DVD-Rezension: “Ich – Ein Groupie“

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Die junge Engländerin Vicky (Ingrid Steeger) lernt den Musiker Stewart (Stewart West) kennen. Dieser verspricht ihr, sie auf die Tournee seiner Band mitzunehmen, doch am nächsten Morgen sind er und seine Kollegen bereits verschwunden. Ingrid tut sich mit dem Groupie Vivian (Vivian Weiss) zusammen und folgt der Band zunächst nach Amsterdam, wo die Beiden von ihrem letzten Geld Drogen kaufen, die sie in die Schweiz schmuggeln wollen, um sie dort mit hohem Gewinn zu verkaufen. Dies ist für Vicky der Beginn eine abenteuerlichen Reise, die sie immer mehr in einen Sumpf aus Sex, Musik und harten Drogen führt…

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Ursprünglich sollte „Ich – ein Groupie“ der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Erwin C. Dietrichs Urania (später dann Elite) und Roger Cormans AIP werden. Am Ende aber war viel Porzellan zerschlagen worden und die geplante Kooperation kam nie zustande. Der Deal sah laut Dietrich so aus: Corman sollte das Drehbuch und den Regisseur stellen, Dietrich das Geld und den Rest der Crew. Corman schickte daraufhin Jack Hill über den großen Teich. Hill ist der Regisseur des Kultklassikers „Spider Baby“ und hat während der Frühphase der Blaxploitationwelle Pam Grier in Filmen wie „Coffy“ und „Foxy Brown“ zum Star gemacht. Später drehte er den unglaublichen „Die Bronx-Katzen“ in dem am Ende sogar ein Panzer durch die Bronx rollte. Mit dem „Groupie“-Projekt kam er aber nicht klar. Nach vier oder fünf Drehtagen wurde er von Dietrich gefeuert und wieder nach Amerika zurückgeschickt. Damit war der Corman-Deal geplatzt. Hill gab an, selbst gekündigt zu haben, da ihm nicht klar war, dass er einen Softporno drehen sollte (was der Film im Übrigen nicht ist), Dietrich und sein Kameramann Peter Baumgartner erzählen, Hill hätte fünf Tage lang die selbe Szene gedreht und sichtlich ein Problem mit Drogen gehabt. Wie dem auch sei, Dietrich übernahm, ein neues Drehbuch wurde über Nacht aus dem Nichts gestampft und die Arbeiten an „Ich – Ein Groupie“ konnten neu beginnen. Interessanterweise erzählt Baumgartner im auf der neuen DVD erhaltenen Interview, dass wiederum er beim größten Teil des Filmes als Regisseur tätig war.

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Trotz des chaotischen Beginns, wurde „Ich – Ein Groupie“ einer der besten Filme der Dietrich-Schmiede und der frühe Höhepunkt seiner Regie-Tätigkeit. „Ich – Ein Groupie“ fängt perfekt den Zeitkolorit 1970 ein. Der Sommer der Liebe war vorbei, von nun an wurde es finster. Zwar hingen die Leute noch den Idealen der freien Liebe und Freiheit nach, in Wirklichkeit hatte aber spätestens die Tragödie von Altamont, als beim „Westküsten-Woodstock“ die als Aufpasser engagierten Hell’s Angels die Zuschauer verprügelten und ein junger Farbiger erstochen wurde, ein rauer, gewalttätiger Wind Einzug in die schöne Hippie-Welt gehalten. Harte Drogen zerstörten Träume, statt sie zu befeuern. 1970 unterschied sich dramatisch von der naiven Welt der 60er und „Ich – Ein Groupie“ legt Zeugnis davon ab. Die Hauptfigur Vicky unternimmt stellvertretend eine Reise vom utopischen summer of love bis in die neue, harte Wirklichkeit der 70er.

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Wenn wir Vicky das erste Mal sehen, ist sie ein junges, frisch aussehendes Mädchen. Vielleicht etwas naiv, aber voller Freude am Leben. Sie besucht ein free concert in einem Park – welches vielleicht stellvertretend für Woodstock stehen kann. Vicky glaubt an die große Liebe und als ihr der Sänger der Band das Blaue vom Himmel verspricht, ist sie nur allzu bereit den Versprechungen der Hippies zu glauben. Dass der Song, den er inbrünstig vorträgt „I’m a liar“ heißt, nimmt sie dabei nicht besonders ernst. Ohne großes Gewissen wird Vicky das erste Mal ausgenutzt, und es soll nicht das letzte Mal sein, dass ihre naive Gutgläubigkeit sie in Schwierigkeiten bringt. Bald schon ist sie in einen Drogenschmuggel involviert, der aber aus ihrer Warte als harmloses Späßchen durchgehen kann. Denn jeder nimmt leichte Drogen und hat eine gute Zeit.

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Doch dann treten die Hell’s Angels auf (Schatten von Altamont?) und der Spaß ist vorbei. Die Hell’s Angels haben nichts mehr mit den Easy Rider zu tun, die Peter Fonda und Dennis Hopper verkörperten und die in einer wunderbaren Szenen direkt ins Bild gerückt werden. Dort begutachten zwei der Rocker die Aushangfotos des Filmes vor einem Kino. Mit den Angels bricht die Gewalt in Vickys Leben ein. Zwar scheint sie glimpflich davonzukommen und sich sogar mit den Rockern zu befreunden. Doch nach der Begegnung wirkt sie abgeklärter und selbstbewusster. Als Vicky schließlich in einer kryptischen Szenen, die sie mitten in eine schwarze Messe versetzt, damit konfrontiert wird, dass ihre gutmütigen Träume von der großen Liebe verraten wurden und sie nur benutzt wurde, bricht ihre Welt zusammen und sie sucht Zuflucht im Heroin, welches ihr einen Ausweg aus der kalten Realität bietet, sie aber auch zerstört. Die Szenen, in denen Vicky im Drogenrausch nackt durch Berlin rennt und sich dabei gleichzeitig in die heile Heidi-Welt der Schweizer Berge imaginiert, ist eine kraftvolle Metapher dafür, wie die optimistischen Träume der 68er Hippies und brutale Wirklichkeit der frühen 70er Jahre auseinanderklaffen und so wird Vicky – und mit ihr der summer of love – am Ende von dem Konsumsymbol schlechthin, dem Auto, plattgemacht.

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Neben der jungen Ingrid Steeger in ihrer ersten Hauptrolle, die sie überraschend gut und natürlich meistert, spielt die Musik eine wichtige Rolle. Dietrich hat einige Bands engagiert, die nicht nur in dieser Zeit gerade auf dem aufsteigendem Ast waren, wie die legendären Kraut-Rocker „Birth Control“ (hier leider schon ohne Hugo-Egon Balder am Schlagzeug) oder „Murphys Blend“. Ihre Musik passt hervorragend in den Film und lädt ihn mit zusätzlicher Energie auf. Dies wird auch von den Konzertszenen getragen, die einen Schlüssellochblick in die damalige Zeit erlauben und vollkommen authentisch daherkommen. Das Publikum scheint echt zu sein, denn es werden sich munter Joints gebaut und manche Fans wartet mit Gestiken auf, die Joe Cocker wie eine Litfaßsäule erscheinen lassen. Und solche Gesichtsakrobatik wie hier wirkt einfach von einem anderen Stern. Das kann einfach nicht geschauspielert sein. Dass die Musiker sich hier auch in den Spielfilmszenen selber darstellen, trägt zur Glaubwürdigkeit bei. Auch die andern Darsteller sind gut gecastet, allen voran Rolf Eden, der hier seinen Nachtclub zur Verfügung stellt, mit Pony Poindexter eine wahre Jazz-Legende in den Film schmuggeln konnte. Auch hier wird der Zeitkolorit perfekt eingefangen, wie „Ich – ein Groupie“ überhaupt wie eine Zeitkapsel wirkt.

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Natürlich darf man trotz all seiner Meriten bei „Ich – ein Groupie“ kein Schweizer „Citzen Kane“-Äquivalent erwarten. Selbstverständlich ist „Ich – ein Groupie“ in erster Linie als Sexfilm mit hohem Publikums- Appeal gedacht. Einige seiner Schwächen sind sicherlich den Schnitten der deutschen Fassung geschuldet, die manchmal zu ungestüm von A nach B springt und den Zuschauer dabei immer wieder zu verlieren droht. Die als Bonus enthaltene italienische Langfassung schafft die Übergänge eleganter, wenn auch langatmiger. Die deutsche Fassung ist eher kurzatmig, lässt einfach mal jede unnötige Handlung und Erklärung weg und wirkt ständig so, als sei man kurz eingenickt und hätte etwas nicht mitbekommen. Auch werden die Sexszenen zum Teil unnötig ausgewalzt. Aber vor dem Hintergrund, dass gerade diese ja der Aufhänger für den Film waren und das Publikum in Scharen anlocken sollten, verzeiht man dies. Zumal der Anblick der höchst appetitlichen Ingrid Steeger versöhnt. Umso drastischer dann das Ende, bei dem eine lesbische Liebesszene – sicherlich zum Erschrecken der männlichen Regenmantelfraktion – durch eine Kotzattacke unterbrochen wird.

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„Ich – ein Groupie“ ist großes, deutschsprachiges Kino. Weit abseits des Neuen Deutschen Films in schmuddeligen Bahnhofskinos, aber nicht weniger wichtig. Eine saftige Zeitkapsel, die den Zuschauer augenblicklich ins Jahr 1970 transportiert und gleichzeitig als bitterer Abgesang auf die Ideale der Hippie-Bewegung und dem Idealismus des summer of love funktioniert.

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Die neue Ascot Elite DVD präsentiert den Film in einer neuen HD-Abtastung und 74:54 Minuten Länge. Das Bild ist fehlerfrei und strahlt in kräftigen Farben. Allerdings wirkt es zeitweise auch etwas flach und „stumpf“. Der Ton ist auch sehr gut und liegt in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch vor. Auch bei den Extras wurde nicht gespart. Wie mit dabei ist die bereits aus „Die Stewardessen“ bekannte Doku: „Andreas Mankopff: Von Groupies und Stewardessen“ (24:59 Minuten) in der Andreas Mankopff über seine Zeit bei Erwin C. Dietrich erzählt. Über „Ich – Ein Groupie“ – bei dem er gleich mehrere Synchronrollen übernahm – verliert er nicht viele Worte, trotzdem sind seine Erinnerung sowohl amüsant, als auch lustig. Neu hinzubekommen sind Features „Memories of a Groupie“ (13:23 Minuten) in der Erwin C.Dietrich und Peter Baumgartner sich an die Dreharbeiten erinnern und „Rolf Eden: Ich, ein Playboy“ (13:44 Minuten) in dem Rolf Eden über den Film und die Zeit damals plaudert. Schade, das sein Versuch, am Ende noch Ingrid Steeger ans Telefon zu bekommen, dann doch nicht geklappt hat. Die Scheibe wird abgerundet durch den italienischen Fotoroman zum film (untermalt von „I’m a Liar“ in Endlosschleife), den Trailer, einer Fotogalerie, einem Trailer zu einer Doku über den Gründer der Hell’s Angels Schweiz und dem mittlerweile üblichen CD-ROM Teil.
Auf einer zweiten DVD befindet sich dann die italienische Langfassung (93:54) des Filmes, die der DVD-Version der deutschen Fassung zwar 20 weitere Minuten, aber inhaltlich bis auf eine längere Szene nicht viel mehr hinzufügt. Eine vollständige und sehr detaillierte Aufstellung der Unterschiede findet man auf Schnittberichte.com. Ich hatte im vorletzten Jahr die große Ehre, den Film als 35mm Kopie in unserer Reihe Weird Xperience präsentieren zu dürfen. Diese Fassung ist ebenfalls länger als die deutsche DVD-Fassung. In wie weit sie sich genau von der italienischen unterscheidet, kann ich nicht im Detail sagen. Auf jeden Fall enthielt sie den längeren Anfang, in dem man Vicky durch London gehen sieht und auch die in der deutschen DVD-Fassung fehlte Szene mit dem Mann, der Vicky vor der Berlin-Episode per Anhalter mitnimmt und der dann angelt, sowie die Szene mit der Straßensängerin war definitiv dabei. Diese zweite DVD startet sofort, ohne dass man erst ins Menü kommt, und beginnt mit einem 19-sekündigen Grußwort von Rolf Eden. Das Bild ist schlechter als beim „Hauptfilm“, ist scheinbar direkt von einer älteren Kinorolle übernommen worden und leicht grünstichig. Der Ton liegt nur auf Italienisch vor und ist eher unterdurchschnittlich. Der Film besitzt aber (fest eingebrannte) deutsche und französisch Untertitel. Eine Kapiteleinteilung gibt es nicht. Lustigerweise wird Erwin C. Dietrich im Vorspann „Irving C. Dietrich“ genannt und auch einige andere Leute haben dort anglisierte Namen.

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Originalfassungen in Bremen: 14.08.14 – 20.08.14

In Bremen nichts Neues. Außer, dass die selben O-Fassungen nun plötzlich in mehreren Kinos laufen. Und das Simon „Shaun of the Dead“ Pegg plötzlich spindeldürr ist und mit Veronika Ferris in einem Film spielt.

Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück – Schauburg, So. 17.8. um 21:00 & Cinemaxx, Do. und So. jeweils 19:45 – Feel-Good-Philosophie-Komödie mit einem Simon Pegg, den man – zumindest auf dem Filmplakat – nicht wiedererkennt. Beruhend auf einem Bestseller, zeigt der Film einen britischen Psychiater, der um die Welt reist, um das Geheimnis des Glücks zu erkunden. Mit zahlreichen Stars gespickt – und mit Veronica Ferres.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=DELCgkntuvw[/youtube]

Jimmy’s Hall – Schauburg, Mi., 20.8. um 21:15 – Der neue Film von Ken Loach über einen sozialistischen Aktivisten, der 1932 aus dem Exil in den USA in seine Heimat Irland zurückkehrt und dort eine Halle für gemeinschaftliche Tätigkeiten eröffnet, was ihm nicht nur Freunde einbringt.

Planet der Affen: Revolution – Cinemaxx, Sa. um 20:00 und Di. um 19:45 & Cinestar, So., 17.08. um 20:00 –  Fortsetzung des Prequels zum Kultfilm “Planet der Affen”. Nach den Ereignissen des ersten Teils, in dem der größte Teil der Menschheit ausgerottet wurde, kommt es zur großen Konfrontation zwischen Affen und dem Rest der Menschheit. Mit Gary Oldman – leider nicht als Affe, sondern Antagonist.

Knights of Badassdom – Cinestar, Mo., 18.8. um 20:00 – US-Horror-Parodie. Bei einem Live Action Role Play-Event beschwören drei Rollenspiel-Nerds aus Versehen eine dämonische Ex-Freundin herauf und ihr Spiel entwickelt sich plötzlich zu einem blutigen Horror-Trip.

[youtube width=“630″ height=“299″]http://www.youtube.com/watch?v=syGJcaeQ61s[/youtube]

Grand Budapest Hotel – City 46, Do.-Mi. immer 20:30 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 18.08. um 21:45

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 18.08. um 19:45

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21. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filmtitel

Merkwürdigerweise ist noch gar keine Pressemeldung draußen, aber scheinbar stehen die ersten Filme für das diesjährige Internationale Filmfestival in Oldenburg bereits fest.

Heute morgen war bereits im „Weser Kurier“ ein Artikel, in dem die ersten Titel genannt wurden und auf der Homepage des Festivals kann man im Pressebereich bereits Filmstills und Regiefotos zu allen bisher bestätigten Filmen herunter laden. Daraus folgere ich einmal messerscharf, dass man zwischen dem 10. und 14. September folgendes in Oldenburg zu sehen sein wird:

10.000 km –  Spanische, romantische Komödie um zwei Liebende, die 10.000 km voneinander getrennt in New York und Barcelona leben.

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Charlies Country – Australischer Spielfilm vom „Bad Boy Bubby“-Regisseur Rolf de Heer um eine Aborigine, der versucht so zu leben, wie seine Vorfahren.

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Der Samurai – Deutscher Fantasy-Horror-Thriller, der bei der Berlinale bereits gut ankam. Ein junger Polizist folgt einer merkwürdigen, mit einem Samurai-Schwert bewaffneten Gestalt.

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Lost Souls – Dokumentation über die chaotischen Dreharbeiten zu Richard Stanleys, später dann John Frankenheimers, Mega-Flopp „The Island of Dr. Moreau“ (oder auf deutsch: „D.N.A. – Experiment des Wahnsinns“.

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Jack – Deutsches Drama um einen zehnjährigen Jungen, Jack, der mit seinem jüngeren Bruder seine verschwundene Mutter sucht.

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Miss Meadows – US-Spielfilm um eine von Katie Holmes gespielte, freundliche Grundschullehrerin, die nachts zur Rächerin wird, um Ungerechtigkeiten zu ahnden.

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Time Lapse – US-SciFi-Thriller um eine Maschine, die Fotos aus der Zukunft aufnimmt. Wenn drei Freunde dies ausnutzen wollen, werden die Fotos immer seltsamer.

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White Shadow – Spielfilm aus Tansania über einen Albino, der von Medizinmännern verfolgt wird, die aus seinem Körperteilen heilige Medizin herstellen wollen.

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Das klingt in meinen Ohren schon mal sehr spannend. Besonders freue ich mich auf „Der Samurai“, aber auch „Lost Souls“ und „Time Lapse“ hören sich sehr interessant an. Ich hoffe mal, das wird dann auch alles in meinen Festival-Zeitplan passen. Und ich bin gespannt, was noch für Titel bekannt geben werden. Dann vielleicht auch mal richtig offiziell per Pressemitteilung und auf der Homepage, und nicht irgendwo versteckt.

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Das Bloggen der Anderen (11-08-14)

bartonfink_type2– Das Filmfestival im Schweizer Locarno hat seine Pforten geöffnet und alle sind sie gekommen, um davon zu berichten. Frèdéric Jaeger führt sein Sehtagebuch auf critic.de.  Beatrice Behn ist für den Blog B-Roll der Seite kino-zeit.de unterwegs. Michael Sennhauser schreibt wieder auf Sennhausers Filmblog.  Rainer Kienböck besucht das Festival für Jugend ohne Film. Lukas Foerster hat sich in der Retrospektive umgesehen und schreibt (auf Englisch) auf Dirty Laundry u.a über „Scuola elementare“ von Alberto Lattuada.

– Die Nachlese eines gänzlich anders gelagerten Festivals gibt es auf Deep Red Radio. Hier stellt david den Gewinner des Langfilmwettbewerbs des Cinestrange-Festivals vor. Dieser heißt – passenderweise – „Gefällt mir“ und ist ein Horrorthriller aus deutschen Landen, der nun sogar einen Kinostart spendiert bekommt. Ich bin gespannt… auch wenn der Film bei david seinem Titel nicht gerecht werden konnte.

– Gregor Torinus schreibt auf Hard Sensations über „The Raid 2“, den er als „Wellness-Film für unsere – aufgrund von undurchschaubaren abstrakten Finanzgeschäften – von wirtschaftlichen Verwerfungen wild durchgeschüttelte Welt“ bezeichnet. Ferner gibt es eine von mir heiß ersehnte Folge der tollen Interview-Serie „reden über schreiben über filme“ in der Marco Siedelmann diesmal Sebastian Selig zu Gast hat, der sehr leidenschaftlich über seine Einstellung zu Filmen, Kino und Filmkritik spricht.

– Apropos Sebastian Selig. Auf Negativ hat dieser eine beinahe schon hymnische Rezension zu Markus Stigeleggers Buch „Kurosawa – Die Ästhetik des langen Abschieds“ geschrieben.

– Udo Rotenberg nimmt sich auf L’amore in città in seiner Reihe „Die 60er Jahre – Sexualität und gesellschaftlicher Umbruch“ den Film „Das heiße Leben“ von Florestano Vancini vor. Und auf Grün ist die Heide stellt er einen frühen Hofbauer (tatsächlich der erst der zweite Film, des Namenspatrons des Nürnberger Hofbauer-Kongresses – bei dessen letzter Ausgabe er Eröffnungsfilm war) vor. Den Schlagerfilm „Holiday in St. Tropez“.

– Nochmal Hofbauer. Oliver Nöding hat auf Remember It For Later Ernst Hofbauers „Schwarzer Markt der Liebe“ gesehen und ist schwer begeistert.

– Konnte Mario Bava schlechte Filme drehen? Ja, wenn er ins Western-Genre gezwungen wurde. Ein besonders drastisches Beispiel hierfür ist „3 Halunken und ein Hallejulha“. Da stimmen totalschaden auf Splattertrash und ich überein.

– Auch Schlombie und ich sind einmal einer Meinung, wenn er auf Schlombies Filmbesprechungen den spanischen „Klassiker“ „The Loreley’s Grasp“ als „unglaublich charmanten Trash-Film“ bezeichnet.  Ferner weißt er auf eine Umfrage des Max-Planck-Instituts zum Thema „Trash-Filme“ hin. Ich habe den Fragebogen schon brav ausgefüllt, hätte aber noch 1000 Anmerkungen. Jetzt bin ich mal auf das Resultat gespannt.

– Langsam könnte ich für das Label „Das … der Anderen“ Tantiemen verlangen – gäbe es da nicht den Film, von dem ich mich bei der Titelgebung dieser kleinen Rubrik habe inspirieren lassen. Nach Schlombies „Die Filmbesprechungen der Anderen“, gibt es nun einen weiteren Blog, der sich den Namen zu eigen gemacht hat und eine wirklich wunderbare Ergänzung vom „Bloggen der Anderen“ anbietet: „Die Gespräche der Anderen“ auf dem Blog Wiederaufführung beackert nämlich ein Gebiet, welches ich hier bewusst ausgeklammert habe: Den Podcast. Finde ich super, fühle mich als Inspirationsquelle natürlich sehr geschmeichelt und verzeihe da auch mal einen kleinen Fehler in meinem Namen.

Pieces of Emotion stellt wieder einen unbekannten (zumindest habe ich bisher nichts davon gehört) Blog vor, der da „Filmtourismus“ heißt und auf dem Andrea David über Filmschauplätze bloggt.

– Nostalgie! Als Kind hatte ich ein Panini-Sammelalbum des Films „Das schwarze Loch“ und habe mit Lego die Brücke des Raumschiffs dort nachgebaut (na ja, mehr oder weniger). Ob ich den Film damals oder erst später gesehen habe, weiß ich gar nicht mehr. Ich glaube später. In der Erinnerung habe ich aber weniger die Filmhandlung, als die Bilder aus dem Sammelalbum. Peter Schneider hat auf Mostly Movies die schönsten Szenen des Filmes zu einem Video zusammengeschnitten. Hoffentlich gibt das keinen Ärger mit Disney…

Eher lauwarm ist die Reaktion von JacoXL bei den Drei Muscheln auf Christian Genzels Debüt „Die Muse“, welche ich auch vor Kurzem besprochen hatte und da weitaus wohlwollender war.

– Ronny Dombrowski mochten den neuen Dokumentarfilm von Wim Wenders über einen brasilianischen Fotografen sehr gerne, wie er auf cineastic.de berichtet. Ebenfalls empfehlenswert findet er das Debüt „Lamento“ des Schweden Jöns Jönsson, der an der Filmuniversität Babelsberg Regie studierte und ein Erstlingswerk “in diesem Jahr in der Sektion Perspektive Deutsches Kino auf der Berlinale präsentierte. Frank Schmidtke wiederum legt seinen Lesern den Anime „Berserk – Das goldene Zeitalter 3“ sehr ans Herz.

– Einen Anime hat auch wieder Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de im Gepäck. Nämlich den Episodenfilm „Kakurenbo – Hide and Seek“, der ihm sehr gut gefallen hat. Dolph Lundgren als böser Abenteuer der einen Drachen jagt? Und Scott Adkins als sein Partner?Klingt doch ganz interessant und laut Olivers Besprechung von „The Legendary Dragon – Der Letzte seiner Art“ ist das Ergebnis auch recht unterhaltsam ausgefallen.

– Wie wahrscheinlich schon oft hier erwähnt, schätze ich Brian dePalma sehr. Was aber nicht heißt, dass ich jedes seiner Werke für ein Meisterstück halte. Besonders schlecht kam bei mir seine „Black Dahlia“ an, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es daran liegt, dass ich James Ellroys Roman so liebe und mich einfach nicht davon freimachen kann. Deshalb lese ich gerade hier gerne Reviews von Leuten, die den Roman offenkundig nicht kennen und somit einen unverstellteren Blick haben. Wie Der Kinogänger.

– Patrick Holzapfel erliegt auf Jugend ohne Film der merkwürdigen Faszination, die Andrej Zulawskis mächtiges Filmmonster „Der silberne Planet“ ausstrahlt. Zu recht!

– „Asoziales Rockstar-Porträt mit Kultfaktor“. Das klingt doch super, was reda dort auf Der breite Grat über den roman porno „Oh! Women: A Dirty Song“ schreibt.

– LZ hat „The Expendables 3“ gesehen und nennt ihn auf screenread „ebenso unterhaltsam, wie belanglos“.

– Lucas Barwenczik hat auf B-Roll eine wunderbare Ehrung der „Hollywood-Nixe“Esther Williams, die in diesen Tagen ihren 93. Geburtstag gefeiert hätte, wäre sie nicht letztes Jahr verstorben, verfasst.  Alle 10 Jahre erstellt das britische Magazin Sight & Sound eine Liste der 10. Besten Filme aller Zeiten. In diesem Jahr wurde einmal eine Liste der 10 Besten Dokumentarfilme erstellt. Und prompt landete einer meiner Lieblingsfilme auf Platz 1. Wobei ich den nun weniger als Dokumentarfilm ansehen würden, aber nun gut.  Bleiben wir bei Lieblingen und bei Lucas Barwenczik. Jener stellt auch einen Filmemacher vor, der leider noch viel zu unbekannt ist, obwohl er seit den 60er Jahren Filme dreht und großartige, sehr spezielle, lustig-traurig-schockierende Meisterwerke erschaffen hat. Die Rede ist von dem Schweden Roy Andersson. Und zu guter Letzt und um den Kreis zu schließen: Eine begeisterte Lisa Hedler über den Abschluss des 8. Fünf-Seen-Festivals.

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Blu-ray Rezension: Fünf monströse Godzilla-Filme

Eigentlich war mein Plan, alle nun pünktlich zur neuen US-Version erschienenen „Godzilla“-Blu-rays aus dem Hause Splendid zu besprechen. Da aber leider nicht alle für Rezensionen vorlagen, muss ich mich für meine Reviews mit den Titeln begnügen, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.

Godzilla_Mecha_IIChronologisch ist somit „Godzilla Vs. Mechagodzilla II“ der erste Film, der hier besprochen wird. Dieser ist auch der älteste Film der Splendid-Reihe – sieht man von dem ersten „Godzilla“ und „Godzilla kehrt zurück“ ab, die beide in den 50ern entstanden und jetzt ebenfalls neu auf Blu-ray veröffentlicht wurden. Entstanden ist „Godzilla Vs. Mechagodzilla II“ im Jahre 1993 und sollte ursprünglich der letzte Teil der sogenannten Heisei-Staffel sein, die 1984 mit „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“ begann. Tatsächlich folgten aber 1994 und 1995 noch zwei weitere Filme, „Godzilla gegen SpaceGodzilla“ und „Godzilla gegen Destoroyah“, die nun ebenfalls bei Splendid auf Blu-ray erschienen sind. Die römische Zwei im Titel ist irreführend, glaubt man doch automatisch an eine Fortsetzung. Dies ist der Film auch, aber von „Godzilla – Duell der Megasaurier“ (1991) und nicht – wie man annehmen sollte – von dem 1974 in der Showa-Staffel entstanden „King Kong gegen Godzilla“, der im Original ebenfalls „Godzilla Vs. Mechagodzilla“ heißt. Um die Verwirrung komplett zu machen entstand 2002 in der Millenium-Staffel noch ein „Godzilla Against Mechagodzilla“, der ebenfalls bei Splendid auf Blu-ray erschienen ist.

In „Godzilla Vs. Mechagodzilla II“ wird aus den Resten des in „Godzilla – Duell der Megasaurier“ besiegten Mecha-King Ghidorah ein mechanischer Godzilla gebaut, der von Piloten der G-Force gesteuert wird. Mit Hilfe eines raketenbetriebenen Fliegers kann dieser sogar noch in einen Super-Mechagodzilla verwandelt werden. Hat die Menschheit nun eine Wunderwaffe gegen Big G? Zeitgleich wird auf einer abgelegenen Insel ein Ei gefunden, welches von einer Gruppe Wissenschaftler untersucht werden soll. Beschützt wird dieses Ei von der riesigen Flugechse Rodan. Als urplötzlich Godzilla auftaucht und sich mit Rodan einen wilden Kampf liefert, nutzen die Wissenschaftler die Gelegenheit, um mit dem Ei zu verschwinden. Wie sich herausstellt, befindet sich in diesem Ei ein Baby-Godzilla, der auch kurz darauf schlüpft und mit Godzilla in einem telepathischen Kontakt steht. Tatsächlich taucht Godzilla auch bald in Kyoto auf und macht sich auf die Suche nach dem Kleinen. Die Chance für die G-Force ihren Super-Mechagodzilla auszuprobieren…

„Godzilla Vs. Mechagodzilla II“ gilt als einer der besten späteren Godzilla-Filme, und dies durchaus zu recht. Die Effektszenen sind Weiterlesen

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DVD-Rezension: „Across the River“

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Der Tierverhaltensforscher Marco Contrada (Marco Marchese) untersucht die Tierwelt im dicht bewaldeten Grenzgebiete zwischen Italien und Slowenien. Dabei befestigt er eine Kamera an einem Fuchs. Marco folgt dem Fuchs durch die Wälder und erhält von der Kamera immer wieder merkwürdige Bilder. Als er mit seinem Wohnmobil einen Fluss überquert, lässt er den letzten Rest Zivilisation hinter sich. Die Fährte des Fuchses führt ihn ein verlassenes, halbverfallenes Dorf mitten im Wald. Als der Fuchs scheinbar von einem geheimnisvollen Tier förmlich zerfetzt wird. Heftige Regenfälle machen den Fluss unpassierbar, und so beschließt Marco im Dorf zu bleiben und herauszufinden, was den Fuchs so schrecklich zugerichtet hat…

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Bei unserem letztjährigen Phantastival Bremen war der Film „Across the River“ eines der Highlights. Was leider nicht viele mitbekamen, da nur eine Handvoll Zuschauer den Weg in den Kinosaal fanden. Was die traurige Erkenntnis, dass nur bekannte amerikanische Filme das Bremer Publikum anziehen („Sharknado“ z.B. rockte die Hütte), und unbekannteren Werke aus anderen Ländern hier die kalte Schulter gezeigt wird. Deshalb freue ich mich, dass „Across the River“ mittlerweile einen DVD-Verleih gefunden hat. So besteht die Chance, dass dieses kleine Juwel von einem größeren Publikum entdeckt wird. Wobei der Film es sich allerdings nicht leicht macht. Wer aufgrund des sträflich irreführenden Vergleich mit „Evil Dead“ auf dem Cover der DVD nun ein Splatter-Spektakel erwartet, wird schwer enttäuscht sein. Fast seine gesamte Laufzeit über, hält sich Regisseur Lorenzo Bianchini stark mit Effekten zurück. Sogar die obligatorischen jump scares werden von ihm peinlichst vermieden. „Across the River“ ist ein Film, der am Besten im Dunkeln des Kinos funktioniert. Geld stand Bianchini scheinbar nicht in größeren Maßen zur Verfügung. Doch aus der Not macht er eine Tugend und setzt ganz auf eine bedrohlich, bedrückende Atmosphäre und ein ausgeklügeltes, Gänsehaut erzeugendes Sound-Design.

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Lorenzo Bianchini ist Regisseur, Drehbuchautor, Editor und Produzent in Personalunion. Außerhalb seiner Heimat – und ich bin mir gar nicht sicher, ob er in Italien überhaupt groß zur Kenntnis genommen wird – sind seine bisherigen Filme nur auf einigen wenigen Festivals gelaufen. In Deutschland meines Wissens nach noch nie. Es wäre sehr spannend zu sehen, ob diese früheren Werke (vor „Across the River“ entstanden drei Kurz- und vier Langfilme) bereits die Stärken seines nunmehr fünften Filmes aufweisen. Bianchini wurde in Udine, in der italienischen Region Friaul, nahe der slowenischen Grenze geboren. In diesem Landstrich wird Furlanisch gesprochen. Eine romanische Sprache, die es nur hier gibt. Zudem ist dies die Sprache, in der Bianchini seine Filme dreht. Auch in „Across the River“ wird diese seltene Sprache von einigen Figuren gesprochen. Geld stand dem Autodidakten für seine Filme bisher nicht zur Verfügung, und die Schauspieler sind allesamt talentierte Laiendarsteller. Vielleicht macht aber auch gerade dies das besondere Flair eines „Across the River“ aus. Bianchini gelingt es aus einem Nichts an Mitteln, ein Maximum an Effekt herauszuholen. Daran sollten sich die semi-professionellen Horrorfilmer hierzulande mal ein Vorbild nehmen.

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Zu Bianchinis Vorbildern zählen u.a. Dario Argento und Mario Bava. Und dies merkt man „Across the River“ durchaus an. Zwar weist er naturgemäß nicht die gotische Opulenz der Vorbilder auf, aber Bianchini legt ebenfalls viel Wert darauf seine – zugegeben etwas dünne – Geschichte vor allem durch stimmige Bilder zu erzählen. Das Tropfen von Wasser, die verschwommen Bilder eine Infrarot-Kamera, das Flattern alter Bettlaken – dies alles ist wichtiger als die Hintergründe um die Geschichte eines minderjährigen Zwillingspärchens, welches im faschistischen Italien für Experimente missbraucht wurde. Wo die unheimliche Gestalten herkommen ist sekundär. Dass sie irgendwo da sind, das ist es, was den Film so beängstigend macht. Wobei man schon bei den Schwächen des Filmes ist. Das Ehepaar, welches in der Mitte des Filmes plötzlich auftaucht und als Art Erzähler fungiert, ist eher überflüssig, da es weder dieser zusätzlichen Figuren, noch einer ausführlichen Erklärung für die unheimlichen Vorgänge bedurft hätte. Zweierlei Meinung kann man auch über die unbestreitbaren Längen des Filmes sein. Einerseits kann man Bianchini vorwerfen, durch seine relativ lange Anlaufzeit seines Filmes, und mit den Szenen im Mittelteil, in denen nichts wirklich spektakuläres geschieht, Zeit zu schinden. Andererseits kann man aber auch argumentieren, dass dadurch der Zuschauer regelrecht eingelullt wird, so dass die Szenen, in denen sich dann langsam das Unnatürliche ins Bild schiebt, umso unheimlicher wirken. Und der Schock, wenn es am Ende dann doch noch hart zur Sache geht, einem trotz mangelndem Budget, welches allzu deutliche Effekte verbietet, trotzdem ordentlich in die Glieder fährt.

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Eine der großen Stärken des Filmes ist sein Schauplatz. Die großen Wälder an der italienisch-slowenischen Grenze, die an die unendlichen Wälder Kanadas erinnern, und vor allem das verlassene, verfallene Dorf, sorgen für Gänsehaut und ein ungutes Gefühl. Bianchini geht hier mit viel Liebe und klaren Blick für merkwürdige Details vor. Man fühlt sich förmlich in diese unwirkliche Landschaft und die von ihren Bewohnern scheinbar fluchtartig verlassenen Gemäuer hineingezogen. Stück für Stück beginnen sich die Teile zusammenzusetzen, immer mehr grausige Details zum Vorschein zu kommen, bis die Spannung nach langem Verlauf beinahe unerträglich ist und man jederzeit mit dem Schlimmsten rechnet. Umso mehr stört ist, wenn Bianchini sich dann nicht mehr ausschließlich auf den, vom Laiendarsteller Marco Marchese stoisch, aber glaubhaft verkörperten Biologen entfernt und dem Zuschauer die oben erwähnte, nicht unbedingt notwendige Nebenhandlung anbietet, die den extrem reduzierten und minimalistischen Film an dieser Stelle unnötig aufbläht.

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Regisseur Lorenzo Bianchini holt mit „Across the River“ aus einem Minimum an Handlung und Budget, ein Maximum an unheimlichem, bedrückendem Grusel heraus. Dabei ist „Across the River“ mit seinem ausgeklügelten Sound Design, seinem Bildermix aus verfremdeten Infrarot-Aufnahmen im Found-Footage-Stil, den beeindruckenden Aufnahmen der dichten Wälder und dem kreuzunheimlichen, verfallenen Dorf der perfekte Film für die große Leinwand und einen gruseligen Abend im dunklen Kinosaal. Wer ihn dort allerdings verpasst hat, ist auch mit der Heimkinoausgabe – unter der Voraussetzung des richtigen Sound-Equipments und heruntergelassenen Jalousien – noch gut bedient.

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Das junge Label Marctropolis Filmentertainment hat eine ausgesprochen liebevolle DVD des Filmes erstellt, die allerdings auch zwei Schwächen hat. Da ist zum einen die Synchronstation, die zwar nicht missraten, aber doch eher unterdurchschnittlich daher kommt. Was aber nicht schlimm wäre, der Film auch den italienischen bzw. furlanischen O-Ton mit an Bord hat. Diesen allerdings ohne Untertitel, was ärgerlich und mir unverständlich ist. Immerhin wird in dem Film nicht viel geredet, so dass man mit einigem guten Willen darüber hinweg sehen kann. Und für den guten Willen sorgt der Rest der DVD. Der Hauptfilm selber – in HD gedreht – weißt ein sehr gutes, gestochen scharfes Bild auf. Richtig punkten kann die DVD dann auf der Bonusseite. Zunächst lässt Marctropolis Filmentertainment die wunderbare Tradition des Vorfilms wieder aufleben. Vor dem Hauptfilm erscheint zunächst eine Texttafel, die (aus Wikipedia übernommen) über die Geschichte des Vorfilms aufklärt, dann folgt der irische Kurzfilm „Foxes“ (15:38 Minuten), welcher beim Cinestrange-Festival – wo auch „Across the River“ erstmals in Deutschland gezeigt wurde – den Publikumspreis als bester Kurzfilm gewann. Leider wird „Foxes“ nur in einer (hundsmiserablen) deutschen Synchronfassung gezeigt. Aber auch hier gilt: Es wird nur wenig gesprochen und die mysteriöse Geschichte über Füchse und Vereinsamung in einer uniformen Vorstadt über Bilder erzählt. „Foxes“ passt von der Stimmung her hervorragend zum Hauptfilm und ist ein wirklicher Gewinn für die DVD. Auf dieser befindet sich noch ein zweiter Kurzfilm: „Night with Friends“ (knapp 19 Minuten), der vom „Across the River“-Kameramann Daniele Trani geschrieben und inszeniert wurde. Lorenzo Bianchini – der auch am Film mitgearbeitet hat – wünschte sich diesen als Zugabe auf der DVD, wie er in einem kleinen Vorwort zu dem Stück über zwei Freunde mit merkwürdigen Neigungen, erzählt. Neben den Kurzfilmen gibt es noch ein 25-minütiges Making-Of, in dem ein gut aufgelegter und sympathischer Lorenzo Bianchini über die Dreharbeiten erzählt und den Zuschauer durch die Drehorte des Filmes führt. Die DVD steckt in einem Schuber und besitzt ein alternatives – und leider schrecklich blödes – Cover, welches obendrein noch durch die FSK-Kennzeichnung verunziert wird.

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Originalfassungen in Bremen: 07.08.14 – 13.08.14

Im Grunde genommen bietet diese Woche genau  das Gleiche, wie die letzte. Nur statt Undercover-College-Cops gibt es diesmal die „Dämmerung des Planeten der Affen“ oder – wie der eingedeutsche Titel lautet – „Planet der Affen: Revolution“. Ach ja, und den neuen Ken Loach.

Planet der Affen: Revolution – Cinemaxx, Do.-So. und Di./Mi. immer 19:50 & CineStar, So., 10.08. um 19:40 – Fortsetzung des Prequels zum Kultfilm „Planet der Affen“. Nach den Ereignissen des ersten Teils, in dem der größte Teil der Menschheit ausgerottet wurde, kommt es zur großen Konfrontation zwischen Affen und dem Rest der Menschheit. Mit Gary Oldman – leider nicht als Affe, sondern Antagonist.

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Monsieur Claude und seine Töchter – Schauburg, so., 10.08. um 18:45 – Französische Multikulti-Komödie um ein Paar, dessen vier Töchter alle Männer aus anderen Kulturkreisen heiraten.

Jersey Boys – Schauburg, Mi., 13.08. um 21.00 – Altmeister Clint Eastwood hat den Aufstieg der 60er-Pop-Gruppe “The Four Seasons” aus New Jersey als Musical verfilmt.

Jimmy’s Hall – Atlantis, so., 10.08. um 20:00 & Schauburg, Mo., 11.08. um 12:00 – Der neue Film von Ken Loach über einen sozialistischen Aktivisten, der 1932 aus dem Exil in den USA in seine Heimat Irland zurückkehrt und dort eine Halle für gemeinschaftliche Tätigkeiten eröffnet, was ihm nicht nur Freunde einbringt.

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Mittsommernachtstango – City 46, Do.-Sa. immer 20:30 – Dokumentarfilm über drei argentinische Tänzer auf ihrer Reise durch Finnland, wo ein wahres Tangofieber grassiert und die Finnen die Erfindung des Tanzes für sich reklamieren.

Grand Budapest Hotel – City 46, So.-Mi. immer 20:30 – Wes Anderson ist zurück und lädt ein zu einer Stippvisite im Grand Budapest Hotel. Weitere Gäste sind Ralph Finnes, Adrien Brody, Bill Murray, Tilda Swinton und Owen Wilson. Die Kritiken nach seiner Premiere auf der Berlinale waren überwiegend gut bis euphorisch.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 11.08. um 21:45

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., 11.08. um 19:50

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Das Bloggen der Anderen (04-08-14)

bartonfink_type2– Völlig überraschend starb in der letzten Woche der große Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Bildersezierer Harun Farocki im Alter von 70 Jahren. Bei Revolver findet man aus diesem traurigen Grunde ein Interview mit ihm von 2003. Und auf Sennhausers Filmblog einen Nachruf.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality einen Text über die 80er Jahre und ihre Rückkehr in den 2010er Jahren geschrieben. Da ich scheinbar 10 Jahre vor ihm geboren wurde, ist mein Blickwinkel ein recht anderer. Interessant ist der Text aber natürlich trotzdem.

– Der 13. Hofbauer-Kongress in Nürnberg ist vorbei und die Teilnehmer füllen fleißig ihr Blogs mit Nachberichten. Movies&Sports hat einen Podcast und ein Ranking erstellt, den ich noch nicht gehört habe, hier aber ausnahmsweise trotzdem verlinke.

– Einen schönen Bericht vom Hofbauer-Kongress – inklusive Filmbesprechungen – hat auch Michael Kienzl auf critic.de geschrieben.

– Und auch Lukas Foerster hat sich die Ehre geben und bespricht auf Dirty Laundry die Kongress-Filme „Wang You – Stahlharte Hongkongkiller“ und „Atemlos vor Liebe“.

– Udo Rotenberg war ebenfalls auf dem Kongress in Nürnberg zu Gast und schreibt auf L’Amore in città über den Eröffnungsfilm „Giulia“ mit Serena Grandi und auf Grün ist die Heide über den nächtlichen Überraschungsfilm „Wegen Verführung Minderjähriger“ mit einer blutjungen Marisa Mell.  l

Weitere Stimmen zum Hofbauer-Kongress haben Eskalierende Träume zusammengetragen. Dort findet man auch einen schönen Text von Sano Cestnik über Wolfgang Bülds „Ich gib Gas – ich will Spaß“, den ich auch noch sehen möchte, da ich a) Büld generell sehr schätze (trotz der „Nackten Gitarre“) und b) ich sein „Der Formel-Eins-Film“ auch schon überstanden habe.  Ferner: Robert über Rudolf Lenz und den deutschen Heimatfilm.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later so viele neue Besprechungen veröffentlicht, dass ich mich wirklich wundere, wie der Mann das bloß schafft. Da ich nicht alle Besprechungen hier aufführen kann, greife ich mal exemplarisch drei heraus. „Siggi Götz“ drehte 1980 „Die schönen Wilden von Ibiza“ über den er schreibt: „Es ist auch die endlose Wiederholung der immergleichen Rituale, die die Jugend als Aneinanderreihung endloser Deja-Vus und somit als Zustand jeder Aufhebung von Zeit buchstäblich endlos erscheinen lässt.“  Über den großartigen „Schamlos“ von Eddy Saller (den wir vor zwei Jahren als 35mm-Kopie bei „Weird Xperience“ gezeigt haben): „SCHAMLOS ist geil, schnell, hart, wie ein Ritt auf der heißen Annabella oder auch die Fahrt mit einem aufgemotzten Schlitten über Frankfurter Kopfsteinpflaster.“ Yeah! Von den Weinert-Witon-Verfilmungen durch Harald Reinl ist er dann aber nicht gänzlich begeistert. Wie man am Beispiel von „Der Teppich des Grauens“ merkt.

– Ähnlich geht es mir bei Der breite Grad, wo ich auch jeden Artikel empfehlen könnte, mich hier aber auch auf nur drei beschränke: „Bilbao“, den Debütfilm des hierzulande scheinbar noch immer zu unbekannten, großen spanischen Regisseur Bigas Luna,  Joan Chens überraschendes Regiedebüt „Xiu Xiu – The Sent-Down Girl“ und dem japanischen Drama „Mordgedanken“ von 1979, dem er die Schulnote 1 verleiht.

– Harald Mühlbeyer war wieder bei eine Grindhouse-Nacht und berichtet auf screen/shot von so leckeren Heulern wie Ted V. Mikels „The Doll Squad“ und den Filipino „Death Squad“. Die hätte ich auch gerne gesehen, aber Mannheim ist weit.

– Einer meiner guilty pleasures ist Ruggero Deodatos „Die Barbaren“, der mich einst königlich amüsierte. Auf Splattertrash wird er besprochen und mit mit hübschen Bildern versehen. Seinen Spaß hatte totalschaden dabei auch.

Die Drei Muscheln haben sich einen frühen Sexfilm von Hans Billian vorgenommen, „Die fleißigen Bienen vom fröhlichen Bock“, der noch vor dessen Hardcore-Phase – in der er u.a. den tollen „Josephine Mutzenbacher“ drehte – entstand. Und der Film auch bei ihnen auch gar nicht schlecht weg.

– Patrick Holzapfel macht sich auf Jugend ohne Film Gedanken. Über eine Zahnbürste, die auf dem Kinositz vor ihm liegt und darüber, ob man überhaupt über einen Film schreiben kann, wenn man von dem Regisseur kein weiteres Werk kennt.

– Peter Gutting ist auf cineastic.de sehr begeistert von Christian Petzolds neuem Film „Phoenix“, der im Berlin der Nachkriegszeit spielt, und hält diesen für Petzolds bis dato bestes Werk.

– „12:01“ ist ein Film, den ich sehr mag, den aber kaum jemand kennt. Der Zeitschleifen-Thriller kam damals fast zeitgleich mit dem ähnlich gelagerten „Täglich grüßt das Murmeltier“ raus, war eine kleine TV-Produktion und ging gleich wieder unter. Auf Deep Reds Kino gibt es nun eine verdiente Würdigung, auch wenn Regisseur Jack Sholder (auch ein kleiner Geheimtipp, zumindest bis in die 90er) unterschlagen wurde.

– Neues aus Hollywood gibt es wie gewohnt beim Kinogänger. Woche 30 und 31.

– Als „Near Dark“ 1987 herauskam, konnte ich noch relativ wenig mit ihm anfangen. Ich fand ihn nicht schlecht, aber die coolen Typen aus „Lost Boys“ mochte ich lieber. Die Neusichtung beider Filme vor einigen Jahren dreht das Ganze dann gehörig um. Annika Stelter hat sich den Film auf Die Filme, die ich rief, ebenfalls angesehen und für gut befunden. Allerdings finde ich nicht, dass der Film sehr 80s ist. Da ist „Lost Boys“ sehr viel übler gealtert.  Und dann noch: „Fanny und Alexander“, den ich umwerfend finde. Hier empfehle ich Annika aber dringend irgendwann auch die 315-minütige Langfassung anzusehen, die mir einst die Weihnachtstage versüßte.

– Die Seltsamen Filme des Herrn Nolte beschäftigen sich diesmal gar nicht mit Kino, sondern mit TV. Aber da mir die besprochene Serie, nämlich die Original-“Twilight Zone“, ebenfalls sehr ans Herz gewachsen ist, gibt es hier dann doch einen Hinweis darauf. Tief betroffen war Herr Nolte von dem britischen TV-Film „Threats“ von 1984, eine Pseudo-Dokumentation über einen 3. Weltkrieg und die Auswirkungen auf die Bevölkerung.

– Vom 18.-20.7. fand in Braunschweig das 3. Cinestrange-Festival statt. Gerne wäre ich dabei gewesen, aber das Event fiel direkt in meinen Urlaub. Immerhin kann ich aber auf Deep Red Radio eine ausführliche Zusammenfassung der Ereignisse lesen.

– Von „Love Eternal“ habe ich nun schon eine Menge Gutes gehört. Nach der Besprechung von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de führt jetzt wohl kein Weg mehr an einer Sichtung vorbei. Ferner: Der ungarische Animationsfilm „The District“, der Oliver mehr optisch als inhaltlich überzeugen konnte und der Anime „Millenium Actress“, der ihn wiederum schwer begeisterte.

Komm & Sieh hat bereits Expendables 3 gesehen. Sir Reals kurze Review verspricht mehr vom bereits gehabten, nur zahmer. Jochen Plinganz empfiehlt den düsteren belgischen Thriller „The Treatment“.  Ebenfalls gut weg, kommt James Gunns Marvel-Film „Guardians of the Galaxy“.

– Eben mit jenem, also „Guardians of the Galaxy“ hat filmosophie auf ihrem gleichnamigen Blog so ihre Probleme. „Die saubere, folgenlose und scheinbar weitgehend schmerzfreie Gewalt in Guardians of the Galaxy ist über die Maßen befremdlich und noch befremdlicher, wenn wir sie im Kontext des hohen Unterhaltungsfaktors der Inszenierung betrachten. Ohne hier den Moralapostel spielen zu wollen: Wollen wir wirklich darüber lachen, wie Lebewesen Schmerzen zugefügt werden?“

– Was Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen über einen meiner Lieblingsfilme, nämlich „Rio Bravo“ (wobei ich „El Dorado“ noch mehr liebe) schreibt, kann ich nicht 100% unterschreiben, aber ich finde es schön, wenn sich mal wieder jemand an diesen Film erinnert und dass er von „bewegendem Kino“ schreibt, versöhnt mich doch dann auch. Ferner: Eine neue Ausgabe der „Die Besprechungen der Anderen“.

– Gabelinger geht auf Hauptsache Stummfilm sehr detailliert auf „Schwarze Narzisse“ ein und resümiert: „Black Narcissus ist Film pur, selten fügen sich sämtliche Beiträge der Beteiligten derart stimmig, ja zwingend zu einem derart atemberaubenden künstlerischen Ganzen wie hier.“

– Thomas ärgert sich auf Schöner Denken über den gigantischen Werbefilm „Transformers 4“.

Stubenhockerei beschäftigt sich wieder mit Avantgardistischem. Brakhages „Creation“ und Achternbuschs „Das Andechser Gefühl“.

– Schade. Auf dem Papier hörte sich das Schwarzenegger-Vehikel „Sabotage“ recht gut an und Regisseur David Ayer hat immerhin „End of Watch“ gedeht. Was symparanekronemoi über den Film schreibt, bestätigt aber leider, was man schon gehört hat. Wirklich gut ist der Film nicht geworden.

– Am 31. Juli wäre Louis de Funés, Held meiner Kindheit, 100 Jahre geworden. Lucas Barwenczik hat deshalb auf B-Roll einen wunderbaren Text über den quirligen kleinen Mann geschrieben. Ferner stellt er den britischen Filmemacher Jonathan Glazer vor und geht auch ausführlich auf dessen brillante Musikvideos ein. Joachim Kurz ist von den ständigen Grabreden auf das Kino genervt.

– Auf mehrfilm hat Christian Gertz den großartigen Dominik Graf interviewt.

– david stellt auf Whoknows presents vier südkoreanische Filme vor, die alle eine Variation des gleichen Themas sind. Drei davon stammen von Kim Ki-young. Eine Version von Im Sang-Soon entstand 2010. Der erste Film heißt „Hanyo“ (The Housemaid) und stammt von 1960. Wieder einmal ein hochinteressanter Artikel.

– Der meistbesprochene Film in dieser Woche ist „To Kill A Man“. Benedikt Wiken findet auf Deep Red Radio viele positive Worte. Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de ist zunächst ebenfalls sehr angetan, aber von der zweiten Hälfte enttäuscht. LZ schreibt in der positiven Review auf screen/read: „„To kill a Man“ ist einer jener seltenen Filme, die ihre eigentlich recht einfache Geschichte in ein nachhaltiges Traktat über Schuld und Sühne überführen.“

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DVD-Rezension: „Gefangene Frauen“

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Als eine UNO-Kommission ihren Besuch ankündigt, bekommt der Militär-Präsident eines Landes „irgendwo in Südamerika“ (Will Stoer) Fracksausen. Denn in seinem Land müssen viele verschleppte Europäerinnen in den örtlichen Bordellen anschaffen. Aber seine Mätresse (Karine Gambier) hat aber die rettende Idee. All diese Frauen sollen gefangengenommen und auf die Insel Tago Mago – genannt „die Ratteninsel“ – gebracht werden. Dort bleiben sie dann für die Dauer des UNO-Besuchs eingesperrt. Und weil es ihr Spaß macht, übernimmt sie Aufgabe der Gefängnisleitung gleich selber…

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Nachdem Produzent Erwin C. Dietrich mit den von Jess Franco zwischen 1975 und 1977 inszenierten „Frauengefängnis“-Filmen gutes Geld verdient hat, legte er selber unter seinem Regie-Pseudonym Michael Thomas im Jahre 1979 noch einmal nach. Der Titel „Gefangene Frauen“ mag nun nicht besonders originell sein, verrät aber alles darüber, was man in seinem Film zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Jess Francos oftmals nihilistischen und brutalen Vertretern, nimmt sich das Frauengefängnis in „Gefangene Frauen“ allerdings relativ zahm aus. Zwar gibt es auch hier die üblichen Folterungen mit Wasserspritze und Peitsche, aber doch sehr zurückgenommen. Und wenn Eric Falk einmal als fieser Wärter eine Gefangene mit dem Rohrstock vertrimmt, so sieht dieser eher wie ein viel zu groß geratener Strohhalm aus und das Ganze erinnern doch eher an Schmierentheater – wozu insbesondere Eric Falks unglaubliche Grimassen beitragen. Da hat Jess Franco mit einem Drahtgestell, einem Plastikeimer und einer wie am Spieß kreischenden Lina Romay doch mit ebenso wenigen Mitteln eine ganz andere Wirkung erzielt.

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Überhaupt wirkt das Gefängnis nicht so, als ob hier wirklich jemand um sein Leben bangen müsste. Einmal stellt eine der Insassinnen sogar einen Fluchtversuch in Frage, da man es doch eigentlich ganz gut hätte und jeden Abend Herrenbesuch bekommen würde. Gerade jener „Herrenbesuch“ stößt allerdings ziemlich sauer auf. Auch wenn es „nur“ ein Film ist. Wenn nachts die Wachen in die Gefängniszelle eindringen, um mit den dort einsitzenden Damen Sex zu haben, so ist diese ganz klar der Plan einer Vergewaltigung. Dann die Damen darüber juchzen zu lassen, dass sie endlich mal wieder ein paar Männer haben und „Sex wie Brot und Wasser“ brauchen, halte ich für bedenklich und auch im Rahmen der Dietrichschen Fantasiewelt mit seinen dauergeilen Frauen, weder für lustig, noch unterhaltsam. Hier werden übelste Macho-Phantasien bedient und ein dermaßen schiefes Frauenbild vermittelt, dass man sich dies gut hätte sparen können. Und wenn die schlimmste Bestrafung darin besteht, dass sich nun alle nackt ausziehen müssen, dann ist wahrscheinlich die Teilnahme an einer TV-Show ala „Big Brother“ heutzutage härter als der Aufenthalt auf der „Ratteninsel“ Tago Mago.

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„Gefangene Frauen“ fällt überraschend explizit aus. Bei jeder passenden Gelegenheit fährt die Kamera einer der vier Hauptdarstellerinnen zwischen die Beine und filmt in klinischen Details alles, was es dort zu sehen gibt. Da ist es dann wahrscheinlich ein großer Vorteil, dass alle vier aus dem Pornogeschäft stammen und mit solchem Einsatz keine Probleme haben. Während Nadine Pascal und France Lomay (alias Francette Maillol) keine so große Namen aus diesem Business sind, hat Dietrich mit Karine Gambier und vor allem der wundervollen Brigitte Lahaie gleich zwei Superstars des Genres vor die Kamera geholt. Die weißblonde Gambier spielte schon unter Jess Franco in einigen Dietrich-Produktionen mit. Z.B. als naives Opfer in „Die teuflischen Schwestern“ (Kritik hier) oder eher knallhart in dem unglaublich finsteren „Frauen für Zellenblock 9“. Normalerweise spielte sie immer auf der Seite der Guten, hier nun darf sie einmal richtig böse sein. Wobei sie natürlich in keinster Weise die teuflische Intensität einer Dyanne Thorne in „Greta – Haus ohne Männer“ erreicht. Karine Gambier macht eher den Eindruck eines netten Mädchens, dass sich mal hübsch verkleiden und richtig fies tun darf. Man sieht ihr auch an, dass es ihr Spaß macht.

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Brigitte Lahaie ist unbestritten DER Superstar des französischen Pornos der 70er Jahre. Die mit einem atemberaubenden Körper und einem interessant, exotischen Gesicht gesegnete Französin hat immer wieder den Weg ins seriöse Fach gesucht und kleine Rollen in Filmen wie „I wie Ikarus“ von Henri Verneuil, „Rette Deine Haut, Killer“ von Alain Delon oder „Henry & June“ von
Philip Kaufman inne gehabt. Am Berühmtesten dürfte ihre grandiose Zusammenarbeit mit dem französischen Horror-Poeten Jean Rollin sein. Wenn irgendein Zweifel an ihrem schauspielerischem Talent bestehen sollte, sollte man sich den großartigen „Night of the Hunted“ ansehen. Bei Dietrich war sie in dessen späten Filmen immer wieder in der Hauptrolle zu sehen. Immer mit ihren „Gefangene Frauen“-Co-Stars Nadine Pascal und France Lomay, sowie manchmal auch Karine Gambier. Alle vier haben auch in zahlreichen Pornos zusammen gearbeitet und können fast schon als eingespieltes Team gelten. Nach ihrer aktiven Zeit im Pornogeschäft schrieb sie mehrere erotische Bücher, u.a. eine Autobiographie, und wurde eine erfolgreiche Radiomoderatorin, die täglich auf RMC zwei Stunden lang die Sendung „Lahaie, l’Amour et Vous“ moderiert. In „Gefangene Frauen“ hat sie nicht wirklich viel zu tun, außer ihren göttlichen Körper zu präsentieren.

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Die Geschichte von „Gefangene Frauen“ ist völlig hanebüchen. Da sollen alle Prostituierte – angeblich zahlreiche entführte und in die Prostitution gezwungene Europäerinnen – schnell auf eine abgelegene Insel (im Film das fiktive „Tago Mago“, in der Realität Ibiza) geschafft werden, damit eine UNO-Kommission nicht raus bekommt, was in dem fiktiven südamerikanischen Land vor sich geht. Tatsächlich sind es dann am Ende gerade einmal 16 Damen des horizontalen Gewebes, die sich auf  Tago Mago versammeln. Und diese scheinen auch alle im selben Etablissement gearbeitet zu haben. Und von wegen gezwungen? Die Damen Lahaie, Pascal und Lomay machen zu keinem Augenblick den Eindruck, sie wären in ihrem Job nicht mit großen Enthusiasmus und Spaß bei der Sache. In den Szenen, in denen sie bei der Arbeit vorgestellt werden, wirken sie fast so, als würden sie dafür bezahlen, Sex zu haben und nicht die Freier. Die Geschichte selber ist dann sprunghaft, an einigen Stellen haarsträubend unlogisch und offensichtlich nur Vorwand, nackte Frauenkörper zu zeigen. Was man aber hervorheben muss, ist die schier unglaubliche Chuzpe, mit der Dietrich zu Werke geht. Das ist zeitweise so dreist, dass man ihm nur Respekt zollen kann, sein Ding so durchzuziehen. Das fängt mit der ersten Szene an, die nicht nur überhaupt nichts mit dem „Hauptfilm“ zu tun hat, sondern auch kurzerhand aus seinem eigenen „Die Mädchenhändler“ von 1972 geklaut wurde. Worum es geht? Die Wahl zur „Miss Busen“, was denn sonst? Hübsch auch, wie auf dem Schreibtisch des Präsidenten ein Spielzeugpanzer steht oder der komplette Sturm auf den Präsidentenpalast allein durch die Geräuschkulisse eines Feuerwerks simuliert wird, was den Präsidenten zu der Einsicht führt, er habe da ein „dummes Gefühl“. Und wenn dann die „Rebellen“ den Palast stürmen, sieht das mehr aus wie ein Dummer-Jungen-Streich, als wie eine Militäraktion. Und wenn im Vorspann stolz verkündet wird, die Außenaufnahmen hätten auf Tago Mago stattgefunden, dann darf man auch breit Grinsen.

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Dietrich schmuggelt auch immer wieder einige subversive Elemente in seine Filme ein. Hier ist es einerseits eine völlig unfilmische Herangehensweise, mit der er „große Szenen“ regelrecht banalisiert. Wenn Karine Gambier ihren großen Auftritt als Gefängnisdirektorin in engen schwarzem Leder und Nazi-Chic hat, zeigt er vorher, wie sie vom Bett aufsteht, sich völlig unaufgeregt ihre Klamotten anzieht und dann das kleine Zimmer verlässt. Was ihrem folgenden Auftritt natürlich jegliche Wucht nimmt. Solche kleinen Dinge lässt Dietrich häufig einfließen. Gelungen auch seine Darstellung des südamerikanischen Regimes. Natürlich wirkt das Ganze eher wie Kasplere-Theater. Doch wenn ein Präsident dem anderen folgt, nur das Bild an der Wand ausgetauscht wird, ansonsten aber das Leben genauso weiter geht, wie bisher, dann wirkt dies schon fast wie ein bissiger Kommentar gegenüber Militärdiktaturen und ihren Protagonisten. Und dann steht der nächste Anwärter auf den Posten auch schon in den Startlöchern. Natürlich kann man da noch immer nicht von einem guten Film sprechen, aber immerhin gibt es für den Freund europäische Exploitationware hier und dort etwas unterhaltsames zu entdecken.

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Mit „Gefangene Frauen“ wollte Erwin C. Dietrich noch einmal Kasse im Genre der „Frauengefängnisfilme“ machen. Das Resultat ist dabei sehr viel zahmer ausgefallen, als die von ihm produzierten und von Jess Franco abgedrehten Exemplare dieser Gattung. Dietrich legt den Fokus aus viel, viel nackte Haut und hat mit Porno-Stars wie der wunderbaren Brigitte Lahaie und Karine Gambier hierfür die richtigen Darsteller gefunden. Hier und da schmuggelt Dietrich dabei einige augenzwinkernde Elemente mit ein, was die Freunde des klassischen Bahnhofskino-Films zu schätzen wissen.

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Das Bild der Ascot Elite DVD ist recht gut. Der Ton liegt in 5.1. auf Deutsch und Englisch vor., sowie in der originalen, deutschen 2.0.-Fassung. Sehr gelungen sind die Extras geraten. Einmal gibt es die 14-minütige Fortsetzung des bereits bei „Rolls Royce Baby“ enthaltenen Interviews. Diesmal natürlich mit dem Fokus auf „Gefangene Frauen“, aber Eric Falk erzählt auch viel über seine Filmkarriere und die Arbeit mit Dietrich. Das ist sehr interessant und unterhaltsam mit anzusehen. Ferner gibt es ein fast halbstündiges Portrait und Interview mit dem Stammkamera der von Dietrich produzierten Filme, Karl Baumgartner, der nicht nur die Kamera führte, sondern auch Ko-Produzent, Verleiher und Regisseur in einer Person war. Hörenswert und teilweise schwer unterhaltsam ist auch der Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich und Eric Falk. Allerdings kann man Dietrich teilweise schwer verstehen und am Anfang scheint er auch etwas zu weit vom Mikro entfernt zu sitzen. Aber Eric Falk, der zahlreiche Anekdoten beisteuert und hörbar gut drauf ist, allein ist schon eine Schau für sich. Ferner ist wieder das Buch „Mädchen, Machos und Moneten“, sowie ein älteres Interview mit Erwin C. Dietrich aus der „Splatting Image“ im CD-ROM-Teil zu finden. Ein Wendecover mit alternativem Motiv gibt es auch noch.

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DVD-Rezension: „Rolls Royce Baby“

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Der berühmte Erotikstar Lisa Romay (Lina Romay) lebt allein in ihrem riesigen Anwesen. Ab und zu muss sie mal an Photo-Sessions für das Plakat ihres neusten Filmes teilnehmen, was sie gleich nutzt, um den Fotographen zu verführen. Eines Tages heuert sie ihren Liebhaber Erik (Eric Falk) an, für sie den Chauffeur zu spielen, und sie mit ihrem silbernen Rolls Royce durch die Gegend zu fahren. Gemeinsam lesen sie Anhalter auf, die Lisa dann ihrem Rolls Royce vernaschen kann…

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Vor vielen Jahren erklärte mit ein guter Mann einmal den Unterschied zwischen Sexfilm, Softcore und Hardcore erklärt. Demnach sieht man beim Sexfilm Nackte und simulierten Geschlechtsakt, beim Softcore primäre Geschlechtsorgane, aber keinen Geschlechtsverkehr und beim Hardcore wird dann das volle Programm geliefert. Mitte der 70er Jahre hatte die Erwin-C.-Dietrich-Fabrik den Schritt zum Hardcore noch nicht vollzogen, wohl aber zum Softcore. Wenn es einen Film gibt, der die oben genannte Definition bebildert, dann ist es wahrscheinlich „Rolls Royce Baby“, welcher sich vollständig um Lina Romays Vagina dreht. Diese wird in fast jeder Einstellung präsentiert. Zum „Äußersten“ kommt es allerdings nicht und die Sexszenen bewegen sich auf dem üblichen Sexfilm-Niveau. Mit dem feinen Unterschied, dass hier auch die Männer zeigen dürfen, womit sie von der Natur ausgestattet worden sind. Aufgebaut ist der Film wie ein typischer Porno und hangelt sich an einem sehr, sehr dünnen Faden von Szene zu Szene. Zu Beginn darf man Lina Romay bei einer Intimrasur zusehen, dann beim Masturbieren und sind auch schon die ersten 10 Minuten vorbei. Wer dies eher langweilig findet, wird den Finger schnell auf der Vorspurtaste haben. Andere wahrscheinlich woanders. Immerhin kann man der Szene zwei Dinge zugute halten. Einmal die hübschen Einfall im Vordergrund ein altes Grammophon zu zeigen, bei dem die Nadel am Ende der Schallplatte im Rhythmus der Handbewegungen der Romay vor und zurück springt. Und dann ist da noch der hübsche Soundtrack von dem immer wieder verlässlichen Walter Baumgartner, der hier offensichtlich auch einige Elemente aus früheren Arbeiten verwendet.

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Inszeniert wurde der Film vom Ascot-Elite-Chef Erwin C. Dietrich persönlich, der dabei sein Regiepseudonym Michael Thomas verwendet und das Drehbuch mal wieder als Manfred Gregor beisteuerte. Interessant ist der Film vor allem, weil er einer der wenigen ist, in denen Lina Romay für einen anderen Regisseur, als ihren Seelengefährten Jess Franco, vor der Kamera stand. Da Franco zu der Zeit bei Dietrich angestellt war, stellt sich natürlich die Frage, ob er nicht auch am Set zugegen war und hier und dort im Regiestuhl Platz nahm. Offiziell bestätigt wurde dies nie und auch in den Extras, in denen Eric Falk, Lina Romay und Erwin C. Dietrich interviewt werden, kommt dies nie zur Sprache. Somit bleibt diese Möglichkeit reine Spekulation. Dagegen spricht auch, dass Franco bei aller Deutlichkeit, doch immer noch einen Hauch von sensationellem und erotischem einbrachte. „Rolls Royce Baby“ ist allerdings so direkt in seinem Ausstellen der primären Geschlechtsorgane, dass sich Erotik so gut wie gar nicht einstellen will. Fast möchte man das böse Wort „Fleischbeschau“ in den Mund nehmen. Wäre da nicht die großartige Lina Romay, die ihrer Rolle den nötigen Enthusiasmus verleiht.

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Lina Romay war eine bekennende Exhibitionistin, so dass es ihr nicht schwer fiel, vor der Kamera nackt zu agieren. Und dies tut sie hier in aller Ausführlichkeit. Die Szenen, in denen sie vollständig bekleidet ist, dürften zusammen vielleicht gerade eine Minuten ausmachen. Wer sich also an Lina Romays wohlgeformten Körper nicht sattsehen kann, der ist hier absolut richtig. Für alle anderen dürfte sich bald schon Langeweile einstellen. Denn von einer wirklichen Geschichte ist hier – im Gegensatz zu Linas Brüsten – nichts zu sehen. Fast schon muss man Dietrich Respekt zollen, wie er jeden Ansatz einer klassischen Dramaturgie konsequent missachtet. Immer wenn man glaubt, nun würde sich sich so etwas wie ein Handlungsstrang entwickeln, bricht Dietrich diesen ohne große Erklärung ab und wendet sich wieder Linas Körper zu, den er in allen nur erdenklichen Posen und Winkeln fotografiert. Die Figur des Chauffeurs z.B. wird ebenso urplötzlich eingeführt, wie sie dann quasi zum lebenden Requisit wird. Eine scheinbare Liebesgeschichte mit einer anderen Frauen, wird ebenso radikal mit den Worten „Sie ist nicht mehr hier“ beendet, wie überhaupt alle Begegnungen mit den namenlosen Anhaltern keinerlei inhaltliche Relevanz haben. Die gesichtslosen Schauspieler werden von Lina/Lisa benutzt und dann wieder weggeworfen. Ohne, dass man sie irgendwie kennengelernt hätte.

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Mit etwas Wohlwollen, könnte man ihr Verhalten als Rache an der Männerwelt verstehen. Denn in einem Rückblick erzählt sie darüber, wie sie sich einst als Anhalterin zwei LKW-Fahrern angeboten hat, nur um dann nackt und „gebraucht“ von diesen, unter höhnischem Gelächter, Mitten auf der Landstraße ausgesetzt zu werden. Diese Geschichte liegt einem durchaus schwer im Magen, da sie übelste Macho-Fantasien von der der immer verfügbaren Frau, „es doch auch wollenden“ Frau auslebt. Denn kaum sitzt Lisa im Truck, beginnt sie sich schon auszuziehen und wenn der nicht unbedingt attraktive Truck-Fahrer seinen in der Kajüte schlummernden Kumpel auffordert, sich doch einfach „zu bedienen“, macht Lisa ganz selbstverständlich mit. Hier wird auch kurz die Grenze zum Hardcore überschritten, wenn deutlich ein Fellatio gezeigt wird. Interessanterweise spiegelt diese Geschichte dann aber auch Lisas späteres Verhalten wieder, wenn sie selber in ihrem Rolls Rocye über das Land fährt, wahllos Anhalter mitnimmt, mit diesen Sex hat und sie dann wieder allein auf der Straße zurücklässt. Nur einmal wird dieses immer wieder gleiche Schema durchbrochen. Da nimmt sie eine Anhalterin mit zu sich aufs Anwesen und gesteht dieser, dass sie doch eigentlich nur gestreichelt werden will, aber „dann die Sucht nach Sex wieder größer ist“. Doch auch dieser kurze Zwischenstopp hält nicht lange an. Die Anhalterin verschwindet – sichtlich zur Erleichterung ihres Chauffeurs – und Lisa macht sich mit ihrem Rolls Rocye wieder auf die Suche nach dem nächsten kurzen Abenteuer.

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So gesehen, könnte man „Rolls Royce Baby“ fast schon als tragische Geschichte einer Frau lesen, die durch ein ihr angetanes Unrecht traumatisiert wurde und nun gezwungen ist, dies immer und immer wieder neu durchzuspielen und zu verarbeitet, indem sie die Rolle der Täter einnimmt. Und die dabei immer tiefer in den Strudel ihrer Sexsucht getrieben wird, ohne das zu erlangen, was sie eigentlich sucht: Ein wenig Zärtlichkeit und Liebe. Vielleicht war „Rolls Royce Baby“ von Dietrich ursprünglich auch so intendiert gewesen, allein er inszeniert den Film nicht so. Auffällig sind einige abrupte Sprünge, bei denen man das Gefühl hat, es würde etwas fehlen und der Film wäre im Nachhinein um eben diese Note erleichtert worden. Vielleicht liegt der nun vorherrschende, eher leichte Ton, auch an Lina Romay, die ihre Rolle mit einer solch enthusiastischen Hingabe spielt, dass die dunklere Töne mit ihr hier nicht funktioniert hätten. Wobei sie zu solch einer Rolleninterpretation durchaus in der Lage gewesen wäre, wie viele ihrer Arbeiten mit Jess Franco zeigen.

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„Rolls Royce Baby“ ist eine Lina Romay One-Women-Show, bei der die Romay permanent alles zeigt was sie hat, so dass der Fantasie kein Platz mehr eingeräumt wird. Die dünne, episodenhafte Handlung folgt Porno-Konventionen, auch wenn es hier lediglich um Softcore handelt. Möglichkeiten der Hauptfigur eine dunklere, tragischere Seite zu geben sind zwar rudimentär noch vorhanden, werden aber nicht ausgespielt. Für Lina-Romay-Fans natürlich ein Muss, alle anderen werden durch die höhepunktlose, episodenhafte und repetitive „Handlung“ mit ihren abrupten Sprüngen eher gelangweilt sein. Als Plus sei hier noch die ins Ohr gehende Musik von Walter Baumgartner erwähnt.

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Die Bildqualität der Ascot Elite DVD ist recht ansprechend, der Ton liegt in er 5.1. Nachbearbeitung, Original 2.0 Stereo und in Englisch (5.1.)  und Französisch (2.0) vor. Vor dem Film gibt es eine kurze Begrüßung durch Eric Falk. Als Extra ist die lohnenswerte, wenn auch nur fast 9-minütige Doku „Lina und ihr Chauffeur“ enthalten, in der sich Eric Falk – der durch einen breiten Schweizer Dialekt überrascht -, Erwin C. Dietrich und Lina Romay (in einem älteren Interview von 2001) an die Dreharbeiten erinnern. Ferner ist wieder das Buch „Mädchen, Machos und Moneten“, sowie ein älteres Interview mit Erwin C. Dietrich aus der „Splatting Image“ im CD-ROM-Teil zu finden.

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