„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 18 erhältlich

Von , 18. Januar 2017 16:02

Etwas spät der Hinweis darauf, dass bereits seit Ende Dezember das neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erhältlich ist. Titelthema ist diesmal das deutsche Nachkriegskino, wozu ich einen langen Artikel über den Regisseur und Drehbuchautoren Will Tremper geschrieben habe. Eine ausgesprochen schillernde Gestalt und „ein unmöglicher Typ“.

TITELSTORY: DEUTSCHES NACHKRIEGSKINO
– Einführung: Das Kino unserer Großväter
– DIE MÖRDER SIND UNTER UNS – Aber wir haben die Pflicht Anklage zu erheben
– HILDEGARD KNEF – Geliebt, verdammt, verehrt
– HELMUT KÄUTNER – Vom Filmpoeten zum Gesellschaftskritiker
– WILL TREMPER – Ein unmöglicher Typ
– DER DEUTSCHE HEIMATFILM NACH 1945 – Ein Balanceakt zwischen Trivialität und filmhistorischer Relevanz

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 4

A CHRISTMAS CAROL – Die Verfilmungen von Charles Dickens Erzählung

PSYCHOLOGIE DES HORRORS – Roger Cormans Edgar Allan Poe-Verfilmungen

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 1: Pfiffe in Cannes

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE – DIE SIEBEN SAMURAI / DIE GLORREICHEN SIEBEN

RUBRIK: ON SET – 2. CINEFONIE-TAG SAARBRÜCKEN

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DAS ZEHNTE OPFER

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – DER GOLEM

Heft #18 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Das Bloggen der Anderen (16-01-17)

Von , 16. Januar 2017 17:45

bartonfink_type2– Vorletztes Wochenende fand der 16. Hofbauerkongress statt und die Teilnehmer haben im Laufe der Woche fleißig davon berichtet. Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry sein Ranking der gesehen Filme veröffentlicht, Oliver Nöding beglückt uns daheimgeblieben auf Remember It For Later mit einer eingehenden Besprechung solcher Titel wie „Eva Nera“, „Heubodengeflüster“ oder „Verbotene Spiele auf der Schulbank“.  Und Alex Klotz fasst auf hynosemaschinen noch einmal seinen ersten Kongress-Tag zusammen.

– Im Martin Schmitz Verlag sind zwei (wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann) Filmbücher erschienen. Christian Keßlers „Das versteckte Kino“ und Markus Stigleggers „Grenzkontakte“. Hans Helmut Prinzler stellt beide Werke vor.

– Rochus Wolff schreibt auf Kinderfilmblog über die Kinderfilm-Highlights, die uns 2017 erwarten. Pflichtlektüre für cinephile Eltern.

– Ekkehard Knörer ärgert sich auf cargo gehörig über eine Arte-Doku über die „Berliner Schule“.

– Sven Safarow interviewt auf Eskalierende Träume den mir bisher unbekannten Filmemacher Lutz Dammbeck über sein Film-Essay „Overgames“.

– Patrick Holzapfel findet auf Jugend ohne Film neue Facetten an Roberto Rosselinis „Stromboli“.

– Auf B-Roll befasst sich Patrick dann sehr eingehend mit dem Phänomen der „Video-Essayisten“, laut Medien die „Superstars der Filmkritik“. Falk Straub reflektiert über den Status der US-Mainstream-Komödie und deren „Sturzflug“. Und Lucas Barwenczik fragt provokant: „Sind manipulative Filme etwas Schlechtes?“.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Hard Sensations den indischen Thriller „Psycho Raman“, der hierzulande gerade bei Rapid Eye Movies erschienen ist.

– Auch wenn sich Oliver Armknecht in seiner Besprechung des österreichischen Psycho-Thrillers „Die Hölle – Inferno“ nicht ganz so überzeugt anhört, so machen mich seine Zeilen auf film-rezensionen.de doch recht neugierig auf den neuen Film des Oscar-Gewinners Stefan Ruzowitzky.

– Oha, Andreas Dresen hat eine meiner schönsten und prägendsten (Horst Frank!) Kinder-TV-Erlebnisse neu verfilmt: „Timm Thaler“! Und diese laut Peter Gutting auf cinetastic auch sehr überzeugend. Bin gespannt.

– Noch ein Lieblingsfilm und früher Einfluss auf meine Filmleidenschaft: Howard Hawks‘ „Rio Bravo“. Neu gesehen von Simon Kyprianou auf Die Nacht der lebenden Texte.

– Und noch eine Kindheitserinnerung. Gesehen habe ich ihn damals nicht, aber den Titel in der TV-Zeitschrift gelesen und dabei wirklich gedacht, der Herr Graf würde hier ins Miniaturformat geschrumpften Damen nachstellen. Wie das dann aussieht und warum überhaupt war für mich kleinen Steppke damals eine großes Faszinosum. Heute weiß ich es besser, was „Mini-Mädchen“ sind. Totalschaden auf Splattertrash über „Dracula jagt Mini-Mädchen“.

– Morgenluft auf Cinematographic Tides über ihr Kinoerlebnis mit der „Taschendiebin“.

– Der nachfolgende Artikel fällt zwar etwas aus meiner Zeitschiene (der wurde nämlich schon in der vorletzten Woche veröffentlicht), da hatte ich ihn allerdings nicht entdeckt, sondern stolperte jetzt vorgestern zufällig drüber. Ich finde ihn aber so schön, dass ich ihn in dieser Woche einfach noch einmal mit aufnehme. Kinogucker war schon in jungen Jahren ein Kinofan und ärgerte sich 1984 maßlos darüber, dass in seiner damaligen Heimat die Filmvorführer den Film schon vor mit Einsetzen des Abspanns abwürgten. Also schrieb er damals an die größten Verleihe, was er dagegen tun könne und erhielt auch tastsächlich antworten. Diese hat er nun in seinem Blog online gestellt. Ein wundervolles Zeitdokument.

Blu-ray-Rezension: „Das Grauen aus der Tiefe“

Von , 11. Januar 2017 20:49

das-grauen-aus-der-tiefeIn dem beschaulichen Fischerdorf Noyo an der Westküste der USA passieren merkwürdige Dinge. Ein Boot fliegt scheinbar ohne Grund in die Luft und unschuldige Hunde werden bestialisch abgeschlachtet. Schließlich verschwinden noch einige junge Menschen. Der Mob der Stadt unter Führung des rassistischen Hank Slattery (Vic Morrow) machen Johnny Eagle (Anthony Pena), einen Indianer, für die Vorfälle verantwortlich. Johnny behauptet jedoch, ein fischähnliches Monster gesehen zu haben. Bald schon macht er sich zusammen mit Dr. Susan Drake (Ann Turkel) und seinem Freund Jim Hill (Doug McClure) auf die Suche, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schnell werden sie fündig und bekommen heraus, dass die Fischmonster genmanipulierte Lachse gegessen haben und zu menschenähnlichen Wesen mutiert sind, die sich fortpflanzen wollen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Die 80er Jahre haben viel hervorgebracht, was in den ach so coolen 90ern verlacht wurde, sich heute aber wieder seinen Platz in den Herzen der Filmfreunde zurückerobert. Insbesondere der B-Film der frühen 80er erfreut sich wieder einer großen Beliebtheit. Und ein hervorragendes Beispiel für eben diese B-Filme ist der unglaubliche „Das Grauen aus der Tiefe“, dessen Originaltitel „Humanoids from the Deep“ wie ein Misfits-Song klingt. Produziert wurde dieser kleine Kultfilm von der Legende Roger Corman für seine damalige Produktionsgesellschaft New World Pictures. Die Regie übernahm überraschenderweise eine Frau – zumindest offiziell, dazu später mehr – und die Darstellerriege wird vom alten Cowboy Doug McClure angeführt, dessen besten Jahre damals auch schon etwas zurücklagen. Und es geht um Fischmonster aus dem Meer, die an Land junge, hübsche Mädchen jagen und vergewaltigen. Also ein Stoff, aus dem Exploitation-Träume sind. Dementsprechend erfolgreich war der Film dann auch. So erfolgreich, dass 1996 sogar ein Remake folgte.

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Zunächst einmal klaut sich „Das Grauen aus der Tiefe“ durch die Filmgeschichte. Gleich der Anfang erinnert mit seinen Kameraeinstellungen und der Musik frappierend an „Der weiße Hai“, die frauenverrückten Fischwesen sind natürlich Verwandte des „Schreckens vom Amazonas“, die Umweltproblematik hat man schon in „Piranhas“ und „Die Prophezeiung“ gehabt, die Hinterwäldler kennt man aus Filmen von „Wer Gewalt säht“ bis „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und am Ende guckt noch das „Alien“ vorbei. Aber das stört alles nicht, sondern macht ganz im Gegenteil den Charme dieses kleinen, schmutzigen B-Films aus, der vor allem auf ein setzt: Blut und Titten. Letzteres dürfte aber nicht auf dem Mist seiner Regisseurin Barbara Peeters gewachsen sein. Wenn man den Ausführungen der Beteiligten in den Making-Ofs Glauben schenkt, ist „Das Grauen aus der Tiefe“ ein Fall von Zwei-Filmen-in-Einem. Während Peeters einen sehr straighten und düsteren Monsterfilm mit dem Titel „Beneath the Darkness“ drehte, schickte Corman ein zweites Team unter der Führung von Jimmy T. Murakami los, welchen einen komplett anderen Film dreht, der sehr viel mehr mit hemmungsloser Exploitation zu tun hatte. Als Barbara Peeters das Ergebnis sah, welches Cutter Mark Goldblatt (später Regisseur des Lundgren’schen „Punisher“) aus den beiden Elementen zusammengefrickelt hatte, war sie entsetzt. Neben den extrem blutiger Monster-Angriffen im Schutze der Nacht, gab es jetzt auch plötzlich noch Szenen, in denen die Fischmonster am helllichten Tag ihren knackigen, jungen, weiblichen Opfern den Bikini vom Leib rissen und sich um die Fortpflanzung kümmerten. So wild das Ergebnis dies Mash-Ups auch war, Corman landet damit einen Hit.

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Für einen jungen James Horner, der sich später zu einem der größten Filmkomponisten Hollywoods mauserte und für „Titanic“ den Oscar gewann, war „Das Grauen aus der Tiefe“ die erste größere Arbeit. Seine Musik verlieht dem Geschehen eine epische Ernsthaftigkeit, die fast gar nicht zu dem Geschehen auf der Leinwand passen will, dieser aber auch nach weit mehr aussehen lässt. Geschickt verwendet Horner auch Motive aus den Vorbildern bei denen sich „Das Grauen aus der Tiefe“ bedient. Geschäftsmann der er ist, verwendete Corman Teile des edlen Scores dann auch in späteren Produktionen. Was auch für einige Action- und Monsterszenen gilt, die dann teilweise in „Der Vampir aus dem All“ auftauchen. Mit seinen gerade Mal 80 Minuten lässt „Das Grauen aus der Tiefe“ auch keine Langweile aufkommen. Ständig ist was los. Es gibt Schlägereien, fiese Brandanschläge, es wird sich beim Slasherfilm bedient und wenn schließlich die Monster beim großen „Lachsfest“ zuschlagen, sorgt Daniel Lacambres gute Kamera und Mark Goldblatts Talent als Cutter dafür, dass die drei Männer in Gummikostümen aussehen wie eine Armee Fischmenschen.

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„Das Grauen aus der Tiefe“ ist ein 80er-Jahre-B-Film at it’s best. Eine abstruse Handlung, die ordentlich aus anderen Filmen zusammen klaut, viel Sex, deftige, handgemachte Effekte und das alles sauber mit einigen Veteranen in den Hauptrollen inszeniert. Das macht Spaß und weckt nostalgische Gefühle.

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Die Luxus-Ausstattung, die OFDb Filmworks diesem Film angedeihen ließ, ist fast schon zu edel für dieses kleine, aber feine B-Filmchen. Auf drei Scheiben finden sich neben dem Film auf Blu-ray und DVD zahlreiche Extras. Der Film selber hat gleich zwei Audiokommentare spendiert bekommen. Einen vom Cutter Mark Goldblatt und einen vom bewährte Team Kai Naumann & Marcus Stiglegger. Ein sehr informatives „Making Of“ strotzt nur so vor Anekdoten und bringt in seinen nur 23 Minuten ein Maximum an Wissenswertem unter. Ferner gibt es noch zwei Featurettes mit Sound Designer David Lewis Yewdall (15 Min.) und Creature Effects Artist Steve Johnson (22 Min.), die beide auf sehr unterhaltsame Weise nicht nur ihre Spezialbereiche näher beleuchten, sondern auch etwas über ihren Werdegang und die ihre Arbeit an sich erzählen. Wie schon bei „Thief“ hat sich OFDb Filmworks auch hier eine einstündige Episode der Reihe „The Directors“ gesichert. Diesmal handelt sie von Roger Corman. Neben einem sehr kurzem Interview von Leonard Maltin mit Roger Corman (knapp vier Minuten), gibt es noch Trailer, TV-Spots und sonstiges Werbematerial. Des weiteren liegt noch ein 16seitiges Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch bei, der sich allerdings weniger um den Film als vielmehr um die „Beach Party“-Serie aus den 60ern dreht. Auch wenn „Horror of Beach Party“ an einigen Stellen immer wieder als Vorbild für „Das Grauen aus der Tiefe“ genannt wird, halte ich diese Verbindung und vor allem die Beschäftigung mit der Serie für etwas weit hergeholt. Kann man aber machen. Bild und Ton lassen keine Wünsche übrig. Das Bild hat einen sehr hübschen 80er-Look, wie man es von den preisgünstigen Produktionen bis zum Mitte des Jahrzehnts kennt. D.h. das Bild ist etwas dunkel und körnig, hat aber satte, wenn auch etwas dunklere Farben. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, ist gut zu verstehen und in orignialen 2.0 Stereo belassen. D.h. er kommt nur von vorne.

Das Bloggen der Anderen (09-01-17)

Von , 9. Januar 2017 17:14

bartonfink_type2Frohes Neues Jahr liebe Leser. Nach einem kurzen Winterschlaf bin ich mich wieder aus meiner Höhle gekrochen und habe mich umgesehen, was die Kollegen so in der Zwischenzeit getrieben haben.

– Da sind natürlich erst einmal die vielen Rückschauen auf 2016, sowie einige Vorschauen auf 2017. Bei der folgenden Übersicht habe ich nur Berücksichtigt, was seit dem 1. Januar veröffentlicht wurde. Da einige Blogs sicherlich noch im alten Jahr ihre Listen veröffentlicht haben, bitte ich es daher zu entschuldigen, wenn aufgrund des zeitlichen Rahmens nicht jeder auftaucht. Mein Lieblingsjahresrückblick (und gleichzeitig der ausführlichste) stammt von David, der auf Whoknows presents nicht nur von seinen schönsten und schlimmsten Kinoabenteuern berichtet, sondern auch zu den vielen Filmen in seinen Liste kurze persönliche Statements zum wieso, weshalb und warum gibt. Ebenfalls sehr gelungen finde ich den Rückblick von Bianca und Marco auf Duoscope, die kurzerhand das Filmjahr 2016 interviewen. Schöne Idee. Ebenfalls sehr ausführlich geht Christian Witte von Witte’s Wöchentliche Tipps zu Werke. Da gibt es auch viel und interessantes zu Lesen. Sehr viel Mühe hat sich auch Flo Lieb von symparanekronemoi gegeben, der nebens einen persönlichen Top10 auch noch einen Überblick über die erfolgreichsten Filme in diversen Ländern gibt. Short Cuts Totale führt eine kommentierte Top 53 auf. Viel kürzer geht es dann auf Kuleschow-Effekt zu. Wobei ich mich hier bei der Nr.1 der Flops ziemlich verschluckt habe. „Ich – ein Groupie“? Top-Flop? Puuuhh… durchatmen. Auch Sir Donnerbold von sdb-film macht sich seine Gedanken über das abgelaufene Filmjahr. Wer es mag: Liste, Listen. Listen. Mal mit, mal ohne Einführung, immer ohne Kommentar, manchmal das Komplettprogramm des Jahres, manchmal auf Top 10 beschränkt: Eskalierende Träume. Kurz und knackig bei Sebastian vom Magazin des Glücks und einen Tick länger bei Michael von Schneeland. Kurze Entdeckungen 2016 von den Drei Cineasten.  Auch Hans Helmut Prinzler sortiert seine Filme des Jahres 2016 und die besten Filmbücher. Sascha von PewPewPew gibt schon mal einen Überblick, worauf er sich in 2017 filmisch freut. Bei Okaeri gibt es eine Liste mit den wichtigsten Terminen, was Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Japan/Asien es 2017 gibt. Und film-rezensionen.de veröffentlicht die Black List der besten unverfilmten Drehbücher 2016.

– Der wichtigste und spannendste Artikel in dieser Woche stammt für mich von Urs Spörri und wurde auf B-Roll veröffentlicht. Er handelt von der Frage, ob Filmfestivals in Deutschland wichtiger denn je sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass es in Bremen noch immer kein „richtiges“ Filmfestival gibt, finde ich die Antwort auf diese Frage sehr erhellend. Andreas Köhnemann beschäftigt sich anlässlich von Tom Fords Film „Nocturnal Animals“ mit dem „shabby chic“ des neuen „cinéma du look“.

– Vergangenes Wochenende war wieder „Hofbauer-Kongress“ in Nürnberg und dies schlägt sich ja auch immer auf die Inhalte einige Filmblogs nieder. So hat Lukas Foerster auf Dirty Laundry über Joe D’Amatos dort gezeigten Film „Dirty Love“ geschrieben.

– Und auf Eskalierende Träume gab es Vorschauen auf die Filme „Mit der Pille umso toller“ (Text von Oliver Nöding) und „Sytrtaki – Erotik ohne Maske“ (Text vom hofbauer-Kommando).

„Arschgesichter, Disneykinder und poetische Überschüsse – Die Filme von Brian Yuzna und Stuart Gordon“ heißt das wunderbare Dossier auf filmgazette, welches Nicolai Bühnemann mit Hilfe von Lukas Foerster und Jochen Werner erstellt hat. Eine ganz große Leseempfehlung!

– Patrick Holzapfel schreibt: „Im Rahmen der Schau Last Silents im Filmarchiv Austria kam es zu einer tragischen Begegnung zwischen dem Licht und dem Schatten in Jean Grémillons Gardiens de phare. Es ist ein Film, der im enthusiastischen Dialog mit dem Aufbruch im französischen Kino jener Zeit steht (nicht umsonst heißt der Autor des Drehbuchs Jacques Feyder und einer der begeistertsten Kritiker Marcel Carné) und der die avantgardistischen und realistischen Strömungen dieser Zeit in einen dramatischen und abstrakten Strudel verdichtet.“ Mehr auf Jugend ohne Film.

– Michael Schleeh ist begeistert von Park Chan-wooks „The Handmaiden“. Warum, das schreibt er auf Schneeland.

– Vitellone empfiehlt auf Die drei Muscheln ebenfalls einen südkoreanischen Film: „The Wailing“, ein „düsteres Potpourri (…) (der) zahlreiche Elemente des Dramas, sowie des Horror-, Mystery- und Thrillergenres (bedient)“.

– Seitdem ich die empfehlenswerte Doku „Wadd: The Life and Times of John C. Homes“ gesehen habe, wollte ich mir immer mal die „spielfilmvariante“ „Wonderland“ mit Val Kilmer ansehen. Habe ich leider nie geschafft. Aber wie Christian Genzel auf Wilsons Dachboden schreibt, habe ich da jetzt auch nicht so viel verpasst.

– Marco von Duoscope ist sehr von dem gerade in den Kinos laufenden „Passengers“ verärgert. Was er unter der Überschrift „Rape-Culture im All“ näher ausführt.

– „Manipulative Dokumentarfilmer beschweren sich über einen manipulativen Dokumentarfilmer. So in etwa kann man „Manufacturing Dissent – Michael Moore auf der Spur“ bezeichnen“ meint Christian auf Schlombies Filmbesprechungen, und das wäre auch gleichzeitig das Interessante an diesem Film.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf L’amore in città mit „l boom“ von Vittorio De Sica, dem leider trotz (oder gerade aufgrund?) seiner Bissigkeit kein Erfolg beschieden war.

– Normalerweise sind TV-Serien auf diesen Seiten tabu. Aber manchmal mache ich auch Ausnahmen. Diesmal sogar zwei. Zunächst sei hier der Hinweis erlaubt, dass sich Oliver Nöding auf Remember It For Later durch den frühen „Derrick“ arbeitet.

– Und dann hat sich LZ auf screen/read mit einem der großen Helden meiner Kindheit beschäftigt: Captain Future!

Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2016

Von , 31. Dezember 2016 12:39

Es war ein merkwürdiges Jahr. Ich war ja sicher, dass nach dem für mich sehr schwierigen 2015 das neue Jahr Glück bringen wird. Schließlich sind die geraden Jahre bei mir in der Regel immer gute Jahre gewesen. Der überraschende Tod eines meiner großen Helden, David Bowie, am 10. Januar, war ein Vorzeichen dessen, was da noch alles kommen sollte. Nie werde ich den Augenblick vergessen, als ich von seinem Tod erfuhr. Es war so ein unwirklicher Moment. So wie der, als es am 21. April meinen anderen Musik-Gott erwischte: Prince. Da war es nur folgerichtig, dass der Schnitter am 7. November auch noch Leonard Cohen holte, der mich einst mit seiner Songs durch eine dunkle Zeit begleitete. Mit den ganzen Verlusten im Filmbereich will ich gar nicht erst anfangen. Dafür sind zu viele. Nur zwei, die mich sehr berührt haben, seien hier trotzdem erwähnt: Der große Andrzej Żuławski und natürlich Bud Spencer. Die ganzen humanitären und politischen Katastrophen machen eigentlich auch nicht gerade Mut für die Zukunft.

Für mich selber war es auch kein einfaches Jahr. Die ganzen Umstände um den Hauskauf und den ganzen bösen Überraschungen, die damit einher gingen, ließen mich mehr als einmal zutiefst verzweifeln. Aber es gibt auch gute Dinge. Die Kinder sind gesund und beruflich hat sich die erzwungene Veränderung des letzten Jahres als ausgesprochen positiv herausgestellt. Jetzt macht der Job direkt wieder Spaß. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt. Ich sehe für meine persönliche Situation auf jeden Fall nicht mehr ganz so schwarz, wie noch vor genau einem Jahr.

Wie jedes Jahr, schaue ich auf diesmal wieder zurück, was ich mir letztes Jahr an dieser Stelle vorgenommen habe. „Mehr Gedrucktes“ war einer meiner Vorsätze. Nun, bei „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ habe ich regelmäßig Artikel geschrieben. Darunter sind einige, auf die ich recht stolz bin. Mittlerweile bin ich dort auch „stellvertretender Chefredakteur“ geworden, was sich jetzt aber weitaus bedeutungsvoller anhört, als es ist. Trotzdem war es mit der „35 Millimeter“ ein sehr aufregendes Jahr und viele Dinge haben mich lange beschäftigt. Dann gab es noch ein Booklet-Projekt, bei dem ich nicht weiß, ob ich schon drüber sprechen kann. Wenn es soweit ist, werde ich hier aber berichten, worum es sich handelte. Etwas enttäuscht bin ich darüber, dass das Fulci-Buch, zu dem ich vorletztes Jahr zwei Artikel beigesteuert habe, nach einem Jahr noch immer nicht veröffentlicht ist. Aber vielleicht tut sich da ja im nächsten Jahr irgendwann mal was. Für 2017 habe ich mir jetzt vorgenommen, ein größeres Buch-Projekt, welches ich vor vier Jahren auf Eis gelegt hatte, wieder aufzutauen. Einen ersten Schritt habe ich schon gemacht, jetzt warte ich mal ab, was sich da entwickelt.

Viel Freude hat wieder Weird Xperience bereitet. Zweimal (bei „Der Bunker“ und „Turbo Kid“) waren wir sogar nahezu ausverkauft. Dafür waren bei anderen Vorstellungen (wie bei „True Love Ways“) auch mal nur drei zahlende Gäste da. Aber die Reihe macht Stefan und mir noch immer viel Spaß, und die Zusammenarbeit mit der etage3 im Lagerhaus ist auch ausgesprochen herzlich. Das Highlight war in diesem Jahr natürlich wieder das Open Air am Schlachthof, wo bei den beiden „Weird Xperience“-Tagen– trotz düsterer Vorzeichen – auch das Wetter mitgespielt hat. Das Open Air hat immer eine ganz besondere Atmosphäre und bringt uns regelmäßig mehr Gäste als ein ganzes Jahr regulärer Vorstellungen. Das macht Spaß! Vor allem, wenn man so tolle Gastgeber wie das Team von der Schlachthof Kneipe hat. Apropos: Danke auch wieder an Stefan, ohne den das ganze Ding nicht so toll laufen würde. Für 2017 haben wir auch schon so einiges geplant. So wird es im ersten Halbjahr drei Kooperationen gebe, über die dann in den nächsten Tagen auf der Homepage von „Weird Xperience „berichten werden.

Meine zwei cineastischen Höhepunkte waren auch 2016 wieder das Internationale Filmfest in Oldenburg und das siebte Deliria-Italiano-Forentreffen. In Oldenburg habe ich zwar nicht Nicolas Cage (oder Amanda Plummer), dafür aber einige hervorragende Filme gesehen. 2016 war ein sehr guter Jahrgang, was die Oldenburger Filmauswahl angeht. Und auch die Atmosphäre war wieder „kuscheliger“ als im Vorjahr. Mit Deliria Italiano waren wir dieses Jahr in Düsseldorf zu Gast. Und es war mal wieder traumhaft. Auch wenn der eine oder andere diesmal schmerzlich vermisst wurde, so waren wir am Ende doch noch einmal mehr als in Wien 2015. Es ist schon der Wahnsinn, dass sich zu diesem Event immer so viele nette, umgängliche und interessante Menschen einfinden. Das gibt doch Hoffnung, dass die Welt nicht ganz so schlecht ist, wie sie immer tut.

Der Blog hier lief 2016 nicht ganz so, wie ich es mir gewünscht habe. Seit Mitte Januar liegen die Besucherzahlen bis auf wenige Ausreißer konsequent unter denen des Vorjahres. Am Ende waren es 16% weniger Besucher, die sich auf dem Filmforum Bremen umschauten. Woran das liegt?  An den längeren Auszeiten, die ich mir gegönnt habe und damit daran, dass ich 2016 im Zeitraum Januar bis November gerade mal 95 Artikel gepostet habe. Im Vorjahr waren es 140. 32% weniger Artikel = 16 % weniger Besucher. Das macht Sinn. Da ich optimistisch davon ausgehe, dass 2017 mein Privatleben etwas ruhiger wird, werden es hoffentlich auch wieder mehr Artikel werden. Vor allem eine Rubrik möchte ich ausbauen, die bei der Entstehung dieses Blogs vor 8 Jahren ganz weit im Vordergrund stand, aber über die Jahre von mir immer mehr vernachlässigt wurde: Die Bremer Kinowelt. Der Blog heißt ja nicht umsonst Filmforum BREMEN. Hier muss ich mich selber etwas treten, dass ich rechtzeitig über interessante Events und Neuigkeiten informiere.

Bei der Recherche zu diesem Jahresrückblick habe ich festgestellt, dass ich in diesem Jahr 156 Filme gesehen habe. Das sind 24 mehr als letztes Jahres, als ich so wenig sah, wie wahrscheinlich noch nie seit Kindesalter. Dabei hatte ich gedacht, ich hätte dieses Jahr 2015 noch unterboten. Regulär im Kino (Festivals, spezielle Events und Weird Xperience mal ausgenommen) war ich genau zweimal. Bei „The Hateful Eight“ und „The Forbidden Room“. Und ja, ich finde das auch extrem traurig. Dementsprechend habe ich auch kaum aktuelle Filme gesehen. So ist meine Liste für 2016 auch recht schnell zusammengestellt. Wie im Vorjahr fasse ich darunter mal alles zusammen, was aus den Produktionsjahren 2015 und 2016 stammt. * Eine Ausnahme ist „Remake, Remix, Rip-Off“, der von 2014 ist, aber meines Wissens nach erst in diesem Jahr in die Kinos/das Fernsehen kam.

Top 10 aktuelle Filme (Produktionsjahr 2015/2016)

  1. Der Bunker (Nikias Chryssos, 2015) – meine Besprechung
  2. Remake, Remix, Rip-Off (Cem Kaya, 2014)*
  3. The Forbidden Room (Guy Maddin, 2015)
  4. Under the Shadow (Babak Anvari, 2016) – meine Besprechung
  5. The Hateful Eight (Quentin Tarantino, 2015)
  6. The Apprentice (Emre Konuk, 2016) – meine Besprechung
  7. She’s Allergic to Cats (Michael Reich, 2016) – meine Besprechung
  8. Turbo Kid (François Simard/Anouk Whissell/Yoann-Karl Whissell , 2015)
  9. Demon – Dibukk (Marcin Wrona, 2015) – meine Besprechung
  10. The Love Witch (Anna Biller, 2016) – meine Besprechung

Top 10 ältere Filme (nur Erstsichtungen)

  1. Große Freiheit Nr. 7 (Helmut Käutner, 1944)
  2. Die endlose Nacht (Will Tremper, 1963)
  3. Die Freunde der Freunde (Dominik Graf, 2002)
  4. A Snake of June (Shin’ya Tsukamoto, 2002)
  5. Thief (Michael Mann, 1981) – meine Besprechung
  6. Ida (Pawel Pawlikowski, 2013)
  7. Super (James Gunn, 2010)
  8. Die Unsterbliche (Alain Robbe-Grillet, 1963)
  9. St. Pauli zwischen Nacht und Morgen (José Bénazéraf, 1967)
  10. Heiße Grenze (Robert Parrish, 1959)

Da ich von jedem Regisseur nur einen Film in der Top 10 haben wollte, fielen einige Tsukamotos und Grafs, sowie der tolle „Playgirl“ von Tremper leider unter den Tisch.

Das war es mit 2016. Letztes Jahr schrieb ich: „Ich strecke diesem Jahr den Mittelfinger entgegen und breite meine Arme aus, um 2016 in Empfang zu nehmen“. Diesmal bin ich vorsichtiger und hoffe einfach nur, dass 2017 für uns alle ein gutes Jahr wird. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Ich wünsche allen meinen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Buch-Rezension: Armin Junge “Banzai! Japanese Cult Movie Posters“

Von , 28. Dezember 2016 17:30

banzai_cover_frontalIch habe ein Faible für Filmplakate. Wenn mich meine Frau lassen würde, wäre das ganze Haus damit tapeziert. Lässt sie mich aber nicht. Darum muss ich meiner Leidenschaft anderweitig frönen. Glücklicherweise gibt es ja einige Bücher, die sich dem Thema Filmplakat verschrieben haben und in denen man diese wundervollen Kunstwerke in Ruhe betrachten kann. Mein liebster Schatz ist da das voluminöse und schwere „The Art of the Modern Movie Poster: International Postwar Style and Design“, welches einst bei Thalia auf dem Grabbeltisch lag.

Aber auch der Verlag Creepy Images hat sich hier schon oft verdient gemacht. Das wohl weltweit einzige Fanzine, das sich ausschließlich seltenen Plakaten und Aushangfotos der 60er, 70er und 80er Jahre widmet, hat bereits 2012 ein wundervolles Buch mit dem Titel „Muchas Gracias, Senor Lobo“ herausgebracht, welches Filmplakate und Aushangfotos aus aller Welt versammelt, die eines gemeinsam haben: Sie werben für einen Film mit dem spanischen Horrordarsteller Paul Naschy. Nun ist ein weiteres Filmbuch bei Creepy Images erschienen. Der Name: „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“ von Armin Junge. Wie der Titel schon verrät handelt es sich hier um eine umfangreiche Sammlung japanischer Filmposter. Wer nun erwartet, nur die Poster japanischer Filme vorzufinden wird angenehm überrascht. Einen Großteil nehmen internationale Produktionen ein, für die in Japan dann spezielle Plakate im typisch japanischen Stil designet wurden. Auch aus hiesigen Landen sind einige Vertreter darunter, wie der berühmte „Schulmädchen Report“ oder „Prostitution Heute“.

Überhaupt ist man überrascht, welche Filme in Japan einen Kinostart bekamen. Auffällig ist auch, dass man auf den Postern oftmals Schwierigkeiten hat, herauszufinden, ob es sich nun um einen japanischen oder einen amerikanischen oder europäischen Film handelt, denn die Gesichter wurden häufig ganz dezent und subtil „japanisiert“. Die japanischen Filmposter folgen in de Regel einem Muster: Ein großes, hübsch bearbeitetes Foto einer Schauspielerin oder eines Schauspielers in Aktion, darum drapiert einige besonders aufregende Szenen aus dem Film. Wobei es von Genre zu Genre auch unterscheide gibt. So sind Horrorfilm ganz besonders reich bebildet und bunt, während bei den Sexfilmen vor allem die weiblichen Attribute der Hauptdarstellerin im Vordergrund stehen.

Das Buch teilt sich auf in sechs Bereiche; Bei den „Bad Girls“ geht es um die japanischen Pinky-Violence-Filme, die Sasori-Serie und Sexfilme, wie zum Beispiel die deutschen „Schulmädchen-Report“-Filme. „Tough Guys“ deckt die James-Bond-Filme ab, Yakuza- und Samuraifilme wie die „Lone Wolf & Cub“-Serie, Italo-Western und ähnliches. Im großen „Horror“-Teil findet man viele britische Hammer-Produktionen, Italo-Gothic-Horror aus den 60ern und die ganzen Klassiker. „Mondo“ sind, wie der Name schon sagt, Mondo-Shockumentaries. Unter „Shocking“ ist dann alles zusammengefasst, was eine etwas härtere Gangart hat. Roman Porno mit hohem Bondage-Anteil, „verfemte“ Filme wie „Hexen, bis aufs Blut gequält“, Kannibalenfilme, die „Ilsa“-Filme usw. Im Abschnitt „Science Fiction & Fantasy“ begegnen wir dann Godzilla und seinen Kollegen, aber „Planet der Affen“, Westworld und viele mehr.

banzai-beispielseitenDer Autor des Buches, Armin Junge, kommt aus der Werbebranche. Er lebte und arbeitete viele Jahre in Japan, Südkorea, China und Russland. Als großer Liebhaber des Exploitationkinos, hat er Hobby und Beruf miteinander verbunden, den neben den Filmen an sich, interessiert ihn auch die Art ihrer Bewerbung. Mittlerweile besitzt er die wohl größte Sammlung japanischer Filmplakate außerhalb Japans. Da Armin Junge kein Filmhistoriker ist, sind die kleinen Texte die ab und zu eingestreut werden eher Auflockerung als wirklich tiefgreifende Analyse oder Information. Für jemanden, der mit dem japanischen Kino aber so gar nichts am Hut hat, sind sie durchaus hilfreich. Leider erfährt man auch nicht viel über die verschiedenen Plakatarten, Besonderheiten einelner Studios oder etwas über die prägenden Künstler. Aber das war offensichtlich auch nicht der Anspruch dieses im besten Sinne des Wortes „Bilderbuch“. Schade sind allerdings die die sehr spartanischen Bildunterschriften. Bis auf den englischen (!) Titel und das Jahr erfährt man rein nichts. Kein Originaltitel, Produktionsland des Filmes oder gar Regisseur und Studio. Aber das lässt sich angesichts des wundervollen und teilweise atemberaubenden Filmplakate verschmerzen.

Ein Buch zum immer wieder durchblättern, staunen und genießen. Jetzt wünsche ich mir nur noch eins: Einen dicken Band über polnische Filmplakate.

Armin Junge „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“, Creepy Images, 296 Seiten DIN A4, komplett in Farbe, über 560 Abbildungen von japanischen Original-Kinoplakaten, Euro 28,00

Offtopic: „Bremen History“ braucht Hilfe

Von , 23. Dezember 2016 16:16

Vor gut einem Jahr bin ich das erste Mal auf die Facebook-Seite von „Bremen History“ gestoßen. Was ich zunächst für eine der unzähligen „Bremen“-Gruppen hielt, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als größeres Projekt. Eine privat betriebene, aber sehr professionell gemachte Webseite auf der ich mich schon stundenlang verloren habe, um allerlei Geschichte über die Vergangenheit Bremens zu lesen und die unzähligen zum Teil uralten Fotos zu bewundern. Und zu meiner großen Freude konnte ich auch feststellen, dass mein großes Steckenpferd, nämlich das Thema „Bremer Kinogeschichte“ das ein oder andere Mal aufgegriffen wurde.

Jetzt ist der Fortbestand des Projektes „Bremen History“ in Gefahr. Wie immer liegt es nicht am Enthusiasmus der Beteiligten, sondern am lieben Geld. Bereits vor einigen Wochen startete deshalb eine Crowdfunding-Initiative. Euro 20.000,- wurden gebraucht, um auch 2017 weitermachen zu können. Jetzt, einen Tag vor Weihnachten und und nur 8 Tage vor dem Ende der Aktion ist das Ziel zum Greifen nahe. Knapp über 3/4 ist da, aber der Rest fehlt noch. Darum habe ich mich entschlossen, hier etwas Werbung für dieses tolle Projekt zu machen, auch wenn ich weiß, dass es sicherlich nur die Bremer interessiert. Aber mein Blog heißt ja nicht umsonst „Filmforum BREMEN“, auch wenn ich das „Bremen“ in diesem Jahr etwas stiefmütterlich behandelt habe. Also, HIER findet ihr alle Infos zur Crowdfunding Kampagne und den Dankeschöns, die es für eine Spende gibt. Und hier geht es zu der schönen und informativen Bremen History-Seite, die immer einen Besuch lohnt.

Bei Bremen History geht es

um Geschichte und Geschichten. In Bremen und „umzu“. Jenseits des Bekannten. Die Erinnerungen Bremens verblassen vielerorts während andere auf Dachböden, in Pappkartons und Archiven darauf warten, entdeckt zu werden. Dabei geht es nicht ausschließlich um die „ganz großen Ereignisse“, die ihren Weg automatisch in die Stadtchronik gefunden haben. Es sind vielfach die kleinen Details, ungewohnten Blickwinkel, Randfiguren der Öffentlichkeit und Menschen, die „im Kleinen“ Spuren in der Stadt hinterließen.

Blu-ray Rezension: „Der schwarze Leib der Tarantel“

Von , 21. Dezember 2016 16:15

der-schwarze-leib-der-tarantelNach einem Streit mit ihrem Ehemann (Silvano Tranquilli) wird die schöne Maria Zani (Barbara Bouchet) von einem geheimnisvollen Unbekannten ermordet. Der Killer benutzt dabei ein lähmendes Gift, bevor er seine Opfer mit dem Messer abschlachtet. Der mit den Ermittlungen beauftragte Inspector Tellini (Giancarlo Giannini) verdächtigt zunächst Ehemann Zani, der jedoch auf eigene Faust nach dem Mörder sucht. Als Zani bei einer Verfolgungsjagd ums Leben kommt und weitere attraktive Damen dem Killer zum Opfer fallen, führt Tellini eine Spur ihn in einen Schönheitssalon, dessen Besitzerin (Claudine Auger) mit den Opfern in Verbindung stand…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der DVD, nicht der Blu-ray.

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Der schwarze Leib der Tarantel“ war für mich lange Jahre so etwas wie der heiliger Gral des Giallo-Kinos. Als ich Mitte der 90er Jahre mit zahlreichen Tauschpartner im In- und Ausland in Kontakt stand, und wir uns munter VHS-Kassetten mit griechischen Vollbildfassungen, die mittlerweile fast ihre gesamte Farbigkeit eingebüßt hatten, hin und her schickten, war „Der schwarze Leib der Tarantel“ der einzige „Must-Have“-Giallo, der nirgendwo aufzutreiben war. Weder eine englische, noch eine finnische oder schwedische Kopie. Von einer deutschen Fassung ganz zu schweigen, denn hier lief der Film zwar im Kino, doch seltsamerweise kam es nie zu einer Videoveröffentlichung. Dank des sympathischen Berliner Labels CMV Laservision wurde nun, nach 20 Jahren, dieser Gral nun doch auf meinen heimischen Bildschirm gezaubert. Hat sich das lange Warten gelohnt? Ist „Der schwarze Leib der Tarantel“ eben jenes verschollene Meisterwerk, zu welchem er in meiner Vorstellung mangels Verfügbarkeit reifte? Ein klein wenig Furcht hatte ich schon vor den Antworten auf diese Fragen, als ich die Blu-ray in den Player schob.

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Die Furcht erwies sich allerdings als unbegründet. Es hätte auch schon viel passieren müssen, um einen Giallo, der neben solchen Schönheiten wie Barbara Bouchet (in einer wichtigen, wenn auch leider viel zu kurzen Rolle), Claudine Auger und Barbara Bach, der Musik von Ennio Morricone (und der Hilfe von Bruno Nicolai) und gern gesehen Veteranen wie Silvano Tranquilli und Giancarlo Prete vollends in die Grütze zu fahren. Und Regisseur Paolo Cavara ist auch kein Stümper, sondern hat mit „Das wilde Auge“ einen höchst spannenden und mit viel Experimentierfreude gedrehten Magenschwinger gedreht, der als Schlüsselfilm auf das Genre gelten kann, in dem Cavara große geworden ist: Dem Mondo-Film. Hier hatte Cavara 1962 zusammen mit dem legendären Duo Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi die Filme „Mondo Cane“ und „Alle Frauen dieser Welt“ gedreht, bis er sich im Streit von ihnen trennte, da er mit den Methoden Jacopettis nicht mehr einverstanden war. „Das wilde Auge“ war dann seine Abrechnung mit Jacopetti dem Philippe Leroy als skrupelloser Regisseur das eiskalte Antlitz leiht. Nachdem Kriegsfilm „Ein Atemzug Liebe“ drehte Cavara 1971 diesen Giallo hier, der sich einerseits am Einmaleins des Giallo (so wie er außerhalb Italiens verstanden wird, in Italien selber bedeutet „Giallo“ einfach nur „Krimi“) abarbeite, andererseits viele Elemente einbringt, welche ungewöhnlich sind und dem Film seine ganz eigene Note geben.

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Zu den typischen Giallo-Elementen gehört natürlich der Mörder im schwarzen Regenmantel und Lederhandschuhen, der sich eine möglichst makabere und sadistische Mordmethode ausgedacht hat, um seine Opfer ins Jenseits zu befördern. Welche dann auch sehr explizit gezeigt wird. Ferner ein Score mit einer einprägsamen Melodie, ein recht abstruses Motiv des Killers, viele Verdächtige und wunderschöne Frauen, die gerne auch mal blank ziehen. Andererseits konzentriert sich Paolo Cavara aber auch untypischerweise auf die Polizeiarbeit und stellt mit Giancarlo Giannini einen Schauspieler in den Vordergrund, der sich mit seinem samtenen, immer etwas traurig-scheu guckenden Augen und der schmächtigen Gestalt so gar nicht in die Reihe harter und selbstbewusster italienischer Kommissare stellen lässt, die sonst die Leinwand bevölkern. Auch von den typischen Giallo-Helden der frühen 70er wie George Hilton oder Anthony Steffens ist Giannini weit entfernt. Bei seinem Anblick denkt man viel mehr an die blumigen Titel der Lina-Wertmüller-Filme, die ihn bekannt machten. Wie „Mimi – in seiner Ehre gekränkt“.

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Zudem rückt Paolo Cavara die ebenso modern, wie fremdartig wirkende Architektur der Randgebiete Roms in den Vordergrund. Eine Verfolgungsjagd endet auf dem Dach eines futuristisch anmutenden Büro-Industrie-Komplexes, der allein aufgrund seines kühl-futuristischen Designs der Szene einen beinahe schon irrealen Anstrich gibt. Auch, dass das Privatleben des ermittelnden Kommissars, sein Hadern mit dem Beruf und der Welt so weit in den Vordergrund gerückt wird, sieht man nicht alle Tage in einem klassischen Giallo. Es macht den Inspector Tellini sehr menschlich und sympathisch. Und das Zusammenspiel mit der sehr lebendigen Stefania Sandrelli als Frau Tellini injiziert dem ansonsten eher düsteren und harten Film eine leichte, amüsante Note, welche die beiden Figuren gleichzeitig auch eine liebenswerte Natürlichkeit verleiht. Umso härter trifft den Zuschauer die finale Konfrontation mit dem Killer, in der Frau Tellini in Todesgefahr gerät. Wie man überhaupt sagen muss, dass Cavara hier wert auf eine genaue Figurenzeichnungen legt. Auch Silvano Tranquilli als betrogener und mordverdächtiger Ehemann oder die großartige Rossella Falk als Erpressungsopfer wird weitaus mehr Tiefe und Vielschichtigkeit als üblich zugestanden.

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„Der schwarze Leib der Tarantel“ ist ein spannender und sehr gut gemachter Giallo, der sich zwar vornehmlich an den Konventionen des Genres abarbeitet, gleichzeitig aber auch überraschende und untypische Elemente einbringt.

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Das Bild der Blu-ray mag nicht den allerhöchsten Ansprüchen einiger Technik-Fetischisten genügen, ist aber für meine Augen vollkommen akzeptabel. Für diese Veröffentlichung hat CMV die alte Kinotonspur aufgetrieben, die sehr sauber und klar klingt. Wer mag kann auch auf die englische Synchronisierung wechseln, die der deutschen Sprachfassunallerdings qualitativ unterlegen ist. Für die Extras wurde das 15-minütig Interview mit Lorenzo Danon, dem Sohn des Produzenten Marcello Danon, aus der amerikanischen und italienischen Veröffentlichung übernommen. Ganz neu ist ein 5-minütiges Interview mit Pietro Cavara, dem Sohn des Regisseurs. Über den Audiokommetnar von Thorsten Hanisch und Andrea Sczuka wurde in diversen Foren schon viel Böses geschreiben. Inhaltlich verweise hier einmal dezent auf eben diese Diskussionen (kann man googeln) und erwähne hier nur, dass die technische Umsetzung recht mies geworden ist. Scheinbar wurde eine schlechte Skype-Verbindung genutzt.

Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Das versteckte Kino“

Von , 19. Dezember 2016 13:26

verstecktekinoEr hat es wieder getan. Nachdem er seinen Leser zweimal in kurzer Folge „Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“ geliefert hat, hat Christian Keßler nun „Das versteckte Kino“ ins grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geholt. Der Aufbau des Buches gleicht seinen beiden Vorgängern, der Ton ist aber ein anderer. Während in „Wurmparade auf dem Zombiehof“ und „Der Schmelzmann in der Knochenmühle“ viel Liebe über die Filme aus dem unteren Videothekenregal ausgeschüttet wurde, ist es hier vor allem Respekt, der bei den Vorstellungen der Film überwiegt. Und während bei „Wurmparade“ und „Schmelzmann“ eigentlich klar ist, warum die dort vorgestellten Filme keinen Platz in der „normalen“ Filmgeschichte gefunden haben, so ist es bei den Filmen, über die Christian Keßler in „Das versteckte Kino“ schreibt, doch höchst verwunderlich, dass das Gros bis heute nicht im goldenen Rahmen in der Hall of Fame der Cinephilie hängen.

Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Filme wie „Heathers“, „Die Frau mit der 45er Magnum“ oder „Johnny zieht in den Krieg“ dürften jedem Filmfreund, der etwas weiter über den Tellerrand schaut, durchaus geläufig sein. Hier nimmt sich Christian Keßler einfach das Recht des Hausherren heraus, auch über Filme zu schreiben, auf die die selbstgewählte Kategorie „verstecktes Kino“ nicht zu 100% zutrifft. Der Großteil der Filme sind allerdings wirklich weit weniger bekannt. Manche erzeugen irgendwo weit hinten in der Erinnerung einen Wiederhall, wie „Die Chorknaben“, „Joe“ oder „Wo is‘ Papa?“. Andere sind ganz aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden wie „Marjoe“, „The Groove Tube“ oder „Alabama’s Ghost“.

Hier darf man Christian Keßler sehr dankbar dafür sein, dass er sie aus dem dunklen-feuchten Schatten der Filmgeschichte an die Sonne zerrt. Oder man verflucht ihn, weil es mitunter recht schwer ist, einer (legalen) Kopie dieser Werke Herr zu werden, um sich in den heimischen vier Wänden selbst von ihren Vorzügen zu überzeugen. Was bei diesem Buch verwundert ist ein neuer Ton bei Christian Keßler. Wurde es in den vorherigen Veröffentlichungen peinlichst vermieden, Filme zu erwähnen, die der Autor nicht mag, so nimmt er hier kein Blatt vor den Mund. Etwas, was insbesondere „The Breakfast Club“ zu spüren bekommt. Ferner haben sich zwei kleine, wenn auch belanglose Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen, auf die ich hier aber nicht eingehen will, da sie für den Kontext vollkommen unwichtig sind. Ich erwähne es hier auch nur, weil sie mich in dem Moment doch sehr irritiert haben.

Aber das soll nicht davon ablenken, dass Christian Keßler mit „Das versteckte Kino“ ein großer Wurf gelungen ist. Das Buch macht einen noch reiferen Eindruck als die – ebenfalls sehr empfehlenswerten – „Trashfilm“-Bücher. Der unverwechselbare Keßler-Groove ist hier etwas zurückhaltender und der Ernsthaftigkeit vieler der hier vorgestellten Filme angemessen. Aber trotzdem spürt man in jeder Zeile, dass ihm dieses Buch eine Herzensangelegenheit ist und wie sehr es ihn wurmt, dass die hier besprochen Filme bisher nicht den ihnen eigentlich zustehen Platz in der Filmgeschichte einnehmen konnten. Warum auch immer. Umso wichtiger ist diese wundervolle Missionarstätigkeit der Liebe.

Christian Keßler “Das versteckte Kino – Die besten Filme,von denen Sie niemals gehört haben!, Martin Schmitz Verlag, 336 Seiten, € 18,80

Blu-ray-Rezension: „Demon – Dibbuk“

Von , 17. Dezember 2016 12:49

demon-dibbukDer in England aufgewachsene Piotr (Itay Tiran) reist nach Polen, um dort Zaneta (Agnieszka Zulewska), die Schwester seines besten Freundes Jasny (Tomasz Schuchardt)  zu heiraten. Als Hochzeitsgeschenk hat Zanetas Vater (Andrzej Grabowski) dem jungen Paar ein heruntergekommenes Landhaus vermacht. Als Piotr dort einen Grube für einen Swimming Pool ausheben will stößt er auf ein menschliches Skelett. In der Nacht vor der Hochzeit wird er von der Vision einer jungen Frau in einem weißen Kleid heimgesucht. Am Tag der Hochzeit scheinen diese Vorkommnisse zunächst vergessen zu sein. Die zahlreichen Gäste sprechen dem Wodka literweise zu, es wird Getanzt und Gefeiert, was das Zeug hält. Da fällt es kaum auf, dass Piotr plötzlich anfängt, sich seltsam zu benehmen…

Bei seinem kurzen Lauf durch deutsche Kinos konnte „Demon – Dibbuk“ leider kaum Zuschauer in die Kinosäle ziehen. Was vielleicht an seinem unglücklichen Verleihtitel „Eine Hochzeit in Polen“ lag. Dieser provoziert Assoziationen mit sommerlichen Feelgood-Komödien aus Frankreich. Wer mit diesen Erwartungen ins Kino gegangen ist, dürfte gehörig vor den Kopf gestoßen worden sein. Nein, sommerlich leicht ist hier nichts. Der Film ist durchweg düster und auch seine komischen Momente, die es durchaus gibt, sind am Ende doch nur ein Ausdruck menschlicher Unzulänglichkeiten und lassen das Geschehen vollends in die Katastrophe laufen. Doch auch wer den Originaltitel, der tatsächlich auch in der polnischen Originalfassung „Demon“ lautet, kennt, wird davon auf eine falsche Fährte gelockt. Denn ein waschechter Horrorfilm ist „Dibbuk“ nun auch nicht. Zwar gibt es ein-zwei nette Erschrecker, aber „Dibbuk“ legt es nicht darauf an, Angst und Schrecken zu verbreiten. Zumindest nicht auf die direkte Art und Weise. Erschreckend ist hier nur die menschliche Natur.

Als ich „Dibbuk“ sah, fühlte ich mich stark an einen anderen Film erinnert, denn ich vor längerer Zeit sah, nämlich „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ (OT: Wesele) von Wojciech Smarzowski aus dem Jahre 2004. Tatsächlich schienen einige Szenen geradezu identisch zu sein. Die große Hochzeitsgesellschaft, das ausgelassene, exzessive Feiern und die überbordende, alkoholgeschwängerte Ausgelassenheit der Hochzeitsgäste, während im Hintergrund alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Und wie die Anstrengungen der Brauteltern, dass davon niemand etwas mitbekommt, immer absurderer Formen annehmen. Sind es in „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ eine Leiche, eine Lebensmittelvergiftung und ein gestohlenes Auto, welches die Hochzeit in eine einzige Katastrophe zusteuern lässt, ist es hier ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit und die Besessenheit des Bräutigams, welche unbedingt verschwiegen werden muss.

Während „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ als Komödie begann, die immer finsterere Töne anschlug, so ist „Dibbuk“ zunächst einmal recht humorlos, gönnt sich aber mit erhöhtem Alkoholpegel einige launige Einsprengsel. Die große Ähnlichkeit zwischen „Dibbuk“ und „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ ist kein Zufall. Beide Filme sind von einem berühmten polnischen Stück „Wesele“ (dt. „Hochzeit“) inspiriert, welches Ende des 19. Jahrhunderts von Stanisław Wyspiański geschrieben wurde und eine Hochzeit beschreibt, die als Metapher für das polnische Volk gedacht ist. Andrzej Wajda hat es bereits 1973 verfilmt. Und wie die Hochzeit (polnisch: Wesele) in dem Film 2004 dann eine Allegorie auf die Korruption im Land darstellt, ist es in „Dibbuk“ die unterdrückte Vergangenheit, in der es auch polnische Bürger waren, die im zweiten Weltkrieg ihre jüdischen Nachbarn an die Nazi verraten oder kurzerhand selber umgebracht haben, um an ihren Grund und Boden zu kommen. Ein düsteres Kapitel, dass in den letzten Jahren in vielen polnischen Film thematisiert wurde. Allen voran in dem kraftvoll-depremierenden „Poklosie“.

Regisseur Marcin Wrona zeigte in „Dibbuk“ ein großes Talent eindringliche, ebenso drastische, wie poetische Bilder zu schaffen. Sein Selbstmord mit nur 42 Jahren, kurz nach Beendigung des Filmes, reißt eine große Lücke in die Reihe der vielversprechenden, jungen polnischen Filmemachern. In der Rolle des Bräutigams glänzt der Israeli Itay Tiran, der zuvor neben eigen israelischen, auch in deutschen Produktionen zu sehen war. Es gelingt ihm, die Rolle des Besessenen immer auf der Messerschneide zwischen beunruhigend und lächerlich zu halten. Denn, dass Piotr von einem weiblichen Geist besessen ist und mit hoher Stimme auf jiddisch redet, könnte auch schnell ins Alberne umschlagen. Tut es aber nicht. Ebenso muss man Agnieszka Zulewska in der zunächst sehr undankbaren Rolle der Braut Zaneta ein großes Kompliment aussprechen. Anfangs ist sie eher ein Ausstattungsstück, welches in dem Drama keine besondere Rolle zukommt, außer eben die Braut zu sein. Doch dann entwickelt sie sich in der zweiten Hälfte immer mehr zu einem eigenständigen Charakter, der die Handlung vorantreibt und vor allem auch Stärke zeigt. Eine Veränderung, die man ihr zunähst nicht zugetraut hätte.

„Dibbuk“ nutzt die Metapher der „Hochzeit“/“Wesele“, um ein Polen zu zeigen, welches sich strikt weigert, die eigene Vergangenheit und die Verbrechen an den Juden aufzuarbeiten. Im Gegenteil, es hat sich nichts geändert und die Seelen der Opfer können nicht auf Vergebung und Ruhe hoffen. Toll gefilmt und treffend besetzt ist „Dibbuk“ aber weder die vom deutschen Kinotitel „Eine Hochzeit in Polen“ suggerierte Komödie, noch der im internationalen Titel „Demon“ anklingende Horrorfilm, sondern ein dunkler und deprimierender Film, der sich mit einem finsteren Kapitel der polnischen Geschichte und die Unfähigkeit sich dieser zu stellen, beschäftigt.

Die Blu-ray aus dem Hause Donau Film weißt ein sehr gutes Bild und einen guten Ton auf. Insbesondere wenn der regen einsetzt, drückt man unwillkürlich auf Pause, um zu sehen, ob draussen ein Unter herrscht oder das aus den Lautsprechern kommt. Weitere Effekte werden aber nur sehr sparsam eingesetzt. Die polnische Originalfassung ist zu bevorzugen, da die Figuren Polnisch, Englisch und Jiddisch reden. Dieses Sprachgewirr versucht die  deutschen Fassung ebenfalls wiederzugeben, allerdings werden hier die in Englisch gesprochenen Passagen nicht nochmal übersynchronisiert, so dass man hier dann die Originalstimmen der Schauspieler mit deutschen Untertiteln hört. Deren echte Stimmen unterscheiden sich allerdings teilweise sehr stark von ihren Synrchonstimmen in der  eher schwachen  deutschen Sprachfassung.  Ärgerlich ist zudem, dass es bis auf Trailer keine weiteren Extras gibt.

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