Blu-ray-Rezension: „Marketa Lazarova“

Von , 22. April 2017 13:49

Vater Kozlík (Josef Kemr) sendet seine Söhne Mikolás (František Velecký) und den einarmigen Adam (Ivan Palúch) aus, um Reisende auszurauben. Eines Tages stoßen sie dabei auf eine Gruppe Deutscher. Sie töten fast alle, aber ein Mann kann entkommen. Mikolás nimmt dessen Sohn (Vlastimil Harapes) und einen Diener als Geisel. Es stellt sich aber heraus, dass der Geflüchtete ein sächsischer Adeliger war, der zum Bischof von Hennau gemacht werden sollte und ein sehr enger Verbündeter des Königs ist. Dieser bestellt Kozlík an seinen Hof, wo Kozlík gefangengenommen werden soll. Es gelingt ihm allerdings – verfolgt von den Soldaten des Königs unter Hauptmann Pivo (Zdenek Kryzánek)- zu fliehen. Um sich gegen Pivos Truppe wehren zu können, schickt Kozlík seinen Sohn Mikolás zu seinem Nachbarn Lazar (Michal Kozuch), um diesen zu zwingen, gemeinsam mit ihm gegen Pivo zu kämpfen. Als Lazar sich weigert, entführt und vergewaltigt Mikolás dessen Lazars Tochter Marketa (Magda Vásáryová), die gerade einem Kloster beitreten wollte…

Wenn die Blu-ray von „Marketa Lazarova“ nach 165 Minuten zu Ende ist, fühlt man sich erschlagen, erschöpft, glücklich und zugleich traurig. Traurig, weil man diesen mächtigen Bilderhammer nicht auf der großen Leinwand gesehen hat, wo er sicherlich noch einmal eine ganz andere faszinierende Sogwirkung als auf dem Fernseher Zuhause entwickelt. Selbst wenn die vom tschechischen Filminstitut durchgeführte Restaurierung – welche die Grundlage der Bildstörung-Blu-ray bildet – überaus gelungen ist. Aber ein visuell – und auch auditiv – derartig überwältigender Film gehört nun einmal auf die ganz große Leinwand. 1967 in die Kinos gekommen, nach 548 Drehtage und eine Verdoppelung der veranschlagten Produktionskosten, erscheint „Market Lazarova“ seiner Zeit weit, weit voraus. Nur vergleichbar mit Andrej Tarkowskis nahezu zeitgleich entstanden „Andrej Rubljow“ und dem ebenfalls kürzlich von Bildstörung veröffentlichten „Es ist schwer ein Gott zu sein“ von Aleksey German aus dem Jahre 2013. Der studierte Kunsthistoriker Frantisek Vlácil hat mit „Marketa Lazarova“ ein ebenso brutal-authentisches, wie poetisch-surreales Mittelalter erschaffen, in dem seine Geschichte um zwei verfeindete Clans und die Rache des Königs ebenso zielsicher, aber eben auch schwankend auf einer dünnen Linie zwischen ungeschönten, hässlichen Realismus und traumhafter Magie, Grausamkeit und Zärtlichkeit, Dreck und strahlender Schönheit, heidnischen Ritualen und einem rigiden Christentum balanciert.

Auf ihr Skelett heruntergedampft, ist die Geschichte von „Marketa Lazarova“ relativ simpel zu verstehen. Doch Frantisek Vlácil nutzt sie für eine Meditation über das Erzählen von Geschichten und für die Rekonstruktion einer uns so fremden Zeit, aus der es kaum Überlieferungen gibt. Vlácil erschafft sein ganz eigenes 13. Jahrhundert, in welchem sich der Zuschauer ebenso fremd fühlt, wie auf einem ferneren Planeten – und doch zugleich auch irgendwie vertraut. Im geht es da ähnlich dem Protagonisten aus Aleksey Germans „Es ist schwer ein Gott zu sein“. Gleichzeitig löst Vlácil die Einheit von Raum und Zeit, Realität und Vorstellung auf. Man sieht Szenen, deren Bedeutung erst sehr viel später aufgelöst werden. Von denen man nicht weiß, wann und wo sie stattfinden. Ist es eine Erinnerung? Passiert es jetzt? Oder ist es ein Vorgriff auf das, was noch passieren wird? An einigen Stellen lässt Vlácil wichtige Teile der Geschichte einfach weg und lässt sie erst viel später von einer Figur nacherzählen. Oder er illustriert Gedanke und Geschichten so, als würden sie genau jetzt tatsächlich geschehen. Der alte Lazar spricht zu dem jungen Mikolás über seine Tochter Marketa (die wir bis dahin noch nicht gesehen haben). Davon, wie rein sie ist, und dass er sie den Nonnen versprochen hat. Gleichzeitig bebildert Vlácil dies mit einer Gruppe schwarzgekleideter Nonnen, die sich einen Hügel hinauf schlängeln, jede eine weiße Taube in der Hand – und der jungen Marketa, die eine dieser Tauben vor ihrer halb entblößten Brust hält. Dann ist diese Vision auch wieder vorbei. War sie eine Erinnerung Lazars? Oder sahen wir die Bilder, die dessen Worte in Mikolás Kopf hervorgerufen haben. Immer wieder kommt es zu solchen Szenen. Frantisek Vlácil agiert selber wie der alter Erzähler, dessen Stimme am Anfang verkündet, es sei nun besser, am Feuer zu sitzen und sich an Geschichten von früher zu erinnern. Und so erzählt Vlácil die Ballade (oder Rhapsodie, wie der Vorspann ankündigt) von Marekta Lazarova dann auch. Hier vergisst er etwas, dort holt er etwas vor, was ihm gerade in den Kopf gekommen ist, dort fügt er etwas an, was er zuvor zu erwähnen vergessen hatte. Und immer wieder vermischt sich die Erzählung mit dem, was der Erzähler falsch erinnert, dazu dichtet oder bewusst mythisch auflädt.

Dieses „Erzählen“ wird auch in der Tonspur hervorgehoben. Die Dialoge sind mit einem unnatürlich Hall versehen. Dies erinnert an Dokumentarfilme, die stumm aufgenommen wurden, und dann der omnipräsente, gottgleiche Erzähler die somit unhörbaren Dialoge wiedergibt. Auch hier hat man den Eindruck, die Sätze würde von jemand anderen nachgesprochen, nicht den handelnden Personen deren Bilder man über die Jahrhunderte hinweg sieht. Einmal greift der Erzähler sogar ins Geschehen ein und hält Zwiesprache mit dem Bettelmönch, der wie der Zuschauer mit großen Augen durch diese Welt voller Versehrter, Gewalt und Grausamkeit taumelt. An wen sonst, sollte sich der Allwissende, der dort aus seiner himmlischen Position heraus das Treiben beobachtet, auch sonst wenden?

Die Figur des Mönches nimmt eine Stellvertreterrolle für den Zuschauer ein. In seiner passive Position des Beobachters wird er wie dieser von den Ereignissen überrollt und in eine Welt hineingezogen, die nicht die seine ist. Doch der Mönch ist gleichzeitig eine ebenso fremdartige, ja primitive – sich der Moral der modernen Zeiten verweigernde Figur, wie das restliche Personal dieses Films. Sei es der einarmige Adam, der eine inzestuöse Beziehung mit seiner Schwester hatte. Oder eben jene Schwester, die sich heidnischen Ritualen hingibt. Oder Nebenfiguren wie der Geistliche aus Deutschland, der nur Hass und Vernichtung kennt. Und unser gutherziger, naiver Mönch? Der wiederum pflegt eine intensive Beziehung mit einem Schaf, die weit über das hinausgeht, was gesellschaftlich akzeptabel ist. Auch Marketa selber ist keine gänzlich reine, engelsgleiche Figur. Als sie von Mikolás einführt und vergewaltigt wird, verliebt sie sich in ihren Peiniger und geht freiwillig ein Abhängigkeitsverhältnis mit ihm ein. Gespiegelt wird dies in dem Verhältnis des jungen deutschen Adeligen (der eigentlich zum Bischof gemacht werden sollte). Auch dieser wird vom Clan der Kozlík entführt und verliebt sich seinerseits in die starke, unabhängige Heidin Alexandra. In diesem Film strebt jeder entweder nach Macht über die anderen oder unterwirft sich sexuell und gefühlsmäßig dem Stärkeren. In dieser Welt benehmen sich die Menschen wie die Wölfe, die in „Marketa Lazarova“ allgegenwärtig durch die Landschaft streifen.

Die Ungewöhnlichkeit mit der Frantisek Vlácil seine Geschichte erzählt, schlägt sich auch in der Kameraarbeit und dem Sounddesign nieder. Man mag kaum glauben, dass der Film Mitte der 60er Jahre entstand und er muss teilweise wie ein Schock auf das damalige Kinopublikum gewirkt haben. Mal schwebt die Kamera (geführt von Bedrich Batka) über den Geschehen und fängt die landschaftlichen Panoramen in atemberaubenden Gemälden ein, dann folgt die Handkamera ganz nah den Figuren, klebt förmlich an ihnen und ihren Gesichtern. Ein anderes Mal nimmt sie ganz den Blick eines der Handelnden ein, und der Zuschauer reist in dessen Kopf durch das 13. Jahrhundert. Hier überirdisch schöne Bilder, elegante Kamerafahrten – dort hässlicher Realismus voller Dreck und Blut. Gleichzeitig sorgt die mit Chören und elektronischen Klängen durchsetzter Filmmusik von Zdenek Liska gemeinsam mit dem grandiosen Sounddesign dafür, dass der Zuschauer einerseits mitgerissen, ihm dann aber auch immer wieder der Boden unter den Füssen weggezogen wird. So entsteht eine permanent (alb)traumhafte Atmosphäre. Nicht zu vergessen, die detailreichen, authentischen Kulissen und die Kostüme, auf die Vlácil seine höchste Aufmerksamkeit legte. Intensiv setzte sich Vlácil im Vorfeld mit dem Leben im Mittelalter auseinander, dem Waffengebrauch und dem Alltagsleben. Er ging sogar soweit, mit Cast und Crew für zwei Jahre in den Böhmerwald zu ziehen, und während dieser Zeit selbst zu leben wie im 13. Jahrhundert. Der hohe Aufwand hat sich gelohnt. „Marketa Lazarova“ wurde völlig zurecht zweimal (1994 und 1998) von tschechischen Journalisten und Filmkritikern zum besten tschechoslowakischen Film aller Zeiten gewählt.

Dank des vorzüglichen Filmlabels „Bildstörung“, welches mit Fug und Recht als deutsche Antwort auf das amerikanische Criterion oder das englische Masters of Cinema bezeichnet werden kann, hat Frantisek Vlácils Meisterwerk „Marketa Lazarova“ nicht nur nach 50 Jahren endlich einen deutschen Kinostart verschafft, sondern auch in einer wieder einmal vorbildlichen Blu-ray-Edition veröffentlicht, welche keine Wünsche offen lässt und das cinephile Herz höher schlagen lässt. Das vom tschechischen Filmarchiv brillant restauriert Bild der Blu-ray ist ein Fest für die Augen. Der Ton (tschechisch mit ausblendbaren deutschen Untertiteln) zunächst gewöhnungsbedürftig, aber dies war – wie oben beschrieben – auch die Intention des Filmemachers. Auf einer weiteren Tonspur befindet sich ein filmbegleitendes Gespräch mit Olaf Möller. Der Edition liegt noch eine DVD bei, auf der sich reichhaltiges und interessantes Bonus-Material befindet. „Der schicksalhafte Rausch des František Vlácil“ von 2003 ist ein 50minütiges Portrait über den 1999 verstorbenen Regisseur, welches für das tschechische Fernsehen produziert wurde. Für jenes wurde auch 1995 das viertelstündige „Das Leben des František Vlácil“ und das 20-minütige „Im Netz der Zeit“ produziert. In beiden Featurettes kommt Vlácil selber ausführlich zu Wort. Man lernt in diesen drei Dokumentationen viel über den nicht immer einfachen František Vlácil und die Entstehung seines berühmtesten Werkes „Marketa Lazarova“. Vor allem machen die hier zu sehenden Ausschnitte aus seinen weiteren Filmen eine unbändige Lust drauf, sich weiter mit dem Werk dieses hierzulande viel zu unbekannten Filmemachers zu beschäftigen, und sich auf die Suche nach Filmen wie „Die weiße Taube“ oder „Valley of the Bees“ zu machen. Des weiteren findet man auf der Bonus-DVD noch Interviews mit der Filmjournalistin Zdena Škapová (14 Min.), dem Kunsthistoriker Jan Royt (12 Min.) und dem Restaurationsleiter Ivo Marák (9 Min.). Eine Storyboard-Galerie und das unbedingt lesenswerte 24-seitiges Booklet mit einem Text von Marc Vetter („Marketa Lazarová oder die Zeit der Wölfe“), welcher sich mit der Vorlage, den Produktionsbedingungen und František Vlácil beschäftigt, runden diese schöne Veröffentlichung ab. Bitte noch viel mehr davon!

Schauburg: Regisseur André Erkau stellt seinen Film „Happy Burnout“ vor

Von , 20. April 2017 16:54

Der in Bremen lebende Regisseur André Erkau stellt am 28. April um 20:00 Uhr in der Schauburg seinen fünften und neusten Kinofilm vor.

Die Komödie „Happy Burnout“ ist mit den Hauptdarstellern Wotan Wilke Möhring (mit dem Erkau nach dem Drama „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ das zweite Mal zusammenarbeitet) und Anke Engelke sehr prominent besetzt.

Fussel (Wotan Wilke Möhring) mag seine besten Jahre schon hinter sich haben, aber noch immer ist er vom ganzen Herzen Punk, Frauenheld, Lebenskünstler und Systemverweigerer. Arbeit kommt jedenfalls für ihn nicht in Frage und stattdessen bringt er viel lieber mit seinem jungenhaften Charme diverse Frauen um den Verstand – darunter auch die Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt Frau Linde (Victoria Trautmannsdorf). Die duldet zwar seine Faulheit, aber als eine interne Prüfung sie zum Handeln zwingt, sieht sie für Fussel nur eine Lösung: ein Attest zur Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Burnouts. Schnell ist auch eine Therapie in einer Klinik durchgewunken und so findet sich Fussel inmitten echter Ausgebrannter wieder. Mit seiner ganz eigenen Art mischt er den Laden gehörig auf, was besonders Krankenschwester Alexandra (Anke Engelke) auf die Palme bringt. Den anderen Patienten tut er allerdings ziemlich gut, doch je länger er dort verweilt, desto unklarer wird, wer hier eigentlich wen therapiert…

Quelle: Schauburg

Das Bloggen der Anderen (18-04-17)

Von , 18. April 2017 21:02

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Durch den Ostermontag gibt es „Das Bloggen der Anderen“ diesmal auf einem Dienstag. Aufgrund der wirklich tollen Texte meiner Blogger-Kollegen, wäre es auch unverantwortlich gewesen, die Kolumne in dieser Woche einfach ausfallen zu lassen.

– Am 12. April verstarb Kameragott Michael Ballhaus. Mehrere Blogs widmen ihm einen Nachruf. Den ausführlichsten gibt es bei Sennhausers Filmblog, den persönlichsten von Hans Helmut Prinzler. Christoph Hochhäusler verweist auf Parallel Film auf einige Texte zu Michael Ballhaus, die er anderswo geschrieben hat. Und Kinogucker empfiehlt Michael Ballhaus‘ Autobiographie.

Nischenkino stellt anlässlich des Todes von Tomas Milian noch einmal einen seiner wichtigsten (da er eine schier unendliche Filmreihe nach sich zog) Film vor: „Der Superbulle mit der Strickmütze“.

– Bereits am 28. März verstarb Christine Kaufmann. Udo Rotenberg ehrt sie, indem er auf Grün ist die Heide über Robert Siodmaks düstere deutsch-amerikanische Co-Produktion „Tunnel 28“ schreibt, in dem sie neben Don Murray die Hauptrolle spielt.

– Vorschauzeit. Beim Kinogänger erfährt man, welche Film im Kinosommer 2017 laufen.

– Das Programm der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights findet man bei film-rezensionen.de

– Auf Rochus Wolffs Kinderfilmblog gibt es aktuelle Kinderfilmempfehlungen. Für ,mich als Familienvater eine wunderbare Quelle der Inspiration – auch wenn meine Kleinen für die allermeisten Film noch zu jung sind. Der hier empfohlene, wirklich wundervolle „Molly Monster“ läuft bei uns allerdings schon in Dauerrotation und ist meiner Meinung nach auch schon für 4jährige geeignet.

– Andrea David ist für Filmtourismus.de nach Hope im kanadischen British Columbia gereist, dem Drehort von „Rambo“, und hat interessante Information und Geschichten über die Stadt und ein paar tolle Fotos von den Drehorten mitgebracht. Sehr schön!

– Ebenfalls Drehorte hat Mauritia Meyer von Schattenlichter besucht und zeigt uns, wie sich die Drehorte von Peter Patzaks „Parapsycho“ in Wien und Venedig zwischen 1975 und heute verändert haben.

– Einer der schönsten Artikel – in einer schönen Artikeln ungewöhnlich reichen Woche – haben Nino Klingler und Zeynep Tuna auf critic.de geschrieben. Sie stellen in einem langen Essay mit vielen Bild- und Filmbeispielen den legendäre türkischen Actionstar Cüneyt Arkin und seine wundersame Welt vor. Tipp!

– Und gleich das nächste Highlight. David schreibt auf Whoknows presents sehr, sehr ausführlich, interessant und unbedingt lesenswert über frühe sowjetische Animationsfilme von Nikolaj Chodataev, Ol‘ga Chodataeva, Zenon Komissarenko und Co. Ebenfalls essentieller Lesestoff in dieser Woche.

– Patrick Holzapfel macht sich auf Jugend ohne Film mit einer kleinen Gruppe an Enthusiasten auf nach Guinea, um das Stativ von Jean Rouch zu finden.

– Lucas Barwenczik macht sich auf B-Roll einige sehr kluge Gedanken über den (nicht ganz so neuen) Trend in Hollywood, Animes in Live-Action-Filme zu verwandeln. Und Alexander Matzkeit sinniert darüber, was im heutigen Kino noch echt und was Illusion ist. Und was das für das Kino bedeutet.

– Gerne erzähle ich die Anekdote, wie mich die mitternächtliche Kino-Vorstellung des koreanischen Films „A Tale of Two Sisters“ durch permanenten Adrenalin-Ausstoß bei den unheimlichen Szenen erst aus den Schlaf gerissen und dann noch viele Stunden um den selben gebracht hat. Da freue ich mich natürlich ganz besonders wenn Morgen Luft auf Cinematographic Tides ihn den besten Horrorfilm nennt, den sie bisher gesehen hat.

– Unbedingt auch empfehlenswert das „Gegenstück“ auf Ma-Gos Filmtipps, wo Morgen Luft und Ma Go den Film in ein virtuelen Ringkampf gegen sein US-Remake schicken.

– Lukas Foerster berichtet auf Dirty Laundry weiter vom 19. Besonders Wertlos-Festival, wo er Rolf Thieles „Versuchung im Sommerwind“ und Heinz Gerhard Schiers „Tränen trocknet der Wind“ sah.

Negativespace weißt darauf hin, dass Eckhart Schmidt drei neue experimentelle Filmprojekte, die um italienische Obsessionen kreisen, im Münchner Werkstattkino zeigt.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later in großer Schreiblaune und da fällt es schwer aus den vielen Filmbesprechungen ein paar auszuwählen. Auf jeden Fall sollte man seinen Text zu „Wake in Fright“ lesen, der mir namentlich zwar bekannt war – aus der Kotcheff-Retro in Oldenburg vor ein paar Jahren -, den ich aber bisher noch nicht so auf den Zettel hatte. Das hat sich geändert. Ferner berichtet er darüber, wie er u.a. mit „Zwei außer Rand und Band“ seine Spencer/Hill-Liebe an seine Tochter weitergab. Hach, noch ein paar Jährchen, dann kann ich das auch wagen. Ferner hat ihm Roger Cormans „St. Valentine’s Day Massacre“ ausgesprochen gut unterhalten.

funxton empfiehlt nachdrücklich Costa-Gavras „Das Geständnis“, den er mit einer 10/10 Wertung adelt.

– Christian ist auf Schlombies Filmbesprechungen so gar nicht von Mario Bavas „Baron Blood“ angetan – was ich gar nicht verstehen kann. Dafür hat ihm aber „Hatchet For a Honeymoon“ ausgesprochen gut gefallen – und da sind wir wieder beieinander.

Filmlichter bespricht den wundervollen „Under the Shadows“, der eins meiner Filmhighlights 2016 war und den ich ebenfalls nur jeden ans Herz legen kann. Interessanterweise legt Filmlichter die Schwerpunkte/Folgerungen seiner sehr guten Besprechung ganz anders, als ich es getan habe. Was für mich dann wieder ein interessanter Gewinn war.

Blu-ray-Rezension: „Das Grauen schleicht durch Tokio“

Von , 16. April 2017 12:45

Während eines heftigen Regenfalls gerät der Drogenschmuggler Misaki in Panik und schießt wild um sich, dann wird er von einem Taxi erfasst – und verschwindet. Nur seine Kleidung bleibt von ihm übrig. Die Polizei unter der Führung des Inspektors Tominaga (Akihiko Hirata) steht vor einem Rätsel. Tominaga vermutet, dass Misaki einem Bandenkrieg zum Opfer fiel und konzentriert seine Ermittlungen auf die Freundin Misakis, die Nachtclubsängerin Chikako Arai (Yumi Shirakawa). Diese wird auch von der Tokioter Unterwelt bedrängt, die ebenfalls auf der Suche nach Misaki ist. Bald schon verschwinden immer mehr Personen. Da schaltet sich der junge Wissenschaftler Dr. Masada (Kenji Sahara) ein, der glaubt, die seltsamen Vorgänge hingen mit einer hohen Strahlungsdosis zusammen. Doch die Polizei glaubt ihm nicht. Erst als die Polizisten selber einer grünen, schleimartigen Masse gegenüberstehen, schenken sie Masada Gehör…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Für viele ist der Name Ishirō Honda lediglich mit seiner bekanntesten Kreatur „Godzilla“ verknüpft, die er 1954 auf die Leinwand hievte und damit einen Film schuf, der es ins kollektive Pop-Bewusstsein der Menschheit geschafft hat. Auch durch die mittlerweile insgesamt 28 Nachfolgefilme, einer Zeichentrickserie, Gastauftritt in TV-Serien, zwei US-Remakes (okay, wenn man streng ist, dann nur einem), Comics, Werbespots und, und, und. Dabei war Honda zwar an vielen, aber längst nicht allen Godzilla-Filmen beteiligt. Schon bei der Fortsetzung „Godzilla kehrt zurück“ übernahm Motoyoshi Oda den Regiestuhl. Danach gab es erst einmal eine lange Pause und Honda hatte erst 1962 bei „Die Rückkehr des King Kong“ wieder mit dem großen Grünen zu tun. Zwischenzeitlich erschuf er auch andere, legendäre Monsterfilme, deren Hauptfiguren wie Mothra oder Rodan sich später auch in der Godzilla-Serie wiederfinden sollten. Und er inszenierte einige SF-Horrorfilme, von denen „Das Grauen schleicht durch Tokio“ einer der Bekanntesten ist.

Im Grunde gehört „Das Grauen schleicht durch Tokio“ zu dem kleinen, aber feinen Subgenre des Body-Melt-Films, der seine Anfänge u.a. in dem britischen Hammer-Film „Schock“ hatte und dann in den 80ern mit Werken „Street Trash“ oder „Body Melt“ einen drastischen Höhepunkt feierte. Und natürlich spielt „Das Grauen schleicht durch Tokio“ auch auf den großen amerikanischen Kassenerfolg „Der Blob“ an. Er verbindet damit Elemente von „Der Blob“ mit „Schock“ und vermischt dies mit einer großen Prise Yakuza-Film. Tatsächlich drängt sich der Yakuza-Anteil gerade in der ersten Hälfte so stark in den Vordergrund, dass man die „Flüssigen Menschen“ (der Originaltitel des Filmes lautet recht treffend „Die Schönheit und der flüssige Mann“) fast schon vergisst. Zumal sie zunächst auch nicht direkt gezeigt werden. Panische Gesichter, Schüsse und dann zurückgelassene Kleidung ohne menschlichen Inhalt – das ist alles, was man zu sehen bekommt. Die Polizei mag keine andere Möglichkeit als einen Gangsterkrieg in Betracht ziehen, so dass die Staatsmacht lange im Dunkeln tappt, während der Zuschauer schon lange weiß, wer hier durch Tokio schleicht. Oder auch nicht. Denn die Geschichte um die schleimig-grüne Flüssigkeit ist trotz ewig langer Erklärungen des erst spät in die Handlung eingreifenden jungen Helden Masada etwas konfus. Was ist diese grün-schleimige Flüssigkeit? Ein Wesen, welches fremde Leben assimiliert? Die kollektive Existenz der Opfer? Oder verwandelt es jedes einzelne Opfer in einen Geist? Letztere tauchen ja dann auch öfter mal auf. Und warum scheint „das Grauen“ einen Rachefeldzug für das erste Opfer, den Drogenschmuggler Misaki, zu führen?

Obwohl der Film alle Möglichkeiten für ein großes Spektakel mitbringt, kehrt Honda mit schöner Regelmäßigkeit zu unzähligen Dialogszenen zurück. Ständig sitzt das Polizei-Team zusammen, verhört jemanden oder stellt Theorien auf, von denen man weiß, dass sie nicht stimmen. Diese Tendenz zur Geschwätzigkeit bremst den Film immer wieder aus. Dabei versteht sich Honda ja eigentlich auf finstere, ebenso wie auf bunte Bilder. Eine nächtliche Attacke auf die Nachtclub-Sängerin Chikako oder die Seeleute auf dem Geisterschiff sind entsprechend düster oder im letzteren Falle auch tatsächlich unheimlich inszeniert. Die Musikszenen im Nachtclub stören überraschenderweise nicht, sondern sind bunte Farbtupfer in einer eigentlich recht grimmigen Geschichte. Auch davon hätte man gerne etwas mehr gesehen, stattdessen darf man sich dann wieder minutenlang pseudo-wissenschaftliche Vorträge anhören. Wenn „das Grauen“ dann aber zuschlägt, wird man für das lange Warten entschädigt. Zwar klafft die Qualität der Spezialeffekte weit auseinander – von peinlich-lieblos bis beeindruckend-explizit – doch Honda beweist ein gutes Händchen für die, zugegeben rar gesäten, Höhepunkte seines Films. Und bei den eher absurden Momenten (wenn beispielsweise ein Polizist eine Fensterscheibe zerschlägt, obwohl das Fenster direkt neben ihm offen steht und generell alle minutenlang und natürlich ziemlich erfolglos auf die Flüssigkeit schießen) bin ich mir sicher, dass sie von Honda mit einem Augenzwinkern absichtlich so eingebaut wurden.

Auch wenn das große Finale nicht nur etwas enttäuschend, sondern vor allem arg auch unübersichtlich ausfällt, und wenn weitaus mehr geredet als gehandelt wird, kann man „Das Grauen schleicht durch Tokio“ durchaus mögen. In einem der ersten Cinemascope Farbfilme der Toho merkt man noch die Freude, mit der Honda die neuen Möglichkeiten zumindest visuell ausprobiert. Sehr schön auch die hübschen Modelle des Tokioter Hafens, die am – dem Publikum der internationalen Fassung vorenthaltenen – Ende ein Raub der Flammen werden. Diese internationale Fassung ist gut sieben Minuten kürzer als die japanische Fassung. Es fehlen hier vor allem Dialogszenen, die entweder gänzlich getilgt oder stark gekürzt wurden. Was dem Film durchaus gut tut, auch wenn dadurch viele Bezüge zu den Atombombenversuchen der Supermächte verloren gehen. Stark gestrafft wurden auch die Tanz- und Gesangszenen im Nachtclub, sowie das Schicksal einer Tänzerin, die dem grünen Killerschleim zum Opfer fällt. Die Anolis-Scheibe bietet beide Fassungen an. Welche man bevorzugt, dürfte Geschmackssache sein. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Auch wenn „Das Grauen schleicht durch Tokio“ unter allzu vielen Dialogszenen leidet und das Drehbuch nicht wirklich glänzt, ist der Film doch für Freunde der japanischen Produktionsgesellschaft Toho und ihres bekanntesten Regisseurs Ishirō Honda essenziell. Aber auch alle anderen können mal einen Blick riskieren, selbst wenn die wirklich gelungen Szenen gegenüber den geschwätzigen klar in der Unterzahl sind.

Der neueste Eintrag in „Die Rache der Galerie des Grauens“ reiht sich in die wundervollen Präsentationen dieser Reihe ein. Von der Bildqualität her gibt es bei diesem 60 Jahre alten Film nichts zu kritisieren. Insbesondere in der Blu-ray-Version sind die Farben kräftig und das Bild sehr klar – ohne dabei etwas von seinem „Film-Look“ einzubüßen. Wie bereits oben geschrieben, liegt der Film sowohl in der langen Japanfassung, als auch in der gestrafften Internationalen Fassung (auf der die deutsche Kinofassung beruht) vor. Die Unterschiede werden hier eingehend beschrieben. Aber Vorsicht, Spoiler-Gefahr. Neben der deutschen, japanischen (nur bei der Japanfassung) und englischen (nur bei der Internationalen Fassung) Tonspur, kann man auch wieder zwischen zwei Audiokommentaren wählen. Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner konzentrieren sich vor allem auf die Auswertungsgeschichte japanischer Filme in Deutschland, während das bewährte Trio Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer sich auf ähnlich gelagerte Produktionen der Toho und ihre Bedeutung konzentrieren. Der deutsche Trailer, eine Bildergalerie, Werbematerial und das gut geschriebene, 16-seitiges Booklet von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck runden diese schöne Veröffentlichung ab.

Nachruf: Michael Ballhaus (1935-2017)

Von , 14. April 2017 15:50

Über Michael Ballhaus muss man nicht viele Worte verlieren. Er war einer der brillantesten, einfallsreichsten und berühmtesten Kameramänner der Welt. Gerade letzteres zeigt seinen großen Stellenwert in der Filmgeschichte. Sind doch die Namen selbst der Großen dieser Zunft oftmals nur einem interessierten Kreis bekannt. Schlechter ergeht es da oftmals nur den Drehbuchautoren. Michael Ballhaus war aber eine Legende. Berühmt geworden als Stammkameramann Faßbinders, dann in die USA gegangen, um dort eine langjährige Kooperation mit Martin Scorsese zu beginnen.

Doch Ballhaus sollte auf keinen Fall auf seine Arbeit für diese beiden Regie-Ikonen reduziert werden. Auch für andere Regisseure fing er grandiose, atemberaubende und vor allem immer als seine zu erkennende Bilder ein. Für Steve Kloves‘ wunderschön anzusehenden „Die fabelhaften Baker Boys“, für Robert Redfords Regiearbeiten, Kollegen Barry Sonnenfeld, Barry Levinson, Wolfgang Petersen, Prince (!) und Francis Ford Coppola bei dessen „Dracula“-Verfilmung.

Letztere scheint Ballhaus besonders am Herz gelegen zu haben. Als er im Herbst 2011 in Bremen zu Gast im City 46 sein sollte, hatte er sich ausdrücklich diesen Film gewünscht. Ich weiß noch, wie ich damals diesem Tag entgegenfieberte und extra Urlaub genommen hatte, um dabei sein zu können. Leider musste Michael Ballhaus kurz vorher aus persönlichen Gründen absagen. Ich war sehr traurig über diese verpasste Gelegenheit und hoffte, dass sich trotzdem irgendwann die Gelegenheit ergeben würde, Michael Ballhaus persönlich zu erleben. Diese ergab sich leider nie.

Nun ist Michael Ballhaus am 12. April im Alter von 81 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin verstorben. Bereits 2014 hatte er in Autobiographie öffentlich gemacht, dass er durch den grünen Star nach und nach seine Sehkraft verlor. Für einen Menschen, der ganz mit und durch die Augen lebte die Höchststrafe. Er selber sagte dazu: „Was mir bleibt, sind die Bilder im Kopf. Sie sind da und kommen immer wieder“. Seine Bilder werden auch uns im Kopf bleiben.

Kulturfestival „So macht man Frühling“ zeigt vier tschechische Filme im City 46 (mit Gästen)

Von , 12. April 2017 06:36

Wenn man mich nach meinen liebsten Filmländern fragt, steht weit oben auf der Liste mit Sicherheit immer Tschechien. Nicht nur, weil die tschechischen Kinderserien meine frühe Jugend so aufregend gemacht haben und eine meiner frühsten TV-Erinnerungen „für Erwachsene“ das „Krankenhaus am Rande der Stadt“ ist. Auf Filmfestivals steuere ich immer noch die tschechischen Filme mit als erste an und bin damit eigentlich noch nie reingefallen.

Im Rahmen des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings 2017 wird in Bremen das Deutsch-Tschechische Kulturfestival „So macht man Frühling“ veranstaltet. Im Rahmen dieses Festivals werden zwischen dem 27. und 30. April im City46 vier Filme gezeigt, die einen Einblick ins Filmland Tschechien geben sollen.

Gezeigt werden folgende Filme:

SCHMITKE (D, CS 2014, OmU) – 27.4. um 19:30 – In einen kleinen Ort an der deutsch-tschechischen Grenze soll der griesgrämiger Ingenieur Schmitke ein Windrad reparieren. Die nebelverhangene Landschaft des Erzgebirges schlägt Schmitke aufs Gemüt und merkwürdige Dinge passieren.

MENANDROS UND THAÏS (CS, A 2016, 129 Min., OmU) – 28.4. um 20:30 – Eine Art theatraler, surrealistischer Sandalenfilm. Menandros irrt durch eine antike Welt auf der Suche nach seiner von Piraten entführten Braut.

MARKETA LAZAROVA (CS 1967, 162 Min., OmU) – 29.4. um 19:30 – Ein experimentelles Mittelalter-Action-Epos, welches von Kritikern als bester tschechischer Film aller Zeiten gehandelt wird. Dank der unermüdlichen Arbeit des Labels BILDSTÖRUNG des Verleihs Drop-Out tourte der Film im letzten Mal erstmals durch die deutsche Kinolandschaft – aber leider nicht durch Bremen. Das wird nun im Rahmen des Kulturfestivals nachgeholt. Weitere Vorstellungen gibt es bis einschließlich 2.5. Toll, toll, toll!

GIRL POWER (CS 2016, OmU) – 30.4. um 20:00 – Dokumentarfilm um die tschechische Grafifiti-Künstlerin Sany. Zusammen mit dem Filmemacher Jan Zajícek hat sie über 7 Jahre hinweg weltweit nach weiteren Frauen in der immer noch stark männerdominierten Sprayerszene gesucht.

Bei dem Film SCHMITKE ist Regisseur Štěpán Altrichter und bei GIRL POWER die Grafifiti-Künstlerin Sany zu Gast!

Das Bloggen der Anderen (10-04-17)

Von , 10. April 2017 17:09

bartonfink_type2– Am 22. März verstarb der großartige Tomas Milian, dem ich hier einen längeren Nachruf widmete. Es hat mich etwas enttäuscht, dass diesem Ausnahme-Schauspieler nicht mehr Nachrufe im Netz folgten. Jetzt hat Udo Rotenberg auf L’amore in città Milians Tod zum Anlass genommen, um über einen sehr frühen Film mit dem jungen Milian – der damals vor allem in Filmkunstdramen zu sehen war – zu schreiben:  „Le soldatesse“ von Valerio Zurlini.

Filmlichter hat ein längeres Essay über Waffen im Film veröffentlicht und dabei die kontroverse These aufgestellt, dass die Darstellung von Waffen und der Umgang mit ihnen fest zum Kino gehören. Der Text ist ganz klar als Aufforderung zum Dialog zu verstehen, und der Autor des Essays betont, dass ihm der Austausch mit anderen zu diesem Thema sehr wichtig sei.

– Andreas Köhnemann hat für B-Roll Jakob Lass interviewt. Indirekt sehr Kinorelevant: Sonja Hartl in einem sehr lesenswerten Artikel über Kino-Regisseure, die „Tatorte“ drehen und wie das hier Kino dem TV helfen kann und andersherum  Und Patrick Holzapfel schreibt über den Mythos des „armen Filmemachers“.

– Auf Patricks Blog Jugend ohne Film hat sich Viktor Sommerfeld am Beispiel der Diagonale einige sehr interessante Gedanken über die Arbeit des Kuratierens eines Filmfestivals gemacht.

– Christoph Hochhäusler hat auf seinem Blog Parallel Film einen Beitrag wiederveröffentlicht, den er 2011 für „Revolver“ geschrieben hat. Darin geht es um Federico Fellini und wie sein Name an Bedeutung verloren hat, nachdem er in den 70ern quasi synonym für „Film“ stand. Außerdem hat er noch einen sehr, sehr schönen Text veröffentlicht, indem es zwar vordergründig gar nicht um Film geht, irgendwie aber schon um unzuverlässiges Erzählen, falsche Erinnerungen und  die daraus entstehenden Geschichten, die oftmals schöner als die Wirklichkeit sind.

Funxton bespricht auf seinem Blog Helmut Käutners „Hamlet“-Variante „Der Rest ist Schweigen“ und begeistert sich für „Love To Kill“, der auch als „The Last Horror Movie“ bekannt ist und den ich einst unter dem Titel „Manaic 2“ sah.

– Gerade fand das 19. „Besonders wertlos“-Festival statt. Lukas Foerster war dabei und schreibt auf Dirty Laundry über Uwe Frießners Berlin-Film „Baby“ und Walter Boos „Exorzisten“-Variante „Magdalena – Vom Teufel besessen“.

– Apropos „Exorzisten“-Variante.  Bluntwolf von Nischenkino hat sich mal ganz genau den berüchtigten „House of Exorcism“-Cut des ansonsten wundervollen „Lisa und der Teufel“ angesehen.

– Der österreichische Episodenfilm „Parapsycho – Spektrum der Angst“ – eine der ersten Regiearbeiten von  Peter „Kottan ermittelt“ Patzak – steht normalerweise nicht besonders hoch im Kurs. Ich mag recht gerne und freue mich, dass Mauritia Meyer von Schattenlichter das ganz ähnlich sieht.

– Andreas Eckenfels ist auf Die Nacht der lebenden Texte völlig zu Recht von Jean Rollins tollem „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ angetan.

– JackoXL hat sich auf Die drei Muscheln eines meiner Lieblingsfilme von Wes Craven angenommen: „Die Schlange im Regenbogen“. Ganz so toll wie ich fand er ihn scheinbar nicht (ich hatte ihn aber auch auf 35mm im Kino gesehen), aber trotzdem recht gut.

– Noch ein Film, der einen großen Platz in meinem Herzen hat ist – wie ich glaube ich letzte Woche schon erwähnte – „Halloween 3 – Season of the Witch“. Nicolai Bühnemann gibt dem Film auf filmgazette den hohen Stellenwert, der ihm auch gebührt. Und Wolfgang Nierlin schreibt über die griechisch-deutsche Co-Produktion „Nacktbaden“von Argyris Papadimitropoulos, die sich sehr vielversprechend anhört.

– Sehr bewegend klingt das Alkoholiker-Familien-Drama „Die beste aller Welten“ welches Gastautor Dr. Willy auf Wilsons Dachboden vorstellt.

– Flo Lieb von symparanekronemoi hat Ozu Yasujirōs letzten Film „An Autumn Afternoon“ gesehen, der ihm sehr gefallen hat.

– Oliver Nöding schließt auf Remember It for Later seine „Airport“-Besprechungen mit dem vierten Teil „Airport 80“ ab und stellt den besten Katastrophenfilm der 70er Jahre (und überhaupt) vor: „Das Poseidon Inferno“.

Filmbuch-Rezension: Benjamin Moldenhauer “Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm“

Von , 7. April 2017 16:18

„Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm“ ist der etwas sperrige Titel eines der interessantesten Filmbücher, die mir in den letzten Jahren untergekommen sind. Die erweiterte Fassung der Dissertation des Bremer Kulturwissenschaftlers Benjamin Moldenhauer ist ein echter Brocken, der aber gar nicht schwer im Magen liegt, sondern dem Kopf ordentlich Futter bietet, um möglicherweise bereits verkrustete Denkschemata zum Thema Horror und Gewalt aufzubrechen, an die frische Luft zu holen und ordentlich durchzulüften. Dabei wird nicht Altbekanntes wiedergekäut, sondern eine sehr nachvollziehbaren filmästhetische Theorie des Horrorfilms zur Gewalt der Bilder hergeleitet. Dabei gelingt Benjamin Moldenhauer das Kunststück, seinen wissenschaftlichen Text so zu formulieren, dass man als Laie, der nicht im Bereich Kulturwissenschaften oder Psychologie promoviert hat, trotz der vielen Fachbegriffe kein Problem hat, den Kernaussagen zu folgen.

Man muss allerdings auch die Bereitschaft aufbringen, sich von Moldenhauer durch die vielzähligen theoretischen Ansätze, seine Interpretationen und die sich daraus ergebenden neuen Denkansätze führen zu lassen. Das soll heißen: „Ästhetik des Drastischen“ ist keine Strandlektüre und erfordert vom Lesen schon ein gehobenes Maß an Konzentration und geistiger Regheit.

Für mich sehr aufschlussreich und gewinnbringend war vor allem der erste Teil des Buches, welcher sich primär mit der Geschichte des Horrorfilms und seiner Rezeption beim Publikum und in der Theorie auseinandersetzt. Das ist hervorragend formuliert und hergeleitet. Demnach war der Horrorfilm bis 1960 vor allem von dem Verdrängten der Seele, dem freudschen Kampf von Über-Ich, ich und Es geprägt. Eine Deutung, die sich bis heute gehalten hat. Für Moldenhauer stellt aber die Premiere von „Psycho“ im Jahre 1960 eine Zäsur da, da hier ein neues Element dazu kam und dem freudschen Prinzip des „Heimlichen“ und „Unheimlichen“ eine ganz konkrete Angst entgegen gesetzt wurde. Horror heißt hier dann wirklich Schrecken und Angst. Die Filme zielten auf die Erfahrung des Publikums und wollte einen körperliche Reaktion hervorrufen. Primär ging es um die Furcht um die eigene körperliche Unversehrtheit, der Furcht, dass einem selber etwas schlimmes, schmerzhaftes zustoßen könne. Was dies sein könnte, wurde nun „drastisch“ auf der Leinwand gezeigt. Das „Monster“ lebt also nicht mehr in der eigenen Seele, sondern ist Bedrohung von außen, die darauf aus ist uns grausame Schmerzen zuzufügen. Und diese Bedrohung muss nicht zwangsläufig übernatürlicher Herkunft sein, sondern kann ihre Wurzeln auch in dem Grausamen haben zu dem Menschen fähig sind.

Der anschließende Teil, der sich vor allem eine weitergehende Erklärung psychologischer Theorien und die Abrechnung damit ist, wäre meines Dafürhaltens nicht zwangsläufig nötig, um Moldenhauers Theorie des Drastischen nachzuvollziehen, ist für an psychologischer Theorie Interessierte aber ein zusätzliches Bonbon.

In der zweiten Hälfte des Buches wird die Theorie des Drastischen an vier konkreten Beispielen detailliert erläutert. Diese sind Tobe Hoopers „Texas Chain Saw Massacre„, Wes Cravens „Last House on the Left„, Alexandre Ajas „The Hills Have Eyes„-Remake und Rob Zombies „The Devil’s Rejects„. Einerseits erläutert Moldenhauer hier, was diese vier Filme in dem Zuschauer auslösen, andererseits nimmt er den Leser auch gleich mit auf eine Reise durch das Backwoods-Genre, dem Rape’n‘-Revenge-Film, den sogennanten „Torture Porn“, stellt Originale und Remakes gegeneinander und arbeitet die unterschiedlichen Wirkungen der Filme auf den Zuschauer heraus. Besonders interessant sind dabei seine Beobachtungen zu „The Devil’s Rejects“, dem er merklich zwiegespalten gegenübersteht.

Zusammengefasst, eines der spannendsten und geistreichsten Bücher über den oftmals verfemten, häufig einseitig betrachteten oder überpsychologisieren Horrorfilm, das frische und jederzeit gut nachvollziehbare Argumente für eine neue Herangehensweise an die theoretischen Grundlagen dieses Genres liefert. Klare Empfehlung.

Benjamin Moldenhauer Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm„, Bertz+Fischer, 360 Seiten, € 25,00

„Shin Godzilla“ läuft am 03. und 05. Mai in Bremen

Von , 6. April 2017 20:05

Das „Tanz der Teufel“-Event kürzlich hat es scheinbar vorgemacht. Film-Events mit einem begrenzten Start und nur sehr kurzer Laufzeit scheinen von den Filmverleihen als Möglichkeit gesehen zu werden, nicht nur Werbung für ihre Heimkino-Veröffentlichung zu machen, sondern auch für die Kinos zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Nischenpublikum in größerer Zahl in die Kinos zu locken.

Ich vermute mal, dass es sich finanziell nicht lohnen würde, einen Film wie „Shin Godzilla“ über eine Woche zu zeigen, aber an zwei Tagen (oder einen, wie bei „Tanz der Teufel“, könnte schon überdurchschnittlich viel Publikum an diesen Tagen in den Kinosaal bringen. Dazu müssen nur die Verleihe mitspielen und keine übermäßig hohen Leihgebühren und exorbitante Garantiesummen verlangen.

Generell predige ich ja schon seit Jahren das Mantra, dass die Zukunft des Kinos in einer „Eventisierung“ liegt. Bestes Beispiel auch: Das Open-Air-Kino am Schlachthof, wo wir mit Weird Xperience auch mal über 100 Zuschauer hatten, obwohl wir mit einem gleichen Programm im City 46 oder der etage 3 oftmals mit Zuschauerzahlen im einstelligen Bereich kämpfen mussten. Das Thema wäre einen ganz eigenen Blogbeitrag wert, aber hier soll es nun um dem lang erwarteten „Shin Godzilla“ gehen.

„Shin Godzilla“ ist die japanische Antwort auf das Hollywood-Remake und nach „Final Wars“ im Jahre 2004 der erste „echte“ Godzillafilm in 13 Jahren. Und darum geht es:

In der Bucht von Tokio kommt es zu unerklärlichen Ereignissen: Eine Yacht treibt auf dem Wasser, der Besitzer ist spurlos verschwunden. Zur gleichen Zeit scheint unweit davon wie aus dem Nichts ein Vulkan auf dem Meeresgrund auszubrechen. Doch schnell wird klar, dass die Geschehnisse von einem lebenden Organismus ausgegangen sein müssen. Erste Videos der unbekannten Kreatur tauchen auf: Es ist riesig und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Stadt zu.

Die Behörden müssen schnell handeln, um die Bevölkerung vor einer Katastrophe zu schützen. Doch in keinem Notfall-Plan der Welt ist geregelt, wie man mit einem unbekannten, gigantischen Monster umgeht. Einem Mitglied der Regierung werden bislang unveröffentlichte Aufsätze eines Forschers zugespielt, die das Geschöpf zu erklären versuchen – und ihm einen Namen geben: Godzilla!

Mit Hilfe der Experten setzt die Regierung alles daran, es zu besiegen, doch der Zerstörungswahn von Godzilla wird immer größer.

Der Trailer und die ersten Bilder zum Film sehen schon mal sehr gut aus. Und „Godzilla“ darf endlich wieder so richtig böse sein. Ich freue mich schon sehr auf den Film, der am 03. und 05. Mai im Kristall-Palast Cinestar auf der großen Leinwand zu sehen wird.

Das Filmforum Bremen zwitschert jetzt auch auf Twitter

Von , 5. April 2017 15:45

Auch ein alter Sack wie ich muss ab und an mit der Zeit gehen. Darum habe ich mich nach anfänglicher Aversion nun auch mal mit Twitter auseinandergesetzt. Ich gebe zu, so ganz habe ich den Nutzen und die Spielregeln noch nicht in Gänze verstanden. Aber das wird hoffentlich noch.

Also, wer mir gerne folgen möchte, der kann dies unter https://twitter.com/FilmforumBremen gerne tun.

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