04.06: “Rockabilly Requiem” mit Regisseur und Konzert in der Schauburg

Von , 27. Mai 2016 20:05

rockabillyrequiemDas in unserer schönen Hansestadt auch mal Kinofilme gedreht werden kommt ja eher selten vor. Umso schöner, dass nun einer in die Kinos kommt und bei seiner Premiere in Bremen dann auch groß auffährt.

Rockabilly Requiem“ von Till Müller-Edenborn wird am 4. Juni um 21:00 in Anwesenheit des Regisseurs und seiner Hauptdarsteller Sebastian Tiede, Ben Münchow und Ruby O. Fee in der „Schauburg“ gezeigt. Im Anschluss spielt die legendäre Bremer Rock n‘ Roll-Band „The Wild Black Jets“ (bei denen vor einigen Jahren noch der wunderbare Kai Stellmann von dem schmerzlich vermissten Buch- und Wunderladen „Pegasos“ trommelte), die in dem Film auch mitspielt ein einstündiges Konzert im Foyer.

Die beiden Freunde Sebastian (Sebastian Tiede) und Hubertus (Ben Münchow) haben beide unterschiedlich unter ihren Vätern zu leiden. Während Hubertus‘ Vater Norbert (Alexander Hauff) von der Idee besessen ist, dass sein Sohn die Offizierslaufbahn einschlägt, muss Sebastian fast gänzlich ohne Vater auskommen. Dieser lässt sich nur allzu selten blicken, was dazu führt, dass die beiden Freunde gleichermaßen auf der Suche nach Halt in ihrem Leben sind. Beides finden sie nur in ihrer Band “Rebels“, die im Stile der 1950er Jahre der Rockabilly-Musik Tribut zollt. Besonders Hubertus ist vom amerikanischen Traum und der scheinbar endlosen Freiheit begeistert, die ein Leben als Musiker mit sich bringt. Beide treffen eine Abmachung und beschließen, niemals wie ihre Väter werden zu wollen. Die Band und die Liebe zu Punkprinzessin Debbie (Ruby O’Fee) einen die beiden, und zu dritt beschließen sie, dem bürgerlichen, engstirnigen Leben den Rücken zu kehren. Für die Rebels ergibt sich dann die einmalige Chance, ihren ersten großen Auftritt zu landen, als die „Wild Black Jets“ eine Vorband suchen. Doch ihre Euphorie wird auch durch Nervosität gebremst, geht die Bühnenerfahrung der Rebels doch gegen Null. Hinzu kommt, dass vor allem Hubertus‘ Vater Norbert gegen die Ambitionen seines Sohnes aufbegehrt. Als tatsächlich eine Einladung zum Vorspielen ins Haus flattert, ist der Familienkrach vorprogrammiert, wobei die Lage zu eskalieren droht.

Ben Münchow gewann für seine Rolle in „Rockabilly Requiem“ auf dem Max-Ophüls-Festival den Darsteller-Preise. Außerdem wurde der Film in Bremen von Elke Peters (Neue Mira Filmproduktion GmbH) produziert und auch teilweise hier gedreht, u.a. im „Modernes“.

02.06: “7 Göttinnen” mit Gästen in der Schauburg

Von , 25. Mai 2016 18:49

sieben-goettinnenIch bin gar nicht auf dem Laufenden, ob der große Bollywood-Boom noch immer anhält. Ich bin 2006 erstmals mit Bollywood in Berührung gekommen und war begeistert von diesen „totalen Filmen“. Total, weil wirklich alles in die 3-4 Stunden Werke hineingepackt und dann auf gigantische Größe aufgeblasen wird. Alles ist hier soviel größer als im Leben: Die Gefühle, das Drama, die Tränen, die Freude. Dazu dann die buntesten Farben, die aufwändigsten Tanz-Choreographien, der treibensten Rhythmus der Musik und die sehnsuchtsvollsten Balladen. Und wenn sich Bollywood mal an Action versucht, dann knallt und fliegt es an allen Ecken und Enden. Und das Schönste: Völlig ironiefrei. Die meinen das alles ernst – und das ist gut so.Ich war verliebt. Aber dann habe ich Bollywood irgendwie aus den Augen verloren und weiß nicht, was es da momentan so alles gibt. In Deutschland war Bollywood, dank der Pionierarbeit von Rapid Eye Movies und der Dauerrotation auf RTL2 ungeheuer erfolgreich. Kein Wunder also, dass jetzt ein u.a. mit deutschen Geldern entstandener Bollywood-Film in die Kinos kommt und hierzulande mit großer Besetzung auf Kino-Tournee geht. Am 2. Juni um 20:30 Uhr kommen die Hauptdarstellerinnen Sarah Jane Dias (Miss India 2007), Anushka Manchanda, Pavleen Gujral und Rajshri Deshpande, sowie Produzent Gaurav Dhinga und der deutsche Co-Produzent Sol Bondy in die Schauburg, um den Film vorzustellen.

Freida (Sarah-Jane Dias) hat ihre besten Jugendfreundinnen zu sich nach Goa eingeladen. In der traumhaften Umgebung des indischen Küstenstaats will sie mit ihnen – zur großen Überraschung aller – ihre Hochzeit feiern. Die Hochzeitsgesellschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: Suranjana (Sandhya Mridul) ist eine toughe Geschäftsfrau und Mutter, Joanna (Amrit Maghera) eine aufstrebende Schauspielerin, Mad (Anushka Manchanda) eine mit dem Erfolg ringende Musikerin, Nargis (Tannishtha Chatterjee) engagierte Umweltaktivistin, und die ehemalige Spitzenstudentin Pam (Pavleen Gujral) ist inzwischen Hausfrau. Umsorgt werden alle von Freidas Hausmädchen Laxmi (Rajshri Deshpande). Zwar verrät Freida ihren erstaunten Freundinnen noch nicht, wen sie heiraten wird, zum Feiern muss sie sie aber nicht überreden. Und während alle über die Identität des Bräutigams rätseln, beginnen die sieben jungen Frauen wild und ausgelassen über Gott und die Welt zu philosophieren – über Männer, Sex und ihre Karrieren, über ihre kleinen Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Je mehr sie dabei von sich offenbaren, desto klarer wird ihnen, dass sie alle vom Leben nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten. Eigentlich hatte ihnen die Welt offen gestanden, in einem Land, in dem Traditionen und Männer das Sagen haben, sind ihre Träume aber irgendwann auf der Strecke geblieben. Sieben Frauen, die wütend sind – und die gemeinsam Pläne schmieden, wie sie ihr bisheriges Leben ändern können. Doch sie ahnen nicht, dass ihre Gemeinschaft durch ein dramatisches Ereignis schon bald auf ganz andere Weise herausgefordert wird.

Der Film ist Bollywood-untypisch nur 103 Minuten lang, und ob darin gesungen und getanzt wird, kann ich leider auch nicht sagen. Schön wäre es aber schon.

DVD-Rezension: „The Blackout“

Von , 24. Mai 2016 21:19

theblackoutDer drogen- und alkoholabhängige Hollywood-Star Matty (Matthew Modine) reist nach Miami, um dort seine Geliebten Annie (Beatrice Dalle) zu treffen. Als diese ihm gesteht, ihr gemeinsames Kind abgetrieben zu haben, rastet Matty aus, obwohl er derjenige war, der Annie dazu getrieben hat. Als Annie ihn daraufhin verlässt, schmeißt er immer mehr Drogen ein, bis er schließlich im Beisein seines Freundes Mickey Wayne (Dennis Hopper) einen Blackout erlebt. 18 Monate später hat Matty einen Entzug hinter sich und lebt mit seiner neuen Freundin Susan (Claudia Schiffer) zusammen. Doch ihn quält der Verdacht, dass er während seines Blackouts eine fürchterliche Tat begangen hat. Als Susan für einige Tage beruflich verreist, macht sich Matty auf den Weg nach Miami, um Antworten und seine geliebte Annie zu finden…

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Nach zwei gefloppten Filmen für ein großes Hollywood-Studio kehrte Abel Ferrara 1995 zu seinen Wurzeln zurück und produzierte einige kleine Low-Budget-Produktionen. Mit „The Addiction“ und „The Funeral“ drehte er hintereinander weg zwei Kultfilme. Damit kehrte er in den Schoß jener unabhängigen Kult-Filmemacher zurück, bei denen die bekannten Hollywood-Namen beim Casting Schlange stehen, um für schmales Geld etwas für ihr Prestige zu tun. Bei „The Blackout“ sind es neben Dennis Hopper (der allerdings nie besonders anspruchsvoll in seiner Filmauswahl war, Hauptsache der Scheck stimmte) und Matthew Modine, der hier gegen sein Saubermann-Image anspielt, die Französin Beatrice Dalle und das deutsche Supermodel Claudia Schiffer. Die Dalle spielt die verführerisch kaputte Annie mit solch einer natürlich-lasziven Leck-mich-Attitüde, dass man meint, sie förmlich Alkohol und Koks ausschwitzen zu sehen. Sie spielt nicht, sie ist. Modine ist zwar ebenfalls sehr überzeugend als unsympathische Riesenarschloch, welches sehenden Auges sein eigenes Leben rücksichtslos auf die Reise ins Klo schickt. Doch Modine „spielt“. Das macht er gut, aber er spielt. Modine kokst, säuft, schreit, greint, starrt mit einer gewissen Penetranz. Hautnah wird jede Sucht am Beispiel Mattys durch dekliniert: Drogen, Alkohol, Sex, Narzissmus. Einem wird schon beim Zuschauen schwindelig und man möchte dem wehleidig-egomanischen Popanz ebenso ins Gesicht schlagen, wie es die Dalle tut, als Matty ihr die vehement die Abtreibung ihres Kindes vorwirft, zu der er sie selber gezwungen hat.

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Neben der drogenverkleisterten Promiwelt Miamis, porträtiert Ferrera auch seine eigene Branche, die einem hier wie ein Höllenschlund voller egozentrischer Psychopathen vorkommt. Alle sind im Drogenrausch, hemmungslos Ich-fixiert und im besten Falle nur vollkommen verrückt. Möglicherweise hat Ferrara die von Dennis Hopper gespielte Figur des Mickey Wayne als eine Art Selbstportrait angelegt. Erlebt man Ferrara in Interviews und weiß um seine eigene „wilde“ Zeit, ist dies zwar nicht unbedingt schmeichelhaft, aber sehr wahrscheinlich. Mickey Wayne ist ein Puppenspieler in allen Bedeutungen des Wortes. Der Nachtclub-Besitzer wäre gerne Filmemacher, inszeniert eine wilde Videoproduktion, mit der er Émile Zola Romans „Nana“ in seinem Nachtclub mit viel nackter Haut und dampfenden Sex verfilmt. Irgendwann sitzt er dann mit dem vollkommen abgewrackten Matty in einem Hotelzimmer und nimmt mit seiner allgegenwärtigen Videokamera zwei silikonverstärkte „Eskortdamen“ bei lesbischen Liebesspielen auf. Ganz im Sucher seiner kleinen Videokamera gefangen, beobachtend, inszenierend, ohne selber wirklich aktiv zu werden. Ein voyeuristischer Kontrollfreak. Leider spielt Hopper ihn in jenem stereotypen „Frank-Booth“-Stil, den er in den 90ern kultiviert hatte, und der mittlerweile wie ein Parodie auf seine Paraderolle wirkt.

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Die Einbindung der Dreharbeiten zu Mickey Waynes merkwürdigen „Nana“-Verfilmung nutzt Ferrea zu allerlei technischen Spielereien. Er mischt Film und Digitalook, kreiert damit visuell zwei Ebenen, um dann Film und Film-im-Film zu verwischen. Er spielt mit Überblendungen, kräftigen Farben und körnigem, ausgebleicht wirkendem Material, um die verschiedenen Stimmungen, dramatischen Ereignisse und vor allem das Innere seines zwischen Rausch und Kater, aufgekratzter Euphorie und depressiver Verzweiflung, plakativ dargestellter Selbstsicherheit und vor Selbstmitleid triefender Weinerlichkeit schwankenden Protagonisten zu illustrieren. Zusammen mit dem kongenialen Soundtrack beweist Ferrara hier seine technische und kreative Meisterschaft. Die Figuren bleiben einem dabei aber weiter fremd und zutiefst zuwider. Nur die klinisch reine Claudia Schiffer in ihrem Spielfilmdebüt, und natürlich die wunderbare Sarah Lassez können etwas Wärme und Menschlichkeit einbringen. Der Rest lässt sich ständig um sich selbst kreisend durch den Rausch der Partynächte in Miami treiben.

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Abel Ferrara verarbeitet in „The Blackout“ Themen, die ihn seine ganze Karriere begleiten. Die Korruption der Seele, die Leere eines oberflächlichen Lebens und der verzweifelte Versuch, diese mit Drogen, Sex und Selbstquälerei zu füllen. Matty ist darin dem „Bad Lieutenant“ nicht unähnlich, ohne allerdings dessen seelische Zerrissenheit zu transportieren. Bei Matty hat man eher das Gefühl, dass ihn allein seine grenzenlose Egozentrik in seine Lage gebracht hat. Technisch und stilistisch wie immer brillant von Ferrara inszeniert, krankt der Film als ernst gemeintes Psycho-Drama dann auch an seiner hohlen Hauptfigur. Wenn man ihn allerdings als bitterböse, sarkastische Abrechnung mit den aufgeblasenen Egos einiger Hollywood-Stars versteht, funktioniert er wiederum recht gut.

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Der Film ist als Nummer 4 in der CineSelection des Labels filmArt erschienen. Das Bild – soweit man dies anhand der vielen unterschiedlichen Materialien und Techniken beurteilen kann, ist sehr gut geworden. Auch der Stereo-Ton ist sowohl in der Original-, wie auch in der Synchron-Fassung sehr sauber und gut zu verstehen. Das Bonusmaterial besteht aus einer 4:3 Open Matte-Fassung und einem 12seitigen Booklet von Marcus Stiglegger, der weniger auf „The Blackout“ als solches eingeht, sondern vielmehr interessante Aspekte über die zentralen Motive im Werk Abel Ferraras hervorhebt. Sehr interessant.

Das Bloggen der Anderen (23-05-16)

Von , 23. Mai 2016 16:34

bartonfink_type2– Wie der eine oder andere schon mitbekommen hat, schreibe ich regelmäßig für das Printmagazin „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“, welches sich mit dem Film von 1895 – 1965 beschäftigt. Douscope hat nun ein sehr langes und interessantes Gespräch mit „meinem“ Chefredakteur Jörg Mathieu geführt, bei denen einige Dinge zutage kamen, die auch ich noch nicht wusste.

– Cannes, Cannes, Cannes… jetzt ist das Festival an der Rivera schon wieder vorbei. In den Blogs der letzten Wochen war es aber natürlich noch Thema Nr. 1. So besprach Sennhausers Filmblog die neuen Filme von Paul Verhoeven (ich wusste gar nicht, dass der wieder gedreht hatte und die mit der Huppert), Nicolas Winding Refn, Brillante Mendoza, Pedro Almodóvar, Olivier Assayas und Jim Jarmusch.  Frédéric Jaeger von critic.de ist von der finalen Preisvergabe schwer enttäuscht.

– Hier mache ich einmal eine Ausnahme: Vom Zeitrahmen fällt der nächste Hinweis nicht mehr in die letzten Woche und es ist eher ein Podcast (die ich ja nicht verlinke, da ich keine Zeit habe sie mir anzuhören). Aber für Christian Genzels Interview auf Wilsons Dachboden mit Howard Ziehm mache ich da jetzt gerne diese Ausnahme.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen schönen, autobiographisch-poetischen – und auch irgendwie traurigen – Text über seine „Müdigkeit mit dem Kino“ verfasst.

– Ein Film der derzeit in aller Munde ist, ist „The Witch“ auf den ich ebenfalls sehr gespannt bin. Ines Meier hat ihm ein langes Essay auf B-Roll gewidmet, Maximilian Kosing von cereality findet ihn als Genrefilm überdurchschnittlich (was sich nicht ganz in seiner Sternchen-Vergabe widerspiegelt), ähnliches gilt für Drehli Robnik von der filmgazette.

– „The Whispering Star“ von Sion Sono läuft hier in Bremen gerade im Kommunalkino. Die begeisterten Besprechungen von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de und auf Filme Welt machen neugierig. Ich muss mehr Sion gucken… unbedingt..

– Sehr spannend ist das, was LZ auf screen/read anlässlich des Filmes „The Stranger“ über das Genrekino in Chile und seine Verbindung zu Eli Roth schreibt.

– „Lawrence of Arabia“ ist für mich eine sehr lebendige Kindheitserinnerung, als mir dieser Film das erste Mal eine Idee von der visuellen Macht der Bilder mitgab. YP und PD gehören zu einer ganz anderen Generation und haben auf Film im Dialog David Leans Meisterwerk neu gesehen.

– Fünf Filme von Philippe de Broca mit Jean-Paul Belmondo. Präzise auf den Punkt gebracht von Sebastian auf Magazin des Glücks. http://magazin-des-gluecks.blogspot.de/2016/05/les-farceurs.html

– Volker Schönenberger erinnert mich auf Die Nacht der lebenden Texte dran, dass meine Filmbildung noch große Lücken aufweist, denn bisher habe ich es nicht geschafft „Themroc“ zu sehen. Wie ich die Alge auf dem Heimkinomarkt einschätze, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben. Leider.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf Grün ist die Heide sowohl mit dem St. Pauli-Film „Straßenbekanntschaften auf St. Pauli“ mit dem großartigen Günther Stoll, Synchron-Papst Rainer Brandt als Schauspieler und der hinreisenden Dagmar Lassander. Ferner stellt er auch Alfred Vohrers Debüt auf dem Regiestuhl, „Schmutziger Engel“ von 1958 vor, in dem Rex Gildo eine kleine Rolle spielt.

– „Das Haus im dem Folterkeller“ habe ich doch jetzt glatt mit „Don’t Go in the House“ verwechselt. Funxton belehrt mich eines besseren, denn es handelt sich bei „Mansion Of The Doomed“ um ein Remake von Georges Franjus „Les Yeux Sans Visage“. Und scheinbar ein Empfehlenswertes.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen mag „Der Totenchor der Knochenmänner“ von José Luis Merino mit Paul Naschy. Das finde ich gut.

Real Virtualinks auf real virtuality.

Neues aus Hollywood beim Kinogänger.

25. – 29. Mai: Das vierte Favourites Film Festival in Bremen

Von , 21. Mai 2016 19:51

FFF4_2016Vom 25. bis zum 29. Mai 2016 findet im CITY 46 in Bremen nun schon zum vierten Mal das Favourites Film Festival statt. Gezeigt werden Filme aus aller Welt, die bereits auf Festivals im In- und Ausland einen Publikumspreis gewonnen haben.

In diesem Jahr präsentiert das Favourites Film Bremen unter anderem den aktuellen Publikumspreisgewinner aus Sundance, den Dokumentarfilm SONITA, in dem die gleichnamige Titelheldin Texte über ihre Situation als illegal im Iran lebende junge Frau aus Afghanistan rappt, den belgischen Spielfilm KEEPER, in dem der international ausgezeichnete Nachwuchsschauspieler Kacey Mottet Klein die Hauptrolle spielt, und den packenden Thriller MARSHLAND, der beim spanischen Filmpreis Goya mit zehn Trophäen ausgezeichnet wurde. Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, den 25. Mai um 20:00 Uhr mit dem tunesischen Spielfilm AS I OPEN MY EYES, der den Publikumspreis in Venedig gewonnen hat und von einer jungen Frau erzählt, die mit kritischen Songtexten gegen eine repressive Gesellschaft rebelliert.

Am zweiten Festivaltag, Donnerstag, den 26. Mai wird um 21:00 Uhr das des ist der belgische Regisseur Valéry Rosier zu Gast, der sein Spielfilmdebüt PARASOL präsentiert. Die belgische Rentnerin Annie ist in der Hoffnung auf ein Treffen mit ihrer Internetbekanntschaft mit einer Seniorengruppe auf die Ferieninsel Mallorca gereist, der junge Engländer Alfie macht mit seinen dicken Eltern hier Campingurlaub und Pere ist Fahrer einer Touristenbimmelbahn und versucht seiner zehnjährigen Tochter einen unvergesslichen Geburtstag zu bescheren. Valéry Rosier wird zur Vorführung persönlich anwesend sein, um im Anschluss die Fragen des Publikums zu beantworten und von der Entstehungsgeschichte seines Debütfilms zu berichten.

Alle Filme werden in ihrer Originalsprache mit Untertiteln gezeigt und im Namen der jeweiligen Festivals präsentiert.

Eine Übersicht über das komplette Programm des 4. Favourites Film Festival Bremen findet man auf der Website des Festivals unter www.favouritesfilmfestival.de oder der Homepage des City 46.

Ein Einzelticket kostet 7 Euro (ermäßigt 5 Euro), der Festivalpass für alle Filme: 30 Euro (ermäßigt 25 Euro).

“Weird Xperience”: Freitag 13.05. im Lagerhaus/etage3 – STAR CRASH

Von , 12. Mai 2016 16:33

Am morgigen Freitag, den 13., zeigen Stefan und ich in unserer Filmreihe „Weird Xperience“ im Lagerhaus mal wieder nicht den gleichnamigen Film, dafür haben wir ein kunterbuntes Science-Fiction-Spektakel italienischer Prägung im Gepäck.

Die Sterne duellieren sich am Freitag, den 13. Mai in unserer mittlerweile gar nicht mehr neuen, sondern gewohnten Heimat, der etage3 im Lagerhaus. Einlass ist 20:00 Uhr, los geht es um 20:30 Uhr – wie gewohnt mit einer kleinen Einführung.

Die berüchtigte Schmugglerin Stella Star und ihr treuer Robotorfreund Akton werden vom Chef der galaktischen Polizei gefangen genommen. Doch der galaktische Imperator lässt sie wieder frei. Dafür sollen sie ihm helfen, seinen einzigen Sohn Simon zu finden, der auf der Suche nach dem bösen Graf Zarth Arn war, welcher eine Superwaffe entwickelt hat. Damit beginnt für Stella Star eine aufregende und gefährliche Reise kreuz und quer durchs Weltall, bei der sie auf wilde Amazonen, Höhlenmenschen und die geheime Basis des bösen Grafen trifft.

starcrash4Wir schreiben das Jahr 1978. Die ganze Welt staunt noch über den phänomenalen Erfolg von George Lucas‘ Sternenoper „Star Wars“. Die ganze Welt? Nein. Die Italiener haben schon längst die Ärmel hochgekrempelt und frei nach dem Motto „Selbst ist der Mann“ damit begonnen, ihre eigenen Sternenkriege zu inszenieren. Natürlich mit einem Bruchteil des Budgets, welches Lucas zur Verfügung stand, dafür mit viel Enthusiasmus. Unter ihnen ein junger Mann, der zuvor vor allem als Mitarbeiter von Horror-Maestro Dario Argento aufgefallen war und 1975 mit dem wundervollen – und leider in Deutschland bis heute nicht erhältlichen – Giallo „The Killer Must Kill Again“ auf dem Regiestuhl debütierte. Luigi Cozzi ist ein riesiger Fan des phantastischen Films und kann sich bei „Star Crash – Sterne im Duell“ nach Herzenslust austoben. Er baut eine Hommage an den großen Stop-Motion-Künstler Ray Harryhausen mit ein, lässt quietschbunte Raumschiffe durch ein ebenso buntes All gleiten, in dem die Sterne in allen Farben leuchten.

starcrash5Und mittendrin sie: STELLA STAR! Die wunderschöne, aufregende Caroline Munro. Schwerbewaffnet und im Lederbikini gibt sie die harte Schmugglerin. Da kann Han Solo einpacken. Wie vielen Heranwachsenden hat diese Überfrau wohl die Nächte geraubt? Auch Joe Spinell (als böser Graf Zarth Arn) sollte zwei Jahre später für schlaflose Nächte sorgen. Allerdings aus anderen Graden, denn da spielte er die Titelrolle im berüchtigten Slasher „Maniac“.

Des Weiteren mit am Bord des Sternenkreuzers „Star Crash“: Christopher Plummer als guter Imperator und ein blutjunger David Hasselhoff (!) als sein einziger Sohn Simon. Ja, für „The Hoff“ gab es ein Leben vor „Knight Rider“, auch wenn er da heute vielleicht nicht mehr gerne drüber spricht. In der Rolle von Stellas treuen Robotorfreund Akton sieht man Marjoe Gortner, einen ehemaliger Erweckungsprediger, der im Alter von nur vier Jahren der jüngste ordinierte Prediger geworden war und sich in den 70ern als Sänger und Schauspieler versuchte. Erwähnenswert auch die grandiose Musik, denn sie stammt aus der Feder des berühmten „James-Bond“-Komponisten John Barry!  

Wenn das alles keine verdammt guten Gründe sind, morgen bei Weird Xperience vorbeizuschauen, dann wissen wir auch nicht weiter.

Das Bloggen der Anderen – Kurzausgabe (09-05-16)

Von , 9. Mai 2016 17:11

bartonfink_type2Da ich derzeit schwer mit einigen Artikeln für die kommende Ausgabe des Printmagazins „35 Millimeter“ beschäftigt bin, wo unerbittlich die Deadline näher rückt, komme ich nicht dazu, frische Texte für meinen Blog zu erstellen. Einiges habe ich noch auf Halde und werde es in den nächsten Tagen posten, für alles Andere fehlt mir momentan die Zeit. Eigentlich auch für „Das Bloggen der Anderen“. Doch da auf B-Roll ein meiner Meinung nach hochinteressanter und unbedingt lesenswerter Artikel erschien, habe ich mich kurzfristig entschlossen eine „Kurzausgabe“ zusammenzustellen in der ich wirklich nur auch ganz wenige Blog-Postings eingehe. Demnächst wird es dann wieder umfangreicher.

– Der von mir eben erwähnte Artikel auf B-Roll ist ein umfangreiches Interview, welches Katrin Doerksen mit Christoph Draxtra führte. Sie schreibt über ihn: „Draxtra verdient als Filmvorführer in Nürnberg sein Geld, gemeinsam mit Andreas Beilharz veranstaltet er aber auch Festivals (…). Man müsste Christoph Draxtra aber eigentlich auch einen Archivar nennen, wollte man ihm gerecht werden. Ehrenamtlich treibt er Filmkopien auf, repariert und klebt, schneidet und untertitelt, liebt und leidet.“ Dementsprechend geht es in dem Interview dann auch darum, was gerade mit unserem Filmerbe passiert, warum es passiert und was passieren müsste, damit auch unsere Kinder und Enkel noch all die wundervollen Schätze sehen können, die derzeit langsam verrotten und zerfallen. Pflichtlektüre! Ebenfalls auf B-Roll beendet Sonja Hartl ihre fünfteilige Reihe über den Film Noir und beschäftigt sich mit dem Einfluss des Film Noir auf den europäischen Film. Lucas Barwenczik sinniert über Sinn und Unsinn von Filmbewertungen anhand von irgendwelchen Zahlenskalen bei Metacritic oder Rotten Tomatoes und kommt zu dem von mir ebenfalls lautstark propagierten Fazit: „Cineasten sei ans Herz gelegt, Filmkritiken tatsächlich zu lesen, zu hören, anzusehen und am besten sogar selbst zu verfassen. Nicht als reine Konsumberatung, sondern vor allem, um ein Kunstwerk durch die Augen eines anderen Menschen neu zu entdecken. Wer Freude an Filmen hat, hat auch Freude an Texten über Filmen. Je besser wir das Kino verstehen, desto mehr Vergnügen bereitet es uns.“ Ja, genau!

– David von whoknows presents war beim 16. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films und hat von dort eine ganze Menge Empfehlungen mitgebracht, die meine Liste der „Muss-ich-noch-gucken“-Filme wieder gehörig anwachsen lässt. Zum Glück kenne ich zumindest die meisten der von ihm gesehen polnischen Filme (wobei ich“ ILE WAŻY KOŃ TROJAŃSKI?“ deutlich langweiliger und konventioneller fand als david, ihm aber sehr dankbar bin, dass er den tollen „DOM ZŁY“ hier noch einmal herausstellt).

– Sven Safarow war ebenfalls bei goEast und sah dort den dritten Langfilm des großen und von mir sehr verehrten Andrzej Zulawski: „Nachtblende“. Über diesen Film weiß er dann auch auf Eskalierende Träume eine Menge kluge Dinge zu schreiben.

– Auf Jugend ohne Film erscheinen derzeit einige Texte, die eine im Filmarchiv Austria stattfindenden Georg-Wilhelm-Pabst-Retro begleiten sollen. Den Beginn macht ein Text von Patrick Holzapfel über „Der letzte Akt“. Ioana Florescu entdeckt in „I Walked With A Zombie“ versteckte Hinweise auf berühmte Gemälde und fragt sich, was diese bedeuten.

– Michael Schleeh gibt auf Schneeland einen ersten Ausblick auf die am 24. Mai beginnende „Nippon Connection 2016 – Japanisches Filmfestival Frankfurt“ und neue Filme von Sogo Ishii, Takeshi Kitano, Sion Sono und anderen.

– Udo Rotenberg erklärt auf L’amore in città anhand des Filmes „L’amore difficile“ (dt. Erotica) von 1962 die Entstehung und die Mechnismen des italienischen Episodenfilms.

– Wer wissen möchte, was Quentin Tarantino diesen Mai in seinem New Beverly Cinema zeigt, kann dies auf movie&sports nachlesen.

– Christian Genzel schreibt auf Wilsons Dachboden über einen Dokumentarfilm, von dem ich bisher noch nie etwas gehört habe, der aber sehr interessant klingt: „FÜR KURZE ZEIT NAPOLEON“ über Wolfgang Krone, der 1978, als er 30 Jahre alt war, beschloss, sich den Traum vom eigenen Spielfilm zu erfüllen.

DVD-Rezension: „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“

Von , 4. Mai 2016 20:23

polypIm kalifornischen Solana Beach verschwindet erst ein Baby nahe des Wassers, dann ein alter Segler, dessen entstellte Leiche von einem jungen Pärchen gefunden wird. Der Journalist Ned Turner (John Huston) geht der Sache nach und findet heraus, dass der Bau eines Unterwassertunnels durch die Firma Trojan, die dem einflussreichen Mr. Whitehead (Henry Fonda) gehört, ein gigantischer Oktopus aufgestört hat, der nun Jagd auf Schwimmer und Boote macht. Turner überredet daraufhin den Meeresforscher Will Gleason (Bo Hopkins) sich auf die Suche nach dem Riesenoktopus zu machen…

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Das waren noch Zeiten, als sich die Italiener mit Leidenschaft und einer Portion Dreistigkeit daran machten, erfolgreiche Hollywood-Produktionen zu kopieren, und dabei zu etwas ganz eigenem umzubiegen. Natürlich lag 1977 nichts näher auf der Hand, als auf den großen Killerfisch-Hype aufzuspringen, der durch Steven Spielbergs enorm erfolg- wie ein einflussreichen „Der weiße Hai“ losgetreten wurde. Statt eines großen weißen Hais, entschied sich Produzent und Regisseur Ovidio G. Assonitis (der zuvor auch schon mit eine erfolgreich „Exorzist“-Variante geschaffen hatte) für einen gewaltigen Oktopus, der seinen Opfern das Rückenmark aussaugt. Hier findet sich leider auch gleich das Hauptproblem von „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen„: Man sieht diesen Oktopus nicht wirklich. Und wenn, ist er bei unter Wasseraufnahmen deutlich als Aquariumaufnahme eines echten, normal großen Tieres zu erkennen. Über Wasser wiederum sieht man irgendwann mal kurz zwei Augen auf einem Plastikkopf. Aber das war es dann auch. Nie kommt es zu einer grafischen Attacke. Die Leute verschwinden einfach oder werden maximal noch unter Wasser gezogen. Zu keiner Zeit sieht man, was passiert und auch das furchtbare Knochenmark-Aussaugen wird einmal behauptet und dann nie wieder aufgegriffen.

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Freunde von deftigem Tier-Horror kommen also nicht wirklich auf ihre Kosten, auch wenn Regisseur zwei durchaus spannende und gruselige Angriffssequenzen inszeniert hat. Diese zeigen dann auch, dass die Idee vom Riesenoktopus durchaus gruseliges Potential hat, auch wenn man kein Geld zur Verfügung hat, um die Bestie und ihre Untaten in Szene zu setzen. Eine nächtliche Attacke auf ein Boot, sowie der verzweifelte Fluchtversuch der einzigen Überlebenden ist einigermaßen aufregend und unheimlich in Szene gesetzt. Auch die Kinder-Regatta, in deren Mitte plötzlich der Oktopus auf Jagd geht (eine Szene, die so auch fast 1:1 in dem erst ein Jahr später in die Kinos gekommenen „Der weiße Hai“-Sequel vorkommt) sorgt zunächst für Suspense. Doch dann kommt der coitus interuptus. Gerade wenn die gewaltige Silhouette des Oktopus unter dem Boot der Kinder auftaucht, wird abgeblendet und auf die im Hafen auf die Geretteten Wartenden geschnitten. Da fühlt man sich dann irgendwie betrogen, wenn zusätzlich noch die unzähligen durch die angebliche, nie gezeigte Oktopus-Attacke gekenterten Boote gezeigt werden, streut das noch Salz in die Wunde.

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Ein anderer Kritikpunkt ist die etwas alberne Idee, dem Hauptdarsteller und Helden zwei freundliche Killerwale zur Seite zu stellen, die ihm im letzten Augenblick im Kampf gegen das Tentakelmonster beistehen. Das hat dann mehr wie „Flipper“ als von „Der weiße Hai“. Es zeigt aber auch, dass die Italiener keine Hemmungen hatten, verrückte und vollkommen abwegige Ideen in ihre Filme einzubringen. Und gerade dies macht ihre Filme so unverwechselbar und trotz aller Fehler dem „Gewollt-trashigen“-Blödsinn ala „Sharknado“ überlegen. Diese abstruse Idee wird einfach völlig ironiefrei und ohne Rücksicht auf Verluste knallhart durchgezogen. Leider ist der finale Kampf Oktopus gegen Killerwale (bei dem zwei Killerwalschatten – mehr erkennt man nicht – auf einen toten Oktopus losgelassen wurden) reichlich unübersichtlich geraten. Nur manchmal entschädigt der Film solch ein schwerwiegendes Manko mit dann doch auch gelungen und beunruhigenden Szenen, beispielsweise wenn zwei Taucher mit ihrem Mini-U-Boot durch einen Wald toter Fische fahren.

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Der Clou des Filmes ist überaus prominente Besetzung, bei der man sicherlich nicht erwartet hätte, sie in einem italienischen „Der weiße Hai“-Rip-Off anzutreffen. Henry Fonda hatte ja durchaus schon Erfahrungen in italienischen Filmen und ist hier trotz prominenter Platzierung nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, die in knapp zwei Drehtagen abgehandelt wurde und für den Film eigentlich keine echte Bedeutung hat. Die unvergleichliche Shelley Winters spielt die etwas skurrile Alte mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. So wie sie es nach dem „Poseidon Inferno“ häufig tat. In „Der Polyp“ darf sie dafür zur Belohnung den größten Sombrero der Welt tragen. Sehr überraschend ist es auch, Regie-Legende John Huston in diesem Film zu sehen. Huston, der Klassiker wie „Asphalt Dschungel“ oder „Die Spur des Falken“ drehte, trat ab den 60er Jahren häufiger vor die Kamera (am prominentesten in „Chinatown“), doch in „Der Polyp“ hätte man ihn jetzt nicht unbedingt erwartet. Als Journalist Ned Turner hat er auch nicht besonders viel zu tun, und obwohl er der Protagonist der ersten Hälfte des Filmes ist, verschwindet er dann später, zusammen mit seiner Film-Schwester Shelley Winters, kommentarlos aus der Handlung. Der Stab wird dann an Bo Hopkins weitergegeben, der in den ersten 60 Minuten gerade mal eine erweiterte Nebenrolle inne hatte, nun aber zum Helden des Filmes gemacht wird. Hopkins, damals ein vielbeschäftigter Charakterdarsteller, schlafwandelt allerdings durch seine Rolle, und bemüht sich dabei nicht gerade zu verbergen, dass er das, wo er da hineingeraten ist, für ziemlichen Schrott und unter seiner Würde hält.

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Eine große Stärke des Filmes ist seine tolle Musik, für die sich Stelvio Cipriani verantwortlich zeichnet, der durch seine großartigen Scores für italienische Polizeifilme, die sogenannten Poliziotteschi, einen großen Fankreis besitzt. In „Der Polyp“ recycelt er sein grandiosen Titelthema aus „Der Tod trägt schwarzes Leder“, was zunächst einmal seltsam anmutet, sich aber spätestens bei der großen Regatta-Szene gut in den Film einfügt und auch einmal für zusätzliche Pulsschläge sorgt. Kameramann Roberto D’Ettorre Piazzoli ist ebenfalls kein Unbekannter im italienischen Genrefilm, sondern arbeitete regelmäßig mit Produzent und Regisseur Ovidio G. Assonitis zusammen. Unter anderem bei dessen bereits oben erwähnten, unfassbaren „Exorzist“-Variante „Vom Satan gezeugt“ oder James Camerons, von Assonitis produzierten, Regie-Debüt „Piranhas 2: Fliegende Killer“. Und trotz der amerikanischen Drehorte und Darsteller, bleibt „Der Polyp“ ein typisches – wenn auch etwas langweiliges – Produkt der italienischen Film-Küche. Denn nur dort kann es dann auch Szenen geben, in denen Babies und Kinder dem Monster zum Opfer fallen, und nette Killerwale den Flipper machen.

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Leider ist „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ ein reichlich lahmer und unspektakulärer Vertreter des Tierhorror-Films geworden, der zu allem Überfluss auch fast gänzlich den Blick auf seinen Titelhelden verwehrt und auch dessen Attacken der Fantasie des Zuschauers überlässt. Immerhin kann Stelvio Ciprianis tolle Musik und die solide Kameraarbeit überzeugen. Nur ganz selten deutet „Der Polyp“ an, welches Potential hier eingeschlummert ist.

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Der in der „Creature Feature“-Reihe des Hauses Koch Media als Nummer 4 erschienene Films wird im Widescreen-Format von 2,35:1 präsentiert. Über kleinere Macken und Verschmutzungen kann man getrost hinwegsehen, da das Bild an sich sehr scharf ist. Der Ton liegt zwar in der deutschen und auch englischen Fassung vor, nicht jedoch in der italienischen. Beide Fassungen gehen von der Qualität her in Ordnung. und ist dem Alter entsprechend ebenfalls in Ordnung. Als Extras gibt es zwei deutsche und einen englischen Trailer zum Film, einen englischen Radio-Werbespot und eine umfangreiche Bildergalerie.

Das Bloggen der Anderen (02-05-16)

Von , 2. Mai 2016 19:21

bartonfink_type2– Prince ist tot. Trotz drei von ihm konzipierter Filmen fand ich in der Filmblog-Szene keinen Nachruf auf den großen, kleinen Mann. Bevor ich nun in die aktuelle Ausgabe des „Bloggen der Anderen“ einsteige, hier mein Posting auf Facebook, kurz nachdem ich von seinem Tod erfahren habe. Auch wenn das mehr mit mir und mit Musik als mit Film zu tun hat: „Die Nachricht des plötzlichen und unerwarteten Todes eines meiner großen Musik-Heroen, Mr. Prince Rogers Nelson, hat mir einen gehörigen Schlag über den Schädel verpasst. Ich bin seit 24 Jahren ein großer Verehrer seiner Musik, die mich durch viele Phasen meines Lebens begleitet hat. Ich erinnere mich noch ganz genau an mein Aha-Erlebnis, den Moment in dem es „Klick“ gemacht hat. Natürlich kannte ich Prince seit Anfang der 80er, doch das „Klick“ kam erst 1992, als ich zu vorgerückten Stunde in einer besonderen, wein-seligen Stimmung „Temptation“ vom „Around the World in a Day“-Album hörte. Ab da war es um mich geschehen. Kurz darauf verlor ich mich im „Lovesexy“-Album und lernte zwischen den Hauptmelodien die kleinen versteckten Miniaturen zu erkundete, die oftmals dann später in anderen Songs wieder aufgenommen und fortgeführt wurden. Besonders in der schwierigen Zeit mit „The Gold Experience“ und „Come“ gab es so viel zu entdecken. Prince ist einer der Künstler, die ich auch nie aus den Augen verlor, bei denen ich nicht nur jedes Album sofort kaufte – egal wie obskur – sondern auch das Netz nach Bootlegs und unveröffentlichtem Material durchforstete, mir seine vielen Neben-Projekte einverleibte und durch die halbe Stadt rannte, um noch irgendwo das Rolling-Stone-Magazin mit seiner neuer Scheibe zu ergattern. Gerade hatte ich – mit etwas Verspätung – seine innerhalb kürzester Zeit erscheinen drei neuen Platten gekauft. Mit „Hit ’n Run Phase 1“ wurde ich erst noch nicht warm, doch irgendwie konnte ich auch nicht davon lassen und tatsächlich – mit jedem Durchgang wuchs die Liebe. Und ich freute mich schon auf „Phase 2“ und all die anderen neuen, aufregenden Dinge für die Prince immer gut war. Ich bin ihm gerne auf seinen musikalischen Wegen gefolgt. Nun ist dieser Weg zu Ende und das macht mich sehr, sehr traurig. Da tröstet mich auch nicht, dass es in seinem Archiv wahrscheinlich noch tausende unveröffentlichter Songs gibt. Der kleine Mann aus Minneapolis fehlt mir schon jetzt. Ruhen Sie in Frieden, Mr. Nelson.“ Ein weiteren sehr schönen Nachruf hat Oliver Nöding auf Remember It For Later in Form einer Rezension des Films „Purple Rain“ geschrieben.

– Rainer Kienböck bespricht auf dem Blog Jugend ohne Film ausführlich den leider viel zu unbekannten Film „Moonlightning“ des großen Jerzy Skolimowski, den dieser 1982 mit Jeremy Irons in der Hauptrolle in England realisierte. Patrick Holzapfel beschäftigt sich mit Anthony Mann und der Bedeutung der Grenze in dessen Werk.

– Auf B-Roll hat Patrick anlässlich ihres ihren 70. (oder 68.) Geburtstags ein Portrait der französischen Regisseurin Claire Denis veröffentlicht, sowie Lars von Trier zu dessen 60. ein Bildgedicht gewidmet. Martin Beck echauffiert sich über das miserable Horror-Angebot bei den Streaming-Riesen (wobei ich gerne ergänze, dass dies nicht nur ein Problem des Horror-, sondern des älteren – 10 Jahr plus – Films im allgemeinen ist). Sonja Hartl beschäftigt sich im vierten Teil ihrer wundervollen Film Noir-Betrachtung mit „Entwicklungen und Abweichungen“.

– „Deutsches Kino, wir müssen reden!“ ruft Rochus Wolff auf Kinderfilmblog angesichts der erschreckend schwachen Kinderfilme „Made in Germany“.

– Filmfestivalberichte auf critic.de. Gabriela Seidel-Hollaender war beim „Crossing Europe“ in Linz und Till Kadritzke beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln.

– Alex Klotz setzt auf Hypnosemaschinen seinen Bericht vom Terza Visione #3 mit Tag 2 fort.

– Während ihres Abruzzen-Urlaubs im Jahr 2012, machte Mauritia Mayer auch einen Abstecher in die umbrische Hauptstadt Perugia wo sie die Drehorte von Sergio Martinos „Säge des Teufels“ aufsuchte. Dokumentiert hat sie dies auf Schattenlichter.

– Udo Rotenberg schreibt auf L’amore in città über Stenos Komödie „Nachtwächter, Dieb und Dienstmädchen“ von 1958, bei der auch Lucio Fulci die Hand im Spiel hatte.

– Wenn Sebastian von Nischenkino sich etwas wünschen könnte, dann wäre darunter eine anständige, deutsche Veröffentlichung des Frühwerks des Action-Maestro John Woo, dessen bahnbrechende Werke fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Darum stellt Sebastian sie noch einmal vor.

– Letzte Woche war Disneys Zeichentrick-Klassiker „Das Dschungelbuch“ schon Thema bei Film im Dialog, jetzt hat Marco von Duoscope dem Film ein langes, interessantes Essay gewidmet, welches viele – mir zumindest – bisher unbekannte Fakten zum Vorschein bringt.

– Während Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen vom ersten Teil der „Unna-Trilogie“ des deutschen Filmemachers Peter Thorwarth noch (wie ich finde zu Recht) begeistert ist, kann ihn der dritte Teil, „Goldene Zeiten“, dann gar nicht mehr überzeugen.

Short Cuts Totale schaut sich weiter durch Ingmar Bergmanns Frühwerk. „Es regnet auf unsere Liebe“ findet er aber nur ganz nett.

– Cameron schreibt auf Drei Cineasten über Dreyers wunderbaren „Michael“.

– Ich mag die Musical-Version von „Little Shop of Horrors“ sehr gerne und wusste gar nicht, dass es da einen Director’s Cut gibt. Flo Lieb von symparanekronemoi klärte mich darüber auf.

– Ansgar Skulme ist auf seiner Reise durch die Filmwelt Robert Siodmaks auf Die Nacht der lebenden Texte nun bei dem grandiosen „Der rote Korsar“ angekommen.

– Filme für die ich eine kleine Schwäche habe: Die „Blood Island“-Filme von Eddie Romero. Totalschaden von Splattertrash wohl auch, wenn ich seine „Brides of Blood“-Besprechung richtig lese.

– Und zum Abschluss noch einer meiner liebsten Filme: „Messias des Bösen“ aka „Blood Busters“., der meine Träume schon seit den späten 80ern durchpflügt, seit ich ihn in halbwachem Zustand im Dämmerlicht nach einer Silvester-Party sah. Yzordderrexxiii hat ihn jetzt auch für sich entdeckt.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 14 erhältlich

Von , 29. April 2016 17:16

35MM-14Bei der aktuellen Ausgabe konnte ich bis auf eine DVD-Rezension von „Heiße Grenze“ (obwohl leider nicht mein Kürzel drunter steht) leider nichts beitragen. Die Redaktionskollegen hatten bereits alle Themen besetzt, als ich noch darüber nachgegrübelte, ob ich jetzt lieber über dies oder über jenes schreiben möchte. Aber auch so ist es wieder ein sehr schönes Heft geworden, welches ich den Lesern meines Blogs doch auch sehr gerne wieder ans Herz lege. Derweilen bastle ich schon mal an meinen Artikeln zur Nummer 15, die dann „Classic Beauties“ als Titelthema hat.

ZUR LAGE DES DEUTSCHEN STUMMFILMS – Interview mit Klaus Kreimeier

MITMACHKINO DER 20ER – Hüpfende Bälle und singende Zuschauer

MANIFEST ZUM STUMMFILM – Zur Schwerfälligkeit des tönenden Films

WIE DER FILM ZUR MUSIK KAM – Arrangieren, Kompilieren und Komponieren: Filmmusikpraxis in den 1920er Jahren

THE SOUND OF SILENCE – Die Anfänge der Filmmusik

DIE VERLORENE WELT – Als die Dinos laufen lernten

MEISTERWERKE IN BLECHBÜCHSEN – Beispiele fast vergessener Filme, die man leider nur schwer zu sehen bekommt

TORSO FILMERBE – Warum kaum ein Stummfilm mehr in seiner Original­fassung existiert

STUMMFILMARCHITEKTUR – Stille Monumentalität im Hintergrund

DER MÜDE TOD – Neu auf DVD

FRITZ LANG – Über Imitation und Biographie

KLASSIKER SEHEN – FILME VERSTEHEN – Filmgeschichte als Schulfach

ABENTEUER IN DER SÜDSEE – Hollywoods Garten Eden – Teil 2

Rubrik: Original & Remake – Kap der Angst

CONQUEST OF PARADISE – Hollywood-Expeditionen in der „Neuen Welt“

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER – Margot Leonard

FILM AUF DEUTSCH – Besondere Synchronfassungen

MAYA DEREN – Symbolik und Surrealismus

Kolumne: QUOD ERAT MONSTER! – Sindbads 7. Reise

DIE RACHE DER GALERIE DES GRAUENS – Der Fluch des Dämonen & Planet der toten Seelen

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Mikio Naruse – Teil 4

Kolumne: Lichtblicke mit braunem Ton – Zwischen Kunst und Ideologie – Teil 8 – Peter Voss, der Millionendieb

Kolumne: CINEMAZZURRO – CALTIKI

Kolumne: DER VERGESSENE FILM – The War at Sea from Hawaii to Malaya

 

Heft #14 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

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