Crowdfunding-Projekt „Amok” sucht Unterstützer

Amok-Header-fb-post (1)Es dürfte ja allgemein bekannt sein, dass es für engagierte Filmemacher schwer ist, eine Filmförderung zu bekommen, wenn die Themen allzu kontrovers oder genrelastig sind. Zudem gibt man auch ein Stück Unabhängigkeit auf. Recht viele Filmemacher haben daher das Mittel des „Crowdfunding“ für sich entdeckt, um zumindest einen Teil des Filmes finanziert zu bekommen. Ich habe an dieser Stelle schon zweimal auf interessante Projekte aufmerksam gemacht. Nun soll es nicht so sein, dass der Blog zu einer Werbeplattform für Crowdfunding-Projekte werden soll. Doch wenn ich selber ein Projekt als interessant und unterstützenswert ansehe, dann will ich hier auch zukünftig gerne darauf hinweisen.

Ein solch interessante Projekt scheint der Film „Amok“ von Zoltan Paul zu sein, der einen „schonungslosem Blick die Psyche eines Mannes in den letzten 24 Stunden seines Lebens, das er mit einem Blutbad beendet“ sein soll. Besetzt ist er prominent mit den beiden „Polizeiruf 110“-Kommissaren Charley Hübner und Anneke Kim Sarnau. Die Hauptrolle spielt Tilo Nest vom Wiener Burgtheater. Laut Produktion arbeiten Crew und Darsteller bisher für symbolische Gagen.

Der Regisseur beschreibt das Konzept des Filmes folgendermaßen:

Das Umsetzungskonzept des Films steht im Widerspruch zu allen Filmförderungskriterien und Senderauflagen und kann deshalb nur über privates Geld und Crowdfunding finanziert werden:

Wir drehen den Film in zehn(!) Drehtagen ohne festes Drehbuch nur auf Grundlage eines Bildertreatments, das natürlich bis ins Detail vorgeplant ist. So sind alle Freiheiten für Improvisation gegeben.

Bei einer Spielfilmlänge von ca. 90 Minuten wird der Film aus 10 Plansequenzen á 9 Minuten bestehen, die alle auf Steadycam gedreht werden. Angesichts von Stadtszenen mit Passanten, Mitreisenden in einer U-Bahn, Kaufhausbesuchern, Autofahrten und dem spektakulären Showdown (mit viel Blut) ist die logistische Bewältigung eine immense Herausforderung. (…) Das Geld wird ausschließlich zur Deckung der Produktionskosten verwendet: Equipments, Locations, Ausstattung und Kostüme, Maske und Special Effects. Als Independent Produktion halten wir es für fair, Crew und Schauspieler im Rahmen unserer Möglichkeiten zu entgelten.

„Amok“ wird Zoltan Pauls vierter Spielfilm. Zuvor hatte er den Spielfilm „Frauensee“ gedreht, der sowohl auf kino-zeit.de, als auch filmstarts.de sehr gute Kritiken bekommen hat.

Die startnext-Kampagne für „Amok“ läuft noch bis zum 01. März. Ziel ist es € 25.000,- zusammen zu bekommen. Bisher sind allerdings erst € 3.080,- finanziert. Da fehlt also noch ein ganzer Batzen. Wer den Film gerne unterstützen möchte, kann es hier tun: http://www.startnext.de/amok-spielfilm

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Originalfassungen in Bremen: 06.02.14 – 12.02.14

Diese Woche sieht es schon weitaus besser aus als in der Vergangenen. Was vor allem am Cinemaxx liegt, das diesmal nicht ein-zwei Filme die ganze Zeit, sondern mehrere, aber immer nur für einen Tag zeigt. So hat man zwar weniger Chancen „seinen“ Film zu erwischen, dafür ist die Vielfalt der Möglichkeiten größer. Und mit „American Hustle“ steht auch ein aktueller Oscar-Nominee im Programm.

Robocop – Cinemaxx, Do., 6.2. um 20:00 – Ob es wirklich ein Remake des grandiosen Paul-Verhoeven-Klassikers von 1987 braucht? Ich denke nicht. Und wenn ich dann noch lese, dass der Film ein FSK12 erhalten hat, während das Original noch bis vor Kurzem auf den Index stand, dann interessiert mich dieser „Robocop light“ noch viel weniger. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Kritiken habe ich bisher noch nicht gelesen.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=ymMNEPfcO5M[/youtube]

47 Ronin – Cinemaxx, Fr., 7.2. um 20:30 – Die Legende um die 47 Ronin ist eine der bekanntesten und meistverfilmtesten Japans. Da kommen aber keine Drachen und Magier drin vor. Und auch kein Halbblut. Die verheerenden Kritiken kann ich daher nachvollziehen. Immerhin scheint Keanuu Reeves ja sein Herz für Asien entdeckt zu haben.

American Hustle – Cinemaxx, Mi., 12.2. um 20:15 – David O. Russell ist einer der spannendsten Regisseure des neuen Hollywood-Kinos. Daher kann man gespannt sein auf sein neustes WErk, welches in den 70er Jahren spielt und mit Christian Bale und Bradley Cooper besetzt ist. Es geht um ein Gaunerpärchen, das von einem eifrigen Polizisten einen verlockenden Deal angeboten bekommt. Oscar-Kandidat!

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Anchorman 2 – Cinemaxx, Mo., 10.2. um 21:15 – Fortsetzung der US-Komödie um TV-Moderator Ron Burgundy. Mit Will Ferrell in der Titelrolle.

The Wolf of Wall Street – Cinemaxx, Di., 11.2. um 19:00 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio.

Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:50, Do.-Di. auch 23:00 und Sa./Mo. 17:30 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Le Weekend – Schauburg, Mi., 12.2., 19:15 – Britische Dramödie um ein älteres Ehepaar, welches ein Wochenende in Paris verbringt, um ihre eingefahrene Ehe aufzufrsichen. Aber dort läuft alles anders, als sie denken. Mit Jim Broadbent, Lindsay Duncan, und (lange nicht gesehen) Jeff Goldblum.

12 Years a Slave – Schauburg, So., 9.2. um 21:00 & Gondel, Fr.. 7.2. um 12:00 – Nach “Hunger” und “Shame” der dritte Spielfilm von Steve McQueen. Wieder mit Michael Fassbender in einer der Hauptrollen. Der film spielt 1841 und handelt von dem freien Afroamerikaner Solomon Northup, der aus New York entführt und im Süden der USA 12 Jahre lang als Sklave gefangen gehalten wird. Die Hauptrolle spielt Chiwetel Ejiofor. Ferner mit Brad Pitt, Paul Dano und Benedict Cumberbatch.

Le passé – Gondel, Mo. 10.2. um 12:00 – Der neue Film des iranischen Filmemachers Asgahr Farhadi, der für sein „Nader und Simin – eine Trennung“ nicht nur den Goldenen Bären und den Golden Globe, sondern auch den Oscar gewonnen hat. In seinem neuen Film geht es wieder um eine getrenntes Paar und die Schwierigkeiten danach.

Herr Taugenichts – City 46, Di., 11.2. um 20:30 – Japanischer Film über einen Manga-Zeichner, der nun sein Lebensunterhalt mit dem Verkauf besonders schöner Steine bestreitet. Als die Geschäfte schlecht laufen, will er wieder mit dem Zeichnen anfangen, aber seine Kunst nicht mehr gefragt. Eintritt frei!

Venezianische Freundschaft – City 46, Fr., So., Mo. um 18:00 und Sa./Mi. um 20:30 – Italiensicher Spielfilm über die Freundschaft eines alten Fischers zu einer jungen Chinesin, die illegal ins Land gekommen ist, um ihrer Familie in der Heimat ein besseres Leben zu ermöglichen.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 10.02. um 19:50 Uhr

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 10.02. um 21:00 Uhr

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DVD-Rezension: “Außergewöhnliche Geschichten”

aussergewoehnlicheDrei Geschichten nach Edgar Allan Poe.

„Metzengerstein“: Die grausame Gräfin Frederique von Metzengerstein terrorisiert und quält ihre Umwelt, bis sie eines Tages zufällig ihren verfeindeten Cousine Baron Wilhelm Berlifitzing trifft und sich ihn verliebt. Als dieser ihre Gefühle nicht erwidert, lässt sie seinen Pferdestall niederbrennen. Bei dem Versuch sein geliebtes Pferd zu retten, kommt Berlifitzing in den Flammen um. Kurze Zeit später erscheint ein riesiges Pferd im Hof des Schlosses zu Metzengerstein, das auf Frederique eine seltsame Faszination ausübt.

„William Wilson“: Der gefühlskalte und sadistische William Wilson wird seinem Doppelgänger konfrontiert, der immer wieder seine bösen Pläne durchkreuzt.

„Toby Dammit“: Der ständig betrunkene, englische Schauspieler Toby Dammit reist nach Rom, wo er die Hauptrolle in einem christlichen Italo-Western spielen soll. In Rom angekommen begegnet Dammit allerlei skurril-grotesken Gestalten und trifft immer wieder auf ein unheimliches Mädchen…

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In den 60er Jahren erlebte eine Filmform seine Blüte, die heute kaum bis gar nicht mehr gepflegt wird: Der Omnibus-Film bei denen drei oder mehr berühmte Regisseure einen Kurzfilm zu einem Thema liefern. Natürlich gibt es solche Phänomene auch heute, man denke nur an die beiden „V-H-S„-Filme oder „Paris, je t’aime„, doch das sind eher kleinere Produktionen oder – wie im Fall von „Paris, je t’aime“ – bunte Kaleidoskope und kleine Fingerübungen für die Beteiligten. Früher konnten die Segmente durchaus dem Hauptwerk eines Regisseurs zugeordnet werden. Pasolinis berühmter „La Riccota“ gehörte zu einem Film namens „Ro.Go.Pa.G.“ an dem ansonsten noch Jean-Luc Godard und Roberto Rossellini mitarbeiteten. „Hexen von heute“ vereinte neben Pasolini noch Vittorio De Sica und Luccino Visconti. Und François Truffauts Episode „Antoine et Colette“ in „Liebe mit Zwanzig“ (mit weiteren Episoden von Marcel Ophüls und Andrzej Wajda) ist sogar ein wichtiger Bestandteil seiner Antoine-Doinell-Saga. Bei „Außergewöhnliche Geschichten“ ist das gemeinsame Bindeglied zwischen den Filmen der große Edgar Allan Poe. Dieser wurde sicherlich auch vor dem Hintergrund der damals sehr erfolgreichen Reihe mit Roger-Corman-Verfilmungen – die 1968 allerdings schon beendet war – ausgewählt. Der Film wurde dann als italienisch-französische Co-Produktion realisiert, wobei die Franzosen als Regisseure Roger Vadim und Louis Malle, und die Italiener Federico Fellini ins Feld führten. Ursprünglich war noch Orson Welles für das Projekt vorgesehen und sollte zwei Episoden („Die Maske des roten Todes“ und „Das Fass Amontillado“) inszenieren. doch dies zerschlug sich recht bald. Schade, beide Stoffe hätten sich gut in sein Werk eingefügt. Statt Welles wurde Fellini an Bord geholt und dies wahrlich nicht zum Nachteil des Filmes.

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Die erste Episode, „Metzengerstein“, wurde von Roger Vadim umgesetzt, der gerade frisch von den „Barbarella„-Dreharbeiten kam. Von dort hatte er dann auch gleich seine Ehefrau Jane Fonda mitgebracht, die hier die sadistische Gräfin Federica Metzengerstein (in der Vorlage noch ein Frederick) spielt. Die Fonda trägt dann auch gleich einige übriggebliebene „Barbarella“-Kostüme auf, was den männlichen Zuschauer natürlich sehr entzückt. Überhaupt wird sie von ihrem Ehemann ausgesprochen vorteilhaft in Szene gesetzt, so dass sie das ganze Segment mit ihrer strahlenden Schönheit überstrahlt. Und dies ist auch ganz gut so, denn sehr viel mehr hat „Metzengerstein“ leider nicht zu bieten. Nach einem vielversprechenden Anfang, der Federicas Verkommenheit und ihren Sadismus illustrieren soll – dabei allerdings sehr verspielt und weniger erschreckend erscheint – wir die zeit durch zahlreiche Ausflüge der Gräfin zu Pferde gestreckt. Was zwar schön gefilmt ist und neben Frau Fonda auch mit wunderbaren aufnahmen der Bretagne landschaftlich einiges für das Auge bietet, aber darüber hinaus auch reichlich zäh ist. Vadim ist ganz offensichtlich mehr daran gelegen, seine Frau ins rechte Licht zu rücken, als einen gewissen Poe’schen Schrecken zu kultivieren. So bleibt die Geschichte, um den Cousin der in der Gestalt eines riesigen Pferdes zurückkehrt, um sich zu rächen, flach und uninspiriert. Auch die Geschichte um den Wandteppich kann keine gruselige Stimmung hervorrufen und das Ende soll dann wohl lyrisch wirken, enttäuscht aber mit seinem beiläufig Unspektakulären. Immerhin kann man in „Metzengerstein“ den bislang einzigen gemeinsamen Auftritt der Geschwister Fonda bewundern. Pikanterweise als verhindertes Liebespaar.

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Louis Malle nahm die Regie der nächsten Episode, „Wilhelm Wilson“. Zunächst wollte er bei „Außergewöhnliche Geschichten“ nicht mitmachen und sagte erst bei einer zweiten Nachfrage spontan zu, da er aus Paris raus wollte und er den Film in Italien drehen konnte. Das merkt man leider auch an der Inszenierung, die wie „mit links“ gemacht scheint. Malle selber sagt dazu in „Louis Malle über Louis Malle“: „Alles in allem hat mir die Arbeit an dem Film keinen Spaß gemacht. (…) Das Drehbuch war mäßig, eine Regie völlig unkonzentriert.“ Obwohl „William Wilson“ mit Alain Delon einen passenden Hauptdarsteller verfügt und die Geschichte um den geheimnisvollen Doppelgänger durchaus zu Poes Besten gehört, fehlt das gewisse Etwas. Was möglicherweise an der recht beiläufigen Art und Weise liegt, wie die eigentlich Höhepunkte der Episode – die Konfrontationen zwischen Wilson und seinem Doppelgänger – inszeniert sind. Auch erscheint die Rahmenhandlung der Episode, in der protestantische Wilson seine Geschichte einem katholischen Priester beichten will und dann in Panik – und recht sinnfrei – auf den Glockenturm rennt, an den Haaren herbeigezogen und nicht unbedingt zwingend. Immerhin gibt Alain Delon dem Wilhelm Wilson ein arrogantes, kaltes und sehr unsympathisches Gesicht, so dass man ihm durchaus den Tod an den Hals wünscht. Was wohl auch auf Delon selber zutraf. Dazu wieder Malle: „Die Arbeit mit Delon war schrecklich, er ist einer der schwierigsten Schauspieler, mit denen ich je zu tun hatte, nein, er ist der schwierigste Schauspieler mit dem ich je zu tun hatte. (…) er war wütend auf mich, und das kam der Ausgestaltung der Figur zugute -, und ich tat, was ich konnte, ihn in einem permanenten Zustand des Zorns zu halten!“.“ Wenn allerdings sein Gegenspieler nie richtig in Erscheinung tritt und dessen Agenda auch im Dunkeln bleibt, wird es mit dem Spannungsbogen etwas schwierig. Höhepunkt der Geschichte ist das Kartenspiel zwischen Wilson und der von einer schwarzhaarigen Brigitte Bardot – die Malle selber für schrecklich fehlbesetzt hielt – gespielten Giuseppina. Aber auch hier fehlt etwas, eine gewisse Dichte und Spannung. Man sieht zu, bleibt aber emotional außen vor. so kann man „William Wilson“ dann auch als kompetent gefilmtes, letztendlich aber etwas lebloses, Werk ansehen, doch außer den eiskalten Augen von Delon und den irritierend pechschwarzen Haaren der Bardot bleibt am Ende nicht viel im Gedächtnis hängen.

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„Toby Dammit“ von Federico Fellini ist demgegenüber ein ganz anderes Kaliber. Gleich zu Beginn führt Fellini den Zuschauer beim Anflug des Flugzeugs, welches den englischen Shakespeare-Schauspieler Toby Dammit in das ihm fremde Rom bringen in eine ganz und gar unwirkliche Welt, welche augenblicklich an das Fegefeuer erinnert. Die ganze Künstlichkeit in dieser Szene mit dem in feuer- orange leuchtendem Himmel erinnert stark an z.B. „Goke – der Vampir auf dem Weltraum“ (aus dem selben Jahr) oder den 12 Jahre später entstandenen „Flash Gordon“ (dessen Set-Designer und Ausstatter Danilo Donati interessanterweise ab Fellinis nächstem Film „Satyricon“ an fast jeden weiteren Fellini-Film in gleicher Funktion mitarbeitete). Auch wenn das Flugzeug gelandet ist und ein zwischen einer Marlon-Brando/Richard-Burton-Parodie und einer lebender Leiche changierender Terence Stamp von Bord stolpert, beschwören Fellini und sein Kameramann Giuseppe Rotunno, der ebenfalls ab „Toby Dammit“ zu Fellinis Stammcrew gehörte – hier ist vielleicht die Verbindung zu Danilo zu finden) die Bilder aus der Zwischenwelt. Terence Stamp als alkoholisierter, ständig über den Rand des Wahnsinns schwankender Toby Dammit ist eine typischen Fellini-Gestalt und erscheint wie ein ins Groteske Überzogener Guido Anselmi aus „8 1/2“). Wie er durch diese surreale Zwischenwelt zwischen Traum und Wirklichkeit, Leben und Tod, Erde und Hölle wankt und dabei lamentiert, schimpft und sich vor irrem Lachen biegt, wirkt fast so unheimlich, wie Klaus Kinski in einem Talkshow-Auftritt in den 70er.

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Unheimlich ist auch Fellinis Welt in „Toby Dammit“, in der schrille Gestalten mit dem, was man gemeinhin als „Fellini-Gesichter“ nennt, ausstaffiert sind und die von Nino Rotas genialem Score untermalt wird. Die Szenen in den Dammit mit seinem Ferrari durch scheinbar immer wieder die selben Dörfer rast und dabei Figuren am Straßenrand stehen, die mal Mensch mal Puppe zu sein scheinen, lässt einen frösteln. Ebenso das Mädchen, welches ihm immer wieder begegnet und das scheinbar eine Inkarnation des Teufels ist. Ihr gruseliger, in Zeitlupe hüpfender Spielball ist dabei eine deutliche Anspielung auf Mario Bavas Meisterwerk „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Und die apokalyptische letzte Einstellung nimmt schon Fulcis „Geisterstadt der Zombies“-Finale vorweg. Fellinis Episode ist die mit Abstand stärkste, was auch dadurch gewürdigt wurde, dass sie für das Filmfestival in Tribeca aufwändig von Kameramann Giuseppe Rotunno persönlich restauriert und vom Publikum als Fellinis verlorenes Meisterwerk gefeiert wurde. Zuvor hatte Fellini nach „Julia und die Geister“ drei Jahre lang keinen Film mehr gedreht. Somit war „Toby Dammit“ so etwas wie sein Comeback und läutete die zweite Phase seiner Karriere ein. Auch stilistisch werden schon Elemente vorweg genommen, die er dann bei „Satyricon“, „Rom“oder „Casanova“ noch weiter übersteigerte.

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„Außergewöhnliche Geschichten“ leidet an der gleichen Schwäche, wie viele andere „Omnibus-Filme“ auch, er wirkt sehr inhomogen. Nach der langweilig-belanglosen Vadim-Episode und der zwar besseren, aber unter seinen Möglichkeiten bleibenden Malle-Episode, ist die von Federico Fellini inszenierte, großartige „Toby Dammit“-Geschichte das Highlight dieser Zusammenstellung und gleichzeitig auch ein wichtiges Werk in Fellinis Schaffen. Allein hierfür lohnt es sich, die DVD zu erstehen.

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Das Bild der DVD ist gut, der Ton anständig. Dieser liegt auf Deutsch, Englisch (hier übernimmt der Star der Corman-Poe-Filme, Vincent Price, die Stimme des Erzählers), Französisch und multilingual vor. Letztere Option ist zu bevorzugen, da „Metzengerstein“ auf Englisch, „William Wilson“ auf Französisch und „Toby Dammit“ der Geschichte entsprecht auf Italienisch und Englisch gedreht wurde. Die Extras sind leider sehr mager. Außer einem Trailer hat man noch die Chance, die drei Geschichten einzeln anzuwählen, was aber natürlich auch über das Kapitelmenü möglich wäre und für mich kein wirkliches „Extra“ darstellt. Wenn sich eine Reihe „Masterpieces of Cinema“ nennt, erwartet man doch schon etwas mehr Mühe.

Alle Zitate von Louis Malle aus „Louis Malle über Louis Malle“, herausgegeben von Philip French, Alexander Verlag Berlin, 1998

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Das Bloggen der Anderen (03-02-14)

bartonfink_type2– Am Sonntag verstarb einer der großartigsten Schauspieler unserer Zeit: Philip Seymour Hoffman. Er wird sehr fehlen. Joachim Kurz hat auf B-Roll einen so wunderbaren Nachruf geschrieben, dass ich man keinen weiteren verlinken, geschweige denn selber schreiben müsste. Bye, Philip. Es wäre schön gewesen, wenn Du uns noch mehr von Deiner großen Kunst geschenkt hättest. Beatrice Behn macht sich Gedanken über das Filmerbe, welches droht für immer zu verschwinden, und Filme, die bereits verschwunden sind. Ferner ein Interview mit Lars Kraume, der seinen Film „Meine Schwestern“ ja erst kürzlich in Bremen vorgestellt hat.

– Lukas Foerster stellt auf Dirty Laundry den DEFA-Film „Denk bloss nicht, ich heule“ von 1965 und „Leichtmatrosen 2“ von Franz Müller und – dem von mir hier schon öfters in seiner Eigenschaft als Autor auf „new filmkritik“ gefeierten – Rainer Knepperges vor.

– Inspiriert von „Hauptsache Stummfilm“, findet man im Filmtagebuch der Eule nun einen „Hauptfilm“, der ausführlicher besprochen wird, die kürzere Review eines thematisch verwandten Films und noch ein paar Kurzreviews (über die Einschätzung von Hanekes „72 Fragmente..“ bin ich allerdings erschrocken). Der Film, dem die Hauptaufmerksamkeit gilt ist Ulrich Seidls „Paradies: Glaube“. Und ergänzend zu der beim letzten Mal hier vorgestellten Besprechung bei „Whoknows presents“ gibt es auch noch einen Text über „Khroustaliov, mein Wagen!

– Das Prinzip des Kurzreviews findet man auch bei Hard Sensations in der Shortbus-Kolumne, in der einige der Hard-Sensations-Schreiber gesammelte Kurzbesprechungen sammeln. Ein „Top Sensation“ war letztes Jahr die Veröffentlichung des gleichnamigen Films bei Camera Obscura. Alex Klotz hat die DVD besprochen. Silvia Szymanski wiederum hat sich in Veit Harlans „Ich werde Dich auf Händen tragen“ hinein gearbeitet und findet einige treffende Worte.  Extrem fleißig war auch wieder Jamal Tuschnik, der nicht nur die Doku „Der Kapitän uns sein Pirat“ von Andy Wolff, die koreanischen Indie-Filme „Green Fish“ und „Secret Sunshine“ von Lee Chang-dong, den deutschen „Domino“ von Thomas Brasch mit der jungen Katharina Thalbach, sondern auch den neuen Film von Oscar-Gewinner Asghar Farhadi, „Le passe – das Vergangene“ bespricht. Puuhhh…

– Über Farhadis Film schreibt auch Jennifer Ament auf Daumenkino. Philipp Fust wiederum ist etwas zwiegespalten über David O. Russells neuen Film „American Hustle“.

Ausgesprochen positiv hat Bernd Zywietz auf screenshot den österreichischen Horrorfilm „Blutgletscher“ von Marvin Kreen aufgenommen. Der läuft übrigens in einigen Wochen in Bremen – wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß.

– Etwas, was ein früher, deutscher Sexfilm aus den verklemmten 50er Jahre hätte werden können hat Udo Rottenberg für Grün ist die Heide entdeckt. Allerdings wurde „Das verlorene Paradies“ schon zur Zeit seiner Entstehung von der Zensur vollkommen verstümmelt. Schade.

– Und auf L’Amore in cità erweist er mit einem langen Essay einem der vergessenen Meister des italienischen Kinos, Antonio Pietrangeli, die ihm gebührende Ehre.

– Elisabeth Maurer schreibt auf Negativ über einen gar seltsamen Filmen, über den ich bereits sehr viele, sehr unterschiedliche Meinungen gelesen habe: „A Field in England“. Mit tollen GIF-Animationen.

– Achtung! Achtung! Die Filmosophen von Filmosophie suchen Verstärkung! Wer mitmachen will, kann sich hier bewerben.  Zwei der momentanen Filmosophen, dennis und filmosophie persönlich, erinnern sich an ihre ersten Berlinale-Erlebnisse.

– Teil 2 habe ich gar nicht mitbekommen – darum hier bereits der Hinweis auf Teil 3 von Nino Klinglers Sehtagebuch vom Filmfestival in Rotterdam, welches er auch critic.de führt.

– Sir Donnerbold erzählt auf Sir Donnerbolds Bagatellen die unglaubliche Geschichte eines Songs, der erst für die aktuellen Oscars nominiert war – und dann wieder nicht.

– Rainer Kienböck kann auf Jugend ohne Film der allseits gelobte sowjetische Film „Okrainas“ nicht wirklich überzeugen. Ebenso kalt lässt Patrick Holzapfel Jerzy Skolimowskis „Essential Killing“. Ich kann Patricks Kritik nicht teilen und finde auch die POV-Shots nicht aufdringlich – tatsächlich kann ich mich an ein gehäuftes Auftreten auch gar nicht mehr erinnern – aber seine Ausführungen, insbesondere zur Verwendung des Point-of-View, sind sehr lesenswert. Ebenfalls kritisch äußert er sich dann über Viscontis leider recht unbekannte „Der Fremde“-Verfilmung von 1968.

Zeilenkino stellt die skandinavischen Filme vor, die in diesem Jahr auf der Berlinale laufen werden. U.a. der neue Film von Hans Petter Moland.

– Kürzlich liefen das klassische Fantomas-Serial von Louis Feuillade auf ARTE. Der Kinogänger hat es gesehen und die einzelnen Folgen besprochen. Außerdem hat er einen schönen Nachruf auf den in der letzten Woche verstorbenen, großen Maximilian Schell verfasst.

– Nicht besonders begeistert , sondern eher sehr enttäuscht, zeigt sich Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de von Renny Harlins Comeback-Versuch im Found-Footage-Gewand „Devil’s Pass“.

PewPewPew findet „Devil’s Pass“ sogar noch eine Ecke schlechter.

– Ebenfalls enttäuscht ist Going to the Movies von dem von Luc Besson produzierten „Klapperschlange“-Rip-Off „Lockout“.

– Und Hauptsache Stummfilm ist entsetzt von Michael Curtiz Frühwerk „Noah’s Ark“. Hoffen wir mal, dass Darren Aronowskis 2014er „Noah“ besser wird, als sein Pendant von 1928.

– Für die Dokumentation “La Deutsche Vita” haben die Regisseure Alessandro Cassigoli und Tania Masi über € 8.500 gesammelt, um ihr Herzensprojekt über Italiener in der deutschen Großstadt Berlin zu realisieren. Ronny Dombrowski von cineastic.de hat sie gesehen.

– Oliver Nöding hat für Remember It for Later die komplette Edgar-Wallace-Reihe der Rialto besprochen, sowie die Trittbrettfahrer-Filme. Jetzt sind die Bryan-Edgar-Wallace-Filme dran. U.a. Jess Francos „Der Todesrächer von Soho“ über den er einen wirklich schönen und sehr wahren Text geschrieben hat und mit großartigen Bilder unterlegt. Ferner hat er auch den Abenteuerfilm „Weiße Fracht für Hongkong“ von Helmut Ashley gesehen, der ihn ziemlich begeistert hat.

– Annika Stelter von Die Filme, die ich rief hat Ingmar Bergmans großartiges Meisterwerk „Persona“ tief bewegt.

– Christian Anders, der Bruce Lee des deutschen Exploitation-Kinos. Da fährt ein Zug nicht nach Nirgendwo, sondern direkt zur „Todesgöttin der Liebescamps“, wovon der Intergalactic Ape-Man auf Intergalaktische Filmreisen zu berichten weiß.

– Jacques Rivette ist einer meiner großen Heroen. Trotzdem habe ich sein Spielfilmdebüt, „Paris gehört uns“ bisher noch nicht gesehen. Anders als Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte.

Ein sehr lesenswerten Artikel hat Alexander Matzkeit auf seinem Blog real virtuality veröffentlicht. Darin geht es um „Kritiken im Dialog“. Ein Form der Filmbesprechung, die ich auch immer wieder höchst spannend finde und die meines Wissens leider recht wenig genutzt wird. Mir fällt nur die Reihe „Forced Entry“ mit Silvia Szymanski und Maria Wildeisen auf „Hard Sensations“ ein. Alexander nennt aber noch einige mehr, vor allem allerdings englischsprachige Podcasts. Hier würde ich auch begrüßen, wenn die Form des Dialoges oder des Round-Table-Gesprächs in den deutschen Blog Einzug finden würde. Ich würde das auch gerne mal machen, allerdings sollte man den Zeit- und Organisationsaufwand nicht unterschätzen. Idealerweise habe ich mir das mit meiner lieben Ehefrau vorgestellt – doch das kann ich jetzt die nächsten 18 Jahre wohl vergessen.

– Durch Alexanders Artikel wurde ich auf den recht jungen Blog Film im Dialog aufmerksam, der diese Form der „Dialog-Besprechung“ pflegt und dabei von einer Frau und einem Mann betrieben wird – was das Ganze meines Erachtens noch einmal etwas spannender macht. Exemplarisch verlinke ich hier mal auf das Gespräch über „12 Years a Slave“.

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Rezension: „The Canyons“

the_canyons-dvdDie ehemalige Schauspielerin Tara (Lindsay Lohan) lebt mit dem Filmproduzent Christian (James Deen) zusammen. Beide bezieht ihren Kick daraus, dass Christian regelmäßig fremde Personen zum gemeinsamen Sex einlädt. Seit einiger Zeit hat Tara auch ein Verhältnis mit dem Schauspieler Ryan (Nolan Funk), der in Christians neustem Filmprojekt die Hauptrolle spielen soll. Als Christian, der immer und überall die Kontrolle behalten will, davon erfährt, gerät die Situation außer Kontrolle.

Es klingt wie ein großes Versprechen. Ein Film bei dem Paul Schrader Regie führt und Brett Easton Ellis das Drehbuch beisteuert. Kein Wunder also, dass sich genug Leute auf der Crowdfounding-Plattform kickstarter.com fanden, um dies möglich zu machen. Der erste Trailer, ganz im Stile eines alten, verschlissenen 35mm Trailers aus dem 70ern gehalten, sah dann schon ganz vielversprechend aus. Dann kamen die ersten desaströsen Kritiken und der Film wurde als „zu schlecht“ beim Sundance Festival abgelehnt. Linday Lohan wurde für die Goldene Himbeere als schlechteste Darstellerin nominiert und einen Kinostart bekam der Streifen auch nicht, sondern wurde hauptsächlich auf Download- und Streaming-Portalen verwertet. Was ist also dran an „The Canyons„? Triumphiert Schrader mit „The Canyons, weil „er ständig dazu bereit ist, zu scheitern“, wie Michael Kienzl auf critic.de schreibt? Oder steht „The Canyons“ in der „Filmografie aller Beteiligten (…) als Ausreißer nach unten (da), für den sie sich in ein paar Jahren schämen werden.“, wie Sebastian Moitzheim auf kino-zeit.de meint? Irgendwie beides und doch dazwischen. „The Canyons“ ist kein guter Film, obwohl er alle Zutaten dafür hätte, die einem schon beim Durchlesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Aber irgendetwas ist beim Rezept durcheinander geraten, und die Suppe schmeckt zwar interessant, aber gleichzeitig auch enttäuschend.

the_canyons-3Paul Schrader ist nicht nur der Drehbuchautor von Martin Scorseses New-Hollywood-Monumenten „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier„, sondern hat auch dessen unterschätzten „Letzte Versuchung Christie“ und vor allem „Bringing Out the Dead“ verfasst und mit Filmen wie „Blue Collar„, „Ein Mann für gewisse Stunden“ und „Katzenmenschen“ selber Geschichte geschrieben. Nach seinem besten Film „Light Sleeper“ 1992 war es allerdings still um ihn geworden. Mit keinem seiner späteren Filme konnte er an den Erfolg seiner Anfangstage anknüpfen. Erst recht nicht mit dem verunglückten „Exorzist“-Prequel „Dominion„, welches ihm in der Post-Produktion aus den Händen gerissen und von Renny Harlin noch einmal komplett neu gedreht wurde. So vergingen dann auch zwischen seinem letzten Film „Adam Resurrected“ und „The Canyons“ ganze 5 Jahre. Brett Easton Ellis geht es ähnlich. An den großen Erfolg seiner ersten drei Romane („Unter Null“, „Einfach unwiderstehlich“ und „American Psycho“), die ihn zu einem DER Chronisten des Amerikas der 80er Jahre machten, konnte er mit ambitionierten Werken wie „Glamorama“ und „Lunar Park“ nicht mehr anknüpfen. Trotzdem sind beide Künstler noch wichtige Stimmen und Spezialisten für den Blick auf eine verrotteten Gesellschaft hinter der glamourösen Oberfläche. Eine Zusammenarbeit der Beiden erscheint also nicht nur spannend, sondern auch logisch.

the_canyons-9Ferner weckt die unorthodoxe Besetzung die Neugierde. Lindsay Lohan kennt man eigentlich nur noch aus den Schlagzeilen der Boulevardpresse und ihr Exzesse sind ja bereits legendär. Warum sie nicht einmal in ihrem eigentlich Job neben dem des skandalösen Partygirls fordern? Vielleicht verschmilzt ja bei ihr öffentliche Person und Figur ebenso kongenial wie z.B. bei Mickey Rourke in „The Wrestler„. Und dann noch einen Pornostar in der männlichen Hauptrolle zu casten, der in Titeln wie „Deep Anal Drilling 5“ sein Geld verdient und es auf über 1000 Pornos bringt? Warum nicht? Sasha Grey hat ja auch für Soderbergh gearbeitet und sich dabei nicht blamiert.

Das Problem mit den Beiden ist nur, das sie nicht sonderlich überzeugen können. Die Lohan gibt sich redlich Mühe, wirkt aber steif und unentspannt. Insbesondere ihre letzte Szene mit James Deen, die den emotionalen Höhepunkt des Filmes darstellen soll, ist ihr völlig missraten und reizt eher zum Lachen, als zur Empathie. Selten sah man jemanden so künstlich weinen, wie hier. James Deen wiederum spielt etwas zu entspannt. Er schlafwandelt mit einem Gesichtsausdruck durch den Film, als ob ihn das alles nicht sonderlich interessiert. Allein seine markante Stimme, verleiht seinem Christian Präsenz und auch etwas Gefährlichkeit. Aber diese subtile Bedrohung, die seine Figur ausstrahlen soll, kann er physisch nicht umsetzen. Dazu fehlt ihm einfach richtige Haltung. Nur in seinen Augen blitzt es ab und zu psychotisch. Die anderen Darsteller bleiben blass und austauschbar. Vor allem Nolan Funk als schönem Ryan fehlt, jenseits seines perfekten Modellaussehens, jegliche Ausstrahlung. Und auch Tenille Houston in der nicht unwichtigen Rolle der Cynthia hat man schnell vergessen. Amanda Brooks scheint noch während des Filmes aufzulösen. Seltsamerweise hat man aber ständig das Gefühl, den Schauspielern bei den Proben und nicht dem fertigen Film zuzusehen. Einzig Chris Zeischegg als schwuler Produzent Reed bleibt im Gedächtnis, hat allerdings nur eine sehr kleine Nebenrolle. Was auch schade ist, da sein Charakter durchaus interessant ist und einen längeren Filmauftritt verdient hätte.

the_canyons-12Wo „The Canyons“ punkten kann, ist bei der visuellen Gestaltung. Zumindest zum größten Teil. Die wunderbaren Bilder verfallener Kinos am Anfang beschwört eine trist-melancholische Stimmung herauf, die dann allerdings nicht wieder aufgenommen wird. Oftmals weiß die Kameraarbeit von John DeFazio, der zuvor fast ausschließlich Kurzfilme gemacht hat, interessante Kompositionen zu gestalten. Auch das Produktionsdesign ist rundheraus gelungen. Sei es das futuristische Haus in den Bergen, in dem Christian und Tara leben, Cynthias Garten mit den riesigen Sitzgelegenheiten oder das Diner mit den großen Fensterfassaden, wo es immer so aussieht, als ob die Autos gleich über den Tisch fahren würden. Generell erinnert hier alles an die Filme der frühen 80er Jahre, die das gerade aufkommende Yuppietum und den Geld-Chic eingefangen haben. Insbesondere Schraders eigener „Ein Mann für gewissen Stunden“ stand hierfür wohl Pate. Generell gibt es in beiden Filmen auch eine ähnlich trostlos-oberflächliche Stimmung. Nur, dass „Ein Mann für gewisse Stunden“ die besseren Schauspieler und die weitaus interessanteren, lebendigeren Figuren hatte.

the_canyons-21„The Canyons“ wirkt merkwürdig schizophren, wenn es um die Darstellung von Sex geht. Manchmal wird geradezu verschämt weg geschaut, dann wieder voll drauf gehalten. Doch auch bei den „Schockszenen“, in denen man einen nackten Mann masturbieren sieht oder ein anderer von einem Mann einen Blowjob bekommt, wirken angestrengt. Als ob jemand im Nachhinein gesagt hätte, „Lindsay Lohans nackte Brüste locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, wir müssen da jetzt mal noch etwas mehr rein bringen“ und eigentlich niemand darauf Lust gehabt hatte. Es fehlt hier alles leichte, schmuddelige, lebensfrohe. Es wirkt erzwungen, mechanisch und kalt. Vielleicht ist das ja auch eine Aussage des Filmes, dass die Figuren keine wahre Freude am Sex empfinden können und solche Exzesse mit fremden Pärchen brauchen, um überhaupt noch irgendwie Befriedigung zu erfahren.

Positiv herausstellen sollte man noch den gelungenen Soundtrack, der – ähnlich wie der geniale „Drive„-Soundtrack – die 80er Jahre wieder zum Leben erweckt, ohne dabei irgendwie altbacken oder unmodern zu wirken. Komponiert hat ihn Brendan Canning, Gründer der Band „Broken Social Scene“, und man möchte sich gerne die CD ins Regal stellen. Allerdings kann auch die tolle Musik die größte Schwäche des Filmes nicht übertünchen. Die große Geschwätzigkeit des Drehbuchs. Der Schriftsteller Ellis scheint die Funktion des „allwissenden Erzählers“ zu vermissen, und ersetzt sie auf eine denkbar unfilmische Art und Weise. Er verlegt sie einfach auf die Dialoge. Und so müssen die Figuren stundenlang erklären wer wann wo mit wem und weshalb. Was eine ziemlich ermüdende Wirkung hat und den Film oftmals träge wie Blei werden the_canyons-8lässt. So bleibt „The Canyons“ ein Versprechen, welches letztendlich nicht eingelöst wird. In der Rückschau bleibt der Film vielleicht in einer besseren Erinnerung als er eigentlich war, weil man die Zutaten ja eigentlich spannend findet. Und weil man sich so sehr einen besseren Film gewünscht hatte, fügt man sie im Nachhinein im Kopf zu einem interessanteren Film neu zusammen.

Leider lag mir zur Rezension keine richtige DVD, sondern nur ein minderwertiger Screener mit riesigem Wasserzeichen mitten im Bild vor. Daher kann ich in Bezug auf Bild, Ton und Extras leider keine Aussagen treffen. Wer sich selber ein Bild machen möchte: Am 17. März erscheint der Film bei NewKSM auf DVD und Blu-ray.

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Originalfassungen in Bremen: 30.01.14 – 05.02.14

Ruhigen Gewissens kann ich eigentlich keinen von den in dieser Woche neu ins Kino gekommenen Filmen im O-Ton hervorheben. Mein Interesse treffen sie alle nicht unbedingt. Darum sucht Euch selber Euren Favoriten aus.

Mandela: Der lange Weg zur Freiheit – Cinemaxx, Fr., 31.1. um 19:00 – Laut Filmplakat, die „einzige von Mandela selbst autorisierte Filmbiographie“. D.h. dann vermutlich auch recht distanzlos.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=py4PmihHQE0[/youtube]

The Wolf of Wall Street  – Cinemaxx, Do., Sa., So., Di., Mi. immer 19:00 – Der aktuelle Film von Regie-Altmeister Martin Scorsese basiert auf einer wahren Geschichte und erzählt von geldgierigen Börsenmaklern, Koks und Sex. Die Hauptrolle spielt der überaus talentierte Herr DiCaprio.

Eyyvah Eyvah 3 – Cinemaxx, Do.-Mi. 17:20, 21:15 und 23:10 – Dritter Teil der türkischen Komödien-Reihe.

Le Weekend – Schauburg, Mi., 5.2. um 19:15 – Britische Dramödie um ein älteres Ehepaar, welches ein Wochenende in Paris verbringt, um ihre eingefahrene Ehe aufzufrsichen. Aber dort läuft alles anders, als sie denken. Mit Jim Broadbent, Lindsay Duncan, und (lange nicht gesehen) Jeff Goldblum.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=VtKxgYWr3rg[/youtube]

12 Years a Slave – Schauburg, 2.2. um 21:15 & Gondel, 4.2. um 18:45 – Nach “Hunger” und “Shame” der dritte Spielfilm von Steve McQueen. Wieder mit Michael Fassbender in einer der Hauptrollen. Der film spielt 1841 und handelt von dem freien Afroamerikaner Solomon Northup, der aus New York entführt und im Süden der USA 12 Jahre lang als Sklave gefangen gehalten wird. Die Hauptrolle spielt Chiwetel Ejiofor. Ferner mit Brad Pitt, Paul Dano und Benedict Cumberbatch.

An ihrer Seite – City 46, Do.-Sa. um 20:30 und So.-Di. um 18:00 – Kanadisches Drama um einen Mann, der lernen muss mit der schweren Alzheimererkrankung seiner Ehefrau zu leben. Basiert auf einer Kurzgeschichte von Alice Munro, der Literaturnobelpreisträgerin 2013. Mit Julie Christie.

Karnaval – City 46, Do.-Sa. um 18:00 und So.-Mi. um 20:30 – Französisch-belgischer Spielfilm über den Karneval in Dünkirchen und einen Algerier, der sich in die Ehefrau eines der Feierwütigen verliebt und nun selber mitmacht. Mit der Trägerin des Bremer Filmpreises 2014: Sylvie Testud.

La brunante – City 46, Fr., 31.1. um 20:30 – Franco-kanadischer Spielfilm um eine Frau, bei der Alzheimer diagnostiziert wird, und die sich noch einmal auf eine große Reise zu einem ihrer Lieblingsorte begibt.

Der zerbrochene Klang – City 46, Di., 4.2. um 20:00 – Doku über das osteuropäische Bessarabien, wo bis Anfang des 20. Jahrhunderts jüdische und Roma-Musikerfamilien zusammen lebten, untereinander heirateten und gemeinsam musizierten.

Stein der Geduld – City 46, Do.-Mo. und Mi. um 20:00 – Französisch-afghanischer Spielfilm um eine junge Mutter, die ihren im Krieg schwer verletzten Mann pflegt.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 03.02. um 19:30 Uhr

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 03.02. um 21:45 Uhr

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Das Bloggen der Anderen (27-01-14)

bartonfink_type2– Wenn die meisten Leute das hier lesen, weiß man sicherlich schon mehr darüber, wie es mit der Deutschen Filmförderung weitergeht. Denn morgen tagt das Bundesverfassungsgericht in dieser Sache. Dazu gibt es auf critic.de ein spannendes und sehr aufschlussreiches zweiteiliges Gespräch zwischen Festivalleiter Lars Henrik Gass, Produzent Martin Hagemann und Frédéric Jaeger über den momentanen Status Quo. Unbedingt lesenswert! Teil 1 hier und Teil 2 hier. Und Nino Klingler ist zur Zeit auf dem Filmfestival in Rotterdam und führt dort ein Sehtagebuch.

– Einen schönen Beitrag über die Rolle (auch die eigene) des Kritikers hat Joachim Kurz für B-Roll verfasst. Ferner findet man dort auch ein Interview mit Marina Anna Eich über den neusten Film aus der Roland Reber-Factory: „Illusion“.

– Einen sehr gelungen Text über Jess Francos „Der Teufel kam aus Akasava“ hat Oliver Nöding für Remember It for Later verfasst. Darin merkt man deutlich die zwiespältigen Gefühle, die man einem Werk des spanischen Kultregisseurs entgegen bringen kann. Zwischen unerklärbarer Faszination und Hand gegen die Stirn schlagen. Darin dürfte sich so mancher dann auch wiedererkennen.

– Peter Stricklands Regie-Debüt „Katalin Varga“ muss ich mir auch noch anschauen. „Berberian Sound Studio“ hat mich zwar schwer enttäuscht, aber trotzdem hatte der Film etwas. Und „Katalin Varga“ klingt in der Kritik von Robin Schröder auf Mise en cinema auch sehr interessant.

– Vor Kurzem habe ich hier ja Alain Robbe-Grillets „Eden und danach“ besprochen und mich dafür intensiv mit diesem Regisseur beschäftigt. Sehr erfreulich, dass Sebastian Schubert auf Das Magazin des Glücks eine kleine Werkschau veranstaltet.

– Auf cargo findet man das Sehtagebuch von Ekkehard Knörer , der zwei sehr spannende – und einen scheinbar eher mittelmäßigen – Filme aus Indien bespricht.

– Ich liebe Bill Plympton seit den frühen MTV-Tagen, als seine surreal-absurden Animationen als Pausenfüller und Übergänge genutzt wurden (oh, was waren das noch für glückliche Zeiten). Umso beschämender, dass ich keines seiner Werke im Regal stehen habe. Das muss geändert werden! Gerade auch nach Sano Cestniks aufschlussreichen Essay auf Eskalierende Träume.

– Sir Donnerbold macht sich auf Sir Donnerbolds Bagatellen Gedanken über das abgelaufene Kinojahr 2013.

– Nochmal 2013. Filmgazette hat die Kritiken und Punkte all seiner Mitarbeiter ausgewertet und hat daraus eine ultimative Gesamtliste erstellt. Platz 1 mit weitem Abstand: „Spring Breakers“.

– Noch mehr Rückschau. La vié cinephilie mit seiner Bestenliste für 2013. Platz 1 hier: „L’image manquante“.

– Und nun die Vorschau auf 2014. Filme Welt freut sich auf diese fünf Produktionen. Not my cup of tea, aber bitte.

– Ich hatte ja „Psychomania“ auch schon mal rezensiert. Hier Alex Klotz‘ Meinung zu diesem britischen „Zombie-Biker-Kult-Film“ auf Hard Sensations.  Nochmal „The Wolf of Wall Street“: Diesmal einige Gedanken von Jamal Tuschick.

Splattertrash hat einen zu unrecht vergessenen Klassiker am Wickel: „The Bronx“. Immerhin mit Paul Newman und Ken Wal. Da erinnere ich mich sogar noch an das Filmplakat, das damals in einem der Bremer Kinos hing.

– Wenn es um Hongkong-Filme aus den 70ern und frühen 80ern kommt, denkt man zu allererste an die Kung-Fu-Epen der Shaw Brothers. Aber jenseits davon gibt es eine wahnsinnig interessante Welt, in der auch die Shaws ihre Finger im Spiel hatten: Den Horrorfilm. Vor einige Jahren habe ich da auch alles gesammelt, was mir in die Finger gekommen ist, denn die Filme waren sowohl exotisch als auch faszinierend radikal und durchgeknallt. Ob „The Boxer’s Omen“ damals dabei war, weiß ich gar nicht mehr. Vielversprechend klingt er auf jeden Fall auch, wie man auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte nachlesen kann.

– Auf Schneeland liest man eigentlich immer etwas aus der Welt des asiatischen Films. Diesmal aber wird ein deutscher Kurzfilm vorgestellt: „Hermann“ von „Splatting Image“-Autor Gerd Reda. Das passt aber trotzdem in Michael Schleehs Blog, denn hier gibt es auch einen Verweis nach Japan. Welchen? Lesen.

– Eine recht interessanten Blick auf „Die Nacht der reitenden Leichen“ hat Yzordderrexxiii.

. Etwas unbemerkt ist Louis Malles Meisterwerk „Herzflimmern“ endlich in Deutschland auf DVD erschienen, womit eine weitere Lücke geschlossen wird. Herausgekommen ist der Film bei CMV und jogiwan hat ihn auf project-equinox besprochen.

– Hups. Spike Jonesz hat einen neuen Film draußen? Habe ich gar nicht mitbekommen. Leider stammt das Drehbuch zu „Her“ nicht von Charlie Kaufman, aber na ja. Rainer Kienböck hat ihn für Jugend ohne Film gesehen. Der Film gefiel ihm, haut ihn aber auch nicht völlig vom Hocker. Patrick Holzapfel macht sich einige kluge Gedanken zum Thema Filmende.

– Miriam Eck ist auf Daumenkino begeistert von der Allen-Ginsberg-Biographie „Kill Your Darlings“ und Daniel Radcliffes Darstellung des Beat-Dichters.

– Der chilenische Filmemachers Raoul Ruiz war mir bisher vollkommen unbekannt. Daher geht mein Dank an Michael Brodski von Negativ, der diesen „erklärten Feind des klassischen Erzählkinos“ – der es immerhin auf über 100 Filme brachte – und seinen Kurzfilm „Colloque des chiens“ vorstellt.

Screen/read wirft einen vergleichenden Blick auf die beiden modernen Frankenstein-Variationen „Frankenstein’s Army“ und „I, Frankenstein“. Ersteren finde ich ja um einiges fürchterlicher als der Autor hier (siehe meine Review). Von letzterem habe ich bisher nur vernichtende Kritiken gelesen und auch hier kommt er nicht besonders gut weg.

The Hooded Justice ist sehr begeistert von Winding Refns „Drive“. Ich ja auch.

– Steht auch schon seit ewiger Zeit auf meiner „Muss-ich-gucken“-Liste: Der japanische Anime-Thriller „Perfect Blue“. Den sollte man wohl gehen haben, findet auch Flo Lieb auf symparanekronemoi.

– Wer wissen möchte, was es Neues aus Hollywood gibt, schaut am besten einmal bei Der Kinogänger vorbei.

– Als ich den Trailer zu „47 Ronins“ mit Keanu Reeves (Was macht der da?) sah, passten die Bilder nicht im Geringsten zu der vielverfilmten Legende, die ich kenne. Laut Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de hat der Film das auch nicht und ist zudem auch eher mäßig umgesetzt.

– Manfred Polak stellt auf Whoknows presents eine DVD mit lateinamerikanischen Avantgardefilmen von 1933 bis 2008 vor und bespricht die darauf enthaltenen Filmen in Detail. Hochinteressant! Diese DVD würde mich auch sehr reizen.

– Mal etwas „Nicht-filmisches“: Heute Abend um 23:05 läuft auf WDR3 das neue Hörspiel von Jörg Buttgereit „Das Märchen vom unglaublichen Super-Kim aus Pyöngyang“. Thomas Groh hat es schon gehört und auf filmtagebuch besprochen.

– Zu guter Letzt: Da will ich demnächst auch noch was zu schreiben und PewPewPew hat schon mal vorgelegt. Der neue Film von Huan Vu seht in den Startlöchern. Die Lovecraft-Verfilmung „Die Traumlande“.

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DVD-Rezension: “Die teuflischen Schwestern”

Die-teuflischen-SchwesternIn einem Nachtclub wird Edie (Kurt Meinicke) von der schönen Edna (Pamela Stanford) aufgegabelt und mit nach Hause genommen. Dort soll er allerdings nicht die Dame des Hauses, sondern deren Schwester Millie (Karine Gambier) beglücken, die in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wird. Millie leidet nämlich scheinbar unter deiner besonders krankhaften Form der Nymphomanie. Edie und Millie verlieben sich, doch am nächsten Tag wacht Edie allein am in seinem Auto auf, ohne Erinnerung daran, wo er Millie finden kann. Derweilen schmiedet Edna zusammen mit dem angeblichen Arzt Dr. Barnes (Jack Taylor) einen sinisteren Plan. Sie wollen Millie in den Wahnsinn treiben, um an das Erbe zu kommen, welches sie an ihrem 21. Geburtstag ausgehändigt bekommen soll.

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Es ist 1977 und die Dietrich/Franco-Connection läuft auf Hochtouren. Ganze sieben Filme sollen die beiden in diesem Jahr zusammen machen. Die Rollenverteilung ist dabei immer die gleiche. Dietrich produziert und liefert unter dem Pseudonym Manfred Gregor das Drehbuch, Jess Fraco inszeniert in ein paar Tagen für wenig Geld. Wobei die Frage ist, in wie weit „Manfred Gregor“ wirklich am Drehbuch beteiligt war und ob das Pseudonym nicht auch von Franco genutzt wurde. Zumindest legt dies das de Sade’sche Element, welches auch in Francos andere Arbeiten seit den 60ern zu finden ist. Besonders deutlich tritt es in „Die teuflischen Schwestern“ wieder einmal zutage. Die „Gute“, die von der „Bösen“ verführt. gedemütigt und verdorben wird. Entfernt eine „Justine/&Juliette“-Geschichte, die Franco ja neben der Euginé-Figur aus „Die Philosophie im Boudoir“ gerne für seine Filme verwendete. Am sicherlich prominentesten in der Verfilmung „Justine“ von 1969 mit Romina Power in der Hauptrolle. Hier wird die Justine-Figur von Karine Gambier gespielt. Deren Charakter „Millie“ ist zwar hoffnungslos nymphoman, doch – wie man im weiteren Verlauf der Handlung erfährt – nur deswegen, weil die „böse Schwester“ (also die Juliette-Figur) sie unter Drogen hält und langsam in den Wahnsinn treibt. Innerlich ist Millie aber eine reine Seele geblieben, was dadurch hervorgehoben wird, dass sie sich sogleich aufrichtig verliebt, sobald der Richtige an ihre – ähem – Pforte klopft. Die böse Edna hingegen, versteckt hinter der Maske der fürsorglichen Schwester in Wahrheit eine eiskalt kalkulierende und nur ihre sexuelle und materielle Befriedigung gehorchende Intrigantin, die sich an den Leiden ihrer Schwester ergötzt und sexuell erregt.

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Als Schwestern castete Franco zwei absolut gegensätzliche Typen. Die wasserstoffblonde und dralle Karine Gambier spielt die Millie, während die brünette, sehnige Pamela Stanford ihre böse Edna spielt. Die Gambier war zu der Zeit ein gefragter Pornostar und so etwas wie die vulgärere Version von Brigitte Lahaie. Zudem spielte sie in einigen Softcore-Produktionen, wie z.B. dem 11. Teil der berühmten „Schulmädchen-Report“-Filmen mit und war bei den Dietrich/Franco-Produktionen „Ruf der blonden Göttin“ und vor allem beim extrem misanthropischen „Frauen für Zellblock 9“ dabei. 1981 beendete sie ihre Karriere nach nur 5 Jahren und ist seitdem vom Erdboden verschwunden. Die interessant aussehende Pamela Stanford alias Monique Delaunay war eine ehemalige Tänzerin im Folies Bergère und späteres Nacktmodel für diverse Herrenmagazine. Sie begann ihre Filmkarriere 1969 und spielte 1973 das erste Mal unter Jess Franco in „Les exploits érotiques de Maciste dans l’Atlantide„. Danach gehörte sie zu Francos Stammpersonal, zunächst in Minirollen, dann in „Lorna, l’exorciste“ erstmals in einer Hauptrolle. Nach einigen Sexfilmen für andere Regisseure, sowie einigen sehr billigen Naziploitationfilmen aus dem Hause Eurociné, verschwand sie dann 1983 nach einer letzten Zusammenarbeit mit Jess Franco („Claire„) von der Bildfläche. Unter den Herren sticht zunächst einmal der amerikanische Europloition-Star Jack Taylor hervor, der in vielen spanischen und französischen Horrorfilmen („Geisterschiff der schwimmenden Leichen„, „Dr. Jekyll vs. the Werewolf„) dabei war, ebenfalls häufig mit Franco zusammenarbeitete und hier überraschend blank zieht. Taylor ist heute noch aktiv und trat in Arthouse-Filmen wie Polanskis „Die neun Pforten“ und Milos Formans „Goyas Geister“ auf. Kurt Meinicke hüpfte in diversen Dietrich-Filmen, aber auch Alois-Brummer-Hardcore-Produktionen durch das Bild, Eric Falk gehörte in vielen legendären Dietrich- und Franco-Produktionen zum Inventar.

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Was den Zuschauer bei den „Teuflischen Schwestern“ erwartet, ist erst einmal viel nacktes Fleisch und ausschweifende Sexszenen, die immer knapp an der Grenze zur Pornographie entlang schrammen. Wer von den vielen nackten Brüsten nicht völlig abgelenkt ist, kann aber viele schöne Details entdecken. Wie z.B. die unzähligen Katzenportraits, die die Wände der Villa zieren. Wobei die Zimmer für eine angeblich große Villa doch arg eng und wahrscheinlich nur schnöden Hotelzimmer sind. Franco-Liebhaber entdecken auch das Schild der Praxis von „Dr. Milton Arcos“ wieder, welches dann in „Frauen ohne Unschuld“ (Review hier) wieder auftaucht. Auch der Käfig in dem sich Karine Gambier vor Lust windet, ist ein schönes Ausstellungsstück, welches ein wenig an „Das Blutgericht der gequälten Frauen“ erinnert. Und natürlich lässt es sich Franco nicht entgehen, eine seiner typischen Nachtclub-Szenen komplett mit frivol-mysteriöser Bühnenshow und ein Zitat aus Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ (ist die titelähnlichkeit wirklich Zufall?) einzubauen. Wer allerdings für diese kleinen Mosaiksteinchen und Verweise in das Jess-Franco-Universums keinen Sinn hat, die vielen Sexszenen langweilig findet und den das unspektakulär-abrupte Ende (welches in der Tat plötzlich die gesamte Luft aus dem Film entweichen lässt) frustriert zurück lässt, dem sei hier gründlich abgeraten. Wer Franco und seine Welt im Herzen trägt, dem werden auch „Die teuflischen Schwestern“ ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Als Einsteigerfilm in diese Welt ist der Film allerdings etwas problematisch.

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Billig-Produktion aus der Dietrich/Franco-Ära mit allen typischen Franco-Ingredienzien. Was für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen zur Flucht ist. Für Einsteiger in den Jess-Franco-Kosmos nicht unbedingt geeignet. Für diejenigen, die bereits infiziert sind, aber natürlich ein Muss.

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Das Bild der DVD aus der „Jess Franco Golden Goya Collection“ ist den Umständen entsprechend sehr gut. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um eine Billig-Produktion aus den 70er Jahren handelt, bei der auf die Qualität des Filmmaterials nicht viel Rücksicht genommen wurde. Der Ton liegt nur in Deutsch vor – welches auch die Originalsprache ist. Wie üblich wurde stumm gedreht und dann später mit professionellen Sprechern nachsynchronisert. Das Resultat ist ausgesprochen zottig und derb ausgefallen, was durchaus ein Markenzeichen der Dietrich/Franco-Filme ist. Als Extras liegen nur Trailer für andere DVDs der „Jess Franco Golden Goya Collection“ bei. Als Kuriosum sei noch erwähnt, dass die DVD japanische Untertitel mit an Bord sind.

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Veranstaltungstipp: Weird Xperience zeigt Argentos „Horror Infernal“

horror_infernalMit ganz besonderem Stolz präsentieren wir in unserer Reihe „Weird Xperience„, am kommenden Sonntag, den 26. Januar um 18:00 Uhr im großen Saal des Kommunalkinos City 46 auf 35mm, ein Juwel des europäischen Genrekinos: Dario Argentos „Horror Infernal“.

Dario Argento gehört zu den ganz Großen des italienischen Horror- und Thrillerkinos und genießt eine fast kultische Verehrung. Zumindest für seine Film, die er in den 70ern und 80ern gedreht hat. Über seinen späteren Output wird in Fankreisen durchaus kontrovers diskutiert. Zu der Zeit als er „Horror Infernal“ drehte, hatte er den Höhepunkt seiner schöpferischen Kraft erreicht. Gerade hatte er mit „Profondo Rosso“ (aka „Deep Red“) den „Citizen Kane des Giallo“ gedreht und mit „Suspiria“ den Horrorfilm in bisher kaum gekannte, delirierenden Höhe gehoben. Mit „Horror Infernal“ setzte er dann seine Trilogie der drei Mütter, die er mit „Suspiria“ begann, fort.

inferno4Einst entwarf der Architekt Varell drei Häuser, die den drei Müttern Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum und Mater Lacrimarum als Tor zur Hölle dienen. Eines steht in Freiburg, eins in New York und das letzte in Rom. Die junge New Yorkerin Rose Elliot liest in einem alten Buch darüber und hegt den Verdacht, selber im Hause der Mater Tenebrarum – der Mutter der Finsternis – zu leben. Sie schreibt darüber ihrem Bruder Mark, der in Rom studiert, und macht sich auf die Suche nach Beweisen für ihre Theorie. Mark kehrt nach New York zurück, doch Rose ist verschwunden und jeder, den er nach dem Verbleiben seiner Schwester und dem Geheimnis des Hauses befragen, stirbt einen grausamen Tod…

inferno3Mit hypnotischen, surreal-psychedelischen Bildern verabschiedet sich Argento vom traditionellen Erzählkino und kreiert eine dichte Atmosphäre des Grauens. Das Böse lauert buchstäblich in allen Dingen, immer bereit zuzuschlagen und zu vernichten. Für sein Opus des Schreckens sicherte sich Argento der Hilfe seines großen Vorbildes und genialen Meisters des Horrorfilms, Mario Bava. Dieser half bei den Effekten und inszenierte die berühmte Szene im überschwemmten Keller des Hauses. Für den eindrucksvollen Soundtrack waren diesmal nicht Argentos Stammmusiker von der Band „Goblin“, sondern Keith Emerson zuständig. Emerson hatte 1970 die supergruppe „Emerson, Lake & Palmer“ gegründet, eine der populärsten und erfolgreichsten Progressive-Rock-Bands.

inferno2„Inferno ist ein Manifest des filmischen Antirealismus und eine perfekte Vorlage für das moderne Blockbusterkino, das allerdings bis heute nie auch nur halb so weit gegangen ist wie der Meister. Argento spielt mit offenen Karten – und gewinnt trotzdem mit Leichtigkeit.“ – Lukas Foerster, Dirty Laundry

„INFERNO ist nur noch Stimmung, reines Kino, das man nicht hermeneutisch entschlüsseln muss, um der dahinterliegenden “echten” Bedeutung auf den Grund zu gehen.“ – Oliver Nöding, Remember It For Later

Ein Gruselstück, das in Spannungsaufbau und Kameraführung Könnerschaft verrät, aber mit seinen Blut- und Mordorgien abstößt. –Katholischer Filmdienst

inferno8Die Weird-Xperience-Vorstellung am Sonntag ist dann auch die letzte in alter Form. Aber keine Angst, ab März geht es weiter. Dann wird das dynamische Duo, besteht aus Stefan und mir, allerdings zu einer 5-köpfigen Arbeitsgruppe mit geballter Frauen-Power erweitert, die ein neues Konzept für die Reihe erarbeiten soll. Ausserdem bekommt die Reihe einen neuen „Sendeplatz“ und zwar ab dann immer jeden vierten Donnerstag im Monat um 20:30 Uhr. Der erste Filme auf dem neuen Termin steht auch schon fest. Welcher das sein wird, verraten wir dann an diesem Sonntag.

Wir würden uns sehr freuen, wenn zur letzten Vorstellung in alter Form möglichst viele interessierte Zuschauer erscheinen. Stefan und ich werden auch, wie gewohnt, wieder die Einführung in den Film machen.

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Am 27.01. im Cinema: Lars Kraume stellt seinen Film “Meine Schwestern” vor

Meine SchwesternAm Montag, den 27.01. um 18:45 Uhr stellt Regisseur Lars Kraume im Cinema Ostertor als Vorpremiere seinen neuen Spielfilm „Meine Schwestern“ vor.

Lars Kraume kennt man als Regisseur des episch angelegten SF-Film „Die kommenden Tage“ und vor allem als TV-Regisseur. Er hat zahlreiche „Tatort“-Episoden inszeniert, u.a. „Borowski und der brennende Mann“ und die Frankfurt-Tatporte mit Joachim Król und Nina Kunzendorf. Nina Kunzendorf spielt auch eine der Hauptrollen in „Meine Schwestern“. Ebenso wie Jördis Triebel, mit der Kraume bei der hochgelobten Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ zusammenarbeitete. Jördis Triebel wird auch gemeinsam mit Lars Kraume am Montag anwesend sein, um über „Meine Schwestern“ zu sprechen.

Ein Wiedersehen gibt es in „Meine Schwestern“ auch mit der französischen Schauspielerin Béatrice Dalle.

Seit ihrer Geburt litt Linda unter einem schweren Herzfehler, der sie zum Sorgenkind ihrer Familie und Dauer-Patient im Krankenhaus erkor. Die jüngste OP hat die gerade 30-Jährige nicht überlebt und blickt von der Bahre aus auf die letzten gemeinsamen Tage mit ihren beiden Schwestern zurück. Mit diesen, der älteren, taffen Katharina und der jüngeren, zerbrechlichen Clara, ist sie zu einem spontanen Wochenendausflug aufgebrochen, in Vorahnung ihres drohenden Todes. Nach der Fahrt zur deutschen Küste überredet sie beide noch zu einem Paris-Besuch bei Verwandten.

Der reguläre Kinostart erfolgt dann am 6. Februar.

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