Blu-ray-Rezension: „Laurin“

Von , 12. Dezember 2017 15:39

Im einer kleinen, norddeutschen Hafenstadt Anfang des 20. Jahrhunderts, verschwindet eines nachts ein kleiner Zigeunerjunge. Zur selben Zeit kommt Flora (Brigitte Karner), die Mutter der 9-jährigen Laurin (Dóra Szinetár), unter mysteriösen Umständen ums Leben. Einige Zeit vergeht, da kehrt der junge Van Rees (Károly Eperjes), der Sohn des tyrannischen Dorfpastors (Endre Kátay) in den Ort zurück und wird von seinem Vater zum neuen Lehrer des Ortes gemacht. Laurin lebt mittlerweile allein bei ihrer kränkelnden Großmutter (Hédi Temessy), denn der Vater ist schon lange wieder zur See gefahren. Laurin von Visionen gequält und verdächtigt den neuen Lehrer, mit den Ereignissen der schicksalsschweren Nacht in Verbindung zu stehen. Gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Freund Stefan (Barnabás Tóth), macht sie sich auf, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen…

Ich weiß nicht, ob ich „Laurin“ damals bei seiner ersten Fernsehausstrahlung sah. Wahrscheinlich nicht, denn daran sollte mich erinnern können. Trotzdem hatte ich nun, da ich „Laurin“ das erste Mal ganz bewusst sah, das Gefühl, ich würde ihn kennen. Nicht wegen bestimmter Szenen, Bilder oder anderen, konkreten Erinnerungsfetzen. Nein, es war dieses Gefühl, das ich kannte. Dieses diffuse, seltsame Gefühl aus der Kindheit, wenn man etwas sah, was einen beunruhigte, ja ängstigte, aber gleichzeitig ungeheuer faszinierte.

Da war einmal „Das Haus der Krokodile“, diese TV-Serie mit Tommy Ohrner, die ich wahrscheinlich bei der zweiten Wiederholung 1981 sah. Ich weiß noch, wie mich die unheimlichen Augen, die ein unter mysteriösen Umständen verstorbenes Kind gemalt hatte, in den Schlaf verfolgten. Eigentlich verfolgen sie mich bis heute. Wie die Handlung der Serie auf meinen Alltag übergriff und unser Haus sich plötzlich nicht mehr sicher anfühlte, weil da vielleicht irgendwo auf dem Dachboden etwas lange Vergessenes lauern konnte. Dieses latente Gefühl der Bedrohung, welches mich nachts nicht schlafen ließ. Und gleichzeitig die Ungeduld, die Spannung, wie es denn in der Serie weitergehen wird. Diese Melange aus Ängstlichkeit und Sehen wollen, die im Magen ebenso sehr feurige Wärme, wie eisige Kälte hervorruft. Heiß, kalt – stimulierend. Oder „Mandara“. Noch so eine Kinderserie, die vielleicht noch gar nichts für meine zarte Seele war. Wo die Macher tatsächlich den Mut hatten, die kindlichen Helden nach der Hälfte Folgen einfach sterben bzw. den Bösen verfallen zu lassen. Ein Schock, von dem ich mich lange nicht erholen konnte. Der Ängste schürte, über die ich mir damals noch keine Gedanken machen wollte. Der Horror, das wohlige Gruseln.

Was hat das alles mit „Laurin“ zu tun? „Laurin“ erinnerte mich an diese Empfindungen aus meiner Kindheit. Denn auch „Laurin“ könnte ein solcher Kinderfilm sein. Ein sehr dunkler Kinderfilm. Seine Protagonisten sind ungefähr sind in dem Alter, in dem ich damals war, als oben genannte Serien an etwas in mir zerrten und es aufweckten. Sie werden mit schrecklichen Dingen konfrontiert. Märchenhafte Dinge. Der schwarze Mann. Ein archaische Sagengestalt, die Kinder fängt und verschleppt (wie man es in „Laurin“ in einer Buchillustration sehen kann). Sie müssen sich plötzlich mit etwas auseinandersetzten, was in der geborgenen Kinderwelt noch keinen rechten Platz hat: Dem Tod. Den der Eltern, der Freunde, der eigene Tod. Und sie müssen Mittel finden, damit umzugehen. Ihm entgegenzutreten oder sich mit ihm zu arrangieren. Denn der Tod übt auch eine merkwürdige Faszination aus.

Der Tod, der schwarze Mann, das ist in „Laurin“ der Lehrer Van Rees. Ein ehemaliger Soldat, der zurückkehrt ins Dorf. Kein Dämon, sondern ein von Dämonen gejagter und besessener Mann. Der als Kind von seinem grausamen Vater, dem evangelischen Pastor, misshandelt und seelisch missbraucht wurde. Bei der Figur des schrecklichen Vaters kommt einem augenblicklich der Pastor Edvard Vergérus aus Ingmar Bergmans Meisterwerk „Fanny und Alexander“ in den Sinn. Noch so eine seltsame Kindheitserinnerung. Es war vielleicht das erste Mal, dass ich mit dem „magischen Realismus“ in Kontakt kam, den ich heute so sehr liebe, und von dem auch „Laurin“ durchtränkt ist. Die Szene aus „Fanny und Alexander“, in der Alexander auf dem Dachboden den Geistern zweier ertrunkener Kinder begegnet, lässt mich noch heute erschaudern. Ebenso wie der erbarmungslose, grausame Pastor, der sich zum Stiefvater der Geschwister macht. Der alte Van Rees in „Laurin“ ist genauso ein menschliches Monster. Getrieben von der Gier, Macht über Andere auszuüben. Sie zu dominieren und nach einem völlig verkorksten, religiösen Weltbild zu formen. Seinen Sohn hat er seelisch verkrüppelt, mit Ängsten und Obsessionen vollgestopft. Ihn zum Kindesmörder gemacht.

Der alte Van Rees ist der Dämon in diesem Film. Sein Sohn ebenso Opfer, wie die Kinder, die er tötet. Ein wahrer Besessener. Besessen von dem Schmerzen und Verletzungen, die ihm zugefügt wurden, als seine Seele am verletzlichsten war. Das ist der Schrecken von „Laurin“: Dass Monster gemacht werden und dann hinter Masken lauern. Károly Eperjes verkörpert diesen jungen Van Rees mit viel Hingabe und Gefühl. Sein feines Gesicht spiegelt glaubhaft seine Verzweiflung wider. Über die Arbeit als Lehrer, die er nicht machen will, und die ihn vollkommen überfordert. Aber auch die Angst vor sich selbst, vor der Entdeckung und das Bedrohliche, das Wölfische, wenn sein Mordtrieb die Oberhand gewinnt. Allein seine deutsche Synchronstimme macht leider einiges von seinem Spiel kaputt. Denn sie klingt viel zu alt und zu abgeklärt für einen jungen, verwirrten Mann. Hier empfiehlt sich in der Tat die englische Fassung, zumal am Set auch auf Englisch gedreht wurde.

Überhaupt die Schauspieler. Regisseur Robert Sigl hat am Drehort Ungarn Gesichter gefunden, die man so schnell nicht vergisst. Sei es Endre Kátay als Pastor Van Rees oder Hédi Temessy als Großmutter Olga. Letztere ist eine faszinierende Gestalt, über die man mehr wissen möchte. Die scheinbar viel erlebt hat und eine Vorliebe für seltsame Blätter hat, die sie in einem Buch versteckt und gerne in ihre kleine Pfeife stopft. Nicht zu vergessen die Kinderdarsteller, wie der kleine Barnabás Tóth als Stefan und – natürlich – Laurin selber, die wundervolle Dóra Szinetár. Ein schönes Mädchen, welches ebenso neugierig wie herausfordernd in die Welt der Erwachsenen blickt. Sigl hat sie genau auf der Schwelle zwischen Kind und junger Frau gefunden. Kindliche Angst und unbekümmerte Spiele mit ihrem Freund Stefan, stehen erste Versuchen gegenüber, einen erwachsen Mann zu verführen. Und dem Mut, sich ihrer Angst zu stellen.

„Laurin“ handelt auch davon, wie das ist, wenn beide, das Kind und die Erwachsene, noch immer in einem Körper stecken. Von der Verwirrung, die dies stiftet. Die Sehnsucht nach der Sicherheit des Zuhauses und der unbändige Wunsch, die gefährliche, geheimnisvolle Welt dort draußen zu erforschen. Eben jenes Gefühl, welches ich auch hatte, als ich damals diese Geschichten im Fernsehen sah, die mir zeigen, dass es hinter meiner heilen Kinderwelt noch etwas anderes, etwas dunkleres, unheimliches, beunruhigendes gab. Und ich jede Woche ungeduldig darauf wartete, diese andere Welt zu betreten.

Nun könnte ich noch lange über die anderen Aspekte von „Laurin“ schreiben. Von den stimmungsvollen Bildern, die oftmals an die Meisterschaft eines Mario Bava erinnern und sich ähnlich unter die Haut schleichen. Von dieser seltsamen Stimmung, irgendwo zwischen tschechischem Märchenfilm und Ingmar Bergmann. Von alten Ruinen, die auch in einem Film von Jean Rollin auftauchen könnten. Davon, dass all diese Vergleich natürlich hinken, weil dies ein Film von Robert Sigl ist und eben ganz viel Robert Sigl in ihm steckt. Und ich könnte über eben jenen Robert Sigl schreiben. Darüber, dass „Laurin“ ein unerfülltes Versprechen auf eine große Karriere oder gar einer Wiedergeburt des deutschen Horrorfilms gewesen sei. Dass es eine Schande ist, dass er nie wieder die Möglichkeit bekam, seine eigenen Stoffe zu verwirklichen. Und dass man auf jeden Fall seine TV-Arbeiten für sich entdecken sollte. Aber das haben schon andere getan und sicherlich besser, als ich es könnte. Und es ist auch nicht wahr, dass „Laurin“ ein unerfülltes Versprechen sei. Denn es löst das Versprechen ein, den Zuschauer für knapp ein und ein halb Stunden mit in eine schrecklich-schöne, dunkle, märchenhafte Welt mit zu nehmen und sein Leben zu bereichern. Ja, es ist schade, dass Sigl bisher keinen weiteren „Laurin“ verwirklichen konnte/durfte. Aber „Laurin“ ist immer noch da. Ist nie weg gewesen. Existierte im Geflüster der cinephilen Gemeinde, verschwand nie aus der Erinnerung derer, die ihn gesehen haben. Und lies stetig eine kleine, aber feine Fangemeinde wachsen, die auch Sigls anderen Werke – Auftragsarbeiten allesamt – zu schätzen wissen. Und ist jetzt dank der nun endlich vorliegenden Blu-ray bereit, von einer neuen Generation entdeckt zu werden.

Dem verdienstvollen Label Bildstörung ist mit „Laurin“ ein weiterer Meilenstein in ihrer nun schon 30-teiligen Reihe „Drop-Out“ gelungen. Es kann an dieser Stelle gar nicht deutlich genug betont werden, was für eine großartige Arbeit hier jedes Mal geleistet wird. Für „Laurin“ beispielsweise wurde das Filmmaterial neu in 2K vom Negativ abgetastet und in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Robert Sigl restauriert. Und das sieht man auch. So gut, hat „Laurin“ höchstens bei seiner Kinopremiere mal ausgesehen. Natürlich ließ es sich Robert Sigl nicht nehmen, einen höchst informativen Audiokommentar einzusprechen. Wer nicht so viel Zeit hat, sich diesen anzuhören, dem sei hier ausdrücklich das charmante und ausgesprochen spannende Interview „Robert Sigl erzählt..“ ans Herz gelegt. Hier wird Sigl vom (ebenfalls einer Wiederentdeckung harrenden) Filmemacher Eckhart Schmidt zu „Laurin“ und seiner Karriere befragt. Dieses ist mit 30 Minuten fast noch zu kurz ausgefallen, dann man könnte Herrn Sigl noch stundenlang zuhören. Aber für die weniger Eiligen gibt es ja noch den bereits erwähnten Audiokommentar. Auch Sigls früher Kurzfilm “Der Weihnachtsbaum” ist in dieser Edition enthalten. Sehr aufschlussreich und kurzweilig sind auch die Interviews mit Dóra Szinetár, Barnabás Tóth und dem Kameramann Nyika Jancsó, die noch einige weitere Aspekte des Drehs beleuchten und davon erzählen, wie es im Leben der drei nach „Laurin“ weiterging. Spannend auch die Interviews mit den Filmhistorikern Jonathan Rigby und Olaf Möller. Rigby höre ich immer gerne zu und liebe seine – im übrigen höchstempfehlenswerte – Bücher über die Geschichte des Horrorfilms. Besonders begeistert hat mich aber Olaf Möller und seine ruhige, aber gleichzeitig sehr enthusiastische Art über „Laurin“ zu erzählen. Auch hier hätte ich noch stundenlang zuhören können. Sehr erhellend waren auch die „Deleted Scenes“ (die leider nur in einer schlechten VHS-Qualität vorlagen) mit dem Kommentar von Robert Sigl, weshalb sie herausgeschnitten wurden und wo er sich wünschte, sie wieder in den Film einbauen zu können – und wo nicht. Ein wundervolles Zeitdokument ist ein 9-minütiger Ausschnitt aus einer Fernsehsendung, die über die Dreharbeiten zu „Laurin“ berichtete und die Vision von einem neuen, europäischen Horrorfilm entwirft, mit „Laurin“ als Saatkorn. Eine Vision, die leider nie wahr wurde. Aufnahmen von der Verleihung des Bayrischen Filmpreis an Robert Sigl und Setfotos runden diese perfekte Veröffentlichung ab. Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch das gewohnt informative Booklet, welches einen Einführungstext von Robert Sigl selber enthält, sowie eine Filmanalyse von Markus Stiglegger und ein Interview, welches Stiglegger Mitte der 90er Jahre mit Sigl für die legendäre (und schmerzlich vermisste) „Splatting Image“ führte.

Das Bloggen der Anderen (11-12-17)

Von , 11. Dezember 2017 17:28

– In der vergangenen Woche verstarb überraschend Ulli Lommel. Allesglotzer hat sich ihm zu Ehren noch einmal seinen vielleicht besten Film, „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, angesehen.

Japeau ist ein neues Blog rund um das Thema Japan. Und da es hier auch einen Filmbereich gibt, in dem der ehemalige Splatting-Image-Autor Björn Eichstädt schreibt, habe ich es gerne in meine Liste aufgenommen und mich sehr über den Artikel zum schönen „Belladonna of Sadness“ gefreut.

– Camera Obscura bewirbt seine neue Veröffentlichung „Deadly Games“ überall als Kultfilm. Davon gehört habe ich bisher zwar nicht, dafür aber Duoscope-Autor Marco. Er war recht angetan von dem Film, dessen (deutscher) Untertitel „Allein gegen den Weihnachtsmann“ lautet.

– Peter Hartig fragt auf out takes noch einmal in Bezug auf die Berlinale: „Wie geht’s weiter?“.

– „Advent, Advent“ heißt es auf B-Roll. Und unter diesem Motto schreiben die Autoren dort über Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Besonders interessant fand ich Sonja Hartls Beitrag darüber, wie man sich fühlt, wenn Werk und Persönlichkeit seines Erschaffers weit auseinanderklaffen. Und Rochus Wolff freut sich über goldene Zeiten im Animationsfilm. Ferner hat Andreas Köhnemann zwei spannende Artikel verfasst. Im ersten geht es darum, wie Film heute Schrecken im Digitalen erzeugen kann. Im zweiten schreibt er über Fatih Akins neuen Film „Aus dem Nichts“, welchen er anhand von Marcus Stigleggers 2006 veröffentlichter filmtheoretischen Arbeit „Ritual & Verführung: Schaulust, Spektakel und Sinnlichkeit im Film“ analysiert.

Filmlichtung befasst sich diesmal mit Filmen, deren Dreharbeiten begonnen haben, bevor das Drehbuch fertig war – und was dies aus ihnen gemacht hat.

Robert Zion hat sich in dieser Woche Brian de Palmas frühes Werk „Sisters“ vorgenommen.

– Mario Landi kannte ich bisher als Großmeister des Sleaze, der so berüchtigte Werk wie „Patrick lebt!“ oder „Giallo in Vencia“ zu verantworten hat. In den 60ern drehte er noch mit Gino Cervi eine seriöse Maigret-Adaption, wie man auf Die Nacht der lebenden Texte nachlesen kann.

– Lara von Dehn empfiehlt auf film-rezensionen.de den spanischen Horror-Thriller „Compulsión“, den ich mal gut im Auge behalte.

Lommel/Bremen

Von , 8. Dezember 2017 21:03

In der letzten Zeit habe ich das Kino in Bremen ziemlich vernachlässigt. Sowohl was das „echte Leben“ angeht, als auch die Berichterstattung hier im Blog. Dabei ist in unserer schönen Hansestadt mehr los, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auch wenn man erst viele Jahre später davon erfährt. So war ich ausgesprochen überrascht, als ich gestern in der Stadtteil-Beilage des Weser Kuriers in einem Artikel lass, dass es 2011 in der Schwankhalle scheinbar einen Auftritt von Ulli Lommel gab.

Jener ist leider am letzten Samstag überraschend verstorben. Ich hatte ihm hier keinen Nachruf gewidmet, da ich einerseits mit Lommel, seinem Leben und Werk nicht so gut vertraut bin (bis auf seine schauspielerische Arbeit bei Fassbinder und seinen schönen Film „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, den ich hier besprochen habe). Andererseits gibt es bereits einen ganz fantastischen Nachruf von Doris Kuhn auf der Seite der Zeit.

In dem erwähnten Artikel geht es auch nicht so sehr um Ulli Lommel, sondern um den Bremer Schauspieler und Musiker Denis Fischer. Als damaliger Künstlerischer Leiter der Schwankhalle in der Neustadt holte er 2011 Ulli Lommel nach Bremen und produzierte hier mit ihm „The Factory“. Darin ging es um Lommels Begegnungen mit Fassbinder, Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra und anderen Stars der damaligen Zeit. Und ich frage mich heute, warum ich davon nichts mitbekommen habe? Ulli Lommel hier in Bremen – das hätte ich zu gerne gesehen. Aber obwohl ich aufgrund dieses Blogs mich regelmäßig über kinorelevante Themen informiere und Lommel spätestens seit seinen Fassbinder-Filmen (und dem schönen „Rumhänger“-Film „Detektive“ von Rudolf Thome) ein mir sehr bekanntes und gern gesehenes Gesicht war, hatte ich das nicht auf meinen Radar bekommen. Eine Gelegenheit, die jetzt leider nie wiederkommt.

Aber immerhin: Lommel selber scheint die Produktion hier in Bremen sehr viel Freude gemacht zu haben, denn eine Verfilmung von „The Factory“ – mit Denis Fischer in der Rolle von Andy Warhol – ist nun sein letzter Film geworden. Und dieser soll im Februar tatsächlich auf der Berlinale vorgestellt werden. Das wäre dann der erste Lommel-Film (zumindest meines Wissens nach, man korrigiere mich, wenn dem nicht so ist), der seit 2004 in Deutschland zu sehen ist. Das war damals der berühmt-berüchtigte „Daniel, der Zauberer“, welcher bei der IMDb zwar immer noch auf Platz 4 der schlechtesten Filme aller Zeiten steht, nun langsam seine Rehabilitierung erfährt. Bis dahin kann man Warhol-Darsteller Denis Fischer aber noch – soviel Werbung für das Viertel in dem ich lebe muss sein – im Bremer Kriminaltheater in Walle sehe. Dort spielt er die Hauptrolle in „Die Falle“. Ein Stoff an dem sich Alfred Hitchcock einst kurz vor seinem Tod die Rechte sicherte, aber nicht mehr realisieren konnte.

Sonntag: Julia Ostertag stellt ihren Film „Dark Circus“ im Cinema Ostertor vor

Von , 6. Dezember 2017 16:46

Veranstaltungs-Tipp in eigener Sache: Wie der eine oder andere Leser vielleicht schon weiß, organisiere ich neben meiner Blogger- und Autorentätigkeit auch noch zusammen mit meinem Mitstreiter Stefan die monatliche Filmreihe Weird Xperience.

Und nach langer Zeit dürfen wir im Rahmen dieser Reihe auch endlich wieder einen Gast begrüßen. Die großartige Julia Ostertag (bekannt u.a. durch ihren Film “Noise & Resistance”) wird da sein und ihr neues Werk DARK CIRCUS vorstellen. Eine mit minimalem Budget und größtem Aufwand und Liebe zum Detail gedrehte „Alice im Wunderland“-Geschichte: Undergroundfilm trifft auf erotischen Okkulthorror. Kritiker beschreiben Julia Ostertags Film als „einen dunklen Weg voller Latex, Blut und Lust“.

Der Film lief bereits auf Festivals in den Niederlanden, Frankreich, Mexico, dem Filmfest Braunschweig und dem Pornfilmfest Berlin und wurde in Brasilien mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Regisseurin Julia Ostertag sagt über die Entstehung des Films: „Ich bin beeinflusst vom magischen Kino des Alejandro Jodorowsky, sowie Kenneth Anger, Okkulthorror der 70er und dem Cinema of Transgression. Diese Einflüsse habe ich in dreijähriger Produktionszeit mit einem beeindruckenden Cast aus Performance-KünstlerInnen, SchauspielerInnen und StatistInnen aus der Berliner Fetisch- und Subkultur zu einem visuellen Trip umgesetzt.“

Johanna langweilt sich ziellos und uninspiriert inmitten des Berliner Großstadtlebens. Als sie ihren Job in einem Friseursalon verliert, beginnt sie von Tagträumen und Visionen ereilt zu werden. Sie folgt dem mysteriösen Ruf in eine Parallelwelt, in der sie in die Zirkel einer Gothic-Fetisch-Clique und zugleich in die magischen Fänge der „Mistress“ gerät.

Dark Circus ist die Geschichte einer Transformation, eine sinnliche Reise in die Abgründe des Unbewussten.

Der Soundtrack zum Film stammt von der Dark Ambient Ritual Band „Vortex“ des bekannten Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger.

Mehr Infos zum Film findet ihr hier: www.darkcircus.net

DARK CIRCUS läuft nur am Sonntag, den 10. Dezember um 20:45 Uhr im Cinema Ostertor.

Die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin des Filmes Julia Ostertag wird zu Gast sein und vor und nach dem Film für Fragen zur Verfügung stehen.

Wir freuen uns schon sehr darauf!

Das Bloggen der Anderen (04-12-17)

Von , 4. Dezember 2017 17:41

– Im Zentrum der letzten Woche standen einmal mehr die Berlinale und die Nachfolge des Festivalleiters Dieter Kosslick. Schwanenmeister erklärte auf Negative Space weshalb sich die Unterzeichner des Berlinale-Aufrufs sich für eine Anti-Kosslick-Kampagne ausgenutzt fühlten. Rüdiger Suchsland hat seinen Artikel auf out takes sogar als Beginn einer ganzen Serie angelegt: „Der Kampf um die Zukunft der Berlinale – Teil 1: Kampf um die Meinungsmacht“. Und auf critic.de fragt Frédéric Jaeger: „Wie viel ist dran an der Behauptung der Branchenzeitschrift Blickpunkt:Film, Regisseure hätten nicht auf eigene Initiative einen Neuanfang bei der Berlinale gefordert?“ Und sieht hier eine faule Desinformations-Kampagne.

– David von Whoknows presents war auf dem 30. exground Filmfest in Wiesbaden und hat einen sehr ausführlichen und detaillierten Festivalbericht geschrieben.

– Neulich fragte jemand in meinem Lieblingsforum Deliria-Italiano.de nach prägnanten Regenszenen in Filmen. Leider habe ich vergessen, wer das war. Ansonsten könnte ich ihn jetzt auf den Artikel auf Filmlichtung hinweisen, wo es genau um diese geht.

„Tödliche Weihnachten“. Ein Film, der gnadenlos floppte und die Karrieren gleich dreier damaliger Stars (Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin) unter sich begrub. Wie es dazu kommen konnte, und ob der Film wirklich schlecht war oder nur zur falschen Zeit am falschen Ort beantwortet Marco von Duoscope.

– Den Filmemacher David Lowery habe ich bisher gar nicht auf dem Schirm gehabt, obwohl mich sein neustes Werk „A Ghost Story“ durchaus interessiert. Dank Lucas Barwencziks Portrait auf B-Roll bin ich jetzt aber bestens informiert. Und Alexander Matzkeit schreibt über Selbstvergewisserungsfilme für Männer. Was das ist? Am besten gleich seinen gut geschrieben Artikel lesen!

– Oliver Nöding hat auf seinem eigenen Blog schon einige Filme des Japaners Hisayasu Satō besprochen. Auf critic.de fasst er seine außerordentlichen Erfahrungen mit diesem extremen Filmemacher noch einmal zusammen.

– André Malberg schwärmt auf Eskalierende Träume über „Eheinstitut Aurora“ von 1962. Hier ist es sehr lohnenswert auch die Kommentare zu lesen, denn Sano Cestnik hat dort auch noch einiges zu dem Film zu sagen.

– Sebastian stellt auf Das Magazin des Glücks wieder unter dem Titel BRD noir drei Filme aus der frühen Bundesrepublik vor. Unter anderem einer von John Brahm, den ich erst kürzlich für mich entdeckt hatte. Spannend!

– Hach, Kindheitserinnerungen. Dazu zählt für mich eindeutig auch „Meuterei am Schlangenfluss“ den ich damals (gefühlt oder real?) bei jeder TV-Ausstrahlung erneut mit klopfendem Herzen gesehen habe. Bis heute in Lieblingsfilm. Schade, dass der Artikel von Sebastian auf Nischenkino so schrecklich kurz ist.

– Bleiben wir im Genre: Robert Zion bringt seinen Lesern William Castles beiden Kavallerie-Western nahe.

Das Bloggen der Anderen (27-11-17)

Von , 27. November 2017 17:39

– Auf out-takes findet man die hochinteressante Zusammenfassung einer zweistündigen Podiums-Diskussion zum Thema analoger vs. digitaler Film.

– Die letzten beiden Wochen habe ich hier Links zu der Auseinandersetzung zwischen Rüdiger Suchsland und der Filmlöwin Sophie Charlotte Rieger, die nun mit einem finalen Posting nochmal ihre Punkte klarmacht.

– Auf B-Roll stellt Patrick Holzapfel den wichtigen US-amerikanischen Filmemacher Charles Burnett vor. Anna Wollner hat mit Kathryn Bigelow über deren Film „Detroit“ gesprochen und Sonja Hartl mit Fatih Akin über „Aus dem Nichts“. Rajko Burchardt fragt sich, ob man einem Film noch unvoreingenommen begegnen kann und ob dies überhaupt wichtig ist. Dabei gibt er auch einen kleinen Einblick in die deutschsprachige „Facebook-Cinephilie“.

– Schwanenmeister schreibt auf negative space über die Retrospektive der 68. Berlinale, die das Weimarer Kinos ins Zentrum stellt. Und er fasst die Diskussion über die Nachfolge des Festivalleiters Dieter Kosslick zusammen.

Filmlichtung sinniert über die Frage, warum die Filme immer länger werden. Ob das überhaupt stimmt und wenn ja, ob das denn nötig ist.

– Zum 130. Geburtstag gibt es auf Duoscope ein ausführliches Portrait der Horror-Ikone Boris Karloff.

– Gratulation zum 1.000 Beitrag des Blogs symparanekronemoi. Zur Jubel-Nummer gibt es von Flo Lieb einen Text über den Film „Ingrid Goes West“, der ihn aber leider nicht vollständig überzeugt hat.

– Nach all den Jahren, die sich Oliver Nöding schon mit den klassischen US-Slashern beschäftigt, stößt er doch immer noch auf nette Überraschungen. Wie „Return to Horror High“, den er auf Remember It For Later vorstellt. Und eine guilty pleasure von mir ist diese Woche auch dabei: Sergio Martinos Abenteuer-Kannibalen-Mashup “Die weiße Göttin der Kannibalen“.

– Was es nicht alles gibt: The Navy vs. the Night Monsters. „It’s hard to imagine. Carnivorous trees that move on their own roots.“ In der Tat. Gefunden bei funxton.

Kinogucker empfiehlt das Buch: “Earthbound – David Bowie and The Man who fell to Earth”.

– Ich mag Peter Sadys “Comtesse des Grauens” sehr gerne und halte ihn für einen besten Hammer-Filme der 70er. Christian von Schlombies Filmbesprechungen würde offenbar nicht so weit gehen.

Das Bloggen der Anderen (20-11-17)

Von , 20. November 2017 17:15

– In der letzten Woche gab es eine Mario-Bava-Reihe auf Arte. Das läuft bei mir unter der Rubrik: „Das ich das noch erleben darf“. Konsequenterweise beginnt das „Bloggen der Anderen“ in dieser Woche dann auch mit einem Schwung voll Bava-Filmen. Funxton hat sich einige angesehen und kommt dabei zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich. Nämlich dass „5 Dolls for an August Moon“ recht enttäuschend ist (auch wenn ich ihn allein wegen der Cipriani-Musik und der lieben Edwige ein Pünktchen mehr geben würde). Dafür ist „Planet der Vampire“ ein Ausnahmefilm und „The Girl Who Knew Too Much“ hübsch anzuschauen.

– Auch Mauritia Mayer kümmert sich auf Schattenlichter um einen Bava-Film: Den tollen „Drei Gesichter der Furcht“.

– Anlässlich des Filmes „Teheran Tabu“ beleuchtet Lucas Barwenczik auf B-Roll die Geschichte des Rotoskopie-Kinos. Und Beatrice Behn hat ein Interview mit „Fikkefuchs“-Regisseur, Autor und Darsteller Jan Henrik Stahlberg geführt.

– Apropos „Teheran Tabu“ und „Fikkefuchs“. Auf Daumenkino findet man zwei sehr kritische Besprechungen dieser beiden Filme.

– Oliver Nöding war auf dem zweiten Morbid-Movies-Festival und sah dort u.a. den göttlichen „Thundercrack!“, den er auf Remember It For Later bespricht. Mein Neid sei ihm gewiss. Des Weiteren hat er sich noch Umberto Lenzis Kannibalen-Schocker „Lebendig Gefressen“ und „Die Rache der Kannibalen“ angesehen. Zwei Filme, die auch Lenzi selber nicht mag.

– William Castle ist für schwarz-weiße Horrorfilme und Thriller bekannt. Aber er kann auch anders. Wie der knallbunte Kostümfilm „Serpent oft he Nile“ beweiset, den Robert Zion vorstellt.

Filmlichtung hat so seine Probleme mit „RottenTomatoes.com“ und erklärt auch warum. Und ich schließe mich seinem Fazit von ganzem Herzen an: „Sucht Euch ein paar Kritiker denen ihr vertraut und deren Meinung ihr zumeist teilt oder gerade nicht. Lest was die zu sagen haben und bildet Euch am besten Euer eigenes Bild. Und misstraut jedem, der behauptet er könne den Wert eines Filmes oder irgendeines Kunstwerkes objektiv in einer Prozentzahl ausdrücken!“ So sieht es nämlich aus.

– Manchmal entfachen auf schlechte (oder zumindest mittelmäßige) Kritiken eines Filmes. So gerade geschehen nach der Lektüre von Schlombies Filmbesprechungen über „Zwei unter Volldampf“ mit John Candy und Eugene Levy als Cops in einer Action-Komödie von Mark L. Lester? Muss ich sehen!

– Und noch so ein Fall. Zwar zeigt sich Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de nicht gerade begeistert vom deutschen Film „Fluidø“ der taiwanesischen Multimediakünstlerin Shu Lea Cheang. Die Beschreibung klingt aber so interessant, dass ich gerne mal einen Blick riskiere. Und wenn ich schon dabei bin, kann der hier ebenfalls eher lauwarm besprochene spanische Horror-Film „Verónica – Spiel mit dem Teufel“ auch gleich mit auf die Liste.

– Filme der Fünfziger, die 37ste. Werner Sudendorf auf new filmkritik über „Ein Herz kehrt heim“ von 1956.

– Ich habe noch einen großen Wunsch: Castellaris „Keoma“ als 35mm-Kopie auf der großen Leinwand. Totalschadens Besprechung auf Splattertrash unterstreicht diese Dringlichkeit noch. Vielleicht liest ja jemand mit, der mir diesen Wunsch erfüllen kann.

Das Bloggen der Anderen (13-11-17)

Von , 13. November 2017 18:03

– Bevor der lesenswerte Blog Jugend ohne Film sich in eine längere Winterpause verabschiedet haben die Autoren noch einmal kurz ihre Highlights der diesjährigen Viennale zusammengefasst.

– Lukas Foerster fährt in dieser Woche zweigleisig. Einmal berichtet er auf critic.de von den Duisburger Filmwoche und dann macht er sich auf seinem eigenen Blog Dirty Laundry anlässlich der dort gesehenen Filme noch einmal Gedanken über den Dokumentarfilm allgemein.

– Stefanie Diekmann fasst auf cargo noch einmal die Filme der DOK Leipzig zusammen.

– Casting Director Iris Baumüller erklärt im Interview mit Katharina Abel auf out takes: „Fälle wie Harvey Weinstein gibt es auch in Deutschland“.

„Albernheit wagen!“ fordert Rochus Wolff vom Kino auf B-Roll. Und mehr „Future Politics!“ fordert Andreas Köhnemann.

– In meiner Filterblase völlig untergegangen ist „NORIMBERGA VIOLENTA – Festival des italienischen Polizeifilms“ im KommKino Nürnberg. Die sympathische Mauritia Mayer von Schattenlichter war aber dabei und berichtet.

Filmlichtung beschäftigt sich diesmal eingehen mit „Cinematischen Universen“.

– „Die Revolution ist abgesagt“ heißt es bei Whoknows presents. Manfred Polak beschäftigt sich ausführlich mit dem frühen Bertolucci-Film „Vor der Revolution“ von 1964. Mit Adriana Asti und Francesco Barilli (der später als Regisseur u.a. „Das Parfüm der Dame in Schwarz“ drehen sollte).

– Ein ganz wunderbar wahnsinniger Hollywood-Film ist Russ Meyers „Beyond the Valley of the Dolls“, den ich gerne mal auf der großen Leinwand sehen würde. Funxton mag ihn ich und hat auch noch gleich über den „Vorgänger“ „The Valley of the Dolls“ geschrieben.

Allesglotzer hat sich das „Hills Have Eyes“-Remake, sowie dessen Sequel vorgenommen.

William Friedkins „Das Kindermädchen“ kommt ja immer recht schlecht weg. So auch bei Sebastian von Nischenkino. Komisch, ich habe den gar nicht so übel in Erinnerung – allerdings habe ich den das letzte Mal auch bei seiner Videopremiere gesehen.

– Oliver Nöding von Remember It For Later schaut weiter Kaijus. Diesmal allerdings ohne Godzilla: „Die fliegenden Monster von Osaka“ und „King Kong – Frankensteins Sohn“. Beide vom Meister Ishirô Honda.

– Ana Lily Amirpour hat „A Girl Walks Home Alone At Night“ gedreht. In den Extras dieses schönen, ruhigen Vampirfilms führte sie sich allerdings auf, wie ein aufgekratzter, pseudocooler, weiblicher Tarantino. Von vielen habe ich gehört, genauso fühle sich ihr zweiter Film „The Bad Batch“ an. Going to the movies bestätigt dies.

– Kann man genug über „Blutiger Freitag“ schreiben? Ich finde: Nein! Und verlinke deshalb totalschadens Besprechung auf Splattertrash.

Das Bloggen der Anderen (06-11-17)

Von , 6. November 2017 18:01

– In der letzten Woche hat Rüdiger Suchsland seinem Blog Cinema Moralia einen sehr kontroversen Text zum Thema „Weinstein“ online gestellt, der in dieser Woche nun von der Filmlöwin scharf kritisiert wurde. Was Rüdiger Suchsland dann nicht ruhen ließ, sodass er dazu noch einmal seine ganz eigene Sicht der Dinge dargelegt hat.

– Ferner berichtet die Filmlöwin vom 12. Porno-Filmfestival in Berlin.

– Auch Olga Galicka hat auf B-Roll über das Pornofilmfestival geschrieben. Lucas Barwenczik über die Frage „Gibt es einen „richtigen“ Sitzplatz im Kino?“ Lustigerweise habe ich gerade gestern mein Patenkind dait verblüfft, dass ich ihr in jedem Bremer Kino meinen Lieblingsplatz nennen konnte. Soviel zu meiner persönlichen Antwort auf diese Frage.  Joachim Kurz sah auf der Viennale den Film „Sexy Durga“ von Sanal Kumar Sasidharan, welcher ihn sehr mitgenommen hat.

– Auf der Viennale war auch Rainer Kienböck, der auf Jugend ohne Film von dem fort gesehenen „Ta peau si lisse“ von Denis Côté schwärmt. „Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc“ von Bruno Dumont lässt ihn demgegenüber ratlos zurück.

– Valeska Rediger hat auf critic.de einige Impressionen vom Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm veröffentlicht.

– Harald Mühlbeyer hat sich auf screenshot der Retrospektive Tony Gatlif angenommen, die er auf den 51. Hofer Filmtagen sah.

– Endlich, endlich, endlich… Endlich gibt es auf Hard Sensations wieder einen Text der von mir sehr geschätzten Silvia Szymanski. Sie berichtet ausführlich über die 4. Terza Visione, die im Juli in Frankfurt stattfand.

– Dazu irgendwie passend gibt es auch einen sehr schönen Beitrag auf Eskalierende Träume von André Malberg, der sich mit Alfred Vorhers Film „Das gelbe Haus am Pinnasberg“ beschäftigt.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland Naoko Ogigamis Komödie „Yoshino’s Barber Shop„. Und ich werde dieser Empfehlung gerne folgen.

– Sebastian stellt auf Magazin des Glücks drei Films noirs des großartigen John Brahm vor. Dessen „Scotland Yard greift ein“ liegt hier bei mir noch ungesehen – was sich kurzfristig ändern wird.

– Sascha zeigt sich auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte sehr begeistert von Sammo Hungs tollem „Encounters of the Spooky Kind“. Ich glaube, da wird bei mir auch eine Neusichtung fällt. Nach Saschas Review habe ich richtig wieder Lust auf den Film.

– Kinderheitserinnerungen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich „Garten des Bösen“ auf einem winzigen Fernseher im Wochenendhaus meiner Eltern gesehen habe. Wie so viele klassische Western, die ich damals förmlich aufgesogen habe. Liegt in der Familie. Mein Opa, mein Vater, meine Onkels waren genauso. Sebastian bespricht den Film auf Nischenkino.

– „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist mir vor allem als Beilage einer PC-Zeitschrift und vom Tedi-Grabbeltisch bekannt. Nach funxtons sehr positiver Review, glaube ich, er ist doch mal einen Blick wert. Und politisches Thrillerkino, wie es heute leider nicht mehr gemacht wird: „Das Attentat“ von Yves Boisset.

– Oliver Nöding schreibt über auf Remember It For Later eine großartiges Mondo-Bizarr-Double-Feature in Düsseldorf, bei dem ich auch gerne gewesen wäre. Es gab „Asphalt-Kannibalen“ von Antonio Margheriti und den schier unglaublichen „Die wilden Engel von Hongkong“ von Kuei Chih-hung.

– Noch ein Film, den ich auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verpasst habe: „Operation Duval – Das Geheimprotokoll“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de ist begeistert, was wohl bedeutet, dass ich den bei Zeiten mal nachholen sollte. Ein Tipp scheint auch der vom titel gerade hervoragend passende, estnische Schwarz-Weiß-Horror-Märchenfilm „November“ zu sein.

– JackoXL empfiehlt auf Drei MuschelnLet Me Make You A Martyr” mit Marilyn Manson in einer Hauptrolle, dessen Schauspiel JackoXL wie folgt beschreibt: “ So eiskalt, introvertiert, beunruhigend-gelassen wie der gesamte Film, obwohl sich hier die Hölle auf Erden abspielt.“ Gemerkt.

Blu-ray-Rezension: „The Witches“

Von , 4. November 2017 14:49

Nachdem sie bei einem unheimlichen Zwischenfall in Afrika vom Hexenmeister eines Eingeborenenstammes fast in den Wahnsinn getrieben wurde, ist Gwen Mayfield (Joan Fontaine) wieder nach England zurückgekehrt. Hier hofft sie, sich von den schlimmen Ereignissen zu erholen. So sagt sie schnell zu, als ihr Alan Bax (Alec McCowen) – den sie für einen Priester hält – eine Anstellung als Englischlehrerin in der Schule des kleinen Örtchen Heddaby als Englischlehrerin anbietet. Der leicht verschrobene Alan, lenkt mit seiner Schwester Stephanie Bax (Kay Walsh) die Geschicke des Ortes. Gwen freundet sich mit Stephanie an und fühlt sich in ihrer neuen Umgebung zunächst sehr wohl. Doch bald schon merkt sie, dass etwas hinter der freundlichen Fassade nicht stimmt. Als sie hört, dass ihre liebste Schülerin Linda (Ingrid Boulting) von ihrer Großmutter (Gwen Ffrangcon Davies) misshandelt wird und das ganze Dorf versucht Linda von ihrem Freund Ronnie (Martin Stephens) fernzuhalten, geht Gwen der Sache auf den Grund und gerät damit selber in Gefahr…

The Witches“ zählt nicht zu den bekanntesten Hammer-Horror-Filmen. Daran ändert auch der reißerische deutsche Alternativ-Titel „Der Teufel tanzt um Mitternacht“, der ihm für die TV-Ausstrahlung angedichtet wurde, nichts. Die Gründe für seine mehr oder weniger große Obskurität liegt sicherlich an mehreren Faktoren. Einmal geht es hier nicht um die überaus beliebten, klassischen Hammer-Ungeheuer: Vampire, Frankensteins Monster oder meinetwegen auch Mumien. Zudem wirken keine der üblichen Verdächtigen mit. Peter Cushing und Christopher Lee wären hier zwar auch nicht die Idealbesetzung (wobei man sich Lee allerdings gut als männlichen Hexenmeister vorstellen könnte), aber nicht einmal ein Michael Ripper schaut um die Ecke. Hinter der Kamera stand der weitgehend unbekannte Cyril Frankel, der hauptsächlich für das englische Fernsehen arbeitete und dort an zahlreiche Episoden von „Department S“, „Jason King“ und „Gene Bradley in geheimer Mission“ mitarbeitete. Seine letzte Regiearbeit datiert von 1990 und ist ausgerechnet das Thomas-Gottschalk-Vehikel „Eine Frau namens Harry“, welches die deutsche Supernase international bekannt machen sollte. 1966 war auch die erste goldene Phase für Hammer vorbei. Bis zum Comeback mit mehr Blut und Brüsten sollte es noch etwas dauern. Schlechte Voraussetzungen also für „The Witches“.

„The Witches“ war ein Herzensprojekt der großartigen, oscar-prämierten Schauspielerin Joan Fontaine, die schon bei Alfred Hitchcock Erfahrungen mit unheimlichen Begegnungen gemacht hatte. Ihr gefiel die Novelle „The Devil’s Own“ von Norah Lofts (veröffentlicht unter deren männlichen Pseudonym „Peter Curtis“) so gut, dass sie sich die Rechte sicherte und in Hammer ein Studio fand, welches „The Devil’s Own“ gerne produzierte. Wahrscheinlich schielte man dabei auch auf die damals populäre Welle der „alten Damen in Horrorfilmen“, die von Robert Aldrichs Meisterwerk „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ losgetreten wurde, und von der die großen Stars des klassischen Hollywoods noch einmal profitieren konnten. Wie Bette Davis (die dann in einigen von Hammers Psycho-Thrillern mitspielte), Joan Crawford, Olivia de Havilland (Joan Fontains Schwester und ewige Rivalin) oder auch Tallulah Bankhead (ebenfalls in einer Hammer-Produktion). Im Gegensatz zu diesen musste Fontaine aber nicht die irre Alte geben, sondern spielte in „The Witches“ eine starke, unabhängige Frau, die nicht nur Heldin, sondern auch das emotionale Zentrum des Filmes ist. Dabei half gewiss, dass Joan Fontaine mit gerade Mal Ende 40 auch eine ausgesprochen schöne und elegante Frau war. Dass man der Fontaine in „The Witches“ kein männliches love interest zur Seite stellte und ihr Interesse vor allem der jungen Linda Rigg, gespielt von Ingrid Boulting, und der starken Stephanie Bax, gespielt von der umwerfenden Kay Walsh, gilt, hat einige Filmkritiker dazu bewogen, in dem Film eine lesbische Grundierung zu entdecken. Diese kann ich nicht finden. Joan Fontaines Charakter Gwen Mayfield ist eine starke Frau, die gut auf sich selber aufpassen kann und keine männliche Hilfe braucht. Wie nun ihre sexuelle Orientierung aussieht ist für den Film (und auch sonst) dann auch herzlich egal.

Norah Lofts Novelle wurde von dem legendären Quatermass-Erfinder Nigel Keale für die Leinwand aufbereitet. Da ich die Vorlage nicht kenne, weiß ich nicht, ob die Ambivalenzen bereits in der Novelle vorhanden waren, oder auf Keale zurückgehen. Relativ früh wird klar, dass die großartige Kay Walsh in der Rolle der Stephanie Bax hinter dem Hexenkult steht (dieser Punkt wird auch auf den Bildern der DVD-Hülle verraten, ist also kein großer Spoiler). Sie gibt es sogar offen zu und diskutiert mit der Heldin Gwen Mayfield über die Rolle der Hexe. Und in der Tat klingt vieles von dem, was sie sagt, durchaus vernünftig. Stephanie Bax wirkt auch keineswegs wie eine Wahnsinnige oder von Machtgier zerfressen. Stephanie Bax Ganz im Gegensatz zu Gwen Ffrangcon Davies als Granny Riggs, der die Bosheit oftmals aus den schielenden Augen zu tropfen scheint. Sie steht dann auch im Zentrum der Paranoia, die sich langsam in Gwen Mayfield ausbreitet. Regisseur Cyril Frankel gelingt es hervorragend, das Abgründige hinter der scheinbar so heilen Dorf-Fassade durchscheinen zu lassen. Trotz allem Lächeln und freundlich Winken spürt man doch jederzeit, dass etwas bedrohliches hinter den so sonnigen Gesichtern steckt. Gwen Mayfields Unbehagen wird fast fühlbar, wenn man nebenbei sieht, wie im Bildhintergrund eine Mutter ausgesprochen rüde mit ihrer kleinen Tochter umgeht, man Fetzen von böser Nachrede hört oder sich das lächelnde Gesicht blitzschnell in eine grimmige Grimasse verzieht, wenn mal keiner hinsieht. Das ist der wahre Horror von „The Witches“.

Männer spielen in diesem Film kaum eine Rolle. Sie sind entweder schwächlich wie Alec McCowen als Alan Bax, Opfer oder willfährige Helfer des Hexenkults. Um die wichtigen Dinge kümmern sich die Frauen. Im Guten, wie im Bösen. Vielleicht stieß dies damals dem (oftmals männlichen) Horrorfilm-Publikum sauer auf, und sie blieben dem Film fern. Es kann allerdings auch am lächerlichen und unfreiwillig komischen Finale liegen. Dieses ist an Albernheit kaum noch zu überbieten und droht den bis dahin wunderbar zurückhaltenden und ernsthaften Film, nachhaltig zu beschädigen. Während die souveräne Kay Walsh ihr bestes tut, um die Situation noch halbwegs zu retten – was ihr aber nur bedingt gelingt – springen die anderen Darsteller umher als gelte es den ersten Preis in der Kategorie „Wie mache ich mich am Besten zum Affen“ zu gewinnen. Da wird wild grimassiert und eine große Orgie simuliert, die allerdings schon deshalb lustig wirkt, weil alle Beteiligte noch ihre – aus welchem Grund auch immer – zerrissene Kleidung anhaben und diese aufeinander rollen nun gar nichts erotisches und verruchtes hat, sondern an eine Krabbelgruppe im Kinderspielkreis erinnert. Das Ende kommt dann auch allzu abrupt und den vorangegangen, ebenso spannenden wie 90 Minuten vollkommen unwürdig. Das ist sehr schade und wirkt in der Tat so, als ob der Produktion kurz vor Schluss das Geld ausgegangen ist und man jetzt schnell gucken musste, wie man die Geschichte ganz schnell zu einem Ende bringt. Was den Film als Ganzes aber nicht schmälern soll.

„The Witches“ ist im Hammer-Kanon zwar etwas untergegangen, entpuppt sich aber als souverän inszenierter Paranoia-Thriller mit übersinnlichen Tönen. Leider macht das abrupte und ziemlich alberne Finale viel von der zuvor sorgsam aufgebauten Spannung kaputt. Trotzdem ist „The Witches“ eine hübsche Perle am Kleid des britischen Horrorfilms.

Anolis bringt „The Witches“ erstmals in Deutschland auf HD heraus. Wieder vollgepackt mit Extras und in ein tollen Bildqualität. Letztere zeichnet sich durch Schärfe und kräftige Farben aus, ohne dabei das Alter des Filmes zu verleugnen. So soll eine Veröffentlichung eines 50-jährigen Films auch aussehen. Der Ton ist klar und kommt – zumindest in der Originalfassung – sehr authentisch rüber. Für die Freunde deutscher Synchronfassungen ist die TV-Synchronisation mit an Bord. Im Audiokommentar unterhalten sich Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz über vieles was interessant ist, aber nicht zwangsläufig auf den Film bezogen – den sie auch gar nicht besonders mögen. Was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Sehr schön sind die beiden Featurettes, die als Bonus beigegeben wurden. Die Episode der „Wicked Woman“ TV-Serie „World of Hammer“ von 1990 ist bereits bekannt und befand sich schon auf der deutschen Erstveröffentlichung des Films von 2003. Sie beschäftigt sich mit den Schurkeninnen der Hammer Studios. Ganz und gar großartig ist die 45-minütige Dokumentation „Hammer Glamour“, welche 2013 von Hammer-Experte Marcus Hearn gedreht wurde und in der sich Madeline Smith, Martine Beswick, Caroline Munro, Vera Day, Jenny Hanley und Valerie Leon tausend und eine Anekdote zu erzählen haben, und dabei super sympathisch und humorvoll rüber kommen. Da möchte man gerne mit auf dem Sofa sitzen. Das 25-seitige Booklet ist nur in der Mediabook-Version enthalten, weshalb ich nichts drüber sagen kann. Die Extras der Blu-ray werden durch den amerikanischen Kinotrailer, TV-Spots und Bildergalerien abgerundet.

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