Rezension: “Tron: Legacy”

Der erste „Tron“ war kein großer Erfolg als er 1982 in die Kinos kam. Aber er hatte Potential. Über die Jahre erwuchs dem Film eine große Fangemeinde, was vor allem an seiner, damals noch arg „fantastischen“ erscheinenden, Handlung (Menschen dringen in einen Computerwelt ein) lag, die später durch Cyberspace und Internet gar nicht mehr so fantastisch, sondern visionär wirkt, sowie seinem  revolutionären Design und Computereffekten.

Lange wurde über eine Fortsetzung oder ein Remake spekuliert. Nun ist es soweit: 28 Jahre nach seiner Uraufführung erhält „Tron“ ein Sequel. Und wie das Original verspricht auch das Sequel ein atemberaubendes visuelles Ereignis zu werden. In Bremen ist die Stadt mit Plakaten gepflastert, die für einen „IMAX“-Besuch werben, wo der Film mit speziell für „IMAX“-Kinos aufbereiteten, digital verbesserten 43 Filmminuten aufwarten kann. Dazu ist der Film in 3D und für den Soundtrack wurden die weltberühmten Soundtüftler „Daft Punk“ verpflichtet.

Mit anderen Worten: Die Werbung verspricht ein wahrhaft umwerfendes, bisher nicht gekanntes, richtungweisendes und sinnliches Erlebnis. Aber hält der Film auch sein Versprechen? Die Antwort lautet: Nicht wirklich.

Im Film geht es um den Sohn des Programmierers Kevin Flynn, der im ersten Teil in die Computerwelt eingetaucht war und zusammen mit Tron gegen das MCP (Master Control Program) gekämpft hat. Nun ist er seit fast 30 Jahren verschwunden. Ein Signal aus seiner alten Werkstatt bringt den jungen Sam Flynn auf seine Spur und nun wird auch dieser in die „Tron“-Welt gezogen. Dort herrscht mittlerweile Clu, ein digitales, junges Abbild seines Vaters, der die Welt zwischen den Bits und Bytes in ein totalitäres System verwandelt hat.

Den Film kann man auch verstehen, wenn man (wie ich) den ersten Teil nicht kennt. Zwar entgehen einem einige Querverweise, aber das ist nicht weiter schlimm. Aus dem Original wurden Jeff Bridges und Bruce Boxleitner (der aber nur eine winzige Rolle spielt) übernommen. Beide erhalten im Film ein jüngeres, computergeneriertes Ich, wobei das Bridges-Double weitaus näher am Original ist. Es ist schon erstaunlich, wie gut dies gelungen ist, auch wenn man nie vergessen kann, dass man nicht den echten Jeff Bridges, sondern nur ein digitales Spiegelbild vor Augen hat. Aber so ist ja auch die Rolle des Clu angelegt und es beruhigt doch einigermaßen, dass Schauspieler nicht ohne weiteres von CGI-Klonen übernommen werden können. Noch nicht.

Der Film ist, entgegen der Werbung, nicht 100% in 3D. Die Szenen in der realen Welt sind klassisches 2D.  Dies ist eine „bewusste künstlerische Entscheidung“, wie eine Texttafel zu Beginn aufklärt. Oder waren es doch Budget-Zwänge? Wie dem auch sei, auch in der 3D-Welt innerhalb des Computers sind die Effekte nicht gerade berauschend. Im Gegenteil, die 3D-Szenen wirken größtenteils flach, als würde man durch mehrere Fensterglasscheiben schauen, auf die jeweils eine Ebene des Bildes projiziert wird. Da war „Avatar“ doch ein weitaus beeindruckenderes optisches Erlebnis.

Was das Design des Filmes angeht, gibt es nichts zu Meckern. Die dort dargestellte virtuelle Welt ist zutiefst beeindruckend, finster und mit viel sinn für Stil in Szene gesetzt. Gleiches gilt auch für die Actionszenen. Hier weiß vor allem das „Mototrrad-Rennen“ zu gefallen. Unterlegt mit dem bombastischen, wummernden und mitreißendem „Daft Punk“-Sound, nehmen einen diese Szenen sofort mit auf eine Reise. Allerdings wirken diese Szenen wie ein überlanger Videoclip, den man auch völlig losgelöst vom Film genießen könnte. Der Film selber fällt immer wieder wie ein Soufflee in sich zusammen, sobald diese überästhetisierten „Clips“ vorbei sind und man sich wieder auf die Handlung konzentrieren soll.

Diese Handlung ist eigentlich sehr simpel, aber durch ein wenig Pseudo-Philosophie und Technikgequatsche völlig unnötig verkompliziert. Hier werden alle Szenen mit einer Lust nach Bedeutung aufgeladen, die sie einfach nicht einhalten. Sobald also der Film das Tempo raus nimmt und mehr sein möchte als bloß ein Videoclip, dann offenbart er seine eklatanten Schwächen. Allen voran der eigentlich großartige Jeff Bridges. Wollte ich ihm nach „Crazy Heart“ noch ein Denkmal bauen, hätte ich es spätestens hier wieder eingerissen. Den Kevin Flynn spielt er sichtbar auf Autopiloten und absolut unmotiviert. Er wandelt durch seine Szenen wie ein durchgeistigter Guru und wirkt wie eine Mischung aus Gandalf und Rainer Langhans. Erstaunlicherweise wirkt sein digitales Double demgegenüber weitaus lebendiger. Die restlichen Schauspieler stören zumindest nicht und die beiden Grazien Oliva Wilde und Beau Garrett sorgen für einen sehr angenehmen Blickfang.

Am Besten wäre es also, die besten Szenen aus „Tron: Legacy“ zu einem halbstündigen „Daft Punk“-Music-Clip zusammen zu schneiden, noch einmal ordentlich an den 3D-Effekten zu arbeiten und das dann auf das Publikum loszulassen. Das wäre sicherlich ein ziemlich überwältigendes Erlebnis, über das man noch lange spricht. So überwiegt doch leider die Langeweile.

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