„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 28 erhältlich

Von , 31. August 2018 16:21

Unter dem wie ich finde sehr schönen Titel „Sommer, Sonne, Sumpf“ widmet sich das „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“ in der aktuellen Ausgabe Filmen, in denen eines dieser drei Dinge ein große Rolle spielt. Das passt doch sehr gut zum Jahrhundertsommer, der jetzt nach und nach ausläuft.

Ich habe mich diesmal mit den Mexiko-Filmen nach Karl May beschäftigt. Die allerdings nicht unter der heißen Sonne Mexikos, sondern wieder in Kroatien entstanden sind. Warum das so ist und vieles mehr über „Der Schatz der Azteken“ und „Die Pyramide des Sonnengottes“ könnt ihr in der bereits 28. Ausgabe von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ lesen. Zudem habe ich noch ein paar DVD-Besprechungen beigesteuert.

Ganz tolle Artikel der Kollegen gibt es natürlich auch wieder. Welche genau, könnt ihr hier sehen.

Heft #28 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

 

 

Das Bloggen der Anderen (27-08-18)

Von , 27. August 2018 17:32

– Vor kurzem feierte Artur Brauner seinen 100. Geburtstag. Mitte der 60er produzierte er den deutsch-jugoslawischen Film „Zeugin aus der Hölle“, indem es um die Verbrechen während des Holocaust und deren mangelnde Aufarbeitung. Manfred Polak hat auf Whoknows presents eine Menge Interessantes über den Film zu sagen.

– Ausnahmsweise mal ein englischsprachiger Text, der auf dem deutschen Filmblog Eskalierende Träume veröffentlicht wurde. Roger Watkins kennt man vor allem durch sein Werk „Last House on Dead End Street“. In den 70er drehte er unter Pseudonym allerdings auch einige „Erwachsenenfilme“. Einer davon war „Her Name Was Lisa“ von 1979, den André Malberg (der den Blog scheinbar mittlerweile allein bestreitet) sehr ausführlich und informativ bespricht.

– Maria Wiesner stellt auf kino-zeit.de die legendäre Kostümdesignerin Edith Head vor und geht auf ihre Bedeutung in der Filmgeschichte und insbesondere für Alfred Hitchcock ein. Und Rajko Burchardt nimmt den Begriff „guilty pleasure“ auseinander.

– Jan Hendrik Mueller stellt auf Jugend ohne Filme die wegweisende Zeitschrift „Filmkritik“ (1957-1984) vor und analysiert deren Herangehensweise an die Filmkritik an sich.

– Gestern verstarb der große amerikanische Bühnen- (und Drehbuch-)Autor Neil Simon. Christian Keßler hat ihm auf Urlaub im Schrank einen schönen Nachruf gewidmet. Außerdem hat Christian sich sehr intensiv mit dem Werk Paul Verhoevens auseinandergesetzt und stellt mit „Stadt in Angst“ (Bad Day at Black Rock) einen seiner 100 Lieblingsfilme vor.

– Unbedingt empfehlenswert findet Oliver Nöding auf Remember It For Later den eher unbekannteren Film „The Spook Who Sat By The Door“, den ein Ivan Dixon 1973 in Szene setzte. Auch „Adieu Bulle“ mit Lino Ventura und Patrick Dewaere sollte man gesehen haben.

Filmlichtung hat mal so zusammengetragen, was es in der Welt der Filme so alles Neues gibt.

Funxton schwärmt von Fritz Langs wunderbaren „Scarlet Street“.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de ein Interview mit Deutschlands „Mumblecore“-Aushängeschild Axel Ranisch geführt und stellt auch Klaus Lemkes neues Werk „Bad Girls Avenue“ (jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen) vor, das ihm allerdings nicht so recht gemundet hat.

– Aha, Detlev Buck hat auch wieder einen neuen Film gemacht. „Asphaltgorillas“ heißt er vielversprechend. Julian Dax von Kinogucker lässt allerdings kaum ein gutes Haar dran.

– Christian Genzel hat sich für Wilsons Dachboden die beiden – wie er es nennt – „Frankenstein-Film“ „Der rosarote Panther wird gejagt“ und „Der Fluch des rosaroten Panthers“ angeschaut, die beide nach dem Tod des Hauptdarstellers Peter Sellers entstanden und mal mehr „Gejagdt) und mal weniger (Fluch) aus alten Szenen, Outakes und nicht verwendeten Material mit Sellers bestehen.

– Lukas Foerster hat auf seinem Blog Dirty Laundry zwei weitere Teile der Textreihe „Konfetti“ veröffentlicht, die im Rahmen des Siegfried-Kracauer-Stipendiums entsteht. Teil 13 handelt von „Running on Empty“, dem ihm liebsten Sidney-Lumet-Film und dem ihm liebsten River-Phoenix-Film. In Teil 14 geht es um die herzergreifende Schlussszene aus „Der letzte Schnee des Frühlings“.

25. Internationales Filmfest Oldenburg: Bruce-Robinson–Retrospektive

Von , 22. August 2018 17:53

Ich finde es ja immer wieder spannend, wem das Internationale Filmfestival Oldenburg seine jährlich Retrospektive widmet. Vorherzusagen ist dies nie, oftmals habe ich die Künstler vorher nie so recht auf dem Schirm gehabt (Philippe Mora kannte ich z.B. in erster Linie als Regisseur vom Heuler *hihihihi* „The Howling 2“), aber ich habe hier immer wieder wunderschöne Entdeckungen gehabt. Neben erwähnten Mora waren das beispielsweise Ted Kotcheff oder George Armitage.

Auch 2018 gibt es wieder eine interessante Retrospektive und auch hier wäre ich nie darauf gekommen, wem sie gewidmet wird. Es ist der britische Autor und Regisseur Bruce Robinson‚ das „vernachlässigtes Genie des britischen Films“, wie in der Pressemitteilung zu lesen ist.

Robinson begann seine Karriere 1968 als Schauspieler in der Rolle des Benvenio in Zeffirelli’s „Romeo und Julia„. Darauf folgten Rollen in Ken Russells „The Music Lovers“, Truffauts „The Story of Adele H.“ und Carlo Lizzanis „Kleinhoff Hotel“.

In den 70ern begann er selber zu schreiben. Für seine Drehbuch zu „The Killing Fields“ erhielt er eine Oscarnominierung. Diese ermöglichte es Robinson bei der düsteren, quasi-autobiographischen Komödie „Whitnail and I“ Regie zu führen.

Robinsons zweiter Film, die Farce „How to Get Ahead in Advertising“ aus dem Jahre 1989, war durch das tiefe Misstrauen gegen das Establishment – allem voran Margaret Thatcher – geprägt.

Danach ging Robinson nach Hollywood und drehte den Thriller „Jennifer 8“ (1992) mit Uma Thurman und Andy Garcia . Hier war er auch wieder als Autor tätig. Hochzufrieden mit dem Ergebnis musste er dann mit ansehen, wie Paramount begann den Film nach mehreren Testscreenings zu verstümmeln. Robinson zog sich aus dem Filmgeschäft zurück und begann Romane zu schreiben.

Sechs Jahre später kehrte er als Drehbuchautor von Neil Jordans „In Dreams“ zurück und wurde erneut von den radikalen Änderungen desillusioniert, die vom Regisseur und den Produzenten vorgenommen wurden. Nur sein Freund Johnny Depp, konnte ihn 2011 aus seinem Film-Ruhestand holen, um Hunter S. Thompsons „The Rum Diaries“ zu adaptieren und noch einmal auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Hier hatte Robinson endlich wieder volle Kontrolle und Sicherheit-

Bruce Robinson wird während des gesamten Festivals in Oldenburg zu Gast sein und acht seiner Filme im Rahmen der ihm gewidmeten Retrospektive vorstellen. Die Retrospektive wird folgende Filme beinhalten: „Romeo and Juliet“ (1968), „The Story of Adele H“ (1975), „Kleinhoff Hotel“ (1977), „The Killing Fields“ (1984), „Withnail and I“ (1987), „How To Get Ahead in Advertising“ (1989), „Jennifer 8“ (1992) und „The Rum Diary“ (2011).

Das Bloggen der Anderen (20-08-18)

Von , 20. August 2018 18:33

– So mag ich es am Liebsten: Schattenlichter mixt eine Besprechung des alten Zombie-Kultfilms „Return of the Living Dead“ mit persönlichen Anekdoten und Anmerkungen. Das macht Spaß zu Lesen.

– Jenny Jecke hat auf the-gaffer.de sich auf sehr interessante und lesenswerte Weise Frank Borzages „History Is Made At Night“ vorgenommen und geht dabei auch näher auf Hauptdarsteller Charles Boyer ein. Eine sehr lohende Lektüre!

– Rochus Wolff hält auf kino-zeit.de eine sehr intelligente Gegenrede zu einem Artikel, den Wolfgang M. Schmitt (das ist der junge Mann, der auf seinem YouTube-Kanal immer im Anzug und Fliege/Krawatte vor einer Bücherwand auftritt) in der Zeitung Neues Deutschland veröffentlicht hat. In dessen Artikel geht es u.a. darum, dass es keine „ideologiekritische Filmkritik“ in Deutschland gäbe. Rochus Wolff sieht das anders. Katrin Doerksen zählt noch einmal die 11 besten Filme in Locarno 2018 auf (Achtung: Klick-Strecke).

– Auch auf Revolver gibt es noch einmal eine Lorcano-Rückblick. Aufgeschrieben von Hannes Brühwiler.

– Der neue Film von Andreas Dresen handelt von Gerhard Rüdiger „Gundi“ Gundermann, DDR- Liedermacher, Baggerfahrer, Stasi-Spitzel und Familienvater. Anja Rohde schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte über „Gundermann“.

– In der Reihe „Die Filme der Fünziger“ auf new filmkritik schreibt Werner Sudendorf über „Kommen Sie am Ersten …!“ von Erich Engel.

Funxton hat Gianfranco Mingozzis „Mafia Story“ mit der blutjungen Charlotte Rampling gesehen, den er zwar nicht für ein Meisterwerk, aber gute, leicht Italo-Western-lastige Unterhaltung hält. Ebenfalls gut gefallen hat ihm „The Quite Place“, der auch bei mir noch auf der Sehr-Liste steht.

– Von „Little Fauss and Big Halsy” habe ich bisher trotz Hauptdarsteller Robert Redford und Regisseur Sidney J. Furie nichts gehört. Dank Oliver Nöding von Remember It for Later hat sich das aber jetzt geändert.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen hat sich Don Dohlers „Nightbeast“ angeschaut und ist erwartungsgemäß nicht sehr begeistert.

Kulturfestival dreizehn° in Bremen-Blumenthal: Das Filmprogramm steht

Von , 17. August 2018 14:45

Wie bereits hier geschrieben, findet vom 31.8. bis 2.9. das dreizehn°-Festival auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei (BWK) in Blumenthal statt. Neben einer großen Musikbühne, zwei Theaterbühnen, einer Literaturbühne und einer Experimentalbühne, Getränke- und Imbissständen wird es auch eine Kinobühne und ein (gar nicht mal so) kleines Filmprogramm geben. Dieses besteht (erwartbarer Weise) größtenteils aus Dokumentarfilmen, hat aber mit „Animals“ auch ein echtes Spielfilm-Highlight im Programm. Und für die Kleinen wurde auch gesorgt. Insgesamt eine runde und, wie ich meine, gut zum Festival passende Auswahl. Da finde ich es gleich doppelt schade, dass ich ich bei der Premiere des dreizehn°-Festival nicht dabei sein kann, da erst die Arbeit, dann das Übersee-Festival und schließlich noch der Urlaub rufen. Ich hoffe aber, das dreizehn°-Festival wird ein voller Erfolg, und ich kann 2019 (sofern es da nicht wieder Überschneidungen gibt) mal vorbeischauen.

Hier die Filme im Einzelnen:

Es gibt eine kleine Retrospektive mit Werken der Filmemacherin Kerstin Polte. Diese wird mit ihren Filmen „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ (mit Corinna Harfouch), „Kein Zickenfox“ (Dokumentarfilm) und „Sookee – von Seepferdchen und Schränken“ vor Ort sein.

„Der Gipfel- Perfoming G20“ – ein Dokumentarfilm über kreative Protestformen bei G20 von Regisseur Rasmus Gerlach, der ebenfalls zu Gast sein.

Der Kuaför aus der Keupstraße“ – Ein weiterer Dokumentarfilm, in dem der 10-jährige Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags in Köln zum Anlass genommen wird, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren.

Ein „Open Screening“ in Kooperation mit dem Film Büro Bremen, bei dem Filmemacherinnen und Filmemacher ihre eigenen Kurzfilm präsentieren.

 

120 bpm“ – Ein Spielfilm-Drama um eine Gruppe von Aids-Aktivisten, die im Frankreich der 1990er-Jahre um Anerkennung und gegen das Schweigen kämpfen.

Logbook Serbistan“ – Ein Dokumentarfilm, der zusammen mit Geflüchteten auf der Balkanroute in Serbien gedreht wurde. In Kooperation mit dem Edith-Russ-Haus Oldenburg.

Du musst dein Ändern leben“ – Noch ein Dokumentarfilm.„Das Gefühl hier irgendetwas starten zu müssen.“ Dieser Drang und das ungenutzte Parkdeck eines Shoppingcenters in Neukölln sind der Anfang einer Vision.

Animals“ – Ein surrealer Psychothriller, in dem die Realitäten verschwimmen. Spielfilm mit der großartigen Birgit Minichmayr! Vom polnischen Regisseur Greg Zglinski, der auch den tollen „Wymyk“ (hierzulande leider nie gelaufen, aber ich besitze die polnische DVD) gemacht hat. Da wäre ich sehr gerne dabei!

 

Für die Kinder gibt es ein Kurzfilmprogramm und den Film „Die Königin von Niendorf“ über die zehnjährige Lea, die einen Sommer in Brandenburg verbringt und in eine Jungs-Clique hineinkommen will — dafür muss sie Mutproben bestehen.

25. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme sind angekündigt

Von , 14. August 2018 22:11

Bald ist es wieder soweit! Die Filmfestival-Saison im Norden steht vor der Tür und wie jedes Jahr ist das Internationale Filmfest in Oldenburg für mich fest gebucht. Dabei möchte ich aber auch erwähnen, dass Unabhängige Filmfest Osnabrück, die Nordischen Filmtage in Lübeck, das Internationale Filmfest Norderney/Emden und das Braunschweig International Film Festival (wo ich dieses Jahr möglicherweise das erste Mal zu Gast sein werde) ebenso empfehlenswert und familiär sind – und das ideale cineastische Nest für die, denen Hamburg zu groß und unpersönlich ist. Seit Jahren schlägt mein Herz aber ganz besonders für Oldenburg, wo ich viele schöne Stunden verbracht und immer wieder nette Menschen getroffen habe. Darum freut es mich ungemein, dass heute die ersten Programm-Highlights veröffentlicht wurden.

Die Filmbeschreibungen übernehme ich einmal 1:1 aus der Pressemitteilung und versehe sie mit meinen eigenen Anmerkungen (in kursiv)

Unforgiven, RUS 2018, von Sarik Andreasyan
Russlands Regiesuperstar Sarik Andreasyan erzählt die zutiefst traumatische, wahre Geschichte des Osseten Vitaliy Kaloev, der bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine Familie verliert. Der Schmerz darüber und die Ohnmacht angesichts der Abwesenheit von Empathie und Reue der Verantwortlichen führt in eine zweite Katastrophe. Nachdem Andreasyan mit „Guardians“ Russlands Antwort auf die Marvel Superheldenfilme auf die Leinwand gebracht hat, zeigt er sich in „Unforgiven“ als Virtuose des Schauspielerkinos ohne Scheu vor überlebensgroßen Emotionen. EUROPAPREMIERE – Klingt interessant und der russische Film war bisher in Oldenburg ziemlich unterrepräsentiert. Der Regisseur sagt mir jetzt nichts, scheint aber in Russland tatsächlich eine große Nummer zu sein, der einige erfolgreiche Unterhaltungsfilme gedreht hat. Das zugrundeliegende Drama ist mir noch sehr präsent, und ich bin gespannt, in welcher Form der Film dies aufbereitet.

The Boat, BRA 2018, von Petrus Cariry
Es scheint, als ob das Kino für solche Geschichten erfunden wurde. Mit einer visuellen Energie, die seinesgleichen sucht, erzählt der preisgekrönte brasilianische Filmemacher Petrus Cariry eine Story von archaischer Wucht. Ein Strand, ein Fischerdorf, das Meer und die Sehnsucht der jungen nach dem Unbekannten. Als ein Boot strandet und die geheimnisvolle Ana an Land gespült wird, droht
der Mikrokosmos aus Genügsamkeit, Disziplin und uneingeschränktem Zusammenhalt zu implodieren. Ein mitreißender Film voller grandioser Momente, hypnotisch und visuell berauschend. EUROPAPREMIERE – Meer, Strand, Geheimnis. Das sind Zutaten, die bei mir immer gehen. Die IMDb-Bewertung sieht auch gut aus. Der Film ist schon einmal vorgemerkt.

Angst in meinem Kopf, GER 2018, von Thomas Stiller
Die Geschichte einer Justizvollzugsbeamtin, die sich zwischen Familienleben und Job emotional verausgabt. Das Zuhause ist geprägt von Distanz und wirtschaftlichen Zwängen. Ihre Versuche, den Mangel an Empathie im Knast auszugleichen, bringen sie in eine gefährliche Schieflage zwischen falschem Vertrauen und der Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Thomas Stiller erzählt eine Story,
die ihre Kraft ganz aus den guten Darstellern, allen voran Charly Hübner und Claudia Michelsen, und der bedrückenden Erkenntnis bezieht, dass Gefangensein keineswegs verschlossener Türen und Gitterstäbe bedarf. WELTPREMIERE – Thomas Stiller ist TV-Regisseur, der einige „Tatorte“ gedreht hat. „Angst in meinem Kopf“ ist auch ein TV-Film. Klingt thematisch interessant, ich habe bei so etwas immer etwas die (vielleicht unbegründete) Befürchtung, es wird zu brav und in TV-Optik inszeniert. Mal gucken.

All Square, USA 2018, von John Hyams
Nach einem One-Night-Stand mit einer Ex findet sich der von Michael Kelly wunderbar lakonisch verkörperte Loser John mit derem 12jährigen Spross allein zu Hause. Mehr aus schlechtem Gewissen über die seltsame Begegnung bietet John dem Jungen an, ihn zum Baseballspiel zu bringen. Die beiden freunden sich an und John kommt die glorreiche Idee, Wetten auf Minor League Spiele anzubieten. Was als Goldgrube beginnt, bringt schnell das ganze Städtchen ins Taumeln. Actionregisseur John Hyams wechselt mit leichter Hand ins Kömodienfach und gewann beim SXSW Festival direkt den Publikumspreis. DEUTSCHLANDPREMIERE – Holla: John Hyams! Sohn des großen Peters! In meiner Filterblase als Erneuerer des intelligenten und archaischen Actionfilms vergöttert. Da ist es sehr spannend, ob er auch Komödie kann. Würde ich einen Blick wagen. Vielleicht erneuert er das Genre Komödie ja genauso radikal, wie den Actionfilm.

Temporary Difficulties, RUS 2018, von Mikhail Raskhodnikov
Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt „Temporary Difficulties“ die Geschichte eines mit Kinderlähmung geborenen Jungen, der sich allen Nachteilen zum Trotz zu weltweiter Anerkennung erhebt. Kraftvoll angetrieben durch den russischen Star Rinal Kovalev und dessen eindringliche Darbietung des Vaters markiert dieser zweite Spielfilm von Autor/Regisseur Mikhail Rashodikov den Anbeginn einer neuen Stimme und Stärke im unabhängigen Kino. Herzzerreißend und inspirierend –dieses authentische Porträt des Überlebens ist eine Liebeserklärung an das Leben. INTERNATIONALE PREMIERE – Oha, noch ein russischer Film. „Herzzerreißend“ warnt mich eigentlich vor a) Kitsch und b) Tränendüse. Andererseits kann es aber auch ein sehr positiver und inspirierender Film sein. Und mich würde auch interessieren, wie solch ein Stoff in Russland umgesetzt wird. Mal im Auge behalten.

IVAN, SVN 2017, von Janez Burger
Aus Slovenien kommt ein ehrliches sowie brutales Portät von Liebe, Mutterschaft und Leben. Die mit dem EFP Shooting Star ausgezeichnete Marusa Majer fesselt das Publikum mit ihrer Darstellung Maras, einer blauäugigen und frischgebackenen Mutter, die wie besessen von Rok, einem verheirateten Geschäftsmann und Vater ihres Neugeborenen Ivan, ist. Gefangen zwischen zwei Fronten, befindet sie sich in einer unerträglichen Situation: Sie muss sich zwischen ihrem Kind und der Liebe ihres Lebens entscheiden. DEUTSCHLANDPREMIERE – Slowenien ist als Filmland prinzipiell sehr interessant. Beim Thema muss ich allerdings mal gucken. Geschichten mit Kinder wo es heißt „sie muss sich zwischen ihrem Kind und der Liebe ihres Lebens entscheiden“ sind nichts für einen Familienmenschen wie mich. Um ehrlich zu sein, beim lesen der Inhaltsangabe nervt mich die Mara schon jetzt.

Mandy, USA 18, von Panos Cosmatos
Pazifischer Nordwesten. 1983. Außenseiter Red Miller, gespielt von Oscar-Gewinner und Oldenburger Star of Excellence-Empfänger Nicolas Cage, führt ein liebevolles und friedliches Leben mit seiner Partnerin Mandy Bloom (Amanda Riseborough). Doch als ihr idyllisches Dasein brutal durch eine Sekte und dessen sadistischer Anführer Jeremiah Sand zerstört wird, bleibt Red nichts anderes übrig als sich auf einen albtraumhaften, blutigen und feurigen Rachefeldzug zu begeben. Schon in Sundance gefeiert, ist dies der gewagteste und spannendste Genre-Film des Jahres. – Eigentlich ein absolutes Muss, vor allem da mit Cosmatos „Beyond the Black Rainbow“ schon öfter sehr ans Herz gelegt wurde, Andererseits läuft der später auch noch zu anderen Gelegenheiten. Daher mal schauen, wie es passt.

Write When You Get Work, USA 2018, von Stacy Cochran
Als sie 10 Jahre nach der gemeinsamen Highschool Romanze wieder Kontakt zueinander aufnehmen, liegen zwischen Ruth Duffy und Jonny Collins, gespielt von den aufstrebenden Stars Finn Wittrock („The Big Short“, „Unbroken“) und Rachel Keller („Fargo“), Welten. Jonny, völlig von Ruth eingenommen, beginnt ihr Leben zu infiltrieren auf der Suche nach Liebe und Profit. Die Geschichte der bereits mit dem Oldenburger Tribute geehrten Stacey Cochran erzählt von Geld, Unheil und Ansprüchen, wurde von Oscar-Gewinner Robert Elswit gefilmt und sollte absolute nicht verpasst werden. INTERNATIONALE PREMIERE – Kann was sein, kann nichts sein. Kann ich aufgrund der Inhaltsangabe nicht so recht beurteilen. Mal vorsichtig vormerken.

Ray Meets Helen, USA 2017, von Alan Rudolph
15 Jahre nach seinem letzten Film kehrt der Regisseur von jungen Klassikern wie „Chose me – sag Ja“ oder „Trouble in Mind“, Alan Rudolph, mit einem neuen Film auf die Leinwand zurück. Mit Sondra Locke und seinem Lieblingsdarsteller, dem Oscarpreisträger Keith Carradine, hochkarätig besetzt, erzählt er die Geschichte des ehemaligen Boxers Ray und der einsamen Helen, die beide ihren verlorenen Träumen hinterher jagen. Die New York Times feierte Rudolphs Rückkehr auf die Leinwand als „wunderbar, magisch menschlich“ und bescheinigte Rudolphs Filme eine „wehmütige Raffinesse, die aus dem heutigen Kino fast völlig verschwunden ist“. EUROPAPREMIERE – Die ganz junge Sondra Locke – Eastwoods Muse in den 70ern und frühen 80ern – habe ich gerade in „Willard“ gesehen. Und noch gedacht: Lange nichts gehört. Könnte schlimmer Kitsch sein oder so ein Film, der sich unverfroren an das Publikum ran schleimt. Danach klingen die Zitate. Und die IMDB-Beweetung. Andererseits Keith Carradine und Sondra Locke würde ich ja schon gerne sehen.

The Private Life of a Modern Woman, USA 2017, von James Toback
Am Anfang steht Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“, das als Triptychon die Wand von Vera Lockmans hippen New Yorker Loft schmückt. Und ein Traum, aus dem Vera hofft, gerade erwacht zu sein. Im Laufe des Films wird diese Hoffnung ein ums andere Mal hinterfragt. Hat sie ihren Ex im Handgemenge mit seiner eigenen Pistole erschossen? James Toback variiert Themen seines Schaffens und wieder setzt er sehr sensibel eine Frauenfigur in das Zentrum des Geschehens. Der Film gehört ganz und gar der großartigen Sienna Miller, neben ihr beindrucken Alec Baldwin und Charles Grodin mit intensiven Momenten. DEUTSCHLANDPREMIERE – Ach Du Kacke, James Toback. Schwieriges Thema mit diesem Menschen. Ich hoffe, der taucht nicht in Oldenburg auf. Mehr über den feinen Herren hier: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/sexuelle-belaestigung-mehr-als-200-vorwuerfe-gegen-james-toback-15265772.html und hier: https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/guardians-galaxy-director-james-gunn-says-he-tried-warn-people-james-toback-1051047

Holiday, DEN/ TUR 2018, von Isabella Eklöf
In der Urlaubsvilla ihres Freundes, ein berüchtigter Drogenbaron, taucht Sascha, jung und wunderschön, in den wilden Strudel aus Luxus, Spaß und Losgelöstheit ein. Trotz hedonistischen Taumels offenbart sich der brutale Schmerz und sie muss erschreckend feststellen, dass alles seinen Preis hat. In ihrem bereits in Sundance gefeierten Spielfilmdebüt kreiert Isabella Eklöf sonnendurchflutete Bilder von eisiger Kälte und hinterlässt den Zuschauer mit einem unbehaglichen Staunen. DEUTSCHLANDPREMIERE – Klingt erst einmal interessant, kann aber auch sehr nervig sein, wenn sich die Hauptfigur als nervende Göre (immerhin ist sie wissentlich mit einem Drogenbaron zusammen und findet das scheinbar ganz, ganz toll) entpuppen sollte. Hedonistischer Rausch klingt aber irgendwie auch wie ein Klaus-Lemke-Film. In der IMDb steht noch was von „Triangle“, was auch Noir-mäßig sein könnte. Ich weiß noch nicht…

Das Bloggen der Anderen (13-08-18)

Von , 13. August 2018 17:45

– Der letzte Nachklapp aus Locarno: Frédéric Jaeger schwärmt auf critic.de weiterhin von „La Flor“ und hat sich auch im Kurzfilmprogramm umgeschaut. Schwanenmeister von Negative Space ist vom Debütfilm des Spaniers Xacio Baño „Trote“ begeistert und fasst die Kontroverse um den deutschen Beitrag „Wintermärchen“ zusammen. Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog hat „Wintermärchen“ ganz und gar nicht gefallen. Bei ihm findet man auch alle Preisträger.

– Auf new filmkritik hat Werner Sudendorf einen schönen Nachruf auf Enno Patalas veröffentlicht. Und es gibt endlich wieder Neues von dem hochverehrten Rainer Knepperges: „Auge und Umkreis (II)“. Toll.

– Auf Whoknows presents berichet Manfred Polak über eine Studie von Marco Del Vecchio von der University of Cambridge, Alexander Kharlamov und Glenn Parry, beide von der University of the West of England in Bristol, sowie Ganna Pogrebna von der University of Birmingham und vom Alan Turing Institute in London, die über 6000 Filme untersucht haben, um eine Erfolgsformel für die Filmindustrie zu berechnen. Faszinierendes Zeugs für Mathefreunde.

– André Malberg rehabilitiert auf Eskalierende Träume Dario Argentos „La Terza Madre“.

Robert Zion untersucht auf seinem Blog Stephanie Rothmans „The Student Nurses“.

– Schon vor „Easy Rider“ schwang sich Peter Fonda auf das Motorrad. Volker Schönenberger bespricht auf Die Nacht der lebenden Texte Roger Cormans „Die wilden Engel“.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It for Later zwei weitere Filme des Franzosen André Téchiné vorgenommen: „Le lieu du crime“ und „Les Innocents“.

– Im September zeigen wir bei Weird Xperience im Bremer Cinema Ostertor „The Endless“. Dazu findet sich gerade eine Kritik bei funxton. Außerdem hat er auch den – mir bisher unbekannten – Vorgänger „Resolution“ gesehen.

– Oliver Armknecht schreibt auf film-rezensionen.de über den gerade wiederveröffentlichten „Videodrome“ und den neusten Streich von Hélène Cattet und Bruno Forzan: „Leichen unter brennender Sonne“.

– Klingt sehr spannend und läuft auch gerade in Bremen: „Welcome to Sodom“. Björn Schneider hat sich die Dokumentation auf Filme Welt vorgenommen.

Blu-ray Rezension: „Ben“

Von , 7. August 2018 21:17

Die Ratte Ben hat die Ereignisse aus „Willard“ überlebt und ist mit seinem Volk in die Stadt geflohen. Der 8-jährige Danny (Lee Montgomery), ein Außenseiter mit einem lebensgefährlichen Herzfehler, entdeckt Ben und freundet sich mit der Ratte an. Diese dankt es Danny, indem sie ihn vor einem größeren Jungen schützt, der ihn gängelt. Auf der Suche nach einem neuem Lebensraum geraten Ben und seine Ratten immer wieder mit Menschen aneinander. Leider gehen diese Begegnungen häufig tödlich für die Zweibeiner aus., was schnell die Polizei auf den Plan ruft. Diese will die bedrohlichen Nager natürlich umgehend vernichten. Kann Danny seinen neuen besten Freund und dessen Familie vor dem Zugriff der Staatsmacht schützen?

Ben“ schließt direkt an seinen Vorgänger an, den Überraschungserfolg „Willard“ (Rezension hier). Während der Vorspann läuft, sehen wir noch einmal Willard Stiles durch die Familien-Villa ziehen und seinen missglückten Versuch, der bösen Ratte Ben und ihrer vielköpfigen Rattenschar den Garaus zu machen. Dann schwenkt die Ansicht nach außen und wir sehen beinahe andächtig die gaffende Menge vor Willards Haus stehen. Mitten unter ihr Beth Garrison mit ihrer Tochter Eve und den jungen Sohn Danny. Als sich das Familientrio letztlich abwendet und nach Hause geht, folgen Kamera und Film ihnen, denn diese Drei sollen das neue Zentrum dieser Fortsetzung werden. Erinnerte „Willard“ noch eine TV-Produktion der 60er Jahre, sind wir bei „Ben“ im typischen B-Film der 70er angekommen. Alles wirkt eine Nummer kleiner und billiger. Um dieses Manko zu übertünchen, erzählt der Film noch einmal in Grundzügen dieselbe Geschichte wie der Vorgänger, diesmal jedoch gespickt mit mehr Sensationsgeheische. Musste man bei „Willard“ lange warten, bis die Ratten in Aktion treten, so machen sie hier gleich zu Anfang kurzen Prozess mit einem Polizisten, der die Stiles-Villa durchsucht.

Diese Szene fasst dann aber gleich auch alle Schwächen der Produktion zusammen. Während der Polizist hysterisch kreischt und sich in unmögliche Postionen krümmt, weilen die paar Ratten, die man ihm auf den Rücken gesetzt hat, dort sehr friedlich und nahezu bewegungslos. Wären es Hunde, würden sie wahrscheinlich noch mit dem Schwanz wedeln. Hinzu kommen Effekte aus der Steinzeit, wenn scheinbar einige attackierende Ratten auf den Film gezeichnet wurden. Beim eher unbeholfen dargestellten Todeskampf fließt auch kein Blut, selbst wenn später behauptet wird, die Leiche sei grauenvoll zugerichtet worden. Alle Ratten-Attacken in „Ben“ folgen diesem Muster. Wenn man nicht gerade eine Rattenphobie hat, wirkt das Ganze eher niedlich, statt furchteinflössend. Ganz besonders jene Szene, in der die Ratten sich in einem Fitnessstudio breit machen, was dazu führt, dass die Statistinnen sich alle gegenseitig mit hysterischen Panikattacken zu überbieten versuchen.

Eine weitere eher unglückliche Entscheidung war es, den Jungen Danny zum neuen Protagonisten zu machen. Zwar schlägt sich Lee Montgomery in seiner zweiten Filmrolle sehr gut und wenn man nicht auf Kinder im Film allergisch reagiert, kann man ihn tatsächlich mögen. Doch Drehbuch (oder Regie) verdammen Danny dazu, gewollt „witzige“ und furchtbare Lieder zu singen, und übertrieben fröhlich mit Marionetten zu hantieren. Alles was auf der einen Seite an Sympathie für den kindlichen Protagonisten aufgebaut wird, wird durch solche Szenen hinten wieder eingerissen. Immerhin stimmt die Chemie zwischen Lee Montgomery und Meredith Baxter, denn beiden nimmt man tatsächlich ab, Bruder und Schwester zu sein und sich umeinander zu sorgen. Rosemary Murphy als immer besorgte und trotzdem seltsam abwesende Mutter hat dagegen einen schweren Stand, füllt sie doch nur Klischees aus. Und dann noch gerade solche, die besonders stark auf die Nerven gehen.

Ohne Klischees kommt auch die Darstellung der Polizisten nicht aus, deren angestrengte „Good Cop/Bad Cop“-Routine nahe am Rande der Parodie angesiedelt ist. Joseph Campanella spielt das immer zornige Steingesicht Cliff Kirtland, Kaz Garas seinen sanften Untergeben Joe Greer, welcher seinem Chef in einem Akt der totalen Unterwerfung zu gerne die Zigarette anzünden würde. Als dritter im Bunde gesellt sich Arthur O’Connell hinzu, der hier mit überraschend langen Haaren auftaucht und den einen oder anderen trockenen Spruch zum Besten geben darf. O’Connell ist ein zuverlässiger Schauspieler aus der zweiten Reihe (den man u.a. aus dem Elvis-Filme „Die wilden Weiber von Tennessee“ und „Ein Sommer in Florida“ oder Otto Premingers Meisterwek „Anatomie eines Mordes“ kennt) und gleichzeitig der bekannteste Name im Cast. Dass er aber höchsten zwei Drehtage gehabt haben dürfte, deutet auf das geringe Budget hin, welches für „Ben“ zur Verfügung stand.

Im Gegensatz zum Vorgänger, bei dem der Außenseiter Willard im Vordergrund stand und die Ratten eher eine Nebenrolle einnahmen, wird diesmal die Ratte Ben in den Fokus herrückt und ihr zudem nahezu übersinnliche Fähigkeiten attestiert. Ben ist schlau, kommuniziert ebenso leicht mit Tausenden von Ratten, wie mit dem Jungen Danny. Ben schmiedet Pläne, kommandiert seine Heerscharen, befreundet sich mit Danny und führt die Polizei an der Nase herum. Das Problem für einen Horrorfilm ist dabei allerdings, dass Ben nicht diabolisch, sondern sympathisch wirkt. Auch wenn die Ratten über die Menschen herfallen, tun sie dies nur zum Selbstschutz. Die Autoren und Regisseur Phil Karlson scheinen auch weniger einen Horrorschocker über Menschen killende Ratten, als vielmehr eine Spartakus-Variante im Sinn gehabt zu haben. So wird Ben zum Heilsbringer der Unterdrückten stilisiert, der sein Volk in eine bessere Zukunft geleiten will. Wenn am Ende die geballte Staatsmacht den Ratten mit Gas und Flammenwerfer den Garaus machen will, fühlt man sich an Bilder aus Filmen über den Holocaust oder Vietnam erinnert.

„Ben“ erscheint direkt nach „Willard“ als dritte Veröffentlichung der neuen „Phantastischen Filmklassiker“ -Reihe aus dem Hause Anolis und als Folge 2 der „Die 70er“-Untergruppe. Allerdings teilt die Veröffentlichung das Schicksal des Films. Im Vergleich zu „Willard“ wirkt sie billiger und kleiner. Dies liegt einerseits an dem Bild, welches scheinbar von einer alten 35mm-Rolle stammt. Da machte „Willard“ einen schärferen, farbenfroheren Eindruck, während „Ben“ dreckiger wirkt und tatsächlich mehr nach alter Kinorolle. Dankenswerterweise wurde aber nicht versucht, diesen Eindruck durch intensive Bildbearbeitung (-verfälschung) glattzubügeln. So passt der Look schon sehr gut zu „Ben“, wird bei Pixelzähler aber sicherlich zu einer kleinen Empörung führen. Auch die Extras fallen eine Nummer kleiner aus. Es gibt einen Audiokommentar mir Hauptdarsteller Lee Montgomery, sowie ein 15-minütiges Interview mit dem sympathischen, nun älteren Herrn. Dazu gibt es deutsches und internationales Werbematerial und diverse Trailern, sowie die deutsche Kinofassung, wobei ich allerdings nicht sagen kann, worin der Unterschied zur „normalen“ Fassung besteht. Das wie immer schön gestaltete, 20- seitige Booklet stammt diesmal allein von David Renske, mit dessen Stil – der sich meiner Meinung nach arg dem Schlefaz-Duktus nähert – ich, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, leider gar nichts anfangen kann. Was soll z.B. das halbseitige Michael-Jackson-Gebashe?

Das Bloggen der Anderen (06-08-18)

Von , 6. August 2018 17:35

Der Urlaub ist vorbei! Darum geht es jetzt weiter mit „Das Bloggen der Anderen“. Ich hoffe mal, der eine oder andere hat es ein wenig vermisst.

– Momentan hoch im Kurs: Das Filmfestival in Locarno. Mehrere deutschsprachige Filmblogs berichten darüber. Negative Space über den dort gelaufenen Film „Sophie Antipolis“ von Virgil Vernier, eine poetisch-melancholische Erzählung vom Schicksal eines ermordeten Mädchens. Frédéric Jaeger hat sich für critic.de den gut 14-stündigen „La Flor“ angesehen, der vom Erzählen des Kinos erzählt. Auch der Schweizer Michael Sennhauser ist vor Ort und berichtet auf Sennhausers Filmblog über Filme wie Radu Munteans neuen Film „Alice T.“ oder das realistische Soziadrama „Ray und Liz“ von Richard Billingham.

– Passend zur in einigen Bundesländern noch anhaltenden Ferienzeit fragt sich Urs Spörri auf kino-zeit.de, welche Filme eigentlich die Fluggesellschaften während ihrer Flüge zeigen und warum. Maria Wiesner hat einen langen, sehr guten Artikel über die Filmpionierin Alice Guy-Blaché geschrieben. Anders als der Titel „Die Filmpionierin, die niemand kennt“ ist Frau Guy-Blaché keineswegs völlig vergessen, sondern wurde auch schon im Printmagazin „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ausführlich gewürdigt.

– Und wiederum passend dazu, findet sich auf Out Takes ein spannendes Interview mit den drei Kamerafrauen Caroline Rosenau, Ulla Barthold und Julia Schlingmann.

– Einer der assigsten Filme des italienischen Genrekinos ist Deodatos „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“. Darüber kann man bei Schattenlichter lesen.

– Und die schöne Seite des italienischen Genrekinos findet man „Liebe und Tod im Garten der Götter“, den Allesglotzer bespricht.

Robert Zion beschäftigt sich weiterhin mit Jack Hill und dessen Star Pam Grier. Diesmal hat er sich deren beiden, auf den Philippinen entstanden Frauengefängnisfilmen „The Big Doll House“ und „The Big Bird Cage“ angenommen.

– Wie Jack Hill ist auf Harald Reinl ein Regisseur, den es immer mal wieder zu entdecken gilt. Auch mit seinem Spätwerk. In diesem Falle „Kommissar X jagt die roten Tiger“ der mir in der Tat weniger gut als André Malbergs schöner Text auf Eskalierende Träume gefallen hat.

Funxton hat auf seinem Blog näher mit zwei Filmen der schwarzen Serie beschäftigt: „The Naked City“ von Jules Dassin und „I Walk Alone“ von Byron Haskin, die ihm beide sehr gut gefallen haben.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later mit „Maciste contro il vampiro“ und „Perseo l’invincibile“ einen Abestecher ins Peplum-Genre gemacht und sich dann Filme mit Patrick Dewaere angesehen. Insbesondere „Série Noire“ muss ich auch sehen!

– Dass sowohl „Queimada“ mit Marlon Brando, als auch Alex Cox „Walker“ auf der selben historischen Figur des William Walker beruhen, habe ich jetzt erst durch Sebastians Besprechung des ersten Filmes auf Nischenkino erfahren. Klingt aber gut.

– Julian Dax empfiehlt auf Kinogucker ausdrücklich den deutschen Spielfilm „Der Hauptmann“ von Hollywood-Rückkehrer Robert Schwentke.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 27 erhältlich

Von , 15. Juli 2018 22:17

Wenn sich jemand fragt, weshalb man hier derzeit nichts Neues liest: Ich bin eigentlich gar nicht da, sondern noch bis Ende des Monats im Urlaub. Da ich aber gerade Zugriff auf WLAN und gleichzeitig auch etwas Zeit habe, wollte ich schnell auf die neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ hinweisen. Hier habe ich diesmal nur wenig zu beigetragen, nämlich gerade mal eine Seite zum Titelthema „Filmbösewichte“. Diese habe ich dann dem großartigen und leider unter tragischen Umständen viel, viel zu früh gestorbenen Laird Cregar gewidmet.

Da ich wie gesagt gerade im Urlaub verweile, habe ich das neue Heft schon fast durch. Und ich muss sagen: Der meines Erachtens nach schon sehr hohe Standard der letzten Ausgaben wurde mal wieder gehalten – und vielleicht sogar noch einmal ein kleines Stückchen höher gelegt.

Was erwartet einen noch so (den Text übernehme ich jetzt mal mehr oder weniger wortwörtlich von der 35-Millimeter-Homepage)? Martin Abraham stellt in DÄMONEN, SCHURKEN UND VAMPS das Böse im Hindi-Film vor. Christoph Seelinger setzt sich in DIE MACHT DES BLUTES, DIE SINNLOSIGKEIT DER EXISTENZ mit der Figur des „Coffin Joe“ im Horror-Klassiker AT MIDNIGHT I WILL TAKE YOUR SOUL (1964) auseinander. Matthias Pfeiffer befasst sich in BÖSE DOKTOREN DES WEIMARER FILMS mit Dr. Caligari und Dr. Mabuse. Lars Johansen und Clemens Williges widmen sich drei Hollywoodgrößen, die auf böse Rollen festgelegt waren – Bela Lugosi dauerhaft, Basil Rathbone und Myrna Loy zeitweilig. Alexander Schultz analysiert in MÄNNER IM KREIS Randolph Scotts Beziehung zu den Bösewichtern in Budd Boettichers Ranown-Zyklus. Matthias Merkelbach beleuchtet in DÄMONIN AUS LIEBE die Entwicklungsgeschichte der Femme fatale im Film Noir.

Jenseits des Titelthemas beschäftigt sich Christian Genzel anlässlich der deutschen Blu-ray-Veröffentlichungen von G.W. Pabsts WESTFRONT 1918 (1930) und KAMERADSCHAFT (1931), ausführlich mit diesen beiden zentralen Werken des frühen deutschen Tonfilms. Jörg Mathieu stellt die neue FRITZ LANG-Box der Murnau-Stiftung vor.

Björn Küster gibt in seinem Artikel DER SANDALENFILM Einblick in das vernachlässigte Genre Peplum. In der Kolumne OPERATION: EUROPLOITAION – TODESGRÜSSE VOM MITTELMEER bringt Christoph Seelinger DRACULA IN ISTANBUL (1953) ans Tageslicht. Martin Abraham unternimmt mit seiner Rubrik einen Ausflug ins CINEMA MALAYSIA, stellt den Superstar P. Ramlee vor. Und in seiner Kolumne NORDISCHE SCHÄTZE präsentiert Martin Abraham die dänische Komödie VI ER ALLESAMMEN TOSSEDE (1959).

In seinem Artikel EYES WIDE APART AND EYES WIDE OPEN würdigt Prof. Dr. Tonio Klein die Ausnahmekünstlerin Ida Lupino. Oliver Nöding beleuchtet in seiner Kolumne IM ZWIELICHT: FILM NOIR OHNE FILTER Joseph H. Lewis‘ wegweisenden Reißer GEFÄHRLICHE LEIDENSCHAFT (1950). Robert Zion wendet sich im zweiten Teil seiner Kolumne AUF DEM PFAD DER VERLORENEN mit RITT ZUM OX-BOW (1943) den Anfängen des Noir Westerns zu.

In der Rubrik ON SET ist Clemens Williges’ Einführungsvortrag zur Aufführung von Harold Lloyds AUSGERECHNET WOLKENKRATZER! (1923) im Hallenbad – Kultur am Schachtweg im Rahmen der Movimentos Festwochen in Wolfsburg nachzulesen. In der neuen Kolumne MEILENSTEINE DES FRÜHEN KINOS widmet sich Clemens Williges zwei vergessenen Meisterwerken von Lois Weber: THE DUMB GIRL OF PORTICI (1916) und SHOES (1916). Abschließend gibt Williges in seiner Kolumne DER VERGESSENE FILM mit THE HORROR OF PARTY BEACH (1964) bereits einen Ausblick auf die Titelstory #28: SOMMER – SONNE – SUMPF.

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