Das Bloggen der Anderen (20-06-16)

Von , 20. Juni 2016 21:24

bartonfink_type2– Gestern verstarb durch einen tragischen Unfall der Schauspieler Anton Yelchin, der mich in „Only Lovers Left Alive“ und „Odd Thomas“ von seinem Talent sehr überzeugt hat und von dem sicherlich noch größere Dinge zu erwarten gewesen wären. Ein Nachruf von Der Kinogänger.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film anlässlich des Filmes „Le Horla“, den Jean-Daniel Pollet 1966 drehte, darüber wie man etwas filmt, was man gar nicht sieht. Sehr interessant. Unter dem schönen Titel „Softboiled Wonderland – Japanische Bilderwerfer“ Claudia Siefen über Kinoerlebnisse in Japan.

– Das hat der Rainer Knepperges auf new filmkritik wieder ganz wunderbar gemacht: „Karten, Pläne (VII)“.

– Lukas Foerster schreibt auf critic.de darüber, „wie der Widerstand die ästhetische Oberhand verlor“ und „in den späten 1970er Jahren hat der Terrorismus seinen Sexappeal verlor“. Beides anhand der österreichischen Filme „Das Manifest“ (1974) und „Obszön – Der Fall Peter Herzl“ (1981).

– Für den vierten Teil ihrer Serie über den deutschen Film auf B-Roll haben Urs Spörri und Harald Mühlbeyer Zitate aus den in Kürze anlaufenden Dokumentationen „Verfluchte Liebe Deutscher Film“, „ Rudolf Thome – Überall Blumen“ und „Zeigen was man liebt“ gesammelt und in Form eines fiktiven Interviews neu zusammengesetzt: „Entschuldigung, liegt hier irgendwo der deutsche Film begraben?“. Lars Dolkemeyer schreibt über die Langeweile mit den “jump scares”.

– Philipp Stroh hat auf Wieistderfilm? Ein kleines Lexikon mit Filmfachbegriffen veröffentlicht.

– David stellt auf Whoknows presents zwei frühe Kurzfilme von Tony Scott vor und entdeckt neue Facetten an diesem hochinteressanten und leider viel zu früh aus dem Leben geschiedenen Regisseur, der noch immer unterschätzt wird und völlig zu Unrecht im Schatten seines Bruders Ridley steht.

– Apropos Ridley Scott. YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über dessen „Thelma und Louise“.

– Oliver Nöding widmet sich auf Remember It For Later einem der obskureren Werke der deutschen Filmgeschichte: „Magdalena, vom Teufel besessen“ vom „Report“-Regisseur Walter Boos.

– Ebenfalls mit deutschem Filmgut beschäftigt sich wieder Udo Rotenberg auf seinem Blog Grün ist die Heide. Diesmal nimmt er „Suzanne – die Wirtin von der Lahn“ von Franz Antel unter die Lupe. Einem der ersten deutschen Sexfilme und Anfang der längsten Filmreihe (ihm sollten noch fünf weitere „Wirtinnen“-Filme folgen) im deutschsprachigen Kino mit einer weiblichen Hauptfigur.

„Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger aus dem Jahre 1926 ist einer er ältesten Animationsspielfilme und hat laut Oliver Armknecht von film-rezensionen.de bis heute nichts von seinem Zauber verloren.

– Die neue Ausgabe des „Movie-Magazin“ auf Hauptsache (Stumm)Film stellt diesmal René Clairs „Der Pakt mit dem Teufel“ in den Mittelpunkt.

– Es gibt Filme vor denen ich mich fürchte. Ich weiß, dass der russische Antikriegs-Film „Komm & Sieh“ ein Meisterwerk und eine extrem beklemmende und aufwühlende Erfahrung ist. Saschas Besprechung auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte und seine 10/10 Punkte bestätigen das. Aber ich traue mich nicht so recht, mich diesem reinen Grauen auszusetzen.

– Sascha Schmidt schreibt auf Okaeri über den neuen Film des Japaners Kiyoshi Kurosawa, in dessen Werk ich mich auch gerade hineinsehe. Dabei ist er von „Creepy“ ausgesprochen begeistert.

– Begeistert ist auch Michael Schleeh auf Schneeland und zwar von dem indischen Thriller „Neerja“ über die Stewardess Neerja Bhanot, die 1986 vielen Passagieren eines entführten Linienflugzeuges das Leben rettete und heute noch in Indien verehrt wird.

Interview mit dem Musiker-Duo „Mondo Sangue“

Von , 14. Juni 2016 17:44

isolaVor einiger Zeit berichtete ich hier über das österreichische Platten-Label Cineploit, welches sich auf „Soundtracks ohne Filme“ spezialisiert hat und führte ein Interview mit seinem Gründer Alex Wank. Generell sind Gruppen, die Musik im Retro-Soundtrack-Stil machen, immer häufiger anzutreffen. Ich denke dabei an „Zombi“, „Calibro 35“ oder die ganz wundervollen, aber leider nicht mehr existenten, „Agentenmusik“. In diese illustere Reihe stellt sich jetzt auch ein Duo aus Stuttgart, welches einen Soundtrack für einen imaginären, „verlorenen“ Kannibalen-Film aufgenommen hat. Es nennt sich „Mondo Sangue“ und besteht aus dem Komponist und Filmschaffenden Christian Bluthardt und der Musikerin Yvy Pop, die auch als Dozentin an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien tätig ist. Außerdem arbeitet sie auch als Sprecherin und Grafikerin und hat 20 Jahre lang in verschiedenen Punkbands gesungen. Über das Internet bin ich mit Beiden in Kontakt und den Genuss einiger Kostproben ihres ersten Albums gekommen. Das war dann auch ein guter Grund für mich, um „Mondo Sangue“ etwas näher auf den Zahn zu fühlen.

isola2Filmforum Bremen: Nachdem Eure erste Platte ja eine musikalische Hommage an den Kannibalenfilm darstellt, ist die erste Frage zwar etwas billig, aber eigentlich unvermeidlich: Welcher Film dieses ja nicht besonders gut beleumundeten Genres gefällt Euch denn am Besten?

Chris: Mein Favorit ist ganz klar „Cannibal Holocaust“. Die Antwort ist jetzt wahrscheinlich nicht besonders überraschend. Aber dieser Film ist unabhängig von irgendeinem Genre einer der verstörendsten Filme überhaupt – den vergisst man nicht so schnell. Das liegt vor allem an der Kombination aus der (bei Kannibalenfilmen ausnahmsweise) sehr guten Story, einer eindringlichen Inszenierung und der großartigen Musik von Riz Ortolani.

Yvy: Da kann ich Chris nur beipflichten. 10 Jahre – von 1972 bis 1983 – dauerte die Hochzeit der Kannibalenfilme an. Unter den fast ausschließlich italienischen Produktionen (mit exorbitant hohem Trash-Faktor!), die meist Varianten eines ähnlichen Mainplots waren, sticht CANNIBAL HOLOCAUST als DER Kannibalenfilm schlechthin heraus. Er brachte sowohl die Exploitation, die Darstellungen von Gewalt als auch die (später erst entdeckte) Komplexität dieses Genres auf einen Höhepunkt. Dabei spielten vor allem die Medien, die Rezeption, die grundsätzlichen Fragen, wo Zivilisation aufhört und Barbarei beginnt, Kolonialismus, Einverleibung und Macht eine zentrale Rolle. Mit den Mitteln der Pseudodokumentation wurden Bilder erzeugt, die den Zuschauer zutiefst verunsicherten, wo die Fiktion endet und realer Horror gezeigt wird. Und eben diese Drastik der Bilder wurde von einem der schönsten Filmscores untermalt.

Die Idee Soundtracks zu nicht-existenten Filmen zu produzieren ist ja in den letzten Jahren recht populär geworden. Ich denke da beispielsweise an das Repertoire des wunderbaren Wiener Labels Cineploit. Wie seid ihr auf die Idee für Mondo Sangue gekommen? Gab es da Vorbilder?

Chris: Die Idee zu „Mondo Sangue“ kam eigentlich erst viel später. Zunächst stand nur die Möglichkeit im Raum, zu zweit die ultimative Ode an eine bestimmte Filmnische zu schaffen. Irgendwas mit Italien musste es sein. Aber nicht einfach nur nachgemacht, etwas ganz eigenes sollte dem Universum hinzugefügt werden. Ich habe weniger an Cineploit oder ähnliche Labels gedacht (kenne sonst gar keine) als an den Film, den ich noch gerne gesehen hätte. Die Verbeugung gilt keinem bestimmten Film oder Musiker, vielmehr soll dieses fiese kleine Kannibalenfilm-Genre um einen Aspekt erweitert werden. L’Isola gesellt sich bei der nächsten 70s-Italo-Lounge-Party heimlich mit auf die Tracklist als wäre sie dort schon immer mitgeschwungen.

Yvy: Wir beide haben uns vor Jahren in Stuttgarts bester Videothek, der Filmgalerie 451, kennengelernt. Chris arbeitete dort in der Filmberatung, ich organisierte Veranstaltungen. Bei zwei Projekten, Filmmusik zu Nature Morte (naturemortefilm.com) und zum Spaghettiwestern „Lobo, der Teufel sang sein Wiegenlied“, haben wir zum ersten Mal zusammengearbeitet. Damals war klar, dass wir unbedingt mal einen kompletten Soundtrack zusammen machen wollen. Zu Filmen, die wir gern gesehen hätten, die aber nie gedreht wurden. Und letztes Jahr war es soweit.

Für Eure Platte habt ihr eine ganz eigene Hintergrundgeschichte erfunden. Da geht es um einen unveröffentlichten Film eines vergessenen italienischen Regisseurs namens Luchino Martello. Könnt ihr da etwas mehr drüber erzählen? Was hat es damit auf sich, und was hat euch dazu inspiriert?

Chris: Die Inspiration liegt grundsätzlich im italienischen Kino der goldenen 70er Jahre, vorwiegend im Exploitation-Bereich. Die Produktionsbedingungen waren teilweise genauso durchgeknallt wie die Ergebnisse, nirgends ging man derart frei und ungeniert zur Sache. Da würde doch keinem auffallen, dass es bestimmte Filmemacher wie Luchino Martello vielleicht gar nicht gibt? Der Gedanke, dass ein
solcher Knabe eben auch etwas vom kurzweiligen Kannibalen-Fame einschnappen wollte ist gar nicht so abwegig, genausowenig wie die Tatsache, dass er scheiterte und der Film nie fertig wurde. Was mich an dem Film in erster Linie interessiert hatte war: Wie hätte er wohl geklungen? Kann man über die Musik den ganzen Film erzählen? Funktioniert das? Und genau so wie in den 70er Jahren Regisseure wie Joe D’Amato irgendwann die verschiedenen Genre zusammenmixten,entstand bei uns Track für Track dieses Album, welches entlang unserer Story auch stets die Stimmung wechselt. Es ist eben ein Soundtrack.

Yvy: Luchino Martello ist ein Vehikel, stellvertretend für die zig Pseudonyme, unter denen ein und derselbe Regisseur viele Exploitationfilme drehte; und das Jahr 1978 verortet den Soundtrack auf dem Höhepunkt des Kannibalenkinos. Allerdings haben
wir von Vornherein entschieden, keinen Hoax daraus zu machen, sondern vielmehr unsere Liebe zu diesen Soundtracks als Hommage und Verbeugung vor dem Genre zu verstehen und zu kommunizieren.

Auf Eurer Platte erzählt ihr ja mit den Song-Titeln die Geschichte des fiktiven Filmes nach. Habt ihr da tatsächlich so eine Art Drehbuch für geschrieben?

Yvy: Konkret haben wir uns im Sommer 2015 getroffen und eine Synopsis eines „ultimativen“ Kannibalenfilms geschrieben – inklusive aller Klischees und Gemeinplätze. Anhand des Plots haben wir den Film in einzelne Szenen unterteilt, die wir in englisch und italienisch betitelt haben. Wir haben über die jeweiligen Stimmungen, teils sogar Instrumente, bestimmte Rhythmen und Soundmoods wie Wellen, Papageien
diskutiert. Und irgendwie waren wir schon nach zwei Stunden fertig. Wir hatten exaktdie gleiche Vorstellung, von dem, was wir machen wollen

Chris: Es gibt eine zweiseitige Outline zu dem Film. Die komplette Handlung sozusagen. Ich nehme an, dass es für die meisten Genre-Vertreter ähnlich viele Seiten als Grundlage gab. Anhand dieser Synopsis haben wir dann Stück für Stück die Songs abgeleitet. Diese wurden dann wiederum unter Einbeziehung der verschiedenen Stimmungen „im Film“ musikalisch umgesetzt.

Yvy: Das Schöne daran, man muss den Film auch nicht gesehen haben… Man versteht und „sieht“ ihn beim Hören der Platte.

Wie gingen die Aufnahmen für die Platte vonstatten?

Chris: Wie man sieht hatten wir eine recht gute und intensive Vorbereitung. Ich habe die Stücke nach und nach eingespielt, wobei hauptsächlich auf Sample-Instrumente zurückgegriffen wurde. Die Findung des Sounds wiederum hat seine Zeit gekostet, es sollte ja möglichst authentisch klingen. Der typische Nico-Fidenco-Kannibalen-Synthie liegt jetzt nicht gerade offensichtlich in der Gegend herum. Die Vocals wurden allesamt nachträglich im Studio aufgenommen.

Yvy: Chris war für die Kannibalenschar und ich für die „epischen“ Chöre zuständig. Viele Ideen entstanden auch direkt im Studio. Wenn irgendetwas noch nicht stimmig war, probierten wir uns stimmlich aus. Es hatte etwas von einem Strudel, eine Idee folgte der nächsten, 20-stimmige Opernchöre, erotisches Geröchel bis hin zu den Papageien

Chris: Mein Kollege Frederik Lietz hat dann wochenlang daran gemischt und schließlich gemastert. Hier wurde versucht, sich noch näher an den tollen Italo-Sound hinzumanövrieren, was meiner Meinung nach sehr gut geklappt hat. Großes Lob an dieser Stelle nochmal an unseren Mixmaster!

Yvy: Yes!

Wie seid ihr an Eurer Plattenlabel gekommen und wo kann man Eure Scheibe beziehen?

Yvy: Das Stuttgarter Allscore Label wird von unserem gemeinsamen Freund und Kollegen Dietmar Bosch geleitet. Wir haben ihm, der sich neben Hörspielen auch auf Scores aus den 60er und 70ern spezialisiert hat, von dem Projekt erzählt und ihm die Aufnahmen vorgespielt. Volltreffer!

Chris: Wir kennen uns bereits von anderen Projekten, beispielsweise vertone ich seit letztem Jahr die von All Score Media produzierte Hörspielreihe „Professor van Dusen“. Wir teilen außerdem die Liebe zum „schlechten Film“ und zu Filmmusik generell.

Ihr habt Eurer Werk bisher ausschließlich auf Vinyl veröffentlicht. Warum dies und gibt es Pläne eine CD-Veröffentlichung nachzuschieben?

Yvy: Wir haben uns für eine limitierte Auflage von 666 handnummerierten LPs mit Poster entschieden, um ganz nah an der Materie zu bleiben. 1978 gab es ja keine CDs und es handelt sich um eine Erstauflage. Der Charme einer Schallplatte als Collectors Edition und der Vinylsound werden dem Thema einfach gerecht. Irgendwie stand die Veröffentlichung auf CD für uns und Allscore nie im Raum.

Chris: Nichts unterstützt den Flair eines Retro-Soundtracks so sehr wie Vinyl! Das ist nur konsequent, und außerdem das einzig wahre Format für Musik. Eine CD-Veröffentlichung wird es keine geben. Die Scheibe gibt es zB bei Chris Soundtrack Corner. Man kann das Album darüber hinaus auch als mp3 kaufen.

Was plant Mondo Sangue als nächstes?

Yvy: Wir haben – während der Produktion in purer Begeisterung – einen 10-Jahresplan gemacht. Jedes Jahr veröffentlichen wir einen Soundtrack, der einem uns geliebten B-Genre huldigt. Das klingt ambitioniert, aber ich denke, das ist machbar.

Chris: Es wird auf jeden Fall mehr geben – wir haben noch einige Filmstoffe die unbedingt vertont werden müssen! Der Fokus wird zunächst auf Italien und auf die 70er / 80er-Jahre gerichtet bleiben, da gibt es einfach zu viele schöne Ecken, Kanten und Möglichkeiten. Die Spielwiese scheint unendlich groß. Nur die Cocktail-Zutaten müssen noch ausgesucht werden. Wobei ich zu einem richtig schönen, psychologischen Grusel-Giallo tendiere …

Yvy: Au ja!

Das klingt doch sehr vielversprechend. Dann freue ich mich schon sehr darauf, nächstes Jahr wieder von Euch zu hören und bedanke mich für das sehr informative und nette Gespräch.

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Das Bloggen der Anderen (13-06-16)

Von , 13. Juni 2016 21:46

bartonfink_type2– Alexander Matzkeit hat sich auf real virtuality einige sehr kluge und sicherlich auch zur Diskussion anregende Gedanken darüber gemacht, wie sich Filme und „Franchise“-Filme selbst zerstören, indem sie zu sehr den Fans das Ruder überlassen.

– Manfred Polak hat auf Whoknows presents eine interessante Geschichte aus den 40er Jahren zu erzählen, als das US-Außenministerium eine Wanderaufstellung mit Moderner Amerikanischen Kunst auf die Reise schicken wollte – und dabei an der Borniertheit des Publikums scheiterte. Das ist zwar kein direkter Filmbezug aber Kunst ist Kunst.

– Rainer Kienböck stellt auf Jugend ohne Film die wunderbaren Quay-Brothers und grandios-bizarren Animationsfilme vor. Wer die Quay-Zwillinge noch nicht kennt, dem sei an dieser Stelle die schöne DVD-Anthologie ans Herz gelegt, die vor einigen Jahren bei absolut Medien herausgekommen ist und mittlerweile für schmales Geld zu haben ist. Ein Pflichtkauf.

– Harald Mühlbeyer und Urs Spörri setzten auf B-Roll ihre sehr lesenswerte Reihe über den Deutschen Film fort und nehmen diesmal die permanente Selbstausbeutung und das Leben am Existenzminimum unter die Lupe, die viele talentierte Protagonisten des deutschen Filmes heute plagen.

– Mauritia Meyer von Schattenlichter war bei der zweiten Kultkino-Veranstaltung im kleinen Dillingen und weiß schöne Dinge von dort zu berichten.

– Sehr verspätet reicht Alex Klotz auf Hypnosemaschinen noch seinen dritten Teil seines Berichts vom Terza Visione #3 in Nürnberg nach.

– Italienisch geht es natürlich auch wieder auf L’amore in città zu. Diesmal stellt Udo Rotenberg den 1965 von Mario Monicelli gedrehten „Casanova ’70“ vor, in dem (fast möchte man sagen: natürlich) Marcello Mastroianni die Hauptrolle spielt.

– Das neue Konzept von Hauptsache (Stumm)Film spricht mich wirklich sehr an. Diesmal im Mittelpunkt des „Movie Magazins“: Der Edward G. Robinson-Film „The Last Gangster“.

– Maren Ades Film „Toni Erdmann“ wird wirklich von allen Seiten her hoch gelobt. Diesmal auch von Ronny Dombrowski auf cinetastic und Thorsten Krüger auf Komm&Sieh.

– Ich mochte Adrián Garcia Boglianos „Here Comes the Devil“ trotz einiger Schwächen unterm Strich doch sehr gerne und freue mich, dass es Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen ebenso geht.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte wird die Brian-de-Palma Retrospektive u.a. von Simon Kyprianou mit einem Text über das Meisterwerk „Blow Out“ weitergeführt.

Short Cuts Totale beschäftigt sich weiterhin mit dem Frühwerk Ingmar Bergmans und ist bei dessen dritten Film „Schiff nach Indialand“ von 1947.

– Oliver Nöding von Remember It For Later mochte Quentin Tarantinos „Hateful 8“ und nimmt sogar das Wort „Meisterwerk“ in den Mund.

Der Kinogänger hat den zweiten Teil seiner Kino-Sommervorschau veröffentlicht.

Das Bloggen der Anderen (06-06-16)

Von , 6. Juni 2016 19:22

bartonfink_type2– Ich glaube, es ist schon an die drei Jahre her, dass ich hier verkündet habe, mal meine Meinung zum sogenannten Dilemma des deutschen Films kundzutun. Aber wie man sieht, die mir fehlte bis heute Zeit und Muße für eine gute Recherche. Vielleicht ist das auch gar nicht mehr nötig, denn Harald Mühlbeyer und Urs Spörri nehmen im zweiten Teil ihrer sehr empfehlenswerten Reihe zum Deutschen Film auf B-Roll meine zentrale These auf: Wenn etwas über Jahre permanent schlechtgeredet wird – auch von Leuten, die es eigentlich gut meinen – wird das irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung und niemand möchte mehr einen Film sehen, wenn diese aus Deutschland kommt. Gal, wie gut der tatsächlich ist. Eine Lektion, die sich auch die Leute hinter dem „neuen deutschen Genrefilm“ hinter die Ohren schreiben können. Wer jeden Satz mit „die Deutschen können nur Schweiger/Schweighöfer-Komödien und Betroffenheitskino“ (was eh nicht stimmt) beginnt, der muss sich nicht wundern, wenn sich die Leute letztendlich nur die simple Gleichung „deutscher Film = Schrott“ merken und die eigenen Produktionen darunter leiden. „Ich bin kein Hollywoodstar“ behauptet die göttliche Cate Blanchett in einem Interview mit Anna Wollner. Ferner stellt Lucas Barwenczik ausgiebig den japanischen Regisseur Sion Sono und dessen Werk vor. Sion steht auf meiner „To-Do“-Liste mittlerweile auch ganz oben und wird demnächst ausgiebig geschaut.

– Apropos Sion. Dieser fällt derzeit durch eine fast schon unheimliche Produktivität auf. Sein „Why Don’t You Play in Hell?“, der jetzt auf den Japan Filmfest in Hamburg gezeigt wird, ist da – obwohl 2013 gedreht – auch schon wieder ein ganz alter Hut. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat ihn gesehen.

– Weiter mit Japan. Okari hat auf der Nippon Connection „Lowlife Love“ gesehen und findet: „hinter der zynischen Fassade von LOWLIFE LOVE (steckt) dann aber doch auch noch etwas anderes: Eine wunderbar eigensinnige Liebeserklärung nämlich – ans Kino und an den Traum vom Filmemachen.“

– Noch mal Japan. Ebenfalls auf der Nippon Connection sah Michael Schleeh von Schneeland „Ken and Kazu“ von Hiroshi Shoji, den er toll fand und meint, es lohnt sich, nach dem Film die Augen offenzuhalten.

Daumenkino fasst noch einmal die dort besprochenen Filme des DOK Leipzig Festivals zusammen.

– Gerold Marks schlägt auf Digitale Leinwand vor, was einen erfolgreichen Schauspieler ausmacht und macht sich Gedanken über die Besucherzahlen des deutschen Films „Der Nachtmahr“. Schade, das sich die interessante und teilweise hitzige Diskussion darüber auf dem vergänglichen Facebook entsponnen hat und nicht in den Kommentaren unter dem Artikel, wo sie jetzt auch Blog-Besuchern zur Verfügung gestanden hätten. Auf Facebook wird sie ja leider niemand wiederfinden. Schade darum.

– 1966 inszenierte Samuel Beckett eines seiner Stücke als TV-Film für den Süddeutschen Rundfunk (Wahnsinn, was damals im jungen Medium noch möglich war). Sven Safarow erinnert daran auf Eskalierende Träume.

– Udo Rotenberg auf Grün ist die Heide über Freddy Quinn: „Coolness war 1960 noch kein stehender Begriff für einen souveränen Charakter, der nie die Nerven verliert. Und Freddy Quinn, der Schlagersänger und „Junge von St.Pauli“, gehört aus heutiger Sicht kaum zu den üblichen Verdächtigen dieser Spezies, aber genau das war er in seinen Rollen – cool bis zum Abwinken“. Nachzuprüfen anhand von „Freddy und die Melodie der Nacht“.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen verteidigt den durch das Goldmann-Buch „Die Edgar-Wallace-Filme“ übel beleumundeten „Der Gorilla von Soho“ und zeigt sich von dem wunderbaren „Ich sehr, ich sehr“ sehr angetan.

– Das ist Dienst am Kunden bzw. Leser. Neben einen schönen Besprechung von Harald Reinls starbesetzten „Die Schlangengrube und das Pendel“ gibt es von Mauritia Mayer auf Schattenlichter noch ein schönes Drehort-Special.

– Drei Stühle, drei Meinungen. Marco von Duoscope fand Jeremy Saulniers Punker-gegen-Nazis-Schocker „Green Room“ ganz furchtbar, stu von den Drei Muscheln fand ihn ganz in Ordnung und Simon Kyprianou von Die Nacht der lebenden Texte ist begeistert.

– Kontrovers aufgenommen wird auch Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“. Sebastian Selig nennt ihn auf Hard Sensations schwärmerisch „Magisches Gift“. Ich freue mich drauf!

– Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film über Fassaden und Türen in Lubitschs Film „Angel“.

– Rainer Knepperges auf new filmkritik über München im März 1969.

– Gabelingeber hat seinen Blog Hauptsache (Stumm)Film umgearbeitet und schreibt jetzt seine Blog-Beiträge in Form eines „Movie Magazins“. Dieses beinhaltet jeweils einen Hauptartikel, in welchem stets ein klassischer englischsprachiger Film vorgestellt wird – dazu möglichst einer, der wenig bekannt ist. Mich interessieren die vergessenen Filme derzeit brennend, es gibt da wirklich erstaunliche Entdeckungen zu machen! Und über die bekannten Klassiker (Casablanca & Co.) ist ja schon genug geschrieben worden. (Was allerdings nicht heisst, dass ich nicht trotzdem mal einen vorstellen werde!) Auf den Hauptartikel folgen dann die „Film-Schnipsel“ mit Kurzkritiken über Filme neueren Datums, der Rubrik „Augenfutter“, wo möglichst regelmäßig Filme, die er in den vergangenen Jahre besprochen hatte, angeschaut werden können, und mit einer Umschau zu anderen Blogs, welche in der vergangenen Woche Filmklassiker besprochen hatten. Interessantes Konzept.

– Schwanenmeister kommentiert auf Negative Space das New-Beverly-Programm im Juni 2016. Das „New Beverly“ gehört Quentin Tarantino.

– Schönes Fazit von totalschaden auf Splattertrash über Jess Francos „Das Geheimnis des Dr. Z“: „Äußerst stimmiges Franco-Frühwerk, welches seine solide Story in wundervollen Bildern vorträg“

– Sebastian empfiehlt auf Nischenkino Sam Peckinpahs gerade neu erschienenen „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“.

– Funxton zeigt vollkommen hingerissen von William Peter Blattys „The Ninth Configuration“ , vergibt 10/10 Punkten und nennt ihn „Vielleicht ein künftiger Lieblingsfilm“. Und mit „Die sieben glorreichen Gladiatoren“ des Dou-Infernale Bruno Mattei/Claudio Fragasso hatte er auch eine Menge Spaß.

– Oliver Nöding von Remember It For Later war von „Public Enemies“ sehr enttäuscht und freut sich jetzt umso mehr, dass „Blackhat“ für Michael Mann eine Rückkehr zu alter Form geworden ist.

– Nachklapp zum Top-Thema der letzten Woche: Sebastian Schwittay schreibt über „The Witch“ auf odd&excluded: „Die realistische, historisch exakte und mit wohldosiertem surrealem Schockmoment versehene Studie über die psychologischen Mechanismen religiöser Hysterie hat das Zeug zum Klassiker“.

– Real Virtualinks bei real virtuality.

Open-Air-Kino in Bremen 2016 – Schlachthof & Co.

Von , 3. Juni 2016 15:49

OpenAir15Wie schon im letzten Jahr, findet auch diesmal wieder ein großes Open Air Kino Event in der Arena am Schlachthof statt. Organisiert von der Schlachthofkneipe.

Gestartet wird am 8. Juni mit der „Rocky Horror Picture Show„. Weiter geht’s – EM bedingt – am 23. Juni. Dann sind Stefan und ich zu Gast und stellen ein Double-Feature im Rahmen unserer Filmreihe Weird Xperience vor: „Return of the Living Dead“ und „Street Trash“. Beides feiner Splatter-Fun aus den 80ern. Und am 12. Juli sind wir dann noch einmal dabei und haben wieder etwas ganz Besonderes im Gepäck: „Invasion aus dem Inneren der Erde“ aus der Schmiede der legendären Shaw Brothers Studios. Auch bekannt als „Infra Superman“. Urwesen aus dem Inneren der Erde bedrohen unseren Planeten. Die modernste Technik des Atom-Zeitalters ist ohnmächtig gegen die elementaren Urgewalten. Da entwickelt ein Wissenschaftler eine Geheimwaffe: den “Infra Superman”. Außerdem: “Die Todesgöttin des Liebescamps“ von und mit Christian Anders (ja, DER „Fährt ein Zug nach Nirgendwo“ Anders), der sich Ende der 70er/Anfang der 80er als Filmemacher und deutscher Bruce Lee (!) zu etablieren versuchte. Hier spielt er an der Seite der Sexploitation-Ikone Laura Gemser. Weitere Highlights des Open-Air-Kino-Sommers sind “Das brandneue Testament” (24.6.) , “Flash Gordon“ (5.7.), „The Doors“ (14.7.) und “Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft” (24.7.). Für das mehr Mainstream-orientierte Publikum sind u.a. „Ich bin dann mal weg“ (15.7.), „Er ist wieder da“ (16.7.) und „Ein Hologramm für den König“ (22.7.) dabei.

Das vollständige Programm kann man hier einsehen: http://schlachthofkneipe.de/open-air-kino/#programm
Die Filme starten für gewöhnlich um 19:45 Uhr und Tickets gibt es für 5 Euro.

Dann noch zwei Vorschauen: Am 5. und 6. August gibt es in Bremerhaven wieder das „Kino im Hafen“ und am 16. September das Open Air Kino in Mahndorf. Für beide Termine stehen die Filme bisher noch nicht fest.

04.06: “Vor der Morgenröte” mit Regisseurin Maria Schrader in der Gondel

Von , 1. Juni 2016 21:17

vor-der-morgenrteAm Samstag, den 4. Juni um 19:00 Uhr ist die wunderbare Maria Schrader in der Gondel zu Gast, um ihren neuen Film „Vor der Morgenröte“ vorzustellen. Der Film erzählt die wahre Geschichte des berühmten österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig, der im Zuge des Nationalsozialismus aus seiner Heimat Österreich flieht. Die Hauptrollen spielen der österreichische Kabarettist und Kult-Schauspieler Josef Hader und die Bremerin Barbara Sukowa.

Im Februar 1934 wird die Lage für Stefan Zweig (Josef Hader) bitterernst. Als jüdischer Schriftsteller muss er die Verfolgung der Nazis fürchten und beschließt, seine Heimat Österreich zu verlassen, nachdem vier Polizisten sein Haus durchsuchen. Zweig kommt zu dem Schluss, dass dies erst der Anfang einer größeren, gefährlichen Entwicklung ist. Ohne seine Frau Friderike (Barbara Sukowa) steigt Zweig in den Zug und emigriert in die britische Hauptstadt, London. Doch mit der Flucht des erklärten Pazifisten haben sich nicht alle Probleme in Rauch aufgelöst. So werden die literarischen Werke Zweigs im deutschsprachigen Raum zunehmend zensiert und verboten. Davon abgesehen, fällt es dem Autoren nicht leicht, sich plötzlich in einer neuen Kultur einzuleben. Auch deshalb, weil die Beziehung zu seiner Frau nicht mehr jene ist, die sie einmal war, seit sie weit weg in Salzburg lebt. Doch obwohl Zweig vor dem Schrecken fliehen konnte, verfolgt er ihn immer noch.

Blu-ray Rezension: „Hatchet for the Honeymoon“

Von , 31. Mai 2016 17:41

Hatchet-for-the-HoneymoonJohn Harrington (Stephen Forsyth) ist der Besitzer eines Brautmodegeschäfts. Er ist mit Mildred (Laura Betti) verheiratet, deren Eifersucht und Besitzanspruch ihm das Leben zur Hölle macht. John führt ein Doppelleben, denn wenn immer sich die Gelegenheit ergibt, tötet er mit einem Beil junge Frauen, die Brautkleider tragen. Mit jedem Mord hofft er, ein Puzzlestück zu einer in seinem Kopf eingesperten Erinnerung zu erhalten: Wer tötete einst seine Mutter? Als Mildred ihn wieder einmal verhöhnt bringt er auch sie um. Allerdings kehrt sein Opfer umgehend als Geist zurück…

Endlich erblickt das Werk Mario Bavas auch in Deutschland das HD-Licht der Welt. „Hatchet for the Honeymoon“ war zwar schon in einer schon lange nicht mehr erhältlichen DVD-Edition aus dem Hause Koch Media erhältlich, doch die HD-Bearbeitung durch das junge Label Wicked Vision Media lässt einen mit der Zunge schnalzen und fügt dem Film aufgrund der kräftigen Farben und dem klaren Bild noch zusätzliche Reize hinzu. „Hatchet for the Honeymoon“ wurde viele Jahre von den Bava-Fans eher stiefmütterlich behandelt. Zu mächtig waren die großen Meisterwerke wie „Blutige Seide“, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ oder „Drei Gesichter der Furcht“. „Hatchet for the Honeymoon“ erschien mehr als Nebenwerk. Sieht man den Film heute nochmals in all seiner visuellen Pracht, bleibt die Einschätzung rätselhaft. Vielleicht liegt es auch daran, dass die bisherigen Heimkino-Umsetzungen eher suboptimal waren. So zeichnete sich die die US-DVD von Image Entertainment – lange Zeit die einfachste Möglichkeit an den Film zu kommen – durch ein eher blasses Bild und einen fürchterlichen, englischen Ton aus. Vielleicht war es aber auch Bavas ungewöhnlicher Ansatz, einen wahnsinnigen Serienmörder zum Helden und Identifikationsfigur seines Filmes zu machen.

In Zeiten, in denen ein Hannibal Lector eine eigene TV-Serie hat und ein Patrick Bateman zu einer Ikone der 80er wurde, fällt dieser Kniff allerdings weniger schwer zu verdauen aus, wie noch 1970. Zumal der Killer John Harrington sehr charmant vom gutaussehenden Stephen Forsyth gespielt wird. Dieser durchbricht gleich in der ersten Szene die vierte Wand und stellt sich dem Publikum als wahnsinniger Mörder vor, der seinen Wahnsinn auch noch in vollen Zügen genießt. Immer wieder taucht Bava in den Kopf seines Protagonisten ein und zeigt die Welt durch seine Augen. Dies nutzt Bava, der als gelernter Kameramann hier auch wieder selber für die Fotografie zuständig war, um gehörig mit seiner Kamera zu experimentieren. Er lässt dramatische Details des Bildes bis fast zu Unkenntlichkeit verschwimmen, so dass man nie sicher sein kann, ob das, was man da glaubt zu sehen, real ist oder Johns fiebrigen Wahrnehmung entspringt. Bava sucht die besondere Einstellung, die ungewöhnliche Bildkomposition, das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Die extreme Farbkomposition, die seine vorangegangenen Werke auszeichnete, fährt Bava hier stark zurück. Er achtet jedoch darauf, dass ein kräftiges Rot zum rechten Augenblick einen packenden Effekt hervorzaubert.

Gewisse Abstriche müssen beim Drehbuch gemacht werden, welches sich zwar bemüht, den kranken John Harrington und seine gestörte Welt möglichst exakt zu porträtieren, dabei aber die Spannung vollkommen vernachlässigt. Das finstere Geheimnis, welches John durch seine Braut-Morde aus seinem Gedächtnis zu lösen versucht, dürfte jedem Zuschauer, der mehr als drei solcher Filme gesehen hat, schon nach der ersten Szene bekannt sein. Sträflich ist der Umgang Bavas mit einzelnen Szenen, die das Potential für nervenzerfetzende Spannung hätten, hier aber verpuffen. Ein Beispiel hierfür wäre jener Augenblick, in dem John versucht, die Polizei aus seinem Haus zu bekommen, während über ihm und seinen Häschern eine Leiche von der Treppe herunter blutet. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was Hitchcock aus dieser Ausgangssituation gemacht hätte. Bava – der auch für das Drehbuch mit verantwortlich war – scheint dies aber gar nicht zu interessieren. Ihm war scheinbar das psychologische Drama weitaus wichtiger als die Thriller-Elemente.

Auch die Morde des John Harrington sind weitaus unspektakulärer als in vergleichbaren Bava-Filmen ausgefallen. Ja, sie sind fast schon ein Anti-Klimax. Mehr Sorgfalt verwendet Bava darauf, eine generell merkwürdig-krankhafte Eigenwelt zu kreieren, in dem sein Hauptdarsteller frei agieren kann. Die Szenen in denen sich John Harrington in einen Raum mit unzähligen in Brautkleidern gewandten Kleiderpuppen zurückzieht, nimmt bereits William Lustigs berüchtigten „Maniac“ (und mehr noch dessen gelungenes Remake) vorweg, in dem es eine ganz ähnliche Sequenz gibt. Überhaupt erinnert vieles in „Hatchet for the Honeymoon“ an diesen 80er Jahre Klassiker des verstörenden Films. Die Konzentration auf die kranke Hauptfigur, seine Paranoia (hier repräsentiert die ständig auftauchende und anklagende tote Ehefrau), das Kindheitstrauma und die zärtliche Liebesbande zu einer jungen Frau. All dies findet sich 10 Jahre später auch in „Maniac“ wieder.

Sehr viel Wert legt Bava auch auf die Ausstattung. Das Haus Harringtons, in dem weite Strecken des Filme spielen, ist eine gewaltige Villa, voller merkwürdiger Bilder, erdrückender Architektur und geheimnisvollen Wegen. Wer hier lebt, muss zwangsläufig verrückt werden. Dazu passt es dann auch, dass die Villa einst dem spanischen Gerneralissimo Franco gehört haben soll. Ein ganz besonderer Hingucker sind auch die Kostüme. Nicht nur die Kleider der Damen, sondern vor allem auch das unglaubliche Outfit Stephen Forsyths lässt Fans des wilden Übergangs zwischen 1969 und 1970 die Herzen höher schlagen. Erwähnt werden muss aber auch die interessante Filmmusik, welche von Sante Maria Romitelli komponiert wurde und sich erst zuckersüß in den Gehörgang schmeichelt, um den unvorbereiteten Zuschauer dann mit experimentellen Tönen zu verstören.

Für Hauptdarsteller Stephen Forsyth war „Hatchet for the Honeymoon“ leider sein letzter Filmauftritt. Der Kanadier zog nach Beendigung der Dreharbeiten nach New York, wo er eine erfolgreiche Karriere als Komponist, Sänger, Fotograf und Videokünstler begann. In „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert Forsyth stark an eine attraktivere Version des Italo-Westernhelden Anthony Steffen, der ja eine ganz ähnliche Rolle in „Grotte der vergessenen Leiche“ spielte. Beide vereint auch eine knarzige Hölzernheit. Überhaupt nicht hölzern, sonder sehr flexibel ist die wunderbare Dagmar Lassander, die hier allerdings keine große Aufgabe zu erfüllen hat. Diese kommt der großartigen Laura Betti, einer Stammschauspielerin Passolinis, zu, welche die bösartige Ehefrau und späteren Rachegeist spielt. Die Betti lässt den Zuschauer bei ihrer Interpretation der Mildred Harrington zwischen Abscheu, aber auch ein wenig Mitleid schwanken und ist als Geist tatsächlich gruselig.

Diese Geistergeschichte ist es dann auch, welche den Film aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Geschichte um den Geist von Johns ermordeter Ehefrau ursprünglich ambivalenter geplant war und es dem Zuschauer überlassen bleiben sollte, ob der Spuk nun real oder nur eine Ausgeburt von Johns Wahnsinn ist. Im finalen Film jedenfalls fehlt diese Zweideutigkeit, und der Geist erscheint als eben solcher und nicht als paranoide Fantasie. Dadurch wird dem Psychogramm eines Serienkillers etwas die Spitze genommen, da der Film hier ins Fantastische abgleitet. Hätte Bava auf diese Geistergeschichte verzichtet, wäre es dem Film vielleicht zugute gekommen. Andererseits wäre die Filmwelt um die beängstigende Darstellung der famosen Laura Betti ärmer.

Die Blu-ray von Wicked Vision Meda lässt, wie eingangs bereits erwähnt, keine Wünsche offen. Der Film wurde vom 35mm-Kamera-Negativ neu abgetastet und restauriert. Sowohl die Farben, als auch das Schwarz kommen dadurch sehr kraftvoll zur Geltung. Im Gegensatz zu älteren Ausgaben (insbesondere der US-Version) ist der als dts-HD-Mono vorliegende Ton hier endlich makellos. Auch an interessanten Extras wurde nicht gespart. Es gibt einen Audiokommentar von Pelle Felsch Für ein Vorwort wurde Dagmar Lassander gewonnen, die den Zuschauer einmal auf deutsch und einmal auf englisch einlädt, sich den Film anzusehen. Mit „A Hatchet for Dagmar“ ist auch ein neues, von Uwe Huber geführtes Interview mit ihr dabei, indem sie in 25 Minuten auf ihre lange Karriere Bezug nimmt und sich dabei auch kritisch äußert. In „My Dying Bride“ sieht man Marcus Stiglegger, der in knapp zehn Minuten viele interessante Hintergründe des Filmes zusammenfasst. Ferner sind noch die deutschen und italienischen Titel- und Endsequenzen dabei, allerdings in schlechter Qualität. Nette Beigabe: Der spanischen Werberatschlag, der italienische Foto-Aushang, und eine Artwork-Galerie. Weiter so, Wicked Vision Media!

Das Bloggen der Anderen (30-05-16)

Von , 30. Mai 2016 17:13

bartonfink_type2– Wer sagt, dass deutsche Kino wäre tot? Im Moment fühlt es sich sehr lebendig an. Gerade durch mutige Produktionen abseits von Förderung und TV-Geldern. Das schönste Beispiel derzeit ist „Der Nachtmahr“, der in den Blogs enthusiastisch besprochen wird. So von Oliver Nöding auf critic.de, Christian Witte auf cereality und Sebastian Selig auf Hard Sensations. Dazu passend gibt es auf B-Roll noch ein Interview von Joachim Kurz mit dem Regisseur AKIZ.

– Der deutsche Film steht auch sonst bei B-Roll im Zentrum, wo gerade eine auf sechs Teile angelegte Reihe zum Thema „Deutscher Film“ von Harald Mühlbeyer und Urs Spörri gestartet ist. Und Rochus Wolff schreibt über die Beziehungen von Kindern zu Monstern. Ein ganz wunderbarer Artikel, der mich nicht nur als Vater sehr interessiert hat, sondern natürlich auch als jemand, der einmal selber Kind war und sich den Monstern gestellt hat. Dazu eine kleine Anekdote, die hier sehr gut passt, da Rochus sie ebenfalls an den Anfang seines Textes stellt. Neulich standen wir nach einer Weird-Xperience-Vorstellung noch nett beieinander und da kam das Gespräch auf „Tanz der Vampire“ – und drei Leute erzählten gleichzeitig, wie sie von diesem Film als Kind traumatisiert wurden, als er einst im ZDF lief. Vom Alter her müssen wir damals alle dieselbe TV-Ausstrahlung (laut meinen Recherchen am 8. April 1983) gesehen haben und vermute Rochus Wolff wurde auch dessen „Opfer“.

– Frédéric Jaeger lässt auf critic.de noch einmal den diesjährigen Cannes-Jahrgang Revue passieren. Michael Kienzl erinnert anlässlich einer Retrospektive im Berliner Zeughauskino an den in Vergessenheit geratenen Regisseurs Sohrab Shahid Saless.

– Sebastian Schwittay schreibt auf odd&excluded über die Dokumentarfilm-Arbeiten von Elfi Mikesch und nimmt sich diesmal „Was soll’n wir denn machen ohne den Tod“ von 1980 vor.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen widmet sich der späten Phase der legendären Edgar-Wallace-Reihe, was ich toll finde, da diese nur selten näher beleuchtet wird und ich gerade diese Filme für sehr spannend halte. Wahrscheinlich, weil ich sie erst sehr, sehr spät gesehen habe (sie liefen ja im Gegensatz zu den älteren filmen der Reihe so gut wie nie im TV) und nur die Verrisse aus dem Goldmann-Buch „Die Edgar-Wallace-Filme“ kannte. „Der Mann mit dem Glasauge“ hat Schlombie dabei besonders gut gefallen. Zu Recht!

– Witte schreibt auf Die drei Muscheln darüber, warum Maren Ades „Tone Erdmann“ so toll ist.

– Von Deutschland nun nach Italien: totalschaden empfiehlt auf Splattertrash den Italo-Western „Vier für ein Ave Maria“ aus der Zeit, als Spencer/Hill noch nicht für Komödien standen und „Sieben goldene Männer“, den er so beschreibt: „Wundervoll inszeniert, begnadet besetzt und stets mit einem zwinkernden Auge bewaffnet, liefert der obendrein toll ausgestattete und vertonte Streifen wundervolle Unterhaltung.“

– Udo Rotenberg widmet sich auf L’amore in città weiter dem italienischen Episodenfilm der 60er Jahre. Diesmal: „Le bambole“ (Die Puppen), der Anfang 1965 in die Kinos kam.

– Jetzt Frankreich. Michel Gondry hat einen neuen Film gedreht, was mich immer wieder sehr freut. Über seinen Coming-of-Age-Film „Mikro & Sprit“ habe ich jetzt das erste Mal von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de gehört. Oliver ist von dem Film restlos begeistert und verteilt die bei ihm sehr seltene 9 von 10.

– Sebastian auf Magazin des Glücks über den aktuellen französischen Zeichentrickfilm „April und die außergewöhnliche Welt“: „Comic-Künstler Jacques Tardi (…) (re-)mixt für das visuelle Universum seiner Steampunk-Uchronie – detailfreudig, ironisch und ohne dabei den ureigenen Stil zu verlieren – magischen Realismus, ökologische Dystopie und vergangene Zukunftsträume, die kristallklare Düsternis von Feuillade, die alptraumhaften Märchenwelten von Miyazaki und die expressiven Science-Fiction-Visionen von Fritz Lang zu einem eklektizistischen Grafiktrip der Extraklasse.“ Muss ich sehen.

– Japan. Schneeland. Michael Schleeh ist begeistert von Takashi Ishiis „Gonin Saga“, den er auf der Nippon Connection 2016 sah.

– Nicolai Bühnemann hat auf filmgazette ein sehr langes und interessantes Essay über den spanischen Regisseur Eloy de la Iglesia veröffentlicht, den man hierzulande leider bisher nur von seinem Film „Cannibal Man“ her kennt., der aber so viel mehr zu bieten hat.

– „Preisfrage: Was verbindet Josef von Sternbergs AN AMERICAN TRAGEDY und Luis Trenkers DER KAISER VON KALIFORNIEN? Ganz einfach: Beide Filme wurden nicht von Sergej Eisenstein inszeniert.“ So beginnt Manfred Polaks ebenfalls sehr langes und lesenswertes Essay auf Whoknows presents über die Hollywood-Jahre eines Genies.

– „Pumkinhead“ ist einer der Lieblingsfilme von Oliver Nöding. Warum, dass erklärt er auf Remember It For Later.

04.06: “Rockabilly Requiem” mit Regisseur und Konzert in der Schauburg

Von , 27. Mai 2016 20:05

rockabillyrequiemDas in unserer schönen Hansestadt auch mal Kinofilme gedreht werden kommt ja eher selten vor. Umso schöner, dass nun einer in die Kinos kommt und bei seiner Premiere in Bremen dann auch groß auffährt.

Rockabilly Requiem“ von Till Müller-Edenborn wird am 4. Juni um 21:00 in Anwesenheit des Regisseurs und seiner Hauptdarsteller Sebastian Tiede, Ben Münchow und Ruby O. Fee in der „Schauburg“ gezeigt. Im Anschluss spielt die legendäre Bremer Rock n‘ Roll-Band „The Wild Black Jets“ (bei denen vor einigen Jahren noch der wunderbare Kai Stellmann von dem schmerzlich vermissten Buch- und Wunderladen „Pegasos“ trommelte), die in dem Film auch mitspielt ein einstündiges Konzert im Foyer.

Die beiden Freunde Sebastian (Sebastian Tiede) und Hubertus (Ben Münchow) haben beide unterschiedlich unter ihren Vätern zu leiden. Während Hubertus‘ Vater Norbert (Alexander Hauff) von der Idee besessen ist, dass sein Sohn die Offizierslaufbahn einschlägt, muss Sebastian fast gänzlich ohne Vater auskommen. Dieser lässt sich nur allzu selten blicken, was dazu führt, dass die beiden Freunde gleichermaßen auf der Suche nach Halt in ihrem Leben sind. Beides finden sie nur in ihrer Band “Rebels“, die im Stile der 1950er Jahre der Rockabilly-Musik Tribut zollt. Besonders Hubertus ist vom amerikanischen Traum und der scheinbar endlosen Freiheit begeistert, die ein Leben als Musiker mit sich bringt. Beide treffen eine Abmachung und beschließen, niemals wie ihre Väter werden zu wollen. Die Band und die Liebe zu Punkprinzessin Debbie (Ruby O’Fee) einen die beiden, und zu dritt beschließen sie, dem bürgerlichen, engstirnigen Leben den Rücken zu kehren. Für die Rebels ergibt sich dann die einmalige Chance, ihren ersten großen Auftritt zu landen, als die „Wild Black Jets“ eine Vorband suchen. Doch ihre Euphorie wird auch durch Nervosität gebremst, geht die Bühnenerfahrung der Rebels doch gegen Null. Hinzu kommt, dass vor allem Hubertus‘ Vater Norbert gegen die Ambitionen seines Sohnes aufbegehrt. Als tatsächlich eine Einladung zum Vorspielen ins Haus flattert, ist der Familienkrach vorprogrammiert, wobei die Lage zu eskalieren droht.

Ben Münchow gewann für seine Rolle in „Rockabilly Requiem“ auf dem Max-Ophüls-Festival den Darsteller-Preise. Außerdem wurde der Film in Bremen von Elke Peters (Neue Mira Filmproduktion GmbH) produziert und auch teilweise hier gedreht, u.a. im „Modernes“.

02.06: “7 Göttinnen” mit Gästen in der Schauburg

Von , 25. Mai 2016 18:49

sieben-goettinnenIch bin gar nicht auf dem Laufenden, ob der große Bollywood-Boom noch immer anhält. Ich bin 2006 erstmals mit Bollywood in Berührung gekommen und war begeistert von diesen „totalen Filmen“. Total, weil wirklich alles in die 3-4 Stunden Werke hineingepackt und dann auf gigantische Größe aufgeblasen wird. Alles ist hier soviel größer als im Leben: Die Gefühle, das Drama, die Tränen, die Freude. Dazu dann die buntesten Farben, die aufwändigsten Tanz-Choreographien, der treibensten Rhythmus der Musik und die sehnsuchtsvollsten Balladen. Und wenn sich Bollywood mal an Action versucht, dann knallt und fliegt es an allen Ecken und Enden. Und das Schönste: Völlig ironiefrei. Die meinen das alles ernst – und das ist gut so.Ich war verliebt. Aber dann habe ich Bollywood irgendwie aus den Augen verloren und weiß nicht, was es da momentan so alles gibt. In Deutschland war Bollywood, dank der Pionierarbeit von Rapid Eye Movies und der Dauerrotation auf RTL2 ungeheuer erfolgreich. Kein Wunder also, dass jetzt ein u.a. mit deutschen Geldern entstandener Bollywood-Film in die Kinos kommt und hierzulande mit großer Besetzung auf Kino-Tournee geht. Am 2. Juni um 20:30 Uhr kommen die Hauptdarstellerinnen Sarah Jane Dias (Miss India 2007), Anushka Manchanda, Pavleen Gujral und Rajshri Deshpande, sowie Produzent Gaurav Dhinga und der deutsche Co-Produzent Sol Bondy in die Schauburg, um den Film vorzustellen.

Freida (Sarah-Jane Dias) hat ihre besten Jugendfreundinnen zu sich nach Goa eingeladen. In der traumhaften Umgebung des indischen Küstenstaats will sie mit ihnen – zur großen Überraschung aller – ihre Hochzeit feiern. Die Hochzeitsgesellschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: Suranjana (Sandhya Mridul) ist eine toughe Geschäftsfrau und Mutter, Joanna (Amrit Maghera) eine aufstrebende Schauspielerin, Mad (Anushka Manchanda) eine mit dem Erfolg ringende Musikerin, Nargis (Tannishtha Chatterjee) engagierte Umweltaktivistin, und die ehemalige Spitzenstudentin Pam (Pavleen Gujral) ist inzwischen Hausfrau. Umsorgt werden alle von Freidas Hausmädchen Laxmi (Rajshri Deshpande). Zwar verrät Freida ihren erstaunten Freundinnen noch nicht, wen sie heiraten wird, zum Feiern muss sie sie aber nicht überreden. Und während alle über die Identität des Bräutigams rätseln, beginnen die sieben jungen Frauen wild und ausgelassen über Gott und die Welt zu philosophieren – über Männer, Sex und ihre Karrieren, über ihre kleinen Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Je mehr sie dabei von sich offenbaren, desto klarer wird ihnen, dass sie alle vom Leben nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten. Eigentlich hatte ihnen die Welt offen gestanden, in einem Land, in dem Traditionen und Männer das Sagen haben, sind ihre Träume aber irgendwann auf der Strecke geblieben. Sieben Frauen, die wütend sind – und die gemeinsam Pläne schmieden, wie sie ihr bisheriges Leben ändern können. Doch sie ahnen nicht, dass ihre Gemeinschaft durch ein dramatisches Ereignis schon bald auf ganz andere Weise herausgefordert wird.

Der Film ist Bollywood-untypisch nur 103 Minuten lang, und ob darin gesungen und getanzt wird, kann ich leider auch nicht sagen. Schön wäre es aber schon.

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