Uwe war schon etwas älter (tatsächlich aber wohl damals so alt, wie ich heute) und ein riesiger Fan von Exploitationfilmen generell und Jess Franco im Besonderen. Wir schickten uns lange, sehr lange, Mails hin und her. Uwe schwärmte mir von Lina Romay vor. Seiner Traumfrau. Und er brachte mich dazu, mich endlich mal mit Jess Franco zu befassen. Als erstes schickte er mir also den Film „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ und ich war hin und weg. Ich tauchte ein in Jess Francos Seele. Wie er unverschämt seiner Ehefrau Lina Romay zwischen die Beine zoomte, selber den heruntergekommenen Privatdetektiv Al Pereira (eine, ähnlich wie Dr. Orloff und viele andere, in Francos Werk immer wieder auftauchende Figur) spielte und das Ganze in einer Stimmung filmte, die weniger ein perfekter Film war (Francos Filme glänzen zwar häufig durch brillante Einfälle, glatt und „perfekt“ sind sie aber nie), als vielmehr die fieberhafte Idee eines Films.

So ist es bei Franco eigentlich immer. Oftmals hat man den Eindruck, nicht einen normalen Film zu sehen, sondern vielmehr die Nacherzählung eines Filmes, angereichert mit dem, was Jess darin gerne gesehen hätte, aber ursprünglich gar nicht da war. Diese „Fremdkörper“ sind es dann auch, die Jess‘ Filme so persönlich, so unverwechselbar machen. Es sind seine Fetische, die Folgen seines unstillbaren Voyeurismus und die Liebe zu den Themen, die ihn sein Leben lang begleitet haben – aber auch zu den Menschen, mit denen er immer wieder zusammenarbeitete und die wie seine Familie wirkten.

Bald schon merkte ich, dass man Jess von Film zu Film mehr liebte. Egal wie dumm oder schlecht einige seiner Filme waren, in ihnen spürte man (fast) immer den Mann hinter der Kamera. Seine Leidenschaft, seine Freude, seinen Enthusiasmus. Tim Lucas schrieb einmal „You can’t see one Franco film until you’ve seen them all“. Das ist zwar sehr überspitzt formuliert, aber trifft den Kern der Sache schon ganz gut. Jess Francos Welt ist ein großartiges Mosaik und jeder seiner Filme – auch die schlechtesten – sind die Steinchen dazu. Erst wenn man tief in die Welt des Jess Franco eingetaucht ist und so 20-30 seiner Filme gesehen hat, kann man diese erst so richtig verstehen. Mit jedem Franco-Film, den man sieht, wird das Bild klarer und der Blick in seine obsessive Seele (nicht umsonst hieß das große Buch, welches über ihn und seine Filme geschrieben wurde – und heute leider nicht mehr erhältlich ist – „Obsession“) deutlicher.

Jess Francos Filme kann man weniger über den Kopf verstehen, man muss sie sich erfühlen. Und ich fordere jeden auf, es zu wagen, die obskure, bizarre, erotische, manische Welt des Jesús Franco Manera zu betreten. Wer guten Herzens ist, der wird belohnt.

Weitere Nachrufe im Netz:

Tim Lucas auf „Video Watchdog“

Christian Keßler auf Facebook

Thomas Groh auf filmtagebuch

Spiegel Online

 

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Kommentar zur Fusion des Cinema Ostertor mit den Bremer Filmkunsttheatern

cinema1Während meiner fast zweiwöchigen Informationsabstinenz ist einiges passiert. Für viele meiner Leser sicherlich bereits ein alter Hut, möchte ich trotzdem etwas zu der Fusion des Cinema Ostertor mit dem Bremer Filmkunsttheater von Manfred Brocki schreiben. Nicht-Bremer kennen das Cinema Ostertor vielleicht aus dem Roman „Neue Vahr Süd“ von Sven Regener, wo es häufig erwähnt wird, da die WG des Protagonisten Herrn Lehmann, sich direkt über dem Kino befindet.

Ich muss sagen, dass mich diese Meldung sehr traurig gemacht hat. Das Cinema Ostertor war für mich immer weniger Programmkino (was es jetzt wohl werden wird), als vielmehr ein Alternatives Kino. Und zugleich das letzte wirklich unabhängige Kino in Bremen. Alle anderen gehören ja entweder zu Brockis Filmkunsttheater oder sind Teil einer Multiplex-Kette. Und das Kommunalkino City 46 hängt ja (leider) am Tropf der Stadt. Das Cinema Ostertor war in meinen Augen immer eine letzte Bastion der Cineasten vom alten Schlag. Wirft man einen Blick auf das Programm in den letzten Jahren, so unterscheidet es sich doch stark von dem, was andere Kinos zeigten. Das Kommunalkino einmal ausgenommen, aber dieses hat ja auch einen staatlichen Bildungsauftrag.

Beim Cinema Ostertor hatte ich immer das Gefühl, dass man die Ideologie pflegt, man könne mit Kino etwas verändern. Menschen aufrütteln und eine starke Meinung vertreten. Ich erinnere hier nur an das Balkan Film Festival oder die vielen Dokumentationen, die häufig auch von den Filmemachern präsentiert wurden. Allein letztes Jahr waren 25 Filmemacher zu Gast, um ihre Filme vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren. Leider ist der Zuspruch für derartige Veranstaltungen am Ende wohl am Ende so gering gewesen, dass sich der Aufwand nicht mehr lohnte.

Ich gebe gerne zu, dass mich das ziemlich enttäuscht, sich aber auch mit meinen eigenen Beobachtungen deckt. Es gibt in Bremen keine „Cineasten-Szene“. Also Gruppen, die sich treffen, um gemeinsam ins Kino zu gehen, über Filme zu diskutieren oder gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Film als mehr, als bloße Verstreuung und Zeitvertreib ansehen. Das habe ich in anderen Städten schon anders erlebt. Vielleicht sehe ich da auch zu schwarz. Aber wenn ich im Weser Kurier lese, dass Thomas Settje sagt, dass es als Kino mit einer Leinwand zur Zeit unglaublich schwierig ist, allein zu überstehen, und die Zielgruppe für Programmkinos nur klein ist, dann fühle ich mich leider doch bestätigt.

Das alternative, politische Profil ist schon bei der Gründung des Cinema Ostertor angelegt worden. Am 7. November 1969 gründete der, im letzten Jahr im Alter von 81 Jahren verstorbene, Gert Settje das Cinema zusammen mit Lore Bertuleit, Hero Burmeister, Manfred Lohrengel, Robert Franke, Konrad Huchting und Jürgen Behrends. Neben dem Cinema war Settje in den 60er Jahren auch Geschäftsführer der legendären “Lila Eule”. Dort zeigte er zusammen mit Olaf Dinné auch Filme, was quasi die Keimzelle des Cinemas darstellte.1973 gründete Gert Settje mit Reinhold Garske das Bremer Kommunalkino, das bis zu seinem Umzug nach Walle 1993 (ab da “Kino 46″, heute “City 46″) im Cinema beheimatet war. Zuletzt haben seine Kinder, Andrea und Thomas Settje, das Kino als Familienbetrieb weiter geführt.

cinema2Nach der Fusion mit Manfred Brockis Filmkunsttheatern wird Thomas Settje weiterhin das Kino leiten. Die Programmplanung wird allerdings von den Filmkunsttheatern übernommen. Trotzdem soll das Profil des Cinema auch weiterhin erhalten bleiben. Vor dem Hintergrund, dass es für Manfred Brocki, der nun fünf Leinwände in Bremen besitzt, einfacher ist, Verhandlungen mit Filmverleihern zu führen und attraktive Filme zu besseren Konditionen zu bekommen, macht diese Fusion durchaus Sinn. Trotzdem bin ich etwas traurig, denn mit dem Ende des Familienbetriebes stirbt wieder einmal ein Stück Bremer Kinokultur, und die Kinolandschaft wird um eine unabhängige Stimme ärmer.Und für den alten 35mm-Romantiker in mir ist auch die Nachricht, dass

die Fusion nur deshalb zustande kommen konnte, weil das Cinema Ostertor gerade ein digitales Abspielgerät installiert hat und damit der Austausch der Filme zwischen den Häusern erst möglich wurde, etwas betrüblich. Aber damit werde ich in der Zukunft wohl leben müssen. Zelluloid stirbt, Pixel herrschen.

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