DVD-Rezension: „Das Concorde Inferno“

Von , 30. November 2013 20:33

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Eine Concorde-Maschine verschwindet bei einem Testflug spurlos über der Karibik. Wenig später erhält der Reporter Moses Brody (James Franciscus) einen Anruf von seiner Ex-Frau, die auf Martinique eine Bar betreibt. Sie bittet ihn, zu ihr zu kommen, da es auf Martinique eine große Geschichte für ihn geben würde. Bei Brodys Eintreffen ist seine Ex-Frau bereits tot. Brody beginnt mit Nachforschungen und findet bald heraus, dass die Concorde ins Meer gestützt ist und es eine Überlebende (Mimsy Farmer) gibt…

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Ausgelöst durch den Erfolg des Filmes „Airport„, starte in den 70er Jahren ein große Welle mit Katastrophenfilme: „Erdbeben„, „Das Poseidon Inferno“ und die drei Sequels von „Airport“ sind die bekanntesten Vertreter dieser Gattung. Der vierte Teil der „Airport“-Serie kam am 17. August 1979 in die Kinos und hieß „Airport ’80: Die Concorde„. Bereits ein halbes Jahr vorher hatte ein anderer Film Premiere. Die Italiener hatten unter der Regie von Ruggero Deodato den ähnlich klingenden „Concorde Affaire ’79″(deutscher Titel: „Das Concorde Inferno„) in die Kinos gebracht. In dem „Airport“-Film war es ein skrupelloser Industrieller, der den etwas komplizierten Plan fasst, die Concorde u.a. durch Beschuss von einem Phantom-Jäger zum Abstürzen zu bringen, um eine Journalistin mit ihn belastenden Papieren zu eliminieren. Im italienischen Film hat, der ebenfalls skrupellose, Industrielle einen etwas nachvollziehbareren Grund. Um die Concorde zu diskreditieren und damit die lästige Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, will er ein Unglück herbeiführen, damit niemand mehr mit der Concorde fliegt. Was recht visionär ist, denn tatsächlich führte ein spektakulärer Concorde-Absturz 2000 dazu, dass das Concorde-Programm drei Jahre später eingestellt wurde.

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Hatte der amerikanische „Concorde“-Film Alain Delon und Sylvia Kristal in den Hauptrollen, sind es beim italienischen Pendant die beiden Amerikaner James Franciscus und Mimsy Farmer. Franciscus hatte bereits in „Die neunschwänzigen Katze“ von Dario Argento Erfahrung im italienischen Filmgeschäft gesammelt und war vor allem durch die Hauptrolle in „Rückkehr zum Planet der Affen“ bekannt geworden. Er spielt hier den Reporter Moses Brody routiniert und ohne große Anstrengungen. Mimsy Farmer war nach ihrem ersten großen Erfolg „More“ von Barbet Schroeder in Italien hängen geblieben, hatte ebenfalls mit Argento zusammengearbeitet (in „Vier Fliegen auf grauem Samt„) und in zahlreichen andren Genrefilmen, wie „Macchie solari“ oder „l profumo della signora in nero„, mitgespielt. „Concorde Inferno“ gehört leider nicht zu den Highlights ihrer Schauspielkunst. Tatsächlich geht sie einem mit ihrer hysterischen Passivität ziemlich auf den Geist. Insbesondere in der Szene, in der sie am Telefon versucht, den Flugsicherheitsleuten wichtige Informationen zukommen zu lassen, und ständig „Ich weiß es nicht! Ich kann mich nicht erinnern! Ich lege jetzt auf!“ schluchzt. Da möchte man sie gerne mal ordentlich durchschütteln. Interessanterweise scheint Mimsy Farmer nicht den ganzen Film über, zur Verfügung gestanden zu haben. In der Eröffnungsszene wird ihr Charakter nur von hinten gezeigt und trägt eine hässliche Perücke, die nichts mit Frau Farmers tatsächlicher Frisur gemein hat.

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Auf der Seite der Bösen befindet sich neben Joseph Cotton und Edmund Purdum – die ihren Part sicherlich an nur einem Tag runter gefilmt haben – noch Venantino Venantini, ein Veteran aus unzähligen Italo-Filmen, der eine gewohnt souveräne Vorstellung gibt. In der Rolle eines seiner Handlanger sieht man Ottaviano Dell’Acqua, einer der fünf Dell’Acqua-Brüder, die das Stunt-Geschäft in Italien wie niemand sonst geprägt haben. Er selber spielte in unzähligen Filmen kleine bis kleinste Rollen. Auch in amerikanischen Produktionen, die in Italien gedreht wurden – wie Scorseses „Gangs of New York„, war er für die Stunts zuständig und trat als Komparse auf. Kleine Trivia am Rande: Er „spielte“ auch den Zombie auf den Konquistadoren-Friedhof in Lucio Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies„, dessen wurmzerfressener Kopf die Kinoplakate zu diesem Film schmückte. Ebenfalls erwähnenswert ist Van Johnson, der auch als einer der Stars des Filmes beworben wird. Van Johnson war seit den 40er Jahren in Hollywood erfolgreich und war besonders in einer Reihe von Filmen um den Arzt Dr. Randall Adams bekannt geworden. Im „Concorde Inferno“ sitzt er als Pilot der zweiten Maschine im Cockpit, beschränkt sich darauf ein paar Grimassen schneiden und seinen Namen für das Filmplakat zur Verfügung stellen. Als Chef der Flugsicherung tritt übrigens Robert Kerman auf, Hauptdarsteller von Deodatos „Cannibal Holocaust“ und unter dem Pseudonym Richard Bolla Star zahlreicher US-Pornos.

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Wer einen lupenreinen Katastrophenfilm erwartet, dürfte vom „Concorde Inferno“, trotz des feurigen deutschen Titels, enttäuscht sein. So trifft der Original-Titel „Die Concorde Affäre“ auch weitaus besser zu. Zwar gibt es zu Beginn einen Absturz und auch beim Finale werden – wenn unter den Passagieren Panik ausbricht und der tapfere Pilot mit der Steuerung des Flugzeugs kämpft – Katastrophenfilm-Standards eingehalten,. Doch diese Momente stehen weniger im Zentrum des Filmes, als die Versuche des Reporters Brody, hinter das Geheimnis der verschwunden Concorde zu kommen. Was wahrscheinlich auch besser so ist, denn in den wenigen Szenen, in denen die Concorde zu sehen ist, kann nicht vertuscht werden, dass hier ein simples Spielzeugflugzeug verwendet wurde. So ist es eine gute Entscheidung von Regisseur Ruggero Deodato, die Actionszenen nur indirekt zu zeigen, und sich auf die Reaktionen der Betroffenen zu reduzieren.

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Die Abenteuergeschichte um Brody und seine Nachforschungen erinnert mit ihren vielen Tauchszenen, der exotischen Kulisse und den Unterwasserkämpfen leicht an einen frühen Bond-Film, insbesondere „Feuerball„. Wobei „Concorde Inferno“ in diesem Falle der arme, halbverhungerte Bruder von „Feuerball“ wäre. Aber „Das Concorde Inferno“ erfüllt seinen Zweck. Er unterhält sehr ordentlich und Regisseur Ruggero Deodato ist einfach ein zu guter Regisseur, um nicht auch eine simple Abenteuergeschichte sicher über die Ziellinie zu bringen. Zudem lässt er hier sein pessimistisches Weltbild durchscheinen, welches seinen im selben Jahr entstandenen Magenschwinger „Cannibal Holocaust“ so effektiv machte. Am Ende bleiben die wahren Schurken unbestraft und registriert das Scheitern ihrer finsteren Pläne mit einem Achselzucken. Es ist ja alles nur ein Spiel.

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„Das Concorde Inferno“ ist weniger Katastrophenfilm, als vielmehr ein Abenteuerfilm vor exotischer Kulisse, der manchmal an einen alten Bond-Film erinnert. Routinierte Darsteller und eine souveräne Regie bringen die unterhaltsame Geschichte locker über die Runden.

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Ascot Elite hat diesen Film im Rahmen seiner Cinema Treasures Reihe veröffentlicht. Das Bild ist gut, der Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor. Eine italienische Tonspur fehlt. Ebenso wie leider auch jegliches Extra-Material.

Rezension: „I Declare War“

Von , 28. November 2013 19:53

I-Declare-War-dvd_coverIn einem Wald treffen sich regelmäßig einige Kinder, um „Krieg“ zu spielen. Dabei müssen zwei Gruppen versuchen, die jeweils gegnerische Basis aufzuspüren und die Fahne des Gegner zu erobern. Das Spiel verläuft immer nach festen Regeln. Doch diesmal ist es anders. Der aufbrausende Skinner (Michael Friend) fängt an, die Regeln zu brechen und nimmt Paul (Siam Yu), den besten Freund des genialen Strategen P.K. (Gage Munroe), als Geisel. Auch als Skinner beginnt Paul zu foltern, geht das Spiel immer weiter…

Im gleichen Jahr, in dem er sein Spielfilm-Debüt „Cold Blooded“ (ebenfalls bei OFDB filmworks erschienen) realisierte, stellte Regisseur Jason Lapeyre zusammen mit seinem Kollegen Robert Wilson, der zuvor vor allem als Produzent aufgetreten war, diesen Jugendfilm auf die Beine. Und obwohl sich „I Declare War“ thematisch deutlich von „Cold Blooded“ unterscheidet, haben beide doch die klassisch-ruhige Inszenierung ganz ohne vordergründige Effektheischerei gemeinsam. Zudem handeln beide Filme von zwei gegnerischen Gruppen, die in einem klar umrissenen Raum gegeneinander antreten.

Liest man die Inhaltsangabe von „I Declare War“, denke man zunächst einmal an eine Mischung aus „Bugsy Malone“ und „Battle Royale“ oder „Die Tribute von Panem„. Doch diese Vergleiche gehen größtenteils in eine völlig falsche Richtung. Tatsächlich sieht man 90 Minuten einer Gruppe Kindern beim Spielen zu. Nicht mehr und nicht weniger. Der Clou ist aber, dass die Kinder ihr Spiel sehr ernst nehmen und das Geschehen hauptsächlich durch ihre Augen gezeigt wird. Und in ihren Augen verwandelt sich ein dicker Ast dann eben in eine Bazooka und eine Zwille in eine tödliche Armbrust. Wie man es vielleicht noch aus eigenen Kinderspielen kennt, in denen die Kraft der Imagination aus einem schnöden Stock ein fein geschmiedeten Degen machte. Lapeyre/Wilson gehen recht geschickt vor, um die Spielrealität der Kinder zu zeigen. Auch für den Zuschauer sind die „Waffen“ zunächst echt. Erst im Laufe des Films überlagert hin und wieder die Realität die Fantasie. Beinahe beiläufig sieht der Zuschauer, dass das Präzionsgewehr eigentlich nur ein Rohr, welches notdürftig in ein provisorisches Spielzeuggewehr umgebaut wurde, und das Zielfernrohr eine Stoffschlaufe ist.

Wie stark diese Macht der Imagination ist, habe ich vor vielen Jahren einmal während des Grundwehrdienstes erleben dürfen/müssen. Damals sollte eine 24-Stunden-Übung vorbereitet werden, und wir kleinen Wehrpflichtigen mussten üben, wie man sich bei einem Angriff verhält. So wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt: Angreifer und Verteidiger. Da wir allerdings noch keinen Zugang zu Waffen haben durften (das war erst für den Folgetag geplant), wurde uns befohlen im Wald Stöcke zu suchen. Diese sollten dann unsere Gewehre sein. Man stelle sich die absurde Situation vor, wenn erwachsene, uniformierte Menschen im Wald mit Holzstöcken aufeinander zielen und dabei laut „Peng! Peng!“ rufen. Was noch dadurch übertroffen wurde, dass einige Kameraden wirklich in Streit darüber gerieten, ob sie nun getroffen wurden oder nicht. Ähnlich verhält es sich bei den Kindern in „I Declare War“. Für sie ist die ganze Situation während des Spiels absolut real und bitterernst.

I_Declare_War_Bild_04So wirft dann zum Beispiel Odie Henderson auf rogerebert.com auch dem Film vor, nicht zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden und schreibt, es würde ihn krank machen zu sehen, wie Kinder auf Kinder schießen. Dass diese nicht wirklich aufeinander schießen und die „Getöteten“ lediglich aus dem Spiel ausscheiden und nach Hause gehen, macht da für ihn keinen Unterschied. Wer allerdings als Kind selber „Cowboy und Indianer“ oder eben „Krieg“ gespielt hat – was, wie ich denke, nichts unnormales ist -, der sieht das vielleicht etwas entspannter. Es geht hier auch nicht so sehr um das „Kriegsspielen“, als vielmehr um gruppendynamische Prozesse, die aufgrund von Eitelkeiten, verletzten Gefühlen oder falsch verstandener Loyalität ein im Grunde harmloses Spiel zum Eskalieren bringen können. Ob das Spielen mit Waffen (wenn auch unechten) unbedingt etwas für Kinder sein sollte, will ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Für die Aussage des Filmes hätte man natürlich auch zeigen können, wie die Kinder z.B. mit Matchbox-Autos Rennen veranstalten und sich darüber in die Haare geraten.

I_Declare_War_Bild_02Andererseits gibt es durch das Spiel noch andere filmische Ebene. So setzen Lapeyre/Wilson permanent, wenn auch leise und subtil, eine Geräuschkulisse ein, wie man sie aus Kriegsfilmen kennt. Ständig hört man leise Funksprüche, Hubschrauber und Explosionen. Durch diese Dauerberieselung vergisst man schnell, dass man „nur“ einem Spiel zusieht und auch für den Zuschauer werden die kriegerischen Handlungen der Akteure real, die Bedrohung spürbar. Gleichzeitig parodieren die Filmemacher auch das Kriegsfilmgenre, da die Kinder genau die Stereotypen annehmen, die man aus diesen Filmen kennt. Der Stratege, der Psychopath, der coole Veteran, der schüchterne Rookie, der Possenreisser und so weiter. Immer wieder gibt es kurze Momente, wo die jungen „Soldaten“ aus ihrer Rolle fallen. Z.B. wenn sich der vermeintliche Sadist als hilfloses, einsames Kind herausstellt, oder der beliebte Anführer bereit ist, Freunde zu opfern, um am Ende den Sieg davonzutragen. Am Deutlichsten aber, wenn die Amazone als verliebte Kitschromantikerin entlarvt wird.

I_Declare_War_Bild_03Die kindlichen Darsteller sind sehr gut ausgesucht. Die meisten haben auch schon langjährige Erfahrungen in TV-Serien gesammelt. Die Laien fügen sich ebenfalls gut ins Bild ein, wenn ihre schauspielerischen Leistungen auch gegenüber den „Profis“ etwas abfallen. Einzig Mackenzie Munro wirkt fehlbesetzt, da sie im Vergleich zu den anderen Kindern zu alt wirkt und weitaus abgeklärter als ihre jungen Kollegen spielt. Überhaupt ist die Figur der Jessica Dobrzanski eine der wenigen echten Schwachstellen im Film. Sie ist so klischeehaft auf „Mädchen“ angelegt, dass leider selbst ihre Klugheit, strategischen Fähigkeiten und der kaltblütige Umgang mit der Armbrust nicht die naive Schwärmerei für den hübschen Quinn aufwiegen können. Dass sie I_Declare_War_Bild_01alles nur tut, um ihrer großen Liebe zu gefallen und ihre schrecklich kitschige „Paris-Romantik“ stören doch sehr. Hier verrät das Drehbuch diesen eigentlich starken Charakter und breitet die übelsten Mädchen-Klischees aus. Ebenfalls unpassend sind die Szenen, in denen sich „Joker“ als Superwesen, das tödliche Strahlen aus den Augen schießt, imaginiert. Hierdurch wird immer wieder mit dem Holzhammer darauf hingewiesen, dass die Kinder eben nur ihre subjektive Welt, und nicht die reale, sehen. Etwas mehr Subtilität hätte an dieser Stelle gut getan. Eine starke Leistung bringt Michael Friend als psychopathischer Skinner. Wie er Skinner gleichzeitig schwach und ungelenk, aber gleichzeitig doch auch gefährlich, und fest zu absolut allem fest entschlossen, darstellt, ist schon sehenswert.

Mit „I Declare War“ hat OFDb filmworks eine kleine Perle an Land ziehen können, die auf mehren Ebenen gut funktioniert. Da kann man über die oben angesprochenen Schwächen durchaus hinwegsehen. Leider lag mir auch hier zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD wiederum nichts sagen kann.

Rezension: „Cold Blooded“

Von , 28. November 2013 19:52

BD_2D_Cold_BloodedNachdem ein Überfall auf einen Juwelier schief gegangen ist, wird einer der Diebe, Cordero (Ryan Robbins), scheinbar durch Polizeigewalt schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wird er in einen abgeschlossenen Teil untergebracht, der zur Zeit leer steht. Die junge Polizistin Frances (Zoie Palmer) soll ihn dort bewachen. Während der eloquente Cordero versucht, die prinzipientreue Frances zu überreden, ihn laufen zu lassen, verschaffen sich drei Männer Zugang zu dem Teil des Krankenhaus, in dem der Dieb untergebracht ist. Ihr Anführer ist der Gangster Holland (William MacDonald), der den Juwelenraub organisiert hat und nun auf der Suche nach der Beute ist.

Der kanadische Regisseur Jason Lapeyre drehte 2012 zwei Filme, die beide ins Programm des letzten Fantasy Filmfests aufgenommen wurden und in Kürze eine Heimkino-Veröffentlichung durch OFDb filmworks erhalten. Der erste dieser beiden Filme ist eine kleine Gangster-/Thrillergeschichte, die durch und durch den Atem der 90er Jahre verströmt. Und dies ist durchaus nicht negativ gemeint. Im Zuge des Erfolges von „Reservoir Dogs“ und vor allem „Pulp Fiction“ schossen damals zahlreiche kleine Filme aus dem Boden, die mit dem Attribut „tarantinoesque“ bedacht wurden. Auch wenn der Vergleich häufig hinkte. Was diesen Filmen gemeinsam war, waren pointierte, lässige Dialoge, sowie skurrile Charaktere und/oder Situationen. Oftmals in karikaturhafte rutschende Antagonist und abstruse Zufälle mit oftmals mörderischem Ausgang sorgten für einen schwarzhumorigen Touch. Beispiele hierzu wären „Thursday – Ein mörderischer Tag„, „2 Tage in L.A.“ oder „Cold Blooded„. Mit letzterem teilt sich Lapeyres Film dann auch seinen Titel.

Cold_Blooded_Bild_02Cold Blooded“ ist ein kleiner Film, dem man sein geringes Budget zwar durchaus ansieht, der aber auch keine peinlichen Versuche unternimmt, dies durch hektische Schnitte, pausenlos hämmernde Musik oder sonstige vordergründige Effekte zu kaschieren. Im Gegenteil, der Film fließt ruhig vor sich hin. Er nimmt sich Zeit seine, zugegeben etwas dünne, Geschichte zu erzählen und vor allem, die einzelnen Charaktere vorzustellen. Wie ähnlich gelagerte Low-Budget-Filme spielt er an einem einzigen Ort. Bei Horrorfilmen ist das gerne mal ein Labortrakt oder eine Höhle, hier ein von der Außenwelt weitgehend abgeschnittener Krankenhausflügel. Tatsächlich scheint man immer wieder nur die selben drei Korridore zu sehen. Aber Lapeyre macht das Beste draus und gerade der enge Raum sorgt für klaustrophobische Spannung, wenn es keinen Ausweg für die „Helden“ gibt und hinter jeder Ecke ein „Bösewicht“ stehen kann. Das hat ja kürzlich auch bei „The Raid“ ganz gut geklappt, auch wenn „Cold Blooded“s angenehm altmodische Erzählweise ansonsten nichts mit dem philippinischen Actionfeuerwerk zu tun hat. Auf Action wird hier dann auch weitestgehend verzichtet. Die Konfrontationen beschränken sich auch einige kurze, bodenständige Prügeleien und ansonsten wird hier eher mit diversen Stich- und Schusswaffen gedroht.

Cold_Blooded_Bild_01Die kurzen Gewaltausbrüche sind zwar brutal und im Falle einer Handamputation auch recht heftig, aber nie besonders grafisch dargestellt, sondern finden teilweise auch im Off statt. Dabei setzt Lapeyre häufig auf Kopfkino, wenn z.B. einem kleinen Jungen der Arm gebrochen wird und man dies – dankenswerterweise – nur über das Telefon mitbekommt und der Schwerpunkt der Szene auf der entsetzten Reaktion des hilflosen Vaters liegt. Auch der Running Gag mit einer (recht realistisch aussenden) abgetrennt Hand, die immer wieder den Besitzer wechselt, ist eher spielerisch und nicht ekelig inszeniert. Überhaupt sieht der Film davon ab, unbedingt superclever sein zu wollen und permanent neue Wendungen einzubauen, um die Handlung und Personen ständig im neuen Licht dastehen zu lassen. Die Handlung läuft schnörkellos und jederzeit nachvollziehbar ab, und auch in der Zeichnung der Charaktere gibt es keine großen Brüche. Dadurch bleiben zwar größere Überraschungen aus, aber Lapeyres schafft glaubwürdige und sympathische Charaktere, denen man gerne folgt und die zum mitfiebern einladen.

Cold_Blooded_Bild_03In der Besetzung finden sich keine große Namen. Hauptdarstellerin Zoie Palmer kommt vom Fernsehen, wo sie in der Mystery-Serie „Lost Girl“ (in Deutschland bei Sony auf DVD erschienen) eine wiederkehrende Rolle hat. Sie spielt die Polizistin Frances genauso so, wie die Rolle auch angelegt ist: Absolut professionell. Auch ihr Partner Ryan Robbins kommt vom Fernsehen und spielte eine der Hauptrollen in der Serie „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ (in Deutschland komplett von Koch Media veröffentlicht). Sein Cordero ist charmant, sympathisch und doch auch genügend zwielichtig, um den Charakter über die gesamte Spielzeit interessant zu halten. Auf Seiten der Bösen glänzt der eher unbekannte William MacDonald, der zwar auf eine lange Cold_Blooded_Bild_04Karriere in diversen TV-Filmen und -serien zurückblicken kann, aber bisher keine großen Hauptrollen hatte. Als Mastermind Louis Holland gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig wie der freundliche Mann von nebenan und der Teufel persönlich zu wirken. Wenn er seine Drohungen ausspricht, gibt es kein Zweifel daran, dass es ernst wird. Profi durch und durch ist er aber kein Sadist, sondern erledigt einfach das, was zu tun ist, um ans Ziel zu kommen. Lediglich die Idee, dass er eine abgetrennte Hand als Souvenir behalten will, passt nicht so ganz zu dem Charakter seiner Rolle. Die restlichen Schauspieler agieren souverän, ohne aber großartig aufzufallen.

Mit „Cold Blooded“ gelingt Jason Lapeyre ein souveränes Spielfilmdebüt, welches gut und spannend unterhält. Dabei scheint der Film irgendwie aus der Zeit gefallen und erinnert in seiner Machart eher an eine „tarantinoesque“-Low-Budget-Produktion aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Mit den heutigen hippen, flashigen Produktionen hat er nichts gemeinsam. Sympathisch-glaubwürdige Charaktere runden den guten Eindruck ab.

Leider lag mir zur Rezension nur ein Screening-Stream vor, so dass ich zu den technischen Aspekten der OFDb filmworks-DVD nichts sagen kann.

Originalfassungen in Bremen: 28.11.13 – 04.12.13

Von , 27. November 2013 21:27

In dieser Woche gibt es vor allem Wiederholungen. Der nominell interessanteste Neuzugang wäre zwar „The Counselor“, doch der wurde von den Kritikern ziemlich in der Luft zerrissen. Da bleibt mir dann eigentlich nur noch: „Il Futuro“ zu empfehlen, den ich leider noch nicht gesehen habe, der allerdings auf einem Roman von Roberto Bolaño beruht. Einem Autoren, den ich sehr gerne lese. Das dann noch der alte Haudegen Rutger Hauer mitspielt und einen ehemaligen Maciste-Darsteller mit eben jenem Namen spielt, wäre für mich natürlich noch ein weiterer Grund, einen Blick zu riskieren.

The Counselor – Cinemaxx, Do.-Mi. 14:00, 17:00, 19:30,20:00 und 23:00 – Auf dem Papier sieht das wie ein sicherer Hit aus. Regie: Ridley Scott, Hauptrollen: Michael Fassbender, Brad Pitt, Javier Bardem, Penelope Cruz und Cameron Diaz. Drehbuch: Kult-Autor Cormac McCarthy („No Country For Old Men„, „The Road„). Glaubt man der Mehrheit der Filmkritiker ist bei dieser Drogengeschichte an der mexikanischen Grenze dann aber doch ordentlich was schief gelaufen.

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Die Tribute von Panem – Catching Fire – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 14:00,15:15, 17:30, 19:00, 20:30 und 22:40 – Der zweite Teil der Saga. Ich kenne die Bücher nicht, aber die Serie scheint sehr beliebt zu sein. Klingt für mich immer noch nach “Battle Royale” für Teenies, aber ich habe mittlerweile auch Gutes gehört.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Fr./So./Di. 23:00 und So. auch 17:15 – Prequel zur türkischen Komödie „”Hükümet Kadin” um einen Bürgermeisterwahlkampf Ende der 40er Jahre.

Su Ve Ates – Wasser und Feuer – Cinemaxx, Do.-Mi. 23:00 – Türkisches Liebesdrama von und mit Özcan Deniz.

Blue Jasmine – Schauburg, Fr., 29.11. um 21:30 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

Venus im Pelz – Gondel, Mo., 2.12. um 12:00 – Roman Polanskis neuer Film ist ein Kammerspiel mit nur zwei Darstellern: Seiner Ehefrau Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric. Ein Theaterregisseur plant ein Stück nach Sacher-Masochs Roman “Venus im Pelz” auf die Bühne zu bringen und gerät bei einem Vorsprechen an eine geheimnissvolle, schöne Frau.

Der Kuss der Tosca – City 46, Sa.-Di. immer 20:00 – Dokumentarfilm über die Casa di riposa per musicisti. Ein von Giuseppe Verdi gegründetes Altersheim für mittellose Musiker.

Il Futuro – Eine Lumpengeschichte in Rom – City 46, Do., 20:30, Fr. 18:00 und So.-Do. immer 20:00 – Die italienisch/chilenisch/deutsch/spanische Verfilmung von Roberto Bolaños „Lumpenroman“ erzählt die Geschichte eines elternlosen Geschwisterpaars, die den Plan ersinnen, einen erblindeten, ehemaligen Sandalenfilm-Star (Rutger Hauer!) zu verführen und dann auszurauben. Regisseurin Alicia Scherson ist am Freitag anwesend!

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Play – City 46, Di./Mi. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm um eine einsame Krankenpflegerin, die eines Tages eine Aktentasche findet und fortan deren Besitzer, dem Architekten Tristan folgt und dessen Leben beobachtet.

Turistas – City 46, Sa./Mi. jeweils 18:00 – Chilenischer Spielfilm. Die schwangere Clara wird nach einem Streit von ihrem Ehemann an einer Tankstelle allein gelassen. Sie freundet sich mit dem schwulen Norweger Ulrik an, der sie mit in den nahegelegenen Nationalpark nimmt, wo sie Natur und skurrile Typen kennenlernt.

Schwarzer Donnerstag – Janek Wisniewski fiel – City 46, Sa. 30.11. um 20:30 – Polnischer Spielfilm, der vom Schicksal eines Werftarbeiters in Gdynia, während des Aufstands der Werftarbeiter 1970, erzählt. Kameramann Jacek Petrycki ist anwesend.

Shanghai, Shimen Road – City 46, Mi., 4.12. um 20:30 – Chinesischer Spielfilm um den 16-jährigen Xiaoli, der in den späten 1980er Jahren in Shanghai aufwächst. Mit Einführung.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 02.12. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 02.12. um 21:45

Das Bloggen der Anderen (25-11-13)

Von , 25. November 2013 21:27

bartonfink_type2– Herzlichen Glückwunsch an Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen, der gerade seine 1000. Filmbesprechung, und das in nur vier Jahren, ins Netz gestellt hat. Respekt.

– Und vielen Dank an Hard Sensations, die auf unser Bremer Phantastival in zwei Wochen aufmerksam gemacht haben. Ich war sehr überrascht und finde das natürlich ganz großartig! Des weiteren hat Eckhard Heck „Blue Jasmine“ gesehen und empfiehlt diesen „ernsten Allen“ gerne weiter. Und Jamal Tuschick scheint der neue Polanski „Venus im Pelz“ ganz gut gefallen zu haben.

– Auch Jennifer Ament von Daumenkino hat „Venus im Pelz“ besprochen und ist sehr begeistert. Jetzt freue ich mich erst recht auf den Film!

– Das Heimspiel Filmfest widmet Götz Spielmann eine Werkschau. Anlass für Josef Lommer Spielmann, einen der interessantesten und spannendsten österreichischen Filmemacher, auf critic.de vorzustellen.

– Martin Beck berichtet auf Reihe Sieben von den Plänen zu einem sechsten „Stirb langsam“-Film und macht sich so seine Gedanken zum traurigen Niedergang der Serie.

– Robin Schröder empfiehlt auf Mise en cinema einen deutschen Kurzfilm, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt: „Cruelty“ (warum müssen deutsche Filme eigentlich fast immer englische Titel haben?).

– Lukas Foerster beschäftigt sich zur Zeit mit einem meiner Lieblingsregisseure: Otto Preminger. Auf Dirty Laundry stellt er „The Moon is Blue“ und „Die Jungfrau auf dem Dach“ vor. Zweimal der gleiche Film: Nur einmal mit amerikanischer, einmal mit deutscher Besetzung. Und dann gibt es noch einen Text zu dem mir unbekannten Preminger-Film „Such Good Friends“.

Der Abspannsitzenbleiber hat wieder einiges interessantes Zeugs im Netz gefunden und auf seinem Blog verlinkt.

The Wayward Cloud macht sich Gedanken, warum ihm (ihr?) Filme auf den 70ern soviel besser gefallen als der neumodische Krams. Und was macht einen 70er-Film aus? Die Antwort erhielt er bei einer Einführung in den Film „Across the 110th Street“ anlässlich der Blaxploitation-Reihe im Hamburger Metropolis.

– Annika Stelter hat auf Die Filme, die ich rief „The Searchers“ gesehen und ist nach anfänglicher Skepsis dann am Ende doch begeistert. Was ich schön finde. „The Searchers“ war für mich immer ein Mythos, weil er als einziger Film in Joe Hembus „Western Lexikon“ (welches ich wortwörtlich kaputt gelesen habe) vier Sterne bekam. Als ich ihn dann viele, viele Jahre später sah, war ich nicht so hin und weg wie Joe Hembus, fand ihn aber natürlich gut. Allerdings sehe ich das ganze grundlegend anders als Annika. John Wayne ist in dem Film kein „Guter“ und dass sie ihn „hier einfach unsympathisch, arrogant und nervig“ findet ist gewollt. Wayne ist hier ein Getrieber, fast würde ich sagen ein Faschist – ein Rassist auf jeden Fall. Verkrüppelt an der Seele und verbohrt bis ins Mark. Ford erzählt hier von einem Monster – ein Kapitän Ahab zu Pferde.

– In Berlin wird der Zoo-Palast wieder eröffnet. Neuer Besitzer ist Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe, der ein neues „Premium“-Konzept für Kinos entwickelt hat. Joachim Kurz berichtet darüber auf kino-zeit.de. Außerdem hat Martin Daßinnies ein Interview mit Pablo Berger, dem Regisseur des Schwarz-Weiß-Stummfilm-Märchens „Blancanieves“ geführt, welches in Kürze in deutsche Kinos kommt.

Grün ist die Heide hat sich eines problematischen Films angenommen. Der berühmteste und berüchtigste Macher von NS-Propagandafilmen, Veit Harlan („Jud Süss“, „Kolberg“) durfte – im Gegensatz zu Leni Riefenstahl – nach dem 2. Weltkrieg wieder in den Regiestuhl zurückkehren und in der jungen Bundesrepublik weiter Filme drehen. Einer davon war „Anders als Du und ich“, der das Thema Homosexualität dämonisierte. Udo Rotenberg nimmt den Film und dessen Urfassung „Das dritte Geschlecht“ unter die Lupe.

– Auf L’Amore in cità geht Udo dann dahin, wo es – mir zumindest – weh tut. Ins Reich der flotten Teens und Knallköpfe – der Commedia sexy all’italiana. Mit deren lauten und infantilen Komik konnte ich – bis auf wenige Ausnahmen – noch nie etwas anfangen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass meine geliebte Edwige (Fenech) hier häufig mitspielte. So auch in dem hier besprochenen „Die Knallköpfe der 6. Kompanie“. Aber kann das einen Alvaro Vitali aufwiegen?

– Michael Brodski bespricht auf Negativ Zhangke Jias Film „A Touch of Sin“, der in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde und die Zustände in China anprangert.

– Peter Gutting schreibt auf cinetastic.de über den zweiten Teil einer geplanten Trilogie von Florian Eichinger, über den Einflüsse der Familie auf das Leben der Menschen. Das Beinah-Kammerspiel „Nordstrand“ über zwei Brüder, die unter der Gewalt des Vaters litten und selbst neben seelischen Wunden, auch eigene Leichen im Keller haben, klingt sehr vielversprechend.

– david schreibt auf Whoknows presents eine wunderbare Verteidigung des B-(C?)-Films „Blood Beach“ bei dem er u.a. den „Magritte-Shot“ entdeckt. Schön.

– Alexander Matzkeit wirft auf real virtuality die provokante Frage auf, was Journalismus eigentlich ist, ob Blogger, die nicht Journalismus gelernt haben, trotzdem Journalisten sind und ob Journalismus überhaupt noch von jedem gebraucht wird. Er untermauert seine Thesen für mich klar nachvollziehbar und ich bin gespannt, ob er damit ähnliche Wellen schlagen wird, wie bei seinem kontrovers aufgenommenen Text über die Filmblogosphäre Anfang des Jahres.

– Oliver Nöding von Remember it for later hat „Only God Forgives“ (den ich im Kino ziemlich umwerfend fand) gesehen und ist erwartungsgemäß enttäuscht. Aber irgendwie lässt ihn der Film doch nicht ganz los.

DVD-Rezension: “Die Kröte“

Von , 21. November 2013 20:08

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Der buckelige Kleingangster Vincenzo Marazzi (Tomas Milian) kehrt aus seinem Exil auf Korsika zurück. In Rom angekommen, tut sich gleich wieder mit seiner alten Bande zusammen, um einen Geldtransport zu überfallen. Doch seine ehemaligen Partner haben andere Pläne als er, und versuchen Vincenzo während des Überfalls zu erschießen. Doch Vincenzo überlebt und bereitet mit Hilfe seiner Geliebten, der Prostituierten Maria (Isa Daniela), seine Rache vor. Unterstützung erhält er dabei auch von seinem Zwillingsbruder Sergio „Monnezza“ Marazzi (ebenfalls Tomas Milian), der ihm die Polizei in Gestalt des Kommissars Sarti (Pino Colizzi) vom Leib hält.

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Mit „Die Kröte“ legte das Gespann Umberto Lenzi (Regie) und Tomas Milian (Hauptdarsteller) ihre letzte gemeinsame Zusammenarbeit vor. Dabei griffen sie auf die beiden Hauptfiguren aus den zuvor entstanden Filmen „Das Schlitzohr und der Bulle“ und „Die Viper“ zurück. Damit führten sie ihre gemeinsame Kollaboration auf einen Höhepunkt. In „Der Bulle und das Schlitzohr“ hatte Milian die Figur des „Monnezza“ etabliert. Einen lauten, vulgären Typ, der gerne seine scheinbare Naivität in den Vordergrund stellt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Die Figur war so erfolgreich, dass sie in dem vom Stelvio Massi ein Jahr später inszenierten „Die Gangster-Akademie“ wieder auftauchte. Ihr zur Seite gestellt wird der „Bucklige von Rom“ Vincenze Moretti, der hier hier in Vincenzo Marrazi umbenannt wurde und als 10 Minuten älterer Zwillingsbruder von Monnezza vorgestellt wird. Gegenüber seinen ersten Auftritt in „Die Viper“ ist Vincenzo hier kein brutaler, schießwütiger Killer, sondern ein besonnener, wenn auch weiterhin missgelaunter kleiner Gangster. Auch wird sein Hass auf die Welt durch seine Missbildung erklärt und diese nicht als äußeres Zeichen von Bösartigkeit präsentiert. Vincenzo ist ein rüder, aber auch tragischer Charakter, den man im Laufe des Filmes so gut kennenlernt, dass man mit ihm mitzufühlen kann. Insbesondere sein Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder – so widersprüchlich es auch scheinen mag – sorgt am Ende dafür, dass man eine kleine Träne im Augenwinkel hat.

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Während Lenzis anderen Poliziotteschi oftmals episodenhaft wirken und durch perfekt inszenierte Action auffallen, ist „Die Kröte“ ein eher ruhiger Film. Zwar setzt Lenzi auch hier seine Markenzeichen, wie die rasanten, realistisch in Szene gesetzten Autoverfolgungsjagden, ein, doch die Actionszenen sind eher spärlich gesät. Was auch daran liegt, dass der Hauptfigur Vincenzo kein markanter Gegenspieler entgegen gesetzt wird. Einen Maurizio Merli, der sich prügelnd und ballerend durch die Unterwelt walzt, sucht man hier vergebens. Es gibt zwar einen Kommissar, doch dieser ist sehr viel realistischer als der „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“-„Merli gezeichnet. Er legt wert auf korrekte Ermittlungen und gesteht selbst dem schlimmsten Verbrecher ein faires Verfahren zu. Für einen Merli undenkbar. Dies hat auch zur Folge, dass die Polizei in den Hintergrund tritt und Milian sehr viel mehr Raum bekommt, seine Figur des Vincenzo zu entwickeln. Was er auch in vollen Zügen ausnutzt, denn Milian schrieb die Dialoge seiner Figur Vincenzo und Monezza selber und baute darin nicht gerade wenig Sozialkritik ein. Legendär schon Monnezzas Ausspruch: „An dem Tag an dem aus Scheiße Gold wird, wird der erste Arme ohne Arsch geboren“.

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Höhepunkt des Filmes ist der Besuch Vincenzos mit seiner Geliebten Maria (handfest und praktisch veranlagt dargestellt von einer sympathischen Isa Danieli) in einem feinen Nachtclub. Als Maria tanzen möchte, fragt sie Vincenzo zunächst, ob es ihm was ausmacht, wenn sie mit einem seiner Bandenmitglieder tanzen würde. Vincenzo fragt sie, warum sie nicht ihn auffordere und sie sagt ihm ehrlich, sie dächte es wäre ihm aufgrund seiner körperlichen Behinderung unangenehm. Doch Vincenzo entgegnet, dass das Quatsch wäre. Er würde seiner lieben Maria einen tollen Abend bieten wollen und mit ihr gemeinsam Spaß haben. Man ahnt wie es ausgeht. Und tatsächlich: Das Pärchen wird von den Reichen und Schönen begafft und bald schon fängt man an, sich über Vincenzo und seinen Buckel lustig zu machen. Als es ihm zu viel wird, legt Vincenzo selber noch einen drauf und gibt für die gackernde Menge den Hofnarren. Hätte der Vincenzo aus „Die Viper“ nun ein Blutbad angerichtet, so geht diese Inkarnation weitaus subtiler vor. Statt seine Peiniger mit Blei vollzupumpen, wählt er einen anderen Weg: Er macht sie lächerlich und peinlich. Gewalt ist eben nicht immer die Lösung für alles.

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Vincenzos Zwillingsbruder Monnezza wird ebenfalls von Tomas Milian gespielt. Im Blaumann und mit einer unglaublichen Afroperücke, so wie er etwas später auch in der populären Komödien-Reihe um den „Superbullen“ Nico Giraldi (in der deutschen Fassung Toni Marroni) aussehen sollte. Eigentlich ist der vorlaute und proletenhafte Monnezza eine ideale Witzfigur, doch so spielt Milian ihn nicht. Trotz seiner unflätigen Ausdrucksweise und seinem gestenreichen Auftreten, ist Monnezza eine Figur aus Fleisch und Blut. Sie wird nicht auf oberflächlichen Witz reduziert, sondern bekommt gerade in den Szenen mit dem geliebten Bruder Vincenzo Tiefe. Auch wird deutlich, dass er seine scheinbaren Naivität und „Verrücktheit“ als Schutzschild gegen diejenigen verwendet, die ihm nicht wohlgesonnen sind oder seine Pläne durchkreuzen wollen.

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Wie Milian diese beiden optisch sehr unterschiedlichen Charaktere spielt, ist sehenswert. Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, es handele sich um zwei Schauspieler, so verschieden sind die Figuren auch in Mimik und Gestik. Das diese Trennung in zwei Charaktere so überzeugend geschieht, ist auch der deutschen Synchronstimme, dem 2007 leider viel zu früh verstorbenen Randolf Kronberg, zu verdanken. Kronenberg war die deutsche Stimme von Edie Murphy und mit dieser „Quietschstimme“ spricht er auch den Monnezza. Vincenzo spricht er sehr viel dunkler und bedrohlicher. Führt man sich vor Augen, dass Kronberg auch Michael Landon in der TV-Serie „Ein Engel auf Erden“, Dr. „Pille“ McCoy in „Raumschiff Enterprise“ oder Bürgermeister Quimby in den „Simpsons“ sprach, wird einem seine großen Stimmkunst erst so richtig bewusst.

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„Die Kröte“ wartet nicht mit den großen Actionszenen und Gewaltausbrüchen, wie Lenzis vorherigen Poliziotteschi, auf. Der Film konzentriert sich vornehmlich auf die Charakterisierung seiner beiden Hauptfiguren Vincenzo und Monnezza, die beide auf großartige Art und Weise von einem gut aufgelegtem Tomas Milian verkörpert werden. „Die Kröte“ ist gleichzeitig ein Höhe-, wie auch würdiger Schlusspunkt aus der Spätphase des Genres. Danach verkam der Poliziottesco – ebenfalls mit Tomas Milian als Protagonisten – immer mehr zu einer Travestie. Aber in „Die Kröte“ zeigen Regisseur Lenzi und Hauptdarsteller Milian noch einmal eindrucksvoll, zu welchen Höchstleistungen sie beide fähig waren.

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Die filmArt-DVD ist empfehlenswert. Auch wenn die Kopie offensichtlich von einer gut erhaltenen Kinorolle gezogen wurde und manchmal leichte Bildschäden aufweist, sind doch Schärfe und Farbe ohne Fehl und Tadel. Auch der Ton ist einwandfrei. Das Bild hat das Format 1:2,35, der Ton liegt in Deutsch, Englisch und Italienisch (mit hinzu schaltbaren Untertiteln) vor. Als Extras gibt es den Trailer, sowie weitere Trailer für Filme aus dem filmArt-Programm. Highlight ist der zweite Teil eines Interviews mit dem Komponisten Franco Micalizzi, der bei dem Film den richtigen Beat sorgte. Dieses geht 25 Minuten und ist sowohl interessant, als auch durch die sympathische Art Micalizzis sehr unterhaltsam. Ferner liegt der DVD ein sehr gut geschriebenes und informatives Booklet von Dr. Markus Stiglegger und Ivo Ritzer bei.

Originalfassungen in Bremen: 21.11.13 – 26.11.13

Von , 20. November 2013 19:54

Eine Woche völlig ohne Highlights. Okay, Polanskis neuer Film läuft in O-Ton, aber zu einer Zeit, zu der kein normal arbeitender Mensch ins Kino gehen kann. Da bleibt mir nur, auf unsere Reihe „Weird Xperience“ im City 46 hinzuweisen, wo am Sonntag mit „Mad Circus“ unser letzter Film für dieses Jahr läuft.

Die Tribute von Panem – Catching Fire – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:30 – Der zweite Teil der Saga. Ich kenne die Bücher nicht, aber die Serie scheint sehr beliebt zu sein. Klingt für mich immer noch nach “Battle Royale” für Teenies, aber ich habe mittlerweile auch Gutes gehört.

Doctor Who – 50th Anniversary 3D – Cinemaxx, Sa., 23.11. um 20:30 und 22:30 – Zum 50. Jubiläum der BBC-Serie „Doctor Who“ wird die 3D-Jubiläumsfolge „The Day of the Doctor“ in ausgewählten Kinos gezeigt.

Ram-Leela – Cinemaxx, Do. um 20:00 und So. um 17:00 – Bollywood im Cinemaxx!!!! Obwohl ich mich lange Zeit sehr für das verrückte indische Kino interessiert habe, sagen mir die Namen der Darsteller und der Macher rein gar nichts. Aber die Fans wissen sicherlich Bescheid. Ram-Leela soll eine moderne Bollywood-Version von Romeo und Julia sein.

Su Ve Ates – Wasser und Feuer – Do./Sa. 23:00, Fr./So.-.Mi. 21:30 und So. 16:30 – Türkisches Liebesdrama von und mit Özcan Deniz.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Do./Fr., So.-Mi. 22:30, Sa. 16:45 – Prequel zur türkischen Komödie „”Hükümet Kadin” um einen Bürgermeisterwahlkampf Ende der 40er Jahre.

Meine Welt – Benim Dünyam – Cinemaxx, Fr.-So., Di./Mi. 23:15 – Türkisches Drama um eine junge Frau, die als Kind durch eine Krankheit blind und taub wurde und nun in den 50er Jahren einen jungen Mann trifft, der mit ihr Kontakt aufnehmen will.

Blue Jasmine – Schauburg, Do.-Mi. immer 21:30 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

Venus im Pelz – Gondel, Mo., 25.11. um 12:00 – Roman Polanskis neuer Film ist ein Kammerspiel mit nur zwei Darstellern: Seiner Ehefrau Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric. Ein Theaterregisseur plant ein Stück nach Sacher-Masochs Roman „Venus im Pelz“ auf die Bühne zu bringen und gerät bei einem Vorsprechen an eine geheimnissvolle, schöne Frau.

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Lola  – City 46, Do., 21.11. um 20:30 -Philippinischer Spielfilm von Brillante Mendoza um zwei Großmütter in Manila. die eine will ihren Enkel aus dem Gefängnis befreien, indem sie der Großmutter eines von ihm ermordeten Jungen Geld bietet. Diese wiederum kann die Beerdigung ihres Enkels nicht bezahlen. Harter Stoff.

Concussion – City 46, Fr., 22.11. um 20:30 – amerikanischer Queerfilm um eine Frau, die nach einer Gehirnerschütterung ihr Leben umkrempelt, Affären mit anderen Frauen hat und schließlich als Prostituierte für Frauen arbeitet.

Play – City 46, So./Mo. um 20:30 und Di. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm um eine einsame Krankenpflegerin, die eines Tages eine Aktentasche findet und fortan deren Besitzer, dem Architekten Tristan folgt und dessen Leben beobachtet. Am Dienstag, den 26.11. ist Regisseurin Alicia Scherson zu Gast.

Turistas – Mi., 27.11. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm. Die schwangere Clara wird nach einem Streit von ihrem Ehemann an einer Tankstelle allein gelassen. Sie freundet sich mit dem schwulen Norweger Ulrik an, der sie mit in den nahegelegenen Nationalpark nimmt, wo sie Natur und skurrile Typen kennenlernt. Regisseurin Alicia Scherson ist bei der Vorführung anwesend.

Mad Circus – City 46, So., 24.11. um 18:00 – Die letzte Weird Xperience in diesem Jahr. Alex de la Iglesias großer Gewinner beim Filmfest in Venedig um Clowns, Eifersucht, Rache und Mord. Natürlich wieder mit einer Einführung durch Stefan und mir.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 25.11. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 25.11. um 21:45

 

DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″

Von , 19. November 2013 19:32

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Da ist sie nun also. Die zweite Giallo-Box aus dem Hause Koch Media. Und wieder gab es bei den Fans im Vorfeld einiges Murren bezüglich der Filmauswahl. Tatsächlich ist wieder nur ein Film von dreien ein waschechter Giallo: „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“. Die anderen beiden Filme finden sich in einschlägigen Nachschlagewerken aber ebenfalls unter „Giallo“. Was auch nicht verkehrt ist, denn „Giallo“ steht in Italien ganz allgemein für „Krimi“ bzw. Thriller. Somit ist die „Giallo Box 2“ keine Mogelpackung. Mittlerweile wird der Begriff „Giallo“ aber mit einer ganz besonderen Art des Thrillers gleichgesetzt. Jener nämlich, die im Gefolge von „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ entstand und als Zutaten möglichst viele stylische Morde – vornehmlich an schönen Frauen -, einen geheimnisvollen Killer mit schwarzen Handschuhen und tolle Filmmusik aufweist. Auf „Blutiger Zahltag“ und „In the Folds of the Flesh“ triff dies nur bedingt zu, weshalb einige Leute diesen Filmen den „Giallo“-Status absprachen und über die Auswahl maulten. Besonders „Blutiger Zahltag“ traf es, der außerdem in Deutschland – wenn auch als Bootleg und in gekürzter Form – bereits verschiedene Veröffentlichungen erfuhr. Auch „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“ war bereits in guter Qualität auf DVD zu kaufen gewesen – allerdings auf einer nicht lizenzierten Scheibe.

Dann erschien kurzfristig ein Cover der Box bei Amazon, auf dem statt „Blutiger Zahltag“ plötzlich Umberto Lenzis „Deadly Trap“ zu lesen war. Das schürte kurz die Verwirrung, stellte sich dann aber als früher Entwurf heraus, der auf geheimnisvollen Wegen ins Netz geraten war. Tatsächlich war ursprünglich „Deadly Trap“ geplant, doch da es hierzu nur ein gekürztes Master gab, wurde der Film erst einmal – für eine Veröffentlichung in einer möglichen dritten Giallo-Box – zurückgestellt. Als Untertitel der finalen Box prangt wieder ein martialischer Schriftzug auf der Vorderseite: „Die spektakuläre Box der blanken Messer“, was wieder völliger Quatsch ist, den potentiellen Käufer tatsächlich auf eine falsche Fährte lockt und zu Enttäuschungen führen könnte. Keine Enttäuschung ist auf jeden Fall die Bild- und Tonqualität der Filme, denn die ist hervorragend.

The Child – Die Stadt wird zum Alptraum (Chi l’ha vista morire, 1972)

In den französischen Alpen wird ein kleines Mädchen von einer mysteriösen, ganz in schwarz gekleideten Frau umgebracht. In Venedig ereilt dieses grausige Schicksal vier Jahre später auch die kleine Roberta (Nicoletta Elmi), Tochter des Bildhauers Franco Serpieri (George Lazenby). Voller Trauer und Selbstvorwürfen Weiter lesen 'DVD-Rezension: “Die Koch Media Giallo Collection Teil 2″'»

Das Bloggen der Anderen (18-11-13)

Von , 18. November 2013 21:44

bartonfink_type2– Wie ich in meinem Bericht über das diesjährige Internationale Filmfest in Oldenburg erwähnt habe, war „The Act of Killing“ für mich ein Highlight und Magenschwinger par excellence. Ein Film, an den ich noch häufig gedacht habe, und der mir noch immer Schauer verursacht. Dieser Tage kommt er auch regulär in die Kinos und ist deshalb in der vergangenen Woche eins der Hauptthemen in der deutschen Filmblogszene gewesen. So gab es eine Review von Arne Fischer auf Daumenkino, sowie gleich zwei Interviews mit dem Regisseur Joshua Oppenheimer auf Zeilenkino und auf kino-zeit.de.

– Apropos kino-zeit.de. Diese empfehlenswerte Seite hat seit einiger Zeit auch einen Blog namens B-Roll für seine Autoren eingerichtet. Dort gibt es noch einen (aber das Festival kann gar nicht genug propagiert werden) Rückblick auf die Nordischen Filmtage von Sonja Hartl und Martin Beck sinniert über Found-Footage-Horror.

– Patrick Holzapfel macht sich auf seinem Blog Jugend ohne Film interessante Gedanken über Filmsprache, und was der Regisseur zeigt und was eben nicht.

Der Kinogänger berichtet wieder über neue Projekte in Hollywood.

– Bald kommt der mit viel Neugier erwartete dritte Spielfilm von Steve McQueen in die Kinos: „12 Years A Slave“. Frank Schmidtke hat ihn für cinetastic.de gesehen und ist sehr angetan. Weniger angetan ist Ronny Dombrowski von Brian de Palmas „Passion“.

PewPewPew berichtet darüber, dass schwedische Kinos das sogenannte Bechdel-Rating einführen. Demnach muss ein Film, um ein A-Rating zu bekommen, folgende Kriterien erfüllen: „It must have at least two named female characters who talk to each other about something other than a man“.  Ferner wird die schöne Zusammenstellung von SciFi-Kurzfilmen weitergeführt.

– Auf Hard Sensations schreibt Bianca Sukrow begeistert über das Sozialdrama „The Selfish Giant“, dem sie eine lange und interessante Review spendiert. Währenddessen hat Jamal Tuschick Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt „Don Jon“ angesehen und ist recht angetan.

– Gar nicht angetan ist filmosophie von Ridley Scotts neuem, starbesetzten Film „The Counselor“. Ihre enttäuschte Rezension findet man auf filmosophie (wo auch sonst?). Dort schreibt auch patrick. Er hat sich den südkoreanischen Gangster-Thriller „New World“ vorgenommen und für gut befunden.

Drama Blog fasst in wenigen Sätzen einen interessanten Artikel des Hollywood Reporter zusammen, warum Deutschland für Hollywood ein wichtiger Filmmarkt ist.

– Alexander Matzkeit diskutiert auf seinem Blog real virtuality mit Matthias von “Das Film Feuilleton” über die interessante Frage, in wie weit die zweite Phase der Marvel-Verfilmungen nun eine Enttäuschung und bezeichnend für den traurigen Status des amerikanischen Blockbuster-Kinos ist… oder eben nicht.

Going to the Movies sinniert am Beispiel von „Ich bin Nummer Vier“ darüber, weshalb so viele Verfilmungen von erfolgreichen Jugendbuch-Reihen an der Kinokasse scheitern.

– Gewohnt ausführlich analysiert Manfred Polak auf Whoknows presents den Anti-Nazi-Film „This Land is Mine“ von Jean Renoir, den er 1943 im amerikanischen Exil drehte. Dabei geht er auch im Detail auf Renoirs politische Überzeugungen ein.

– Udo Rotenberg führt drei Blogs. Davon widmet sich einer dem italienischen Kino und ein anderen dem deutschen. Jürgen Rolands Kiez-Reißer „Zinksärge für die Goldjungs“, der mit Italien co-produziert wurde und von dem zwei unterschiedliche (eine italienische und eine deutsche) Versionen existieren, ist ein Fall sowohl für L’Amore in cità, als auch Grün ist die Heide und kann sowohl hier als auch hier nachgelesen werden. Ferner hat sich L’Amore in cità dem unbekannten Film „La fuga“ (Liebe im Zwielicht) angenommen, während Grün ist die Heide Frank Wisbars „Die Unbekannte“ von 1936 bespricht, in dem die legendäre Sybille Schmitz die Hauptrolle spielt.

– Auch totalschaden hat sich auf Splattertrash einer deutsch-italienischen Co-Produktion angenommen: „Der Mörder mit dem Seidenschal“ für den Adrian Hoven Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion war.

– Auf critic.de wurden eine Reihe von Roland-Klick-Filmen vorgestellt. Ein guter Startpunkt, um sich mit Klick zu beschäftigen bietet dabei die Doku „The Heart Is A Hungry Hunter“, die ebenfalls besprochen wird.

– Einer der wichtigsten und interessantesten Regisseure Japans ist Kôji Wakamatsu, der hierzulande leider nicht so bekannt ist, wie es wünschenswert wäre. Was wohl auch an der geringen Verfügbarkeit seiner Filme in Deutschland liegt. Da muss man schon ins Ausland aufweichen, was man nach der Lektüre von Michael Schleehs „Ecstasy of the Angels“-Review auf Schneeland sicherlich gerne tut.

– Harald Mühlbeyer hat bei „Grindhouse Night & Day“ im Kino Quadrat in Mannheim sieben Grindhouse-Filme in 14 Stunden gesehen. Wow, nicht schlecht. Ebenfalls nicht schlecht ist es für uns, dass er diese auch auch alle auf screenshot bespricht.

– Viele schöne Filme gibt es auch immer in der Reihe Cinema Bizzar in Hamburg zu sehen. Anlässlich eines Stuntman-Specials innerhalb dieser Reihe hat The Wayward Cloud einen ausführlichen und spannenden Artikel über Stuntleute verfasst.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later immer noch mit Jürgen Enz beschäftigt und hat sich deshalb „Die Liebesvögel – Küss mich da, wo ich es mag“ angesehen.

– Annika Stelter hat auf ihrer Filmreise auf Die Filme, die ich rief schon wieder einen meiner persönlichen Lieblingsfilme gesehen: „Posession“ von Zulawski. Schön, dass er sie ebenso durchgerüttelt hat, wie mich.

– Bevor er „Kult“ wurde, spielte Helge Schneider schon in etlichen Filmen mit. Häufig für Schlingensief, aber auch Werner Nekes. So auch 1986 in „Johnny Flash“ (den ich auch noch unbedingt gucken muss). Stubenhockerei stellt das Frühwerk vor.

DVD-Rezension: “Psychomania”

Von , 14. November 2013 20:06

psychomaniaDer jugendliche Tom Latham (Nicky Henson) ist der Anführer der Motorrad-Gang „The Living Dead“, die ihre Umgebung terrorisiert. Er lebt mit seiner Mutter (Beryl Reid) und dem mysteriösen Butler Shadwell (George Sanders) in einem schlossähnlichen Gebäude. Mrs. Latham ist ein Medium und hat einst einen Pack mit dem Teufel geschlossen. Auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater, kommt Tom hinter das Geheimnis ewigen Lebens. Kurzerhand begeht er Selbstmord, um kurze Zeit später als Untoter mit mörderischen Instinkten wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Er überredet seine Gang, es ihm gleichzutun und bald schon rollen echte „lebende Tote“ auf ihren Motorrädern durch die Gegend…

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Der Film war mir unter dem Titel „Der Frosch“ schon länger bekannt, obwohl ich ihn nie gesehen hatte. Ich erinnere mich aber sehr gut an den Eintrag in dem für Genrefreunde völlig unbrauchbaren, aber mit einem gewissen Abstand recht unterhaltsamen, Buch „Das Horror-Film Lexikon“ vom Duo Infernale Ronald M. Hahn und Volker Jansen, die 99,5% aller besprochenen Filme hemmungslos verrissen. Dort kam natürlich auch „Der Frosch“ nicht gut weg. Tatsächlich wurde eine ziemlich geschmacklose Verbindung zwischen dem Selbstmord des großen George Sanders und diesem Film gezogen. Was mich aber schon immer verwunderte, war die Inhaltsangabe, die so gar nicht mit dem merkwürdigen, deutschen Titel zusammenpasste. Interessanterweise gab es auch ein Foto aus dem Film, auf dem der rundlich-kindliche Denis Gilmore zu sehen war und ich dachte daraufhin immer, Gilmore würde aufgrund seines Aussehens einen Typen mit Spitznamen „Frosch“ spielen.

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Dank der DVD-Veröffentlichung des Hauses Colosseo Film weiß ich es jetzt besser. „Der Frosch“ alias „Psychomania“, wie er im Original und bei der deutschen DVD-Veröffentlichung heißt, ist ein gediegener, britischer Horror-Film, der alle möglichen Zutaten in einen großen Topf wirft und manchmal das Umrühren vergisst. Da sind zunächst einmal die jungen Rocker auf ihren Motorrädern, die wahrscheinlich zu einem Teil von den jugendlichen Brutalos aus dem zwei Jahre zuvor entstanden „Uhrwerk Orange“, und zum anderen Teil von den amerikanischen Biker-Filmen aus der Corman-Fabrik inspiriert wurden. Sie nennen sich – wenn man an ihr weiteres Schicksal denkt, durchaus prophetisch – „The Living Dead“ und schikanieren gerne ihre Umwelt. Dabei schrecken sie auch vor absichtlich herbei geführten Unfällen mit tödlichem Ausgang nicht zurück. Trotzdem wirkt die Bande irgendwie nicht besonders bedrohlich, was auch an ihren bösen, aber irgendwie auch amüsant wirkenden, Helmen in selbstgebastelter Totenkopfoptik liegt. Auch wenn sie später als Untote unschuldige Passanten durch einen Supermarkt jagen, will sich kein besonderes Gefühl der Bedrohung einstellen. Man fühlt sich dabei etwas an den Monty-Python-Sketch mit den „Hell’s Grannies“ erinnert.

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Andererseits will Regisseur Don Sharp, der zuvor für die legendären Hammer-Studios einige Klassiker inszenierte, das Ganze mit einer okkulten Gothic-Horror-Story verweben, was zu einem vielleicht nicht immer stimmigen, aber doch interessanten Ergebnis führt. Hier geht es um die Mutter des Biker-Anführers Tom Latham, die zusammen mit ihrem Butler Shadwell (auf Autopilot gespielt vom großartigen George Sanders) in einem großen Herrenhaus lebt, sich dort als Medium verdingt und ein finsteres Geheimnis hat. Jenes, das kann an dieser Stelle verraten werden, ist ein Pakt mit dem Teufel, bzw. eines anderen Dämons, der die Gestalt einer Kröte (der titelgebende „Frosch“) angenommen hat. Dieser Teil der Geschichte führt zu einer ausgesprochen stimmungsvoll umgesetzten Szene, in der der junge Tom in einem geheimnisvollen Zimmer hinter das Schicksal seines Vaters kommen will. Ein Handlungspunkt, der dann aber leider schnell fallen gelassen wird. So richtig will die Symbiose aus altmodischem Grusel und modernen Unruhestiftern nicht funktionieren, doch gerade dieses Scheitern macht einen Teil des charmanten Reizes dieses Filmes aus.

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Dass Sharp und sein Kameramann Ted Moore (Director of photography bei sieben klassischen James-Bond-Filmen!) ihr Handwerk verstehen, sieht man nicht nur an der oben erwähnten „Zimmer-Szene“. Gerade wenn zu Beginn die Motorräder in Zeitlupe durch den Nebel gleiten, oder später Tom mitsamt seinem Motorrad aus seinem Grab springt, gelingen atmosphärische Bilder, die man nicht so schnell vergisst. Wobei Sharp auch von dem tollen Soundtrack des Komponisten John Cameron unterstützt wird, welcher erst kürzlich von der Gruppe Zoltan als Cover-Version auf Vinyl veröffentlicht wurde und beim Cinestrange in Dresden live aufgeführt wurde. Das schönste Kabinettstückchen ist aber eine 360-Grad-Kamerafahrt in der Leichenhalle, über die man aber nicht zu viel schreiben sollte, weil man dadurch eine wichtige Wendung in der Handlung verraten würde. Demgegenüber sind die wirklich „klassischen“ Horrorszenen eher unspektakulär ausgefallen. Blut bekommt man so gut wie keines zu sehen. Menschen, die bei einem Fall aus großer Höhe zerschmettert werden, sehen danach immer noch völlig intakt aus und die beiden großen Mordszenen des Filmes finden im Off statt.

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Neben George Sanders, einem der größten Namen des britischen Kinos in den 40er und 50ern, für den der Film sichtlich nur eine Geldbeschaffungsmaßnahme war, gibt es auch ein Wiedersehen mit einer weiteren Ikone des britischen Films. Als Inspektor sieht man den jungen Robert Hardy, der sich einige Zeit später als Siegfried Farnon in der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“auch in die Herzen deutscher Fernsehzuschauer spielte und zum Stammpersonal der „Harry Potter“-Filme gehörte, wo er den Cornelius Fudge darstellte. Den Biker-Anführer Tom gibt Nicky Henson, der danach in zahlreichen britischen Fernsehserien mitspielte. Zu seiner Gang gehören das rothaarige Babygesicht Denis Gilmore und der milchgesichtige Miles Greenwood, der seine Lippen zu dem Hippie-Song „Riding Free“ bewegen darf. Auf der Seite der Damen sticht Ann Michelle als ebenso schöne, wie bösartige Jane Pettibone hervor. Ihr Gegenpart Mary Larkin, als Toms Liebchen Abby, muss ihr gegenüber blass bleiben. Aber auch so ist Abbys Charakter so uneinheitlich gezeichnet, dass sie dem Zuschauer reichlich egal bleibt. Lieber würde man mehr von Ann Michelle sehen.

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Bei „Psychomania“s Schurken von „Zombie-Bikern“ zu sprechen, ist etwas zu viel des Guten und lenkt die Zuschauer in eine falsche Richtung. Die „Zombies“ sind eher unsterbliche Wiedergänger und ihre Untaten werden recht unspektakulär in Szene gesetzt oder gar gänzlich ins Off verlagert. Auch die Vermischung mit Okkult-Horror gelingt nicht wirklich. Trotzdem besitzt der Film einen gediegen-britischen Charme und wirkt auf seine unperfekte Weise durchweg liebenswert. Unterstützt wird er durch einen tollen Soundtrack und eine streckenweise sehr stimmungsvoll Fotografie.

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Für die DVD-Veröffentlichung lag kein Negativ mehr vor, was man an leider an der Bildqualität merkt, die bestenfalls nur durchschnittlich ist. Aber besser so, als gar keine Veröffentlichung. Wirklich schade ist es, dass auch der Ton nur suboptimal ist. Der englische Ton ist dumpf, leise und die schöne Musik von John Cameron wird ziemlich in den Hintergrund gedrückt. In der deutschen Fassung ist sie etwas weiter nach vorne geholt, aber auch nicht besonders dominant. Zudem sind die Dialoge etwas verrauscht und blechern. Als Extra gibt es nur einen Trailer.

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