Nachrufe: Maria Schneider, Lena Nyman und Tura Satana

Im Abstand von nur zwei Tagen starben gleich drei Schauspielerinnen, die gleich durch ihre ersten Hauptrollen zu Sexsymbolen ihrer Ära wurden: Maria Schneider, Lena Nyman und Tura Satana.

Maria Schneider (27.03.1952 - 03.02.2011)

Maria Schneider wurde durch Bernardo Bertoluccis „Der letzte Tango von Paris“ auf einen Schlag weltberühmt. In dem damals hochkontroversen (und heute eher harmlosen) Film spielte sie eine junge Frau, die sich in einem Pariser Apartment für vier Tage einem von Marlon Brando gespielten, Witwer hingibt, was letztendlich in einer Katastrophe endet. Dies tat sie vorzugsweise nackt. Zudem wartete der Film mit damals (für ein Hochglanz-Kunstfilm) sehr gewagten Szenen auf, bei denen z.B. ein Stück Butter eine wichtige Rolle spielt. Maria Schneider wollte aber nicht auf die hübsche Nackte festgelegt werden. Später wetterte sie heftig gegen Bertolucci und Brando, dass beide sie für diesen Film ausgenutzt und manipuliert hätten. Für ihre Filme nach dem „Letzten Tango“ weigerte sie sich, sich noch einmal vor der Kamera auszuziehen. Obwohl sie danach noch in Michelangelo Antonionis  wunderbaren „Beruf: Reporter“ oder in Jacques Rivettes „Merry-Go-Round“ mitspielte, blieben doch die großen Rollen und die große Karriere aus. Berühmt ist sie heute vor allem für ihre freizügige Rolle in dem Film, den sie am meisten hasste: „Der letzten Tango in Paris“. Sie starb mit 56 Jahren am 3.2. in Paris an Krebs.

Lena Nyman (23.05.1944 - 04.02.2011

Lena Nyman erinnert vom Aussehen her ein wenig an Maria Schneider. Beide waren etwas pummelig und pausbäckig. Wie Maria Schneider wurde sie mit ihrer freizügigsten Rolle berühmt. Sie spielte die Lena in Vilgot Sjömans Skandalfilmen „Ich bin neugierig – gelb“ und „Ich bin neugierig -blau“ die neugierige „Lena“, die nicht nur Sex mit einem verheirateten jungen Mann hat, sondern vor allem auch viele Frage nach der Politik und Gesellschaft stellt. die Sexszenen waren für damalige Verhältnisse schon recht explizit – so dass der Film in den USA als Pornographie eingestuft wurde -, aber der wahre Skandal waren Lenas scheinbar naive kritische Fragen. Nach dem Skandal um „Ich bin neugierig“ wurde Lena Naman eine der berühmtesten Theaterschauspielerinnen und Komödiantinnen Schwedens. 1978 spielte sie (kam erkennbar und absolut überzeugend) die behinderte Schwester von Liv Ullman in Ingamr Bergmans „Herbstsonate„. Sie starb am 4.2. nach langer Krankheit mit 66 Jahren in Stockholm.

Tura Satana (10.06.1935 - 04.02.2011)

Tura Satana ist ein ganz anderes Kaliber als die beiden vorgenannten Damen. Geboren 1935 in Japan als Tochter eine japanisch/indianisch-schottischen Paares. Mit 13 Jahren kam sie in die USA und arbeitete dort als Fotomodell (u.a. für Harold Lloyd!) und Burlesque-Tänzerin. Nach kleinen Statistenrollen im Film und Fernsehen kam ihre große Stunde 1964 als sie in Russ Meyers unvergleichlichen „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ (dt. „Die Satansweiber von Titfield“). Hier spielte sie die Anführerin eine gnadenlose Mädchenbande. Dieser Film sollte sie unsterblich machen (und bin meiner Jungessellen-Bude hinge über viele Jahre das Poster dieses Filmes). Danach war sie noch in Ted V. Mikels „Astro Zombies“ (auch so ein Kultfilm, aber eher von der Sorte „So schlecht, dass er schon wieder gut ist“) und „The Doll Squad“ zu sehen. Dann wurde es still um sie. Nach bewegenden Jahren mit vielen privaten Katastrophen (u.a. wurde sie von einem Ex-Liebhaber angeschossen!), tauchte sie 2002 in einer Fortsetzung von „Astro Zombies“ wieder auf.

Und hier im Andenken an Tura und speziell für Kai S., dem Inhaber der (leider vor einigen Jahren geschlossenen) Buchhandlung „Pegasos“ in der Feldstrasse, von dem ich weiß dass er ein riesiger Tura-Satana-Fan ist: Der großartige Trailer zu einem großartigen Film:

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