Blu-ray-Rezension: „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“

Von , 11. Oktober 2018 16:59

Die beiden Polizisten Alfredo (Marc Porel) und Antonio (Ray Lovelock) gehören zu einer Spezialeinheit in Rom an, welche die Straßen vom Verbrechen säubern will. Notfalls auf präventiv durch eine Kugel zwischen die Augen. Als ein Kollege durch die Leute des lokalen Mafiabosses Roberto Pasquini (Renato Salvatori) umgebracht wird, machen sich Antonio und Alfredo daran, Pasquini das Handwerk zu legen und geraten dabei ins Fadenkreuz des Gangsters.

Beim ersten Ansehen von „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ fällt einem erst einmal gepflegt die Kinnlade herunter. Was sich dort von den Augen des unbedarften Zuschauers abspielt ist im Grunde völlig unfassbar. Polizisten benehmen sich wie psychopathische Schulkinder und knallen mit einem frechen Grinsen auf dem Gesicht alles kaltblütig weg, was ihnen vor den Lauf kommt. Ohne Rücksicht auf Verluste unter den Zivilisten, und ohne auch nur einen Gedanken an eine simple Festnahme zu verschwenden. Nein, nur töten macht Spaß. Oder die Autos reicher Bonzen anzuzünden, die sich gerade in dem Spielkasino eines Verdächtigen aufhalten. Warum? Weil! Und wenn da der ein oder andere kleine Handlanger bei draufgeht? Was soll’s? Nebenbei wird die hübsche Kollegin sexuell belästigt oder man rutscht mal hintereinander über die nymphomane Schwester eines Verdächtigen rüber. Lustig ist das Polizisten-Leben!

Dass Regisseur Ruggero Deodato das alles bitterernst gemeint hat und die Taten seiner Protagonisten gut heißt, darf bezweifelt werden. Viel mehr treiben er und sein Drehbuchautor Fernando di Leo das auf die Spitze, was die Poliziotteschi von Leuten wie Lenzi oder Massi vor ihnen schon auf die Leinwand gebracht haben. Der Cop als reinigende Kraft, die auf eigene Faust mit dem Gesocks auf der Straße aufräumt. War Maurizio „Kommissar Eisen“ Merli noch der Watschenverteiler, dem zwar auch der Colt locker an der Hüfte saß, der aber noch ein letztes Bisschen Anstand und Bürgernähe besaß. Das ist hier vollkommen vorbei. Die beiden Posterboys Antonio und Alfredo interessiert eigentlich nur eins, nämlich sie selber. Und da ihnen das Töten solch eine Freude bereitet, sehen sie in ihrem Gegenüber nur das potentielle Opfer ihrer Mordlust. Beide sind Psychopathen reinsten Wassers, was ihr Chef natürlich allzu gut weiß. Halbherzig stellt er sie nach jedem Massaker zur Rede, weiß aber natürlich auch, dass die Beiden für ihn nicht mehr sind als zwei tödliche Waffen, die er bei Bedarf, und ohne mit der Wimper zu zucken einsetzt. So etwas wie Moral kommt in der Welt, wie Deodato sie zeichnet, nicht vor. Da wirkt sogar sein berüchtigter „Cannibal Holocaust“ in dieser Hinsicht etwas sanfter, da es dort mit Prof. Monroe wenigstens eine Figur gibt, die Herz und Gewissen zeigt. So jemanden sucht man in „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ vergebens.

Es wäre interessant herauszufinden, ob es jemanden gibt – heute oder in der Zeit der Filmpremiere – die in Antonio und Alfredo so etwas wie Helden oder gar Vorbilder sieht. Diesem Menschen möchte man allerdings nicht über den Weg laufen. Die gute deutsche Synchro versucht das blutig-misanthropische Treiben mit flotten Sprüchen noch etwas abzumildern, allerdings verstärken diese noch das Unwohlsein nur, welches einen beim Betrachten der Aktionen beider Herren befällt. Wenn beispielsweise Antonio eine Zeugin erst einen Kinnhaken verpasst und dann noch meint „Noch so ’n Scherz und du kannst dein Frühstück aus der Schnabeltasse lutschen“, dann wirkt das nicht cool, sondern im höchsten Maße sadistisch. Und am Ende sind die beiden hübschen Unsympathen nicht nur eitel, selbstverliebt, skrupellos, psychopathisch und übergriffig, sondern auch ziemlich dumm. Ohne das beherzte und ebenso kaltblütige Eingreifen ihres Bosses würden sie nämlich in 1000 Fetzen zerrissen werden. Weshalb? Weil sie lieber eine hübsche Blondine vergewaltigen, als auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, weshalb der Gesuchte nicht zugegen ist.

Aber nicht nur in Bezug auf die (Anti)Helden ihres Filmes, rechnen Deodato und di Leo mit dem klassischen Poliziottesco ab. War dieser bereits durch eine gewisse Epidodenhaftigkeit gekennzeichnet, so zerschlagen die Beiden ihren „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ in einzelne Stücke, die nur notdürftig durch die Suche nach Pasquini als roten Faden zusammengehalten werden, oftmals aber gar nichts mit diesem zu tun haben. Dadurch, dass „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ die typischen Muster eines Poliziottesco gnadenlos übertreibt, legt er dessen Strukturen und oftmals diskussionswürdigen Elemente frei, wie eben gute Satire den Finger auf die Wunde legt, indem sie die Missstände auf die Spitze und darüber hinaus treibt. Dass „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ aber trotzdem hervorragend als Poliziottesco und Actionfilm funktioniert motiviert dazu, hier vielleicht mal genauer hinzuschauen, was diese Filme eigentlich aussagen und welche Methoden sie propagieren. Und – auf den Zuschauer zurückgeworfen – weshalb er das auch gerne mal so richtig geil findet. Natürlich ist es okay, Poliziotteschi oder Actionfilme zu mögen und ihren nicht zu leugnenden Unterhaltungswert sehr zu schätzen. Aber es ist sicherlich nicht verkehrt, sich immer wieder bewusst zu machen, dass das eben eine Fantasiewelt ist, die dort kreiert wird und man solche reaktionären und gewaltgeilen Typen wie einen Merli in der realen Welt eben nicht unbedingt antreffen möchte. Von Antonio und Alfredo ganz zu schweigen.

In seinem schier unfassbaren „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ arbeitet Ruggero Deodato mit einer Technik, die später auch Paul Verhoeven bei „Starship Troopers“ anwenden sollte. Zusammen mit seinem Drehbuchautor Fernando di Leo treibt er unter dem Deckmantel rasanter Action und brachialen Unterhaltung die  „Law & Order“-Mentalität anderer Poliziotteschi auf die Spitze, legt so das darunterliegende Gedankengut frei und stellen es in Frage.

Mit „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ macht filmArt das Dutzend in ihrer Polizieschi Edition voll. Dafür wurde das Bild des Filmes neu abgetastet und ist nun – wie man in diversen Internetforen ließt – dem der englischen Bluray überlegen. Diese liegt mir zwar nicht zum Vergleich vor, doch es besteht wirklich kein Grund zur Beschwerde. Das Bild ist sehr gut, ohne seinen „Filmcharakter“ zu verleugnen. Hier hat der technische Partner LSP-Medien wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Auch der Ton ist klar und gut verständlich. Nichtsynchroniserte Stellen liegen auf Italienisch mit deutschen Untertiteln vor. Neben der deutschen ist noch die italienische und die englische Tonspur dabei, sowie ein sehr informativer und kurzweiliger Audiokommentar von Pelle Felsch und Oliver Nöding, der nur zum Ende hin etwas fahrig wird. Eine „unzensierte Deutsche Kinofassung“ ist auch dabei, wobie ich jetzt nicht sagen kann, inwieweit diese sich von dem Hauptfilm unterscheidet – wenn sie doch unzensiert ist. Als Special-Feature gibt es noch die von Ray Lovelock gesungenen Lieder „Maggie“ und „Won’t Take Too Long“, die über einem Foto von ihm abgespielt werden. Englischer Vor- und Abspann und diverse Trailer runden die Extras ab. Hervorzuheben ist noch das wirklich fette Booklet von Martin Beine, welches auch wunderbar bebildert ist.

Blu-ray Rezension: „Rock ’n‘ Roll High School“

Von , 10. Oktober 2018 16:43

Als der Direktor der Vince Lombardi High School aufgrund der rebellischen und Rock’n’Roll-süchtigen Schüler einen Nervenzusammenbruch erleidet und als Wrack in die Psychiatrie muss, übernimmt die strenge und autoritäre Miss Evelyn Togar (Mary Woronov) die Schule und zieht andere Saiten auf. Unterstützt von ihren Schergen Fritz Hansel (Loren Lester) und Fritz Gretel (Daniel Davies) führt sie ein Schreckensregime, um den Schülern wieder Disziplin beizubringen. Doch sie hat die Rechnung ohne Riff Randell (P. J. Soles), dem größten Ramones-Fan der Welt, gemacht…

Es ist durchaus verwunderlich, weshalb um „Rock ’n‘ Roll High School“ solcher frenetischer Kult wie um „The Rocky Horror Picture Show“ entstanden ist. Zwar ist die „Rock ’n‘ Roll High School“ unter Ramones-, wie auch Roger-Corman- und Joe-Dante-Fans durchaus bekannt und beliebt, doch solch ein flächendeckenden Wahnsinn wie um das britische Grusel-Musical gab es leider nie. Dabei ist die unbändige Energie, die gute Laune und die mitreisende Musik eigentlich prädestiniert für jährliche Screenings vor Hunderten von Leuten. Aber in einer nicht so gerechten Welt, rangiert „Rock ’n‘ Roll High School“ leider nur unter den (immerhin umso mehr geliebten) Geheimtipps. Vielleicht ist der verrückte Charme des Filmes und die energiereiche Punkmusik der göttlichen Ramones dann doch nichts für Otto und Ottilie Normalkinogänger.

Aus heutiger Sicht ist allein schon der Soundtrack spektakulär. Gleich zu beginnt schallen einem Paul McCartney & The Wings entgegen. Später folgen Fleetwood Mac, Devo, Alice Cooper, Lou Reed und diverse Brain Eno-Stücke, die als Score genutzt werden. Wie es eine Billigproduktion geschafft hat, all diese Musiker auf dem Soundtrack zu vereinen und damit kein Millionenbudget verbraten zu haben, gehört zu den Firmengeheimnissen der Corman-Schmiede (nein, nicht wirklich. Es wird in einem der Extras ausgeplaudert – man hatte einfach sehr gute Kontakte). Und dann sind da natürlich die Ramones. Ich war immer davon ausgegangen, das Joey, Dee Dee, Johnny und Marky einen Kurzauftritt am Ende des Filmes hätten. Weit gefehlt. Der Film dreht sich nicht nur um einen verrückten Ramones-Fan, sondern auch um die Band selber, die tatsächlich ein weiterer Hauptdarsteller in „Rock ’n‘ Roll High School“ ist. Der Höhepunkt ist dann ein Konzert, welches die Ramones im The Roxy geben und bei dem sie nicht nur ihre größten Hits spielen, sondern auch zeigen, was für eine großartige und mitreißende Bühnenband sie waren.

Aber es ist nicht nur die tolle Musik, die den Film zu dem machen, was er ist. Wenn dem so wäre, könnte man ja auch ein Musikvideo ans andere reihen. Neben der zeitlosen Geschichte von den typischen High-School-Problemen, der ersten Liebe, dem Boy-Wants-(wrong)-Girl, (Right)Girl-Gets-Boy und Jugend-Rebellion, sind es vor allem die frischen und quirligen Schauspieler, die ihren Figuren echtes, sprühendes Leben verleihen. Allen voran die fabelhafte P.J. Soles als Riff Randell (was für ein Name!). Ein Mädel mit dem man gerne tausend Pferde stehlen möchte. Aber auch Dey Young (die später in zwei deutschen Produktionen – „Zärtliche Chaoten“ und „Starke Zeiten“ mitspielen sollte) ist perfekt in der Rolle der „grauen Maus“, die allerdings gar nicht so grau ist, sondern im Gegenteil immer für einen guten Scherz und eine tolle Party zu haben ist. Und bei der immer die Lust an der Subversivität durch das „Braves Mädchen“-Äußere durchscheint. Vor allem stimmte die Chemie zwischen Soles und Young was sich auch eindrücklich auf ihre Figuren überträgt. Zu keiner Zeit denkt man, die Beiden würden nicht zusammen durch Dick und Dünn gehen. An der Lehrerfront ist Paul Bartels als Beethoven-cum-Punkrock-Fan einfach zum Knuddeln. Den Vogel schießt aber die unvergleichliche Mary Woronov als Miss Togar ab. Hochgeschossen, in engem Kostüm und strenger Frisur, dominant, autoritär und dabei auch unglaublich sexy. Auch Clint Howard als „Fonzie“-Verschnitt Eaglebauer macht Spaß.

Allein Miss Togars beiden Schergen Fritz Hansel und Fritz Gretel sind arg drüber, fügen sich aber trotzdem in den generellen Wahnsinn des Filmes ein. Zudem ist Fritz Gretel für eine der schönsten Szenen des Filmes (Stichwort: Papierflieger) zuständig. Dass dann irgendwann noch eine mannsgroße Maus und seine Mutter (!) auftauchen, ist da dann auch schon egal. Wer den Film liebt, der liebt auch den von SFX-Guru Rob Bottin gespielten Mr. Mouse. Was „Rock ’n‘ Roll High School“ zusammenhält und seinen unglaublichen Drive gibt ist der perfekte Schnitt. Man merkt, dass Regisseur Allan Arkush zusammen mit Joe Dante für die Herstellung der spektakulären Trailern der Corman-Produktionen zuständig waren. Da stimmt vom Timing her alles und macht ordentlich Tempo. Besonders gut zu sehen in der Szene in der Riff Randell in der Sporthalle „ihren“ Song „Rock ’n‘ Roll High School“ zum besten gibt und ihre Mitschülerinnen mitreißt. Die Szene wurde wurde von Joe Dante gefilmt, da Arkush erschöpft im Krankenhaus lag. Da gibt es keine großartige Choreographie, aber im Schnitt wirkt das alles authentischer, mitreißender und lebensfroher als… sagen wir mal „Mamma Mia“.

Aber warum schreibe ich hier eigentlich so viel? Man kann das alles auch in drei kurze Sätze zusammenfassen: Die Blu-ray in den Player schieben. Die Lautstärke auf Ramones-Level. Und einfach Spaß haben.

Das Bild der Anolis-Bluray ist dem Alter entsprechend sehr gut und nicht tot gefiltert. Der Ton haut trotz 2.0 Mono mit DTS-HD ordnetlich rein, was bei diesem Film natürlich besonders freut. Ansonsten ist die Bluray randvoll mit spannenden Extras. Das beginnt mit gleich vier (!!!) Audiokommentaren. Es spreche Allan Arkush und Mike Finnell,dann Allan Arkush, P.J. Soles und Clint Howard, gefolgt von Roger Corman und Dey Young, sowie Jörg Buttgereit und Alexander Iffländer. „Back to School“ ist ein 24-minütige Feature in dem sich viele der Beteiligten an die Dreharbeiten zurück erinnern. Es gibt ein 11-minütiges Interview mit Allan Arkush (wo er viele Anekdoten aus „Back to school“ wiederholt). Es gibt einen 4-minütigen Auftritt von Roger Corman bei Leonard Maltin, bei dem Beide über „Rock ‚N‘ Roll High School“ sprechen. „Staying after Class“ ist ein sehr kurzweiliges und sympathische Treffen von P.J. Soles, Dey Young und Vincent van Patten, bei dem sich die Drei gutgelaunt über ihre Erlebnisse am Set austauschen (16 Minuten). Ferner gibt es eine 15-minütige Audioaufnahme, wie die Ramones bei ihrem Roxy-Auftritt wirklich geklungen haben. Eli Roth kommentiert für „Trailers from Hell“ den US-Trailer. Spots, Werberatschläge und eine Bildgalerie runden diese tolle Veröffentlichung ab.

Das Bloggen der Anderen (08-10-18)

Von , 8. Oktober 2018 18:11

– Für viele meiner filmbegeisterten On- und/oder Offline-Bekannten war das wohl einer der Höhepunkte des Jahres. Das 5. Terza-Visione-Festival des italienischen Genrefilms in Frankfurt (zu dem ich es auch wieder nicht geschafft habe). Was ich da alles verpasst habe kann ich jetzt aber im zweiten Teil von Davids großem und ausführlichem Bericht auf Whoknows presents nachlesen.

– Eine ebenfalls ausführliche Zusammenfassung seines Besuchs auf dem Hamburger Filmfest hat Schwanenmeister von Negative Space verfasst. Außerdem hat er seine ganz eigenen Preise verliehen.

– Bert Rebhandl stellt auf cargo jene 26 Filme kurz vor, die er auf dem Toronto International Film Festival 2018 gesehen hat.

– Anlässlich einer Filmreihe im Berliner Arsenal, hat Robert Wagner auf critic.de einen genaueren Blick auf Abel Ferraras „Kino der Sünder“ geworfen.

– Interessanterweise habe ich Jóhann Jóhannsson gar nicht als Filmkomponist, sondern als Erschaffer des wundervollen „Orphée“ kennengelernt. Dass er auch für Filme Musik komponierte habe ich erst viel später erfahren. Und gerade als ich mich in sein Werk vertiefen wollte, kam die Nachricht seines plötzlichen Todes. Joachim Kurz gedenkt auf kino-zeit.de noch einmal diesem großen Ton-Künstler, der vor einem Jahr verstarb.

– Sir Donnerbold hat auf seinem Blog SDB-Film den Schauspieler Oliver Masucci über „Werk ohne Autor“ befragt.

– Sowohl Oliver Armknecht von film-rezensionen.de, als auch Björn Schneider von Filme Welt schwärmen in den höchsten Tönen von den deutschen Spielfilm „In My Room“. Da freue ich mich doch umso mehr auf das Filmfest in Braunschweig, wo ich den Film hoffentlich zu sehen bekomme.

– Apropos film-rezenionen.de. Da bin ich doch beruhigt, dass ich nicht der Einzige war, dem „The Boat“ nicht so viel gab. Lara von Dehn erging es ganz ähnlich.

– Die Filmlöwin macht sich drei sehr kritische Gedanken zu „ A Star Is Born“ und dessen sehr männlichen Weltbild.

– Schön mal wieder etwas auf the-gaffer.de zu lesen, wo Jenny Jecke eine sehr fundierte und schön bebilderte Abhandlung über Marcel L’Herbiers „Le Bonheur“ mit Charles Boyer geschrieben. Toll!

– Oliver Nöding führt auf Remember It For Later seine John-Ford-Retro mit einem von dessen bekanntesten Filmen weiter: “Früchte des Zorns”.

– Remember Burt Reynolds: Totalschaden schreibt auf Splattertrash über „Ein ausgekochtes Schlitzohr“.

– Sebastian ist auf Nischenkino von dem italienischen Drama „Appassionata“ mit einer jungen Ornella Muti sehr angetan. Und stellt mit „Die Schlange im Schatten des Adlers“ einen Film vor, der mir früher sehr viel Freude bereitet und mein Interesse für klassische Kung-Fu-Filme erweckt hat.

„Die sieben Pranken des Satans“ – Graf Yorga kehrt zurück heißt es bei Die Nacht der lebenden Texte. Volker Schönenberger schreibt über den Vampir-B-Film, der auch gerade als UK-BR-Box bei mir Einzug gehalten hat. Darum lese ich seine Review auch erst später.

Reise-Tipp: “Deliria Italiano” – 9. öffentliches Forentreffen in Köln

Von , 7. Oktober 2018 11:06

Ein kurzer Hinweis in halb eigener Sache. Das Medium „Internet-Forum“ ist ja leider seit Facebook ein Relikt der „guten, alten Internetzeit“. Zudem besitzt es in der Regel ein eher weniger schmeichelhaften Ruf. Als Sammelplatz von Trollen, Provokateuren, Streitsuchern, Narzissten und ähnlichem Volk, dem man im „real life“ nicht unbedingt begegnen möchte. Guckt einfach mal in die Kommentarspalten von „Spiegel Online“, dann wisst ihr, was ich meine.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Seit 2010 bin ich bei Deliria-Italiano.de aktiv und noch heute verwundert darüber, wie friedlich, konstruktiv, ja familiär es dort zugeht. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass die sehr engagierten Macher des Forums (nennen wir sie mal „Onkel Joe“, „buxtebrawler“, „Santini“ und „Jogiwan“) seit 2008 jedes Jahr ein Forentreffen organisieren, welches nicht nur jedes Jahr in einer anderen Stadt weilt und wunderbare Filme auf 35mm zeigt – sondern, welches auch als Zusammenkunft Gleichgesinnter funktioniert. Die allesamt weite Wege auf sich nehmen, um dabei zu sein und die Leute aus dem Forum wiederzusehen. Um zu klönen, gemeinsam die jeweilige Stadt zu erkunden und einfach gemeinsam Spaß zu haben. Und wenn man den Gegenüber kennt, mal mit ihm gesprochen und ein Bierchen gezwitschert hat – dann fällt man auch im anonymen Netz nicht so einfach über ihn her, wenn einen mal was stört oder man meint, etwas besser zu wissen. Ich glaube, daher kommt die entspannte Stimmung bei Deliria-Italiano.de. Mal davon abgesehen, dass das alles liebe nette Menschen mit Ecken und Kanten sind, auf die ich mich jedes Jahr aufs Neue freue.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach Hamburg, Frankfurt, Bremen, Magdeburg, Nürnberg, Düsseldorf, Wien und München, findet das diesjährige öffentliche (ja, dass heißt, es kann JEDER völlig zwanglos vorbeikommen) Forentreffen in KÖLN im Filmclub 813 statt. Und zwar schon am nächsten Freitag und Samstag (12. und 13. Oktober). Los geht es am Freitag um 20:15 mit zwei spanisch-italienischen Co-Produktionen: „Invasion der Zombies“ (Klassiker von Jorge Grau) und „Zeig mir wie man’s macht“ (mit Laura Gemser). Am Samstag geht es um 14:30 weiter mit eine Italo-Western in dem Clint Eastwood, Lee van Cleef und Gian Maria Volonté die Hauptrollen spielen – und der Kinski guckt auch vorbei. Zum Abschluss folgt dann auf Blitz der „Thunder“ – ein Actionfilm mit Mark „The Riffs“ Gregory zu dem ich zusammen mit meinem Weird-Xperience-Kollegen Stefan die Einleitung halten werde. Wie generell alle Filme ein fachkundiges Intro erhalten.

Wer also in der Nähe sein sollte – wir freuen uns auf Dich!

PS: Von Bremen nach Köln gibt es eine direkte Zugverbindung.

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 4. Oktober 2018 21:00

Seit dem letzten Jahr nehme ich ja auch immer noch den Sonntag beim Internationalen Filmfest in Oldenburg mit. Und wie im Vorjahr erwies sich dieser letzte Tag mal wieder als ausgesprochen entspannt. Die Gäste sind schon fast alle abgereist, das Publikum bereitet sich scheinbar auf den nächsten Arbeitstag vor und das Personal ist so wenige Stunden vor dem Ende des Festivals in einer erschöpften, aber glücklichen Stimmung. So wie bei einer tollen Party, wenn die Letzten morgens noch in der Küche rumhängen und sabbeln. Überall herrscht eine wunderbar lockere Atmosphäre. Und wie 2017 hielt dieser letzte Tag für mich sogar noch mein persönliches Highlight des Festivals bereit.

Blue My Mind – Den Film hatte ich erst gar nicht auf dem Schirm, bis ich gesehen habe, dass er auch auf dem Randfilm in Kassel läuft. Was ja durchaus eine gute Empfehlung ist. „Blue My Mind“ ist ein ganz klassischer Coming-Of-Age-Film, der langsam ins Übernatürliche driftet, um die körperliche und geistige Veränderung der pubertierenden Protagonistin, noch einmal deutlich zu unterstreichen. Ihr Gefühl des „Anderseins“ und nicht dorthin zu gehören, wo sie ist. Das ist jetzt auch nichts wirklich Neues und kennt man bereits gut aus diversen z.B. Werwolf-Filmen. Hier wird die junge Protagonistin aber nicht zum Wolf, sondern entwickelt einen seltsamen Heißhunger auf die Fische in Papis Aquarium, ihre Zehe wachsen zusammen und auf den Beinen erscheinen eklige Flecken. Wie gesagt, das kennt man irgendwie alles schon, trotzdem entfaltete der Film bei mir einen ganz gehörigen Sog.

Meine Mitzuschauer mochten den Film zwar auch, empfanden einige Stellen aber zu lang und repetitiv. Das Gefühl stellt sich bei mir gar nicht ein, denn ich war emotional immer ganz nahe dran an der Hauptfigur. Diese wird von der fantastischen Luna Wedler gegeben, die ihre Mia weniger spielte als vielmehr im besten Sinne des Wortes verkörpert. Völlig zu recht hat sie für ihre Performance den Schweizer Filmpreis als beste Schauspielerin gewonnen (daneben gewann „Blue My Mind“ noch in den Kategorien bester Film und bestes Drehbuch).

Ein Preis hätte aber auch Zoë Pastelle Holthuizen als Gianna mehr als verdient. Erst ist sie die Feindin, dann später die beste Freundin von Mia. Sie spielt dabei die leicht asoziale, dominante Bitch, die ihre Freundinnen aus der Outsider-Girls-Clique fest im Griff hat, ebenso perfekt, wie sie das leichte Aufbrechen des Zicken-Panzers zeigt, hinter der Vernetzbarkeit und die Sehnsucht nach Liebe durchschimmern. Der Weg von Aso-Zicke bis zur sich aufopfernden Freundin ist nicht als plötzlicher Bruch, sondern langsame, glaubhafte Entwicklung angelegt. Dass Gianni unterschwellig auch ein homoerotisches Interesse an Mia hegt, wird nicht dick aufgetragen, sondern schwingt ganz natürlich im Hintergrund mit, ohne sich allzu sehr in der Vordergrund zu drängen.

Die ganze Atmosphäre und der Wechsel von realistisch rauen Bildern und sinnlichen Komposition, von der drogengeschwängerten Partywelt der Mädchen-Clique und ihren coolen Mackern hin zu dem phantastischen Inhalt, erinnern stark an „Der Nachtmahr„, was ja eine gute Referenz ist. Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen, ich war immer bei Mia und von ihrem Schicksal tief bewegt. Und die wunderschönen, märchenhaften Schlussbilder waren dann noch das letzte Tüpfelchen auf dem „i“.

Vultures – Island ist ein kalter Ort. Und in Filmen wie „Vultures“ sinkt die Temperatur gleich noch einmal um ein paar Grad. Eine klassische Gangstergeschichte die, wie ich nach dem Film von einem Bekannten lernte, auch schon mal im „Tatort“ abgehandelt wurde. Eine junge, polnische Frau wird als „Maultier“ genutzt und muss Dutzende mit Rauschgift gefüllt Kondome schlucken, um diese von Schweden nach Reykjavik zu schmuggeln. Dummerweise wird ihr auf dem Flug schlecht, und von da an geht alles den Bach runter.

Initiiert wird der Deal von zwei Brüdern. Einer ein respektabler, aber eiskalter Anwalt mit Geldproblemen. Der andere gerade aus dem Knast entlassen und kriminell, aber durchaus mit Herz. Letzterer soll die junge Frau als unsichtbarer Schatten begleiten. Natürlich macht er Fehler, natürlich geht nichts nach Plan. Am Ende muss er sich mit ihr in einem Hotel verstecken, wo sie die Ware auskotzen soll. Aber es kommt nichts raus. Ihr geht es immer schlechter, die Kotz-Prozedur wird immer schmerzhafter, immer quälender. Derweil zieht sich das Netz um Beide zusammen. Weil sie einfach zu viel Fehler gemacht haben, aber auch weil der Zufall es so will. Zum Schluss gibt es nur noch Opfer und ein wahnsinnig zynisches Ende.

„Vultures“ ist hart und ist seinen Figuren gegenüber absolut mitleidlos. Wer einen Fehler macht, wird dafür doppelt und dreifach bestraft. Reykjavik erscheint wie der schrecklichste und trostloseste Platz auf Erden. Hier gibt es keine Hoffnung auf Besserung. Jedes kleine Licht im Dunkeln, wie die Liebe der von Anna Próchniak mehr oder weniger stumm gespielten jungen Polin Sofia zu ihrem Kind, oder das langsam immer stärker werden Verantwortungsgefühl Atils (Baltasar Breki Samper), wird auf brutale Art und Weise ausgeblasen. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass es zumindest eine der Figuren hier irgendwie heraus schafft – aber wie soll das gehen? Wenn selbst die Polizei keine Mittel hat, um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Fazit: Der diesjährige Jahrgang des Internationalen Filmfests Oldenburg war sehr stark. Richtige Ausfälle gab es keine und der einzige Film, durch den ich mich kämpfen musste hat auf andere – deren Meinung ich schätze – durchaus Eindruck gemacht. Auffällig war für mich zunächst, dass immerhin ein Drittel der von mir gesehenen, starken Filme von Frauen stammte. Kurz nachgerechnet sind das aber immer noch nur drei. Was aber wohl über dem Durchschnitt im Filmgeschäft liegt. Noch ein Grund mehr, den Machern in Oldenburg für ihren ausgezeichneten Geschmack zu danken. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder auf das nächste Jahr.

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 3. Oktober 2018 18:18

Auch der zweite Tag in Oldenburg gestaltete sich sehr angenehm. War ich am Vortag fast ausschließlich im Theaterhof gewesen, dessen Bestuhlung für einen längeren Aufenthalt nicht gerade ideal ist, war ich diesmal zunächst im sehr viel bequemeren cineK/Studio.

The Boat – Eine sehr, sehr langsam erzählte, von Petrus Cariry inszenierte Metapher aus Brasilien, über den Einbruch der Zivilisation in ein eigentlich glückliches, sorgenfreies Leben und der damit einhergehenden Verlockung der Moderne und Sehnsucht nach der Ferne. Das ist toll fotografiert mit einem wunderbar suggestiven Soundtrack. Die Bilder des an den Strand klatschenden Meeres, der Männer die ein Fischernetz durch die Gischt ziehen – überhaupt die Landschaft, das Meer – sind überwältigend schön und kraftvoll. Allerdings trägt diese ganze Metapher im Grunde nur einen Kurzfilm von maximal 20 Minuten, danach läuft sich der Film auf der inhaltlichen Ebene tot. Dadurch ziehen sich die 72 Minuten Spielzeit an vielen Stellen gewaltig.

Darauf muss man bereit sein, sich einzulassen und die inhaltliche Ebene weitgehend außer Acht lassen. Denn die ständigen Weiter lesen 'Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 2. Oktober 2018 12:27

Zum nunmehr bereits 25. Mal lud das Internationale Filmfest in Oldenburg ein.  Seit 2009 bin ich jetzt regelmäßig hier zu Gast, und noch nie bin ich enttäuscht nach Hause gekommen. Und so sollte es auch dieses Jahr wieder sein, welches zum entspanntesten Festivals der letzten Jahre wurde. Kein Stress, keine ausverkauften Filme, kein Gehetzte zwischen zwei Spielstätten und interessante, sympathische Gäste. Alles ganz easy und schnell geriet man in einen sehr angenehmen Flow. Unterstützt wurde dies in diesem Jahr auch wieder davon, dass ich mit vielen netten Menschen unterwegs war. Dass die Filme auch durch die Bank gut bis sehr gut waren (nur ein Film gefiel mir weniger, aber da war ich in der Minderheit) war dann natürlich das Sahnehäubchen. Ein in meinen Augen starker Jahrgang.

Los ging es im Casablanca. Mein Lieblingskino in Oldenburg und das mit Abstand bequemste. Leider bin ich hier in der Regel eher selten. Überhaupt verschlug es mich diesmal nur ein einziges Mal in diese Ecke von Oldenburg, den Rest des Festivals verbrachte ich in der Bahnhofstrasse, bequem zwischen Theaterhof und der Kulturetage pendelnd.

Is That You? – Vater, Mutter und Tochter wohnen in einem ärmlichen Haus irgendwo in der kubanischen Wildnis zusammen. Der Mutter ist es verboten das Haus zu verlassen. Ihre Füsse sind mit einem dünnen Band gefesselt, was es ihr unmöglich macht, sich anders als mit Tippelschritten zu bewegen. Der dominante und autoritäre Vater hat grunzenden Sex mit ihr und bestraft jedes kleine Aufbegehren. Die Tochter nimmt dies so hin, fragt den Vater ab und zu, ob die Mutter nicht wieder am Familienleben teilnehmen könne. Sie selber wird vom Vater geliebt und besucht mit ihm Baseballspiele und die Stadt. Als die Mutter einen Fluchtversuch versucht, spitzt sich die Lage zu.

Das kubanisches Familiendrama (eigentlich ein Kammerspiel mit vier Personen) entpuppt sich bald als psychologischer Horrorfilm, der einen immer mehr in den Bann zieht. Er Weiter lesen 'Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Das Bloggen der Anderen (01-10-18)

Von , 1. Oktober 2018 17:28

– Im Rahmen seines Siegfried-Kracauer-Stipendiums, hat Lukas Foerster auf seinem Blog Dirty Laundry zwei schöne Texte über die Dunkelheit und die Unsichtbarkeit im Kino geschrieben.

– Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog ist auf dem Zürich Filmfestival unterwegs und hat dort Hannes Baumgartners sehr interessant klingenden Film „Der Läufer“ gesehen.

– Die Filmlöwin hat Lars von Triers neuen Film „The House That Jack Built“ angesehen und sich dazu drei ausführliche Gedanken gemacht.

– Ich denke mal Maël Mubalegh von Jugend ohne Film und Steven Spielberg werden keine großen Freunde mehr. In seinem Artikel erklärt er warum dies so ist.

– Der aktuelle Elmar-Wepper-Film mit dem wunderbaren Titel „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ hat André Malberg recht gut gefallen. Weshalb erklärt er auf Eskalierende Träume.

– Bei meinem letzten Warschau-Besuch konnte ich „Cold War“ leider nicht sehen, da der polnische Film selbstverständlich nicht untertitelt lief. Klar. Meine Frau sah ihn sich an und war sehr zufrieden. Darum freue ich mich schon sehr drauf, wenn ich den Film endlich in einer verständlichen Form ansehen kann. Bis dahin kann ich ja Oliver Armknechts Review auf film-rezensionen.de lesen.

– Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich „Jackson County Jail“ das erste Mal gesehen habe. Wir hatten gerade einen Videorekorder angeschafft und der Film war einer der ersten, die ich vom Fernsehen (ich glaube, er lief in einem Dritten Programm, aber garantiert nicht unter dem Titel „Vergewaltigt hinter Gittern“) aufnahm. Was ich da zu sehen bekam, enttäuschte mich einerseits (ich hatte natürlich mehr Action und Gewalt erwartet), verstörte mich mit seiner nüchternen Betrachtung aber auch so weit, dass ich ihn heute – 30 Jahre später – noch gut vor Augen habe. Robert Zion hat dem Film nun auf seinem Blog einen sehr lesenswerten Artikel gewidmet.

– Oliver Reed ist immer einen (oder gleich mehrere) Blick wert. Darin stimme ich mit der Autorin des Blogs Schattenlichter vollkommen überein. Von „Leise weht der Hauch des Todes“ habe ich bisher nur gelesen, nach der Lektüre dieses Artikels steht er aber ganz oben mit auf der Wunschliste.

– Als ich „Dr. Mordrid“ vor vielen, vielen Jahren aus der Videothek mitgenommen habe, hieß der noch „Rexosaurus“ und der deutsche Verleih wollte diese billige „Dr. Strange“-Geschichte an die „Jurassic Park“-Welle hängen. Ich fand das damals alles ziemlich merkwürdig, aber aus Verbundenheit zu Hauptdarsteller Jefferey Combs auch nicht so schlecht. Jetzt ist er in einem üppigen Mediabook erscheinen, welches Andreas Eckenfels für Die Nacht der lebenden Texte besprochen hat.

– Totalschaden beschäftigt sich auf Splattertrash mit Mario Bavas wunderbaren Episodenfilm „Die drei Gesichter der Furcht“.

– Vor „Ein Mann sieht rot“ drehte Michael Winner einen anderen Rache-Film mit Charles Bronson, nämlich den Western „Chato’s Land“ wo Bronson ein Apachen-Halbblut spielt. Sebastian bespricht den Film auf Nischenkino.

– Okay, von „Dead End Drive-In“ habe ich immer nur den Titel gelesen und nie verstanden, wie man diesen höchst öden Film gut finden kann. Zumindest, bis ich eben dank Sascha der den Film auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte besprochen hat, herausgefunden habe, dass ich den im Kopf immer mit dem amerikanischen „Drive In Massacre“ verwechselt habe. Na, dann will ich jetzt aber den echten „ Dead End Drive-In“ so schnell wie möglich sehen.

Blu-ray Rezension: „Der wilde Planet“

Von , 28. September 2018 13:40

Auf dem Planeten Ygam leben die riesigen, blauen Draags. Einst brachten sie vom Planeten Terra die im Vergleich zu ihnen winzigen Menschen mit. Diese nennen sie Oms und nutzen sie als Haustiere. Nach dem Tod seiner Mutter wird der Om-Junge Terr von dem Draag-Mädchen Tiwa mitgenommen und dient ihr als Spielzeug, das sie hegt und pflegt. Terr nimmt dabei auch an den Schulstunden Tiwas teil und erlernt so das Wissen der Draags. Eines Tages flieht Terr und trifft auf „wilde“ Oms, die von den Draags wie Ungeziefer behandelt und beseitigt werden. Ausgerüstet mit dem Wissen der Draags führt Terr die wilden Om in eine Rebellion…

Der wilde Planet“ ist ein Kultfilm. Zusammen mit den Werken von Ralph Bakshi gehört er zu einer fast vergessenen Kunst: Einem Animationsfilm für Erwachsene, der weit entfernt von dem ist, was Disney einst in die Kinos pumpte. Nicht auf Perfektion und sauberes Entertainment für die Kleinen getrimmt, sondern rau, subversiv und durchaus brutal. Verankert im Underground und subversiver Kunst. Wenn in „Der Wilde Planet“ ein seltsames Wesen erst sein Junges liebkost und dann auffrisst, oder gleich zu Beginn eine Om-Mutter durch übermütiges Spiel junger Draags vor den Augen seines Kindes getötet wird, dann ist das sicher nichts, was die lieben Kleinen im Nachmittagsprogramm erwarten würden. Aber genau dort wurde „Der wilde Planet“ in den 80er Jahren gezeigt, denn damals galt bei den Rundfunk-Verantwortlichen scheinbar noch die Gleichung Trickfilm = Kinderkram.

Damals hieß der Film bei uns noch „Der phantastische Planet“. Und der Planet Ygam auf dem der Film spielt ist fürwahr phantastisch. Voller seltsamer, bizarrer Wesen, welche der überbordenden Fantasie des französischen Autors Roland Topor entspringen. Voller Farben und Töne. Gefahren und Gewalt. Aber auch Fürsorge und Spiritualität. Der Originaltitel „La Planète sauvage“ bezieht sich jedoch nicht auf Ygam, den Heimatplanet der Draag, sondern auf den Mond des Planeten. Ein geheimnisvoller Sehnsuchtsort der Oms, die dorthin flüchten wollen, um dem von den Draag geplanten Genozid an ihnen zu entkommen. „Der wilde Planet“ birgt allerdings Geheimnisse, die am Ende für die Zukunft sowohl der Oms, als auch der Draags von größter Wichtigkeit werden.

„Der wilde Planet“ wurde vom Rolling Stone zu einem der besten Animationsfilmen aller Zeiten gewählt (Platz 36) und erhielt 1973 den Spezial-Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Entsprungen ist der Film (basierend auf dem 1957 erschienen Roman „Oms en Série“ von Pierre Pairault aka „Stefan Wul“) dem Geist zweier höchst interessanter Menschen. Einmal dem des großen Roland Topor, der hier für das Design des Filmes zuständig war,und der zusammen mit Fernando Arabal und Alejandro Jodorowsky der surrealistischen „Panic Movement“ angehörte. Seine Wurzeln in diesem Umfeld merkt man den eigenartigen Lebewesen an, welche die Parks der Draags bevölkern. Diese erinnern an die bizarren Animation des jungen Terry Gilliam aus seinen frühen Monty-Pythons-Tagen. Dazu trägt aber auch der Stil des zweiten Geistes – dem des Regisseurs René Laloux – bei, welcher eher statisch angelegt ist und oftmals den Eindruck erweckt, hier würden lediglich ausgeschnittene Papierfiguren hin und her bewegt werden. Was zur allgemeinen Seltsamkeit und Verfremdung des Filmes beiträgt. Regisseur René Laloux arbeite ursprünglich in einer psychiatrischen Klinik, wo er auch zusammen mit den Patienten seine ersten Animationsfilme realisierte. Mit Topor bildet er hier ein kongeniales, sich gegenseitig befruchtendes Team, welches eine uns ebenso fremde, wie aber auch irgendwie vertraute Welt schaffen. Denn wenn man den ersten Schock darüber, dass die Mutter des kleinen Terr zu Beginn des Filmes von einer Gruppe Draag-Kinder beim Spiel und aus Versehen getötet wurde, muss man nicht lange nachdenken, um in den Draag-Kindern unschuldig-grausamen Menschenkinder zu erkennen, die aus Neugierde den Fliegen die Flügel ausreißen oder Ameisen mit der Lupe verbrennen.

Jetzt könnte man „Der wilde Planet“ recht einseitig als überdeutlichen Aufruf zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Tier und Natur verstehen, bei dem zur besseren Anschauung die Tiere einfach durch Oms und die Menschen mit Draags ausgetauscht wurden. Doch dies würde zu kurz greifen, denn der metaphernreiche Film arbeitet auch auf anderen Ebenen. Der gedankenlose Genozid der Draags an den Oms, der plakativ als „Säuberung“ verstanden wird, weckt düstere Erinnerungen an den Holocaust, der Unterschied zwischen „Haus-Oms“ und „wilden Oms“ an die Zeit der Sklaverei oder den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern. Themen wie Freiheit, Rebellion – aber auch die große Macht der Bildung werden angesprochen.

Interessant ist in dieser Hinsicht auch, dass die Draags nicht per se als Bösewichte verteufelt werden, sondern ihr grausames Handeln lediglich einem Nicht-Bewusstsein dafür entspringt, dass andere Lebewesen ebenfalls Gefühle, ja eine Seele haben. Erst als die Oms es schaffen, diesen Gedanken durch Gewalt in die Köpfe der Draags zu pflanzen, begreifen diese, dass es schon ein Unterschied ist, sich einen kleinen Om als Spielzeug zu halten oder beispielsweise eine Blume zu pflücken und in eine Vase zu stecken. Die Aussage des Films, dass einem friedlichen Zusammenleben erst ein Akt der Gewalt voran gehen muss, kann man dabei gewiss kontrovers diskutieren.

Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Filmes und seiner seltsamen, außerweltlichen Atmosphäre trägt der großartige Soundtrack bei, den der französische Jazzpianist und Chanson-Komponist Alain Goraguer komponierte. Diese langsamen, irgendwie unheimlichen, aber zugleich faszinierend-hypnotischen elektrischen Töne unterstützen bestens diese nicht ganz greifbare, einzigartige Stimmung des Filmes, welche noch lange nach dem Abspann im Zuschauer widerhallt. Insbesondere das Stück „Déshominisation (I)“ wird man so schnell nicht wieder los.

Hätte man eine Soundtrack-CD mit ins vorbildliche Mediabook gelegt, wäre dies das Sahnehäubchen auf einer tollen Veröffentlichung gewesen. Aber auch so kann man Camera Obscura nur loben. Besser geht es (fast) nicht. Das Bild der Blu-ray ist hervorragend. Zudem hat Camera Obscura dem Film noch eine neue Farbkorrektur gegönnt. Neben der eher bläulich angehauchten Criterion-Collection-Version von 2016, kann man jetzt noch eine aktuelle Version von 2018 wählen, die die Farben etwas natürlicher zum Strahlen bringt. Welche man bevorzugt, liegt dann ganz in der Hand des Zuschauers. Man kann auch die Versionen während des Filmes wechseln. Der Ton ist auch kristallklar, was vor allem der oben angesprochen Musik von Alain Goraguer zugute kommt. Auch an Extras mangelt es nicht. Neben einem sehr informativen und interessant zu lesenden 12-seitigen Booklet von Prof. Dr. Stiglegger, befindet sich im Mediabook noch eine Bonus-DVD mit vier Kurzfilme von René Laloux: „Les Escargots“ (1965, mit Topor), „Les Temps Morts“ (1964, ebenfalls mit Topor), „Les Dents du singe“ (1960) und „Comment Wang-Fô fut sauvé“ (1987). Ferner enthält die Bonus-DVD noch die 26-minütige Dokumentation „Laloux Sauvage“ über Regisseur René Laloux und das knapp einstündige Portrait „Topors Träume“ über Roland Topor. Auf einer dritten DVD ist für alle, die keinen Blu-ray-Player ihr eigen nennen noch einmal der Hauptfilm. Leider konnte ich diese DVD bei mir nicht abspielen, weil bei mir scheinbar vergessen wurde, diese mit Inhalt zu füllen. Das dürfte aber auch nur bei meinem Rezi-Exemplar der Fall sein. Deshalb muss ich leider auch auf Screenshots verzichten. Insgesamt also eine ganz tolle Veröffentlichung eines ganz besonderen Films.

Bericht vom 4. Bremer Filmfest

Von , 27. September 2018 15:20

Nach vier Jahren ist das Filmfest Bremen zwar größer und länger geworden, gefunden hat es sich aber noch nicht. Wie ich bereits im Februar schrieb, erschließt sich mir das Konzept (sofern es eines gibt) nicht so recht. Anderen geht es da ganz ähnlich. Als ich mich in meinem cinephilen und durchaus festivalaffinen Umfeld umhörte, ob noch jemand mit zum Filmfest kommen würde, waren die Reaktionen unisono: „Nee, weiß auch gar nicht was das sein soll, und was da so läuft“. Eine kleine Stichprobe, gewiss. Aber wenn selbst Leute, welche zur potentiellen Zielgruppe eines Bremer Filmfests gehören, so reagieren, wie sieht das dann vor Ort aus? Ich war jetzt sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Gestartet als „Leistungsschau“ der Bremer Filmszene mit der strengen Vorgabe, dass alle Filme irgendwie mit Bremen verbunden sein müssen (was vielleicht maximal zwei Tage trägt, aber dort auch nicht unbedingt das „normale“ Publikum zieht), ist der Aspekt „Bremen“ noch immer wichtig. Was ich auch sehr gut finde, denn diese Regionalität ist schon ein Alleinstellungsmerkmal und Bremer Filmemacher können, ebenso wie der Produktions- und Drehort Bremen, einmal ins Rampenlicht treten.

Doch ein echtes Filmfest ist das so noch nicht. Das haben wohl auch die Macher erkannt und das Ganze erst auf drei und nun vier Tage und weit mehr Spielstätten ausgedehnt. Das ist löblich und zeigt, dass der Wille da ist, hier etwas Großes zu schaffen. Leider wirkt das Programm noch arg beliebig. Der lokale Schwerpunkt ist geblieben, was absolut zu begrüßen ist. Um sich das Prädikat „International“ umhängen zu können, wurden zwei neue Schienen eingeführt, wo auch internationale Filme ohne Bremen-bezug gezeigt werden. Einmal „Humor/Satire“, was zeigen soll, dass die als humorlos verschrienen Hanseaten auch anders können. Das wirkt auf mich aber eher wie „crowd pleasing“, um damit die „normalen“ Kinogänger und die – wie ich sie nenne – Arthaus-Weinschwenker-Fraktion abzuholen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen, aber ein eigenständiges Profil erhält das Filmfest dadurch nicht.

Zumal neben der leichten Muse, der zweiter Strang dann gleich für eher experimentelles („Innovation“) Kino eingerichtet wurde. Was ich ebenfalls sehr gut finde, aber im Weiter lesen 'Bericht vom 4. Bremer Filmfest'»

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