Das Bloggen der Anderen (02-11-15)

bartonfink_type2– In der vergangenen Woche gab es in den Blogs vor allem zwei Schwerpunkte: Halloween & Bond. Bei Die Nacht der lebenden Texte fand man beides. Einmal eine recht positive Besprechung des immer wieder nicht sehr wohl gelittenen, aber von mir sehr gemochten „Halloween III“ und Simon Kyprianou schreibt über seine Lieblings-Bond-Filme.

– Wie das überhaupt mit diesem importierten „Event-Tag“ Halloween aussieht und welchen Einfluss er auf die Filmgeschichte hat, zeigt Martin Beck auf B-Roll auf. Joachim Kurz macht sich Gedanken über die Zukunft des Kinos und verwendet in seinem lesenswerten Artikel ein schönes Zitat des Philosophen Harald Welzer, welches ich hier gerne mal zitiere. Für alle, die nicht auf den Link klicken: „Wollen wir so wirklich leben? Oder sollten wir nicht lieber endlich anfangen, wieder eigene Zukunftswelten zu entwerfen, Welten, wie sie sein sollten – soziale Utopien, die zugleich eine Ästhetik des Widerstands gegen die infantile Konsumhölle entwickeln würden? Und zwar nicht nach den öden Fantasien technischer Machbarkeit, sondern nach den Überraschungen des Entdeckens.“

– Auch Michael André macht sich Gedanken. Und zwar über den deutschen Film. Als Replik auf die, im Rahmen der Cologne Conference vorgetragenen, Thesen von Dominik Graf und Rainer Knepperges, schreibt er auf critic.de über seine Sicht davon, warum der deutsche Film heute so aussieht, wie er aussieht, und nicht anders. Und Michael Kienzl berichtet von der Viennale 2015.

– Von der Viennale berichten auch weiterhin die beiden Blogger Ioana Florescu und Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film in kurzen Notizen. Claudia Siefen schreibt über das Schauen in Hitchcocks „Psycho“  und Rainer Kienböck über G.W. Pabsts wundervollen „Tagebuch einer Verlorenen“.

– Noch mehr „Bonditis“. Timo Kießling hat auf cereality eine hübsche und gut zusammengefasste Chronologie der Bond-Geschichte eingestellt. Und hier gibt es auch noch – passend zu Halloween -etwas John Carpenter. „Christine“ fand ich damals beim ersten Gucken eher schwach, „Die Mächte des Wahnsinns“ hingen kreuzunheimlich. Das ist aber lange her. Wahrscheinlich würde sich die Erfahrung heutzutage eher annähern.

– MacReady hat auf Die drei Cineasten einen Blick auf Carpenters letzten Spielfilm „The Ward“ geworfen, der nach einer 10jährigen Pause entstand und heute auch schon wieder 5 Jahre alt ist. Fazit: Okay. Sehr gefreut hat mich DeDavid Einschätzung des nicht wirklich beliebten „Halloween II“ von Rob Zombie. Meisterwerk. Ja, kann man so sagen.

– Noch mehr Grusel? Der Kuleschow-Effekt hat sich der kompletten „Reitende Leichen“-Reihe angenommen. Von Debüt „Die Nacht der reitenden Leichen“ bis zum vierten Film „Das Blutgericht der reitenden Leichen“, welcher hier so gut weg kommt, wie ich finde es auch gerecht ist. Ich mochte den jedenfalls auch.

– „Echten“ Grusel garantiert Maurita Mayer von Schattenlichter. Denn sie hat Burg Kreuzenstein besucht, die die Kulisse u.a. für Mario Bavas „Baron Blood“ lieferte.

– Sebastian empfiehlt auf Nischenkino nachdrücklich den Horror-Western „Bone Tomahawk“ mit Kurt Russell, den man allerdings schwer zu Gesicht bekommt. Den Film, nicht Kurt Russell.

– Eins der angsteinflößendsten Erlebnisse im Kino hatte ich einst bei einer mitternächtlichen Vorstellung des koreanischen Gruselers „A Tale of Two Sisters“, den Robin Schröder auf Mise en cinéma bespricht.

– Christian Genzel schreibt auf Wilsons Dachboden über John Woos „City Wolf“ und den enormen eindruck, den dieser Streifen Anfang der 90er hinterließ. Heute kenne ich kaum noch jemanden, der bei den Namen Woo und Chow Yun-Fat glänzende Augen bekommt. Irgendwie scheinen mir diese epochalen Werke vergessen. Oder kommt es mir nur so vor? Damals jedenfalls war Heroic Bloodshed aus Hongkong nicht nur ganz heißer scheiß, sondern eine cineastische Offenbarung. Zumindest für mein jüngeres Ich.

– Im Rahmen seiner Untersuchung über die Entstehung der „Commedia sexy all’italiana“ hat sich Udo Rotenberg auf L’amore in città Luigi Zampa  „Verrückter Sommer“ von  1964 angesehen.

– Harald Mühlbeyer schreibt auf screenshot über ein Grindhouse-Double-Feature im Mannheimer Cinema Quadrat, bei dem der „Der Mann mit der Stahlkralle“ zu Gast war und „Das Todeslied des Shaolin“ gesungen wurde.

– Bianca hat auf Duoscope unter dem schönen Titel  „Aufstieg und Fall einer Kinoelfe“ ein sehr schönes Porträt von Winona Ryder gezeichnet.

– Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry einige interessante Anmerkungen über Allan Dawn formuliert.

Hans Helmut Prinzler empfiehlt das Buch „Filmskandale in der Weimarer Republik“. Ursprünglich die Dissertation von Kai Nowak, die an der Universität Gießen entstanden ist.

– Michael Schleeh von Schneeland ist das koreanische Drama „Unsere kleine Schwester“ einer der schönsten Filme des Jahres.

– Oliver Armknecht stellt auf film-rezenionen.de den Grusel-Animee „Boogiepop Phantom“ vor, der sich sehr vielversprechend anhört. Ähnlich wie die halb als Realfilm, halb als Animation entstandene Dokumentation „Die Hälfte der Stadt“ über das Leben des polnisch-jüdischen Fotografen Chaim Berman.

– Oliver Nöding setzt auf Remember It For Later seine John-Ford-Retro mit “Just Pals“ fort. Außerdem stellt er einen meiner Lieblingsfilme vor: “Der Mieter” von Polanski. Und auch an den technisch bahnbrechenden und für die Filmgeschichte immens wichtigen „Birth of a Nation“ hat er sich gewagt, auch wenn ihm die rassistische Ausrichtung dieses Filmes schwer im Magen liegt. Die DVD liegt bei mir auch schon seit Jahren im Schrank – aber aufgrund eben jener Thematik habe ich den bis heute nicht ausgepackt.

– Bei „Tetsuo“ sind Schlombie und ich uns einmal einig, was mich sehr freut. Auch die Erwähnung bei seinen Filmbesprechungen der Anderen. Alles nachzulesen auf Schlombies Filmbesprechungen.

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DVD-Rezension: „The Voices“

thevoicesDer freundliche Jerry Hickfang (Ryan Reynolds) arbeitet bei einer Firma, die Badewannen herstellt. Hier hat er sich in die ausgesprochen attraktive Fiona (Gemma Arterton) verliebt, die von dem naiv und ungelenk wirkenden Jerry aber nicht viel wissen will. Was niemand weiß: Jerry hat schwere psychische Probleme und hat seine Medikamenten abgesetzt. Jetzt ist Jerrys Welt bunt und schön, doch er beginnt auch wieder Stimmen zu hören. Beispielsweise die von seinem gutmütigen Hund Bosco. Aber auch die seiner teuflischen Katze Mr. Whiskers, die ihn mit Beleidigungen überhäuft und zum Töten animieren will…

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Als „bitterböser Spass mit Kultpotential“ wird dieser Film auf dem Cover der DVD lautstark angepriesen. Auf der Rückseite finden sich Zitate, die den Film allen ernstes als „knallbunten Spaß“ bezeichnen. Der wunderbare, aber stark irreführende, Trailer schneidet die skurrilsten Szenen so zusammen, dass man eine schwarze und herrlich schräge Komödie erwartet. Wirft man die DVD in den Player wird man von bunt gekleideten Menschen und dem „Happy Song“ begrüßt. Alles schreit nach bösen, aber letztendlich doch nur nett-schrägem Entertainment. Genau dies gibt ein vollkommen falsches Bild von „The Voices“ wieder. Versetzt man sich in die Lage seines bedauernswerten Protagonisten ist hier gar nichts witzig. „The Voices“ nimmt uns mit in den Kopf eines zutiefst ge-, aber auch zerstörten Menschen. Dass alles so hübsch bunt und mit Pastelltönen durchsetzt ist, liegt allein daran, dass Jerrys kranke Seele irgendwie versucht, sich in einer heilen, schönen Welt zu verstecken. Jerrys, an Wes Anderson oder frühen Tim Burton gemahnende, bewusst künstlich-gediegen gehaltene Umwelt ist aber nicht real. Wie in Stanislaw Lems „Futurologischen Kongress“ liegt hinter dieser für Jerry so wünschenswerten und sicheren Welt eine ganz andere Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit voller Schmutz, Fäkalien und geronnen Blut.

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Es darf sogar bezweifelt werden, dass die lustigen rosa Overalls der Firma Milton, wo Jerry sein Geld verdient, wirklich so aussehen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sich Jerry diese Bonbon-Farben an seinem Arbeitsplatz imaginiert. Ebenso wie seine nette Mittelstands-Wohnung jenseits von Jerrys Wahrnehmung ein finsteres, stinkendes Schmutzloch ist, wie die kurzen Szenen zeigen, in denen der Film die Perspektive wechselt. Auch ist Jerry nicht „tollpatschig“, wie es der deutsche Covertext niedlich beschreibt. Seine Naivität und vermeintliche „Tollpatschigkeit“ entstammt allein seinem Versuch, seine Heile-Traumwelt-Blase ständig aufrecht zu erhalten und sich „traumweltkonform“ zu verhalten. Nein, Jerry ist keine komische Figur, die der Lächerlichkeit preisgeben wird. Er ist aber auch kein dämonischer Psychopath. Jerry ist eine zutiefst tragische Figur und „The Voices“ keine schwarze Komödie, sondern ein todtrauriger Film um eine misbrauchte Seele. Sein zartes Gemüt wurde nicht nur durch den abwesenden und autoritären Vater zerstört, sondern vielmehr von seiner Mutter, die den kleinen Jungen einst zwang, sie von ihrem Leid zu erlösen. Wenn am Ende dann der „Happy Song“ erklingt, treibt es einem fast die Tränen in die Augen – repräsentiert er doch Jerrys tiefsten Sehnsüchte nach einer heilen, glücklichen Welt, die sich so aber nie erfüllen können.

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Sowohl Regisseurin Marjane Satrapi, als auch Hauptdarsteller Ryan Reynolds erscheinen zunächst unpassend für diesen Stoff. Die iranische Comiczeichnerin und Filmemacherin Satrapi erschien 2009 mit einem großen Knall auf der cineastischen Bildfläche, als sie selbst ihre autobiographische Graphic Novel „Persepolis“ für die Leinwand adaptierte. Auch in ihrem ersten Realfilm „Huhn mit Pflaumen“ ging es mehr um ihre eigene Geschichte und die Kultur aus der sie stammt. Ihr dritter Film „La bande des Jotas“ ging demgegenüber vollkommen unter, deutete aber schon den Weg an, den sie mit „The Voices“ einschlagen sollte. Laut IMDb handelt „La bande des Jotas“ , indem Marjane Satrapi auch die Hauptrolle spielt, von zwei Freundinnen, die durch einen unfreiwilligen Koffertausch in einen Gangsterstreit geraten. Auf den zweiten Blick passt Satrapi bei „The Voices“ sehr gut auf den Regiestuhl, den auch „Persepolis“ hatte Episoden, die nur an der Oberfläche erheiternd wirkten, aber darunter einen tiefen Schmerz in sich trugen. Zudem setzt die Comic-Künstlerin Jerrys Sicht der Welt auch in eine durchweg konsequente, künstliche Comic-Realität um.

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Und Ryan Reynolds zeigt, dass er mehr ist als nur ein schönes Hollywood-Gesicht. Wobei diese Bezeichnung so auch gar nicht stimmt. Zwar wird Reynolds gerne als gutaussehender All-American-Hero eingesetzt (wie in dem Megaflop „Green Lantern“), doch sieht man genauer hin, ist Reynolds Gesicht gar nicht schön. Es ist unsymmetrisch, die Augen liegen zu dicht beieinander und es wirkt wie das Gesicht eines einfach gestrickten amerikanischen Junge vom Lande. Nicht besonders helle, dafür aber dem Herz auf dem rechten Fleck. In „The Voices“ beweist er, dass er in der Lage ist, dieses gar nicht richtig greifbare Gesicht ausgesprochen wandlungsfähig einzusetzen, und im Sekundentakt von nett auf attraktiv, debil, dämonisch, verzweifelt und wieder zurück zu wechseln.

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„The Voices“ ist nicht ohne Makel. Die Idee Jerrys gute und psychotische Seite durch einen Hund und eine Katze zu repräsentieren ist schon ziemlich dick aufgetragen. Generell wird die Psychologie der Hauptfigur mit dem ganz breiten Pinsel gezeichnet, so dass es auch der letzte im Publikum versteht. Vielerorts wird auch die Uneinheitlichkeit des Filmes bemängelt. Dass er sich nicht entscheiden kann zwischen Komödie, Thriller und Horrorfilm. Dass Marjane Satrapi einfach zu viel hineingestopft hat. Wenn man sich allerdings abermals vor Augen führt, dass der Film ganz Jerrys verzehrte Sichtweise einnimmt, so ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Stimmung und Ausrichtung des Filmes ebenso schwankt, wie Jerrys Gemütszustand. Man kann also auch argumentieren, Marjane Satrapi sei ganz bewusst nicht den einfachen Weg gegangen ist und „The Voices“ als die witzig-böse Komödie inszeniert hat, als die der Film überall vermarktet wird. Stattdessen hat sie einen Weg eingeschlagen, der dem Zuschauer beständig den Boden unter den Füssen wegzieht. Gerade mit seiner Unentschlossenheit nimmt der Film dem Zuschauer die Sicherheit, die es ihm erlauben würde, sich im Angesicht des Grauens in Jerrys Leben, einfach belustigt auf die Schenkel zu schlagen.

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„The Voices“ ist keine schwarzhumorige, schräge Komödie, wie einen die Werbung weiß machen will. „The Voices“ ist ein zutiefst trauriger Film über eine ge- und zerstörte Seele. Ryan Reynolds überrascht hier mit seiner Wandlungsfähigkeit in der Rolle des psychisch schwerkranken Jerry, der steht’s das Gute will, aber das Böse tut.

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Die DVD aus dem Hause Ascot Elite weist ein ausgezeichnetes Bild auf. Die kräftigen bunten Töne werden ebenso gut wiedergegeben, wie auch leichte Pastelltöne und ein tiefes Schwarz. Die englische und die deutsche Tonspur sind gut zu verstehen und auf der 5.1.-Anlage gibt es auch den einen oder anderen Toneffekt. Leider krankt die Veröffentlichung bei den Extras. Hier gibt es zwar drei kurze Featurettes, diese sind aber recht inhaltsleer und erzählen nichts, was man nach Anschauen des Film nicht auch selber wüsste.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 11 erhältlich

35-MILLIMETER-Magazin-Cover-Ausgabe-11Kleiner Hinweis in eigener Sache. Seit ein paar Wochen gehöre ich mit zur „35 Millimeter“-Redaktion. Darum kann ich jetzt sagen: Unser neues Heft ist da. Diesmal heißt das Titelthema „Science Fiction“, und ich habe einen Artikel über die frühen Raumfahrten zum Mars, also den dänischen „Das Himmelsschiff“ und den sowjetischen „Aelita“ beigesteuert. Davon ab finden sich aber natürlich noch mehr lesenswerte Artikel im neuen Heft. Hier ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:

FRÜHE REISEN ZU DEN STERNEN – Als Dänen und Sowjets zum Mars flogen
BERKELEY SQUARE – Eine Zeitreise mit H. P. Lovecraft
LEMMY CAUTION GEGEN ALPHA 60 – Jean-Luc Godards Zukunftsvision
JULES VERNE – Film-Adaptionen bis 1965
ALIENS! ROBOTER! KREATUREN! – Die Invasoren-Filme der 50er
DER COUNTDOWN LÄUFT – Fritz Langs „Frau im Mond“ als Anfang und Ende einer Ära
METROPOLIS – Jede Sekunde zählt!
DIE LUST UND SCIENCE FICTION – Drei anarchistische SciFi-Stummfilme
GEORGES MÉLIÈS – Frankreichs großer Visionär

TRAUM, LIEBE, ZUFALL – Surrealismus und Film

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Mikio Naruse – Teil 1: Die Stummfilme

DIE 57. NORDISCHEN FILMTAGE IN LÜBECK – Eine Reise in den hohen Norden – Vorbericht

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER – Curt Ackermann

Rubrik: Regie-Legenden : Jules Dassin – Teil 2: Zelle R-17

MEINE DEUTSCHE HEIMAT – Ludwig Ganghofer-Verfilmungen

Kolumne: Lichtblicke mit braunem Ton – Zwischen Kunst und Ideologie – Teil 5: Wir machen Musik

Kolumne: Der vergessene Film – Haie greifen an

Heft #11 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

 

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Filmbuch-Rezension: “Drei Meister in Hollywood”

dreimeisterNorbert Grob hat dieses Jahr bereits eine schöne Fritz-Lang-Biographie vorgelegt. Nun folgt der nächste Streich. Wobei die in seinem Buch „Drei Meister in Hollywood“ veröffentlichten Essays bereits in den 90er Jahren im Rahmen der jeweiligen Berlinale Retrospektiven erschienen waren. Für diese Neuauflage wurden jene aber vollständig überarbeitet und aktualisiert. Wieder beschäftigt sich Grob mit deutschsprachigen Hollywood-Immigranten. Neben den beiden Österreichern Erich von Stroheim und Otto Preminger, beschäftigt sich Grob auch mit dem im Elsass geborenen William Wyler. Mit der Lang-Biographie, ist sein aktueller Triptychon nicht zu vergleichen. Beschäftigte er sich im Lang-Buch vor allem mit dem Menschen Lang, dessen Privatleben, Ansichten und wie all dies Eingang in seine Filme erhielt, steht in „Drei Meister in Hollywood“ weitaus mehr das Werk er drei legendären Regisseure und die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem im Vordergrund. Allein bei Erich von Stroheim geht Grob auch weiter auf den Menschen bzw. die Kunstfigur „von Stroheim“ ein, da sich diese auch nicht vom Werk trennen lässt.

Sehr detailliert untersucht Grob die Handvoll Spielfilme, die von Stroheim vollenden konnte und beschreibt dabei kenntnisreich die Probleme, Konflikte und Rückschläge, die von Stroheim dabei immer wieder hinnehmen musste. Kaum ein Werk konnte von Stroheim so in die Kinos bringen, wie er es konzipiert hatte. Immer wieder geriet er mit dem Produzenten und der Zensur aneinander, seine oft mehrere Stunden dauernden Filme wurden gegen seinen Willen auf „kinogemäße“ Länge heruntergestürzt, geändert und von anderen beendet. Grob gibt dem Leser eine gute Idee davon, wie die Filmwelt des Erich von Stroheim ausgesehen hätte, wenn man ihn nur gelassen hätte. Ferner erläutert er die Hintergründe, weshalb von Stroheims Werk heute – wenn überhaupt – nur verstümmelt zu sehen ist. Auch stellt er den Schauspieler Erich von Stroheim vor und legt dar, wie dieser seine ganz eigene Philosophie vom Filmemachen auch in seine schauspielerische Arbeit für andere Regisseur eingebrachte. Etwas verwirrend an dem Von-Stroheim-Abschnitt des Buches ist es, dass Grob hier nicht chronologisch vorgeht, sondern die zeitliche Abfolge eher intuitiv wählt. So wird bereits eingehend von Stroheims Filmkarriere nach seinem Letzten selbst inszenierten Spielfilm besprochen, bevor seine große Erfolge in den 20er Jahren und sein Schiffbruch mit „Queen Kelly“ besprochen werden.

Beim Elsässer Wilhelm Wyler belässt es Grob bei den allernötigsten biographischen Angaben und beschränkt diese im Wesentlichen auf seine Anfänge beim Film. Viel mehr beschäftigt sich Grob mit Wylers Art der Bildkomposition und die nicht ganz unumstrittene Weise, wie Wyler das Optimum aus seinen Schauspielern heraus holte. Dabei ging Wyler oft bis an deren Belastungsgrenzen, um den erwünschten Effekt zu erzielen. Etwas, was ihm den Ruf eines Diktators und Menschenschinders einbrachte. Grob zeigt aber auch immer wieder auf, wie Wyler bestimmte Themen immer wieder in sein Gesamtwerk einbringt. Dieses lässt sich nicht eindeutig katalogisieren, da Wyler zwar aus dem Western stammt, die Fließbandarbeit an Dutzenden von B-Western vor allem als Lehrzeit nutzte, um seinen persönlichen Stil und vor allem seine Tricks zu entwickeln. Grob stellt für jedes Jahrzehnt, in dem Wyler tätig war, einen Höhepunkt heraus: „Hell’s Heroes“ für die 20er, „Wuthering Heights“ für die 30er, „The Best Years of Our Lives“ für die 40er und natürlich Wylers berühmtesten Film, „Ben Hur“ für die 50er. Die 60er Jahre, in denen Wyler neben dem gerade in den letzten Jahren oftmals variierten Psycho-Thriller „The Collector“ vor allem leichtere Kost mit Audrey Hepburn oder schließlich „Funny Face“ mit Barbara Streisand drehte, misst Grob hingegen nicht so viel Wichtigkeit bei. Diese Jahre bleiben eher Fußnoten.

Spürt man bei von Stroheim und Wyler zu jeder Zeit Grobs große Bewunderung für Werk und Schöpfer, so vermittelt er in Bezug auf Otto Preminger ein eher zwiegespaltenes Verhältnis. Hier spart er ebenfalls mit biographischen Details und nährt sich dem Filmemacher ganz über dessen Werk. Hier merkt man allerdings deutlich, dass Grob die gezielten Tabubrüche, die Preminger insbesondere in den 50er Jahren in sein Werk einbrachte, eher missfallen und er sie als Marketing-Tricks abtut. Auch attestiert er Preminger eine gewisse Schlampigkeit, wenn diesen etwas nicht hundertprozentig interessiert. Aber auch wenn Preminger von Grob weitaus kritischer gesehen wird als von Stroheim und Wyler, spürt man doch auch eine gewisse Faszination, die Grob Premingers Werk entgegenbringt. Ebenso wie Respekt für dessen Werk, auch wenn Grob die Spätphase Premingers aber Mitte der 60er als weniger gelungen oder schlichtweg misslungen („Skidoo“) abstraft. Als herausragend in Premingers Werk werden „Laura“ und „Bonjour Tristese“, der ein eigenes Kapitel erhält, herausgestellt. Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist eine eingehende Betrachtung des Film Noir. Insgesamt macht sich Grob in dem Preminger-Abschnitt für meinen Geschmack etwas zu sehr die Meinung der Väter der Nouvelle Vague – die auch fleißig zitiert werden – zu eigenen, die während ihrer Zeit bei der Cahiers du cinéma Otto Preminger – der in den 40ern unerschrockenen gegen das Studiosystem kämpfte und oftmals auch seine Kopf durchsetzten konnte – zu so etwas wie ihren Schutzpatron stilisierten, ihn dann aber im Zuge seiner Arbeiten als freier Produzent in den 50er fallen ließen. Insgesamt hat Norbert Grob hier aber ein sehr interessantes und höchst lesenswertes Buch geschrieben, welches dem Leser viele neue und inspirierende Blickwinkel auf die Arbeiten der drei Meister werfen lässt.

Norbert Grob “ Drei Meister in Hollywood: Erich von Stroheim – William Wyler – Otto Preminger (Deep Focus), Bertz+Fischer, 304 Seiten, 206 Fotos, € 25,00

 

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DVD-Rezension: “Strasse der Gewalt“

strassedergewaltCarrol Jo „CJ“ Hummer (Jan-Michael Vincent) ist aus dem Vietnamkrieg heimgekehrt. Er plant zusammen mit seiner Jugendliebe Jerri (Kay Lenz) eine Familie zu gründen und ins Trucker-Geschäft einzusteigen. Er nimmt einem Kredit auf und kauft einen Truck, den er „Blue Mule“ tauft. Seinen ersten Auftrag hofft er beim alten Partner seines Vater, Duane Haller (Slim Pickens) zu bekommen. Doch als CJ feststellt, dass er nebenbei noch Glücksspielautomaten und Zigaretten schmuggeln soll, gerät er außer sich und verzichtet wütend auf den Job. Sehr schnell muss CJ allerdings feststellen, dass es damit nicht getan ist. Einige von Hallers Männern schlagen ihn zusammen, und auch alle anderen Speditionen wollen ihn nicht mehr anheuern. CJ will sich nicht unterkriegen lassen und fordert von Haller mit Waffengewalt, ihm eine Fahrt zu verschaffen. Doch damit fängt sein Ärger erst richtig an…

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Achtung: Diese Besprechung enthält Spoiler

„White Line Fever“, so der Originaltitel von „Strasse der Gewalt“, bezeichnet den hypnotischen Zustand, der eintritt, wenn man nachts auf dem Highway zu sehr auf die weißen Linien starrt. Auch Carrol Jo ist von einem „White Line Fever“ erfasst. Denn für ihn gibt es nichts Größeres, als mit seinem eigenen Truck über die Landstraßen zu brausen und das Gefühl von Freiheit zu spüren. Im Bonusmaterial der vorliegenden DVD weist Co-Drehbuchautor Ken Friedman darauf hin, dass „Strasse der Gewalt“ ein „Western im Peckinpah-Stil“ sein sollte. Nur eben mit Convoys, statt Pferden. Westernmotive kann man dem Film durchaus unterstellen. Statt aus dem Bürgerkrieg, kehrt der aufrechte Carrol Jo Hummer allerdings aus dem Vietnamkrieg zurück. Und die bösen Großrancher, die gegen die armen Farmer vorgehen, sind hier ein mächtiges Kartell. Es hat sich in den letzten 100 Jahren also nicht viel getan im Wilden Westen.

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Jonathan Kaplans fünfter Spielfilm. Nachdem er bei der AIP von Roger Corman erstmals auf dem Regiestuhl Platz nahm, entstand „Strasse der Gewalt“ für  der wieder für die Colombia, einem der Majors. Trotzdem erinnert der Film stark an die Filme, die zeitgleich Gene Corman, Rogers Bruder, produziert. Filme wie „Dillinger“ und der ein Jahr nach „Strasse der Gewalt“ entstandenen „Vigilante Force“. Filme, die einen hohen Unterhaltungs- und auch Gewaltfaktor besitzen, aber auch ein pessimistische, soziale Aussage. Hier wie dort wird ein Individuum durch die Umstände korrumpiert und zur Gewalt gezwungen. Generell weißt der Film einige Parallelen zu vorgenannten „Vigilante Force“ auf, nicht nur durch die Besetzung der Hauptrolle mit Jan-Michael Vincent. Während die Hauptfigur in „Vigilante Force“ nur einen scheinbaren Sieg erringt, da er sich auf das Niveau seiner Gegner begibt, ist das Ende von „Strasse der Gewalt“ noch viel ambivalenter. Denn der kleine Triumph des Carrol Jo wird bitter erkauft. Sein Lächeln in Anbetracht der ihm zujubelnden Menge wirkt beinahe schon psychotisch. Kaplan gibt den passenden Kommentar, indem er auf Carrol Jos Ehefrau Jerri schwenkt, die mit ausdruckslosem Gesicht am Fenster zu sehen ist. Denn CJs scheinbare Sieg ging auf ihre Kosten. CJ hat nicht nur seine Familie, sondern auch ihren Traum, ihre Zukunft mit seiner Sturheit und seinem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zerstört. Am Ende steht die Frage: War es das wirklich wert?

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Dieses bittere Ende kommt recht überraschend, denn zu Beginn tarnt sich „Strasse der Gewalt“ als gradliniger und sehr unterhaltsamer Rache-Film, indem ein Mann für das Recht kämpft, selber über sein Leben zu bestimmen. Die Art und Weise, wie er dies tut, dieses ständige hin und her, wenn mal die eine Seite, mal die andere die Oberhand gewinnt, deutet noch nicht darauf hin, dass der Kampf vergebens sein wird, und unser Held am Ende alles verliert und sein Glück nachhaltig zerstört. Kaplan wählt bei diesem Kampf des Einen gegen die Übermacht der Anderen einen überaus realistischen Stil. Hier tun die Prügel richtig weh, die jemand einstecken muss. Und die größte Schmach des jungen CJ ist dann auch keine physische Gewalt, sondern eine lang ausgespielte Fahrt gegen die Uhr und die eigene Erschöpfung, welche sich am Ende als vollkommen nutzlos herausstellt, da CJ verfaulte Ware untergejubelt wurde. Kaplan lässt auch Interviews einfließen, welche als dokumentarisches Material verkauft werden. Ob dies den Tatsachen entspricht mag dahingestellt sein, denn die ganz am Anfang interviewte Figur taucht auch in der Spielfilmhandlung kurz auf.

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Eine wahre Tragödie, die nicht im Film vorkommt, ist allerdings das traurige Schicksal seines Hauptdarstellers Jan-Michael Vincent. Nachdem ich nun innerhalb kurzer Zeit zwei seiner frühen Filme gesehen habe, und Herr Vincent auch hier die Idealbesetzung für den naiven, halsstarrigen Jungen vom Lande war, wollte ich wissen, was aus demjenigen geworden ist, der Anfang der 80er der bestbezahlteste TV-Star der Welt war. Schließlich hat man gefühlt seit „Airwolf“-Zeiten nichts mehr von ihm gehört. Im Internet stieß ich auf ein erschütterndes Video. Von Drogen und Alkohol schwer gezeichnet, gab Jan-Michael Vincent dort ein Interview. D.h. Es wurde versucht mit ihm ein Interview zu führen. Der alte, verwahrlost aussehende Mann hatte dabei deutlich Schwierigkeiten den Fragen des Interviewers zu folgen, gab nur stockend Antwort und konnte sich an fast nichts mehr erinnern. Zudem war ihm ein Bein amputiert worden, ebenfalls eine Folge seines jahrelangen, exzessiven Alkohol- und Drogenmissbrauch. Laut Jonathan Kaplan begann Jan-Michael Vincent wohl bei den Dreharbeiten zu „Strasse der Gewalt“ damit, Kokain zu konsumieren. Vergleicht man die Bilder des jungen, athletischen und spitzbübisch aussehenden Vincent mit dem tatterige Wrack im Rollstuhl, kann man nur jedem zurufen: Hände weg von den Drogen. Was der Mist mit Jan-Michael Vincent gemacht hat ist nicht nur erschütternd, sondern vor allem eine sehr deutliche Warnung.

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„Strasse der Gewalt“ ist ein Western im Trucker-Gewand. Jonathan Kaplan inszeniert den Kampf eines aufrechten Truckers gegen ein korruptes Kartell mit einigen Härten und größtenteils sehr realistisch. Und er zeigt dabei deutlich, was man aufs Spiel setzt, wenn man diesen Kampf aufnimmt. Ob sich dieses Risiko lohnt, muss der Zuschauer dann für sich selbst beantworten.

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Die DVD von Explosive Media hat eine gute Bildqualität.  Der Ton liegt in Englisch und in der deutschen Synchronisation jeweils in 2.0-Stereo vor und sit gut zu verstehen. In Sachen Extras hat sich Explosive Media ebenfalls ins Zeug gelegt und eine 51-Minütige Doku mit auf die Schaibe gepackt, in der sich Drehbuchautor Ken Friedman an alle Aspekte der Produktion erinnert. Desweiteren findet sich auf der DVD ein knapp 3-minütiger Kurzkommentar von Regisseur Jonathan Kaplan, der deutsche und englische Original-Kinotrailer und eine Fotogalerie mit Szenenbildern, Aushangfotos und Werbematerial. Alles in allem eine runde Sache.

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Das Bloggen der Anderen (26-10-15)

bartonfink_type2– Beginnen wir diesmal mit einer Buchbesprechung. Bluntwolf stellt auf Nischenkino Markus Stigleggers Standardwerk „Sadico Nazista – Geschichte, Film und Mythos“ vor.

–  Und Volker Schönenberger ist bei Die Nacht der lebenden Texte über eine gar merkwürdige Publikation gestolpert. Ein Magazin, das sich da „Kinemalismus – Kino, Kultur & Unfug“ nennt. Was sich dahinter verbirgt, kann man hier nachlesen.

– Am 24. Oktober 2015 starb die wunderbare Maureen O’Hara im stolzen Alter von 95 Jahren. Nachrufe haben Der Kinogänger und Hans Helmut Prinzler geschrieben.

– Lange war nichts mehr auf dem Blog Whoknows presents zu lesen. Jetzt gibt es ein kurzes Lebenszeichen. Wobei „kurz“ relativ ist, ebenso wie die Bezeichnung „Kurzbesprechung“ von Pier Paolo Pasolinis „Porcile“. Denn diese ist im Vergleich zu dem, was man auf anderen Blogs liest, wieder detailliert und wunderbar informativ ausgefallen.

– Aus dem Whonkows presents-Umfeld kam auch der Tipp, mir mal den Blog von funxton näher anzusehen. Und da bin ich dann auch gleich über eine schöne Besprechung von Eugen Yorks „Der Nebelmörder“ gestolpert. Danke für den Tipp und hier nochmal der Aufruf an alle Leser: Wenn ihr Tipps für mich habt, welcher Blog hier einmal gewürdigt werden sollte, dann immer her damit.

– Andreas Köhnemann erinnert auf B-Roll daran, dass vor 60 Jahren „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ Premiere hatte und schaut mal nach, ob dieses legendäre Coming-of-Age-Drama heute noch würdige Nachfolger findet. Lucas Barwenczik berichtet von dem Hollywood-Trend Dokumentarfilme in Spielfilme zu verwandeln und generell Filme auf „wahre Begebenheiten“ zu fußen.

– PD und YP diskutieren auf Film im Dialog über den ersten Netflix-Spielfilm „Beasts of No Nation“ und diesen neuen Vertriebsweg.

Out takes berichtet unter der Überschrift „Es brennt“ über die dramatische Gagen- und Arbeitssituation in der deutschen Filmwirtschaft.

Screen/read hat Dieter Laser interviewt und ihn über seine Mitwirkung in der „Human Centipede“-Reihe befragt.

– Harald Mühlbeyer war bei den Hofer Filmtagen und schreibt auf screenshot über die dortige Christopher Petit-Retrospektive.

– Währenddessen treiben sich Ioana Florescu und Patrick Holzapfel von Jugend ohne Film auf der Viennale herum und halten ihre Eindrücke in kurzen Notizen fest.

– Udo Rotenberg widmet sich auf Grün ist die Heide den beiden „Die Nichten des Herrn Oberst“-Filmen, die Erwin C. Dietrich 1968 bzw. 1980 drehte und die gleichzeitig Anfang und Ende seiner Laufbahn als Regisseur , aber auch Anfang und Ende einer ganzen Ära darstellen. Hoch interessant.

– Das Deep Red Radio-Team war bei den Dreharbeiten zum deutschen Vampir-Splatter „Montrak“.Hier ihr Erlebnisbericht.

– Apropos deutscher Genrefilme. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat „Stung“ gesehen und fand den ganz okay. Traurigerweise, weil er so international besetzt ist und wenig einheimisch aussieht. http://www.film-rezensionen.de/2015/10/stung/

– Kindheitserinnerungen 1: „Mit Arsen und Spitzenhäubchen“ gehörte zu meinen TV-Lieblingen in der Kindheit. Dank Sascha auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte, weiß ich jetzt, dass diese Fassung gegenüber dem Original leicht verändert war.

– Kindheitserinnerungen 2: 1982 war ich mit meinen Eltern für eine Woche in London. Woran ich mich noch sehr gut erinnere sind die unheimlichen Poster in der Londoner U-Bahn, die auf einen Film namens „X-Tron“ hinwiesen und drohten „Not all E.T.‘s are friendly“. Gesehen habe ich den Film aber trotzdem nie. Im Gegensatz zu totalschaden bei Splattertrash.

– Mauritia Mayer hat sich auf Schattenlichter Mario Bavas „Baron Blood“ vorgenommen, den ich einst als Deutschlandpremiere (!) auf RTL2 (!!) sah.

– Oliver Nöding beginnt auf Remember It For Later seine große John-Ford-Retrospektive mit dessen Langfilm-Debüt „Straight Shooting“. Zudem empfiehlt er Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“.

– Ronny Dombrowski schreibt auf cinetastic über Axel Ranischs neuen Film „Alki Alki“.

– JackoXL ist auf Die drei Muscheln angetan von John Sturges modernen Western „Stadt in Angst“ mit so wunderbaren Darstellern wie Spencer Tracy, Robert Ryan, Ernest Borgnine und Lee Marvin.

– Flo Lieb von symparanekronemoi ist der das Coming-of-Age/Krebs-Drama “Me and Earl and the Dying Girl” positiv aufgefallen.

– Schlombie hat auf Schlombies Filmbesprechungen wieder Filmbesprechungen aus dem Netz zusammengetragen.

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DVD-Rezension: “Sie sind verdammt”

siesindverdammtDer Amerikaner Simon Wells (Macdonald Carey) befindet sich mit seiner Segel-Yacht auf einer Törn vor der Küste Englands. Als er in einer kleinen Küstenstadt festmacht, wird er dort Opfer eines Überfalls durch eine Bande Jugendlicher, die von King (Oliver Reed) angeführt wird. Bald schon kreuzen sich Wells Wege wieder mit denen von Kings Schwester Joan (Shirley Ann Field), die von der Bande als Lockvogel genutzt wird. Joan schließt sich gegen den ausdrücklichen Willen ihres Bruders Wells an. Dies führt zu weiteren Konfrontationen mit Kings Bande, in dessem Verlauf sowohl Wells und Joan, als auch King auf ein sorgsam abgeschirmtes militärisches Gelände geraten. Hier wacht der geheimnisvolle Bernard (Alexander Knox) über ein streng geheimes Projekt. Wells und Joan stürzen von King verfolgt ins Meer. Sie werden von einem Jungen aufgelesen, der sie in ein unterirdischen Bunker-Komplex bringt. Hier treffen die Beiden auf noch mehr Kinder, die allerdings alle seltsam kalt sind…

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Nach vielen Jahren erhält die Hammerproduktion „Sie sind verdammt“ endlich eine deutsche Heimkinoauswertung. Die lange Wartezeit muss mit Lizenzproblemen zusammenhängen, denn anders ist es nicht zu erklären, dass dieses Kleinod bisher ein Dornröschenschlaf erdulden musste. „Sie sind verdammt“ ist einer der ungewöhnlichsten Filme, die aus den Hammer Studios kamen und gleichzeitig auch einer der Besten. Ein Film, der sich nicht in Schubladen stecken lässt. Häufig läuft er unter dem Label „Science Fiction“, was durchaus nicht ganz falsch, aber auch nicht wirklich richtig ist. Er verwirrt seine Zuschauer, legt falsche Fährten, um dann seine losen Fäden zu einem Seilen zu binden, welches sich dem Zuschauer langsam um den Hals legt und ihm dann erbarmungslos die Kehle zuschnürt. Dabei nimmt „Sie sind verdammt“ bereits 1963 Bilder und Themen auf, die sich bei Stanley Kubrick in seinen später entstandenen Meisterwerken „Dr. Seltsam“ und „Uhrwerk Orange“ wiederfinden. Zumindest hallen einem diese beiden Film im Kopf wieder, sobald „Sie sind verdammt“ zu Ende ist.

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Inszeniert wurde „Sie sind verdammt“ von Joseph Losey, einem der interessantesten amerikanischen Regisseure, dem heute leider nicht der Platz in der Filmgeschichte eingeräumt wird, der ihm zusteht. Sein „Der Junge mit den grünen Haaren“ hat mich als Kind nachhaltig verstört, „Im Visier des Falken“ dann als Heranwachsender. Werke wie „Der Mittler“ oder „Monsieur Klein“ begeisterten noch heute die Kritiker. „Sie sind verdammt“ gehört in die zweiten Phase seines Werkes. Als er der USA den Rücken kehrt musste, da er wegen kommunistischer Sympathien unter den Bann der Behörden geraten war und in Europa sein Glück suchte (und fand). Unterstützt wird er durch die fantastische Kameraarbeit von Arthur Grant (der bei zahlreichen Hammer-Fan-Favoriten der zweiten Reihe die Kamera führte), dem grandiosen Set-Design von Don Mingaye (wie Grant ein Hammer-Veteran), der grandiosen und sehr stimmungsvollen Musik von Hamer-Stammkomponist James Bernard und natürlich von den Darstellern. Zwar ist es etwas unwahrscheinlich, dass eine junge, sehr attraktive Dame in einen älteren, langweilig wirkenden Herrn verliebt und dessen machohaft-ruppigen Annäherungsversuchen spontan erliegt. Aber andererseits ist der Amerikaner Simon Wells für die junge Joan mehr ein Ausweg aus der Umklammerung ihres Bruders, als eine echte Liebesaffäre. Das ambivalent-ungesunde Verhältnis zwischen Joan und King wurde von Losey zunächst deutlicher betont, dann aber von den Produzenten etwas entschärft. Aber man muss mit Blindheit geschlagen sein, um es nicht in jeder Szene, die beide zusammen haben, zu erkennen.

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Der blutjunge Oliver Reed dominiert den Film zunächst. Sein elegant gekleideter King, der zu dem rockigen Swing des großartigen Songs „Black Leather“ arglose Touristen zusammenschlägt, erinnert stark an den Alex aus „Uhrwerk Orange“ und Reed wäre 1961 sicherlich eine Traumbesetzung für den einerseits dandyhaften, andererseits brutal-grobschlächtigen Gewalt-Junkie gewesen. Umso bewundernswerter die Wandlung, wenn Reed aufgrund der sich langsam entwickelnden Ereignisse die Kontrolle verliert und zunehmend verwirrter und hilfloser einer Welt gegenübersteht, die um einiges brutaler agiert als er und dabei mit emotionsloser Kälte vorgeht. Ebenso zwiespältig wird der eigentliche Antagonist vorgestellt. Der von Alexander Knox brillant gespielte Bernard würde sich selber sicherlich nie als Schurke in diesem Stück sehen. Im Gegenteil, ist er felsenfest davon überzeugt, dessen Held zu sein. Derjenige, der tut, was getan werden muss. Derjenige, der am Ende unter großen persönlichen Opfern die Menschheit rettet. Bernard ist der perfekte Nazi. Menschenverachtend, dass einem übel dabei wird, aber selber felsenfest davon überzeugt, das Gute zu repräsentieren. So schwankt Knox‘ Darstellung dann auch zwischen gütiger Onkel und eiskalter Technokrat, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht.

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Gedreht wurde „Sie sind verdammt“ bereits 1961. In die Kinos kam er aber erst 1963. In Deutschland erlebte er seine Premiere sogar erst am 23.9.1973 in der ARD. Nicht auf der großen Leinwand – wo er hingehört – sondern im Fernsehen. Der Grund dafür ist offensichtlich. Ein solch nihilistisches Werk, dessen Ende einem noch lange das Gefühl gibt, gehörig zwischen die Beine getreten worden zu sein, war seiner Zeit weit voraus. Ein Film, der einem jede Hoffnung raubt und die Tränen in die Augen treibt ist auch keiner, der ins Portfolio der Hammer Studios passt. Wo am Ende das Monster doch immer besiegt wieder wurde – auch wenn es im nächsten Film wieder auferstand. „Sie sind verdammt“ ist dazu die Antithese. Das Monster hat gesiegt, alle Hoffnung ist dahin. Was bleibt sind die verzweifelten Schreie der Kinder.

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„Sie sind verdammt“ ist ein beinahe vergessenes Meisterwerk, welches seiner Zeit voraus ist und den Zuschauer nachhaltig verstört. Grandiose Darsteller, eine wunderschöne Bildgestaltung und eine fantastische Ausstattung sind das i-Tüpfelchen auf einer lange nachhaltigen Parabel über Gewalt in all seinen Ausprägungen und den ganz normalen Faschismus.

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Der Film erlebt bei Explosive Media seine Heimkino-Premiere. Zuvor war er noch nicht einmal auf VHS – zumindest lässt sich darüber nichts finden – erhältlich. Umso schöner, dass sich die DVD bildtechnisch wirklich sehen lassen kann. Das schöne, schwarz-weiße Breitwand-Bild lässt wenig zu wünschen übrig. Neben der Originaltonspur liegt auch die alte TV-Synchronisation vor. Auf Letztere muss man auch als O-Ton-Hörer ab und zu zurückgreifen, denn es gibt leider keine Untertitel und der englische Slang ist an einigen Stellen etwas schwer verständlich. Auch gibt es bis auf einen Trailer keinerlei Extras, was in diesem Falle ganz besonders schade ist. Aber man muss froh sein, dass diese kleine Juwel endlich in Deutschland verfügbar ist.

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Blu-ray-Rezension: „Love Exposure“

loveexposureAls Yus (Takahiro Nishijima) geliebte und tiefgläubige Mutter stirbt, gibt sie dem Jungen eine Marienfigur und prophezeit ihm, dass er irgendwann seine eigene Maria finden wird. In seiner Trauer wird Yus Vater Tetsu (Atsuro Watabe) katholischer Pfarrer. Doch eines Tages kommt die durchgeknallte Kaori (Makiko Watanabe) in seine Kirche und Tetsu beginnt eine heimliche Affäre mit ihr. Als sie ihn verlässt, nimmt Tetsu fanatische Züge an, und er zwingt Yu täglich, seine Sünden zu beichten. Da Yu aber ein sehr braver und gutmütiger Junge ist, hat er keine Sünden zu beichten. Um seinen Vater trotzdem zu gefallen, denkt er sich Sünden aus, was dem Vater aber sofort auffällt. Also beginnt Yu echte Sünden zu begehen, damit sein Vater ihm die Beichte abnehmen kann. Er wird ein Unterhöschen-Fotograf und bald schon Star der Pornoproduktion Bukkake-Productions. Als er eines Tages gegen seine Kollegen und Freunde eine Wette verliert, muss er als Manga/Filmheldin „Sasori“ verkleidet durch die Straßen laufen. Dabei begegnet er Yoko (Hikari Mitsushima), von der er sofort überzeugt ist, dass sie seine Maria ist. Dummerweise ist diese gerade in einen Straßenkampf verwickelt, hasst Männer und stellt sich zu allem Überfluss noch als Kaoris Pflegetochter heraus. Außerdem ist noch eine geheimnisvolle Sekte hinter ihm her, Yoko verliebt sich in „Sasori“ und glaubt sie wäre lesbisch, und dann mischt sich noch eine diabolische Abgesandte der Sekte (Sakura Ando) permanent in sein Leben ein und macht Yoko schöne Augen…

Willkommen in der wilden Welt des Sion Sono. Neben Takeshi Miike und – mit Abstrichen – Takashi Kintano, zählt der 1961 geborene Sono nicht nur zu den bekanntesten, sondern auch unberechenbarsten Filmemachern Japans. Gerade mit Miike verbindet ihn auf den ersten Blick viel. So sind auch Sonos Filme ein Konglomerat an Themen, Stilen und Genres, die wild durcheinander geworfen und gerne auch auf die Spitze oder gar darüber getrieben werden. Doch im Gegensatz zu Miike, der auch gerne mal einen höchst kommerziellen Auftrag annimmt und dabei, wenn es sein muss, seine Exzesse auch einmal unter Kontrolle halten kann, scheint Sono in seinen Werken keinerlei Maß zu kennen. Insbesondere gilt dies für sein Mammutwerk „Love Exposure“, welches einem geschlagene vier Stunden die wildesten Bilder, Wendungen und Fantasien um die Ohren schlägt, ohne dabei auch nur einmal langweilig zu werden. Was insbesondere daran liegt, dass Sono trotz all des Wahnsinns seine Figuren ernst nimmt und man seine Liebe zu ihnen spürt. Diese Liebe, aber auch die Liebe an sich, bildet den roten Faden, an dem man sich durch den scheinbaren Irrsinn der Geschichte hangelt. Sonos Geschichte spiegelt zwar vor, in unserer Welt zu spielen, doch in Wirklichkeit bildet sie bizarres Parallel-Universum, in welchem man sich aber trotz der merkwürdigen Dinge, die hier geschehen, durchaus heimisch fühlt.

Alles an „Love Exposure“ ist Exzess. Sono lässt auch gerne mal 30 Minuten lang Ravels Bolereo im Hintergrund laufen und trotz dieser Dauerbeschallung fängt das Herz an zu klopfen, wenn der der Bolero dann plötzlich anschwillt, lauter und immer schneller wird, um orgiastisch aus den Bildern heraus zu brechen. Oder nimmt minutenlang nur das Gesicht seiner Hauptdarstellerin Hikari Mitsushima auf, die voller Leidenschaft und Verzweiflung ersten Brief an die Korinther rezitiert und am Ende unter Tränen förmlich aus sicher heraus schreit. Darunter lässt er den 2. Satz aus Beethovens 7. Symphonie laufen, was die ganze Szene noch einmal auf ganz eigene, aufwühlende Ebene hebt. Da spritzt das Blut in meterhohen Fontänen, nimmt der Held Yu, gespielt vom androgynen Takahiro Nashijima, unzähligen Perversen die Beichte ab. Und es wird die Kunst des „Unterhöschen-Fotografierens“ im Stile eines asiatischen Martial-Arts-Film inszeniert, was einem mit halsbrecherischer Eleganz den Atmen stocken lässt. Doch trotz all der zahlreichen und absurden Handlungssträngen, dem Wahnsinn, den postmodernen Spielereien und den immer wieder auftauchenden infantilen Albernheiten hat „Love Exposure“ einen starken roten Faden, der dieses Kaleidoskop zusammenhält: Die Liebe.

Yu und Yoko sind füreinander bestimmt, doch es dauert lange, bis sie zueinander finden. Die ganze erste Stunde des Films steuert auf dem Ereignis ihres ersten Treffens zu. Immer wieder wird diese durch Hinweise, dass etwas Großes bald bevor steht, unterbrochen. Und wenn dann endlich Yu auf Yoko trifft, erscheint auch nach einer geschlagenen Stunde der Titel des Filmes aus der Leinwand. Sono inszeniert dieses Urknall der Liebe in einem aufsehenerregenden Straßenkampf. In Zeitlupe und unter den finalen Schlägen des Boleros treffen sich Yus und Yokos Blicke. Das ist dann ganz großes Kino. Danach lässt Sono den Film urplötzlich in eine romantische Liebeskomödie kippen, nur um sich dann wieder der Lustfeindlichkeit katholischen Kirche, sexuellen Perversionen und bösartigem Sektenwahnsinn zu widmen. Niemals steht man bei Sono auf sicherem Boden. Immer wieder einem dieser mit Karacho unter den Füssen weggezogen. Das einzige, dem man sich sicher sein kann, ist Yus Liebe zu Yoko. Wenn dann nach 237 Minuten das letzte Bild dieses Mammutwerkes erscheint, hätte man sich gerne noch weiter in Sonos zügellosen Welt der „Perversen“, des Tabubruchs, der popkulturellen Zitate, des Pathos und der wahren Liebe gesuhlt.

Das Bild der bei REM erschienen Blu-ray ist gut. Der Film selber wurde auf HD-Video gefilmt und anschließend so bearbeitet, dass es etwas mehr nach „echtem“ Film aussieht. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Der Ton liegt lediglich im O-Ton mit deutschen Untertiteln vor, was aber zu verschmerzen ist, da gerade japanische Filme in den zumeist eher steril wirkenden Synchronisationen sehr viel von ihrer Identität. Neben einem sehr schönen, wie eine Zeitung aufgemachen Booklet, gibt es auf der Blu-ray noch 22 Minuten „Deleted Scenes“ zu schauen, sowie eine informatives fast halbstündiges Making-Of, in dem noch mehr im Film nicht verwendete Szenen zu sehen sind, so dass man insgesamt auch einen guten Eindruck davon bekommt, wie die ursprüngliche, noch weitaus längere Fassung ausgesehen hat, sowie warum und wie die auf 4 Stunden „verkürzte“ Version entstand.

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Das Bloggen der Anderen (19-10-15)

bartonfink_type2– Noch einmal das Filmfest Hamburg. Sonja Hartl fasst auf B-Roll noch einmal ihre Eindrücke zusammen, während Till Kadritzke den zweiten Teil seines Sehtagebuchs auf critic.de veröffentlicht. Rainer Kienböck und Patrick Holzapfel beenden auf Jugend ohne Film ihre Berichterstattung.

– Am 12. Oktober 2015 starb Joan Leslie im Alter von 90 Jahren in Los Angeles. Der Kinogänger widmet ihr einen Nachruf. Zudem gibt es auch wieder das Neuste aus Hollywood.

– Lobenswert: Alex Matzkeit geht auf real virtuality unter der Rubrik “Nachhaltigkeit” zurück zu seinen Blogeinträgen der letzten Monate und verweist auf interessante Entwicklungen in den angerissenen Themen. Außerdem kündigt er an, sich demnächst mit “Fantheorien” zu beschäftigen.

– Über eben diese „Fantheorien“ schreibt in dieser Woche auch Lucas Barwenczik auf B-Roll. Außerdem hat Andreas Köhnemann den französischen Filmemacher Olivier Assayas interviewt.

– Letztes Mal war hier von einem neuen Gamera-Film zu lesen. Diesmal soll der US-Godzilla laut Filmherum 2020 gegen King Kong antreten. Ja, gefällt mir.

– Sven Safarow weist auf Safarow schreibt auf das toll tönende KARACHO-1.-Festival-des-Actionfilms in Nürnberg hin. Wenn Nürnberg doch nicht so weit weg wäre…

– „Dead of Night“ von Bob Clark ist ein kleiner Lieblingsfilm von mir und es ist viel zu lange her, dass ich den gesehen habe. Ich hatte auch gar nicht mitbekommen, dass Bob Clark – der neben tollen Genrefilmen auch für „Porky’s“ verantwortlich war – in der zwsichenzeit unter tragischen Umständen ums Leben gekommen ist. Nachträglich RIP.  Auch Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte zeigt sich von dem auch als „Deathdream“ bekannten Film begeistert.

– Wo wir gerade bei Lieblingsfilmen sind: Mauritia Mayer hat sich für ihren Blog Schattenlichter Michaele Soavis wunderschönen „Dellamorte Dellamore“ vorgenommen.

– Simon Kyprianou schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte über „Autumn Blood“. Mit seiner Einordnung des Filmes als „Horror-Thriller“ habe ich so meine Probleme. Ich sehe ihn eher als Western und fand ihn letztendlich auch deutlich besser als Simon. Nachzulesen hier.

Die drei Muscheln über den Fabrice Du Welz-Doppelschlag „Colt 45“ und „Alléluja“. Beide können Rezensent stu leider nicht gänzlich überzeugen.

– Ganz anders sieht das Michael Schleeh auf Hard Sensations. Zumindest für „Alléluja“, den er hier mit großer Leidenschaft empfiehlt. Schön zu lesen und macht mich definitiv sehr neugierig auf den Film.

Cereality hat in den letzten Wochen die Filme des Hans W. Geissendörfer vorgestellt und fasst diese Retro noch einmal kompakt zusammen.

– Oliver Armknecht stellt auf film-rezensionen.de wieder einmal einen Animee vor und zwar „Last Exile“, der ihm gut gefiel. Weniger gut gefiel ihm der deutsche Splatter-Film „Caedes – Die Lichtung des Todes“.

Sehr interessant klingt der Dokumentarfilm „Chuck Norris und der Kommunismus“ über die wilde Art und Weise, wie früher Hollywood-Action nach Rumänien geschmuggelt wurde und dort so etwas wie ein Untergrund-Netzwerk für US-Filme entstand. Ronny Dombrowski  stellt ihn auf cinetastic vor. Der neue Woody Allen wird allerdings von ihm – trotz einer 6/10-Bewertung – ziemlich verrissen. Leider.

– Umgekehrt ist es bei schlombie von Schlombies Filmbesprechungen. Der gibt dem tschechischen Film „Der Rattengott“ (der auch auf meiner Einkaufsliste steht)  „nur“ 3/5, zeigt sich in seiner Besprechung durchaus fasziniert.

– Oliver Nöding von Remember It For Later besucht die die „Wall Street“ mit positivem Ergebnis. Ebenso erfreulich verlief die Begegnung mit dem „Midnight Cowoby“ und auch der Herr Schimansky aus „Zahn um Zahn“ entpuppte sich als angenehmer Zeitgenosse.

– YP und PD von Film im Dialog unterhalten sich diesmal über den Film „White God“ des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó.

– Udo Rotenberg von L’amore in cittá hat wieder einen Film von Steno im Gepäck:“ Le avventure di Giacomo Casanova „ alias „Casanova – seine Liebe und Abenteuer“, der für Udo ein frühes Beispiel für die sich erst sehr viel später herausbildende „“Commedia sexy all’italiana“ ist. Interessant.

– Rainer Kienböck schreibt auf Jugend ohne Film über Claude Lanzman und „Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures“.

– Lukas Foerster auf Dirty Laundry über „Navy Wife“, Allan Dwan und Einstellungen. Perfekt illustriert.

Wunderbare Bilder vom direkten Blick in die Kamera hat Rainer Knepperges auf new filmkritik gesammelt.

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Filmbuch-Rezension: „Film-Konzepte 38: Dominik Graf“

grafbuchEin Buch über Domink Graf und sein Werk ist in der deutschen Filmbuchlandschaft mehr als überfällig. Einen ersten Schritt in diese Richtung macht das, bei der edition text+kritik erschienene und von Jörn Glasenapp herausgegebene, Werk „Film-Konzepte 39: Dominik Graf“. Dieses beschränkt sich allerdings auf die TV-Arbeiten des Filmemachers, welche „einer kontextsensitiven film- und fernsehwissenschaftlichen Sichtung unterzogen werden“.

Den Kinoarbeiten sind Grafs Fernseharbeiten auch anzahlmäßig weit überlegen. Nach dem desaströsen Flop von „Die Sieger“ wandte sich Graf konsequent dem TV-Format zu, in dem einige seiner Hauptarbeiten entstanden, und welches er konsequent nutzte, um seine Themen in einer größtmöglichen Freiheit in Bilder umzusetzen. Tatsächlich sind Grafs TV-Arbeiten in vielerlei Hinsicht mehr Kino, als die für die große Leinwand bestimmten Werke seiner Kollegen. Und oftmals gibt es auch Schnittpunkte zwischen seiner TV-Arbeit und seinen Kinofilmen, was im vorliegenden Buch auch genauer beleuchtet wird. So findet Felix Lenz in den Graf-Episoden der TV-Serie „Der Fahnder“, nebenbei bemerkt eine der großartigsten deutschen Krimiserien – zumindest solange Klaus Wenneman den Fahnder Faber gab –, die Bausteine und Skizzen zu Grafs späteren Werken. Beispielsweise bildet die Folge „Bis ans Ende der Nacht“ die Blaupause zu seinem späteren Kinofilm „Die Sieger“.

Judith Ellenbürger beschäftigt sich mit der Körperlichkeit des Gelds in Grafs Werk. „Hotte im Paradies“ steht im Zentrum von Jörn Glasenapps Essay über die Verweigerung der Figuren dieses TV-Films. Kathrin Rothemund erklärt anhand der Mini-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ den Begriff der Serialität. Lisa Gotto, Florian Lehmann und Oliver Fahle nehmen sich einer eher unbekannteren, von Graf-Kennern aber umso mehr geschätzten, Seite des Filmemachers an: Dem Essay-Film. Namentlich „Das Wispern im Berg der Dinge“ über Grafs Vater, den Schauspieler Robert Graf, „München – Geheimnisse einer Stadt, den Graf zusammen mit dem Filmkritiker Michael Althen realisierte und „Es werde Stadt“ über 50 Jahre Grimme-Preis in Marl. Dieser letzte Artikel ist von den dreien von daher der interessanteste, da er sich auch mit der Fernsehgeschichte an sich befasst. Das Prunkstück des Buches ist aber eine Schrift von Dominik Graf selber, die sich „Logbucheintrag Dezember 2014“ nennt, und in der er in einen wunderbaren Stil, den er schon in dem höchst empfehlenswerten Buch „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ pflegte, über seine Gedanken und Projekte in eben jenem Dezember schreibt.

Wer sich in das Werk Dominik Grafs einlesen möchte, für den ist dieses Buch sicherlich nicht unbedingt geeignet. Zu speziell sind die Themen, die hier abgehandelt werden. Auch fehlen – dem Konzept des Bandes geschuldet – jegliche biographischen Informationen. Vielmehr ist „Dominik Graf“ ein Buch mit einem streng wissenschaftlichen Ansatz, welches Aspekte des Graf’schen Oeuvres zerlegt und in einen neuen Kontext bringt. Dabei herrscht selbstverständlich der wissenschaftliche Jargon vor, schließlich entstanden die Texte im Rahmen eines Kolloquiums, welches an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stattfand und den Titel „Avantgarde in Serie“ trug. Dies macht die Lektüre für fachfremde Einsteiger recht herausfordernd. Man sollte also zumindest schon einmal in kulturwissenschaftliche Bücher hineingeschnuppert haben, um zu wissen, worauf man sich hier einlässt.

Jörn Glasenapp (Hg.) : Film-Konzepte 38: Dominik Graf, edition text + kritik, 116 Seiten, Euro 20.00

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