Filmbuch-Rezension: Guido Heldt, Tarek Krohn, Peter Moormann und Willem Strank (Hrsg.) „FilmMusik – Ennio Morricone“

Von , 31. Juli 2014 21:38

tukennioAls erstes Buch der neuen Reihe „FilmMusik“, die im Verlag edition text + kritik erscheint, ist eine Zusammenstellung mit Essays über die Arbeit Ennio Morricones herausgekommen. Wer sich hiervon ein biographisches Werk verspricht, wird enttäuscht sein. Die Reihe „FilmMusik“ versteht sich als „Podium für den Dialog zwischen Musik- und Filmwissenschaft und bietet Raum für analytische, ästhetische, historische oder soziologische Zugänge. Musik und Film meint nicht nur Filmmusik; das Verhältnis der beiden Künste ist nicht eines der Unterordnung der einen unter die andere, sondern eines der vielfältigen Durchdringung“. So steht es auf dem Klappentext der Veröffentlichung.

Die Herangehensweise, sich hier wirklich auf die Musik zu konzentrieren und diese wissenschaftlich zu analysieren, ohne dabei das Medium Film – für die sie geschrieben wurde – außer acht zu lassen, ist ebenso komplex, wie hochspannend. Dass hier ausschließlich Musikwissenschaftler beteiligt sind, merkt der Laie spätestens, wenn zur Verdeutlichung einzelner Thesen Auszüge aus Notenblätter abgedruckt werden. Dem steht der Filmfreund, der Musik zwar gerne konsumiert, sich allerdings nie mit Notenlehre oder dem theoretischen Hintergrund auseinandergesetzt hat, natürlich erst einmal etwas hilflos gegenüber. Allerdings mag dies den Lesefluss zwar hemmen und einen Teil der Thesen nicht in aller Gründlichkeit nachvollziehbar machen, aber die Texte bieten genug Gehalt, dass man auch so versteht, worum es geht.

Der Band beginnt mit einer Einführung von Sergio Miceli, Professor für Musikgeschichte und Filmmusikgeschichte in Florenz, in die Person Ennio Morricone, seinen Lebensweg und seine musikalische Laufbahn. Ein interessanter, sehr lesbarer und aufschlussreicher Text, der allerdings unter einem etwas ärgerlichen Manko leidet. Im Buch habe ich keinen Hinweis zur Übersetzung gefunden, somit ist es möglich, dass Professor Miceli seine Abhandlung selber auf Deutsch geschrieben hat. Sollte dem so sein, war es keine glückliche Entscheidung, denn oftmals bleibt die Grammatik der Sätze in der italienischen Konstruktion, oder es werden scheinbar direkt aus dem Italienischen übernommene Wortwendungen gebraucht, die für deutsche Ohren dann häufig etwas „schief“ oder „seltsam“ klingt, und den Leser doch arg irritiert.

Stefan Drees, Lehrbeauftragter für Musikwissenschaft an der Universität Essen, schreibt dann über die Zusammenarbeit zwischen Morricone und Sergio Leone, und darüber, wie Morricone alltägliche Geräusche in seine Arbeit einfließen lässt und diese beinahe unmerklich, aber mit große Effektivität, zu einer Art unsichtbarer Filmmusik modelliert. Ein sehr spannender Artikel, der viele neue Aspekte in Morricones Arbeit aufzeigt. Später befasst sich Tim Summers, Lecturer in Music am St. Cathrine’s College in Oxford, sehr eingehend mit der Frage: „C’era una volta il west – Eine Oper über den Tod?“, und stellt dem Film Beispiele aus Opern und deren Strukturen gegenüber. Auch ein interessantes Thema, aber bereits der zweite Beitrag in dem Buch, welcher auf die berühmteste Kollaboration Morricones, eben jener mit Leone, eingeht. Und wieder einer, der seine Western-Scores in den Vordergrund stellt. Generell fehlt es mit hier etwas an Bandbreite. Morricone hat wunderbare Musik für Giallos, französische Kriminalfilme und auch für Komödien geschrieben. Dies wird aber ebenso wenig untersucht, wie seine späteren Hollywood-Arbeiten. Auch fehlt mir ein Kapitel über seine Arbeiten im italienischen Pop- und Schlagerbereich.

Dafür wird eine andere, unbekanntere Seite Morricones, hier in ebenfalls zwei Kapiteln ausführlich analysiert. Denn Morricone hat schließlich auch über 100 Werke für den Konzertsaal geschrieben, die „sich als Auseinandersetzung mit den Tendenzen der zeitgenössischen Neuen Musik verstehen“. Eigentlich verstand sich Morricone nach Abschluss seines Kompositionsstudiums 1954 als Komponist der „musica d’avanguardia“. Seine Arbeit im U-Sektor diente lediglich dem Broterwerb und wurde von ihm zunächst schamhaft unter Pseudonym durchgeführt. Christiane Hausmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bach-Archiv Leipzig, widmet sich dieser – selbst seinen größten Fans häufig völlig unbekannten – wichtigen Seite in Morricones musikalischem Schaffen und Selbstverständnis. Franco Sciannameo, Professor der Filmmusikwissenschaft am College of Fine Arts der Carnigie Mellon University in Pittsburgh, wirft einen – nach eigenen Worten – „flüchtigen Blick“ auf Morricones Concerto per Orchestra von 1957. Tatsächlich geht er auf 21 Seiten sehr genau auf dieses und auch andere orchestrale Werke auf dieser Zeit ein. Natürlich auch mit vielen Notenbeispielen.

Neben Leone hat Morricone auch sehr eng mit Pier Paolo Passolini zusammengearbeitet. Fast immer mit höchst erstaunlichen Resultaten oder leise, aber prägnant im Hintergrund, wenn er für Passolini Werke anderer Komponisten aussuchte und arrangierte. Von dieser faszinierenden Zusammenarbeit berichtet Roberto Calabretto, Professor für Musik mit Schwerpunkt Filmmusik an der Universität Udine. Herzstück des Buches, und sehr lohnend, ist ein 14-seitiges Interview ist dem Maestro selber, welches 2011 von Robert Rabenalt und Ornella Calvano geführt wurde, und welches sehr erhellende Einblicke in das Wesen und Denken Morricones gibt. Und indirekt auch die Erklärung dafür liefert, weshalb Morricone eine zeit lang – mittlerweile ist er da ja zurückgerudert und hat alles zu einem Missverständnis erklärt – gar nicht gut auf Quentin Tarantino zu sprechen war, der ja ein von Morricone speziell für ihn geschriebenes Stück in „Django Unchained“ einfach an einer Stelle einsetzte, für die es gar nicht vorgesehen war. Liest man das Interview, dann weiß man, dass dies für Morricone mit das Schlimmste ist, was man ihm bzw. seiner Musik antun kann.

Guido Heldt, Tarek Krohn, Peter Moormann und Willem Strank (Hrsg.): FilmMusik – Ennio Morricone, edition text + kritik, 169 Seiten, Euro 27.00

Open-Air-Kino in Bremen 2014 – Vegesack

Von , 30. Juli 2014 21:22

Und auch in Vegesack findet in diesem (heißen) Sommer wieder Open-Air-Kino statt. Präsentiert vom Weser Kurier.

Vom 7. August  bis 10. August 2014 gibt es im Stadtgarten / Vegesacker Balkon wieder Kino. Erstmals präsentiert mit neuester, digitaler Ton- und Projektionstechnik auf einer 6,00 x 3,60 Meter großen Leinwand.

Gezeigt wird:

Do., 07.08. – European Outdoor Film Tour 13/14 – Extremsport-Videos

Fr., 08.08. –Fack ju Göhte – Der große Überraschungserfolg des letzten Jahres

Sa., 09.08. – Der Hobbit – Smaugs Einöde – Der zweite Teil des großen „Hobbit“-Zweiteilers von Peter Jackson. Das Prequel zu „Herr der Ringe“.

So., 10.08. – Gravity – Einer der schönsten SF-filme der letzten jahre. Sollte man allerdings unbedingt auch mal in 3D sehen, da hier diese Technik endlich mal ganz in den Diesnt der zu erzählenden Geschichte gestellt wird.

Einlass immer ab 20:00 Uhr, Beginn dann ab 21:00 Uhr

Eintrittspreise:

7,00 € Normalpreis

6,00 € für alle AboCard-Inhaber vom WESER-KURIER, Bremer Nachrichten und Verdener Nachrichten.

Aussnahme ist die European Outdoor Film Tour. Diese kostet 9,00 €  ohne Ermäßigung.

Originalfassungen in Bremen: 31.07.14 – 06.08.14

Von , 30. Juli 2014 21:16

So, wie man gemerkt hat, bin ich aus dem Urlaub zurück. D.h. für mich, jetzt auch wieder die regelmäßigen Rubriken mit Leben zu füllen. Los geht’s mit den Originalfassungen der kommenden Kinowoche. Interessanterweise ist nun auch das CineStar auf den Sneak-Preview-Zug aufgesprungen. Und – wie fast zu erwarten – auch wieder am Montag.

22, Jump Street – Cinemaxx, Do.-So., Di. immer 19:50 & CineStar, So., 03.08. um 20:00 – Fortsetzung der komödiantischen Spielfilmfassung der populären 80er-Jahre-TV-Serie. Mit Channing Tatum und Jonah Hill.

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Jersey Boys – Schauburg, So., 03.08. um 20:45 – Altmeister Clint Eastwood hat den Aufstieg der 60er-Pop-Gruppe „The Four Seasons“ aus New Jersey als Musical verfilmt.

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Monsieur Claude und seine Töchter – Schauburg, Mi., 06.08. um 19:00 – Französische Multikulti-Komödie um ein Paar, dessen vier Töchter alle Männer aus anderen Kulturkreisen heiraten.

Ein Augenblick Liebe – Atlantis, So., 03.08. um 20:00 – Französischer Liebesfilm um einen Mann, der glücklicher Familienvater und Ehemann ist und eine Frau, die sich geschworen hat, nichts mit verheirateten Männern anzufangen.

Der heilige Berg – City 46, Do., 31.07. um 20:00 – Surrealer Kultfilm von Alejandro Jodorwoski. Nuff said.

Moonrise Kingdom – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Wes Andersons Film führt in die 60er Jahre. Stargespickt mit Stars wie Bruce Willis, Edward Norton und Tilda Swinton wird die zarte Geschichte einer ersten Liebe gezeigt. Natürlich mit dem üblich skurrilen Wes-Anderson-Touch.

Mittsommernachtstango – City 46, Fr.-Mi. immer 20:00 – Dokumentarfilm über drei argentinische Tänzer auf ihrer Reise durch Finnland, wo ein wahres Tangofieber grassiert und die Finnen die Erfindung des Tanzes für sich reklamieren.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 04.08. um 19:50
Sneak Preview – CineStar, Mo., 04.08. um 20:00
Sneak Preview – Schauburg, Mo., 04.08. um 21:45

VoD-Rezension: „Die Muse“

Von , 29. Juli 2014 19:20

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Der Schriftsteller Fischer (Thomas Limpinsel) entführt die junge Katja (Henriette Müller) und sperrt sie in eine Gefängniszelle, die er im Keller seines Hauses installiert hat. Katja soll ihm als Inspiration für sein neues Buch dienen, von dem er der seinen endgültigen Durchbruch und unsterblichen Ruhm als bedeutender Autor erwartet. Obwohl Fischer immer wieder ruhig betont, dass er Katja nichts antun wolle, agiert er zusehends unberechenbarer…

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Die Österreicher und ihre Keller. Schaurige Geschichten, die einen sofort an den Fall Kampusch oder Fritzl denken lassen. „Die Muse“ wurde zwar in München gedreht und die Darsteller kommen aus Deutschland, aber der Regisseur und Drehbuchautor Christian Genzel lebt in Salzburg, wo er studiert hat und mit einer Arbeit über die Filme von John Carpenter abschloss. Die schreckliche Drastik dieser realen Geschichten erreicht sein Langfilmdebüt von 2011, „Die Muse“, zwar nicht – einen soliden Psychothriller hat er trotzdem geschaffen. Genzel inszeniert nicht nur Filme, sondern schreibt auch drüber. So ist er als freier Autor u.a. für die Salzburger Nachrichten, Mann beißt Film und seinen eigenen Blog „Wilsons Dachboden“, auf dem er auch häufig wunderbar obskure Filme, die in den 80ern in den unteren Videothekenregalen standen, bespricht. Das macht ihn sympathisch und es überrascht auch gleichzeitig, denn sein Thriller „Die Muse“ macht keinerlei Anstalten, diesen Werken in irgendeiner Weise Hommage zu zollen. Im Gegenteil. „Die Muse“ verzichtet fast gänzlich auf alle exploitiven Elemente und ist für sein Thema auch überaus züchtig. Zu keinem Zeitpunkt kommt es zu sexuellen Spannungen zwischen den beiden Protagonisten. Zwar wird kurz angedeutet, dass sich der Entführer auch mehr mit vorstellen könnte, doch dies wird weder verbalisiert, noch in die Handlung eingefügt.

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„Die Muse“ beginnt mit einer Montage, in welcher der Antagonist Fischer die Entführung der Katja vorbereitet. Dann ist man schon mitten drin in der Handlung. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Film chronologisch gedreht wurde. Bis auf die Szenen mit dem Dealer, der Fischer bedroht, bietet sich dies ja bei nur einem Schauplatz und zwei Darstellern an. Möglich ist es, denn der Film beginnt zunächst etwas rumpelig. Hier und dort werden unnötige Detailaufnahmen zwischen geschnitten, die den Fluss etwas hemmen. Die Dialoge klingen noch etwas hölzern und Hauptdarstellerin Henriette Müller deklamiert mehr, als dass sie spricht. Was aber auch an den etwas unglücklichen Sätzen liegen kann, die sie aufzusagen hat. Für den Entführer Fischer passen diese Worte mit ihrem pseudo-philosophischen Einschlag wie die Faust aufs Auge. Katjas Entgegnungen besitzen aber den selben Ton, was zu einer gerade frische Entführten, die keine Ahnung hat, was ihr Peiniger mit ihr vorhat, und die scheinbar auch aus einfachen Verhältnissen kommen soll, leider gar nicht passt. Gewöhnungsbedürftig ist auch einmal wieder der brillante HD-Look, der zwar glasklare Bilder liefert, aber eben keinerlei Tiefenschärfe und dadurch eben kein „Film-Feeling“ aufkommen lassen will. Dies ist aber ein Problem, welches so gut wie alle Low-Budget-Produktionen plagt.

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Bleibt man aber daran, wird man schnell belohnt. Genzel gelingt es, den Zuschauer langsam, aber sicher, in seinen Film hineinzuziehen. Die allzu betonte Aussprache seiner Hauptdarstellerin irritiert zwar weiterhin, aber man muss Henriette Müller eine starke physische Präsenz bescheinigen. So ist sie immer dann am Besten, wenn sie nicht sprechen, sondern einfach nur präsent sein muss. Dann sind es die kleinen Blicke, die Verbissenheit, mit der sie ihre kleinen Übungen durchzieht, und vor allem das Finale, in dem sie dann wirklich gefordert wird und zeigen kann, was in ihr steckt. Irgendwann fängt man an, sich wirklich für sie und ihr Schicksal zu interessieren. Dies ist dann der Moment, in dem es Genzel gelungen ist, den Zuschauer trotz einiger kleiner Schwächen an seinen Film zu fesseln. Das größte Pfund, mit dem „Die Muse“ wuchern kann, ist aber der Antagonist Fischer, der von einem brillanten Thomas Limpinsel verkörpert wird. Limpinsel hat ein beeindruckend sanfte, aber trotzdem kräftige Stimme, die er versteht eindrucksvoll einzusetzen. Sie hat auch einen hohen Wiedererkennungswert und ich frage mich, ob ich sie nicht schon bei Synchronarbeiten oder Hörspielen vernommen habe. Man nimmt ihm jederzeit den Psychopathen ab, der sich selber gar nicht als Bösewicht sieht, sondern vielmehr als Helden der Geschichte, und der scheinbar vernünftig und ruhig argumentiert, weshalb das, war er tut, eigentlich gar kein Unrecht ist.

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Der Essener Limpinsel mag kein berühmter Name sein, er ist allerdings seit Ende der 90er in zahlreichen TV-Serien und Filmen aktiv, wo er oftmals Nebenrollen übernahm. Auch in großen Kinoproduktionen wie „Der Untergang“ war er dabei, doch sein Hauptspielfeld scheint das Theater zu sein. Seine große Erfahrung merkt man hier jederzeit. Sein Fischer ist sympathisch, scheinbar rational und unheimlich zugleich. Unberechenbar und doch von einer tiefen Traurigkeit. Ein Feigling und Versager, ebenso wie ein durchtriebener, cleverer Täter. Sehr gelungen ist die Art und Weise, wie langsam das Bild dieses Mannes zusammengesetzt wird, kleine Hinweise hier und dort seine Lügen entlarven, und das Psychogramm eines getriebenen Verlierers der Leistungsgesellschaft offenlegen. Jemand, der ebenso „unwichtig“ und „vergessen“ ist, wie sein Opfer, und verzweifelt versucht seinem elenden Leben etwas Bedeutung zu geben, und sich über das eigene Mittelmaß zu erheben. Weil eben die Medien das Bild vermitteln, dass jeder erfolgreich ist. Selbst die sozial zurückgebliebenen. DSDS lässt grüßen. Der Weg zu Erfolg und Anerkennung ist natürlich sein „Werk“. Eine fixe Idee, mit dem er sein „Recht“ auf Ruhm, Geld und Unsterblichkeit einfordert.

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Fischer ist ein solch interessanter und lebensnaher Charakter, dass man einfach mehr von ihm sehen möchte und ihm fast schon die Daumen drückt, dass sein irrsinniger Plan gelingt. Und je mehr Fischer in seinen Bann zieht, umso sicherer, scheinen sich auch Regie und Kameraführung zu fühlen. War der Beginn noch recht statisch und von typischer Filmschuloptik geprägt, wird im Verlaufe des Filmes mehr gewagt. Es werden die ungewöhnlichen Einstellungen und Auflösungen gesucht. Auch die anfangs monierten Zwischenschnitten von Detailaufnahmen entfallen völlig. Der Film beginnt zu gleiten und eh man sich versieht, biegt er schon in die Zielgrade ein. Natürlich gäbe es noch Kleinigkeiten zu bekritteln. So sind einige Entwicklungen – wie die scheiternden Fluchtversuche Katjas – leicht vorhersehbar, und aus der Figur der Dealers hätte mehr gemacht werden können. Ebenso fehlt eine gewisse Garstigkeit und Schmutz. Solche Elemente werden zwar eingeführt – z.B. in den Szenen, in den Katja, wie einst Popeye Doyle in „French Connection II“, heroinabhängig gemacht wird– aber bei diesen Szenen hat man das Gefühl, es wird mit angezogener Handbremse gearbeitet, um nur niemanden zu sehr auf den Schlips zu treten. Auch das überraschend zur Sache gehende Finale, hätte trotz aller Gemeinheiten ruhig noch eine Schippe drauf vertragen können. Doch da man ganz nah an den Figuren ist und sich für sie und ihr Leben interessiert, funktioniert der Film.

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Trotz einiger verzeihlicher Schwächen gelingt Christian Genzel mit „Die Muse“ ein empfehlenswertes Filmdebüt, welches sich vor allem durch eine gute Figurenzeichnung und die großartigen schauspielerische Leistung Thomas Limpinsels auszeichnet.

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„Die Muse“ ist bei vimeo als Video on Demand erschienen und kann unter www.vimeo.com/ondemand/diemuse für € 2,99 angesehen oder für € 4,99 runter geladen werden. Die Bildqualität ist dabei – wie man auch an den Screenshots sehen kann – ausgesprochen gut. Extras gibt es bei dieser Veröffentlichungsform natürlich nicht. Wer möchte kann sich aber unter http://www.ghostlightproductions.de/muse/ einige Clips ansehen, z.B. mit einem Q&A nach der Premiere und ähnliches mehr. Ich bin sehr gespannt, ob diese Art des Vertriebes – der sich für junge, unabhängige Filmemacher ja anbietet – Erfolg hat. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen und möchte jedem ans Herz legen, die paar Euro in „Die Muse“ zu investieren, und ein vielversprechendes, neues Talent damit zu unterstützen.

Urlaub

Von , 12. Juli 2014 22:43

So, es ist wieder mal soweit. Ab in den Urlaub. Wie ich mich kenne, werde ich wohl ab und zu mal online gehen, aber wenn, dann nur „passiv“, nicht „aktiv“. Ein paar Filme habe ich im Gepäck, zu denen noch Reviews anstehen – mal gucken, ob ich dazu komme. Überhaupt – ich lasse einfach mal alles ohne Stress und Zwang auf mich zukommen, und hoffe  auf eine schöne Zeit mit der Familie.

Ab dem 30. Juli bin ich wieder für Euch da.

 

NATIONAL-LAMPOONS-VACATION

Vorstellung: „35mm – Das Retro-Film-Magazin“

Von , 10. Juli 2014 23:18

Überall wird vom Tod des Gedruckten geschrieben. Die mediale Zukunft läge nicht im Print, sondern im digitalen Bereich. Und obwohl dieser Ausblick sicherlich nicht ganz falsch ist, so sind es doch vor allem die Nischen, die immer wieder einen anderen Weg gehen und den Mut aufbringen, auf dem umkämpften, sicherlich nicht einfachen und so oft für tot erklärten Zeitschriftenmarkt, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Sicherlich funktioniert dies vor allem dort, wo die Leserschaft sowieso schon einen ausprägten Sinn zum Sammeln und eine Vorliebe für physisch greifbare Dinge besitzen. Womit man bei Filmfreunden ist, die es lieben, sich ihre Lieblingsfilme in besonders schönen Veröffentlichungen auch mehr als einmal zu kaufen oder ihre DVD-Sammlung – einer gut sortierten Bibliothek gleich – in überbordenden Regalen zu präsentieren. Die vielleicht nicht einmal davor zurückschrecken, über Versteigerungsplattformen 35mm-Kopien zu erwerben, ohne ein eigenes kleines Kino im Keller zu haben. Ich will hier auch gar nicht die Diskussion anstoßen, ob man bei solch einem Verhalten nun Form über Inhalt stellt. Ich bin (zum Leidwesen meiner Frau) selber leidenschaftlicher Sammler, fühle mich damit sehr wohl und könnte daher an dieser Stelle auch gar nicht objektiv sein.

Zum Wesen des sammelfreudigen Filmliebhabers gehört es auch, dass er häufig Filmmagazine liebt, die er in die Hand nehmen und nach dem Durchlesen in sein Archiv mit Filmliteratur einsortiere kann. So ist es wahrscheinlich zu erklären, dass gerade in diesem Bereich die gedruckte Zeitschrift – nach dem Tod solch großartiger Magazine wie „Steadycam“ und „schnitt“ – gerade wieder eine kleine Renaissance erfährt. Die „Deadline“ und deren Konkurrent „Virus“ sind bereits fest im Bahnhofsbuchhandel etabliert. Dort findet man – zumindest in Hamburg – auch die wunderbare „SigiGötzEntertainment“, die ich allerdings weniger als Filmzeitschrift, sondern – mangels eines besseren Wortes – augenzwinkernd als „Lifestylemagazin“ bezeichnen würde. Wer die SGE kennt, wird verstehen, wie ich das meine. Aus dem südöstlichen Niedersachsen kommt das Ein-Mann-Unternehmen „Der Zombie“, welches sich liebevoll um Genre-Klassiker vor allem aus den 80er Jahren kümmert und sogar die „Splatting Image“ scheint – nach einem desaströsen „PDF-Only“-Versuch – ein Print-Comeback zu planen.

Mit „35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin“ ist nun ein weiteres Filmmagazin auf dem Markt erschienen, welches sich auf die Filmgeschichte bis zum Jahre 1965 spezialisiert hat. Diese Grenze wurde ganz bewusst gezogen, da nach Meinung der Herausgeber, das alte Hollywood und der klassische Film keine allzu große Lobby mehr hat. Durch „35 Millimeter“ soll diese spannende Ära wieder ins Bewusstsein der Filmfans gerufen und neugierig gemacht werden. Dem kann man jetzt entgegen stellen, dass Filminteressierte natürlich auch die Filmgeschichte kennen und keine Scheuklappen bezüglich des Alters eines Filmes tragen. Andererseits habe ich selber schon oft erlebt, dass selbst bei aufgeschlossenen Filmfreunden, die die Filmgeschichte ab den 60ern auf und ab kennen, sich bezüglich der vorangegangene Jahrzehnte gewaltige Lücken auftun, sie spätestens mit den Stummfilmen nichts mehr anzufangen wissen, und sich – was ich noch viel schlimmer finde – dafür auch gar nicht interessieren. Von daher ist ein Magazin wie „35 Millimeter“ beinahe schon überfällig, welches die Filmgeschichte vor 1965 gefällig und auch optisch ansprechend aufbereitet. Eingehende Analysen, wie in den zuvor erwähnten „Steadycam“, „Schnitt“ oder „Splatting Image“, sollte man allerdings nicht erwarten. Für „Profis“ bietet „35 Millimeter“ eine nette, gute gemachte Anregung, mal wieder das eine oder andere Thema zu vertiefen. Große Überraschungen und bahnbrechend neue Erkenntnisse bieten sich dem alten Hasen bisher zumeist nicht. Was aber die generelle Leistung des Magazins nicht schmälern soll.

Titelstory der mittlerweile dritten Ausgabe ist ein Überblick über den Zombiefilm. Das passt, sind doch Zombies gerade wieder groß in Motto. Allerdings die Sorte, die von George A. Romeros „Dead“-Trilogie inspiriert wurden. Der Artikel von Barbara Scherer setzt allerdings vorher an und erzählt die Geschichte der Film-Zombies vor „Night of the living Dead“ beginnend mit den Vorläufern des „Untoten“-Films, wie Mélièrs „Le Monstre“ von 1902 und „Das Cabinett des Dr. Caligari“. Weiter geht es über den Haitianische Zombie bis hin zu „Nächte des Grauens“ von den Hammer Studios. Der gut geschriebene Artikel bietet einen gute Übersicht über das Genre vor 1968, geht auch kurz auf die Voodoo-Kultur ein und lässt natürlich auch die aktuelle Zombie-Welle nicht ganz unerwähnt. Eine Übersicht über die Verfügbarkeit der vorgestellten Filme gibt es auch, seltsamerweise aber nicht direkt hinter dem Artikel, sondern ein paar Seiten weiter. Zwei spannende Interviews werden mit Alexandra Nagel und mit Rüdiger Suchsland geführt. Frau Nagel kommentiert sozusagen einen sehr interessanten Rundgang durch das Filmmuseum in Frankfurt und erzählt etwas über die Hintergründe. Rüdiger Suchsland wird von Simon Hauck über die „Caligari“-Restauration und seinen Dokumentarfilm „.Caligari – Wie der Horror ins Kino kam“ befragt, was zu spannenden Antworten führt.

Die Reihe über Screwball-Comedies von Sabine Tews geht in die dritte Runde. Diesmal wird der Regisseur Howard Hawks und seine dem Genre zugehörigen Filme vorgestellt und kurz kommentiert. Jennifer Arp schreibt eine Einführung in die (scheinbar nur amerikanischen) Musikfilme der 40er und 50er Jahre, woraus in den nächsten Ausgaben eine längere Reihe wird. Manfred Steffens verliert einige Worte über den 54’er „Godzilla“ und seine Folgen. Marc Schaumburg-Ingwersen stellt auf zwei Seiten den großen Max Ophüls vor und Simon Kyprianou hat einen Nachruf auf Alain Resnais verfasst.

Abgerundet wird das Heft von fünf Seiten knapperer DVD-Reviews und einem etwas längeren Artikel über die gerade bei Arthaus erschienenen „Ingmar Bergman Edition 3“. Den „Rausschmeißer“ bildet eine kurze Vorstellung eines „Vergessenen Films“. Dass dies Melvilles „Drei Uhr Nachts“ ist, finde ich etwas verwirrend, da ich diesen Film mitnichten als „vergessen“ kategorisieren würde.

Das Magazin ist ansprechend gemacht und wartet mit einem guten und reichlichen Bildmaterial auf. Obwohl professionell gemacht und auf wertigem Papier gedruckt, umweht das Ganze noch ein Hauch von Fanzine, was ich sehr sympathisch finde. Als Gimmick liegt eine Sammelkarte dabei, wie man sie ganz früher aus der „Cinema“ kannte. Vorne mit Portrait und hinten mit ein paar biographischen Notizen. Diesmal ist es eine Karte mit Frances Dee, der Hauptdarstellerin aus „Ich folgte einem Zombie“. Das ist dann auch gleich etwas für die oben erwähnten Filmfans mit leidenschaftlichem Sammeltrieb.

Leider kann man das Heft (noch?) nicht im stationären Buch- und Zeitschriftenhandel kaufen, sondern nur online unter http://35mm-retrofilmmagazin.de/shop/ Der Preis von € 3,50 geht völlig in Ordnung. Allerdings kommt dann noch eine Portopauschale (unabhängig von der Anzahl der bestellten Hefte) von insgesamt € 2,00 dazu.

DVD-Rezension: „Sugar Hill“

Von , 9. Juli 2014 21:14

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Die Brüder Roemello (Wesley Snipes) und Raynathan Skuggs (Michael Wright) arbeiten für den italienischen Mafiosi Gus Molino (Abe Vigoda) zusammen, und haben es als Drogenhändler in ihrem Viertel Sugar Hill zu Geld, Macht und Ansehen gebracht. Doch Roemello möchte aussteigen und mit der attraktiven Melissa (Theresa Randle) ein neues Leben beginnen. Sein Bruder will ihn allerdings nicht gehen lassen und ihr Konkurrenten Lolly (Ernie Hudson) versucht mit Gewalt und Tücke ihr Gebiet an sich zu reißen. Roemello versucht vor seinem Verschwinden noch all seine Angelegenheiten zu regeln. Dabei gerät er aber nur noch tiefer hinein in den Sumpf…

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Das Cover des Filmes „Sugar Hill“ zeigt einen jungen Wesley Snipes, leicht von unten gezeichnet mit einem skeptisch-arroganten Blick, der sagt: „Mach mich dumm an und wirst es bereuen“. Irgendwie erinnert es an dePalmas „Scarface“ und tatsächlich wird auch hier der Lebensweg eines Gangsters nachgezeichnet. Doch Regisseur Leon Ichaso beginnt nicht ganz unten und zeichnet den in Amerika ungemein populären Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär nach. Nein, Roemello Skuggs ist schon oben angekommen. Nicht ganz oben, denn letztendlich arbeitet er für einen Unterboss der Mafia, aber er hat die Kontrolle über sein Viertel. Und er weiß auch, dass es für ihn, dem schwarzen Kind aus Sugar Hill, ohne sehr viel Blutvergießen auch nicht mehr höher geht. Roemello ist sehr klug, taktisch gewieft und er weiß, dass er ein Leben führt, welches im Grunde nicht zu ihm passt. Er hätte ein Stipendium bekommen können, entschied sich aber dafür, seinen Vater – der es vielleicht gar nicht verdient hat – zu rächen. Nun befindet sich Roemello an einem Punkt, an dem es nur zwei Wege gibt. Raus oder für immer drin bleiben.

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Roemello will raus. Dass als Antrieb dazu eine Frau herhalten muss, ist klischeehaft, aber es wird immer wieder angedeutet, dass Romellos Entscheidung schon viel eher gefallen war und er nur noch nach einem Anlass suchte, um Ernst zu machen. Dies sind die Stärken des Filmes: Ein ausgezeichnetes Drehbuch, das glaubwürdige und interessante Figuren schafft, und exzellente Schauspieler, die diese mit Leben füllen. Romelloes Bruder Raynathan wird von dem schlaksigen, rattengesichtigen Michael Wright gespielt. Raynathan weiß, dass ihm sein Bruder intellektuell weit überlegen ist, und er weiß auch, dass er selber nie aus dem Milieu hinaus könnte. Er kennt nichts anderes und in der Welt draußen wäre er ein Alien. Die Schuld an allem gibt er seinem Vater, der nichts gegen den Drogentod der Mutter unternahm und selber süchtig ist. Der durch einen misslungen Betrugsversuch am Mafiaboss unfreiwillig dafür sorgte, dass den Kindern nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater genommen wurde. Die kriminelle Gemeinschaft war dann die Einzige, die Kinder daraufhin aufnahmen. Dies spart der Film interessanterweise aus. In schwarzweißen Rückblenden erlebt man die Kindheit der beiden Brüder bis zu dem Zeitpunkt, als ihr Vater auf dem Dach ihres Wohnhauses brutal zum Krüppel geschossen wird. Wie sie dann an die Mafia gerieten und ihren Weg durch deren Hierarchie antraten, bleibt eine Leerstelle, die aber für den Film nicht weiter wichtig ist. Was zählt ist, dass die beide Brüder nun oben stehen und es nur für einen von Beiden die Möglichkeit gibt, diesem Leben den Rücken zu kehren.

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Der Vater, A.R., wird von Clarence Williams III in einer oscarreifen Darstellung verkörpert. Die Vaterfigur ist das emotionale Zentrum des Filmes. Ein Mann, der lieben will und an seiner eigenen Unfähigkeit, ein guter Vater zu sein, zerbricht. Er ist ein Spiegel seines Sohnes Raynathan, welcher ihn leidenschaftlich hasst. Doch in seinem Inneren spürt Raynathan ein riesengroßer Schmerz. Er sehnt sich danach, eine Familie zu haben, in der er sich geborgen fühlt. Er möchte einen Vater haben und vermisst seine Mutter. Und A.R. verkörpert für ihn die Person, die ihm beides nahm. So kann er nicht über seinen Schatten springen und die Hand zur Versöhnung reichen. Ebenso wenig kann A.R. sich selber verzeihen. Er bekommt seine Sucht nicht unter Kontrolle und weiß, dass er es war, der seine Familie zerstört und seine Söhne zu Kriminellen gemacht hat. Dabei wollte der ehemalige Musiker doch eigentlich nur das Beste für seine Familie. In der Szene, in der Raynathan seinem Vater eine Überdosis verschafft und ihm dann beim Sterben zusieht, ist enorm intensiv und von Wright und Williams an der Grenze des Erträglichen gespielt.

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In den Nebenrollen sind bekannte Gesichter zu sehen. Abe Vigoda spielt wie so oft einen Mafia-Gangster. Hier jedoch mit so viel Melancholie und Schmerz im Blick, dass dies seinen Gus Molino von den Klischee-Killern, die er sonst verkörpert, deutlich abhebt. Weitaus ungewöhnlicher ist da schon die Besetzung des lustigen „Ghostbusters“ Ernie Hudson als ehemaliger Boxer und Roemellos Konkurrent Lolly. Und er macht seine Sache sehr gut, strahlt hinter seinem Haifischgrinsen große Gefährlichkeit und Arroganz aus. Ein Mann, den man liebt zu hassen. Warhol-Muse, Rolling-Stones-Plattencover-Model und Italo-Genre-Star Joe Dallessandro schaut auch kurz vorbei, hat aber keine große Rolle und ist vor allem mit seinem blonden Fassonschnitt kaum zu erkennen. Theresa Randle ist die Geliebte Roemellos, für die er Sugar Hill verlassen möchte. Eine schnippische, selbstbewusste Frau, die weiß was sie will und vor allem nicht will. Eine Frau, die sich in Roemellos Männerwelt durchaus behaupten kann. Umso unverständlicher eine im Grunde überflüssige Szene, in der sie sich nach einem heißen Flirt von einem Sadisten erniedrigen lässt. Obwohl sie diesem dann wortwörtlich zeigt, wo der Hammer hängt, wird diese Szene ihrem starken Charakter nicht unbedingt gerecht. Wer aufmerksam zuschaut kann auch einen sehr jungen Donald Faison, aus der Erfolgsserie „Scrubs“ in einer sehr frühen Rolle erblicken.

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Wer bei „Sugar Hill“ auf dynamische Action-Szenen wartet, wird enttäuscht werden. Der Film rollt gemächlich vor sich hin. Selbst die wenigen Ausbrüche von Gewalt sind unspektakulär und realistisch gefilmt. Alles befindet sich in einem melancholischen Fluss, bei dem man spürt, dass eigentlich niemand wirklich daran glaubt, dass es aus Sugar Hill einen Ausweg gibt. Unterstützt wird dies durch einen wehmütigen Jazz-Score, der durch ein für die frühen 90er typischen, sehnsüchtigen Saxophon getragen wird. Auch Roemello macht trotz seiner zur Schau gestellten Zuversicht, nie wirklich den Eindruck, er würde an ein neues Leben jenseits der Kriminalität und der Gewalt glauben. Umso merkwürdiger ist hier das angeklatscht wirkende Ende, welches sich zwar ein Schlupfloch lässt, um den Film nicht vollends zu verraten, aber trotzdem nicht zu der konsequent finsteren Geschichte passen mag. Ein weiterer Schwachpunkt ist die Gestaltung des Filmes, der zwar (fast schon zu) schöne Bilder findet, aber nie den Eindruck eines großen Kinofilms hinterlässt, sondern eher den einer ambitionierte TV-Episode. Zwar passt das kleine Format zu der kleinen Geschichte, man hätte sich aber trotzdem eine ausdrucksvollere, dunklerer Inszenierung gewünscht.

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„Sugar Hill“ lebt vor allem von seinem exzellenten Drehbuch und den glaubwürdige Figuren, die von ausgezeichneten Schauspielern zum Leben erweckt werden. Den gemächlich Gangsterfilm durchzieht eine greifbare Melancholie. Kleinere Abstriche muss man bei der Gestaltung des Filmes machen, die ihn eher wie einen TV-Film wirken lässt, und beim ambivalenten Ende, welches wie nachträglich angeklatscht wirkt.

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„Sugar Hill“ ist die erste Veröffentlichung der neuen „Cine Selection“-Reihe des sympathischen Labels filmArt, welches den Filmfreunden schon so manche fast vergessene Perle zugänglich gemacht hat. Und diese ist wieder recht gelungen. Zwar muss man auf Extras – bis auf einen Trailer – leider vollständig verzichten, dafür wird man aber mit einem sehr informativen und umfangreichen Booklet von Oliver Nöding entschädigt. Das Bild der DVD ist gut und der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor. Deutsche Untertitel sind auch dabei.

DVD-Rezension: „Die Stewardessen“

Von , 8. Juli 2014 20:45

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Der Film folgt vier Stewardessen bei ihren Abenteuern in den Hauptstädten Europas. Stewardess Jenny (Margit Siegel) lässt sich erst von einem älteren Herren in dessen Hotelzimmer locken. Als dieser aber vor einem möglichen Abenteuer einschläft, sucht sie sich einen hübschen, jungen Mann und zieht mit diesem durch Zürich. Frances (Ursula Marty) verführt in Rom ihren Chefpiloten. Evelyn (Evelyne Traeger) lernt in Kopenhagen einen Bodybuilder und seine WG kennen. Und eine weitere Stewardess (Kathrin Heberle) verlebt einen aufregenden Tag mit einem Hippie-Studenten in München.

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Nachdem der Film „Die Stewardessen“ bereits in der „Ingrid Steeger Collection“ erschienen ist, bringt Ascot Elite nun eine „New Ingrid Steeger Collection“ auf den Markt. Remastered und mit Bonusmaterial versehen. Nun, dies macht den Film selber zwar nicht besser, mag für Ingrid Steeger- und Erwin-C.-Dietrich-Fans einen weiteren Kaufanreiz bieten. Wobei man nicht unbedingt von einem „Ingrid-Steeger-Film“ sprechen sollte, da die sympathische Blondie hier nur eine winzige Rolle hat, erst nach 42 Minuten auftaucht und recht bald wieder verschwindet. Immerhin kehrt sie für eine charmante Schlusspointe zurück, von der später noch die Rede sein soll.

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Trotz seiner nur 81 Minuten Laufzeit, fühlt sich „Die Stewardessen“ sehr viel länger an. Was daran liegt, dass beinah die Hälfte der relativ kurzen Spielzeit aus Sightseeing-Aufnahmen besteht, in denen diverse Stewardessen in den Hauptstädten Europas lustwandeln. Vorab gibt es noch den Hinweis, dass es sich bei „Die Stewardessen“ um keinen Reportfilm (ein bewusster Seitenhieb auf Dietrichs Konkurrenten Wolf C. Hartwig und seine „Schulmädchen“?) handeln würde, und Stewardessen sich im wahren Leben natürlich niemals so verhalten würden. Dann geht der Film schon in medias res und eine Stewardess beglückt den Flugkapitän. Weiter geht’s in Zürich, wo ein Passagier vorgibt ein reicher Industrieller zu sein, um so die Stewardess Jenny, gespielt von Margit Siegel, auf ein Schäferstündchen in sein Hotel zu locken. In einer der wenigen wirklich gelungen Szenen des Filmes, stellt er sich vor, wie sich der Akt mit der rothaarigen Schönheit gestalten möge – und schläft dabei selig ein. Jenny versucht daraufhin den Zimmerservice zu verführen, was misslingt, da dieser als Gastarbeiter kein Risiko eingehen will (Hauch einer Kritik an dem Schweizer Umgang mit Fremden? Da Dietrich selber Schweizer ist, möchte man es ihm gerne zugute halten), woraufhin sie am Pool einen jungen Mann aufreißt. Mit diesem bummelt sie durch Zürich, was dem Film die Gelegenheit gibt die touristischen Attraktionen zu zeigen, und landet schließlich mit ihm im Bett. Ende der ersten Geschichte.

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Die zweite Episode gestaltet sich noch langweiliger. Frances wandert mit einem Piloten durch Rom. Und da Rom mehr Attraktionen vorzuweisen hat als Zürich, dauert es auch sehr viel länger, bis Frances mit ihrem Piloten zur Sache kommt. Bemerkenswert ist hier nur, dass besagter Pilot von Arne Elsholz gesprochen wird, der zu einem der bekanntesten Synchrosprecher (Tom Hanks, Bill Murray) und wichtigsten Synchronregisseure Deutschlands wurde. Überhaupt haben die Synchronsprecher hier mal wieder mehr zu sagen als die Darsteller. Bei Dietrich wurde immer ohne Ton gedreht und die Dialoge erst im Nachhinein hinzu gefügt. So wird die Tonspur fleißig mit inneren Monologen vollgequatscht, und wenn man den Mund der Darsteller nicht sieht, munter drauflos palavert. Leider ist das Synchonskript nicht besonders originell und bald schon nerven die teilweise recht unzusammenhängenden, sprunghaften, immer – ha ha – hübsch doppeltdeutigen Bandwurmsätze. Auch Jenny taucht wieder auf und dreht eine „Schwuchtel“ um. Dies ist ebenso verklemmt konservativ (frei nach dem dämlichen Motto: „Bei den Schwulen muss nur die Richtige kommen und dann werden die wieder normal“), wie das Ende der Episode, die mit Hochzeitsglocken endet.

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Danach fliegt Stewardess Evelyn nach Kopenhagen, wo sie für Frances einen Koffer abholen soll. Sie kommt dabei in eine WG und lernt einen Bodybuilder kennen, der gerne seine Muskeln zeigt. Und auch Ingrid Steeger tritt endlich auf und darf sich in der ersten Einstellung gleich die prallen Brüste einseifen lassen. Viel zu tun hat sie nicht. Sie sitzt oder steht neben oder auf ihrem Freund und gibt eine hübsche Dekoration ab. Evelyn lernt die Sexshops in Kopenhagen kennen (was immerhin historischen Wert hat und den netten Gag erlaubt, die Verkäuferin dort oben ohne zu zeigen, als wäre es das Normalste von der Welt) und schaut sich mit ihren neuen Freunden einen Pornofilm an, den sie langweilig findet. Schön, wie Dietrich in diese Episode echte Pornographie schmuggelt. Denn weder bei den Magazinen, die Evelyn durchblättert, noch bei besagtem Film schaut die Kamera schamvoll zur Seite, sondern es wird alles eingefangen, was es da zu sehen gibt. Das – zusammen mit den üblichen Urlaubsaufnahmen – war es dann auch schon wieder.

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Die letzte Episode spielt in München, wo sich eine namenlose Stewardess (Kathrin Heberle, die stark an eine junge Barbara Schöneberger erinnert) auf dem Oktoberfest vergnügt. Dort lernt sie einen Westentaschenrevoluzzer kennen, der genau so aussieht, wie sich Klein-Fritzchen das vorstellt. Dieser eher finster und lustfeindlich aussehende Typ, gibt dann ständig kryptische Sätze von sich, die klingen, wie in einem Godard-Film aufgeschnappt und dann falsch wiedergeben. Aber – Überraschung – auch die politisch engagierten Hippies haben eine andere Seite, und so findet sich unsere Stewardess beim Gruppensex und einem nackten Sitar-Spieler wieder. Happy End.

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Nein, noch nicht ganz, denn der Film vollführt noch eine recht gelungene, selbstreflexive Wendung. Denn nun gibt der Film – beinahe wie „Im Augenblick der Angst“ – den Blick auf das Kinopublikum frei. In einem billigen Sexkino sitzen einige Herren, die sich gerade eben „Die Stewardessen“ angesehenen haben. Einen erkennt man als Andreas Mannkopff, der in einigen Dietrich-Produktionen als Schauspieler dabei war (am prominentesten in Francos „Jack, the Ripper“) und ansonsten für seine Synchronarbeiten (u.a. ist er die deutsche Stimme von Benny Hill) bekannt ist. Dieser von ihm gespielte Zuschauer ist noch ganz in dem Film gefangen, den er/wir gerade gesehen haben. Als er sich auf der Straße eine Zigarette anzündet, wird ihm von einer hübschen Frau in Stewardessen-Uniform Feuer gegeben. Perplex hält er sie für einen Traum – was nicht abwegig ist, wird sie doch von Ingrid Steeger gespielt, die man/er ja eben noch auf der Leinwand bewundern durfte. Sie widerspricht dem vehement und er folgt ihr und in ein Treppenhaus, wo sie sich sogleich ihrer Kleidung entledigt und die am Anfang des Filmes (eine schöne Klammer) aufgestellte These, Stewardessen würde so etwas nicht tun, widerlegt. Doch, hach, das habt ihr Euch so gedacht, was? Klar ist das Unsinn, wie alles was im Film geschah. Film ist eben doch nur eine Traumwelt und die Wirklichkeit sieht dann eben doch aus wie ein alter Mann im grauen Anzug, der einen beschimpft.

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„Die Stewardessen“ besteht aus einer dünnen Episodenhandlung und leider viel zu vielen Urlaubsaufnahmen aus Europas Metropolen. Immerhin werden einige nette Ideen und eine selbstreflexive Pointe eingebaut, ansonsten fließt es ziemlich zäh. Obwohl in der „New Ingrid Steeger Collection“ erschienen, hat der Star hier doch nur einen kurzen Auftritt als Nebendarstellerin.

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Die DVD die in der Reihe „The New Ingrid Steeger Collection“ (nach „The Ingrid Steeger Collection“ und „The Ingrid Steeger Gold Collection“ nun schon der dritte Wurf) erschienen. Laut Cover wurde der Film neu von einer 35mm-Negativ in HD abgetastet. Das Bild kann sich auch sehen lassen. Es wirkt zwar etwas blass, aber ist ja bei den Filme aus der Dietrich-Produktion bisher immer so gewesen. Ich vermute einmal, viel besser hat er bei seiner Kinovorführung 1971 auch nicht ausgesehen. Der Ton liegt in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch vor, es gibt aber keine Untertitel. Als Extra beinhaltet die DVD die 25-minütige Doku „Andreas Mannkopff: Von Groupies und Stewardessen“, in der Andreas Mannkopff von seinen Erfahrungen als Schauspieler und vor allem Synchronsprecher in dieser und anderen Erwin C. Dietrich-Produktionen erzählt. Zusätzlich schauen auch Arne Elsholz und Kameramann Karl Baumgartner vorbei. Das Ganze ist sehr unterhaltsam und informativ. Im Gegensatz zu den bisherigen Veröffentlichungen wurde das Original-Filmplakat gegen einen alternativen Entwurf ausgetauscht. Dieser ist in seiner wunderbaren Doppeldeutigkeit sehr schön gelungen. Dafür muss man auf den einmaligen Werbespruch „Sie fliegen durch die Lüfte – Vögeln gleich“ auf dem Cover verzichten, dieser ist nun auf die Rückseite der DVD-Hülle (mit Wendecover) gewandert.

Das Bloggen der Anderen (07-07-14)

Von , 7. Juli 2014 22:10

bartonfink_type2– Sano Cestnik schreibt auf Eskalierende Träume eine Liebeserklärung an den Film „Schleppzug M17“, den Heinrich George und Werner Hochbaum 1933 in Szene setzten. Sano: „Vor allem aber weht ein Hauch von Jess Franco durch das deutsche Kino der 30er, ein Hauch von Freiheit, Faulheit, Lust, diese ganz eigene Mischung aus Ambition und Sorglosigkeit, Besessenheit und Entspannung, Fürsorge und Vernachlässigung. Der Film als Rumpelkammer, als Material, in dem lange gewühlt worden ist und in dem man sich bereitwillig ausgebreitet hat.“

– Marian Wilhelm war auf den Edinburgh Film Festival und berichtet darüber als Gastautor auf filmosophie.

– Das Ernst Hofbauer mehr konnte als man bei seinen späten Schulmädchen-Report-Filmen vermuten sollte, dürfte dem einen oder anderen bekannt sein. Wer es noch nicht wusste, der möge sich Udo Rotenbergs Besprechung des frühen Hofbauer-Films „Schwarzer Markt der Liebe“ durchlesen, den er auf Grün ist die Heide veröffentlicht hat.

– Die großartige Interview-Reihe „Reden über Schreiben über Filme“ auf Hard Sensations erhält mit dem 9. Eintrag eine neue Facette. Nachdem Oliver Nöding die Ehre hatte, den ersten Teil als Befragter zu bestreiten, hat nun selber einen Blogger befragt. Und zwar den Amerikaner „Outlaw Vern“, der den (mir vorher völlig unbekannten) Blog „Then fuck you, Jack: The Life and Art of Vern“ betreibt.  Andreas Poletz schreibt über den Film „Ouanga“ von 1933, der nicht nur einer der ersten Filme mit einer Liebesgeschichte zwischen Schwarz und Weiß war, sondern auch mit Zombies aufwartet.  Und eine neue Autorin auf Hard Sensations, namens Patricia Donassy-Derek, hat einen sehr langen Aufsatz über den (eigentlich von diversen Gorehounds schon zu Tode gerittenen) „Braindead“ geschrieben, zu dem sie aber eine ganz eigene Sichtweise und viele kluge Gedanken beitragen kann. Sie sieht den Fun-Splatter-Klassiker ein „Märchen von der ewigen Liebe“. Leseempfehlung!  Alex Klotz über „Das seltsame Kätzchen“: „Wundervolles Kino, das die kleinen Momente des Lebens feiert und menschlichen Unzulänglichkeiten mit Herzenswärme und absurdem Witz begegnet.“

– Exotisches gibt es wieder auf Alex Klotz eigenen Blog hypnosemaschinen. Dort findet er den 1964 in Südkorea entstanden Horrorfilm „The Devil’s Stairway“ ziemlich toll.  Wer es gerne etwas wilder mag, der ist bei „Curse of Evil“ aus Hongkong sicherlich gut aufgehoben.

– Patrick Holzapfel beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit Alain Resnais‘ letzten Film „Aimer, Boire et Chanter“ und schreibt: „Die Lockerheit und Verspieltheit ist zudem aufregend und wie offen sich Resnais hier (…) mit dem Tod und dessen Folgen beschäftigt, ist äußerst interessant. Der Film wirkt so als würde ihn Resnais nach seinem Tod auf der Welt gelassen haben, um das Publikum zu beobachten.“

– Über Resnais letzten Film schreibt auch Sebastian Schubert auf Magazin des Glücks und kommt zu dem Schluss: „Also ein überflüssiger Film? Ja. So überflüssig wie lieben, trinken und tanzen.“  Ferner: Fassbinders BRD-Trilogie.

– Robin Schröder empfiehlt auf Mise en cinéma den chinesischen Spielfilm „Kekexili – Mountain Patrol“ von 2004.

– Auf new filmkritik hat Werner Sudendorf einen interessanten Artikel über „Die Dritte von rechts“, dem ersten deutschen Revuefilm nach dem Krieg, geschrieben.

– Was zur Hölle soll ein „Soft Reboot“ sein? Alex Matzkeit auf real virtuality kennt die Antwort.

– Überraschend viele und tiefgründige Gedanken kommen Oliver Nöding auf Remember It For Later zu Antonio Margheritis Vietnamfilm „Im Wendekreis des Söldners“ ein, den ich auch schon mal hier besprochen habe.

– Michael Schleeh analysiert auf Schneeland Mikio Naruses Film „Kimi to Wakarete“, „ganz einfach ein wunderschöner Film mit etlichen berührenden Szenen, den durchweg eine sanfte Zurückhaltung und eine melancholische Traurigkeit durchzieht.“

Splattertrash bespricht nicht nur den großartigen „Im Blutrausch des Satans“ und den weniger großartigen F.J. Gottlieb Komödie „Lady Dracula“ (der liegt hier auch schon ewig, ich muss den mal gucken), sondern auf Christian Keßlers wegweisendes Buch „Willkommen in der Hölle“, meiner Meinung nach das bisher beste deutschsprachige Buch über den Italo-Western. Und wenn man schon mal dabei ist, möchte ich kurz einen Werbeblock einschieben und Christian Keßlers Krimi-Groteske „Aalglatt über Leichen“ empfehlen. Bitte kaufen, dann gibt es vielleicht irgendwann den zweiten Band.

– Der iranische Film ist hierzulande fast gänzlich unbekannt. Okay, das stimmt so vielleicht nicht, da immer wieder tolle iranische Filme auf diversen Festivals und manchmal sogar im TV (arte, wo sonst?) laufen. Aber die Masse der Kinogänger stellt sich wohl bei den Stichworten „Iran“ und „Kino“ religiös verbrämte Propagandaschinken mit Frauen in Burkas vor. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Manfred Polak hat viel über den iranischen Film und die beiden Filmemacher Forugh Farrokhzad und Ebrahim Golestan zu sagen und dies wie immer hochspannend auf Whoknows presents zusammengetragen. Danke dafür!

– Der Abspannsitzenbleiber war beim Filmfest in München und hat dort einige Filme gesehen. Von seinem zweiten Tag berichtet er hier und vom dritten Tag dort.

– Das Filmfest München widmete den großen, alten Rebellen des deutschen Filmes eine Retrospektive: Klaus Lemke. Harald Mühlbeyer nutzt dies für ein Portrait des Außenseiters auf Screenshot.

– Wie im letzten Jahr, berichtet auch diesmal wieder Michael Sennhauser auf seinem Blog Sennhausers Filmblog von dem sehr interessanten Neuchantal International Fantastic Filmfest, welches zum größten Teil anspruchsvolle Genre-Filme jenseits des deutschen FFF zeigt. In dieser Runde gibt es Besprechungen zu dem australischen Endzeitfilm „These Final Hours“, dem Slasher „It Follows“ und John McNaughtons neuem Film „The Harvest“ mit dem tollen Michael Shannon.

– reda ist auf Der breite Grad gar nicht begeistert von Bruno Corbuccis „Isabella – Mit blanker Brust und spitzen Degen“, dafür aber umso mehr von dem japanischen „Wet Weekend“ von Kichitaro Negishi.  Außerdem schreibt er über seine Erfahrung mit „Lilja 4-Ever“, den er nur einmal gesehen hat und ihn danach immer wieder abgebrochen hat, weil er ihn nicht ertragen konnte. Ein guter Text über persönliche Grenzen. Der von ihm empfohlene russische Kultfilm und 50er-Jahre-Retro-Rock-Musical „Hipsters“ ist da dann von fröhlicherer Natur.

– stu hat auf Die drei Muscheln den neuen Actionfilm von Peter Hyams vorgestellt, in dem Jean-Claude Van Damme einen durchgeknallten Schurken gibt. „Enemies Closer“ klingt dabei recht interessant und der alte Hyams ist ja auch ein Guter.

– Letztes Jahr lief „…und vor Lust sterben“ als Auftaktfilm zu „Monster machen mobil“ in Hamburg. Und wie man hört – ich war selber da noch nicht anwesend – fand die Mehrheit des Publikums den etwas schnarchig. Oder wie Sascha Nolte auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte ausdrückt: „Insgesamt ist Et mourir de plaisir ein schöner Bilderreigen in den wundervoll prallen Farben des Technicolor, in der sich aber der Regisseur leider nur selten traut mal so richtig auf den Busch zu klopfen.“

Final Frontier Film ist nun bei John Fords 20. Tonfilm angekommen: „Maria von Schottland“.

– Jochen Plinganz empfiehlt auf dem neu gestalteten Komm & Sieh den französischen Action-Thriller „Colt 45“.

– Michael Rademachers „Godzilla“-Filmkritik auf Daumenkino spricht mir in vielen Punkten aus der Seele.

– „Wir sind Könige“ ist laut Peter Gutting auf cineastic.de richtig gutes, deutsches Genrekino. Ich freue mich drauf.

– Von „Das letzte Einhorn“ erinnere ich mich vor allem an den Titelsong, den ich auf einer von der „Cinema“ Anfang der 80er herausgegeben Schallplatte hatte, die ich rauf und runter hörte. Und natürlich an Christopher Lees dunkle Bass-Stimme. Der Rest der Erinnerung kam beim Lesen von Oliver Armknechts Review auf film-rezensionen.de wieder.

– Apropos Anfang der 80er. Da kamen TV-Serien auf Spielfilmlänge zusammengeschnitten hier in die Kinos. Z.B. „Kampfstern Galactica“. Das auf der olle „Airwolf“ solch ein Schicksal hatte, wusste ich gar nicht mehr. Wieder was gelernt bei Deep Red Radio.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine neue Folge „Die Filmbesprechungen der Anderen“ online gestellt. An dieser Stelle Danke für die freundliche Erwähnung meiner „Gorgo“-Besprechung.

Open-Air-Kino in Bremen 2014 – Erste Termine

Von , 3. Juli 2014 21:49

Wer Kino unter freiem Himmel erleben möchte, hat auch dieses Jahr wieder Gelegenheit dazu.

Die ersten Termine wurden bereits veröffentlicht, leider gibt es aber zumeist noch keine Titel. Sobald da etwas Offizielles kommt, reiche ich es natürlich nach.

Der Schlachthof zeigt in seiner Arena wieder Filme. Und zwar am

So., 06.07. – Goodfellas – Scorseses Mafia-Klassiker mit Robert de Niro, Joe Pesci und Ray Liotta

Mo., 07.07. – „Gatsby“ – So ist es angekündigt, aber ob das jetzt der Robert Redford oder Leonardo diCaprio Gatsby ist, kann man nicht ersehen.

Fr., 11.7.  – Rocky Horror Picture Show

Mo. 14.7. – Dirty Dancing

Di. 15.7 – „Das Leben des Brian“ in Originalsprache

Weiter geht es dann am

26.07. Stromberg – Der Kinofilm
02.08. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
30.08. Paulette
06.09. Inside Llewyn Davis

Gespielt werden die im Kino üblichen DCP-Festplatten. Eintritt immer Euro 4,00.

Und in Bremerhaven findet auch dieses Jahr wieder das traditionelle Kino im Hafen statt. Diesmal am 01. und 02.08.2014.
Das Vorprogramm startet um 21:00.

Auch hier stehen leider noch keine Titel fest.

UPDATE 07.Juni:

Beim Schlachthof gibt es Neuigkeiten, die ich gleich oben mit eingepflegt habe.

UPDATE 12.Juni:

Die restlichen Film beim Schlachthof stehen jetzt auch fest und sind eingepflegt.

UPDATE 30.Juli:

Und hier noch nachgereicht die (standesgemäß maritimen) Titel für das „Kino im Hafen“ in Bremerhaven.

Am Freitag, den 01. August läuft der Spielfilm „Kon-Tiki“ von 2012.

Und am Samstag, den 02.August dann „Unter Wasser rund um die Welt“ von 1966 mit Lloyd Bridges.

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