Das Bloggen der Anderen (13-11-17)

Von , 13. November 2017 18:03

– Bevor der lesenswerte Blog Jugend ohne Film sich in eine längere Winterpause verabschiedet haben die Autoren noch einmal kurz ihre Highlights der diesjährigen Viennale zusammengefasst.

– Lukas Foerster fährt in dieser Woche zweigleisig. Einmal berichtet er auf critic.de von den Duisburger Filmwoche und dann macht er sich auf seinem eigenen Blog Dirty Laundry anlässlich der dort gesehenen Filme noch einmal Gedanken über den Dokumentarfilm allgemein.

– Stefanie Diekmann fasst auf cargo noch einmal die Filme der DOK Leipzig zusammen.

– Casting Director Iris Baumüller erklärt im Interview mit Katharina Abel auf out takes: „Fälle wie Harvey Weinstein gibt es auch in Deutschland“.

„Albernheit wagen!“ fordert Rochus Wolff vom Kino auf B-Roll. Und mehr „Future Politics!“ fordert Andreas Köhnemann.

– In meiner Filterblase völlig untergegangen ist „NORIMBERGA VIOLENTA – Festival des italienischen Polizeifilms“ im KommKino Nürnberg. Die sympathische Mauritia Mayer von Schattenlichter war aber dabei und berichtet.

Filmlichtung beschäftigt sich diesmal eingehen mit „Cinematischen Universen“.

– „Die Revolution ist abgesagt“ heißt es bei Whoknows presents. Manfred Polak beschäftigt sich ausführlich mit dem frühen Bertolucci-Film „Vor der Revolution“ von 1964. Mit Adriana Asti und Francesco Barilli (der später als Regisseur u.a. „Das Parfüm der Dame in Schwarz“ drehen sollte).

– Ein ganz wunderbar wahnsinniger Hollywood-Film ist Russ Meyers „Beyond the Valley of the Dolls“, den ich gerne mal auf der großen Leinwand sehen würde. Funxton mag ihn ich und hat auch noch gleich über den „Vorgänger“ „The Valley of the Dolls“ geschrieben.

Allesglotzer hat sich das „Hills Have Eyes“-Remake, sowie dessen Sequel vorgenommen.

William Friedkins „Das Kindermädchen“ kommt ja immer recht schlecht weg. So auch bei Sebastian von Nischenkino. Komisch, ich habe den gar nicht so übel in Erinnerung – allerdings habe ich den das letzte Mal auch bei seiner Videopremiere gesehen.

– Oliver Nöding von Remember It For Later schaut weiter Kaijus. Diesmal allerdings ohne Godzilla: „Die fliegenden Monster von Osaka“ und „King Kong – Frankensteins Sohn“. Beide vom Meister Ishirô Honda.

– Ana Lily Amirpour hat „A Girl Walks Home Alone At Night“ gedreht. In den Extras dieses schönen, ruhigen Vampirfilms führte sie sich allerdings auf, wie ein aufgekratzter, pseudocooler, weiblicher Tarantino. Von vielen habe ich gehört, genauso fühle sich ihr zweiter Film „The Bad Batch“ an. Going to the movies bestätigt dies.

– Kann man genug über „Blutiger Freitag“ schreiben? Ich finde: Nein! Und verlinke deshalb totalschadens Besprechung auf Splattertrash.

Das Bloggen der Anderen (06-11-17)

Von , 6. November 2017 18:01

– In der letzten Woche hat Rüdiger Suchsland seinem Blog Cinema Moralia einen sehr kontroversen Text zum Thema „Weinstein“ online gestellt, der in dieser Woche nun von der Filmlöwin scharf kritisiert wurde. Was Rüdiger Suchsland dann nicht ruhen ließ, sodass er dazu noch einmal seine ganz eigene Sicht der Dinge dargelegt hat.

– Ferner berichtet die Filmlöwin vom 12. Porno-Filmfestival in Berlin.

– Auch Olga Galicka hat auf B-Roll über das Pornofilmfestival geschrieben. Lucas Barwenczik über die Frage „Gibt es einen „richtigen“ Sitzplatz im Kino?“ Lustigerweise habe ich gerade gestern mein Patenkind dait verblüfft, dass ich ihr in jedem Bremer Kino meinen Lieblingsplatz nennen konnte. Soviel zu meiner persönlichen Antwort auf diese Frage.  Joachim Kurz sah auf der Viennale den Film „Sexy Durga“ von Sanal Kumar Sasidharan, welcher ihn sehr mitgenommen hat.

– Auf der Viennale war auch Rainer Kienböck, der auf Jugend ohne Film von dem fort gesehenen „Ta peau si lisse“ von Denis Côté schwärmt. „Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc“ von Bruno Dumont lässt ihn demgegenüber ratlos zurück.

– Valeska Rediger hat auf critic.de einige Impressionen vom Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm veröffentlicht.

– Harald Mühlbeyer hat sich auf screenshot der Retrospektive Tony Gatlif angenommen, die er auf den 51. Hofer Filmtagen sah.

– Endlich, endlich, endlich… Endlich gibt es auf Hard Sensations wieder einen Text der von mir sehr geschätzten Silvia Szymanski. Sie berichtet ausführlich über die 4. Terza Visione, die im Juli in Frankfurt stattfand.

– Dazu irgendwie passend gibt es auch einen sehr schönen Beitrag auf Eskalierende Träume von André Malberg, der sich mit Alfred Vorhers Film „Das gelbe Haus am Pinnasberg“ beschäftigt.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland Naoko Ogigamis Komödie „Yoshino’s Barber Shop„. Und ich werde dieser Empfehlung gerne folgen.

– Sebastian stellt auf Magazin des Glücks drei Films noirs des großartigen John Brahm vor. Dessen „Scotland Yard greift ein“ liegt hier bei mir noch ungesehen – was sich kurzfristig ändern wird.

– Sascha zeigt sich auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte sehr begeistert von Sammo Hungs tollem „Encounters of the Spooky Kind“. Ich glaube, da wird bei mir auch eine Neusichtung fällt. Nach Saschas Review habe ich richtig wieder Lust auf den Film.

– Kinderheitserinnerungen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich „Garten des Bösen“ auf einem winzigen Fernseher im Wochenendhaus meiner Eltern gesehen habe. Wie so viele klassische Western, die ich damals förmlich aufgesogen habe. Liegt in der Familie. Mein Opa, mein Vater, meine Onkels waren genauso. Sebastian bespricht den Film auf Nischenkino.

– „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist mir vor allem als Beilage einer PC-Zeitschrift und vom Tedi-Grabbeltisch bekannt. Nach funxtons sehr positiver Review, glaube ich, er ist doch mal einen Blick wert. Und politisches Thrillerkino, wie es heute leider nicht mehr gemacht wird: „Das Attentat“ von Yves Boisset.

– Oliver Nöding schreibt über auf Remember It For Later eine großartiges Mondo-Bizarr-Double-Feature in Düsseldorf, bei dem ich auch gerne gewesen wäre. Es gab „Asphalt-Kannibalen“ von Antonio Margheriti und den schier unglaublichen „Die wilden Engel von Hongkong“ von Kuei Chih-hung.

– Noch ein Film, den ich auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verpasst habe: „Operation Duval – Das Geheimprotokoll“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de ist begeistert, was wohl bedeutet, dass ich den bei Zeiten mal nachholen sollte. Ein Tipp scheint auch der vom titel gerade hervoragend passende, estnische Schwarz-Weiß-Horror-Märchenfilm „November“ zu sein.

– JackoXL empfiehlt auf Drei MuschelnLet Me Make You A Martyr” mit Marilyn Manson in einer Hauptrolle, dessen Schauspiel JackoXL wie folgt beschreibt: “ So eiskalt, introvertiert, beunruhigend-gelassen wie der gesamte Film, obwohl sich hier die Hölle auf Erden abspielt.“ Gemerkt.

Blu-ray-Rezension: „The Witches“

Von , 4. November 2017 14:49

Nachdem sie bei einem unheimlichen Zwischenfall in Afrika vom Hexenmeister eines Eingeborenenstammes fast in den Wahnsinn getrieben wurde, ist Gwen Mayfield (Joan Fontaine) wieder nach England zurückgekehrt. Hier hofft sie, sich von den schlimmen Ereignissen zu erholen. So sagt sie schnell zu, als ihr Alan Bax (Alec McCowen) – den sie für einen Priester hält – eine Anstellung als Englischlehrerin in der Schule des kleinen Örtchen Heddaby als Englischlehrerin anbietet. Der leicht verschrobene Alan, lenkt mit seiner Schwester Stephanie Bax (Kay Walsh) die Geschicke des Ortes. Gwen freundet sich mit Stephanie an und fühlt sich in ihrer neuen Umgebung zunächst sehr wohl. Doch bald schon merkt sie, dass etwas hinter der freundlichen Fassade nicht stimmt. Als sie hört, dass ihre liebste Schülerin Linda (Ingrid Boulting) von ihrer Großmutter (Gwen Ffrangcon Davies) misshandelt wird und das ganze Dorf versucht Linda von ihrem Freund Ronnie (Martin Stephens) fernzuhalten, geht Gwen der Sache auf den Grund und gerät damit selber in Gefahr…

The Witches“ zählt nicht zu den bekanntesten Hammer-Horror-Filmen. Daran ändert auch der reißerische deutsche Alternativ-Titel „Der Teufel tanzt um Mitternacht“, der ihm für die TV-Ausstrahlung angedichtet wurde, nichts. Die Gründe für seine mehr oder weniger große Obskurität liegt sicherlich an mehreren Faktoren. Einmal geht es hier nicht um die überaus beliebten, klassischen Hammer-Ungeheuer: Vampire, Frankensteins Monster oder meinetwegen auch Mumien. Zudem wirken keine der üblichen Verdächtigen mit. Peter Cushing und Christopher Lee wären hier zwar auch nicht die Idealbesetzung (wobei man sich Lee allerdings gut als männlichen Hexenmeister vorstellen könnte), aber nicht einmal ein Michael Ripper schaut um die Ecke. Hinter der Kamera stand der weitgehend unbekannte Cyril Frankel, der hauptsächlich für das englische Fernsehen arbeitete und dort an zahlreiche Episoden von „Department S“, „Jason King“ und „Gene Bradley in geheimer Mission“ mitarbeitete. Seine letzte Regiearbeit datiert von 1990 und ist ausgerechnet das Thomas-Gottschalk-Vehikel „Eine Frau namens Harry“, welches die deutsche Supernase international bekannt machen sollte. 1966 war auch die erste goldene Phase für Hammer vorbei. Bis zum Comeback mit mehr Blut und Brüsten sollte es noch etwas dauern. Schlechte Voraussetzungen also für „The Witches“.

„The Witches“ war ein Herzensprojekt der großartigen, oscar-prämierten Schauspielerin Joan Fontaine, die schon bei Alfred Hitchcock Erfahrungen mit unheimlichen Begegnungen gemacht hatte. Ihr gefiel die Novelle „The Devil’s Own“ von Norah Lofts (veröffentlicht unter deren männlichen Pseudonym „Peter Curtis“) so gut, dass sie sich die Rechte sicherte und in Hammer ein Studio fand, welches „The Devil’s Own“ gerne produzierte. Wahrscheinlich schielte man dabei auch auf die damals populäre Welle der „alten Damen in Horrorfilmen“, die von Robert Aldrichs Meisterwerk „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ losgetreten wurde, und von der die großen Stars des klassischen Hollywoods noch einmal profitieren konnten. Wie Bette Davis (die dann in einigen von Hammers Psycho-Thrillern mitspielte), Joan Crawford, Olivia de Havilland (Joan Fontains Schwester und ewige Rivalin) oder auch Tallulah Bankhead (ebenfalls in einer Hammer-Produktion). Im Gegensatz zu diesen musste Fontaine aber nicht die irre Alte geben, sondern spielte in „The Witches“ eine starke, unabhängige Frau, die nicht nur Heldin, sondern auch das emotionale Zentrum des Filmes ist. Dabei half gewiss, dass Joan Fontaine mit gerade Mal Ende 40 auch eine ausgesprochen schöne und elegante Frau war. Dass man der Fontaine in „The Witches“ kein männliches love interest zur Seite stellte und ihr Interesse vor allem der jungen Linda Rigg, gespielt von Ingrid Boulting, und der starken Stephanie Bax, gespielt von der umwerfenden Kay Walsh, gilt, hat einige Filmkritiker dazu bewogen, in dem Film eine lesbische Grundierung zu entdecken. Diese kann ich nicht finden. Joan Fontaines Charakter Gwen Mayfield ist eine starke Frau, die gut auf sich selber aufpassen kann und keine männliche Hilfe braucht. Wie nun ihre sexuelle Orientierung aussieht ist für den Film (und auch sonst) dann auch herzlich egal.

Norah Lofts Novelle wurde von dem legendären Quatermass-Erfinder Nigel Keale für die Leinwand aufbereitet. Da ich die Vorlage nicht kenne, weiß ich nicht, ob die Ambivalenzen bereits in der Novelle vorhanden waren, oder auf Keale zurückgehen. Relativ früh wird klar, dass die großartige Kay Walsh in der Rolle der Stephanie Bax hinter dem Hexenkult steht (dieser Punkt wird auch auf den Bildern der DVD-Hülle verraten, ist also kein großer Spoiler). Sie gibt es sogar offen zu und diskutiert mit der Heldin Gwen Mayfield über die Rolle der Hexe. Und in der Tat klingt vieles von dem, was sie sagt, durchaus vernünftig. Stephanie Bax wirkt auch keineswegs wie eine Wahnsinnige oder von Machtgier zerfressen. Stephanie Bax Ganz im Gegensatz zu Gwen Ffrangcon Davies als Granny Riggs, der die Bosheit oftmals aus den schielenden Augen zu tropfen scheint. Sie steht dann auch im Zentrum der Paranoia, die sich langsam in Gwen Mayfield ausbreitet. Regisseur Cyril Frankel gelingt es hervorragend, das Abgründige hinter der scheinbar so heilen Dorf-Fassade durchscheinen zu lassen. Trotz allem Lächeln und freundlich Winken spürt man doch jederzeit, dass etwas bedrohliches hinter den so sonnigen Gesichtern steckt. Gwen Mayfields Unbehagen wird fast fühlbar, wenn man nebenbei sieht, wie im Bildhintergrund eine Mutter ausgesprochen rüde mit ihrer kleinen Tochter umgeht, man Fetzen von böser Nachrede hört oder sich das lächelnde Gesicht blitzschnell in eine grimmige Grimasse verzieht, wenn mal keiner hinsieht. Das ist der wahre Horror von „The Witches“.

Männer spielen in diesem Film kaum eine Rolle. Sie sind entweder schwächlich wie Alec McCowen als Alan Bax, Opfer oder willfährige Helfer des Hexenkults. Um die wichtigen Dinge kümmern sich die Frauen. Im Guten, wie im Bösen. Vielleicht stieß dies damals dem (oftmals männlichen) Horrorfilm-Publikum sauer auf, und sie blieben dem Film fern. Es kann allerdings auch am lächerlichen und unfreiwillig komischen Finale liegen. Dieses ist an Albernheit kaum noch zu überbieten und droht den bis dahin wunderbar zurückhaltenden und ernsthaften Film, nachhaltig zu beschädigen. Während die souveräne Kay Walsh ihr bestes tut, um die Situation noch halbwegs zu retten – was ihr aber nur bedingt gelingt – springen die anderen Darsteller umher als gelte es den ersten Preis in der Kategorie „Wie mache ich mich am Besten zum Affen“ zu gewinnen. Da wird wild grimassiert und eine große Orgie simuliert, die allerdings schon deshalb lustig wirkt, weil alle Beteiligte noch ihre – aus welchem Grund auch immer – zerrissene Kleidung anhaben und diese aufeinander rollen nun gar nichts erotisches und verruchtes hat, sondern an eine Krabbelgruppe im Kinderspielkreis erinnert. Das Ende kommt dann auch allzu abrupt und den vorangegangen, ebenso spannenden wie 90 Minuten vollkommen unwürdig. Das ist sehr schade und wirkt in der Tat so, als ob der Produktion kurz vor Schluss das Geld ausgegangen ist und man jetzt schnell gucken musste, wie man die Geschichte ganz schnell zu einem Ende bringt. Was den Film als Ganzes aber nicht schmälern soll.

„The Witches“ ist im Hammer-Kanon zwar etwas untergegangen, entpuppt sich aber als souverän inszenierter Paranoia-Thriller mit übersinnlichen Tönen. Leider macht das abrupte und ziemlich alberne Finale viel von der zuvor sorgsam aufgebauten Spannung kaputt. Trotzdem ist „The Witches“ eine hübsche Perle am Kleid des britischen Horrorfilms.

Anolis bringt „The Witches“ erstmals in Deutschland auf HD heraus. Wieder vollgepackt mit Extras und in ein tollen Bildqualität. Letztere zeichnet sich durch Schärfe und kräftige Farben aus, ohne dabei das Alter des Filmes zu verleugnen. So soll eine Veröffentlichung eines 50-jährigen Films auch aussehen. Der Ton ist klar und kommt – zumindest in der Originalfassung – sehr authentisch rüber. Für die Freunde deutscher Synchronfassungen ist die TV-Synchronisation mit an Bord. Im Audiokommentar unterhalten sich Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz über vieles was interessant ist, aber nicht zwangsläufig auf den Film bezogen – den sie auch gar nicht besonders mögen. Was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Sehr schön sind die beiden Featurettes, die als Bonus beigegeben wurden. Die Episode der „Wicked Woman“ TV-Serie „World of Hammer“ von 1990 ist bereits bekannt und befand sich schon auf der deutschen Erstveröffentlichung des Films von 2003. Sie beschäftigt sich mit den Schurkeninnen der Hammer Studios. Ganz und gar großartig ist die 45-minütige Dokumentation „Hammer Glamour“, welche 2013 von Hammer-Experte Marcus Hearn gedreht wurde und in der sich Madeline Smith, Martine Beswick, Caroline Munro, Vera Day, Jenny Hanley und Valerie Leon tausend und eine Anekdote zu erzählen haben, und dabei super sympathisch und humorvoll rüber kommen. Da möchte man gerne mit auf dem Sofa sitzen. Das 25-seitige Booklet ist nur in der Mediabook-Version enthalten, weshalb ich nichts drüber sagen kann. Die Extras der Blu-ray werden durch den amerikanischen Kinotrailer, TV-Spots und Bildergalerien abgerundet.

Das Bloggen der Anderen (30-10-17)

Von , 30. Oktober 2017 17:28

– Das Thema Big Data ist für mich ganz besonders spannend, da ich mich beruflich seit einiger Zeit damit beschäftige. Da bin ich natürlich stark an dem Dokumentarfilm „Pre-Crime“ interessiert, den Tim Glaser auf Daumenkino vorstellt, durchaus kritisch bespricht, letztendlich aber empfehlen kann. Miriam Eck wiederum bespricht „The Net“, den neuen Film von Kim Ki-duk, dessen Werk ich leider vor einigen Jahren etwas aus den Augen verloren habe. Zeit einiges aufzuholen.

– Auf Jugend ohne Film schreibt Rainer Kienböck über den wie ich finde interessant, aber auch sehr unkonventionell klingen „Star“ (oder Stern, eigentlich ist der Titel nur ein Sternensymbol, welches ich aber hier nicht hinbekomme), der ausschließlich aus Filmausschnitten mit Sternenhimmeln besteht. Patrick Holzapfel hat „Barbara“ von Mathieu Amalric gut gefallen. Gesehen haben Beide die Filme auf der Viennale.

– Einen weiteren Viennale-Film, nämlich den Dokumentarfilm „Becoming Cary Grant“ von Mark Kidel, stellt Patrick auf B-Roll vor. Allerdings kann der Film ihn nicht besonders überzeugen. Der Film lief dieses Jahr übrigens auch schon auf Arte. Und unter dem wunderschönen Titel „Männer-Ballett: Einige Gedanken zum Heist-Genre“, beschäftigt sich Patrick mit – ich übersetze es mal – „Einbruchsfilm“. Anna Wollner hat Angela Robinson interviewt, die den Film namens „Professor Marston and the Wonder Women“, über den Erfinder von Wonder Women UND dem Lügendetektor (!). Spannend.

– Das Thema Weinstein bleibt auch diese Woche beherrschend. Rüdiger Suchsland hat auf Out takes einiges dazu geschrieben, worüber man kontrovers diskutieren kann und gegebenfalls auch lautstark widersprechen. Lesenswert finde ich den Artikel trotzdem.

– LZ rechnet auf screen/read mit Robert Rodriguez ab, dessen Verhalten in der Sache Weinstein er (wie ich finde zu recht) schlicht und ergreifend ekelhaft findet.

– Das andere alles überstrahlende Thema der Woche ist natürlich Halloween. Unzählige Blog nehmen sich des Themas dankbar an. Filmlichtung schreibt im vierten Kapitel seiner „Spuktakuläre Filmmonster“ über „Bizarres“. Damit sind solche Monster wie Clowns, Schneemänner und Killerkarnickel gemeint.

– Volker Schönenberger hat auf Die Nacht der lebenden Texte anlässlich des „Horror-Feiertages“ zwei schöne Klassiker herausgesucht. Einmal den wundervollen „Dellamorte Dellamore“, den ich von sichtung zu Sichtung mehr mag und „Die Vampire des Dr. Dracula“, den ersten Film der großartigen Waldemar-Daninsky-Sage von und mit Paul Naschy.

– Morgen Luft von Cinematographic Tides hat sich an ihre Wohnungssuche erinnert und für ihren „Horroctober“ den Film „Dream Home“ aus Hongkong von Ho-Cheung Pang ausgesucht.

– Einen Film, der bei mir auf der Suchliste ganz weit oben steht, hat sich Simon von kitsch kult klassisch vorgenommen. „Dementia“ von 1955 habe ich in Ausschnitten erstmals in einem „Thelema“-Musikvideo gesehen und mich sofort fasziniert. Simon geht es ähnlich.

– Auch funxton ist horrormäßig unterwegs. Von „I, Madman“ kannte ich bisher nur das alte VHS-Cover. Das wird sich nach seiner Besprechung jetzt wohl bald mal ändern. Ebenfalls auf die „Must-see“-Liste gewandert ist „Rage To Kill“ mit dem unfassbar großartigen Oliver Reed. Will ich sehen!

– Oliver Nöding schließt auf Remember It For Later mit „Die Brut des Teufels“ seine Godzilla-Retrospektive ab und nimmt mit „Maria von Schottland“ seine vor einem Jahr unterbrochene John-Ford-Reihe wieder auf.

– Da werden Kindheitserinnerungen wach. Christian auf Schlombies Filmbesprechungen über „Ein Käfer gibt Vollgas“ von Rudolf Zehetgruber. Dudu macht das schon…

– Kinogucker stellt die aktuelle Ausgabe von „1001 Filme, die sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ vor.

– Ein Film, den man meiner Meinung nach definitiv sehen sollte, bevor das Leben vorbei ist (gerne auch mehrmals) ist Takeshi Kitanos Meisterwerk „Kikujiros Sommer“. Findet auch Oliver Armknecht von film-rezensionen.de.

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 28. Oktober 2017 12:15

Erstmals war ich auch an einem Sonntag in Oldenburg. Die Jahre zuvor hatte ich auf diesen Tag immer verzichtet, um mich Zuhause von dem Film-Marathon zu erholen, bevor es Montags wieder ins Büro geht. Diesmal aber hatte ich den Sonntag schon für R.P. Kahls „A Thought of Ecstasy“ reserviert, für den es ja zu meiner großen Enttäuschung aber keine Karten mehr gab. Da jetzt der Sonntag schon einmal fest eingeplant war, disponierte ich eben um. Und als ich sah, dass noch einmal „Junk Head“ lief, den ich zuvor verpasst hatte, war klar, wie mein neuer Plan aussah. Unterwegs war ich wieder mit einem Weird-Xperience-Partner Stefan, der diesmal auch die Chauffeurs-Rolle übernahm. In Oldenburg trennten wir uns dann, den während ich mich für den irischen Gefängnisausbruchs-Film „Maze“ im cineK-Studio entschieden hatte, ging Stefan in den indonesischen Film „Marlina the Murderer in Four Acts“, was im Nachhinein auch die bessere Wahl war, obwohl „Maze“ nun wahrlich nicht schlecht war.

MAZE – „Maze“ beruht auf wahren Ereignissen und zeigt den Massenausbruch von 38 IRA-Kämpfern aus einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Wenn man so will, könnte man „Maze“ als so etwas wie das Sequel zu Steve McQueens preisgekrönten Drama „Hunger“ bezeichnen, denn er schließt direkt an die dort gezeigten Ereignisse an. Die Hauptfigur Larry Marley, welche in der Folge das Mastermind hinter dem Ausbruch werden soll, gehörte nämlich ebenfalls zu den IRA-Kämpfern, die sich in britischer Haft zu Tode gehungert haben. Nur, dass Marley diese Aktion überlebte, weshalb er an großen Schuldgefühlen leidet und Opfer gezielter Beleidigungen sowohl der britischen, als auch der irischen Seite wird. Denn nach seiner Einlieferung in das Hochsicherheitsgefängnis, muss er feststellen, dass britische und irische Häftlinge in einem Block untergebracht sind, was zu massiven Streitigkeiten und Spannungen führt.

Regisseur Stephen Burke nimmt dies aber nicht zum Anlass für spektakuläre und blutige Szenen, sondern inszeniert seine Geschichte ruhig und manchmal etwas unterkühlt. Dabei konzentriert er sich ganz auf die Beziehung zwischen dem brillant von Tom Vaughan-Lawlor verkörperten Larry Marley und dem Gefängniswärter Gordon Close, den Marley skrupellos für seine Zwecke ausnutzt. Wobei Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3'»

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 27. Oktober 2017 06:41

Der zweite Tag auf dem 24. Internationalen Filmfest Oldenburg begann weitaus ruhiger als der chaotische Vortag. Diesmal war ich allein unterwegs, aber so früh in Bremen losgefahren, dass mich selbst die langwierige Parkplatzsuche nicht aus der Ruhe bringen konnte. Schnell wurden noch die letzten Tickets gekauft, dann glitt ich ganz entspannt in den Kinosessel des kleinen cineK Muvi, um mit einem amerikanischen Independent-Film in den Tag zu starten.

A VIOLENT MAN – „A Violent Man“ ein Film, der irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Ein kleiner B-Film, ein Neo-Noir, ein Film, der in den 40er Jahren wohl als Double-Feature gelaufen wäre. Regisseur Matthew Berkowitz nahm sich dann auch seinen Lieblings-Noir „Ein einsamer Ort“, ebenso wie Fitz Langs „Strasse der Versuchung“ (von dem im Film dezent ein Plakat platziert wurde) zum Vorbild, und lässt lange offen, ob nun sein beschädigter Held nun Opfer oder Täter ist. Angesiedelt hat er seinen Film ganz klassisch in der undurchsichtigen Welt des Boxsports, die upgedated als Mix Martial Arts (MMA). Ein MMA-Fighter wird in die schmutzige Welt hinter den Kulissen hineingezogen und in den Mord an einer Journalistin verwickelt, den er eventuell selber begangen hat oder auch nicht. Er kann sich nach einer Nacht voller Alkohol und Sex daran nicht recht erinnern.

Im Grunde ist „A Violent Man“ ist die prototypische Geschichte eines lächerlichen Mannes, der glaubt alles im Griff zu haben und sich doch sein Leben durch allzu selbstsicheres Verhalten und grenzenlose Naivität selber kaputt macht. Ein Coup ist Regisseur Berkowitz mit der Besetzung der Hauptrolle gelungen, MMA-Kämpfer Ty wird von Ex-Football-Star Thomas Q. Jones gespielt, der in dieser Rolle einerseits wie ein netter Teddybär wirkt, andererseits aber auch sehr dunkle Seiten durchscheinen lässt, die den Zuschauer immer wieder zwischen großer Sympathie für den netten Kerl und Abgestossenheit vor der muskelbepackten Kampfmaschine mit ihren plötzlichen Gewaltausbrüchen und ihrer seltsamen Unehrlichkeit schwanken lässt.

Jones gelingt es perfekt die Ambivalenz dieses typischen Noir-Charakters zu verkörpern. Jederzeit trauen wir ihm den Mord zu, fiebern aber trotzdem mit Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 26. Oktober 2017 17:45

Und wieder Oldenburg! Das ganze Jahr schon habe ich mich auf die tollen Tagen auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg gefreut, die ich dieses Jahr erstmals auf ganze drei (Freitag, Samstag und Sonntag) ausgedehnt hatte. Freitag ging es frühzeitig mit meinem Weird-Xperience-Kollegen Stefan los. Bloß nicht wieder so in Stress kommen, wie in den Vorjahren. Wie immer hatte ich mir im Vorfeld einen ausgeklügelten Plan erstellt, welche Filme ich wann schauen wollte, damit man ein Maximum an interessanten Filmen ohne irgendwelchen Leerlauf mitnehmen konnte. Ein besonderes Augenmerk legte ich dieses Jahr dabei auf die Spielstätten, um einen nächtlichen Dauerlauf vom Casablanca ins cineK möglichst zu vermeiden. Wie oben geschrieben: Es sollte diesmal alles ruhig und entspannt vonstatten gehen.

Aber wie das immer so ist: Am Ende kommt es dann doch wieder alles ganz anders. So war der Start ins 29. Internationale Filmfest Oldenburg nicht nur ausgesprochen holprig, sondern auch extrem frustrierend, was am unglücklichen Zusammenspiel mehrerer Faktoren lag. Als ich im Möbelhaus Rosenbohm welches nun schon zum dritten mal als Pressezentrum des Filmfests diente, die Karten für die vor mir liegenden Tage holen wollte, musste ich erfahren, dass es für den Film „Never Here“, auf den ich mich sehr gefreut hatte, online zwar keine Karten mehr gäbe, ich aber noch Karten in der Filmfestzentrale im Café Käthe bekommen könnte. Also flugs auf den Weg gemacht. Da ich auf dem Weg zum Café Käthe eh an der Kulturetage (wo das cineK mit zwei Sälen beheimatet ist) vorbei kam, versuchte ich zunächst dort mein Glück. Allerdings teilte man mir dort mit, dass die Kasse noch nicht geöffnet sei und eh noch niemand vom Filmfest-Team da sei. Ich könne aber warten. Na, da also eben zum Café Käthe, wo mich gleich zwei große Ernüchterungen erwarteten: Zum einen gab es auch dort keine Karten für „Never Here“ (die gäbe es nur in der Kulturetage und man wunderte sich, weshalb mir beim Pressecenter gesagt wurde, ich solle mir die Karten hier holen) und zum anderen musste ich erfahren, dass der Film „A Thought of Ecstasy“ von R.P. Kahl, den wir auf seine Eignung für Weird Xperience abklopfen wollten, in der unzensierten Fassung bereits ausverkauft war. Das brachte dann meinen ausgeklügelten Plan mal eben zum Einsturz. Nun im Galopp zurück zur Kulturetage.

Dort angekommen ging erst mal gar nichts, weil der Laptop für den Kartenverkauf nicht funktionierte. Naja, da noch gut eine ¾ Stunde Zeit war, war das ja nicht so schlimm. Doch bald begann die Uhr dann doch langsam runter zu ticken. Die zunächst sehr freundliche, wenn auch in dieser Situation recht hilflose junge Dame vom Filmfest, rief sogar auf meine Bitte irgendwo an, um festzustellen, ob es überhaupt noch Karten gäbe. Ja, es gäbe noch ein Kontingent von sechs Karten, aber da käme sie noch nicht ran – weil ja der Laptop kaputt wäre. Also beschloss ich weiter zu warten und nicht kurzfristig umzudisponieren, was da noch möglich gewesen wäre. Als ein neuer Laptop gebracht und angeschlossen wurde, hieß es dann, diese sechs Karten wären noch nicht freigeben. Dann hieß es plötzlich, die Karten wären für Schauspieler und die Macher des Filmes reserviert, falls die kommen würden. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass plötzlich sechs Leute, die an „Never Here“ beteiligt waren, auftauchen, geschweige denn so viele überhaupt in Oldenburg wären, war ich noch guter Dinge. Fünf Minuten vor der Vorstellung waren immer noch keine Karten freigeben. Fünf Minuten NACH Vorstellungsbeginn, kam dann ein junger Mann und meinte, das kleine cineK Muvi sei jetzt voll, und es würde keiner mehr reingelassen. Für meinen Wutausbruch möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen, aber das musste da einfach raus, nachdem ich fast eine Stunde geduldig gewartet hatte. Die Leute in der Schlange hinter mir waren über diese Entwicklung der Dinge ebenfalls nicht sonderlich erfreut und recht missmutig. Immer noch stark verärgert nahm ich ein Ticket für den einzigen Film, der nun noch machbar war zu gucken: Der mir gänzlich unbekannte „Morgen“, den ich bei meinen Planungen scheinbar sehr frühzeitig ausgeschlossen hatte und der jetzt im größeren cineK Studio lief.

MORGEN – Nach dieser für mich doch sehr frustrierenden und auch nervenaufreibenden Vorgeschichte, hatte „Morgen“ natürlich erst einmal schlechte Karten. Zumal ich durch den ganzen Ärger auch noch den Filmbeginn verpasst hatte. „Morgen“ wurde von einem fünfköpfigen Regiekollektiv (Amina Krami, Angela Queins, Felix Giese, Jan Gilles und Nola Anwar) gedreht und hat ein ziemlich interessantes Thema. Ein Dorf soll dem Erdboden gleichgemacht werden, da das Gebiet zum Braunkohleabbau gebraucht wird. Das kommt im Ruhrpott wohl tatsächlich häufiger mal vor. Die Bewohner werden dann auf Staatskosten umgesiedelt. Der Film begleitet nun einige Bewohner dieses Dorfes. Das alles ist natürlich auch eine große, kraftvolle Metapher auf das Thema Abschied als solches. Abschied von geliebten Menschen, von Erinnerungen, von der Kindheit, von der Familie.

Die mir bislang unbekannten Schauspielern machten ihre Sache ausgesprochen gut und spielten sehr authentisch. Teilweise fanden die Filmemacher (von denen jeder für einen Erzählstrang verantwortlich war, erst im Schnitt kamen wieder alle zusammen) starke Bilder, die wirklich Kino und kein verkapptes Fernsehen sind. Vor allem muss man hervorheben, dass der Film sehr unaufgeregt und nicht überambitioniert, sondern souverän inszeniert wurde. Allerdings gibt es in „Morgen“ leider auch ein eklatantes Manko. Die Filmemacher scheinen so tief drin in ihren Geschichten und Figuren gewesen zu sein, dass oftmals vergessen haben zu erklären, wer die Figuren sind, denen man hier folgen soll. Auch ihr Verhältnis zueinander wird, ebenso wie ihre Sorgen Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Das Bloggen der Anderen (23-10-17)

Von , 23. Oktober 2017 19:21

– Der Grund, weshalb es letzte Woche kein „Bloggen der Anderen“ gab war, dass ich mich erst einmal vom Deliria-Italiano-Forentreffen in München erholen musste. Mauritia Mayer vom Blog Schattenlichter war auch dabei und hat einen kleinen Bericht über die Sause geschrieben. Und ferner geht sie auch noch mal etwas detaillierter auf unseren „Überraschungsfilm“ ein.

– Eines der Hauptthemen der letzten Wochen war das ekelhafte Verhalten von Herrn Weinstein. Jetzt melden sich auch die Weinstein-Nutznießer zu Wort und geben sich natürlich betroffen. LZ von screen/read hat sich Quentin Tarantinos Statement vorgekommen und zeigt sich ziemlich angewidert.

– Auch Sonja Hartl von B-Roll beschäftigt sich mit dem Fall Weinstein. Andreas Köhnemann nimmt das Gerne des Bio-Pics näher unter die Lupe und Lucas Barwenczik analysiert das Phänomen des „Kinos gegen politische Korrektheit“.

– Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat die Viennale besucht und war hingerissen von Valeska Grisebachs „Western“, während Rainer Kienböck – bis auf ein, zwei Kritikpunkte – Barbara Alberts „Licht“ sehr mochte.

– Letzte Woche lief auf das Filmfest in Braunschweig, zu dem ich es entgegen anderer Pläne dann doch nicht geschafft habe. In der von meinem 35-Millimeter-Kollegen Clemens toll kurierten Reihe „Witches at Midnight“ liefen zwei Filme, die ich bereits letztes Jahr in Oldenburg sehen konnte. Michaline Saxel vom Blog Daumenkino waren da und hat „The Love Witch“ und „The Noonday Witch“ gesehen und war ähnlich angetan, wie ich damals.

– Frédéric Jaeger und Till Kadritzke haben für critic.de auf dem Filmfest Hamburg ein Interview mit Eliza Hittman über ihren Film „Beach Rats“ gesprochen.

– Bald ist Halloween und daher sind Horrorfilme und Horrorthemen auf den Filmblogs sehr präsent. Filmlichtung hat sich wieder einmal in die Filmgeschichte bekannter Gruselgestalten eingearbeitet. Diesmal „Hexen“ und „Zombies“.

– Auf film-rezensionen.de hat Oliver Armknecht viele gute Worte über „The Autopsy of Jane Doe“, der auch anderswo immer wieder gelobt wird.

Robert Zion stellt auf seinem Blog Gordon Hesslers „Cry of the Banshee“ (deutscher Titel: Der Todesschrei der Hexen) von 1970 mit Vincent Price vor.

– Im Rahmen des Horrorctober 2017 schreibt Allesglotzer über den deutschen Vampirfilm „Wir sind die Nacht“, den ich auch immer mal recht gerne schauen wollte. Allerdings ist er nicht besonders begeistert von dem Film.

– Einen absoluten Klassiker des deutschen Horrorfilmes hat sich Schlombies Filmbesprechungen ausgesucht: Murnaus „Nosferatu“.

– Nach so viel Schrecken etwas Sex: Oliver Nöding schreibt auf Remember It for Later über Claude Mulots „Le sexe qui parlé“. Außerdem führt er seine Reihe mit Besprechungen klassischer Godzilla-Filme fort. Diesmal u.a. mit „Frankenstein und die Monster aus dem All“.

– Sascha Schmidt stellt auf Okaeri einen der – wie ich finde – schönsten japanischen Filme überhaupt vor: Takeshi Kitanos „Kikujiros Sommer“.

Vier Films noirs von Joseph H. Lewis gibt es auf dem Magazin des Glücks.

Short Cuts Totale führt seine Ingmar-Bergmann-Retrospektive fort. Diesmal mit „An die Freude“ und „Einen Sommer lang“ von 1950 bzw. 1951.

– Einen Film, den ich in meiner Kindheit sehr geliebt – wenn auch nur einmal gesehen – habe ist „Little Big Man“. Sebastian von Nischenkino kann diese Begeisterung leider nicht so ganz teilen.

– Kein Kino, aber fast. Zeilenkino schreibt über die Stuttgart-Tatorte von Dietrich Brüggemann und Dominik Graf.

Nachruf: Umberto Lenzi (1931-2017)

Von , 20. Oktober 2017 23:37

Vor einigen Wochen hatte ich eine Idee. Ich lasse mir beim Copy Shop um die Ecke ein T-Shirt mit einem Filmplakat-Motiv machen. Meine Wahl fiel auf „Die Viper“, die ich sogar als VHS-Kassette bei mir herumstehen hatte und deren Cover ich leicht scannen und aufhübschen konnte. Die Idee dazu hatte ich, als wir von Weird Xperience im Juni auf dem Schlachthof Open-Air „Die Gewalt bin ich“ gezeigt haben, und ich mir da schon ähnliches als Gag für unsere Einführung gewünscht hätte. „Die Viper“ und „Die Gewalt bin ich“ haben zwei Gemeinsamkeiten: Die Regie führt Umberto Lenzi und die Rolle des Antagonisten hat der Anfang des Jahres verstorbene Tomas Milian übernommen. Als ich mir das T-Shirt dann das erste Mal überstreifte, wusste ich nicht, dass es recht bald ein Gedenken an zwei meiner Helden werden sollte. Nur sieben Monate nach Milian ist gestern, am 19.10.2017 auch Umberto Lenzi gestorben.

Lenzi, der ewig Unterschätzte. Lenzi, dessen Name vor allem für die Filme bekannt ist, die er selber am meisten verabscheute: Seine beiden Kannibalen-Schocker „Lebendig gefressen“ und „Die Rückkehr der Kannibalen“. Ich freue mich sehr, dass Lenzi in den vielen, teils sehr persönlichen, Nachrufen im sozialen Netz nicht auf diese beiden Filme reduziert wird. Sondern, dass vor allem auf seine actionbetonten, mitreißende Polizeifilme hingewiesen wird. Oder seine eleganten Gialli, die immer etwas mehr Bodenhaftung hatten, als die bahnbrechenden Werke von Bava, Argento oder Martino. Am meisten Stolz war Lenzi selber – wie ich einmal aus sehr gut informierter Quelle hörte – auf seine Kriegsfilme, die er Ende der 60er mit großer, internationalen Starbesetzung inszenierte.

Lenzi war ein großartiger Handwerker, der für den Film brannte, wie man nun immer wieder von Leuten ließt, die ihn persönlich kennenlernen durften. Jemand, der in allen Genres daheim war und historische Abenteuerfilme, ebenso wie Eurospy-Filme und Italowestern drehte. Jemand, der in seinen Filmen auch mal etwas wagte – wie bei der 1970 entstanden „Der Mann, den sie Pferd nannten“-Variante „Mondo Cannibale“, dem bitterbösen und tabu-brechenden „Der Berserker“ oder dem in seiner Überdrehtheit schon ins Parodistische gleitende „Labyrinth des Schreckens“. Und jemand, der ein verdammt gutes Auge für rasante Actionsequenzen, vor allem Autoverfolgungsjagden hatte, wie in seinem Polizeifilmen immer wieder eindrucksvoll bewiesen wird.

Dass Lenzi nie denselben Status wie seine seine Kollegen Fulci oder Martino (die je ebenfalls in unterschiedlichen Genres Zuhause waren) erreichte mag einerseits daran liegen, dass seine bekanntesten (weil berüchtigtsten) Filme eben seine späten Kannibalen-Filme (ein Genre, welches selbst unter Horrorfans umstritten ist) und der seltsame Actionfilm-Zombie-Hybrid „Großangriff der Zombies“ war. Letzterer irritiert durch seine sehr eigenwillige Interpretation des Zombie-Mythos (bzw. der „Infizierten“), die allerdings bereits 1980 einen Film wie „28 Days Later“ vorweg nimmt. Aber auch daran, dass Lenzi in der Regel auf viel Schnickschnack und Zierrat verzichtete und seine Geschichten lieber rau und mit Tempo vorantrieb. Er selbst sah sich dabei in der Tradition eines Sam Fuller oder Raoul Walsh.

In den späten 80ern war er ebenso wie sein Kollegen vom Niedergang der italienischen Filmindustrie betroffen. Da reichte es dann nur noch zu einigen niedrig budgetierten TV- und DTV-Produktionen, in denen nut selten das Feuer loderte, welches Lenzis‘ besten Filme ausmachten. Trotzdem gelangen ihm noch einige solide Werke, die sich durchaus sehen lassen konnten, wie „Return of the Hitcher“ oder „Black Zombies“. 1992 drehte er mit „Mean Tricks“ seinen letzten Film, zog sich aus dem Filmgeschäft zurück und begann Kriminalromane zu schreiben, die im Cinecitta der 30er und 40er Jahre spielen. Leider hat es von diesen Büchern bisher keines nach Deutschland geschafft hat. Ein leidenschaftlicher Filmliebhaber ist er aber dem vernehmen nach bis ins hohe Alter geblieben. So schrieb er eine regelmäßige Kolumne in der italienischen Filmzeitschrift „Notturno“, wie Wikipedia weiß. Nun ist er mit 86 Jahren in Rom verstorben.

Blu-ray-Rezension: „The Eyes of My Mother“

Von , 12. Oktober 2017 17:48

Die kleine Francesca (Olivia Bond, später Kika Magalhães) lebt mit ihrer Mutter (Diana Agostini) und ihrem Vater (Paul Nazak) auf einer Farm irgendwo im Nirgendwo, als eines nachmittags – der Vater ist gerade unterwegs – plötzlich ein Fremder (Will Brill) vor dem Haus steht. Was an diesem Nachmittag passiert ist unfassbar grausam. Aber mit diesem Nachmittag fängt alles erst an…

Mit „The Eyes of My Mother“ hat Regie-Debütant Nicolas Pesce auf dem Sundance Festival einen recht anständigen Erfolg gehabt. Kein Wunder, ist doch „The Eyes of My Mother“ einer amerikanischer Indie-Film par excellence. Sehr künstlerisch gemacht, mit dem Blick für schöne Bilder und dem Willen zur Provokation, wobei diese aber nur zartere Gemüter wirklich auf der Bahn werfen dürfte. Nicolas Pesce hält immer die Balance aus einer gewissen Wildheit und einem Hang, es dem Zuschauer dann doch irgendwie erträglich zu machen. Das ist alles nicht schlecht, aber man hat das Gefühl, dass hier mit Blick auf ein typisches Arthouse-Klientel, welches zwar gerne mal schockiert, aber nicht in seinen Grundfesten verstört werden möchte. Da kann man sich dann des Eindrucks der angezogenen Handbremse nicht gänzlich erwehren. Vielleicht hätte etwas weniger Stilwillen und etwas mehr Mut zu einer völligen Befreiung seiner schönen Bilder gut getan. So bleibt der Film zwar trotz seinen teilweise recht unangenehmen Bilder merkwürdig keusch.

Nicolas Pesce arbeitet bei „The Eyes of My Mother“ viel mehr Leerstellen, die immer wieder Unaussprechliches andeuten, es aber vor dem Blick des Zuschauers verstecken. Manche Schnitte überspringen dann auch größere Zeitraume, was zu einem Gefühl der Desorientierung führt. Trotzdem hat man immer das Gefühl, Pesce hätte – vielleicht unbewusst – beim Dreh die Schere im Kopf gehabt, um ein Sektglas-schwenkendes Arthouse-Publikum nicht zu verprellen. Ähnlich wie Danny Boyle bei seinem „wasch mich, aber mach mich nicht nass“-Melodram „Slumdog Millionaire“. Vielleicht hätte sich Pesce da etwas mehr von dem jungen mexikanischen Bilderstürmer Emiliano Rocha Minter abgucken sollen, der gerade mit „We Are the Flesh“ für Furore sorgt und gerade nicht irgendwelche Kompromisse eingeht. Ein echter Tabu-Brecher ist „The Eyes of My Mother“ jedenfalls nicht geworden. Auch wenn der größte Horror immer im Kopf entsteht, hat man dann doch das Gefühl, dass Pesce seine Auslassungen, Andeutungen immer auch als Schlupfwinkel nutzt, um es „nicht so schrecklich schlimm“ werden zu lassen. Stichworte: Kannibalismus, Nekrophilie und sexuelle Ausbeutung. All dies kann man sich denken – oder eben in einer Art Abwehrmechanismus auch nicht. Ideales Futter für Leute, die sich mal hübsch schockieren lassen möchten – aber bloß nicht zu viel.

Man muss Pesce aber zugestehen, dass er am Ende seines Filmes einige bemerkenswerte Bilder findet, die nicht nur an guten J-Horror (den modernen japanischen Horrorfilm seit „Ring“) erinnert, und seine Geschichte zu einem konsequenten Ende zu führen. Gerade in den Momenten, in denen Pesce nicht halbherzige Geschmacklosigkeiten ausprobiert, sondern sich ganz auf seine umwerfende Hauptdarstellerin Kika Magalhães konzentriert und in ihre Gefühlswelt eintaucht, wird „The Eyes of My Mother“ sehr stark. Und selbstverständlich muss man Pesce und seinem Kameramann Zach Kuperstein attestieren, dass sie einen sehr guten Blick für Bilder und vor allem Ausstattung haben. Das zeitlose Haus in dem Francesca lebt, ist ein förmlich der zweite Hauptdarsteller in diesem Film. Optisch sieht „The Eyes of My Mother“ einfach wunderschön aus, auch wenn vielleicht eine grobschlächtigere, realistischere Bildgestaltung eine noch stärkere Wirkung erzählt hätte. Hier stehen die attraktiven Bilder zwar in einem angenehmen Kontrast zum Inhalt, schwächen diesen aber auch etwas ab, da der Zuschauer auf eine artifizielle Ebene gelockt wird.

Am Ende dieser Besprechung möchte ich noch etwas ergänzen. Diese Review der Blu-ray hatte ich schon vor einigen Wochen geschrieben und lasse sie auch so stehen, da sie meinen ersten Eindruck des Filmes widerspiegelt. Vor einigen Tagen hatte ich allerdings das Vergnügen „The Eyes of My Mother“ ein zweites Mal, diesmal im Kino, zu sehen und muss diesen ersten Eindruck leicht revidieren. Im dunklen Saal und auf der großen Leinwand entwickelt der Film noch einmal eine ganz andere Kraft, die einen – im Zusammenspiel mit einem fantastischen Sounddesign – doch weitaus mehr in den Sitz drückt, als es bei der „Sofa-Session“ der Fall war. Auch kam mir der Film hier sehr viel unangenehmer vor, als bei der ersten Begutachtung vor dem Fernseher. Ob es nun daran liegt, dass man als Zuschauer dem Film im dunklen Kinosaal sehr viel mehr „ausgeliefert“ ist, dass man auf der Leinwand mehr garstige Details entdeckt oder generell die Erwartung aufgrund des Vorwissens eine andere war, kann ich nicht sagen. Tatsache ist aber, dass „The Eyes for My Mother“ ein Film ist, den man unbedingt im Kino gesehen haben sollte. Schade, dass bei uns in Bremen gerade mal eine Handvoll Zuschauer diese Chance wahrnahmen.

„The Eyes of My Mother“ ist ein in prächtig-elegante Bilder gehüllter Film, bei dem man allerdings das Gefühl hat, dass einiges an Potential auf der Strecke bliebt, da er sich eher nach dem typischen Indie-Sundance-Publikum ausrichtet, anstatt ungebremst durchzuziehen. Nichtsdestotrotz hat der Film einige erinnerungswürdige Momenten, die vor allen vor der wundervollen Hauptdarstellerin Kika Magalhães und den eleganten, wenn auch künstlichen Bilderwelten des Kameramanns Zach Kuperstein getragen werden.

Die Bluray aus dem Hause Bildstörung lässt das Bild in all seiner Pracht erstrahlen. Die Qualität der schwarz-weiß Bilder ist makellos. Auch der Ton ist klar und sehr gut verständlich, die Untertitel hervorragend lesbar und gut übersetzt. Auch im Bonusbereich wird der von Bildstörung gesetzte hohe Standard gehalten. Neben einem Audiokommentar mit Regisseur Nicolas Pesce gibt es noch ein einstündiges, hochspannendes Interview mit dem Regisseur. Weitere Extras sind die dreiminütige „Behind the Scenes Galerie“ und das Musikvideo „Out of Touch“ von Iyves, bei dem Pesce bereits 2014 mit Kika Magalhães und Zach Kuperstein zusammenarbeitete. Nicht zu vergessen: Es gibt auch ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch.

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