Das Bloggen der Anderen (18-11-13)

bartonfink_type2– Wie ich in meinem Bericht über das diesjährige Internationale Filmfest in Oldenburg erwähnt habe, war „The Act of Killing“ für mich ein Highlight und Magenschwinger par excellence. Ein Film, an den ich noch häufig gedacht habe, und der mir noch immer Schauer verursacht. Dieser Tage kommt er auch regulär in die Kinos und ist deshalb in der vergangenen Woche eins der Hauptthemen in der deutschen Filmblogszene gewesen. So gab es eine Review von Arne Fischer auf Daumenkino, sowie gleich zwei Interviews mit dem Regisseur Joshua Oppenheimer auf Zeilenkino und auf kino-zeit.de.

– Apropos kino-zeit.de. Diese empfehlenswerte Seite hat seit einiger Zeit auch einen Blog namens B-Roll für seine Autoren eingerichtet. Dort gibt es noch einen (aber das Festival kann gar nicht genug propagiert werden) Rückblick auf die Nordischen Filmtage von Sonja Hartl und Martin Beck sinniert über Found-Footage-Horror.

– Patrick Holzapfel macht sich auf seinem Blog Jugend ohne Film interessante Gedanken über Filmsprache, und was der Regisseur zeigt und was eben nicht.

Der Kinogänger berichtet wieder über neue Projekte in Hollywood.

– Bald kommt der mit viel Neugier erwartete dritte Spielfilm von Steve McQueen in die Kinos: „12 Years A Slave“. Frank Schmidtke hat ihn für cinetastic.de gesehen und ist sehr angetan. Weniger angetan ist Ronny Dombrowski von Brian de Palmas „Passion“.

PewPewPew berichtet darüber, dass schwedische Kinos das sogenannte Bechdel-Rating einführen. Demnach muss ein Film, um ein A-Rating zu bekommen, folgende Kriterien erfüllen: „It must have at least two named female characters who talk to each other about something other than a man“.  Ferner wird die schöne Zusammenstellung von SciFi-Kurzfilmen weitergeführt.

– Auf Hard Sensations schreibt Bianca Sukrow begeistert über das Sozialdrama „The Selfish Giant“, dem sie eine lange und interessante Review spendiert. Währenddessen hat Jamal Tuschick Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt „Don Jon“ angesehen und ist recht angetan.

– Gar nicht angetan ist filmosophie von Ridley Scotts neuem, starbesetzten Film „The Counselor“. Ihre enttäuschte Rezension findet man auf filmosophie (wo auch sonst?). Dort schreibt auch patrick. Er hat sich den südkoreanischen Gangster-Thriller „New World“ vorgenommen und für gut befunden.

Drama Blog fasst in wenigen Sätzen einen interessanten Artikel des Hollywood Reporter zusammen, warum Deutschland für Hollywood ein wichtiger Filmmarkt ist.

– Alexander Matzkeit diskutiert auf seinem Blog real virtuality mit Matthias von “Das Film Feuilleton” über die interessante Frage, in wie weit die zweite Phase der Marvel-Verfilmungen nun eine Enttäuschung und bezeichnend für den traurigen Status des amerikanischen Blockbuster-Kinos ist… oder eben nicht.

Going to the Movies sinniert am Beispiel von „Ich bin Nummer Vier“ darüber, weshalb so viele Verfilmungen von erfolgreichen Jugendbuch-Reihen an der Kinokasse scheitern.

– Gewohnt ausführlich analysiert Manfred Polak auf Whoknows presents den Anti-Nazi-Film „This Land is Mine“ von Jean Renoir, den er 1943 im amerikanischen Exil drehte. Dabei geht er auch im Detail auf Renoirs politische Überzeugungen ein.

– Udo Rotenberg führt drei Blogs. Davon widmet sich einer dem italienischen Kino und ein anderen dem deutschen. Jürgen Rolands Kiez-Reißer „Zinksärge für die Goldjungs“, der mit Italien co-produziert wurde und von dem zwei unterschiedliche (eine italienische und eine deutsche) Versionen existieren, ist ein Fall sowohl für L’Amore in cità, als auch Grün ist die Heide und kann sowohl hier als auch hier nachgelesen werden. Ferner hat sich L’Amore in cità dem unbekannten Film „La fuga“ (Liebe im Zwielicht) angenommen, während Grün ist die Heide Frank Wisbars „Die Unbekannte“ von 1936 bespricht, in dem die legendäre Sybille Schmitz die Hauptrolle spielt.

– Auch totalschaden hat sich auf Splattertrash einer deutsch-italienischen Co-Produktion angenommen: „Der Mörder mit dem Seidenschal“ für den Adrian Hoven Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion war.

– Auf critic.de wurden eine Reihe von Roland-Klick-Filmen vorgestellt. Ein guter Startpunkt, um sich mit Klick zu beschäftigen bietet dabei die Doku „The Heart Is A Hungry Hunter“, die ebenfalls besprochen wird.

– Einer der wichtigsten und interessantesten Regisseure Japans ist Kôji Wakamatsu, der hierzulande leider nicht so bekannt ist, wie es wünschenswert wäre. Was wohl auch an der geringen Verfügbarkeit seiner Filme in Deutschland liegt. Da muss man schon ins Ausland aufweichen, was man nach der Lektüre von Michael Schleehs „Ecstasy of the Angels“-Review auf Schneeland sicherlich gerne tut.

– Harald Mühlbeyer hat bei „Grindhouse Night & Day“ im Kino Quadrat in Mannheim sieben Grindhouse-Filme in 14 Stunden gesehen. Wow, nicht schlecht. Ebenfalls nicht schlecht ist es für uns, dass er diese auch auch alle auf screenshot bespricht.

– Viele schöne Filme gibt es auch immer in der Reihe Cinema Bizzar in Hamburg zu sehen. Anlässlich eines Stuntman-Specials innerhalb dieser Reihe hat The Wayward Cloud einen ausführlichen und spannenden Artikel über Stuntleute verfasst.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later immer noch mit Jürgen Enz beschäftigt und hat sich deshalb „Die Liebesvögel – Küss mich da, wo ich es mag“ angesehen.

– Annika Stelter hat auf ihrer Filmreise auf Die Filme, die ich rief schon wieder einen meiner persönlichen Lieblingsfilme gesehen: „Posession“ von Zulawski. Schön, dass er sie ebenso durchgerüttelt hat, wie mich.

– Bevor er „Kult“ wurde, spielte Helge Schneider schon in etlichen Filmen mit. Häufig für Schlingensief, aber auch Werner Nekes. So auch 1986 in „Johnny Flash“ (den ich auch noch unbedingt gucken muss). Stubenhockerei stellt das Frühwerk vor.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: “Psychomania”

psychomaniaDer jugendliche Tom Latham (Nicky Henson) ist der Anführer der Motorrad-Gang „The Living Dead“, die ihre Umgebung terrorisiert. Er lebt mit seiner Mutter (Beryl Reid) und dem mysteriösen Butler Shadwell (George Sanders) in einem schlossähnlichen Gebäude. Mrs. Latham ist ein Medium und hat einst einen Pack mit dem Teufel geschlossen. Auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater, kommt Tom hinter das Geheimnis ewigen Lebens. Kurzerhand begeht er Selbstmord, um kurze Zeit später als Untoter mit mörderischen Instinkten wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Er überredet seine Gang, es ihm gleichzutun und bald schon rollen echte „lebende Tote“ auf ihren Motorrädern durch die Gegend…

vlcsnap-00075vlcsnap-00074

Der Film war mir unter dem Titel „Der Frosch“ schon länger bekannt, obwohl ich ihn nie gesehen hatte. Ich erinnere mich aber sehr gut an den Eintrag in dem für Genrefreunde völlig unbrauchbaren, aber mit einem gewissen Abstand recht unterhaltsamen, Buch „Das Horror-Film Lexikon“ vom Duo Infernale Ronald M. Hahn und Volker Jansen, die 99,5% aller besprochenen Filme hemmungslos verrissen. Dort kam natürlich auch „Der Frosch“ nicht gut weg. Tatsächlich wurde eine ziemlich geschmacklose Verbindung zwischen dem Selbstmord des großen George Sanders und diesem Film gezogen. Was mich aber schon immer verwunderte, war die Inhaltsangabe, die so gar nicht mit dem merkwürdigen, deutschen Titel zusammenpasste. Interessanterweise gab es auch ein Foto aus dem Film, auf dem der rundlich-kindliche Denis Gilmore zu sehen war und ich dachte daraufhin immer, Gilmore würde aufgrund seines Aussehens einen Typen mit Spitznamen „Frosch“ spielen.

vlcsnap-00080vlcsnap-00083

Dank der DVD-Veröffentlichung des Hauses Colosseo Film weiß ich es jetzt besser. „Der Frosch“ alias „Psychomania“, wie er im Original und bei der deutschen DVD-Veröffentlichung heißt, ist ein gediegener, britischer Horror-Film, der alle möglichen Zutaten in einen großen Topf wirft und manchmal das Umrühren vergisst. Da sind zunächst einmal die jungen Rocker auf ihren Motorrädern, die wahrscheinlich zu einem Teil von den jugendlichen Brutalos aus dem zwei Jahre zuvor entstanden „Uhrwerk Orange“, und zum anderen Teil von den amerikanischen Biker-Filmen aus der Corman-Fabrik inspiriert wurden. Sie nennen sich – wenn man an ihr weiteres Schicksal denkt, durchaus prophetisch – „The Living Dead“ und schikanieren gerne ihre Umwelt. Dabei schrecken sie auch vor absichtlich herbei geführten Unfällen mit tödlichem Ausgang nicht zurück. Trotzdem wirkt die Bande irgendwie nicht besonders bedrohlich, was auch an ihren bösen, aber irgendwie auch amüsant wirkenden, Helmen in selbstgebastelter Totenkopfoptik liegt. Auch wenn sie später als Untote unschuldige Passanten durch einen Supermarkt jagen, will sich kein besonderes Gefühl der Bedrohung einstellen. Man fühlt sich dabei etwas an den Monty-Python-Sketch mit den „Hell’s Grannies“ erinnert.

vlcsnap-00092vlcsnap-00125

Andererseits will Regisseur Don Sharp, der zuvor für die legendären Hammer-Studios einige Klassiker inszenierte, das Ganze mit einer okkulten Gothic-Horror-Story verweben, was zu einem vielleicht nicht immer stimmigen, aber doch interessanten Ergebnis führt. Hier geht es um die Mutter des Biker-Anführers Tom Latham, die zusammen mit ihrem Butler Shadwell (auf Autopilot gespielt vom großartigen George Sanders) in einem großen Herrenhaus lebt, sich dort als Medium verdingt und ein finsteres Geheimnis hat. Jenes, das kann an dieser Stelle verraten werden, ist ein Pakt mit dem Teufel, bzw. eines anderen Dämons, der die Gestalt einer Kröte (der titelgebende „Frosch“) angenommen hat. Dieser Teil der Geschichte führt zu einer ausgesprochen stimmungsvoll umgesetzten Szene, in der der junge Tom in einem geheimnisvollen Zimmer hinter das Schicksal seines Vaters kommen will. Ein Handlungspunkt, der dann aber leider schnell fallen gelassen wird. So richtig will die Symbiose aus altmodischem Grusel und modernen Unruhestiftern nicht funktionieren, doch gerade dieses Scheitern macht einen Teil des charmanten Reizes dieses Filmes aus.

vlcsnap-00105vlcsnap-00128

Dass Sharp und sein Kameramann Ted Moore (Director of photography bei sieben klassischen James-Bond-Filmen!) ihr Handwerk verstehen, sieht man nicht nur an der oben erwähnten „Zimmer-Szene“. Gerade wenn zu Beginn die Motorräder in Zeitlupe durch den Nebel gleiten, oder später Tom mitsamt seinem Motorrad aus seinem Grab springt, gelingen atmosphärische Bilder, die man nicht so schnell vergisst. Wobei Sharp auch von dem tollen Soundtrack des Komponisten John Cameron unterstützt wird, welcher erst kürzlich von der Gruppe Zoltan als Cover-Version auf Vinyl veröffentlicht wurde und beim Cinestrange in Dresden live aufgeführt wurde. Das schönste Kabinettstückchen ist aber eine 360-Grad-Kamerafahrt in der Leichenhalle, über die man aber nicht zu viel schreiben sollte, weil man dadurch eine wichtige Wendung in der Handlung verraten würde. Demgegenüber sind die wirklich „klassischen“ Horrorszenen eher unspektakulär ausgefallen. Blut bekommt man so gut wie keines zu sehen. Menschen, die bei einem Fall aus großer Höhe zerschmettert werden, sehen danach immer noch völlig intakt aus und die beiden großen Mordszenen des Filmes finden im Off statt.

vlcsnap-00122vlcsnap-00118

Neben George Sanders, einem der größten Namen des britischen Kinos in den 40er und 50ern, für den der Film sichtlich nur eine Geldbeschaffungsmaßnahme war, gibt es auch ein Wiedersehen mit einer weiteren Ikone des britischen Films. Als Inspektor sieht man den jungen Robert Hardy, der sich einige Zeit später als Siegfried Farnon in der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“auch in die Herzen deutscher Fernsehzuschauer spielte und zum Stammpersonal der „Harry Potter“-Filme gehörte, wo er den Cornelius Fudge darstellte. Den Biker-Anführer Tom gibt Nicky Henson, der danach in zahlreichen britischen Fernsehserien mitspielte. Zu seiner Gang gehören das rothaarige Babygesicht Denis Gilmore und der milchgesichtige Miles Greenwood, der seine Lippen zu dem Hippie-Song „Riding Free“ bewegen darf. Auf der Seite der Damen sticht Ann Michelle als ebenso schöne, wie bösartige Jane Pettibone hervor. Ihr Gegenpart Mary Larkin, als Toms Liebchen Abby, muss ihr gegenüber blass bleiben. Aber auch so ist Abbys Charakter so uneinheitlich gezeichnet, dass sie dem Zuschauer reichlich egal bleibt. Lieber würde man mehr von Ann Michelle sehen.

vlcsnap-00114vlcsnap-00097

Bei „Psychomania“s Schurken von „Zombie-Bikern“ zu sprechen, ist etwas zu viel des Guten und lenkt die Zuschauer in eine falsche Richtung. Die „Zombies“ sind eher unsterbliche Wiedergänger und ihre Untaten werden recht unspektakulär in Szene gesetzt oder gar gänzlich ins Off verlagert. Auch die Vermischung mit Okkult-Horror gelingt nicht wirklich. Trotzdem besitzt der Film einen gediegen-britischen Charme und wirkt auf seine unperfekte Weise durchweg liebenswert. Unterstützt wird er durch einen tollen Soundtrack und eine streckenweise sehr stimmungsvoll Fotografie.

vlcsnap-00126vlcsnap-00127

Für die DVD-Veröffentlichung lag kein Negativ mehr vor, was man an leider an der Bildqualität merkt, die bestenfalls nur durchschnittlich ist. Aber besser so, als gar keine Veröffentlichung. Wirklich schade ist es, dass auch der Ton nur suboptimal ist. Der englische Ton ist dumpf, leise und die schöne Musik von John Cameron wird ziemlich in den Hintergrund gedrückt. In der deutschen Fassung ist sie etwas weiter nach vorne geholt, aber auch nicht besonders dominant. Zudem sind die Dialoge etwas verrauscht und blechern. Als Extra gibt es nur einen Trailer.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 14.11.13 – 20.11.13

Reichlich Filmstoff für diese Woche. Besonders im City 46 ist eine Menge in Sachen O-Ton los. Und man glaubt es kaum: Das Cinespace in Gröpelingen macht jetzt in der wöchentlichen Sneak-Preview-Sause mit. Blöderweise auch am Montag, wo schon Schauburg und Cinemaxx ihre Sneak Previews platziert haben. Aber wie ich hörte, zeigen die meistens eh alle dasselbe. Aber eine Entzerrung wäre schon schön gewesen. Ansonsten könnte „Captain Phillips“ recht interessant sein und mit „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ findet der Gewinner des Silbernen Bären seinen Weg auf eine Bremische Leinwand.

Captain Phillips – Cinemaxx, Do.,Sa.-Di. immer 19:45 – Basierend auf einer wahren Geschichte, die erst vier Jahre her ist, inszeniert Regisseur Paul Greengrass die Geschichte eines Frachterkapitäns, dessen Schiff von somalischen Piraten entführt wurde. In der Hauptrolle: Tom Hanks. Da Paul Greengrass mit „Flug 93″ bewiesen hat, dass er reale Ereignisse gekonnt verfilmen kann, kann man gespannt sein.

[youtube width=“630″ height=“299“]http://www.youtube.com/watch?v=Sp6jpeDeQmE[/youtube]

Die Tribute von Panem – Catching Fire – Cinemaxx, Mi., 20.11. um 20:15 – Der zweite Teil der Saga. Ich kenne die Bücher nicht, aber die Serie scheint sehr beliebt zu sein. Klingt für mich immer noch nach „Battle Royale“ für Teenies, aber ich habe mittlerweile auch Gutes gehört.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=EAzGXqJSDJ8[/youtube]

Thor: The Dark Kingdom 3D – Cinemaxx, Fr., 15.11. um 19:45 – Fortsetzung der erfolgreichen Marvel-Comic-Verfilmung. Wieder mit Chris Hemsworth in der Titelrolle und dem genialen Tom Hiddleston als Loki. Regie führt diesmal TV-Regisseur Alan Taylor.

Meine Welt – Benim Dünyam – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 21:00 – Türkisches Drama um eine junge Frau, die als Kind durch eine Krankheit blind und taub wurde und nun in den 50er Jahren einen jungen Mann trifft, der mit ihr Kontakt aufnehmen will.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 18:30 und 23:20 (Fr. nur 23:20) – Prequel zur türkischen Komödie „”Hükümet Kadin” um einen Bürgermeisterwahlkamp Ende der 40er Jahre.

Blue Jasmine – Schauburg, Fr.-Mi. immer 21:30, Mo. auch um 12:00 & Gondel, Mi., 20.11. um 12:00 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

Aus dem Leben eines Schrottsammlers – City 46, Do./Sa./So. immer 20:00 – Sozialdrama aus Bosnien-Herzegowina, das bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären gewann. Der Roma Nazif führt in der bosnischen Provinz mit seine Frau Senada und die beiden Töchter ein hartes Leben. Er schlachtet alte Autos aus und verkauft den Schrott. Als Senada nach einer Fehlgeburt lebensgefährliche Blutungen erleidet, kann Nazif sie nicht in einem Krankenhaus unterbringen, weil er die Versicherung nicht zahlen kann. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und die damals betroffenen Personen spielen sich selbst.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=lLBIF1n1pOI[/youtube]

Waste Land – City 46, Do.um 19:30, Fr./So./Mo. um 18:00 und Sa. um 20:30 – Doku über den brasilianische Künstler und Fotograf Vik Muniz, der die größte Müllkippe der Welt zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Kunstprojekts macht.

Five Dances – City 46, Fr. 20:30 und Sa. 18:00 – Amerikanischer Queerfilm über einen 18-jährigen Tänzer, der in einer Modern-Dance-Gruppe, trotz des harten Trainings Erfüllung und Liebe findet.

Der kürzeste Brief an die Mutter – City 46, Di. 19.11. um 20:30 – Japanischer Spielfilm von 1995 um einen jungen Mann, der sich nach dem Tod des Vaters auf die Suche nach seiner Mutter macht, die die Familie vor langer Zeit verlassen hat. eintritt frei!

Chaos und Unordnung – City 46, Mi., 20.11. um 18:00 – Ägyptischer Spielfilm um eine Gruppe junger Leute und ihren Beziehungen.

Lola – City 46, Mi., 20.11. um 20:30 – Philippinischer Spielfilm von Brillante Mendoza um zwei Großmütter in Manila. die eine will ihren Enkel aus dem Gefängnis befreien, indem sie der Großmutter eines von ihm ermordeten Jungen Geld bietet. Diese wiederum kann die Beerdigung ihres Enkels nicht bezahlen. Harter Stoff.

CineSneak – Cinespace, Mo. 18.11. um 20:15

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 18.11. um 20:45

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 18.11. um 21:45

 

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Ein Kommentar

Das Bloggen der Anderen (11-11-13)

bartonfink_type2– Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film macht weiter mit seiner ausführlichen und spannenden Viennale-Berichterstattung. U.a. schreibt er auch über den neuen Film von Bruno Dumont: „Camille Claude 1915“ mit Juliette Binoche.

– Auch auf critic.de ist die Viennale noch Thema und Michael Kienzle geht hier auch noch einmal auf die Louis-Feuillade-Retrospektive ein (die hätte ich auch liebend gerne gesehen). Ferner interviewt Daniel Ruprech das neue Regie-Wunderkind Axel Rainsch, der im Feuilleton schon mit Fassbinder verglichen wird.

– Der Kinogänger berichtet von einigen interessanten Projekten, die zur Zeit in den USA geplant werden.

Stubenhockerei stellt wieder einen Haufen interessanter Filme vor. Zu viele, um hier alle aufzuführen. Daher nur exemplarisch drei Titel: „Mothlight“ von Stan Brakahge, „Tovarishch Kanev“ – ein sowjetisches Remake von „Citizen Kane“ – und „Dr. Caligari“ von Stephen Sayadian, den man von seinen Porno-Klassiker „Café Flesh“ kennt. Den will ich sehen!

– Umberto Lenzi hat in seiner langen Karriere viele großartige Filme in Szene gesetzt. Dummerweise wird er immer mit seinen untypischen, nicht besonders tollen Kannibalen-Filme assoziiert. Was jammerschade ist. Oder mit „Großangriff der Zombies“, den ich allerdings irgendwie recht gerne mag, auch wenn er weit weg ist von solchen Meisterwerken wie „Der Berserker“. Der Intergalactic Ape-Man von Unendliche Filmreisen mag den aber auch.

– Udo Rotenberg stellt auch L’Amore in cità den eher unbekannten und fast vergessenen, neorealistischen „Il tetto“ (Das Dach) von Vittorio De Sica vor und erweist dem Maestro Ennio Morricone zum 85. Geburtstag mit seinem sehr schönen Artikel seine Ehre.

– Auf seinem zweiten Blog Grün ist die Heide schreibt er über den zweiten „Pater-Brown“-Film „Er kann es nicht lassen“ mit Heinz Rühmann. Als Kind habe ich diese gemütlichen Krimis geliebt, fand aber damals schon den zweiten Teil deutlich schwächer als den Ersten. Eine Meinung, die Udo ebenfalls teilt.

– Und auf Filmakrobatischen Höhen rechnet Udo dann mit dem Stallone-Schwarzenegger-Vehikel „Escape Plan“ ab, der ihm nicht sonderlich gefallen hat. Seine Einschätzung „Außer mit Ironie kann man sich einem kalkulierten, jeden Moment vorhersehbaren Produkt wie „Escape Plan“ nicht nähern, dass 80er Jahre Action-Kino verspricht, aber nur eine glattgebügelte Kopie davon abliefert – für ein an das heutige Hightech-Kino gewöhntes Publikum“ trifft den Nagel wohl auf den Kopf.

– Ronny Dombrowski von cineastic.de hat „Escape Plan“ auch gesehen und bestätigt, was Udo am Film auszusetzen hat.

– Ich freue mich schon sehr auf Rob Zombies neuen Film „The Lords of Salem“. Ich liebe „Devil’s Rejects“ und fand auch den viel geschmähten „Halloween 2“ richtig gut. Jogiwan hat auf project-equinox „The Lords of Salem“ recht positiv besprochen und da jogiwan einen sehr guten Filmgeschmack hat, freue ich mich jetzt umso mehr auf diesen Film.

– Auf dem letztjährigen International Filmfest in Oldenburg sah ich einen Film, der mich heute noch nachdrücklich begeistert und den ich tief in mein Herz geschlossen habe: „Wrong“ von Quentin Dupieux. Meine überschwängliche Begeisterung teil Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de nicht zu 100%, mochte den Film aber auch. Ferner :“Die letzten Glühwürmchen“. Darüber habe ich schon viel gehört, aber ich traue mich nicht an den Film,weil ich befürchte, er könnte mich emotional ziemlich aus dem Gleichgewicht bringen. Wovon ich nach der gut geschriebene Besprechung auch überzeugt bin.

– Paul schreibt auf La vie cinéphile über „Tabu“ von Miguel Gomes. Dabei bestätigt er, was ich schon über diesen Film gehört habe. In der ersten Hälfte fragt man sich, was die positiven Besprechungen wohl in diesem Film gesehen haben, um in der zweiten Hälfte verzaubert zu werden. Muss ich noch sehen!

– Jürgen Enz erlebt in einigen aufgeschlossenen Ecken des Netzes gerade so etwas wie ein Wiederentdeckung. Wobei man das „wieder“ eigentlich streichen kann. Oliver Nöding begibt sich auf Remember it for later auf schlüpfrig-trostlose Pfade und bespricht gleich drei Enz-Filme, ohne gesundheitliche Schäden zu erleiden. Und das Schöne daran ist: Die Besprechungen von „Wo der Wildbach durch das Höschen rauscht“, „Gaudi in der Lederhose“ und „Nackt und kess am Königssee“ wecken tatsächlich die Neugierde, sich selbst in die seltsame Welt des Herrn Enz zu begeben.

– Noch einmal Oliver Nöding, aber auf Hard Sensations. Dort hat er einen sehr ausgewogenen, wirklich fein geschriebenen Text über „Sharknado“ und das „Mockbuster-Kino der Firma The Asylum geschrieben, den ich für unbedingt lesenswert halte. Nach diesem Essay hat sich meine Meinung gegenüber der selbsternannten „Trash“-Schmiede nicht unbedingt geändert, aber ich sehe das nun etwas differenzierter. Und Silvia Szymanski hat wieder ein interessantes Stück Sexfilmgeschichte im muffigen Keller der deutschen Filmgeschichte entdeckt und fragt: „Wer weint denn schon im Freudenhaus?“.

– Rainer Knepperges hat auf new filmkritik einen neuen Artikel veröffentlicht und ich freue mich sehr darüber.

– dennis macht sich auf Filmosophie Gedanken über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Cuaróns „Gravity“ und Kubricks „2001“. Interessant. Cutrin wiederum ist sehr angetan von Jim Jarmuschs Vampirfilm „Only Lovers Left Alive“. Ich habe jetzt erst bemerkt, dass da ja der tolle Tom „Loki“ Hiddleston mitspielt. Aber mir hätten Jarmusch und die großartige Swinton schon als Argument für einen Besuch ausgereicht.

– Wer mehr über Filmosophie wissen möchte, dem sei Alexander Matkeits real virtuality ans Herz gelegt, wo er den Blog vorstellt und die Gründerin Sophie interviewt.

– In Anspielung auf meine Bemerkung zwei weiter oben über Tilda Swinton: Apropos großartige Schauspielerinnen. Laila Oudray berichtet auf screen/read von einem Auftritt Isabelle Hupperts beim Internationale Kölner Film- und Fernsehfestival.

– Ich liebe Buster Keaton. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich mich nie an seine frühen Tonfilme gewagt. Wie gabelingeber auf Hauptsache Stummfilm in seiner Kritik zu „Doughboys“ schreibt, eine gute und doch auch irgendwie traurige Entscheidung.

– Zu guter Letzt: Jens Dehn schreibt auf Negativ einen sehr informativen Bericht über eines der schönsten Filmfestivals, die ich kenne: Die Nordischen Filmtage in Lübeck. Und wieder bedaure ich, dass ich dieser sympathischen Veranstaltung in der anderen Hansestadt wieder einmal fern bleiben musste. Aber vielleicht inspiriert sein Artikel ja den einen oder anderen sich nächstes Jahr auf nach Lübeck zu machen. Verdient hat es das Festival auf jeden Fall und wie ich mit großem Entsetzen und Unverständnis lesen musste, kreist auch hier das Gespenst der massiven Kürzungen seitens der Stadt (siehe auch: Oldenburg).

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

DVD-Rezension: “Darkman“

darkman

Die Anwältin Julie Hastings (Frances McDurmond) stolpert zufällig über ein Dokument, welches Korruption im großen Stil enthüllt. Auf der Suche nach diesem Dokument dringt der Gangster Robert G. Duran (Larry Drake) mit seiner Bande in die Wohnung von Julie und ihrem Verlobten Dr. Peyton Westlake (Liam Neeson) ein. Dieser arbeitet gerade an der Herstellung einer synthetischen Haut und steht kurz vor dem Durchbruch. Durant foltert den Wissenschaftler, wirft ihn in einem Säurebecken und sprengt die Wohnung in die Luft. Kurze Zeit später wird ein mysteriöser, schrecklich verbrannter und entstellter Mann im Fluss gefunden und von einem Ärzte-Team gerettet. Sie kappen seine Nerven, damit er keinen Schmerz mehr verspürt, was sich aber auch unglücklich auf seine Emotionen auswirkt. Natürlich ist dieser geheimnisvolle Fremde der totgeglaubte Dr. Westlake. Dieser flieht aus dem Krankhaus, richtet sich in einem heruntergekommen Industrieviertel ein geheimes Labor ein und wird zum dunklen Rächer „Darkman“…

vlcsnap-00036vlcsnap-00034

Darkman“ dürfte die erste Comic-Verfilmung darstellen, zu der es gar keine Comic-Grundlage gab. Eigentlich hatte Regisseur Sam Raimi vor, den „Shadow“ zu verfilmen. Eine Radiosendung aus den 30er bis 50er Jahren, die in der Folge zahlreiche Comics und Groschenromane hinter sich her zog, sowie einige Serial-Verfilmungen, und als eine Inspiration für „Batman“ gilt. Doch Raimi bekam nicht die Rechte an der Figur des „Shadow“ (der dann 1994 von Russell Mulcahy verfilmt wurde und leider zu Unrecht unterging) , da man dem damals nur einer eingeschworenen Fangemeinde bekannte Regisseur von „Tanz der Teufel“, „Tanz der Teufel 2“ und den leider heute weitgehend unbekannten „Killer-Akademie“, einen aufwändigen und hoch budgetieren Film nicht anvertrauen wollte. Also machte sich Raimi daran, einen eigenen Superhelden zu kreieren. Das Ergebnis war „Darkman“, der tatsächlich an den „Shadow“, aber auch an das „Phantom der Oper“ und den Schurken aus „Das Kabinett des Professor Bondi“ erinnert.

vlcsnap-00045vlcsnap-00046

In gewisser Weise hat „Darkman“ dann auch einen gewissen 40er-Jahre-„Film Noir“-Look, wie man es von einer „Shadow“-Verfilmung erwartet hätte. Der Mafio Durant und seiner Gag wirken beispielsweise wie eine überdrehte Parodie auf die harten Jungs aus den alten Warner Gangsterfilmen. Bezeichnend, dass Sam Raimi Larry Drake für die Rolle des Durant haben wollte, weil dieser ihn an Edward G. Robinson erinnerte. Aber nicht nur aus dieser Ära spürt man Einflüsse. Der Darkman weckt auch Erinnerungen an Vincent Price in dem oben bereits erwähnten „Das Kabinett des Professor Bondi“ (das Kostüm, welches Darkman trägt ist nahezu identisch mit dem, welches Professor Bondi bei seinen Morden trägt und auch er versteckt sein zerstörtes Gesicht hinter einer Maske seines früheren Ichs) und an die Dr.-Phibes-Filme, in denen es ebenfalls um einen entstellten Wissenschaftler geht, der Gesichtsmasken benutzt und blutige Rache übt.

vlcsnap-00053vlcsnap-00054

In der Rolle des Dr. Peyton Westlake alias Darkman kann man einen noch jungen Liam Neeson bewundern, der zu dieser Zeit auf eher blasse, dafür aber sympathische Rollen abonniert war. In „Darkman“ ist sein Dr. Westlake ein perfektes Beispiel für dieses Rollenmuster. Doch wenn Neeson sich in „Darkman“ verwandelt, deutet er schon überzeugend an, was man im Herbst seiner Karriere von ihm erwarten durfte. Als der freundliche Herr Neeson plötzlich zu einem raubeinigen, knallharten Action-Helden mutierte, der sich durch Filme wie „Taken“ und „Unknown“ ballert und prügelt. Als seiner Seite spielt eine noch junge Frances McDurmond, die zuvor mit zwei Filmen der Coen-Brüder („Blood Simple“ und „Arizona Junior“) bekannt geworden war. Die Coen Brüder sind gute, alte Freunde von Sam Raimi und haben ihm Frances McDurmond sicherlich empfohlen. Leider kamen die Beiden bei den Dreharbeiten gar nicht miteinander zurecht und so blieb es bei dieser einmaligen Zusammenarbeit. Frances McDurmond kehrte zu den Coens zurück und hatte ihren großen, oscar-prämierten Durchbruch 1996 mit „Fargo“. In „Darkman“ spielt sie aber eher unauffällig.

vlcsnap-00056vlcsnap-00062

Der eigentliche Star des Filmes ist Larry Drake, der den Mafioso Durant spielt, der zunächst als Kopf hinter den Verbrechen eingeführt wird, sich aber später als Helfershelfer des eigentlichen Schurken entpuppt. Der etwas seltsam aussehende Drake passt perfekt in diese Rolle, die er ohne große Emotionen, aber einer eindrucksvoller Präsenz spielt. Insbesondere, wenn er gleichzeitig Durant und Westlake in Durant-Verkleidung spielt, kann er einige schauspielerische Kabinettstückchen abliefern. Durant ist auch viel interessanter als eigentlicher Schurke. Darum wurde er nach seinem – merkwürdig unspektakulären – Abgang in „Darkman“ für die „Direct-to-video“-Fortsetzung „Darkman II: The Return of Durant“ wiederbelebt. Colin Friels bleibt dem gegenüber als Hauptschurke eher langweilig und spielt diesen Charakter leicht überdreht, aber ohne Charisma.

vlcsnap-00061vlcsnap-00041

In der Zeit von seelenloser CGI ist es schön, noch einmal einen alten Film zu sehen, der noch ganz mit handgemachten Effekten hantiert, und in dem die Explosionen noch echt und keine Pixelwolken sind. Zwar sind nicht immer alle Effekte gelungen, was besonders die Szenen, in denen Darkman vor einem offensichtlichen Green Screen an einem Helikopter hängt betrifft, aber immer charmant. Absolut brillant sind die Make-Up-Effekte ausgefallen. Nicht nur Dr. Westlakes zerstörtes Gesicht ist unangenehm überzeugend gelungen, auch die kleineren Effekte, wie das Auflösen der unterschiedlichen Gesichtsmasken, sind ganz große Make-Up-Kunst, die man so plastisch heutzutage – wo man sich fast nur noch auf kostengünstige, modernen Computertechnologie verlässt –leider nicht mehr zu sehen bekommt.

vlcsnap-00072vlcsnap-00067

Ebenfalls sehr gelungen ist die Comicbuch-Ästhetik dieses Filmes, die einerseits von der Bildgestaltung her, an abgefilmte Comic-Panels erinnert, dies aber andererseits nicht so plakativ in den Vordergrund stellt, wie es z.B. Ang Lee in „Hulk“ tat. Man merkt, dass Raimi ein Händchen für diese Art von Filmen hat. Ein Versprechen, welches er 12 Jahre später mit seiner großartigen „Spider-Man“-Verfilmung einlöste. So könnte „Darkman“ fast als Vorstudie zu der „Spider-Man“-Trilogie durchgehen. Sogar Komponist Danny Elfman (der neben seinen Kooperationen mit Tim Burton, auch regelmäßig für Raimi arbeitete) war hier bereits mit an Bord und liefert einen seiner typisch bombastisch-verspielten Soundtracks ab, der allerdings auch deutlich an seine Musik zu „Batman“ erinnert.

vlcsnap-00064vlcsnap-00066

Obwohl sich „Darkman“ mittlerweile zu Recht zu einem kleinen Kultfilm gemausert hat, ist er heute nicht so bekannt, wie er es verdient hätte. Trotzdem wurden zwei Fortsetzungen in Auftrag gegeben, die allerdings als Videoproduktionen realisiert wurden und in denen Arnold Vosloo die Rolle des Darkman von Liam Neeson übernahm. Auch eine TV-Serie wurde geplant, kam allerdings nie über einen Pilotfilm hinaus. In Deutschland wurde „Darkman“ indiziert, was aus heutiger Sicht nicht ganz nachzuvollziehen ist. Koch Media hat für seine aktuelle Veröffentlichung eine Neuprüfung beantragt und nun wurde „Darkman“ ungeschnitten mit einem FSK 16 freigeben, was dem Film auch weitaus gerechter wird.

vlcsnap-00058vlcsnap-00057

„Darkman“ ist eine schöne und charmante Comic-Verfilmung, der gar kein Comic zugrunde liegt. Sam Raimi hat seinen vierten Spielfilm mit viel Liebe und Gespür für popkulturelle Mythen in Szene gesetzt. Aus der Darstellerriege ragt vor allem Larry Drake als fieser Durant hervor. „Darkman“ unterhält vorzüglich und es ist schade, dass er bis heute nicht den Stellenwert inne hat, den er eigentlich verdient hätte.

vlcsnap-00071vlcsnap-00068

Die von Koch Media herausgebrachte DVD überzeugt mit einer soliden Bild- und Tonqualität. Leider wurden dieser Veröffentlichung bis auf den Trailer keinerlei Extras beigegeben, was sehr schade ist. Allerdings prangt auf der DVD eine „1“, was davon ausgehen lässt, dass Teil 2+3 auch demnächst bei Koch Media erscheinen werden.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“

Der gelbe teufel

Wong Kai Tai (James Nam) ist auf der Suche nach jemanden, der ihn im Kampf gegen die „Drachenbande“, die seine Heimatstadt Wantschao beherrscht, unterstützt. Dabei lernt er den Kung-Fu-Kämpfer Chi Sien (Chin-kun Li) kennen, und die beiden schließen schnell Freundschaft. Da Wong Kai Tai ihre Freundschaft nicht ausnützen möchte, erzählt er Chi Sien nichts von seinen Sorgen. Als er allein nach Wantschao zurückkehrt, gerät er mit den drei Brüdern Tschun Tsi, Shing und Wang aneinander, den Köpfen der „Drachenbande“. Diese Konfrontation geht für Wong Kai Tai tödlich aus. So ist es nun an Chi Sien seinen Freund zu rächen, und dem verbrecherischen Treiben der „Drachenbande“ ein Ende zu setzen…

vlcsnap-00129vlcsnap-00131

Mit „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“ hat filmArt eine wahre Rarität ausgegraben. Wie die Texttafel am Anfang Auskunft gibt, existiert nur noch eine einzige 35mm-Kopie im korrekten Bildformat, ansonsten muss man auf ausländische Fassungen im 4:3 Format ausweichen. Interessanterweise gab es von diesem Film in Deutschland eine Kinoauswertung, die sogar von der Constantin vorgenommen wurde, aber trotzdem wurde der „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“ nie auf VHS ausgewertet, was doch sehr verwundert. Schließlich wurden zum Anfang des Videobooms unzählige „Kung-Fu-Klopper“ auf den Markt geworfen. Viele dabei deutlich schlechter als „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“. Hat filmArt also eine Perle des Genres dem Vergessen entrissen? Nein, das kann man so nicht sagen. Aber „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“ ist auch weit vom Bodensatz des Genres entfernt. Trotz seiner preisgünstigen Machart unterhält er sehr solide und weiß auch in den Kampfszenen durchaus zu überzeugen.

vlcsnap-00132vlcsnap-00137

Die liegt einerseits daran, dass Hauptdarsteller Chin-kun Li (aka Larry Lee) tatsächlich vom Fach war und in Japan Karate studiert hat. Andererseits aber auch an den beiden Action-Choreographen Chuan Chen und Chia Yung Liu, die beide unabhängig voneinander an großen Prestige-Produktionen der Shaw Brothers beteiligt waren und in späteren Jahr auch häufig mit Jackie Chan arbeiteten. Zwar gehören die Kampfszenen in „Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“ nicht zu den absoluten Höhepunkten ihrer Karrieren, aber die Umsetzung ist professionell, hart und man sieht, dass die Leute hier wissen, was sie tun. Regisseur Wing-Cho Yip war nur eine relativ kurze Karriere auf dem Regiestuhl vergönnt. Erfolgreicher war er als Nebendarsteller in zahlreichen Filmen, zu denen in den späten 80ern/frühen 90ern auch John Woos „The Killer“ oder einige Jackie-Chan-Filme gehörten.

vlcsnap-00144vlcsnap-00145

An Hauptdarsteller Chin-kun Li, dessen erster Film dies ist, muss sich der Zuschauer erst einmal gewöhnen, denn sein Gesicht passt so gar nicht zu den bekannten Helden des Hongkong-Kinos. Seine Nase ist einen Tick zu breit und die Gesichtszüge eher weich und für einen Asiaten eher untypisch. Auch bringt er nicht allzu viel Charisma mit, dafür weiß er aber seinen Körper einzusetzen und füllt seine zahlreichen Kampfszenen gut aus. Ihm zur Seite steht zunächst James Nam, ein Koreaner, der nach einem vielversprechenden Filmstart in einigen Shaw Brothers-Klassikern bis Ende der 70er zwar in einer Menge Filme auftrat, allerdings solche von der preisgünstigen Sorte. Den Durchbruch schaffte er aber auch hier nicht und blieb Nebendarsteller. Ganz anders der ehemalige Gewichtheber Bolo Yeung, der hier leider viel zu kurz seinen muskelbepackten Körper zeigen darf. Yeung kämpfte schon in „Der Mann mit der Todeskralle“ gegen John Saxon, blieb dann aber auf kurze, wenn auch markante Auftritte als schurkischer Handlanger beschränkt. Sein Auftritt hier, mit einem feschen Hut und modischem schwarzen Hemd, dessen er sich schnell entledigt, ist ein perfektes Beispiel für die Rollen, die er bis Mitte der 80er bekam. Das änderte sich 1988, als er Jean-Claude Van Dammes brutalen Gegner in „Bloodsport“ verkörperte, was ihm einen gewissen Kult-Status und auch Rollen in US-amerikanischen B-Produktionen einbrachte.

vlcsnap-00133vlcsnap-00143

An die Geschichte sollte man keine zu großen Ansprüche stellen. Sie transportiert den Zuschauer nur geschickt von einer Kampfszene zu nächsten. Dabei wird etwas bei „Yojimbo“ bzw. „Für eine Handvoll Dollar“ geklaut, das übliche Rachemotiv mit viel Pathos ausgerollt und das Ganze dann episodenhaft angeordnet. Aber es langweilt nicht, und das ist die Hauptsache. Zwar wird zu Beginn etwas zu sehr der „reinen“ Männerfreundschaft gehuldigt, aber das wird auch relativ schnell abgehakt. Nachdem der Held also mit einem Motiv ausgestattet wurde, werden kurz die drei Haupt-Schurken vorgestellt und dann kreist auch schon die Faust mit dem Superhieb. Dabei ist das letzte Drittel des Filmes ein vorwährender Showdown, wenn Chi Sien die drei „Drachenbanden“-Brüder einen nach dem anderen heimsucht. Die 88 Minuten vergehen wie im Flug und zwischendrin kann man hören, wie sich Norbert „Homer Simpson“ Gastell früher angehört hat, als er noch immer die Bösewichte sprechen durfte. Auch die anderen deutschen Synchronsprecher kennt man, und die deutsche Tonspur ist der sehr flachen englischen definitiv vorzuziehen.

vlcsnap-00148vlcsnap-00142

„Der gelbe Teufel mit dem Superschlag“ mag kein verlorengegangenes Highlight des Genres sein, aber er unterhält solide und kann trotz seines merklich geringen Budgets durch professionelle und dynamisch inszenierte Kampfszenen punkten.

vlcsnap-00149vlcsnap-00152

Da, wie erwähnt, die letzte 35mm-Kopie als Master herhalten musste, besitzt der Film einen gewissen „Grindhouse-Look“, der mich persönlich bei dieser Art Film nicht besonders stört. Wer seine DVDs aber in makelloser Bildqualität bevorzugt, sei hiermit vorgewarnt. Wie so oft war die deutsche Fassung stark in Handlung gekürzt und in den Kampfszenen zum Teil geschnitten. Da diese Lücken nicht mit einer ebenfalls in 1:2.35 vorliegenden Filmkopie „geflickt“ werden konnte, wurde hierzu in mühevoller Kleinarbeit englischsprachige Kopien in 4:3 benutzt. Dadurch springt das Format natürlich manchmal hin und her. Hier fragt sich auch, ob man wirklich jeden kleinen Filmriss mit ausbessern musste, denn manchmal kann man nicht erkennen, welchen Mehrwert es hat, eine Einstellung um ein paar identische Bilder zu verlängern. Trotzdem kann man dem Label filmArt danken, dass sie solch einen Aufwand betrieben haben, um den Film vollständig präsentieren zu können.Wen dieses „Springen“ zwischen 1:2.35 und 4:3 stört, der hat auch die Möglichkeit den ganzen Film im 4:3 Pan&Scan-Verfahren zu schauen, was ich aber nicht unbedingt empfehlen würde. Der englische Ton ist – wie man es hier gewohnt ist – sehr flach und klingt leicht hohl. Auch sind die Synchronsprecher nicht besonders gut. Die deutsche Synchronisation ist demgegenüber um Längen besser, wenn auch der Ton etwas leise und leicht unsauber wirkt. Geliefert wird der Film in einer kleinen, schick aussehenden Hartbox. Außer dem Trailer findet man unter den Extras noch eine Bildgalerie (mit deutschen Aushangfotos und Werberatschlägen), eine 4-minütiges Beispiel wie die unbearbeitete 35mm-Filmrolle aussah und eben die 4:3-Version des Filmes. Es gibt auch eine alternative Titelsequenz in 1:2,35, aber leider nur von der englischen Fassung. Schade, ich hätte hier gerne mal den deutschen Vorspann gesehen.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Originalfassungen in Bremen: 07.11.13 – 13.11.13

Die letzten Wochen haben ich wegen gesundheitlicher Unpässlichkeit nicht nur „Das Bloggen der Anderen“, sondern auch die O-Töne vernachlässigt und weiß auch gar nicht, welche Filme schon im O-Ton liefen und welche neu dazugekommen sind. Darum empfehle ich mal so, als ob alle Filme neu im Kino wären. Und da wäre mein Herzens-Tipp natürlich der neue Woody Allen, der den Meister erstmals mit der göttlichen Cate Blanchett zusammenführt. Aber Vorsicht: „Blue Jasmine“ ist keine Komödie! Für die Krawumm-Fans ist „Thor: The Dark Kingdom“ natürlich ein Muss und für Indie-Fans und Nerds soll „Computer Chess“ ganz groß sein.

Thor: The Dark Kingdom 3D – Cinemaxx, Mi., Fr., Sa. immer 19:30 – Fortsetzung der erfolgreichen Marvel-Comic-Verfilmung. Wieder mit Chris Hemsworth in der Titelrolle und dem genialen Tom Hiddleston als Loki. Regie führt diesmal TV-Regisseur Alan Taylor.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=assKdG5CVD4[/youtube]

Jackass: Bad Grandpa – Cinemaxx, So., 10.11. um 20:45 – Im Stille von “Borat” gedrehter “Doku-Spielfilm” mit der Jackass-Crew.

Gravity (3D) – Cinemaxx, So./Mo. um 19:30 – Alfonso Cuarón SF-Film handelt von einer Weltraum-Mission, die fürchterlich schief geht und George Clooney und Sandra Bullock allein im All treiben lässt. Endlich mal ein Film, der 3D wirklich zu nutzen weiß und unvergessliche Bilder erzeugt.

Hükümet Kadin 2 – Cinemaxx, Do.-Mi. diverse Anfangszeiten – Prequel zur türkischen Komödie „“Hükümet Kadin“ um einen Bürgermeisterwahlkamp Ende der 40er Jahre.

Meine Welt – Benim Dünyam – Cinemaxx, Do.-Mi. diverse Anfangszeiten –Türkisches Drama um eine junge Frau, die als Kind durch eine Krankheit blind und taub wurde und nun in den 50er Jahren einen jungen Mann trifft, der mit ihr Kontakt aufnehmen will.

Blue Jasmine – Schauburg, Do.-Mi. (außer Mo.) immer 21:30 & Gondel, Mo., 11.11. um 12:00 – Der neue Woody Allen. Diesmal spielt sein Film in San Francisco und handelt von einer ehemals reichen, New Yorker High-Society-Dame, deren Vermögen sich in der Finanzkrise in Luft aufgelöst hat und die nun gebrochen und depressiv bei ihrer Schwester in San Francisco Unterschlupf findet, die einen ganz anderen Lebensstil als sie pflegt. Könnte man als Komödie drehen, macht Allen aber nicht. Wieder grandios besetzt mit Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=tWLtj4LY5CA[/youtube]

Computer Chess – City 46, Do., Sa.-Di. immer 20:00 – In den USA schon Kult. Ein Spielfilm über ein Wochenendturnier für Schach-Software-Programmierer in den 80er Jahren. Gedreht, als ob der Film aus der Zeit gefallen sei. Wie man allerorten hört, ein Must-see.

[youtube width=“630″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=NuGT_L13bQ8[/youtube]

Gloria  – City 46, So./Mo. um 18:00 – Chilenischer Spielfilm um eine geschiedene, 58-jährige Frau, die es noch einmal wissen will und ihr Leben in vollen Zügen und mit allen Komplikationen genießt. Hauptdarstellerin Paulina García erhielt in diesem Jahr auf der Berlinale, für ihre Darstellung der Gloria, den Silberner Bären.

Kurzfilme aus Estland – City 46, Di., 12.11. um 19:00 Uhr – Drei Regisseur der »Baltic Media School« präsentieren persönlich ihre Kurzfilme im City 46: »Pubertät« von Triin Ruumet, »95« von Hardi Keerutaj und »Bist Du das?« von Moonika Siimets.

Lappen – City 46, Di., 12.11. um 20:30 Uhr – Estnischer Spielfilm um zwei Männer Anfang 40, die ihre Träume verwirklichen wollen und zu diesem Zweck eine Scheinfirma errichten. Die Regisseure Andres Maimik und Rain Tolk sind anwesend!

Der Himmel dreht sich – City 46, – Spansicher Dokumentarfilm über ein winziges Dorf Aldeaseñor, in der entvölkerten Provinz von Soria, in dem es nur noch 14 Bewohner gibt. Der Jüngste von ihnen ist 48 Jahre alt. Präsentiert vom Instituto Cervantes Bremen.

Enjoy The Music – Die Pianistin Edith Kraus – City 46, Do.-Sa. 18:00 und Mo. 20:30 – Portrait der Pianistin Edith Kraus, die einst als Wunderkind galt und dann nach Theresienstadt deportiert wurde. Heute lebt sie in Israel.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 11.11. um 21:45

Veröffentlicht unter City 46, Film, Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Das Bloggen der Anderen (04-11-13)

bartonfink_type2Die letzten Wochen konnte ich mich erst wegen meines Urlaubs und dann krankheitsbedingt nur sehr sporadisch um „Das Bloggen der Anderen“ kümmern. Ich hoffe, von nun an geht es erst einmal wieder regelmäßig weiter.

– Lukas Foerster rüttelt an einem Säulen-Heiligen des französischen Kinos. Er hat „Haut bas fragile“ von Jacques Rivette gesehen und kann damit nichts anfangen. Warum? Das erklärt er auf Dirty Laundry.

– Auf Filmgazette hat Klaus Kreimeier eine neue Serie ins Leben gerufen: „Magische Momente“. U.a. dabei: Belmondo auf dem instabilen Baugerüst in „Abenteuer in Rio“.

– Michael Kienzl berichtet auf critic.de über den japanischen „pink“-Schauspieler Kôichi Imaizumi, dem auf dem Berliner Pornofilmfestival eine Reihe gewidmet ist.

– Udo Rotenberg stellt auf L’Amore in città den frühen und recht unbekannten Giallo „Le notti della violenza“ (dt. Der Killer der sündigen Mädchen) vor, den Roberto Mauri 1965 mit Alberto Lupo und Marilù Tolo in Szene gesetzt hat.

– Auf seinem zweiten Blog Grün ist die Heide kümmert er sich um einen großartigen Film aus der Erwin-C.-Dietrich-Schmiede: „Ich – ein Groupie“, den wir letztes Jahr im Rahmen unserer „Weird Xperience“-Reihe im City 46 von feinstem 35mm gezeigt haben. Get high and higher, just like a flyer, high in the clouds and never come down. Des weiteren: José Bénazérafs „St. Pauli zwischen Nacht und Morgen“.

– gabelingeber ist auf Hauptsache Stummfilm beim Stöbern in der Warner Archive Collection auf einen „vergessenen Film von John Ford“ gestoßen. Den 1959 in Irland entstandene „The Rising of the Moon“ mit Tyrone Power.

– Ich habe ja ein Herz für den frühen Avantgarde-Film (hier kann ich übrigens die in den USA bei Kino on Video erschienenen Sammlungen „Avant-Garde: Experimental Cinema 1-3“ sehr empfehlen), darum machte dieses einen kleinen Sprung, als Manfred Polak pünktlich zu Halloween, auf Whoknows presents drei frühe Avantgarde-Werke mit Horror-Bezug vorstellte.

– Auch Das Filmtagebuch der Eule hat diesmal Avantgarde im Fokus. Neben dem Film „The Private Life of a Cat“ von ihrem Ehemann Alexander Hammid, schreibt die Eule über den sehr großartigen „At land“ von der fantastischen Maya Deren.

– Auf Reihe Sieben stellt Martin Beck den (wie ich finde eher enttäuschenden) „German Angst“-Trailer vor und berichtet über die zweite „Crowdfundig“-Initiative, die ihn ebenso befremdet wie mich. Nur die Plattitüde „Deutschland und Genre ist nach wie vor ein ganz komischer Widerspruch“ ärgert mich etwas.

– Ambitionierte Filmemacher lesen jetzt bitte augenblicklich „How to make a Joe D’Amato movie“ von Sven Safarow auf Eskalierende Träume.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen eine Review zu D’Amatos „Man-Eater“ geschrieben, der ich tendenziell zustimme. Allerdings meine ich, dass D’Amato mehr als nur einen gelungenen Film abgeliefert hat und bestehe darauf, dass „Sado – Stoß die Tür zur Hölle auf“ sein Meisterwerk ist.

– Harald Mühlbeyer berichtet auf screenshot von den 49. Hofer Filmtagen und insbesondere von dem Vampir-Film „Breed“ des Amerikaners Michael Oblowitz.

– Bei den Hofer Filmtagen war auch Katharina Franck für Negativ. Sie hat über die diesjährige Veranstaltung genau Bericht geführt.  Ebenfalls auf Negativ reiht sich Sebastian Selig in die Reihe derjenigen ein, die einem den Film „Finsterword“ ans Herz legen. Nach seiner enthusiastischen Besprechung will ich den jetzt auch sehen.

– Thomas Groh ist auf filmtagebuch sehr begeistert von Dominik Grafs neustem Film: Dem „Tatort“ mit dem Titel „Aus der Tiefe der Zeit“.

– So ergeht es übrigens auch Andreas Mücke-Niesytka auf new filmkritik.

– Bisher habe ich nur Katastrophales über Dario Argentos neuem Film „Dracula 3D“ gehört. Umso verwunderter bin ich, von Alex Klotz auf hypnosemaschinen zur Abwechslung mal etwas positives zu lesen.

– Sascha ärgert sich auf PewPewPew über das vorab an die Öffentlichkeit gelangte Poster zu Pixars „The Good Dinosaur“, das für ihn den weiteren Niedergang der einstmals glorreichen Pixar-Studios erahnen lässt.

Zeilenkino besucht die Nordischen Filmtage in Lübeck. Dort bin ich 2010 auch einmal gewesen und war vollauf begeistert von diesem sympathischen und qualitativ hochwertigen Filmfestival. Ich hoffe sehr, dass ich es irgendwann mal wieder im November ins schöne Lübeck schaffe.

Stubenhockerei bespricht George Kuchars 1985 entstanden Kurzfilm „Ascension of the Demonoids“ und erweckt damit bei mir eine große Neugierde. Außerdem wird mein Lieblings-Greenaway (oder zumindest der Greenaway mit meinem Lieblings Nyman-Score) vorgestellt: „A Zed & Two Noughts„.

The Wayward Cloud weist auf eine Brian-de-Palma-Retrospektive im Hamburger Metropolis im Februar hin und stellt de Palmas sehr frühen Kurzfilm „Woton’s Wake“ von 1962 vor.

– Es gibt mal wieder einen recht sehenswerten Horrorfilm aus Italien, wie Oliver Armknecht auf filmrezensionen.de zu berichten weiß: „The Haunting of Helena“.

– Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film hat die Viennale besucht, die praktischerweise vor seiner Haustür stattfindet. Dabei hat er fleißig ein Viennale Tagebuch geführt, dessen Auftakt man hier lesen kann. Ich empfehle aber auch die weiteren Artikel, erspare mir aber das einzelne Verlinken.

– Von dem Film „Computer Chess“ hatte ich im Vorfeld noch nichts gehört, obwohl er wohl in den USA für positives Aufsehen gesorgt hat. Jetzt haben sich mit filmosophie und Daumenkino gleich zwei Blogs dieses Phänomens angenommen.

– Ronny Dombrowski ist auf cinetastic recht angetan von der Fortsetzung des überraschend erfolgreichen Horror-Found-Footage-Anthologie „V/H/S“, die da „S-VHS“ heißt. Ebenfalls empfehlenswert findet er die schwarz-weiße Stummfilm-Variation von „Schneewittchen“: „Blancanieves“. Sein Kollege Peter Gutting wiederum ist begeistert von Jim Jarmuschs Vampir-Film“Only Lovers Left Alive“, der mit einiger Verspätung am 25. Dezember in die Kinos kommt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Internet | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

DVD-Rezension: “Der Schwanz des Skorpions“

schwanzdesskorpions

Nachdem ihr Ehemann Kurt Baumer bei einer mysteriösen Flugzeugexplosion ums Leben gekommen ist, kassiert die junge und attraktive Witwe Lisa Baumer (Ida Galli) eine Million Dollar aus seiner Lebensversicherung. Als ihr drogenabhängiger Ex-Liebhaber ermordet wird, flüchtet sie nach Athen, wo sie sich das Geld auszahlen lassen will. Gefolgt wird sie von dem Versicherungsagenten Paul Lynch (George Hilton), der herausfinden soll, ob bei dem Tod Baumers alles mit rechten Dingen zuging. Lynch heftet sich auf Lisas Fersen und kommt gerade rechtzeitig, als Lisa von einem geheimnisvollen Pärchen bedroht wird, die sie beschuldigen, ihren Ehemann umgebracht zu haben. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord…

vlcsnap-00040vlcsnap-00039

Sergio Martino legte zwischen 1971 und 1973 eine beeindruckende Serie von fünf Gialli hin, die alle zu dem Besten zählen, was das Genre hervorgebracht hat. „Der Schwanz des Skorpions“ war der zweite Film dieser Reihe und von daher ungewöhnlich, als dass Edwige Fenech nicht mit von der Partie war und sich das Ganze stark an die Edgar-Wallace-Filme mit ihren tödlichen Erbschaften anlehnt. So hat der Killer nichts von den sexuell aggressiven Gestalten, die noch in „Der Killer von Wien“ oder später in „Torso“ das Messer schwangen. Dieser hier wirkt wie das was er ist: Ein Killer und kein vom Wahnsinn durchdrungener Mörder.  Auch gibt es keine große Intrige, um jemanden in den Wahnsinn zu reißen. Etwas despektierlich könnte man „Der Schwanz des Skorpions“ daher als „konventionell“ bezeichnen, auch wenn das dem Werk nicht gerecht würde.

vlcsnap-00044vlcsnap-00048

Obwohl das Drehbuch von Giallo-Spezialist Ernesto Gastaldi im Grunde eine recht simple Geschichte erzählt, wählt Martino doch für seinen Film sehr verschlungene Pfade, die von vielen Nebenfiguren bevölkert werden. Allen vorweg das seltsame Pärchen Janine Reynaud und Luis Barboo. Die Reynaud kennt man aus einigen Franco-Filme der späten 60er, vor allem „Necronomicon – Geträumte Sünden,“ und das Wiedersehen hier macht große Freude, auch wenn sie ein wenig zu sehr in ihrer Rolle aufgeht. Luis Barboo agiert demgegenüber etwas zurückhaltender und darf sein Narbengesicht mysteriös im Hintergrund halten. Dann gibt es da noch einen freundlichen, aber undurchsichtigen Scotland Yard-Inspektor (gespielt von Alberto de Mendoza); eine immer wieder auftauchende Stewardess und ihr geheimnisvoller Gast, sowie natürlich den immer wieder gern gesehenen Luigi Pistilli als griechischer Ermittler. Genug Personal also, um den Zuschauer bei der Tätersuche aufs Glatteis zu führen, und andererseits, ausreichend Beute für den Killer bereit zu halten.

vlcsnap-00058vlcsnap-00053

Für einen gelungenen Giallo ist auch immer die Musik wichtig und hier kann „Der Schwanz des Skorpions“ ganz aus dem Vollen schöpfen. Diese stammt von Ennio Morricones langjährigen Mitarbeiter Bruno Nicolai, der sich spätestens Ende der 60er vom großen Maestro emanzipierte (tatsächlich wird gemunkelt, dass Nicolai für einige Morricone-Soundtracks federführend verantwortlich sei) und für zahlreiche Filme wundervolle Melodien komponierte. Was auch den beiden belgischen Filmemachern Hélène Cattet und Bruno Forzani aufgefallen ist, die die Nicolais Musik aus „Der Schwanz des Skorpions“ für ihren Neo-Meta-Giallo „Amer“ wiederverwendeten.

vlcsnap-00050vlcsnap-00056

Die Hauptrolle des Versicherungsagenten Peter Lynch übernahm der ehemalige Italo-Western-Star George Hilton, der noch häufiger in Martinos Filmen auftauchen sollte. Immer in einer ähnlichen Rolle: Dem gutaussehenden Sonnyboy und Womanizer, der aber irgendetwas Dunkles und Bedrohliches ausstrahlt. Statt mit der Fenech, spielt er hier mit der blonden Schwedin Anita Strindberg zusammen, deren wunderschönes, ebenmäßiges Gesicht nicht so ganz zu ihrem leicht ausgemergelt wirkenden Körper passt. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Die Strindberg tauchte Anfang der 70er plötzlich in zahlreichen italienischen Genrefilmen auf, bevor sie einen amerikanischen Millionär ehelichte und sich nach nur wenigen Jahren im Rampenlicht, aus dem Filmgeschäft zurückzog. Die erste falsche Fährte legt Martino mit der hübschen, und von mir immer wieder gern gesehenen, Ida Galli (alias „Evelyn Stewart), die er zunächst als Protagonistin einführt. Leider bleibt die Galli ungewohnt blass, und dass sie nicht als Hauptdarstellerin in den Titeln aufgeführt wird, gibt schon einen dezenten Hinweis darauf, wie die falsche Fährte aussehen mag.

vlcsnap-00047vlcsnap-00067

Ungewöhnlich bei „Der Schwanz des Skorpions“ ist der unbedingte Wille zur kreativen Bildgestaltung, die sonst bei Martino in einem solchen Extrem nicht zu finden ist. Zwar setzt Martino gerne mal punktuell surreale Szenen in seinen Gialli ein, in der in der Regel geht er aber eher sachlich, aber effektiv zu Werke. Hier tobt er sich bei den Mordszenen regelrecht aus. Jeder Mord wird wie ein eigener kleiner Film inszeniert und unterschiedet sich vom Stil her deutlich von den anderen. Besonders gelungen ist ein in Zeitlupe gefilmtes Kabinettstückchen. Ein andermal wird mit einer farbintensiven Ausleuchtung Bava gehuldigt und die Farbexzesse eines Argento vorweggenommen. Ungewöhnlich auch die grafische Brutalität, die ihrer Zeit vorweg greift. Doch nicht nur in den Mordsequenzen lässt Martino seinen Spielereien freien Lauf. So wird in einer normalen Verhörszene auch mal die Kamera für mehrere Minuten um 90 Grad gekippt.

vlcsnap-00063vlcsnap-00062

„Der Schwanz des Skorpions“ ist nicht der Beste der fünf legendären Gialli, die Sergio Martino zwischen 1971 und 1973 drehte. Dafür ist seine Geschichte zu hanebüchen und die Auflösung eher lächerlich. Trotzdem kann er dem neugierigen Giallo-Einsteiger durchaus ans Herz gelegt werden, denn er besitzt alle Elemente, die einen Giallo auszeichnet: Einen wunderbaren Soundtrack, schöne Menschen, blutige Morde und einen enormen Einfallsreichtum bei der optischen Gestaltung. Und für Liebhaber des Genres ist der Film, trotz seiner kleinen Schwächen, definitiv ein Muss.

vlcsnap-00065vlcsnap-00070

Der Film ist als zweiter Teil der filmArt Giallo-Collection herausgekommen. Das Bild ist leicht über dem Durchschnitt und im korrekten Format von anamorphen 1:2,35. Hier gibt es nichts zu Meckern. Für den Ton konnte neben der italienischen Originalfassung und der Videosynchronisation auch die alte Kinosynchro ausgegraben werden. Diese finde ich selber der Video-Synchro gegenüber überlegen, da die Stimmen hier voller und lebendiger wirken. Interessanterweise tritt in beiden Fassungen Edgar Ott auf. Nur synchronisiert er in der Kinofassung Alberto de Mendoza und in der Videofassung Lugi Pistili, Was lustig ist, weil die Beiden fast all ihre Szenen zusammen haben. Der deutsche Vor- und Abspann und den Trailer ist noch als Extra dabei, aber das Herzstück ist ein halbstündiges, sehr interessantes Interview mit Sergio Martino über seine Karriere. Ein gut geschriebenes Booklet von Rochus Wolff über den Giallo, rundet dieses schöne Paket ab.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 2 Kommentare

DVD-Rezension: “Die letzte Rechnung schreibt der Tod”

letzterechnungVier maskierte Männer überfallen die Lohnkasse einer großen Firma vor den Toren von Mailand. Als die Polizei anrückt, machen sich zwei der Männer mit der Beute davon, während die anderen Beiden zurückbleiben. In ihrer Not nehmen sie Geiseln und es gelingt ihnen ein Auto zu erpressen. Bei der Flucht können sie die Polizei abzuhängen, doch dabei kommt allerdings einer der Beiden ums Leben. Zurück bleibt der Kopf hinter dem Überfall, der Gangster Raul Montalbani (Claudio Cassinelli). Er macht sich auf die Suche nach seinen beiden Komplizen und der Beute. Diese sind aber bereits eifrig dabei, ihre Spuren zu verwischen…

vlcsnap-00073vlcsnap-00074

Anfang der 70er Jahre löste im italienischen Kino der sogenannte Polizieschi (oder auch Poliziottesco) den bis dahin an der Kinokasse immens erfolgreichen Italo-Western ab. Nach dem gewaltigen Erfolg von „Dirty Harry“ in den Staaten – der die Figur des Westerners in den urbanen Großstadtdschungel holte – vermischte sich in Italien der Cop-Film mit den sozialen Problemen des Landes zu einer explosiven Filmgattung. Interessanterweise schlug der Boom des italienischen Polizei- und Gangsterfilmes nicht nach Deutschland durch. Nur wenige Werke fanden sich hier auf der Leinwand wieder. Dies änderte sich erst mit den Aufkommen von Video, als einige der wichtigsten Werke dieser Gattung ihren Weg auf heimische Bildschirme fanden.

vlcsnap-00077vlcsnap-00078

Zu den wichtigsten Werken dieser Gattung zählt „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ nicht unbedingt und er erschien damals auch nicht auf dem VPS-Label, welches die Klassiker des Genres in Deutschland zugänglich machte, sondern auf dem obskuren Klein-Label „Videotonträger Dr. Dressler GmbH“. Was auch hübsch damit korrespondiert, dass „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ auch für kleines Geld entstanden ist. Nichtsdestotrotz saß mit Mario Caiano ein routinierter Mann im Regiestuhl, der gewohnt war, aus wenigen gegebenen Mitteln ein Maximum herauszuholen. Sein berüchtigtes Werk ist sicherlich der Naziploitation-Streifen „Nazi Love Camp 27“, aber auch im Italo-Western und im Polizieschi war er sehr aktiv. Seine beiden besten Filme sind allerdings der Gothic-Horror „Nightmare Castle“ mit der göttlichen Barbara Steele und der psychedelische Giallo „Eye in the Labyrinth“, der trotz Horst Frank in einer der Hauptrollen, keinen deutschen Verleih fand.

vlcsnap-00084vlcsnap-00085

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ unterscheidet sich sehr von den Prototypen des Genres, in denen Titel wie „Gewalt rast durch die Stadt“ oder „Die Gewalt bin ich“ Programm sind. Wo schlagkräftige Cops immer etwas außerhalb der Dienstvorschriften unter der gleißenden Sonne Italiens, und untermalt von grooviger Musik, auf Verbrecherjagd gehen. Von der italienischen Sonne sieht am in „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ gar nichts. Der Film spielt im Herbst und die Stimmung macht einem fröstelnd. Alles wirkt kalt, feucht und trostlos. Dazu trägt auch das Filmmaterial bei, welches ausgebleicht wirkt und alles in ein entsättigtes Beige-Grün taucht. Dadurch erhält der Film noch einen zusätzlichen, billigen Anstrich, der aber gut zu der Geschichte und seinen schmierigen Charakteren passt. Denn Identifikationsfiguren gibt es hier keine. Am ehesten fiele diese Rolle dem Kommissar zu, der aber – vergleicht man ihn mit seinen Kollegen Maurizio Merli oder Tomas Milian – eher lethargisch wirkt und sich strikt an die Vorschriften hält. Sein gemütlich aussehender Partner verstärkt noch das Gefühl, dass die Polizei in diesem Fall nicht unbedingt dynamisch zu Werke geht. Und tatsächlich hinkt sie den Verbrechern immer hinterher.

vlcsnap-00089vlcsnap-00088

Diese werden von Charakterköpfen aus der zweiten Reihe gegeben. Zwar ist mit John Steiner sogar ein internationaler Star mit von der Partie, doch – das darf hier verraten werden – seine Gage dürfte in Anbetracht der Zeit, die er im Film verbringt, nicht exorbitant hoch gewesen sein. So obliegt es Claudio Cassinelli den formalen (Anti)-Helden zu geben. Wobei „Held“ den Nagel nicht wirklich auf den Kopf trifft, denn er spielt den Anführer der vier Räuber und ihn unterscheidet von seinen Komplizen nur, das er intelligenter ist als sie und tatsächlich so etwas wie einen Ehrencodex mit sich führt. Im Grunde ist er aber genauso skrupellos wie sie, was sie am Ende dann auch zu spüren bekommen. Cassinelli spielt den Raul Montalbani mit großer Präsenz und macht von Anfang an klar, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Seine Komplizen werden von Vittorio Mezzogiorno und Biagio Pelligra gespielt. Beide hat man schon in unzähligen anderen Produktionen in ähnlichen Rollen gesehen. Darum müssen ihre Figuren auch nicht weiter ausgearbeitet werden. Ein Blick in ihre Gesichter und man weiß automatisch, wo der Hase langläuft. Demgegenüber kann der ansonsten zuverlässige Elio Zamuto als eher dröger Commissario Foschi nicht unbedingt punkten. Dafür trägt er eine schicke, knappe Lederjacke. Als erotisches Beiwerk gibt es Silvia Dionisio in einer eher zwiespältigen Rolle zu sehen. Bei ihr ist man nie sicher, was nun eigentlich ihr Plan ist. Hat sie sich in Cassinellis Charakter verliebt oder hängt sie nur ihr Mäntelchen in den Wind? Eine etwas besser Ausdifferenzierung hätte hier der Rolle gut getan, die so doch nur ein Mittel zum Zweck ist, um den Film irgendwann zu Ende zu bringen.

vlcsnap-00096vlcsnap-00098

Die erste Hälfte von „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ungeheuer dynamisch inszeniert. Die Gangster werden in zwei Gruppen gespalten und beide treten Hals über Kopf die Flucht an. Dabei wird permanent zwischen den Flüchtenden hin und her geschnitten, so dass der Film ständig in Bewegung ist und man kaum Zeit zum Durchatmen bekommt. Hierbei sei erwähnt, dass sich die Verfolgungsjagden auf dem Niveau der aufwändigen Produktionen von z.B. Lenzi befinden. Erst als die Flüchtenden ihre Verstecke erreichen, hält auch der Film an. Die nachfolgenden Aktionen ziehen sich dann auch etwas und sind recht vorhersehbar, auch wenn ein gialloesquer Mord nicht ganz ins Bild passen mag. So verliert der Film mit fortschreitender Laufzeit stetig an Tempo und auch die eingestreuten Gewaltspitzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwas auf der Stelle getreten wird. Insbesondere ist dies der Fall, wenn die Polizei ermittelt. Hier werden auch die Handlungskürzungen auffällig, die es in der alten deutschen Videofassung gab und die hier nun im Original mit deutschen Untertiteln wieder integriert wurden. Da führen einige Szenen förmlich ins Nichts, wenn die Polizei erst aufwändig einen Informanten entlarvt, um ihn dann nicht weiter zu beachten. Zum Finale dann wir noch einmal an der Gewaltschraube gedreht, aber der Showdown wirkt trotzdem etwas überstürzt.

vlcsnap-00100vlcsnap-00092

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ein kleiner, dreckiger B-Film, der zwar nicht an die Klassiker des Polizieschi-Genres heranreicht, aber in der ersten Hälfte überaus rasant unterhält. In der zweiten Hälfte zieht er sich etwas, was auch der langweiligen Darstellung der Polizeiuntersuchung geschuldet ist. Nichtsdestotrotz kann der Film den Zuschauer bis zum blutigen Showdown bei der Stange halten.

vlcsnap-00104vlcsnap-00105

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist die erste Veröffentlichung in der neuen „Polizieschi“-Reihe der Firma filmArt, der hoffentlich noch viele folgen werden. Das Bild ist mittelprächtig, was allerdings auch auf das nicht optimale Ausgangsmaterial zurückzuführen ist. Der Ton liegt in Deutsch mit einer durchschnittlichen Video-Synchronisation vor. Zuvor in der Videofassung geschnittene Szenen sind im Original mit Untertiteln eingefügt. Als Extras gibt es nur einen Trailer, dafür gibt es ein 12-seitiges Booklet von Heiko Hartmann , in dem „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ allerdings ständig „Die letzte Rechnung zahlt der Tod“ genannt wird.

Veröffentlicht unter DVD, Film, Filmtagebuch | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare